Verzeihen ja – Vergessen nein

 

 

Vorwort:

Als Peter Stein wach wird, stellt er fest dass seine Partnerin Caroline Miles verschwunden ist.

Während Peter rätselt, wo Caroline sich aufhält, muss diese um ihr Leben kämpfen, denn sie wurde von einem skrupellosen Organhändler entführt, der nicht nur mit Organen handelt.

Peter und seine Freunde die nach Sibirien aufbrechen, um Caroline aus den Fängen des Verbrechers zu retten, müssen gleich gegen mehrere Feinde Kämpfen, denn Caroline muss, als lebender Köder, bei Safaris dienen.

Als ob dieses nicht schon schlimm genug wäre, hängt von Carolines Erfolg nicht nur ihr eigenes Überleben ab.

 

Peter Stein u. Caroline Miles, Die beiden Helden der Geschichte.
Frank Brauer,  Chef der beiden
Jessica Dafore,  Peter Steins rechte Hand
Benjamin Levi,  ehemals Mossad, Jessikas große Liebe
Randy Kaufmann,  Nerd, Computer Ass und Frauenheld
Wolfgang Decker  Chef der Wachtruppe mit Kampferfahrung
Johann und Bernd starke Hände und gute Freunde
Hannes Meier ein Hüne mit Verstand
Sarah und Vera zwei untrennbare Mädchen
Bernd Schubert Ein Mann mit Flugbenzin im Blut
Fransiska Haufberger Starreporterin der ACP
Mike, Nr1 und Dave, Nr2 zwei „ehemalige“ CIA Leute
Dagan Mayr Ein Wohltäter aus der Ferne
Colonel Lem Dagans rechte Hand
Major Meresch Kommandoführer und Technik Genie
Aleski Chef eines Verbrechersyndikates
Ivan Aleskis rechte Hand
Youssef Truppenführer der Söldner
General Soywilltsch Russische Armee und Pilot
Colonel Norman Kresser US Airforce
General Willers Arzt der US Armee

 

Zu Hause

 

Hätte ich eine Waffe gehabt, wäre der Wecker einen schrecklichen Tod gestorben, so bekam er nur einen Schlag und er fiel vom Nachttisch.
OHHH, mit dem Erwachen, kamen der Schmerz und die Erinnerung, warum ich Schmerzen hatte. Was war das für eine Nacht gewesen! Ich wollte gestern Abend Caroline nicht einfach durchvögeln, ich wollte sie dominieren, sie fesseln und als meine Sklavin unter mir liegen haben, ihr zeigen, wer der Meister ist und sie mit Spielzeug und Peitschen verwöhnen.
Aber Caroline ist ein Alphaweibchen, das sich nicht so einfach fesseln und ficken lässt. Wenn ich sie fesseln wollte, dann musste ich sie auch „besiegen“. Erfahrungsgemäß endet so etwas in einem heftigen Nahkampf, bei dem ich nicht immer gewann. O nein, ich musste auch schon bittere Niederlagen einstecken, welche denen des Nibelungenkönigs Gunther in seiner Hochzeitsnacht mit Kriemhild in nichts nachstanden.
Gestern Abend aber konnte ich sie besiegen und schaffte es, Caroline Hand und Fußschellen anzulegen. Bis dahin hatte ich schon diverse Verletzungen erlitten, aber ich blieb hart und wurde belohnt. Die Nacht war einmalig.
Ich lag noch halb im Schlaf und schwelgte in meiner Erinnerung, als ich bemerkte, dass etwas nicht stimmte. Es fehlte Carolines nackte und warme Haut, die sich an mich schmiegte.
Ich drehte mich um und öffnete die Augen. Tatsächlich, der Platz neben mir war leer.
– HHHMMM, meine Sklavin bereitet ihrem Meister Kaffee. Ich drehte mich nochmal um und schloss die Augen wieder.
Aber Moment, es roch überhaupt nicht nach Kaffee! Auch die Dusche rauschte nicht, kein Föhn dröhnte und überhaupt war es verdammt still in unserer kleinen Dienstwohnung.
Die lag am Ende „unseres“ Traktes im Gefängnis in dem Caroline und ich arbeiteten. Abgesehen davon, dass wir uns das Geld für die horrenden Mieten sparten, lebten wir gerne in unsrer kleinen Wohnung. Sie war genau wie der Rest des Gefängnisses neu renoviert und ganz modern gestaltet. Nur einige unserer Lieblingsmöbelstücke hatten das überlebt. Aber, das war das Wichtigste, es war unser kleines Nest, der Platz, an dem wir tun und lassen konnten, was wir wollten und das nur 100 Meter vom Büro entfernt.
Allem Anschein nach, war ich allein. Ich schlug die Decke zurück und stand auf.
Seltsam, die Fesseln, die ich Caroline gestern Nacht zum Schlafen angelegt hatte, lagen nicht wie sonst üblich auf dem Bett oder auf dem Boden. Caroline war im Ablegen von Fesseln durch ihre Ausbildung beim Mossad und den Spezial-Forces bestens trainiert. Auch wenn ich es schaffte zu fesseln, mir war bewusst, ich konnte es nur, weil sie es wollte.

– Sie wird wahrscheinlich einen wichtigen Termin haben. – Auch wenn sie offiziell nicht mehr für unser gemeinsames „Onkelchen“ arbeitete, traf sie sich ab und an immer noch mit ihm, oder einer seiner Kontaktleute, aber dann, hing zumindest ein Zettel am Kühlschrank mit, „komme später“ oder „Guten Morgen, bis nachher“.
Aber da hing nichts…
Naja, erst mal Kaffee!

Stirnrunzelnd sah ich die Kleider auf dem Sessel liegen, die sich Caroline extra für die heutige Anhörung im Ministerium herausgelegt hatte.
-Wahrscheinlich kommt sie gleich und zieht sich um.-
Nach einer belebenden und schmerzhaften, Dusche ging ich über den Flur, in unser Büro.
„Guten Morgen Jessika.“ Begrüßte ich meine bessere Arbeitshälfte. Das Wort Sekretärin, traf schon ewig nicht mehr zu. Jessika und ich arbeiteten schon ewig zusammen und sie war schon fast zu einer Schwester geworden, die mich noch besser kannte und wusste was ich dachte, als Caroline das konnte.
„Hat Caroline gesagt, wohin sie geht?“ Fragte ich sie.
„Tut mir leid, ich habe sie heute Morgen noch nicht gesehen.“
„Mhh.“

„Wie siehst du denn schon wieder aus? Ich dachte über dieses Stadium, seid ihr schon lange hinaus.“
Damit deutete sie auf den Anfang unserer Beziehung hin, bei dem wir uns tatsächlich gegenseitig die Schädel einschlagen wollten. Auch damals war ich mit Biss und Kratzspuren im Büro erschienen und Jessika musste erst eine halbe Rolle Heftpflaster auf mir verteilen, bevor ich arbeiten konnte.
„Tja, wer auf Panterjagt geht, muss damit rechnen dass der Panter beißt. Und ich fange den Panter von Hand!“

Jessika rollte mit den Augen und drehte sich um.
„Ach ja, denk an die Anhörung!“ Sagte sie und ging grinsend wieder zu ihrem Schreibtisch.
Ja, an die hatte ich tatsächlich gedacht. Eigentlich wollte ich dort mit Caroline zusammen hingehen. Ich warf einen Blick auf den Terminkalender. Ich hatte heute keine Termine, Caroline heute Nachmittag zwei, also würde ich sie ja spätestens heute Abend wiedersehen.

**

Sichtlich genervt übergab Sarah ihre Papiere dem Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses.
Der saß mit vier anderen Richtern und zwei Leien da und nahm die Papiere entgegen.

Zwei Jahre, nach der „Schlacht um Fransiskas Hütte“, hatte der Untersuchungsausschuss seine Arbeit aufgenommen. Eine Menge tote Söldner, ein entführter Generalstaatsanwalt und eine gefolterte, in der Öffentlichkeit bekannte, Spitzen-Journalistin schrien nach Aufklärung und jetzt sechs Monate später, stand das Ergebnis so gut wie fest.

Generalstaatsanwalt Trommer, war von Söldnern entführt worden, weil seine Partnerin die als Journalistin in dieser Sache ermittelte und er, so zwischen die Fronten geriet. Die Söldner waren alle umgekommen und konnten nicht mehr befragt werden.
Einzig, Generalstaatsanwalt Trommer und Fransiska Haufberger, seine damalige Partnerin konnten die Geschehnisse von ihrer Sicht aus schildern.

Fransiska, die das Geheimnis von Sarah mittlerweile kannte, schwieg eisern dazu und einzig Trommer beharrte darauf, dass Sarah nicht Sarah war, sondern die zum Tode verurteilte Beate Fischer.
Trommer, der durch den Aufenthalt in der Nervenklinik wieder selbstsicherer geworden war, hatte noch genug Freunde und Beziehungen, um den Ausschuss dazu zu bringen, sich seine Geschichte anzuhören.
Die Söldner waren tot und konnten nicht mehr erzählen, dass Trommer sie selbst angeheuert hatte. Vor dem großen Finale hatten die Söldner in seinem Auftrag mehrere ehemalige Insassen des Gefängnisses entführt und getötet, um etwas über Sarah herauszufinden.
Trommer wusste, dass wir ihm nichts nachweisen konnten, das machte ihn wieder gefährlich. Doch auch wir blieben nicht einfach still sitzen.

Unsere Darstellung war plausibler als seine.
Fransiska wurde entführt, da sie in dieser Sache nachforschte. Ihre beste Freundin war während der Ermittlungen von den Söldnern getötet worden und sie übernahm die Ermittlungen selbst. Das brachte sie in die Schusslinie und sie wurde zusammen mit ihrem Freund dem damaligen Generalstaatsanwalt Trommer, entführt. Gerettet wurden die beiden von einem Sonderkommando, bestehend aus Freiwilligen unserer Sicherungsabteilung des Gefängnisses, verstärkt durch Freiwillige aus Sarahs Gefängnis.

Dazu kam es, weil diese sich zufällig, zu einer gemeinsamen Übung, in der Nähe befunden hatten. Decker und Helmer, die beiden Teamleiter, waren beide durch ihre ehemalige Tätigkeit, in der Lage diesen Einsatz zu leiten, und handelten auf eigene Faust, als Gefahr in Verzug war.
Zusammen mit Sarah, Caroline und mir, die als Zuschauer der Übung dabei waren, griffen sie die Söldner an und befreiten die Geiseln. Es war sozusagen eine Übung in Echtzeit!
In Folge der Geschehnisse, verlor Generalstaatsanwalt Trommer kurzfristig den Verstand und behauptete seitdem, dass Sarah eine Verurteilte Verbrecherin sei. Das hatte zur Folge, dass er von mehreren Gutachtern für dienstuntauglich erklärt wurde, und verschwand für längere Zeit in der Klinik.
Während wir unser Abenteuer auf Soulebda bestanden, besserte sich Trommers Zustand zusehend und als nach unserer Rückkehr der Untersuchungsausschuss seine Arbeit aufnahm, beschloss Trommer, die Chance, welche der Untersuchungsausschuss bietet, zu nutzen und in die Offensive zu gehen.
Bedrängt von Trommer und seinen Beziehungen blieb dem Vorsitzenden des Ausschusses nichts anderes übrig, als der Frage nachzugehen, wer Sarah wirklich ist.

Da wir durch die Befreiung der Geiseln und besonders durch unseren Kampf auf Soulebda praktisch Heldenstatus hatten, ging man der Frage sehr vorsichtig nach. Erst wurde der Sachverhalt an sich geklärt, und festgestellt, dass unsere Geschichte die wahrscheinlichere war und sie wurde zum offiziellen Geschehnis erklärt.
Dann kam der Tag der Wahrheit und Sarah wurde nach ihren Papieren gefragt und diese übergab sie gerade dem Vorsitzenden.
Sie gab ihm alle Ausweise, Geburtsurkunde, ihre Ausbildungsverträge aus den Staaten, ihre amerikanische Arbeitserlaubnis, den Mietvertrag ihrer New Yorker Wohnung, ihre vorläufigen Ausweis, den sie bei ihrer Rückkehr bekam, da ihre Papiere während des Umzuges verloren gingen und die Originalen, da diese sich später wiederfanden.
Ich saß mit Vera auf den Besucherstühlen und weder sie noch ich machten uns Sorgen darüber, dass die Papiere genauestens geprüft wurden.

Warum wir uns keine Sorgen machten? Die Unterlagen waren alle echt. Mike und unsere Freunde von der CIA hatten alle Unterlagen, welche die USA betrafen, selbst ausgestellt. Die deutschen Papiere waren genau so echt.
Dagans neuste Nichte, Fabienne, hatte sie vor vier Monaten selbst vorbeigebracht. Unsere israelischen Freunde hatten sich alle Mühe gegeben und sich selbst übertroffen.
Mehr als vier Stunden wurden die Papiere von den Experten geprüft, dann wurden wir alle wieder in den Saal gerufen.

„Unsere Gutachter sind alle zum gleichen Ergebnis gekommen. Die Unterlagen und Papiere, von Frau Schlosser, sind zweifelsfrei echt. Die Vorwürfe, die Herr Trommer erhebt …“, das Wort Generalstaatsanwalt, wurde sorgsam vermieden, „… sind falsch und wohl im Zusammenhang mit den Ereignissen seiner Entführung zu bewerteten.“
– Das heißt, du bist durchgeknallt! – dachte ich und konnte mir ein Grinsen, in Trommers Richtung, nicht verkneifen.

„Die Echtheit der Unterlagen, sowie die eidesstattlichen Versicherungen, der Geschehnisse, des Tages, an dem die Verurteilte Beate Fischer starb, lassen keinen anderen Schluss zu.“
So war es. Meine Aussage, das Trommer Beate erschossen hatte, die Aussagen von Jessika und Decker, die Trommer noch mit der Pistole in der Hand gesehen hatten, alle Mitarbeiter des Gefängnisses, die sahen, wie ich Beates Leiche zum Krematorium brachte, bezeugten… Beate Fischer war TOT!
Auch ein DNA-Gutachten konnte keine Klärung bringen, da es weder von Sarah noch von Beate nahe Verwandte gab die noch lebten. Die einzige Möglichkeit, wäre eine Exhumierung der kleinen Ella, Beates ermordeter Tochter, gewesen doch selbst der Ausschuss, den der Minister selbst eingesetzt hatte, wollte dieses ernsthaft in Erwägung ziehen, denn Sarah war eine Hedin die im In und Ausland hoch in Ansehen stand.
Jetzt war es sicher, Sarah Schlosser war Sarah Schlosser. Das war nun amtlich und höchstrichterlich festgestellt!

„Frau Schlosser, hier ihre Unterlagen. Wir entschuldigen uns nochmals für die Unannehmlichkeiten, die sie hatten.“
„Wenn es dazu beigetragen hat, Klarheit in die Geschehnisse zu bringen, habe ich gerne mitgearbeitet. Ich gebe aber zu, dass ich froh bin, dass diese Episode nun endlich vorbei ist.“
„Das ist sie. Hier, ihre Papiere.“ Er übergab Sarah den Umschlag mit den Papieren.
Ich rechnete fest damit, dass Trommer aufspringen und anfangen würde zu toben, doch er blieb kühl und scheinbar emotionslos. Er hörte zu und blickte gerade aus.
„Die Sitzung ist geschlossen.“ Der Richter stand auf und verließ mit seinen Kollegen den Saal.
Vera nahm ihre Sarah in den Arm und küsste sie.
„Herzlichen Glückwunsch meine Liebe. Das müssen wir feiern.“
„Ja, lasst und verschwinden.“

Ohne Trommer eines Blickes zu würdigen, verließen die beiden Hand in Hand den Saal. Auch Trommer schien sein Interesse an Sarah verloren zu haben, denn er blieb einfach sitzen. Als ich hinter den Frauen den Saal verließ blickte ich noch einmal zurück. Trommer saß da und sah mich an. Mir lief es kalt den Rücken herunter. In diesem Blick lagen der pure Hass sowie die Verrücktheit eines Psychopaten.
Als sich sein Anwalt an ihn wandte, verschwand der Hass in den Augen wie auf Kommando und wurde ganz klar. Ich war mir sicher, dass sein Anwalt davon nichts mitbekommen hatte.

– Egal! Ich hab dich einmal fertig gemacht, ich mach dich auch das nächste Mal fertig! –
Sarah und Vera warteten schon auf mich.
„Lass uns Essen gehen. Ich hab schon auf Verdacht einen Tisch im „Schiller“ reserviert. Caroline sagte neulich, dass sie dort am liebsten isst. Wo ist Caroline eigentlich?“
„Unterwegs. Sie hatte wohl einen dringenden Termin. Bei unserer privaten Feier heute Abend wird sie ganz bestimmt dabei sein.“
Das würde ich ihr zumindest raten. Auf den Vierer mit Caroline, Sarah und Vera, freute ich mich schon seit Wochen!

Vier Stunden später verließen wir das „Schiller“ und verabredeten uns für später.
„Bis später, Bösewicht.“ Verabschiedete mich Vera und gab mir einen Kuss, den sich Sarah anschloss.
„Bis nachher, im Hotel.“ Warf mir Sarah eine Kusshand zu.
Ich beschloss die Strecke zum Gefängnis zu Fuß zu gehen und ließ mir Zeit um meine Vorfreude zu steigern. Als ich ankam, fing mich eine aufgebrachte Jessika ab.
„Verdammt, wenn ihr Termine taucht, oder verschiebt, dann sagt mir gefällig Bescheid!“
„Was?“
„Gefangene 32 sitzt seit zwei Stunden in der Wartezelle und Decker bringt 27 gerade in Wartezelle Zwei.“

„Ich hab nichts getauscht oder verschoben! Wo ist Caroline?“
„Keine Ahnung. Sie ist nicht da, deshalb dachte ich, du führst die Hinrichtungen durch.“
Ok das IST seltsam. Caroline war die Zuverlässigkeit in Person! Sie würde niemals einfach eine Hinrichtung platzen lassen, ohne Bescheid zu geben.
Ich griff mein Handy, um nachzuschauen, ob sie sich gemeldet hatte. Nichts…
Zugegeben, Caroline konnte selbst auf sich aufpassen, aber das war mehr als ungewöhnlich.
„Ruf Ben an und frag ihn, ob Caroline einen Termin mit ihrem Onkel hatte.“ Bat ich Jessika.
Benjamin Levi, Jessikas große Liebe, hatte für den israelischen Geheimdienst gearbeitet und hatte für Jessika den aktiven Dienst aufgegeben und arbeitete jetzt nur noch als „Berater“. Dennoch hatte er als einer der wenigen Menschen dieser Welt Dagans private Nummer.
„Mach ich sofort.“ Sagte sie, als sie meine Sorgenfalten im Gesicht sah.
Ich schnappte mir die Akten der Delinquentinnen und schaute nach.
Was für ein Scheiß! Ich hatte es mir zur Angewohnheit gemacht, Delinquenten mit Beruhigungsmittel voll zu pumpen um es ihnen so leicht wie möglich zu machen, zumindest so weit, dass es niemand bemerkte. Caroline hatte diese Arbeitsweise von mir übernommen und Frank drückte die Augen zu, solange es keinen Ärger gab.
Jetzt saß die Kammer schon voller Zuschauer und ich hatte keine Zeit mehr einen Drogencocktail anzusetzen!

**

„Hast du etwas von Ben gehört?“ fragte ich Jessika.
„Benjamin sagt, das Dagan nichts von einem Treffen weiß.“
Zum hundertsten Mal wählte ich Carolines Nummer.
„Der Teilnehmer ist zurzeit nicht zu erreichen.“ Erklang es genau wie bei allen anderen Versuchen.
Ich fragte bei Frank nach, doch auch der wusste nichts von einem Termin oder Carolines Verbleib.
OK, einen Versuch gab es noch. Ich lief zu Randy, unserem Computergenie.
„Hallo Bad-Man, wieder auf cooler Mission? Wie ist die Anhörung ausgegangen?“
„Mit Sarah ist alles klar, aber Caroline ist verschwunden. Kannst du ihr Handy orten?“
„Kann ein Fisch schwimmen?“

Er schloss alle anderen Programme auf seinem Rechner und schon Sekunden später hämmerte er auf die Tasten und eine Karte erschien.
Er gab Carolines Nummer ein und sofort erschien ein Punkt auf der Karte, der Carolines Aufenthalt anzeigte.
„VERDAMMT!!!“ Der Aufenthaltsort war in unserer Wohnung. Ich lief hinein und wie erwartet war die Wohnung leer, nur unter dem Bett lag Carolines Handy.
„Lass uns mal die Überwachungskameras checken.“ Schlug Randy vor.
Wir gingen in den Serverraum und Randy setzte sich an die Monitore. Er gab Datum und Kamera ein und schon erschien unsere Wohnungstür auf dem Bildschirm.
„Wann seit ihr ins Bett?“ fragte Randy.
„Gegen halb zwei.“
Wieder gab Randy etwas ein und die eingegebene Uhrzeit erschien.
Er ließ die Daten schneller laufen, bis ich ihn stoppte.
„Halt!“

Er ließ die Bilder zurücklaufen und dann langsam wieder vorwärts.
Zwei Wachleute, ein Mann und eine Frau, wobei ich mir sicher war, dass der Mann Hannes war, gingen an der Tür vorbei und waren kaum aus dem Erfassungsbereich, als die Tür aufging und Caroline heraustrat. Sie trug normale Kleidung ohne Handtasche oder Ähnliches.
Ich schaute auf die Uhrzeit. 04Uhr35.
„Hannes muss sie noch gesehen haben, vielleicht hat sie ihm etwas gesagt.“ Meinte ich.
„Das glaube ich kaum!“
„Wieso?“ Hannes war bei all unseren letzten Abenteuern dabei und ein sehr guter Freund geworden. Caroline würde nicht einfach grußlos an ihm vorbei gehen.
„Hannes sitzt seit drei Tagen am Ballermann und reißt Weiber in der Schinkenstraße auf.“
„Dann hast du das falsche Datum eingegeben.“
Randy schaute mich nur an und ich schaute wieder auf den Monitor. Nein, das Datum stimmte.
Ich griff zum Telefon und rief Frank und Decker an. Die kamen sofort und waren genauso sprachlos.
„Kannst du Hannes Handy orten? Vielleicht hat er den Urlaub abgebrochen oder verschoben.“ Fragte Frank.

„Das braucht er nicht.“ Warf Decker ein.
Als wir ihn alle ansahen, erklärte er es uns.
„Die Frau ist Verena Scherer. Sie ist seit drei Monaten in Elternzeit.“
„Stell fest, wann die beiden zum letzten Mal gemeinsam Nachtdienst zusammen hatten.“
Randy tippte etwas ein und stöhnte auf.
„Am 16 Februar.“
„Was“, fragte Frank, „das war vor über acht Monaten!“
„Leute, hier läuft eine ganz schräge Nummer.“
„Das kannst du laut sagen.“ Meinte ich.
„Ihr versteht nicht! Wir haben unsere Daten drei Monate auf dem Server, dann geben wir sie ab, an die zentrale Sammelstelle. Wer immer diese Daten eingespeist hat, er hat Zugriff auf das gesamte Archiv.“
„Da kommt noch was oder?“, fragte Frank
„Ja“, Randy rief das Bild wieder auf, „die Kamera zeigt Hannes, Verena und Caroline angeblich gestern Nacht um 04:35 Uhr.
Seht euch den Flur an! Alles ist neu renoviert. Vor acht Monaten war das hier eine Baustelle! Wer immer das getan hat, er ist ein absoluter Profi was Computersoftware, Bildbearbeitung usw. angeht. Hätte Hannes nicht gerade Urlaub, wäre das niemals aufgefallen! Das war kein Amateur.“

**

Jetzt war klar, dass hier etwas geschehen war. Aber was?
Ich hatte die Nacht über neben Caroline gelegen und das an einem der am besten bewachten Orten der Republik. In der Wohnung schaute ich in die Spielkiste, und sah, dass die Fesseln, die ich Caroline gestern Abend angelegt hatte, nicht da waren. Caroline würde sie kaum mitnehmen oder tragen, wenn sie die Wohnung verließ.
Irgendetwas war geschehen und ich hatte keine Ahnung was!
Da man als Justizbeamter nicht unbedingt viele Freunde, aber jede Menge Feinde hatte, begann die Polizei sofort tätig zu werden.
Auch Dagan, von Ben alarmiert, schickte alle Leute los die er hatte, um etwas in Erfahrung zu bringen, doch auch Stunden später, blieb Caroline verschwunden und ich sah immer wieder den hasserfüllten Blick, den mir Trommer zugeworfen hatte.

**

IRGENDWO

Schmerzen durchlaufen meine Sinne und überall scheint es zu blitzen.
Ich fühle, dass ich mich nicht bewegen kann, versuche auch nicht, an meinen Gelenken zu zerren. Erst orientieren, haben sie uns immer eingetrichtert. Ehe du zu erkennen gibst, dass du wach bist, orientiere dich und sammle Fakten.
Verdammt, einiges ist so tief in dir drinnen, das bekommst du gar nicht mehr aus deinem Kopf raus. Diesmal ist diese Ausbildung für mich aber überlebenswichtig.

Also Orientieren:

Ich sehe nichts, also ist es dunkel oder ich trage etwas über den Augen. Dann liege auch in der waagerechten, kann meine Beine nicht heben und meine Arme auch nicht. Jetzt nur nicht offensichtlich wackeln.

Meine Beine und Arme sind gespreizt, folglich dürfte ich irgendwo wie ein X gefesselt liegen. Ein Zug auf den Gelenken zeigt an, dass ich gefesselt und straff gezogen daliege.
Meine Haut am Rücken registriert metallene Klammern, oder etwas in der Art, vermutlich also ein metallenes Bettgestell, das kann also kein Scherz von Peter mehr sein, das ist ernst.
Meinen Mund kann ich öffnen, ich bin also nicht geknebelt, die Zunge schmeckt etwas fades, leicht öliges, schmeckt wie schlechte Muscheln in Zitronensauce, offenbar die Reste von OD22 oder einem ähnlichen einem Nervengift, das mich ausgeschaltet hatte.

Ein Hauch kühlender Luft auf meiner Haut, ich bin demnach nackt und in einem klimatisierten Raum.
Neben mir ein gepresstes atmen, ich bin nicht allein!
Auf der anderen Seite auch ein schwaches atmen, wir sind also mindestens drei. Trotz der verbundenen Augen registriere ich vier Lichtquellen also starke Deckenbeleuchtungen.
Die Luft schmeckt nicht gut also wurde hier seit langer Zeit nicht mehr gelüftet oder man kann gar nicht lüften. Vermutlich letzteres, also ein Kellerraum.

Orientierung abgeschlossen.

**

Verdammt wo bin ich, wie geht’s weiter, was kommt als Nächstes.
Links hinter mir höre ich eine schwere metallene Tür gehen und dann in ein Schloss fallen, Schritte von mindestens drei Menschen, eine davon eine Frau.
Auch wenn ich sie nicht sehe, fühle ich, dass sie rechts neben mir bei der Person stehen. Geklapper irgendeines Tabletts und Gekritzel, man führt also Buch.
Die Schritte nähern sich mir, die Betten sind knapp drei Meter entfernt, es ist also ein mittelgroßer Raum. Ich spüre den Atem eines Mannes mit Mundgeruch und einem billigen Aftershave. Er betrachtet mich offenbar geil, denn sein Atem geht jetzt schneller.

Sie gehen weiter zu der Person an der linken Seite. Auch da kritzelt man etwas auf Papier. Dann eine Stimme, leise, sachlich klar, unmenschlich kalt, als wären wir nur drei Versuchskaninchen:
„Die da ist gut – mitnehmen und öffnen zum Verwerten!“
„Ahhh Nein!“ Das war also eine Frau, die da lag und sie ist offenbar wach „Nein lasst mich los ihr Penner, lasst mich sofort loooooooooos!“ Das letzte Wort schrie die Frau.

„Abstellen, sofort!“ ruft der Mann der hier das sagen hatte aus etwa drei Meter Entfernung und der Aftershave Mann steht neben mir brummt etwas unverständliches, vermutlich auf russisch.
Ich höre es rascheln und dann würgt der Aftershave Mann sie am Hals. Ich erkenne das Geräusch einer Kehle, die gerade zugedrückt wird. Jammern, Trommeln mit Armen und Beinen hilft nicht, ich höre das schreckliche Geräusch eines zerquetschten Kehlkopfes und dann das gequälte Ausatmen einer soeben gestorbenen Person. Der Aftershave Mann hat die Frau eben brutal und gnadenlos auf Kommando erwürgt. „Mitnehmen und öffnen zum Verwerten und das nächste Mal sorgt ihr für Stille, ich mag keine störenden Spender!“

Schritte, quietschende Reifen, die rollen das Bett raus, zur linken Tür und die Leute gehen rechts raus, es gibt also zwei Zugänge, rechts für Personal links in die – was auch immer – Verwertung, Fabrikation oder so.

Die Türen schließen sich, die Schlösser schließen sich. Stille, aber etwas ist anders, ich bleibe still liegen, etwas ist anders hier, Vorsicht ist geboten. Mit geschlossenen Augen registriere ich, dass noch jemand in dem Raum ist.

Es ist noch jemand hier, ich fühle es ganz genau und meine Nackenhaare stellen sich auf, dieses Zeichen ist untrüglich.
Von den vier Leuchten über mir wird eine verdeckt, es kommt etwas auf mich zu und schaut mich an. Gepflegte Hände betatschen mich, keine groben Hände, eher zarte Finger, über die Brust, runter zur Hüfte über den Nabel, dann verharren sie kurz, die Finger nähern sich meinem Schamhügel…
Jetzt absolut keine Reaktion, nur keinen Fehler machen.

„Krrrrk“ macht ein Lautsprecher irgendwo seitlich in der Wand. „Kommen Sie bitte sofort heraus mein Herr, und die Waren bitte nicht berühren – ja? – Krrrrk“
Ich spüre ein Gesicht über mir, gepflegter Atem, ein teures Aftershave, französisch, teuer, Nichtraucher, der Atem geht gepresst. Offenbar ist der Mann entweder verrückt, krank, hasserfüllt oder einfach nur geil. Auf jeden Fall ist der Unbekannte gefährlich, das fühle ich.
Dann wendet er sich ab, die Leuchten sind wieder vier und ich höre die Türe erneut gehen. Ich spiele mit dem Gedanken die Augen leicht zu öffnen, aber etwas hält mich zurück. Ein kleines Geräusch neben mir.
Die Türe geht und schließt sich. Jetzt sind wir allein. Ich registriere aber neben mir, dass die Person wach ist.

„Hallo?“ Es ist eine junge Frau. „Hallo verstehen Sie mich?“ Ihr Atem geht schneller, es ist eine junge Stimme. Liegende klingen anders als stehende Menschen und ältere anders als junge Menschen.
„Bitte sagen Sie etwas, reden Sie mit mir, bitte …“
Erneut geht die rechte Tür. Mindestens zwei Menschen kommen näher, es sind Männer, gestresst oder zumindest rasch sind sie bei der soeben erwachten Frau.
„Sie sollten eigentlich noch schlafen!“
„Wieso pennt die Schlampe nicht?“, fragt der andere Mann.
„Hilfe, was machen Sie? Wer sind Sie? Was soll das?“ Mit der Frau geschieht etwas.
„Hören Sie auf, was machen Sie da, ihh, das tut weh.“
Ein gequältes „Mmmmhhhpf …“ klingt, als knebelt man die Frau neben mir gerade, danach wird sie leiser, aber kämpft in den Halterungen.
„Die Elektroden“ sagt der eine Mann.
„Wohin damit, an die Titten?“
„Ja, die Frau soll schön hüpfen, jaa und nun die Anode unten rein, das wird ein saftiger Orgasmus.“

Gewusel neben mir, dann schreit die junge Frau auf, so laut sie mit dem Knebel kann. Sie wird ganz klar von den beiden Männern gequält, einmal, zweimal, offenbar bekommt sie zwei Klammern an ihre Brustwarzen geklemmt. Die Frau schreit vor Schmerzen auf, nur der Knebel sorgt für eine erträgiche Lautstärke. Das anschließende Gejammer kann wohl nur von dem einbringen eines dickeren Gerätes in ihre Vagina stammen, offenbat stecken die Männer da einen Dildo rein und die Frau versucht zu schreien.
„Zurück, es geht los.“, sagt einer der Männer und ich höre, wie die Männer vom Bett zurücktreten, dann wird ein Schalter umgelegt.

Mit dem Geräusch von brutzelndem Fleisch schreit die Frau neben mir auf und ich sehe sie gedanklich auf dem Bettgestell herum hüpfen vor Schmerzen. Sekundenlang ist sie dem Strom ausgesetzt. Ihre Bewegungen werden schwächer, sie hüpft offenbar wirklich auf der Liege. Mit einem Geräusch von heftigem Ausatmen scheint es ruhiger zu werden. Ein seltsamer Geruch liegt in der Luft.
Dann eine kurze Pause. Die Männer machen etwas mit der Frau, vermutlich lösen sie die Elektroklammern und ziehen das Gerät aus ihre heraus.

„Ja es ist alles gut, die Schlampe ist noch da. Schau dir mal das Vötzchen an, das kocht ja noch. Was ist mit der daneben, dürfen wir der auch an deren Brüste?“

„Finger weg, die ist tabu, da hat der Boss seine Finger drauf.“
„Schade, schau sie dir an, der perfekte Body, die wäre bestimmt …“
„Still und komm, nichts wie raus.“ Die Männer lösen die Bremsen und rollen das Bett mit der soeben „behandelten“ Frau hinaus, sie fahren nach links, also zur Verwertung. Das Licht wird dunkler. Die Türe schließt sich, Ruhe kehrt ein. Dann herrscht erneut Ruhe.

Verdammt, wo bin ich hier gelandet …

**

Zu Hause

Seit zwei Tagen war Caroline nun schon verschwunden. Randy hatte alle Register gezogen. Er saß am seinem PC und versuchte dem Hacker auf die Spur zu kommen.
Frank hatte ihn von allen anderen Aufgaben freigestellt und ihm alle Unterstützung versprochen die er brauchte.

Schließlich ging es um die Sicherheit des Gefängnisses. Jemand war unentdeckt in den Todestrakt der Frauen eingedrungen und hatte eine Henkerin entführt! Wer garantierte, dass er nicht noch einmal tat und eine Gefangene befreite? Oder noch schlimmer, die Software und das Wissen wie es möglich war, verkaufte und so, noch mehr Menschen, zu dem Wissen gelangten.
Die gesamte Wachmannschaft war von Decker sensibilisiert worden und hielt die Augen offen. Wer konnte ausschließen, dass der oder die Eindringlinge nicht mit Waffengewalt zurückkehrten?
Ein Anruf beim Minister selbst hatte Frank zusätzliche Mittel beschafft und die Überwachungsanlagen wurden erweitert.
Insgeheim hoffte ich, dass die Eindringlinge wiederkamen, dann könnte ich ihnen ein paar Fragen stellen, Und Fragen hatte ich einige!!!

Wo ist Caroline?
Wieso Caroline?

Wer dringt in einen Todestrakt ein, befreit keine Gefangene, sondern entführt eine Henkerin?
Wie zum Teufel sind der oder die Eindringlinge in unsrer Wohnung gekommen? OK, die Frage ist blöd, wer unentdeckt durch ein ganzes Gefängnis kommt, den hält auch keine Wohnungstür auf. Dennoch, es gab keine Einbruchsspuren, also kannten die Eindringlinge den Sicherheitscode.
Wie konnten sie meine Caroline, aus meinem Bett holen, ohne dass ich es mitbekam?
Zumindest das konnte beantwortet werden. Eine Blutuntersuchung bei Schemmlein zeigte Spuren von Flunitrazepam, Temazepam, Scopolamin und Atropin. Mit anderen Worten, man hatte mir KO Tropfen, wahrscheinlich in gashaltigem Zustand verpasst.
Mir fiel ein, dass ich Caroline auch einmal mit einem Schlafmittel betäubt hatte, um Fibi wegzubringen. Sollte sie sich dafür gerächt haben?

Nein! Caroline hatte keine Probleme mir die Meinung zu sagen oder etwas zu tun, was sie wollte.
Auch die Frage, ob es ein oder mehrere Eindringlinge waren, glaubte ich mit Sicherheit beantworten zu können. Mit einem Entführer wäre Caroline auch gefesselt und betäubt fertig geworden.
Ich knallte die Tür meines Büros wütend zu. Gerade hatte ich einen Termin bei Frank gehabt.
„Bis wir wissen, was mit Caroline ist, bist du unter Fortzahlung deiner Bezüge, von deinen Aufgaben freigestellt.“

„Was soll das? Ich kann Arbeit und privat gut trennen.“
„Nein, kannst du nicht! Es gibt eine Menge Leute im Ministerium, die dich abgrundtief hassen und nur darauf warten, dass du wieder Mist baust. Und das Risiko gehe ich nicht ein.“
„Ach komm! Himmel, das sind alles alte Kamellen. Der Untersuchungsausschuss hat festgestellt, dass alles mit rechten Dingen zuging.“
„Falsch, sie konnten dir nur nichts nachweisen, das ist ein Unterschied.“
„Egal, ich mache meine Arbeit, ohne mich beeinflussen zu lassen.“
„Hör zu! Du bist freigestellt, bis ich etwas anderes sage. Hast du verstanden?“
„Scheiße!“
„Randy braucht Hilfe und du hast gerade nichts zu tun, also hilf ihm. Das ist schließlich auch in deinem Interesse.“
Wütend verließ ich Franks Büro und ging in mein Eigenes.

**

SIBIRIEN

Tonja lief durch den halbdunklen Wald. Ihre Lungen brannten innerlich und sie hatte sich bei mehreren Stürzen einige Verletzungen zugezogen, doch das zählte alles nicht. Seit einer halben Stunde rannte sie um ihr Leben. Einzig die Flucht war wichtig. Sie sprang über querliegende Baumreste und Äste und versuchte so schnell, wie nur möglich in den dichteren Wald zu entkommen.
Ein Schuss hallte hinter ihr. Ein stechender Schmerz riss sie von den Beinen und sie fiel auf den mit Moos bedeckten Wald. Tonja fühlte warmes Blut, ihr eigenes Blut.
Eine Kugel hatte sich in ihren linken Oberschenkel gebohrt und sie zu Fall gebracht. Die Wunde blutete recht stark, zum Glück war das ein glatter Durchschuss.
EGAL! WEITER! Befahl ihr Gehirn, doch der Körper spielte nicht mit. Sie kroch noch ein paar Meter, da hatte ihr Verfolger sie bereits eingeholt.

Aus den Augenwinkeln sah Tonja diesen Mann, sportlich gekleidet und beweglich wie ein Zehnkämpferhüpfte der Mann über die Äste und Baumstämme. Der Mann steckte ein gezacktes Messer weg und hob ein Sturmgewehr an. Mitleidslos blickte er zu Tonja herunter. Das Letzte was sie sah, war ein herabsausender Gewehrkolben, dann wurde es schwarz …

**

Mit pochenden Schmerzen im Kopf und am ganzen Körper kam sie wieder zu sich. Als sie die Augen wieder öffnen konnte, sah sie, dass sie nackt, an den Händen und Füßen gefesselt kopfüber in der Luft hing.
Neben ihr saß ein Mann mit dem Rücken zu ihr, an einem kleinen Feuer. Sie drehte den Kopf und sah undeutlich neben ihr einen Mann neben sich, in derselben Position hängend wie sich selber. Aus seinem Kopf schien etwas zu tropfen, nur langsam drehte sich der Mann.
Als sich Tonjas Augen endlich an das Licht gewöhnt hatten, erkannte sie, dass auch der Mann nackt da hing und sein Bauch von unten bis oben aufgeschlitzt war. Der Bauchraum war leer und ausgeräumt, dafür tropfte Blut auf den Boden.
Laut schrie Tonja auf und lenkte so die Aufmerksamkeit des Mannes am Feuer auf sie.
„Ah, du bist wach.“

Er stand auf und trat zu ihr. Als seine Hände über ihren Körper wanderten, drehte sich Tonja verzweifelt weg, ohne eine Chance, den grabschenden Händen zu entkommen.
„Schön, dass du so munter bist, ich hatte schon Angst, der Schlag auf deinen Kopf, hätte ernsthafte Schäden verursacht.“

„Was wollen sie von mir?“, fragte sie ihn angstvoll.
„Ich wollte warten, bis du wieder bei Bewusstsein bist. Ich mag es, wenn meine Beute das Ausweiden bei vollem Bewusstsein erlebt.“

„Das was?“, fragte sie und sah entsetzt, wie der Mann ein langes gezahntes Jagdmesser hinter seinem Rücken hervorholt.

Das hielt der Mann Tonja erst vor die Augen, dann setzte er es eine Handbreit über ihrem Kitzler an und stach in Tonjas Bauch. Langsam schnitt er nach unten zur Brust und schlitze sie auf.

Tonjas Schreie klangen durch den Wald, als die Klinge langsam nach unten wanderte.

**

Einige Stunden später, saß der Mann bei einem anderen Mann, seinem „Veranstalter“, im Büro.
„Ich muss ihnen leider sagen, dass ich sehr enttäuscht von ihren Leistungen bin. Die Jagd hat gerade einmal zwei Stunden gedauert und das mit zwei Beuteneinheiten.
Sie hatten mir erstklassige Außenagenten versprochen. Doch weder der Mann noch die Frau waren in der Lage sich zu orientieren geschweige denn sich zu organisieren. Die haben beide allenfalls den Schreibtisch von CIA-Agenten sauber gemacht. Auf keinen Fall waren das erfahrene Außen-Agenten.“
Der Mann der sich das anhörte, zuckte mit keiner Wimper. Was sollte er dazu auch sagen. Sein Gegenüber hatte Recht, mit allem, was er sagte.

„Sie haben Recht, Lerbrev. Ich kann mich nur für unsere Unzulänglichkeit entschuldigen und werde ihnen selbstverständlich nur einen Bruchteil der vereinbarten Summe berechnen.“
„Wenn sie mir auch nur einen einzigen Dollar in Rechnung stellen, werde ich mich nach einem anderen Veranstalter umsehen!“

Trotz seinem aufgesetzten Pokerface, zuckte der „Veranstalter“ innerlich zusammen. Noch vor drei Jahren, wäre dieses eine leere Drohung gewesen, doch der Markt hatte sich verändert und es kamen immer mehr mögliche „Geschäftspartner“ hinzu.
„Ich möchte auf keinen Fall unsere Geschäftsbeziehung in Gefahr bringen.“, versicherte der „Veranstalter“.
Und das stimmte. Lerbrev war einer seiner wichtigsten Partner, wenn es um die „erste Ware“ ging. Einen eventuellen Verlust Lebrbrevs Kontakte konnte der „Veranstalter“ keinesfalls riskieren.
„Ich mache ihnen ein andres Angebot, Lerbrev. Ich habe seit ein paar Tagen eine erstklassige Beuteeinheit. Eine ehemalige Angehörige des Mossad, die auch eine Ausbildung bei den Spezial-Forces durchlaufen hat.“

„Eine ehemalige Agentin? Etwa eine Rentnerin?“, fragte Lerbrev enttäuscht und leicht vorwurfsvoll.

„Vielleicht werfen sie besser einen Blick hier hinein, ehe Sie so etwas sagen.“

Der „Veranstalter“ reichte Lerbrev eine dünne Mappe, in der alle Zeitungsartikel von Caroline der letzten Jahre eingeheftet waren.
Interessiert las sich Lerbrev die Artikel der „Schlacht um Fransiskas Hütte“, die der Schlacht um Soulebda und alle andere Artikel durch.
Besonderes ein Bild, das ein Fotograf von Caroline geschossen hatte, als sie genau in die Kamera blickte, interessierte Lerbrev besonders.

„Geben sie mir zwei Monate Zeit, die Beuteeinheit auf die Jagd vorzubereiten, dann werden sie ein unvergessliches Erlebnis haben.“
Lerbrev überlegte eine Zeit lang, dann gab er sein OK.

„Also gut. Zwei Monate. Sollte sich das aber auch als ein schlechter Scherz, wie die Jagd heute herausstellen, werden wir nie wieder ins Geschäft kommen.“

„Ich kann ihren Ärger sehr gut verstehen, doch sie werden sehen, dass wir uns diesmal alle Mühe geben werden, ihnen ein besonderes Event zu bieten.“
Lerbrev stand auf und verabschiedete sich.

„Wir sehen uns in zwei Monaten.“ Dann war er verschwunden.
Ivan, Leibwächter und Berater, des „Veranstalters“ in einer Person, der während der ganzen Unterhaltung still im Halbdunkel, in der Ecke gesessen hatte, stand auf.
„Hältst du das für eine gute Idee? Diese Miles hat sich Juri speziell für sich ausgesucht.“

JURI!

Juri hatte ihm diese Scheiße erst eingebrockt. Bis vor einigen Monaten war Juri ein verlässlicher Partner gewesen. Zusammen mit ihm, dem „Veranstalter“ waren sie gemeinsam in das Geschäft eingestiegen.
Das Geschäft bestand aus Organhandel. Aus der finanziellen Not geboren, war im Laufe der Jahre, eine große und mächtige Organisation daraus gewachsen.

Zuerst benötigten Juri und er einen Arzt. Der war schnell gefunden. Wassily, ein Internist, der wegen seinem Alkoholkonsum von einer Moskauer Klinik gefeuert worden war, stellte keine Fragen. Kaum hatte er seinen Vertrag unterschrieben, setzten die beiden Wassily auf Entzug.
Tatsächlich gefiel es Wassily, trocken zu sein und er genoss die Annehmlichkeiten, die ihm sein neues und recht großzügiges Gehalt ermöglichten.
Es gab dann eine klare Aufgabenteilung. Juri besorgte die „Ware“, Wassily untersuchte und bearbeitete die „Ware“ und er brachte die „Ware“ an den Mann.
Wobei die Ware die Juri besorgte, lebende Menschen waren und die Ware, die er verkauft, lediglich die verwertbaren Organe darstellte.

Hatte Juri einen „Spender“ ausfindig gemacht, wurde der von ihm und seinem Team entführt. Doch oft musste man die Spender gar nicht entführen. Ein paar Versprechen, etwas Bargeld und die Aussicht auf ein besseres Leben, brachte die Spender freiwillig dazu Juri zu folgen. Anschließend wurden die Spender von Wassily untersucht. Eignete sich der Entführte als Spender nicht, landete er gleich unter der Erde der sibirischen Wälder. Da hatten sich bereits einige Massengräber angesammelt, die von Erde bedeckt wurden und unzählige Leiber versteckten.
Waren verwertbare Organe vorhanden, wurde der Spender solange am Leben gehalten, bis etwas von ihm „gebraucht“ wurde. Dann wurden sie „abgeerntet“.
Da die Nachfrage immer größer wurde, wuchs auch die Organisation. Heute leitete der „Veranstalter“ ein weltweit operierendes Netz. Dennoch brauchte er Leute wie Lerbrev, denn um die „Ware“ an den Verbraucher zu bringen. Er brauchte Lerbrev und er brauchte seine Mittelsmänner.
Auf der ganzen Welt, gab es genug Menschen, denen es egal war, woher die Organe kamen, die sein Leben oder das Leben eines Angehörigen retteten. Doch Organe wurden in Kliniken verpflanzt, und da fragte man schon nach, woher die Organe kamen.
Also wurden sie von Leuten wie Lerbrev „vermittelt“ und Lerbrev war einer seiner wichtigsten Vermittler.

Er und die anderen Vermittler sorgten für die richtigen Unterlagen, passende Bescheinigungen und schmierten, falls nötig, Ärzte und Klinikleitungen.
Er wollte und konnte auf Lerbrevs Kontakte nicht verzichten, ohne dass ihm große Verluste drohten, denn mittlerweile gab es mehrere Organhändler, die dieselben Praktiken anwandten wie er.
Zwar konnte es keine andere Organisation, größenmäßig mit seiner aufnehmen, doch die Konkurrenz schlief nicht.
Spender gab es mehr als genug. Überall auf der Welt gab es genug Menschen die keiner vermisste, wenn sie von der Bildfläche verschwanden und immer neue Flüchtlinge füllten seine Lager und die der anderen Händler, ohne dass man groß suchen musste.
Und so kam es wie von selbst, zur Entwicklung eines weiteren Geschäftszweiges.
Irgendwann fragte ihn einer der „Vermittler“ ob man nicht etwas –Spaß- mit einem der Spender haben könne.

Der „Veranstalter“, glaubte er meine damit seinen Spaß im Bett, doch es stellte sich heraus, dass der Vermittler ein passionierter Jäger war, der etwas ganz anderes im Sinn hatte.
Man einigte sich darauf, dass der Vermittler alle Organe bezahlte, die er durch die Jagd beschädigte und schon stiegen die Einnahmen weiter.
In den richtigen Kreisen sprach es sich schnell herum und es kamen anspruchsvolle Jäger wie Lerbrev zu ihm. Die wollten nicht irgendeine Beuteeinheit jagen, sie wollten Profis.
Also wurde Juri damit beauftragt die richtige Beute zu finden.
Er entführte Angehörige von Armeeeinheiten, Elitesoldaten, ehemalige Agenten, Überlebenskünstler und andere Menschen, die gezeigt hatten, dass sie in der Wildnis überleben konnten.
Die Beuteeinheiten bekamen einen Senderchip implantiert und wurden im „Revier“ ausgesetzt. Dem Jäger blieb es überlassen, auf technische Mittel zurückzugreifen, oder eben darauf zu verzichten.
Die meisten Jäger verzichteten darauf und jagten ihre Beute so. Natürlich überwachte der Veranstalter die Beute. Näherte sich die Beuteeinheit der Grenze des Reviers, wurde sie von einem Team abgefangen, betäubt und in der Mitte das Reviers erneut ausgesetzt.
Die längste Jagd hatte fünf Tage gedauert und der Jäger war so begeistert, dass er freiwillig mehr als den vereinbarten Preis zahlte…
Doch in den letzten Monaten, hatte der „Veranstalter“ das Gefühl, dass sich Juri mehr um seine eigenen Interessen kümmerte, als die der Organisation.
„Richte Juri aus, dass ich ihn sprechen möchte.“ Schickte der Veranstalter Ivan los.

**

Wenig später kam Juri zu dem „Veranstalter“ und fragte, was denn anliege. „Ich bereits gerade eine weitere Maßnahme in Schweden vor, die haben gutes Fleisch mit wenig Krankheiten, also was liegt an?“

„Du musst dich mehr anstrengen, unser bester Kunde hat die Ware bemängelt und ich musste ihm einen kräftigen Batzen umsonst geben. Das ist nicht so besprochen, wie willst du das zukünftig verhindern?“

„Ich werde sehen was ich tun kann, oder ich steige gar ganz aus, dann kommt das nicht wieder vor, weil …“
„Gut, also aussteigen …“

Damit schoß der „Veranstalter“ zweimal in Juris Kopf. Beim ersten Treffer zuckte Juri am ganzen Körper, beim zweiten Treffer hatte er dann das Kleinhirn erwischt und Juri fiel wie ein Stein zu Boden.

„Ausstieg angenommen.“ Sagte der „Veranstalter“ und schaute zu Iwan. „Du wirst ab sofort Juris Arbeit übernehmen.“ Teilte der „Veranstalter“ Ivan mit.
„Wie du willst.“ Antwortete der.
„Du wirst die Beuteeinheit so gut vorbereiten, wie du kannst. Ich rate dir, dass Lerbrev wirklich eine unvergessliche Jagd erlebt.“
„Du kannst dich ganz auf mich verlassen.“, versprach Ivan und wusste schon genau, wie er die Beuteeinheit Miles gefügig bekam.
Er würde ein paar Spenderinnen in ihrem Beisein töten und ihr das Gefühl vermitteln, dass sie einigen anderen das Leben retten könne, wenn sie sich fügt. Und Ivan hatte genau die richtige Spenderin, die Caroline Miles ansprechend finden würde. Eine Jungspenderin, die Juri bei seinem letzten Ausflug von Berlin mitgebracht hatte.

Keine Zwanzig Jahre und verdammt niedlich.

Alles was er tun musste, war Caroline Miles dazu zu bringen, zu glauben, sie könne die andere Spenderin retten.
Natürlich würde sie das nicht können, aber wie heißt es, der Glaube versetzt Berge…
Caroline Miles würde die beste Beuteeinheit sein, die je durch die Wälder gestreift war.

**

Zu Hause

„MANN BAD-MAN!“, schrak Randy hinter seinen Rechner hoch.
„Was ist?“
„Was ist? Du hast mich zu Tode erschreckt.“
„Wen dich, den unerschütterlichen Retter von Handtaschenopfern?“
Damit spielte ich auf die offizielle Version seiner Verletzung an, die er bei der Palast Erstürmung davon getragen hatte. Helfana, die persönliche Sekretärin des Präsidenten von Soulebda, hatte ihm ein Messer in den Unterleib gestoßen und Sarah hatte ihn zusammen mit Vera und Penelope gerettet.
Da Randy aber nie offiziell auf Soulebda war, wurde Randy eben ein Zeuge eines Handtaschenraubes und beim Versuch den Räuber festzuhalten verletzt.
„Das ist nicht komisch.“

„Entschuldige. Gibt es irgendwas Neues?“
„Nichts. Es scheint so, als ob Caroline vom Erdboden verschwunden ist.“
„Bist du bei dem Hacker weitergekommen?“
„Auch noch nicht, aber ich bin im Vorteil.“
„In wieweit?“

„Die Zeit arbeitet für mich. Irgendwann habe ich den Mistkerl.“
„Gibt es irgendwas, das ich tun kann?“
„Ich sage dir, wenn es etwas zu tun gibt. Solange könntest du dir angewöhnen, dich nicht wie ein Stammeskrieger anzuschleichen.“
Ich musste grinsen. Ja die Stammeskrieger waren darin unübertroffen.
Plötzlich explodierte in meinem Gehirn ein Gedanke!
„Randy, du bist ein Genie!!!“,und schon war ich unterwegs.

– Verdammt, warum bin ich nicht gleich darauf gekommen?! –
„Von nun an, könnt ihr unsere Worte hören und verstehen, wo immer ihr auch seid.“ Hatte Jagus´tsaret, der Häuptling der Stammeskrieger bei der Zeremonie gesagt, als Caroline und ich in den Kreis des Stammes aufgenommen wurden.

Ich ging schnurstracks zu unserer Wohnung und setzte mich in den Sessel.
Konnten die Stammeskrieger mich rufen, konnte ich das auch. Und wenn sie mit mir reden konnten, dann konnten sie auch mit Caroline reden!!!
Aber wie redet, ruft man Menschen, die auf der anderen Seite der Erde leben, nur mit den Gedanken?
Ich versuchte, mich zu konzentrieren.

„Ich rufe die Krieger meines Stammes!“,und ich dachte ganz fest an die Stammesleute.
– Bist du wirklich so verzweifelt? – fragte ich mich kopfschüttelnd.
„Egal.“ Sagte ich mir selber und versuchte es weiter.

Über Stunden dachte ich angestrengt nach und konzentrierte mich, bis ich resigniert aufhörte.

BOOOUUUMMMM!

Ich schrak hoch. Noch immer saß ich im Sessel und musste eingeschlafen sein.
Völlig fertig stand ich auf und ließ mich einfach ins Bett fallen.

BOOOUUUMMMM!

Wieder schrak ich hoch, doch ich lag nicht in meinem Bett, ich stand am Fuße des Vulkans Beenec u’Alara.
Caroline hatte gerade Sheramoh ai Youhaahb erschossen und der Frau und ihren Kindern das Leben gerettet.

BOOOUUUMMMM!

Die Szene änderte sich und ich sah mich selbst, wie ich mich zusammen mit meinen Freunden, Soldaten und Stammeskrieger in die Schlacht warf.

BOOOUUUMMMM!

Jetzt saß ich mit Caroline bei der Zeremonie von Bernd Schuberts und Veroniques Hochzeit und wir tranken den Trank, den uns Jagus´tsaret, der Häuptling des Stammes reichte.

BOOOUUUMMMM!

Ich saß in meinem Büro und Jagus´tsaret saß mir gegenüber.
„Ich grüße dich Sohn Mualebdas.“

„WOW, krasser Traum.“

Jagus´tsaret fing an herzlich zu lachen.

„Was gib es zu lachen?“
Immer noch lachend sah er mich an. „Als die Alten mich in das Geheimnis der Sprache einweihten, sagten sie, dass alle sagen, – dass ist bestimmt ein Traum. – Und was soll ich sagen? Sie hatten Recht.“
„Ist es denn kein Traum?“

„Das kommt darauf an. Dein Körper liegt noch immer auf deinem Bett, aber die Betawellen deines Gehirns sind völlig frei.“
Ich schien ihn zweifelnd anzusehen.
„Bevor ich das Erbe der alten Ehrwürdigen antrat und Häuptling wurde, hatte ich an der Universität von Soulebda einen Lehrstuhl in Psychologie. Überrascht?“
„Um ehrlich zu sein, nein. In der Zeit, die ich mit euch verbracht habe, lernte ich dass Stammesangehörige alles können und das sogar nur mit einem Lendenschutz.“
Er sah mich durchdringend an.
„Zu deinem Glück, habe ich dich kennengelernt und weiß, dass du eine besondere Art von Humor, aber auch eine ehrliche Art besitzt.
Du willst wissen, wo Caroline ist.“ Stellte er einfach fest.
„JA!“
„Ich weiß es nicht.“
Ich sah ihn einfach an und wartete.

„Ich kann dir nur das sagen, was Caroline selber weiß. Sie hat noch nicht versucht, mit uns in Kontakt zu treten. Wahrscheinlich hat sie es einfach vergessen. Ich kann dir nur sagen, was sie unbewusst wahrgenommen hat.“
„Und was ist das?“
Jagus´tsaret schien in Trace zu fallen. Er murmelte etwas und sang leise vor sich hin.
„Sie ist an einem schrecklichen Ort. Es gibt dort viel Tod und Leid.
Jetzt kann ich mit ihren Augen sehen…
Sie Lebt!
Ich spüre ihr Herz und ihre Angst. Sie versucht sie zu beherrschen und ich fühle ihre Wut.
Der Ort liegt tief unter der Erde… Es gibt weder Tag noch Nacht…

JETZT!

Nimm einen Zettel, ich höre es.“
Typisch, ich hatte natürlich nichts zu schreiben. Jagus´tsaret reichte mir einen Zettel und einen Stift. Nicht irgendeinen Stift, es war ein Geburtstagsgeschenk von Caroline auf dem sie „Ich liebe Dich“ eingravieren ließ.

„A-L-E-S-K-I“

Dann schien er wieder völlig bei mir zu sein.
„Und was heißt das?“, wollte ich wissen.
„Das musst du selbst herausfinden. Aber ich werde dir mit allem helfen, wozu ich in der Lage bin.“
Dann verschwand er einfach.
Ich erwachte und starrte an die Decke.
„Scheiße! Nur ein Traum.“ Wie gerädert stand ich auf und beschloss unter die Dusche zu gehen. Ich zog mich aus und als ich ins Bad gehen wollte, fiel mein Blick auf Carolines Kommode. Dort lagen ein Zettel und ein Stift. DER Stift!
Ungläubig starrte ich auf den Zettel.

A-L-E-S-K-I

Ich konnte es nicht glauben. Ohne Hemd lief ich zu Randy. Er schlief über seiner Tastatur und ich musste ihn wachrütteln.

„Such danach!“, und hielt ich den Zettel hin.
„Was ist das?“
„Keine Ahnung! Such einfach!“

Dann lief ich ins Büro zu Jessika.
„Ruf Ben an und frag ihn, ob er damit etwas anfangen kann!“
Sie sah mich an. „Geht es dir gut? Du hast nur Unterhosen an und riechst etwas… na, sagen wir verschwitzt.“

„So gut ging mir schon seit Tagen nicht mehr.“

„Dann tu mir und allen anderen die hier arbeiten, einen Gefallen und geh duschen und zieh dir was an. Ich rufe Ben sofort an.“
In Shorts ging ich zurück und begab mich in unsere Wohnung. Jessika hatte Recht, ich roch etwas verschwitzt, also beschloss ich, in die Wanne zu steigen.

Das warme Wasser tat seine Wirkung, ich konnte mich etwas entspannen und schloss die Augen. Es hatte tatsächlich geklappt. Ich hatte mit Jagus´tsaret geredet!
Und Caroline lebte!!! Dennoch war mir bewusst, dass ich nicht einfach sagen konnte, „Übrigens, Caroline lebt, ich hab mit unserem Stammeshäuptling geredet.“ Ich glaubte nicht, dass das irgendjemand ernst nehmen würde.

Ich ließ mir die wenigen Informationen durch den Kopf gehen….
Ein Ort tief unter der Erde… Vielleicht ein Bunker?
Ein Ort voller Tod und Leid… Verdammt ich hatte keine Ahnung, was das für ein Ort sein sollte.
Caroline hatte Angst, behielt sie aber unter Kontrolle… Also konnte sie die Kontrolle über ihren Körper ausüben.

Sie hatte Wut… Das war noch besser, sie konnte ihren Geist selbst kontrollieren.
Wer immer Caroline entführt hatte, er hatte keine Ahnung, in welche Gefahr er sich begeben hatte.

BUM BUM BUM

– Schon wieder eine Unterredung mit Jagus´tsaret? – Nein ich war in der Wanne eingeschlafen und jemand hämmerte an die Tür.
Ich stieg aus der Wanne und legte mir ein Handtuch um. Neben der Tür war ein kleiner Monitor, auf dem ich sehen konnte wer vor der Tür stand. Es war Benjamin Levi.

Kaum hatte ich die Tür offen, schob er mich rückwärts in die Wohnung zurück.
„Zieh dich an und pack. Du hast zehn Minuten.“
„Was?“
„Dein Name hat wie eine Bombe eingeschlagen. Los, Beeilung! Auf dem Flugplatz steht eine startbereite Luftwaffenmaschine und wartet auf uns.“
„Eine Luftwaffenmaschine? Wo fliegen wir hin?“
„Tel Aviv!“
„Wir fliegen mit einer Luftwaffenmaschine nach Tel Aviv?“
„Du hast noch neun Minuten …“

**

SIBIRIEN

Starke Lichter leuchten auf und blenden mich. Ich fühle, dass ich mich nicht bewegen kann, versuche es auch nicht und mir wird die Kapuze von meinem Kopf gerissen.
Ich hänge in einem drehbaren Kreis, an Händen und Füßen gefesselt. Nackt und mit einem Knebel im Mund.
Vor mit, auf einem Edelstahltisch liegen zwei ebenfalls nackte Frauenkörper, ebenfalls gefesselt und gestreckt, sie liegen aber auf Bretten, die eher an ein Schlachthaus erinnern. Überhaupt ist hier sehr viel in Kachel oder Edelstahl gehalten, so als müsste man öfter mit dem Dampfdruck Reiniger putzen. Die Frauen haben ein Tuch über ihrem Oberkörper.

Ehe ich weiter sehen kann, was um mich ist, werde ich von einem Stromschlag durchflutet, die Schmerzen kommen aus meinem inneren meiner Scham und meinen Brustwarzen, da erst erkenne ich zwei dünne Leitungen die hinter meinen Kopf laufen. Verdammt ich bin verkabelt und was ich in mir trage, ist kein Spielzeug, sondern garantiert aus Edelstahl und auch verkabelt.
Jetzt öffnet sich die linke Tür und vier Männer kommen herein, mittelgroß, sportlich gestählt mit wiegenden Schritten und kaltem Gesichtsausdruck, nahezu willenlos und zumindest mittel intelligent. Mal sehen ob das stimmt, allesamt mit Seitenwaffen und Kampfmesser, da plärrt eine Blechstimme aus der Wand „Stop, umdrehen, rühren!“

Die Kraftkerle machen genau das und zucken nicht mit den Augen, so etwas tumbes, brutales, willenloses habe ich zuletzt bei den Speznas Killern des Militärnachrichtendienstes, beim GRU, gesehen.
Die andere Tür geht auf und zwei weitere Leute kommen herein, einer im Auftreten ein Kommandoführer, schwarz gekleidet, sportlich und der zweite eindeutig ein Wissenschaftler. Langer weißer Kittel, diverse Kugelschreiber zu viel in den Taschen und ein leuchtendes Tablet in den Händen stellt sich der Weißkittel genau vor mich und lächelt mich an.

„Schön dass sie und besuchen konnten, Frau Caroline Miles“ dann berührt er mich an unangenehmen Stellen, entfernt das Metall aus mir und löst die Klammern.
„Herr Oberst ich übergebe Ihnen die Nummer 213 in bestem Zustand und einwandfreien Reflexen.“
Wieder knarrt die Stimme aus der Wand „Juri, schick ihn weg!“ Der Schwarze schaut den Weißkittel an und schnippt mit den Fingern. Zwei der GRU Schränke begleiten den Wissenschaftler nach draußen und kehren an ihren Platz zurück.

Die Wand knarrt „Fortfahren!“ Oberst Juri stellt sich vor mich und lächelt mich wissend an, seine Augen passieren meinen Körper und überlassen keinen Zentimeter, ganz klar ein perverser Sadist oder noch besser ein … Da werde ich in meinen Gedanken unterbrochen.

„Frau Miles, wenn sie die Güte hätten und ihre Aufmerksamkeit wieder mir widmen würden, das wäre entzückend,“ und damit zieht Juri einer der Frauen das Tuch vom Kopf und ich erkenne die Frau oder besser das Mädchen.

Vor mir liegt geknebelt und gefesselt Sonja Weißreuther, ich habe sie damals in der Pressestelle kennengelernt, sie war ein intelligentes hübsches Ding und war zu einigen Abenteuern bereit. Eines hatte sie offenbar hierher geführt.

Ihre Augen sind tränenüberflutet und sie scheint schwer zu leiden.
„Frau Miles, wir möchten ihnen einen Tausch vorschlagen, Sie stellen sich einigen sportlichen Aufgaben und im Gegenzug lassen wir dieses Mädchen am Leben.
Sollten sie sich gegen dieses Angebot entscheiden, würden wir sie direkt der Organverwertung zuführen, haben sie mich verstanden Frau Miles?“

Ein kurzer Pfiff und einer der Schränke öffnet eine der Türen, hereinkommen drei Männer, offenbar untere Hierarchie, Wissenschaftler oder Mediziner und sie sehen nicht glücklich aus.
Oberst Juri nimmt eine Fernbedienung und lässt mein Rad herunter, dann entfernt er meinen Knebel und wendet sich wieder dem Geschehen zu, bleibt aber neben mir stehen.
„Nun Frau Miles wie entscheiden sie sich, ihre Entscheidung hätte ich gerne in 20 Sekunden, ja zum Mitmachen, nein für die Organabteilung, keine oder eine falsche Antwort wird als Nein gewertet, haben sie mich verstanden?“

„Ja“ fauche ich „und ich bring dich um!“
„Schön, das ist der Sportsgeist, den wir hier suchen, also?“, und er nimmt eine Stoppuhr „Wie jetzt ja oder nein – Zeit läuft!“

„Lass sie sofort los und ich spiele mit!“

„Gut, aber das war die falsche Antwort, Wassily bitte!“

Die Weißkittel zucken zusammen und einer davon, Wassily, nimmt ein Skalpell und beginnt, die Gefesselte Sonja lebendig aufzuschneiden, der Schnitt geht von dem Schlüsselbein an Nabel vorbei bis zur Scham dann über das andere Schlüsselbein zur Mitte. Danach beginnt er Sonja zu öffnen …

Mein Geschrei nach „Stop und aufhören“ wird ignoriert.

Die Gefesselte bäumt sich blutspritzend auf und nach einigen weiteren Schnitten liegt da nur noch ein zuckendes Stück Fleisch. Schon beginnen die Weißkittel einiges aus dem noch sterbenden Leib herauszutrennen und einzutüten. Ich höre Sonja noch gurgeln und überall spritzt und läuft Blut. Als die Weißkittel gehen, blicken mich die ausdruckslosen Augen von Sonja an und ich schau den Oberst an.

„Das war Ihr Fehler, ich habe nach ja oder nein gefragt,“ und er reißt das Tuch von der zweiten Frau.

„Mal sehen, ob dieses Mädchen sie etwas gefügiger macht.“
Vor mir liegt Fransiska Haufberger, und ihre Augen scheinen mir ein – hilf mir – zuzuschreien.

„Machen sie sich bereit meine Herren“ und die Weißkittel gehen zu Fransiska. Wassily zuckt das Skalpell …

„Nun Frau Miles, wie entscheiden sie sich jetzt, ja oder nein?“

**

Drei Stunden später liege ich gefesselt und geknebelt, aber in einer guten Lederkombi eingekleidet in einem alten, rumpelnden Kombi und werde durch ein Waldgelände gekarrt.
Als der Wagen stoppt, zerren mich starke Hände gnadenlos aus dem Wagen. Meine Hände werden wieder an zwei Seile gefesselt und diese Fesseln werden straff angezogen.
Die Füße bleiben gefesselt. Dann stellt man einen Holzblock vor mich mit einem Tuch bedeckt.
Das Tuch wird entfernt und ich sehe einen Lautsprecher, dahinter zwei weitere Tücher, es knackt im Lautsprecher: „Nun zu der Aufgabe,“ und ich sehe wie der Wagen wegrumpelt und irgendwo hinter mir verschwindet.

„Sie sind Beute. Ihre Aufgabe ist es, ihre Angreifer alle zu besiegen und zu töten. Versagen sie, stirbt die Kleine auf dem Brett.

Nun die Regeln in diesem Spiel. Es gibt keine Regeln!“

Damit knallen zwei kleine Sprengladungen und die Seile meine Arme sind lose. Sofort hüpfe ich zum Holzblock und reiße die Tücher weg, darunter ein gefährliches Kampfmesser und eine kleine Streitaxt.
Ein Griff zu beidem und ein weiterer Sprung ins Gebüsch, schon zerplatzt der Lautsprecher durch einschlagende Kugeln.

Die Seile durchtrennt und eingerollt, wirf nie etwas weg, Orientiere dich und schon geht es los. Da, wo ich eben noch lag, schlagen bereits die ersten Kugeln ein.
Das blecherne Knallen der Kalaschnikow kenne ich gut, die spielen nicht die Leute, die wollen wirklich jagen.

Aber das kann ich auch. Und Fransiska werde ich retten.

Na gut, dann kommt, lasst uns jagen.

**

Inzwischen in München

Die beiden Blondinen kommen mit strahlendem Lächeln aus der Klinik, sie haben sich soeben für das Casting einer Show qualifiziert und können eine Reise zu den Scheichs nach Dubai gewinnen.

Freudestrahlend und lauthals lachend gehen sie ihn ihr Hotelzimmer und öffnen die Tür, jubelnd und kreischend gehen die Mädchen hinein und schließen die Tür, jetzt heißt es abfeiern und Party ohne Ende, Dubai wartet auf sie. Alles im Überfluß, reiche Typen, Geld und mehr. Die letzten Untersuchungen waren alle sehr gut verlaufen, keine hatte irgend etwas, sie waren in erstklassiger Verfassung.

Dann wird es plötzlich seltsam still im Zimmer. Es riecht irgendwo komisch. Die beiden Schönheiten sehen sich fragend an und sacken zusammen.

Aus dem Nebenraum kommen zwei Männer mit Gasmasken und beginnen die Mädchen zu fesseln und in je einen Rollwagen hineinzulegen …

Zwischen den Bäumen

Das Laub wird vorsichtig angehoben und ein tarnfarbener Mann schaut sehr langsam und vorsichtig nach draußen. Seine Waffe ist getarnt und kaum zu sehen, durch das Zielfernrohr sucht er sein Ziel, er weiß genau, das da vorne ist sie die Beute. Zumindest muss sie da irgendwo sein.

Ja, da eine kleine Bewegung im Buschwerk und er zielt, konzentrieren, einatmen ausatmen und ins Ziel gehen. Der Finger nähert sich dem Gewehr, im Zielfernrohr der Marke Schmidt & Bender, erscheint aber nur ein kleiner Hase.

Mist, ein kleines Tier huscht aus dem Versteck. Verdammt, da hätte er durch einen blöden Tundra Hasen fast sein Versteck verraten.

Der Kämpfer sichert die Waffe und erhebt sich vorsichtig. Aber irgend etwas ist anders. Vorhin war es in seinem Versteck kühl, jetzt spürt er eine leichte Wärme hinter sich, als ob jemand hinter ihm stünde …

Da fährt ihm ein schneidender Stahl durch die Kehle und ohne dass er schreien kann, sackt er sterbend rückwärts fallend ins Gebüsch. Das letzte, das er noch mitbekommt, ist das rote Haar und diese grünen Augen, diese leuchtenden grünen Augen. Dann ist es auch schon aus.

Es raschelt noch einmal kurz im Gebüsch, als der tote Jäger weggezogen wird. Aus dem Gebüsch aber erscheinen nur kurz zwei grüne Augen, die von einer der unzähligen Kameras aufgezeichnet werden, um dann sofort wieder im Gebüsch zu verschwinden …

Der erste Jäger ist tot. Einige seiner Sachen verschwinden rasch in den Taschen der Jägerin mit den grünen Augen.

Da nähert sich bereits ein weiterer Jäger, er schaut vorsichtig in das Versteck von eben, aber es ist leer.

**

Inzwischen im Kommandostand

Zahlreiche Monitore sind in halbrunden Aufteilungen montiert und zwei Großbildschirme übertragen das Hauptbild. Zwei Dutzend Menschen sitzen an den Kontrollen und klacken heftig Kommandos in Tastaturen wie bei einem Weltraumstart.
In der zweiten Reihe stehen und sitzen die geladenen Gäste und der „Veranstalter“.

„Wie Sie sehen, ist die Beute gut motiviert und sehr gut ausgebildet. Da sehen sie, hier ist einer der Sicherheitsleute, die hier trainieren wollten und er glaubte, die Beute sicher zu haben. Kameraschwenk auf den Schützen B31.“, doch da ist es bereits geschehen und der Schütze geht gurgelnd zu Boden.

„Sehr gut, eine lohnende Beute, wie hoch ist der Kurs um einzusteigen?“
„Zwölf!“
„Ming Lei überweisen sie die 12 Millionen Dollar.“

„Es war mir ein Vergnügen mit ihnen Geschäfte zu machen, wo kann ich die Beute antreffen?“
„Wir betäuben sie und bringen sie in eine der acht Arenen, welche bevorzugen Sie?“
„Also der Dschungel ist langweilig, das Haifischbecken hatte ich schon und es war auch langweilig, die alte Festung, ja das könnte interessant werden, was haben sie noch neues?“
„Ganz neu im Programm ist hier die Arktis, da müssen wir auch weniger für die Wärme investieren und die Beute spielt tatsächlich da draußen.“

„Sie meinen so richtig draußen, also hier draußen, ich meine oben?“
„Ja oben, im kalten Sibirien in einem kontrollierten Abschnitt von 1200 Quadratmeilen.“
„Klasse, sorgen sie dafür, dass die Beute für mich bereitsteht, ich will, Moment Mai Li, ist morgen noch frei – oh schade und am Samstag – ah klasse.“
„Ich möchte also jetzt am kommenden Samstag die Beute in der Arktis haben.“
„Selbstverständlich.“

**

Zwischen den Bäumen

Zwei Möchtegern „Ranger“ mit Volltarnung schleichen sich durch den künstlichen Urwald. „Da vorne ist einer der Kollegen verreckt,“ murmelt einer der beiden, „Sei vorsichtig die Frau soll gut sein.“ „Ja sicher, sie soll gut sein, sie soll mir nachher einen blasen und sie soll …“, und schon bricht der Mann in eine Falle.

Sein Bein verklemmt sich in spitzen Hölzern, die sich in seine Muskel bohren und er schreit ein einziges Mal kurz auf, die restlichen Schreie verbeißt er sich, schließlich ist er ein harter Hund, der nur eine einfache Frau jagt. Aber der Schmerz, dieser unbändige Schmerz, es ist, als brennt sein Muskelfleisch von innen.

Nur nicht schreien, nicht verraten, denkt er sich. „Verdammt nochmal, hilf mir hier raus,“ und der zweite Mann hilft seinem Jagdkollegen und zieht fest an dessen Arm.

Den Aufschrei des Verletzten in der Falle bekommt der Helfer schon nicht mehr mit, denn es huscht nur kurz eine scharfe Machete und da rollt sein Kopf bereits zur Seite. Der Helfer zuckt ganz kurz, dann fällt er rückwärts und und blutet stoßartig. Der Körper zuckt, wie wenn er frösteln würde, doch diese Bewegungen werden mit jedem Strahl Blut ruhiger.

Der in der Falle steckende Ranger hat den Anblick seines toten Kollegen jetzt erst richtig realisiert, da springt eine rothaarige Frau vor ihn und kniet sich vor ihn, natürlich außerhalb der Reichweite seiner Hände. Die seltsam grünen Augen leuchten wie kleine Smaragde und ihr Lächeln ist alles andere, nur nicht beruhigend.

„Jetzt bist du dran, bereite dich vor.“ Sagt sie in einem ruhigen Ton zu dem Gefangenen in dem Erdloch. Das blanke Entsetzen macht sich im Gesicht des Mannes breit und seine Hose färbt sich dunkel. „Ja mein Kleiner, schön die Blase leer machen, das hält warm und danke auch für deine Ausrüstung!“

Wild mit den Armen schlägt der um sich, da trifft die Machete mit der breiten Rückseite die Schultergelenke und die Hände fallen kraftlos nach unten. Schon greift die Rothaarige mit beiden Händen nach dem Kopf des Mannes …

Als die Frau weghuscht, liegen ein Torso ohne Kopf und ein Mann mit seltsam verbogenem Genick an der Lagerstatt, an der vorhin schon zwei andere Jäger aufgeben mussten. Ihre Waffen und Ausrüstungen sind, bis auf die in dem Loch, alle weg.

Der Mann mit dem gebrochenen Genick hat noch den Ausdruck des Erstaunens im Gesicht, gerade so, als würde er das, was kommt nicht glauben wollen …

**

Anderswo im Wald

Die Metalltür schließt sich. Zwei Männer und eine gut bestückte Blondine, allesamt in knapper, eng anliegender Kampfausrüstung und in voller Tarnung nehmen ihre Waffen auf.

Chayoka vom Stamme der Sue ist noch ein waschechter Sue Indianer, dem man die Angehörigkeit auf den ersten Blick ansieht. Vom Typ her beweglich und gelenkig wie eine Raubkatze ist er ein idealer Nahkämpfer. Sein Messer sieht einfach aus, aber es ist so scharf wie Chayokas Augen und hat schon einiges mitgemacht. Zuletzt war Chayoka als Scout in Afghanistan, dann haben ihn zwei Freunde für eine andere Aufgabe abgeworben. Sein Bogen ist noch handgemacht und er trifft damit auch.

Kerim-Bayh ist einer der Freunde von damals, ein drahtiger, gut gebauter Mittdreißiger mit einer sonnengebräunten Haut und starken Muskeln. Seine Augen sind wach und überall gleichzeitig. Seit sein bester Freund durch eine Mine zerrissen wurde, ist Kerim-Bayh auf der Menschenjagd. Neben seinem Jagdmesser trägt er noch einen geschmiedeten Tomahawk. Auf seinem Rücken der gefüllte Köcher und in der Hand ein scheinbar uralter Türkischer Jagdbogen.

Miranda könnte eine Tänzerin oder Prostituierte sein, ihr Aussehen passt zu beidem und in die Hochglanz Herrenmagazine, aber sicherlich nicht in den Dschungel. Dennoch ist sie hier wie zu Hause. Sie bewegt sich fast lautlos und bückt sich lieber unter Gebüsch durch, als  einen Ast zuviel abzuschlagen und mit der 30-30 Winchester versteht sie umzugehen. Ihr hellblondes Haar und ihre Cup C Brüste sehen aber irgendwie fehl am Platz aus, denn Miranda ist eher die eiskalte Killerin, als das Betthäschen. Sogar die Tarnfarben in ihrem Gesicht macht sie irgendwie hübsch.

Sie tragen Messer, Pfeil und Bogen. „Chayoka wohin?“, und der Sue Indianer weist die Richtung, schon verschwinden die drei nahezu lautlos im Gebüsch. Drei weitere Spieler sind im Feld, um die Beute zu jagen, das Spiel ist eröffnet.

**

Inzwischen im Kommandostand

Ein schwer atmender Kunde zieht an seiner Menthol Zigarette. Dann keucht er den „Veranstalter“ an „Nehmt ihr auch Wetten an?“
„Die Quote für die beiden Texaner liegt bei 7:1 die Quote für die Waldläufer mit dem Indianer bei 9:1“
„Wie ist die Quote für die Beute, ich will auf die Beute wetten?“

Einige Köpfe huschen hin und her, da sagt der „Veranstalter“ zu seinem Kunden „275:1 Einsatz Minimum eine Million Dollar!“

„Abgemacht,“ keucht der Kugelrunde und zündet die nächste Zigarette an.
Ivan schaut den „Veranstalter“ mit runzelnder Stirn an „Was ist, wenn die gewinnt, dann sind wir bei der Quote alles los?“

„Erstens kann die nicht gegen alle gewinnen und zweitens, zweifle niemals mehr an meinen Ideen, ich habe soeben den nächsten Markt erschlossen, die Wettbüros, ruf bei Don Leone an und stell ihn an mich durch.“

Iwans Augen beginnen wieder zu leuchten, er hat offenbar verstanden. Das klingt nach weiteren Millionen.

**

Trapper und Fallensteller

Gebückt husche ich an dem Bach entlang, etwas Wasser ist gut, aber das hier riecht chemisch, besser nichts trinken und weiter.

Mit einem Sprung verschwinde ich in einem dornenbehangenen Busch und lausche, ich brauche etwas Ruhe, meine Kraft geht nach gut 30 Stunden zur Neige und ich bin nur halbwegs trainiert. Die langen Dornen dieser Hecke sind ein erstklassiger Schutz. Das dichte Laubwerk schützt vor ungeliebten Blicken und diese langen Dornen zeigen jedem „Komm mir nicht zu nah“. Gut zu wissen, dass man von der Unterseite leicht Schutz finden kann. Die Utensilien eines der Jäger enthalten zwei Power Riegel und eine Flasche klares Wasser, geradezu ideal, denn meine Muskeln brauchen neue Nahrung. Schnell kommt meine Kraft zurück, aber ein wenig Ruhe ist wichtig, wenn nur dieses merkwürdige Summen im Kopf nicht wäre. Dieses Summen, einem Tinnitus nicht unähnlich stört meine Gedanken. Nach der kleinen Pause geht es wieder weiter.

Da, der kleine Wasserfall, war da eben nicht eine Bewegung?  Als Versteck wäre das ideal, aber es könnte ja auch sein, dass da jemand zu sehr an Hollywood und Rambo geglaubt hat und sich da versteckt hält.

Da der Wasserfall nicht so breit ist, kann sich ein Kämpfer nur an einem Platz verstecken und das ist mir auf jeden Fall einen Pfeil wert. Der kleine kopflose Jäger von vorhin, hat mir seinen Jagdbogen mit Pfeilen überlassen. Ich spanne den Bogen und schieße. Mit einem dumpfen „Ooooouuuuuuch“ fällt ein schlammbehangener Jäger in das Wasser und treibt langsam ab. Der Pfeil steckt in seinem Herzen und der Jäger treibt still im Wasser. Kerim-Bayh hatte sicher nicht mit solch einem Ende gerechnet. Rambo war eben nur ein Film und das hier ist die knallharte Realität, die duldet keine Fehler.

Da erkenne ich, dass ich fast auch einen solchen Fehler begehe.
„Nie alleine, denk dran, die sind nie alleine“, hat uns unser Ausbilder Simon immer eingetrichtert, der da am Wasserfall war auch nicht alleine, also wenn du ein Jäger an einem Wasserfall wärst, wo würdest du dich verstecken? Ich verstecke mich und suche die zweite Person.

Da ist sie ja, sogar eine wirklich fesche Blondine, sie bewegt sich gut und leise und sucht den Wasserfall abwärts ab, dabei bin ich fast hinter ihr. Jetzt nur keinen Laut … Das dichte Buschwerk ist so stark, dass man kaum einen Meter weit kommt, ohne irgendwo anzuecken. Wenn man genau weiß, dass eine gute Jägerin vor einem ist, passt man doppelt so gut auf. In meinem Fall weiß ich, dass da aber noch ein weiterer Jäger lauert, aber den finde ich noch nicht, also zuerst die Blondine.

Wie gerne würde ich mit der etwas anderes, angenehmeres anstellen, aber ihr Blick sagt mir, dass sie an sowas kein Interesse hat, sie will morden! Leise nähere ich mich ihr und verharre. Stille kehrt wieder ein an dem gespenstigen Ort, das Wasser plätschert und die Gräser wehen im Wind.

Die blonde Jägerin weiß genau, dass die Beute hier am Wasserfall ist, oder zumindest vorbeikommen wird. Sie kniet sich und fühlt das Wasser, aus der Hand probiert sie einen Schluck und verzieht das Gesicht, das Wasser schmeckt ihr offenbar auch nicht. Da steht sie wieder auf, packt ihre Winchester und dreht sich, um weiterzugehen. Gerade dreht sie sich um einen Baum, da schaut sie in meine Augen und erschrickt. Noch ehe sie reagieren kann, steckt zwischen ihren beiden herrlichen Brüsten mein Messer tief in ihrem Herzen und ein kurzer, gurgelnder Schrei beendet ihr Leben.

Minuten später treibt die langhaarige Blondine, langsam im Wasser. Rasch, jetzt sollte der Wasserfall sicher sein und schon bin ich verschwunden. Meine Augen zucken kurz von rechts nach links und prüfen, ob ein weiterer Jäger hier ist. Das Kampfmesser in der Hand, sehe ich eine leichte Verfärbung des Wassers. Die Verfärbung kommt aus dem Erdloch da vor mir. So nicht mehr Freund, so schnell kriegst du mich nicht. Das kenne ich und es ist eine gute, aber offensichtliche Falle.

Unsere Ausbilder haben uns mit vielen solcher Fallen konfrontiert und das war immer eine der besten.

**

Inzwischen in dem Erdloch

Chayoka vom Stamme der Sue bereitet sich auf seinen größten Erfolg vor, gleich wird er die Beute zur Strecke bringen, und dann alleine die Belohnung einstreichen.

Seine Begleiter waren gut, aber er ist besser, er ist ein Naturbursche und kennt alle Tricks, er kennt alle Fallen. Da zerreibt etwas lehmige Erde damit sie sich im Wasser auflöst, diese Spur wird die Beute ganz sicher zu seiner Falle führen und er hat noch nie eine schlechte Falle aufgebaut oder eine Spur verloren.

Angespannt und jederzeit zum Sprung bereit, lauert er wie es seine Vorfahren bereits getan hatten, jede Beute die sich jetzt vor dem Loch zeigt, ist verloren, dessen ist er sich sicher.
Da kommt von oben tatsächlich ganz leise ein Stiefel, der Stiefel sucht nach Halt und findet ihn schließlich. Chayoka weiß genau, jetzt muss die Beute kommen, ganz leise nähert er sich dem Stiefel, gleich kommt das Bein und dann ist es soweit.

Alle seine Sinne sind gespannt und er kann die nasse Blue Jeans  im Stiefel genau sehen, da schießt aus der Spitze des Stiefels eine kleine Flamme und Chayoka wird in der Brust getroffen und stürzt rückwärts ins Wasser.

Vor ihm springt die rothaarige Beute herunter und ein Pfeil schlägt in seiner Brust ein.

Ehe er stirbt, sagt er noch „… ein guter Tag zum sterben … “ dann hustet er noch einmal Blut und es ist vorbei.

**

Seine Ausrüstung nehme ich an mich, denn sie ist erste Klasse. Endlich wieder ein sehr gutes Messer. Dazu einige Energieriegel, die noch original verpackt sind und frisches Trinkwasser. Gleich geht es mir wieder besser.

Jetzt müsste man sich so unsichtbar machen können wie die Stammeskrieger.
Ach wie gerne wäre ich jetzt auf Soulebda, meine Freunde überall, meine Geliebte und die Häuptlinge, dazu überall die Stammeskrieger und ich versinke in Gedanken an diese Krieger auf Soulebda.

Vor meinem inneren Auge bildet sich eine Art Nebel, durch diesen kommt eine Gestalt auf mich zu und beschimpft mich, erst da erkenne ich, dass das Jagus’tsaret ist, der da auf mich zu läuft und mich in der Stammessprache anfährt.

„Wieso hörst du nicht auf uns, wenn wir dich rufen, hast du alles vergessen was wir dich lehrten? Streng dich gefälligst besser an und überleg dir eines:

Wer ist der wichtigste Mensch auf der Welt der dir immer helfen würde und alles für dich geben würde, nur um dir zu helfen? Denk nach, Denk nach, Denk nach …“

Da hämmert mir ein einziger Name im Kopf, so laut dass es fast wehtut an den Namen zu denken –
Peter – Peter – P E T E R – P E T E R und ich schrei den Namen so laut in meinem Kopf, dass ich aus dem Nebel erwache, vor Angst ich hätte den Namen eben laut gerufen. Natürlich, wieso hab ich nicht daran gedacht wir können doch über große Distanzen kommunizieren.

Konzentration ist alles was ich brauche, da kommt wieder die große Nebelwand und ich sehe Jagus’tsaret erneut vor mir.

„Du hast ihn immer noch nicht richtig gerufen und vielleicht solltest du dich beeilen!“

„PETER!“ Schreie ich auf und sehe durch den Nebel eine Gestalt, es ist Peter. „Hilf mir Peter, bitte hilf mir…“ und im selben Moment fliegen zwei Gasgranaten in den Tunnel und ehe ich etwas tun kann, schwinden meine Sinne.

**

Tel Aviv

Der Ben Gurion International Airport lag direkt unter den beiden, sein ausladendes „A“ der Landebahnen war sehr markant. Die Luftwaffenmaschine landete auf dem Flughafen und rollt direkt zum Terminal 1. Levi schaut mich als sie an, als wir an einer Art Baustelle vorbeirollen. „Das da, war einmal der Terminal 2, aber den bauen wir irgendwann wieder auf. Eigentlich sollten wir ja auf der Air Base „Tel Nof“ etwas weiter im Süden landen, aber das geht gerade nicht, da läuft eine Übung.“

„Den Terminal 2 haben Terroristen gesprengt?“ „Ja, aber irgendwann bauen wir ihn wieder auf, die letzten Jahre ging es mit der bestehenden Infrastruktur ganz gut.“

Die Kabinentüre öffnet sich und zwei zurückhaltend lächelnde Damen schauen Peter und Levi an.
Der Empfang ist sportlich kühl und vor allem schnell.

Schon rast ein Wagen mit den beiden Passagieren zu den Kontrollen und weiter in die Stadt, dort werden sie bereits erwartet.

Ein Flugzeug der deutschen Luftwaffe, brachte einen ehemaligen Mossadagenten und einen Henker nach Tel Aviv. Was immer da ablief, es wurde ganz weit oben entschieden. Kaum gelandet wurden Levi und ich in einen Wagen verfrachtet und ich war angenehm überrascht, als ich Fibi erkannte, die mir gegenüber saß.

Ein Mann mit Sonnenbrille hält fordernd die Hand auf und bittet „Reisepass und Papiere bitte.“ Währenddessen schaute ich auf Fibi. „Hallo Fibi.“
„Hallo, mein Retter.“
„Lass das, es macht mich verlegen.“
Fibi lachte. „Das ist schwer vorstellbar. Aber auch wenn du es nicht hören willst, Danke mein Retter.“

Da kommt vom Beifahrersitz wieder die Hand mit meinen Papieren. „Ihre Papiere und willkommen in Israel.“, sagt der Mann mit schwarzen Brille und übergibt mir meine frisch abgestempelten Dokumente. Während ich mich bedanke, betrachte ich Fibi. Ich grinste leicht.

Fibi …

Fibi war nicht mehr das Küken, das im Todestrakt eingesessen hatte. Fibi war im Laufe der Zeit zu einer Frau herangereift, sogar Fibi passte nicht mehr zu ihr. Ihre Augen waren noch immer freundlich und warm, aber nicht mehr so unsicher wie vor zweieinhalb Jahren, als ich ihr die Kapuze über den Kopf gezogen hatte…

Ihre Bewegungen waren sicher und hatten etwas Katzenhaftes. Auch von dem Naiven und Loyalen das Fibi umgeben hatte, war nur noch das Loyale übrig. Ja, aus Fibi war Fabienne geworden.

– Du hast das Richtige getan. – ging es mir durch den Kopf.

– WAS? – Sofort verbot ich mir diesen Gedanken, aber ich war gegen diesen Gedanken machtlos.
Hatte ich das? Hatte ich das Richtige getan?
Fibi war von einem ordentlichen Gericht zum Tode verurteilt worden, zwar für etwas, das sie nicht getan hatte, doch statt sie hinzurichten, habe ich sie gerettet und so meinen eigenen Kopf in die Schlinge gelegt.
Und nicht nur meinen! Niemand würde Caroline glauben, dass sie nichts von meinem Plan gewusst hatte…

Statt ein rechtskräftiges Urteil zu vollstrecken, hatte ich das Gesetzt in die eigene Hand genommen, genau wie bei Beate.
Ich erinnerte mich nur allzu gut, an den entscheidenden Moment…
Vera hatte sich vor Beate geworfen um ihr eigenes Leben für das von Beate geben und ich hatte gezögert.
Warum?

War es, weil ich glaubte, Beate sei unschuldig?
Wollte ich einfach nicht für Trommers Drecksarbeit benutzt werden?
Oder war es so, wie ich zu Frank gesagt hatte und es einfach für eine gute Idee hielt?
Ich musste mir eingestehen, dass ich darauf keine Antwort hatte, aber mir war in dieser entscheidenden Sekunde die Tragweite meiner Handlung nicht ansatzweise bewusst.
Viele Menschen verloren, wegen meines Zögerns, ihr Leben, einige auf der Jagd nach Beate, andere beim Versuch sie zu schützen.
Vera, Jessika, Frank und Randy, ihre Schicksale waren auf ewig mit dem von Beate verbunden und sollte jemals … ich musste mich konzentrieren.
Bei Fibi war es anders. Anfangs sollte sie Caroline eine schöne Zeit bereiten und dann am Galgen baumeln.

Doch schon als ich die erste Anfrage vom Gericht bekam, ob die Exekution von Fabienne durchgeführt sei, war mir bewusst, dass Fibi weder durch mich, noch durch einen anderen Henker sterben würde.
Diesmal zog ich es allein durch und schaffte Fibi außer Landes. „Onkelchen“ wusste genau, was er für ein Geschenk bekommen hatte und hütete es, wie seinen Augapfel.

Doch seit Beate, fragte ich mich bei jeder neuen Todeskandidatin, Hat sie den Tod wirklich verdient?
Sicher, ich hatte noch immer meinen Spaß bei der Arbeit und genoss die Zeit in der Kammer, so gut es ging, dennoch ließ sich die Frage nie ganz verdrängen.
Anfangs stellte sich diese Frage nur leise, denn als Caroline in mein Leben trat, ging es hoch her und ich hatte wenig Zeit über diese Frage nachzudenken.
Aber mit der Zeit erhöhte sich die Lautstärke, mit der die Frage sich in meine Gedanken einschlich.
Ähnlich verhielt es sich mit dem Verhalten gegenüber den Gefangenen. Seit ich mit Caroline zusammen war, gab es kaum noch sexuellen Kontakt mit gefangenen Frauen. Und wenn, dann nur wenn Caroline mit von der Partie war.
Als mich Fibi, nein Fabienne, anlächelte, fragte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben, ob ich den richtigen Beruf ergriffen hatte.
Als sie mir einen Becher mit Kaffee reichte, griff sie meine Hand und sah mir mit einem offen lächeln tief in die Augen.
Es war genau die Geste, die ich jetzt brauchte. Ich hielt ihre warme und weiche Hand in meiner und sie drückte sie.
Den Rest der Fahrt saßen wir händehaltend nebeneinander.
Ja, verdammt! Ich hatte das Richtige getan!

**

In der Stadt fuhren wir durch mehrere Einfahrten und schließlich durch zwei Parkgaragen. Schließlich kamen wir wohl in der Zentrale an. Sicherheit und Verschwiegenheit waren oberstes Gebot.

Levi führte und lotste uns durch die Sicherheitsschleusen.

Als wir an einer weiteren Schleuse stehen bleiben mussten, durchzuckte mich ein Blitz!

„PETER!“

Es war Caroline, die mich rief!

„PETER HILF MIR!“

Ich sah sie! Sie lief durch einen Wald, durch Nebel und Wasser, da saß sie in einer Höhle.

„PETER…“

Fibi hat gerade den frischen Kaffee gebrüht, da klirrt neben ihr Peters Kaffeetasse zu Boden.

„Caroline“ rief er laut und Fibi schaute ihn an, „Aber ich bin doch Fabienne.“

Peter stand wie erstarrt im Flur und starrt ins Nichts, dann schaute er Fibi an und küsst sie auf die Wange.

„Ich hab sie, ich habe Caroline gefunden,“ schreit Peter und er lächelt sie an. Fibi wunderte sich nur.

Benjamin Levi schaut ihn an und dann zu Fibi, „Das schaffen nur Verliebte“ und klingelt nach seinem Onkelchen.

„Ja?“ kommt es fragend aus der Anlage.

„Ich glaube Peter hat auch eine heiße Spur gefunden, aber fragen sie nicht wie.“

„Reinkommen“ tönt es aus der Anlage.

**

Wir sind zu fünft. Neben Dagan waren noch Levi, Lem und Fabienne im Raum.

„Du hast eine heiße Spur?“, fragte Dagan. Er sah fürchterlich aus. Es schien, als habe er seit Tagen nicht geschlafen. Auch wenn er es niemals zugeben würde, Caroline war ihm genauso wichtig wie mir.
Anders als ich, hatte Dagan einen der besten Geheimdienste der Welt zur Verfügung und war keinen Schritt weiter gekommen. Umso verblüffter war er wohl, als er hörte, dass ich eine heiße Spur hatte.

„Ich weiß dass, sich das jetzt verrückt anhört, aber ja, ich hab eine Spur.“
„Ich bin längst an dem Punkt, wo mir egal ist, wie verrückt die Spur ist, Hauptsache es ist eine Spur.“
Ich sah Levi an. „Erinnerst du dich an Bernds Hochzeit?

Die Stammeskrieger haben eine Zeremonie abgehalten und Jagus’tsaret hat uns einen Trank gereicht.
Seine Worte waren, „Egal wo ihr seid, an jedem Ort der Welt, werdet ihr uns hören und verstehen können.“ Ich hab es als Aberglauben abgetan, aber das ist kein Aberglaube. Letzte Nacht habe ich mit Jagus’tsaret geredet!

Er konnte sehen, was Caroline sieht und hört. Von Ihm kam der Name auf dem Zettel. Caroline muss ihn gehört und irgendwo in ihrem Kopf gespeichert haben. Dann vor ein paar Minuten, draußen im Flur, habe ich Caroline selbst gesehen! Sie hat mich gerufen und ich konnte sie wirklich sehen!“
Während Lem mich ansah, als ob ich den Verstand verloren hätte, blickte Levi nachdenklich. Er hatte die Stammeskrieger selbst erlebt und gesehen, wozu diese faszinierenden Menschen fähig waren.
Dagan schien hin und hergerissen zu sein. Einerseits war da der professionelle Analytiker in ihm, andererseits gab es nichts, was sich einfach ausschließen wollte.

„Wo ist sie?“
„Ich weiß es nicht. Das Problem ist, das Caroline es wohl selbst nicht weiß. Sonst hätte sie es mir sicher gesagt.“

„Was hast du gesehen?“
„Sie lief durch einen tiefen und großen Wald.“
Dagan presste die Lippen zusammen. Er wusste also irgendwas!
„Wer oder was ist denn jetzt ALESKI?“, wollte ich wissen.
Dagan bekam ein böses Funkeln in die Augen.
„Aleski ist einer der schlimmsten Verbrecher, den es gibt. Er leitet ein weltweit operierendes Syndikat, das Menschen entführt, sie tötet und anschließend ihre Organe verkauft.“
Mir blieb das Herz stehen. Meine Caroline soll ausgeweidet werden? NEIN!!!
Moment…

„Die Kerle brechen doch nicht in einen der am besten bewachten Orte der Welt ein, um eine Frau als Organspenderin zu entführen. Da schnappt man sich die Nutte an der nächsten Straßenecke!“
„Hier geht es um mehr als um Organe. Aleski war einer der ersten Verbrecher, die sich auf den Handel mit illegalen Organen verlegten. Er konnte die Preise machen, wie er wollte. Noch immer ist seine Organisation die Nummer eins, doch der Markt ändert sich, Neue und billigere Ware erscheint auf der Bildfläche.“

„Umso unwahrscheinlicher, dass er so einen Aufwand betreibt und eine so knifflige Entführung unternimmt.“
„Um die Organe verkaufen zu können, braucht er Mittelsmänner. Und die orientieren sich erst einmal am Preis. Also muss er sie anders bei Laune halten.“
„Wie?“ Sollte sich Aleski Caroline als Betthäschen ausgesucht haben, würde er eine böse Überraschung erleben. Ich wusste genau, wie Caroline kämpfen konnte, das war kein Gruppenkuscheln!

„Er veranstaltet Safaris.“
Safaris? Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
Doch dann erreichte die Botschaft mein Gehirn und explodierte förmlich.
Meine Caroline war die Beute!

„Aleski hat einen ganz neuen Geschäftszweig gegründet.

Seine Leute entführen überall auf der Welt Menschen und lassen sie dann als Beute, hinter der der Jäger her ist, wieder laufen. Und je besser die Beute, umso höher der Preis.“
„Ihr wisst das, und legt den Kerl nicht um?“, fragte ich ungläubig.
„Wir sind nicht die Weltpolizei, auch ein Geheimdienst muss sich an Gesetzte halten.“
„Bullshit!“

Dagan schaute mich strafend an. „Aleski hat drei unserer Agenten entführt und getötet. Beim Versuch sie zu retten, sind sechs weiter ums Leben gekommen. Es ist also nicht so, dass wir es nicht versucht hätten.“

Ich war sprachlos.

Dagan überließ Lem das Feld.
„Die Amerikaner haben weit mehr Agenten verloren. Erst neulich sind zwei CIA Mitarbeiter der Buchhaltung entführt worden. Ihre Spur verliert sich in Russland.“
„Buchhalter?“

„Aleski scheint Schwierigkeiten zu haben, geeignete Beute zu finden. Er muss immer größere Risiken eingehen, um gute Beute zu bekommen. Wir glauben, dass Aleski seine Partner mit einem ganz besonderes Event bei Laune halten will und Caroline ist offenbar die Beute für das Event.“

„Aber warum Caroline?“
„Caroline hat viel Aufmerksamkeit erregt. Sie ist sein Meisterstück. Mit ihr verdient er mehr als mit all anderen zusammen.“

„Das werde ich nicht zulassen! Wo finde ich dieses Arschloch?“
„Tja, das weiß niemand.“
„Der Kerl zieht so eine Nummer ab und ihr wisst nicht, wo er seinen Bau hat? Sorry, aber das zu glauben, fällt ziemlich schwer.“
„Wir wissen nur, dass er in der Nähe von Tomsk sein Revier hat.“
„Wieso sind wir dann noch nicht unterwegs?“, fuhr ich auf. Verdammt wir saßen hier rum halten Kaffeekränzchen und Caroline war in Gefahr. Allmählich übernahm die Wut in mir die Kontrolle.
Levi registrierte es und versuchte mich zu beruhigen.
„Peter, wenn es so einfach wäre, würde wir nicht hier sein und diskutieren. Die Region um Tomsk liegt in Westsibirien und ist sieben Mal so groß wie die Bundesrepublik. Unübersichtliche Wälder, weite Steppen und Tundra.

Wir können auch nicht einfach so nach Russland hinein.. Wir müssen erst wissen wo und wie wir an Aleski herankommen.“
Er hatte Recht, aber das machte es nicht einfacher, still zu sitzen und abzuwarten.
Lem übernahm wieder.

„Wir haben, wie schon gesagt, drei Teams in die Region um Tomsk geschickt in der wir Aleski vermuten. Keines ist zurückgekommen. Es ist so, als ob sie vom Erdboden verschwunden sind. Wir müssen also eine andere Taktik anwenden.“
„Und was tun wir?“, wollte ich wissen.

Dagan sah mich an. „Wir werden dich nach Tomsk schicken. Du hast gezeigt, dass du mit deinen unkonventionellen Methoden Erfolg hast.“

Das saß, ein Lob vom großen Dagan.

STOPP!

„Scheibenkleister, ihr benutzt mich als Köder!“
„Du lernst schnell.“ Meinte Dagan.
„Mal davon abgesehen, dass ich um Caroline zu retten alles tun werde, wie soll ich in Tomsk umhören und lange genug überleben um die Katze aus dem Bau zu locken?“
„Das Umhören ist einfacher, als du denkst. In Tomsk gibt es eine große Russlanddeutsche Gemeinde. Du wirst dich also halbwegs verständigen können.“
„Wenn ich der Köder bin, wer ist dann meine Rückendeckung?“
Dagans Augen wurden schmal. „Du wirst verstehen, dass wir dir das nicht sagen können.“
Nein, dafür hatte ich KEIN Verständnis, aber ich wusste, dass er das richtige tat.

„Aber keine Angst, wir lassen dich nicht allein zu den Bösen.“ Sagte Dagan, „wir geben dir Leutnant Stahl mit.“
„Wen?“
„Leutnant Stahl. Stahl hat gerade ein zweijähriges Intensivtraining in Selbstverteidigung, Kampftechniken und Umgang mit Handfeuerwaffen abgeschlossen. Stahl ist eine Kampfmaschine, und sie ist mindestens so gut, wie Caroline.“
Damit war die Messlatte verdammt hoch angelegt. Caroline war die beste Einzelkämpferin, die ich je gesehen hatte.

„Als Stahl von dieser Mission hörte, hat er sich sofort freiwillig gemeldet. Leutnant Stahl wird mit dir kommen und dir den Rücken sicher freihalten.“
„Und wo finde ich diesen Leutnant Stahl?“
Die drei sahen mich an und ich hätte schwören können, dass bei Dagan die Mundwinkel zuckten.
Levi biss die Zähne zusammen und Lem grinste von einem Ohr zum anderen.

„Wieso grinsen die mich so an?“, fragte ich Fabienne.
Doch plötzlich stand die Welt auf dem Kopf, das Zimmer drehte sich und ich landete auf dem Boden. Ehe ich wusste, was geschehen war, saß Fabienne auf mir und hatte mich gepackt.

„Keine Angst mein Retter, Fibi wird auf dich aufpassen.“ Sagte sie mit glühenden Augen und lachte dabei.

**

Ich konnte es noch immer nicht fassen. Die kleine Fibi war Leutnant Fabienne Stahl. Die Kampfmaschine, die mich beschützen sollte.

Um das zu verdauen brauchte ich eine Zeit lang.
„Wann geht’s los?“, hatte ich Dagan gefragt.
„Immer langsam, mein Freund. Bevor ihr loszieht, müsste ihr euch kennen lernen.“
„Ich kenne Fabienne.“

„Nein, du kennst Fibi, das Spielzeug, mit dem ihr euren Spaß hattet, aber du kennst nicht Fabienne Stahl. Ihr werdet zusammen trainieren, bis ihr ein Team seid.
Normalerweise dauert es Monate, manchmal Jahre, bis sich zwei Agenten so gut kennen, dass sie ein gutes Team sind, soviel Zeit haben wir nicht. Also reiß dich zusammen und trainier mit ihr.“

Und das tat ich.

Mein Martyrium begann schon am nächsten Tag. Lange vor Sonnenaufgang wurde ich unsanft aus dem Bett gerissen und von einem Trainer, der vielleicht Mitte Zwanzig und eindeutig ein Schinder war, zusammen mit Fabienne durch den Wald gehetzt.
Scheibenkleister, hätte ich bloß nicht so oft das Training geschwänzt.

Verbissen liefen wir nebeneinander und ohne Vorwarnung griffen uns vier vermummte Gestalten an. Hatte ich jemals Zweifel an Fabienne gehabt, sie lösten sich in Luft auf. Während ich noch mit einem der Angreifer beschäftigt war, brachte Fabienne die drei anderen zu Boden und half mir schließlich den vierten fertig zu machen.

„Niemand hat etwas von Pause gesagt!“, brüllte der Trainer uns an und der Lauf ging weiter.
Beim nächsten Lauf war ich auf den Angriff vorbereitet und schaffte es allein, meinen Gegner zu Boden zu schicken, wobei noch immer das Verhältnis drei für Fabienne und einer für mich bestand.
Nach dem Frühstück stand Schießen auf dem Trainingsplan. Da konnte ich punkten. Der Umgang mit der Sig war mir bestens geläufig und die regelmäßigen Wettbewerbe auf der Schießbahn des Gefängnisses, machten mir Spaß.

Allerdings, seit Caroline dabei war, gab es kaum noch andere Sieger.
Caroline…
So schwer es mir auch fiel, ich schob den Gedanken beiseite und konzentrierte mich wieder auf das Training.

Der fünfte Tag brachte das erwartete Gewitter.
Am Nachmittag stand waffenlose Selbstverteidigung auf dem Programm. Fabienne und ich trainierten mit einigen anderen Agenten in einer kleinen Sporthalle.

Der Trainer (mein persönlicher Schinder) holte uns alle hart heran.
„Jetzt kommen wir zu einer anderen Übung.“ Er griff einen ca. einen Meter langen Stock, stellte sich in die Mitte der Halle und suchte einen der anderen Kämpfer als Partner der Übung.
„Verteidigung bei einem Angriff mittels Schlagwerkzeug.“, kündigte er an.
Er demonstrierte die Übung zunächst langsam. Der Stock bewegte sich auf den anderen zu und der wich zwei Schritte zurück, wobei er sich zur Seite drehte. Dann war der Stock außer Reichweite und der Verteidiger griff an. Natürlich blieb der Angreifer nicht ruhig stehen und der Verteidiger musste weiter ausweichen.

Die Agenten begannen miteinander zu üben und der Trainer kam zu Fabienne und mir.
„Sie werden die Übung etwas anders ablaufen lassen. Sie werden ausweichen und sich zurückziehen, bis Leutnant Stahl den Angreifer übernimmt.“

„Fabienne? Ich denke, ich soll den Angreifer unschädlich machen?“
„Auf Grund ihrer Unerfahrenheit und ihres Alters ist es besser, wenn ihre Rückendeckung das übernimmt.“ Stellte er nüchtern fest.
„WAS?“
„Ich sagte,…“

„Ich habe gehört was du gesagt hast! Hör zu Rotzlöffel, ich reiß dir den Arsch soweit auf, dass ein LKW darin wenden kann.“
Die Augen des Trainers wurden schmal und er nahm Angriffsstellung ein.
Fabienne war hin und her gerissen, und überlegte ob sie eingreifen soll oder lieber nicht. Auch die anderen Agenten hatten das mitbekommen und hielten inne.

– Prima, Idiot. Warum kannst du nicht einmal die Klappe halten. –

Aber dieser Typ ging mir seit Tagen auf den Sack und irgendwann ist Schluss!
Ok, du hast nur einen Versuch. Ich versuchte, an Deckers Training zu denken.
„Hat der Gegner eine längere Waffe als du, dann ran an den Feind. Keinen Nahkampf! Rangehen und fertig machen ist eine Bewegung!“
Wie war die Übung abgelaufen? Zwei Schritte nach hinten und dabei drehen. Ok!
Ich blickte nach hinten, ob ich Platz hatte, zum Ausweichen. Ja, Platz war da, dann greif mal an!
Als Henker liest du in den Gesichtern anderer Menschen. Meist ist es so, dass du der Letzte bist mit denen sie Kontakt haben und ich konnte die Menschen lesen!

Ich schaute dem Trainer genau ins Gesicht. Er war überheblich und würde sich sicher verraten, bevor er mich angriff.

Genau so war es. Er hielt mich für keinen gleichwertigen Gegner und wollte mir vor allen anderen eine Lektion erteilen. Er grinste ganz leicht und ich wusste, dass dies den Angriff einleitete.
Er machte einen schnellen Schritt auf mich zu und ließ den Stock nach unten sausen. Doch statt nach hinten auszuweichen ging ich voll in ihn hinein und riss das Knie nach oben, während mein linker Arm den Stock zur Seite lenkte und mein Kopf zustieß.

Decker wäre stolz auf mich gewesen! Das Knie und mein Dickkopf landeten genau richtig und alles, was der Trainer von sich geben konnte, war ein leises Grunzen, dann brach er auf den Matten zusammen.
Die anderes sahen mich mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Verachtung an. Mein Verhalten war in höchsten Maß unsportlich, aber hier ging es nicht um Sport, hier ging es ums Überleben.
Fabienne kniete sich neben den Trainer und schüttelte den Kopf. Nach etwas mehr als einer viertel Stunde hatte sich der Trainer soweit erholt, dass er aufstehen und aus der Halle hinken konnte.
Wie ich vorhergesehen hatte, bezahlte ich für diesen kleinen Erfolg. Mein Schinder ließ sich nur einmal von mir überraschen und nahm mein Training selbst in die Hand. Unzählige Male schlug ich auf den Matten auf, doch jedes Mal wenn ich aufschlug, lernte ich dazu und wurde besser.
Nach fünf weiteren Tagen machte ich beim morgendlichen Lauf zwei Angreifer selbst fertig.

**

„Und, was macht die Vorbereitung unserer zwei Helden?“
Dagan saß mit Levi und Lem in seinem Büro. Seit unserer Ankunft waren zwei Wochen ins Land gegangen. Jeder Tag den Caroline in den Fängen dieser Verbrecher verbrachte erhöhte das Risiko, dass ihr etwas angetan wurde. Auf der anderen Seite erhöhte jeder Tag Training die Chance ihr wirklich helfen zu können. Eine verpfuschte Rettungsaktion erhöhte das Risiko für Caroline noch viel mehr.
„Eine Katastrophe.“ Meinte Lem dazu.

„Fabienne ist so gut vorbereitet, wie es nur geht, das Problem ist Peter.“
„Was ist das Problem?“
„Peter kann sich nicht unterordnen. Er hat ein Problem mit der Kommando Hierarchie. Er stellt Befehle in Frage und befolgt Anweisungen nur, soweit er sie für sinnvoll hält. Er trifft viele Entscheidungen ohne Analyse, rein nach Bauchgefühl. Ich glaube nicht, dass er jemals soweit sein wird.“
Dagan schwieg. Er konnte Fabienne nicht losschicken ohne einen zuverlässigen Partner.
„Ich sehe das etwas anders.“ Mischte sich Levi ein.

„Es stimmt, dass Peter oft einfach nach Gefühl handelt, doch in der ganzen Zeit auf Soulebda, hat er sich nicht einmal geirrt. Er ist mutig und übernimmt immer die Verantwortung für sein Handeln.
Ich lebe mit Jessika unter einem Dach und Peter gehört praktisch zur Familie, ja, er hat ein Problem mit der Kommando Hierarchie, dennoch sind sein Chef und alle Freunde ohne zu zögern los geflogen, um ihm und Caroline zu helfen, ich finde, das sagt einiges.
Peter ist absolut loyal. Der Trainer, mit dem er in der Halle ein Problem hatte, könnte ihn heute Nacht um drei Uhr anrufen und ihn fragen, ob er ihm helfen könnte und Peter würde, ohne zu fragen „ja“ sagen.
Glaubt mir, er ist bereit!“

Dagan tat sich mit der Entscheidung sichtlich schwer.
„Warum fragen wir nicht einfach Fabienne, ob sie mit Peter gehen will? Die Zeit läuft und davon und wir können nicht ewig warten. Ich denke, wir sind an dem Punkt angekommen, wo das Risiko zu warten, größer ist, als das loszuschlagen.“, schlug Levi vor.
Nach einer Zeit, griff Dagan zum Telefon und ließ Fabienne zu sich kommen. Doch schon jetzt wusste er, wie deren Entscheidung ausfallen würde.
„Was macht die anderen Teams?“
„Die sind bereit.“, antwortete Lem.

**

Ich saß am PC und schaute nach, was das Internet über Tomsk wusste.
Tomsk liegt im westlichen Teil von Sibirien, welcher wie Levi gesagt hatte, etwas sieben Mal so groß wie Deutschland ist.

Gegründet 1604 als Garnison hatte die Stadt jetzt mehr als 500.000 Einwohner.
Das Umland bestand aus Wald und Steppen. Soweit so gut. In dieser Weite konnte alles sein, oder eben nichts…
In diese Gegend sollten Fabienne und ich uns also begeben. Heute Mittag hatte uns Dagan Bescheid gegeben, dass wir losschlagen würden. Irgendwie fühlte ich mich wie ein Wurm, bevor er auf den Angelhaken gesteckt wird.
Ich wollte die Seite gerade schließen, als mir der Begriff „geschlossene Stadt“ ins Auge fiel.
Ein Link zu dem Begriff, erklärte mir, dass dieser Bereich für fast jeden, der nicht dort wohnte, unerreichbar war. Wachen, Zäune und Sicherheitsanlagen verwehrten jedem, der keine Genehmigung hatte den Zugang.
Auch Tomsk war zu Zeiten des Kalten Krieges eine geschlossene Stadt. Heute ist das nur eine Nachbarstadt namens Sewersk.
Wenn das kein Zufall war.

Wo könnte man sich sicherer fühlen? Eines war mir schon beim ersten Gespräch mit Dagan klar geworden. Aleski konnte sich nur verstecken, mit Duldung der Behörden. Man konnte auch in Russland nicht Menschenjagden veranstalten, ohne dass irgendjemand etwas mitbekam. Dazu war der Aufwand viel zu groß.
Aleski muss die Behörden schmieren. Wie weit das nach oben ging, blieb abzuwarten, aber mit einem einfachen Bürgermeister, wird es sicher nicht sein Bewenden haben.
Für Fabienne und mich hieß das doppelt aufpassen. Sollte die Sache aus dem Ruder laufen, könnten wir nicht einfach zur Polizei gehen.
Gerade hatte ich den Rechner ausgeschaltet, als Fabienne an die Tür klopfte.
„Gibt es noch etwas Neues?“
„Nein, ich wollte dich fragen, ob ich heute Nacht hier bleiben darf …“
Wir lagen die ganze Nacht eng aneinander und hielten uns fest, genossen die Nähe des anderen, ohne dass mehr geschah, doch seit Carolines Verschwinden konnte ich mich erstmal etwas fallen lassen.
„Wir werden sie zurückholen.“, schwor sie mir mitten in der Nacht.

Noch in dieser Nacht geschah einiges.

**

Zu Hause

Randy saß an seinem Rechner und seine Augen fingen an zu leuchten.
„Hab ich dich, du Schweinebacke!“
Sofort lief er zu Frank …

**

Irgendwo in den tiefen Wäldern

Irgendwo in den tiefen Wäldern Nordamerikas endete etwas, was vor zwei Wochen angefangen hatte.
Vor vierzehn Tagen standen sich zwei Teams Elitesoldaten gegenüber, ein israelisches und ein amerikanisches Team. Die zwei Führer und ihre Stellvertreter fielen sich zum Erstaunen ihrer Soldaten in die Arme und klopften sich gegenseitig auf die Schultern.
Im Laufe der Wochen waren beide Teams zu einer einzigen Einheit herangewachsen, die jetzt ein Flugzeug bestieg.

Die Amerikaner, angeführte von Colonel Mike Smith, ich kannte ihn eigentlich nur als Nummer 1 und Dave Miller, Nummer 2 und die Israelis angeführt von Major Meresch und Hauptmann Menachem hatten den Auftrag in die Region um Tomsk einzudringen und dort unterzutauchen.
Das Flugzeug startete und verschwand in der Nacht.

**

Inzwischen irgendwo im Nirgendwo

Flammende Scheinwerfer und heißes Licht auf nackter Haut, wie ich so etwas hasste.
Die Arme und Beine wieder einmal gespreizt und fest gebunden und die Garantie dass sich stinkreiche Geschäftsleute auf der anderen Seite der Glasscheibe, oder der Monitore, aufhielten und denen die Hose anschwoll bei meinem Anblick.

Dem Anblick der Beute.
Dann tönte diese Stimme immer wieder in meinem Kopf:

„Sie sind Beute. Ihre Aufgabe ist es, ihre Angreifer alle zu besiegen und zu töten. Versagen sie, stirbt die Kleine auf dem Brett.
Nun die Regeln in diesem Spiel. Es gibt keine Regeln!“
Dieser Satz donnert andauernd durch meinen Kopf. Diese sportlichen Aufgaben, nichts anderes als einfachste Hetzjagd auf menschliche Beute und je tödlicher diese Beute ist desto höher der Preis den die Jäger zahlen müssen.

Die große Tür geht auf und sie kommen. Zwei Wissenschaftler, zwei Wachen, der Oberst und dann die ganzen zahlenden Gäste, wie ich sie hasse, naja einige werde ich ja draußen auf der Spielwiese wieder sehen und dann sehen wir weiter.

„So meine werten Freunde, hier haben wir unsere bisher beste Beute. Sie hat in aktuellen Lauf mit 7:1 die beste Bewertung. Bisheriger Rekordhalter war der Japaner, der in Tokio wegen 12-fachem Mord verurteilt und sich dann uns zur Verfügung gestellt hatte, er hatte eine Quote von 10:1 und Miss Miles ist auf dem besten Weg diese zu überbieten. Sehen Sie sich die Beute an, aber beschädigen Sie sie nicht.
Vergessen Sie eines nicht:

Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist verboten!

Fieses Gelächter bei den geilen Säcken, es sind aber auch einige andere dabei, wie die beiden Japaner. Sie sehen nach Kämpfern aus und beachten meine weiblichen Attribute kaum.

Was der kugelrunde Chinese will, ist mir schleierhaft, der kann nicht mal ein Messer aufheben.
„Also denn“, sagt der Oberst „sie haben sich vom ordnungsgemäßen Zustand der Ware überzeugen können. Das beste Gebot legt das neue Spielfeld fest, bitte kommen Sie mit mir zur Auktionshalle.“
Damit verschwinden die Leute alle aus dem Raum, mit Ausnahme der beiden Wissenschaftler. Das eine ist ein richtig schöner Nerd mit dicker Hornbrille und wild abstehenden Ohren und querstehenden Zähnen. Vermutlich der Überflieger beim MIT oder einem anderen Technikum.

Der andere sieht mich gierig an, am liebsten würde er mich in einem Partykeller erkunden, so wirkt er auf mich. Ich kenne diesen Typ Mann leider zu gut, die wollen ihren Spaß haben, egal, wer dabei drauf geht.
Dann schnarrt der Lautsprecher: „Meine Herren Doktores, bitte die Ware für den Transport sichern und schlafen legen.“

Da spüre ich auch schon den Partygänger an meiner Seite. Er streichelt mir über meine Haut und lächelt dabei so richtig geil. So wie der sich gibt hat der keine Freundin. So streichelt man doch keine Frau. Als er dann auch noch meinen Busen beginnt zu kneten, tatsächlich er knetet ihn, anstatt zu massieren reicht es und ich fauche ihn auf russisch an.

Erschrocken sucht er schnell in der Nierenschale die Spritze und zieht sie mit einer gelblichen Flüssigkeit auf. Zumindest weiß er wie man die Spritze herrichtet und als die Spritze bläschenfrei ist schaut er mich mit seinem geilen, schmierigen Blick an und sticht mir die Spritze in den Oberschenkel.

Während er langsam diese Brühe in mich pumpt berührt er mich. Er berührt mich überall da, wo ich niemals von diesem schmierigen Typen berührt werden möchte und er geilt sich dabei immer mehr auf.
Dann wird es milchig um mich herum und Dunkelheit umfängt mich.

**

Brummende Motoren und das warnende Gefühl zu sinken wecken mich auf und ich schrecke zusammen.

Schnell orientieren.

Wir fliegen, meine Ohren waren zugefallen und gehen gerade wieder auf. Wieder einmal liege ich gefesselt und in Kampfuniform auf einem dicken Polstersack. Ich kann meinen Atem sehen und das obwohl, wir sinken. Also sind wir verdammt hoch oder wir landen in einer sehr kalten Region.

Die Fenster der Turboprop Maschine sind weiß lackiert oder wir fliegen durch einen Schneesturm, aber dann müssten wir Turbulenzen spüren … und da beginnt die Maschine bereits zu rütteln und zu schütteln, wie auf einer nicht geteerten Straße, also ist das da draußen doch ein Schneesturm.

Damit nicht genug, ich habe einen neuen Handschmuck erhalten, ein Metallarmband zweifellos mit einem Sender und einem kleinen Display der Zähler steht bei 7:1 aha, das ist also der aktuelle Counter.

Ein Offizier kommt rein, eingemummelt in arktische Kleidung und zeigt mit einer Hand die 5 auf, also noch 5 Minuten bis zur Landung. Zwei Muskelberge helfen mir, mich aufzustellen und lösen meine Fesseln, dann wirft mir einer der Muskelberge die Arktische Schutzkleidung zu, allerdings nicht weiß oder mit winterlichen Tarnfarben nein, sie haben mir eine grüne Version gegeben. Anscheinend wollen sie mich nicht verlieren.

Ihr Bastarde.

Ein weiterer der Muskelberge steht hinter mir und spricht auf Russisch laut in die Maschine. „Hey Püppie, mach mal den Weg frei, wir wollen alle noch mal über dich drüber rutschen!“

Dann lachen die anderen Männer auf, offenbar ist das ein Versuch, ob ich sie überhaupt verstehe. Da ich nicht reagiere, drückt er mich zur Seite und ich lächle ihn noch nett an, als er sich an mich drückt, um vorbeizukommen.

„Die Muschi kann nicht mal unsere Sprache!“, ruft er in die Menge und erhebt seine Hand. Einer der anderen bringt einen mächtigen Rucksack. Den schnallen sie mir um, wie nicht anders zu erwarten, versuchen sie mich dabei zu berühren, aber mit der dicken Arktis Ausrüstung macht das keinen Spaß.

Ich sehe, wie sich zwei der Männer an der Heckklappe anleinen und schon öffnet sich die Heckklappe und endlich erkenne ich etwas. Verflixt das ist ja nur Baumwipfelhöhe und das bei einem Schneesturm, der Pilot hat ja echt etwas auf dem Kasten.

Zwei Mann drücken mich bereits zur Ladekante, gleich geht es wohl abwärts. Verflixt die wollen nicht einmal landen. Was zum Teufel haben die vor mit mir?

Nein !

Mit einem unsanften Schubser in meinen Allerwertesten, fliege ich aus der Maschine, kann mich gerade ausrichten und schon lande ich im Tiefschnee. Zum Glück keine Bäume. Schon bereue ich mein soeben Gesagtes wieder, denn leider keine Bäume, bedeutet auch, es gibt keine Deckung. Zum Glück bin ich schnell oben an der Luft und komme an den Rucksack heran. Die Schneeschuhe braucht man hier auf jeden Fall, der Schnee ist nicht so fest, dass er mich sonst trägt.

Der Schrank, der mich so freundlich an die Außenwand gedrückt hat, dürfte jetzt vermutlich den Verlust seiner Tasche bemerkt haben, die ich an mich genommen habe.

Rasch aufmachen und kontrollieren. Ein Messer, dazu Werkzeugset, etwas Medizin, ein neueres russisches Navigationsgerät und ein Benzin Feuerzeug, das ist alles Gold wert, wenn es keine Absicht war, dass ich an die Tasche da herankam.

Kurze Kontrolle, das Navigationsgerät ist auf die russischen Satelliten eingestellt und auf die passenden Entfernungswerte, der Akku-Pack ist frisch und zeigt 99%, das Messer ist sehr gut geschliffen und der Rest auch in bestem Zustand, nein das schaut doch nicht gefakt aus.

Das Navigationsgerät bootet und zeigt mir, sobald genug Satelliten geloggt sind, wo ich mich aufhalte. Endlich eine Angabe, mit der ich etwas anfangen kann. Eine Weile und endlich kommen die ersten Daten: Енисейской (Jenisei) steht da im Display.

Super, was zum Geier machen die hier oben am Jenisei und dann noch im beginnenden sibirischen Winter. Noch etwas und dann kommen die genaueren Daten. Oh, ich befinde mich mitten im Nirgendwo vom Taymyrsky Dolgano-Nenetsky Distrikt. Aber endlich eine konkrete Angabe, jetzt schnell ein Versteck, das man auch nicht so schnell finden kann.

Ich glaube MacGyver wäre stolz auf mich gewesen, würde er sehen, wie ich meine Spur breit mache und damit verschleiere. Eine knappe Stunde später stehe ich im hügeligen Gebiet und habe mir erstmals einen Überblick verschafft.

Und nun nochmal das tun was wir gelernt haben, Kraft tanken, konzentrieren, langsam den Atem senken und die innere Ruhe und Kraft finden. Ab und an zucken kurze Blitze durch meinen Kopf aber ich glaube, ich bin auf dem Weg, auf dem Weg zu den Stammeskriegern.

Nebel umhüllt mich und ich fühle mich endlich wieder wohliger, obwohl um mich der beginnende Schneesturm tobt. Dann tritt aus dem Nebel eine Gestalt, es ist Jagus’tsaret und er grüßt mich.

„Weißt du endlich wo du bist oh Tochter der Messer? Wir rufen dich schon dauernd aber du antwortest nicht.“

Rasch teile ich ihm mit, was ich herausgefunden habe, wo ich mich befinde und Jagus’tsaret verspricht es Peter mitzuteilen, doch dann schaut er zur Seite und weist mich auf eine drohende Gefahr hin.

„Pass auf Tochter, von da oben kommen drei üble Menschen aus Frankreich und von der Gegenseite kommen auch drei aus Italien, die sind nicht hinterhältig und gemein, aber von da hinter dir kommt eine Frau und vor der halte dich fern, die ist wirklich böse, gemein und sehr gefährlich.

Sie kommt als letzte zu dir, zuerst die drei Polizisten aus Nizza, dann die drei Mafiosi aus Napoli und dann Cyntia Moralis, eine eiskalte Killerin, jetzt aber auf, komm zu dir, du musst hier weg, lauf nach Norden, nach N O R D E N …“

 

Ich habe keinen Plan wie das mit der „Gedankentelefonie“ genau funktioniert und noch weniger verstehe ich, weshalb ich mit Peter nicht direkt reden kann, aber eines weiß ich, wenn mich die Stammeskrieger warnen, dann ist es ernst, also nichts wie weg.

„Warte, wieso kann ich Peter nicht rufen, ich erreiche ihn nicht, was mache ich falsch?“

„Du hast Gifte und Drogen in dir, die dir das unmöglich machen, werde die los und es geht, aber jetzt lauf nach Norden, lauf, die kommen schon, du hast eine halbe Stunde und solltest Fallen aufstellen.“

Vor mir stehen zwei halbverfallene Häuser, in denen finde ich alles, was ich für den Bau einiger Fallen brauche und ich zaubere so schnell wie es nur geht ein paar Fallen. Wenn sich zwei starke Gruppen und eine gute Kämpferin nähern, muss ich die starken Gruppen schnell stoppen und ich weiß auch wie. Der alte verlassene Hof ist meist eine gute Quelle das weiß ich auch ohne MacGyver.

**

Selim, Lucien und Gerald waren früher bei der Sonderermittlung, aber das Gehalt war schmal, die Aufgaben oft lange und dreckig und Nizza ist in den üblen Bereichen schon lange kein Paradies mehr.
Also haben sie sich auf die Menschenjagd spezialisiert. Anfangs für den am besten Bezahlenden und nachdem sie erst Blut gerochen hatten, waren sie auf die Jagd getrimmt und galten fortan als das Trio aus Nizza.

Mit der Belohnung für diese Jagd, können sie sich endlich die gewünschte Yacht leisten. Bestellt ist die 32 Meter Yacht bereits und die ersten Raten sind über den Tresen gewandert. Da kommen diese 3 Millionen für den Auftrag gerade recht.
Eine Million für jeden von ihnen und Selim, als der stürmischste von ihnen, hat die Fährte bereits aufgenommen, es kann nicht mehr weit sein, dann haben sie die Beute, doch da gibt es ein kleines Plopp und er ist weg, eine Schleifspur zeigt, dass Selim in eine Schlinge getreten und weggezogen wurde.

Als die beiden ihn finden, zuckt er noch gerade etwas, die Schlinge und hat ihn direkt durch einen alten Pflug gezogen, Bremsflüssigkeit aus dem alten Traktor und andere üble Säfte ergeben eine furchtbare und schmerzhafte Blutvergiftung. Ein umgefallener Baum war der Antrieb für diese Falle.

Als sein Blick bricht, sehen sich die beiden an, nun geht der Gewinn durch zwei und sie freuen sich, möge die Jagd weitergehen. Doch Gerald tritt auf ein Kabel und verfängt sich, während ein alter Motor eines Traktors in ein Loch fällt. Der Motor ist an dem Kabel angebunden und das Kabel zieht ihn brutal zwischen zwei Bäumen hindurch, was ihm das Rückgrat bricht. Neben Selim ist Gerald auch tot und Lucien hat versucht das Kabel festzuhalten und hat sich die Hände aufgerissen. Schreiend vor Schmerzen, versucht Lucien dennoch zu helfen, da  stößt eine Hand, aus einer Schneewehe kommend, ein Messer direkt in seine Brust.

Aus seinem Erstaunen, dass die Hand ein Messer in die Brust getrieben hat, wird Enttäuschung, nicht wegen seinem bevorstehenden Ende, sondern wegen der verlorenen Yacht.

Leider kann ich nur aus Lucien Taschen und einem Rucksack ein wenig Material mitnehmen, der Rest würde zu viel Zeit verbrauchen und ich muss weg von hier.

Das Falle aufbauen hat mich fast eine halbe Stunde gekostet, das Ausschalten der Drei ging binnen Minuten. So schnell ging das schon lange nicht mehr.

Was hat der alte Bauernhof noch an Überbleibsel… und ich husche durch die alten Häuser und baue bereits die nächste Falle.

**

Anderthalb Stunden später stehen die Mafiosi an dem Bauernhof und haben die Spuren der drei Konkurrenten gefunden, deren Körper langsam einfrieren. Der Fährte nach, folgen sie zum Bauernhof.

Zwischen den beiden Hauptgebäuden steht ein kleiner Lagerschuppen. Überall stehen alte Traktor Reifen und andere riesige Räder herum. Hier war bestimmt seit Jahren kein Mensch mehr. Da finden sie die Spur ihrer Beute, kaum sichtbar und sie führt direkt in den einen Schuppen.

Der Schuppen hat keine Fenster, ist aber oben halb zerfallen, es kommt also Licht herein. Die drei Mafiosi ziehen ihre Waffen und dringen durch die einzige Tür in den Schuppen zur Jagd auf ihre Beute. Doch kaum hat sich die Tür geschlossen, fällt ein Kanister mit Kerosin um und ergießt sich über die drei. Der erste hat etwas von dem Kerosin in die Augen bekommen und versucht sich zu reinigen, dabei stößt er etwas schweres um.

Was dann kommt gleicht einem Dominospiel der Extraklasse. Das schwere Umgestoßene war eine schräg stehende Eisenschiene, die nun eine Sauerstoffflasche umstößt. Diese fällt mit dem Verschluss auf einen alten Motor. Der Verschluss bricht ab und die Sauerstoffflasche bläst die Keroninreste wie feine Aerosole umher. Dabei fallen weitere kleine Kisten mit allerlei Zeugs herab ein paar Metallteile spenden die nötigen Funken. Wäre da kein Funke geflogen, so hätte die Zigarre des zweiten Mafiosi auch gereicht. Die von brennbaren Kerosingasen gesättigte sauerstoffhaltige Luft entzündet sich und den Dreien in dem Schuppen geht ein letztes Mal ein Licht auf.

Die Explosion im alten Hof ist so stark, dass einige Bäume ihre Schneelast abwerfen und der Hof sprichwörtlich in die Luft fliegt, danach regnet es eine Zeit lang Streichhölzer. Die drei Mafiosi aber liegen regungslos, gespikt mit allerlei Gerätschaften und Holzsplittern und mit starrem Blick im Schnee.

Hinter einem alten Traktor hatte ich Schutz gefunden. Diesmal verzichte ich auf das durchwühlen der Reste, das würde Zeit kosten und mich zum Ziel machen. So aber ist genug Zeit, um mich von hier zu verabschieden, die Spur der Franzosen ist tief und breit genug, vermutlich muss ich aber mit dem Besuch der Dame rechnen. Einige male muss ich mich bücken um etwas aus dem Weg zu räumen und meine Spur zu verwischen. Auf einen Zuschauer mag das wie die Bewegung eines Verletzten Menschen aussehen.

Ich versuche schnell weiterzukommen, da sehe ich eine kleine Bewegung hinter dem Graben, fast 300 Meter neben mit. Genau von dort erwarte ich die Frau. Und ich tue gut daran die Augen aufzuhalten, denn da vor mir 300 Meter weiter, hat sich wieder etwas bewegt, ganz wenig nur und kaum zu sehen aber bei mir gehen die Sirenen an. Mit einem Sprung verschwinde ich in einer Schneeverwehung und gebe kein Ziel mehr ab.

**

Cynthia Moralis ist den Mafiosi gefolgt und hat mitangesehen wie sie in dem Lager starben. Ihren Namen „Irrefragabilibus” hat sie sich bei diversen Schaukämpfen verdient und seit sie bei den Combat Schaukämpfen in Utah dreimal hintereinander den zweiten Platz machte, gilt sie als Unumstößlich, weshalb man sie auch mit diesem Namen ehrte.

Von der Erstplatzierten Frau hat sie nur mitbekommen, dass sie grüne Augen und rote Haare hatte und leider konnte sie die Frau niemals treffen, nur zu gerne hätte sie einige Erfahrungen mit ihr ausgetauscht.
Nun liegt sie seit einer geschlagenen Stunde im kalten Schnee und endlich kommt die Beute, die so viele Probleme auf dem Konto lösen kann. Allem Anschein nach ist die Beute angeschlagen und stolpert plötzlich etwas vor sich hin.

Kraftlos zieht sie sich weiter und endlich scheint die Beute die Kraft zu verlieren, denn sie wird langsamer und stürzt endlich in sich zusammen. Ein guter Zeitpunkt, schnell zuzuschlagen ehe die Beute wieder Kraft erhält.

Beim anschleichen bemerkt die erfahrene Kämpferin, dass die Schneespur doch nicht so tief ist, vielleicht ist die Beute doch nicht so schwer angeschlagen, also robbt sie langsam zu einem umgestürzten Baum, gräbt sich ein kleines Loch durch den Schnee und bringt ihr Gewehr in Stellung.

Sie sieht nichts mehr von ihrer Beute und robbt ganz sachte weiter vor, auf eine kleine Gruppe einsam stehender Bäume zu. Da vorne, etwa 50 Meter vor ihr müsste die Beute liegen. Mit einem Blick durch das Zielfernrohr sondiert sie die Fläche und drückt sich ein wenig weiter durch den Schnee, nur ein kleines Bisschen zu viel. Einer der Äste knarrt und der kleine Baum wirft den Schnee ab.

Das surren am Hals bekommt Cynthia erst nicht mit und als das feine Drahtseil sich um ihren Hals gespannt hat, erkennt sie den tödlichen Fehler. Fester und fester zieht sich die Drahtschlinge, da springt auf der anderen Seite des Baumes eine Frau hervor. Zu ihrer Überraschung zieht sie ihre Kappe ab und entblößt ihre feuerroten Haare.

Als Cynthia auf Russisch angesprochen wird, ob sie ergeben wird oder eine lohnende Beute abgeben möchte versucht sie röchelnd zu antworten und flucht auf Englisch. Daraufhin erhält sie etwas mehr Luft und die Rothaarige mit den grünen Augen sieht sie genauer an.
Doch dann wird Cynthia schwummrig in den Beinen, als die Frau fragt: “Wenn du leben willst, dann rede, wenn du aber überleben willst, gib endlich auf und rede oder ich ziehe zu!”

“Scheiße diese grünen Augen, jetzt erkenne ich dich, verdammt nochmal, die grünen Augen von den Combat Shootings, die grünen Augen von Utah – Halt, stop, ich gebe auf!”

Mit einem kurzen Druck auf die Halsschlagader geht die Kleine schlafen. Ich fessele sie und untersuche ihre Habseligkeiten.

Jetzt endlich habe ich etwas Zeit um mich kurz auszuruhen und um mich auf mich zu konzentrieren, auf mich und meine Stammeskrieger …

Immer mehr wird mir klar, dass uns damals eine einzigartige Chance gewährt wurde und ich höre ich mich rein, dann rufe ich innerlich laut

“PETER – P E T E R – Ich brauche dich! P E T E R – Bitte melde dich  P E E E T E E E R.”

Aus einer Wolke mit schwarzem Dampf stürmt ein scheinbar erboster Stammeskrieger auf mich zu und faucht mich an: “Wir sind doch kein Telegrafendienst, hast du vergessen, wie du Peter direkt anreden kannst, hast du das wirklich vergessen, meine Tochter im Leid?”

“Ihr habt diese Kleinigkeit leider vergessen uns zu erzählen, bitte hilf mir, wie kann ich ihn erreichen?”
Lachend sehe ich das Gesicht in dem Nebel näher kommen, dann brandet ein lautes Lachen auf und aus dem Nebel kommen andere Stammeskrieger und es werden immer mehr.

Sie setzen sich zu einem Kreis zusammen, der zuerst Angesprochene setzt sich auch und aus dem Nebel tritt der uralte Kriegshäuptling Ma’aru a’Hualb hervor.

Häuptling Ma’aru a’Hualb stellt sich in die Mitte des Kreises. Jetzt sieht es aus wie eine zu groß geratene Uhr und zwei Plätze sind frei, einer bei drei Uhr und einer bei der neun Uhr Positionen.

„Das sind Eure Plätze. Du Trägerin des Kahlscha’daar gehörst auf diesem Platz“, und er zeigt auf die drei Uhr Position, „und dein künftiger Mann hierher.“ Er zeigt auf die neun Uhr Position. „Wenn ihr also mit einem von uns reden wollt, merkt euch die Marke im Tierkreiszeichen von Mualebdas Zeichnungen und sprich diese Tierkreiszeichen an.”

Lauthals lachen alle anderen vor sich hin und ich fühle mich richtig klein und elendig. Ich merke, dass er sich lustig macht und dann schmunzelt er mich an.

“Oder aber, meine geliebte Tochter des Zorns, ihr habt doch beide je einen Ring des Präsidenten von uns erhalten und wie ich sehe, trägst du ihn auch. Dann umfasse den Ring und denke an den Anderen und dein Peter wird sich bei dir melden. Nun aber rasch, Tochter und Sohn von Mualebda, habt ihr beide etwas zu tun und beeilt euch!”

Schon verschwindet diese Wolkenwand und ich sehe wieder meine Gefangene, sie schläft noch immer tief und fest. Ich kontrolliere ihre Atmung, ja sie schläft.

Uhrzeitkontrolle, ich wundere mich, denn es sind gerade 20 Sekunden vergangen, wie schaffen die Stammeskrieger das nur.

Wo ist der Ring? Wo ist der Ring? Ich ziehe ihn auf einen Finger, er kribbelt merkwürdig. Sanft drehe ich ihn auf meinem Finger. Dann konzentriere ich mich, um mich herum verschwimmt wieder alles und es wird neblig und sage ganz leise nur ein einziges Wort:

“Peter!”

**

Fabienne kuschelt sich und spürt, dass an ihrem Rücken jemand fehlt, sie ist augenblicklich auf und sieht, wie Peter wie in Trance im Schneidersitz da sitzt und ein Loch in die Wand schaut. Zumindest starrt er direkt auf die Wand in seinem Bett und sein Blick ist starr, ehe sie ihn anfassen kann, hört sie, wie er leise redet.

“Liebling, Caroline, wo in aller Welt bist du? Was, wo in Sibirien?  Weißt du genauer wo?” Spätestens da hat Fabienne Zettel und Bleistift und protokolliert den Rest des seltsamen Gespräches mit. „Wie geht es dir Schatz, bist du gesund, was machen die mit dir?“ Dann dreht Peter an seiner Hand einen Ring und scheint sich etwas zu beruhigen. „Lieblich, pass auf dich auf, ich liebe dich …“ Dann entspannt sich Peter etwas und will sich gerade umdrehen, aber er schaut in das leuchtende lächelnde Gesicht von Fabienne. Peter beginnt zu lächeln.

“Ich habe eben Caroline gesehen und konnte mit ihr, naja reden, aber ich glaube, in dem ganzen Gewirr, habe ich die Hälfte wieder vergessen!”

“Hast du nicht.” sagt Fabienne und küsst ihn sanft auf die Wange, “Es gab eine Protokollführerin.” Und sie übergibt Peter den Zettel. Sie lesen die Sätze nochmals durch, Peter ergänzt sie, durch das, was er von Caroline gesagt bekam und allmählich formt sich etwas Gehaltvolles.

Dann schauen sie sich an und lächeln, “Das müssen die anderen erfahren, wir wissen jetzt, wo Caroline ist.”, meint Peter und Fabienne tickert das alles in eine Mail und schickt sie ab.

**

Endlich bin ich erleichtert, ich konnte mich mit Peter verständigen und es war, als rufe ich in eine Röhre. Laut, klar aber etwas dumpf.

Aber endlich, wussten sie alles, was ich auch wusste und ich war mir sicher, sie fangen damit etwas an.
Na dann, auf zu meinem schlafenden Gast und mit etwas Schnee ins Gesicht kommt sie zu sich.
“Bist du nicht Cynthia Morales, ehemals US Army Ranger, die dreimalige Nummer 2 bei den Combat Schaukämpfen in Utah?”

Gefesselt und mit einer Drahtschlinge um den Hals lasse ich Cynthia sich auf ihre Hände setzen, die Schlinge verschwindet im Baum und ist mit einem schweren Gewicht verbunden, ein Fehler und das war es, mit dem Mädchen. Das Gewicht und die Schlinge würden sie erwürgen.

“Schau Cynthia, das ist meine persönliche Brandmarkung, die mir dein Freund und Jagdveranstalter vermacht hat, hier steht 13:1. Wenn du also nicht willst, dass daraus eine 14:1 wird, rede und erlaube dir keinen Fehler OK?”

“Ja OK”

„Also dann. Wo ist eure Veranstaltungszentrale? Wo trefft ihr euch? Wie lautet das Losungswort? Wie ist der Name des Ansprechpartners vor Ort? Wie viele Wachen gibt es da? Kann man da landen? Hat es Deckung und wie kommt man da rein? – jetzt antworte endlich!“
„Verflixt nochmal, kommst du immer so schnell zum Kern? Kann ich mich nicht kurz ausruhen?“

„Ja, Nein!“
„Ja, Nein, Hä??“

„Ja, ich komme sofort zum Kern und nein, du kannst dich nicht ausruhen, das kannst du, wenn du tot bist, wär dir das etwa lieber?“

„NEIN!“ Und sie plaudert los. Alles was sie weiß aus dieser Veranstaltung. Beginnend mit den Internetseiten aus dem Darknet, Onion-Adressen in der „Silk Road“, den Absicherungen und Firewalls, den Treffpunkten in den jeweiligen Städten und sie nennt mir die ersten Namen.
Bekannte Ärzte, abgerutschte Politiker, reiche Kinder noch reicherer Eltern und viele mehr. Das Netzwerk scheint tatsächlich sehr groß zu sein.

####

Alles läuft über Russland und die Sicherungsmaßnahmen sind wohl sehr hoch. Der Kopf hinter alledem nannte sich immer nur, „Der Veranstalter“ und sie wusste seinen richtigen Namen nicht. Er umgab sich aber immer, mit alten Bekannten aus militärischen Sonderheiten.

Die Kontakte liefen alle über gesicherte Kanäle im Internet. Alles wurde hundertmal überprüft und jeder wurde entfernt, der sich hier einschleichen wollte. Das erste richtige Treffen lief dann über eine Kontaktfirma in Hokkaido ab. Da gab es zum ersten Mal auch Präsenz. Von dort aus ging es nach Komsomolsk am Amur. Erst dort bekam man die Koordinaten vom Spielplatz, einer alten stillgelegten unterirdischen Militäranlage irgendwo im Süden von Sibirien.
Hier wurden ganze Städte und Fabriken nachgebaut, es gab verschiedene Klimazonen und Ansprüche für jeden Geldbeutel. Sie nannten diese riesige Anlage „die Arena“ und es hatten dort bereits Tausende gekämpft und ihr Leben verloren. Wo sich diese geheime Anlage allerdings befand, wusste auch Cynthia nicht.

Leider kannte Cynthia nur drei der fünf Anlagen, aber bereits diese drei hatten es in sich. Eine war der Dschungel, eine riesige Anlage komplett verdrahtet und vernetzt, perfekt zum Spielen lernen und hier konnte man die Verlierer auch entsorgen, die Raubtiere brauchten ja Futter.
Dann gab es zwei Städte, einer amerikanischen Stadt nachempfunden und die zweite war New York im Kleinformat. Die beiden anderen kannte sie noch nicht und eine davon, Station 5, war das große Heiligtum. Da kamen nur die rein, mit dem richtig dicken Geldbeutel.
Nachdem Cynthia endlich sich alles von der Seele geredet hatte, schaute sie in Carolines Gesicht. “Und nun? Machst du mich platt oder was kommt jetzt?”

“Das liegt in deiner Hand, du kannst hier bleiben. Mit aufgeschnittener Kehle hast du es in dreißig Sekunden hinter dir. Oder aber wir versuchen als Team hier heraus zu kommen. Aber sei dir klar, ich brauche dich nicht.

Das hier, kann jedenfalls keine Kuppel oder Umzäunung sein, ich denke, das ist echt und wir sind tatsächlich draußen in der kalten Wildnis.”

Von dem erbeuteten Navigationsgerät erzählte ich Cynthia noch nichts. Stattdessen schaute sie mich an, sie kramte ein gutes Garming GPS aus der Tasche und zeigte mir nach einer kurzen Weile das Display.
“Wir sind hier oben im Norden, nordöstlich vom Jennesei, das nannten die Leute früher das kalte Grab am Meer. Wir müssen hier weg und zwar, noch ehe der Nordwind kommt.”

“OK wie sah denn dein Fluchtplan aus meine Liebe?”

“Ich soll spätestens um 20.00 Uhr eine Leuchtrakete abschießen, nicht früher und nicht später.”
“Aha und da fällt dir nichts auf Cynthia? Gar nichts? Naja vielleicht kommst du ja noch drauf was daran komisch ist?”

“Was soll daran komisch sein?”
“Nun, du wärst irgendwann selber darauf gekommen. Wir sind im nordsibirischen Gebiet nordöstlich des Jennesei, dann haben wir späten August, das ist hier bereits Winteranfang und die Perseiden tummeln sich am Himmel hier bereits ab 20.00 Uhr, im Westen erst weit nach Mitternacht. Dein kleines Licht sieht hier oben kein Mensch, du gehst im Schneesturm einfach verloren und weißt du, was das bedeutet?”

“Mist, die haben niemals damit gerechnet, dass ich zurückkomme!”

“Stimmt, du warst nicht mehr als nur mein Kanonenfutter, um die Gewinnchance der anderen hoch zutreiben. Was ist, willst du mit mir den anderen da etwas davon heimzahlen?”

Sie schaut mich an und in ihren Augen wächst Hass. Ein leichtes Glühen und das erste Vertrauen zwischen uns entsteht.

In ihren Augen scheint der Hass auf „den Veranstalter“ zu wachsen, dann lächelt sie mich an und nickt mir zu. „Ich vertraue dir, seltsam, aber ich denke, du belügst mich nicht.“

“Wir müssen hier weg. Hast du die genauen Koordinaten oder nur die vom amerikanischen GPS, du weißt, dass die hier nicht passen für unseren Zweck? “
“Nein ich habe nur das Garmin GPS hier.”

“OK dann komm mal” und ich ziehe das russische Gerät hervor, es bootet und die Daten fließen. “Da schau, in unserer Reichweite ist eine alte Relaisstation, vielleicht finden wir dort noch etwas. Das nächste wäre dann, gen Norden an der Küste aber da friert das Wasser bereits.”

“Wo hast du das Gerät her, das schaut aus wie ein Armeegerät?”

“Ja ist es auch ein Auro650, das hab ich einem aus dem Flieger abgenommen, bevor sie mich aus dem Flieger geworfen haben.”

“Die haben dich … was?”

“Glaubst du, dass die mit ner Viermotorigen Maschine hier landen können, aber ich bin sicher, dass die Hubschrauber bereits längst unterwegs sind und uns suchen und abgesehen davon, habe zumindest ich einen Chip unter der Haut, weißt du ob du auch präpariert wurdest?”
“Ja. Die sagten, das sei zur Sicherheit.”

“Soso, na dann weist du ja, dass wir beide auf deren Schirme auftauchen werden, stell dich also darauf ein, dass da mehr als einer kommt!”

Dann machten wir uns gemeinsam auf und versuchten so schnell als möglich, die alte Relaisstation zu erreichen. 5 Kilometer im tiefen Schnee ist alles andere als ein Pappenstiel und wir brauchten lange um unser Ziel zu erreichen.

Die Station selber war noch intakt. Irgendwo wummerte ein Diesel, es gab also Strom und den Spuren nach zu urteilen wurde die Station regelmäßig angefahren.
Beim Kontrollieren der Hauptpforte wurde schnell klar, dass diese mit einer Alarmanlage gesichert war und Bären drücken selten Panzerglasscheiben ein. Der Lüftungsschacht im Maschinenhaus war weniger gut gesichert, aber ich musste mich durchzwängen.
Wie sooft waren die zentralen Zugänge und Versorgungsleitungen im Maschinenhaus, weil es hier am wärmsten war und gewöhnlich nichts einfror. Der Alarmdraht war schnell gefunden. Jetzt konnten wir in das Haupthaus endlich eindringen, uns wärmen und uns stärken.

Nach einer Stunde durchsuchten wir das ganze Areal und fanden sogar einen Motorschlitten, leider war die Beleuchtung defekt, aber Cynthia, als waschechtes Detroiter Mädchen bastelte das Schnee-Mobil im Nu zu einem fahrtauglichen Gefährt.
Treibstoff gab es reichlich, wir nahmen mit was geht, denn wir rechneten mit einer längeren Fahrt. Nach dem GPS konnten wir uns entscheiden entweder nach Dudinka am Jennesei oder Alykel mit seinem südlich liegenden Flughafen Norilsk.

Dudinka erschien weniger gefährlich, aber wir gingen das Risiko ein, dass dort keine Maschine stand, die wir hätten nehmen können, während am Norilsk Airport bestimmt Maschinen zu finden waren aber auch jede Menge Militär.

Wir entschieden uns für die Gefahr und die Gelegenheit einen Mitflug zu erhaschen, packten alles was wir nutzen konnten und verließen die Station schön sauber und aufgeräumt, wir hofften dass es keinen interessierte, dass wir hier waren.

Eine Schlittenfahrt im beginnenden Herbst mit Schneefall stellt man sich im Westen malerisch vor. Tatsächlich ist es harte Arbeit. Befahrbare Wege kann man so gut wie keine finden. Das Eis ist noch tückisch und überall muss man mit gefräßigen Tieren rechnen. Mehr als einmal sahen wir Wölfe, die uns nach rannten, aber aufgeben mussten.

Wir wechselten uns alle zwei Stunden ab, versuchten etwas zu ruhen, und fuhren dann weiter. Am frühen Morgen erreichten wir die Absperrungen des Flughafens und versteckten uns auf der Ladefläche eines Transporters, der auf den Flughafen fuhr.
Zu unserem Glück, fuhr er direkt in einen Hangar und der Fahrer verschwand fluchend im nächsten WC.
Unser Weg war frei und wir versteckten uns, richteten uns ein und hofften, dass das ganze Stahlblech eine gute Ortung unserer Chips zumindest erschwerte.

Doch wie so oft im Leben hilft Kommissar Zufall weiter. Zwei Techniker standen an einer Tupolew und schraubten am Triebwerk, als einer der Vorgesetzten kam und sie auf Englisch anschiss.
“In zwei Stunden kommt Oleg Tscherpentinaja, da muss die Maschine pikfein sein und vergesst nicht die Extratanks, es ist weit nach Tomsk und jetzt beeilt euch!”

“Da klingelt was bei mir bei Oleg Tscherpentinaja, der hat an zwei Spielen teilgenommen, ich glaube, die fliegen zu dem Veranstalter, der sitzt also in Tomsk, das wusste ich nicht.”
“Wieso reden die hier englisch?”
“Die Techniker hatten sich für unzuverlässig herausgestellt und da hat der Veranstalter sie, nun ja, austauschen lassen und die sprechen alle mindestens zwei Sprachen russisch, englisch und meist noch eine andere.”

“Die Maschine nehmen wir. Wir müssen da rein und durchhalten, bis wir dort sind, schaffst du das Cyntia?”
“Ja ok. Ab in den Fahrwerksschacht, da können wir uns verstecken uns…”
“Nein, vergiss das, das klappt nur bei James Bond. Da ist es eiskalt, keine Luft und wenn dich das Fahrwerk nicht zerquetscht bist du ein toter Eisblock, weil du keine Luft bekommst. Nein wir müssen in die die Kabine der Maschine.”

Als die Piloten dann einstiegen, befanden sich zwei Mädchen mit an Bord, die sich weit im hinteren Teil versteckten und hofften, in den kommenden Stunden nicht gestört zu werden. Sicherlich würden einige Techniker irgendwann ihre frischen Overalls suchen, aber momentan waren wir dafür dankbar, auch wenn diese Overalls nicht Maßgeschneidert waren.

Aus einer der Fliegerkarten hatte ich die internationale ICAO Kennung für TOF sehen, Tomsk Airport war also das Ziel, wir waren richtig. Wir hatten den dichten Vorhang zugezogen und hofften, dass keiner nach hinten kam.

Als sich Cyntia schlafen gelegt hatte, konzentrierte ich mich wieder auf den Ring, es ging von Mal zu Mal besser. Wieder erschien diese Gedankenwolke und ich rief innerlich einen Namen. “PETER!” Nichts geschah, dann nochmals “PETER!” Wieder nichts außer einem nicht zuzuordnenden Gepfeife.

Dann mit letztem Willen und letzter Kraft rief ich noch einmal und erhielt eine schwache Antwort, rasch berichtete ich ihm “Wir sind unterwegs nach Tomsk, dann weiter zu einem anderen Platz den wir noch nicht kennen, aber der Platz muss in der Nähe von Tomsk und sehr gut geschützt sein, wir …”

Aber weiter kam ich nicht, diese Gedankenwolke war verschwunden. Lag es an meiner Erschöpfung? Ich bekam einfach keine Verbindung mehr. Meine Kräfte ließen nach und ich konnte mich nicht mehr auf den Beinen halten. Da erst sah ich diese rauchende Patrone, die in unsere Richtung leichten Rauch blies. Von den beiden Piloten mit ihren Gasmasken bekam ich nichts mehr mit, auch nicht, als sie die Tür zum Belüften öffneten und frische Luft einließen.

Eine halbe Stunde später startete schließlich die Maschine nach Tomsk.

**

Nördlich von Tomsk liegt die geschlossene Stadt Sewersk, einst extra wegen der Kerntechnik gegründet, liefen dort viele Jahre lang die ersten Atom Reaktoren bis sie in den 80′ Jahren größtenteils abgeschaltet wurden. Uranabbau erfolgt dort bis heute und die Chemische Industrie hat sich dort angesiedelt.

Einige Bereiche sind heute noch aktiv und wiederum weite Bereiche sind einfach nur geschlossen. Später wurden sie auf unerklärlichem Wege privatisiert und sehr weiträumig abgesperrt. Die Sicherheitsleute verstehen noch weniger Spaß als zur Sowjetzeit und die Leute die sich darin verirrten, wurden nie wieder gesehen.

Zwischen Sewersk, Sputnik und Georgiyevka liegt ein riesiges Waldstück, das weit nach Norden reicht und teils künstlich erschaffen wurde. Darunter liegen riesige Bereiche, von denen man in der Sowjetzeit nur wusste, hier trainieren die „Geheimen“.

Unter diesem riesigen Areal hat man den Platz genutzt und die großen kuppelförmigen Bereiche weiter ausgebaut, klimatisiert und mit den modernsten Systemen ausgestattet. Hier wurden ganze Städte und Fabriken nachgebaut, es gab verschiedene Klimazonen und Ansprüche für jeden Geldbeutel. Die wenigen die auserwählt waren diese Anlage zu betreten, wurden mit blinden Maschinen hergebracht, also Jets und Helikoptern ohne Blick nach draußen, dafür mit der besten Ausstattung. Sie nannten diese riesige Anlage nur „Die Arena“ und es hatten dort bereits Tausende gekämpft und ihr Leben verloren.

Leider kannte Cynthia nur drei der fünf Anlagen, aber bereits diese drei hatten es in sich. Eine war der „Dschungel“, eine riesige Anlage komplett verdrahtet und vernetzt, perfekt zum Spielen lernen und hier konnte man die Verlierer auch entsorgen, denn die Raubtiere, die hier lebten, brauchten ja auch Futter.

Dann gab es zwei Städte, einer amerikanischen Stadt nachempfunden und die zweite war New York im Kleinformat. Die beiden anderen kannte Cynthia noch nicht und die größte davon wurde schlichtweg, „Station 5“, genannt, sie war das große Heiligtum, da kamen nur die rein mit dem richtig dicken Geldbeutel.
Diese Station war größer als drei der anderen zusammen. Hier wurden dann die Endläufe abgehalten und hier ging es um das richtig dicke Geld. Hier regierten harte Währungen aller Art und der „Veranstalter“ war der unumstößliche Herrscher.

Alles war hermetisch abgeschlossen. Lückenlos überwacht und die Anzahl der Kameras war vierstellig. Entsprechend waren die Kontrollräume. Jeder der Arenen hatte einen eigenen Kontrollraum und es gab den Platz für den Master Controller, eigentlich keine Person, sondern ein Leitstand für fünf Menschen die die Kontrolle über alle anderen Kontrollstände hatten. Hier konnte man sich auf und in alles einschalten.

Wenn man sich einen zentralen Leitstand, vergleichbar der Apollo Missionen vorstellen konnte, dann war das hier in etwas vergleichbar, nur eben wesentlich moderner und leistungsfähiger. In drei Ebenen war der Leitstand gestaffelt, mit Hunderten von Displays überzogen. Auf der untersten Ebene hatte jeder Arbeitsplatz zwei Displays, die Ebene darüber war mit vier Displays ausgestattet und ganz oben kam man sich vor wie an den Plätzen der Wall Street. Und vorne an der großen Hand hing eine Wand voller Displays, bei denen einige zusammengeschaltet werden konnten. Das ergab dann ein Flair, wie in einem Kino.

In diesem Leitstand stand der „Veranstalter“ und betrachtete die riesigen Bildschirme an der Wand. Ohne sich umzudrehen fragte er seine Begleiter: „Wo sind unsere beiden entflohenen Mädchen jetzt?“

„Auf dem Weg nach Tomsk, sie haben bisher alles gut gemacht und sich nicht erwischen lassen, sogar diese kleine Amerikanerin, diese Cynthia, hat sich die Miles gefügig gemacht, das wird eine klasse Beute werden, die beste, die wir bisher hatten!”

“Zweifellos, sie wird viel Geld einbringen. Achtet darauf, dass das Begrüßungskomitee bereitsteht, ich will kein Aufsehen und keine Verletzten.”

“Ist bereits unterwegs zum Ziel, Ankunft der Maschine ist in drei Stunden. Die beiden Mädchen schlafen noch für gut vier Stunden.”

“Gut so – Weitermachen!”

**

Serwersk – Tomsk

Fransiska hatte Angst.

Angst hatte sie seit sie aufwachte und feststellte, dass man sie entführt hatte. Als sie mitbekam, wie die kleine Sonja neben ihr lebendig aufgeschlitzt wurde, starb Fransiska fast vor Angst.
Als sie dann Caroline sah, schöpfte sie Hoffnung. Caroline würde sie beschützen, und wo Caroline war, waren die anderen nicht weit.

Doch jetzt war Caroline weg und sie war ganz allein.

Allein?
Nein, man hatte ihr zwar eine Kapuze über den Kopf gezogen, doch sie war sich sicher, nicht alleine zu sein.

Liegend als X gefesselt, lag sie nackt in einem hell erleuchteten Raum.
Leise, fast unhörbare Schritte, Luftzüge von Bewegungen, und ihr Geruchssinn sagten ihr, dass sie nicht allein war.

Fransiska hatte längst jedes Zeitgefühl verloren. Wie lange lag sie schon hier? Stunden, Tage?
Wie lange schlich derjenige schon um sie herum?

Fransiskas Angst verstärkte sich. Irgendetwas in ihr schrie laut Alarm. War es ein bestimmter Duft, den sie roch? Die Bewegungen ihres Beobachters? Irgendetwas sagte ihr, dass er kein Fremder war. Und die Tatsache, dass er ihr nicht half, verstärkte das ungute Gefühl zusätzlich… Sie kannte den Geruch des Fremden. Jetzt musste sie nur noch dahinterkommen, wer das war. Sie musste sich erinnern.

Wieder und wieder schlich der Beobachter um sie herum und vermied es sie anzufassen. Fransiska erkannte an den Verdunklungen der Lampen, wo sich der Beobachter befand und sie kam sie wie ein zur Schau gestelltes Tier vor, so nackt, gestreckt und hilflos.

Gerade hatte der Beobachter wieder eine weitere Runde um sie gedreht, da wehte der Wind der Klimaanlage einen winzigen Hauch von ihm zu Fransiska und sie sog ihn ein und erschrak. Konnte das wirklich sein, wenn ja, dann wusste sie, wer da um sie herumschlich.

**

„Wie sie sehen, ist ihre Bezahlung in einem guten Zustand.“ Sagte der Veranstalter zu Fransiskas Beobachter später in seinem Büro.

„Sobald Frau Miles als Jagdtrophäe dient, dürfen sie damit tun, was immer sie wollen.“
„Diesbezüglich habe ich mich entschieden. Ich möchte lediglich das Herz von Frau Haufberger haben.“
„Oh, ich wusste gar nicht, dass sie oder eine Person in ihrem Umfeld ein Spenderorgan brauchen.“
„Nein, da haben sie mich falsch verstanden. Ich möchte ihr das Herz selbst herausschneiden und in einem Gefäß mit Formaldehyd mitnehmen. Mit dem Rest von Frau Haufberger, können sie machen, was immer sie wollen.“

„OH, ich verstehe. Ihnen ist bewusst, dass Frau Haufberger, das nicht überleben wird?“
„Ja, das ist mir nur allzu bewusst. Allerdings… Ich möchte, dass sie das Herausschneiden ihres Herzens ganz bewusst miterlebt.“
„Ich bin kein Arzt, aber das stelle ich mir sehr schwierig vor. Selbst ein erfahrener Arzt wird damit seine Schwierigkeit haben.“
„Sie haben hier doch sicher geeignetes Material, an dem ich üben kann.“
Der Veranstalter überlegte. Einerseits war er nicht gewollt den Besucher hier noch lange herumlaufen zu lassen. Sobald Carolines Miles tot war, würde auch die Haufberger sterben. Andererseits, hatte er von ihm den wertvollen Tipp bekommen, Fransiska als Druckmittel zu benutzen. Ein Druckmittel, welches funktionierte!

Was also tun?
Heute würde wieder ein Bus voller Spender ankommen. Flüchtlinge, die nicht ganz dort ankamen, wo man es ihnen versprochen hatte. Erfahrungsgemäß würde Wassily ein Drittel davon, also etwa 12 Personen, aussondern.

Normalerweise verschwanden diese sofort unter der Erde. Bis zur großen Jagd waren es noch ganze vier Wochen, in denen sicher noch einiges an Ware ankommen würde, die nicht als Spender geeignete war.
Außerdem würde es nicht gut sein, den Mann hier solange unbeschäftigt herumlaufen zu lassen.
„Also gut. Ich schlage ihnen ein Geschäft vor. Sie können bis zur großen Jagd an Nichtspendern ihre Künste verfeinern. Ich berechne ihnen pro Nichtspender einen Betrag von 500 Dollar.“
„Ich zahle 500 Dollar nur, wenn sie mir eine medizinische Fachkraft zur Seite stellen, die mir Anweisungen und Tipps erteilen kann.“

Der Veranstalter seufzte. „Einverstanden.“
Damit gab sich der Mann zufrieden und verließ das Büro.
Auch diesmal hatte Ivan still im Halbdunkel gesessen.
„Wie sollen wir das machen?“, fragte er seinen Chef.
„Lass von jeder Fuhre ein oder zwei am Leben und lass ihn seine Übungen machen. Gib ihm einen der Weißkittel mit.“

„Und wenn die Miles tot ist? Was machen wir dann mit ihm? Er ist eindeutig ein Psychopath. Den können wir nicht wieder weglassen.“
„Nein, er wird uns auch nicht mehr verlassen.“
„Warum legen wir ihn dann nicht gleich um?“

„Er hat uns geholfen. Ohne seinen Tipp hätten wir sehr viel mehr Aufwand betreiben müssen. Also schulden wir ihm seinen Spaß. Außerdem, wer weiß, ob wir nicht noch den einen oder anderen Tipp von ihm brauchen.“
„Wie du meinst, dennoch halte ich für besser, ihn gleich umzulegen.“
„Du wartest, bis ich dir grünes Licht gebe, dann darfst du. Was machen unsere zwei Beute Einheiten?“
Ivan kramte sein Handy aus der Hosentasche.
„Beide sind auf dem Weg hierher. Sie hatten sich im hinteren Teil der Maschine versteckt. Youssef hat den Teil mit Betäubungsgas geflutet. Ich wäre gerne dabei gewesen, als die Miles wieder zu sich kam.“
Der Veranstalter lachte. Ja, das hätte er auch gerne erlebt.

„Was machen wir nun mit Frau Moralis?“
„Die schicken wir als Appetithäppchen für Lerbrev in die Arena. Solange wird sie den Druck auf die Miles erhöhen, wird sie das zu tun, was wir von ihr verlangen.“
„Man munkelt, dass die Israelis wieder ein Team nach Tomsk schicken wollen.“
„Sollen sie kommen, du wirst ihnen den üblichen Empfang bereiten und als Futter für die Jäger benutzen.“

„Ich weiß nicht. Ich finde es seltsam, dass die Israelis gerade jetzt ein Team hierher schicken. Das könnte bedeuten, sie wissen, wo wir sind.“
„Das allein wird ihnen nichts nutzen. Aber du hast Recht, ich werde unserer Schutzmacht mal wieder einen persönlichen Besuch abstatten.“

Der „Veranstalter“ stand auf, ging an einen der Schränke und öffnete die Tür. Da drinnen hing eine russische Uniform mit den Abzeichen eines Generals und oben in der Hutablage lag die passende Schirmmütze.

**

Zu Hause

Randy saß mit Frank im Büro des Ministers.

„Also Herr Kaufmann, sie haben entdeckt wie der Hacker sich in das System einschleichen konnte?“
„Ja, Herr Minister, Der Angriff erfolgte zwischen den Weihnachtsfeiertagen. Es war eine Spam Mail mit einem winzigen Anhang. Dieser Trojaner hat die Bilder der Überwachungskameras, vom Parkplatz, bis zur Wohnung von Herrn Stein aufgezeichnet und an einen weiteren Server umgeleitet. Sie brauchten sich also nicht dauerhaft einzuhacken, Einmal im System blieben sie von allen Sicherheitsprogrammen unbehelligt. Sie mussten nur zusehen, und sich das richtige Video basteln. Mit einem zweiten Hackerangriff, haben sie dann diese Daten in unser System eingespeist.

Vor dem Eindringen haben sie dann an den zu durchquerenden Abteilungen den Alarm ausgeschaltet und die entsprechenden Türen geöffnet.“
„Wahrscheinlich haben sie sich als Wachleute getarnt und so nachts zwischen drei und vier Uhr nachts, kein Aufsehen erregt.“ Ergänzte Frank. „Als später der Fahrbetrieb losging, haben sie sich einen Bus geschnappt und sind mit einem einwandfreien Fahrbefehl aus der Schleuse gefahren.“
„Erschreckend. Wie konnte das geschehen? Wieso ist das niemanden aufgefallen? Wieso gab es keinen Alarm?“

„Sie haben keine Gefangene befreit. Das wäre beim morgendlichen Aufschluss sofort entdeckt worden und es hätte Alarm gegeben. Selbst mit einem echten Fahrbefehl wären sie dann nicht aus dem Gefängnis gekommen. So aber …“
Resigniert, winkte der Minister ab.
„Vielen Dank, meine Herrn. So wie es aussieht, müssen wir einen Untersuchungsausschuss gründen, mit dem Ziel, solche Vorfälle auszuschließen. Ich bitte sie deshalb noch Stillschweigen zu halten.“
„Selbstverständlich, Herr Minister.“
Der verabschiedete Frank und Randy und die beiden gingen zum Parkplatz, wo Franks Wagen stand. Als die Tür zu war, und Frank vom Parkplatz gefahren war, schaute er Randy an.

„Und jetzt den Rest!“
„Den Rest?“
„Ich bin mir sicher, dass du dem Minister allenfalls die Hälfte erzählt hast. Also raus mit der Sprache!“

„Ich weiß, wo der Hacker sitzt.“

„Was?“ Franke wäre beinahe von der Fahrbahn abgekommen.

„Erinnerst du dich an die starken Frühjahrsgewitter? Wir hatten einen nahen Blitzeinschlag. Drei unserer acht Server wurden dabei beschädigt und wir haben sie ausgetauscht. Aber ausgetauscht, ist nicht weggeworfen. Ich hab sie auseinander genommen und konnte einiges wiederherstellen. Dabei konnte ich den Trojaner isolieren und jetzt halt dich fest:

Als der Blitz einschlug, hat der Server gerade gesendet. Ich konnte die IP-Adresse isolieren, an den die Daten gesendet wurden. Das stand alles in der Transmit Datei.

Ich konnte mich mit ihrem eigenen Trojaner dort einhacken. Wer immer Caroline entführt hat, er sitzt in Sewersk.“

„Wo?“

„Eine Stadt bei Tomsk.“
„Und warum hast du das dem Minister nicht erzählt?“
„Du weißt doch, wie Politiker sind. Er würde es sofort in die Welt hinaus posaunen.“
„Und?“
„Naja, ich dachte, falls jemand eine Befreiung …“

**

Tel Aviv

Was hat sie sie am Polarkreis gemacht?“, fragte ich Dagan.
„Einen Testlauf.“
„Testlauf?“

„Ja, sie haben sie ausgesetzt und ihr sieben Killer nachgejagt.“
Ich konnte es nicht fassen. Dagan saß ganz ruhig da und erzählte mir, das sieben Killer versucht haben, Caroline umzubringen, und er blieb ganz ruhig dabei.
In meinem Kopf hämmerten die Gedanken. Dagan sah mich genauer an und sagte: „Bevor du jetzt etwas Dummes von dir gibst, denk erst einmal nach.“

Nur mühsam konnte ich mich beherrschen. „Ich versuche es.“ Presste ich hervor.
Levi sprang, bildlich gesehen, dazwischen.
„Was Dagan dir sagen will, ist, dass Caroline bei den Testläufen nicht ernsthaft in Gefahr ist.“

„Sieben Killer und keine Gefahr?“

„Genau, sie war niemals in Gefahr. Caroline ist die ultimative Beute. Diese Testläufe nutzt der Veranstalter zwar für Wetten, und kassiert dabei nebenher eine Menge Geld, doch das ist nur Kleingeld.
Das große Geld, gibt es erst beim Finale. Solange wird er alles tun, um Caroline zu schützen.“
„Ah, deswegen nur sieben Killer.“ Meinte ich dazu recht bissig.
„Vielleicht machst du dir mal klar, um welche Summe es hier geht. Dieser Testlauf hat dem Veranstalter einen Gewinn von 168 Millionen beschert.

Er hat den Wert für Caroline dermaßen in die Höhe getrieben, dass wir für das Finale einen Betrag erwarten, der sicherlich an eine Milliarde herankommt. So eine Chance lässt du dir nicht entgehen.“
Jetzt übernahm Dagan wieder.
„Dennoch hat der Veranstalter einen Fehler gemacht. Durch das Hochtreiben des Preises, haben sich so viele Interessenten gemeldet wie noch nie. Wir können den Rahmen für das Finale zeitlich eingrenzen.“
„Und wann wird das sein?“
„In zwei bis drei Wochen. Deswegen werdet ihr jetzt aufbrechen. In ein paar Tagen geht es los.“
„Endlich.“ Mehr brauchte ich nicht zu sagen.
Ich ging in mein Zimmer und schaute mir an, was das Web alles über Tomsk wusste.

Levi blieb noch bei Dagan.

„Ich möchte mich einem der Teams anschließen.“
„Ein bestimmtes Team, etwa?“
Levi konnte nur grinsen. „Ja, ein bestimmtes Team.“
„Was sagt denn deine Jessika dazu?“
„Ich habe heute Morgen mit ihr gesprochen, sie sagte, Zitat: Wage es ja nicht, ohne Caroline nach Hause zu kommen! Zitat Ende.“
Dagan lachte schallend. „Klasse diese Frau. Also gut, meinen Segen hast du. Ich denke nicht, dass eines der anderen Teammitglieder Einspruch erhebt.“

**

„Du hast dich verändert.“ Sagte Fabienne an mich gepresst. Zum ersten Mal seit unserem Wiedersehen hatte ich mit ihr geschlafen. Es war ein zärtliches Liebesspiel gewesen, ohne Dominanz, Fesseln oder Spielzeug.

Einfacher, leidenschaftlicher Sex mit einer kleinen Portion Schmutz. Durch das viele Training waren Fabiennes Muskeln auch an intimen Stellen sehr trainiert.
Jetzt lagen wir nebeneinander und hielten und fest.
„Ich? Habe ich das?“

„Oh, ja.“ Lachte sie leise. „Als ich dich kennen lernte, wärst du nie auf die Idee gekommen, eine Gefangene am Leben zu lassen. Dann hast du Beate und mich verschont. War es Caroline, die dich verändert hat?“
„Glaub mir, darüber habe ich fast jeden Tag nachgedacht. Ich weiß es nicht. Ich hätte früher nie ein Urteil in Frage gestellt. Seit Beate tue ich das. Du warst unschuldig, was hätte ich tun sollen?
Ich weiß nicht, ob es Caroline war, die mich verändert hat, aber ich bin bereit, diesen Weg weiter zu gehen.“

Fabienne lächelte mich an und drückte sich noch fester an mich.
„Außerdem, wenn sich hier jemand verändert hat, dann du. Wie bitte konnte aus unserer kleinen Fibi, der knallharte Leutnant Stahl werden?“
Fabienne drehte sich ganz zu mir und sah mir direkt in die Augen. Das waren nicht mehr die naiven Augen der kleinen Fibi.
„Ich war dankbar für die schöne Zeit mit euch, doch ich wusste auch, dass es nicht immer so weiter gehen konnte. Ich war ja zum Tode verurteilt.
Als du mir in dieser Nacht, die Kapuze übergezogen hast, war ich bereit. Bereit zu sterben! Ich hatte meinen Frieden mit mir gemacht.

Dann gingen wir immer weiter und mir wurde klar, dass wir nicht zur Hinrichtungskammer gehen und dennoch hatte ich keine Angst, denn du warst bei mir. Dann die Fahrt im Wagen, ich dachte, du bringst mich an einen schönen friedlichen Ort und richtest mich dort hin.
Als mir dann die fremden Männer die Kapuze vom Kopf zogen, und du nicht da warst, da hatte ich Angst. Nicht vorm Sterben, ich wusste ja, dass ich diese Nacht sterben sollte, aber die Vorstellung allein, ohne dich oder Caroline zu sterben, das war schrecklich.
Ich bin in dieser Nacht nicht gestorben. Als Levi und die anderen meine Ketten durchtrennten, schwor ich mir, nie wieder andere Menschen über mein Leben oder meinen Tod bestimmen zu lassen.
Levi hat mich zu Dagan gebracht und der hat mich wie selbstverständlich in seinem Haus aufgenommen, ohne Gegenleistung …

Ich habe ihn einmal gefragt, wie ich ihm danken kann und er meinte nur, „werde glücklich.“
Ich schwor mir genau das zu sein. Ich habe meinen Abschluss nachgeholt und beschloss bei Dagans Stab zu arbeiten. Alles andere hat sich dann einfach so ergeben. Das wars.“

Ich drückte sie an mich und gab ihr einen Kuss. – Dagan, dieser gerissene Hund hatte sofort Fabiennes Potential erkannt. Hut ab! –
Fünf Stunden später saßen wir beide in verschiedenen Fliegern auf dem Weg nach Berlin.
Fabienne flog über Rom, Paris nach Berlin und ich nahm die Strecke Ankara, Wien, Berlin. Bei jedem Stopp wurden wir mit neuen Papieren ausgestattet und trafen uns letztlich in Berlin in einem kleinen Café abseits der Touristen Meilen.

„Ich dachte, so etwas gibt es nur in schlechten Filmen.“
„Glaub mir, es würde mich nicht wundern, wenn unsere Gegner nicht schon wüssten, dass wir kommen.“

„Und warum dann das ganze Versteckspiel?“
„Vielleicht sind sie ja blind.“
„Lass uns ins Hotel gehen, ich bin völlig fertig und will ins Bett.“
„Du willst ins Bett?“, grinste Fabienne.
Ja das wollte ich und viel Schlaf hatte ich nicht bekommen, als ich am nächsten Morgen aufstand. Gegen acht Uhr morgens startete unser Flieger nach Moskau.

Diese riesige Stadt sah irgendwie nicht so aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nicht düster, als Land des Bösen, nein, irgendwie sah das verdammt normal aus, wie eine ganz normale Millionenstadt.
Allzulange konnte ich mich auch nicht umsehen. 30 Minuten später saßen wir in einer kleineren Maschine und flogen nach Tscheljabinsk, welches etwa auf halber Strecke nach Tomsk lag.
Schon im Flieger hatte ich das Gefühl beobachtet zu werden. Als ich Fabienne meine Bedenken mitteilte, flüsterte sie augenzwinkernd, „Natürlich beobachten sie uns.“
Auf dem Airport von Tscheljabinsk stiegen wir in eine noch kleinere Turboprop Maschine um und los ging der Flug nach Tomsk.

Wie schon Moskau, so war auch Tomsk nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Als wir ein Taxi nahmen und in die Innenstadt fuhren, kamen wir an riesigen Wohnblocks vorbei, die sich kilometerweit hinzogen.

„Ich dachte, in Sibirien sieht es anders aus.“
„Das hier ist Westsibirien. Hier ist es zwar auch arschkalt im Winter, doch nicht so schlimm wie weiter nördlich. Das da weiter nördlich, das ist dann dein Sibirien, wie du es dir vorstellst. Arschkalt und viel Eis und Schnee.“

In Tomsk war es um diese Jahreszeit recht angenehm. Alles war grün und die Temperaturen lagen bei +15 C.
„In vier Wochen kratzen sie hier an der 0 Grad C. Marke. Und nochmal vier Wochen später, wird es richtig kalt.“ Klärte mich Fabienne über das hiesige Klima auf.
Wir erreichten die Innenstadt und ich staunte nicht schlecht. Hier gab es viele schöne Häuser und eine malerische Altstadt, mit vielen historischen Bauten. Besonders fielen mir die schönen Holzbauten mit ihren Verzierungen auf. Schließlich kamen wir bei unserem Hotel an.

„Я получаю 600 рублей“
„Verdammt, was will er?“ fragte ich Fabienne.
„Ahh Gemanski, Hallo Freunde.“

„Hurra, er kann uns verstehen. Mein Freund, wie viel bekommst du für die Fahrt?“
„600 Rubel.“
Seufzend zog ich den Geldbeutel. Moment Mal! Ich hatte mir gestern den aktuellen Wechselkurs angeschaut.
„600? Das sind 50 Euro! Hör zu du Halsabschneider…“
„Peter!“
„Was?“
Fabienne holte mir den Geldbeutel aus der Hand und gab dem Fahrer einen 100 Euro Schein.
„Stimmt so, mein Freund.“
Der Fahrer bekam leuchtende Augen. Er griff in seine Tasche und zog einen Zettel hervor, auf den er ein paar Nummern kritzelte.

„Du brauchst Fahrer? Dann ruf mich an.“ Er gab Fabienne den Zettel und brauste los.
„Können wir das wenigstens über die Spesen abrechnen?“
„Du siehst eindeutig zu viele Filme.“

„Ich würde gerne Franks Gesicht sehen, wenn ich eine 100 Euro Taxifahrt bei im einreiche. Der würde wahrscheinlich tot vom Stuhl fallen.“
Wir gingen ins Hotel und meldeten uns an. Gebucht hatten wir nicht, aber es fand sich trotzdem ein Zimmer für uns. Freundlich fragte die Dame an der Rezeption, was wir in Tomsk zu tun hätten.
Typisch, die einfachste Frage, und wir hatten uns nicht einmal abgesprochen. Aber dann, fiel mir der Sinn unsres Aufenthaltes ein. Aufsehen erregen.

„Wir sind in den Flitterwochen. Ich und meine Frau sind beide passionierte Jäger und wir haben gehört, dass man um diese Jahreszeit, hier ein besonders schönes Event erleben kann.“
Die Frau sah mich an, als ob ich verrückt wäre, und besann sich auf ihre Freundlichkeit.
„Nun, dann heiße ich sie willkommen in unserer schönen Stadt.“

„Du musst es nicht übertreiben.“ Wies mich Fabienne zurecht, als wir im Zimmer angekommen waren.
Das Zimmer war genau wie das Hotel und alle Bauten in der Altstadt mit reichlich viel Schnitzereien verziert. Besonders das Bett gefiel mir. Es war ein Bett mit hohen verzierten Bettpfosten.
Fabienne konnte meine Gedanken lesen und grinste breit.
„Ich weiß genau, was du dir gerade vorstellst.“

„Ah ja? Was denn?“
Sie legte sich in die Mitte des Bettes und spreizte Arme und Beine, soweit sie konnte. Ja! Fabienne konnte Gedanken lesen!

Kurze Zeit später lag sie an Händen und Füßen an genau diesen Bettpfosten gefesselt und wurde von mir durch gevögelt. Jetzt war sie wieder Fibi, mein Spielzeug, mit dem ich machte, was ich wollte.
Die drei Jahre Training hatten ihren Körper zwar gestählt, doch Fabienne hatte nichts von ihrer Weiblichkeit eingebüßt. Meine Blicke und meine Hände wanderten über die langen, weit offenen Beine, ihren die Oberschenkel zu ihrer Scham, welche sie mir entgegendrückte. Ohne Widerstand drang ich in sie ein und holte mir, was ich wollte.
Fabienne genoss diesen kurzen „Rückfall“ zur Sklavin. Sie ließ sich von mir dominieren und fügte sich all meinen Wünschen.

Als wir erschöpft nebeneinander, lagen stieß sie mich zärtlich an.
„Hast du nichts vergessen?“, und hielt mir ihre Hände entgegen.
Liebevoll fesselte ich ihr die Hände und Füße zusammen und nahm sie wieder in den Arm. Genau wie vor mehr als drei Jahren lag sie gefesselt und glücklich neben mir und schlief friedlich ein.

Am nächsten Morgen begannen wir mit unserer eigentlichen Aufgabe, Fragen stellen.
Wir liefen bei Behörden auf und fragten nach Jagdmöglichkeiten, klapperten die wenigen Reisbüros ab und fragten bei den Touristeninformationen nach.
Am dritten Tag war ich mir sicher, dass wir beobachten wurden. Anders als im Flugzeug, nahm Fabienne meine Warnung diesmal ernst. In ihrer täglichen Konferenz mit Dagan, bat uns dieser, ja vorsichtig zu sein.

Am Tag vier, überlegten wir, wo wir noch Fragen sollten, als mir Sewersk, die geschlossene Stadt einfiel.
„Irgendwie, sagt mir mein Bauch, dass wir da richtig sind.“
„Eine deiner berühmten Bauchentscheidungen?“
„Ja, so könnte man es nennen. Die Frage ist, wie wir dort hinkommen.“
„Nein, die Frage ist, wie viel uns das kostet.“ Sagte Fabienne und kramte den Zettel „unseres“ Taxifahrers hervor.

„Hallo Freunde, ich bin übrigens Eugen, der beste Taxifahrer hinter dem Ural. Also wohin kann ich euch bringen?“
„Wir wollen nach Sewersk.“
„Sewersk?“, fragte dieser ungläubig als wir in sein Taxi stiegen. „Sewersk ist für Touristen gesperrt, da dürft ihr nicht hinein.“
„Wir wollen uns ja auch nur mal etwas umsehen. Fahr uns einfach so nah heran wie es geht.“ Sie holte aus ihrer Tasche ein kleines Bündel mit 50 Euro Scheinen.
Kaum hatten die Scheine den Besitzer gewechselt, brauste unser Taxi los.

**

Unsere Beobachter ließen uns nicht aus den Augen.
„Da stimmt etwas nicht. Das sind nie und nimmer Agenten.“, murmelte er.
Ivan saß in einem Wagen und folgte dem Taxi.

„Die Israelis würden niemals solche Witzfiguren schicken. Wahrscheinlich sind das Lockvögel, die uns aus der Reserve locken sollen.“ Er konnte sich noch sehr gut an die letzten Israelis erinnern, harte Kämpfer, die ihr Leben teuer verkauften.
Dennoch verstärkte sich das ungute Gefühl, als er bemerkte, dass der Wagen nach Sewersk unterwegs war.

„Die müssen irgendwas wissen.“
„Überhol sie und sie zu, dass du vor ihnen an der Absperrung bist.“ Befahl er dem Fahrer. Der gab Gas und überholte das Taxi, was bei Eugens Fahrstiel kein Kinderspiel war.
Schnell fuhr er zur ersten Straßensperre, die Neugierige abhalten soll, in die geschlossene Stadt zu gelangen.
Mit seinem Sicherheitsausweis, den ihn als Oberst der Sicherheitskräfte auswies, gelangte er schnell hinter die Absperrung und wartete.
„Ich will eine komplette Fotoserie.“ Ordnete er seinen Fahrer an.
„Da sind sie.“
Unser Taxi bremste und wurde zum Halten gezwungen.

Während einer der Soldaten mit unserem Fahrer sprach und ich davon kein Wort verstand, beobachtete uns Ivan.
„Sollen wir die beiden festsetzen?“, fragte ihn der wachhabende Offizier.
„Nein. Darum kümmern wir uns selber.“

Mittlerweile war die Diskussion um einiges heftiger geworden. Allem Anschein nach, war man auch in Sibirien nicht mehr allzu eingeschüchtert, nur weil ein Soldat mit einer Kalaschnikow vor einem stand.
„Er sagt, wir dürfen nicht weiterfahren.“ Übersetzte unser Fahrer und schickte eine weitere Schimpfkanonade hinterher. Wir waren ausgestiegen und schauten uns um. Überall waren Stacheldraht, Schranken, Wachtürme und so weiter. Kein Ort zum Picknicken.
„Was denkst du?“ Wollte ich wissen.

„Von uns wurde gerade ein paar Dutzend Bilder gemacht. Wenn wir Aufmerksamkeit erregen wollen, das haben wir geschafft. Lass uns abhauen, solange wir noch können.“, flüsterte ich zu Fabienne.

„Lass gut sein Eugen, wir fahren zurück.“ Sagte Fabienne und wir stiegen wieder ein.

Immer noch schimpfend aber auch erleichtert, drehte Eugen das Taxi und brachte uns zurück nach Tomsk.

**

„Hier sind die Bilder.“ Youssef gab Ivan die Speicherkarte, die ihm deren Fahrer in die Hand gegeben hatte.

Ivan steckte die Karte in den PC und schaute sich die Bilder an.
„К черту!“ fluchte Youssef, als er die Bilder sah.
„Was ist?“ wollte Ivan wissen.
„Das ist der Kerl!“
„Welcher Kerl?“
„Der Kerl aus dem Gefängnis! Dieser Mann hat neben der Miles gelegen, als wir sie holten!“
„Bist du dir sicher?“
„Ich hab ihm selber das Gas verabreicht. Das ist der Stecher von Caroline Miles.“
Ivan gefror das Blut in den Adern. Der Mann, dessen Freundin sie entführt hatten, war hier in Tomsk und fragte nach Jagd Veranstaltungen. Das konnte niemals Zufall sein. Aber welcher Geheimdienst würde so einen Amateur losschicken ohne Rückendeckung?

Irgendwo war ein echtes Agententeam unterwegs und deckte diese beiden.
„Ich will sofort alle Passagierlisten sehen. Die sind nicht allein! Findet die anderen!“
„Und was machen wir mit denen beiden?“
„Lasst sie verschwinden, aber Vorsicht, irgendwo sind noch welche.“

**

Die ganze Nacht durchsuchten Ivan und Youssef die Listen der Fluggäste. Sie ließen sich Hotelunterlagen beschaffen und prüften die Zugpassagiere. Alle Listen von Ausländern welche in den letzten Wochen in Tomsk angekommen sind, besagten, die Zielpersonen sind allein.

Also wurde die Suche auf die umliegenden Städte ausgedehnt, doch auch hier konnten fast alle Reisende ausgeschlossen werden.

„OK, wir schnappen sie Morgen, mal sehen was geschieht. Schick diese Bande von Halbstarken.
Falls es eine Falle für uns ist, tappen wir nicht hinein. Ist es keine, werden diese Kerle damit allein fertig.
Fall es aber doch eine Falle ist, will ich ein Beobachtungsteam, das uns zeigt wo die Bande sich versteckt.“

**

„Heute schlagen sie zu.“
„Woher weißt du das?“
„Ich fühle es. Seit unserem Ausflug wurden wir beschattet. Ich denke sie glauben mittlerweile, dass wir allein sind.“
„OK, dann werde ich mal meinen Freund hier ganz besonders streicheln.“ Ich steckte die Sig ein und vergewisserte mich vorher, dass sie auch geladen war.

**

Nicht weniger als sechs Männer in drei Wagen erwarteten uns. Abwechselnd folgte uns einer. Eigentlich leicht zu entdecken, wenn man weiß, dass man beschattet wird.
Wir gingen durch die enge Altstadt und schlenderten durch eine der Geschäftsstraße.
„Ich hab drei Autos gezählt.“ Wir waren an einem der Schaufenster stehen geblieben und schauten uns die Auslage an.

„Ja, aber die machen mir weniger Sorgen. Da hinten der Kerl mit der Lederjacke, ich glaube auf den müssen wir aufpassen.“
So unauffällig wie ich konnte, schaute ich zur Lederjacke. Der war mir nicht aufgefallen.
„Warum gerade der?“
„Er hat sich bis jetzt mit drei anderen abgesprochen und folgt uns.“
„Du meinst, sie wollen die Drecksarbeit nicht selber machen?“
„So sieht es aus. Lass uns in die nächste Straße abbiegen, mal sehen wer nachkommt.“
Ich kramte mein Handy hervor und lud Google Street View.
„Wir können da vorne zur Parallelstraße wechseln. Tun wir doch mal so, als ob wir sie abhängen wollen.“

„Peter, du wärst ein miserabler Agent, aber deine Ideen sind klasse.“
Wir schlenderten Hand in Hand, in Richtung des Durchganges zur Parallelstraße und kurz davor rannten wir los.
Verdammt, was früher ein Durchgang war, entpuppte sich wegen eines Neubaus als Sackgasse. Der ehemalige Durchgang, war jetzt ein unübersichtlicher Hof, der etwa 15X30 Meter groß war. Überall lag oder standen Müll, Container und alte Tonnen. Jetzt war es zu spät, wir drehten uns um und schon standen vier Männer hinter uns.

– Nur vier? Kein Problem! –

Doch zu früh gefreut, kaum hatten die vier Stellung bezogen, kam der Rest dieser Bande. Jetzt hatten wir es mit neun Männern zu tun und standen buchstäblich mit dem Rücken zur Wand.
Ich schaute mir die Kerle an, das waren keine SAS Soldaten wie auf Soulebda, das waren Straßenschläger mit Messern und Totschlägern. Gegen die rechnete ich mir eine reelle Chance aus. Aber neun Schläger, waren verdammt viel, selbst für Fabienne.

Die Schläger hatten einen Halbkreis gebildet und kamen langsam näher.
„Willst du fünf oder vier?“, fragte Fabienne.
„Als Gentlemen erledige ich die Hauptarbeit. Ich nehme sechs, du darfst drei haben.“
Die Schläger hatten sich auf Zehn Meter genähert und blieben stehen.
„Mitkommen, dann passiert euch nichts.“ Sagte Lederjacke.

Ich musste kein Russisch können, um das zu verstehen. Aber Spaß muss sein!
„Nein, so eine hässliche Hackfresse wie du, darf meine Freundin nicht angrabschen.“
Noch während Fabienne die Augen rollte, erschien hinter dem Schläger, der am weitesten von uns stand, eine große vermummte Gestalt aus dem Nichts und ließ seine Faust auf den Kopf des Schlägers herabsausen der sofort umfiel.

Noch bevor die Bande reagieren konnte, sprang hinter dem Riesen eine zweite vermummte Gestalt hervor, die einen Teleskopstock ins Gesicht eines überraschten Schlägers schlug.
Während sich der Riese schon um den nächsten Schläger kümmerte, griff auch die zweite Gestalt an.
Fabienne nutzte den Moment und sprang los. Jetzt zeigte Leutnant Stahl, was in ihr steckte. Innerhalb von Sekunden, lagen zwei Angreifer mit gebrochenen Knochen auf dem Boden.

Auch ich griff an. Wie gehofft, waren das keine erfahrene Nahkämpfer, das waren Straßenschläger und ich hatte eine riesen Wut im Bauch. Mein Schinder hätte seine Freude gehabt. Gnadenlos schlug ich zu und machte den ersten Angreifer nieder.

Der Nächste war Lederjacke. Er schlug mit dem Totschläger nach mir und genau wie in der Halle wich ich nicht aus. Eine halbe Sekunde später, hatte ich im den Totschläger abgenommen und schlug ihm genau in seine Zähne, die knirschend nachgaben.
Fabienne kämpfte gnadenlos und konsequent. Jeden Gegner, den sie Boden schickte, war nicht mehr in der Lage aufzustehen und weiter zu kämpfen.
Die Schläger, sonst gewohnt einzuschüchtern, sahen sich in der Falle, eine wütende Furie vor sich und ein Riese, an dem keiner vorbei kam.
Als ich mich nach einem weiteren Gegner umdrehte, hatte der Hüne gerade den letzten Schläger zu Boden gebracht.

Wir vier standen uns schnaufend gegenüber und musterten uns. Die zweite Gestalt war eindeutig eine Frau, und auch wenn beide maskiert waren, ich wusste genau, wer die beiden waren.
Zwei smaragdgrüne Augen und rote Haare, die unter der Haube hervorschauten und ein Riese, der eindeutig mit Deckers Kampfstiel kämpfte!
Sarah zog sich die Sturmhaube ab und umarmte mich.

„Danke meine Liebe.“
„Man, Bad-Man, mit dir um die Häuser ziehen, ist besser als am Ballermann liegen.“ Hannes hatte sich auch die Haube abgezogen und grinste von einem Ohr zum anderen.
„Danke ihr zwei, aber was zum Teufel treibt ihr hier?“
„Euch den Arsch retten.“
Vom Eingang zum Hof ertönte ein Pfiff. Vera stand dort und winkte uns zu, uns zu beeilen.
„Verschwinden wir!“, rief Fabienne und lief Richtung Straße.
Als sie an Hannes vorbei lief, schaute der sie ungläubig an.
„Sag mal, Bad-Man, ist das nicht…?“

„NEIN! Das ist Leutnant Stahl, von der israelischen Armee!“
„Oh, dann hab ich sie wohl verwechselt.“
Ich beließ es dabei und wir liefen hinter Sarah und Fabienne her, zur Straße.
„Hallo Schatz.“ Wurde ich von Vera begrüßt, die zur Straße schaute.
„Wie habt ihr uns überhaupt gefunden?“
„Ach wir haben da ein tolles Spürsystem.“ Meinte sie nur.
Mit quietschenden Reifen hielt ein altes Wohnmobil und die Tür wurde aufgerissen.
„Hi.“ Grinste mich Randy an. „Schön dass du dein Handy immer anhast.“
„Geht das vielleicht auch etwas schneller?“ Bellte Deckers Stimme hinter dem Lenkrad.
Vera sprang hinein und Sarah folgte. Während Hannes sicherte schubste ich Fabienne ins Wohnmobil. Als Decker Fabienne erkannte, froren seine Gesichtszüge ein.
Schnell sprang ich hinein und Hannes schlug die Tür hinter sich zu.

„Alle Drin!“, rief er und Decker sauste mit zusammengebissenen Zähnen los.
Kaum angefahren, hingen sich schon unsere Verfolger an uns dran.
Decker brauste durch die schmalen Gassen der Altstadt. In einer besonders engen Gasse donnerte er über eine Kreuzung und als das erste Verfolgerauto an die Kreuzung kam bretterte ein Taxi mitten in dessen Seite und die Wagen verkeilten sich so, dass die ganze Straße blockiert war.
Laut schimpfend stieg der Taxifahrer aus und sofort gab es einen Menschenauflauf.

Decker hielt Sekunden später an, wir sprangen aus dem Wohnmobil und stiegen in einen altertümlichen Ford Bus. Das Umsteigen hatte lediglich Sekunden gekostet und wir waren wieder unterwegs.
An der Unfallstelle standen jetzt schon fast fünfzig Menschen die lauthals diskutierten und Yousef, der die Aktion leitete war klar, dass es besser ist, sich nicht mit Waffengewalt den Weg freizumachen.
Jemand hatte die Polizei informiert und als die Beamten eintrafen um das Geschehen zu klären, saß der Taxifahrer Eugen, alias Jacob Goldstein, längst in seinem Auto und fuhr zum Bahnhof.

Dagans Mann in Tomsk, hatte seinen Auftrag erfüllt, länger zu bleiben, hieß sterben.

Wir fuhren unterdessen so unauffällig wie möglich aus Tomsk heraus. Während wir alle froh waren und uns gegenseitig auf die Schulter schlugen, saß Decker mit wütendem Gesicht hinter dem Steuer.
„Woher wusstet ihr, wo wir sind? Und wie kommt ihr hier her?“, wollte ich wissen.
„Ein Teammitglied von uns wusste, wo ihr seid, den Rest hat unser Genie hier erledigt.“ Sarah zeigte auf Randy.

„Und herkommen war einfach, wenn auch aufregend.“ Fügte Vera hinzu.
„Wo fahren wir hin?“, fragte Fabienne dazwischen.
„Zum Flughafen.“
„Da werden sie uns als erstes suchen.“ Warnte sie.
„Nein, wir fahren zum Frachtteil des Flughafens. Wir haben uns da einen Hangar gemietet.“
„Einen Hangar?“
„Ja, wir haben ein Flugzeug und dachten. wir könnten uns etwas umsehen.“
„Habt ihr auch einen Piloten dem ihr trauen könnt?“
Vera und Sarah lachten sich gegenseitig an.
„Ja, ich denke, wir können unserem Piloten trauen.“

„Runter mit Euch! Da ist das Tor zum Flugplatz.“ Wir machten uns auf dem Boden soweit unsichtbar. wie es ging, nur Hannes auf dem Beifahrersitz blieb sitzen.
Decker winkte dem Wachposten zu, der sich mehr für seinen Fernseher und seinen Wodka interessierte als für den Bus.
„Unten bleiben, bis wir im Hangar sind.“
Decker lenkte den Bus durch den Frachtbereich und kam schließlich an einem der letzten Hangars an. Hannes stieg aus, öffnete das Tor, wartete bis Decker den Bus hinein gefahren hatte und schloss dann es dann wieder.

Decker stieg aus und öffnete die Tür vom Bus.
Vera, Sarah und Fabienne stiegen zuerst aus, dann Randy.

„Willkommen und gut gemacht.“ Rief Levi, der an einem betagten Flugzeug stand.
Fabienne lief auf ihn zu und umarmte ihn. Jetzt war klar, wer meine Freunde hier her gebracht hatte.
Als ich aus dem Bus stieg, packte mich Decker am Kragen und drückte mich gegen den Bus.

„Wie viele von denen gibt es noch?“ fauchte er mich an und blickte zu Fabienne und Sarah.
„Keine… Bis jetzt.“

„Hör zu! Du bist mein Freund, ich hasse es zwar das zu sagen, aber du bist sogar unter den Top 3, wenn auch nur am unteren Rand. Aber ich schwöre, wenn ich dich bei so einer Nummer erwische, hänge ich dich persönlich auf.“

Er stieß mich nach hinten, ließ mich los und ging zu den Anderen. „Scheiße“, hörte ich noch fluchen.
Das hatte ich wohl verdient.
Als ich zu den anderen ging, schaute ich mir das Flugzeug genau an. Es war eine etwas ältere Maschine, doch sie machte einen gewarteten und gepflegten Eindruck. Als ich das Firmenlogo auf dem Leitwerk sah, musste ich laut loslachen.

Ein Flugzeug, das zwischen zwei Vulkanen durchflog und darüber ein großer Schriftzug
„Souelbda Air-Cargo-Line“. Oh ja, diesem Piloten konnte man trauen!
„Was gibt es da zu lachen?“, rief Bernd und kam auf mich zu. „Weißt du, wie lange ich daran arbeiten musste?“

Wir fielen uns in die Arme.
„Was zum Teufel machst du hier?“
„Jagus´tsaret hat Heylah gesagt, in was für einem Schlamassel ihr schon wieder steckt. Also hat sie Parlamentspräsident Soleab informiert und der hat seine Verteidigungsministerin, die zufällig meine Frau ist, einbestellt. Am nächsten Tag saß ich im nach Tel Aviv.“
„Werden die Bösen uns nicht gleich aufspüren?“

„Nein, wir sind gar nicht da, Bernd ist als Einziger hier gelandet. Offiziell um eine Niederlassung für die Air-Line zu gründen.“
„Flieger aus Soulebda hier in Tomsk?“, fragte ich zweifelnd.
„Die Russen sind einer der Hauptinvestoren der Gesellschaft, welche die Seltenen Erden abbaut. Nur Soulebda selbst und die Amerikaner haben größere Anteile. Wir sind mittlerweile auf fast allen russischen Flugplätzen registriert. So exotisch sind wir also gar nicht.“
„Es gibt aber noch eine beunruhigende Neuigkeit.“, fiel Sarah in das Gespräch ein.
„Wusstet ihr schon, dass Fransiska Haufberger verschwunden ist?“
„Nein, wusste ich nicht. Seit wann?“

„Etwa drei Tage, nachdem Caroline entführt wurde.“
Mist! Bestand da ein Zusammenhang? Mit Sicherheit. Doch was wollte Aleski mit einer Journalistin? Sie war kein Futter für die Arena.

Ich wusste es nicht und um meinen größten Helden zu zitieren; „Ich habe da ein ganz mieses Gefühl.“
„Aber“, sagte Bernd „wir haben auch zwei gute Überraschungen. Hier ist die Erste.“ Er gab mir einen Zeitungsbericht und die ich las die Überschrift.

JA! Das war gut!

„Und die zweite?“
„Steht hinter dir.“

Ich drehte mich um. OH JA! Das war eine Überraschung.

In mir stieg die Zuversicht. Wer immer dieser scheiß Aleski war, er hatte schon verloren! Ich hatte gute Freunde und zwei Asse im Ärmel. Und eines wusste ich mit absoluter Sicherheit, beide Asse würden stechen!

„Ich sage das nur ungern, aber wir haben noch ein Problem.“ Rief Randy.
Er saß an seinem Laptop und bearbeitete die Tastatur.
„Ich hab mich wieder bei den Bösen eingeschlichen. In drei Tagen soll der letzte Testlauf stattfinden.“
Er öffnete eine Map Seite und vergrößerte den Ausschnitt.
„Wo ist das?“, fragte Decker, der wieder das Kommando über unser Team übernommen hatte.
„Die Gegend um Chernaya Rechka und Yuzhnyy etwa, etwa 60 Kilometer nördlich von Tomsk.“
„Ist das nicht verdammt nah?“

„Du kannst 60 Kilometer bei uns, nicht mit 60 Kilometer hier vergleichen. 30 Km hinter Tomsk steckst du im mitten im sibirischen Urwald.“

„Kannst du das Ausdrucken?“, fragte Levi und Randy druckte das gewünschte Papier aus.
„Was weißt du noch?“
„So wie es aussieht, haben sie diesmal acht Jäger auf sie angesetzt.“
„Acht?!“
„Nur die Ruhe, du weißt doch, das dient nur, um den Preis hoch zutreiben.“ Beruhigte uns Levi.
„JA, aber Randy sagte auch, dass es der letzte Testlauf ist. Wenn wir sie daraus holen müssen, dann jetzt!“

„Randy, versuch alles herauszufinden, was das Testgelände angeht.“
„Mache ich, Ben.“
Randy, so verrückt er auch ist, wusste genau, wie er das schaffen konnte. Da er den eigenen Trojaner der Bösen benutzte, wurde er nicht als Eindringling erkannt und Randy konnte sich alle Daten besorgen, die er brauchte um Bens Auftrag nachzukommen.
Drei Stunden später, saßen wir über der Karte und studierten sie.
Die Bösen hatten uns alles gegeben, was wir benötigten. Randy konnte sich sogar in die Zentrale einhacken und die Überwachungseinheiten checken, und uns genau sagen, wo welcher Bereich überwacht wurde.
Die Arena hatte die Form eines Trapezes. Begrenzt wurde sie durch steile Hügel rechts und einem Fluss links. Das untere schmale Ende in Richtung Yuzhnyy wurde durch viel Stacheldraht Scheinwerfern und Wachen gesichert. Nach oben gab es nur Wildnis, die durch gelbe Punkte überzogen war.
„Was sind das für gelbe Punkte?“

„Allem Anschein nach, sind das Stützpunkte, die mit Wachteams besetzt werden.
Die ganze Arena ist funküberwacht. Sie können genau verfolgen wo sich Caroline aufhält und wenn sie sich den Grenzen nähert, schicken sie ein Paar Teams in ihre Richtung, die sie Abfangen.“
„Wie wird die Arena überwacht und woher wissen sie, wo Caroline ist?“
„Die Arena ist überall mit Bewegungssensoren und Infrarot Kameras gespickt. Was Caroline angeht, hier steht, sie trägt einen Chip.“

„Verdammt, selbst wenn wir Caroline finden, können sie uns aufspüren. Wie weit geht die Erfassung von Caroline?“
„Innerhalb der Arena lückenlos, außerhalb müssen sie auf mobile Überwachung wechseln.“
„Kannst du feststellen, wo Caroline gechipt ist?“
„Nein hier steht nur, das sie es ist.“
„Vera?“, fragte Ben.

„Normalerweise, werden solche Sendechips entweder im Nacken oder hier im Oberarm versteckt.“
Sie zeigte auf die entsprechenden Stellen. „Halt dort, wo man sie nicht selbst entfernen kann.“
„Kannst du es? Und wie lange brauchst du?“
„Wenn ich weiß wo er ist, drei Minuten.“

„Randy, kannst du ihn orten?“
„Klar, hier steht alles was ich brauche, Sendenummer, Frequenz… alles.“
„Sie muss zum Fluss.“ Sagte Fabienne die die Karte studiert hatte „Der ist am wenigsten gesichert. Dort können wir sie abfangen.“
„Hmm, um dorthin zu kommen, müssen wir von Osten her kommen.“ Decker blickte auf die Karte und überlegte.“
Schubert zeigte auf einen Fleck etwa 30 KM nordöstlich von Yuzhnyy. „Ich denke hier kann ich irgendwo landen, ohne dass sie dort Verdacht schöpfen.“
„Wie willst du dort hinkommen und landen, ohne dass wir gesehen werden?“ fragte Levi.
„Du musst nur die richtige Höhe haben.“

„Oder Tiefe.“ Fügte Fabienne hinzu und Bernd grinste.
„Oder Tiefe.“

„OK. Der Testlauf startet in 68 Stunden. Wir fliegen morgen früh los und müssen 30 Km durch einen Urwald zurücklegen um an den Fluss zu kommen. Aber wie zum Teufel soll Caroline wissen, dass sie in unsere Richtung kommen soll?“

„Das überlass mir.“ Antwortete ich.

**

SERWESK

„Ihr verdammten Stümper! Tobte Ivan. Seid ihr zu blöd um ein paar Amateure zu fangen, und umzulegen?“
Yousef konnte nichts zu seiner Verteidigung vorbringen. Sie hatten die Feinde einfach unterschätzt.
Mittlerweile war klar, dass auch der Unfall mit dem Taxi kein Zufall war, und die Witzfiguren keine Witzfiguren waren, sondern diese nur gespielt hatten.

„Was ist jetzt mit dem Testlauf, sollen wir ihn absagen?“
„Nein. Ich hab mit dem Chef geredet. Er sieht darin die Chance, dass unsere Freunde versuchen die Miles zu befreien. Ich denke auch, dass sie es versuchen werden. Seid also darauf vorbereitet.“

„Keine Sorge, wir haben jede Menge Teams entlang der Strecke, die die Miles zurücklegen kann. Außerdem wissen wir ja immer, wo sie ist.“
„Halt trotzdem zwei Helikopter mit Einsatzteams bereit. Nur für alle Fälle.“
„Jawohl. Sonst noch etwas?“
„Rede mal mit unserem Gast, vielleicht weiß er mehr über die Anderen. Zeig ihm die Bilder, die wir gemacht haben.“
„Ok.“

Ivan blickte auf den Monitor, der die Arena und alle Sicherheitsanlagen zeigte. Irgendwie hatte er das Gefühl etwas zu übersehen … Er ließ einen Sicherheitscheck laufen, damit wurden alle Sensoren einzeln abgeprüft und alle meldeten sich fehlerfrei. Keine Kamera war ausgefallen, alle Bilder waren scharf und auch genau auf die Quadranten gerichtet, die von ihm einst definiert wurden.

Alles war bestens, dennoch blieb das Gefühl, dass er etwas übersah …

**

In dieser Nacht läuteten verteilt in der Welt viele Telefone.

Washington
„Die heiße Phase beginnt. Das Schattenteam soll sich gefechtsbereit machen. Veranlassen sie alles Nötige.“

Kandahar
„Wir haben grünes Licht! Schattenbasis soll starten!“

Tel Aviv
„Der Einsatz beginnt. Das Schattenteam wird aktiviert.“

Lem saß bei Dagan zu Hause in dessen Arbeitszimmer.
„Die Schattenbasis?“, fragte der.
„Die Schattenbasis ist seit 10 Minuten unterwegs.“
Dagan massierte sich die Schläfen. Jetzt hing alles von den nächsten 72 Stunden ab.

**

TOMSK

Der Nebel wollte nicht weichen. Verzweifelt versuchte ich, ihn zu durchdringen, um mit Caroline zu reden. Immer wieder konnte ich meine Caroline schemenhaft erkennen. Ich konnte sehen, wie sie mir etwas sagte, doch ich verstand sie nicht.

„PETER“. Ihre Rufe drangen wie durch Watte zu mir.
Dann für kurze Zeit, sah ich sie deutlich vor mir.
„CAROLINE! Geh zum Fluss! Du musst östlich zum Fluss!“

Dann war sie verschwunden.
Verdammt, wieso klappt das nicht mehr?
Jagus´tsaret trat aus dem Nebel auf mich zu.
„Wieso kann ich nicht mit ihr reden?“, fragte ich ihn verzweifelt.
„Ihr wurden eine Menge Drogen verabreicht, die bis in ihr Unterbewusstsein vordringen.“
„Konnte sie mich hören?“
„Ich weiß es nicht, aber ich werde weiter über sie wachen, sollte ich mit ihr Kontakt bekommen, werde ich deine Worte ausrichten.“
Ich schreckte hoch. Fabienne die als einzige bei mir war, schaute mich erwartungsvoll an.
„Weiß sie wohin sie gehen muss?“
„Ich weiß es nicht. Ich hoffe es.“
In meinen Gedanken wiederholte ich den Satz wie ein Mantra.
„Caroline, halt dich östlich, geh zum Fluss! Caroline, halt dich östlich, geh zum Fluss! … “

**

Die Wärme in dem Flugzeug war wunderbar, kein Sturm, kein Frost und endlich etwas Ruhe zum abschalten. Völlig übermüdet schlief ich ein. Cynthia lag bereits länger neben mir und atmete tief und gleichmäßig.

Eine kleine Ewigkeit später schreckte ich auf, weil es irgendwo ein Zischen gab. Ein gefährliches Zischen, es war aber keine Schlange, sondern vor mir rollte eine kleine Gaskartusche und blies genau in unsere Richtung.

„Betäubungsgas“ schoss mir durch den Kopf. Ehe ich an die Kartusche kommen konnte, waren meine Sinne auch schon am Schwinden und plötzlich drehte sich das Flugzeug um sich und das letzte, was ich noch mitbekam, war ein Mann mit riesigen Augen, oder war das doch die Gasmaske?

Die riesigen Augen schienen immer größer zu werden, alles drehte sich um mich und ich verlor das Bewusstsein.

**

Wach wurde ich wieder einmal, in der gewohnten Laborumgebung, gefesselt und gestreckt und ein Stich in den Nacken rief mich ins Leben zurück.

Ein Knebel im Mund hinderte mich daran, einen Schrei aus zustoßen.
Neben mir hing in gleicher Position Cynthia Morales, ihr wurde offenbar gerade etwas in den Nacken implantiert. Mit einem Zucken wachte auch sie auf und auch sie war geknebelt.

“Ah da sind ja unsere beiden bezaubernden Mädchen, herzlich willkommen zurück bei den Lebenden.”

Quakte die Stimme aus dem Lautsprecher in der Wand.
Diesmal standen aber nur einige Weißkittel vor uns und mehrere Kameras waren auf uns gerichtet. Helle Scheinwerfer strahlten uns an und ließen eine angenehme Wärme auf unserer nackten Haut wirken.

Zweifellos hatten wir uns die vergangene Zeit in dem Rad gedreht und waren Anschauungsmaterial für die Interessenten mit dem großen Geldbeutel. Wie lange wir uns da drinnen gedreht hatten, wussten wir wie schon bei den anderen Male nicht.

Einige andere Lichter flammten auf und wir begannen uns erneut langsam zu drehen, damit auch jeder Zentimeter unserer Haut gut zu sehen war. Dann quakte es wieder aus der Wand:

“Verehrte Gäste, ich freue mich, Ihnen diese beiden Exemplare präsentieren zu können.

Die eine ist eine erfolgreiche Jägerin und hat sich freiwillig entschlossen auch einmal als Beute zu dienen. Die andere ist unser Prachtstück, eine ehemalige Agentin mit Killerinstinkt und mit 13:1 hält sie die aktuelle Bestnote.

Wie Sie sehen, sind die beiden Beutestücke körperlich in Bestform und sie erfreuen sich allerbester Gesundheit. Das abschließende Wertungsspiel findet im Dschungelkamp statt.
Die Raubtiere sind nicht gefüttert und spielen auch mit. Im heutigen Durchlauf haben wir Panther und Wildschweine eingesetzt. Da wir mit einer extrem hohen Quote rechnen, dürfen die Jäger nur in Zweierteams laufen, das macht das ganze interessanter. Außerdem sollten die Tiere nicht unter der Jagd auf die Beute leiden, bitte beachten Sie das, Danke!”

Wieder ein Knacken und einige Anweisungen an die Weißkittel, die ersten Scheinwerfer gehen aus, die Räder kommen zum Stillstand und wir werden herunter gelassen. Endlich werden wir befreit und können uns wieder bewegen.

Dann werfen uns die Weißkittel Unterwäsche und zwei Lederkombis vor die Füße und wir ziehen uns an, für den nächsten, den abschließenden Lauf.

Die Klamotten passen sehr gut, man hat wirklich gut gemessen und die Stiefel sind auch erstklassige Ware. Als wir die letzten Riemen straff ziehen, legt man uns zwei Handschellen an und führt uns hinaus.

In einem kleinen Wartezimmer müssen wir uns hinsetzen, dann ertönt der Lautsprecher erneut: “Für den Fall dass es in Vergessenheit geraten sein sollte, betrachten Sie diese Übertragung.”, und am Bildschirm wird Fransiska Haufberger gezeigt, wie sie gefesselt auf einem Brett liegt, daneben eine aktuelle Tageszeitung der Prawda und der Times, sie tragen beide das heutige Datum. Zumindest sieht Fransiska nicht gequält aus.

“Wie Sie sehen, halte ich meine Versprechen, ich erwarte eine erstklassige Jagd, idealerweise mit keinem überlegenden Jäger, so steigen die Quoten in die erhoffte Richtung. Bedenken Sie, dass das Terrain geschlossen und überwacht ist, aber nutzen Sie dieses riesige Spielfeld aus.
Ehe Sie nun auf das Spielfeld gebracht werden, wünsche ich ihnen noch guten Erfolg und gutes Gelingen.” Im gleichen Moment haben wir je eine Spritze im Oberschenkel und es wird kurz danach milchig vor unseren Augen.

**

Dschungelkampf

Um mich herum sind überall die Stimmen eines funktionierenden Dschungels. Die Grillen sind so laut wie überall und von überall pfeift und piept es. Das nächste was ich mitbekomme, ist ein Tropfen Wasser auf meiner Wange, überall zirpende Geräusche, grünes Licht, recht gedämpft, der Dschungel hat uns also wieder. Ein Blick nach oben und wieder sind wir in einer der riesigen Hallen, Es gibt keine Sonne, dafür diffuses Licht von oben und eine Dampfwolke unterhalb der Decke. Ab und zu tropft es auf uns herab, die perfekte Illusion von Dschungel. Der Boden ist sogar voller Leben, überall krabbelt etwas herum.

Einer der riesigen Bäume spendet etwas Schutz, beim genauer hinsehen erkenne ich an der äußeren Rinde zwei Ausbuchtungen mit grünen LEDs. Perfekt getarnt, das muss wieder eine der vielen Dachstreben sein. Von wegen Rinde. Man kann diese riesigen Bäume aber auch nicht zum Vorteil ausnutzen, denn sie haben in etwa acht Meter eine Sperre, die wie Laub aussieht aber deftige Stromstöße ausstößt, wie ich schon einmal miterlebt habe.

Jetzt zählen wieder die Minuten, rasch zieh ich Cynthia auf die Beine und wir laufen erstmals aus dem Bereich.
Eine rasche Kontrolle, was haben wir an Waffen. Oh, diesmal nur je ein Kampfmesser, immerhin etwas und damit können wir beide umgehen.

Kurze Orientierung , wo ist die Grenze der Halle?, was sehen wir und wo können wir etwas bauen und schützen? Wie viel Zeit bleibt uns? Welche Tiere sind hier? Und was sind die Gefährlichsten?
Kaum zehn Minuten später haben wir einen kleinen Unterschlupf gefunden. Zwei Wege, vermint und wir wissen von Panthern und Wildschweinen. Das genügt, um zu wissen, dass das Kommende happig werden kann. Die Panther bekomme ich nicht zu Gesicht, aber sie sind da und beobachten uns dafür ganz genau.

Noch immer fragen wir uns, wie sie diese Vielfalt an Pflanzen und Tiere hierher bekommen haben, das muss irre teuer gewesen sein.
Noch immer sind die Tiere unsere Freunde, die vermelden, dass wer kommt und von wo die Gefahr kommt.

Bei meinem ersten Lauf wurde das Betreten eines Jägers noch mit einem Signal angekündigt, aber über diesen Punkt sind wir lange hinweg.

Da tritt der erste ins Licht, ein Stiernacken von einem Kerl, knapp 1,90 groß und bestimmt zweieinhalb Zentner schwer und davon fast alles Muskeln, aber wo ist der zweite? Das macht mir Sorgen, ich weiß dass mindestens zwei auf uns losgelassen werden, so hat man mehr davon.

Cynthia wird von Stiernacken erkannt und der Bulle springt sie an. Sie wehrt sich tapfer und verwundet ihn mit jedem Hieb ihres Messers, aber es reicht nicht. Sie bringt ihm nicht genug Schaden bei an und wenn er sie nur einmal richtig erwischt, bricht der Stiernacken ihr jeden Knochen.

Ich muss eingreifen. Darauf hat garantiert der andere gewartet, also bereits im Sprung auf Stiernacken schauen, wo sich was bewegt. Mit einem gezielten starken Messerhieb in die Leber wird der Bulle gestoppt und Cynthia kann ihn endgültig mit ihrem Messer über den Hals fahren. Da war aber eben eine Bewegung und ich springe in ein starkes Buschwerk und damit außer Reichweite.

Schon springt ein junger drahtiger Mann auf den Platz zu, an dem er mich vermutet. Cynthia ist in akuter Gefahr, der kleine drahtige Mann ist schnell und verdammt gut.

Da sehe ich ihn zum ersten Mal. Ein kleiner, flinker Japaner ist es, der gerade aus dem Busch gesprungen kam. Cynthia ist direkt vor ihm und der Japaner setzt zum Sprung auf ihren Rücken an.
Das einzige was ich habe ist mein Messer und das geb ich nicht aus der Hand, dafür liegt am Boden ein gut Faustkeilgroßer scharfkantiger Stein. Kurz abgewogen schleudere ich den auf den Japaner, der gerade springen will und treffe ihn voll an der Schläfe, worauf der Japaner seitlich wegkippt. Mit einem Sprung bin ich über dem Japaner und beende mein Werk.

Der Wurf war gut, aber ich musste ihn mit einem Stich ins Herz ausschalten, der hätte uns später einen Strich durch unsere Rechnung gemacht.

Cynthia schaut mich lächelnd an. “Danke Japs der wär zu viel gewesen.” „Na du keine Beleidigungen, auch wenn der Jäger ein Japaner war, das muss nicht sein ok?“

“Nichts für ungut, 15:1 ist doch was, weiter und nicht deren Waffen vergessen, wir laufen dahin.”, und ich deute zu dem Ursprung der beiden. Da kamen sie her, vielleicht können wir dort heraus, oder die nächsten abpassen.

Aber so leicht machen es die „Veranstalter“ dann doch nicht und lassen die beiden nächsten Jäger an einem ganz anderen Platz ins Spielfeld kommen. Dafür haben einen kleinen Vorteil, bis der nächste Trupp angreift, können wir etwas Kraft tanken.

Eine Weile später hören wir ein Grunzen vor uns. “Sind das Wildsäue?” flüstert Cynthia.
“Zweibeinige” flüstere ich und werfe einen Stein hoch an eine starke Astgabel. Noch ehe der Stein auf den Boden fällt, schlagen die Kugeln da oben an dem Ast ein.

Wir verständigen und schnell mittels Zeichen und teilen uns auf, jetzt weiß der Schütze, dass er auch oben mit Beute rechnen sollte, vermutlich aber, hat er den Trick erkannt und bleibt mit den Augen am Boden.

Das gefällt mir, denn elegant wie eine Katze hüpfe ich den Baum hinauf und verstecke mich im dichten Laubwerk und Cynthia spielt den Lockvogel.
Diesmal ist es überschaubarer, der eine sucht im Blätterwald mit dem Fernrohr die Ziele, vergebliche Mühe, der andere robbt über den Boden, wo sind die beiden denn her? So etwas habe ich zuletzt bei einem Treffen mit russischen Spezialkräften erlebt.

Doch die Vorsicht lehrt uns schneller und besser zu denken als viele andere es können. Ein kleiner Stock in die Richtung des am Boden kriechenden Jägers und mit einem Satz, wie ich ihn schon lange nicht mehr gesehen habe, hüpft der Mann in das Gebüsch. Sehr schnelle, geschulte Reflexe. Der Mann ist gut.
Ganz klar Speznaz Ausbildung und eine gute dazu, hämmert es in meinem Kopf, den Jäger kriegen wir nur mit List und Tücke.

Aber erst den anderen, der sich wie der „Tumbe Mike“ anstellt. Ob er aber tatsächlich so hinterwäldlerisch ist, frage ich mich gerade. Tatsächlich, das dicke Fernrohr auf der Waffe ist Show und reizt zum Schnellschuss.
Ein kleiner Stein von mir und schon hetzt ein kleines Wildschwein weg und der Tumbe Mike hat das Tier genau im Schussfeld, von wegen er kann nicht schnell das Ziel wechseln und verfolgen, der da vor uns ist Profi genug, dass er das kann. Er verfolgt das Tier mit seiner dicken Flinte im Zielfernrohr, er weiß also genau, was er tut.

Ergo, man muss ihm das Unerwartete geben. Ein Zeichen und Cynthia zischt wie eine Schlange.
Der „Tumbe Mike“ setzt das Gewehr ab und sucht die Schlange, da husche ich bereits hinter ihn, mit meinem Messer in der Hand.

Ein schneller Stich von hinten durch den Hals, und ich ziehe das scharfe Messer nach vorne weg durch den Hals, so durchtrenne ich seine Luftröhre und danach die ganze Kehle, ohne das er einen Schrei ausstoßen kann. So beendet der „Tumbe Maik“ seine Jagd, deutlich schneller als geplant.

Schön für uns ist, er trägt eine Beretta in 9 mm bei sich und einiges an Munition. Cynthia nimmt sich das Gewehr ein starkes Jagdgewehr Kaliber .308 Winchester mit einer prima Optik und wir sind ab sofort Fernschützen.
„Da schau …“, und ich deute nach vorne, “Ein Hüpfer im Wald, da vorne vermutlich, der ist gefährlich!”
“Ja, wie finden wir ihn?”

“Er findet uns, der will kämpfen, stell dich auf einen Nahkampf ein, ich glaube, das ist ein Nahkämpfer mit Killerinstinkt” Cynthia nickt, wir verschwinden im Wald.
An einem dicken Baum in Deckung erscheint mir Jagus´tsaret in einer Wolke und brüllt mich an “Ducken! Ducken! Ducken!” Weg bin ich und im gleichen Moment donnert ein Messer in den Baum, an dem ich eben meinen Kopf hatte.

Ab da lebt der Wald und wir huschen von hüben nach drüben im klaren Wissen, der ist hier nicht weiter entfernt, als 20 Meter eher 10 Meter. Einen Sprung weiter steht der Mann mir im Weg und springt mich aus fast fünf Metern an.
Die Pistole entlädt eine Dublette in seine Brust, doch die verflixte Minute des toten Mannes reichen, dass er weiter auf mich zustürzt. Erst eine weitere Kugel genau unterhalb der Nase in das Stammhirn, schaltet den Mann sofort aus.

Das war ganz schön knapp, das hätte anders ausgehen können.
“Vorsicht beim Taschen durchsuchen, das war ein Speznaz, die lassen meist üble Spielsachen zurück.”, sage ich zu und Cynthia und sie nickt mir zu. Als sie die Taschen durchsucht hat, findet sie eine offene Klinge, an der man sich verletzen könnte, diese üblen Tricks vergessen die einfach nicht.
“17:1 das wird ein Kinderspiel,” meint Cynthia.

“Denk nicht mal im Ansatz dran, das waren bisher Spieler zum warm machen, die zählen nicht. Mir machen jene, die jetzt so nach und nach kommen, viel mehr Sorgen. Jetzt kommen die wirklich guten, also pass bitte auf, pass wirklich gut auf! Dein Leben steht auf dem Spiel!”

Aber irgendwie nimmt Cynthia das nicht so recht ernst denke ich mir, doch dann kommt mir langsam eine üble Vorahnung. Was, wenn sie nicht das einfache umgedrehte Mädchen ist, dass sie vorgibt, sondern so abgebrüht, dass sie mich erst mal machen lässt, um mir dann das Messer in den Rücken zu rammen?

Ausschließen kann ich es nicht. Daher muss ich sie im Auge behalten.

Endlich haben wir etwas Zeit und ich lausche wieder in mich hinein. Irgendwas ist da, irgendwer versucht mich zu erreichen, aber in der momentanen Situation die Ruhe zu finden, wenn man annehmen muss jeden Moment massakriert zu werden, ist nicht einfach.

Doch wie damals in Fort Bragg, bei der Ausbildung, hilft es auch hier, sich zu sammeln und zu konzentrieren.

Endlich gelingt es mir, mich kurz zu sammeln und umzuschalten.
Ich sehe die Wolke und irgendwas hämmert auf mich ein.

“Caroline, halt dich östlich, geh zum Fluss! Caroline, halt dich östlich, geh zum Fluss! Caroline, halt dich östlich, geh zum Fluss! “

Immer und immer wieder kommt dieser Gedanke und endlich ist klar, Peter schickt mir das als Information zu. Endlich besseren Kontakt, schnell konzentrieren.

“Peter ich bin im Dschungel und versuche mich nach Osten zum Fluss durchzuschlagen, Peter – ich komme nach Osten zum Fluss, ostwärts zum Fluss, ich gehe östlich … ”

Ein Geräusch lässt mich aufschrecken und mir zu Füßen sitzt Cynthia und hält sich den Finger auf den Mund, dann ein Zeichen von ihr, zwei Mann von Norden.

Verflixt diese Gedanken Kommunikation scheint mich von der übrigen Wahrnehmung abzuschneiden. Das ist sehr gefährlich, da muss ich unbedingt drauf aufpassen. Aber jetzt erst die aktuelle Gefahr, noch kann ich nichts erkennen, doch jetzt ein Geräusch. Da kommen Schritte, gut verstellt aber menschlich.

Unser Versteck ist sehr gut, denn der Mann geht genau auf uns zu und überschreitet den Baum unter dem wir liegen. Wir hören sonst nichts aber wir erkennen, dass der Mann verkabelt ist und er schreitet sehr leise. Ich hätte ihn fast nicht mitbekommen, jedoch war ich auch etwas abgelenkt. Der Mann ist rabenschwarz, vermutlich aus Ghana und weiß ganz sicher wie man jagt.

Der andere Jäger aber ist weiterhin verschwunden, keine Chance, spurlos und geräuschlos verschwunden, also müssen wir das nehmen, was wir haben, den Ghanaer vor uns.
Meine Nackenhaare sträuben sich, ein untrügliches Zeichen, dass wir auf eine Falle zulaufen. Ich lasse Cynthia sich den Mann nehmen und falle an einem Baum zurück. Hier stimmt etwas ganz und gar nicht, der zweite Jäger ist im Spiel und ich habe keine Ahnung, wo er ist, aber eines spüre ich, er oder sie ist da, definitiv. Hinter dem Baum bleibe ich zurück und suche die Bäume ab. Wenn ich den zweiten Jäger nicht am Boden finde, dann könnte es sein …

Und siehe da, ich habe Jäger zwei gefunden. Auf einer dicken Astgabel kauert sich eine kleine Frau und hat die Gegend um ihren Kollegen gut im Blick- und damit im Schlussfeld.

**

Isolde van der Lobbe hat sich auf einer dicken Astgabel ihr Versteck bereitet und verfolgt die beiden Mädchen am Boden. Ihr Jäger Kollege ist ein erfahrener Buschläufer und er spielt den Lockvogel ausgezeichnet. Beide Frauen haben sich aus ihrem Versteck gelöst und folgen dem Lockvogel.

Die beiden Frauen fühlen sich offenbar nicht ertappt, dabei ist das eine perfekte Falle und gleich wird sie zuschnappen, sobald die hintere Frau wieder im Schussfeld ist um … aber wo ist die hintere Frau?

Verdammt wo war sie geblieben, jetzt bestand Gefahr, für ihren Freund der vorne lief und von der anderen Frau bedroht wurde. Die hintere Frau ist verschwunden. Verdammt, jetzt muss sie die Position wechseln und das alles, ohne sich zu verraten.

Sie wechselte die Stellung und schaute durch das Zielfernrohr ihrer Waffe und sucht die Bäume am Boden ab, da zwischen den beiden Bäumen war die Frau eben noch. Doch was ist das, sie schaut auf eine Mündung, die von zwei starken Händen gehalten wird und dahinter sieht sie die andere Frau …

Das war ihr letzter Fehler. Sie sieht noch, wie die Mündung der Waffe Feuer spuckt, dann ist es aus. Die Kugeln schlugen ihr im Kopf ein und ihr Lebenslicht erlischt augenblicklich. Knisternd bricht die Frau durch die kleinen Äste und schlägt auf dem Boden aus. Ihre Augen sehen mich immer noch verständnislos an. Die fehlende Schädeldecke passt nicht zu dem Bild und ich decke die FRau mit ihrer Jacke zu, dann bin ich schon verschwunden.

Die beiden Schüsse waren laut genug, um von dem Begleiter sofort eingeordnet zu werden. Schon hatte er sein Sturmgewehr im Anschlag, aber eine Klinge aus Stahl schlug in der Leber ein, als Cynthia zustieß. Mit einem Aufschrei geht der Ghanaer zu Boden dreht sich um und greift zu seiner Pistole.

Aber noch ehe der farbige Jäger die Pistole ziehen kann stößt eine Messerklinge durch seine Brustmitte und es ist aus mit dem schwarzen Mann. Der Tod kam dann doch schnell und überraschend, und ich ziehe mein Messer aus dem Mann heraus.

Cynthia schaute mich etwas überrascht an „19:1 wenn ich mich nicht irre?“

„Du und dein Zählen, ich versuche, hier zu überleben, und du führst Buch.“

Erneut untersuchten wir die Taschen, das Gewehr der kleinen Frau blieb im Baum und mehr hatte sie nicht dabei, was wir nicht schon trugen, aber der Farbige hatte neben Munition für die Beretta, auch einen guten Militärkompass dabei. Dazu frisches Trinkwasser und zwei Reihen Energieriegel.

Endlich etwas zum Orientieren, denn diese künstlichen Beleuchtungen und merkwürdigen Sonnenstände waren äußerst nervig. Das Beste aber war der kleine Übersichtsplan, den der Farbige mit sich führte. Der war Gold wert!

Wir konnten zum ersten Mal die wahre Größe der Anlage erkennen. Zusammen mit seinem Startpunkt wussten wir endlich, wo wir etwa waren und wohin wir mussten nach Osten zum Fluss.
Endlich mit einer klaren Linie vor uns konnten wir uns zumindest einmal in die Richtung orientieren.
Diese Halle war riesig. Ab und an konnten wir erkennen, dass einige Mammutbäume alles andere als Bäume waren. Diese trugen die Kuppel und waren gegen Besteigen geschützt. Das alles musste eine Unsumme gekostet haben, aber wenn das aus der alten Sowjetzeit stammte, spielte damals Geld keine Rolle.

So schauten wir, dass wir weiter nach Osten kamen, die Bäume wurden weniger und das Gestrüpp und die Steppenlandschaft nahm rasant zu. Hier hatte man wirklich versucht, auf wenigen Kilometern eine ganze Region Borneo mit Naturwald und der afrikanischen Steppe zu mischen.

Da draußen aber, kamen neben den Jägern noch die jagenden Tiere dazu, Wildschweine hatten wir länger keine mehr gesehen, aber hier gab es Katzen. Die Spuren am Boden waren da sehr klar und das hieß doppelt aufpassen.

Die Leute und Macher hatten sogar die Sträucher und Früchte der Steppe angeschafft und dann sogar Sträucher der Cyakpapaya, eine Art Quitte, na ja, einer Quitte kommt die Frucht zumindest einigermaßen nahe. Tatsächlich hat die Pflanze ein dichtes Blattwerk und ist einfach zu züchten.

Für uns Menschen ist das Fruchtfleisch ungenießbar, aber der Geruch ist eine Abschreckung für die Tiere und speziell für die Katzen mit ihren feinen Nasen. Es riecht für sie sehr unangenehm, dabei bekommen wir davon nichts mit, aber wir sind ja auch keine Katzen. Das für uns positive ist, dass es die Haut etwas kühlt und Insekten fernhält.

Schon schneiden wir die reiferen Früchte auf und reiben uns ein, es schmeckt eklig und riecht nach nichts. Cynthia schaut mich immer wieder fragend an, ob ich das wirklich machen will.

Aber spätestens, als ich mich damit überall einreibe, erkennt auch sie, dass es von Vorteil sein könnte sich auch mit der Frucht einzureiben.

Einige Teile der Frucht stecken wir ein und es geht weiter. Bald merken wir bereits dass die Katzen einen hohen Bogen um uns machen, das entspannt und wir können uns auf die Jäger konzentrieren.

An einem kleinen Hügel erkenne ich erstmals ein rabenschwarzes Katzengesicht. Die Pantherin faucht mich leise an und huscht weg. Offensichtlich wirkt das Naturmittel.
Vor uns sind wieder zwei Mammutbäume die das Dach tragen und wir kommen in hohes Gras, nur noch ein wenig mehr. Diese Kuppeln sind allesamt mehrfach miteinander verbunden und enorm groß.

An einer Seite aber, ist etwas Unruhe unter den Katzen, da kommt entweder ein Jäger oder gleich beide an. Die Katzen umschleichen die Beute und weisen uns den Weg, dabei machen sie um uns einen weiten Bogen.

Da läuft aber dann etwas gar nicht nach Plan, wir hören ein Geschrei von Frauen und dann fauchen mindestens zwei Katzen, da wird also eine Jägerin angegriffen, unsere Chance die zweite auszumachen, oder weiter zu fliehen.

Wir bleiben im Schatten versteckt, da bewegt sich neben uns einer der Panther, schaut uns kurz an, faucht leise und ignoriert uns dann, sie schleicht weiter und springt in eine kleine Grube. Kurz danach schreit ein junger Mann auf und ein Gewehrschuss bricht.

Bingo, da ist er ja. Der Panther springt ins Dickicht und der angegriffene Mann steht frei. Noch ehe er sich ducken kann beendet eine Kugel in seinen Kopf die Karriere des jungen Jägers. Doch jetzt passiert etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Die zweite Jägerin, eine Frau springt auf und kniet sich neben den toten Mann. Aber anstatt zu trauern, reißt sie ihm eine goldene Kette vom Hals und spuckt ihn sogar noch an. Beim Aufstehen fängt sie sich zwei Kugeln in Brust und Kopf ein und fällt über den anderen am Boden liegenden Mann. Die kleine Goldkette fällt der Frau aus der Hand und verschwindet im Hemd des Mannes.

Unfassbar, auch hier spielt der Zufall mit und der hat eben Gerechtigkeit walten lassen. Die Panther sammeln sich um die beiden Toten und wir ziehen uns zurück. Was die Raubkatzen mit den beiden anstellen ist nicht unsere Angelegenheit, wir müssen weiter und um unser Leben fürchten, da interessiert mich das nicht.  Wir überlassen sie den Katzen und gehen weiter zum Fluss.

Cynthia schaut mich grinsend an „Ja ich weiß, 21:1 sag es nicht, lass es einfach.“, und wir schleichen weiter, wir kommen tatsächlich dem Fluss näher.

Cynthia lauscht jetzt öfter am Boden, so als würde sie als Indianerin auf das Stahlross lauschen, aber das macht hier keinen so rechten Sinn, das einzige was Sinn machen würde, wäre sich klein zu machen.

Wie aus einer Kanone taucht Nebel auf und der Stammeshäuptling ruft nur ein lautes Wort.
„HINLEGEN!“, und ich liege auf dem Boden.

Da schlagen über mir an dem Baum einige Geschosse ein. Komisch ist das ja schon, weshalb musste Cynthia ausgerechnet hier den Indianer geben …

Ich helfe ihr auf, und gebe ihr den Rucksack mit unseren Fundsachen. Dafür nehme ich das Gewehr und suche die Gegend ab und drehe mich weg. Cynthia untersucht alles im Rucksack und legt die neu hinzugekommenen Sachen dazu …

„Endlich eine kleine Pause“ und sie nimmt sich einen guten Schluck Wasser. Mit einem Power Riegel führt sie sich die so wichtige Energie zu, während ich mit dem Gewehr die Gegend absichere.

„Ich muss mal groß“, flüstert sie und ich werfe ihr eine Rolle Papier zu. „Beeil dich bitte.“ Damit verschwindet sie hinter einem Baum im Gebüsch und ich schau mir ihr Gewehr genauer an …

**

Kurze Zeit später sind wir wieder auf der Pirsch. Cynthia trägt wieder ihr Gewehr und ich suche den nächsten Jäger. Der unbekannte Schütze aber scheint verschwunden zu sein. Nach meiner Berechnung muss er sich irgendwo vor uns in den stachligen Hecken aufhalten, ob der Jäger von der Giftigkeit der chinesischen Dornen Sorte weiß?

Doch da kommt uns Kommissar Zufall entgegen, in Form einer Rotte Wildschweine die direkt seitlich aus dem Gebüsch rauscht und direkt in diese Sträucher rennt. Ihnen machen die Stacheln nichts aus, aber der dort versteckte Schütze springt auf und landet in den harten, spitzen und vor allem langen Dornen.

Sein Aufschrei ist voller Wut und Überraschung, als er uns sieht. Seine Waffe ist noch auf uns gerichtet, da treffen ihn meine ersten Kugeln in die Brust, aber ohne Wirkung, offenbar ist er mit einer persönlichen Schutzweste ausgerüstet. Na gut. Eine Doublette in den Kopf beendet das Thema und der Mann bleibt in den Dornen hängen. Gerade als ich nachgeladen habe und die Sachen des Mannes nehmen will werde ich überrascht.

„Stopp!“, brüllt Cynthia hinter mir und ich drehe mich um, sie steht breitbeinig gut acht Meter hinter mir und hat das Gewehr auf mich gerichtet.

„Das reicht, ab hier übernehme ich. Du warst eine verdammt gute Beute, aber ich brauche das Geld, und bekomme es auch. Lebe wohl!“

**

Da drückt sie ab und es macht klick.

Entsetzt schaut sie auf. „Verdammt was soll das?“

„Du warst zu schnell bereit, dich von mir umdrehen zu lassen, du warst zu schnell dabei, andere Jäger auszuschalten und du warst viel zu schnell unten am Boden, als die Garbe einschlug, und du hast mir dein Gewehr gegeben, erinnerst du dich?“

„Mist, verdammt, ja, gib nie die Waffe aus der Hand, ohne sie danach zu überprüfen.“

„Genau, das hast du also doch in der Ausbildung gelernt!“, und mit einem Sprung bin ich in den Büschen verschwunden.

Gleichzeitig schlagen um uns die ersten Kugeln ein, ein Jäger ist noch da draußen und beginnt auf uns zu schießen.

Der Jäger hat von dem Gespräch eben sicherlich keine Kenntnis, und er ist nicht bereit zu teilen.

Während Cynthia noch den Fehler sucht, werfe ich den Schlagbolzen weg und verschwinde in Richtung des Flusses. Jetzt kann und muss ich rennen. Die Zeit wird sonst knapp.

Cynthia wird versuchen den anderen Jäger zu stoppen und er versucht eine, oder beide Trophäen zu erledigen, und das ist meine beste Chance, also laufe ich zum Fluss.

Mit voller Macht rufe ich innerlich immer wieder einen einzigen Satz „Peter ich bin östlich am Fluss, Peter ich bin östlich am Fluss“ immer und immer wieder und ich laufe weiter dem Wasser entgegen.

Hinter mir entbrennt ein Kampf, der letzte Jäger hat sich mit Cynthia angelegt und sie scheinen fast aneinander zu geraten, sollen sie nur, das verschafft mir den Vorsprung, den ich brauche.

Ich muss mich auch noch um die vor mir befindlichen Wachen kümmern. Ich komme immer näher an einen der Außenbereiche.

Durch hohes Gras versuche ich so leise wie möglich zu kriechen, vor mir habe ich etwas gerochen, der Wind trägt den Geruch von Schweiß, Tabak und anderen unangenehmen Männeraromen zu mir.

Eine kleine Pause, um mich neu zu orientieren.

**

Auf der Wachplattform DIII ruft eine Wache seinen Kollegen. „Pjotr hör auf, mit dem was du gerade tust und komm gefälligst her, wir haben Wache und die Miles kommt immer näher!“, und etwas weiter unterhalb kommt aus den dichten Blättern eine offenbar stöhnende Stimme. „Bin gleich fertig, ja bin gleich dahhhhhh …“ und der andere Wachmann schaut um sich. „Verdammter Wichser, kannst du nicht in der Pause kacken?“, und greift zu seinem blinkenden Funkgerät.

Mit einem Sprung reiße ich den Mann im Gebüsch nieder und wir kämpfen, das sollte eigentlich einfacher werden, aber der soeben Erleichterte schlägt mir in den Rücken. Ich merke wie meine Kräfte immer knapper werden, hätte ich doch vorhin besser etwas gegessen.

Voller Schmerz gelingt es mir gerade noch, den Erleichterten mit dem Messer zu erwischen, da schlägt der andere Mann, der von der Plattform gerannt kam, mir in den Rücken und ich falle in den Fluss.

Mein Messer ist weg und das Wasser reißt mich weg, aber der Wächter springt sofort nach und folgt mir.

Verflixt, halbbenommen und angeschlagen kämpfe ich mit dem Fluss und der Wachmann hat mich erreicht. Ein harter Kampf beginnt, ein Kampf um Leben und Tod. Zumindest ist das Wasser frisches Flusswasser und das bringt mich wieder zu Kräften.

Der Wachmann hechtet mich mit einem Messer an und wir kämpfen im Wasser miteinander. Da schlucke ich das erste Wasser – Luft ich brauche Luft …

Nein, ich kann doch jetzt nicht versagen, ich aktiviere meine letzten Reserven und wir kämpfen weiter.

**

Yuzhnyy

Noch vor Tagesanbruch waren wir gestartet und Bernd flog uns im Tiefflug über die Wälder Sibiriens.
Er umflog ohne Positionslichter jede Ortschaft und Gehöfte um ja keine Aufmerksamkeit zu erregen.
Wie bei seinem ersten Flug mit Bernd vor zweieinhalb Jahren, saß Randy auch diesmal mit einer Kotztüte da, konnte sich aber beherrschen.

„Das wird noch was mit dir. Bald bist du regelrecht Flugtauglich.“ Neckte ihn Decker.
„Lass ihn.“, und Sarah schubst Decker an.
„Ich werde nicht Kotzen, allein schon, um dir nicht die Genugtuung zu geben.“, gab Randy von sich.
„Damit dass klar ist, diese Maschine war schon mal so etwas wie die „Airforce One von Soulebda“. Mit der Maschine ist Heylah geflogen. In der Maschine wird nicht gekotzt. Ist das jetzt klar?!“

Am Himmel zeigte sich ein grauer Streifen, als Bernd die Stelle erreichte, wo er uns absetzten wollte. Er drehte eine weite Schleife und weit und breit war nichts zu sehen. Bei uns wäre es undenkbar gewesen, irgendwo mit einem Flugzeug zu landen, ohne dass jemand das bemerken würde, doch hier war im kilometerweiten Umkreis keine Menschenseele.

„Da sieht es gut aus. Kein Moor, kein Schlamm.“ Er zeigte auf ein Feld und Decker schaute sich den Landplatz an und verglich ihn mit der Karte.

„OK. Bring uns runter.“

Um sicher zu gehen, dass der Platz auch wirklich geeignet ist, flog Bernd noch einmal tief über das Feld, drehte um und landete.

„Festhalten, das wird etwas holprig.“ Rief Bernd nach hinten. Gekonnt setzte er das Flugzeug auf einem abgeernteten Feld auf.

Im Frachtraum wurden wir alle heftig durchgeschüttelt, als die Räder den Boden berührten.
Ich hatte die ganze Nacht über versucht, mit Caroline in Kontakt zu kommen, doch jedes Mal wenn ich sie schemenhaft sah, schlug der Nebel über ihr zusammen. So konnte ich nur hoffen, dass sie meine Nachricht gehört hatte.

Wie Bernd es gesagt hatte, war die Landung holprig, aber er brachte uns in einem Stück heil nach unten.
Kaum stand das Flugzeug, sprangen Decker und Hannes hinaus und sicherten die Umgebung. Wir anderen luden unsere Ausrüstung aus und stapelten alles auf einem Haufen.

Als die Maschine leer war, stieg Levi noch einmal ein, ging zu Bernd ins Cockpit, wo ich sehen konnte, wie er ihm etwas auf einer Karte zeigte und dann das Flugzeug verließ.
Mit den ersten Sonnenstrahlen hob Bernd wieder ab und flog zurück in Richtung Tomsk. Wir bewunderten imm er wieder diese Kurzstartfähigkeit der alten Maschine.

Als ich unsere gestapelte Ausrüstung sah, kamen mir Zweifel, ob es wirklich eine gute Idee war, den ganzen Krempel mitzunehmen. Wir hatten noch einen Weg von 30 Km vor uns und der Stapel war riesig.

Das meiste waren Waffen und Munition. Jeder von uns trug ein Sturmgewehr, die dazugehörige Munition, sowie eine Handfeuerwaffe. Dazu die persönliche Ausstattung. Hannes trug ein leichtes MG und Levi hatte zusätzlich ein gutes russisches Scharfschützengewehr.
Auf meine Frage woher Decker die Waffen hatte, meinte er nur, „Wir sind hier in Russland, da muss nur der Preis stimmen.“
Vera trug in einem Rucksack genug Verbandsmaterial, um ein Krankenhaus einen Tag am Laufen zu halten und Randy schleppte seine technische Ausrüstung.
Wir beluden uns wie Mulis, dann marschierten wir los. Decker übernahm die Spitze, dann kamen Sarah, Vera und Randy, Fabienne und ich, den Schluss machten Levi und Hannes.

Nach 30 Minuten kamen wir zur Waldgrenze. Decker führte uns mit einem Navi mitten durch Wald.
Wald? Nein, das hier war tatsächlich ein Urwald. Es stellte sich heraus, dass Decker mit seiner Bemerkung Recht hatte. Die Entfernungen bei uns zu Hause, sind gegen dieselbe Entfernung hier, ein Kindergarten.

Bei einer Rast schaute ich auf die Uhr. Wir hatten noch 36 Stunden Zeit, dann würde der letzte Testlauf beginnen. Jeder Versuch mit Caroline in Verbindung zu treten scheiterte. Jagus´tsaret konnte mir auch nicht sagen, ob Caroline die Nachricht erhalten hatte, versprach mir aber weiterhin auf Caroline zu achten.

Wir hatten uns auf 15 KM dem Fluß genähert. Das Problem, das wir hatten, war, dass wir keine Ahnung hatten, wo Caroline aus starten würde, also gingen wir von der Mitte der Arena aus.
Sollte Caroline meine Botschaft empfangen haben, musste sie eine Strecke von knapp 13 KM zurücklegen, um an den Fluss zu gelangen. Da man ihr sicher kein Navi mitgeben würde, war es wahrscheinlich, dass sie nicht den direkten Weg nehmen würde, sondern sich dem Fluss diagonal nähern würde.

Für uns hieß das, wir mussten flussaufwärts oder abwärts marschieren um sie abzufangen und das, ohne dass wir entdeckt wurden. Allerdings mussten wir erst einmal zum Fluß kommen.
Der Wald hatte es in sich. Sogar der Dschungel auf Soulebda, war nicht so dicht wie der sibirische Urwald. Wir schlugen uns immer näher an den Fluß durch. Als wir uns auf 5 Km genähert hatten ließ Randy uns halten.
Bis zum Testlauf war es noch 24 stunden. Er ging davon aus, dass man vor dem Lauf die Sicherheitssysteme prüfen würde und man uns entdecken könnte, selbst wenn wir auf der anderen Seite des p.yepha wären.
„Wir brauchen bis zum Fluss noch etwa 3 Stunden. Ich würde vorschlagen, dass wir hier bleiben und erst 5 Stunden vor dem Testlauf zum Fluss marschieren. Solange sollten wir das hier tragen.“
Er reichte jedem von uns ein dünnes Päckchen.
Als ich das Päckchen öffnete holte ich eine Rettungsdecke hervor, wie sie in jedem Auto zu finden ist. Allerdings war die Seiten nicht Silber und goldbeschichtet, sondern dunkelgrün.
„So können uns die Wärmesensoren nicht erkennen, die halten uns höchsten für eine Herde Kaninchen.“

Decker gefiel der Vergleich mit einem Kaninchen nicht unbedingt, er legte sich aber auch die Decke um.
Wie bei der letzten Rast saßen Vera, Sarah und Fabienne zusammen. Während Randy die Technik überprüfte und Hannes mit Levi die Umgebung sicherte, betrachtete ich mir die drei.
Zwischen Sarah und Fabienne begann sich eine besondere Freundschaft zu bilden. Beide hatten ein zweites Leben begonnen.

„Lass dir das ja nicht zu Kopf steigen.“ Sagte Decker und setzte sich neben mich.
„Was?“

„Ich weiß genau, was du gerade gedacht hast. Du sagst dir, dass du bei den beiden das Richtige gemacht hast.“

„Siehst du das anders?“

„Es geht nicht darum, was ich sehe. Du spielst ein sehr gefährliches Spiel. Was wenn Trommer nicht durchgedreht hätte? Nehmen wir mal an, er wäre nicht Tommer gewesen, sondern ein anderer Staatsanwalt, der hartnäckig und konsequent an Beates Fall dran geblieben wäre. Weder du noch Beate hätten eine Chance gehabt.“

„Ein anderer Staatsanwalt hätte Beate auch nicht zum Tod verurteilt, nur um die Karriereleiter aufzusteigen.“
„Es wird immer eine Beate geben und immer einen Mistkerl, der sie benutzt. Ich denke du hast zwei Mal Glück gehabt. Du solltest es nicht noch einmal herausfordern. Und mach dir eines klar: Es ist nicht nur dein Hals, der in der Schlinge steckt.“

Er stand auf und ließ mich allein.

Das brachte mich zum Nachdenken. Vor ein paar Tagen war ich durchaus bereit gewesen eine weiter Fibi oder Beate zu „retten“.

Jessika und Randy hatten bei Beates Rettung freiwillig geholfen. Sie kannten die Konsequenzen, sollte unser Plan scheitern, doch Vera, Frank, Decker und auch Fransiska waren ohne ihr Zutun in diesen Fall hineingezogen worden und würden darunter leiden müssen, sollte die Bombe einmal hochgehen.
Vera wäre so gut wie tot. Frank und Decker könnten höchsten irgendwo in der Provinz den Hof einer Haftanstalt fegen und Fransiskas Glaubwürdigkeit wäre für alle Zeit dahin.

Würde irgendjemand auf der Welt glauben, dass Caroline nichts von Fabiennes Rettung wusste? Nein sie würde gleich neben Vera hängen.

Ich wischte die Gedanken beiseite. Hätte, Hätte Fahrradkette!

Morgen ging es um alles oder nichts, also versuchte ich mich auf das Kommende vorzubereiten.

Als ich mich ausstreckte, bemerkte ich erst, wie erschöpft ich war. Der Marsch durch den sibirischen Wald abseits aller Wege forderte seinen Tribut. Ich packte mich unter meine Rettungsdecke und war in Sekunden eingeschlafen. Gegen 3 Uhr weckte mich Levi, um die Wache zu übernehmen.

Als ich den Sternenhimmel über mir sah, war ich überwältigt. So klar hatte ich die Sterne nicht einmal auf Soulebda gesehen. Auch wenn nicht mit Caroline reden konnte, ich spürte sie. Ich spürte, wie wir uns näher kamen.

Caroline, halte dich östlich! Geh zum Fluss! Caroline, halte dich östlich! Geh zum Fluss! Caroline, halte dich östlich! Geh zum Fluss! Immer und immer wieder hämmerte ich diese Gedanken in die Nacht hinaus.

Wie Randy es vorgeschlagen hatte, gingen wir fünf Stunden vor Beginn des Testlaufes los in Richtung Fluß. Wir brachten etwas mehr als zwei Stunden, dann standen wir am Ufer des Fluß.

Der Fluss war hier etwa 100 Meter breit und strömte an dieser Stelle nur langsam. Ich hoffte innständig, dass dies flussauf oder abwärts auch so war.

Wir blieben an der Baumgrenze und Randy baute seine Technik auf. Mit seinem Laptop verglich er unseren Standort mit Deckers Navi, dann begann er sich in die Sicherheitszentrale einzuhacken.

„Das wird euch nicht gefallen.“ Sagte Randy.

„Was?“

„Der größte Teil der Arena, scheint eine Art Halle zu sein. Da kommen wir gar nicht rein.“
Wir schauten uns den Plan an, der auf dem Monitor zu sehen war. Es war dasselbe Bild zu sehen, wie diejenigen es sahen, die im Kontrollraum saßen.

Was auffiel, war, dass die gelben Punkte nach und nach orange wurden.
„Sie besetzten die Stützpunkte.“ Sagte Levi. Tatsächlich hörten wie kurze Zeit einen Helikopter und der uns am nächsten liegende gelbe Punkt wurde orange.

Verdammt! Die meisten Punkte waren außerhalb der Halle. Das machte Sinn, denn die Wachen würden nur eingreifen müssen, wenn Caroline die Halle verlässt. Innerhalb der Halle würden sie genug Mittel haben Caroline wieder unter Kontrolle zu bekommen.

„Aus wie vielen Mann besteht ein solches Team?“, fragte Decker.

Randy schaute nach. „Jedes Team besteht aus vier Mann. Ausgestattet mit Nachtsichtgeräten, Betäubungswaffen, wie Taser, Elektroschocker und sogar Betäubungsgewehren. Außerdem normale Waffen, wie Sturmgewehr und Pistole.“

Als alle Punkte orange waren, hörten wir erneut das dumpfe Wummen eines Hubschraubers und in der Arena erschienen mehrere blaue Punkte.

Ich zählte acht blaue Punkte, die über die ganze Arena verteilt waren.
„Das müssen die Jäger sein.“

Das alles sah nicht gut aus.
Die Halle endete 1000 Meter vor dem Fluss. Zwischen der Arenahalle und dem uns gegenüberliegenden Flussufer, lagen zwei Sicherheitsteams und zwei Jäger, an denen Caroline vorbei musste.
Außerdem war die Gegend mit Sensoren gespickt.
„Kannst du die Bewegungssensoren und die Kameras in dem Bereich außerhalb der Halle abschalten?“, wollte Levi von Randy wissen.

„Klar kann ich das, aber wenn ich das tue, wissen sie dass sie einen Eindringling im System haben.“
„Nein, dann müssen wir uns etwas anderes überlegen.“
„Ich könnte die Empfindlichkeit etwas drosseln und einen Filter davor schieben, das führen sie dann vielleicht auf einen technischen Defekt zurück.“
„Gute Idee, mach das. Bleibt die Frage, wie wir Caroline die 1000 Meter zum Fluss bringen. Wir wissen ja nicht, wo sie die Halle verlässt.“

„Ich denke es ist Zeit unser Ass einzusetzen.“ Meinte Decker und grinste.
Ein Hubschrauber zog fast direkt über uns hinweg und flog zur Mitte der Arena. Ich konnte Caroline spüren, ich wusste: Sie war in diesen Hubschrauber.
Zwei Minuten später erschien ein roter Punkt in der Arena.

Das Spiel begann!

Aber was war das? Auf dem Bildschirm erschien ein weiterer roter Punkt, der zusätzlich blau unterlegt war. Mein Magen krampfte sich zusammen, wer immer da zusammen mit Caroline unterwegs war, es schien ein Maulwurf zu sein.
Caroline, pass auf!

Wie auf einen Schachbrett, wo die Figuren aufgestellt darauf warteten bewegt zu werden, hatten alle ihre Position eingenommen.
Nur das keine der beiden Parteien auf der andere Flussseite, eine Ahnung davon hatte, dass eine dritte Partei in das Spiel eingestiegen war.

In mir kam eine riesige Wut hoch, als ich sah, wie die blauen Punkte sich auf die Roten zubewegten.

**

Im Kontrollraum saßen Ivan und die Techniker und überwachten die Arena.

Youssef wartete bei den Helikoptern um einzugreifen, sollten die Fremden aus Tomsk versuchen in das Spiel einzugreifen.

„Irgendetwas Ungewöhnliches?“, fragte Ivan einen der Techniker?“
„Nein, keine Aktivitäten jenseits der Arenahalle.“
Ivan holte sein Handy aus der Tasche und rief Youssef an.
„Hast du etwas aus Tomsk gehört?“
„Nein, die Eindringlinge scheinen wie vom Erdboden verschwunden zu sein.“
„Halt dich bereit, ich glaube sie werden versuchen die Miles zu befreien. Du wirst sie alle erledigen! Hast du verstanden?“

„Ganz klar.“
Wieder schaute sich Ivan die Bilder der Kameras und die Werte der Sensoren an.
Der „Besitzer“ der Haufberger hatte den Mann auf den Fotos, eindeutig als Peter Stein, den Lebensgefährten von Caroline Miles erkannt, sonst aber keine Angaben machen können.
Können oder wollen?

Ivan hatte das Gefühl, dass der Mann sehr viel mehr wusste, aber nichts sagen wollte. Als Ivan seine Erkenntnisse dem Veranstalter mitteilte, beschloss dieser die Jagd als Köder zu nutzen.
Youssef stand mit drei Helikoptern bereit. Die Hubschrauber waren mit Infrarot Sensoren ausgestattet und mit Bordwaffen gespickt. Geflogen wurden die Hubschrauber von den besten Piloten, die man hier bekommen konnte.

Außerhalb der Arenahalle verteilt, standen zahlreiche Sicherheitsteams bereit, die sich gegenseitig unterstützen konnten und mit modernster Technik ausgestattet waren.
Was wollten ein paar dahergelaufene Amateure dagegen tun?

Ivan teilte die Zuversicht seines Chefs nicht. Und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, hatte der Veranstalter Lerbrev zum Testlauf eingeladen, damit er sich ein Bild von dem einwandfreien Zustand seiner Beute machen konnte. Der saß jetzt mit dem Veranstalter und schaute sich dasselbe Monitorbild an wie er.

Von wo würde man versuchen, die Miles zu befreien?
Ein Eidringen in die Arenahalle, war unmöglich. Die Miles musste also die Halle verlassen.
Da ihre Freunde nicht wussten, wo sich die Miles aufhielt würden sie wahrscheinlich von Süden her kommen. Dort gab es Straßen und so die beste Möglichkeit an die Arenahalle heranzukommen und wieder abzuhauen. Im Norden und im Osten gab es nur Urwald und im Westen lagen die steilen Hügel.
Auch stellte sich die Frage, wie sie die Miles erreichen konnten, um ihr mitzuteilen, dass sie da waren. Caroline Miles hatte weder ein Funkgerät oder Ähnliches. Sie konnten sich also höchsten mit Signalen verständigen.

Er rechnete damit, dass die Miles irgendwo die Halle verlassen würde, um sich nach Süden zu wenden. Ihre Freunde sich bemerkbar machen, und die Miles Youssef dann dank ihrer Chips zu den Eindringlingen führen würde.
Youssef hatte strikte Anweisung alle Eindringlinge zu erledigen, ohne die Miles zu beschädigen. Das würde zwar mit Sicherheit Ausfälle in den eigenen Reihen zur Folge haben, aber das war egal. Wachpersonal gab es mehr als genug.
Also von Süden!

Während die Miles durch die Arenahalle irrte, würden zusätzliche Kräfte den südlichen Rand der Arenahalle sichern.
Ivan war sicher, an alles gedacht zu haben, doch ein ungutes Gefühl blieb dennoch.
Der Hubschrauber hatte Caroline Miles gerade abgesetzt und ihr roter Punkt erschien auf dem Monitor. Und mit ihm, Ivans heimlicher Trumpf. Ein rot/blauer Punkt, erschien direkt neben dem roten Punkt der Miles.

Ivan konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. Die Psychologen Weißkittel hatten Recht behalten. Die Miles würde auf Morales hereinfallen.
Und während sich die Techniker auf die roten Punkte kümmerten, richtete sich Ivans Aufmerksamkeit nach Süden.

**

„Verdammt, sie geht nach Norden. Und wer verdammt ist das da?“
„Hier steht, es ist Cynthia Morales. Eine Jägerin.“
„Wieso legt Caroline sie nicht einfach um?“
„Vielleicht weiß sie nicht, dass die Morales eine Jägerin ist.“

Machtlos musste ich mit ansehen, wie Caroline und ihre gefährliche Begleiterin in die falsche Richtung gingen und kurze Zeit später von zwei blauen Punkten eingeholt wurde.
Doch Sekunden nach dem Zusammentreffen blieben die blauen Punkte zurück und Carolines Punkt bewegte sich zusammen mit dem rot/blauen Punkt weiter.
Dann kam endlich der erhoffte Richtungswechsel, Caroline ging nach Osten!
Ich hoffte inständig, dass es nicht nur eine kurzfristige Richtungsänderung war und sie weiter nach Norden ging.

Nein! Sie ging tatsächlich nach Osten.
Gut gemacht, Liebes! Komm zu mir! Aber pass auf!
Doch kaum ging sie nach Osten, kamen weiter blaue Punkte auf sie zu.

**

„Sie haben Nr. 3 und Nr. 7 ausgeschaltet.“
Sagte einer der Techniker zu Ivan.

„Das waren LeKlerk und sein Kumpel. Ehemalige französische Offiziere in Guinea.“ Nicht schlecht, Frau Miles.

„Wenn sie weiter in diese Richtung geht, werden Nr. 4 und Nr. 1 sie gleich haben.“
Nr. 4 war ein Amerikanischer Jäger und Nr. 1 eine Südafrikanerin, die zu viel Geld hatten, bzw. jetzt besessen hatten.
Bis jetzt hatte noch kein Jäger das Zusammentreffen mit Caroline überlebt, außer die Morales, und die hatte beschlossen sich Miles anzuschließen.

Sie spielte Beute, um die Quote weiter nach oben zu treiben.
Hätte sie in Ruhe darüber nachgedacht, wäre ihr klar gewesen, dass sie das nur tat, um den Preis für Lerbrev hoch zu treiben und den Veranstalter reich zu machen.
Auch die nächsten blauen Punkte blieben nach dem Zusammentreffen hinter Caroline zurück und sie ging weiter mit der Morales in Richtung Osten. Langsam näherten sie sich langsam der Hallengrenze.
In Ivans Kopf schrillten Alarmsirenen, er wusste nur nicht warum.

„Wie sieht es an der Südgrenze aus?“, fragte er einen der Techniker.
„Absolut nichts, keine Aktivität.“

Ivan starrte auf den Bildschirm.
Irgendetwas übersah er!

**

„Sie kommt!“, jetzt war es sicher, Caroline kam zum Fluss. Behielt sie die Richtung bei, würde sie 2 Km Stromaufwärts die Halle verlassen und an den Fluß kommen.

Wir packten unsere Sachen, gingen 500 Meter zurück und liefen los. Immer wieder blieb Randy kurz stehen, um zu sehen, ob Caroline die Richtung beibehielt oder die Sensoren uns erfasst haben. Doch alles ging gut, Caroline behielt die Richtung bei und es gab keinen Alarm.

Ja, Caroline lief weiter nach Osten, allerdings würde sie, sobald sie die Halle verlässt, genau in die Arme eines der Überwachungsteams laufen.

**

„Sie ist an der Hallengrenze!“

Ivan war aufgesprungen und starrte auf den Bildschirm.
Der rot-blaue Punkt war zusammen mit einem der anderen blauen Punkte zurück geblieben. Anscheinend hatte der Jäger nicht die Absicht mit der Morales zu teilen.

Entweder, glaubte die Miles, das Cynthia erledigt sei, oder aber sie hatte mitbekommen, das Cynthia eine Jägerin war, denn der rote Punkt entfernte sich von dieser.

**

„Sieh Mal.“ Randy zeigte auf zwei blaue Punkte, die Caroline außerhalb der Halle aufgelauert hatten. Beide bewegten sich nicht mehr von Fleck. Anscheinend hatte unser Ass zugeschlagen.

**

„Was ist mit Nr. 2 und 8?“ Im Kontrollraum war Ivan aufgefallen, dass sich beide nicht weiter in Carolines Richtung bewegten.

„Keine Ahnung, anscheinend wollen sie warten, bis sie näher kommt.“
„Hier stimmt etwas nicht.“ murmelte Iwan und prüfte die Einstellungen am Rechner, aber die beiden Punkte blieben da wo sie waren.

**

Caroline Miles hatte die Halle verlassen. Wieso lief die Beute in Richtung Fluss und nicht nach Süden? Wieso machten sich ihre Freunde nicht bemerkbar?

Carolin Miles kannte weder die Arena-Halle noch die Umgebung außerhalb. Sie wusste nicht wo Hügel, Täler oder Flüsse sind. Und dennoch lief sie zielstrebig auf den Fluß zu.
Außerhalb der Halle konnte sie sich an den Sternen orientieren und wusste, wo Süden war, doch sie lief nach Osten.

War das alles Zufall?

„Zeigen die Bewegungssensoren etwas an der Ostgrenze der Arena?“
Der Techniker schaute auf seinen Monitor, und rief die Daten der Sensoren auf.
„Nur eine Herde Kaninchen.“
„Alarmiere die Sicherheitsteams in ihrer Umgebung. Sie sollen sie abfangen. Youssef soll die Hubschrauber startbereit machen.“

„Sie läuft genau auf Team D4 zu. In 10 Minuten haben wir sie.“
„Gut, benachrichtige auch Team D5, sie sollen sich bereit machen und zu Team D4 stoßen.

**

„Da kommt sie.“ Igor, der Teamführer von D4 lag auf einer 3 Meter hohen Anhöhe und schaute durch sein Nachtsichtglas, wo er Caroline genau auf sich zukommen sah.
„Diese Miles ist gefährlich. Nehmt die Betäubungsgewehre. Keine Nahkampfmittel.“
„Wie weit ist sie noch weg?“
„500 Meter.“

„Gut, dann kann ich noch in Ruhe pissen.“, Grinste Pavel.
„Hat das nicht Zeit?“, fragte Igor gereizt.
„Nein!“ Pavel stand auf und stellte sich ein paar Meter hinter Igor.
Ein leises Plätschern ertönte und Pavel stieß einen Seufzer aus.

Nach einer Minute sagte Igor, „Pack deinen Schwanz ein und komm endlich her.“
Pavel antwortete nicht, also drehte Igor sich um und schaute nach Pavel.

Aber der war nicht mehr da.
„Pavel?“
Keine Antwort.
– Zu dämlich zum Pissen. –

Igor setzte sein Nachtsichtgerät auf und schaute nach, doch Pavel blieb verschwunden.
„Boris, sieh nach, was der Idiot treibt.“
Boris, der Mann rechts neben ihm, antwortete auch nicht.
„Boris!“ Verdammt, Boris hatte 5 Meter neben ihm gelegen und war genauso verschwunden.
„Alex!“, er schaute nach links, Alex lag noch an seinem Platz. Igor wollte aufatmen, als er die weit aufgerissenen, aber toten Augen von Alex sah.

Er sprang auf, zerrte das Funkgerät heraus, doch bevor er einen Ton sagen konnte, erschien etwas sehr Helles vor seinem Nachtsichtgerät und er spürte einen heißen Schmerz über seine Kehle fahren.

So schnell wie der helle Schatten aufgetaucht war, so schnell und geräuschlos war er auch wieder verschwunden.

Posten D4 war nicht mehr besetzt.

**

Caroline lief weniger als 10 Meter an dem sterbenden Igor vorbei ohne ihn zu sehen.

Jagus´tsaret hatte Wort gehalten, als er mir versprach, uns jede Hilfe zu geben, die er konnte.
Die 8 besten Stammeskrieger Soulebdas unter Führung seines Sohnes, Jastre´veste, bildeten einen undurchdringbaren Schutzkreis um Caroline, ohne dass diese es überhaupt bemerkte.

Randy hatte die Sensoren soweit gedrosselt, dass sich die Stammeskrieger unerkannt bewegen konnten. Die Jäger, hatten kein Pardon zu erwarten, anders als Mc Allisters Söldner, waren das keine ehrbaren Feinde, die Jäger waren Abschaum und sie starben genauso.

Doch nun musste Jastre´veste eine Entscheidung treffen. Von Norden näherte sich ein weiteres 4 Mann Team und vor Caroline und dem Flussufer lagen noch zwei Männer, die auf sie warteten.
Auch wenn Jastre´veste ein Stammeskrieger war, er kannte die Möglichkeiten der Modernen Technik. Das Erste Team war leicht zu erledigen gewesen, da sie nicht mit einem Gegner rechneten.

Das nächste Team würde vorsichtiger sein. Seine Truppe zu teilen und beide Teams anzugreifen, schien ihm zu riskant, und er entschloss sich das andere Team anzugreifen, Die zwei Männer zwischen Caroline und Fluss, würde die Tochter Mualebdas selbst erledigen müssen.

Auch das zweite, zu Caroline gelenkte Sicherheitsteam, starb so schnell und lautlos, wie das Team D4 von Igor.

Jetzt war Caroline nur noch 300 Meter vom Flussufer entfernt.

**

Ivan war aufgesprungen.

DER FLUSS! Das hatte er übersehen! Sie würden nicht von Süden her kommen, sie waren schon da! Miles Freunde saßen an der Ostgrenze!

„Wenn sie auf der anderen Seite ist, verlieren die Sensoren ihre Spur, dann müssen wir sie aus der Luft suchen.“ Rief einer der Techniker.

„Youssef! Die Hubschrauber!“

Ivan stürzte aus der Zentrale und lief zum Hubschrauberlandeplatz.

**

Caroline war in den Fluß gesprungen und kämpfte um ihr Leben. Die Drogen, die Jagd und die Anspannung hatten ihre Kräfte aufgezehrt.

Die Wache machte den Fehler sich zu sehr auf Caroline zu konzentrieren.
Ich hatte alle Warnungen ignoriert und rannte zum Ufer. Ohne zu zögern, hatte ich mich in den Fluss geworfen. Dort kämpfte meine Caroline und ich würde nicht zusehen, wie irgend so ein Arsch sie vor meinen Augen ertränkte.

In einer Rekordzeit, hatte ich die Strecke im Wasser zurückgelegt, zog mein Kampfmesser und griff mir die Wache.

Weder Caroline noch die Wache schienen mitzubekommen, dass ich da war. Die Wache versuchte noch immer Caroline unter Wasser zu drücken, da packte ich ihn an den Haaren und trieb ihm mein Messer in den Hals.

Blutend und gurgelnd griff er sich an die Kehle und ließ Caroline endlich los.
Während die Wache sterbend unterging, packte ich meine Caroline und hob sie an die Wasseroberfläche. Ich zog die hustende und keuchende Caroline hinter mir her zu Ufer. Als wir wieder Boden unter den Füßen hatten, stolperte Caroline von mir gestützt aus dem Wasser.
Jetzt erst sah sie mich an.

„Hallo Schatz, in dem Lederfummel siehst du richtig geil aus, können wir den behalten?“
Ihre Augen sahen mich an, als ob sie einen Geist sehen würde, dann gaben ihre Beine unter ihr nach. Schnell hatte ich sie aufgefangen und trug sie zur Baumgrenze.
Dort kamen schon die anderen auf uns zu gelaufen.

Kaum lag Caroline auf dem Boden, begann Randy mit einem Scanner Caroline abzutasten.
„Drei Minuten!“, rief Levi.

„Hier! Randy zeigte auf ihren Nacken. Vera tastete mit ihren Fingen nach den Chip und schon setzte sie das Skalpell an.
Ein 3 mm tiefer Schnitt und schon hatte Vera den Chip aus Caroline heraus geschnitten.

„Such weiter!“
Randy fuhr mit dem Scanner weiter Carolines Körper.

„Hier!“
Hier, war im linken Oberarm. Geschickt schnitt Vera die Lederkombi am Arm auf und legte den Oberarm frei. Zwanzig Sekunden später, war der zweite Chip aus Carolines Körper entfernt.

„Eine Minute!“
„Hier!“
Den dritten Chip hatte man Caroline in den rechten Oberschenkel gesteckt und Vera hatte ihn gleich darauf herausgeholt.
„Wohin damit?“, fragte Vera mit den drei kleinen Sendern in der Hand.
Plötzlich stand Jastre´veste vor uns und hielt uns einen großen Fisch entgegen. Seine weißen Zähne lachten uns an. „Genialer Gedanke.“ Rief Levi.

„Sie kommen!“ Decker hörte die nahenden Hubschrauber als erstes.
Levi steckte dem Fisch die drei Chips ins Maul und Jastre´veste warf den Fisch zurück ins Wasser.
Kaum war der Fisch verschwunden, leuchteten die ersten Scheinwerfer über die Baumkronen.
Wir sprangen auf und ich legte Caroline über meine Schulter. Zusammen liefen wir 100 Meter in den Wald und warfen uns zu Boden. Schnell hatte Sarah Caroline eine der Decken übergeworfen, so dass uns die Wärmekameras nicht erfassen konnten.

Die Stammeskrieger verteilten sich und machten sich unsichtbar. Nur Sekunden danach zogen die Hubschrauber über uns hinweg. Suchscheinwerfer leuchteten auf und begannen den Fluss abzuleuchten.

**

„Sie muss da unten sein.“

Einer von Youssefs Männern hielt ein Suchgerät in den Händen und zeigte nach unten.
„Entfernung, weniger als 50 Meter!“
„Ich kann sie nicht sehen!“, rief der Pilot.

Er lenkte den Hubschrauber genau über die Flussmitte, während die beiden anderen Hubschrauber um den Hubschrauber von Youssef herum kreisten.
Die Scheinwerfer erhellten das ganze Flusstal auf einer Länge von 100 Metern.
„Wieso erfassen die Infrarotsensoren sie nicht?“
„Das Wasser drückt ihre Außentemperatur so weit, dass die Sensoren sie nicht erfassen. Wahrscheinlich bleibt sie deswegen im Wasser.“

„DA!“
Am Rand des Lichtes trieb ein Körper langsam flussabwärts.
Der Pilot brachte den Hubschrauber nach unten und landete ca. 80 Meter vor dem treibenden Körper.
„Haltet die Augen auf, wenn sie zuschlagen dann jetzt!“ rief Youssef über Funk den anderen Helikoptern zu.

Kaum hatten die Kufen den Boden berührt, sprangen die Männer aus dem Hubschrauber und stürzten sich in die Fluten des Fluß.

Sie zogen den treibenden Körper ans Ufer, nur um festzustellen, dass es die tote Wache war.
„Kacke!“ Fluchte Youssef.
Youssef trat auf die Leiche ein, zog seine Waffe und schoss ein ganzes Magazin in den Toten.
„Verflixt nochmal, wo ist die Beute, die kann sich nicht in Luft auflösen, verdammt alle Mann sucht den Fluss ab!“

**

Lerbrev war sehr zufrieden. Die Quote von Caroline stand jetzt 22:1. Für Caroline Miles würde er also 52 Millionen zahlen müssen, aber das war ihm diese Beute wert.

Und während Youssef und Ivan wie aufgescheuchte Hühner den Urwald absuchten, war sich Lerbrev sicher, dass er zu seiner Jagd kommen würde, denn die Miles würde ganz bestimmt zurückkommen.

**

Wir rannten unterdessen durch den Urwald, soweit man dort rennen konnte.
Decker führte uns nach Norden, einen großen Bogen um das Flusstal nehmend.
Hannes hatte sich Caroline über die Schulter gelegt und trug sie, während wir uns seine Ausrüstung teilten.

„Nein Ich trage meine Frau selbst, lehnte ich das Angebot zunächst ab.
Fabienne zog mich zur Seite und rückte mir meinen Kopf zurecht.
„Wir müssen schnell sein. Ich verstehe dich wirklich, aber es nützt nichts, wenn du zusammenklappst. Also lass Hannes Caroline tragen!“ Und sie hatte Recht. Der Lauf durch den Urwald, war anstrengend und forderte alle Kräfte, die ich hatte.

Eine halbe Stunde später kamen Hubschrauber zurück, als sie bemerkten, dass sie einem Phantom hinterherjagten.

Einige Male flogen sie in unmittelbarer Nähe an uns vorbei du ich dachte, sie hätten uns gesehen, doch unsere Decken sowie der dichte Bewuchs schützte uns davor entdeckt zu werden.
Mit der Zeit nahem der Abstand zu den Hubschraubern immer mehr zu und wir konnten uns schneller bewegen.
Irgendwann hörten wir keine Hubschrauber mehr und gönnten uns eine Rast.
Ein Feuer machen kam nicht in Frage und so mummten wir uns in die Rettungsdecken ein, die uns warm hielten.

Caroline war noch immer bewusstlos, doch Vera gab Entwarnung.
„Mach die keine Sorgen, das sind die Drogen, die man ihr verabreicht hat. Wenn ihr Körper die erst mal abgebaut hat, wird sie wieder ganz da sein. Ich habe ihr was zur Stärkung gegeben, sie wird wieder.“

Ich legte Caroline ganz nah an mich heran und wickelte uns zusammen in die Decken ein.
Zum ersten Mal seit ihrem Verschwinden konnte ich sie im Arm halten. Wie sehr hatte ich sie vermisst. Diese unbändige, wilde und tolle Frau, die ich so sehr liebte. Ich drückte sie fest an mich und war eine Minute später eingeschlafen.

Als mich Decker zwei Stunden später, für die Wache wecken wollte, hielt ihn Sarah davon ab.
„Lass ihn schlafen. Wir Mädels übernehmen die Wache.“
Bewacht von Sarah, Vera, Fabienne und den Stammeskriegern schlief ich tief und fest bis der Himmel grau wurde.

Als ich aufstehen und mich vorsichtig von Caroline lösen wollte schlug diese ihre Augen auf. Wir sahen uns genau in die Augen.
„Guten Morgen, mein Schatz.“ Begrüßte ich sie.
„Guten Morgen, Schatz, es tut so gut, dich zu sehen.“ Lächelte sie mich an.

**

„Peter“, war mein erster Gedanke. Meine Augen beginnen sogleich zu leuchten und endlich bekommt Peter meine grünen Augen wieder zu sehen. Wir umarmen uns und erst da sehe ich, wer alles mitgekommen ist.
Nacheinander fallen wir uns in die Arme und endlich erhalte ich einen Einblick in das, was bisher geschah, wenngleich nur soweit wie es bekannt wurde. Aber dann kamen wir rasch zu dem aktuellen Stand und der Gefahr in der wir alle hier schwebten.

„Wir müssen hier weg. So schnell wie möglich und wir brauchen einen Weg, den wir überleben können.“

„Spaßvogel, du weißt schon, dass wir hier im tiefsten Sibirien sind.“
Dann erzählten sie mir, wie sie hierher gefunden haben und mit was für abenteuerlichen Flugmaschinen sie die letzte Strecke geflogen waren.

„Was wurde aus Cynthia Morales, der Frau die mich verfolgt hatte diese Jägerin, die mich heimlich erledigen wollte, habt ihr sie erwischt?“

„Offenbar kam sie nicht aus der Kuppel, wir gehen davon aus, dass die noch in der Kuppel ist, und uns drinnen noch Probleme bereiten wird, sollten wir auf sie treffen.“
Randy und Levi hingen am Rechner und checkten die Gegend ab und endlich hatten sie eine Route.
Mit Decker prüften sie die Daten an seinem Navigationsgerät und dann war klar, wir würden nach Nordwesten gehen. Wir würden dann aber zwangsläufig, nahe an einen ehemaligen Sperrbereich kommen und dazu an die Reste der Atomanlage mit den riesigen Abklingbecken.

Ob das alles ungefährlich war, konnte keiner wissen, aber vermutlich waren die Kontrollen dafür umso dürftiger. Schließlich war Sewersk ein riesiges Archipel der einstigen Atomenergie.
Hier waren bereits vor über 30 Jahren Atomanlagen gebaut und mit riesigen Meilern experimentiert worden.

Wir packten unsere Sachen und der Trupp aus Frauen und Männern war bereit. Unser Gepäck geschultert ging es los, die Gegend war alles andere als gut zu begehen und der alte Russen Flieger hatte bei der Landung doch mehr Schaden genommen als gedacht.
So marschierten wir in die beginnende Dunkelheit.
Decker ging wie immer voraus und wies den Weg.

Der kleine Trupp folgte und unsere Stammeskrieger gut eingekleidet umgaben uns wie eine kleine Schutzmacht. So ging es weiter und immer weiter.

Unser nächstes Ziel nannte sich Georgiyevka Tomskaya. Das war eine kleinere Häuser und Hofansammlung und kein Oblast, also ohne eigene Verwaltung, und war draußen im nirgendwo. Wir schnappten uns unterwegs alles, was fahren konnte, um Abstand zu gewinnen. Die Straßen aber, waren teilweise fürchterlich. Aber wir kamen voran, unser Wille war stark und wir kamen gut voran es ging leicht… zu leicht.

**

Strafe muss sein

In dem großen Besprechungsraum lag Cynthia Morales bäuchlings mit heruntergelassener Hose angebunden auf einem großen Tisch. Ein lautes Klatschen in Verbindung mit ihren Schreien machte klar, dass hier eine Bestrafung stattfand. Cynthia Morales Augen waren verweint und der Knebel im Mund zeigten, dass sie hier seit einer längeren Zeit hart abgestraft wurde. Einige Handlanger standen an den Wänden und schauten dem Schauspiel zu, immer in der Hoffnung etwas zu sehen zu bekommen.

Ihr Cynthias Hinterteil glühte wegen der 50 Peitschenhiebe, die sie erhalten hatte und ihre Augen waren tränen unterlaufen. Leichte Blutergüsse zeigte, dass ihr Bestrafer sich Mühe gegeben hatte sie zu strafen, aber lauffähig zu erhalten.

Der große Mann hinter ihr schrie sie an und sie zuckte bei jedem Satz zusammen:
„Verdammtes Miststück, du solltest die Beute treiben und nicht mit ihr Hasch mich im Grünen spielen! Wegen dir sind 270 Millionen den Bach runter. Dafür wirst du zahlen!“

Erneut schlug er mit einer Reitgerte auf Cynthia ein und bei jedem Schlag schrie sie auf, so laut es der Knebel zuließ.

„Ab sofort bist du keine Jägerin mehr, du wirst in der kommenden Runde zur Beute erkoren, es sei denn du schaffst es, uns die eigentliche Beute zurückzubringen.“

Der große Mann riss ihre Haare zurück und funkelte sie durch die Maske an:
„Das ist deine erste und einzige Chance. Alle unsere Chips wurden aus der Miles entfernt, alle bis auf den einen den sie geschluckt hat, der kommt spätestens Morgen zum Vorschein, das ist dein Zeitfenster wir haben ihn vorhin erst aktiviert.“

Brutal riss der „Veranstalter“ ihr den Knebel aus dem Mund und Cynthia musste heftig husten. Als sie sich wieder gefangen hatte winselte sie: „Danke sehr. Sie werden nicht enttäuscht sein, ich verspreche es, ich werde mein Versprechen halten, oder Sie können mich als Beute einsetzen!“

„Das Wort gilt! Derk daran, das ist deine einzige Chance. Macht sie los, putzt ihren Hintern und sie soll etwas tun für mein Geld!“

Da drehte sich der Mann um und lief in den nächsten Raum. „Und nun zu euch Grenzversagern.“

Damit beschäftigte sich der Mann mit der schwarzen Maske mit den drei Männern der Wache, sie hingen geknebelt und gefesselt kopfüber an Haken, die durch ihre Fersen getrieben waren, sie hatten nichts Gutes zu erwarten. Ihre Schmerzen mussten unfassbar sein, aber das ließ den Mann in Schwarz eiskalt.

„Die Abmachung war ganz einfach, ihr sichert das Gebiet 3 ab und lasst keinen entkommen und ihr drei habt jämmerlich versagt. Ich werde euch von Vlad hier auspeitschen lassen, bis dass die Haut in Fetzen herunterhängt, dann werdet ihr ausgeweidet und als innerbetriebliche Organspende Verwendung finden.“

Ein kräftiger Mann mit einer starken Peitsche trat hinter den ersten Hängenden und begann den Mann mit mächtigen Peitschenschlägen zu bearbeiten. Dann schloss sich langsam die Tür und Cynthia Morales wusste, dass sie noch einmal Glück gehabt hatte. Die drei da drinnen würden jetzt die Hölle durchlaufen und dann erbärmlich sterben.

**

Flucht

Wir hatten mehrere Absperrungen überwunden und liefen auf einen alten Industriekomplex zu. Hier wurde früher mit Kernenergie gearbeitet, überall standen Warnschilder und einer der mitgebrachten Geigerzähler tickte zum Glück nur leicht erhöht vor sich hin.

Auf einem der abseits gelegenen Plätzen standen Hunderte Wagons, aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Wir erkannten aus der Entfernung die französische Kennung und da der Geigerzähler anschlug verließen wir das Gebiet schnellstens wieder.

„Fragt mich nicht, wie die französischen Wagons herkommen, aber offenbar sind die Friedensgespräche viel weiter, als wir dachten. Zumindest, was den Atommüll angeht.“ Kam es von Decker und wir kamen dem Komplex näher. Der aber war komplett verschlossen, die Türen versiegelt oder verschweißt. Der Geigerzähler blieb im grünen Bereich. „Da vorne der große Komplex, da übernachten wir.“

„Weiter zu dem Gebäude, das scheint Energie zu haben.“
Tatsächlich kamen wir in ein wenig zugiges Gebäude mit Strom und der große Ofen mündete in einen langen, alten Kamin, den Rauch würde man also kaum bemerken.
Die Stammeskrieger machten sich in mehreren Gruppen auf um etwas zu jagen und Randy und Levi brachten die Rechner ins Rennen. Endlich konnten sie die Geräte wieder aufladen und in einem Kämmerlein fanden sie etwas zum Werkeln, schon wurden einige Reparaturen durchgeführt.
Hannes begann draußen die erste Streife und suchte nach allem Möglichen für die Weiterfahrt. Decker redete mit Peter endlich über die weiteren Vorgehensweisen und sie schmiedeten Pläne.
Zurück blieben die Mädchen und ich. Meine Wunden schmerzten noch sehr und Vera versorgte sie. Fabienne und Sarah saßen etwas abseits und besprachen offenbar das neu gewonnene Leben.
Endlich hatten wir einen kleinen Moment der Ruhe für uns gewonnen. Vera zückte gerade eine Spritze und verabreichte sie mir, da huschte Fabienne mit Sarah an uns vorbei.
„Vorsicht, wir sind nicht mehr allein!“

Schon zog ich meine Lederkombi zu und wir machten uns kampfbereit.
Fabienne war tatsächlich zu einer Kämpferin geworden, in ihren Augen sah ich das brennende Feuer, das erscheint, wenn du bereit bist zu töten. Hinter uns kamen Geräusche aus dem Nebenraum und wir vier Mädels waren zum Angriff bereit.

Hinter einer Türe sahen wir, wie sich Spezialtruppen klarmachten, der Angriff stand also unmittelbar bevor. Dann brach das Chaos los und die Kämpfer versuchten zu stürmen.
In Zweierreihen stürmten sie herein und wurden von uns vieren mit Dubletten begrüßt. Von den 16 Leuten blieb keiner auf den Beinen, aber es war klar, dass war der Beginn und bestenfalls eine Ablenkung, wir mussten das Team finden und uns zusammen tun, denn aufteilen ist in so einer Lage das Todesurteil.

Aus dem großen Nachbargebäude mit den verschlossenen Türen kamen Kampfgeräusche, wir mussten da rein und unterstützen.

**

Die Stammeskrieger hatten sich in Jagdgruppen aufgeteilt und natürlich waren sie auch in diesem Land erfolgreich. Sie fingen vier fette Schneehühner, einige Hasen und ein mageres Reh. Als sie dabei waren die Beute auszunehmen, erkannten sie, dass man versuchte sie einzukreisen.

Eigentlich kein Problem, aber entweder hatten die neuen Feinde dazu gelernt oder nur zufällig hatten sie Hunde dabei und Jagdhunde treibt man nicht so schnell in die Irre, wie Menschen.

Auch wenn man sie nicht direkt angriff, weil man sie doch nicht sah, waren die Stammeskrieger fürs erste vom Camp getrennt und es waren mindestens 6 Kilometer zurück. Sie versteckten ihre Beute so, dass auch die Hunde sie nicht wittern würden und nutzten die Schlachtabfälle um eine Markierung weit vor ihrem Lager zu setzen.

**

Unter dem Dach ihres Unterschlupfes hatten Randy und Levi die Bastelarbeiten bereits zu einem guten Stück abgeschlossen, als Randy von Levi den heißen Lötkolben forderte.

„Hey Mann, wo bleibt der Lötkolben?“ Aber Levi stand einfach nur im Türrahmen und rührte sich nicht, bis Randy das schwache knistern am Boden hörte, Levi stand im Strom und konnte sich nicht bewegen. Geistesgegenwärtig riss er das Kabel aus der Steckdose und Levi sackte zusammen.

Als Randy sich zu ihm beugte, prüfte er die Vitalzeichen, die in Ordnung waren, da spürte er nur einen kurzen Schlag im Genick, dann wurde es schwarz um ihn.

**

Decker und Peter hatten den Angriff bemerkt und trafen auf eine gut zehn Mann starke Nahkampfmannschaft. In der Enge eines Schuppens begann der Kampf – Mann gegen Mann.

Was dann geschah, das war Kino reif. Sowohl Decker als auch Peter hatten sich je zwei der Angreifer geschnappt und im Handumdrehen ausgeschaltet, dann ging es wie bei einem Vergleich rennen, wer ist der bessere Killer.

Dass die Angreifer nicht damit gerechnet hatten auf Rambo und Chuck Norris zu treffen, wurde denen schnell klar, aber es half wenig.
Sie wurden einer nach dem anderen dezimiert, bis keiner mehr eine Gefahr darstellte. Anerkennend klopfte Decker Peter auf die Schulter, als sie weg rannten, „Na, hat sich dein Training doch noch bezahlt gemacht?“

Schon rannten die beiden auf die Unterkunft zu, sahen aber nur den Haufen lebloser Soldaten liegen und bei den nächsten Geräuschen vom Dach, machten sie sich daran das Haus zu überprüfen.
Sie fanden sie Randy und Levi in der Dachkammer, wo sie gearbeitet hatten. Beide waren bewusstlos aber atmeten. Dann sah Decker Bewegung in dem Nachbargebäude mit den verschlossenen Türen und die Mädchen, die darauf zu liefen.

Schon waren die beiden unterwegs, denn auf dem großen Gebäudedach standen zwei Hubschrauber und keiner konnte sich erinnern, diese gehört zu haben.

**

Vor dem einzigen offenen Eingang in das große Gebäude, sammelten wir Mädchen uns und prüften die Waffen, dann drangen wir vorsichtig ein.

Ich ging am Schluss und als die Mädchen gerade drinnen waren, hörte ich hinter mir ein Geräusch.

„So trifft man sich wieder, du gemeine Schlampe!“, fauchte mich Cynthia Morales an und stürzte sich auf mich.

„Cynthia, du fiese Verräterin, hast mich hinterrücks umbringen wollen.“
„Jetzt krieg ich dich und dann wirst du leiden, wie du noch nie gelitten hast, ich pfeif auf meine Strafe, ich will deinen Kopf an der Wand sehen!“

Wir kämpften und rollten über eine Abdeckplatte, stießen an die gegenüberliegende Wand und rollten zurück zu er ersten Abdeckplatte. Diese gab plötzlich nach und wir brachen in den Kellerbereich des großen Hauses ein. Es staubte und etwas Metallenes fiel mir auf mein Bein und blockierte mich für einen Moment, das nutzte Cynthia aus und schon war sie weg.

Ich war rasch aufgesprungen und hatte mich in dem Halbdunkel orientiert. Nur schnell aus der Schusslinie und hinter einer Stahlplatte in Deckung.

Wir waren im oberen Bereich einer Lagerhalle. Unten sah man, dass da früher mächtige Maschinen gestanden hatten, nun lag da Abfall und Betonreste überall.

Erneut griff mich Cynthia an und versuchte mich von dem hohen Laufgang zu stoßen, aber ich zollte es ihr mit harten Schlägen und so rannte sie durch eine dicke Mauer in das nächste Gebäude. Als ich ihr nachkam sprang sie mich an und wir lieferten uns einen richtig guten Fight. Als ich Cynthia angriff, fiel mir auf, dass es unter uns merkwürdig erleuchtet war.

Erst da bemerkte ich, wo wir uns befanden, als ich nach unten schaute und das bläuliche leuchtende Wasser sah. Das war kein beheiztes Hallenbad voller Raubfische, das war etwas ungleich tödlicheres.
Mit einem Mal sprang Cynthia mich an und brachte mich fast aus dem Gleichgewicht. Ich konnte mich fassen und trat sie an den Kopf.

„Hör auf, wir müssen hier raus Cynthia!“
„Was, willst du etwa feige aufgeben, nicht mit mir, ich schneide dich in Streifen …“, und sie hob ihr Messer.

Ein erneuter fieser heftiger Kampf entbrannte auf einem schmalen, brüchigen Stahlübergang inmitten einer alten atomaren Lagerstatt. Beide fingen wir uns Treffer ein, es war einfach kein Platz zum Kämpfen und alles war zu eng. Das blaue Licht mahnte mich zur Eile und ich griff an. Cynthia versuchte meinen Angriff zu parieren und versteckte sich hinter einigen Stahl- und Aluminiumstangen. Mit einer Finte lockte ich sie aus ihrer Deckung und hatte sie auf einem Laufgang, von wo ich meinen nächsten Angriff startete.

Ich ließ Cynthia angreifen und sie hätte mich fast erwischt. Da aber nutzte ich einen kurzen Moment ihrer Unaufmerksamkeit und trat Cynthia quer in das Knie und sie schrie auf und fiel über das verrostete Geländer sechs Meter tief, direkt in das bläuliche Wasser. Ich achtete darauf, dass mich kein Tropfen erwischte, vor Radioaktivität hatte ich Angst und ich wusste weshalb.

„Komm rein du Schlange, dich mach ich auch im Wasser fertig, ich ersäuf dich wie eine alte Ratte,“ rief sie mir zu und drohte mir mit ihrem Messer.

„Komm du besser raus, das ist da bestimmt nicht gut für dich und dieses Wasser würde ich lieber nicht trinken!“ Schrie ich Cynthia an, doch sie lachte mich nur aus.

„Mach dass du da herauskommst, du bist in Gefahr!“

„Angsthase. Das ist klares sauberes Russenwasser,“ und sie nahm einen großen Schluck und spritzte einen Strahl in meine Richtung.

„Komm, wenn du keine Angst hast du Opfer! Schau das Wasser ist herrlich, es prickelt sogar ein wenig.“

„Nochmal sag ich es dir nicht, komm sofort da raus, das meine ich im Ernst.“
„Oder was, willst du mich hier rausziehen, du traust dich ja nicht mal in das Wasser, schau, es ist sogar gut geheizt und schmeckt phantastisch,“ erneut trank sie einen großen Schluck.

Ich wandte mich ab und wollte die Halle verlassen, da schrie sie mich an:
„Wage es nicht, mich einfach hier zu lassen, lass es uns hier ein und für allemal klären, wer die bessere Jägerin ist.“

Sie schwamm etwas an der Wand entlang und kam auf mich zu. Dabei suchte sie eine Leiter am Rande.

„Sag mal Cynthia, hast du dich nicht gefragt, wieso im kalten Sibirien das Wasser hier so schön warm ist, und dann auch noch so schön bläulich leuchtet? Und was machst du, du badest darin und trinkst es auch noch, na. Denk mal drüber nach und finde den Fehler!“

Erst jetzt sah sich Cynthia um und realisierte, worin sie schwamm, das blaue Leuchten kam von unten, unterhalb von ihr knapp zwei, drei Meter unter ihr sah sie dieses komische Leuchten der Brennstäbe. Es war zwar ein Abklingbecken, aber der Wasserspiegel war fast drei Meter weniger als Normal und die Strahlung musste im Wasserbecken bereits sehr hoch sein.

Mit einem Mal bekam es Cynthia mit der Angst zu tun und sie kraulte so schnell wie möglich los.

„Hilf mir!“, schrie sie als sie erkannte, dass sie in einem Abklingbecken voller radioaktivem Wasser schwamm und sogar davon getrunken hatte. „Bitte hilf mir.“, flehte sie mich jetzt an. „Hilfe, bitte hilf mir!“ Ihr Flehen wurde intensiver. Da fielen mir aber bereits die ersten Veränderungen an ihr auf. Ihre linke Wange schien irgendwie ganz langsam zu zerfließen.

An der anderen Seite des großen Beckens war die einzige Leiter, aber Cynthia musste dafür direkt über das blaue Leuchten schwimmen und ich rannte zu der Leiter, als sie los kraulte. Bereits nach wenigen Metern fing sie aber an, wilder und ungezielter zu schwimmen, drehte sich mehrfach im Kreis und sie kam offenbar durcheinander, sie kam einfach von dem blauen Leuchten nicht weg.

„Schwimm weiter! Hierher zu mir, schwimm zu mir, hier bin ich!“, und ich schrie und winkte, aber sie plantschte mehr in dem Wasser und schrie „Wo bist du, ich sehe dich nicht mehr, wo bist du, meine Augen, was ist das …“

„Hier rüber, immer meiner Stimme nach, langsam schwamm Cynthia über das blaue tödliche Leuchten, ihre Bewegungen wurden aber zusehends schwächer und sie musste erneut Wasser schlucken. Hustend und spuckend versuchte sie das Wasser loszuwerden.

Langsam kam sie zu der Leiter und versuchte sich hoch zu ziehen, aber ihre Haut löste sich bereits ab.
Wie ein dicker Handschuh zog sich die Haut ab und sie paddelte mit schmerzverzerrter Mimik an der Leiter herum. Ich stand gute drei Meter oberhalb des Wasserspiegels, traute mich aber nicht, weiter hinab zu steigen. Ich wusste, das blaue Wasser bedeutete den sicheren Tod.

„Aaaaaaahhhhhh“ schreie sie noch ein paar Mal, dann verschluckte sie sich erneut einige Male und ihre Kräfte schwanden immer mehr, dann, endlich wurde sie unter Wasser gezogen. Ich sah noch, wie sie die Luftblasen aus der Lunge drückte und das bläuliche Wasser schluckte.  Ihre Bewegungen wurden dann immer weniger und immer langsamer. Ihr Todeskampf wurde von dem bläulichen Leuchten begleitet, sie hatte vollkommen die Orientierung verloren, vermutlich konnte sie zu diesem Zeitpunkt nichts mehr sehen und schließlich sank sie auf die metallenen Käfige und blieb alsbald still und bewegungslos auf diesen leuchtenden Käfigen liegen. Fast schien es so, als nehme sie auch das blaue Leuchten an. Dann war sie endlich erlöst und ihr Körper verharrte in dieser Bewegung.

**

Ich drehte mich um und sah in die Augen von Peter und Decker. Er hatte seinen Geigerzähler in der Hand und das Kistchen machte Geräusche wie eine Klapperschlange. „Nichts wie raus hier, sofort raus!“, ordnete Decker an und wir rannten nach oben aus der Gefahrenzone. Draußen hielt Decker erneut den Geigerzähler an mich und die Klapperschlange war verschwunden, aber die Strahlung war immer noch erhöht.

Gerade hatten wir dieses riesige Gebäude des Todes verlassen und kauerten in einem Versteck, da stockte Peter und ich gleichzeitig und wir sahen uns an. „Unsere Krieger rufen uns.“ Decker sah uns ungläubig an. „Was ist mit den Stammeskriegern? Sind sie in Gefahr“

Erst da wurde uns klar, dass wir unsere Stammeskrieger lange nicht mehr gesehen hatten. Von dem Dach starteten die großen Hubschrauber und flogen weg von uns nach Süden, wir aber mussten nach Norden. Auf dem Weg zu Straße humpelten uns Randy und Levi entgegen offensichtlich angeschlagen.
„Wohin jetzt?“, riefen die beiden.

„Wir müssen unsere Stammeskrieger befreien, sie sind in höchster Gefahr!“

**

SEWERSK

In dem gläsernen Besprechungsraum tobte der „Veranstalter“ um einen Mann herum und fluchte, als seien die wilden Horden hinter ihm hergewesen.

„Sie haben wohl vergessen, mir zu erzählen, dass die Begleiter von Caroline Miles trainierte Kämpfer sind. Sie sagten doch, die Männer wären einfache Justizbeamte.“, fauchte der Veranstalter wutentbrannt zu dem „Besitzer“ von Fransiska Haufberger.
„Nein, ich habe gar nichts vergessen. Es entspricht den Tatsachen, dass diese Männer und Frauen Justizbeamte sind.“

Der Veranstalter warf dem Besitzer wutentbrannt einen Stapel Zeitungsartikel hin. Auf denen waren jede Menge Artikel, die unseren Kampf auf Soulebda, sowie den Kampf mit den Söldnern zu Hause beschrieben.

„Wenn alle Justizbeamte bei ihnen zu Hause solche Kämpfer sind, verstehe ich nicht, wieso ihr Personalstand dermaßen hoch ist. Ein drittel solcher Beamte würde doch völlig ausreichen.
Entweder sie erzählen mir alles was sie wissen, oder ich hole mir diese Informationen von Frau Haufberger, in diesem Fall wäre unsere Abmachung nichtig, denn Frau Haufberger wird die Befragung ganz sicher nicht überleben.“

„Sie bellen den falschen Baum an. Ihr Freund da im Halbdunkel“, er zeigte auf Ivan, der wie gewohnt anwesend war, „hat sie mehrfach gewarnt.

Jetzt haben sie keine Beute mehr und ihnen entgeht eine Jagdveranstaltung im Wert von vermutlich 1,1 Milliarden Dollar.“

Der Veranstalter wurde weiß vor Zorn. Seine Augenlieder zuckten und Ivan war sicher, dass der Besitzer in weniger als drei Sekunden tot war.

„Aber sie machen sich völlig umsonst Sorgen.“
„Was?“, fragte der Veranstalter gepresst.
„Ich sagte, sie machen sich völlig grundlos Sorgen, um ihre Beute.“
„Erklären sie das!“
„Ihre Beute wird von selbst zurückkommen.“

„Sie werden mir jetzt alles sagen, was ich wissen will! Ansonsten werde ich erst die Haufberger foltern und dann sie. So oder so werde ich meine Informationen bekommen.“
„Ja, das könnten sie, allerdings wissen sie sicher, dass Informationen, die unter Folter zustande kommen, eher ungenau, wenn nicht sogar falsch sind.
Ich mache ihnen ein andres Angebot. Ich sage ihnen, warum Caroline Miles zurückkommt und sie erweisen mir einen kleinen Gefallen.“

Alseki hatte sich wieder im Griff und setzte sein Pokergesicht auf.
„Reden sie!“
„Caroline Miles wird alles tun, um Fransiska zu befreien. Sie wird herausfinden, wo ihre Anlage hier ist, wenn sie es nicht schon weiß, denn schließlich ist Peter Stein schon in Sewersk gewesen. Sie wird ihre Anlage hier finden und dann wird sie Fransiska suchen.
Also braucht sie nur noch zu wissen, wo sie in Sewersk sitzen, dann wird sie herkommen um Fransiska zu retten.“
„Woher wollen sie das wissen? Momentan versuchen sie gerade, nach Nordwesten zu gelangen.“
„Das ist doch nur eine Ablenkung. Sobald sie ihre Wachhunde abgeschüttelt und ordentlich dezimiert haben, werden sie umkehren und herkommen.“
„Das erklärt immer noch nicht das warum.“
„Die Haufberger hatte ein Verhältnis, sowohl mit Frau Miles als auch mit Herrn Stein. Beide werden sie befreien wollen. Das Versprechen die Haufberger zu töten, wenn Miles nicht mitmacht, hat bis jetzt gewirkt, also wird es auch weiterhin eine lebende Haufberger ihr bester Trumpf sein.“
Aleski ließ sich die Worte durch den Kopf gehen. Seine erste Reaktion, die Haufberger sowie ihren Besitzer gleich zu töten, kam ihm jetzt übereilt vor.
Der Mann hatte Recht. Die Haufberger hatte Miles gefügig gemacht. Eine lebende Haufberger!
Was wenn der Mann Recht hat und Caroline zurückkommt? Würde sie wirklich versuchen in seine geheime Anlage einzudringen?

Was riskierte er, wenn er beide doch umbringen ließ?
Aleski hatte die Situation schnell wieder unter Kontrolle, weder die Haufberger, noch ihr Besitzer würden diese Anlage lebend verlassen, da machten ein paar Tage mehr nichts aus, und er beschloss, auf das Angebot des Mannes einzugehen.

„Also gut. Was wollen sie?“

„Miles wird ihre Freunde mitbringen, wenn sie ihren Befreiungsversuch unternimmt. In ihrer Begleitung ist eine Frau, eine ganz bestimmte Frau mit grünen Augen.

Diese Frau will ich haben, und zwar LEBEND!“

**

„Was denkst du?“

Ich denke, die Miles wird versuchen so schnell wie möglich wegzukommen.“ Antwortete Ivan.
„Du glaubst nicht an einen Befreiungsversuch?“
„Caroline Miles und ihre Begleiter scheinen sehr intelligent zu sein. Sie haben sich als äußerst clever gezeigt.

Ich denke, sie wissen, dass ein Eindringen in die Anlage reiner Selbstmord wäre. Wir wissen von Stein und seiner Begleiterin sowie von vier weiteren Personen, welche den Zugriff verhinderten.
Irgendwie müssen sie nach Yuzhnyy gekommen sein, also werden sie noch ein paar Freunde haben. Dennoch schätze den Trupp auf höchstens 8 bis 10 Mann.
Dieser Trupp wäre niemals in der Lage hier einzudringen. Das wird die Miles und jeder ihrer Begleiter wissen. Nein, die hauen ab!“

„Haben deine Männer auf dem Flugplatz in Tomsk irgendwas gefunden?“
Nach den Berichten über Soulebda, war schnell ein Zusammenhang zwischen dem verhinderten Zugriff und der Eröffnung einer Niederlassung der Soulebda Cargo Line hergestellt. Als Ivans Männer den Hangar stürmten, fanden sie allerdings nur eine verlassen Halle vor.
„Ich sage noch einmal, wir sollten den Kerl gleich umlegen.“
„Nein, falls er Recht hat, nützt er uns vielleicht noch.“

„Heißt das, wir blasen den zweiten Angriff ab und warten, ob Miles wirklich kommt?“
Aleski überlegte. Caroline Miles war 1,1 Milliarden Dollar wert. Diese 1.1 Milliarden waren ganz offensichtlich verloren. Das war verdammt viel Geld, aber nichts im Vergleich, zu dem Verdienst, aus dem Handel mit den Organen, der auf dem Spiel stand.

„Nein! Ich will dieses Miststück tot! Und ihre Begleiter ebenso!“
Ivan verließ das Büro und Aleski begann zu grübeln. Er hasste es, Geld zu verlieren. Und im Falle von Caroline Miles hatte er 1,1 Milliarden verloren. Aber wer weiß…?

**

Yuzhnyy.

Ohne ein drogenbenebeltes Gehirn war es für Caroline und für mich überhaupt kein Problem mit den Kriegern in Verbindung zu treten.
Die Stammeskrieger hatten sich soweit wie möglich unsichtbar gemacht und waren nur 2 Km weit von uns entfernt.
Nach Jastre´veste Schätzung standen zwischen ihnen und uns, etwa 10 Männer. Weitere 10 waren im Halbkreis hinter ihnen.
Decker überlegte nicht lange. Solange die Männer versuchten, die Stammeskrieger zu finden, war Angriff die beste Verteidigung.
Unser Plan sah vor, mitten in die Linie der Angreifer zu stoßen, einen Flügel auszuschalten und dann den Rest zu erledigen.

Jastre´veste würde mit seinen Kriegern anders vorgehen. Sie würden sich in zwei Viererteams aufteilen und von der 6 sowie der 12 Uhr Position an angreifen und so einen Gegner nach dem Anderen erwischen. Außerdem würde diese Taktik verhindern, dass sich die Feinde gegenseitig unterstützen konnten.
Sorgen machte uns allerdings ein Hubschrauber, der über uns seine Kreise zog. Anscheinend war dieser nicht mit Wärmesensoren ausgerüstet, denn er versuchte Blickkontakt zu halten, was im sibirischen Wald ziemlich aussichtslos war.

Dennoch kreiste er in unserer Nähe und war eine permanente Bedrohung, außerdem würde er sicher Verstärkung bekommen.
Jastre´veste dirigierte uns direkt zu den Bösen, die zwischen uns lagen, dann teilte er seine Streitmacht. Das Angriffssignal würde von ganz allein kommen.
So war es dann auch. Der Hubschrauber suchte uns und hatte den Bodentruppen gemeldet, wir würden uns in ihre Richtung bewegen, Entfernung 2.000 Meter.
Doch wir waren die ersten 1.500 Meter ohne Rücksicht auf Entdeckung gerannt und so viel näher am Feind, als der glaubte. Nur 20 Meter Lagen noch zwischen uns und dem Anführer als er die herannahende Gefahr erkannte.

Er stieß noch einen Warnschrei aus, dann hatte Decker ihn niedergemacht. Sofort stürmten Levi, Hannes, Fabienne, Caroline und ich nach Norden und überrannten die Gegner, die zu ihrem Anführer laufen wollten.
Sarah, Vera und Randy blieben in Deckung und beschäftigten die Bösen, die südlich ihres Anführers standen.
Wir hatten unterdessen gerade mal 4 Minuten gebraucht um alle Bösewichte auszuschalten, dann machten wir kehrt und fielen über die anderen her.
Während Sarah und ihre Truppe auf die Söldner schossen, stürmten Decker Hannes und Levi rechts und Caroline, Fabienne und ich links an ihnen vorbei.

Von drei Seiten eingekreist, waren alle vier Söldner schnell ausgeschaltet.
Jastre´veste Truppe war ebenfalls zum Angriff übergegangen.
Abgelenkt von der Schießerei vor ihnen, waren die Söldner kein ernsthafter Gegner.
Von den 5 Zweierteams, waren zwei mit Hunden und zwei mit Bewegungssensoren ausgestattet.
Bei allen war die Vorgehensweise der Krieger gleich. Einer lenkte die ab, die anderen schlugen zu.
Ein Team ließ den Hund von der Leine und der rannte los. Wer aber im Dschungel mit Panthern und Jaguaren kämpft, für den war ein dressierter Hund kein Problem.

Die Söldner hörten ein kurzes Jaulen, dann Stille. Natürlich hatten die Männer sich mehr auf den Hund als auf ihren Rücken konzentriert und so starben beide, ohne zu wissen, wie.
Auch die Sensoren erwiesen sich, bei der Kampfweise der Krieger, als unbrauchbar. Die Söldner waren gewohnt gegen Soldaten zu kämpfen, die dieselben Taktiken anwenden wie sie.

Von der Kampfweise der Krieger, hatten sie keine Ahnung. Sie sahen einen Schatten huschen, die Sensoren zeigten in eine Richtung in die sie auch schossen, und aus der entgegengesetzten Richtung kam der Tod.
Zur selben Zeit, in der wir unseren letzten Gegner ausgeschaltet hatten, hatten auch die Krieger das letzte Team niedergemacht.

Klug wie Jastre´veste war, „warnte“ er uns vor, bevor wir zusammentrafen.
Zeit um uns auf die Schulter zu klopfen hatten wir allerdings keine.
Decker blickte auf seine Karte.

„Wir müssen nach Nordosten, dort kommen wir irgendwann zu einer Straße. Wo eine Straße ist, findet sich auch ein Transportmittel.“

„Wir müssen den Hubschrauber loswerden.“ Sagte Levi. „Solange der hier herumschwirrt, kommen wir nicht weit.“
Dann wandte er sich Jastre´veste zu. „Habt ihr irgendwo eine Lichtung gesehen?“
„Ja, 5 Minuten Westlich, in dieser Richtung.“
„Dann los, bring mich dorthin. Ihr folgt uns und sorgt dafür, dass der Hubschrauber euch sieht.“
Zusammen mit Jastre´veste und drei seiner Krieger rannte Levi los und ließ uns zurück.
Decker begann zu grinsen. „Dieser gerissene Mistkerl. Los ihm nach, aber schön sichtbar.“

Wir liefen los und zurückblieben zwanzig tote Söldner und zwei betäubte Hunde.

Wir schlugen uns weiter in Richtung Lichtung durch den Wald. Decker suchte immer die lichtesten Stellen, damit der Hubschrauber uns weiter folgen konnte.

Die Besatzung des Hubschraubers hatte aber wohl mittlerweile andere Befehle bekommen. Statt uns nur zu folgen, hatte der Copilot die Tür geöffnet und er schoss mit einem Sturmgewehr auf uns, sobald er einen von uns unter den Bäumen sah.

Zu unserem Glück war auch an lichten Stellen der Bewuchs so dicht, dass er nur auf Verdacht schießen konnte. Dennoch schlugen einige Kugeln unangenehm nah ein.
„Abstand 3 Meter!“, brüllte Decker im Laufen.

In einer langen Kette liefen wir durch das Gehölz, während Kugeln um uns herum einschlugen.
„Hannes, halt ihn auf Abstand.“

Hannes wartete bis er einen Schatten über den Baumkronen sah, dann spuckte sein leichtes MG Feuer.
Im Hubschrauber hörte man die Kugeln gegen den Boden des Helikopters hämmern und der Pilot zog nach oben, was den Nachteil hatte, dass sein Copilot noch ungenauer auf uns schießen konnte.
Schließlich kamen wir zu der Lichtung, zu der Jastre´veste Levi geführt hatte. Die war eher eine tiefe Schneise, ca. 160 Meter breit und wurde von einem flachen Bach durchtrennt. Weder von Levi, noch Jastre´veste war etwas zu sehen.

Einer der Krieger zeigte Decker einen Baum auf der anderen Seite etwas schräg gegenüber.
„Los! Dort hin!“ Decker zeigte auf eine Stelle, 50 Meter weiter rechts, von der gezeigten Stelle und wir liefen über die freie Fläche.

Jetzt hatte der Hubschrauberpilot uns voll in Sicht und flog uns hinterher. Aus der Seitentür erschien das neu geladene Sturmgewehr des Copiloten, der uns wieder ins Visier nahm.
Als er zum Schuss ansetzte, durchquerten wir gerade den Bach und rannten die letzten Meter zum Waldrand. Hinter uns stiegen kleine Wasserfontänen in die Höhe, doch wir hatten den Bach durchquert, und wir rannten weiter.

„Stopp!“, brüllte Decker als wir an der Baumgrenze kamen und wir blieben überrascht stehen.
Der Hubschrauber schwebte nur 50 Meter von uns entfernt und Decker befahl „Halt!“
Der Pilot drehte den Hubschrauber und ließ den Helikopter schweben, um dem Schützen eine gute Plattform zu bieten, während der die Waffe auf uns richtete. Sein Finger begann sich zu krümmen und er setzte ein böses Grinsen auf.

„Sag Cheeeees!“ Grinste der Pilot und der Schütze begann zu lachen. „Jetzt mache ich sie fertig …“

Plötzlich hatte die Cockpitscheibe ein kleines Loch und der Kopf des Piloten platze auseinander. Blut und Gehirnmasse spritzte gegen die Cockpitscheibe und hinterließ einen großen Fleck auf der Scheibe.
Levi saß nur 30 Meter entfernt in einer Baumkrone, die er mit Hilfe von Jastre´veste und den anderen 3 Kriegern erklimmen konnte.

Mit dem Scharfschützengewehr lauerte er dem Hubschrauber auf und als dieser auf der Stelle schwebte, um seinem Schützen einen guten Schuss zu ermöglichen, drückte Levi ab.
Der Helikopter begann sofort zu trudeln und raste in Richtung Boden. Wir sprangen los und rannten in den Wald hinein. Kaum waren die ersten Bäume an uns vorbei, schlug der Helikopter auf und explodierte. Flammen schlugen nach oben und rabenschwarzer Rauch stieg auf.
Die Druckwelle warf mich nach vorn und ich stolperte. Ich überschlug mich bestimmt dreimal, bis auf dem Rücken liegen blieb und aufstöhnte.

„Alles klar?“ Fragte Caroline und half mir beim Aufstehen.
„Ja.“ Wir hatten angehalten und schauten uns an.
Keiner von uns war ernsthaft verletzt. Die sichtbaren Spuren des Kampfes, würde Vera sicher in den Griff bekommen.

Von links kam Levi zu uns gehumpelt.

„Was ist passiert? Hat dich die Explosion erwischt?“, fragte Fabienne besorgt.
„Nein, ich bin die letzten drei Meter vom Baum gefallen.“ Keiner sagte etwas, dann lachten wir alle auf einmal los. Die ganze Anspannung entlud sich, wenn auch auf Bens Kosten, doch der nahm es gelassen. Vera sah sich sein Bein an und gab Entwarnung.

„OK, ich denke, wir haben sie abgehängt. Lasst uns losziehen.“ Wie gewohnt übernahm Decker die Spitze und wir alle unsere gewohnte Position ein.

Die Stammeskrieger sicherten unsere Seiten und wir marschierten nach Nordosten.

**

Sewersk

„Ich bin wirklich sehr beeindruckt.“
Dass Lerbrev nicht die Leistung seiner Truppe meinte, war Aleski voll und ganz bewusst. Lerbrev schwärmte von Caroline Miles.
Der letzte Chip hatte Caroline vor 6 Stunden verlassen und seitdem waren sie und ihr Team spurlos im sibirischen Wald verschwunden.

Wie konnte das geschehen?

Die überlebenden Wachen der Anlage, erzählten von Geistern, die aus dem Nichts erschienen, wilden Kreaturen, die sich unbemerkt anschlichen und töteten, ohne dass man es selbst mitbekam.
Aleski hielt das natürlich für blanken Unsinn, dennoch hatte es die Miles nicht nur geschafft aus der Halle zu entkommen und nebenher alle Jäger zu erlegen, nein, sie und ihr Team hatten die ganze Söldnereinheit, welche sie fangen oder töten sollte, insgesamt ganze 35 erfahrene Soldaten, einige davon sogar mit Spezialausbildung, ausgeschaltet.

Einfache Justizbeamte … Niemals!

„Wir werden jetzt andere Seiten aufziehen!“

Ivan, ich will diese Scheißtruppe haben. Ab jetzt gibt es keine halben Sachen mehr.
Ich will sie tot! Ich will auf ihre Leichen pissen!“ Aleski schrie am Schluss.

„Wir sollten nicht zu auffällig agieren. Wenn wir zu viel Lärm machen, wird man das auf der anderen Seite des Urals hören.“ Warnte Ivan seinen Chef. „Wir sollten abwarten, vielleicht hat der Irre ja Recht und sie kommt zu uns.“

„NEIN! Du wirst mir diese Schlampe bringen, und zwar TOT! Keine Überlebenden! Hast du verstanden, ich will die Schlampe tot und kalt sehen.“
Ivan nickte und ging hinaus. Draußen blieb er kurz stehen und fragte sich, ob sein Chef nicht anfing, allmählich die Realität aus den Augen zu verlieren.

**

Die Suche

„Irgendwo hier, sind sie.“

Ivan und Youssef brüteten zusammen über einer Karte.
Der letzte Kontakt den sie von der Milesgruppe hatten, ereignete sich 20 KM nordwestlich von Yuzhnyy.
Sollte er recht haben und Miles würde zusammen mit ihren Freunden abhauen, wäre das wahrscheinliche Ziel Krasnyy Yar. Dort gab es einen größeren Flugplatz.
Hatte der Besitzer der Haufberger Recht, und die Gruppe kam hier her, Bewegten sie sich auf Serwersk zu.

Ivan hatte ein Dreieck auf die Karte gezeichnet, bei dem Krasnyy Yar, Yuzhnyy und Tomsk die Eckpunkte bildeten. Serewesk lag auf der Tomsk-Krasnyy Yar Linie.

Die war etwa 120 Km lang, genau wie die Linie Krasnyy Yar- Yuzhnyy.
Von dort nach Tomsk waren es 60 Km. Somit umfasste das Gebiet 36 Km².
36 Km² sibirische Fläche, wovon war das meiste Wald war. 10 Personen hier auszuspüren, dagegen war die Suche nach der Nadel im Heuhaufen ein Klacks.

Ivan hatte 300 Söldner zur Verfügung, die er zur Suche einteilen konnte.
„Wir bilden 25 Teams zu je 10-Mann. Die Hälfte schwärmt von Krasnyy Yar aus in Richtung Serwesk, die andere Hälfte von hier aus nach Norden.
Die Teams sollen untereinander Kontakt halten und sich so fortbewegen, dass sie sich gegenseitig unterstützen können.
Sollte ein Team Kontakt haben, ruft es erst die anderen Teams in der Nähe zu Hilfe. Keine Alleingänge!“
„Was ist mir den anderen 50 Mann?“
„Die bleiben hier, falls dieser Irre Recht hat und die Miles tatsächlich unentdeckt hier her kommt.“
„Und was ist mit unserem Holzhammer?“
Der Holzhammer, das waren zwei vollbewaffnete Mil Mi-24 „Hind“ Kampfhubschrauber, die sich Aleski von seinen Freunden bei der Armee „ausgeliehen“ hatte.
„Du wirst mit den Hubschraubern in Yuzhnyy bleiben. Von dort kannst du jeden Ort im Suchgebiet schnell erreichen.“

„Gut, wir sollten auch die Sicherheitsmaßnahmen hier verschärfen.“

„Ja. Sag den Technikern, sie sollen die Systeme neu ausrichten. Egal was sich der Anlage nähert, ich will es wissen!“

**

Planspiel

Wir saßen zusammen und hielten Kriegsrat.

„Ich denke nicht daran, Fransika hier zurückzulassen. Diese Irren haben Sonja einfach so geschlachtet, ich werde Sie nicht das Gleiche mit Fransiska machen lassen.“
Damit stellte Caroline ihren Standpunkt klar.

Decker hatte den Kriegsrat einberufen, um unser weiteres Vorgehen zu besprechen.
„Peter?“, fragte er.
„Ich will sie auch nicht hier lassen.“
„Sarah?
„Auf keinen Fall lassen wir Fransiska hier!“
„Nein!“, sagte auch Vera.
„Ben?“
„Wir dürfen die Möglichkeit, dass man Fransiska schon getötet hat, nicht außer Acht lassen, aber falls sie noch lebt, dann nehmen wir sie mit.“
„Fabienne?“
„Ich schließe mich Ben an. Wir dürfen es nicht unversucht lassen.“
„Hannes?“
„Keine Frage, ich bin dabei!“
„Randy?“
„Natürlich mache ich mit.“
Auch Jastre´veste und jeder seiner Krieger hatten eine Stimme, doch auf Soulebda war Fransiska so etwas wie eine Nationalheldin. Ihrer Initiative und ihrem Hilfeaufruf, verdanken hunderte Souluebdalesen ihr Leben.

Nach den Schlachten am trockenen See und den Vulkanen, waren die Sanitätseinrichtungen der Insel völlig überlastet. Fransiska hatte binnen Stunden, Ärzte, Schwestern, Pfleger und anderes Sanitätspersonal sowie Hilfsgüter organisiert und so zusammen mit den amerikanischen Ärzten und Sanitätern, unter dem Kommando von Colonel Willers, vielen Verwundeten das Leben gerettet.
Als dann die Britisch-Französische Invasion drohte, lieferte sie mit ihrer Berichterstattung den Beweis, dass keine ausländische Macht die öffentliche Ordnung auf Soulebda herstellen musste.
Der Entschluss der Stammeskrieger war einstimmig. Sie würden mitkommen und ihre Heldin herausholen

„Was ist eigentlich mit dir?“, fragte Levi Decker.
Der sah ihn erstaunt an.
„Ich dachte, das wäre klar.“
„Nein, du hast dich in keiner Weise geäußert.“
„Ich habe hier das Kommando, wenn ich dagegen wäre, Fransiska heraus zu holen, hätte ich euch erst gar nicht gefragt“, grinste er.

„Also, wir sind hier“, er faltete seine Karte auseinander, verglich seine Navigation-Daten mit der Karte und zeigte dann auf einen Punkt 45 KM nordwestlich von Yuzhnyy, „die Frage ist, wo wir hinmüssen.“

„Serwersk.“ Sagten Fabienne und ich gleichzeitig.
„Serwesk?“

„Ja, ich kann es zwar nicht beweisen, aber mein Bauch sagt mir, dass der Oberschurke dort sitzt.“
„HHMM“, Levi schaute sich die Karte an. „Das würde Sinn machen. Eine geschützte Anlage, in die man nur mit Genehmigung kommen kann.“
„Als wir dort waren, haben wir jede Menge Aufregung verursacht, Die haben zig Bilder von uns gemacht… Ich denke Peter hat Recht.“

Randy hatte seinen Laptop herausgeholt und lud die Google Earth Seite mit Serwersk.
„Wie kommen wir da bloß herein?“
„Ich schlage vor, wir gehen erst einmal dort hin, den Rest überlegen wir uns wenn es so weit ist.“ Sagte Decker.

„Da hat Wolfgang Recht, lasst uns erst mal nach Sewersk kommen.“ Sagte Levi vielsagend.
Decker und Ben schauten sich die Karte nochmals an, und entschieden dann, südlich zu marschieren.

**

Nach zwei Tagen wussten wir, dass wir gesucht wurden. Das man uns suchen würde, war klar, beunruhigend war, dass man uns gerade in diesem Gebiet suchte.
Wir machten alle 4 Stunden eine Rast, bei der Randy seinen Laptop einschaltete und sich bei Dagan einloggte.

Unsere israelischen Freunde hatten einen Satellit in Position gebracht, der uns mit Echtzeitbildern versorgte.
In unserer Gegend schwirrten Hubschrauber und man konnte eine Menge Fahrzeuge auf den Straßen sehen.
„Damit fällt die Straße aus.“ Stellte Decker fest. „Auf der erwischen sie uns und wir können uns nicht richtig verteidigen. Also weiter durch den Wald, zumindest, bis sie das Suchgebiet verlegt haben.“
Wir zogen weiter nach Süden.

Aber westlich von Yuzhnyy verließ uns das Glück…

**
„Irgendetwas Neues?“, wollte Ivan von Youssef wissen.
„Ja. Eine Sucheinheit hat vier Mann verloren. Sie sind spurlos verschwunden und niemand weiß, wo sie abgeblieben sind.“

„Wo war das?“

„Hier, westlich von Yuzhnyy.“ Youssef zeigte nordöstlich Sewersk.
„Was ist genau passiert?“

„Der Suchtrupp Führer hat seine Leute einen alten Hof kontrollieren lassen. Sie meldeten noch, dass der Hof verlassen sei, dann riss jeder Kontakt ab. Die Anderen waren weniger als 1.000 Meter entfernt. Hätte es dort eine Schießerei gegeben, hätten sie es sicher gehört. Aber es hat niemand geschossen und als die Männer überfällig wurden, haben die anderen sie gesucht.
Doch die vier Männer sind verschwunden. Keine Spuren, oder Ähnliches. Sie sind einfach weg.“

Ivan stierte auf die Karte. Das passte genau! „Ja, genau. Genauso hab ich mir das gedacht!“

„Das sind sie! Beordere alle Suchmannschaften der Tomskerecke in diese Gegend. Sie sind dort oben.“
„Warum bist du so sicher?“
„Weil es genau die Strecke ist, die dieser Irre vorhergesagt hat.“
„Was ist mit den Suchmannschaften bei Krasnyy Yar? Sollen die auch dort hin?“
„Wie viele Mann sind in diesem Bereich?“
„Achtzig bis neunzig, plus die Hubschrauber.“
„Nein, die anderen sollen einen Riegel südlich von Krasnyy Yar bilden, falls sie doch abhauen.
Nochmal für alle! Kein Team greift allein an. Wir treiben sie, bis wir genug Teams zusammen haben, um sie zu erledigen. Ein einzelnes Team ist kein Gegner, also immer Verstärkung kommen lassen. Ist das allen klar?
Du wartest mit den MIL, bis die anderen sie gestellt haben, dann erledigst du sie!“

Als Youssef gegangen war, stierte Ivan wieder auf die Karte. Vier Mann einfach verschwunden… Ihm fielen wieder die Berichte der Wachen ein, über die Geister, die aus dem Nichts erschienen und töteten …
Vier Mann die einfach verschwinden, ohne eine Spur zu hinterlassen… wie konnte das geschehen.

Die Worte seines Großvaters fielen ihm wieder ein. „Wenn du nicht aufpasst, dann holen dich die Schatten und dann bist du für immer verloren …“ Pah, dachte er sich dann. Damals war er ein Kind und heute ein Mann und ein sehr guter Krieger dazu.

**

„LOS weiter, wir müssen hier weg!“, trieb uns Decker an. Wir liefen seit fünf Stunden durch den Urwald. Decker führte uns südwestlich, um die herbeigerufenen Suchtrupps zu umgehen.
Es war einfach unglaubliches Pech gewesen.

Die vier Männer des Suchtrupps, hatten gerade den Hof überprüft und als verlassen gemeldet, als einer der Männer buchstäblich über einen der Stammeskrieger stolperte. Noch bevor der Söldner bemerkte, auf was er da getreten ist, war er schon tot, und eine halbe Sekunde später, waren auch die anderen drei Mann erledigt.

Natürlich würde man ihr Verschwinden bemerken und die richtigen Schlüsse ziehen. Nachdem die Männer „beseitig“ waren, liefen wir los.
„Randy, ich brauche das Tablet.“ Rief Levi.
Im Laufen versuchte Randy, das Tablet aus dem Rucksack zu fischen und reichte es Ben.
Ohne nach vorne zu schauen, tippte Ben etwas darauf ein und trug es beim Laufen in der Hand.
Nach einigen Minuten, vibrierte das Tablet und Ben schaute darauf.
„Wolfgang, nach Westen!“ rief er. Decker blickte auf die Karte. An seinem Gesicht konnte man sehen, dass ihm westlich zu gehen nicht gefiel.

„Stopp, kurze Pause. Peter, Hannes, Fabienne, ihr sichert die Umgebung! Ben!“
Decker zog sich mit Levi ein paar Meter zur Seite.
„Westlich liegt der oz. Shchuchye, ein großer See, wenn wir Pech haben und sie erwischen uns, stehen wir mit dem Rücken am Wasser, dann haben sie uns am Arsch. Also, was ist im Westen?“
Zehn Minuten später liefen wir nach Westen. Ben, der jetzt mit dem Tablet neben Decker herlief, loste uns zielstrebig in Richtung oz. Shchuchye.

Wir liefen solange, bis wir nichts mehr sahen, dann rasteten wir für ein paar Stunden.
Wie immer war Feuer tabu und wir saßen eng beieinander.
Levi holte das Tablet und setzte sich in die Mitte.

„Wir gehen zum oz. Shchuchye, einem See ca. 5 Km westlich von hier.“ Er vergrößerte das Bild und zeigte uns ein Gebäude am Ufer.
„Hier können wir uns am Besten verteidigen.“ Das Haus schien auf einer kleinen Ausbuchtung zu stehen, die wie eine Nase in den See ragte.
„An den Seiten können sie uns nicht angreifen und vor dem Gebäude haben wir mindestens 200 Meter freies Schussfeld.“

Caroline und Fabienne, unsere Profis, sahen sich an. Beiden schien klar zu sein, dass dahinter mehr stecken musste, als der Plan sich zu verteidigen. Mit Hilfe der Stammeskrieger, wären wir mit Sicherheit im Wald unauffindbar. Beide wussten aber auch, dass weder Levi, noch Decker etwas verraten würde.

**

„Sie gehen in Richtung oz. Shchuchye.“ Sagte Youssef zu Ivan, der mit ihm zusammen im Kontrollraum der Anlage bei Yuzhnyy saß.
„Wir haben deutliche Spuren gefunden, die das Zeigen.“
„Deutliche Spuren?“
„Ja, unsere Scouts sagten wörtlich, deutliche Spuren.“
„Wie kommt es, dass wir bisher keine Spuren gefunden haben?“
„Jetzt haben sie keine Zeit mehr, die Spuren zu verwischen, Sie geben Fersengeld.“
„Wo sind unsere Männer?“
Youssef zeigte Ivan mehrere Pfeile, die sich auf den See zubewegten.
„Wir haben sie eingekreist und drücken sie an den See. Wenn den See erreicht haben, sitzen sie in der Falle und wir haben sie.“
„Gut. Sag den Truppführern, dass sie ja nicht angreifen sollen, bevor sie zusammengetroffen sind, und auch dann sollen sie warten, bis die Hubschrauber da sind, um sie zu unterstützen.“
„Wir haben 86 Mann und die beiden Mil 24. Das ist das Ende von Miles und ihrer Truppe.“

**

Pünktlich zum Morgengrauen erreichten wir unser Ziel. Wie auf einem Bild gemalt, stand da am Ende einer fast drei Kilometer langen Schneise ein verlassenes Bauernhaus, an dem eine Scheune angebaut war am See. Offenbar wurde diese lange Schneise auch als Lansdebahn genutzt, was in der Region Russlands normaler Alltag war.

Das Gebäude selbst war an der „Nasenwurzel“ erbaut, so nannten wir diesen Vorsprung, der etwa 50 Meter in den See ragte. Wie ein Trichter öffnete sich der Wald, ließ das Haus auf einer freien Fläche stehen.
„Wir haben höchstens 8 Stunden, dann müssen wir fertig sein.“ Sagte Decker und wir begannen unsere Verteidigungsstellung zu errichten.

„Heureka.“ Rief Decker, als er die Scheune betrat.
„Sarah, Vera, Randy! Ich hab eine Aufgabe für euch!“
„Peter, Hannes! Zu mir!“

Jeder bekam eine Aufgabe, nur Ben saß am Laptop und hämmerte auf die Tastatur. Er kramte den Rucksack um und fand, was er suchte. Das baute er auf, dann schob er sich einen Kopfhörer in das Ohr und wenig später erschien ein zweigeteiltes Bild auf dem Laptop, das den unmittelbaren Bereich vor der Hütte, sowie den Bereich im Umkreis von 2.000 Metern zeigte.
Während wir schufteten, und uns auf den Angriff vorbereiteten, rief Levi Jastre´veste zu sich und zeigte ihm etwas auf dem Bildschirm. Kurz darauf waren Jastre´veste und die Stammeskrieger verschwunden.
Gegen 16 Uhr war unsere Festung fertig und alle Vorbereitungen abgeschlossen.
Als um 17 Uhr sich die Sonne langsam dem See zuneigte, erschien der erste Kundschafter.

**

„Wir haben sie! Sie haben sich in einem alten Bauernhaus verschanzt.“
Ivan ließ sich die Livebilder der Kundschafter zeigen. Alles was er sah, war ein verlassenes Haus, das am Seeufer stand. Davor verteilt, lagen überall alte Haufen von Heu und Strohballen.

„Irgendwie stinkt die Sache. Warum sind sie nicht im Wald geblieben? Dort hätten sie sich verstecken können.“

„Vielleicht hat der irre Besitzer der Haufberger doch Recht und es sind einfach nur Amateure, die bisher Glück hatten. Die Idee, sich uns an diesem Haus zu stellen, ist zwar durchdacht, da sich dieses Grundstück gut verteidigen lässt, aber mit den Hubschraubern, können wir sie ausräuchern. Kein erfahrener Truppenführer hätte sich diesen Platz ausgesucht.“

Ivan beschlich wieder das ungute Gefühl, etwas zu übersehen. Es war dasselbe Gefühl, wie in der Arenahalle. Irgendetwas sagte ihm, dass das, was er sah, nur die Spitze des Eisberges war.

„Umstellt das Gebäude, aber es wird nicht angegriffen, bis wir die Truppe zusammen haben. Mach die Hubschrauber startklar. Erst wenn alle Männer in Stellung sind, greifen wir an. Wer hat das Kommando vor Ort?“

„Dimitrij, Er wird die Hubschrauber rufen, sobald seine Männer in Stellung sind. Von hier aus brauchen die Mil nur 15 Minuten.“

**

„Bis jetzt sind 60 Söldner da draußen.“

Levi zeigte uns die Männer auf dem Tablet.
„Woher sind diese Bilder?“ wollte Caroline wissen.
„Wir haben über uns ein wachendes Auge, das uns bewacht. Da sind noch weitere 25 Mann. Fünf scheinen die Fahrzeuge zu bewachen.“

„Wo ist Jastre´veste?“
„Die Stammeskrieger sind auf der Jagd.“ Das diese keine vierbeinige Beute jagen würden war uns allen klar.
Die Sonne versank gerade im See und das Licht wurde langsam weniger. Mit einem herrlichen Abendrot wurde es schließlich dunkel.

**

„Die Männer am Waldrand sind in Stellung.“ Meldete einer von Dimitrijs Unterführer.
„Lass den Rest von Trupp 3 die Fahrzeuge bewachen, die anderen rücken langsam vor.“
„Wir konnten bis jetzt keine Bewegung ausmachen. Sollen wir nicht erst nachsehen, ob sie wirklich dort sind?“

„Nein!“
„Aber wenn sie da doch nicht drin sind…“

„Ivan und Youssef sagten, das wir keinesfalls ohne die Hubschrauber angreifen sollen.“
„Ich dachte ja nicht an Angreifen. Wenn die beiden richtig liegen, und da drinnen nur 10 Mann sind, können wir sie vielleicht überreden sich zu ergeben, wenn wir ihnen zeigen, dass sie umstellt sind und es keinen Ausweg gibt.“

Dimitrij ließ sich den Vorschlag durch den Kopf gehen. Wie würde er sich entscheiden, wenn er in die Läufe von 80 Gewehren schauen würde.

„Ok. Wir rücken bis auf 200 Meter an das Gebäude vor, aber greifen es nicht an… Hast du das gehört?“
„Was?
„Ich weiß es nicht. Ich hätte schwören können, dass da ein kleiner Motor brummte.“
„Nein, ich hab nichts gehört.“
„Ich dachte ja nur.“
„Egal. Bring die Männer nach vorne.“

**

Unsere kleine Drohne war unbehelligt gestartet und im Nachthimmel verschwunden. Aus der Höhe würde man sie nicht mehr erkennen oder hören können, aber sollte sie niedriger fliegen müssen, dann war sie verloren.
So aber zog sie in gut 300 Meter über den Bäumen ihre Runden und übertrug die Bilder direkt zu uns.

**

„Was zum Teufel soll das denn?“, fragte Decker. Er lag mit Levi, Caroline und mir an einem der glaslosen Fenster und schaute nach draußen.
Im letzten Licht sahen wir die Söldner bis auf 200 Meter an das Haus in Stellung gehen. Sie warfen sich zu Boden und zielten alle auf das Gebäude.

„Da kommt tatsächlich einer, mit einer weisen Fahne.“
Ungläubig starrten wir zu dem Mann, der zielsicher auf das Haus zukam und etwa 50 davor stehen blieb.
„Мы Вам в окружении. Откажитесь! und danach auf englisch „Wir haben euch umstellt, Gebt auf!“ Rief er laut in unsere Richtung.

Caroline schnappte sich das Dragunow Scharfschützengewehr und schaute durch das Zielfernrohr.
„Dieser Mistkerl war dabei, als sie die kleine Sonja aufgeschlitzt haben. Er hat sie festgehalten und die Organe herausgezogen, dieser Mistkerl.“

„Vielleicht möchtest du ihm ja sagen, dass er sich zum Teufel scheren soll?“, fragte Decker und dabei schaute er mich an und hob seine Augenbraue.

„Mit dem größten Vergnügen.“, und ich legte das Gewehr an und ging ins Ziel.

Dimitrij sah zu seinem Unterführer. Noch immer hatte er keine Bewegung am Gebäude ausmachen können. Mittlerweile war auch das letzte Licht erloschen, lediglich am westlichen Horizont glühte noch ein schmaler Streifen.

Ein lauter Knall, ohne Mündungsfeuer ließ ihn zusammenzucken. Sein Unterführer stand noch eine halbe Sekunde mit zerrissenem Kopf aufrecht da, dann brach er in sich zusammen.

Eine Sekunde später zuckten überall Mündungsfeuer auf.
„Stop. Feuer halten … Scheiße Aufhören mit schießen!“
Das ganze Gefluche half nichts. Das Haus wurde von Kugeln durchsiebt. Die Kugeln rissen kleine Krater in die Mauern, drangen durch die Fenster ein und verwüsteten die Räume.
„Youssef. Sie sind hier, schick die Hubschrauber!“, brüllte Dimitrij in sein Handy und versuchte das Schießen unter Kontrolle zu bekommen. Beinahe hätte er es geschafft, doch ein weiterer Toter in den Reihen der Angreifer brachte das Fass zum überlaufen.

Die Söldner stürmten unter Feuerschutz ihrer Kameraden vor. Eine Hälfte schoss, die andere rückte 20 Meter vor. Auf diese Weise arbeiteten sich die Söldner bis zu 100 Meter an das Bauernhaus heran.
Das Haus wurde immer weiter verwüstet. Als die ersten Söldner nahe genug waren schossen sie zwei Granaten in das Haus, welche die untere Etage in Flammen aufgehen ließ.

„Stopp – Alles stoppen!“ Rief Dimitrij, so laut er nur konnte.

Dimitrij rief seinen Befehl solange, bis auch der Letzte ihn befolgte und mit dem Schießen aufhörte.
Staub und kleine Steine lösten sich noch ein paar Sekunden von den Mauern des Hauses, nachdem das Schießen aufgehört hatte und sich eine gespenstige Stille ausgebreitet hatte.
„Trupp 7, vorrücken, Lage melden!“

Der Angriffstrupp 7 setzte geschlossen die Nachtsichtgeräte auf, die Männer checkten ihre Waffen und schlichen sich langsam nach vorne vor. Im Dunkeln mit Nachtsichtgeräten ausgestattet, begannen sich die 10 Mann des Trupps zu unserer rauchenden Festung vorzuarbeiten. In ihren Displays sahen sie leicht graugrünes Licht und jede Bewegung würden sie erkennen können. Zwei Kaninchen huschten umher und am Ufer hüpften ein paar Vögel im Wasser umher. Das Haus aber schien kalt und leer.

Decker ließ sie bis auf dreißig Meter herankommen, dann gab er seine Befehle.
„Sarah, Vera, Randy. Ihr seid dran. Zeigt es ihnen!“
-ZZIISCH- drei helle Leuchtkugeln zischten im flachen Winkel durch die Nacht auf die scheinbar wahllos verstreuten Strohhaufen zu.

Zwei schlugen in der Nähe ein, einer traf die Strohballen, die sofort Feuer fingen. Sofort sausten die nächsten Signalraketen los und entzündeten die nächsten Haufen.
Ohne Pause schossen die drei eine Signalkugel nach der anderen ab, bis alle Heu und Strohhaufen in Flammen standen.

Die Söldner waren jetzt geblendet und ihres besten Schutzes, der Dunkelheit, beraubt. Ihre Nachtsichtgeräte waren nutzlos geworden. Darauf hatte Decker gewartet. In grellem Licht standen die Angreifer auf freiem Feld.

„FEUER!“

Während des ganzen Tages hatten Hannes und ich Steine aus den Innenwänden des Hauses gebrochen und zusammen mit Caroline und Fabienne rechts und links neben dem Haus kleine Steinfestungen errichtet. Gut getarnt mit Ästen und Zweigen waren die bisher unentdeckt geblieben.
Nach dem Schuss, mit dem Caroline die „Verhandlungen“ beendet hatte, waren wir sofort aus dem Haus heraus und zu den „Außenfestungen“ gelaufen. Während die Söldner das Haus verwüsteten und sich zum Gebäude vorarbeiteten, War kein einziger Schuss in unsere Richtung abgegeben worden.
Jetzt standen oder lagen die Söldner ohne Deckung im hell erleuchteten Gelände.

Hannes ließ sein MG spucken und Ben holte sich einen Söldner nach dem anderen ins Fadenkreuz seines Scharfschützengewehrs. Es war ein regelrechtes Schlachten. Die Söldner waren gute Ziele und wir gute Schützen. Das Ergebnis war klar. Wie bei den „10 kleinen Negerlein“ fiel einer der Söldner nach dem anderen.

Sarah und ihr Team schossen Leuchtkugeln. Sie saßen bei Decker und Hannes rechts vom Haus, wir anderen schossen aus der linken Festung.
„Rückzug, Rückzug, Alles zurück!“ Befahl Dimitrij.

„Verdammt Scheiße!“ Unter Feuer zogen sich die Söldner zurück, bis sie aus dem Feuerschein der brennenden Strohballen waren.

„Verluste?!“
„Wir haben 12 Mann verloren!“, sein zweiter Unterführer hatte Bilanz gezogen. Neun Tote, drei Schwerverletzte.“

„Scheiße! Und nochmal Scheiße!“

„Dimitrij! Melden!“, tönte Youssefs Stimme aus dem Funkgerät.

„Verdammt, der hat mir gerade noch gefehlt!“

„Dimitrij, was zum Teufel ist da los? Ich sagte kein Angriff, bis wir mit den Hubschrauber bei dir sind!“
Dimitrij rollte mit den Augen.

„Sie haben einen Ausbruch versucht. Wir konnten sie zurückschlagen, haben aber 12 Mann verloren.“

„Scheiße! Halt sie im Haus, wir sind in fünf Minuten da!“

**

„Denkst du sie versuchen es noch einmal?“, frage Fabienne Levi, der vor dem Monitor saß. Unser wachendes Auge zeigte die Söldner bei bester Nachtsicht, wie sie sich langsam wieder vorarbeiteten.
„Ganz sicher. Sie sammeln sich zum zweiten Angriff. Diesmal werden wir wohl nicht überraschen.“
„Ich male nur ungern schwarz, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass wir hier den Kürzeren ziehen.“ Gab ich zu bedenken.

„Ja, könnte so sein, falls nicht etwas Unvorhergesehenes geschieht.
Achtung Wolfgang! Sie kommen zurück.“ Rief er nach rechts.
Tatsächlich begannen die Söldner wieder das Feuer zu eröffnen, blieben aber unten und arbeiteten sich unter dem Deckungsfeuer ihrer Kameraden wieder bis auf 100 Meter an das Haus heran. Dort blieben sie liegen und feuerten nur noch sporadisch auf uns.

„Auf was warten die?“, fragte Randy und schoss eine weitere Leuchtkugel nach oben.
Ich wollte ihm gerade sagen, dass ich es gar nicht so eilig habe, als ein tiefes Brummen die Luft erzittern ließ.

Kugeln hin oder her, ich hob den Kopf und sah zwei riesige fliegende Ungetüme von der Seeseite auf uns zu kommen.

**

„Angriff!“, brüllte Dimitrij nach oben und die Männer jubelten Youssef und seinen beiden Kampfhubschraubern zu.

**

Die beiden Mil 24 schwebten kurz über dem Schlachtfeld, dann drehten sie langsam ab.
„Was jetzt?“, fragte ich Levi.
„Sie drehen kurz ab, dann kommen sie zurück und greifen an.“ Ich hätte Ben eine in die Fresse hauen können.

Zwei riesige Kampfhubschrauber von der Größe eines Stadtbusses griffen uns an, und der Kerl saß ganz ruhig da, ohne sich die geringsten Sorgen zu machen.

Die Hubschrauber verschwanden in der Dunkelheit und bildeten in der Dunkelheit ihre Angriffsformation. Als das Dröhnen wieder lauter wurde, schaute ich wieder nach vorne über die Brüstung. Die Mil 24 kamen aus der Dunkelheit zurück und flogen zielstrebig auf unsere zwei Festungen zu. Die beiden Kampfhubschrauber kamen Seite an Seite angeflogen. An den beiden seitlichen Armen trugen sie je zwei große runde Raketenwerfer mit unzähligen Raketen. Da schalteten die Piloten die Scheinwerfer ein und fluteten die Fläche mit grellem Licht.

-Das wars.- war mein letzter Gedanke.

Sie kamen langsam immer näher Als sie 100 Meter davor schwebten, senkten sie ihre Nasen. Wir wussten, jetzt geht gleich die Welt unter …

**

Plötzlich sausten vom Waldrand auf jeden Hubschrauber fünf helle Lichter zu und explodierten in den Hubschraubern.

Dem Helikopter, der auf Deckers Festung zuflog, wurde der Rotor auseinander gerissen, aus den beiden Triebwerken fauchten Flammen und das Ungetüm stürzte krachend zu Boden und begann zu brennen. Dieses gepanzerte Ungetüm brannte, aber es explodierte nicht.
Der andere Hubschrauber, der auf uns zugeflogen war, blieb tatsächlich in der Luft, brannte aber an mehreren Stellen und versuchte abzudrehen.

Kaum zeigte die Nase wieder in unsere Richtung, fraß sich eine Feuerschlange, von oben über uns kommend in den Hubschrauber und schien diesen regelrecht aufzufressen.
Bei dem ganzen Lärm der Hubschrauber hatten wir von dem Anflug gar nichts mitbekommen.

Bernds Flugzeug donnerte über uns hinweg und seine schwere Bordkanone durchsiebte das Cockpit vollständig. Trudelnd stürzte auch der zweite Hubschrauber ab.

Noch bevor der erste Hubschrauber aufschlug, griff das Schattenteam von beiden Seiten die Söldner an.
V-Förmig gingen die Amerikaner und Israelis vor.

Wer aufsprang, um zu entkommen, der wurde einfach niedergemacht.
Im Feuerschein sah ich Bernds Flugzeug zurückkommen. Aus den beiden Seitentüren griffen helle Finger zum Boden und suchten sich ihre Ziele. Als er über den Söldnern war, fielen einige Gegenstände nach unten, die am Boden explodierten und eine Spur der Verwüstung hinterließen.

Wir konnten nicht abschätzen, wie tief Bernd flog, aber es war wohl recht tief.

Mit einem riesigen Feuerball explodierte der erste abgeschossene Hubschrauber und riss alle Söldner in den Tod, welche hinter und neben ihm Deckung gesucht hatten.
Nur einer Handvoll Söldnern gelang es, sich aus diesem Hexenkessel zu heraus zu kämpfen und sich in Richtung der Fahrzeuge zurückzuziehen.

Doch diese Sicherheit war trügerisch. Die fünf Mann die die Fahrzeuge bewacht hatten, lebten schon lange nicht mehr. Sie waren Jastre´vestes Kriegern zum Opfer gefallen.
Die wenigen die es dennoch schafften, sich bis hierher durchzukämpfen, ereilte das gleiche Schicksal.
Vor der Hütte war der Kampf noch im vollen Gang, als Mike zu uns in unsere kleine Festung kroch.
„Nicht schlecht für ein paar Amateure, wie?“ Lobte er uns.
„Nicht schlecht?“, fragte Levi. „Das war perfekt.“
Meresch kam dazu. „Auf der linken Flanke scheinen sie sich zurückzuziehen.“
„Sag Dave, er soll ihnen mit der zweiten Gruppe den Fluchtweg abriegeln, Menachem scheint mit einer Gruppe auszukommen.“

„Alles klar!“ Dann sah er zu uns rüber. „Ach ja, gute Arbeit.“ Schon war er verschwunden.
Auf uns schoss schon lange keiner mehr und ich knöpfte mir Ben vor.
„Du Arsch! Ich dachte, wir gehen alle drauf! Hättest du uns nicht sagen können, was hier abgeht.“
„Und was, wenn es nicht geklappt hätte? Was wäre dann geschehen?“

„Ben hat Recht.“ Sprang ihm Caroline bei. „Kein Plan ist perfekt, es kann immer was dazwischen kommen.“

Immer noch wütend wurde mir bewusst, dass ich und besonders, dass Caroline noch lebte.
Verdammt, ich ließ die Knarre fallen und schnappte mir Caroline, die ich leidenschaftlich küsste.
Ben und Fabienne grinsten sich an. „Typisch, wenn es nach Pulverdampf riecht, dann wird er unruhig, so ist Peter eben und Caroline ist auch nicht viel anders.“ Dabei grinste Fabienne genießerisch.

„Das hier ist meine letzte Leuchtkugel.“ Rief Randy.
„Macht nichts.“ Sagte Mike. „Wir haben sie im Sack.“
Das entsprach wohl der Wahrheit, denn die Schießerei ließ immer mehr nach. Nur noch vereinzelt fielen Schüsse, dann hörte es ganz auf.

Auf der langen Schneise zu dem Bauernhaus flammten am Boden Lichter auf und markierten die Landebahn für Bernd, der die große Maschine problemlos und ohne Bruch herunterbrachte uad ausrollen ließ.

Während das Schattenteam sicherstellte, das alle Söldner erledigt waren, sammelte sich unsere Truppe. Hannes hatte ein paar Steinsplitter an der Hand abbekommen, ansonsten gab es keine Verletzten unter uns.

Das Schattenteam hatte zwei Verletzte, die sofort von Vera und Sarah versorgt wurden.
Natürlich hatte das Schattenteam seine eigenen Sanitäter, doch die Verletzten wollten viel lieber von unseren Frauen versorgt werden.

Caroline, ich und vier „Schatten“ liefen zu den Fahrzeugen. Unterwegs warnten wir Jastre´veste vor, dass wir zu ihnen stoßen würden.
Am Sammelpunkt der Fahrzeuge standen 14 Wagen verschiedener Bauart und wir suchten uns die passenden Fahrzeuge aus, mit denen wir zum Bauernhaus fuhren.

„Ein Glück, dass ihr rechtzeitig gekommen seid.“ Bedankte sich Fabienne bei Bernd, der gerade zu uns gekommen war.
„Machst du Witze. Die ganze Armee Soulebdas würde mich auf Befehl meiner Frau vierteilen, wenn euch was geschehen würde.“

Wir lachten alle auf.

Mike, Meresch und Dave kamen zu uns, Menachem sammelte die Schatten und verteilte sie auf die Fahrzeuge.

„So, was jetzt?“, fragte Decker.
„Wir müssen die Hauptanlage finden und sie zerstören.“

„Die Anlage ist in Serwersk. Aber ich habe keine Ahnung, wie wir da rein kommen sollen.“

„Caroline, kannst du uns das Innere der Anlage beschreiben? Wollte Dave wissen, und Caroline begann ihm das Innere der Anlage zu beschreiben.
Mike sah sich die Bilder von Serwersk an.

„Verdammt gut gesichert.“

„Kein Problem, lasst mich das machen.“ Tönte eine Stimme hinter mir. Alle drehten sich um und wir sahen Randy an.

„Was denn? Das wollte ich schon immer mal sagen.“ Grinste er.

**

Peter saß auf einem alten Baum und hatte mich in seinen Armen. Er ließ gerade nochmal das Gewesene Revue passieren und schmückte es kaum aus. Lächelnd gab ich ihm einen dicken Kuss. „Wir leben Schatz und sind unverletzt.“ Wir hatten die Angreifer besiegt und der Reihe nach zu Boden gehen sehen.
Die Unterstützer aus dem Schattenteam hatte ganze Arbeit geleistet. Jetzt sah man noch vereinzelt einige der Krieger, wie sie das Gelände sicherten und einzelne Angreifer von ihrem Leid erlösten. Sie kannten dabei keine Gnade, aber sie ließen auch keinen Feind unnötig leiden. Die Sterbenden wurden schnell von ihrem Leid erlöst.

Während unsere Kämpfer sich sammelten, betrachtet Peter die beiden abgeschossenen Hubschrauber.
Das waren also diese fliegenden Kampfpanzer, diese Mil Mi 24, auch Hind genannt, und jetzt lagen sie da auf dem Boden, brennend und geschlagen. Aus der Ferne lagen sie da wie zwei gestrandete, auf dem Rücken liegende Schildkröten. Peter berichtete mir richtige Horrorgeschichten von seinen Bekannten, die diese Hubschrauber in anderen Ländern im Einsatz gesehen und erlebt hatten.

„So ihr Helden, alle mal herhören, sammeln, wir rücken ab zum Ausweichpunkt, hier wird in einigen Stunden die Hölle los sein!“

Wenig später waren wir alle in Bernds riesiger Maschine verschwunden und unterwegs zur Ausweichpunkt, die Bernd ausfindig gemacht hatte.

Wir sammelten uns und flogen zum Ausweichpunkt, den Bernd bereits bei Licht ausgekundschaftet und ein Team gesichert hatte.

**

Einige Stunden später

Ivan schritt Stunden später durch die noch rauchende Trümmer vor dem Bauernhaus.
Als plötzlich jeder Kontakt zu Youssef und Dimitrij abgerissen war, hatte er sofort gewusst, dass etwas Schlimmes geschehen war. Doch über dieses Ausmaß an Zerstörung war selbst er entsetzt.

Was war hier geschehen?

Dann hämmerte die Antwort auf ihn ein!
Er begriff, was er übersehen hatte, was er falsch gemacht hatte, was geschehen war und was geschehen würde.

Er hätte sich selbst ohrfeigen können.
Ivan hatte angenommen, Peter Stein und die geheimnisvolle Frau seien als Köder nach Tomsk geschickt worden, um von dem anderen Team abzulenken.

Als dann dieses Team den Zugriff in Tomsk verhinderte und Caroline Miles half aus der Arenahalle zu entkommen, hatte er seine ganze Truppe auf dieses Team angesetzt.
Jetzt war klar, dass das ganze Team um Caroline Miles der Köder gewesen ist.
Das hier, all die Toten und abgeschossenen Hubschrauber, das war zweifellos das Ergebnis einer sehr gut ausgebildeten militärischen Spezialeinheit.

Miles Team hatte die Katze herausgelockt und der Panther hatte zugeschlagen.

35 Tote, bei der Atomanlage, 85 Tote hier, dazu Youssef und die Hubschrauberbesatzungen. Insgesamt waren 140 Mann seiner 300 Söldner starken Truppe war tot!

100 Mann schwirrten 120 Km entfernt durch den Wald und nur 50 Mann sicherten die Anlage, zu der die Spezialeinheit jetzt mit Sicherheit unterwegs war.

Ivan macht sich keine Illusionen, dass diese 50 Söldner die Spezialeinheit vom Eindringen in die Anlage abhalten könnten. Nein, Ivan war klar, dass die Anlage verloren war und er beschloss, sich besser auf der anderen Seite des Urals einen Job zu suchen.

So endete Ivans Einsatz in Sewersk, vermutlich war das eine seiner klügsten Ideen, sich nicht mit Caroline und dem ganzen Team anzulegen. Er ging auf seinen Jeep zu, in dem der Fahrer bereits wartete und schoss ihm einfach zwischen die Augen. Er zog den sterbenden Fahrer aus dem Wagen und warf ihn achtlos in einen Graben, dann fuhr er los.

**

Gehirnjogging

Wir hatten uns am Ausweichpunkt gesammelt und jetzt wurde das weitere Vorgehen besprochen. Was ich wusste und was ich von Cynthia Morales erfahren hatte, teilte ich mit, jetzt natürlich unter dem Aspekt, dass einiges von Cynthia auch unvollständig sein konnte.

„Ich weiß von fünf Kuppeln oder Arenen, die sind bis auf die größte unterirdisch und geschlossen. Die stammen alle noch aus der alten Sowjetzeit, als man geheime Kommandos trainierte, um irgendwann einmal in Amerika einzufallen.

Der jetzige Besitzer hat sie modernisiert und ausgebaut. Täuscht euch nicht, die Dinger sind offenbar gespickt mit Sensoren aller Art, mir kam es vor, als wussten die jederzeit, wo ich mich befand und das lag wohl nicht nur an den Minisendern.“

„OK, aber wir werden die einzelnen Kuppeln sicher nicht erforschen, dennoch müssen wir in die Zentrale.“

„Klar, ich erinnere mich, aber nur sehr wage an einige Übersichtspläne an den Wänden, als die mich untersuchten oder in diese Räder gehenkt hatten, zur Fleischbeschau!“
Randy hatte auf dem Rechner vier total unterschiedliche Zeichnungen aufgetan, die er aus dem gesicherten Netzwerk gezogen hatte. Levi schaute seitlich drauf.
„Das scheinen vier Standorte zu sein, die da abgebildet sind.“

„Möglich, lass mal sehen,“ Decker drehte die Ansichten ein, zweimal, dann schaute er mich an „Hast du in den Räumen Pläne gesehen, Fluchtpläne oder etwas in der Art?“
„Ja, so ab und an, aber dann nur seitlich, stellenweise oder nur im vorbeihuschen und ich kann mir viel merken, aber das war wirklich zu schnell, so wie ein Polaroid, zupf und weg. Das kann sich doch kein Mensch merken.“

Da setzte sich Jastre’veste neben mich und vier Stammeskrieger ebenfalls. Sie bildeten einen ganz engen Kreis um mich und begannen einen Singsang, melodisch, beruhigend und irgendwie hypnotisch. Ich fühlte mich irgendwie erleichtert, ungezwungen und frei von allen Lasten.

Dann begann er mit den Stammeskriegern sich im Takt der Musik hin und her zu bewegen, ein sanftes, leichtes Schaukeln, mit mir in der Mitte. Allmählich wurde es um mich ruhiger, oder es kam mir nur so vor, dann folgte ein leichter Nebel, ich fühlte mich, als schwebte ich langsam in diese Anlage hinein. Durch ein Loch in der Wand oder etwas, das ich nicht fassen, oder sehen konnte.

Meine Augen hatten sich geschlossen und ich wog mich im Rhythmus des Singsangs.
Ich kam mir vor, als würde ein Teil von mir durch die Gänge schweben und ich könnte mir die Bilder und Pläne genauer und in Ruhe ansehen. Mit geschlossenen Augen murmelte ich in der Stammessprache, was ich alles gerade sag und beschrieb es.

Jastre’veste erklärte den um uns herumstehenden, was da gerade vor sich ging.

„Sie war ja bereits an den Orten und hat die Bilder gesehen, wenn auch nur für einen Moment. Wir begleiten sie im Geiste an die Plätze zurück und versuchen, alles zu sagen, alles zu sehen und alles zu merken, was da war und was sie dort jemals gesehen hat. Bitte unterbrecht uns nicht, sichert uns aber ab, denn das hier ist leider nur ein einziges Mal möglich.“

Jastre‘veste hörte meine Beschreibungen und übersetzte die Stammessprache für Randy und er hämmerte alles in sein Notebook hinein. Seine Finger flogen über das Notebook und Zahlenreihe auf Zahlenreihe verschwanden im Rechner, um als Kurven, Quadrate und mehr wieder zu erscheinen.
Die Melodie änderte sich und die Freunde sahen zu, wie ich in dem Singsang ergeben war und wie in einer Operette singend beschrieb, was ich gerade sah. Außer den Stammeskriegern und Peter verstand aber keiner das, was ich wie im Traum von mir gab. Die anderen Mitglieder ordneten die Bilder und Zeichnungen.

 

Übersicht der Zentrale

Nach und nach wurden es mehr und endlich kam Bewegung in das Ganze, als der erste der Krieger ein Bild über das andere hob, da fiel es auch den Freunden auf, es waren keine vier Standorte, das waren mehrere Ebenen eines großen Komplexes.

„Das sind verschiedene Etagen eines Ganzen.“, stellte Randy fest. „Moment, ich glaube, das kann ich als Ganzes anordnen …“

Aleskis Zentrale Seitenansicht

In meinen Gedanken konnte ich die Gänge hinauf und hinab wandeln und mir die Pläne genau ansehen. Jetzt konnte ich sie mir sogar merken und prägte sie mir gut ein. Einige Gänge lief ich mehrfach ab und jedes Mal wurden die Pläne genauer und deutlicher. Dabei murmelte ich leise, was ich sah und beschrieb diese Pläne.

Ab und an machte Jastre’veste einige Striche in die Ausdrucke, einige Pfeile und Vermerke. Langsam füllten sich die Blätter mit Symbolen und Pfeilen.

Menachem hielt eine Frage auf Papier hoch und Jastre’veste fragte nach einer bestimmten Luke, ich fand sie im Geiste und sie wurde im Plan vermerkt. So ging es weiter, immer genauer erschienen die Pläne auf dem Notebook.

Nach einer war dann alles fertig und ich saß still da. „Das war es, mehr ist nicht da“ sagte Jastre’veste und die Freunde breiteten die Blätter erstmals aus.
Schließlich wurden die Erinnerungen in mir undeutlicher.

Einer der Schatten stieß gegen mich. „Oh sorry.“ Da war ich wieder im hier und jetzt und sah, dass mich alle ansahen.

„Sorry, ich glaube, ich war kurz eingenickt.“, entschuldigte ich mich und die Leute um mich herum lächelten. Peter sah mich an und gab mir einen sanften Kuss auf die Wange.

„Das glaube ich kaum Schatz, schau, was du dir zusammen geträumt hast …“

Randy grinste mich an, zauberte noch etwas an dem Rechner und schließlich hob er den Daumen. „Auf zum Ausdruck!“, und er grinste breit über das ganze Gesicht.
Randy hatte die Bilder ausgedruckt, Jastre’veste hatte Papier und Bleistift und dann begannen die beiden mit Levi zusammen ein Modell zu bauen.

Während Randy und Levi die Rechner bearbeiteten, stärkten wir uns und tranken Energietrinks, um unsere Kräfte zurückzuerhalten.
Vera schaute sich die Blessuren der letzten Kämpfe an und versorgte die Truppe. Inzwischen waren wir zu einer stattlichen Kampftruppe angewachsen.
„Fertig!“ Jauchzte Randy und kam mit dem Notebook zu uns. „Schaut was wir aus den Erinnerungen gebastelt haben. Das da ist die Übersicht aus der Totalen, also das Luftbild.“

Er zeigte uns ein Computerbild der Räumlichkeiten, Bilder an die ich mich scheinbar erinnert hatte. „Als Nächstes kommt das Beste, eine Seitenaufnahme, wie das in der Höhenstaffelung ausschaut. Das sind tatsächlich verschiedene Ebenen, über die Höhenzüge der Treppen kann ich aber nur mutmaßen, kann sein, dass das nicht genau stimmt.“

„Angeber, wir wissen, dass bei uns Architekten danach bauen könnten und jetzt mach weiter.“
„Ja Boss, das vermutlich Allerbeste ist aber etwas ganz anderes. Caroline hat uns sogar die Bedeutung der Etagen und Kammern gezeigt, seht selbst“ und mit einem Knopfdruck kam Farbe ins Spiel.

Aleskis Zentrale, farblich eingeordnet
Legende der Zentrale

„Schaut her, von oben nach unten, das Gelbe sind die Labore, dann kommen die in hellblau die Bereiche für die Organtransplantation und Vorbereitung der Organe für Transport und Lagerung. Anschließend in dunkelblau die Kontrollzentrale, das rote da, sind die Energieeinrichtungen und das Fleischfarbene, das sind die Gefriereinrichtungen.

Ich glaube das Ganze ist deutlich größer, als wir es uns auch nur im entferntesten vorstellen konnten. Ach ja und das weiße da, hier scheint sich die eigentliche Kommando und Kontrollzentrale zu verbergen da ist der Kopf den wir abschlagen wollen!“

„Passt mal auf,“ sprach Randy und mit einem Blick zu Levi drückte er einen Knopf, das Gebilde türmte sich zu einem 3D Modell zusammen und es entstand eine Darstellung, mit der man arbeiten konnte. Wege wurden klar, Verzweigungen und vieles mehr.

„Das nenne ich mein heilige IT Kung Fu, was sagt ihr?“

Die Truppe staunte nicht schlecht, als sie sah, was Randy da zusammengebaut hatte.

Die einzelnen Kuppeln, in denen die unterschiedliche Umgebungen nachgebaut wurden erschienen auf dem Bildschirm in ihrer richtigen Größe. Das alles war deutlich größer, als man es gedacht hatte.

Auf der rechten Siete sah man diese riesige Hallenanordnung mit Fabrikation und all dem was sie bereits herausgefunden hatten und ringsherum lagen jetzt gut sichtbar die Kuppeln, oder Arenen, wie sie genannt wurden und Station 5 war die größte.

„Seht mal, hier hab ich dann eine Seitenansicht, das sind ja wirklich Monsterkuppeln.“, bemerkte Randy.

Decker wollte wissen, wie verlässlich das war und Jastre’veste meinte darauf, „Damit, mein Freund, kannst du eine Stadt bauen, das da stimmt, ich würde mit einer Toleranz von einem halben Meter rechnen, mehr nicht.“

Randy kopiere die Pläne auf die Mobilgeräte der anderen Teilnehmer und endlich konnte sich jeder mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut machen.

„Bitte denkt daran“, sprach ich wieder zu der Truppe, „denkt daran, dass das die Zentrale ist. Diese Arenen und Kuppeln waren verdammt gut mit Sensoren bestückt. Ich gehe davon aus, dass die Zentrale nicht weniger verkabelt ist. Wenn wir wüssten wo sich die Schaltzentralen befinden, wären wir ein Stück weiter, aber daran konnte ich mich offenbar nicht erinnern.“
„Das schreibt man ja auch nicht auf die Fluchtpläne, meine Süße.“ Damit hatte mich Peter wieder im Arm und die anderen lächelten.

„Ja, das wäre nun ziemlich dämlich,“ grinste Fabienne und zwinkerte mir zu. „Mach dir da keinen Kopf, dass du das nicht gesehen hast.“

„OK Teamleiter zu mir.“, und damit übernahm Decker wieder das Ruder. Sarah schaute mir in die Augen.
„Wie habt ihr das gemacht mit der Erinnerungsshow, da kannst du unsere Hypnose ja total vergessen.“
„Keine Ahnung, aber ich flog durch die Räume und konnte jedes einzelne Schild und Täfelchen in Ruhe ansehen, ganz so als wäre ich nochmals da vor Ort.“

„Dein Hirn ist ein geniales Organ, wenn du dich etwas damit beschäftigst, erreichst du Dinge, die man sich früher nicht hätte vorstellen können.“, meinte darauf Vera und fuhr fort.
„Oder wie erklärst du dir, dass du mit deinen Stammeskriegern da reden kannst und mit Peter und das über diese Distanz und ohne Handy?“

Die Teamleiter besprachen sich noch, Randy wurde hinzugezogen wegen einigen Satellitenbildern und verschwand wieder am Rechner. Wir Mädels sicherten in der Zeit unseren Abschnitt ab. Fabienne kam hinzu und fragte auf ihre eigene Art:

„Hast du dir mal überlegt, was du anstellst, wenn die Schurken die Geisel bereits umgebracht haben, was glaubst du, wie wird das dann alles enden?“
Mit nachdenklichem Gesicht schaute ich sie an und meinte dann nach einer Weile „In einem großen Feuer!“ Fabienne nickte mir zu, „So in etwas dachte ich mir das auch …“
Als die Teamleiter fertig waren, versammelten wir uns um das Vorgehen zu klären. Diesmal begann Mike und Decker unterstützte ihn.

„Während dieses komischen Rundgangs, sollte Caroline eine bestimmte Luke suchen, und sie hat sie auch gefunden.

доступ Ракетно! Stand da zu lesen also „Raketen Zugang“.
Uns war klar, dass diese Anlage hier aus der Sowjetzeit stammte und jede Anlage dieser Kategorie hatte einen solchen Zugang um dem Atomaren Sicherungskommando den Zugang zu ermöglichen. Jede Anlage und damit meine ich auch jede!“

Dann übernahm Decker wieder. „Wie üblich, haben sich ein paar Russen in die Vereinigten Staaten abgesetzt, und einer wusste auch von dieser Anlage. Das Wissen wurde in die Datenbanken der CIA eingespeist, aber da hier keine Raketen mehr stehen, wurde das im Laufe der Zeit einfach vergessen.
Also den Zugang haben wir. Frage: Wie kommen wir unentdeckt an den Schacht heran, er liegt auf der Oberfläche?“

Menachem lachte auf und grinste uns an. „Hey Computerhirn“ Randy guckte kurz auf und grinste frech Menachem an, „Bitte sag uns doch wer da oben jetzt gerade alles herumläuft auf der Anlage ja?“
Ein paar Tastenklicks später zeigte der Satellit alles, was sich auf der getarnten Anlage alles tat. Da liefen Soldaten in Zweiergruppen, offenbar ein paar Pflanzenkundler, die sich in den Büschen tummelten, ein Schäfer mit seiner verstreuten Herde, dann noch ein kleiner Landwirt auf einem kleinen Traktor mit Anhänger, ja das waren die Menschen, die derzeit da waren.
„Schaut mal, wo der Traktor vorbeifährt.“

Der alte Landwirt stoppte an einem Platz und wir sagen nur einen Deckel, einem Gully nicht unähnlich und der Bauer nahm auf einer Bank Platz und gönnte sich ein paar Schlucke Wodka, kratzte sich und begann seine Pfeife zu stopfen.
Der Landwirt hatte an dem einzigen Zugang angehalten mit seinem Traktor und Anhänger und machte seine Pause und es interessierte sich keiner für den Mann.
„Das ist unser Portier, der bringt uns hin und hinein. Kommt näher der Plan ist komplex und erfordert Genauigkeit!“

Damit begannen Decker und Mike mit der Einweisung.

**

SEWERSK

Für Iwan war klar, dass er hier verschwinden musste. Ivan hatte sich in den Jeep gesetzt und fuhr zu dem Unterstellplatz für die Hubschrauber und Flugzeuge.
Dann entfernte er die Staubabdeckungen des schnittigen Turboprops. Als er den Flieger auf die freie Fläche zog, fragten ihn zwei Wachsoldaten, was sein Auftrag sei. Ivan saß in dem kleinen Traktor und kramte seine Papiere.
„Organtransport für Nummer 1, Приоритет ультра“ (Priorität Ultra) und die beiden Wachsoldaten schauten auf die Papiere. Ehe sie nachfragen konnten, hatten sie je eine Kugel im Kopf und Ivan musste die beiden erst von der Betondecke schleifen.
Hier würden sie auffallen, dann setzte er die Traktorfahrt fort und schleppte den Flieger auf die Betonfläche.
Der Trecker war schnell abgestellt und er ließ die beiden Triebwerke warmlaufen, kontrollierte die Instrumente und machte im Cockpit den letzten Außencheck.
Erst da sah er die Uniformen der beiden Soldaten, sie hatten statt der roten Schulterstücke gelbe, das war also keine Flugplatzkontrolle, das war die Sicherheit. Gerade als ihm das durch den Sinn kam, quäkte das Funkgerät auf, da gab Ivan Gas.

**

Im Tower wiederholte Major Potjemkin den Ruf zu seiner Sicherheitswache, die er zu dem konfiszierten Schmugglergut befohlen hatte als Unterstützung zur regulären Wache. Als sich von dort die Wache nicht meldete, gab er Sektoren Alarm.
Die normalen Wachen meldeten sich der Reihe nach, aber die beiden Sondermannschaften fehlten. Dafür kam eine Meldung, eines unerlaubt startenden Flugzeuges herein.
Sofort gab der Major Generalalarm und die Lichter flammten überall auf. Die Landebahnbeleuchtung erlosch und auch die Beleuchtungen der Zufahrtswege, unbehelligt auf die Startbahn zu kommen war so eigentlich unmöglich.

**

Als rings um Ivan die Lichter angingen, war ihm klar, dass es heiß wurde. Sofort schaltete er die Spezial Instrumente ein und das FLIR, Forward Looking Infrared (auf Deutsch etwa vorwärts gerichtetes Infrarotgerät) zeigte ihm ein klares Bild der ansonsten verdunkelten Fahrwege.
Auf der Zubringerstrecke gab er Vollgas, er wusste, dass der kleine Flieger nicht mehr als 800 Meter brauchte zum Starten und auf die große lange Startbahn würde er es nicht mehr packen.
Die Turbinen brüllten auf und rissen die kleine Maschine vorwärts. Ivan hatte es tatsächlich gepackt, er kam in die Luft, noch ehe die 800 Meter des Weges zu Ende war.
Da schnarrte es auf der Notruffrequenz und Ivan wurde unmißverständlich klar und deutlich zur sofortigen Landung aufgefordert. Das nächste was er hörte, war die Zielerfassung und danach ein unangenehmes Pfeifgeräusch als die Raketen sich einloggten.
Wie um aller Welt kommen Luftabwehrraketen hier auf den abgelegten Flughafen, hier ist doch sonst nichts los. Hämmerte es Ivan in den Kopf.
Dass hier vor wenigen Stunden erst eine Rauschgiftaktion erfolgreich abgeschlossen war, wusste Ivan nicht, dummerweise waren die Behörden immer noch aktiv, weil sie auf Rädelsführer warteten.
Ivan zog den Flieger hoch in den Nachthimmel über die Baumwipfel und Antennen, das war sein letzter Fehler, wäre er im Tiefflug geflogen, hätte das Radar vielleicht den Kontakt verloren, so aber gab es nur ein einziges Ziel – Ihn.

**

Major Potjemkin gab den Abschussbefehl und zwei Raketen rasten in den dunklen Himmel, kurz danach blitzen zwei Explosionen in dem Nachthimmel auf und kurz danach regnete es verbogene, glühende Einzelteile, Ivan der Schreckliche ward nicht mehr.

Der Major notierte in seinem Bericht: „Eine verdächtige Maschine in der Drogensache XC342 abgefangen und vernichtet, keine Überlebenden.“ So gab es auch keine weitere Untersuchung.
So endete Ivan. Zufällig abgeschossen.

Dabei hatte er sich noch so viel vorgenommen.

**

Wir waren in vier Gruppen aufgeteilt worden.

Zwei Gruppen sollten den Raketenschacht finden, sichern und stürmen, im Innern der Anlage den Zugang sichern und alles für die Sturmtrupps A und B klar machen.
Zu den Vier Gruppen wurden die Stammeskrieger nicht eingeteilt, es würde innerhalb der Anlage wenig Sinn machen, außerhalb aber durchaus und man hatte wie immer einen Plan B und C. In diese Pläne waren die Stammeskrieger eingewiesen.

Die beiden Sturmtrupps waren die stärksten Kontingente. Sie würden die Hauptlast zu tragen, darum hatten sie auch 19 Mann Stärke. Die beiden verdeckten Trupps, wir nannten sie Silence A und B bestanden aus uns Mädchen und je vier Mann der Schattentruppe.

Sturmtrupp A sollte den Hauptangriff starten, dazu musste der Zugang erschlossen werden und wir wussten noch nicht, ob das so einfach war. Immerhin mussten die Sicherungen durchbrochen und die Schleuse von innen geöffnet werden, hier hofften wir auf die Hilfe von Randy und seinen Freunden.
Sturmtrupp B musste die Ablenkungsangriffe führen und dabei den Eindruck erwecken, dass die gesamte Truppe angreift. Ein Unterfangen mit enormen Risiko, deswegen waren hier die stärksten Kämpfer. Unser Auge am Himmel war dabei unerlässlich und korrigierte die alten Bilder von Google.
Silence A bestand aus Sarah, Vera, Dave und vier Männern der Schattenkämpfer. Sie hatten die Aufgabe Fransiska Haufberger zu finden und wenn zu suchen und zu retten.

Silence B schließlich bestand aus Fabienne, Meresch, sowie vier weiteren Schattenkämpfer und mir selbst. Unser Auftrag war Beweise sichern, Zusammenhänge erkennen und eingreifen wo nötig.

**

Randy war in seinem Element. Von seinem Versteck aus, gesichert durch einige Stammeskrieger, hatte er sich den Weg durch die Firewalls geebnet und gleich darauf zwei Wege nach draußen geschaffen, man wusste ja nie ob und wann der Einbruch durch die Firewalls entdeckt würde.

Das eine war eine Datenleitung zum Wetteramt, uninteressant für die meisten Hacker, aber dadurch umso interessanter für Randy und seine Freunde in Israel. Die zweite Leitung war eine Internetleitung zur Absicherung der Aufzüge.

Hier würden eigentlich nur Notrufe weitergeleitet, natürlich über das Internetprotokoll und genau das war passend. So sicherte sich Randy seine Wege, maskierte seine eigenen Leitungen und Tunnel im Internet und erreichte das Rechenzentrum.
Wenn man geglaubt hatte, dass es bei den Russen keine moderne Technik gab, wurde man hier eines Besseren belehrt.

Die Virtuellen Maschinen waren modern, auf dem neusten Stand der Technik und gut gewartet. Eine Schwachstelle zu finden würde schwer fallen, aber Randy wuchs mit seinen Aufgaben und er fand seine Schwachstelle in Form eines ungesicherten Netzwerkdruckers.
In dessen Speicher befand sich ein Administratorenkennwort, ob es aber auch für die anderen Rechner galt musste er vorsichtig herausfinden. Das erste Ziel war ein Ladekontroller für einen Gabelstapler irgendwo in den Kellerräumen, wenn das schief ging, würde vielleicht der Stapler verrücktspielen, aber man würde den Fehler kaum in den Servern suchen.
Randy gab die Daten ein – erfolgreich – aber er war nur auf dem Kontroller angemeldet, ob das auch für die Domäne galt, würde er jetzt herausfinden. Er meldete sich als Administrator an und das Kennwort wurde abgelehnt. Der zweite Anlauf war ebenfalls erfolglos, so kam er nicht weiter, die Leute wussten, wie man sich absichert. Randy suchte emsig weiter.

Das nächste Opfer war ein Router in der Ebene zwei, er verband mehrere Behandlungsräume und Meldesysteme. Randy nahm sich die Maschine vor. Hier durfte ihm kein Fehler passieren, wenn er hier etwas abschießen würde, das wäre sofort bemerkt worden und man wüsste Bescheid.
Wie viele moderne Systeme hatte auch dieser Router eine lokale Sicherung im Speicher und natürlich war diese verschlüsselt. Er schickte deswegen die Datei zu seinen Freunden nach Israel und nach einer halben Stunde, kam das, was Randy brauchte im Klartext, die Domänenkennung Anmeldename und das Kennwort.

Randy atmete auf und versuchte das frisch erhaltene an dem Gabelstapler Kontroller und es gelang, er hatte Zugriff in das innerste, er hatte den Zugriff.

Endlich konnte er loslegen und er prüfte die Infrastruktur, dann kam das, was er suchte, ein eigener Bereich mit der Kennung „Генеральный программа управления“ also General Management Programm. Er hatte das zentrale Steuerungsprogramm gefunden, das Ziel war greifbar nahe.
Doch Randy wäre nicht Randy, wenn er sich nicht gefragt hätte, wie er das hier abgesichert hätte. Wäre er der Böse und dann prüfte er, ob sein Gegenüber nicht auch mindestens so clever war wie er selbst.
Das herauszufinden war schwieriger, entweder gab es keine Sicherungsmaßnahmen oder sie waren absolute Spitzenklasse. Dann entdeckte er die Fallen im System und ihm war klar, dass er dabei war, in eine dieser Fallen zu laufen.

Der „Honeypot“ den der Administrator aufgestellt hatte, war erstklassig und bot alles, was man sich wünschte, aber er würde auch von allem ablenken.
Verdammt gute Arbeit, musste Randy zollen, der Mann kannte sich aus. Er hatte selten einen so genialen aktiven Honeypot gesehen, darin würden sich eigentlich alle Bären fangen lassen. Vielleicht konnte er diesen später für seine Zwecke noch benutzen.

Randy suchte weiter und wurde schließlich fündig, als er einen weiteren übersehenen Rechner geknackt hatte. Dann hatte er endlich Zugang in die zentrale IT und konnte sich als Domänen Administrator bewegen, jetzt standen ihm alle Wege offen. Er gab seine Informationen weiter und machte sich an seine eigentliche Aufgabe …

**

Bauer Oleg tuckerte auf seinem alten Traktor umher und lud ab und zu etwas auf oder ab, dann schlurfte er weiter auf seinen Sitz und tuckerte weiter. So drehte er seine Runden und vergaß nicht, oft genug an den Bäumen anzuhalten und sich eine kleine Pause zu gönnen, in der er ein Stück Brot mit Speck aß und einen guten Wodka zu sich nahm.

Seine Lieblingspfeife frisch gestopft ging er wieder zu seinem Traktor, doch diesmal saß da eine junge Frau auf dem Sitz und hatte ein offenes Dekolleté.
Als sie ihm einen wunderschönen Tag wünschte, fühlte er einen Schlag am Kopf und es wurde um ihn dunkel.

**

Der kleine Traktor tuckerte aus dem nahen Wald heraus und fuhr die eingefahrene Strecke ab. Auf der Ladefläche von Schutzfolie und Decken verborgen, lagen die Teams Silence A und B und ich hatte in den schäbigen Kleidern meinen Platz gefunden, Bauer Oleg brauchte sie nicht mehr …

An einer Wache vorbeituckernd, natürlich mit genügend Abstand hob die Wache zum Gruß die Hand und „Oleg“ grüßte zurück. Die Fahrt ging langsam weiter, die Erhöhung kam in Sicht und daneben die schützenden Bäume.

**

Aleksandar Doprajewski hatte Dienst an der Überwachungskonsole und kontrollierte die Außenbereiche. Sein Arbeitsplatz war mit fünf großen Monitoren bestückt, auf den beiden links und rechts waren viele kleine Bildschirmausschnitte der einzelnen Monitore zu erkennen und der zentrale Monitor hatte ein großes Monitordisplay und die Kontrollen.

Die vielen Monitore zeigten Bilder der Überwachungskameras, einige waren grau, da war offenbar die Kamera defekt oder einfach nur ausgefallen. Jedes System hat eben seine Leichen im Keller.
Die Steuerung erfolgte über moderne Joysticks und man erkannte, dass er diesen Job gut und bereits lange tat.

Seine Kollegin, Tanja Korolewsk, war seit zwei Jahren seine heimliche Geliebte und sie verbrachten die Schichten immer zusammen. Sie saß dicht neben ihm und zeigte mit der Hand auf den Monitor. Ohne hinzusehen drückte sie einige Knöpfe und das Display änderte sich.
„Hol mal 21-34 her, die beiden schwulen Wachen suchen sich wieder einen stillen Fleck.“
Die Kamera zog das Bild auf und zeigte die beiden Wachen, wie sich unbeobachtet küssten, sie schauten den beiden eine Weile lächelnd zu, dann schwenkten sie eine andere Kamera in das Blickfeld.
„Schau mal, Oleg dreht wieder seine Runden, ich glaube, der hat den Weg schon Hunderttausendmal gefahren.“

Die Kamera folgte eine Weile dem uralten Traktor, dann schwenkte sie weiter zu den Toren. Ihre Überwachung war lückenlos, sehr gut abgestimmt, hier würde keiner eindringen können, dessen waren sie sich sicher.
Aleksandar Doprajewski und Tanja Korolewsk hatten die Sache voll im Blick und sie übersahen nichts Unwichtiges. Die Kameras folgten automatisch und gesteuert allem, was sich bewegte, oder den vorgezeichneten Bahnen.

**

„Oleg“ stoppte den Traktor an den Bäumen und lud den Mülleimer aus. Langsam schlurfte er zu dem Bauwerk, dessen Schacht aus dem Boden ragte und leerte den Mülleimer.
Gleichzeitig ändert sich die Sicht bei der Kamera 15-01 und auf einmal blickt sie nicht mehr zu der Erhöhung, sondern zu einem Tor.

Dave hat den kleinen Monitor in der Hand „Gut so, ja, das Bild passt“ flüstert er zu den beiden Männern zu, die mittels Räuberleiter einen Spiegel vor der Kamera aufgezogen haben. Es geht nichts über einige gute dichte Bäume.

Schnell sind die anderen Mitglieder des Trupps an dem Schacht versammelt und ein kleines Schutzzelt ist errichten, das hat alles weniger als eine Minute gedauert.

**

Aleksandar Doprajewski und Tanja Korolewsk lassen den nächsten Lauf der Kameras laufen, sie prüfen und checken die einzelnen Systeme. Da leuchtet eine Fehlerleuchte am alten Lüftungsschacht, im Display steht der Fehlercode #000caf01#

„Was sagt das Handbuch zu dem Fehler“
„Moment das war #000caf01# richtig?“
„Exakt #000caf01#“
„Hier steht Wärmefehler, Funktion nicht eingeschränkt, Melder bei der nächsten Wartung überprüfen oder austauschen.“
„OK dann trage ich das ins Wachbuch ein, haben wir noch so einen alten Melder und was sichert der eigentlich ab?“ Schon geht sie die Listen durch, während er die Kameras im Auge behält.
„Das ist ein Uralter aus der Bauphase, die sind seit 20 Jahren aus dem Vertriebskatalog, Ersatz im Lager ist Moment, oh hier steht null Bestand.“
„Wofür war der Melder Tanja!“
„Raketensilo? Hatten die hier früher Raketen?“
„Ja, das war einmal eine Basis, aber das war unter den Sowjets, ich notiere im Wachbuch Sensor Ausfall eines alten abgeschalteten Raketen Systems.“
„Ok Aleksandar schau die beiden Süßen kommen wieder aus den Büschen und da kommt das Mittagessen, heute aus Stebelzk, dann gibt es wieder Frikassee.“
„Mit der leckeren Sauce, bringst du mir nachher was mit Schatz?“
„Wie immer doch und zweimal Nachtisch, natürlich.“
In der Kontrollzentrale ist alles in bester Ordnung.

**

Dave setzt den Impulsinitiator ab und sein breites Grinsen auf. „Das wird den Melder, der hier am Verschluss sitzt, außer Betrieb nehmen, die kriegen nichts mehr mit, der Melder ist hin.“
„Kein Alarm und nichts?“

„Bestenfalls eine komische Meldung, dass der Melder ausgefallen ist, oder so etwas, aber kein Einbruch oder sonst ein Eindringlings-Alarm.“
„Wie habt ihr das herausgefunden?“ Frage ich Dave.
„Wir mussten da mal in so einen Raketenschacht, vor Urzeiten, als die Sowjets noch das Sagen hatten und bekamen Hilfe von einigen befreundeten Russen, daher wissen wir davon, und die da wissen es nicht.“

„Vermutlich wollen wir nicht wissen was ihr dort getrieben habt oder?“
„Selbstverständlich waren wir niemals da.“, grinst Dave und hilft das Zeltdach anzuheben. Jetzt sieht es so aus, als sei der Schacht nur etwas größer, nicht mehr nicht weniger.
Mittlerweile hat sich einer der Schattenkrieger in die Kleider von Oleg gezwängt und tuckert mit dem alten Traktor weiter seine Runde.
Indessen steigen wir nacheinander in den Schacht ein.

**

Aus dem Süden kommend, machte sich der Sturmtrupp B auf, um das Ablenkungsmanöver vorzubereiten.
Die Idee war, dass der große Bach der an dem Bauwerk vorbeifloss, umgelenkt werden sollte und in die Belüftung fließen sollte. Im Notfall würde das Team die Umlenkung sprengen, ehe zu viel Schaden entstünde.

Über den Rechner bekam das Team einen Überblick über die Höhenverläufe und so legte man die Umlenkung fest. Sie musste bereits weit oberhalb der Anlage beginnen, den Rest sollte die Schwerkraft erledigen. Die Bauarbeiten würden auf jeden Fall nicht unentdeckt bleiben aber das war es ja, was man wollte, eine gute Ablenkung.

So kam es, dass das Ablenkungsteam anfing, die ersten Bäume zu fällen und die Überwachung erkannte, dass da etwas im Busch war, im wahrsten Sinne des Wortes.
Die Sicherheitszentrale schätzte die Angreifer auf etwa 10 Mann, nicht mehr und so schickte man ihnen ein 30 Mann Team entgegen, sie sollten schnell und brutal aufräumen.
Tatsächlich sah man auch nur knappe zehn Leute, die sich an Stämmen und im Erdreiche zu schaffen machten, die Angreifer hatten ein scheinbar leichtes Spiel und kreisten das Team B langsam ein.
„Was machen die da?“, fragte Aleksi über Funk.

„Die versuchen etwas zu bauen. Offenbar eine Rutsche oder eine Brücke.“
„Dummkopf, das wird was anderes, stoppt sie egal, was das werden soll, ich will keine Überlebenden – ist das klar?“
„Jawohl, Chef, verstanden, keine Überlebenden.“
Dann gab der Kommandoführer das Zeichen zum Angriff. Schon stürmten die Truppen von allen Seiten auf die Baustelle und eröffneten das Feuer.
„Was zum Teufel ist das für eine Hexerei“ schrie der Kommandoführer und sah auf die Hölzer die auf Bäume schlugen und die Büsche, die sich bewegten.

„Falle, das ist eine Fa …“, und der Ruf erstarb in einem Gurgeln. Plötzlich wurden aus dem Nichts heraus seine Leute einer nach dem anderen nach hinten, in die Büsche gezogen und waren verschwunden, kein Geschrei, sie verschwanden einfach und blieben es auch.
„Sicherungskreis!“, brüllte der Kommandoführer und die verbliebenen Soldaten sammelten sich zu einem kleinen Kreis. Von den 30 Mann, waren noch ein Dutzend verstörter Kämpfer geblieben.
Als sie anfingen, die Buschgrenze unter Feuer zu nehmen, erstarben alle Bewegungen im Wald.
„Haaalt Feuer einstellen! Stopp!“, plärrte der Kommandoführer,
Sie starrten ungläubig in die Wälder, nichts war zu sehen, als hätte der Boden die Leute verschluckt. Dann endlich sahen sie drei Männer, die über einen Baumstamm flüchteten.
„Bringt mir mindestens einen davon lebendig!“, damit schickte der Kommandoführer die Hälfte los, den Fliehenden nach. Als sie den Baumstamm erreicht hatten, da wurde es aber still um sie.
Kein Schuss, kein Schrei, es war surreal und der Kommandoführer fühlte, wie das Grauen auf ihn zukam, aber er konnte nichts sehen. Er drehte sich um und schaute ein dunkles Gesicht mit hellen Zähnen.

Der Kommandoführer erschrak, als das Gespenst mit den weißen Zähnen ihm in feinem russisch befahl „Waffe runter! Mitkommen!“ im gleichen Moment sanken seine vier Begleiter mit durchschnittenen Kehlen zu Boden und wurden mit den Füßen voraus in den Wald gezogen.
Ein einsames Funkgerät auf dem Boden plärrte auf einmal los.

„Meldung, Kommandoführer, sofort melden – habt ihr meinen Befehl ausgeführt? Ich will keine Überlebenden?“

Als keine Antwort mehr eintraf, wurde Aleski schlagartig klar, dass sein Befehl umgesetzt wurde, aber anders als ursprünglich gedacht, es gab offenbar tatsächlich keine Überlebenden mehr. Aber bei seinen Leuten.

Die 30 Mann musste er abschreiben, langsam wurde es eng.
Aleski zog einen Schlüssel aus seiner Hose und entsperrte einen Telefonhörer an seinem Platz, nahm den Hörer und wählte die Taste 1.

Am anderen Ende nahm eine Zivilistin in einem kleinen Raum voller Bildschirme ab, sie meldete sich fragend „Hier Sektor 2 …“

Aleski sprach mit ungewöhnlich ruhiger Stimme:
„Hier spricht General Aleski Kozlov, Dienstnummer 723-134-980-324, ich wünsche, Genosse Poppov zu sprechen, Stichwort Schinken!“

„Bitte warten Sie, ich verbinde“, sagte die Zivilistin ohne Regung in ihrer Stimme, darauf hin es knackte ein paarmal in der Leitung.

„Aleski was verschafft mir die Ehre, was hast du diesmal wieder versaut, wenn die Organ Produktion gefährdet ist, akzeptiere ich dich als Lebendspende und nun berichte!“

**

Wir waren im Schacht eingestiegen und schließlich in einem Lagerraum gelandet. An dem Fluchtplan an der Wand konnten wir entnehmen, dass unser Plan sehr gut war. Wir befanden uns im Nordosten, unterhalb des Maschinenraums, zwischen den beiden Hubschrauberplattformen in einem kleinen Raum, der an einen größeren angrenzte, ein Raum, der auf dem Plan wie eine Treppe aussah.
Wir orientierten uns und ich erkannte einiges wieder. Der Treppenraum gehörte zu den Laboratorien, der nächste Raum, der nach Norden verlief, war der Schauraum. Hier wurden wir damals den zahlenden Gästen präsentiert. Vielleicht war hier auch noch Fransiska Haufberger gefangen, der Raum war ja groß genug.

„Das untersuchen wir.“, sprach Sarah und Vera nickte. Dave schaute auf den Plan und nickte ebenfalls. Zusammen mit seinem Schattenteam würden sie das Team Silence A anführen.
„Seid vorsichtig, die sind hier absolut humorlos und alle, absolut alle sind hier brutale Mörder und absolut gewissenlos!“

„OK, wohin geht ihr?“

„Wir von Silence B müssen im Westen, oberhalb des Landeplatzes den Zugang zur Schleuse finden und öffnen, das muss alles dort sein, denn die Schleuse ist gleich darüber.“
Dann trennten wir uns und die beiden Mädchen mit ihren Begleitern gingen durch die Schleuse in den langen Gang, der zum Schauraum führte. Die Schleuse schloss sich hinter ihnen und wir anderen schlichen uns nach Westen.
Nun waren die beiden Silence A und B unterwegs und Team A musste alleine sehen, wie sie weiterkamen.

Irgendwie hatte ich dabei kein gutes Gefühl, was wenn sie nicht nur auf Fransiska stoßen würden? Was, wenn da feindliche Kämpfer wären?
Vor uns tauchte ein kleiner Kontrollraum auf, gespickt mit Überwachungsgeräten, jede Menge Anzeigen, Uhren und einigen Schreibern, die Kurven auf Papier schrieben.
Fabienne schaute kurz auf die Geräte und flüsterte „Lebenserhaltung, da hängen Menschen dran, die für die Entnahmen vorbereitet werden“

Meresch schaute sie an „Du meinst, dass hier …“
„Ja, die schlachten hier Menschen und entnehmen die Organe.“
„Ist je eklig wie im Schlachthaus.“, meinte einer aus dem Schattenteam.
„Randy?“, fragte ich über Funk und verrauscht kam die Antwort.
„Ich sehe euch. Ihr steht vor der Feuer und CO Kontrolle, da ist auch die Kamerakontrolle für den ganzen Labortrakt aufgeschaltet. Der Kasten hat die Kennung „EV2-R3-A2“ und da sind zwei Bereiche, einer in Rot einer Grün, Rot für Feuer und grün für CO.

Die Kamerasektion ist darunter, das müssten weiße Schalter sein, die müsst ihr alle abschalten, dann habt ihr Ruhe, aber auf keinen Fall die Grünen, sonst flutet man alles mit Stickstoff.“
„Verstanden. Also die weißen Schalter, wegen des Videosystems.“

**

Im Hauptkontrollraum hingen hunderte großer Monitore an den Wänden und zeichneten ein Bild des Geschehens innerhalb und außerhalb. Auf der ersten Etage stand Aleski mit einem roten Hörer in der Hand, und wedelte aufgeregt mit der Hand.
Die Kontroller unterhalb achteten vor allem auf ihre Sektoren, aber sie versuchten Aleski, nicht aus den Augen zu lassen.

Einer der Kontroller rief seinen Vorgesetzten und zeigte aufgeregt auf den altersschwachen Traktor, der vor dem Munitionslager stand, hier hatte der nun gar nichts zu suchen. Sie schickten sofort einige Wachen hin, ganz sicher hatte sich Oleg wieder einmal sinnlos besoffen.
Doch als die Wachen ankamen fielen sie im Kugelhagel um, der Angriff hatte begonnen. Als die letzte Wache zu Boden stürzte, hielt der vermeintliche „Oleg“ ein Gewehr in die Kamera, und das Bild auf der Kontrollwand erlosch augenblicklich.

Kurz darauf erloschen zwei ganze Reihen Bildschirme und allen war klar, was das zu bedeuten hatte: Die Angreifer. Sie sind in der Anlage!
Eine Weitbereichskamera zeichnete das Bild des alten Traktors vor dem Munitionslager, als sich dort ein greller Blitz ausbreitete und das Munitionslager hochging.
Die Detonation war in der ganzen Anlage deutlich zu spüren und Aleski hatte sein Telefonat sofort beendet und schrie wild umher.

Dass er hinter schalldichtem Glas war, bekam er offenbar nicht mehr mit.
Einer der Kontroller hielt sich die Hand vor und meinte zu seinen beiden Kollegen.
„Jetzt dreht der Spinner vollends durch!“
„Lass uns verschwinden, solange das noch geht.“, meinte einer der anderen und sie meldeten sich beim Leiter zur Pinkelpause ab.
Der Leiter aber griff direkt, nachdem sich die Türe geschlossen hatte, zum Hörer und meldete die Beiden bei Aleski.

„Was die wollen sich abseilen, na das werden wir doch zu verhindern wissen, Sicherheit?!“
Zwei stämmige Sicherheitsleite kamen augenblicklich zu Aleski. „Was gibt es für uns zu tun?“
„Die beiden Kontroller werden der Fahnenflucht und Feigheit vor dem Feind von mir angeklagt. Festnehmen und sofort hinrichten.“
„Jawohl!“ Und schon liefen die beiden sportlich trainierten Killer der Türe hinaus, den beiden Kontrollern hinterher.

**

Die Detonation war klar zu spüren und hatte uns in dem kleinen Kontrollraum einige Überraschungen beschert. Zwei Weißkittel kamen angerannt und wollten an die Messgeräte, sie gingen zu Boden, dann tauchte die Erste Wache auf und wurde direkt von einem unserer Schützen erledigt.
Jetzt war es höchste Zeit weiter zu kommen und die Schleuse zu finden, sonst wäre der Angriff bereits jetzt gescheitert.

Wir bogen am Ende des Ganges nach Norden ab und drangen in einen Vorraum ein, der mit allerlei schwerem Gerät gefüllt war. Gerät, das man nicht im Personenaufzug transportieren konnte, wir waren dem Tor nahe, aber wo waren die Kontrollen?

**

Dave und zwei seiner Männer schlichen sich im Halbdunkel vorwärts und sahen durch die kleinen Fenster in die kleinen Kabinen.

In einigen lagen Mädchen, in anderen lagen Männer, und andere waren leer, aber die Haufberger war nicht dabei.
Sarah und Vera folgten in der Mitte und die restlichen Männer des Schattenteams sorgten für die Rückendeckung. So gelangten sie an eine weitere Schleuse. Dave wand sich den Kontrollen zu, die seitlich montiert waren, sein Schützenteam sicherte und Vera und Sarah standen direkt vor der Schleuse.

Als die Schleuse sich öffnete brach die Hölle los. Dave wurde beschossen und die Querschläger zwangen ihm auf den Boden, einer seiner Männer wurde in die Schutzweste getroffen und fiel um. Laut schreiend sammelte er sich wieder und machte weiter.
Die beiden hinteren Männer hatten weniger Glück, sie standen ungeschützt und wurden von mehreren Kugeln durchsiebt, die nicht nur die Schutzweste trafen.

Die beiden Mädchen duckten sich und krochen in die offene Schleuse, die sich sofort schloss.
Lichter flammten auf, zwei Bewaffnete an jeder Seite und ein weiterer direkt vor ihnen machten jede Flucht unmöglich, dann knarrte ein Lautsprecher aus der Wand „Ja, wen haben wir denn da … So eine Überraschung.“

**

„Die Tür da“ rief ich und schon hatten die Männer sie aufgebrochen.
Ein Weißkittel stand mit seinem Klemmbrett und Handy vor uns und zitterte. Gerade wollte sie ihn laufen lassen, als er sich umdrehte und eine Waffe zog. Meresch erledigte ihn mit einer Dublette in die Brust.

„So ein Narr, wäre er gegangen, würde er noch leben.“
„Da das ist die Notentriegelung und das da, der Motor für die Antriebe.“
Fabienne kam aus einem Seitengang und trieb einen blutenden Weißkittel vor sich her. „Der hilft uns bestimmt freiwillig.“, und dann fuhr sie den Mann auf Russisch an, das Tor zu öffnen.
Der Weißkittel nässte sich ein und drückte einige Knöpfe, dann ein Klacken an einigen Ecken des großen Schleusentoren, und das Tor fuhr in die Erde, wir hatten endlich Sicht nach draußen.

**

Das Angriffsteam stürmte durch die Anlage und fegte alles weg was sich bewegte. Einer der Gründe war sicherlich der schwere Gabelstapler, der mit schweren Stahl-Platten beladen, eine prima Schutzwand bildete.

Um das Team herum fielen die wenigen Angreifer, die so dumm waren, sich offen zu zeigen und schließlich fuhren sie um die letzte Kurve herum.
Vor ihnen war ein schwarzes Loch, aus der Bewegung kam, da stand Caroline, sie winkte und pfiff einmal kräftig durch die Finger.

„Diese Richtung, und zwar etwas plötzlich!“, schrie Decker die Leute an und Peter stürmte bereits vorneweg und fegte die beiden Angreifer hinweg, dann endlich hatte er seine Caroline im Arm und sie verschwanden im Schutz der Anlage.

**

Vera und Sarah wurden von den Wachen ihre Schusswaffen abgenommen und durch die nächste Verbindungstür gestoßen. Von drei Wachen begleitet wurden sie durch einen Flur geführt, an dessen Ende der Raum lag, an dem sie Fransiska vermuteten.

Die letzten Meter des Flures lagen im Dunkel, dennoch konnten die Zwei die Silhouette eines Menschen erkennen, zu dem die Wachen sie recht unsanft hin stießen. Etwa vier Meter bevor sie die Silhouette erreichten, hielten die Wachen sie fest.
Erschreckt schrie Vera auf, als sich aus dem Schatten eine Pistole abzeichnete und direkt auf sie zielte.
Laute Schüsse peitschten durch den engen Flur. Im Mündungsfeuer sah Sarah, wie ihre Wache zu Boden ging und auch die anderen Beiden niedergeschossen wurden, bevor sie ihre Waffen ziehen konnten.
Vera schrie immer noch, bis sie erkannte, dass die Silhouette nicht auf sie, sondern auf die Wachen geschossen hatte.

Sarah nahm Vera in die Arme und drückte sie gegen sich. Dann sah sie zu dem Schatten, der noch immer im Dunkeln stand.
„Hallo Beate, schön dich zu sehen.“

**

Meine Caroline hatte und die Tür geöffnet. Das Team drang ein und orientierte sich. „Wo sind Vera und Sarah?“, fragte ich in den Raum hinein.
Das Schattenteam hatte die Anlage schnell unter Kontrolle gebracht. Als erst einmal die Hauptluke offen war und die Schatten hineinstürmten, gab es fast keine Gegenwehr mehr.
Jeder der eine Waffe in den Händen hielt, wurde niedergemacht. Die wenigen Wachen, die sich ergaben, wurden genauestens durchsucht und in einen Raum gesperrt. Die Weißkittel wurden in der Zentrale zusammengetrieben und in einer Ecke in Schach gehalten.

Anders als für die Wachen und Söldner, die für Aleski kämpften, empfanden wir für diese Männer und Frauen einfach nur Abscheu. Die Wachen hatten einen „ehrbaren“ Job Sie kämpften, wenn auch für Geld. Aber die „Ärzte“ und Wissenschaftler, waren in unsren Augen Bestien.
„Was machen wir mit denen?“,wollte Dave wissen.
Mike und Meresch berieten, während wir uns umsahen.
Hannes war es, der die Tür zur Hölle fand. Er öffnete eine der Türen, welche durch einem Flur von den Laboren wegführte.

Er warf nur einen Blick hinein und begann sich augenblicklich auf den Flur zu erbrechen. Mike, Dave und Decker liefen sofort zu ihm.
Ich sah Decker mit versteinerter Miene in den Raum blicken und wusste in diesem Moment, dass ich keinesfalls sehen wollte, was er sah.
Als Randy Anstalten macht zu ihm zu gehen, packte ihn Caroline und hielt ihn fest. „Hier geblieben, das ist nichts für dich.“

Mike Augen wurden zu Schlitzen und er schaute zu Meresch, der leicht nickte.
Decker hatte das ebenfalls gesehen. Er griff Hannes unter die Ellbogen und brachte ihn zu uns.
„Wir gehen hier raus und durchsuchen den Rest der Anlage!“, sagte Decker zu uns und schob uns aus der Zentrale heraus in den Flur.

Gerade als Fabienne die Tür als letzte hinter sich schloss, fiel der erste Schuss.
„Irgendwo muss dieser Mistkerl sich versteckt halten, der für die ganze Scheiße hier verantwortlich ist. Wir bilden zwei Teams. Ben, Fabienne, Hannes und Randy ihr seid Team eins. Caroline, Peter und Ich, Team zwei. Wir gehen in diese Richtung. Er zeigte auf dem Plan der Anlage auf den oberen Hubschrauberlandeplatz.

Jetzt fiel mir auf, dass Sarah und Vera fehlten.
„Wo sind Vera und Sarah?“
„Verdammt! Ok, wir gehen zurück und nehmen den Weg, den die beiden genommen haben.“
So schnell es ging, liefen wir durch die Korridore zurück zu dem Punkt, an dem wir uns aufgeteilt hatten.
Vorsicht war noch immer geboten, da sich durchaus noch Söldner innerhalb der Anlage befinden konnten. Nach fünfzig Metern fanden wir die zwei Schatten, die Vera und Sarah begleitet hatten tot an einer Verbindungstür.

„Das gefällt mir überhaupt nicht. Passt auf, Ben und Fabienne, ihr sichert nach hinten. Hannes und ich übernehmen die linken Türen, Caroline und Peter ihr die rechten.“
„Und ich?“ ,fragte Randy,

„Du passt auf, ob etwas von vorne kommt.“
Langsam schlichen wir durch den Flur und überprüften abwechselnd die Türen. Nicht wie in Actionfilmen, bei denen die Türen eingetreten wurden, nein wir schoben eine 2 mm dicke Glasfaser, die an einem Smartphone angeschlossen war, unter der Tür hindurch und konnten so sehen, was sich dahinter abspielte.
Die meisten Räume waren Labore, in denen sich niemand aufhielt. Allem Anschein nach, hatten sich die meisten Leute in der Zentrale aufgehalten und sich dort in Sicherheit gewägt, als wir die Anlage stürmten.
Gerade als ich die Kamera unter der Tür durchschieben wollte, drang ein lauter, verzweifelter Schrei durch den Flur.

Es war Veras Stimme!

**

Der Mann trat aus dem Schatten, immer noch die Pistole auf Vera und Sarah gerichtet. Schließlich konnten die beiden das Gesicht der Silhouette erkennen.
Es war Trommer!

Mit der Pistole gab er den beiden einen Wink weiter zu gehen, dann richtete er die Waffe auf eine der Wachen, die noch lebte und schoss ihr in den Kopf.
„Ich nehme stark an, dass die Wachen die Aufgabe hatten, mich früher oder später zu beseitigen. Solange wollen wir doch nicht warten, oder?“
Sarah drückte Vera noch immer fest gegen sich, um sie vor Trommer zu beschützen. Das war nicht mehr der Staatsanwalt, der ihren Tod gefordert hatte, das Gesicht und besonders die Augen waren die eines Psychopaten. Der Mann war völlig durchgeknallt.
Trommer stand in gefleckten Tarnhosen und einem weitem Hemd, vor ihnen, dazu trug er schwere Stiefel und einen breiten Gürtel.

„Ich wusste, dass du hier her kommst.“
„Das war alles dein Plan, das Alles nur wegen mir?“
„Wegen dir?“ Trommer lachte laut auf. „Nein, nicht wegen dir, ich hab das nur für mich getan. Ich will Rache! Dieser Dummkopf von Aleski dachte, das wäre alles auf seinem Mist gewachsen, dabei war ich es, der ihn dazu gebracht hat, Caroline zu entführen.
Los ihr Zwei, den Flur herunter!“

Er ließ die beiden Frauen vor sich her gehen und achtete gut darauf, außerhalb von Sarahs Reichweite zu bleiben. Vera hatte sich gefasst und ließ Sarah los, sollte diese eine Chance haben loszuschlagen, sollte sie nicht durch sie behindert werden. Doch Trommer war auf der Hut und gab Sarah keine Gelegenheit ihn anzugreifen.

„Was heißt das, sie haben ihn dazu gebracht Caroline zu entführen?“ fragte Sarah, um Zeit zu schinden.
„Ich habe seine ehemaligen Partner, Juri, auf Caroline aufmerksam gemacht und alle Informationen gegeben die er brauchte. Als ich ihm klar machte, er könnte mit Miles eine Milliarde Dollar machen, wollte Juri Aleski umbringen und selbst die Geschäfte übernehmen.
Ich kenne noch genug Techniker unserer IT Abteilung und konnte leicht an die Passwörter und Codes kommen, die Juri und seine Leute brauchten, um Caroline Miles zu entführen. Doch dann hat der Dummkopf einen Fehler nach der anderen gemacht und Aleski hat Juri schließlich umgebracht.
Jetzt musste ich mich mit Aleski einigen, und so kam ich auf diese Idee.“
Mittlerweile waren Vera und Sarah an der letzten Tür im Flur angekommen, vor der sie stehen blieben.
„Rein da!“

Vera drückte die Klinke und öffnete die Tür. In dem acht, mal acht Meter großen Raum stand nur ein X-förmiges Gestell auf dem Fransiska Haufberger nackt und mit Kapuze festgeschnallt war.
„Ich wusste genau, dass Caroline alles tun würde, um meine liebe Fransiska zu retten, und genau so wusste ich auch, dass du mit dabei sein würdest. Die perfekte Gelegenheit euch alle miteinander zum Teufel zu schicken.“

Vera hatte sich der Gefesselten Fransiska genähert.
„Du darfst ihr gerne die Kapuze vom Kopf ziehe, sie soll ruhig sehen, was mit ihren Rettern geschieht.“
„Sie können uns nicht alle umbringen.“ Sagte Sarah.
„Nein, aber euch drei, euch kann ich umlegen.“

Er hob, die Pistole und zielte direkt in Sarahs Gesicht. Dann lachte er laut und ließ das Magazin aus der Waffe herausfallen. Dann, mit einem Griff, war die Waffe entladen und der Schlitten abgenommen.
Er warf die Teile in verschiedene Richtungen und griff hinter seinen Rücken. Mit einem bösen Grinsen zog er ein Kampfmesser hervor.
„Ich weiß doch, dass du auf so etwas stehst, meine liebe Beate, schließlich hast du ja deinen Ehemann filetiert. Deswegen habe ich auch hart trainiert.“
„Mein Ex hat meine Tochter ermordet, deswegen starb er.“

Sarah griff sich an die Seite. Die Wachen hatten ihr zwar die Pistole abgenommen, aber nicht ihr Messer.
Mit einer wachsenden Wut zog sie ihr Ka-Bar D2 Extreme Messer. All der Hass, der sich im Laufe der Jahre angesammelt hatte, war dabei sich seinen Weg zu bahnen.
Zugegeben, dieser Mann hatte weder ihre Tochter umgebracht, noch hatte er ihren Mann dazu angestiftet. Dennoch hatte er sie zum Tode verurteilen lassen, nur um selbst Karriere machen können. Dann hatte er Fransiska als sein Spielzeug gehalten und nun wollte er sie alle umbringen.
Seit über drei Jahren, lebte Beate Fischer jetzt schon als Sarah Schlosser und auch wenn sie ihr neues Leben und ihre Freunde liebte, es war nichts gegen das Familienleben, das sie verloren hatte.

„Du wirst meiner neuen Familie kein Haar krümmen!“
„Oh doch, liebe Beate, ich glaube, ich werde es sogar ziemlich schmerzhaft machen.“ Erneut lachte er wie ein Irrer.
Trommer sprang nach vorne und stach zu, doch Sarah war auf den Angriff gefasst und wich aus. Langsam umkreisten sich die zwei, immer zum Sprung oder zur Abwehr bereit.
Als Vera die Fesseln von Fransiska lösen wollte, sprang Trommer neben sie und fügte Fransiska eine tiefe Schnittwunde am Oberschenkel zu.

„Das wirst du lassen!“ Jetzt sprang Sarah vor, doch Trommer blockte ihren Angriff ab, dann ließ er die Klinge von oben nach unten schnellen und verletzte Sarahs linke Hand.
Vera, die jetzt beschäftigt war, Fransiskas Wunde zu versorgen versuchte Trommer abzulenken, damit Sarah eine Gelegenheit hatte ihn anzugreifen, doch so leicht machte es ihnen Trommer nicht.
Aber auch Sarah kämpfte mit Erfahrung und schaffte es, Trommer die eine oder andere Verletzung beizubringen.
Wie im Palast auf Soulebda, versuchte sie die Finte mit dem stolpern, aber Trommer fiel nicht darauf hinein.

„Ich dachte, du seist besser.“ Er sprang vor und verletzte Sarah am rechten Arm. Noch im Zurückweichen drehte sich Sarah zu ihm und stach zu.
„Miststück!“ Trommer wischte sich das Blut von der Wange, das ihm nach Sarahs Schnitt über das Gesicht lief. Wieder fingen die beiden an, sich zu umkreisen. Trommer bemerkte, dass Sarah nicht gewollt war in sein Messer hineinzulaufen und so änderte er seine Taktik.
Er brachte sich zwischen Vera und Sarah und stieß dann mit dem Messer nach Vera. Als Sarah die Absicht erkannte, warf sie sich nach vorne und griff Trommer an.

Der hatte jetzt zwar sein Ziel erreicht, Sarah griff ihn an, aber er hatte einen fatalen Fehler gemacht.
Er kannte Sarah, bzw. Beate als ruhige und berechnende Person, doch in Beate schlummerte eine Furie, die nur darauf wartete, entfesselt zu werden. Ohne auf ihre eigne Sicherheit zu achten, griff Beate an und setzte ihm hart zu.

Trommer hatte alle Mühe die wilden Angriffe abzuwehren, ohne selbst angreifen zu können, doch dann bekam er eine Chance. Sarah sprang ihn an und verfehlte ihn nur knapp, aber der Angriff hatte sie aus dem Gleichgewicht gebracht und Trommer konnte sie packen und herumziehen.

Seine Klinge stieß zu und traf… ins Leere. Sarah hatte sich fallen lassen und war unter dem Messer durchgetaucht.

Noch ehe Trommer das begriff, kam sie nach oben, trat an Trommers Messerhand und die Klinge flog in weitem Bogen weg. Schon fegte ihr Messer zweimal im Kreuz über Trommers Brust, wobei sein weites Hemd zerriss. Als Trommer zuschlagen wollte, fuhr Sarah nochmals über die Hand und schnitt tief in das Fleisch, dann zog sie noch einmal eine Kreuzspur über Trommers Brust. Als Trommer aufschrie, rammte sie ihm ihr Messer tief in die Brust.

Trommer wurde gegen die Wand geschleudert und spuckte erstmals helles Blut. Der Treffer hatte gesessen, das wusste auch Trommer.

Saras Kopf war jetzt direkt vor Trommer. Ihre smaragdgrünen Augen waren direkt vor den kalten Augen Trommers.

„Na, wie ist es zu sterben?“

„Sag du es mir!“,antwortete er, Blut hustend. Trommers Hand war hinter seinem Rücken gewandert, wo er ein zweites Messer hervorzog und es Sarah bis zum Heft in den Bauch stieß.

Dann sackte Trommer in sich zusammen, in dem sicheren Bewusstsein, Beate oder besser Sara tödlich verletzt zu haben … Sie würde das nicht überleben, dessen war er sich sicher, als sein Auge bracht.

**

Ohne auf die anderen Türen zu achten, liefen wir nach vorne durch den Flur. Die einzige Tür, die aufstand, war die am Ende, des Ganges. Mit der Sig im Anschlag, stürmte ich in den Raum. Dort nahm ich als einiges Vera wahr, die vor Sarah kniete.
Als ich das viele Blut sah, begann sich der ganze Raum zu drehen. Caroline, die direkt hinter mir in den Raum gestürmt war, fasste sich als erstes. Sie sprang zu Vera und zu zweit versuchten sie, Sarahs Blutung zu stoppen.

Aus Sarah lief das Blut nur so heraus. Vera schloss kurz die Augen, dann begann ihre Professionalität die Oberhand zu gewinnen.
„Schnell ich brauche eine Kompresse.“ Gab sie Caroline Anweisungen.
Wir standen schweigend daneben, bis Fabienne klar wurde, dass Fransiska noch immer gefesselt auf dem X lag.

„Los hilf mir!“, stieß sie Randy an, der mit ihr zusammen Fransiska die Fesseln abnahm.
Fassungslos, kniete ich mich an Sarahs Kopf und hielt ihn. Ein Blick in Carolines Gesicht sagte mir alles! Ihr Gesicht war aschfahl.
Plötzlich kam mir ein Gedanke.

„Fabienne, halt sie!“ Ich sprang hoch und rannte zurück. Ohne auf irgendwelche Gefahren zu achten, rannte ich zur Zentrale zurück. Ich stieß die Tür auf und sah gerade, wie Mike dem letzten Weißkittel die Pistole an den Hinterkopf setzte. Alle anderen lagen bereits mit starrem Blick in einer Reihe auf dem Boden.
„STOPP!“,brüllte ich.
Mike hielt inne und sah mich an. Ich packte den letzten Weißkittel am Kragen und zog ihn nach oben.
„Bist du Arzt?“,fragt ich ihn.
Der Weißkittel sah mich fragend an.
„Вы врач?“, wiederholte Mike die Frage.
„Ja, bin ich.“ Antwortete Wassily im perfekten Englisch.
Ich hielt ihn am Kragen gepackt und zerrte ihn hinter mir her in den Raum, in dem Vera und Caroline verzweifelt um Sarahs Leben kämpften.
„Los, tu was!“

Wassily sah sich um und drehte sich dann zu mir.
„Warum sollte ich das tun?“
Er hatte den Satz noch nicht vollendet, da hatte ich Sarahs Messer vom Boden aufgehoben und es ihm an die Kehle gesetzt. Ich zog die Klinge wenige mm über seine Kehle und ein paar Blutstropfen liefen über den Hals nach unten.
„Ganz einfach. Wenn du sie rettest, bringe ich dich nicht um!“
„Ich will 10 Millionen Dollar und eine Fahrkarte zu einem Ort meiner Wahl.“
Ich stieß ihn von mir weg und Wassily sah das wohl als Deal, denn er machte sich ein Bild von Sarahs Verletzung.
„Wir müssen sie in den Raum zwei Türen weiter bringen.“ Wies er Vera an.
Zusammen mit Hannes und Ben, brachten Wassily und Vera Sarah zu einem Labor in dem sonst Organe entnommen wurden.
Sarah wurde auf einen Tisch gelegt und Wassily begann seinen Rettungsversuch.
Caroline die genau wusste, welche Rolle Wassily hier gespielt hatte, ließ ihn keine Sekunde aus den Augen.

„Ich brauche Blutkonserven! Weiß jemand, welche Blutgruppe sie hat?“
„A Positiv.“ Antwortete Vera.
„Den Flur herunter, links, vierte Tür rechts, drittes Kühlregal an der rechten Wand!“
Mike sah einen seiner Schatten an. Der lief zusammen mit einem weiteren Schatten los um in den gesagten Raum zu kommen.

„Rufen sie Hawkins!“, befahl er einem weitern Schatten. Der angesprochene Schatten entfernte sich kurz und sprach in sein Funkgerät.
Kurze Zeit später kamen die Schatten zurück und hatten Blutkonserven dabei. Hawkins kam dazu und begann Vera und Wassily zur Hand zu gehen.

**

„Es wäre nett, weniger Leute um mich zu haben.“ Sagte Wassily über die Schulter. Decker packte mich an der Schulter und ich ließ mich heraus führen. Drinnen blieben nur Wassily, Vera und Hawkins.

„Dieser Scheißkerl, hatte hier das Kommando über die ganzen Weißkittel. Das ward er oberste Metzger der die Menschen umgebracht hat. Er hat ohne zu zögern, die kleine Sonja aufgeschlitzt.“ Sagte Caroline erbost und schaute mich mit einem gefährlichen Funkeln in den Augen an.

„Und du hast ihm versprochen, dass wir ihn nicht umbringen!“ fuhr sie mich böse an.

„Nein, ich hab ihm versprochen, dass ICH ihn nicht umlege!“

Carolines Augen leuchteten kurz und bekamen ein böses Leuchten. „Du bist ein Mistkerl, aber ein gerissener Mistkerl.“

Sie ließ mich stehen und kümmerte sich um Fransiska.
Einer der Sanis hatte sich der Schnittwunde an Fransiskas Oberschenkel angenommen und Decker hatte ihr seine Jacke gegeben, damit sie wenigstens vorerst ihre Blöße bedecken konnte.

„Hallo Liebes.“
Fransiska warf sich in ihre Arme, und begann hemmungslos zu weinen.
Plötzlich riss sich Fransiska los und rannte zu Trommers Leiche, auf die sie schreiend eintrat.

„Du verschissenes Arschloch. Ich hoffe, du schmorst in der Hölle.“ Schrie sie den Toten an und trat immer wieder zu.

Schließlich brach sie neben ihm zusammen und Caroline hob sie auf, um sie herauszubringen…

**

Mehr als vier Stunden arbeiteten die drei jetzt schon an Sarah. Zweimal hatte Hawkins einen Schatten losgeschickt um weitere Blutkonserven zu besorgen, während der Rest der Schatten die ganze Anlage auf den Kopf stellten.

Aleski war nicht aufzufinden. In einem der Räume, der zu seinem Privatgemächern zählte, entdeckten die Suchteams einen Fluchttunnel, der zu einem versteckten Hubschrauberlandeplatz führte. Natürlich war kein Hubschrauber mehr da und so wussten wir, dass wir uns beeilen mussten. Doch solange Wassily an Sarah herumdokterte, konnten wir nicht weg.
Dann endlich war es soweit. Mit einem breiten Grinsen kam Wassily aus dem Labor.

„Sie schulden mir 10 Millionen und eine Fahrkarte.“

Ich schaute zu Vera und Hawkins. Vera, völlig vertieft Sarah zu helfen, bekam den Blickwechsel zwischen Hawkins und mir nicht mit. Der wiegte leicht den Kopf. Für mich hieß das 50-50, aber besser war es wohl nicht zu machen.
„Ok. Versprochen ist versprochen, ich lass dich leben. Caroline, wärst du so freundlich dich um Dr. Wassily zu kümmern?“

„Wenn es sein muss.“ Sage die wenig begeistert.

Caroline brachte Wassily heraus und ließ demonstrativ ihre Waffe stehen. Zusammen verließen sie das Labor und Caroline brachte ihn zur Hauptluke.

„Ich hätte nicht damit gerechnet, dass unsere Bekanntschaft eine solche Wendung nimmt, meine Liebe.“, meinte er zu Caroline. „Sie ärgern sich sicher, dass ihr Begleiter mir versprochen hat mich nicht zu töten.“

Ohne auf sein Gespräch zu achten, kramte Caroline in ihren Taschen und fischte ein Stück Papier und einen langen, spitzen Bleistift heraus.

„Ich brauche noch die Kontonummer auf die wir die 10 Millionen überweisen sollen.“

Wassily wollte gerade etwas sagen, da rammte im Caroline den Bleistift in den Hals, zog ihn zurück und rammte ihn genau durch die Rippen in die Brust, mitten ins Herz.

Verwundert blickte Wassily Caroline an und sank langsam auf die Knie, während Caroline ihn mitleidslos anschaute.

„Du hast es richtig erkannt. Mein Partner hat dir Scheißkerl versprochen, dich nicht umzubringen, ich nicht.

Im Gegenteil, ich hab die versprochen, dich zu töten, und genau das mache ich jetzt!“

Sie steckte ihm den Bleistift ins Ohr, dann stach sie zu und der lange Bleistift verschwand im Ohr von Wassily.

Wassilys zuckender Körper fiel wie ein nasser Sack nach vorne, und blieb als Leiche still liegen.

**

Hawkins und Vera versuchten, Sarah transportbereit zu machen, und Meresch hatte zusammen mit Menachem die Fahrzeuge zur Anlage bringen lassen.

Insgesamt hatte das Schattenteam sechs Tote zu beklagen. Die vier Verwundeten waren nur leicht verletzt, und in der Lage selbst zu gehen.

„Wir hauen ab zu unserem Schlupfwinkel. Mit den Fahrzeugen dauert es etwa zwei Stunden. Sorge macht mir nur, dass man unsere Spuren zurückverfolgen kann.“ Teilte Mike uns mit. „Nehmt alle blutkonserven für Sarah mit.“ Ergänzte er noch schnell.

„Sprengen wir den Laden nicht in die Luft?“,wollte ich wissen.

„Du siehst zu viele Filme!“,sagten Caroline und Fabienne wie aus einem Mund.

„Wir nutzen die Straße, soweit es geht, dann überlassen wir das tarnen den Stammeskriegern.“ Meinte Ben zu Mike.

„Genialer Gedanke. Ich bewundere diese Menschen. Hätte ich bloß ein paar von denen als Ausbilder.“
Genau so machten wir es dann auch. Auf sechs Transporter verteilt fuhren wir los und nahmen auch unsere Toten mit, nachdem Hawkins so viele Blutkonserven für Sarah mitgenommen hatte, wie er finden konnte.
Wir fuhren eine Stunde über Straßen, dann bogen wir auf einen unbefestigten Weg ab, der ohne Allrad nicht zu befahren wäre. Hier zahlte sich wieder einmal unser Ass aus. Kurze Zeit nachdem sich Jastre´veste und die Stammeskrieger an die Arbeit gemacht hatten, konnte selbst der beste Kundschafter nichts mehr erkennen, was uns verraten hätte.

Nach einer weiteren Stunde kamen wir zu einer alten verlassenen Kupfermiene neben der ein altes recht großes und teilweise zweistöckiges Gebäude stand. Das Wichtigste aber, war ein Schienenstrang, der zur Miene führte und gerade so breit war, dass Bernd mit seine Flieger dort landen konnte.
Monatelang hatten Experten in Langley und in Tel Aviv die Umgebung um Tomsk nach einer geeigneten Basis für das Schattenteam abgesucht. Schließlich war man auf diese verlassene Kupfermiene aufmerksam geworden, doch das auch nur, weil der Schienenstrang dorthin ins nichts zu führen schien. Die CIA konnte tatsächlich einen der Besitzer ausfindig machen, der die Miene nach Privatisierung übernommen hatte.

Für ein entsprechendes Entgelt lieferte er gerne und bereitwillig alle Daten und Informationen die gebraucht wurden. Kurz nach ihrer Ankunft hatten das Schattenteam damit begonnen, das Gebäude sowie die Miene, in eine vernünftige Operationsbasis umzuwandeln.

Als Bernd dann, nachdem er uns östlich von Yuzhnyy abgesetzt hatte, von Levi hierher geschickt wurde, vergrößerte man schnell das Tor der Fahrzeughalle, damit das Flugzeug in inneren des Gebäudes versteckt werden konnte.

Als wir nun an der Miene ankamen, wurden sofort die Fahrzeuge im Wald versteckt. Auch hierbei hatten die Stammeskrieger die Aufsicht und schon Minuten später waren wir weder aus der Luft, noch am Boden, aus mehr als 50 Meter Entfernung zu entdecken.

Die anfängliche Euphorie, das es Sarah wieder besser ging, hatte sich schnell gelegt.
Durch den Transport waren einiges an Wassilys Arbeit zunichtegemacht worden. Beinahe so schnell wie Vera Sarah die Blutkonserven verabreichte, so schnell lief der rote Lebenssaft aus ihr heraus.

Innerlich machte ich mich auf das Schlimmste gefasst. Die Rechnung war einfach: Wir hatten noch 20 Konserven die etwa für 20 Stunden reichten, danach würde es nur noch Minuten dauern…
Ich hasste mich selbst abgrundtief für diesen Gedanken.

Wir ließen Sarah und Vera so viel Privatsphäre wie möglich und saßen in Sichtweite. Keiner von uns hatte mit einer solchen Wendung gerechnet. All die Abenteuer, die wir zusammen erlebt hatten… Nie wäre ich auf den Gedanken gekommen, einen meiner Freunde zu verlieren. Selbst die Schatten litten mit uns. Als ich mich umblickte, konnte ich nicht einen einzigen von ihnen sehen, mit Ausnahme von Hawkins, der nicht von Veras und Sarahs Seite wich.

Hawkins hatte sich wenige Meter neben Vera zurückgezogen um sofort eingreifen zu können, sollte es nötig sein. Immer wenn Vera eine neue Transfusion anlegte, war er zur Stelle und half ihr.
Ein Stockwerk höher saß Mike. Als er wutentbrannt eine alte Schreibtischlampe zu Boden warf, sah er das Meresch hinter ihm stand.

„Warum tust du dich mit der Entscheidung so schwer?“, fragte Meresch ihn.
„Welche Entscheidung?“

„Sie zur Schattenbasis zu bringen.“
„Du weißt genau, dass ich das nicht kann. Wir passen nicht alle in das Flugzeug. Die Hälfte der Männer würde hier festsitzen.“

„Wenn sie nicht schnell ärztliche Hilfe bekommt, stirbt sie.“
„Wenn ich sie zur Schattenbasis bringen lasse, sterben meine Männer!“

„HHccHH“ machte sich Dave bemerkbar. Zusammen mit Menachem und Levi stand er im Raum.
„Ich habe mir die Freiheit genommen und Major Mereschs Vorschlag weiterzuspinnen. Wenn wir Sarah zur Schattenbasis bringen, werden wir hier festsitzen, das ist mir und jedem der Männer bewusst. Mein Freund Menachem und ich haben jeden der Männer einzeln befragt, und anschließend darauf geachtet, dass die Männer sich nicht absprechen können um eine Gruppendynamik zu verhindern.
Das Ergebnis war einstimmig!“

„Und wie lautet das Ergebnis?“

„Wir verlieren Zeit! Allerdings halten wir alle es falsch, unsere Kräfte zu teilen.“
„Die werden mich vors Kriegsgericht stellen!“

„Nein, mein Freund, die werden UNS vors Kriegsgericht stellen.“ Meresch schlug Mike auf die Schulter und der musst sich zusammenreißen um die Kontrolle über seine Emotionen zu verlieren.
Wir saßen noch immer schweigend in Sichtweite der kämpfenden Vera. Fransiska hatte sich neben Caroline gesetzt, die den Arm um sie legte. Einer der Schatten hatte ihr Kleider gegeben, die eindeutig ein paar Nummern zu groß waren.

Gerade hatte Vera eine neue Transfusion angelegt als Mike zusammen mit Meresch und den anderen nach unten kam.

„Hawkins, bring sie zum Flugzeug!“
Der sprang auf und „Ja Sir. Endlich!“

„Was?“, fragte Vera. „Das überlebt sie nicht!“
Hawkins packte sie am Arm. „Es ist die einzige Chance, die wir haben!“
Auch wir waren aufgesprungen und sahen zu wie Hawkins und drei weiter Schatten Sarah zu Bernds Flugzeug brachte.
Mike kam Zu Bernd. „Hast du deine Karte?“

„Im Cockpit.“
„Dann los.“ Sie liefen zusammen zum Flugzeug und stiegen ein.
Decker der schnell erfasst hatte, um was es hier ging, und was noch wichtiger war, Decker erkannte die Reichweite von Mikes Entscheidung, rief Jastre´veste zu sich und empfahl ihm seine Krieger ebenfalls in das Flugzeug zu bringen.

Dann wandte er sich an Fransiska. „Du fliegst auch mit.“

„Was? Nein, ich bleibe hier bei euch!“
„Hör zu. Wir brauchen dich dort draußen. Wahrscheinlich wandern wir alle in einen Gulag oder was Ähnliches, du kannst uns nur helfen, wenn du nicht hinter Stacheldraht sitzt.“
„Wolfgang hat Recht.“ Pflichtete Caroline Decker bei. „Wir brauchen dich und deine Stimme draußen in Freiheit.“

Fransiska umschlang Caroline und drückte sie fest. „Ich werde euch nicht im Stich lassen. Versprochen.“ Sie drehte sich um und ließ sich von Jastre´veste zum Flugzeug bringen.
„Koslowski, sie fliegen auch mit!“, rief Meresch dem israelischen Feldwebel zu.
„Major, als ich gefragt wurde, wie ich mich entscheide …“

„Ich weiß was sie gesagt haben. Hören sie, es ist wichtig das Tel Aviv weiß, was hier vorgeht.“
„Ja, Major.“ Und auch Koslowski bestieg den Flieger.
Im Cockpit hatte Bernd Mike die Karte gegeben.

„Also du fliegst hier hin“, Mike zeigte auf einen Punkt westlich von Omsk. „Dann nimmst du Kurs 185. Wichtig ist, dass du diesen Kurs genau an diesem Punkt einnimmst. Du darfst auf keinen Fall von diesem Kurs abweichen. Du behältst ihn 110 Meilen bei. Höhe 300 Fuß.“
Ohne auf die Karte blicken zu müssen, wusste Bernd, dass das angegebene Ziel mitten im Nichts in der Grenzgegend zu Kasachstan lag.

„Dein Rufname ist Schattenstrahl. Ziel Schattenbasis.“

„Benutzt ihr dafür nicht verschlüsselte Kommunikationskanäle?“

„Doch, ich gebe dir ein voreingestelltes Funkgerät mit, damit kannst du die Schattenbasis erreichen. Aber ruf sie auf keinen Fall, bevor du Kurs 185 60 Meilen weit geflogen bist.“
„Alles klar. Ich nehme an, es wird ein Empfangskomitee geben, werden die wissen, dass ich komme?“
„Nein.“ Mike musste Bernd nicht erklären, was das hieß.
„Naja, wird schon schief gehen. Was ist mit euch?“
„Wir werden schon klar kommen.“

„Sagt mir, wo ihr seid, ich komme euch abholen.“
Mike schlug Bernd auf die Schulter. „Hals und Beinbruch.“

Hawkins und Koslowski hatten Sarah in die Mitte des Flugzeuges gelegt, die Stammeskrieger und Fransiska saßen im hinteren Bereich des Fliegers. Bernd warf die Motoren an, während die Schatten das Tor öffneten.

Als das Flugzeug aus der Halle rollte, griff ich Carolines Hand und drückte sie. Genau wie alle anderen unserer Gruppe waren Caroline und ich den Tränen nahe. Sogar Decker musste schlucken und Randy liefen die Tränen über das Gesicht. Sarah hatte ihn gerettet, als Helfana ihn verletzt hatte und jetzt konnte er nichts für sie tun.

Wir alle standen in einer Reihe und schauten dem Flugzeug nach.
„Also gut Männer, antreten!“, tönte Mikes Stimme hinter uns.

**

Bernd flog jetzt schon eine Stunde durch die Nacht. Er wusste, dass er nicht die ganze Strecke im Tiefflug fliegen konnte, um der Luftüberwachung zu entgehen, also flog er eine Flugroute an, die von Tomsk nach Novosibirsk führt.

Bevor man dort auf ihn aufmerksam wurde, flog er UNTER der Baumwipfel Höhe an Novosibirsk vorbei und ging dann wieder auf der Route nach Omsk auf die normale Flughöhe zurück. Glücklicherweise gab es sehr wenig Flugverkehr und keine Leitstelle interessierte sich für ihn.
Dasselbe Manöver wiederholte Bernd vor Omsk und steuerte weiter im Tiefflug den von Mike angegebenen Punk an.

Im inneren der Maschine tobte ein verzweifelter Rettungskampf. Hawkins hatte Sarah gerade die letzte Blutkonserve gelegt. Jetzt hatten sie noch eine knappe Stunde…
Fransiska hielt es nicht länger aus und ging zu den drei.

„Kann ich den irgendwas tun?“ ,fragte sie und Vera schüttelte den Kopf, Hawkins aber nickte leicht, sah Vera an und Fransiska verstand. Sie machte sich auf das Schlimmste gefasst.
„Ok, dann mal los.“ Murmelte Bernd und ging an der richtigen Stelle auf Kurs 185, Höhe 300 Fuß.

**

Im Grenzgebiet zu Kasachstan

„Achtung da kommt etwas!“
„Geht das auch etwas genauer, Sergeant Taylor?“ fragte der diensthabende Offizier, Captain Schulz.
„Nein, ein nicht bekanntes Flugzeug hält genau auf uns zu.“
„Geben sie Alarm!“

**

Bernd blickte auf seine Armaturen, bis jetzt hatten sie auf Kurs 185 genau 25 Meilen zurückgelegt.

**

„Einer von unseren?“ ,wollte Colonel Kresser Wissen?
Der Kommandeur der Schattenbasis kam in die Kommandozentrale gelaufen.
„Das kann ich nicht sagen, er meldet sich nicht, bleibt aber genau im Korridor, den das Schattenteam benutzen sollte.“ Antwortete Taylor.

„Schicken sie die Raptoren nach oben!“

**

50 Meinen lagen nun hinter Bernds letzten Kurswechsel.
„Ich denke es wird Zeit unsere Freunde zu rufen.“ Er griff das voreingestellte Funkgerät und schaltete es ein. Kaum hatte er es betätigt, ging das Gerät aus.

„Was soll das?“, er versuchte es erneut. „Verdammt!“ fluchte er.
„Hawkins, Koslowski, wir haben ein Problem!“ Koslowski kam nach vorne gerannt.
„Die scheiß Batterien sind alle. Los Neue rein machen.“

„Mist, ich hab keine!“
„Hawkins?“
„Nein!“
„Scheiße!“

**

„Das unbekannte Flugzeug meldet sich nicht.“ Taylor hatte die letzten Minuten damit verbracht das Flugzeug auf der vorgesehenen Frequenz der Schattenteams zu erreichen. Selbst die Ausweichfrequenzen blieben still.

„Sir, die Raptoren haben Sichtkontakt!“

**

„Ok, dann muss es eben anders gehen.“
„Schattenstrahl ruft Schattenbasis. Schattenstrahl ruft Schattenbasis.“

**

Kresser fiel beinahe in Ohnmacht.

Wer immer in diesem Flugzeug saß, er schrie das am besten gehütete Geheimnis der Welt laut in den Notfunkkanal.

„Was tut dieser Schwachkopf?“

**

„Sir, wir haben Sichtkontakt zum Ziel. Es ist ein zweimotoriges Flugzeug.“
„Können sie Waffen erkennen?“

„Warten sie.“
Raptor 1 richtete die Infrarot und Nachtsichtkamera wieder auf das unbekannte Flugzeug.
„Raptor 1 hörst du das?“

„Schattenstrahl ruft Schattenbasis.“
„Auf welchem Kanal sendet er?“

„Internationaler Notruf. Er sendet auf der Emergency.“

„WAS?!“

**

„Ziel eindeutig bewaffnet. Ich erkenne zwei Maschinenkanonen an den Tragflächen.“
„Verstanden Raptor 1!“

**

„So langsam könnten die sich bemerkbar machen.“ Rief Bernd nach hinten, griff das Funkgerät und rief wieder.

„Schattenstrahl an Schattenbasis…“

**

Diese Stimme…

Raptor 2 hielt die linke Flügelposition von Raptor 1.
Verdammt, dachte Harris, wo hab ich die schon einmal gehört…

**

„Sir?“
Colonel Kresser stand vor einer schweren Entscheidung. Der Eindringling flog auf der angegeben Flugroute, und meldete sich nicht, außer dass er auf der internationalen Notruffrequenz die Kodebezeichnungen herausbrüllte. Dazu war das Flugzeug bewaffnet…

Kresser war sich sicher, dass kein Kommandoführer, nicht einmal die Unteroffiziere, diese Vorgehensweise ergreifen würden.

„Waffenfreigabe!“ Entschied er.

**

„Raptor 2, wir haben Feuerbefehl!“
„Raptor 1, willst du, oder soll ich?“
„Ich bin der Chef hier und du darfst zuschauen.“

Harris grübelte noch immer über die Stimme nach. Irgendwie…

Während Raptor 1 seine Waffen scharf schaltete, richtete Harris seine Kamera wieder auf den Flieger. Um besser sehen zu können, verließ er seine Flügelposition und setzte sich in eine 4 Uhr Position hinter den Eindringling. Jetzt konnte der ein klares Bild des Flugzeuges sehen. Er zoomte es etwas näher und konnte das Logo auf dem Leitwerk erkennen.

Ein Flugzeug, das durch zwei Vulkan hindurchflog.

Der Daumen von Raptor 1 lag auf dem Feuerknopf. Er entsicherte seine Waffen und visierte das Ziel an. Aus dem Ohrhörer kam ein langgezogener Piep Ton.

„Raptor 1 ist in Schussposition. Raptor 1 …

Verfluchte Scheiße! Nicht feuern … Um Gottes Willen, nicht feuern!“

**

„Raptor 1 Meldung!“
„Raptor 2 hat Positionslichter gesetzt und geht neben das Ziel!“
„Wiederholen sie!“

„Sir, Raptor 2 hat Positionslichter gesetzt und geht neben das Ziel!“

**

Als Harris das Logo erkannte, wusste er plötzlich wieder, wem diese Stimme gehörte…

Er erkannte sie noch von damals …

**

Damals im südlichen Pazifik …

Die Flugzeuge tanzten ineinander verkeilt durch den Himmel … Damals über Soulebda …

Amerikanische F18 und britische Harrier lieferten sich mit entsicherten Waffen Dogfights. Schließlich verlor einer der britischen Piloten die Nerven und feuerte seine Rakete ab.

Um das Leben seiner Geschwader Führerin zu retten, steuerte ein unheimlich tapferer und mutiger Piloten Soulebdas sein Flugzeug mitten in die Flugbahn einer Rakete.

Kein Pilot der Theobald würde diesen Tag und diese Stimme je vergessen!

Es war die Stimme von Condor 3 …

DER LEGENDE!

**

„Schattenstrahl ruft Schattenbasis.“ Bernd war dem Kurs jetzt 100 Meilen gefolgt. Irgendetwas hätte geschehen sollen, doch nichts geschah.

„Condor 3 von Condor 6. Ganzschön weit weg vom Vulkan.“ Ertönte eine Stimme aus dem Lautsprecher.
Wechseln sie auf Kanal 4S.“

„Verstanden.“ Schnell stellte Bernd das Funkgerät um.

„Condor 6 von Condor 3. Endlich! Wir haben einen Notfall an Bord!“

**

„Was zum Teufel macht der da?“ fragte Kresser entsetzt?

„Raptor 1, gehen sie auf Abfanghöhe und sichern sie die Basis!“
„Verstanden.“

„Captain, bereiten sie alles für die Evakuierung vor! In weniger als einer Stunde fällt die ganze russische Armee über uns her!“

**

„Condor 3 beschreiben sie die Art des Notfalls.“
„Medizinischer Notfall. Moment!“
Bernd drehte sich um. „VERA! Komm her!“

Vera hastet nach vorne und Bernd drückte ihr das Funkgerät in die Hand.

„Stichwunde im Oberbauch, mit starkem Blutverlust. Ich brauche sofort ein Notarztteam und Blutkonserven A positiv.“

**

Kresser hatte resigniert und nickte nur als ihn Tylor fragend ansah.
„Schmeiß die Sanis aus der Koje, sie sollen sofort zur Landebahn.“

**

„Condor 6, sie sind Harris oder?“

„Ja, Condor 3. Leiten sie Sinkflug ein und folgen sie mir, ich bringe sie runter.“

„Danke Condor 6.“

Unendlich stolz, dass die Legende, Condor drei, sich an seinen Namen erinnerte, übernahm Raptor 2 die Führung.

**

„Captain, alle Insassen werden sofort in Gewahrsam genommen. Und schaffen sie mir Raptor 2 her!“

„JA, SIR!“

Noch während Bernd die Landebahn anflog, begannen die Soldaten der Schattenbasis ihre Zelte abzubauen.

Von der Zentrale konnte Kresser den Flieger landen sehen. Die Schläfen massierend setzte er sich hin.

Welcher Idiot hat sich bloß diesen Mist ausgedacht…?

**

Kaum stand das Flugzeug still, rissen die Soldaten von Captain Schulz die Türen auf. Hawkins sprang als Erster hinaus. Er Salutierte vor Schulz.

„Leutnant Hawkins, Schattenteam. Sir! Wir haben einen medizinischen Notfall an Bord.“ Koslowski brachte zusammen mit Vera Sarah an die Flugzeugtür.
Schulz trat zur Seite und die Sanitäter rannten zu Sarah.

„Und wer sind Sie?“, fragte Schulz.

„Sergeant Koslowski, Schattenteam, Sir.“ Dabei drehte sich Koslowski soweit, dass Schulz den blauen Davidstern sehen konnte.

„Das hier ist Fransiska Haufberger, Reporterin des ACP.“ Hawkins zeigte auf Fransiska. „Und unser Pilot Bernd Schubert.“

Plötzlich zuckte der Soldat neben Schulz zusammen. „ÄÄH Sir?“ er deutete Schulz sich umzudrehen.

Schulz zuckte zusammen, als er direkt vor Jastre´veste stand.

Der grinste ganz breit und griff in seinen Lendenschurz. Er holte etwas daraus hervor, was er Schulz unter dessen Nase hielt …

**

„Sir, ich habe hier ein Problem.“ Kam Schulz Stimme bei Kresser in der Zentrale an.

„Captain, ich sitze hier mitten in Russland, in einer Stunde muss ich mit allem, was hier rumsteht, weg sein, da dann die ganze russische Armee hier sein wird. Und sie glauben, ein Problem zu haben. Ok, erheitern sie mich.“

„Sir, ich habe hier acht ausländische Diplomaten!“

Kressers Kopfschmerzen wurden immer schlimmer.

**

„Was zum Teufel ist in sie gefahren?!“,brüllte Kresser Harris an.
Gerade hatte das vorletzte Flugzeug die Startbahn verlassen und donnerte im Tiefflug in Richtung Kandahar. Zurück blieben noch die Sanis und Vera, die noch immer um Sarah kämpften, Hawkins, Koslowski, Fransiska und die Raptorpiloten.
„Sie hatten einen klaren Abschussbefehl!“

„Sir, der Pilot ist Bernd Schubert!“
„Interessiert mich nicht!“

„Vielleicht interessiert es den Colonel, dass die Frau des Piloten, Verteidigungsministerin eines mit uns verbündeten Landes ist.“

„Sagen sie das nochmal!“

„Die Frau des Piloten ist die Verteidigungsministerin von Soulebda. Außerdem ist dieser Mann Träger der Medal of Freedom.“

„Wissen sie auch etwas über die Frauen?“

„Darüber kann ich ihnen was sagen.“, meldete sich Fransiska.

**

Washington

General Willers lag in seinem Bett.

„Colonel, sie müssen aufstehen und mitkommen, Sir.“

Willers schreckte hoch. Noch immer träumte er, wie ihn sein Adjutant mitten in der Nacht aus dem Bett holte und man ihn auf Befehl des Präsidenten in die Südsee brachte.

Aufregende vier Wochen blieb er auf dieser Insel, lernte die Menschen kennen und verliebte sich heimlich in diese Perle der Südsee. Seinem Dank erhielt er von Präsidenten persönlich, als dieser ihn zum General und Leiter von Bethesda Hospital ernannte.

„Sir, sind sie wach?“ Verdammt das war kein Traum. Sein Adjutant stand neben seinem Bett.
„Was ist denn schon wieder?“

„Da ist ein Colonel Kresser aus Kandahar. Er sagt, er hat zwei Frauen in Gewahrsam, die behaupten sie zu kennen.“

„Was?“ Willers war aufgestanden und trat in sein Büro. Sein Adjutant hatte den Rechner schon hochgefahren und Willers setzte sich davor.

Als das Bild erschien, wurde Willers blass.

„Vera?!“

**

Eine Stunde später war eines der besten Ärzteteams der US Armee in einem 75 Learjet in Richtung Kandahar unterwegs.

„Hören sie gut zu Colonel“, hatte Willers zu Kresser gesagt. „Diese Frauen bedeuten mir, unserem Präsidenten und mindesten zwei weiteren Staatsoberhäuptern sehr viel.

Es wäre besser für ihre Karriere, wenn die beiden noch am Leben sind, wenn wir ankommen.“

– Nicht schlecht General zu sein -, dachte sich Willers und lehnte sich im Flugzeugsitz zurück.

**

TOMSK

„Antreten!“
Die 36 Soldaten des Schattenteams traten in einer Reihe an, Dave, Meresch und Menachem, jeweils vor ihrem Team, und Mike stellte sich davor.
„Los, ihr auch!“,bellte Decker und wir stellten uns in die Reihe der Soldaten dazu, mit Decker der vor uns stand.

„Ihr alle habt euch entschieden Sarah zu retten. Ich bin sehr stolz auf jeden Einzelnen von euch. Allerdings hat sich unsere Heimreise deswegen verzögert.
Die Schattenbasis wird sofort evakuiert werden und wir müssen uns einen anderen Weg aus diesem Land suchen.

Falls wir entdeckt werden und uns mit nichttödlicher Gewalt einem Zugriff entziehen können, werden wir das tun. Sollte es keine andere Möglichkeit als tödliche Gewalt geben, werden wir uns stellen und ergeben!
Fragen?“

Oh ja, da hatte ich ein paar, doch bevor ich den Mund aufmachen konnte, drehte sich Decker zu mir um und sah mich warnend an.

– WOW, da stehen sechs Leute hinter ihm und er dreht sich zu mir um … –

Mike ließ wegtreten und seine Schatten das Lager abbrechen.
„Was soll das heißen, wir ergeben uns“, fragte ich Decker. „Wir haben hier die beste Truppe der Welt und lassen uns einfach fangen, wenn einer „Halt oder ich schieße“ ruft?“

„Wir sind nicht im Krieg mit Russland und keiner will, das daraus ein Krieg entsteht. Das gilt ganz besonders für dich. Verstanden?“
Na toll! Wir sitzen mitten in Russland, sind hunderte Kilometer von zu Hause entfernt und die ganze russische Armee sucht nach uns.

**

„F i i i i i e e p“ machte es aus der Lautsprecheranlage unmittelbar neben unseren Platz. Dann begann eine laute klare Durchsage:

„Внимание! Освещение Выключатель!“ Um dann in durchweg gutem englisch weiterzufahren:

“Hier spricht Generalmajor Pjotr Nuragew vom 102 Infanteriebataillon an die ausländischen Eindringlinge!

Sie sind umstellt!

Jegliche Flucht ist ausgeschlossen, wenn Sie sich nicht auf der Stelle ergeben, treiben wir sie alle in die Anlage. Danach fluten wir diese Einrichtung mit Cyanid Gas.

Verhandlungen sind irrelevant. Wir schicken Ihnen eine Abordnung, um ihre bedingungslose Aufgabe entgegenzunehmen.“

Wieder dröhnte ein scharfes Kommando über die Lautsprecheranlage
„Внимание! Солдаты прогресс!“ und aus den Waldrändern sah man überall Bewegung.

Kein Zweifel die Soldaten waren da, wir waren umstellt. Da fuhren einige Jeeps zu uns vor und die Abordnung kam und entgegen, eindeutig Elitetruppen.
Mike, und Decker kamen nach vorne und empfingen die Russen. Der Generalmajor mit seiner Garde in Kampfstaffelung, machte uns schnell klar, dass das kein Spaß ist. Ihre Gewehre waren topmoderne Kalaschnikows mit erstklassiger Optik. Das waren keine Gardesoldaten, das waren Profis.

Ein weiterer Jeep kam angebraust und auch aus dem stiegen einige Menschen, diese aber in Zivil.
Sie kamen direkt auf den Generalmajor zu und grüßten kurz, dann tuschelten sie untereinander. Der Generalmajor schaute in unsere Richtung, musterte uns, und schickte die beiden Zivilisten weg. Ganz klar das waren die Geheimdienstler.

Erneut kam ein weiterer Militär aus einem der hinteren Jeeps und stellte sich neben den Generalmajor. Er trug schwarze Uniform und ebenfalls Generalsabzeichen, diverse Ehrenabzeichen und die beiden drehten sich zu Mike und Decker.

Als die beiden etwa 5 Meter vor den Generälen waren, begann der schwarzgekleidete General zu reden:

„Ich bin General Aleski Kozlov, Kommandant dieser Einrichtung. Sie werden einzeln vortreten, Ihre Waffen in den Container hier ablegen und einzeln durchsucht werden. Dann werden Sie sich hier aufstellen. Als Letztes wird Miss Caroline Miles vortreten. Lassen Sie die Leute einzeln vortreten und genauso wie ich es sagte.

Jeder Fehler wird tödliche Konsequenzen haben!“

Damit sprangen von neben uns und hinter uns mindestens eine Kompanie Soldaten und wir waren definitiv umstellt.
So viele kleine rote Punkte hatten wir lange nicht mehr auf unseren Körpern gesehen. Die Soldaten sahen professionell aber grimmig und durchtrainiert aus.

So begann das große Antanzen und Durchsuchen. Jeder unserer Truppe trat einzeln vor, wurde von vier Mann abgeklopft, durchsucht und musste nebenan gut 10 Meter seitlich von uns stehenbleiben, die Hände hinter dem Kopf haltend.

Langsam wurde der Platz leerer und dann kam Peter an die Reihe. Sein Blick zu mir hatte etwas leidendes, als wüsste er was als nächstes kommt. Ich kannte Peter lange genug, um jeden seiner Gedanken erraten zu können.

Als er sich hinkniete und durchsucht wurde, drangen die Stammeskrieger mit ihren Gedanken zu uns ein.

„Wir sind in Sicherheit, eben kam Hilfe für eure verletzte Freundin und es sieht wieder gut aus, überlebt da draußen, überlebt irgendwie und opfert euch nicht alle auf für uns!“

Wir konnten unseren Status mitteilen und dann musste ich mich wieder auf das Geschehen hier konzentrieren.

Nun war ich an der Reihe, ich kam nach vorne zur Untersuchung, aber der schwarze General trat vor mich und übernahm das Untersuchen selbst. Er ging außergewöhnlich sorgfältig vor und jeder konnte sehen, dass er auch wirklich meinen ganzen Körper untersuchte..
Wie schwer musste es in Peter gerade kämpfen, wie schwer in den anderen. Schließlich war Aleski fertig mit seiner Untersuchung.

„Warte, bleib hier!“, befahl er mir und schaute zu dem Generalmajor. „All diese Leute könnt ihr mitnehmen und verfahren Sie mit ihnen wie befohlen, aber diese eine hier, die bleibt hier!“
Der andere General gab Anweisungen, dann erhielten meine Freunde alle Handschellen und wurden ein einer Reihe weggeführt.

Sie sahen mich noch einmal mit dem Blick an, den man zum Abschied aufsetzt, es hatte etwas Endgültiges.

Als sie aus der Ruf- und Sichtweite waren, erteilte Aleski weitere Befehle und ich war umzingelt. Zufrieden mit sich selbst sprach er zu seinen Soldaten.

„Das ist der Hauptgewinn meiner Aktion!“ Sein Blick hatte etwas Gefährliches. Er nickte einigen Soldaten zu.

Zwei Männer kamen und legten mir einen gut 20 cm starken Ast auf die Schulter und banden Arme und Hände daran fest, dann bekam ich eine Schlinge um den Hals an der man mich wegziehen oder aufhängen konnte.

„Es ist soweit, Lerbrev“ sagte Aleski in ein Funkgerät und wenig später fuhr ein aufgemotzter Range Rover vor. Der Fahrer war großgewachsen, sportlich und trug Kampfkleider der besten Sorte. Er stieg aus und kam auf mich zu.

„Hallo meine Hübsche, wir werden jetzt viel Spaß miteinander haben, wir werden spielen, ich werde dich jagen und wann immer ich will, werde ich dich durchvögeln, wieder jagen und durchvögeln, so geht das bis ich entschließe dass du besser an meiner Hauswand hängst, na ja zumindest dein schöner Kopf.
Den allerdings werde ich dir zuletzt abschneiden, denn vorher wollen wir ja deine Organspende annehmen und ich bin überzeugt, du hast nur die allerbeste Qualitäten an Organen anzubieten. Ja und dann wirst du sterben, schön langsam, aber das gute dabei ist, dafür müssen deine Freunde nicht leiden, die sind dann sicher im Gefangenenlager am Reaktor und werden für den Rest ihres kurzen Lebens Atommüll einlagern, ich verspreche dir, die haben eine strahlende Zukunft vor sich.

Bringt sie weg, wascht sie und ich will sie in der großen Arena haben. In einer Stunde!“

**

Die Freunde wurden von den Soldaten weggebracht, vor dem Camp standen Transporter und je vier Mann in einen der großen Transporter, dann stiegen 12 Soldaten dazu, da war an Flucht nicht zu denken.

Flankiert durch Jeeps mit MG auf dem Dach fuhr der Tross los, zurück blieb Caroline mit gut 20 Soldaten und dem schwarzen General.
Die Transporter hatten nach einer Stunde Fahrt ihr Ziel erreicht. Nahe Samus, war eine große Anlegestelle am Tom für die fliegende Feuerwehr der Region.

Hier lagen drei Flugboote von Berijew vom Typ Be-200. An Händen und Füßen gefesselt stolperten die Gefangenen in kurzen Schritten den Flugzeugen zu. Davor und daneben ja überall befanden sich Wachen, so war an eine Flucht nicht im Ansatz zu denken.

Die Wasserbomber waren als Transporter auch verwendbar, wenn keine Brandeinsätze vorlagen. Die Helden wurden an Bord gebracht und angekettet. Die schweren Turbinen heulten auf und die drei schweren Flugzeuge hoben eines nach dem anderen auf dem breiten Fluss Tom ab, bildeten eine Formation und flogen weg.

An Bord saß Peter mit geschlossenen Augen, offenbar in Kontakt mit seiner Caroline. Decker und Mike saßen gegenüber und konnten seine Blicke deuten.
Dann hob Peter seinen Kopf und öffnete seine Augen, durch sein Gesicht ging ein leichtes Lächeln, dann schloss er seine Augen wieder und lauschte in sich, offenbar ging es da draußen bei Caroline rund.

**

Von vier bewaffneten Soldaten flankiert, treiben sie mich durch die Gänge der Anlage. Vorneweg ein Offizier mit Kartenmaterial. Demnach kannten die Soldaten diese Anlage nicht. Vor uns kamen die Lastenaufzüge und nebenan die Energieräume. Der Offizier las den Plan und ich drückte mit meiner Pobacke den Schalter der Lastenaufzüge.
An beiden Seiten des Flurs gingen die Türen auf und die Soldaten waren verwirrt. Schnell drückte ich mich mit zwei meiner Bewacher durch eine Tür, als gegenüber die weiteren Türen aufgingen und für Ablenkung sorgten.

Die Türe vor uns schloss sich und die beiden Soldaten wollten mich überwältigen. Der Ast an dem ich gefesselt war, wurde zum Propeller und zwei Soldaten lagen am Boden, schon ging die Tür auf und ich sah auf einem Schild Ebene III also der Kellerbereich, schnell raus und um die Ecke in Sicherheit.
Die Fesseln mussten weg aber ohne fremde Hilfe nicht zu schaffen, da sah ich den Müllverdichter. Diese hydraulische Monstermaschine presste den Inhalt zusammen und an der linken Seite kam ein Block nach außen, der in einer Versenkung verschwand. Dahinter war Platz genug, also ein Tritt auf den Auslöser und die Hydraulik setzte das Monster in Bewegung.
Eine falsche Bewegung und der Ast würde brechen und mich aufspießen ich musste, sobald der Ast eingeklemmt war, mich dagegen stemmen oder ich würde hier nicht herauskommen.

Knirschend brach das Holz und ich drückte es nach hinten weg. Ich war frei, ich endlich frei.
An beiden Händen hingen die Fesseln und die Ast Reste wie Nunchakus. Zurück an den Lastenaufzug, die beiden Soldaten lagen noch bewusstlos am Boden und ich bediente mich an ihnen.
Frisch bewaffnet und mit einem Funksprechgerät der Truppen ausgestattet, huschte ich durch die Gänge, ja das kannte ich noch vor früher, hinauf durch den Notaufstieg und ab in Richtung Kontrollraum.

Die Überwachungsdisplays zeigten, der Raum war leer. Also rein und orientieren. Die Anordnung der Displays war logisch und strukturiert. Schnell fand ich die Masterkonsole und suchte die Zugangskontrolle, die Anlage war noch scharf und nicht gesperrt, es ging demnach vorhin hektisch zu.
Doch da Bewegung. In den Displays kamen einige Soldaten und durchsuchten die Anlage. Die Verriegelung der Masterkonsole schloss auch die beiden Zugänge und als die Soldaten zur Kontrolle kamen, sahen sie den leeren Kontrollraum, abgesperrt, wer sollte da auch reinkommen, so liefen sie weiter.

Auf Bildschirm drei sah ich diesen Aleski und Lerbrev, offenbar den stärksten Jäger, der mit im Boot war. Ich suchte die Kontrollen und sah die Schalter für Ton.
„… können Sie durch die ganze Arena jagen. Ihre Zahlungen sind registriert damit gehört die Frau ihnen mit allen Möglichkeiten.“

„Danke endlich kann ich mit ihr die Jagd beginnen. Wann machen Sie sich auf zur Leitstelle nach Wolgograd?“
„Innerhalb der kommenden Stunde, meine Soldaten stehen Ihnen nur zum Schutz, nicht für mehr zur Verfügung, Sie werden sie vermutlich gar nicht zu sehen bekommen“

„Die sind mir eh nur im Weg. Guten Flug und jetzt wünschen Sie mir Glück“
„Waidmannsheil“

Ich setzte mich hinter die summende Konsole und dachte konzentriert an Peter, dann begann ich ihn zu informieren.

**

Peter saß immer noch am Boden und seine Augen öffneten sich langsam, er blickte zu Decker und Mike und flüsterte leise „Sie hat sich befreit und beginnt jetzt ihrerseits mit der Jagd!“ Die beiden nickten nur leicht.

**

Colonel Kresser legte den Hörer weg wie ein heißes Eisen.

Die Worte des Generals waren wie heißes Öl an seinen Ohren. Eben war seine Welt noch in Ordnung, er hatte nur eine geheime Schattenbasis zu führen und dann plötzlich, schien die ganze Welt um ihn herum Kopf zu stehen.

Anfangs fliegt ein unbekanntes Flugzeug an, und posaunt auf der Emergency herum, dass es selbst der betrunkenste Funker mitbekommen muss, dann sind in dem Flieger akkreditierte Diplomaten, und dann auch noch andere hohen Würdenträger.

Damit das alles nicht allzu langweilig wird auch noch ein Notfall mit einer offenbar sehr wichtigen Frau, von der er nicht einmal ihren genauen Namen kannte.

Was konnte jetzt noch kommen, um das größte Unglück aller Zeiten vollkommen zu machen? „Sir, wir müssen die letzten rausfliegen zum Notlager oder wir sind alle gefangen.“

Die Frau war am verbluten, und die letzten Konserven waren angesetzt, also nichts wie weg. Die beiden letzten Flieger starteten und zurück blieb eine leere Basis, deren Kommandostand in diesem Moment unter ihnen explodierte, so Beweise gab es keine mehr, auf zum Notlager.

Das Ausweich- und Notlager hatten die Leute seines Kommandos nahe der kleinen Stadt Akkoi installiert. Am dortigen ehemaligen Flughafen waren zwei Gebäude hergerichtet und bezugsfertig. Ein Hangar war jetzt zur Kommandozentrale ausgebaut und die Soldaten waren bereits gelandet. Als die beiden letzten Flugzeuge ausrollten, schlossen sich die Hangar Tore.

Zwei Mediziner waren bereits an der Frau und sie sahen nicht glücklich aus. „Wir verlieren sie, wenn nicht gleich ein Wunder geschieht, verlieren wir sie Sir!“
Und das Wunder brauste in Form eines Learjet an. Über Kandahar hatten sie die Kennungen gegen eine internationale Rettungsmannschaft getauscht. Nach dem Zwischenstopp in Duschanbe mit erneuter Änderung der Kennung ging es weiter nach Balquasch.

Erneut wechselten die Kennungen und aus dem Flugzeug wurde eine Regierungsmaschine. Fragen stellen war ab sofort verboten. Hier hatten mächtige Verwaltungsstellen die Fäden gezogen und die Flugruten festgelegt.

Einem Notanflug gleich brauste der schnittige Jet an und setzte auf, nahm die kürzeste Landestrecke und rauschte direkt auf den geschlossenen Hangar zu. Das Hangar Tor ging gerade noch rechtzeitig auf und der Jet kam zum Stehen. Schnell war er auch im Hangar verstaut und die Tore schlossen sich.
Noch im Ausstieg wurden die Informationen an den Generalarzt gegeben und seine Leute schleppten die mitgebrachten Kisten mit, die Plastikabdeckung des Not OP schloss sich und das Wunder nahm seinen Lauf.

**

Unterdessen hatte sich das Soldatenteam von 20 Mann auf 14 reduziert. Mit dem Wegbleiben der beiden Generäle galt der ursprüngliche Befehl der Truppe und der war klar geregelt.

Aber nicht diese Truppe sah ich als mein eigentliches Problem an, sondern dieser merkwürdige Lerbrev machte mir Sorgen. Ich konnte ihn nicht richtig einschätzen, aber seine Drohungen waren klar genug.

Wie aber sollte ich erkennen, wer sich in dieser riesigen Anlage wo befand.

Doch auch da half Kommissar Zufall weiter. In einer der beiden Schubladen am Kommandostand lag ein Tablet in stabiler Ausführung mit dem Aufschrieb Motion Tracker. Angeschlossen an das Ladesystem und mit laufendem Programm leuchteten auf einmal mehrere Lichter, alle Paarweise, nein nicht alle zwei waren solo eines davon genau in der Mitte, hier war der Kommandostand.

Das kleine Licht in der Mitte war also ich selber. Die anderen konnte ich schnell zuordnen und der Tracker konnte sogar an der Färbung die Tiefe also die Etage zuordnen. Nun galt ein weiteres Solo Licht zu suchen und ich fand es. Umgeben von zwei Paaren an Lichtern, musste das Lerbrev sein und seine Bewegungen deuteten auf einen erfahrenen Jäger hin.

Ehe ich mich auf die Suche zu ihm machte galt es noch zu überprüfen, ob er eventuell auch einen solchen Motion Tracker besaß, denn dann könnte das Spiel schneller aus sein wie ich mir dachte.
Die nächsten beiden Soldaten fielen schnell aus dem Spiel, einer hatte ein schönes Kampfmesser bei sich, das ich nur zu gerne an mich nahm, der andere eine 9 mm, die Munition dazu und einen 40 mm Granatwerfer für die Flächenwirkung, mit einem Trommel-Magazin und Munition.

Aber alles was ich tat, zeigte keine eindeutigen Anzeichen, dass Lerbrev auch einen solchen Motion Tracker besaß, also beschloss ich mich näher an ihn heran zu kämpfen.

**

„Geschafft, jetzt ist sie über den Berg!“, sagte General Willers und ließ sich die Stirn abtupfen.
Der Operationsbereich sah aus wie nach einer wilden Schlacht. Entsprechend sahen die beiden helfenden Ärzte und Krankenpfleger aus. Colonel Kresser kam auf den General zu und stellte sich neben ihn „Gratulation Doktor, das war eine der längsten Operationen, bei denen ich zusehen konnte und deren Patient überlebte.“

„Ja das war auch happig. Wir mussten ein Stück der Schlagader erneuern, die war zerschnitten und andere Menschen wären bereits längst tot. Aber das ist ja jemand ganz Besonderes …“
„Ich habe keine Ahnung, wer das ist, aber was, da alles für diese Frau bewegt wurde, muss die mindestens eine Nationalheldin sein.“

„Das ist sie auch, mein lieber Colonel, das ist sie auch, und zwar gleich mehrfach.“

Nach und nach kamen die anderen dazu und man sprach über das was alles bis hierher geschehen war. Der General begrüßte die Stammeskrieger und sie verbeugten sich vor ihm, erklärten was sie von den gefangen genommenen Freunden und von Caroline in der Arena wussten.

**

Mit dem Motion Tracker bewegte sich Caroline durch die Servicetunnel unter der riesigen Arena und gelangte an die Quadranten der Anlage. Oben im Norden befand sich der erste Posten und die beiden Jäger hatten sich gerade ihr Essen angerichtet. „Ich hol noch das Salz aus dem Zelt.“ sagte der große zu dem kochenden Jäger und verschwand im Zelt. Es klapperte etwas im Zelt und der kleine Koch rief „Fällst du wieder über den Rucksack mit den Dosen, pass doch auf.“ Aber es kam keine Antwort.

Dafür kratzte etwas an die Zeltwand und der kleine Koch schaute kurz zu dem köchelnden Essen auf dem Feuer und schaute ging auf das Zelt zu. Als er den Kopf hinein steckte sprach er zu seinem Kollegen: „Was ist denn nun schon wieder, kannst du nicht mal …“, da fiel er wie von einem Hammer getroffen zu Boden und Caroline kam aus dem Zelt mit ihrem Messer in der Hand.

Zwei Jäger weniger und dazu ein gut gekochtes Süppchen vom Feuer, das war gerade das, was Caroline brauchen konnte. Danach löschte sie das Feuer und machte sich auf den Weg zum nächsten Trupp, den im Westen. Als sie an den zentralen Knotenpunkt in der Mitte kam, fiel ihr ein kleiner Elektrokarren auf, der sogar an einer Steckdose angesteckt war. Gerade groß genug für eine Person und einiges an Gepäck nahm Caroline Platz und rollte los. In der Ablage des kleinen Karrens lag eine Schlagbohrmaschine und ein guter Gehörschutz. Die Maschine flog raus und den Gehörschutz nahm ich mit.

Der kleine Karren surrte sehr leise, dafür umso schneller los. Sie hatte ihr ideales Fortbewegungsmittel gefunden, um die Tunnelstrecken schnell zu bewältigen.

Im Westen waren die beiden Jäger bereits beim essen und sie waren dabei zwar leise, aber dennoch abgelenkt. Einer von den beiden saß an einen Baum angelehnt und aß sein Essen. „Mach schon Leonid, wir müssen gleich weitermachen.“ Der angesprochene setzte sich mit seinem Essen an den Baum gegenüber. In der einen Hand hielt er sein Essen und mit der anderen fingerte er in seinen Taschen umher. „Wo ist das verflixte Essbesteck nur …“ als sich offenbar zufällig ein Schuss löste und er nach vorne fiel.

„Verdammter Idiot, erschießt sich doch glatt selber.“ Damit sprang der zweite auf, ließ sein Essen fallen, um seinem Kameraden zu Hilfe zu kommen, doch als er an der Brust von Leonid war, stieß ihm eine Hand ein Messer in die Brust und er fiel wie ein gefällter Baum in Leonids Schoß.

Caroline prüfte kurz, was sie mitnehmen konnte und griff zu dem eingeschalteten Funkgerät, schon war sie wieder im Servicetunnel verschwunden und fuhr weiter.

**

Lerbrev saß mit vier Soldaten in seiner Deckung und sie besprachen den weiteren Ablauf.
Die Soldaten sollten mit den anderen innerhalb der Arena die Beute zu ihm jagen. Diese Arena war der größte Bereich der ganzen Anlage und hatte einen Dschungel mit Vegetation und aktiver Tierwelt. Diese Caroline hatte bereits in dem kleineren Dschungelbereich gekämpft und er war sehr angetan von ihrem Mut und der Kaltblütigkeit, die sie an den Tag legte.

Endlich mal eine Beute, die anspruchsvoller war, als all die anderen, die im letzten Jahr vor seine Flinte liefen.

„Wo sind eure Kollegen, zeigt sie mir auf der Karte.“
„Die Trupps sind hier, hier, da oben genau hier, gegenüber dem Fluss, hier und da unten, dann noch da drüben und hier.“ Dabei zeigte der Kommandoführer mit den Fingern auf die Karte.

Lerbrev nahm sein Funkgerät und drückte die Sprechtaste. „Hier Adler Eins, alle Falken melden!“

„Hier Falke drei, im Osten alles klar, kein Kontakt.“

„Falke Zwo im Süden meldet ebenfalls alles ruhig und kein Kontakt.“

Dann blieb das Funkgerät stumm.

„Moment, von zwei Trupps kommen keine Bestätigungen rein, was ist mit den Trupps im Norden und im Westen.“

„Falke Vier und Falke Eins melden Sie sich!“ Aber kein Falke meldete sich mehr.

Lerbrev schaute seine Leibwächter an.

„Die können wir also durchstreichen, die sind dann wohl tot. Meldung an die anderen Bodentruppen; Prüfen, ob sie sich in die Mitte etwas tut oder seitlich gekämpft wird.“

Der Funker tat wie ihm geheißen und vermeldete von vier der anderen Truppe dass sie da waren aber nichts von einem Kampf mitbekommen hätten.

Lerbrev schaute auf die Karte, er befand sich im Zentrum. Wenn Caroline gut war, würde sie versuchen mehr Trupps auszuschalten. Nord und West-Trupp waren ausgeschaltet, es blieben noch zwei Trupps mit je zwei Mann. Dazu noch die vier Bodentruppe im SW, SO, NO und NW.

Aber im Dschungel konnte auch eine Caroline unmöglich so schnell von A nach B wechseln. Demnach könnte sie auch einen fatalen Fehler begehen und direkt ins Zentrum vordringen, das wäre aber ziemlich dumm… oder aber Lerbrev übersah etwas.

Wieder ließ er die Trupps sich melden und diesmal fehlte ein weiterer Trupp, der war aber auf der östlichen Seite. So schnell kann sich keiner bewegen, dachte sich Lerbrev. Irgendetwas musste er übersehen, aber was nur.

**

Die Truppen hatten keine reelle Chance gegen mich, ich war jetzt im Killermodus und wusste, ich muss so schnell wie möglich diese Arena verlassen und das geht nur durch Siegen!

Der Osttrupp hatte zwei Handgranaten bei sich und ich nahm sie mit, dann war ich auch bereits wieder im Servicetunnel verschwunden. Die Ladeanzeige war bei 80% das würde also noch für einiges reichen und ich sauste weiter zum gegenüberliegenden Servicepunkt, Südwest war jetzt angesagt.

**

Unterdessen im Luftraum von Wolgograd.

Aleski saß in einem der luxuriösen Flugzeugsessel und hat eine bildhübsche Schönheit auf seinem Schoß. Er hielt sie fest und sie ritt ihn hart und fest. Die Stewardess mit dem langen blonden Haar faucht ihn gerade an „Jaaa, jetzt, komm endlich, ich bin soweit, komm endlich, jaaaaaaaaaaaaaaa, fester und härter ich will dich spüren ganz hart, jaaaaaaaaaaaaaaaa …“

Ein harter Schlag reißt die blonde Schönheit von Aleskis Schoß, sie stürzt in den Gang und stößt sich ihren hübschen nackten Po. „Ahhh, was soll, das, ich war fast soweit.“, schreit sie Aleski an.
Aus dem Cockpit dröhnt im gleichen Moment die Stimme des Piloten:

„General, wir haben einen Vogelschlag, müssen notlanden, wir gehen runter, wir …“ Aleski schaut an sich herunter und schließt seine Kleidung wieder „Verdammt noch eins, ich war so kurz davor, verdammte Vögel hättet ihr nicht noch fünf Minuten warten können …“

In diesem Moment verliert er und seine frisch gevögelte Blondiene den Boden unter den Füßen, als sich der Flieger um die Längsachse dreht und sinkt.

Damit geht die Maschine trudelnd in den Sinkflug, eine schwarze Rauchfahne hinter sich herziehend. Die Piloten setzen den internationalen Notruf ab und bestimmen die Koordinaten, sie sind zwischen Saratow und Wolgograd nahe Kamyschin als die Maschine bei 650 Meter in einer dichten Wolkenschicht verschwindet.

In der Radarkontrolle bei Kiew bestätigen die Controller den Notruf, die Radarbilder werden auf die Region gelegt und das kleine Symbol von Aleski fliegt auf einen Berg zu.

Die Radarstation Lebyahye warnt vor der Gefahr, dann erlischt das Radar-Symbol zwischen den Bergen. Knistern und Rauschen meldet der Lauschposten am Militärflughafen und bestätigt eine Bruchlandung, zum Glück es gibt Überlebende. Aber keine Funksignale mehr.

Dann laufen die Rettungsmaßnahmen an.

**

Der Funkspruch an Lerbrev besagte nichts Gutes. Gerade hatte sich der Bodentrupp im Südwesten gemeldet, als eine dumpfe Explosion die Verbindung unterbrach. Die erste Handgranate hatte einen weiteren Trupp ausgeschaltet.

Der Kommandoführer der Bodentrupps schaute zu Lerbrev. „Da sind noch andere im Rennen, so schnell kann das eine Person nicht reißen, da sind weitere Kämpfer im Spiel.“

„Ja von hier nach da braucht ein guter Läufer bei dem Untergrund acht Minuten und diese Frau soll das in fünf Minuten geschafft haben? Glauben Sie das wirklich?“

„Auch wenn ich das nicht glauben kann, ist es nicht auszuschließen.“, murmelte Lerbrev und befahl die restlichen Trupps zur Zentralabsicherung in die Mitte. Sie sollen sich bei uns in der Mitte treffen, und zwar jetzt gleich, wir müssen reagieren!“

In diesem Moment ging eine weitere Granate hoch und das Nordost Team meldete sich nicht mehr.

„Sofort alle zurück zur Basis, alle und sofort, keine Ausnahmen!“ Fluchte Lerbrev.

**

Der Motion Tracker zeigte Caroline, dass sich die verbliebenen Trupps auf die Mitte zu bewegten. Lerbrev hatte also das Sammeln befohlen, genau das war es, worauf Caroline gewartet hatte.

Im Zentrum gab es eine kleine Höhle mit zentralem Wartungszugang. Caroline saß ihn ihrer Deckung und verglich das, was sie draußen sah, mit dem Bild auf dem Tracker. Jetzt war auch klar, wo Lerbrev sein musste, genau vor ihr im Zentrum bei dem Lagerfeuer und den Wachen.

Endlich konnte sie ihn wieder sehen, er war es tatsächlich und wartete, dass seine Truppen ankamen. Da stand er, der große Jäger; Ein mächtiges Messer am Gürtel, dazu mehrere Handgranaten. In jeder Seitentasche drei Magazine für die Automatik und zwei Magazine für seine Maschinenpistole.

Caroline hatte den Granatwerfer neben sich gelegt und lud die Granaten in die sechs Kammern der mächtigen Trommel. Eine Granate mit Splittermunition und danach High-Ex Munition, bis die Trommel voll war, dann stellte sie die Kammer mit der Splittermunition in die Abschußstellung und begann ihre Zielpeilung. Die Halle war hoch genug für einen Parabelschuss. Da es keinen störenden Seitenwind gab, würden die Granaten verehrend wirken, sie würden genau im Ziel landen. Jetzt noch den Gehörschutz aufsetzen und es konnte losgehen.

Aus der Deckung heraus war sie bereit für die Granatabschüsse. Das erste starke Plopp verschoss die erste Granate und noch im Flug schoss sie die nächsten drei Granaten nach und wechselte sofort den Platz, der Rückzug in die Höhle, war ihr Ziel.

Noch im Rennen kontrollierte sie die beiden Sprengsätze am Höhleneingang, diese würden den Eingang versperren, sobald jemand den Draht abriss.

Im hinteren Teil der Deckung ging sie in Deckung und sah nach vorne, in die Mitte der Arena, in der gerade die erste Granate herunterging.

Die Wirkung der ersten Sprenggranate war wie erwartet, zwei oder drei der Soldaten wurden direkt getroffen und mit der folgenden Explosion löste sich das Camp in Chaos auf. Mindestens zwei weitere Soldaten wurden von der High-Ex getroffen und zerrissen.

Lerbrev erkannte, dass er im Freien in tödlicher Gefahr war und rannte den kürzesten Weg zur Höhle, als gerade die dritte Granate im Camp einschlug. Mit einem Hechtsprung gelangte er aus der Gefahr, riss dafür aber den Zünddraht der Sprengladung am Höhleneingang ab und die Ladungen explodierten verzugslos in dem Höhleneingang.
Mit einem lauten Knall flogen Steine umher und fast wäre Lerbrev von einigen der heranfallenden Steinen erschlagen worden.

In der Höhle sah sich Lerbrev um. – Mist, der Eingang der Höhle war eingestürzt, auch das noch! –

Aber jetzt konnten ihn immerhin von draußen keine Granaten mehr treffen, verdammtes Weibsbild, die war noch härter, als er sich gedacht hatte.

Beim Aufflammen seiner Taschenlampe erkannte er die kleine Höhle und aus einer Ecke kam ein Licht.

Sofort schoss er mit der MP auf das Licht und erkannte augenblicklich den Fehler, als ein lautes Lachen erklang und die Querschläger rings um ihn herum pfiffen.

So ging das nicht, die Querschläger waren unberechenbar, aber Lerbrev wusste dafür eines jetzt ganz genau, Caroline Miles war mit ihm in der Höhle.

„Verdammtes Weib, lass uns fair kämpfen!“, schrie Lerbrev in die Höhle um die Richtung der Antwort anzupeilen, aber es kam kein Laut. Dafür krachte es hinter ihm fürchterlich und er stand im hellen Licht einer Flash-Bang Blendgranate. Seine Augen und Ohren versagten den Dienst …

„Scheiße…“ schrie er und hob seine MP, aber er konnte nichts erkennen. Seine Ohren dröhnten vom Pfeifen und die Augen spielten ihm Geister vor, als sich einer der Geister manifestierte.

Seine MP wurde ihm aus der Hand geschlagen und er erkannte langsam Umrisse, die sich überall zu bewegen schienen. Langsam kam sein Gehör wieder und die Augen schienen sich wieder an die Dunkelheit zu gewöhnen.

Dann hörte er das Durchladen eines Granatwerfers und sofort sprang er – gegen einen Felsen – den er offenbar noch nicht sehen konnte. Benommen fiel er auf seine Knie. Der Fluchtsprung in die rettende Sicherheit war so richtig daneben gegangen.

Noch während Lerbrev sich den blutenden Schädel hielt, sah er schemenhaft etwas irgendwo vor sich stehen.

**

Ich kam für einen Moment aus der sicheren Deckung, einem Felsvorsprung und schoß mit dem Granatwerfer auf Lerbrev.

„Ich hab leider keine Zeit zum Spielen – Auf Wiedersehen du Arschloch!“, dann schlug die Granate im Bauch von Lerbrev ein …

Schon war ich hinter dem Felsvorsprung zurück, da ging die High-Ex Granate hoch und es folgten zwei Folgeexplosionen, die allerlei in der Höhle herumwarfen.

Die Granate hatte weitere Detonationen ausgelöst. Ich zog meinen Gehörschutz ab, schüttelte mich und lauschte, aber da sprach keiner mehr.

Ein paar Steine plumpsten noch auf den Boden dann herrschte Ruhe. Der Motion Tracker zeigte nur noch ein einziger Punkt an, meinen eigenen. Draußen am Campingfeuer lebte keiner mehr und hier war nur noch ich am Leben.

Lerbrev war tot. Ich sah ihn am Boden liegen mit zerfetztem Brustkorb, die Augen starr vor Überraschung aufgerissen. In seinem Mund steckte ein großer Stein.

Rasch durchsuchte ich seine Taschen, zumindest jene, die noch durchsuchbar waren. Ein paar Schlüssel sowie seine Ausweise. Als letztes Andenken riss ich den Ohrring mit dem Brillanten ab und nahm ihn mit.

Wieder etwas für meine Sammlung.

Über den Servicetunnel am Ende der Höhle kam ich auf die zentralen Gänge zurück. Da tauchten die ersten Punkte von der Oberfläche auf dem Motion Tracker auf. Drei Punkte standen oben an den Fahrzeugen und schoben Wache, die kommen später dran, dachte ich mir.
Jetzt galt es dafür zu sorgen, dass die Freunde in den Fliegern gerettet wurden, ehe es zu spät war.
Zurück in der Kontrollzentrale suchte ich die Kontrollschirme ab. Die Ausweise von Lerbrev auf dem Tisch, die Unterlagen von Aleski Kozlov lagen noch auf dem Bildschirm, da stach mir eine Kennung ins Gesicht:

Die Kommunikation zu den drei Flugzeugen lief auch hier bereits über digitalisierte Kurzwelle ab. Da brummte und zischte schon lange nichts mehr im Funk.

Die Funkkennungen wurden oben rechts im Display angezeigt und die möglichen Signale konnten aus einer Liste ausgewählt werden. Ab da war es einfach.

Die drei Fliegericons auswählen, das Sendesymbol „Sofortige Rückkehr zum Stützpunkt“ ausgewählt und mit dem Prioritätssymbol verbunden und dann auf „Transmit“ schon ging der Befehl über Funk raus. Kurz danach wurden die Bestätigungen eingeblendet, die Funksprüche waren also angekommen.

Im spiegelnden Bildschirm sah ich mich an und meinte zu mir selbst, das fliegt doch innerhalb weniger Stunden auf, wenn sich Aleski meldet. Dennoch es war das Einzige, was mir hier einfiel. Dass Aleski vor ein paar Stunden abgestürzt war konnte ich noch nicht wissen. Dennoch ging ich das Risiko ein.

**

Mike schaute aus dem Fenster und murmelt zu Decker „Wir kehren um, die Sonne wechselt die Position!“ Damit schauten beide Peter an „Weißt du mehr?“ Peter atmete durch und schloss die Augen, dann konzentrierte er sich auf seine Caroline und Rif sie in seinen Gedanken.

**

Auf der Kommandokonsole leuchten die Bestätigungscodes der drei Flugzeuge auf. Wie komme ich nur an die Position der drei Flieger heran, aber da machen sie es mir einfacher und unter den drei Symbolen leuchten die Zeitdaten auf, noch 45 Minuten.
Endlich etwas entspannend setze ich mich auf den Boden der beiden Kontrolltische. Die Wärme und das leise Summen helfen mir, mich zu konzentrieren.
Oh ihr Stammeskrieger, was würde ich ohne euch machen, dann tauchen die Nebel vor meinem inneren Auge auf und ich höre ein Rufen aus der Tiefe des Raumes.
„Caroline bist du da, Caroline bist du da Caroline?“ Endlich kann ich bestätigen und die Nebel lichten sich ich sehe ein Lagerfeuer irgendwo im Nirgendwo und Peter neben mir auf dem Boden sitzend, er greift meine Hand und ja, fast kann ich ihn spüren. Dann berichte ich ihm, was geschehen war.

**

Mike raunzt Decker an „Da geht doch wieder was vor zwischen den beiden oder?“ „Ja eindeutig, ich glaube, er hat sie. Meinst du, dass die gerade Simsen?“, und er grinst Mike an.
Einige Minuten später öffnet Peter die Augen und prüft, wer alles zuhört, dann beginnt er.

„Diese Frau ist unglaublich!“

„Wissen wir – Quatsch keine Oper, sondern erzähl, was ist los?“
„Lerbrev, der letzte Jäger ist tot. Sie hat die ganze verdammte Abteilung der Soldaten weggeputzt und ist für die Rückkehr unserer Flieger verantwortlich. In 45 Minuten landen wir auf dem Platz, von dem wir starteten und ach ja, Aleski hat sich abgesetzt.“
„Lerbrev war das etwa der Hagere, in dem Jeep, der bei unserer Gefangennahme auf der Piste wartete?“
„Ja, das muss er gewesen sein.“

Mike schaut Decker an und lächelt wissend, „Wenn wir mal in der Agency Hilfe brauchen, können wir uns Caroline mal ausleihen?“, und alle drei lächeln leise vor sich. Der Wachsoldat kommt und fordert zur sie zum Schweigen auf.

**

Jastre´veste saß neben seinen Stammeskriegern und dem Arzt, als er kurz aufschaute. Auch die anderen Stammeskrieger erhoben ihren Kopf, als würden sie auf etwas lauschen. Dann schaute Jastre´veste den General an und nahm ihn zur Seite.

„Ihre Maschine hier, hier wie weit fliegt die denn und wie viele Kämpfer passen da hinein, ich hätte da eine dringende Aufgabe zu erledigen.“
Zusammen mit dem restlichen Schattenteam machten sie sich daran einen Rettungsplan auszuarbeiten, der sich gewaschen hatte. Zuerst aber brauchten Sie Funkverbindung nach Israel, um den Plan durchzusprechen.

Wenig später sah man im Display des Rechners an den dunklen Fenstern, dass es in Israel bereits Nacht war. Dagan sah etwas übermüdet aus und seine Leute setzten sich. Sie besprachen den Plan und bekamen grünes Licht. Zum Abschluss wollte Dagan aber noch etwas wissen.
„Wo ist Leutnant Fabienne Stahl?“
„Bei den Gefangenen in den drei Fliegern.“
„Gut legen sie los, wir planen derzeit die Route und sorgen für freie Bahn“ mit einem Kopfnicken beendet Dagan die Verbindung.
„Also gut, wir haben einen Learjet 60 und eure beiden Maschinen, die hier überall auffallen, also müssen die hier bleiben.

Kommandoführer der Schattenbasis?“

„Hier, Herr General?“, sprach Colonel Kresser und stand auf.
„Sie wollten doch immer ein Held sein, jetzt erteile ich Ihnen die Aufgabe etwas Unmögliches zu erledigen. Da Sie selbst die Jet Einweisung haben, nehmen Sie noch zehn weitere Leute mit. Hören Sie genau zu! Sie fliegen mit der Truppe nach Samus, nahe Seversk, übernehmen die Feuerlöschboote, die dort landen werden und bringen unsere Leute da raus. Ist das klar? Und damit es nicht langweilig wird, ohne unnötige zivile Opfer.“

Colonel Kresser schaute noch etwas entsetzt, aber sein Blick wurde klarer und kurz darauf war er überzeugt, fast alle Kriege der Welt alleine beenden zu können.
Währenddessen machten die Soldaten den Learjet startklar. Die Flugzeugkennung wechselte erneut und so wurde der Jet zu einem zivilen Jet aus dem reichen Krimgeldadel. Der Pilot machte Platz für seinen neuen Co-Pilot und Kommandoführer und dann sammelten sich die Kämpfer für einen weiteren Schatteneinsatz.

Colonel Kresser sah sich die Truppe an und meinte nur „Gott stehe uns bei.“

**

Über der verlassenen, ehemaligen Schattenbasis kreisten einige Hubschrauber. Am Boden suchten Truppen nach allem Verdächtigen. Alles was sie fanden, brachten sie zur Begutachtung direkt zum Kommandofahrzeug.

Die Offiziere begutachteten die Überreste, zwei halbleere Flaschen Wodka, rusischer Abfüllung, einige Bündel voller Rubel, diverses billiges russisches Werkzeug und die Reste einer verbrannten Mail an einen russischen Oligarchen, der schon länger im Verdacht stand, mit Rauschgift zu handeln.

„Das reicht für die Festnahme. Sagen Sie Korollow, dass seine Spione doch nur unsere bekannten Dissidenten sind.

An alle: Abrücken in 20 Minuten Oberst!“

Damit war die Untersuchung der Schattenbasis erledigt. Dass hier jemals nicht russische Kräfte waren, wurde nicht festgestellt, also war alles in Ordnung und man gab keinen Großalarm.

**

Zur gleichen Zeit im Luftraum über Novosibirsk.

Über die Codierte Frequenz hört man das tiefe, rauchige Lachen eines älteren Mannes.
„Flugfreigabe erteilt Dimitri und sagen Sie Ihrer Schwester, sie fickt besser, als sie aussieht.“ Dann hörte man ein paar Leute laut lachen. Colonel Kresser schaut seinen Gegenüber am Funkgerät an und errötet leicht.

„Ihr Geheimdienstler seid mir nicht geheuer, wie habt ihr das wieder getrickst?“

Der Learjet raste in Höchstgeschwindigkeit direkt weiter nach Samus.

**

Nördlich von Zaton, einem kleinen verschlafenen Städtchen, wundern sich einige Bauern über die Hektik am Neubau der langen, geraden Verbindungsstraße und dass die Telegrafenmasten abgesägt werden.

Eigentlich sollten doch in wenigen Wochen die Kabel verlegt werden. Ein Fahrzeug fährt vor, und lädt die drei fragenden Bauern zu einen guten Drink ein.

Einige Flaschen Wodka später stellen sie keine Fragen mehr, sondern liegen zufrieden in einer Senke und schlafen.

Am Ufer des Tom werden bereits mehrere Motorboote gesichert und geprüft. Die Tanks werden befüllt und einige Kisten werden auf die schweren Boote geladen.

**

In Samus klopft es an die Tür der Betriebszentrale. Der junge schneidige Feuerwehrleutnant springt auf und öffnet die Tür.
Die Männer, die eintreten sehen komisch aus, denkt sich der Feuerwehrmann, einer zeigt ihm einen Ausweis, den er aber nicht recht lesen kann, dann, beim genauer hinsehen verspürt er einen leichten Einstich im Nacken, dann wird plötzlich alles dunkel.

Der Leutnant ist etwas verwundert und betrachtet den Ausweis genauer. Der Ausweis sieht immer noch komisch aus, und er dreht sich im Kreis …

Als das Medikament den jungen Leutnant auf den Boden gezwungen hat, tragen ihn zwei Mann auf eine Liege und legen ihn sachte ab.

„Anlage sichern, Anflugkontrolle übernehmen und kontrollieren, Beleuchtung checken. Ihr zwei kümmert euch um die Männer im Maschinenraum!“

Dann setzt sich der eine Mann an das Funkgerät, sein Gegenüber schaut auf ein Tablet „Jetzt müssten sie soweit sein Sir.“

Da nimmt der andere Mann das Mikrofon und geht auf Sendung …

**

„Wir gehen tiefer.“, bemerkt Peter, als die Maschine die Wolken durchstößt, sie sehen unter sich einen breiten Fluss.

„Da schaut, da ist ein großer Fluss, wir sind ganz tief Leute …“

Die Meldung der Piloten ist klar und die Wachen nehmen ihre Landeposition ein. Das Pfeifen der Landeklappen ist deutlich zu hören, anschließend noch andere Geräusche von unterhalb.
„Landen die nicht im Wasser?“
„Das war das Fahrgestell, wir gehen an Land runter, denke ich.“
Aus dem Cockpit dringen einige Fetzen hektischer Funksprüche, dann herrscht wieder Ruhe und die Maschine setzt zum Landen an, es rumpelt noch einmal deutlich, als die Maschine aufsetzt und ausrollt.
Am Ende der Landebahn dreht sie augenblicklich und rollt auf einer Landstraße weiter zur angezeigten Parkposition, dann stoppt sie. Die beiden anderen Maschinen drehen noch zur Landung ein, da öffnet sich die Tür bei der ersten Maschine.

„Aussteigen, Antreten!“ Bellt ein scharfes Kommando und die Wachmannschaft sowie die Piloten steigen aus. Geschlossen werden sie in einen Hangar weggeführt.

Da die Gefangenen noch in Hand- und Fußschellen gefesselt sind, bleibt es in den Fliegern noch ruhig.
Als Nächstes hören die Gefangenen, wie ein großer LKW rückwärts heranfährt und es kurz hektisch wird, dann landet die Zweite Maschine bereits und die dritte Maschine kreist ein. Als diese dann auch steht, wird es endlich etwas ruhiger.

Jetzt erst erkennen die Freunde einige Schatten die sich dem Einstieg näheren. Sie kommen aus dem Hangar, in dem die Soldaten und Piloten verschwunden sind. Ganz vorne, das scheint eine Frau zu sein.

„Bleiben Sie bitte angeschnallt bis alle Maschinen vollends übernommen ist, und stellen Sie das Rauchen ein.“ Ruft Caroline in die Maschine. Der Jubel aus den Maschinen ist nicht zu überhören.

**

Von den drei Maschinen werden zwei klargemacht und betankt, auch hier bekommt man den Treibstoff nicht überall, aber die Tankfahrzeuge kommen vom gegenüberliegenden Ufer. Die dortige Betriebsfeuerwehr mit ihren Löschflugzeugen vermisst morgen sicherlich ihre Tankfahrzeuge und den Kraftstoff. Mehr aber auch nicht. Bestenfalls wird der junge Leutnant Kopfschmerzen haben.

Die Freunde sind endlich wieder vereint und versammeln sich zwischen den Maschinen. Einige fallen sich in die Arme und die ersten Tränen fließen, dann sehe ich mich um und schaue in die Augen der Anwesenden. „Danke Freunde, Danke dass ihr mir geholfen habt, herzlichen Dank, jetzt aber lasst uns endlich von hier verschwinden.“

Endlich ist es soweit und die Maschinen rollen zum Start, dicht hintereinander starten sie in den Nachthimmel. Die Truppe hier vor Ort ist so schnell verschwunden wie sie kam, und was die schlafenden Besatzungen in dem Hangar morgen aussagen werden, steht auf einem ganz anderen Blatt.

**

Die beiden Maschinen fliegen dicht beieinander und erreichen das Notlager. Hier werden die Maschinen der fliegenden Feuerwehr aufgegeben und wir steigen um in eine C-130 Hercules und fliegen endlich als einziges Team weiter. Dann endlich, nach einigen Stunden ist es soweit. Europa kommt in Sicht, wir sind in Sicherheit.

**

Khostinskiy

 

Nachdem wir in Baku gelandet waren, erwartete uns eine Herkules, welche die Armee extra für uns nach Aserbaidschan geschickt hatte. Natürlich stand nicht US ARMY auf der Maschine, nein sie war neutral gehalten und das war dar das tolle an dem Flieger, er war um einiges bequemer als all die anderen Flieger, welch uns von Tomsk bis nach Baku gebracht hatten.

Was uns „Zivilen“ gefiel, war die Aufmerksamkeit, welche uns die offiziellen Vertreter Bakus entgegenbrachte. Wir wurden eingeladen und mit Fragen bestürmt.
Mike und Meresch gefiel das überhaupt nicht. Die Schatten sollten ein Geheimnis bleiben, doch jetzt wusste der russische Bär, wo der der Stachel abgeblieben war, der ihn gequält hatte.
„Wir haben ein riesiges Problem.“ Meinte Mike zu seinem Führungsteam. Das war nach unserer Zusammenkunft durch Levi, Kresser und natürlich durch Decker erweitert worden.
„Du denkst, sie holen uns zurück?“ fragte Dave.

„Ich würde darauf wetten. Aserbaidschan und Armenien sind zwar souveräne Staaten, aber sie werden sich nicht unseretwegen mit dem Russen anlegen. Auch Georgien wird keinen Krieg riskieren, um uns zu schützen. Und Tschetschenien liegt nur um die Ecke, wo es nur so von russischen Truppen wimmelt.
Sobald wir wieder in der Luft sind, werden sie uns abfangen.“

„Warum nehmen wir nicht die Landroute?“, fragte Kresser.

„Man, sind sie wirklich Colonel?“, fauchte Decker Kresser an.

„Hören sie mal sie Zivilist…“

„Mund halten, Colonel!“, fuhr Mike dazwischen. „Der Mann hat Recht.“

Decker schlug einen versöhnlichen Ton an.

„Hören sie Kresser, sobald wir uns zu Land wegbewegen, sind wir Zielscheiben. Die jagen uns einen nach dem anderen zum Teufel, ohne dass wir uns ernsthaft verteidigen können. Wenn dann später die Frage auftaucht, wer das war, schiebt einer die Schuld auf den anderen und am Schluss waren es irgendwelche Terroristen.

Sind wir aber in einem Flugzeug, von dem sie wissen, dass es scharf von unserer Luftüberwachung beobachtet wird, können sie es nicht abschießen und mit dem Finger auf andere zeigen. Im Flieger sind wir sicher, zumindest bis zur Landung.“

„Sie glauben also ernsthaft, die werden das Flugzeug in der Luft abfangen und zur Landung zwingen?“
„Genau das wird passieren.“

„Und dann? Ich meine was wollen die mit uns. Unsere Regierung wird den Russen die Hölle heiß machen!“

„Darauf würde ich keine Wette eingehen.“ Sagte Decker. Vielleicht einigen sie sich, euch Helden still und leise ziehen zu lassen, aber uns Zivilisten…? Niemals.“
„Wir sollten uns einen Plan zu Recht legen. Was denkst du, wohin geht die Reise?“, fragte Meresch in die Runde.
„Sochi.“ Antwortete Levi.

„Sochi? Glauben sie die lassen uns bei den Olympischen Spielen mitmachen?“, witzelte Kresser
„Nein, das nicht, aber für die Spiele, wurde in Khostinskiy, südlich von Sochi eine große Anlage für den Geheimdienst errichtet. Die ist garantiert noch in Betrieb.

„Damit wir uns nicht falsch versehen“, sagte Mike und sah dabei Kresser an, „wir sind ein Team! Es gibt keine Zivilisten, oder Andere. Wir sind alle EIN Team! Wenn wir getrennt werden, hauen wir unsere Freunde heraus und hauen gemeinsam ab. Verstanden?“
„Ja, Sir!“

Obwohl Kresser denselben Rang hatte wie Mike, war ihm klar, dass Mike in der Hierarchie sehr viel weiter oben stand als er.

Allein die Begegnung mit General Willers, der für eine geheimnisvolle Zivilistin eine mobile OP Einheit um die halbe Welt geflogen hatte, war ihm Warnung genug, Vorsicht walten zu lassen. Hier ging es ganz große Dinge! Wer immer diese Zivilsten waren, sie hatten Freunde, die ganz oben saßen.

„So ihr Komissköpfe, ich werde mal die Annehmlichkeiten als Zivilist genießen. Kommst du mit Ben?“, fragte Decker.

„Ja sicher. Er hat Recht“, grinste Levi, „Zivilist sein, hat seine Vorteile.“ Grinste er Mike an und folgte Wolfgang.
Anders als die Soldaten, wurden wir Zivilsten in einem Hotel untergebracht. Ein Hotel mit bewaffneten Wachen…

**

Die Soldaten wurden in einem Hangar direkt neben der Herkules einquartiert. Mike und Meresch hatten den Männern befohlen, ihre Ausrüstung zu überprüfen und besonders, verschossene Munition aufzufüllen.
In einer Ecke saßen Mike, Dave. Und Meresch. Kresser hatte die Wachen eingeteilt, welche die Herkules keine Sekunde aus den Augen lassen durften und stieß dann zu den drei.
„Darf ich eine Frage stellen, Colonel?“, fragte Kresser Mike und setzte sich Mike gegenüber.
„Mike. Lassen wir das mit den Rang.“
„Norman.“
„Also Norman, was möchten sie wissen?“
„Wer sind diese Zivilsten? Ein General fliegt für eine verletzte Frau um die halbe Welt, israelische und amerikanische Truppen werden in Marsch gesetzt und was weiß ich noch alles.
Sie sind nicht einmal Amerikaner oder Israelis.“ Dabei sah er Meresch an. „ Wieso riskieren wir einen bewaffneten Konflikt, um sie hier heraus zu bringen?“

„Das meiste darüber ist geheim, nur so viel: Wir, und unser Land, schulden diesen Zivilisten verdammt viel. Und das nicht zum ersten Mal.“
„Sie kennen sie schon länger?“

Mike lachte. „Ja, das kann man wohl sagen. Fragen sie mal Dave, woher er seine schiefe Nase hat.“
Dave griff sich ins Gesicht. Zwar hatte er sich die Nase wieder richten lassen, nachdem ich sie ihm gebrochen hatte, doch sie hatte einen gut sichtbaren Knick.
„Die hat mir Peter verpasst.“
„Der Henker? Und dennoch sind sie Freunde?“
„Ja, und einen besseren Freund wird keiner von uns je haben.“
„Was ist mit Ihnen Major?“, fragte er Meresch.
„Caroline Miles und ihre Freunde, haben uns bei der Ausschaltung von wirklich schlechten Menschen sehr geholfen. Menschen deren Verschwinden die Welt um einiges sicherer macht. Dafür schulden wir ihnen Dank und wir helfen ihne,n nach Hause zu kommen.
Aber denken sie daran, es ist geheim!“
„Was gedenkst du wegen unserer möglichen Reiseumleitung zu unternehmen?“ fragte Kresser Mike.
„Wir rufen ein paar Freunde zur Hilfe.“

**

Am nächsten Morgen stand eine Stadtbesichtigung auf dem Plan. Alle Hinweise, dass wir unsere Reise schnell fortsetzten möchten, wurden ignoriert. Für unsere Geheimen war klar, dass dies lediglich dazu diente unser Empfangskomitee bereit zu stellen.
Die Aufforderungen, uns die Stadt anzuschauen, waren mittlerweile alles andere als freundlich und unser Bus wurde von Bewaffneten begleitet, die kaum normale Polizisten waren.
Schließlich, gegen Mittag, durften wir die Herkules besteigen und unser Pilot verließ Baku mit Kurs auf Ankara.

**

„Denkst du nicht auch, dass wir uns ein klein wenig Spaß verdient haben?“ fragte ich Caroline leise.
„Spaß? Hier?“ flüsterte sie zurück.
Hier, das war 10.000 Fuß über dem Kaukasus. Wir saßen nebeneinander in der Herkules und zum ersten Mal, seit ihrem Verschwinden hatten wir so etwas wie Privatsphäre.
Auch gestern Abend im Hotel, wurden wir von bewaffneten Wachen begleitet und allmählich fragte ich mich, ob diese tatsächlich nur für unsere Sicherheit da dienten, oder uns bewachten.. Selbst als wir in unseren Zimmer waren, fühlte ich mich beobachtet und Caroline gab mir deutlich zu verstehen, dass das Zimmer voller Wanzen und Kameras sei.
Von tausend Augen beobachtet, wollte keine gelockerte oder gar erotische Stimmung aufkommen. Schade, ich hätte gerne Fabienne zu uns geholt…
Im Flieger hatten wir eine ganze Reihe für uns und Caroline hatte sich gegen mich gelehnt.
„Ich wollte schon immer Mal eine Nummer in einem Flieger schieben.“
„Wir haben schon einige Nummern im Flieger geschoben, auf dem Hin und ganz besonders auf dem Rückflug von Soulebda. Schon vergessen?“
„Nein, aber das war in einer A380. Wir hatten ein eigenes Separee, das zählt nicht. Ich meine schmutzigen, geilen Sex in einer Flugzeugtoilette.“
„Du bist schlimm, habe ich dir das schon einmal gesagt.“
„Einer der Gründe, warum du mich so sehr liebst.“ Grinste ich.
Caroline blickte zur Toilette, die hinter dem kleinen Vorhang war.
„Dann los!“, sie stand auf und ging nach hinten. So unauffällig wie möglich erhob ich mich und folgte ihr. Dennoch, als ich an Fabienne vorbeikam, grinste die von einem Ohr bis zum anderen.

„Viel Spaß.“, flüsterte sie.
„Dafür werde ich dir den Hintern versohlen.“
„Das hoffe ich doch.“, zwinkerte sie.

**

Kurze Zeit später vögelte ich Caroline auf dem Waschtisch. Das tiefe Brummen der Motoren und das Vibrieren des Flugzeuges taten ihr übriges. Wild trieben wir es in dem kleinen Raum.
Wie üblich war zartes Liebesspiel nicht unser Ding. Caroline krallte sich an mich und im Gegenzug packte ich sie fest und fickte sie wild und hemmungslos durch die kleine Toilette.
Selbst der Flieger schien mir helfen zu wollen, denn er drehte sich genau in die Richtung, die es mir erlaubte, noch tiefer in Caroline einzudringen.
„OH JA!“
BUM BUM hämmerte es an die Tür.
„Zieht eure Hosen wieder hoch! Wir haben ein Problem! Ein paar Migs.“, erklang Deckers unverwechselbare Stimme.

**

„OK, das ist ein Problem. Dennoch, das Problem hätte auch noch ein paar Minuten länger Zeit gehabt.“ Brummte ich.
Neben der Herkules, flogen zwei MIG 29, die unserem Piloten klar gemacht hatten, dass er den Kurs zu ändern hatte.

Als dieser die erste Aufforderung ignorierte, hatte eine der MIGs einen Save Leuchtspurgeschosse vor das Cockpit gefeuert und unser Pilot hielt es für besser, der Aufforderung den Kurs zu ändern, jetzt nachzukommen.

„Verdammt!“, fluchte ich. Auf der anderen Seite, der Kabine konnte man schon am Horizont, das Schwarze Meer und die türkische Küste sehen.

„Mach dir keine Sorgen. Das bekommen wir auch noch hin. Hauptsache wir bleiben zusammen.“ Versuchte mich Caroline zu beruhigen, doch es war klar, dass eine weitere Flucht so gut wie ausgeschlossen war.

**

„Ich schau mal ins Cockpit.“ Sagte Caroline und ging nach vorne.
In meinem Kopf rasten die Gedanken. Eines war klar, hier ging es nicht um die Schatten, oder Hannes, Randy oder mich.

Nein, hier ging es einzig und alleine um Caroline!

Ich musste mir etwas ausdenken. Und die einzige Lösung für den Notfall, die mir einfiel, würde Caroline ganz sicher nicht gefallen…

Drei Reihen vor mir, saßen Levi und Fabienne die Dagan über die neue Situation unterrichteten.
Ich setzte mich neben Levi und der ahnte wohl, was ich von ihm wollte.

„Fabienne, frag Caroline bitte, ob es etwas Neues gibt.“

Fabienne wusste nur allzu gut, dass sie einfach unsichtbar machen sollte, und ging ein paar Reihen weiter.

„Also?“
Ben hörte sich meine Bitte an, ohne mich zu unterbrechen. Dann sah er mich ernst an.
„Dir ist klar, sollte das geschehen, wird Caroline dir das nie verzeihen.“

„Ich weiß. Aber… Was soll ich sagen? Es wäre den Preis wert. Also wirst du mir helfen?“

Ben schloss die Augen. Als er mich wieder ansah, hatten seine Augen einen entschlossenen Ausdruck.
„Ja, aber ich bete, dass wir es nicht tun müssen.“

**

Mike hatte seine Schatten im vorderen Teil der Maschine antreten lassen.
Nach seiner Lagebeurteilung wären die Russen nicht unbedingt an einem offenen Kampf interessiert. Sie würden das Flugzeug umstellen und dafür sorgen, dass niemand es verlassen konnte. Sollte es aber doch zur Erstürmung kommen, verteilte er Teams an den entsprechenden Stellen, die den Russen einen heißen Empfang bereiten würden.

„Wir setzen zur Landung an.“ Kam die Durchsage des Piloten.

**

Noch während wir im Landeanflug waren, begannen die Drähte zwischen Washington und Tel Aviv zu glühen. Im Mittelmeer änderte der dortige Flugzeugträger den Kurs und nahm Kurs auf das östliche Mittelmeer.

Alle in der Türkei stationierten US Kräfte wurden in Alarmbereitschaft versetzt.

Noch bevor die Räder unserer Herkules aufsetzten, startete in Tel Aviv ein Flugzeug, welches Kurs auf den USS Carrier im Mittelmeer nahm.

**

Mike sah entsetzt auf das Tablet.

Die Russen hatten, genau wie er vorausgesehen hatte, das Flugzeug umstellt. Sah man aus den Fenstern, konnte man glauben eine ganze Division würde hier drinnen nur darauf warten eine Invasion zu starten.

Mike war der Aufforderung alle Waffen abzulegen und sich zu ergeben natürlich nicht nachgekommen. Also wurde das Flugzeug mit Panzern und mehreren hundert Soldaten umstellt. Seit drei Stunden standen wir nun auf der Landebahn und schauten in die geladenen Kanonen.

Da die Russen unser Flugzeug nicht stürmten, gingen wir davon aus, dass verhandelt wurde.
Vor einer viertel Stunde bekam Mike dann den erwarteten Anruf.

„Sir, ich bin mir nicht sicher, ob ich sie richtig verstanden habe.“, sagte Mike in die Kamera des Tablets.
Der Leiter der CIA hatte ihm gerade seine neuen Befehle über den obersten Befehlshaber der US Streitkräfte in Europa übermittelt.

„Gut, Colonel, dann werde ich es ganz deutlich sagen. Sie werden die Zivilisten den Russen übergeben und zusammen mit allen Schatten in das von den Russen bereitgestellte Flugzeug wechseln. Und zwar ALLE.

Ausnahme sind die Diplomaten des Staates Soulebda, die werden mit ihnen kommen. Haben sie diesen Befehl verstanden, Colonel?“

„Aber… Verstanden Sir!“
Damit brach die Verbindung ab.
Ratlos schaute Mike Decker an.

„Mach die keine Sorgen, die werden schon einen Plan haben.“ Sagte der zu Mike
„Ich hoffe, dass du Recht hast.“

Unter den wachenden Augen der Russen traten die Schatten in einer Reihe an und verließen zusammen mit ihrer Ausrüstung die Herkules.

200 Meter neben unserem Flugzeug stand eine russische Militärmaschine in die sie einstiegen. Die Stammeskrieger, die sich anschlossen, wurden augenscheinlich kontrolliert, denn ihre Diplomatenausweise boten ihnen Schutz vor einer allzu groben Behandlung.

Schließlich waren wir alleine im Flieger. Gerade fluchte ich still in mich hinein, da kam ein weiterer Zivilist aus der Bordtoilette. Ungläubig starrte ich Kresser an, der in Jeans und Holzfällerhemd gekleidet war.

„Hieß der Befehl nicht, alle Schatten?“, fragte ich ihn.

„Ich habe vor einer Stunde Urlaub genommen und bin gerade Zivilist, also habe ich hier zu bleiben. Außerdem…“ er sah mich an, „Ich möchte eine Aussage von Mike überprüfen.“

**

Unglaublicherweise, wurde das Flugzeug nicht gestürmt, sondern ein einzelner Mann, betrat das Passagierabteil. Er war gut gekleidet, sauber gekämmt und sah durchweg intelligent, aber auch etwas verschlagen aus.

Ich hatte zwar keine Ahnung von russischen Rangabzeichen, doch der Typ war mit Sicherheit ein General des Geheimdienstes.

„Mein Name ist General Soywilltsch. Ich bitte sie, nun alle nach draußen zu kommen und alle möglichen Waffen hier zu lassen. Solange sie sich an unsere Anweisungen halten, werden wir ihren weiteren Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten.

Herr Decker, würden sie bitte zu mir kommen?“
Decker, der nur drei Meter von dem Russen entfernt stand, baute sich vor diesem auf.
„Ich appelliere an ihre Vernunft.“ Lächelte der General ihn an.

Decker kämpfte mit sich. Doch als er alle seine Optionen durchgedacht hatte, drehte er sich zu uns um und rief dann,
„Los! Ihr habt es gehört, alle raus und alle Waffen hier lassen.“
Fluchend legte ich die Sig auf den Sitz. Kurz rechnete ich mir aus, wie weit ich mit einem Magazin kommen würde, kam aber zu der bitteren Erkenntnis, dass ich wohl den Kürzeren ziehen würde.

„Ah, Herr Kaufmann.“ Sagte der General, als Randy an ihm vorbei ging und zeigte so, dass er seine Hausaufgaben gemacht hatte.

„Herr Meyer. Herr Levi. Entschuldigen sie, ihren Namen kenne ich nicht.“ Wurde Fabienne von dem General angehalten.

„Fabienne Stahl. Ich arbeite als Sekretärin, bei Herrn Brauer.“

„Ah der arme, gebeutelte Chef von Herrn Stein. Willkommen in Russland.“
Schließlich stiegen Caroline und ich aus.

„Und natürlich Frau Miles und Herr Stein. Sie haben einiges in Bewegung gesetzt, Frau Miles.“
Am liebsten hätte ich meine Faust in Bewegung gesetzt, doch Carolines Blick hielt mich zurück. Es würde keinen Sinn machen jetzt schon zu zeigen, dass wir keinesfalls aufgegeben hatten.

„Wer sind sie?“ Soywilltsch packte Kresser, als er an ihm vorbei gehen wollte.

„Klaus Schäfer.“ Antwortete der im einwandfreien Deutsch.

„Ich arbeite als Copilot für die Firma, welche für den Flug gechartert wurde.“
Soywilltsch ließ ihn los und schubste ihn etwas zurück. „Raus mit ihnen.“ Damit ignorierte er Kresser.

Soywilltsch war ein drahtiger und sportlicher Typ, der mit Sicherheit nicht vom Schreibtisch aus zum General befördert worden war. Ich schätzte ihn als erfahrenen und skrupellosen Frontsoldaten ein.

Schließlich standen wir alle auf der Landebahn. Dort wurden wir eingehend und sehr gründlich durchsucht. Sogar Decker musste zugeben, dass die Russen wussten, was sie taten.
Ein kleiner Bus wurde herangefahren und wir durften einsteigen. Natürlich war es kein gewöhnlicher Bus, sondern ein gepanzerter Bus, aus dem es kein Entkommen gab.

Nach einer kurzen Fahrt kamen wir zu der Anlage des Geheimdienstes, in Kosinski.

„Schöne Gegend.“ Meinte ich zu Caroline, und musste mich über zwei Wachen mit ihr verständigen.
„Ja, du solltest die Gegend mal im Frühling sehen.“

„Oh sie kennen unser Land?“, fragte Soywilltsch interessiert.

„Den einen oder anderen Landstrich habe ich schon mal gesehen.“

„Dann kennen sie hoffentlich auch unseren Willen, das zu bekommen, was wir wollen und fügen sich dem Unvermeidlichen.“

Caroline grinste ihn an und meinte lächelnd: „Am liebsten gefiel mir immer wieder die Heimreise!“

**

TÜRKEI

Die Schatten landeten in der Nähe von Trabzon.
Fluchend und schimpfend verließen die Schatten das russische Flugzeug und stiegen aus.
Kam hatte der letzte Schatten den Flieger verlassen, startete die russische Maschine wieder und ließ die Schatten auf der Landebahn stehen, wo eine Fahrzeugkolonne wartete.

„Colonel Smith, Miller, Major Meresch und Hauptman Menachem, sofort zu mir!“, rief ein General, der vor dem ersten Fahrzeug stand.

Während die Schatten auf die Fahrzeuge aufstiegen, liefen die Gerufenen zu dem General.

**

Wir wurden unterdessen in ein Gebäude gebracht, das von außen wie ein normales Verwaltungsgebäude aussah, innen aber klare Strukturen eines Gefängnisses zeigte.
Das Gebäude an sich war klein und anscheinend nur für eine geringe Anzahl von Häftlingen errichtet worden. Jedenfalls schien man mit einer kleinen Mannschaft auszukommen.

Die Russen achteten peinlich darauf, dass wir uns untereinander nicht absprechen konnten. Nur für einen kurzen Augenblick hatte ich die Gelegenheit mich mit Decker zu unterhalten.
„Du bist doch sowas wie ein Experte was Sicherheit und Ausbruch angeht. Hast du einen Plan?“

„Ach Peter… Ich bin dir weit voraus.“ Damit blickte er in Carolines Richtung.
Als ich zu ihr sah, verschlug es mir fast die Sprache.

Caroline hatte ein sehr ängstliches Gesicht aufgesetzt und hielt Fabienne, die den Tränen nahe zu sein schien, in den Armen und die drückte sich voller Angst gegen Caroline.

Als die Soldaten uns in einzelne Zellen sperrten und Fabienne aus Carolines Armen rissen, fing sie bitterlich an zu flehen und zu weinen.

Ich musste mir ein Grinsen verkneifen, dann wurde ich in eine Zelle gestoßen und die Tür wurde hinter mir zugeschlossen.

**

Drei Tage saßen wir nun schon in Khostinskiy. Die anfänglichen freundschaftlichen Befragungen hatten sich deutlich gewandelt. Zwar wurden wir nicht gefoltert, doch ich hatte den Eindruck, dass wir nicht mehr allzu weit davon entfernt waren.

Um Randy und Hannes machte ich mir die wenigsten Gedanken. Soywilltsch hatte gezeigt, dass er alles über uns wusste, zumindest glaubte er das. Beide waren kaum in Gefahr.

Decker schon eher. Als Kommandoführer hatte er den russischen Bären ganz schön geärgert.
Und solange Kresser nicht aus der Rolle fiel, hatte er auch kaum etwas zu befürchten.

Soywilltsch wusste, das Ben dem israelischen Geheimdienst angehörte, kein einfacher Agent im Außendienst war und würde sich hüten, diesen foltern zu lassen. Die meisten Sorgen machte ich mir um Caroline und Fabienne.

Irgendwie musste ich uns hier herausbringen…

**

„Das erinnert mich an das letzte Mal.“ Grinste Menachem zu Meresch als er in seine Taucherausrüstung stieg.
Kaum hatten die vier festen Boden unter den Füßen, wurden sie von einem Jet zum nächsten amerikanischen Stützpunkt gebracht. Ohne Verschnaufpause ging es mit einem Hubschrauber weiter, der sie mitten in der Nacht in einem Schlauchboot, einsam und verlassen auf dem Schwarzen Meer aussetzte.

„Denkst du das ist die Strafe, für die Befehle, die wir etwas anders interpretiert haben?“, fragte Dave, als der Hubschrauber sich entfernt hatte. Das Wummen der Rotoren verlor sich und sie trieben mitten im Meer.

„Keine Ahnung. Naja, besser als Knast.“
Plötzlich begann das Wasser neben ihnen zu zischen und zu kochen als ein U-Boot neben ihnen auftauchte. Die Luke auf dem Turm wurde geöffnet und Lem schaute grinsend in das Schlauchboot hinunter.

„Na ihr Helden?“
Genau wie beim letzten Einsatz, den die beiden zusammen durchgeführt hatten, standen sie nun mit Mike, und Dave in der Luftschleuse eines israelischen U-Bootes.

Damals hatten sie die Aufgabe die Rebellen von Soulebda als Kommunikationsspezialisten zu unterstützen. Auch bei diesem Einsatz waren sie von einem U-Boot aus losgezogen.

„Nur dass die Russen ihre Küste etwas besser schützen.“ Meinte Meresch und half Dave beim Anlegen seiner Taucherausrüstung. Für das Team bedeutete das diesmal, dass keine Schlauchboote benutzt werden konnten.

Zwei Stunden vorher hatte es ein Briefing gegeben.

Lem, der sofort von Tel Aviv losgeflogen war, hatte die vier auf den neusten Stand gebracht.
„Colonel Kresser wird noch immer in diesem Gebäude festgehalten.“

In der engen Zentrale das U-Bootes zeigte Lem die neusten Satellitenbilder der Anlage.
„Allem Anschein nach, haben sie die Sender, die ihr ihm verpasst habt nicht gefunden. Wir können nur hoffen, dass man ihn nicht von den anderen getrennt hat.

Sobald ihr im Gebäude seid, schnappt euch Randy, gebt ihm diesen USB Stick und schafft ihn zu einem Computer. Er wird wissen, was er zu machen hat.

In der Zwischenzeit, befreit ihr die anderen und bringt sie zum Flugplatz von Kosinski.
Dort gibt es einen abgelegenen Teil, auf dem die superreichen Oligarchen ihre Jets parken. Der Platz wird lediglich von einigen privaten Wachen bewacht. Dort müsst ihr ein geeignetes Flugzeug finden und es auf das offene Meer schaffen. Ab da wird es dann eine Eskorte geben.“

„Wie genau sollen wir denn die anderen aus der Anlage herausholen? Ich meine, wir reden hier über ein Gefängnis des Geheimdienstes.“ Wollte Menachem wissen.
„Ja, aber sie wurde nicht von und für den Geheimdienst gebaut. Die Anlage ist klein und überschaubar. Wir gehen davon aus, dass unsere Freunde momentan die einzigen Gefangenen sind, die dort einsitzen.
Wenn ihr es schafft Kaufmann aus der Zelle zu holen und ihn irgendwie zu einem Terminal bringt, wird alles andere ein Kinderspiel. Randy ist der Schlüssel.“

Lautlos lag das U-Boot nun wenige Meilen vor der russischen Schwarzmeerküste. Alle Vier tauchten aus der Luftschleuse und ihre Schwimmhilfen brachten sie innerhalb einer Stunde zur Küste.
„Hallo Russland, hättest nicht gedacht mich so schnell wiederzusehen.“ Brummte Mike, als er aus dem Wasser kam und den Strand erklomm.

Die vier waren zu einer Bucht geschwommen, deren Steinstrand gut zwei Meter über dem Wasser lag. Da es hier keinen Badestrand gab, war die Gefahr nächtliche Schwimmer zu stören recht gering.
Die vier zogen sich nach oben und schlugen sich ins nahe gelegene Unterholz. Von dort zogen sie weiter, bis zur Geheimdienstanlage, wo sie sich im angrenzenden Wald versteckten.

Zwar war keiner von ihnen ein Stammeskrieger, doch sie hatten einiges bei diesen faszinierenden Menschen gelernt. Sollte nicht wieder ein Soldat auf sie drauf treten, würden sie unentdeckt bleiben.
Die nächsten zwei Tage, verbrachten sie damit, das Gebäude zu beobachten.

„Ich fasse es nicht, die lassen sich tatsächlich Pizza kommen.“ Murmelte Dave und schaute durch das Fernglas. Am Abend des zweiten Tages schien jemand in der Anlage Hunger zu haben.
Er beobachtete wie ein Lieferservice an das Tor zum Gebäude fuhr und nach einer recht laschen Kontrolle eingelassen wurde.

„Hat einer von Euch Lust auf Pizza?“, grinste Mike.

**

Deckers Regeln schienen wahr zu sein. Ein guter Plan gelingt, auch wenn es dauert.

Am fünften Tag hatten die Soldaten, ob auf Befehl oder von sich aus, beschlossen, etwas Spaß zu haben.
Fabienne drängte sich angstvoll in eine Ecke ihrer Zelle und wehrte sich scheinbar sinnlos gegen die drei Soldaten, die sie aus der Zelle herausholten und nach oben schleppten. In dem Raum, zu dem sie geschleift wurde, warteten schon zwei andere Soldaten auf sie.

Während einer sie zu Boden warf, hatten die anderen ihre Hosen schon ausgezogen. Keiner dachte daran, ihr Fesseln anzulegen und als der erste Soldat auf sie sprang und eine Sekunde später mit gebrochenem Genick von ihr herunterfiel, lachten die anderen noch.

„He Sascha, bist du zu betrunken um eine Frau zu ficken?“,lachte einer noch, dann brach auch er zusammen, als Fabienne Stahl sich seiner annahm. Einer schaffte es tatsächlich sein Pistolenholster zu greifen, dann rammte ihm Fabienne die Handkannte gegen den Kehlkopf und er fiel wie ein nasser Sack zu Boden.

Die drei die das „Glück“ hatten zu überleben, lagen bewusstlos zu ihren Füßen.
Schnell richtete sie ihre Kleider, durchsuchte und fesselte die Soldaten. Dann nahm sie alle an sich, von dem sie dachte, das wichtig sei.

So gerne sie die Waffen an sich nehmen wollte, sie steckte lediglich eine Pistole unter ihre Bluse und ein Ersatzmagazin, dann schlich sie aus dem Zimmer.

„Ihr wart große Klasse Jungs.“
Leise verließ sie das Zimmer und ging vorsichtig durch den Flur. Nur zwei Türen weiter fand sie, wonach sie suchte. Sie öffnete die Tür und dort saß Caroline auf einen Sessel, zwischen den am Boden liegenden Soldaten und schaute sie an.

„Hallo, waren deine auch so tolle Liebhaber?“

„Ja, zumindest solange, wie sie ihre Hosen anhatten.“
Beide Frauen lachten leise los und schlichen sich aus dem Raum.

**

„Wir müssen irgendwie zur Zentrale kommen.“, flüsterte Caroline.
Das Gebäude hatte vier Etagen. Die beiden oberen schienen Offizierswohnungen zu sein. Der erste Stock und zweite Stock, waren Büros und Archive. Die Zellen waren im Keller, nur die Zentrale, die Befragungsräume sowie Soywilltsch Räume im Erdgeschoss.

Soywilltsch hatte Caroline jetzt schon zwei Tage nicht mehr gesehen. Das Verhalten der Soldaten ließ darauf schließen, dass er heute Nacht wohl nicht erscheinen und so seine Büros im Erdgeschoss leer sein würden.

Wichtiger war allerdings, dass die Soldaten ohne die strengen Augen ihres Generals eher lasch ihren Aufgaben nachkamen. Von einer straffen Geheimdienstorganisation war hier jedenfalls nichts zu spüren.

Zusammen schlichen die Frauen eine Etage tiefer.
„Dort unten gibt es sicher überall Kameras. Wie kommen wir da durch?“
„Ganz einfach. Wir verstecken uns überhaupt nicht.“ Caroline band sich die Haare zusammen, richtete ihre Kleider und ging aufrecht und zielsicher durch den Flur.

„Moment.“ Fabienne öffnete eines der Büros, nahm ein paar unterlagen und gab Caroline ein paar Blätter ab. So gingen die Beiden einfach los in Richtung Treppe die zum Erdgeschoss und der Zentrale führte.

„Kommt es mir nur so vor, oder ist hier auffallend wenig los?“, flüsterte Fabienne und blätterte in den Unterlagen.
„Wenn du mich fragst, laufen wir in eine Falle.“

„Dann werden wir die Jungs mal gebührend empfangen.“ Antwortete Caroline mit grimmiger Miene.
Als sie an eine Biegung kamen, hörten sie Schritte auf sie zukommen und kaum erschien eine Gestalt vor Caroline, schlug sie den ersten, der in ihrer Reichweite war nieder, noch bevor der reagieren konnte.

Noch in derselben Bewegung hatten sie und Fabienne ihre Waffen gezogen, da schauten sie ihrerseits in die Läufe von drei Sturmgewehren.

„Verdammt, was habt ihr blöden Henker, bloß mit meiner Nase?“ Jammerte die Gestalt am Boden.

**

„Wie kommt ihr denn hier herein?“

„Die Jungs der Wachmannschaft hatten Hunger und keinen Bock auf Kantinenfraß. Heute gab es Pizza surprise.“

Wieder hatte die Wachmannschaft Essen bestellt, das diesmal abgefangen und von einem neuen Mitarbeiter geliefert wurde.
Als der Wachabende Unteroffizier das Essen in Empfang nehmen wollte, sah er noch ein Feuerwerk vor seinen Augen und verschwand anschließend im Lieferwagen.

Die drei anderen Wachen am Tor, wurden auf dieselbe Weise überrascht und „spendeten“ die Uniformen welche die vier jetzt trugen.

Zusammen schlichen die sechs zur Treppe, die zum Erdgeschoss führte.
„Das mit deiner Nase tut mir leid.“ Sagte Caroline.
„Schon gut, aber in Zukunft trage ich einen Footballhelm, wenn ich mit euch zu tun habe.“ Brummte Dave.

„Und wie wollt ihr in die Zentrale?“
„Wir hatten vor, ein kleines Loch in die Decke zu sprengen.“

„Jungs, ich hab eine bessere Idee.“

**

Die Wache in der Zentrale blickte gelangweilt auf den Monitor und sah wie vier seiner Kameraden die beiden Frauen wieder die Treppe herunterschleiften.
So wie es aussah hatten all seine Kameraden einen tollen Abend verbracht, bloß er und der andere Posten in der Zentrale gingen leer aus.

Als die rothaarige an der Zentrale vorbeigeschleift wurde, blieben die Kameraden stehen und schienen zu diskutieren, dann schleiften sie die Frau zu der Eingangstür der Zentrale.

Der Wachhabende grinste, anscheinend dachten die Kameraden doch an ihn. Jetzt würde er auch zu einem genüsslichen Abendfick kommen, dachte er sich und ging zur Tür.

Er öffnete die Tür und lag eine Sekunde später bewusstlos auf dem Boden. Sein Freund hatte weniger Glück. Mike, der keinesfalls einen Alarm riskieren wollte, jagte ihm eine Kugel in den Kopf.
Schnell war die Zentrale unter Kontrolle.

„Wir brauchen als erstes Randy.“

Meresch hatte sich an den Computer gesetzt und schaute die Kyrillischen Buchstaben auf dem Bildschirm an.

„Da ist er. Zelle 4.“
„He, wie öffnet man die Türen?“, fragte Menachem. Er hatte bemerkt, dass auf dem Monitorbild der Zellen kein Schloss zu sehen war.
Meresch schaute sich wieder den russischen Computer an.

„Hier, die Türen werden von hier aus gesteuert. Er rief ein Programm auf, gab die Zellennummer ein und konnte dann die Tür entriegeln.
Jetzt war Mike klar, wieso Randy der Schlüssel war. Dieses Genie würde die ganze Anlage kontrollieren und lahmlegen können.

„Warte bis wir bei ihm sind.“
„Ok, wir machen es wie eben.“ Menachem und Dave gingen in ihren russischen Uniformen durch den Eingangsbereich und stiegen die Treppe herunter in den Keller.
„Nr.4. Hier.“ Dave nickte in die Kamera und die Tür wurde entriegelt.
„Убирайся отсюда!“ (Raus hier) schnauzte Menachem als die Tür auf war.
„Компьютерная кухня.“ (Computer Fuzzi)

„Ganzschön große Klappe für eine halbe Portion.“ Grinste Dave und Randy sah ihn ungläubig an.
„Hab ich euch Jungs schon mal gesagt, dass ich euch liebe?“

„Komm du Genie, wir haben Arbeit für dich.“
Sie nahem Randy in die Mitte und der ließ sich durch den Flur schleifen.
Als er fünf Minuten später am Pult der Zentrale saß und Mike ihm einen USB Stick überreichte, leuchteten seine Augen auf. Sofort war Randy bei voller Konzentration und zauberte auf der Tastatur umher.
Als Erstes legte er die gesamte Kommunikation lahm, welche das Gebäude selbst betraf. Die Wachen im Außenbereich würden misstrauisch werden, wenn ihre Kommunikation ausfiel.
Der nächste Schritt bestand darin, alle Türen abzusperren. Niemand würde so durch das Gebäude schleichen, während die Gefangenen befreit wurden.

„Caroline und Fabienne, ihr geht zu den Zellen und holt die anderen. Meresch bleibt bei Randy, falls seine Russischkenntnisse gebraucht werden.
Menachem und ich sichern den Ausgang.“

**

Das Öffnen der Tür mitten in der Nacht, verhieß nichts Gutes.

Ich hatte Soywilltsch, den Obermacker, seit Tagen nicht mehr gesehen und der Ton uns gegenüber war mit jedem Tag rauer geworden. Innerlich machte ich mich darauf gefasst eine Tracht Prügel zu bekommen, doch ich hatte mir fest geschworen, ein paar Nasenbeine mitzunehmen.

Da in meiner Zelle kein Licht brannte, stand die Gestalt im Halbdunkel. Ich war jetzt bereit, mit voller Kraft zuzuschlagen, doch die Gestalt hatte lange Haare, sie leuchteten dazu tiefrot. Ein rot, welches auf der Welt einmalig war.

„Na, mein Geliebter, Lust nach Hause zu fahren?“

Ich sprang Caroline in die Arme und küsste sie. Ich hatte sie wieder in meinen armen, meine Caroline, meinen Schatz.

„Wenn du ihn hierlässt, wird Frank dir jeden Wusch erfüllen, denk darüber nach.“ Sagte Decker bissig, der neben ihr auftauchte.

„Ach, euer Leben wäre ohne mich doch todlangweilig.“ Entgegnete ich grinsend.
„Ich würde es nicht darauf anlegen.“ Brummte der zurück und bildete mit Hannes die Spitze unserer Gruppe.

Als wir in der Zentrale versammelt waren, berieten wir unser weiteres Vorgehen.
Irgendwann würde es auffallen, dass im Gebäude niemand zu erreichen war, bzw. niemand herausrufen konnte.

Um das zu verhindern, richtete Randy mehrere Rufumleitungen ein. Ausgehende Anrufe wurden an die Zeitansage der Mongolei weitergeleitet, Eingehende Anrufe in die Warteschleife geschickt und dann auf ein Telefax.
Das würde uns noch zumindest einen kleinen Vorsprung geben. Als Nächstes öffnete Randy die Türen, die in den oberen Etagen lagen, versperrte aber alle Zugänge nach unten.
Im Zufallsmodus ließ er Türen sich öffnen und schließen, achtete aber darauf, dass unser Fluchtweg nicht betroffen war.

„Zeit zu verschwinden.“ Meinte Mike und wir zogen los zur Tiefgarage. Dort standen mehrere Fahrzeuge, von denen wir uns zwei aussuchten. Die restlichen Fahrzeuge hatten eine Minute später alle plattgestochene Reifen.
Am Lieferwagen vorbei fuhren wir aus der Anlage heraus, in Richtung Kosinski. Mike der im ersten Wagen fuhr, loste uns zum Flugplatz.

Ohne Licht näherten wir uns dem Flugplatz auf 200 Meter. Dort war ein kleiner Parkplatz, auf dem eine Handvoll verlassene Autos standen.

„Der Teil mit den Jets liegt dort hinten.“ Mike zeigte auf einen Bereich, der besser beleuchtet war als der Rest des Flugplatzes.

Der war ein kleiner Provinzflugplatz, bei dem der Tower nachts nicht besetzt war. Im Verwaltungsgebäude brannte zwar Licht, doch es schien keinen Betrieb zu geben.
Wir ließen die Wagen zurück und schlichen am Zaun weiter in Richtung der Privatjets, bemüht nicht in irgendwelche Kamerabereiche zu kommen.
Im Dunkeln sammelten wir uns in der Nähe der Hangars. Ein Hangar stand offen und im inneren waren mehrere Jets zu sehen.

An einem wurde gerade gearbeitet. Zwei Techniker hatten die hintere Abdeckung des rechten Triebwerkes abgenommen und schraubten am Triebwerk herum. Der hintere Teil des Hangars lag im Dunkeln, doch es war anzunehmen, dass es dort wie bei dem Hangar in Tomsk Toiletten, Aufenthaltsräume und Abstellkammern gab.

Seitlich vor dem Hangar stand ein älterer, kleiner Bus, der zu einem Wartungsfahrzeug umgebaut war.
„Welchen der Flieger nehmen wir?“, wollte Hannes wissen.
„Kresser?“

„HHMM, nicht den, an dem sie herumschrauben. Ich denke wir nehmen den linken, sehen nach ob er genug Sprit hat, und wenn ja hauen wir mit dem ab, wenn nicht sehen wir nach dem anderen. Aber ich brauche Rückendeckung.“

„Das mach ich.“ Sagte ich.
„Nein, das macht einer von uns.“ Erwiderte Mike.

„Ihr tragt russische Uniformen. Und selbst ohne stinkt ihr nach Militär.“
„Da hat er ausnahmsweise mal Recht.“ Meinte Decker.

„Ich nehme Peter mit.“ Entschied Kresser.
Zusammen liefen wir zurück zum Parkplatz und suchten uns ein passendes Auto heraus. Einer war ein alter Zil.

„Darf ich?“ und kurze Zeit später lief der Wagen.
„Wo haben sie das denn gelernt?“, wollte Kresser wissen.
„Ich arbeite im Knast. Was glauben sie, was man da alles lernt.“, grinste ich. „Bitte einsteigen.“
Wir fuhren zum offenen Hangar und stiegen aus.

„Могу ли я даже помочь?“ (Kann mir mal einer helfen) fragte Kresser laut.
„Sie sprechen russisch und deutsch?“

„Ich spreche sogar chinesisch.“, erwiderte Kresser. Ich musste gestehen, dass mich dieser Kresser wirklich überraschte.
Einer der Techniker kam auf uns zu und ich versuchte mich so unauffällig wie möglich, dem zweiten zu nähern.

Kresser verwickelte den Techniker in ein Gespräch und ich schaute mir dass offenliegende Triebwerk an.
Der zweite Techniker sah mich misstrauisch an.
„что ты здесь делаешь?“ (Was machst du hier) das musste mir keiner übersetzen, diese Frage würden wohl alle auf der Welt stellen.

Da ich kein Wort russisch konnte, grinste ich einfältig, ging noch einen Schritt auf ihn zu, dann schmetterte ich ihm die Faust ins Gesicht, packte ihn und schlug nochmal zu.
Der Techniker sackte zusammen und sein Kollege, der sich umgedreht hatte, folgte ihm ins Reich der Träume, als Kresser ihm einen Handkantenschlag verpasste.

„Mein Russisch wird immer besser.“ Rief ich. Kresser grinste.
Gerade als Kresser zu dem linken Flieger ging, ertönte ein scharfes Kommando.
„Стоп! Руки вверх!“ Zwei Wachen, die aus einem der Aufenthaltsräume kamen, sahen uns überrascht an.

Noch während einer seien Waffe in Anschlag bringen wollte, griff ich den größten Schraubenschlüssel, den die Techniker hatten und warf diesen einer Wache ins Gesicht.

Kresser hatte sein Pistole gezückt und schoss den anderen nieder.
„OK, das war es, mit wählerisch sein.“ rief Kresser, als eine Sirene aufheulte.
Er lief zum Flieger, riss die Tür auf und sprang hinein.
Ich hob das Gewehr einer Wache auf und rannte zum Hangar Tor. Kaum angekommen, sausten Kugeln um mich herum. Ein weiteres Wache Team kam auf mich zu gerannt, lief aber ins Feuer, das Mike und die anderen eröffneten.

Im Kreuzfeuer gingen die Wachen zu Boden, waren aber nicht ausgeschaltet, denn das Feuer wurde erwidert. Meine Freunde liefen in Richtung Hangar während Mike, Mersch und Menachem sich verteilten, um uns Deckung zu geben. Dave führte die anderen zum Flieger.

Kresser hatte die Triebwerke angeworfen und ließ die Maschine aus dem Hangar rollen lassen. Er lenkte den Jet zwischen die Hangars in den toten Winkel der Wachen. Die so nicht auf den Flieger schießen konnten.

„LOS. Rein mit euch.“ Brüllte Decker und feuerte neben den Flieger stehend. Als wir losrannten, wurden wir durch wildes Feuer gestoppt. Die Wachmannschaft hatte Verstärkung bekommen und lieferte sich mit uns ein wildes Gefecht.

Fabienne suchte Zuflucht hinter dem Werkstattbus und feuerte zurück. Im Kreuzfeuer von Fabienne, Mikes Team und uns, konnten wir uns die Wachen von Hals halten, doch es waren schon die ersten Sirenen der Miliz zu hören.
Mitten in der Schießerei kroch Randy zu mir.
„Wir haben Post bekommen.“ Rief er und hielt mir das Tablet hin.
„Was? Verdammt was ist?“
„Ich dachte das interessiert dich.“

Ich warf einen Blick auf das Tablet. Darauf war ein Bild von Sarah zu sehen, die anscheinend in einem Krankenhaus lag und an geschätzt Hunderten Schläuchen angeschlossen war. Daneben saß Vera und sie lächelte!

Trotz der brenzligen Situation, fiel mir eine tonnenschwere Last vom Herzen.
„Danke, mein Freund. Und jetzt zum Flieger.“
Wir gaben Randy Deckung und Decker schubste ihn in das Flugzeug.
Am Hangar waren jetzt noch Caroline, Dave, Levi, Hannes und ich.
„Mir geht die Munition aus.“ Rief Fabienne.

„Gebt mir Deckung!“, sagte Dave und rannte zu Fabienne. Wie schossen wie die Teufel und Dave schaffte, es Fabienne mit Munition zu versorgen.
Mike und die Anderen hatten sich zum Flieger hingearbeitet und stiegen ein.
Levi schätzte die Situation ein. Solange wir die Wachen im Kreuzfeuer hatten, konnten sie den Flieger nicht stoppen.

Doch die ersten Einheiten der Miliz erschienen und fingen an, in den Kampf einzugreifen. Wir hatten nur wenig Zeit, abzuhauen.

Ben und ich wechselten einen Blick, der mir alles sagte.
Caroline schätzte die Situation genauso ein wie Levi.

„Peter und ich halten sie unten und ihr rennt.“ Rief Caroline.

Caroline sah mich an und ich nickte.
Während Hannes eine Save in Richtung der Wachen schickte, umarmte ich meine Caroline.

„Was immer geschieht, ich liebe Dich. Wir schaffen es zusammen.“ Sagte sie und gab mir einen Kuss.

„Ja mein Schatz. PASS AUF!“ Rief ich und Caroline wirbelte herum.

Mein Herz zerbrach in tausend Stücke, als ich sie von hinten niederschlug.

Ben fing sie auf, bevor sie auf den Boden fiel und legte sie einem entsetzt blickenden Hannes in die Arme.

„LAUF!“, brüllte ich Hannes an und feuerte mit allem, was ich hatte auf die Wachen.
Levi stieß ihn vorwärts und rannte schießend neben ihm her.

Am Werkstattbus packte er eine verzweifelte Fabienne und zerrte sie hinter sich her zum Flieger. Sie blickte ein letztes Mal traurig zu mir, dann war sie weg.

Ich lud nach und ließ einen weiteren Kugelregen auf die Wachen niedergehen.
Levi hatte Fabienne in den Flieger gestoßen und schloss die Tür. Noch ehe die Tür verriegelt war, schob Kresser die Gashebel nach vorne und startete.

Gerade hatte ich ein ganzes Magazin auf die Wachen und die Miliz gefeuert und als ich erneut nachladen wollte, rollte eine Granate auf mich zu und ließ die Welt in einem hellen Ball explodieren.

Ich lag auf dem Rücken und bekam keine Luft mehr. Doch bevor ich das Bewusstsein verlor, konnte ich Carolines Gesicht sehen und hörte die immer leiser werdenden Triebwerke, die sie in Sicherheit brachten.

… Caroline …

**

Kresser hatte den Flieger in die Luft gebracht und hob ab.

„Welchen Kurs?“
Unter sich sah er kleine Gestalten durch die beleuchteten Areale des Flugplatzes laufen und Mündungsfeuer aufblitzen.

„Südwest. Kurs 225. So eine Scheiße!“, fluchte Mike.

Er griff das Funkgerät und setzte die codierte Meldung mit ihrer Position und Kurs ab.
Im Flieger war die Stimmung am Tiefpunkt.

Gerade als sie die Küste passierten und auf Meer zusteuerten, hoben bei Adlerskiy zwei MIG 29 ab, die das Flugzeug abfangen sollten.
84 Meilen hatten Kresser zurückgelegt, als die überschallschnellen Jäger sie eingeholt hatten.

Doch diesmal erwartete die Russen eine Rotte amerikanischer F18 Superhornet, welche sich auf die MIGS stürzten und in wilde Dogfights verwickelten und so dafür sorgten, dass Kresser unbehelligt weiterfliegen konnte.

Als er zur Landung auf dem Samsun Airport ansetzte, erwachte Caroline aus ihrer Bewusstlosigkeit.

**

Das Dunkel wich einem nebligen Licht, dann erkannte ich, dass ich in einer Maschine flog.

„Was ist passiert? Wo ist Peter?“

Levi’s Blick war wie sooft unergründlich, aber ich erkannte, dass es einen Zwischenfall gegeben hatte.

Die Blicke von Fabienne und Hannes gingen zu Boden, Fabiennes leuchtende Augen waren glanzlos und ich erkannte eine Träne.

Hannes war weiß im Gesicht. Decker sah zu Levi auf und sie schauten mich dann bei an wie in einer schlechten Krankenhausserie, so als würden sie jeden Moment sagen wollen „Keine Sorge. Er schafft das.“

„Sagt mir auf der Stelle, was mit Peter ist – und wo zum Teufel kommt diese Beule her?“

Fabienne setzte sich an meine Seite und nahm mich in den Arm und schaute mir tief in die Augen.

„Es gibt da etwas, was du wissen solltest…“ begann sie und dann erzählte sie mir von dieser speziellen Rettungsaktion und von Peters einzigartigem Einsatz.

„Dieser Idiot!“ sprang ich auf,

„Wenn ich den in die Finger kriege… der kann sich ein Iglu in Thule bauen und dort für den Rest seines Lebens bleiben, ahhhhh, mein Kopf!“

Decker und Levi waren mit ihren Köpfen zurückgewichen, Hannes suchte irgendetwas hinter der Flugzeugscheibe und Fabienne schaute mich wieder an, nahm mich an der Hand und bewog mich, zum hinsetzen.

„Setz dich Liebes, du weißt genau, dass das der einzige Weg war …“ aber ich fuhr sie an.

„Bullshit! Das waren doch nur 30, 40 Leute, die fressen wir sonst zum Frühstück …“

„Ja, aber dieses Frühstück wäre uns allen diesmal nicht bekommen, die hätten uns alle in die Finger bekommen und kurzen Prozess gemacht. Und das heißt in Russland nichts Gutes!“, unterbrach mich

Decker und Ben nickte ihm zustimmend zu.

Mit Tränen in den Augen sah ich zu Fabienne und schluchzte nur „Peter – mein geliebter Peter…“, da lief die erste Träne bei Fabienne die Wange hinunter.

**

Khostinskiy

Keine Ahnung wie lange ich in der Zelle schon saß.

Essen und Prügel wechselten sich ab. Manchmal gab es auch mehrere Touren Prügel hintereinander.
Bei der ersten Tracht Prügel konnte ich mich noch kurz zur Wehr setzten und einen Russen zu Boden schlagen. Ab da gab es erst Fesseln und anschließend Prügel.

**

Moskau

In Moskau setzte sich unser zweites Ass in eine gepanzerte Limousine, und ließ sich zum Sitz des russischen Ministerpräsidenten fahren.

Natürlich wurde der Wagen überwacht und so wurde Soleab an dessen Residenz schon erwartet.
Vor vier Wochen hatte die Republik Soulebda, in Moskau, eine eigene Botschaft eröffnet, Bis dahin war sie im Gebäude der amerikanischen Botschaft untergebracht. Der Neubau wurde dann, aus praktischen Gründen, in der Nähe der amerikanischen Botschaft gebaut.

Ohne sich aufhalten oder abwimmeln zu lassen, verlangte Soleab den russischen Ministerpräsidenten zu sprechen.

Der ließ Soleab eine volle halbe Stunde warten, doch Soleab nahm diese Beleidigung gelassen hin. Da hatte er schon ganz andere Sachen erlebt. Schließlich ließ man ihn vor den russischen Ministerpräsidenten treten.

„Guten Abend Herr Amsala. Bitte entschuldigen sie, dass man sie warten ließ. Was verschafft mir die Ehre, den Parlamentspräsidenten Soulebdas zu begrüßen?“

Soleab schaute sich in dem großen palastartigen Raum um. Er selbst hatte eine Abneigung gegen sein Büro im Palast und benutzte fast ausschließlich sein Büro im Parlament.
Kojef, sein Gegenüber hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht sich zu erheben. Soleab schätzte die Situation richtig ein und lächelte Konjef an.

„Peter Stein. Ich will ihn haben.“

Kojef, blickte Soleab ungläubig an. „Was haben sie gerade gesagt?“ Fragte er etwas bissig.

„Ich will Peter Stein!“

„Herr Amsala, ich weiß, sie sind auf dem diplomatischen Parkett noch unerfahren, aber es gibt gewisse Regeln die …“

„Sie haben Recht,“ unterbrach Soleab und Konjef war sprachlos.

Dieser Mann verstieß nicht nur gegen das Protokoll, nein er beleidigte ihn, in dem er ihn unterbrach. Nicht nur das, er stellte Forderungen!

„Ich bin kein Diplomat.“ Fuhr Soleab fort. „Ich war Führer der politischen und bewaffneten Opposition. Man hat mich auch schon Rebellenführer genannt.

Als Rebellenführer führt man einen Kampf mit unterlegenen Kräften gegen einen übermächtigen Gegner. Das heißt, man muss sich seine Optionen genau überlegen. Wo ist der Gegner am verwundbarsten?

Was sind seine Schwächen? Welches sind die eigenen Stärken?
Man muss das Schlachtfeld gewissenhaft wählen und darf seinem Gegner keine andere Wahl lassen, als die eigenen Bedingungen.

Sollte man aber die Schlacht vermeiden können, und sich mit dem Gegner einigen, muss man bereit sein, einen Kompromiss einzugehen.

Also:

Der Staat Soulebda und die Stämme kontrollieren zusammen 56% der Anteile an der Gesellschaft, welche die Seltenen Erden auf Soulebda abbauen.

Die Amerikaner halten 15%, die Russischen firmen gerade einmal 10%.

Die Stämme Soulebdas, sowie unsere amerikanischen Freunde, haben mir in dieser Angelegenheit ihre volle Unterstützung zugesagt.

Somit kontrolliere ich 71% Anteile der Gesellschaft.
Wenn sie mir Peter Stein nicht innerhalb von 8 Stunden übergeben, werde ich die Russischen Betreiber, die letztlich russische Rüstungsfirmen sind, in einer für morgen Abend angesetzten Sondersitzung hochkant aus der Gesellschaft werfen.“

Konjef glaubte, sich verhört zu haben. Was bildete sich dieser dahergelaufene Mistkerl ein? Was glaubte er, wer er sei?

„Sie wagen es, uns zu drohen?“, fragte er gefährlich leise.

Soleab drehte sich zu Konjef um und sah ihm direkt in die Augen.

„Ja, denn ich bin in der Lage dazu. Sie brauchen die Anteile der Gesellschaft. Seit den letzten Zwischenfällen am Amur sind die Chinesen nicht sehr gut auf sie zu sprechen. Selbstverständlich werden die Chinesen ihnen weiter ihre Seltenen Erden verkaufen, die Frage ist nur zu welchem Preis.

Zufällig weiß ich von einem hohen Chinesischen Funktionär, dass die die Preise für Russland um 20% anheben werden.

Die wirtschaftlichen Verluste, welche einen Ausschluss aus der Gesellschaft zur Folge hätte, würden in die hunderte Milliarden gehen. Ihre Wirtschaft und ganz besonders ihre Rüstung würden den Bach runter gehen.

Ist ihnen das alles ein Peter Stein wert?“

„Sie können uns nicht einfach aus der Gesellschaft werfen oder unsere Güter beschlagnahmen. Es gibt Verträge, …“

„Da liegen sie falsch. Im Vertrag steht deutlich, dass jeder Beschluss, der mit einer 2/3 Mehrheit, beschlossen wird, gültig ist. Und wenn man, zum Beispiel, Australien und Neuseeland in Aussicht stellt, einen Teil ihrer Anteile zu bekommen, würde ich mit Sicherheit eine solide ¾ Mehrheit zustande bekommen.

Andererseits… Sollten sie mir Peter Stein übergeben, wären die Stämme sowie der Staat Soulebda bereit, je 1,5% ihrer Anteile an russische Investoren abzugeben. Somit würden ihre Anteile auf 13% steigen, was einen Gewinn von satten 3,6 Milliarden darstellen würde.“

„Warum setzen sie sich für diesen Terrorristen so ein? Er hat mehrere russische Staatsbürger getötet und große Schäden verursacht.“

„Mir scheint, dass die Verbrecher und Terroristen eher an anderer Stelle zu suchen sind.“
„Was wollen sie damit sagen?“

„Sie haben vielleicht bemerkt, dass sich Frau Haufberger, die ebenfalls ihr „Gast“ war, noch nicht zu den Vorfällen geäußert hat. Ich an ihrer Stelle, möchte die schockierenden Einzelheiten lieber nicht in der internationalen Presse lesen.“

„LÜGEN! – Das sind alles Lügen.“

„Nein, das sind keine Lügen und das wissen Sie genau.

Abgesehen davon. Das spielt keine Rolle, wer westlich des Baltikums würde die Geschichte nicht glauben?

Ich erwarte ihre Antwort in einer Stunde. Wenn sie gestatten, werde ich, solange draußen warten.“ Soleab drehte sich um und ließ Konjef weiß vor Zorn stehen.

Als sich die schwere Eichentür geschlossen hatte fing Konjef lauthals an zu fluchen und warf einen Teil seiner Schreibtischdekoration durch das Zimmer.

**

Exakt 58 Minuten später wurde Soleab erneut zu Konjef gebracht.

Dieser stand hinter seinem massiven Schreibtisch. Die Dekoration auf dem Tisch war ausgewechselt worden.

„Wir würden einer Ausreise nach Stockholm zustimmen, sofern die schwedische Regierung zustimmt. Wir werden Peter Stein nach Gatchina, in der Nähe von St. Petersburg, bringen. Von dort kann er dann nach Stockholm weiterreisen.“

„Vielen Dank, Herr Ministerpräsident. Wir werden ein Flugzeug bereitstellen, das Herr Stein nach Stockholm bringen wird. Ich werde persönlich ihr Arrangement in dieser Sache bei unserer Präsidentin erwähnen.“

Soleab drehte sich um und ließ Konjef stehen. Die schwere Eichentüre schlug zu.

Konjef bebte noch immer vor Wut. Als er wieder sprechen konnte, drückte er den Knopf der Sprechanlage.

„Holen sie mir General Soywilltsch. Aber ein bisschen plötzlich!“
Der kam nur Minuten später zu einem vor Wut bebenden Konjef.

„Dieses Flugzeug aus Soulebda wird Russland nie verlassen! Keine Überlebenden, keine Beweise. Ein tragischer Unfall. Haben sie das verstanden Herr General?“

Der General schlug die Hacken zusammen. „Jawohl, Keine Überlebenden, keine Beweise!“

**

Die Tür ging auf, und da der Wärter kein Essen brachte, war es wohl wieder Zeit für Tracht Prügel.
So kam es dann auch, nur dass ich die Prügel diesmal in der Zelle bekam. Als ich keuchend am Boden lag, standen ein Paar polierte Stiefel vor mir.

„Sie haben unsere Gastfreundlichkeit jetzt lange genug in Anspruch genommen. Es wird langsam Zeit, dass sie uns verlassen.“

Die Wachen rissen mich vom Boden hoch und Soywilltsch stand vor mir.

„Leck mich. Caroline wird dir das Hirn rausblasen. Irgendwann, wenn du nicht damit rechnest, wird sie hinter dir stehen.“

Ich konnte ein kurzes aufflackern in seinen Augen sehen. Er würde es niemals zugeben, doch ich konnte seine Angst in diesem Sekundenbruchteil riechen.

Soywilltsch holte aus und schlug mir seine Faust in den Magen. Als ich zusammenklappte, zerrte mir eine der Wachen einen Sack über den Kopf und sie schleiften mich aus der Zelle.
Recht unsanft wurde ich in eine Art Box gesperrt, die absolut schalldicht war. Ich nahm zwar war, dass die Box bewegt wurde, doch wie lange man mich dort drin ließ, konnte ich später nicht mehr sagen.
Ohne Einflüsse von außen konnten es Stunden, oder Tage gewesen sein.
Irgendwann wurde die Box geöffnet, ich wurde herausgezerrt und zu Boden geworfen. Anschließend gab es noch ein paar Tritte, dann herrschte Stille …

Schließlich kamen Schritte auf mich zu.

„Mann, die haben dich ja ganz schön zugerichtet.“ Brummte eine bekannte Stimme.
Bernd zog mir den Sack vom Kopf und schüttelte den Kopf.
„Wo ist Caroline?“, war meine einzige und wichtigste Frage.

„In Sicherheit, sie ist in Stockholm. Sie ist aber ziemlich sauer auf dich, an deiner Stelle würde ich mir überlegen, vielleicht doch hierzubleiben.“
Bernd begann mir die Fesseln abzunehmen und half mir auf die Beine.
„Schlimmer als die Russen wird Caroline mich auch nicht verprügeln.“

„Darauf würde ich keine Wette eingehen, aber wenn du es herausfinden willst, dann sollten wir hier endlich verschwinden.“
Auf Bernd gestützt trat ich aus dem Raum und stand auf einer Landebahn.
50 Meter vor mir stand Bernds Flugzeug der Cargo Line.

Obwohl weit und breit niemand zu sehen war, war ich mir sicher, dass hunderte Augen auf uns gerichtet waren. Mittlerweile, konnte ich ohne Bernd als Stütze laufen und ging aufrecht mit erhobenem Haupt zum Flugzeug, erwartete aber, jeden Moment eine Kugel in den Rücken zu bekommen.
Doch nichts geschah und ich stieg ein. Bernd schloss die Tür und setzte sich ins Cockpit.
„Zeit die Biege zu machen.“ Sagte er zu mir, und warf die Motoren an.

Langsam die Gashebel nach vorne schiebend, brachte Bernd das Flugzeug ins rollen und startete, nachdem ihm der Tower die Freigabe in feinstem englisch erteilt hatte.
„Wieso Stockholm?“, fragte ich Bernd während der Flieger immer schneller und die Landebahn vor uns immer kürzer wurde.

„Wirf mal einen Blick auf die Landkarte.“ Meinte er nur und hob ab.
Der Flugplatz war ein kleiner Provinzflughafen der unter uns zurückblieb. Bernd schraubte an seinem Funkgerät und im Kopfhörer ertönten die Bee Gees. Anschließend ein Bericht über die aktuelle Debatte im Bundestag.

„Seit wann hörst du denn sowas?“
„Man sollte immer über das Geschehen um einen herum informiert sein.“, antwortete er.
Unter uns blieben Utesheniye und anschließend Kurovitsy zurück und Bernd nahm Kurs auf den finnischen Golf.

Ich schaute auf das Radio, als wenn ich davon eine Antwort auf meine nicht gestellte Frage bekäme.

„Was soll das mit dem Radio?“

Die letzten Häuser von Kurovitsy verschwanden als die Reportage verstummte und nur noch statisches Rauschen ertönte.
„Was ist, wieder keine Batterien?“

Bernd schaute mich an, zeigte auf das Radio und grinste finster.

„Nein, es geht los, deine Freunde sind da.“, wir blickten uns um und tatsächlich tauchten hinter uns vier MIG 31 auf.

„Und jetzt?“, mir war klar, dass es diesmal nicht darum ging uns abzufangen.
„Wir geben Gas und hauen ab.“

„Mit ner Propellermaschine gegen MIG 31, ja nee, is klar …“

Bernd grinste mich breit an und schob die Gashebel ganz nach vorne und das Flugzeug erzitterte. Wie in einem Sportwagen, dessen Fahrer auf Gaspedal drückte, wurde ich in den Sitz gedrückt.

„Ich hab die Motoren etwas frisiert. Schließlich war das hier mal die Präsidentenmaschine.“ Er ging in
einen steilen Sinkflug und raste über den Boden.
Die MIG‘s waren überrascht, aber nicht abgehängt.

„Du hast nicht zufällig noch die Kanonen an Bord, die du am See hattest?“

„Nein, die wollten mich mit den Kanonen einfach nicht über die Grenze lasen.“
„So was aber auch!“

Soywilltsch, der die Führungsmaschine flog, hatte seine vier Maschinen geteilt. Zwei blieben oben und sicherten, er und sein Flügelmann flogen hinter dem Flugzeug her. Soywilltsch brachte sich in Schussposition, visierte das Flugzeug an und feuerte eine R77 Rakete ab.

**

„Da kommt was!“ rief ich.

Bernd drückte einen Knopf an den Armaturen und die Rakete zischte vorbei. Harmlos explodierte sie weit weg von uns.

„Was war das denn?“

„Mikes Jungs haben was Neues. Ein Ultra starker Radarstörer. Wir testen ihn gerade.“

„Das beruhigt mich ungemein. Wieso glauben die Russen, dass sie damit durch kommen?“
„Weil wir nicht um Hilfe rufen können.“

„Scheibenkleister …“

„Eben!“

**

Ungläubig hatte Soywilltsch mit angesehen, wie seine Rakete am Ziel vorbeiging.
„Zobel 2. Feuern sie!“
„Zobel 1, ich kann das Ziel nicht erfassen. Mein Radar ist völlig blind.“
Soywilltsch schaute auf sein Head up Display. Zobel 2 hatte Recht, das Radar und die Kommunikation waren tot.

„FEUERN SIE!“

Zobel 2 Feuerte eine weitere R77 auf das fliehende Flugzeug ab, die genau wie die Rakete von Zobel 1, am Ziel vorbei ging, weiter flog und schließlich weiter weg explodierte.

**

„Was ist das für ein blödes Land, wo man mit Raketen um sich ballern kann, ohne dass es einer mitbekommt?“

„Hier ist eben weit und breit keine Sau, die das interessiert.“

„Quatsch nicht, wir sind hier am Finnischen Meerbusen und das da vorne ist Tallin.“
„Peter, hier interessiert sich niemand für uns, glaub mir, wir sind auf uns alleine gestellt.“
Soywilltsch knirschte mit den Zähnen, zielte erneut und schoss diesmal eine wärmende suchende R73 Rakete ab.

**

Bernd legte das Flugzeug in eine scharfe Kurve, während sich unter dem Rumpf einige brennende Magnesiumsfackeln lösten.

Diesmal explodierte die Rakete gefährlich nahe, doch unser Flieger blieb in der Luft.
„Woher weißt du eigentlich, welche Rakete die abschießen?“
„Tja, ist jedes Mal ein 50-50 Spiel.“

„чертовский!“ schrie Soywilltsch. „Also gut, dann machen wir es eben auf die altmodische Weise.“

Vier Raketen hatten er und sein Flügelmann jetzt schon verschossen und dieses uralte Scheißpropellerflugzeug war noch immer in der Luft! Er tobte in seinem Cockpit und fluchte wie ein alter russischer Bauer.

Er beschleunigte und machte die Bordkanonen feuerbereit.

Doch Bernd war ein Fliegerass. Er brauste über die Baumkronen und machte Soywilltsch das Leben schwer. Mit einem Mal blieben Bäume und Wiesen zurück und wir waren über dem Meer.

„Ich will nicht klugscheißen, aber hier sind wir Zielscheiben.“ Gab ich zu bedenken.
„Da hast du Recht. Über dem Meer sind wir Zielscheiben.“

**

Soywilltsch grinste. Der Pilot hatte sein ganzes Können gezeigt und er musste zugeben, dieser Pilot war spitze. Zu gerne hätte mit dem Piloten einen Wodka getrunken, doch jetzt war es an der Zeit das Spiel zu beenden.

Er brachte sich hinter das Flugzeug, visierte es an und legte seinen Daumen auf den Feuerknopf.

**

Ein heller Blitz ließ Soywilltsch zusammenzucken. Aus dem Augenwinkel sah er, wie sich die Maschine seines Flügelmanns in einem Feuerball auflöste und zwei F22 Raptors an ihm vorbeizischten.

Eine Paptor stürzte sich mit eingeschaltetem Nachbrenner auf die sichernden MIGs und verwickelte diese in einen wilden Kampf.

Soywilltsch fluchte in den Funk, doch niemand konnte ihn hören. Diese verfluchten Yankees wandten denselben schmutzigen Trick an, wie er und störten die Verbindungen.

Doch es gab auch einen Vorteil.

Der Störsender, der seine Raketen wirkungslos machte, ließ auch die Raptor keine Raketen gezielt auf ihn abfeuern. Dieser Kampf würde auf Sichtnähe mit der Kanone entschieden werden.

Die andere Raptor hatte jetzt sich hinter ihn gesetzt und aus seinem Kopfhörer ertönte ein schrilles Zwitschern.

Doch Soywilltsch war ein trainierter Kampfpilot und wich der Raptor aus.

In einem Todestanz verkeilt versuchte jeder sich in Schussposition zu bringen.

Syowilltsch konnte zweimal die Raptor aus der Nähe sehen. Zu seinem Erstaunen, trug diese keine US Hoheitszeichen, sondern eine blaue Flagge mit einer untergehenden Sonne, er hatte die Flagge vorher noch nie gesehen hatte. Wer immer diese Raptor flog, er war verdammt gut.

Weit weg am Himmel erschien ein Feuerball und Soywillltsch hatte ein weiteres Flugzeug verloren.

Nur Sekunden nach dem ersten Feuerball erschien ein zweiter und die andere Raptor zischte von links nach rechts durch seinem Sichtfeld ohne das er auf sie feuern konnte. Automatisch war sein Blick der zweiten Raptor gefolgt.

Als er nach wieder nach vorne blickte, sah er die Propellermaschine genau auf ich zukommen.

Automatisch legte sich Soywilltsch Finger auf den Feuerknopf, doch bevor er einen Schuss abgeben konnte kippte das Flugzeug nach unten. Direkt dahinter donnerte die erste Raptor mit feuernder Kanone auf ihn zu.

Alles was Soywilltsch noch sah, war ein Blitzen dann wurde seine MIG und er buchstäblich in der Mitte zerrissen.

Die Reste von Maschine und Pilot fielen brennend nach unten und verteilten sich im Meer, als die Raptors neben Bernds Flugzeug herflogen.

Der Pilot der ersten Raptor schaute zu Bernd herüber.
„Jetzt sind wir quitt.“

„Ja, schätze das sind wir, Schatz. Jim, danke.“

„Ich kann euch Amateure doch nicht alleine lassen. Nachher bekommt ihr den ganzen Ruhm alleine ab.“
„Schluss jetzt mit dem Gequatsche. Condor 2, Pfeilformation. Condor 3 führt.“ Befahl Veronique.

Verstanden Condor 1.“

„Alles klar, Frau Verteidigungsminister.“

Nachdem Bernd den Störsender ausgeschaltet hatte, sahen Veronique und ihre Staffel, jede Menge russische Flugzeuge hinter sich herkommen, doch vor ihr erschien auch eine Wand von Flugzeugen.

F15, Tornados und Eurofighter bewegten sich auf sie zu sorgten dafür, dass sie unbehelligt blieben.
Über der Ostsee reihten sich die F-15 der US Streitkräfte in die Formation ein, die Bernd anführte. Es war eine seltsame Formation.

**

Zwei Stunden später landeten Bernd und ich in Stockholm.

Auf einem abgelegenen Teil des Frachtareals brachte Bernd das Flugzeug zum Stehen.

Einsam und verlassen stand Caroline an der Landebahn. Außer ihr war niemand zu sehen.
Bernd öffnete die Tür und hielt mich zurück.

„Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich mich gerne da heraushalten. Gib mir einen Vorsprung, bevor du aussteigst.“

Er stieg aus und ging zu Caroline die Bernd umarmte und einen Kuss gab. Dann ging er weiter und ich stieg aus.

**

Langsam gingen wir aufeinander zu und blieben voreinander stehen.
Ihre Augen durchbohrten mich nicht, sie funkelte mich nicht an und Caroline verpasste mir auch keine Ohrfeige.

Das alles wäre zehnmal leichter zu ertragen gewesen, als diese verletzten Augen.
Diese verletzten Augen von Caroline, sie taten mir so unfassbar weh.

„Caroline, ich liebe dich über alles, doch ich werde mich nicht dafür entschuldigen. Dein Leben ist mir wichtiger als alles andere. Du wärst niemals freiwillig mit geflogen, um in Sicherheit zu kommen.
Ich tat das, was ich für deine Sicherheit, und dein Leben für das beste hielt.“

Caroline liefen Tränen über das Gesicht und ihre Mundwinkel zitterten.

„Vielleicht hätten wir es gemeinsam geschafft. Vielleicht hätten sie uns erwischt, vielleicht sogar getötet.

Aber wir beide wären ZUSAMMEN gewesen! Ich dachte, wir sind ein Paar, das unzertrennlich und dadurch unbesiegbar ist.“, presste sie hervor.

„Ich hoffe, du kannst mir verzeihen.“ Flüsterte ich. Eine Ewigkeit stand sie weinend und regungslos da. Dann flüsterte sie:

„Ich kann dir verzeihen, aber ich werde es nie vergessen.“

Endlich durfte ich meine Caroline in den Arm nehmen und küssen.

**

„Nein bitte keinen Flieger nach Hause. Ich hab die nächste Zeit genug von Flugzeugen.“ Sagte ich zu Caroline.

Das ganze Team, einschließlich Mike, Meresch, Menachem, Dave und Kresser waren in Stockholm.
Im Grand Hotel hatten unsere Freunde jenseits des Teiches Zimmer für uns besorgt.
Aus Russland hörte man lediglich, dass bei einem Manöver mehrere Flugzeuge miteinander kollidiert waren und man sich sehr darüber freute, weitere 3% Anteile der Gesellschaft Soulebdas zu bekommen.
Nacheinander zogen unsere Krieger nach Hause. Mikes Team wurde nach Washington beordert und Decker flog mit Randy und Hannes zurück.
Bernd war nach einem Tankstopp Veronique und Jim gefolgt, die ihre „Leihgaben“ wieder zurück brachten.

„Euer Patenkind würde es bevorzugen, lebende Paten zu haben. Bitte gebt euch Mühe. Ja?“, sagte er zum Abschied.

Levi, und Fabienne verabschiedeten sich als letztes. Dagan berief eine Abschlussbesprechung ein und wollte beide dabei haben.

„Wie willst du dann nach Hause kommen?“,fragte Caroline.
„Wir nehmen ein Boot. Aber bitte ein Kleines.“
„Soll mir Recht sein.“

So gingen wir am nächsten Morgen zum Hafen und schauten uns die Schiffe an, die man mieten konnte.
„Das wäre doch was.“ Caroline zeigte auf eine schnittige Jacht, die modern, aber verdammt teuer aussah.

„HHMM, ich dachte da eher an so was.“ Und wies auf ein altes Fischerboot, welches bestimmt schon 30 Jahre alt war. Seine verblichenen Planken und die abblätternde Farbe hatte der Kutter einfach was Nostalgisches.

„Du bist ein Romantiker. Ok, nehmen wir etwas in der mittleren Preisklasse.“

**

Ich stand tags darauf am Heck und blickte auf das Kielwasser.
Der Tag war herrlich gewesen. Die Seeluft tat gut und die Ostsee zeigte sich von ihrer freundlichen Seite.
Caroline kam zu mir und stellte sich neben mich.

„Ein wunderschöner Anblick.“ sagte sie und blickte nach Westen, wo die Sonne anfing im Meer zu versinken.

„HHMM.“
Sie schaute mich erstaunt an. „Was hast du?“

„Ich hab Angst.“
„Was? Wovor?“
„Vor dem was kommt.“

„He, wir haben die Fremdenlegion aufgemischt, eine Rebellion gewonnen und den russischen Bären erlegt. Wovor sollten wir noch Angst haben?“

„Das meine ich nicht. Ich hab Angst vor den nächsten 30 Sekunden!“
Caroline sah mich an und ihre Augen fingen an zu leuchten.

Ich griff in meine Tasche und holte einen Ring hervor …

 

 

*** Ende dieser Geschichte ***