Leben am seidenen Faden

Teil 1 und 2 der Geschichte um Caroline Miles und Peter Stein.

 

Vorwort.

Darf ein Henker ein rechtmäßig gefälltes Todesurteil vollstrecken, wenn er genau weiß, dass die verurteilte Frau unschuldig ist? Während sich Peter Stein mit dieser Gewissensfrage konfrontiert sieht, eröffnet ein ehemaliger CIA-Chef die Jagd auf Caroline Miles, welche als Henkerin seine zum Tod verurteilten Söhne hingerichtete. Als sich die Wege von Peter und Caroline kreuzen, gerät Peters Leben völlig aus den Fugen, denn er selbst hat sich nicht nur gefährliche Feinde gemacht, seine neue Partnerin, Caroline, führt auch noch einen eigenen Rachefeldzug. Vereint im Kampf gegen Söldner und Verbrecher kommen sich die beiden Henker näher, doch werden sie eine gemeinsame Zukunft haben? Wenn es nach ihren Feinden geht, nur eine sehr kurze…

 

Einige Personen der Geschichte:
Caroline Miles und Peter Stein Die Helden der Geschichte
Vera Müller Peter Steins Partnerin
Beate Fischer Eine zu Tode verurteilte Frau
Sarah Schlosser Eine Frau mit Vergangenheit
Jessika Dafore Peters rechte Hand
Frank Brauer Leiter der Haftanstalt
Wolfgang Decker Chef der Wachtruppe
Randy Kaufmann Ein Genie und Nerd in einem
Gerhard Trommer Zukünftiger Generalstaatsanwalt
Hannes, Johann, Bernd Gratzweiler Helfende Hände mit Verstand
Dagan Mayr Ehemaliger Chef des israelischen Geheimdienstes
Levi und Lem Majore des Geheimdienstes
Der alte Franzose Söldnerführer

 

 

Beate

 

Geduldig wartete ich bis Frank das Gespräch beendet hatte.

Ich verstehe Herr Minister. Ja. Auf Wiederhören.“

Er legte den Hörer auf und sah mich vielsagend an.

Kannst dich bewerben, im Ministerium wird eine Dezernatsstelle frei.“

Das heißt wohl, die Internetgeschichte ist tot?“

Tot? Tot ist gar kein Ausdruck. Das grenzt schon an Leichenschändung.“

Die Internetgeschichte von der wir sprachen, bezog sich auf öffentliche Hinrichtungen die per Livestream im Internet gezeigt wurden.

Seit Jahren verkamen öffentliche Hinrichtungen mehr und mehr zu Volksfesten. Als dann tatsächlich ein Betreiber den Antrag stellte, ein Karussell aufzustellen, begann man im Ministerium darüber nachzudenken wie zeitgemäß öffentliche Hinrichtungen heutzutage sind.

Der Versuch diese und am besten die Todesstrafe selbst abzuschaffen, scheiterte schon im Ansatz, da das Volk strikt dagegen war und kein Politiker sich freiwillig selbst abschoss. Schließlich kam man im Ministerium auf die Idee den öffentlichen Raum ins Internet zu verlegen.

In einer Konferenz wurden Frank und ich vor einem halben Jahr diesbezüglich nach unserer Meinung gefragt…

Als staatlicher Henker führe ich die Urteile aus. Um es gleich vorweg zu nehmen, nein ich bin kein psychopatischer Killer, der Spaß daran hat!

Als ich vor 20 Jahren diesen Job antrat, musste ich ganz schnell feststellen, dass meine verklärte Vorstellung nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatte. Nach einem Jahr war ich seelisch und körperlich am Ende. Doch ich hatte Glück.

Ein ganz besonderer Mensch nahm sich meiner an. Jessika.

Ich lernte Jessika an dem Tag kennen, als ich meine Bewerbungsunterlagen abgab. Sie hatte nur einen Tag vorher in der Verwaltung eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten begonnen. Wir mochten uns sofort und schon nach drei Tagen durfte ich sie das erste Mal zum Essen einladen.

Jessika vermittelte einen schüchternen Eindruck, doch das täuschte. Jessika ist eine sehr selbstsichere Frau, die genau weiß was sie will.

Bevor sich jedoch die Freundschaft zu ihr vertiefen konnte, fiel ich in das tiefe seelische Loch, das mein neuer Job gerissen hatte.

Doch bevor ich ganz am Ende war, fing Jessika mich auf und half mir wieder auf die Beine zu kommen. Sie schaffte es, dass ich den Job einfach als solchen sah, als JOB! Nicht mehr und nicht weniger.

Mit ihrer Hilfe lernte ich mit den Belastungen und anderen Besonderheiten umzugehen und ein paar Monate später gab es den Peter Stein in seiner jetzigen Version.

Das erste was ich mir vornahm, war Jessika NIEMALS zu verletzen oder zu enttäuschen. Das hieß, so schwer es auch fiel, Finger weg von ihr! Das fiel sehr schwer, denn Jessika war ein verdammt gutaussehendes, intelligentes und feuriges Mädel.

Wir schlossen gemeinsam unsere Ausbildung ab und Jessika verzichtete freiwillig darauf eine bessere Stelle zu bekommen und ließ sich in meine Abteilung versetzen, wo sie weiterhin ein wachsames Auge auf mich halten konnte.

Und jetzt nach 20 Jahren arbeiteten wir als professionelles Team zusammen. Noch immer ist Jessika die Stütze die ich brauche um den Job erledigen zu können…

Es ist ja nicht so, dass wir diese Idioten nicht vorgewarnt hätten.“ Sagte ich zu Frank.

So war es. Auf der Konferenz hatten Frank, mein Chef, Freund und Leiter des Gefängnisses und ich den Vorschlag des Ministeriums von Anfang an, als Schnapsidee abgetan.

Auch hatten wir wiederholt, für die Abschaffung dieser widerlichen öffentlichen Spektakel plädiert und genau wie bei den letzten Anträgen, bekamen wir Abfuhr erteilt.  Und nun nach nur sechs Monaten war das Internetprojekt, in das sündhaft viel Geld gesteckt wurde, tot.

Zum Glück hatten Frank und ich unsere Einsprüche gegen das Projekt schriftlich festgehalten, denn als ein Sündenbock gesucht wurde, blieben wir beide außen vor.

Das Ministerium erwägt Öffentliche Hinrichtungen einzuschränken. Was immer das bedeutet, warten wir mal ab, aber die Befürworter haben prominente Unterstützung.“

Ja, wen?“

Oberstaatsanwalt Trommer.“

Trommer?“ fragte ich nach. „HHMM, den kenne ich so gar nicht. Ich hielt ihn bis jetzt immer eher für einen Gegner dieser Spektakel.“

Das war er, solange wie er sie nicht nutzen konnte.“

Nutzen?“

Trommer will nach oben. Und jetzt rate mal.“

General?“

Du hast es erfasst.“

WOW das war starker Tobak. Der jetzige Generalstaatsanwalt würde in einem halben Jahr in Ruhestand gehen, Bewerber gab es jede Menge und einige davon hatten weit mehr Dienstjahre und mehr Freude in der Chefetage als Trommer. Also musste er es auf einem anderen Weg versuchen.

Naja, wir sollten abwarten.“

Das Telefon läutete und Frank schaute auf das Display.

Jessika.“ Sagte er und nahm ab.

Ja, er ist da.“ antwortete er ihr und sah mich an.

Ich soll dich an die Anhörung erinnern.“

Die ist erst nächste Woche.“ Entgegnete ich.

Frank lauschte wieder und grinste, als er den Hörer auflegte.

Jessika sagt, heute ist die nächste Woche.“

Ich stöhnte auf. Verdammt, die Anhörung hatte ich ganz vergessen.

Ich war als Sachverständiger Zeuge in einem Prozess gegen eine andere Henkerin geladen.

Mist die Schiller-Sache. Ja ich werde daran denken.“

Tanja Schiller?“

Ja.“

Tanja Schiller hatte vor acht Jahren als erste Frau ihre Ausbildung zur Henkerin absolviert. Sie bestand mit Bravour und wurde von der Presse und dem Ministerium als gelungenes Beispiel an Integration gefeiert. Jetzt saß sie auf der Anklagebank, weil sie einem Todeskandidaten vor seiner Hinrichtung so viel Beruhigungsmittel verpasst hat, dass er vorher starb.

Das wäre kein Problem gewesen, hätte es sich um eine nichtöffentliche Hinrichtung gehandelt, so aber zeigte die Familie des Opfers Tanja an und das Drama nahm seinen Lauf.

Als Henker durften wir uns die Regeln nicht selber machen, wir hatten die Urteile so zu vollstrecken wie die Gerichte es festlegen. Soweit die Theorie…

In der Praxis sah das natürlich anders aus. Jeder Henker der seinen Job macht ohne durchzudrehen, versucht es seinen Kandidaten leicht zu machen, es kommt eben darauf an zu wissen, wie und was man tut. Frank wusste dass ich Beruhigungsmittel anwende. Er wusste aber auch, dass ICH wusste wann und wo ich das tun konnte.

Unangenehme Sache.“

Ja, zumal ich sie ausgebildet habe.“

Ich habe deinen Bericht gelesen. Du versuchst sie herauszuhauen.“

Natürlich will das. Sie ist eine von uns.“

Ich hoffe du hast Erfolg. Und jetzt solltest du dich auf die Socken machen, nicht dass das Gericht auf den Sachverständigen warten muss.“

Ich grinste und erhob mich. Als ich kurz vor der Tür stand, sagte Frank.

Ich verlasse mich darauf, dass bei dir alles nach Vorschrift läuft.“

Frank wusste genau, dass ich das tat, was ich für richtig hielt und er wusste auch, dass ich es weiterhin tun würde. Ich schaute ihn an und entgegnete „Keine Sorge, ich hab alles im Griff.“

Hätte ich in diesem Moment gewusst, was die nächsten Tage und Wochen geschehen würde, hätte ich mir diesen Kommentar sicherlich verkniffen.

**

Eine Stunde später saß ich im Gerichtssaal.

Während der Verhandlung waren nur wenige Details für mein Gutachten wichtig. Es lief immer mehr auf die Frage hinauf, ob es Tanja die Henkerin, mehr als einer oder einem Verurteilten, die nicht zugedachte Gnade eines schnelleren Todes zu Teil hatte werden lassen.

Die Verteidigung legte sich mächtig ins Zeug. Doch das Problem dass sie hatte war, dass es keine „zufriedenen Kunden“ gab, die Tanja hätten helfen können.

Dafür hatte die Staatsanwaltschaft gleich dutzende Zeugen, die aussagten, dass Verurteilte unter Drogen zu stehen schienen.

Tanja saß auf der Anklagebank und schwieg. Ihre Verteidiger hatten ihr anscheinend strengsten untersagt eine Aussage zu machen.

Ich konnte mich genau an diese junge Auszubildende erinnern. Selbstbewusst und lebensfroh. Sie hatte den Beruf des Henkers gewählt, weil sie etwas völlig andres tun wollte, als das was man vor ihr erwartete. Mit Stolz machte sie ihren Abschluss und bekam als erste Frau einen eigenen Bezirk.

Jetzt saß sie als gebrochene Frau vor dem Gericht.

Immer wieder kam es vor, dass Henker die psychische Last nicht mehr ertrugen. Es gab Henker die Selbstmord begingen, andere drehten völlig durch und bekamen Spaß am Töten.

Alles davon war schlecht. Wir Henker hatten nicht das Recht, uns unsere eigenen Regeln zu machen.

Über all das dachte ich nach, während sich dunkle Gewitterwolken über Tanjas Kopf zusammen brauten.

Schließlich kamen ich und mein Gutachten an die Reihe.

Kommen wir nun zum Gutachten.“ Verkündete der Richter und sah mich an.

Herr Stein, ihren vollen Namen bitte.“

Ich kannte die Angaben die ich machen musste und leierte sie herunter.

Peter Stein, 40 Jahre, Beruf Henker, ladungsfähige Anschrift, das hiesige Justizministerium, weder verwandt noch verschwägert mit der Angeklagten.“

Herr Stein, sie haben die Leiche der verurteilten Mörderin untersucht. Was genau haben sie feststellen können?“

Wie es der Arzt festgestellt hatte, ist die Verurteilte an Herzversagen gestorben.“

Sie starb noch vor der offiziellen Vollstreckung?“

Ja.“

Wie lange davor?“

Nur wenige Sekunden.

Würden sie sagen, dass die Henkerin das Sterben der Verurteilten so mit Absicht herbeigeführt hat?“

Nun, das ist ihr Job.“

Lenken sie nicht ab, sie wissen genau was ich meine. Sie hat die Delinquentin mit Absicht vor der offiziellen Vollstreckung getötet.“

Das ist eine Schlussfolgerung, die ich dem Gericht überlasse. Ich sollte lediglich die Todesursache sowie den Zeitpunkt bestätigen. Wie es zu dieser kam, war nicht Gegenstand meiner Untersuchung.“

Ist die Möglichkeit gegeben, dass es sich um eine natürliche Ursache gehandelt haben könnte?“

Nun ich bin kein Arzt. Es kann durchaus geschehen, dass sich der oder die Verurteilte dermaßen in Panik versetzt, dass es zu einer schweren Kreislaufstörung und letztlich zum Tode kommen kann.“

Herr Staatsanwalt, Fragen?“

Der Staatsanwalt ergriff das Wort.

Laut der Akte, haben sie selbst die Angeklagte ausgebildet.“

Das ist korrekt.“

Wenn sie einen Delinquenten vorbereiten, wie gehen sie vor?“

Ich verstehe die Frage nicht ganz.“

Verabreichen sie Drogen?“

Nein. Einzig Medikamente, die vom Arzt verordnet werden.“

Und diese Vorgehensweise haben sie auch der Angeklagten beigebracht?“

Ja“

Ist bei ihnen, oder einem ihrer Kollegen, die von ihnen möglichen Komplikationen eingetreten?“

Nein.“

Wie viele solcher Fälle sind ihnen bekannt?“

Fünf.“

Fünf Fälle in welchem Zeitraum?“

Ich presste die Lippen zusammen.

Fünf Fälle, Landesweit, seitdem ich diesen Job ausübe, also 20 Jahre.“

Schweigen.

Der Richter übernahm wieder. Er schaute zumindest unentschlossen und ich entschied mich noch ein paar Zweifel zu streuen.

Herr Stein, wie hoch schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass es hier um einen Unfall handeln könnte?“

Ich atmete tief durch. „Eher gering. Dennoch nicht ganz ausgeschlossen.“

Bevor ihr Verteidiger sie daran hindern konnte, sprang Tanja auf.

JA! Es war kein Unfall! Ich habe es mit Absicht gemacht und ich bin stolz darauf! Ich konnte sie doch nicht leiden lassen. Ich konnte es einfach nicht…

Dabei liefen ihr die Tränen über das Gesicht.

Niemand sagte etwas. Alle starrten sie an.

Verdammt. Ich hatte den Richter fast soweit gehabt.

Der Rest der Verhandlung war nur noch reine Formsache. Nachdem man Tanja das letzte Wort gelassen hatte, zog sich das Gericht zur Beratung zurück.

Ich wusste wie das Urteil lauten würde und beschloss mir das nicht anzutun und so machte mich auf dem Rückweg.

Weit kam ich nicht. Als ich aus dem Saal ging um zum Ausgang zu kommen, geriet ich in ein riesiges Gedränge. Ich kämpfte mich durch die Leute und hatte fast das Ende erreicht als ich Mike traf.

Mike war Mitarbeiter der Presseabteilung und nach anfänglichen Schwierigkeiten, die während der Internetgeschichte auftraten, waren wir beide gute Freunde geworden.

Hallo Mike, was zum Teufel ist denn hier los?“

Was? Bad-Man weißt du denn gar nicht was in der Welt geschieht? Heute ist der Fischer-Prozess“

Wer ist Fischer?“

Der Messermord vor sechs Wochen. Die Zeitungen waren voll davon.“

Ich überlegte. Langsam kam mir die Sache wieder ins Gedächtnis. Ich hatte gerade eine Woche Urlaub gehabt als es geschah.

Eine Frau hatte ihren Mann mit dem Messer umgebracht. Der einzige Grund warum ich mich daran erinnerte, war der, dass es in unserer Stadt geschehen war.

Da ist die Fischer.“ Er zeigte auf eine Frau die von zwei Beamten durch die Menge geführt wurde.

WOW, was für eine Frau. Sie war 1,70m groß, hatte eine perfekte Sanduhrenfigur, lange feuerrote Haare, ein freundliches, feminines Gesicht das mit Sommersprossen geschmückt war und herrliche smaragdgrüne Augen.

Sie trug einen schwarzen Knielangen Rock mit hellen Nadelstreifen und den passenden Bläser. Darunter eine weise Bluse und ein paar schwarze Nylons und schwarze Pumps.

Hätte sie nicht Hand und Fußschellen getragen, hätte niemand in ihr eine Mörderin gesehen.

Nun wo ich sie sah, fielen mir auch einige Artikel wieder ein. Die Presse hatte sich keine Gelegenheit entgehen lassen, diese schöne Frau auf ihre Seiten zu bringen.

Soweit ich mich erinnerte, war es eine Familientragödie gewesen. Der Mann war mit über vierzig Messerstichen getötet worden, dennoch schaffte es ihr Verteidiger mit Hilfe von Psychologen eine Anklage zu erreichen, die nur auf Totschlag lautete.

Vierzig Messerstiche!

Die meisten Morde werden im Affekt begangen. Ein Schuss, ein Schlag mit einem schweren Gegenstand, auch mal ein, vielleicht auch zwei Messestiche. Aber Vierzig! Vierzig Mal mit einem Messer auf jemanden einstechen, dauert seine Zeit. Zeit zum Nachdenken und zur Besinnung zu kommen. Bei vierzig Mal zuzustechen, muss sich ein unglaublicher Hass entladen haben.

Die Leute scharrten sich im die Angeklagte, die von einem anderen Beamten sehr gründlich durchsucht wurde. Da die Frau direkt aus der JVA kam, hatte sie sicherlich keine gefährlichen Gegenstände bei sich.

Die Durchsuchung der Gefesselten, diente einzig der öffentlichen Show und Demütigung.

Sie wird deinen Galgen um einiges verschönern.“

Nein wird sie nicht. Es ist nur Totschlag angeklagt. Dafür bekommt sie höchstens 10 Jahre.“

Mike lachte leise auf.

Weißt du etwa mehr, als das Gericht?“

Siehst du die blonde Schönheit dort hinten.“ Er zeigte auf eine Frau die abseits des Pulks stand.

Das ist Petra Strass. Sie war die Geliebte des Opfers.“ Erklärte er mir.

Petra Strass war ein Traum in blond. Sie war hochgewachsen, schmal, lockige Haare bis unter die Schulterblätter und ein Dekolleté das fast nichts der Fantasie  überließ.

Sie trug ein schwarzes Designerkleid mit schwarzen Schuhen auf. Die Beine steckten in schwarzen Seidenstrümpfen und der dezente Schmuck den sie trug, kostete wahrscheinlich so viel wie ein Kleinwagen.

Ihre arroganten und kalten blauen Augen musterten die Leute um sie herum abwertend. Diese Frau war der klassische Vamp.

Die Durchsuchung der Fischer war abgeschlossen und Mikes Kollegen der Presse wanden sich nun der Strass zu.

Jetzt pass mal auf!“

Von einer Sekunde auf die andere wurden die arroganten Augen tief traurig und füllten sich mit Tränen. Die Schulter fiel nach unten und der Blick wanderte zu Boden. Alles an dieser Frau schrie „Ich bin ein Opfer.“

Eine beeindruckende Leistung, oder?“ fragte Mike.

Sehr beeindruckend. Aber Totschlag ist Totschlag.“

Die Anklage kann jeder Zeit erweitert werden, dass weißt du genau.“

Ich blickte zur Treppe. Da kam der Staatsanwalt mit seinem Gefolge. Es war Oberstaatsanwalt Trommer!

Spontan fiel mir die Unterhaltung mit Frank ein, die wir geführt hatten. Dennoch Trommer war das, was man einen „harten Hund“ nennt. Konsequent, knallhart, aber auch Realist. Er wusste welche Strafe er wann fordern und wie er sie bekommen konnte.

Warte noch einen kleinen Moment.“

Die Menge teilte sich um die Prozession der Staatsanwaltschaft vorbei zu lassen. Als Trommer an Petra Strass vorbeikam hielten die Zwei für einen Sekundenbruchteil Augenkontakt. Dann war Trommer im Saal verschwunden.

Beate Fischer wurde jetzt in den Saal geführt. Mit ihren Fesseln konnte sie dabei nur kleine Schritte machen.

Petra Strass blieb stehen und schaute ihr entgegen. Als Beate Fischer an ihr vorbeikam blickten sich die zwei Frauen an. In beiden Gesichtern lag der pure Hass.

Ich glaube der Hass den Frauen gegeneinander hegen können, ist der größte ist den es auf der Welt gibt.

Ich wette mit dir um eine Flasche Chivas Regal, dass Trommer die Todesstrafe fordert, und eine weitere, dass er sie bekommt.“

Ok, die Wette gilt. Sag mir wie es ausgegangen ist.“

Mike schloss sich den Zuschauern an die in den Saal strömten und ich machte mich zurück in die JVA.

Ohne es zu wissen, hatte ich eine Begegnung mit dem Schicksal gehabt. Ich wusste nicht, dass dieser Tag mein Leben und das Leben all meiner Freunde für immer verändern sollte.

Ich wusste auch nichts von dem Drama, dass sich gerade in der fernen Südsee anbahnte und welches die Frau zu mir bringen würde, die ich mehr lieben würde, als ich es mir je vorstellen konnte.

**

Einige Jahre zuvor.

In meiner Wohnung in Phoenix richtete ich gerade meine Arbeitskleidung her, als es klingelte.

Der Fahrer eines besseren Limo Services stand da und bat mich in der Limo an der Straße Platz zu nehmen, es gehe zu einem vor Tagen avisierten Termin.

Wir fuhren in eines der besseren Villenviertel und rollten schließlich durch die mit Gitterstäben eingefasste Einfahrt eines alten englischen Herrenhauses.

Zu beiden Seiten standen hohe Birken und alles im Park war bestens gepflegt. Prächtig erhob sich das Hauptgebäude und der Wagen hielt am Portal. Der englische Baustil der Gründerzeit ließ sich nicht leugnen, dennoch war alles um mich herum topmodern. In dem altehrwürdigen Haus wurde ich gebeten Platz zu nehmen und zu warten.

An den Wänden hingen uralte Schinken, es könnten durchaus echte Bilder von echten Künstlern sein oder einfach nur Platzhalter, das sah ich von hier aus nicht. Eine Maid wuselte durchs Haus und führt die Straußfedern gelernt in die Ecken und Ritzen.

An den Ecken standen einige durchtrainierte, sonnengebräunte Herren mit Sonnenbrille und Knopf im Ohr. Sie hielten die Arme verschränkt, man konnte deutlich sehen dass eine Hand in der Jacke ruhte. Sicherlich an der Dienstwaffe.

Dann traft er ein, mein Gastgeber, nein, er erschien.

Ein älterer Herr, ich schätze so Ende 50 sportlich gestählt, gut 1,85 groß, aber deutlich verlebt. Die grauen Haaransätze dunkel gefärbt, aber erkennbar, er trug einen sehr guten dunkelblauen Anzug, Armani oder besser. Der Mann war eindeutig vom Clubleben verwöhnt und stinkreich. Leutselig begrüßte er mich wie eine langjährige Geschäftspartnerin.

„Ah, Hallo Miss. Miles, schön dass Sie einrichten konnten, nehmen Sie doch bitte Platz.“ und er schenkte sich einen Scotch ein.

Die Ledermöbel rochen wunderbar nach bestem Material und allerbester Pflege.

„Darf ich ihnen einen Drink anbieten?“

„Danke für das Angebot, aber nein. Darf ich den Grund der Einladung erfahren Mr…?“

„Mc. Froody,  ich bin John Allister Mc. Froody der III.

Ich habe mein ganzes Leben lang für diesen Staat gearbeitet und mit diesem Staat gearbeitet und mein Vermögen in Telekomunikation und Dienstleistungen gemacht. Mit gehören drei der wichtigsten IT Firmen im Land, vier Telefonfirmen in den Staaten und ich habe meinen eigenen Satelliten da oben.“

Dabei deutete er in Richtung Decke.

Sie sehen, ich weiß wie man zu etwas kommt und ich weiß, wie man Geld macht und ich weiß ganz bestimmt auch wie man Macht bekommt und sie behält. So bin ich bei der Agency gelandet. Und heute, nach langen Jahren harter Arbeit, bin ich einer der Vizedirektoren dort.

Aber nun zu Ihnen Miss. Miles, Sie haben meine beiden Söhne im Todestrakt des Staatsgefängnisses einsitzen, zur Hinrichtung am kommenden Montag. Die beiden sind gerade mal 30 Jahre. Nun lassen Sie es mich so sagen, Sie können meine beiden Söhne nicht hinrichten, es sind meine einzigen Kinder!“

„Nun Mr. Froody, lassen Sie es mich so sagen, nicht ich habe ihre beiden Söhne zum Tod verurteilt sondern der Staat Arizona. Wenn ich mich nicht irre wegen heimtückischem hinterhältigem äußerst abscheulichem Doppelmord.

Der oberste Richter dieses Staates hat seinen Kommentar dazu abgegeben und das Urteil nochmals bestätigt. Ich bin lediglich die eingeteilte Vollstreckerin. Ich kann aber meinen Vorgesetzten darum bitten dass jemand anderes das durchführt…“

„Hören Sie zu Kindchen, ich will auch nicht dass jemand anderes Hand an meine Söhne legt.“

Und er beugte sich zu mir und wurde sehr deutlich:

Ich bin John Allister Mc. Froody der III. – Vizepräsident der CIA. Ich bin es gewohnt dass man zu mir Ja Sir sagt und meine Anweisungen schnellstens ausführt und genau das erwarte ich auch von Ihnen, denn ich vertrete die CIA und Sie sollten wissen, wir verschaffen uns immer das nötige Recht – zur Not überall auf der Welt!

Lassen Sie gefälligst Ihre Hände von meinen beiden Söhnen. Das gilt auch für die anderen Henkersleute. War das jetzt klar?“

Mr. Froody, ich denke, das war eine klare Aussage und ich muss mich jetzt verabschieden. Ich stehe nicht über dem Gesetz und ich muss mich an das Recht halten. Ob Sie über dem Gesetz stehen wage ich erst gar nicht zu hinterfragen, ich danke Ihnen für den netten Abend und wenn Sie die Limo kommen lassen könnten, wäre ich ihnen sehr dankbar, ich nehme aber auch gerne ein Taxi.“

Er gab Anweisungen und zwei Leute verschwanden, dann kam die Limo. Mr. Froody ging mit mir bis zur Tür.

Sie können meine beiden Kinder nicht bestrafen, ich kann und werde das nicht zulassen, denken Sie an meine Worte und nun gehen Sie!“

Einer der Wachleute brachte mich zur Limo und es ging heim.

**

Ja, so ging das damals los und ich verabschiedete mich schnell von diesem Ehrenwerten CIA Vize-Direktor und machte Meldung bei meinem Direktor. Der beruhigte mich und verwies auf die Rechtsstaatlichkeit und die geltenden Gesetze.

An den folgenden Tagen kam es mir so vor, als tauchten ständig neue Gesichter in schwarzen Anzügen um uns herum auf. Beim Lauftraining mit meiner Freundin schauten uns Leute in schwarzen Autos nach, die offensichtlich in versteckte Mikros sprachen und die nicht in dieses Viertel gehörten.

Während des Schießtrainings, am folgenden Tag auf dem Combat Campus, schauten deutlich mehr Menschen durch die Feldstecher zu, um meine Ergebnisse genau anzusehen.

Tags drauf war ich mit zwei Kollegen beim Kampfsport und auch da begleiteten uns Männer mit Knopf im Ohr bis zum Eingang. Meine Kollegen sahen das und machten auch Meldung.

Unser betagter Direktor notierte alles sorgsam, versuchte uns zu beruhigen und entließ uns mit seinem Segen in den Feierabend.

Dann kam der besagte Montag. Der Tag der Hinrichtung.

Am diesem Tag saßen in der Gästekabine 10 Zuschauer und zwei Stühle ganz vorne blieben leer. Als das Urteil vollstreckt war und der Arzt den Tod der beiden jungen Männer feststellte, drang unter wildem Tumult John Allister Mc. Froody der III ein und machte einen wilden Aufstand, der erst durch reichlich Wachen gestoppt werden konnte.

Am Folgetag brachten mich zwei Sicherheitsleute unseres Institutes heimlich und still zum Flughafen und stopften mich schnell über den VIP Service in eine Maschine, die die Staaten verließ, mein Gepäck und alles würde ich nachgeschickt bekommen.

So verließ ich die Vereinigten Staaten von Amerika, jenes Land dem ich die letzten Jahre gut und gerne gedient hatte.

Man hatte mich quasi hinausgeworfen, weil ich mich an das Recht hielt und meine Arbeit gut machte. Ab diesem Zeitpunkt waren die USA für mich nicht mehr das Land der unbegrenzten Freiheit, leider…

**

Im Büro

Zwei Tage später saß ich gegen Abend noch in meinem Büro und ging ein paar Akten durch.

Tanja wurde heute Vormittag in das Gefängnis eingeliefert. Zu 35 Jahren hatte das Gericht sie verurteilt. Ihr Anwalt hatte zwar Berufung eingelegt, doch die Bestätigung ihres Urteils war eine reine Formsache.

Es war unglaublich welch ein Papierkrieg man als Henker zu führen  hatte. Und das war bloß der Teil, den mir Jessika nicht abnehmen konnte.

Die kam gerade in mein Büro und brachte die Akte von Tanja. Natürlich wollte ich wissen wie das Urteil begründet wurde.

Die wurde gerade per Kurier gebracht. Schade, ich habe sie sehr gemocht.“ Sie reichte mir die Akte und ich warf einen Blick hinein.

HHMM“

Jessika sah zur Couch die an der gegenüberliegenden Wand stand. Dort lag Vera und schlief ruhig und tief.

Vera ist meine Lebensgefährtin und Partnerin. Kennengelernt hatten wir uns während der kurzen Internetaktion. Vera ist ausgebildete Krankenschwester hatte mehrere Zusatzausbildungen und arbeitete im medizinischen Dienst, hier im Gefängnis.

Vera, eine 28 jährige, rothaarige Schönheit und ich hatten sehr schnell einen Draht zueinander gefunden und das anfänglich dienstliche Verhältnis, änderte sich schnell in ein privates.

Vera wusste von meinem Job und hatte, anders als die meisten ihrer Vorgängerinnen, kein Problem damit.

Die meisten Beziehungen die ich im Laufe der letzten Jahre hatte, gingen wegen dem Job in die Brüche. Umso erfreuter war ich das Vera mich dennoch liebte und es jetzt schon zwei Jahre mit mir aushielt.

Hatte sie wieder Nachtdienst?“

Ja, Schemmlein hatte ein paar Notfälle.“

Willst du ihr nicht eine Decke besorgen?“

Du hast nicht zufällig…“

Nein! Ihr zwei werdet mich aus eurem Leben heraushalten. Ich habe auch so schon genug mit euch zu tun.“ Sie drehte sich um und ging wieder hinaus. Im Umdrehen konnte ich sie aber schmunzeln sehen.

Ich las mir das Urteil durch. -35 lange Jahre! Warum hast du nicht den Mund gehalten!!!- Ich seufzte. Als ich die Akte zu Seite legte, klingelte das Telefon.

Stein.“

Du schuldest mir zwei Flaschen erstklassigen Whiskey.“ Meldete  sich Mike.

Sie haben sie wirklich zum Tode verurteilt?“

Ohne Berufungsmöglichkeit.“

WOW, hätte ich nicht gedacht.“

Tja, sie sicher auch nicht. Sie ist bei der Verkündung glatt zusammengebrochen.“

Kann man ihr nicht verdenken.“

Du hättest die Strass sehen sollen. Tief betroffen von dem harten Urteil, beugt sie sich dem Willen des Staatsanwaltes.“

Sie war sicher am Boden zerstört.“

Jedenfalls lade ich dich auf einen schönen, gemütlichen Herrenabend ein. Und bring den Stoff mit.“

Geht klar. Wir sehen uns.“

Ich saß eine Weile schweigend in meinem Sessel. Immer wieder kam mir Beate Fischer vor das innere Auge. Sie war mit Sicherheit eine der schönsten Frauen die ich je gesehen hatte. Eine Überlegung die Vera sicher nicht gefallen würde…

Am nächsten Tag kam ich vom morgendlichen Meeting mit Frank und war auf dem in mein Büro als ich sah, wie Beate Fischer von zwei Beamten und Vera in die Untersuchungszelle gebracht wurde.

Jetzt trug sie eine Jeans, einen hellen Pullover und ein Paar Sneakers. Anders als im Gericht, wo sie mit erhobenem Haupt durch die Menge schritt, blickten ihre Augen glanzlos gerade aus.

Auch jetzt trug sie Hand und Fußfesseln. Einer der Beamten trug die Kleidung, Decken und ihren persönlichen Besitz, den sie behalten durfte.

Die Wachen drückten sie durch die Tür und Vera machte den Schluss. Sie trug eine kleine Tasche, in der ihr Stethoskop, und was sie sonst noch so brauchte, um eine Frau zu untersuchen enthielt.

Sie warf mir ein verliebtes Augenzwinkern zu und schloss die Tür. Ich beneidete Beate Fischer für die nächste halbe Stunde nicht. Vera würde sie gründlich und genau untersuchen. Schließlich war sie für die Zeit, die Beate hier verbringen würde, für deren Gesundheit verantwortlich.

Da bist du ja. Ich suche dich schon überall.“ Jessika kam auf mich zu.

Was ist denn? Ich hab heute keine Termine.“

Nein, du hast Besuch.“

Wen?“

Staatsanwalt Trommer.“

Das überraschte mich. Zusammen mit Jessika ging ich in mein Büro zurück.

Ich hab noch einiges zu erledigen.“ Jessika wusste wann sie sie sich unsichtbar machen musste.

Am Schreibtisch saß Trommer, als ob es selbstverständlich wäre, auf meinem Platz.

Ich ließ ihn. Wenn es ihm wichtig war…

Guten Tag, Herr Oberstaatsanwalt. Was kann ich für die tun.“

Sie haben heute einen Neuzugang bekommen, Beate Fischer.“

HHMM, ich habe mir die Akten der heutigen Neuzugänge noch nicht angesehen. Aber wenn sie es sagen, wird es sicher so sein.“

Lassen wir den Quatsch! Reden wir mal ohne auf die Förmlichkeiten zu achten. Sozusagen inoffiziell. Sie waren gestern im Gericht und wissen genau wen ich meine.“

Autsch. Das konnte heiter werden. Die Erfahrung lehrte, dass inoffizielle Gespräche nie wirklich inoffiziell sind. Zumindest dann wenn sie nicht so laufen wie es sich das Gegenüber vorstellt.

Beate Fischer wurde gestern zum Tode verurteilt. Sie soll übermorgen öffentlich hingerichtet werden. Ich werde großzügiger Weise ihr diese öffentliche Demütigung ersparen.“

Warum?“ fragte ich misstrauisch. Frank hatte ich darauf hingewiesen, dass Trommer diese Auftritte nutzen wollte. Irgendwie fing das hier an zu stinken!

Ich möchte dass sie Beate Fischer verschwinden lassen.“

Ich glaubte mich verhört zu haben.

Ja, schließen sie sie weg, irgendwo im Keller und vergraben sie den Schlüssel.“

Das war ganz starker Tobak. Ich stand auf und ging zu meinem Schreibtisch. Dort setzte ich mich auf die Kante.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig verstanden habe. Ich soll die Frau nicht hinrichten, sondern verschwinden lassen? Für wie lange und wie stellen sie sich das vor? Ich meine das verschwinden lassen? Ich wusste gar nicht, dass so etwas in meinen Dienstvorschriften steht.“

Kommen sie mir nicht mit so einem Scheiß. Ich weiß genau was in den vier Wänden ihrer Hinrichtungskammer geschieht. Spielen sie also nicht den Saubermann. Sie verabreichen Beruhigungsmittel und Drogen genau wie ihre Kollegin, nur hatten sie bis jetzt das Glück, dass man sie nicht erwischt hat.“

Es ist nicht so, dass ich Beate Fischer unbedingt hinrichten will. Mir macht das keinen Spaß, weder bei ihr, noch bei einem anderen Delinquenten, mich interessiert lediglich das warum.“

Sie hat einer mir nahestehenden Person Schreckliches angetan. Und dafür soll sie büßen. Sagen wir einfach es handelt sich um einen persönlichen Gefallen.“

Sind wir immer noch inoffiziell?“

Sicher.“

Ihnen ist schon klar, dass Frau Strass sie benutzt um ihre Rache zu bekommen?“

Trommer lachte trocken auf und sah mich an.

In diesem Moment wurde mir alles klar!

Nicht Petra Strass benutze Trommer… nein Trommer benutzte Beate Fischer.

Es war der perfekte Fall sich zu profilieren und die Leiter nach oben zu steigen. In Beates Fall hatte er sich hart gezeigt. Er hatte die Todesstrafe gefordert und bekommen.  Gleichzeitig zeigte er sich nachsichtig, in dem er der armen Verurteilten die Demütigung einer öffentlichen Hinrichtung im Nachhinein ersparte.

Dass ihm dabei Petra Strass ein paar schöne Stunden bescherte war ein angenehmer Nebeneffekt für ihn.

Ich musste den Hut vor diesem Mann ziehen. Gleichzeitig machte es mich vorsichtig. Diesen Mann sollte ich mir nicht zum Feind machen. Er würde mit Sicherheit eines Tages Minister werden.

An welche Maßnahmen und Zeitraum genau haben sie denn bei Frau Fischer gedacht?“

Das Maßnahmen überlasse ich ihnen, die Dauer, werde ich ihnen noch mitteilen. Einzige Bedingung ist, dass sie ihr Äußerliches nicht nachhaltig beschädigen. In diesem Rahmen können sie mit ihr tun was immer sie wollen.“

Gut. Aber ich hätte da auch eine Bitte.“

Er sah mich fragen an.

Meine ehemalige Kollegin, Tanja Schiller, sie wurde gestern zu 35 Jahren verurteilt. Ich möchte dass sie einen Blick in ihre Akte werfen.“

Also gut. Ich werde sehen was sich machen lässt.“

Er stand auf und wir reichen uns die Hände. „Wir sind und einig?“

Ja, Herr Oberstaatsanwalt.“ Damit waren wir wohl  wieder offiziell und er verließ mein Büro.

Ich ließ mich in meinen Sessel sinken.

Das werden interessante Wochen werden…- dachte ich.

Vera kam eine Stunde später zu mir.

Na Bad-Man, hast du den Traum in Rot gesehen?“

Nicht genau. Warum?“

Du bist ein miserabler Lügner. Ich habe gesehen wie du sie im Vorbeigehen angestarrt hast, deine Augen haben sie förmlich verschlungen.“

Ich grinse. „Ja, sie sieht nicht schlecht aus.“

Schade, dass nur ich sie ohne Kleider sehen konnte. Sie hätte dir ganz sicher gefallen.“ Sagte sie mit gespieltem Bedauern.

Ich glaube schon, dass ich sie ganz genau sehen werde.“

Dann erzählte ich Vera, von Trommers Auftauchen und seinem speziellen Wunsch.

Allein bei der Erzählung wurde Veras blass.

Im Ernst, wir sollen sie „verschwinden“ lassen!“

Ja und wir sollen sie unbeschädigt lassen.“

Warum denkst du, tut Trommer das?“

Er will nach oben. Und dafür geht er buchstäblich über Leichen.“

Ist es nicht gefährlich für ihn, Petra Strass ihre Rache zu geben?

Irgendwann könnte sich das als Bumerang erweisen.“

Das habe ich auch schon überlegt, aber das ist sein Problem. Was uns betrifft gibt es nur eine Zeugin. Beate Fischer. Und bin mir sicher, dass sie keine Aussage machen wird.“

Du willst Beate aber nicht wirklich in den dunklen Keller sperren, oder?“

Sehe ich so aus? Nein, in ihrer Zelle kann sie aber auch nicht bleiben, es sei denn wir weihen Decker und sein Team ein.

Decker ist Leiter der Wachmannschaft und… Naja ich würde Decker mein Leben anvertrauen und er würde es schützen, und das genau nach Vorschrift.

Keine gute Idee. Jessika hält doch immer für Notfälle ein paar Zellen frei, wie wäre es damit?“

HHMM, nein, sie muss Essen und wir können sie auch nicht einfach auf Dauer dort hinein stecken ohne das es jemand bemerkt…“

Wir nehmen meine Wohnung.“

Ihre Wohnung lag am Ende des Trakts. Als das Gefängnis erbaut wurde, hatte man dort große Lager und Archivräume eingerichtet. Mit aufkommen der elektronischen Archive und externen Zulieferern brauchte man die Räume nicht mehr und da die Räume nicht ohne größere Kosten zu Zellen umgebaut werden konnten, beschloss Frank die Räume an Mitarbeiter zu vermieten.

Mir machte es nichts aus hier zu wohnen. Im Gegenteil, ich hatte gerade mal 100 Meter zum Büro.

Aufgeteilt waren die Räume in zwei Wohnungen, einer mit zweieinhalb Zimmern, die ich angemietet hatte und eine mit eineinhalb  Zimmern, die Vera sich unter den Nagel gerissen hatte.

Allerdings stand ihre Wohnung zurzeit eher leer da Vera mehr oder weniger bei mir lebte.

Die Idee Beate dort unterzubringen hatte Vor und Nachteile. Die Wohnung lag abgelegen und die dicken Wände des ehemaligen Archives würden keinem Laut nach draußen dringen lassen.

Auch die Fenster waren (wie alle Fenster) vergittert. Schwachstelle war die Tür… Aber da würde sich sicher eine Lösung finden lassen.

Je mehr ich daran dachte umso besser gefiel mir die Idee, allerdings war das kaum die Unterbringung die sich Trommer für Beate vorgestellt hatte.

Naja, man kann nicht alles haben, Herr Staatsanwalt.

Ok, jetzt… wie bekommen wir sie dort hinein? Und wie sorgen wir dafür, dass sie friedlich bleibt?“

Sie weiß doch noch nichts von dem Aufschub, oder?“

Nein, sie weiß noch nichts von ihren „Glück““

Dann haben wir ja noch zwei Tage um uns etwas einfallen zu lassen. Aber ich hab da so eine Idee… Lass mir noch etwas Zeit darüber nachzudenken.“

Die bekommst du Liebes.“

Wie gedenkst du in zwei Tagen vorzugehen?“

Wir bringen sie wie alle anderen Delinquenten in die Kammer und du sorgst dafür dass sie ruhig bleibt. Den Rest erledige ich dann.“

Ok, ich bereite alles wie für eine  letale Injektion vor, so erregen wir die wenigste Aufmerksamkeit.“

Am folgenden Tag schmieden wir unseren Plan zu Ende.

Lange Zeit nach Dienstende saßen Vera und ich im Licht einer kleinen Schreibtischlampe im Büro und grübelten darüber nach wie wir Beate dazu bringen konnten mitzuspielen, denn eines war klar: Würde sie ausrasten und toben, wäre der Plan geplatzt. Beate musste ruhig bleiben.

Das hinzubekommen, gab es zwei Möglichkeiten. Einmal konnten wir sie unter Drogen setzten, doch wir wussten nicht wie lange sich die Sache hinziehen würde. Außerdem würde das eine permanente Betreuung bedeuten.

Die Zweite Möglichkeit… Tja, an der grübelten wir gerade.

Weißt du, ich habe da so eine Idee. Hast du ihre Akte da?“

Ja, die liegt hier irgendwo.“ Ich suche die Akte und finde sie auf einem der Stapel. „Hier, bitteschön.“

Vera liest sich die Akte genau durch.

Und?“ frage ich.

Lass mir einen Moment.“

Nach einer viertel Stunde gibt sie mir die Akte zurück.

Darf ich jetzt an deinen Gedanken teilhaben?“

Sicher. In der Akte steht dass sie die Kleine umgebracht haben soll. Einzige Zeugin ist die Strass. Was denkst du? Hat sie das wirklich getan, hat sie ihre Tochter ermordet? Oder würdest du es eher der Strass zutrauen?“

Spielt eigentlich keine Rolle. Verurteilt ist Beate. Also wird sie auch sterben und die Strass nicht.“

Genau! Ich habe mit Beate geredet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie tatsächlich ihre Tochter umgebracht hat. Laut ihrer Aussage, die in der Akte steht, hat ihr Mann es getan, weil die Strass ihn dazu angestiftet hat. Ich glaube ihr.“

Selbst wenn, bringt uns das nicht weiter.“

Doch. Wir geben ihr die Gelegenheit die wahre Mörderin zu überführen.“

WOWOWOW Langsam! Was? Die Sache ist durch! Trommer hat sie verurteilen lassen und wird ganz sicher nicht zulassen, dass der Fall nochmal Schlagzeilen macht.“

Wenn ich an ihrer Stelle wäre, würde ich alles tun um die wahre Mörderin meine Tochter bestrafen zu können. Wenn wir ihr das in Aussicht stellen, wird sie alles tun was wir ihr sagen.

Aber damit das klar ist, wenn wir es ihr Versprechen, dann tun wir das auch!“

Ich versank in meinen Gedanken.

Wie sollte ich Trommer dazu bringen? Selbst wenn er mitmachen würde, wie sollte Petra Strass zur Rechenschaft gezogen werden ohne Prozess? Der war abgeschlossen und Beate war verurteilt.

Der Schlüssel dazu lag einzig und allein bei Trommer.

Aber es erschien noch ein anderer Gedanke in meinem Kopf. Was ist wenn Beate wirklich unschuldig ist?

Könnte ich, dürfte ich sie dennoch hinrichten? Verurteilt und schuldig waren vielleicht nicht dasselbe…

Was Moment… Stopp ich versuchte meine Gedanken zu ordnen. Natürlich hatte sich diese Frage in den letzten 20 Jahren schon gestellt und ich war froh dass neue Ermittlungsmethoden wie DNA Gutachten und andere forensische Untersuchungen Fehlurteile weitgehend ausschlossen, aber was wenn doch???

So durfte ich nicht denken, denn dann würde ich meinen Job an den Nagel hängen müssen.

Verdammt!

Also gut. Ich werde mich um Trommer kümmern und sehen was ich tun kann. Vielleicht habe ich da eine Idee. Mal sehen was dabei herauskommt.“

**

Am nächsten Tag war es soweit. Da ich als Henker die Termine bei nichtöffentlichen Hinrichtungen festlegte, wurde Beates Termin auf den Schichtwechsel gelegt. So waren Deckers Leute für kurze Zeit mit sich selbst beschäftigt und wir würden die wenigste Aufmerksamkeit erregen.

Vera hatte schon alle Papiere, die ich im Anschluss auszufüllen hatte fertig gemacht.

Vera untersuchte Beate eine Stunde vor der angesetzten Hinrichtung Beate ein letztes Mal und verabreichte ihr ein starkes Beruhigungsmittel. Als Deckers Leute sie zur angesetzten Zeit aus der Zelle holten, wirkte das Mittel schon. Apathisch ließ sich Beate zur Kammer führen und festschnallen.

Wie üblich schickte ich die Wachen nach draußen. Die waren immer froh wenn sie sich eine Hinrichtung nicht ansehen mussten und verschwanden schnell.

Jetzt waren wir alleine und Vera legte ihr die Injektion. Beate starrte nur an die Decke und schloss die Augen.

Kurz bevor sie das Bewusstsein verlor murmelte sie

Ich hab meine Kleine nicht umgebracht.“ Dabei liefen ihr die Tränen über das Gesicht, dann wurde Beate bewusstlos.

Wie lange wirkt das Zeug?“

Zwei Stunden.“

Ok. Wir warten noch eine Viertelstunde, dann bringen wir sie rüber.“

Zusammen schnallten wir Beate los und legten sie auf eine Rollliege. Als ich auf die Uhr schaute, stellte ich fest das der Wachwechsel unmittelbar bevor stand. Mit einem Laken deckte ich Beate zu, als ob sie eine tot wäre und brachte sie zur Tür.

Vera schloss die Tür zur Kammer auf und schaute auf den Flur.

Alles klar.“

Ich rollte die liege mit Beate nach draußen in den Flur und brachte sie zu Veras Wohnung. Jetzt kam der heikelste Moment. Wie sollte ich das erklären…

Aber es ging gut. Niemand erschien und schon lag Beate in Veras Bett.

Du bleibst bei ihr, bin gleich wieder da.“

Ich brachte die Liege in die Kammer zurück, schnappte den Papierkram und unterzeichnete Beates Todesurkunde, ließ das Datum aber offen.

Die Unterlagen legte ich in meinen Safe und ging zurück in Veras Wohnung. Dort hatte Vera sich schon um Beate gekümmert. Sie hatte ihr ihre Kleider aus und einen Schlafanzug angezogen.

Wir setzten uns gemeinsam auf das Sofa das in Sichtweite des Bettes stand und warteten.

Beate lag friedlich im Bett und ihre feuerroten Haare leuchteten auf dem hellen Kissen. Ich betrachtete sie und immer wieder hämmerte der Satz, den Beate für ihre letzten Worte hielt, auf mich ein.

Ich hab meine Kleine nicht umgebracht.“

Und eine leise Stimme flüsterte …

Was, wenn das wahr ist???

**

Ich glaube sie kommt zu sich.“ Vera war kurz eingenickt, war aber sofort hellwach.

Jetzt kam der heikelste Moment.

Vera stand auf und setzte sich neben Beate auf die Bettkannte.

Beate öffnete kurz die Augen und blinzelte, schloss die Augen wieder, dann riss sie die Augen panisch auf.

Als Beate losschreien wollte legte Vera den Arm um sie.

SSCCHHTT, ganz ruhig. Ich hab dich.“ Sie beugte sich zu ihr und nahm Beate fest in ihre Arme.

Beates Blicke wanderten durch den Raum und blieben an mir hängen. Jetzt brach die Panik durch und sie fing an zu schreien.

Vera schickte mich mit einem Wink aus der Sichtweite. Ich zog mich zurück und verzog mich in die Essecke der kleinen Wohnung.

Beate hatte mittlerweile erfasst, dass sie nicht tot war, sondern irgendwo zusammen mit ihrem Henker in einem Raum war.

Versuch dich zu beruhigen. Dir ist nichts passiert.“ Vera streichelte ihr den Kopf und strich Beate über die Wange.

Was ist passiert? Wieso..? Wo bin ich?“

Es tut mir leid, dass wir dich nicht vorwarnen konnten. Wir haben deine Hinrichtung nur vorgetäuscht. Du bist bei mir, in meiner Wohnung.“

Beate fing an hemmungslos zu weinen. „Warum quält ihr mich so?“ schluchzte sie.

Warum…?“

Wegen dir!“

Ich war wieder zu ihr gekommen.

Ich will eine Antwort! Deine letzten Worte waren, -Ich hab meine Kleine nicht umgebracht.- Ich will wissen ob das stimmt!“

Beate sah mit ihren smaragdgrünen Augen direkt in meine.

Ich hab versucht sie zu retten.“ Sagte sie unter Tränen. „Ich hab Alles versucht. Ich habe gesehen wie er sie gewürgt hat und riss ihn weg, aber ich konnte ihr nicht helfen. Ich weiß nicht mehr was ich alles getan habe um sie retten, aber ich höre noch immer das Lachen. Die ganze Zeit hat sie gelacht und mich verhöhnt. Dann hab ich das Messer genommen…“

Wer hat gelacht?“

Petra Strass!“ presste sie hervor und der Hass kehrte in ihre Augen zurück.

In meinem Kopf legte sich ein Schalter um. –Das war es mit deinem Plan, Trommer!-

Vera sah mich an. Sie hatte während Beates Erzählung die Lippen zusammengepresst und ihre Augen fingen an zu blitzen.

Ich will dich nicht anlügen. Trommer kam vor ein paar Tagen zu mir und bat mich dich in einem dunklen Keller verschwinden zu lassen. Als persönlichen Gefallen! Genau das waren seien Worte.

Anfangs war das auch genau der Grund! Ich wollte Trommer einen Gefallen tun. Deshalb haben Vera und ich deiner Hinrichtung vorgetäuscht.“

Der Staatsanwalt? Warum machte er das? Er hat mich zum Tode verurteilen lassen! Warum will er mich in einem Keller verschwinden lassen?“

Da gibt es zwei verschiedene Gründe.

Erstens, er hat ein Verhältnis und will sich dieses bei Laune halten.“

Ein Verhältnis? Mit Wem?“

Petra Strass.“

Beate die sich aufgesetzt hatte riss die Augen auf. Jetzt schien ihr klar zu werden, warum Trommer dieses Urteil für sie gefordert hatte.

Nein.“ Keuchte sie. Nicht noch einmal. Das kann er nicht tun. Nicht für diese Schlampe.“

Der wahre Grund ist viel schlimmer.“

Schlimmer als das die Frau die dein Kind umbringen lässt, auch noch dich töten lässt? Das glaube ich kaum!“

Oh doch. Trommer nimmt das nur als Vorwand. Ich soll genau das glauben. Der wahre Grund ist, er benutzt dich. Dich und deinen Fall.“

Ich verstehe nicht. Mein Fall ist abgeschlossen und ich wurde verurteilt. Warum soll er mich nicht hinrichten lassen?“

Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht, aber Trommer tut das sicher nicht ohne Grund. Und den werde ich herausfinden.

Wenn du Trommer eins auswischen willst und dafür sorgen willst das Petra Strass nicht ungeschoren davon kommt, dann tust du was wir dir sagen. Was das ist wird dir Vera erklären.

Aber ich warne dich! Wenn du ein einziges Dummheiten machst, schleppe ich dich zurück in die Kammer und dann wirst du sie nicht lebend verlassen! Hast du mich verstanden?“

Sie starrte mich an, Der traurige und entsetzte Ausdruck in ihren Augen war dem fester Entschlossenheit gewichen. Nein, sie würde keinen Ärger machen. Beate würde alles tun, um sich an Petra Strass zu rächen und wenn es das letzte wäre, was sie auf dieser Welt tun würde.

Ja, ich habe verstanden.“

Als ich zur Tür ging sagte sie.

Entschuldige …“ sie sah Vera an.

Peter.“

Entschuldige Peter, du hast gesagt Anfangs hättest du es für Trommer getan. Und warum tust du es jetzt?“

Wenn das stimmt, was du mir gesagt hast, dass die Strass am Tod deiner Tochter schuld ist, werde ich dich heraushauen. Ich kann bei einem solchen Unrecht nicht einfach wegschauen.“

Ich hatte die Tür fast erreicht als sie mich fragte, „Wann hast du diese Entscheidung getroffen?“

Vor zwei Minuten!“ antwortete ich wahrheitsgemäß.

**

Verflucht, auf was hab ich mich da eingelassen? Es war nach Mitternacht und ich saß in meinem Büro. An Schlaf war nicht zu denken.

Immer mehr Fragen drangen in mein Hirn vor. Die wichtigste, ich hatte Beate offiziell hingerichtet. Sie konnte nicht „einfach“ wieder auftauchen.

Selbst wenn Trommer… und der hatte sicher kein Interesse, dass Beate von den Toten auferstand. Oder? Die Frage blieb… Warum wollte Trommer wirklich, dass Beate in einem Keller verschwindet?

Die Geschichte mit der Strass war vorgeschoben, da war ich mir sicher. Die hatte er mir erzählt, damit ich mitspielte.

Sich so zu gefährden, nur um seine Liebschaft bei Laune zu halten, dazu war Trommer zu schlau.

Trommer wollte ein Medienspektakel, er wollte einen Aufhänger für… ja für was?

Das wusste ich noch nicht, aber es stand im Gegensatz zu dem was Frank mir erzählt  hatte, nämlich, dass Trommer sich mit öffentlichen Hinrichtungen profilieren wollte und so auf Stimmenfang ging.

Vor zehn Minuten war die Pressemitteilung herausgegangen, in der stand, dass Beate Fischer am gestrigen Tag hingerichtet wurde.

Der Fall machte noch immer Schlagzeilen. Die Zeitungen brachten Beates Bild auf der Titelseite. Trommer hätte bei einer öffentlichen Hinrichtung ein Millionen Publikum erreichen können!

Welchen Nutzen hatte eine noch lebende Beate für ihn? Das war die 1 Million Dollar Frage!

Die Tür ging auf und Vera kam herein.

Sie schläft.“

Wenigstens eine von uns.“  Brummte ich.

Peter. Ich bin stolz auf das was wir getan haben.“

Wir haben unseren Kopf in die Schlinge gelegt, darauf bin ich nicht unbedingt stolz.“

Du weißt genau was ich meine. Sie ist unschuldig!“

Unschuldig oder nicht. Ein ordentliches Gericht hat sie verurteilt. Wenn die Sache schief geht können wir uns selbst unter die Guillotine legen.“

Vera schwieg eine Weile dann flüsterte sie. „Sie wäre es wert.“

Dann blickte sie zu mir und fragte mich.

Wie gehen wir weiter vor?“

Wir reden mit Trommer lassen ihn aber weiterhin im Glauben, dass wir es nur für ihn tun. Wir können keinen Krieg gegen ihn führen, der wäre nicht zu gewinnen.“

Komm jetzt ins Bett, du Retter unschuldiger Frauen. Morgen wird es hoch her gehen.“

-OOHH- dachte ich –gerettet ist Beate noch lange nicht und wir schon gar nicht!-

Am nächsten Morgen beherrschte Beate die Titelseite. Es gab keine Zeitung im Land die nicht über sie und die Vollstreckung ihres Urteils berichtete.

Und ein zweites Bild war auf den Titelseiten zu sehen. Das Bild von Oberstaatsanwalt Trommer!

Warum er der Mörderin die öffentliche Hinrichtung ersparte? War eine zentrale Frage.

Er wolle Beates Fall nicht für als Plattform nutzen. Und doch tat er genau das! War ich denn der einzige, dem das auffiel?

Zugegeben Trommer ist ein sehr charismatischer Mensch der es sehr gut verstand den Leuten das zu vermitteln was sie glauben sollten.

Er hatte die Gabe sich in die Persönlichkeit seines Gegenübers hineinzuversetzen. Er konnte einer armen Oma eine sündhaft teure Heizdecke verkaufen und gleichzeitig,  harte Strafen für solche Betrüger fordern.

Dieser Mann war auf dem Weg nach oben und er war Skrupellos. Der Moment in dem er noch hätte gestoppt können war vorbei. Mit Beates Fall hatte er sich der Öffentlichkeit präsentiert und die Leute fingen an ihn zu lieben.

Die wichtigste Erkenntnis war, Für Trommer war Beates Leben belanglos.

**

Detektivarbeit

Hallo Bad-Man.“

Na Sherlock, wie geht es dir?“

Ich traf Meyer in der Kantine des Gerichtes. Meyer war einer der dienstälteren Ermittler des LKA. Aus Beates Akte wusste ich, dass er in diesem Fall ermittelt hatte.

Ganz zufällig traf ich ihn nicht. Ich kannte Meyer schon eine geraume Zeit. In Laufe der letzten Jahre waren wir uns im Gericht öfters begegnet und kannten uns mittlerweile recht gut.

Ich setzte mich neben ihn und stellte ihm eine Tasse Kaffee hin, die er dankbar anschaute.

Danke, ich hab nur kurz Zeit und am der Kaffeebar war ein riesiger Andrang.“

Du musst dich mit dem Personal gut halten, dann musst du dich auch nicht anstellen.“ Grinste ich. „Was treibst du heute hier?“

Ich muss in der Raubmordsache aussagen. Du Weißt schon, die beiden Frauen die sich als Pflegekräfte ausgegeben haben und hilflose Rentner erleichtert haben.“

Ja, daran erinnerte ich mich. Das Duo hatte einige Zeit ihr Unwesen getrieben, dann war ein Rentner, der etwas rüstiger, war misstrauisch geworden und hatte die beiden erwischt, wie sie seine Sachen durchsuchten. Daraufhin hatte eine der Frauen ihn mit einem Stuhl niedergeschlagen und der Mann starb.

Das Gericht wird dir die beiden wohl als Kundschaft schicken.“

Ach ja, die Sache, aber sag mal, warst du nicht auch in den Fischerfall involviert?“

Meyer wurde sofort misstrauisch.

Ja, warum?“

Nichts, es interessiert mich einfach.“

Tut mir leid, wahrscheinlich werde ich paranoid.“

Was bitte soll, so einen gestandenen Ermittler wie dich, paranoid werden lassen?“ ich versuchte es belustigt herüber zu bringen, doch meine Nackenhaare sträubten sich und es begann mir kalt den Rücken herunter zu laufen.

Ich konnte es nicht fassen, aber Meyer schaute sich tatsächlich um, ob jemand zuhörte!

Das war eine verdammt üble Sache!“

Ja, ich verstehe. Eine Familientragödie ist immer schlimm, besonders wenn Kinder unter den Opfern sind.“

Nein, das meine ich nicht.“ Wieder schaute er sich um. „Die Ermittlungen… wir mussten…“

Ist hier noch frei?“ Einer von Meyers jüngeren  Kollegen kam an unseren Tisch, setzte sich dazu und Meyer verstummte sofort.

Sie sind doch der Henker? Wie nennt man sie, den Bad-Man! Cooler Name.“

Der Typ war schon durchgefallen. Er hatte ein arrogantes Gehabe und die Art wie er meinen Spitznamen benutze klang ziemlich abfällig.

Ja, und das Recht mich so zu nennen, muss man sich verdienen!“

Wir taxierten uns gegenseitig und ich gab nicht nach. Schließlich brummte er etwas Unverständliches und kümmerte sich um seinen Kaffee. Meyer sagte kein Wort mehr doch seine Augen sagten mir etwas ganz anders.

Wir sehen uns.“ Sagte ich und verabschiedete mich.

Blöder Arsch.“ hörte ich noch den Jungen murren und normalerweise, hätte ich mir den Typ sofort vorgeknöpft und mit ihm den Boden aufgewischt, doch ich hatte gerade ganz andere Sorgen…

**

Beate saß nun seit drei Wochen in Veras Wohnung. Wie sie es versprochen hatte, machte sie keinen Ärger und achtet darauf, dass niemand von ihrer Anwesenheit erfuhr.

Vera verbrachte mehr und mehr Zeit mit Beate und die beiden schienen Freundinnen zu werden. Ich versuchte Vera klar zu machen, dass über uns und ganz besonders über Beate Trommers Damoklesschwert hing.

Warum er Beates Leben vorerst verschont hatte, war mir noch immer schleierhaft. Doch ich machte mir keine Hoffnung, dass er Beatas Urteil korrigieren wollte. Nein, Beate Lebensspanne war nur noch kurz.

Doch Vera schien sich dieser Tatsachen zu verschließen. Für Vera war es nur noch eine Frage der Zeit, wann Beate wieder in ihr altes Leben zurückkehren konnte.

Ich fragte mich unterdessen, ob Beate das überhaupt wollte. Jetzt lebte sie für ihre Rache, die Gelegenheit sich an Petra Strass zu rächen. Doch angenommen, sie würde ihre Rache bekommen… was dann? Ihre Familie gab es nicht mehr!

Ich glaubte nicht, dass Beate soweit vorausdachte.

Während der nächsten Tage wurde Beates Bild auf den Titelblättern immer kleiner und verschwand schließlich auf Seite 5, dafür wurde Trommers Bild immer größer und die Artikel über ihn umfangreicher.

Trommer hatte es geschafft zum Selbstläufer zu werden. Man hätte glauben können, er wäre ein Politiker der vor der Wahl noch einmal Alles gibt um wiedergewählt zu werden.

Er griff ganz nebenbei Themen auf, die seine Person ins richtige Licht brachte und schaffte es so in den Schlagzeilen zu bleiben

Natürlich war er klug genug, niemanden persönlich anzugreifen, doch er schaltete einen möglichen Bewerber für den Posten als Generalstaatsanwalt nach dem anderen aus.

Und dabei hatte er noch nichteimal das Wort „Bewerbung“ in den Mund genommen. Nein er war einfach nur ein besorgter Staatsdiener!

Mit dieser Methode machte er sich auch jede Menge Feinde, doch die waren ganz klar in der Minderheit. Und wenn sich einer tatsächlich erdreistete etwas gegen Trommer zu sagen, brach ein Sturm der Entrüstung über ihn herein. Das konnte ein Shitstorm sein, oder die Zeitungen gruben etwas herum und zerrten eine Leiche aus dem Keller.

Nach und nach verstummten Trommers Gegner. Aber auch die, welche nur passiv auf einen Fehler warteten waren nicht sicher. Ein Wort der Kritik an der falschen Stelle kostete einige Karrieren.

Mir wurde immer klarer, dass ich mehr über Beats Fall herausfinden musste. Ich musste Meyer mit reden. Die Sache fing an zu stinken. Ich kannte Meyer. Er war einer den nichts erschüttern konnte, und er hatte Angst! Wenn Meyer schon Angst hatte…

Ich suchte mir seine Nummer heraus und rief ihn an.

Meyer.“

Hier ist Stein. Hättest du Interesse an einem guten Mittagessen?“

Er schwieg. Wahrscheinlich wurde ihm klar, dass meine Frage neulich keine reine Neugier war.

Morgen Mittag um 12. Im Schiller.“ Schon war das Gespräch beendet.

Ich starrte den Hörer an und legte schließlich auf.

-Da läuft etwas ganz gewaltig schief.- Einmal mehr hatte ich das Gefühl nachts, ohne Licht, über die Autobahn zu rasen.

Am nächsten Tag machte ich mich auf um ins Schiller zu gehen. Einem kleinen verwinkelten Restaurant in der Altstadt. Am Wochenende brauchte man dort erst gar nicht ohne Reservierung hinzugehen, doch mitten in der Woche um die Mittagszeit, hatte man meistens Glück.

Meyer saß in einem der Winkel von dem er das Restaurant überblicken konnte.

Hallo Sherlock.“

Hallo Mister, es interessiert mich einfach.“

Ich setzte mich und Meyer dirigierte mich in die Ecke, von der aus ich nicht gesehen werden konnte, falls jemand am Restaurant vorbeiging.

Was ist bloß los, mit dir? Wieso hat ein so erfahrener Ermittler wie du Angst?“

Bevor er antworten konnte, wurde unsere Bestellung aufgenommen und er wartete bis die Bedienung wieder aus Hörweite

Bevor ich auch nur ein Wort sage, will ich wissen, wieso dich das interessiert.“

Die letzten Worte von Beate Fischer waren; Ich hab meine Kleine nicht umgebracht.

Wenn das stimmt und ich glaube es, habe ich eine Unschuldige hingerichtet. Das ist etwas mit dem ich schlecht leben kann und etwas das ich nicht hinnehmen werde. Ich will den wahren Mörder!“

Sie war eine Mörderin. Sie hat ihren Mann mit 40 Messerstichen praktisch filetiert.

Er soll die Kleine erwürgt haben. Wenn ich Kinder hätte und jemand würgt sie, könnte er froh sein,  wenn er mit 40 Messerstichen davonkommt.“

Woher weiß du das?“

Was?“

Das ihr Mann die Kleine erwürgt hat? Da steht weder in der Akte, noch in einem Bericht.

Verdammt, als Ermittler bin ich wohl blutiger Anfänger.

Von Beate. Sie hat erzählt, dass sie dazu kam, als ihr Mann die kleine Ella würgte. Sie hat versucht sie zu retten, aber es war zu spät.“

Das sind ziemlich viele letzte Worte!“

Scheiße! Also gut, ich hab mit ihr geredet, bevor das Urteil vollstreckt wurde.“

Und du hat es trotzdem getan?“

Was hätte ich denn tun sollen? Sie wurde verurteilt und eine Berufungsmöglichkeit gab es nicht. Aber ich habe ihr versprochen dem wahren Mörder zur Rechenschaft zu ziehen. “

Meyer blickte mich nicht an als er anfing zu erzählen.

Ich war als einer der ersten Ermittler am Tatort. Die Kollegen hatten Beate Fischer schon in Handschellen abgeführt.

Laut der Zeugin hatte diese mit Beates Mann und der kleinen Ella Kaffee getrunken, um nachträglich den ersten Schultag zu feiern.

Er hätte wegen vorheriger Probleme eine klare Absprache zwischen Beate und ihrem Mann gegeben. Jedes zweite Wochenende würde Petra Strass zu ihrem Freund kommen und Beate würde in der Zeit außerhalb des Hauses bleiben.

Das hätte man so vereinbart, da es zwischen den Frauen Handgreiflichkeiten gegeben haben soll, die ausschließlich von Beate aus gegangen sind.

Mit dieser Regelung, wäre man aber drei Monate gut gefahren. Dennoch hätte Beate sie immer wieder bedrängt und auch verbal angegriffen. Auch Telefonterror hätte Petra Strass erdulden müssen.

Schließlich kam der Tag an dem der Streit eskalierte. Petra Strass sagte aus, Beate sei trotz der Übereinkunft in das Haus gekommen und hätte in der Küche eine Szene gemacht.

Es sei zum Streit zwischen Beate und ihrem Mann gekommen. Im Laufe des Streites hätte der Mann damit gedroht sie aus dem Haus zu werfen und dafür zu sorgen, dass sie das Sorgerecht für Ella verliert.

Daraufhin wäre Beate durchgedreht, hätte die kleine Ella gepackt und ihr die Hände um die Kehle gelegt. Ihr Mann soll sie von Ella losgerissen und zu Boden geworfen haben, doch der Kehlkopf der kleinen Ella war zerquetscht.

Während der Ehemann sich um Ella gekümmert hat, nahm Beate das Messer und stach auf Ihren Mann ein.

Petra Strass hätte versucht Beate davon abzuhalten, doch Beate hätte sie zur Seite geschleudert und sie sei mit dem Kopf auf den Boden geschlagen. Anschließend sei sie aus dem Haus geflüchtet und hätte die Polizei gerufen. Soweit die Aussage von Petra Strass.“

Und? Wie war es deiner Meinung wirklich gelaufen?“

Meiner Meinung nach? Wen interessiert die schon!“

Mich, verdammt nochmal. Und dich selbst!“

Wieder schwieg Meyer einen Moment, dann fuhr er fort

Das erste was mir auffiel, waren die Würgemale am Hals der kleinen Ella. Die passten nicht zu Beates Händen.

Auch war an der Kleinen kein Blut. Wäre es so gewesen, wie die Strass sagte, dass der Mann sich um Ella kümmerte, als Beate mit dem Messer auf ihn losging, hätte die Kleine einiges abbekommen.

Also haben wir uns die Leiche von Beates Mann angesehen.

Hast du schon mal jemanden erstochen? Das ist gar nicht so einfach, es kostet nämlich Kraft. Beate hat das Messer 44 Mal in ihren Mann gerammt. Die ersten Stiche waren tief und drangen bis zum Heft in ihn ein. Die letzten waren nur noch halb so tief.

Die tiefen Einstiche waren nicht im Rücken! Die Strass sagte, Beate hätte ihrem Mann von hinten angegriffen als er sich um das Kind kümmerte.

Die tiefen Stiche waren alle auf der Vorderseite. Genau 17 Stiche. Dann wurde sie kraftloser und die letzten 5 Stiche waren nur noch oberflächlich. Und DIE waren auf dem Rücken.“

Für mich steht fest, dass die Aussage der Strass von vorne bis hinten erlogen ist.“

Ich war geschockt. Beate war, nein IST unschuldig. Verfluchter Mist!!!

Wenn ihr das wusstet, warum habt ihr nichts getan? Ihr habt zugesehen, wie eine Unschuldige zum Tod verurteilt wurde!“

Glaubst du ernsthaft, wir hätten nichts gemacht? Verdammt! Ich war noch vor Ort, als Trommer erschien. Er ließ sich einen vorläufigen Bericht geben und verschwand. Während wir unsere Berichte schrieben, besuchte er Petra Strass und ließ sich ihre Version erzählen.

Kaum waren unsere Berichte zur Staatsanwaltschaft gegangen, wurden wir zu ihm in die Staatsanwaltschaft bestellt.

Trommer teilte uns mit, dass wir unsere Ermittlungen an den Aussagen von Petra Strass ausrichten sollen. Sie wäre schließlich die einzige Augenzeugin.

Wir waren völlig perplex. Natürlich haben wir ihre Aussage in Erwägung gezogen, doch da gab es einige Ungereimtheiten.“

Wir machten Trommer darauf aufmerksam und Trommer bat uns die Ergebnisse der Untersuchungen abzuwarten, und diese ihm vorab mitzuteilen.

Wir waren einverstanden, schließlich war er für den Fall zuständig.

Nach drei Wochen kamen die Ergebnisse, Es war genau wie wir vermuteten. Petra Strass hatte gelogen. Beate hat zwar ihren Mann umgebracht, das gab Beate ja auch zu, aber die Würgemale deuteten auf ihn als Mörder von Ella hin. Auch die Messerstiche bestätigten, dass Beate ihren Mann frontal anging.

Mit den Ergebnis unter dem Arm sind wir zu viert zu Trommer. Er ließ sich alles haarklein darlegen und dachte nach. Dann sagte er die Version der Strass für plausibler halte und wir diese als Ermittlungsbasis nehmen sollten.

Wir dachten, dass wir uns verhört hatten.

Trommer saß ganz ruhig da und verlangte von uns die Ermittlungen in eine falsche Richtung zu lenken.

Natürlich haben wir abgelehnt. Ich hab ihm gesagt, dass er sich zum Teufel scheren soll. Und da war ich noch der freundlichste von uns.“

Was ist dann passiert. Ihr vier wart euch einig das Petra Strass lügt und dennoch wurde das in der Verhandlung nicht ein einziges Mal erwähnt.“

Ein paar Tage später gab es einen versuchten Einbruch. Ein angetrunkener Jugendlicher würde versuchen die Sicherheitsglasscheibe eines Juweliers einzuschlagen. Einer von uns Vier hatte gerade Dienst und fuhr hin.

Der „Betrunkene“ hat ihn niedergeschossen.

Eine Woche später wurde der Zweite von uns von hinten niedergeschlagen und liegt seitdem im Koma.“

Meyer schwieg.

Und der Dritte?“

Der hat Trommers Version geschrieben, in die Akte gepackt und ist jetzt drei Gehaltsstufen höher Chef einer Sondergruppe.“

Und du?“

Meyer schwieg wieder. Was sollte er auch sagen? Dass er zu feige gewesen war, Tommer die Stirn zu bieten? Dass er zu viel Anstand hatte, Trommers Angebot anzunehmen? Die Wahrheit lag wohl irgendwo dazwischen.

Ich hab noch zwei Jahre. Ich hab keine Lust vorher ins Gras zu beißen. Also halte ich die Klappe. Beate hat ihren Mann umgebracht. Ganz unschuldig war sie also nicht.“

Du machst es dir ganz schön einfach.“

Tue ich das? Ich erzähle mal dir was. Falls du dich mit Trommer anlegst, dann pass auf dich auf, wenn du nachts unterwegs bist. Hast du nicht diese rothaarige Freundin? Ich würde sie nicht mehr aus den Augen lassen.“

Das würde sich nicht mal Trommer wagen.“

Meyer grunzte. „Ach ja? Ich wollte neulich meinen Enkel an der Kita abholen, da wurde mir gesagt, dass er schon abgeholt sei. Ich hab sofort Alarm geschlagen, und weißt du was? Er war zu Hause und niemand weiß wie er dorthin kam! Soviel zu dem, du machst es dir einfach.“

Mein Kopf fing an sich zu drehen. Das Trommer ein Mistkerl war, dass wusste ich schon, aber was für ein Mistkerl, das wurde mir erst jetzt langsam bewusst.

Mein Plan Trommer mit irgendwelchen Ermittlungsergebnissen dazu zu bringen Beate zu rehabilitieren war gestorben. Meyer würde kein Wort verlieren.

Gleichzeitig geriet ich in Rage. Rage? Dass war gar kein Ausdruck für die Wut die in mir hochstieg!

Ich arbeite in einem Rechtsstaat. Todesurteile die ich vollstrecke werden von unabhängigen Gerichten gesprochen und dieser Mistkerl hat das Gericht dazu benutzt seinen schmutzigen Plan in die Tat umzusetzen.

Schlimmer er hat MICH benutzt, er hat mich ein Verbrechen begehen lassen! NEIN, verdammter Mist! Es sind ZWEI Verbrechen! Das erste war Beate trotz des rechtskräftigen Urteils zu verschonen und das zweite würde kommen, denn Beate musste sterben, das war sicher.

Überleg es dir gut ob du einen Kreuzzug startest. Und falls ja, dann mach dir keine Hoffnung. Du stehst allein.“

Meyer fischte einen Geldschein aus der Tasche, legte ihn auf den Tisch und verschwand.

Ich blieb noch ein paar Minuten sitzen und ordnete meine Gedanken. Als erstes musste ich meine Wut unter Kontrolle bringen, dann konnte ich mich auf den Rückweg machen.

Als ich zu meinem Wagen kam standen zwei Männer am Auto und warteten auf mich.

Sieh mal an, der Bad-Man.“ Es war der Arsch aus der Kantine mit einem zweiten Kerl. Beide waren in zivil und waren sicher nicht dienstlich an meinem Wagen interessiert.

In mir brodelte noch immer eine riesen Portion Hass.

Tu dir selbst einen Gefallen und verschwinde.“

Du trifft dich mit den falschen Leuten. Ich dachte ich weiße dich vorsichtshalber darauf hin.“

Und ich weiße dich vorsichtshalber darauf hin, dass ich dir in fünf Sekunden die Fresse poliere, wenn du nicht abhaust!“

Das nahm Arschgesicht nicht ernst und kam einen Schritt auf mich zu.

Hör zu Bad-Man. Damit das klar ist…“

Weiter kam er nicht. Mein linker Fuß krachte auf sein Knie und gleichzeitig packte ich ihn in den Haaren zerrte seinen Kopf nach unten und mein Knie hoch mitten in sein Gesicht. Noch während er zusammenklappte, hatte ich ihm seine Pistole aus der Halfter gerissen und hielt sie seinem Kollegen unter die Nase.

Der hatte auch die Hand an seiner Waffe, doch er war so überrascht, dass er sie noch nicht gezogen hatte. Deutlich hörbar entsicherte ich die Waffe.

Ich hab diese Woche schon drei Menschen getötet! Und du?“

Ganz langsam nahm er die Hand von seiner Waffe und hob sie hoch.

Jetzt klemm dir die Pfeife unter den Arm und verschwinde! Und bevor ihr Blödsinn macht, beim nächsten Mal kommt ihr nicht so gut davon!“

Ich wartete bis der Zweite das Arschgesicht in ihr Auto gepackt hatte und davongefahren war. Dann fuhr ich zurück zum Gefängnis.

Was für eine Scheiße. Ich machte mir zwar keine Gedanken, dass die beiden eine Anzeige machen würden, aber irgendjemand überwachte mich. Wer das war, darüber musste ich nicht rätseln. Trommer! Und die beiden Pfeifen würden sicher schon mit ihm reden. Zumindest einer der zwei.

Immer noch kochend vor Wut saß ich im Büro. Langsam erkannte ich das Netzt in dem ich mich verfangen hatte. Was immer Trommer für einen Plan hatte, ich hatte keine andere Wahl als mitzumachen. Beate war tot. Wie sollte ich erklären, dass sie noch lebte? Wer würde mir glauben?

Niemand!!! Es war wie Meyer gesagt hatte, ich stand alleine.

Die einzige Möglichkeit Trommers Plan zu durchkreuzen wäre… Beates Urteil vollstrecken…

Wenn ich das tat, würde Trommer weder Vera noch mich packen können. Schließlich war Beate ja schon offiziell tot. In diesem Fall…

Je länger ich darüber nachdachte, umso plausibler erschien mir der Gedanke. Ich machte mir keine Gedanken um meine Sicherheit oder meinen Job. Frank würde mich nicht feuern, ganz gleich wieviel Druck man auf ihn ausüben würde. Frank hatte viele Freunde im Ministerium.

Allein Veras Sicherheit lag mir am Herzen als ich schweren Herzens diesen Entschluss fasste. Der einzige Weg ihr Leben zu schützen war Beate zu töten. Wann und wie? Das war die Frage.

Am besten, ein Schuss ins Herz. Schnell, sauber und schmerzlos. Sie würde es gar nicht mitbekommen. Ich würde Beate in ein Gespräch verwickeln und …

Scheiße so geht das nicht! Beate hatte das Recht zu wissen was geschah. Ein solches Verhalten wäre widerwärtig und feige.

Ich grübelte noch immer, da kam Vera zu mir.

Na, ermittelnder Henker?“ grinste sie. „Ich muss gleich auf die Krankenstation und wollte nur kurz vorbei schauen.“ Und setzte sich auf das Sofa gegenüber vom Schreibtisch.

HHMM. Grunzte ich.

Was hast du herausgefunden?“

Ich erzählte Vera alles was ich von Meyer erfahren hatte und auch was im Anschluss geschehen war.

Vera wurde blass als sie die Wahrheit über Beates Fall erfuhr.

Endlich, jetzt wissen wir was wir machen müssen um Beate zu helfen!“

Hast du nicht zugehört? Trommer wird niemals zulassen das wir ihn kompromittieren. Mit was auch? Beate ist tot, hast du das schon vergessen?

Wenn wir da irgendwie rauskommen wollen, gibt es nur einen Weg!“

Als die Worte bei Veras Gehirn ankamen, wich alle Farbe aus ihr.

Nein!“ flüsterte sie. „Nein, das darfst du nicht!“

Vera…“

Nein!“ Vera war aufgesprungen und schrie fast. „Das werde ich nicht zulassen!“

Vera du weiß besser, als jeder andere Mensch auf dieser Welt, dass mir das keinen Spa0ß macht, aber…“

Da geschah etwas, dass mich fassungslos machte.

Vera ging vor mir auf die Knie!

Ich flehe dich an, tu es nicht!“

Sie sah mir direkt in die Augen. In diesem Blick lag alles! Er sagte mir, dass sich Vera unsterblich in Beate verliebt hatte, die Angst diese Liebe zu verlieren und die Verzweiflung für diese Liebe zu kämpfen, koste es was es wolle.

Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Nein ich war… keine Ahnung!

Ich kniete mich zu Vera und nahm sie in den Arm. Vera fing an zu weinen und bebte während ich sie hielt.

Versprich es mir!“ flehte sie tränenüberströmt.

Was sollte ich tun? Vera war der wichtigste Mensch für mich auf dieser Welt.

Ich verspreche dir, dass ich sie nicht töte, egal was geschieht.“

Ich muss zum Dienst. Sie mir in die Auen und sag mir, dass du dein Wort hältst.“

Ich verspreche es.“

Noch immer weinend ging sie heraus und ich blieb erschüttert zurück.

Jetzt war es keine „unpersönliche“ Sache mehr. Vera liebte Beate. Seltsamerweise, kam kein Funken Eifersucht in mir auf, obwohl mir bewusst war, dass ich sie verloren hatte. Veras Schicksal war mit dem von Beate verbunden. Wenn Beate stirbt würde Vera das nie überwinden. Das kam nicht in Frage, weder heute noch an einem anderen Tag.

Jetzt hatte ich die Wahl. Was war mir wichtiger? Veras Sicherheit ober das Wort das ich ihr gegeben hatte?

Nein, ich hatte keine Wahl! Vielleicht würden wir alle draufgehen, aber dann gehen wir kämpfend unter!

**

Onkelchen

Eines Tages klingelte das Telefon. Mein „Onkelchen“, oder besser Dagan Mayr, war am Apparat.

Er war mein Mentor und Förderer beim Mossad, er hatte es ermöglicht, dass ich bei seinen Leuten und bei befreundeten Diensten in den Staaten und anderen Ländern an deren Ausbildung mitmachen konnte und er trieb mich stets zu höchsten Leistungen an.

Er war ein Menschenkenner allererster Güte, man konnte ihm nichts vormachen und ich versuchte von ihm so viel zu lernen wie nur irgend möglich. Er hatte von der Sache in Arizona natürlich auch Kenntnis erhalten und ganz bestimmt einiges an Schutz für mich übernommen.

Da ich gerade abkömmlich war, hatte er einen Job für mich. Auf der Antilleninsel St. Vincent hatte sich ein ehemaliger Agent der CIA seinen Alterssitz errichtet. Bereits zwei Teams der Amerikaner waren dabei gescheitert ihn aus dem „Dienst“ zu entfernen. Einen versteckten Luftangriff konnte man nicht fliegen, da rings herum bewohnte Häuser standen.

Aus den verschlüsselten Datensätzen ging hervor, dass Albert Horastonian, so sein wirklicher Name, Bestechungsgelder für Afghanistan umgeleitet hatte und zwei größere Lieferungen Opium damit bezahlt hatte, damit wollte er in das große Geld in den Staaten machen, mit einem ganz unmenschlichen, fiesen gemeinen Trick.

Er besorgte sich junge Mädchen und schickte sie tiefgefroren in die Staaten zur Einäscherung und Beisetzung. Die wichtigsten Stationen waren dabei bestochen und die armen Mädchen waren innerlich ausgeräumt und aufgefüllt mit Drogen. Die Menschenleben die dabei starben bedeuteten Horastonian keinen Cent.

Mein Freund Gerome hatte in Kingstown eine Niederlassung und so kam ich problemlos auf die Insel.

Horastonian überwachte jeden der die Insel betrat und sie wieder verließ. Meine Elektronik Kennnisse waren in dem Geschäft dabei sehr nützlich, denn eines Tages erschienen drei Männer in der Niederlassung und checkten mich ab.

Am Ende verkaufte ich ihnen zwei Wanzen und drei Aufspürgeräte, reparierte einen defekten uralten Sender und einen modernen. Natürlich waren das Testkäufer, das war mir klar und ich verkaufte mich als Nerd.

Schließlich bekam ich eine Einladung in die „Villa“ wie man das Anwesen nannte.

Es war eine riesige Anlage zwischen St. George im Osten, Questellas im Westen und Dubiois im Norden der Insel. Umgeben von hohen Bergen konnte man schlecht direkt anfliegen und gegen Tiefflieger gab es modernste Tragbare Raketen, sogenannte Manpads (Man Portable Air Defence System).

Von Onkelchen wusste ich, das Horastonian auf spröde gutaussehende Mädchen stand. Offensichtlich war die Beschreibung seiner Gorillas zutreffend. Die Villa war regelrecht in einen Berg hineingebaut und sehr schön, aber aus der Luft eigentlich nahezu unangreifbar. Horastonian begrüßte mich nachdem seine Leute mich gecheckt hatten und klopfte mich sehr ausgefuchst und intelligent ab, er wusste genau wie man Fragen stellte.

Gegen Abend ließ er dann den Gentlemen fallen und wollte etwas, das ich nicht bereit war, freiwillig zu geben.

Ein jüngerer, gutaussehender Wächter sollte mich gefügig machen aber ich zerkratzte sein Gesicht derart, dass er abließ, der Süße tat mir fast Leid. Horastonian schickte mich dann weg mit der Bemerkung dass er kommende Woche in der Fabrik vorbeikommt um zu bezahlen.

Der Telefonanruf kam wie angekündigt eine Woche später, die Überprüfung meiner Person hatte demnach nichts ergeben, Onkelchen hatte ganze Arbeit geleistet. Als Übergabepunkt war das Lager II der vorbereiteten Fabrik ausgemacht, südlich von Fort Charlott, im Clare Valley.

Die Gorillas überprüften weiträumig die ganze Gegend und gaben schließlich grünes Licht, danach fuhr die Limousine mit Horastonian vor, er stieg aus und ging auf den Seiteneingang zu.

Als er sich langsam umdrehte schlug eine Cal. .50 Kugel in seinen Kopf ein und beendete seine Drogenkarriere abrupt. Der Rest war für die Geier der Staatsmacht. Sie trieben die übrigen kleinen Gangster zusammen und verhafteten alle, das war es dann mit dem Drogenhandel für den Moment. Am Abend lobte Dagan meinen gelungenen Schuss über nahezu 1,2 Kilometer.

**

Konsequenzen

Zwei Tage war das nun her. Trommer hatte sich noch immer nicht gemeldet, obwohl die beiden Pfeifen ihm mit Sicherheit alles gesteckt hatten.

Vera musste Beate erzählt haben, was ich herausgefunden hatte und wohl auch was für Konsequenzen uns drohten. Gestern Abend, Vera hatte Dienst, saß ich bei Beate und wir sprachen über Meyers Entscheidung. Sollte Vera Beate auch erzählt haben, dass ich in Erwägung gezogen hatte sie zu töten, um Trommers Plan zu vereiteln, verbarg sie es gut. Irgendwann stand sie auf und kam zu mir. Ich saß auf dem Zweisitzer und sie setzte sich neben mich.

Peter, ich liebe Vera. Ich liebe sie mehr als alles andere auf der Welt. Falls mein Tod sie beschützt, dann tu es.“

Ich schaffte es nicht ihr in die Augen zu sehen. „Gestern wollte ich es tun. Ich sah keinen anderen Weg, aber Vera hat mich angefleht es nicht zu tun. Ich gab ihr mein Wort, dich am Leben zu lassen. Ich hab ihre Augen gesehen. Wenn du stirbst, stirbt sie auch. Das werde ich nicht zulassen. Ich werde kämpfen, auch wenn es mein Untergang ist.“

Beate sah mich an und drehte mein Kinn in ihre Richtung. Ihre wunderschönen Augen funkelten. Kein Wunder, dass sich Vera in diese Frau verliebt hatte. Sie nahm meine Hand in ihre und sagte dann zu mir,

Wir kämpfen zusammen. Für Vera!“

Für Vera.“ Schwor ich ihr.

Beate lehnte sich gegen mich und ich legte meinen Arm um sie. Über eine Stunde saßen wir so zusammen und keiner wollte den anderen loslassen. Dann fragte sie mich,

Bist du mir nicht böse, wegen Vera?“

Böse? Nein! Vor Vera, hatte ich nie eine längere Beziehung, erst als Vera in mein Leben trat, wusste ich was es bedeutet jemanden wie sie an der Seite zu haben. Sie verdient es glücklich zu sein, genau wie du.“

**

Jetzt saß ich hier und hatte noch immer keine Ahnung, wie ich meinen Kampf zu führen hatte.

Jessika kam in mein Büro. In der linken Hand hatte sie zwei Kaffeetassen und in der rechten den Generalschlüssel. Sie schloss die Tür, steckte den Schlüssel hinein und sperrte die Tür ab.

Sie reichte mir eine der Tassen und setzte sich auf den Besucherstuhl.

Also?“

Was, also?“

Ich habe diesen Blick in deinen Augen schon einmal gesehen. Vor 20 Jahren, du warst verzweifelt und wusstest nicht weiter. Es ist derselbe Blick wie damals.“

Ich grinste verlegen. Jessika kannte mich besser als ich mich selbst. Sie wusste einfach alles.

DAS IST ES!!! Jessika!

Wie ein Blitz durchzuckte mich der Gedanke. Jessika wusste alles, kannte jeden und war mit allen Wassern gewaschen. Wenn uns ein Mensch helfen konnte, dann Jessika.

Doch wenn ich sie fragte, ob sie mir half, würde ich sie in Gefahr bringen. Konnte, durfte ich das?

Ich war in einer Zwickmühle, doch wenn ich Vera und Beate helfen wollte, brauchte ich Jessika.

Ja, ich brauche Hilfe. Ich hab ein Problem und weiß nicht wie ich es lösen soll.“

Dann frag mich doch. In all den Jahren haben wir beide doch jedes Problem aus der Welt geschafft. Wir sind ein Team, schon vergessen? Also was ist das für Problem?“

Ich schloss die Augen, jetzt gab es kein Zurück mehr.

Am besten zeige ich es dir.“ Ich stand auf und Jessika folgte mir. Etwas verwundert sah sie mich an, als ich Veras Wohnung aufschloss und mir dabei Zeit ließ.

Als die Tür offen war, bat ich sie einzutreten.

Komm rein.“

Jessika sah sich in der Wohnung um. Wir hatten mit Beate abgemacht, dass sie sich beim Öffnen der Tür ins Bad begeben sollte, damit sie vom Flur aus auf keinen Fall gesehen werden konnte.

Ich führte Jessika hinein und klopfte leise an die Badezimmertür.

Hör mal, wenn dein Problem mit deiner Beziehung zu Vera zu tun hat, dann lass mich außen vor, ich hab keine Lust mich…“

Sie stockte und starrte Beate an, die aus dem Bad getreten war. Eine volle Minute starrte sie Beate sprachlos an.

Verdammt!“ das war das erste Mal, dass ich Jessika fluchen hörte.

Verdammt, ja du hast ein Problem! Nein, Problem ist gar kein Ausdruck!“

**

Die Südsee

Auf den Französischen Antillen konnte man sich zumindest frei bewegen, wenn man von früher noch einige guten Kontakte hatte.

Gerome, ein alter Kampfgefährte aus meiner Studienzeit ließ mich bei sich im Betrieb unterkommen, da hat es noch genug freien Raum und Zimmer.

Er entwickelte Elektronische Abwehrsysteme für das hiesige Militär und redete natürlich nicht über diese aktuellen Life Systeme, aber wir quatschten über die Alte Tage und die nicht allerneusten Geräte.

Über diverse Kanäle kamen im folgenden halben Jahr, nach und nach, einige meiner Sachen aus der Wohnungsauflösung. Es war eine gemütliche, moderne Wohnung in Phoenix aber vorbei ist vorbei.

Ein wunderbares Bild kam mit der letzten Lieferung, das mich mit meinen Freunden, an meinem 30 Geburtstag zeigt, das ist jetzt gut ein Jahr her. Kinder wie die Zeit vergeht…

Über einen Bekannten im Außenministerium bekam ich die Daten über eine freie Stelle auf der sonnigen Südseeinsel Soulebda. Ich konnte eh nicht in die Staaten zurück, also bewarb ich mich und wurde nach einer ausführlichen Videokonferenz in die dortige Hauptstadt eingeladen. Also wieder einmal die Sachen packen und auf ging es auf die andere Hälfte der Welt.

**

SOULEBDA

Soulebda war eine herrliche Insel.

Gut 1900 Kilometer nordöstlich von Australien gelegen, in etwa mittig zwischen Nauuru und Tuwalu, etwa halb so groß wie Deutschland. Mit wenigen größeren Städten, es wurde sehr viel Landwirtschaft betrieben und die Bevölkerung nahm an der industriellen Entwicklung teil, gleichzeitig wurde alles Ländliche erhalten und sogar weiterentwickelt.

Es gab hier starke kulturelle Kräfte, uraltes Wissen der Altvorderen ist noch immer allgegenwärtig und man blieb vor der brutalen Christianisierung verschont.

So konnte sich der hiesige Glaube und der industrielle Fortschritt einer Symbiose gleich weiterentwickeln.

Soulebda war von der Rechtsform her eigentlich ein Matriarchat. Dennoch stand ein aufstrebender, starker Präsident an der Spitze mit seiner klugen Frau an sener Seite, die eigentlich die Regentin war.

Sheramoh ai Youhaahb, so der Name des Präsidenten, hatte sich einen tüchtigen, starken Stab um sich geschaffen. Die Verwaltung war effektiv und noch nicht so durchtrieben wie in den aufgeklärten Ländern.

Seine Frau, Heylah ai Youhaahb, war die eigentliche treibende Kraft, sie hielt alle Fäden in den Händen und alle wendeten sich an sie wenn es um das wirklich wichtige ging.

Sie ließ ihrem Gatten aber alle Freiheiten in der Außenwirkung und er handelte sehr intelligent und vorausschauend. Diese klugen Ansichten gaben die beiden an ihre bildhübsche Tochter Penelope weiter.

Mit ihren 28 Jahren studierte sie an der hiesigen Universität Wirtschaftswissenschaft, Sport und Geschichte und sie war immer auf Achse.

Sie war ein Mädchen der man nichts vormachen konnte, kritisch hinterfragt sie alles und stritt gerne mit ihren Professoren. Diese trieben sie immer weiter an und forderten und förderten sie wo es nur ging.

Penelope und ich trafen zum ersten Mal bei den Wettbewerben der Universität aufeinander. Wie jedes Jahr wurden hier ausgiebige Spiele veranstaltet, so wie man auf Soulebda generell viel Wert auf Sport und Bewegung legte.

Als das Los Penelope und mich im Staffellauf zusammenbrachte funkte es sofort zwischen uns. Ab da waren wir öfter zusammen und nach einem halben Jahr waren wir untrennbar und wurden palastintern schon als „das dynamische Duo“ bezeichnet.

In der großen Universitätsbibliothek saßen wir an einem eigenen Platz, umgeben von Schriften und Büchern, und wir erkundeten dabei die Geschichte dieser einzigartigen Insel.

Ich hätte nie gedacht dass ich mich für die Soulebdaner so interessieren könnte. Das kulturelle und medizinische Wissen ging viel weiter zurück als ich anfangs dachte. Die unterschiedlichen Stämme die heute noch hier leben trugen Geheimnisse mit sich, die für mich unfassbar erscheinen.

Nach und nach lernete ich die Sprache, die an das polynesische erinnerte und entwickelte ein Gefühl für die Nuancen der Sprache.

Glücklicherweise waren die Bräuche hier auf Soulebda nicht so wie in vielen der angeblich so aufgeklärten westlichen Staaten und so erhielten wir sogar den mütterlichen Segen, als „Ohm’Jouh“, also als Lebenspaar auftreten zu dürfen, eine Tradition die hier noch verbreitet war.

**

Von Saulus  zu Paulus

Verdammt! Verfluchter Mist!“

Seit 5 Minuten ging Jessika in Veras Wohnung auf und ab. Beate hatte ich aufs Bett gesetzt und ich auf einen Stuhl in der Essecke.

Wieso? Was hast du dir dabei gedacht? Weiß Vera davon? Ja, natürlich weiß sie es, sie hat ihr die Injektion gegeben! Es ist ihre Wohnung! Warum habt ihr…?“
Fragte Jessika ohne eine Antwort zu erwarten.

Plötzlich blieb sie vor mir stehen und sah mich an.

WARUM?!“

Als Trommer vor ein paar Wochen erschien, bat er mich darum. Er wollte dass ich Beate „verschwinden“ lasse ohne sie zu töten.

Er nannte es einen persönlichen Gefallen. Ich tat ihm den. Ich nahm an, er würde es tun, um Petra Strass bei Laune zu halten, aber irgendwie muss mehr dahinter stecken.

Jedenfalls weiß ich mittlerweile, dass die Ermittlungen in Beates Fall manipuliert wurden und das Trommer Beate absichtlich verurteilen ließ.

Was ich nicht weiß, warum er wollte, dass Beate am Leben bleibt. Ihre Hinrichtung hat im genau die Plattform geliefert, die er brauchte.“

Jessika hatte sich auf das Sofa gesetzt und rieb sich die Schläfen. Ich konnte ihre Gedanken rasen hören. Sie sah Beate an, schließlich sagte sie,

Sie war Plan B.“

Plan B?“

Er konnte nicht wissen wie die Leute reagieren. Hätten Meyer und die anderen Ermittler die Öffentlichkeit informiert, oder die Sache wäre durchgesickert, hätte er Beate öffentlich rehabilitieren können.

Angenommen, zwischen Prozessende und seiner Bewerbung zum Generalstaatsanwalt würde die Stimmung in der Öffentlichkeit umgeschlagen, dann hätte er einen spitzen Trumpf im Ärmel. Er wäre Beates Retter!“

Scheiße! Dieser Schweinehund!!!

Gleichzeitig war das eine gute Nachricht. Er brauchte Beate noch. Alles was wir tun mussten war Plan B Wirklichkeit werden zu lassen.

Also müssen wir nur Plan B aktivieren.“

Nein. Plan B ist tot. Die Bewerbungsfrist ist heute Morgen abgelaufen. Trommer hat seine Bewerbung heute Morgen um punkt acht Uhr eingereicht. Ihr werdet bald Besuch bekommen.“

Jessika, wir brauchen deine Hilfe. Ich habe Vera versprochen Beate zu helfen und ich selbst will das auch. Hilf uns.“

Was stellt ihr euch denn vor?“ Sie sah Beate an. „Du bist offiziell tot, was glaubst du wie es weiter gehen soll? Du kannst nicht wieder einfach zurück in dein altes Leben.“

Ich erwartete, das Beate diese schonungslose Ansage traurig machen würde, doch ich täuschte mich. Beate stand auf und setzte sich zu Jessika.

Ich weiß. Ich habe kein altes Leben mehr. Ich habe alles verloren. ALLES…

Aber ich habe auch etwas gewonnen. Ich habe…“ Sie sah mich an.

Jessika bemerkte das natürlich und wartete.

Vera.“ Sagte ich nur. „Vera liebt sie und Beate liebt Vera.“

Was? Auch das noch.“ Resigniert lehnte sich Jessika zurück.

Wir müssen eine Lösung finden, die Beate am Leben lässt und das ohne Vera ein Wort zu sagen. Vera ist emotional völlig durcheinander. Sie würde Fehler machen.“

Jessika schloss die Augen und dachte nach.

Lass uns allein!“ sagte sie nach einigen Augenblicken zu mir. Ich erhob mich und verließ die Wohnung.

Als ich die Tür von außen geschlossen hatte setzte sich Jessika an den Tisch und forderte Beate auf sich zu ihr zu setzten. Sie wartete bis Beate Platz genommen hatte, dann sah sie Beate in ihre grünen Augen.

Hör mir gut zu. Peter und Vera sind meine Familie. Ich liebe sie und werde alles tun um sie zu schützen. Ich will das nur klar stellen.

Wenn ich euch helfen soll, erwarte ich dass du alles tust was ich dir sage. Sofort und genauso wie ich es anordne. Sind wir uns einig?“

Ja. Ich habe meine Familie verloren, ich werde deine nicht in Gefahr bringen. Jessika und Beate sahen sich lange in die Augen, dann ergriff Jessika Beates Hand.

Wenn es dir ein kleiner Trost ist, du hast jetzt eine neue Familie.“

Ich werde und kann meine neue Familie nicht mit meiner alten Familie vergleichen und will es auch nicht, aber es ein schönes Gefühl zu einer so tollen Familie dazuzugehören. Und ich werde, genau wie du  alles tun um meine neue Familie zu schützen.“

Das wirst du auch müssen. Aber keine Sorge, ich denke mir was aus.“

Danke.“

Bedanke dich nicht zu früh. Egal wie sich die Dinge entwickeln, eines ist sicher. Beate Fischer… wird sterben!“

**

Du musst mir Zeit verschaffen.“ Sagte Jessika später zu mir. „Trommer wird demnächst hier aufschlagen und von dir verlangen, dass du Beate endgültig hinrichten sollst.

Leg dich bloß nicht mit ihm an. Lass ihm im Glauben du parierst.

HHMM, ich schätze, dass bekomme ich hin. Ich werde ihm einen Deal vorschlagen.“

Egal wie du das machst. Ich brauche ein paar Wochen, verschaff sie mir.“

**

Eine Insel mit zwei Bergen

Was dann kam, war die wunderbarste Zeit auf der Insel.

Einerseits war ich die staatliche Henkerin und meine Aufgaben waren glasklar, andererseits sorgte Penelope dafür dass ich meine Seele behielt und nicht zu sehr von meinem Job gefesselt wurde. Auf Soulebda wurden auch Urteile von anderen Inseln vollstreckt, die keine so starke Exekutive hatten wie wir. So hatte ich genug zu tun.

Im Gegenzug forderte ich Penelope immer zu neuen Leistungen heraus und ihr Studium wurde mit Höchstnoten belohnt. Das alles geschah nicht weil sie einen großen Namen trug, sondern weil ihre Leistungen und Gedanken ganz einfach brillant waren.

In unserer freien Zeit trieben wir uns auf den kleinen Inseln herum, die die Hauptinsel umgaben und als es einen Erlass gab 14 Inseln zu verkaufen, legten wir beide unser Geld zusammen und kauften eine der kleineren, schöneren Inseln mit rauem Urwald, Strand, Bergen, Quellwasser und vielem mehr. Die anderen Inseln waren wunderbare kleine Paradiese mit schönen Stränden und Bademöglichkeiten, auf unserer Insel stand ein mächtiger Berg, der Rest war Urwald und die Bademöglichkeiten waren auch hier wunderbar.

In den folgenden zwei Jahren bauten wir uns diese kleine Insel zu einem Paradies für uns beide um und aus.

Dabei entdeckten wir diverse Schönheiten der Natur die wir so noch nicht kannten und gerade ich als Stadtkind lernte dabei, die Natur wieder zu schätzen. Der große zentrale Berg war vulkanischer Herkunft und wir stießen auf Höhlen und Gänge. Nach und nach machten wir diesen Berg zu einem geheimnisvollen Liebesversteck, man weiß ja nie. Wir nannten unsere Insel, die im Osten von Soulebda gelegen ist ganz einfach „Traum“ was in der Landessprache „Bea“ genannt wird.

So verging die Zeit auf Soulebda.

Im Laufe der Zeit wurde ich im Palast als Respektsperson angesehen, meine Ideen waren stets klar, auf mein Urteilsvermögen konnte man sich immer verlassen und Heylah ai Youhaahb, die Präsidentengattin, unterhielt sich sehr gerne mit mir.

Ihr Gatte bewunderte mich eigentlich nur wegen zweierlei, meinem Aussehen und meinen Schießergebnissen bei Wettkämpfen.

Ja das Aussehen und die Kleidervorschriften, das hatte mir am Anfang etwas Kopfzerbrechen bereitet…

Im Regierungspalast waren nur traditionelle Kleider erlaubt, für Männer einen blauen Stoffrock und die Damen mussten in kurzen, knappen Uniformrock erscheinen, die mehr zeigten als sie verbargen. Im Traditionsbüro achtete man peinlich genau auf diese uralten Traditionen.

Ich war jedenfalls sehr erleichtert, als meine roten Haare endlich lange genug waren um meine Brüste zu bedecken.

Im Laufe der Zeit gewöhnte man sich aber auch an diese kurzen Kleider und die Sonne verwöhnte unsere Haut mit einer tadellosen Bräune.

**

Trommer

Am folgenden Tag ging ich über den Flur, als ich eine bekannte Stimme hörte.

Hallo Herr Stein.“ Es war Trommer. „Ich hatte gerad hier zu tun. Hätten sie wohl eine Minute Zeit für mich?“

Selbstverständlich. Am besten gehen wir in mein Büro.“

Lassen sie uns hier rein gehen!“ Er war an der Tür zur Hinrichtungskammer stehen geblieben. „Hier gibt es weniger Ohren.“

Wie sie wollen, Herr Oberstaatsanwalt.“ Ich öffnete die Tür und Trommer trat ein. Anders als andere Besucher die sich neugierig in der Kammer umsahen, kannte er die Räume nur allzu genau. Die Kammer war recht unspektakulär. Ein Raum acht mal zehn Meter der mit einem Vorhang getrennt werden konnte. Die „speziellen“ Gerätschaften standen im Lager und wurden nur bei Bedarf in die Kammer gebracht. Im hinteren Teil standen 20 Besucherstühle.

Geduldig wartete er, bis ich die Tür geschlossen hatte.

Ich möchte mich dafür bedanken, dass sie Frau Fischer so lange betreut haben, doch ich denke es ist nun an der Zeit dass sie Frau Fischer ihre gerechte Strafe zukommen lassen.“

Ich soll sie hinrichten?“

Exakt!“

Wissen sie, Beate hat ihre Kleine nicht umgebracht.“

Was soll das?“ fragte er drohend.

Ich dachte, sie sollten das wissen.“

Lassen sie den Quatsch. Ich weiß dass sie mit Meyer geredet und herumgeschnüffelt haben. Also, wollen sie sich mit mir anlegen?“

Ja, am liebsten würde ich dich hier drinnen bearbeiten!

Nein, ich dachte sie könnten mir auch einen Gefallen tun.“

Ich hab mich ihrer Kollegin Tanja Schiller  angenommen. Die obere Instanz wird ich mit 8 Jahren zufrieden geben. Das war der Deal und ich habe ihn erfüllt. Jetzt sind sie dran.“

Der Deal war Beate verschwinden zu lassen. Den habe ich genauso erfüllt. Jetzt aber, geht es darum eine Unschuldige hinzurichten. Ich schätze, da ist ein neuer Deal nur angemessen.“

Er holte sich einen der Besucherstühle und stellte ihn vor mich, dann holte er einen zweiten und setzte sich mir gegenüber.

Reden sie!“

Ich will Petra Strass.“

Ich ging davon aus, dass er mir fragen würde, ob ich verrückt sei, doch er dachte ganz in Ruhe nach und forderte mich dann auf weiterzureden.

Es wäre mir persönlich wichtig, die wahre Mörderin hinzurichten, nicht nur Beate. Außerdem, hätten sie die Gewissheit, dass Frau Strass sich nicht irgendwann gegen sie wenden kann.“

Trommer war in Gedanken versunken.

Also gut. Sie richten Beate hin und ich kümmere mich um Frau Strass.“

Ich werde Beate hinrichten, sobald Frau Strass ihre gerechte Strafe erhalten hat.“

Wir fixierten und gegenseitig und keiner gab nach. Schließlich stand er auf ohne den Blick von mir abzuwenden.

Ich warne sie, wenn sie versuchen mich hereinzulegen, werde ich sie fertig machen.“

Keine Sorge Herr Staatsanwalt, ich betrachte das als Gentleman Arrangement. Sie bekommen Beate und ich die Strass. Und wer weiß vielleicht können wir auch in Zukunft ähnliche Arrangements treffen.“

Das wird sich zeigen, wenn wir diese Geschichte hinter uns gebracht haben.“

Trommer verließ die Kammer und ließ mich zurück. –Das wird ein Wahnsinns Showdown werden.-

Ich ging sofort zu Jessika und teilte ihr den neuen Deal mit Trommer mit.

Was denkst du wir er machen?“ fragte ich sie.

Trommer wird die Strass abschießen und das mit einem riesen Rummel. Schätze wir haben ihm gerade zum neuen Generalstaatsanwalt gemacht.“

**

Meyer saß an seinem Schreibtisch, als das Telefon klingelte.

Meyer.“

Hier Trommer! Kommen sie in mein Büro!“

Schon war das Gespräch beendet.

Mit einem mulmigen Gefühl machte sich Meyer auf den Weg zur Staatsanwaltschaft.

Als er an Trommers Tür klopfte, saß der an seinem Schreibtisch.

Kommen sie herein und setzten sie sich.“ Forderte er Meyer auf.

Als Meyer saß, legte Trommer die Ermittlungsakte Fischer auf den Schreibtisch und schob sie Meyer hin.

Ich möchte dass sie sich die Akte nochmal vornehmen und sich einige Ungereimtheiten ansehen. Frau Strass scheint in einigen Passagen ihrer Aussage die Unwahrheit gesagt zu haben. Klären sie das.

Ihre Ergebnisse werden sie ausschließlich mir zukommen lassen. Haben sie das verstanden?“

Meyers Hände zitterten, als er die Akte an sich nahm. Hier und jetzt hatte er die Gelegenheit ein Unrecht wieder gut zu machen.

Ja, ich habe verstanden.

**

Kurz vor Feierabend bekam ich eine Mail von Jessika.

-Sieh dir mal den Gefangenen aus Zelle 19 Trakt 4 an.-

Auch wenn Trakt 4 nicht in „meinem Haus“ ist, habe ich dennoch Zugriff auf alle Daten, da Richard Facher, der Leiter des Traktes 4 und ich uns gegenseitig vertreten.

Der Gefangene „19“ saß wegen Mord, Raub und Dokumentenfälschung in der Todeszelle.

Ich besorgte mir Zugriff auf die Prozessunterlagen (der elektronischen Akte sei Dank) und studierte die Akten. 19, sein richtiger Name war Jarvis Dunkowski. Ich beschloss bei 19 zu bleiben.

Das Hauptgeschäft von 19 war die Besorgung von Reisepässen für eine Mafia ähnliche Organisation. 19 suchte sich Personen aus die den zukünftigen Benutzern der Pässe ähnelten, und stahl ihnen ihre Pässe. Diese wurden dann nur auf das nötigste abgeändert und die Personen benutzten jeden Pass immer nur einmal.

Um sicherzugehen, dass nicht die Pässe vor der Benutzung als gestohlen gemeldet wurden, brachte 19 die Besitzer der Pässe um.

Offiziell verbuchte 19 acht Morde, von denen drei Frauen waren. Ich sehe mir die Bilder der Opfer an. 19 schien eine Leidenschaft für Blondinen zu haben.

Gut. Das ist genau der Mann den ich brauchte. Jetzt musste ich nur noch die „Bezahlung“ klar machen.

Ich durchsuchte die Vollstreckung und Führungsakte  und fand, was ich suchte.

19 hatte strengstes Post und Einkaufsverbot. Außerdem hatte seien Freundin schon mehrfach einen Besucherantrag gestellt, den das Gericht abgelehnt hatte.

Perfekt. Ein Paar Klicks und ein paar anders gesetzte Häkchen und schon durfte 19 seine Freundin sehen.

Ich begab mich in den Trakt 4 zu Nr. 19, innständig hoffend, dass mir Richard nicht über den Weg läuft und hatte Glück. Schnell war ich bei 19 in der Zelle.

Oh hoher Besuch. Der Bad-Man persönlich. Haben sie dich von der Frauenstation verjagt?“

Nein, Jarvis. Eigentlich weiß keiner wo ich gerade bin.“

Und was willst du hier?“

Ich brauche Hilfe, und du bist genau das was ich brauche.“

Ich? Hört sich an als ob du ziemlich verzweifelt bist, wenn du mich schon um Hilfe bitten musst.“

Verzweifelt nicht. Es gibt genug Passfälscher hier im Trakt, aber du sollst der Beste sein.“

Schmeicheleien funktionieren meistens bei Verbrechern. Und auch 19 sprang darauf an.

Das stimmt! Wegen meiner falschen Pässe sitze ich hier nicht. Meine Ausweise sind überall durchgekommen.“

Ja, ich habe es gelesen. Hattest das Pech, das dein Boss erwischt wurde und einen Deal mit dem Staatsanwalt gemacht hat.  Schöner Boss.“

19 spuckt auf den Zellenboden.

Jetzt zu meinem Anliegen. Ich brauche echte Ausweise und Papiere für jemanden der nicht existiert. Wie komme ich da ran?“

Eigentlich ganz einfach. Du nimmst einen falschen Reisepass, gehst zu einem Einwohnermeldeamt einer großen Stadt. Dort sagst du, dass du die letzten Jahre im Ausland gelebt hast und möchtest jetzt hier leben. All deine Papiere außer dem Reisepass sind im Ausland leider verloren gegangen. Ist der falsche Pass gut, bekommst du einen vorläufigen Ausweis bis der neue Beantragte fertig ist. Wenn alles gut geht, bekommst du den neuen echten Personalausweis in einer Woche und mit dem kannst du dann die anderen Papiere anfordern.

Alles was du brauchst ist ein gut gefälschter Reisepass.“

Also gut, reden wir nicht weiter Drumherum. Ich brauche den Pass. Was musst du dafür haben?“

Was springt für mich dabei heraus? Komme ich hier raus?“

Nein. Erstens ist das hier ein privater Auftrag und zweitens, ist das was ich vorhabe, nicht ganz legal.“

Warum sollte ich dir dann helfen?“

Ich habe in deiner Akte gelesen, dass deine Freundin schon drei Anträge auf Besuch gestellt hat. Alle wurden abgelehnt und es scheint so, als ob du sie vor deiner Hinrichtung nicht mehr sehen wirst. Ich habe die Anweisung abgeändert. Wär dir nächste Woche recht?“

19 biss die Zähne zusammen.

Außerdem, habe ich deine Postsperre aufgehoben, verlasse mich aber darauf, dass deine Briefe privater Natur bleiben.

Also haben wir einen Deal?“

Wie lange darf sie bleiben?“

12 Stunden. Von 8 bis 20 Uhr.“

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber Jarvis musste tatsächlich Kämpfen um seine Tränen zurückzuhalten.

Also gut. Wir sind im Geschäft. Ich brauche ein originales Dokument, wenn möglich von einer Person die dem neuen Inhaber ähnlich sieht. Auch was Alter und Größe betrifft.“

Geht klar. Wie lange wird es dauern.“

Eine Woche.“

Gut. Sobald ich den Ausweis habe, sorge ich auch dafür, dass du nochmal auf Einkauf gehen kannst, der geht dann auf mich.

Ich denke, ich muss dir nicht sagen, dass dieses Gespräch nie stattgefunden hat?“

Welches Gespräch?“

Ich ließ 19 wieder allein und schaffte es ungesehen wieder aus Trakt 4 herauszukommen.

Gut, Punkt eins in Angriff genommen.

Zurück, gab ich Jessika Bescheid, dass der Ausweis in Arbeit war. Aus meiner Dienstwohnung, in der die meisten Unterlagen von Vera lagen, suchte ich ihren Reisepass und wurde fündig.

Aus Beates Akte entferne ich das Passfoto und ersetze es durch ein Foto einer schon hingerichteten Frau die ihr halbwegs ähnlich sah.

Jetzt musste ich noch einen passenden Namen finden, was gar nicht so einfach war. Ich brauchte eine ganze Weile, bis mir etwas Passendes einfiel. Oh ja… Der Name passte!

In einem versiegelten Umschlag, mit dem Hinweis „Verteidigerpost“  brachte ich die Sachen zu 19.

**

Hast du Hunger?“ fragte Vera und schaute zur Tür herein.

Jetzt, danach gefragt, stellte ich fest, dass ich einen Mordhunger hatte.

Ja, ich hab riesen Hunger. Wollen wir was bestellen?“

Ich hab da eine andere Idee. Komm mal mit.“

Sie brachte mich zu ihrer Wohnung und schob mich hinein.

Ich traute meinen Augen nicht. Auf dem Tisch stand ein Menu, das selbst den besten Sternekoch blass aussehen ließ. Im Kerzenlicht waren vier Gedecke aufgetragen und Jessika saß schon am Tisch.

Als kleines Dankeschön, dass ihr für mich kämpft.“ Sagte Beate und bat mich Platz zu nehmen.

Jessika und ich wurden von Beate und Vera bedient und mit Köstlichkeiten verwöhnt.

Das Essen war fantastisch und der Wein schmeckte hervorragend dazu.

Während wir aßen, hielten Beate und Vera Blickkontakt wie zwei verliebte Teenager. Sie hielten Händchen, strichen sich gegenseitig über den Arm und ich war mir sicher, dass die beiden auch unter dem Tisch Kontakt hielten.

Jessika und ich grinsten uns gegenseitig an. Nachdem wir mit dem Essen fertig waren und unsere Gastgeber den Tisch abgeräumt hatten verabschiedete sich Jessika.

Danke für den schönen Abend. Wir sehen uns morgen.“ Sie stand auf und sowohl Vera als auch Beate verabschiedeten sie mit einem Kuss.

Das heute Abend zwischen den beiden rothaarigen Schönheiten noch die Post abgehen würde, war mir klar und ich beschloss den Zwei nicht länger mit meiner Anwesenheit zu stören.

Ich werde dann auch mal die Biege machen.“

Weißt du, Bad-Man, wir hätten da noch ein ganz bestimmtes Dankeschön für dich.“ Sagte Vera und schubste mich aufs Bett.

**

War das eine Nacht.

Wo ich diese Energie hergenommen habe, weiß ich nicht, doch meine beiden Frauen hatten das letzte aus mir herausgeholt.

Ein Blick auf meinen Terminplaner sagte mir, dass ich heute Vormittag noch eine Hinrichtung hatte. Ich beschloss sie auf heute Nachmittag zu verschieben.

Um mich etwas zu erholen, packte ich mich auf das Sofa im Büro. An Schlaf war aber nicht zu denken. Zu viele Gedanken spukten in meinem Kopf herum.

Irgendwann fielen mir die Augen zu.

Der Duft von frischem Kaffee weckte mich. Meine Jessika hatte an mich gedacht und mir einen großen Becher auf den Schreibtisch gestellt.

Neben dem Kaffee lag ein Stapel Akten. Auch das ist Typisch für Jessika. Die Arbeit schläft nie.

Jessika kam herein und fragte mich, ob alles in Ordnung ist.

Ja, warum?“

Du hast Augenringe und siehst aus, als ob du die ganze Nacht nicht geschlafen hast.“

Tja, Henker sein ist ein harter Job.“

Scheint wohl so zu sein. Hier liegen übrigens die Akten von den neuen Bewerbern.“

Welche neuen Bewerber?“

Da Tanja jetzt hier im Gefängnis einsitzt, wurde ihr Bezirk neu vergeben. Ihr Stellvertreter ist jetzt Bezirkshenker und alle sind eine Stufe nach oben gerückt. Und so hat man eine neue Anwärterstelle ausgeschrieben.

Da sind die Bewerbungsunterlagen. Du hast drei Stunden dafür, dann hat du einen Termin mit Frank im Konferenzsaal.“

Auch das noch. Bis jetzt hatte ich gehofft einen Termin mit Frank umgehen zu können, zumindest bis die Sache mit Beate erledigt war.

Wenn einer Lunte roch, dann Frank. Wir kannten uns seit Ewigkeiten. Er war damals der Henker, der mich „angeworben“ und eingearbeitet hatte. Zusammen hatten wir bis heute einiges erlebt. Frank war nicht einfach mein Chef, nein er war mein Freud, der sich darauf verließ, dass ich ihm Ärger vom Hals halte.

Mit seiner neuen Stelle als Direktor hatte er einiges an Verantwortung zu tragen, doch er ließ mir in allen Belangen freie Hand, einzige Bedingung, es gab keinen Ärger.

Dennoch, er kannte mich gut, und ich durfte ihn nicht unterschätzen und schon gar nicht ein falsches Wort fallen lassen.

Also machte ich mich über die Akten her. Es waren sechs Bewerber, davon zwei Frauen. Anscheinend hatte die Integration noch nicht völlig in diesem Job Fuß gefasst.

Was war das? Eine Akte hatte einen Knick im Deckel. Absolut ungewöhnlich für Jessika. Ich schlug die Akte auf und mein Herz bekam einen Aussetzer.

Verdammt… Jessika, ich liebe dich!

Ein grober Überblick reduzierte die Auswahl, auf zwei Bewerber.

Von den vier Aussortierten, waren zwei ganz klar Spinner, die keine Vorstellung hatte, was auf sie zukommen würde.

Die andere Frau, kam aus dem medizinischen Bereich und würde sich sicher mit Vera einen Konkurrenzkampf liefern, etwas das ich jetzt als letztes gebrauchen konnte.

Der letzte der vier, war gerade erst volljährig geworden. Ich glaube nicht, dass er dem psychischen Druck auf Dauer standhalten würde.

Somit blieben ein ehemaliger Armeeangehöriger und eine Frau übrig.

Der Armeetyp hatte das Zeug dazu. Er war mehrmals im Auslandseinsatz und hatte haufenweise Belobigungen. Die Frau war nach einem längeren Bildungsaufenthalt, der sie durch mehrere Länder geführt hatte wieder im Land.

In einem Staatsgefängnis in den USA, durfte sie als Zeugin einer Hinrichtung beiwohnen. Diese hatte sie dermaßen inspiriert, dass sie beschloss selbst Henkerin zu werden.

Sie tingelte noch eine Zeitlang durch die Staaten und machte sogar einen Abstecher nach Singapur, um den dortigen Henkern über die Schulter zu schauen.

Sie war mein Favorit. Ich schaute mir die Akte genauer an.

Sarah Schlosser, 35 Jahre, keine Familie. Bis jetzt bei sieben amtlichen Tötungen im Ausland beteiligt gewesen.

Fairerweise, schaue ich mir die Akte des Armeetyps noch einmal an.

Ich beschloss beide Akten zur Besprechung mitzunehmen.

Pünktlich stand ich im großen Besprechungssaal des Gefängnisses. Außer Frank waren noch Abgeordnete des Ministeriums, des Personalrates sowie die Frauenbeauftragte.

Gut, eine Verbündete hatte ich schon mal.

Mir war aber klar, dass ganz egal, was die einzelnen Teilnehmer anführen würden, entscheiden würde Frank. Ihn musste ich überzeugen.

Die Konferenz begann und jeder hat seinen Favoriten.

Schnell stellte sich heraus, dass das Rennen zwischen dem Armeetyp und der Medizinerin stattfinden sollte, wobei der Armeetyp deutlich mehr Anhänger hatte.

Ich hielt mich noch zurück. Erst als Frank mich auffordert meine Meinung zu äußern tat ich das.

Alle sahen mich verwundert an, als ich Sarah Schlosser vorschlage. Das heißt nicht wirklich alle. Frank lächelte in sich hinein.

Nach einer kurzen Stille brach ein wirres Stimmengewitter über mich herein.

Ich wartete, bis sich der Sturm gelegt hatte, dann erklärte ich meine Entscheidung.

Ich sehe bei Sarah den klaren Vorteil, dass sie diese Tätigkeit mit einer gewissen Leidenschaft ausübt. Der Mann der von der Armee kommt, sieht in diesem Job, lediglich eine gut bezahlte Arbeit. Dasselbe gilt für die andere Frau.

Bei solchen Kandidaten, besteht die Gefahr, dass sie entweder verrohen oder das Gleiche passiert wie Frau Schiller.“

Wieder wurde eine laute Diskussion geführt aus der Frank und ich uns heraushielten.

Er beugte sich zu mir herüber.

Warum?“

Ich habe einfach ein gutes Gefühl, bei ihr.“

Er sah mich lange und nachdenklich an.

Unglaublich, Peter der abgebrühte Henker, schwitzte innerlich und hoffte, dass sein Chef es nicht bemerkte.

Also gut, ich nehme die Schlosser.“

Ich bin sicher, sie wird dich nicht enttäuschen.“

Wieder sieht er mich nachdenklich an.

Ich hoffe, du weißt was du tust.“

Die Diskussion ging noch eine Weile weiter, dann gab Frank seine Empfehlung an die einzelnen Abteilungen und niemand würde der Empfehlung widersprechen.

Als die anderen gegangen sind hält mich Frank zurück.

Ich hörte, du hast jetzt einen neuen Freund. Trommer.“

Ich würde Trommer nicht als Freund bezeichnen. Ich glaube auch nicht, dass Trommer diesen Begriff kennt.“

Trommer und ich haben zusammen studiert. Er war schon immer rücksichtslos, wenn es darum geht ein Ziel zu erreichen. Sei vorsichtig, mach ihn dir ja nicht zum Feind.“

Habe ich nicht vor.“

Gut, ich habe nämlich keine Lust, noch einen Bezirk neu zu vergeben. Du verstehst was ich meine?“

**

Ich hob den Hörer ab und meldete mich.

Stein.“

Hallo Mister, es interessiert mich einfach. Morgen Mittag im Schiller.“

Schon hatte Meyer wieder aufgelegt.

Ich war diesmal der erste und siehe da, Arschgesicht und sein Kumpel waren tatsächlich in meine Nähe. Die beiden Pflaumen benutzten denselben Wagen wie neulich.

Anscheinend war meine Lektion von neulich nicht ganz angekommen. Insgeheim hoffte ich, dass mir die beiden mir Gelegenheit gaben sie zu verdeutlichen.

Meyer kam pünktlich und setzte sich zu mir. Diesmal musste ich nicht in die Ecke rutschen und Meyer sah um einiges besser aus als das letzte Mal.

Was hast du mit Trommer gemacht?“

Wie kommst du denn darauf?“

Seit ein paar Tagen bearbeite ich wieder den Fischerfall. Diesmal will ich gleich wissen wohin die Reise geht.“

Wir wollen die Strass zur Rechenschaft ziehen.“

Das willst du. Aber Trommer will etwas anderes. Was?“

Ich vermute, dass er sie medienwirksam abschießen wird. Er wartet nur auf den richtigen Moment.“

Jetzt sagst du mir was du weißt oder ich lasse eine riesen Bombe aus Scheiße hochgehen. Und die wird gewaltig stinken.“

Auf einmal bist du wieder der Alte. Wusstest du, dass deine Kollegen mich überwachen?“

Die beiden Flachwichser? Ja die hab ich gesehen. Du hast die beiden ganz schön fertig gemacht. Dein Freund hatte eine gebrochene Nase und ein Jochbeinbruch.“

Hat er verdient und falls er mir nochmal dumm kommt, gibt’s einen Nachschlag.“

Zurück zu dir. Pack aus.“

Es ist wie die Fischer gesagt hatte. Die Strass hatte ihren Mann angestiftet die kleine Ella umzubringen. Sie hat ihm das Blaue vom Himmel versprochen, nur, wer er Unterhalt zahlen muss, hat weniger Geld für sie. Also musste die Kleine weg. Da Beate gearbeitet hatte, würde sich der Unterhalt den er an sie zahlen musste, in Grenzen halten.

Beate kam genau eine Minute zu spät. Sie konnte Ella nicht mehr retten und rastete aus. Den Rest kennst du. Das heißt nicht ganz. Beate hat alles versucht Ella wiederzubeleben und die Strass hat sie dabei verhöhnt.“

Weiter.“

Das war´s.“

Nein, das war nur die Hälfte! Woher weißt du das alles?“

Hör zu Meyer. Du bist mein Freund und ich will dich nicht anlügen. Ich schwöre dass es genau so gelaufen ist. Reicht das?“

Ach du Scheiße…“ Meyer sah mich an.

Du… Du! Also gut du Wahnsinniger.

Ich werde mir mal wieder die D N A Beweise vornehmen. Ich glaube an der Leiche der Kleinen wurden welche von der Strass gefunden. Mal sehen wie sie das erklärt.“

Das wusste ich gar nicht.“

Nein, das weiß noch keiner.“

Denkst du, du bekommst genug für eine Anklage zusammen?“

Kein Problem, und diesmal muss ich Garnichts fingieren.“

Wie lange wird das dauern?“

Ich schätze Trommer wird in zwei Wochen die Bombe platzen lassen. Der Prozess wird nur kurz dauern. In drei Wochen wird sie in einer deiner Zellen sitzen.“

Ich hatte also drei bis dreieinhalb Wochen bis zum Showdown. Nicht gerade viel, aber besser als nichts.

Danke, dass du mich informiert hast.“

Pass bloß dich auf, die Flachwichser folgen dir nicht umsonst.“

Ach, mit denen komme ich schon klar.“

**

Die Verlegung

Ich versuchte mich so sanft wie möglich aus Veras Arm zu lösen ohne sie aufzuwecken. Tatsächlich gelang mir das und Vera drehte sich zu Beate und schmiegte sich fest an diese.

Eigentlich müsste das ein Stich ins Herz zur Folge haben, doch ich freute mich für die beiden. Zumal sie mich bereitwillig in ihr neues Leben aufgenommen hatten.

In Veras Gesicht lag ein tiefer innerer Frieden und auch Beate schien im Schlaf ihre neue Liebe für immer festzuhalten.

Der Stich ins Herz kam jetzt, bei dem Gedanken dass ich vielleicht nicht die anbahnende Katastrohe verhindern konnte, dass mein Plan vielleicht scheiterte, dass Beate tatsächlich sterben musste.

Ich musste den Kopf frei bekommen. Das geht am besten mit einer guten Tasse starken Kaffee. Um halb sechs war ich alleine im Flur, sah man von Decker und seinen Leuten ab, die anfingen ihrer Tätigkeit nachzugehen.

Vera durfte auf keinen Fall etwas von unserem Plan mitgekommen. Es gab nur einen Versuch und ich konnte keinesfalls riskieren, dass ihre Hormone uns in Gefahr brachten. Wenn der Showdown begann, musste Vera… Tja, das wusste ich noch nicht.

Ich musste mit Beate reden und dass alleine. Sie musste mir dabei helfen Vera im richtigen Augenblick los zu werden. Auch auf die Gefahr hin, dass sie vielleicht alleine starb.

-Sie haben Post- verkündete der Rechner

Ich öffnete mein Postfach und sah neue Aufgeben meiner Jessika.

-Gefangene 33, in Trakt 3-

Trakt 3 ist für Haftstrafen unter 5 Jahren.

Ich öffnete die Personalakte der Frau. Und schaute sie mir an.

Luise Pleitz, 56 Jahre, sitzt wegen Heiratsschwindel.

Heiratsschwindel? Ich wollte Jessika schon zurückschreiben ob es ein Scherz ist, dann erst dann verstand ich, was Jessika beabsichtigte.

Also, auf in Zelle 33, Trakt 3.

Dort saß Luise Pleitz an ihrem Tisch, mit dem Frühstück vor sich und hörte sich mein Problem an. Anders als bei Nr. 19 konnte ich Luise für ihr Entgegenkommen einiges an Hafterleichterung verschaffen. Etwas, auf das Luise sofort ansprang.

Was ihre Frau braucht, ist eine Legende. Sie kann nicht einfach auf einem Passamt aufschlagen und sagen hier bin ich. Ich hab leider alle meine Papiere verloren.

Auch nicht wenn sie hier eine Wohnung sucht. Sie hat Nachbarn, die Fragen stellen werden. Irgendwann kommen neue Bekannte, die wissen wollen, was sie getan hat, und wo sie war.

Sie muss eine schlüssige Geschichte haben und darf sich nicht verraten. Am besten bleibt sie so nahe an der Wahrheit wie möglich.“

Sie hat ihren Mann abgeschlachtet und ihr Kind verloren.“

Oh…, das kann man wohl nicht nehmen.“

Ich umriss ihr meine Idee.

Sehr gut. Das wäre Plan B. Etwas, das völlig anders ist als die Realität. Haben sie sich schon mal mit dem Gedanken befasst in meiner Branche tätig zu werden? Sie hätten Zukunft.“

Ich „fessele“ die Frauen lieber anders an mich.“

Ist es die Frau aus den Nachrichten?“ fragte sie mich plötzlich.

Ich gebe keine Antwort und sehe sie nur an.

Ich habe nie geglaubt, dass sie ihr eigenes Kind umgebracht haben soll. Wenn ich helfen kann, dann gerne. In ein paar Tagen, haben sie ein hieb und stichfeste Legende.“

Super, jetzt hatte Beates Fanclub schon eine Vorsitzende. Ich musste aufpassen, dass der Deckel auf der Sache blieb.

Eine Stunde später muss ich mir von Jessika bittere Vorwürfe anhören, das ich eine weitere Mitwisserin geschaffen hatte.

Als ich sagte, dass du dir die Person ansehen sollst, habe ich nicht daran gedacht, dass du sie einweihst. Ich dachte du kommst von allein auf den Punkt.“

Tut mir leid, aber in so etwas bin ich Amateur.“

Ein blutiger noch dazu.“

Was tun wir mir Luise jetzt?“

Das was du ihr versprochen hast. Ich sorge für eine Verlegung. Nachdem sie die Legende fertig hat, kommt sie in eine Anstalt weit, weit weg. Aber ab jetzt, keine Mitwisser mehr. Fall nötig, sprich erst mit mir.“

Ich verspreche es.“

Was macht ihr neuer Pass?“

Jarvis sagte er braucht eine Woche, also noch drei Tage.“

Jarvis können wir nicht verlegen. Er darf mit niemandem reden.“

Sobald er den Pass hat, bekommt er seine „Bezahlung“. Anschließend wird er ganz sicher mehr mit keinem reden.“

Du willst ihm wirklich seine Freundin sehen lassen?“

Warum nicht. Ich denke nicht dass er Probleme macht. Decker weiß nur, dass die Besucher und Einkaufsperre aufgehoben sind. Ich hab Jarvis und seiner Freundin die Verheirateten Zelle gebucht. Außerdem ist morgen Einkauf. Ich hab ihm ein Sonderkonto eingerichtet und ihm ein Limit von 1000 Euro gegeben. Das sollte reichen.

Hauptsache er hält anschließend den Mund.“

Das wird er garantiert.“

Gut. Auch meine „Macht“ ist begrenzt. Ach ja, bevor ich es vergesse, zwei Dinge.

Vera muss mit Beate heute auf die Krankenstation. Frauenangelegenheiten. Schemmlein ist nicht da und Vera hat das Kommando, es wird also keine Probleme geben.

Das Zweite, die Malinowski wird heute verlegt. Decker ist schon instruiert. Er hat ein Sonderkommando bereitgestellt, das dafür sorgen soll, dass sie keinen Ärger macht.“

Mist, mir gefiel es überhaupt nicht, dass Beate hier im Gefängnis herumlief, aber auch Vera kannte das Risiko und wenn sie beschloss es einzugehen, war es sicher wichtig.

Die Malinowski machte mir da mehr Kopfschmerzen. Diese Frau war einfach Böse. Ein Hannibal Lektor im Körper einer 130 Kilo schweren und 1,95 großen Frau. Malinowski hatte aus purer Mordlust mehr als 10 Menschen umgebracht und 5 weitere schwer verletzt. Mehrere Gutachter hatten ihre volle Schuldfähigkeit bescheinigt, und bestätigt, ihr ging es allein ums töten. Während ihrer Zeit in der Untersuchungshaft hatte sie mehrfach die Beamten angegriffen und einige davon schwer verletzt.

Heute sollte sie in die Todeszelle verlegt werden. Decker hatte schon eine Mannschaft eingeteilt die ausschließlich für Malinowski zuständig war. Teamchef war Hannes Maier, ein 1,9 Meter Hüne, der trotz seiner Arbeit hier, immer einen lustigen Spruch auf den Lippen hatte. Maier war der Typ, auf den man sich verlassen konnte.

Um zwei Uhr sollte Malinowski hier ankommen.

Ok. Hoffen wir dass alles gut geht.“

Pünktlich trafen Decker, Hannes und vier weitere Beamte ein. Würde es nach mir gehen, hätte ich die Malinowski in eine kleine Box mit Rollen gesperrt und selber gefahren, so aber wurde sie, in Hand und Fußschellen gefesselt, in den Lastenaufzug gesteckt und in meinen Flur gebracht.

Ich erwartete die Gruppe an Aufzug und als die Tür aufging sperrte ich den Mechanismus, um zu verhindern, dass der Aufzug sich im falschen Moment schloss.

Meier trat als erster heraus, dann die Malinowski flankiert von zwei Beamten, dann kamen Decker und die restlichen zwei Wachleute. Wir mussten zwar bis zum Ende des Flures, aber da konnte nicht mehr viel geschehen.

Die Prozession setzte sich in Bewegung ich hielt mich vorne neben Hannes und die Malinowski trabte friedlich hinter uns.

Wir hatten etwa ein Drittel des Flures passiert, da kamen uns Vera und Beate entgegen.

-Verfluchter Mist! Ausgerechnet jetzt.- Dachte ich. Andererseits war es die perfekte Zeit. Niemand würde auf Vera und ihre Begleitung achten.

Vera hatte Beate so unkenntlich gemacht wie sie nur konnte. Die Haare waren unter einem Kapuzenshirt verborgen und das Gesicht halb verdeckt und der Blick nach unten gerichtet. Vera hatte sie am Arm gefasst und führte sie wie jede andere Gefangene.

Um sich nicht an uns verbeidrücken zu müssen, hielt Vera Beate an einem Verbindungsgang an, um uns passieren zu lassen. Vera lächelte Freundlich als Hannes und ich an ihnen vorbei gingen, während Beate zu Boden schaute um ihr Gesicht nicht zeigen.

Hallo.“ Sagte einer den Beamten, welche die Malinowski führten.

Das war genau die Sekunde Unaufmerksamkeit auf die Malinowski gewartet hatte.

Sie rammte den Beamten dermaßen fest in die Seite, dass dieser buchstäblich zur Seite flog. Krachend gaben seine Knochen nach, als er gegen das Geländer des Ganges geschleudert wurde. Der zweite war allein kein Gegner für dieses Kraftpaket. Sie warf ihn förmlich gegen Decker, der im  engen Flur und so zwischen den sichernden Beamten und Malinowski stand und zu Boden fiel. Vera stand der Malinowski am nächsten und die packte Vera an ihrer Kehle.

Sofort sprang ich die Malinowski an, doch mir erging es nicht anders als Decker. Sie schubste mich gegen Hannes, und bevor einer von uns wieder auf die Beine kommen konnte, sprang Beate die Malinowski an. Die Kapuze war von Beates Kopf gerutscht und ihre feuerroten Haare wirbelten durch die Luft.

Hände weg von Ihr! Die bekommst du nicht!“ rief sie und stach der Malinowski einen Finger ins Auge.

Die schrie auf und ließ Vera los um sich Beate zu schnappen, doch Hannes und Decker warnen wieder auf den Beinen und ergriffen die wütende Malinowski.

Beate konnte sich losreisen kümmerte sich um Vera die auf dem Boden lag und sich die Kehle hielt.

Hannes versuchte die Malinowski zu Boden zu zwingen, doch die wehrte sich. Selbst zu zweit hatten wir erhebliche Mühe. Als einer der sichernden Beamten dazukam, schaffte es die Malinowski einen Arm frei zu bekommen und griff nach dessen Dienstwaffe.

Das reichte! Ich drehte mich zu Hannes, der mir am nächsten stand, zog ihm die Pistole aus dem Holster und schoss der Malinowski in beide Knie.

Brüllend ging sie zu Boden und schrie wie verrückt.

Ich sicherte die Waffe und steckte sie ein. Schnell ging ich zu Vera, die noch immer am Boden saß.

Bring sie weg!“ Raunte ich Beate zu und gab ihr meinen Generalschlüssel.

Spätestens jetzt würde Frank durchdrehen. Ich gab einer zum Tode verurteilten Frau den Generalschlüssel des Gefängnisses!

Beate zog sich schnell wieder die Kapuze über und half Vera beim Aufstehen. Sie versuchten es genauso zu machen wie vorhin, doch diesmal sah es eher so aus, als ob die Gefangene führte.

Davon hatten die anderen glücklicherweise nichts mitbekommen. Hannes hatte die Malinowski im Würgegriff und hielt sie am Boden während Decker sich um den bewusstlosen Beamten kümmerte.

Malinowski wütete noch immer, doch mit zerschossenen Knien hatte sie keine Chance mehr.

Ich rufe Schemmlein.“ Rief ich zu Decker, der nur nickte um zu zeigen dass er verstanden hatte.

Mit dem Diensthandy rief ich Schemmlein an.

Was ist? Ich habe Frei! Halt dich an deine Freundin.“ meldete der sich.

Wir haben einen Notfall. Es gibt mehrere Verletzte, Vera ist ebenfalls verletzt!“

Fünf Minuten!“ Weg war das Gespräch.“

Schemmlein kommt!“ Rief ich Decker zu.

Was machen wir mit der Furie?“ wollte Hannes wissen.

Warte, ich hab eine Idee.“ Ich lief zur nächsten Kammer und holte eine Rollliege. Diese sind aus Stahl und recht stabil. Die rollte ich zu Hannes und zu viert schafften wir es die Malinowski darauf zu legen und mit den Hand und Fußschellen daran fesseln.

Jetzt war die Lage unter Kontrolle und Schemmlein kam um die Ecke gerannt. Er schaute sich den Bewusstlosen Beamten an, dann die Malinowski.

Was ist mit Vera?“

Sie konnte zur Krankenstation gehen.“

Hast du noch so ein Teil?“ fragte er und klopfte auf die Liege.

Klar.“

Ich lief los und holte eine weite Liege, auf die wir den bewusstlosen Beamten legten.

Beide wurden zur Krankenstation gebracht, wo Vera schon alles für die Notfälle bereit gemacht hatte.

Vera?“ fragte Schemmlein.

Geht schon wieder.“ Krächzte sie.

Komm her und lass mich nachsehen!“

Schnell schaute sich Schemmlein sich ihren Hals an.

Geht es?“

Keine Sorge, ich schaffe das.“

Nach und nach trafen die benachrichtigten Helfer ein und kümmerten sich um die Verletzten.

Wir gingen aus dem Weg und verließen die Krankenstation.

Man, das war vielleicht was.“ Sagte Hannes. „Ähm Bad-Man, könnte ich meine Kanone wiederhaben?“ fraget er.

Ich zog die Waffe heraus, vergewisserte mich, dass sie gesichert war und gab sie Hannes zurück.

Lass ihn den Bericht über die zwei Schuss schreiben.“ Sagte Decker zu Hannes. Eer musste ja auch herumballern.“

Hannes grinste. „Wer war bloß diese Gefangene? Habt ihr gesehen, wie sie die Malinowski angesprungen hat um Vera zu helfen? Das war verdammt mutig.“

Schemmlein kam heraus und gab Entwarnung. Der Beamte hatte zwar ein paar Knochenbrüche, sonst aber keine schwereren Verletzungen.

Erleichtert machte ich mich auf den Weg zu Beate. Die watete aufgelöst in Veras Wohnung und stürmte sofort auf mich ein.

Wie geht’s Vera?“

Alles Ok. Sie ist nicht ernstlich verletzt.“

Ein Glück, ich dachte…“

Beate fing an zu reden und erzählte die Dinge aus ihrer Sicht. Während sie erzählte schweiften meine Gedanken ab.

Ich musste mir eingestehen, dass mir Beate wichtiger geworden ist, als ich zugeben wollte.

Ich hatte wirklich Angst um beide Frauen gehabt. Beate hatte  sich vor Vera geworfen, ohne sich Gedanken um die eigene Sicherheit zu machen. Wie eine Löwin hatte sie die Malinowski angegriffen.

In diesem Moment wurde mir wieder bewusst, das Beate ihren Mann mit dem Messer in kleine Scheiben geschnitten hatte. Wahrscheinlich hatten weder er, noch Petra Strass geahnt was für eine Bestie in Beate schlummerte.

Beate würde das, was sie liebt, immer verteidigen.

Vera konnte sich glücklich schätzen. Nicht viele hätten es gewagt die Malinowski anzuspringen. Das alles brachte es zurück auf das wichtigste.

Wenn mein Plan nicht funktionierte wird Beate sterben und Vera würde daran zerbrechen.

Und ich?

Ich würde nicht zerbrechen, oder?

Ich beschloss es erst gar nicht darauf anzulegen, mein Plan musste klappen. Es würde keinen Plan B geben und es wurde Zeit die nächste Phase des Plans umzusetzen.

**

 

Der Verräter

Mein „Onkelchen“, also Dagan Mayr, rief hin und wieder an, um bei einem besonderen Fall meine Hilfe einzufordern.

Auch wenn ich nicht mehr offiziell für den Mossad arbeitete, so war ich noch auf seiner Liste und wurde mit Informationen versorgt, musste dafür aber hin und wieder mit einem Anruf rechnen.

Sein Anruf begann stets mit den gleichen lieblichen Worten, „Mischka, meine Kleine, wir haben da ein Problem…“ und ich würde stets alles für mein „Onkelchen“ tun. So kam den auch sein Anruf im späten Sommer.

Mischka, meine Kleine, wir haben da ein Problem, ich schick dir über den anderen Kanal eine Datei, melde dich wenn du Fragen hast, ja?“

Damit begann einer der interessanteren Einsätze für mein liebes Onkelchen. Mit der Präsidentin und ihrem Gemahl wurde mein „Urlaub“ abgesegnet und ich machte mich auf in mein Domizil.

Die gesicherten Daten ergaben, dass sich ein Verräter nach Perth absetzen wollte und dass diese Person die geheimsten Pläne verraten will. Das dumme an der Angelegenheit waren zwei Dinge, man wusste bis dahin nicht genau, wer der Verräter war und auch nicht, was als Medium gewählt wurde – also Film, Datenspeicher oder was auch immer.

Eines aber wusste man genau, über welchen Weg der Verräter gerade floh, und da kam ich ins Spiel. Inzwischen hatte man die Liste der Verräter auf zwei Personen begrenzen können.

Beide möglichen Verräter waren auf Mikronesien ausfindig gemacht worden, aber entkamen Richtung Nauuru und den Solomon-Inseln. Das war mein Gebiet und ich machte mich auf den Weg nach Honiara.

Der Flughafen Lungga hatte von seiner herrlichen Lage noch immer nichts eingebüßt. Ich stand bereit und wartete auf neue Informationen, als mein Handy summte. Endlich kamen die Neuigkeiten auf die so wartete.

Der eigentliche Spion war enttarnt. John Mercury, so nannte sich der Mann, die Bilder gaben einen attraktiven Mann wieder. Unter den Merkmalen stand „sexuell aktiv, eidetisches Gedächtnis“, also ein Mann mit fotografischem Gedächtnis, der nichts anbrennen lassen würde.

Endlich, eine Stunde vor der Landung der Maschine, kam die Bestätigung von „Onkelchen“ dass dieser Mann in der Maschine wäre und definitiv der Verräter sei.

Die Übergabe würde in Perth sein und ich musste also früher an ihn heran. Die Daten gaben an, dass er die Nacht hier in einem sehr guten Hotel verbringen wollte und am Morgen weiter nach Australien fliegen wollte. Ich konnte und musste also handeln.

***

John Mercury hatte seine Augen überall als er die Boeing verließ.

Unauffällig prüfte er seine Umgebung und war sich sicher dass er noch nicht aufgefallen war, deswegen hatte er ja auch diesen abgelegenen Flughafen gewählt. Nach dem Check huschte er um einige Ecken und rannte eine Frau um, als er sich umsah.

Eine Frau? Aber was für eine Frau. Das tolle, teure Kostüm war ruiniert, das sah er auf den ersten Blick und einer der Manolos war gebrochen. Die Frau, mit dem tollen Körper, hielt sich den Kopf, offenbar hatte sie ihn sich angeschlagen. Nach einigen Entschuldigungen kam man überein sich auszutauschen, wegen der Begleichung der Rechnung.

Frau Mellow, so ihr Name, wartete auf einen Geschäftskollegen, dessen Flieger aber erst Morgen eintreffen würde.

Im Laufe des Gespräches erfuhr Mercury was er wissen musste, sie war in Ordnung, jung, ledig, aber etwas angeschlagen, offenbar hatte sie Angst im Leben noch etwas zu verpassen, da kam John Mercury ins Spiel.

Rasch hatte er ihr ein paar Drinks spendiert und diese zeigten ihre Wirkung. Im Schuhladen versorgte er die tolle Frau mit ihren langen, roten Haaren und tollen Brüsten mit neuen Schuhen und sie schlenderten durch das Hotel.

Nach einer Stunde und etwas mehr an Getränken lag sie in seinen Armen und nach einer wilden Nacht erwachte er, deutlich von der Nacht gezeichnet.

Ina Mellow, hatte ihm alle Wünsche erfüllt. Dennoch überprüfte er ihren Ausweis und die sonstigen Dinge. Aber alles sah so aus wie er es sich vorgestellt hatte. Eine erfolgreiche junge Geschäftsfrau, die einfach nur leben wollte. Vielleicht ergab es sich nochmal, dass er Ina treffen konnte.

Ein prüfenden Blick ins das Bett, ihr wunderschöner Körper lag da und er wusste dass er sich frisch machen musste, wollte er noch einen Termin bei ihr haben. Schnell stieg er unter die Dusche und der heiße Dampf umgab ihn.

Erfrischt entstieg John Mercury der Dusche, suchte in dem Dampf das Badetuch und rutschte auf einem Stück Seife aus. Unglücklich gestürzt fiel er mit dem Hals auf einen Hocker, so dass sein Genick brach.

Die Tür öffnete sich und die wunderschöne Unbekannte trat in die Dusche ein, löste ein Seil am Hocker, prüfte die Reaktion der Pupillen des Gestürzten.

John Mercury war eindeutig tot! Offensichtlich beim Liebesspiel im Bad unglücklich gestürzt. Mit einem raschen Drehen des Kopfes versicherte sich die Frau dass er tatsächlich nicht mehr lebte, ließ den Dampf abziehen und schoss zwei Bilder des Verräters, die sie mailte und löschte anschließend die Daten vom Handy, dann verließ sie das Bad und anschließend, neu eingekleidet, auch das Hotel. Kurz darauf flog sie in einer Privatmaschine auf die offene See hinaus.

Die örtliche Presse schrieb vom „Letzten Liebesspiel eines Galans“ und machte eine richtige Lovestory mit einer Unbekannten daraus.

Dass der Verstorbene ein Verräter war, würde auf der Insel niemand erfahren. „Onkelchen“ hatte die Daten bereits, als ich ihm vom Abschluss des Auftrages berichtete. Er informierte mich, dass der Mann sogar ein Doppelagent war und in Australien Geschäfte mit den Chinesen und Russen zugleich machen wollte. Sein Wissen über die US Alarmierungsketten in Luft- und Wasser wären dabei sehr wertvoll gewesen wäre. Die Daten die er im Kopf gehabt hatte, waren brisant.

So aber warteten in Perth einige Agenten aus unterschiedlichen Ländern vergeblich auf einen Mann und lasen später von dem Liebesunfall. Spätestens da war ihnen klar dass ihr Mann nicht mehr kommen würde und sie zogen ab.

**

Legendenbildung

Von Luise Pleitz bekam ich gegen Nachmittag die Legende. Noch in ihrer Zelle las ich mir den neuen Lebenslauf durch.

Er stimmte perfekt. Nicht nur, dass er schlüssig war nein, er war auch so einfach gehalten, dass er nicht nur glaubhaft, sondern auch leicht zu merken war.

Die Namen der Orte, an denen Beate gelebt haben soll, gibt es wirklich. Alle sind Großstätte die jeder schon einmal gesehen hatte, oder zumindest aus dem Fernsehen kennt.

Zwar bestand die Wahrscheinlichkeit, dass Dritte tatsächlich zur selben Zeit am selben Ort waren, doch in einer Stadt wie London oder New York machte das keinen Unterschied.

Luise Pleitz hatte sich selbst übertroffen.

Damit sollte Beate klar kommen.

Als ich mich bedanke und ihre Zelle verlassen will, hält sie mich einen Moment zurück.

Sagen sie der Frau, dass ich ihr alles Gute wünsche.“

Ich richte es ihr aus, Versprochen.“

Schon am nächsten Tag wurde Luise Pleitz in eine Freigänger Einrichtung, am anderen Ende der Republik, verlegt. Jessika war sehr erleichtert, als der Bus mit Luise als Mitwisserin das Gefängnis verlassen hatte.

Mit den Unterlagen der Pleitz suchte ich Nr. 19 auf. Jarvis hat den Pass beinahe fertig. Alles was er noch brauchte waren die Orte an denen Beate (bzw. die Frau auf die der Pass ausgestellt ist) sich aufgehalten hatte.

Brauchst du noch etwas?“

Nein, das reicht. Und Danke für den Einkauf. Tat richtig gut, sich mal wieder was richtiges leisten zu können. Die Frau muss ihnen einiges bedeuten.“

Ich schwieg kurz. „Ja, sie bedeutet mir einiges.“

Kein Problem. In zwei Tagen hat sie ihren Pass. Was ist mit meiner Bezahlung?“

Die wartet auf dich. Am Samstag habe ich euch die Ehe Zelle gebucht.“

Dann werde ich mir richtig Mühe geben.“

Im Büro setze ich Jessika von Beates neuem Lebenslauf in Kenntnis.

Da ich es Versprochen hatte, informierte ich sie über meine Absicht Randy zu kontaktieren und erklärte ihr auch was ich von Randy wollte.

Randy ist unser Computer Fachmann und ein Experte für alles technische. Er ist der einzige der mir, meiner Meinung nach, beim großen Finale helfen kann.

Bei Andreas Exekution, die erste und einzige die über Livestream ausgestrahlt wurde, hatte er, auf meine Bitte hin, die Server so manipuliert, dass sich bei den Kommentaren, die Begeisterung in Grenzen hielt und die Kritik lauter erschien, als sie tatsächlich war. Ihm war das Spektakel genauso zuwider wie Frank und mir und so half er uns bereitwillig dafür zu sorgen, dass es bei einer einzigen Aktion blieb.

Jessika gab ihr Einverständnis und ich musste mir überlegen, wie ich Randy dazu bringen konnte, mir zu helfen.

Der heutige Abend war dazu ideal, denn heute Abend hatte Mike zu unserem Herrenabend eingeladen. Ein Abend, bei dem Probleme aus der Welt geschaffen wurden, bevor sie überhaupt zum Problem werden konnten.

**

Randy

Mike, Frank, Randy und ich machten uns über die zwei Flaschen Chivas Regal her, die ich Mike von unserer Wette im Gericht schuldete.

Obwohl ich ein großer Liebhaber dieses wunderbaren Gesöffs bin, musste ich mich zurückhalten, um nicht eine unbedachte Äußerung fallen zu lassen, denn Frank würde sie nicht einfach überhören.

Ein paar Stunden später saßen wir in einem total zu gequalmten Zimmer rauchten teure Zigarren und leerten die Whiskeyflaschen.

Ich habe gehört, dass es mit der Malinowski Ärger gegeben hatte.“

Typisch Frank. Er war sicher der erste der davon gehört hatte.

Eine geheimnisvolle rothaarige Gefangene soll Vera Müller gerettet haben. Die Wachen erzählen, dass die Gefangene schneller war als du.“

Natürlich gab es dazu jede Menge bissige Kommentare, auf die ich gar nicht einging und fragte nach dem verletzten Beamten.

Er wird noch eine geraume Zeit dienstunfähig sein. Aber es sah wohl schlimmer aus als es ist.“

Ich hätte die Malinowski mit einer kleinen Box in die Zelle fahren sollen, dann wäre das nicht passiert.“

Das wäre Verschwendung von Justizmitteln. Solche Boxen sind teuer.“

Haha.“

Morgen wird es offiziell, Sarah Schlosser wird zum nächsten Ersten eingestellt.“

Gut, dass du meiner Empfehlung gefolgt bist.“

Kurz verfinsterte sich seine Miene als er mich von der Seite anschaute.

Hast du sie schon getroffen?“ fragte er.

Nein, sie kommt erst in ein paar Tagen hier an. Sie meldet sich bei mir, sobald sie in der Stadt ist.“

Wie ist sie denn, auch so ein geiles Teil wie Tanja?“ fragt Randy

Bis jetzt kenne ich nur das Bild aus der Bewerbung. Aber das sieht nicht schlecht aus.“

So zog sich der Abend weiter hin. Wir plauderten, qualmten Zigarren und genossen den Whisky.

Trommer wird in ein paar Tagen bekannt geben, dass er sich als Generalstaatsanwalt beworben hat“,  erzählt Mike, „ich schätze er hat gute Chancen.“

WOW, das nennt man Karriere.“ Meint Randy.

Ich spüre Franks Blick auf mir.

Randy sprach weiter. „Ich wette, der marschiert direkt zum Minister weiter.“

Gut möglich.“ Meinte ich nur.

Jetzt wurde auch Mike auf Franks Blick aufmerksam.

Hab ich was verpasst?“ Fragt er und stellte sein Whiskyglas an. „Was ist los?“

Wusstet ihr, dass an der Leiche der kleinen Ella DNA der Strass gefunden wurde?“ fragte ich in die Runde.

Es wurde plötzlich ganz still. Selbst Randy bemerkte, dass es hier um etwas Großes ging.

Im Ernst? Petra Strass war am Mord der Kleinen beteiligt?“ fragte Mike ungläubig.

Wieso weiß das noch niemand?“

Bevor die Leiche der Kleinen beerdigt wurde, hat ein gewissenhafter Ermittler noch einmal die ganze Leiche nach  DNA untersucht. Er konnte die gefundene DNA nicht zuordnen und hat sie mit der großen Datenbank abgeglichen.

Anscheinend wurde die Strass  einmal wegen einer Alkoholfahrt registriert. Jedenfalls hat der Computer ihren Namen ausgespuckt.“

Das ist der Hammer. Er bumst eine Verdächtige, wenn das rauskommt…“

Mike und Randy fingen eine lebhafte Diskussion, über die Folgen an, während Frank sich zu mir beugte.

Hast du eine Ahnung, was das bedeutet?“ fragt mich Frank leise.

Ja, ich weiß genau was das bedeutet.“

Trommer wird Amok laufen!“

Nein, glaube ich nicht. Er weiß es schon.“

Er weiß es und bumst die Alte immer noch?“ Mike schaute mich ungläubig an.

Was ist mit der Fischer? Was sagt sie dazu?“

Beate Fischer wurde vor ein paar Wochen hingerichtet.“

Frank sah mich durchdringend an, nein er durchbohrte mich fast.

Du spielst mit dem Feuer. Pass auf, dass du dich nicht verbrennst!“

Flüsterte er leise und fügte hinzu,

Du bist mein Freund, aber wenn das schief geht, kann dir niemand helfen.“

Das war deutlich.

Nach einer weiteren Flasche Whiskey aus Mikes Beständen beenden wir den Abend.

Als wir uns von Mike verabschiedeten besteigen wir übrigen drei ein Taxi, welches zuerst Frank absetzte.

Etwa 500 Meter vor Randys Wohnung, ließ ich den Taxifahrer anhalten und bezahlte ihn.

Randy der weiß, dass es bei mir ab und an eine Überraschung gibt sagte nichts und stieg mit mir aus.

Es muss dir sehr am Herzen liegen.“ Schmunzelte er.

Was?“

Dein Problem. Du hast dich heute Abend sehr zurückgehalten und den guten Whiskey den anderen überlassen.  Dauernd hattest du mich im Blick und dachte mir, dass du etwas von mir willst. Also hielt ich es für besser auch etwas weniger zu trinken.“

Randy, für dein junges Alter, bist du verdammt clever.“

Hast du deinen PC wieder mal geschrottet und ich muss alles neu installieren?“

Ich glaube, mein Anliegen ist etwas komplizierter.“

Wir schlenderten zusammen in Richtung seiner Wohnung.

Auf dem Weg dorthin erzählte ich ihm alles. Ja, alles! Wenn Randy helfen sollte, dann musste er wissen um was es ging. Als alle Fakten auf dem Tisch waren dachte er lange nach.

Als wir seien Tür erreichen meinte er:

Peter, das was du vorhast, ist technisch gesehen kein Problem. Das eigentliche Problem wird Trommer sein. Er wird sich rückversichern. Du weißt was ich meine.“

Ja, ist mir klar.“

Ihre Chance liegt bei 50%! Bestenfalls!“

Ich hatte es geahnt. Auch wenn ich es nicht wahrhaben wollte. Beates Chance zu überleben lagen bei beschissenen  50%.

Umso klarer wurde mir, dass ich Vera auf gar keinen Fall in den Plan einweihen konnte.

-Tja, 50 %, das muss eben reichen.-

Wirst du mir helfen?“

Klar, allein schon wegen Vera.“

Danke, hast was gut bei mir.“

Ich werde es mir merken und irgendwie glaube ich, es wird das einzige sein, dass du mir die nächsten Jahre schulden wirst.“

**

Um dieselbe Zeit ritt Petra Strass wild auf Trommer ihrem Höhepunkt entgegen. Wild und rücksichtslos fickte Trommer Petra durch.

Diesmal hielt er sich nicht zurück und nahm auch keine Rücksicht auf sie. Er nahm sich was er wollte. Und auch Petra Strass hielt sich nicht zurück. Sie bohrt ihm die Krallen in den Rücken und es entwickelte sich ein hartes Liebesspiel.

Schließlich lagen beide erschöpft nebeneinander.

Das war unglaublich. Man könnte meinen es wäre das letzte Mal das wir zusammen ficken.“ Sagte Petra Strass

Quatsch, ich wollte nur mal was Neues.“

Zwei Stunden später verließ Petra Strass die Wohnung von Trommer und fuhr zu ihrer Wohnung. Als sie die Haustür aufsperren wollte, sprach sie ein Mann an.

Frau Petra Strass?“

Ja, bitte?“

Henry Meyer, Kriminalpolizei! Ich nehme sie wegen Mordverdacht an Ella Fischer fest.“

Fassungslos stand Petra Strass da und starrte Meyer an. Der fackelte nicht lange und legte Petra Strass Handschellen an.

**

SOULEBDA

Der Aufstand

Doch leider gab es auf Soulebda nicht nur Licht sondern auch Schatten. Auf zwei der größeren Nachbarinseln lebten und herrschten Häuptlinge mit ihren Stämmen, die unglaublich machthungrig waren.

Im Norden, auf Ni’jamong, war das Häuptling Kazt’taeel und im Südwesten, auf Ka’Ihlih Häuptling Nick’Takk. Sie konkurrierten mit den Häuptlingen der anderen, kleineren Inseln und wollten schließlich sogar die Regentschaft auf Soulebda anfechten.

Das konnte nicht ungestraft bleiben und die beiden Häuptlinge wurden einbestellt, aber anstatt sich bei ihrem Regenten zu melden, brachen sie einen Streit vom Zaun, der sich zu einer heftigen Revolte entwickelte.

Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich mit Penelope auf der Schießbahn des Palastes, wo wir für die anstehenden Wettbewerbe trainierten. Wir schossen damals auf 25, 50 und auf 75 Meter.

Plötzlich rannten zwei Mädchen der Leibgarde zu uns rein und schrien etwas von Aufstand und Revolte.

Sie begleiteten Penelope in die sicheren Schutzräume und ich bat sie dort zu bleiben bis Ruhe einkehrt. Mit ihren .45 Colt sahen die Mädchen der Leibgarde unterbewaffnet aus, aber mehr hatten sie damals nicht zur Verfügung.

Lediglich zum Sport wurden die 9mm Para Pistolen eingesetzt. Rasch sammelte ich alle Magazine und Munition auf, die ich fand und machte mich auf den Weg zum Kommandopunkt.

Dort befanden sich bereits einige Soldaten und ein Oberst der Garde, die mit der Absicherung beschäftigt waren.

Mit ihren alten .45 Colt waren sie keine besonders gute Hilfe, aber es war die Standard Waffe der Garde. Der Oberst wollte mich gerade aus dem Palast entfernen lassen, da ging die Schießerei los.

Mehrere Aufständische seilten sich an den Wänden ab, andere stürmten nach vorne und schossen was die Waffen hergaben. Die Distanz der Angreifer war dummerweise etwa wie auf dem Schießstand und so rannten sie in ihr Verderben.

Als der erste Ansturm vorbei war, standen die Soldaten mit offenen Mäulern da und vor uns lagen gut zwanzig Revoluzzer.

Ab da war der Oberst froh mich bei sich zu haben und wir zogen uns gesichert in den Bereich der Präsidentenfamilie zurück. Aus einigen Ecken stürmten Leute und schossen auf uns. Wir wehrten uns mit wirkungsvollen Schüssen.

Ich ließ meine Beretta heiß laufen und eine Leibgardistin lud unsere Waffen ständig nach. Meine 9mm hatte einen enormen Hunger.

Ich erinnere mich noch gut an den erschrockenen Koch, der von einem Aufständischen als Schutzschild gehalten wurde, aber eine Doublette stoppte den Angreifer und der Koch sah erschrocken, aber dankbar zu mir rüber.

Endlich im Zentrum angekommen, wurde der Ansturm der Revoluzzer blutig gestoppt. Der Präsident und seine Gattin immer in der Sicherung, schossen wir die Angreifer nach und nach zusammen.

So langsam hatte ich Mitleid mit den Angreifern, aber sie würden uns gegenüber keines haben und so war die Entscheidung klar, es ging um unser aller Überleben und in solchen Fällen treffe ich besonders gut.

Von der Decke versuchten immer wieder einzelne Angreifer uns zu beschießen und sich zu uns abzuseilen aber mit einigen Doubletten fanden sie ein schnelles Ende.

Es war klar, die Angreifer wollten uns tatsächlich umbringen. Am Ende stürmte eine Gruppe der Angreifer mit einem der Häuptlinge den Raum und wir schossen was die Waffen hergaben.

Umgeben von den schweren Regalen voller Bücher die einen Schutzschild boten, saßen die Präsidentengattin und der Präsident auf dem Boden. Einige Leibgardistinnen hatten sie mit ihren Körpern beschützt.

Als es dann zu Ende ging und das Schießen aufgehört hatte, stand ich da, inmitten unserer kleinen Burg aus Büchern, verschwitzt und schmutzig. Ein leichter Streifschuss hatte meine Schulter blutig gefärbt. In beiden Händen eine rauchende Waffe und um mich herum lagen die leeren Magazine.

Als dann die Soldaten in den Palast kamen und alles vorbei war, stand Heylah ai Youhaahb auf und kam auf mich zu, machte ein Bild mit ihrem Handy, dann begann sie zu klatschen und die Umstehenden klatschten auch. Erst da bemerkte ich, dass diese Ehrerbietung mir galt.

Tags darauf wurden 128 erschossene Angreifer und einige erschossene Mädchen der Leibgarde gezählt.

Angeblich hatten mehr als die Hälfte der Angreifer kleinere Löcher als die der dicken .45er. Diese Erkenntnis trug man offenbar auch der rechten Stelle im Palast vor. Die Autopsien ergaben die Bestätigung und als wieder Ruhe eingekehrt war, wurde mir eine Auszeichnung verliehen, der Kahlscha’daar, eine Auszeichnung die nur wenige bisher erhalten hatten, wie ich später erfuhr.

Erst viel später erfuhr ich was es mit dieser Auszeichnung noch alles auf sich hatte.

Sie enthielt einen Ehrenstatus, der mich als absolute Vertrauensperson der Regentin definierte. Ab diesem Zeitpunkt wurde ich auf der Insel überall noch mehr geachtet und meine Geliebte Penelope bedankte sich auf ihre einzigartige Weise, dass ich ihre Familie gerettet hatte.

Außerdem überreichte sie mir ein großes eingerahmtes Bild, es zeigte mich inmitten der Bücher stehen, mit den beiden Pistolen im Anschlag, verschwitzt und angeschossen. Das Bild war hervorragend ausgearbeitet und hätte für jede Kinowerbung herhalten können.

**

Passkontrolle

WOW, der sieht aus wie echt. Jarvis ich bin beeindruckt.“

Ja, ich würde sagen, das ist mein Meisterstück.“

19 hatte mir den gefälschten Pass übergeben und ich blätterte durch die einzelnen Seiten.

Die Stempel und Einträge stimmten absolut mit der Legende die Luise geliefert hatte überein.

Beate musste die einfache Geschichte nur noch auswendig lernen. Aufgewachsen in Berlin, in München zur UNI gegangen, dann begann der von Luise gelieferte Teil. Perfekt.

Mit dem kommen sie überall durch. Sagen sie ihr, dass sie nicht länger als vier Wochen warten soll, sonst fragt noch jemand nach, warum sie so lange gewartet hat.“

Ich werde darauf achten. Ich werde noch ein zweites Treffen mit deiner Freundin und einen weiteren Einkauf arrangieren. Falls wir uns nicht mehr sehen, ich danke dir für alles.“

Weißt du Bad-Man, ich bereue tatsächlich was ich getan habe und hoffe innständig, damit wenigstens einen kleinen Bonus zu bekommen… später, du weißt schon.“

Jarvis, ganz ehrlich. Du verhinderst ein großes Unrecht, ich denke schon, dass du den Bonus bekommst.“

Sag der Frau, dass ich ihr viel Glück wünsche.“

Ich richte es ihr aus.“

**

Kairo

Der Mann am Boden lebte noch. Aus einem Schnitt quer über die Kehle lief das Blut aus der Wunde auf den Boden.

Sein Mörder stand neben dem zuckenden Körper und schaute zu, wie das Leben den Mann verließ.

Ein weiterer Mann kam dazu und salutierte.

Derjenige der dem Liegenden die Kehle aufgeschlitzt hatte, war niemand anderer als „der alte Franzose“. Ein Söldner der für Geld für jeden in den Kampf zog, der ihn und seine Männer angemessen bezahlte.

Wie konnte dieser Scheißspitzel solange unentdeckt bleiben?“

Er hatte hervorragende Referenzen. Jetzt wissen wir, dass alle gefälscht waren, da müssen auch einige unserer Konkurrenten mitgemacht haben.“

So etwas darf nie wieder vorkommen. Jeder Neue wird bis auf die Knochen durchleuchtet. Verstanden?“

Qui mon Colonel!“

Verdammt. Lassen sie die Männer antreten, wir müssen hier weg sein, bevor seine Auftragsgeber hier auftauchen.“

Wir haben einen Anruf aus Deutschland erhalten. Es scheint so, als ob wir einen neuen Auftrag erhalten könnten.“

Deutschland?… HMM, Warum nicht, nicht weit weg von zu Hause, nicht wahr Captain?“

Non, mon Colonel.“

-Dagan, du gerissener Hund. Irgendwann werde ich mich um dich und deine vielen Nichten und Neffen kümmern!- dachte er und schaute wieder nach unten.

In der Zwischenzeit hatte das Leben den Mann am Boden endgültig verlassen…

**

 

Der Pass ist da.“ Berichtete ich Jessika.

Sie schaute sich den Pass genau an, blättert ihn durch und ist genau so zufrieden wie ich.

Gute Arbeit. Ich hoffe Jarvis hält bis zum Schluss den Mund.“

Ich denke schon. Er wird den zweiten Besuch mit seiner Freundin nicht aufs Spiel setzten.“

Gut. Du hast einen Termin mit Sarah Schlosser. Sie ist da und wartet auf dich.“

Ok, dann werde ich Sarah mal auf den Zahn fühlen. Ich hoffe sie ist wirklich die Richtige.“

Das wirst du sicher herausfinden.“ Grinste Jessika.

Das tat ich. Ich traf mich mit Sarah Schlosser und sprach über zwei Stunden mit ihr, in denen ich ihr erklärte, was ich und was Frank von ihr erwarteten.

Sarah machte einen ruhigen und guten Eindruck. Als sie mir in die Augen sah und mir sagte, dass sie mich nicht enttäuschen würde, war ich mir sicher, dass ich mit Sarah Schlosser die richtige Wahl getroffen hatte.

Auch das teilte ich Jessika mit, bevor sie nach Hause ging.

Wunderbar! Hier, ich hab dir noch die Akten von zwei Insassen auf den Schreibtisch gelegt. Sie sie dir mal an. Ich denke du wirst verstehen, warum ich die beiden ausgesucht habe. Aber fall nicht wieder gleich mit der Tür bei den beiden ins Haus.“

Keine Sorge. Ich sehe mir die Akten sofort an.“

Als Jessika das Büro verlassen hatte, schaute ich mir, wie versprochen, die beiden Akten an. Ja, ich verstand was Jessika mir mitteilen wollte.

Das würde ein sehr hektisches Finale geben.

Im Internet informierte ich mich im Vorhinein was die Beiden für ihre Aufgabe brauchten und besorgte es. Hätte doch ich mehr Zeit… Aber Zeit war Luxus! Ich hatte nur einen einzigen Versuch und konnte nicht mitten im Finale losziehen um noch etwas zu besorgen, was ich vergessen hatte.

Eine war unproblematisch, was diese für ihre Arbeit brauchte, wusste sogar ich, und das musste ich nicht groß beschaffen, das Meiste hatte Vera in unserer Wohnung.

Bei der Zweiten war das schon schwieriger. Ich musste sie also wohl oder übel vor dem Finale informieren. Jessika war überhaupt nicht begeistert, verstand aber auch das Problem.

Die zwei Insassen saßen beide im Frauentrakt und ich suchte sie in ihren Zellen auf. Das erste Treffen war so unproblematisch wie ich gehofft hatte, doch die zweite erkannte mich und bekam sofort eine Panikattacke.

Ganz ruhig.“ Versuchte ich sie zu beruhigen, doch sie schrie und ließ sich auch nicht beruhigen.

Verdammt, halt die Klappe!“ brüllte ich sie an. Ich war selbst verwundert, dass sie tatsächlich aufhörte zu schreien und mich mit großen Augen ansah.

Hör auf hier alles zusammenzuschreien. Ich brauche deine Hilfe.“

Während sie mich noch immer verwundert anschaute lauschte ich, ob ihr Geschrei Deckers Mannschaft aufmerksam gemacht hatte, doch es schien, als ob ich Glück hatte, denn Niemand erschien.

Als ich sicher war, dass wir nicht unterbrochen wurden, erklärte ich ihr das Problem, ohne Beate zu erwähnen und fragte sie ob sie bereit wäre, mir für eine Verlegung in eine Freigänger Einrichtung, zu helfen.

Es war kaum zu glauben, doch plötzlich brach die Geschäftsfrau aus ihr heraus. Für ihre Hilfe bekam sie die Zusage, in eine Freigänger Einrichtung verlegt zu werden, sowie 1000 Euro in bar, die sie von mir bekommen sollte, sobald sie verlegt wurde.

Ich hatte weder die Zeit noch das Verlangen mit ihr zu feilschen und sie bekam was sie wollte.

Gut, haben sie was zum Schreiben?“ fragte sie und diktierte mir eine Einkaufsliste mir den Utensilien, die sie brauchte. Außerdem erklärte sie mir, wo ich das Ganze bekam.

Soweit, so gut. Heute waren die Geschäfte schon geschlossen und so musste eben morgen losziehen.

Ich setzte mich ins Büro und schaute mir den Terminkalender für morgen an. Am Vormittag hatte ich zwei Termine, dann einen gegen Nachmittag. Um 16Uhr, sollte ich fertig sein, dann konnte ich losziehen um die Sachen zu besorgen.

Hi Bad-Man.“

Es war Randy, der zu mir gekommen war.

Hast du eine Minute?“

Sicher, komm rein.“

Er setzte sich zu mir und sagte;

Ich hab über dein Problem nachgedacht und glaube ich weiß wie wir vorgehen sollten.“

Schieß los.“

Randy erklärte mir, wie er das Finale gestalten würde. „Wichtig wäre richtig Maaß zu nehmen.“

Das lässt sich machen.“ Ein Blick auf die Uhr sagte, dass Vera noch eine gute halbe Stunde auf der Krankenstation arbeiten würde.

Zusammen gingen wir zu Veras Wohnung, wo ich die Wohnungstür aufschloss. Wieder hatte sich Beate ins Bad begeben und ich klopfte gegen die Tür.

Als Beate aus dem Bad trat, starrte sie Randy genauso an wie Jessika ein paar Wochen zuvor.

Reicht das?“ fragte ich etwas bissig.

Sorry, nein ich müsste es etwas genauer wissen.“

Beate, das ist Randy unser Genie für alles, Randy das ist Beate.“

Sie waren dass, die die Malinowski angesprungen hat… Wow, das war sehr mutig.“

Lassen wir das mit dem Sie. Ich bin Beate.“

Randy wurde tatsächlich verlegen als er Beate die Hand reichte.

Hör zu, Beate, Randy braucht ein paar Angeben.“

Ok, was musst du denn wissen?“

Ich… Ähm…“

Du musst dich obenherum frei machen.“ Sprang ich Randy bei.

Oh.“ Dann verstand sie von alleine warum, legte bereitwillig ihre Bluse sowie den BH ab und hob die Arme hoch. „So in Ordnung?“

Randy wurde knallrot als er Beate das Maßband um die Brust legte.

Genau in diesem Augenblick erschien Vera. Sprachlos stand sie in der Tür und starrte uns an.

Randy wollte sofort weg.

Hast du alles?“ fragte Randy ohne ihn anzusehen.

Ja.“

Danke.“

Äähm, ja, gerne geschehen. Tschüss Beate. Hallo Vera.“ Als er sich an Vera vorbei schob, hielt die ihn fest.

Was zur Hölle ist hier los?“ zischte sie Randy an.

Beate schaute mir für einen Sekundenbruchteil in die Augen und sie verstand, dass ich Vera nicht eingeweiht hatte und noch wichtiger, sie verstand auch warum ich Vera nicht eingeweiht hatte.

Ich will wissen, was hier los ist!“

Lass ihn los!“ sagte ich zu Vera.

Nicht bevor…“

Loslassen!“ ich war zu ihr getreten und sah sie fest an.

Vera ließ Randy los und der verdrückte sich sofort.

Also?“ fragte sie, als Randy die Tür hinter sich geschlossen hatte.

Randy muss was für mich erledigen und Beate war die Bezahlung!“

Die Bezahlung?“ fachte sie mich an. „Du mieser Scheißkerl…“

Vera!“ Beate, immer noch halb nackt, trat zwischen uns. Sie sah zu mir und bat mich, sie mit Vera alleine zu lassen.

Mit einem warnenden Blick ließ ich Beate und Vera allein und verzog mich in meine Wohnung.

Nach einer halben Stunde kam Vera zu mir.

Ich bin immer noch sauer. Beate sagt mir nicht was los war und du wirst es sicher auch nicht tun. Damit dass klar ist, Beate ist keine Ware! Sie ist… Sie ist mein Leben.“

Vera, ich liebe dich und ich hätte nie geglaubt, dass ich das einmal sage, aber ich liebe Beate auch.

Hör zu, du musst mir vertrauen. Wenn du Beate helfen willst, dann musst du mir vertrauen, egal wie schwer es die fällt.“

Vera liefen die Tränen über das Gesicht und sie warf sich in meine Arme.

Das tu ich doch immer.“ Schluchzte sie. „Ich will Beate nicht verlieren. Ich will auch dich nicht verlieren.“

Wie sollte ich ihr beibringen, dass für uns alle nur eine 50-50 Chancen besteht? Denn eines war klar, wenn Trommmer mitbekam, was ich hier lief, würde es nicht bei Beates Tod bleiben.

**

Vorbereitungen

Beate gelang es die Wogen zu glätten und bat mich auch über Nacht zu bleiben. Anders als bei der ersten Nacht mit den beiden Frauen, kuschelten sich die zwei an mich und sanken beide an mich gepresst in einen tiefen Schlaf.

So begann ein neuer Abschnitt in unserer seltsamen Gemeinschaft.

Von diesem Tag an lebten wir zu dritt in Veras kleiner Wohnung während meine große Wohnung leer stand. Ich konnte es selbst nicht glauben, doch ich liebte Beate tatsächlich ebenso wie Vera. Und auch wenn mich die Zwei in ihr Leben aufgenommen hatte, Vera und Beate waren Seelenpartner. Sie waren ein Herz und eine Seele.

Am nächsten Tag fuhr ich los die Besorgungen machen.

Scheiße!“ fluchte ich, als ich im Rückspiegel das Auto der beiden Flachwichser sah. Die durften nicht erfahren wo und was ich tat.

Ok, ich trat auf Gas und beschleunigte. Mir war klar, dass die beiden für Trommer spionierten, doch der konnte mich nicht aus dem Verkehr ziehen, er brauchte mich noch und ich nahm mir vor, dass auszunutzen.

Ich trat das Gaspedal meines Golf GTI durch und ließ den Hund von der Kette. Anscheinend hatte ich die zwei überrascht, denn sie brauchten einige Sekunden um wieder zu mir aufzuschließen.

Ok, ich war kein Rennfahrer, doch ich kannte meine Kiste und wusste wo das Limit lag.

Mit 210 zog ich über den Beschleunigungsstreifen zur Autobahn und fuhr auf die Ringautobahn. Ich war mir ziemlich sicher, dass die Idioten keine Verstärkung rufen würden, denn dann müssten sie ja erklären wieso sie hinter mir her waren.

Ich musste zugeben, wer immer von diesen beiden Pfeifen am Steuer saß, er war gut. Ich donnerte durch den, zum Glück nicht allzu dichten Verkehr, und er ließ sich nicht abschütteln. Doch dann kam die Ausfahrt zum westlichen Industriegebiet. Zwei dicke Brummer an LKW fuhren auf der rechten Spur und ich zog auf der ganz linken Spur vorbei. In der allerletzten Sekunde, riss ich den Lenker herum und schoss zwischen den LKW durch in die Ausfahrt.

Flachwichser 1 und 2 wurden dermaßen überrascht, dass sie die Ausfahrt verpassten und mich aus den Augen verloren.

-Ha, Amateure. Und sowas will Verbrecher fangen.-

Schnell verließ ich das Industriegebiet und steuerte die angegebene Adresse an um meine Besorgungen zu machen.

**

Immer mitten in die Fresse rein

Es war schon dunkel als ich mich auf den Rückweg machte. Irgendwie war ich mir sicher, dass die beiden Backpfeifen sich nicht einfach geschlagen gaben.

Um sicher zu gehen, dass ich nicht doch von einem Einsatzkommando gefilzt wurde, hatte ich meine Besorgungen in ein Packet gestopft und an meine Dienstadresse im Gefängnis geschickt.

Als ich meinen Wagen auf dem Parkplatz abstellte, stellte ich fest, dass ich Recht hatte mit meiner Vermutung.

Kaum war ich ausgestiegen, öffnete sich ein anderer Wagen und die zwei Flachwichser stiegen aus.

Wen haben wir denn hier? Du hältst dich für ganz schlau oder?“ meinte mein Freund mit der noch immer geschwollenen Nase.

Auf jeden Fall bin ich schlauer, als ihr zwei Idioten.“

Hat er uns gerade als Idioten bezeichnet?“ fragte sein Kollege.

Tja, eine freundlichere Bezeichnung ist mir gerade nicht eingefallen.“

Der braucht dringend eine Lektion.“

Hört mal ihr zwei Wichser, ich hab euch das letzte Mal so richtig den Arsch aufgerissen, wie kommt ihr darauf, dass es heute besser für euch läuft?“

Wie auf Kommando öffneten sich die Türen von drei weiteren Wagen aus denen je zwei weitere Männer ausstiegen.

Die acht bildeten einen weiten Kreis um mich. Ich schaute mich um. Verdammt! Acht sind etwas mehr, als ich schaffen konnte.

Die acht Gestalten kamen immer näher und näher. OK, ein paar werde ich mitnehmen können und ich nahm mir vor, dass meine beiden Freunde darunter sein würden.

Gibt es ein Problem Bad-Man?“ fragte eine Stimme im Halbdunkel.

Hannes trat in den Lichtkreis einer Laterne. Hinter ihm kamen Bernd und Johann, zwei Wachbeamte, die zu Hannes Team der Malinowski gehörten.

Oh, jetzt war das Verhältnis schon deutlich besser.

Verpisst euch, das hier geht euch nichts an.“ Meinte mein spezieller Freund.

Das sehe ich anders.“ Antwortete Hannes und ließ demonstrativ einen Teleskopstock ausfahren.

In einer Linie kamen die drei auf den Kreis zu, in dessen Mitte ich stand.

Was würde Decker tun? Fragte ich mich. Er würde dafür sorgen, dass es eine gerade „Frontlinie“ gab, also schnappte ich mir den Kerl der zwischen Hannes und mir stand und schon ging die Keilerei los.

Die bösen waren alle Polizisten, doch wir hatten einen klaren Vorteil! Wir hatten Decker der uns trainierte. Hannes hatte schnell kurzen Prozess mit seinem Gegenüber gemacht und auch meine beiden anderen Freunde fackelten nicht lange.

Nach nur einer Minute, lagen vier der Gestalten am Boden und wir waren noch nicht mal richtig warm.

Ich schnappte mir meinen Jochbeinfreund. Der wehrte sich aber auch diesmal hatte er keine Chance. Meine Wut auf Trommer und seine Ärsche bahnte sich den Weg nach draußen und Jochbein war das Ventil. Ich vermöbelte ihn nach Strich und Faden.

Peter, Peter!“ riss mich Hannes Stimme in die Wirklichkeit zurück.

Ich erwachte wie aus einer Trance. Arschgesicht hing noch immer halb bewusstlos in meinem Griff und blutete aus Mund und Nase.

Ich ließ ihn einfach fallen und stieg über ihn hinweg. Das war klar, Trommer würde mich SO was von auf der Abschussliste stehen haben, wenn die Sache vorbei war… Scheiß drauf, er kann mich schließlich nicht umbringen…

Danke Freunde.“ Sagte ich zu den Drei, als wir zum Tor gingen.

Bedank dich bei Decker. Er sah die Typen herumschleichen und dachte sich, dass die nur auf dich warten können.“

Wieso das denn?“

Weißt du, ich glaube, Decker kennt dich besser, als du denkst.“ Grinste Hannes.

**

Tel Aviv

Dagan Mayr saß mit versteinerter Miene da und lauschte dem Vortrag von Major Lem.

Hinter Lem, auf einer Leinwand erschienen nacheinander Tatortfotos auf denen ein Mann mit durchschnittener Kehle zu sehen war.

Sachlich und ruhig schilderte Major Lem Dagans versammelten Staab, das was auf den Bildern zu sehen war.

Die Behörden in Kairo waren außerordentlich bemüht mit uns zusammenzuarbeiten. Auch wenn es hauptsächlich daran liegt, dass sich die letzte Aktion des Franzosen, gegen ihre Regierung gerichtet hat, möchte ich es trotzdem herausstellen.

Krischan wurde gegen 13 Uhr Ortszeit ermordet. Wie unschwer zu erkennen ist, wurde ihm die Kehle durchtrennt.

Da er keinerlei Kontakt mit uns aufgenommen hat, gehen wir davon aus, dass er verraten wurde. Die entscheidende Frage, lautet, von wem Krischan verraten wurde.

Fest steht lediglich, dass der Franzose sofort nach dem Mord an Krischan Ägypten verlassen hat, was den Schluss nahelegt, dass er wusste, wer Krischan war und für wen er gearbeitet hat. Der Franzose wusste nur allzu gut, dass er aus unserer direkten Reichweite herausmusste.“

Danke Major Lem. Ich danke ihnen allen. Lassen sie uns dafür sorgen, dass wir Krischans Mörder finden.“ Löste Dagan die Stabs Besprechung auf.

Die zehn Männer und Frauen standen auf und verließen den Raum, nur Lem und ein weiterer Mann blieben bei Dagan.

Lem warf die Unterlagen auf den Tisch und setzte sich frustriert hin. Er hatte zwar den Sachverhalt nüchtern geschildert, doch in ihm brodelte es gewaltig. Krischan war einer von ihnen gewesen, ein Freund.

Verdammte Scheiße.“ Fluchte er leise.

Der andere Mann war Benjamin Levi. Genau wie Lem gehörte er zum engen Kreis von Dagans Beratern, doch nicht nur das. Levi und Dagan verband eine tiefe Freundschaft.

Wissen wir, wen den Franzosen engagiert hat?“ fragte er Lem.

Nein, Wir wissen nur, dass der Anruf aus Deutschland kam.“

Deutschland… Ich kann mir in Deutschland keine Aufgabe für eine Söldnertruppe vorstellen.“ Brummte Levi. „Ich gehe nicht davon aus, dass jemand dort einen Umsturz plant.“

Vielleicht ein Bandenkrieg?“

Möglich. Es gibt einige rivalisierende Organisationen, die um die Vorherrschaft im Drogengeschäft ringen.“

Ich weiß nicht.“ Meinte Dagan. „Der Preis, den man für den Franzosen für einen Auftrag zahlen muss, würde einiges an dem Gewinn auffressen den man vielleicht erringt. Wir alle wissen, dass der Franzose teuer und seine Preise nicht verhandelbar sind.“

Dazu kommt, dass die deutschen Behörden absolut nichts zu wissen scheinen. Lerch, unser Verbindungsmann zum BND hat nichts verlauten lassen.“

Lem, sagen sie Lerch dass er eine Laus im Pelz hat.“

Tue ich. Morgen Abend hat die deutsche Botschaft einen Empfang, dann werde ich ihn zur Seite ziehen.“

Lem der den Wink verstanden hatte stand auf und ließ Dagan und Levi alleine.

Als Lem den Raum verlassen hatte, saßen die beiden Männer schweigend da. Schließlich fragte Levi,

Weiß Caroline schon was geschehen ist?“

Nein.“

Ist sie noch immer auf Soulebda?“

Ja, sie und Penelope haben jetzt ihre eigene Insel. Sie nennen sie Nr.42.“

Levi lachte kurz auf. „ Die Antwort auf alle Fragen, ich wünschte es wäre so einfach. Unsere Nachrichtenabteilung hat Hinweise auf einen bevorstehenden Aufstand der Häuptlinge der großen Nachbarinseln.“

Ich weiß und hab ihr eine Warnung zukommen lassen.“

Wieder schwiegen die beiden. Levi wusste, dass es sinnlos war, Dagan zu fragen, ob er Caroline an seiner Stelle anrufen sollte und insgeheim war froh darüber. Caroline und Krischan hatte mehr als Freundschaft verbunden.

Ich beneide dich nicht um deine Aufgabe, mein Freund.“ Benjamin legte die Hand auf Dagans Schulter und ließ ihn alleine.

Dagan saß noch eine Weile still da, dann schaute er auf die Uhr. Auf Soulebda war es jetzt 8Uhr. Eh holte sein Handy aus der Tasche und drückte die erste Kurzwahltaste.

Auf der anderen Seite der Welt, vibrierte Carolin Miles Handy. Sie sah verwundert auf das Display und nahm den Anruf an.

Hallo Lieblingsonkel.“

Guten Morgen meine kleine Michka.“

Was hält dich denn mitten in der Nacht wach? Die Warnung über den möglichen Aufstand?“

Caroline… Ich muss dir was sagen…

**

Er ist tot!

Dann eines Tages nach einem schönen Wochenende, als Penelope und ich beim Frühstück saßen kam ein herber Dämpfer.

Der Frühstückskaffee dampfte in der Tasse und versprach dass es ein guter Tag werden könnte. Am Frühstückstisch saß noch Penelope und biss genüsslich in das Frühstücksbrötchen. Ihr linker Fuß berührte meinen rechten und unsere Zehen spielten miteinander.

Doch dann summte das Handy und nur ein Name erschien im Display „Dagan“. Penelope erkannte dass es wichtig war und kauerte sich in ihren Stuhl auf ihre Füße.

Mit beiden Händen umfasste sie dabei ihre dampfende Kaffeetasse und nippte daran. Ihre Augen beobachteten mich genau als ich das Gespräch annahm „Hallo Lieblingsonkel.“

Penelope sah nach der kurzen Begrüßung und meinen Fragen wie ich jedes Wort aus dem Telefon aufsaugte, dabei hielt ich das Messer noch in meiner Hand und wollte eben Butter auftragen, als eine Träne mir aus den Augen rollte. Dann folgte nur noch ein leichtes Schniefen und „Ja Danke, … Nein – ist gut, … ja, ich hab dich auch lieb …“ danach legte ich auf.

Ich saß eine Weile starr da und machte gar nichts, keine Bewegung, nicht ein Zucker sah man mir an.

Penelope betrachtete mich analytisch, aber abwartend. Meine Knöchel mit dem Frühstücksmesser wurden weiß und mit einem lauten Aufschrei schmetterte ich das Messer auf das Dartboard an der gegenüberliegenden Tür wo es zitternd stecken blieb.

Penelope war aufgesprungen und hielt mich fest in ihren Händen, „Liebes, was ist, erzähl – bitte?“ dabei drehten wir uns und sie konnte genau sehen, dass das Messer mitten im Bulls Eye steckte.

Ich war in Penelopes Armen versunken. Im Telefonat ging es um Krischan, meinen Verlobten. Penelope kannte Krischan von den Bildern, die ich ihr gezeigt hatte. Sie schloss mich in ihre Arme und wir weinten daraufhin gemeinsam…

Nach und nach kam ich wieder zu mir und aus den Tränen der Verzweiflung wurden Tränen der Erinnerung.

Schluchzend erzählte ich ihr was mir mein Lieblingsonkel, Mentor und Förderer beim Mossad berichtet hatte, mein Verlobter, Krischan, war bei einem geheimen Einsatz brutal umgebracht worden.

Dagan kannte sogar den Mann der ihn umgebracht hatte, man kannte ihn als „den alten Franzosen“ eine Legende im Geschäft der Geheimdienste. Dieser brutale gewissenlose Killer hatte meinen Verlobten brutal abgeschlachtet. Eines war mir sofort klar, das würde der Franzose bereuen.

Woran denkst du Schatz?“ Ihre Augen suchten in mir einen Punkt, den sie früher immer gefunden hatte. „Im Moment denke ich an zwei Menschen, an Krischan und an den alten Franzosen“

Oh Caroline, dass du an Krischan denkst das verstehe ich, aber weshalb an den alten Franzosen?“

Weshalb, ganz einfach. Er hat meinen Verlobten ermordet, das lasse ich nicht ungestraft stehen, ich weiß einiges über den Mann, er gilt als Legende, geht kalt lächelnd über Leichen und würde seiner Mutter das Herz herausschneiden. Ich bin vor Jahren einmal auf seine Arbeit gestoßen sie war sauber, brutal und effektiv.“

Du willst dich aber nicht mit dem messen oder Schatz?“

Nein, aber ich weiß wohin mich meine nächste Reise führen wird, wenn ich hier fertig bin. Ich weiß wohin er will, nach Deutschland.“

Aus den Tränen der Verzweiflung und den Tränen der Erinnerung waren Tränen der Rache geworden. Wir würden uns wiedersehen.

**

Ein Orkan bricht los

Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht?“ schnauzte mich Frank an. „Hast du eine Ahnung mit wem du dich da anlegst? Ich kenne Trommer seit dem Studium. Er ist ein eiskalter Killer, der jeden aus dem Weg räumt der zwischen ihm und seinem Ziel steht.“

Wir saßen in seinem Büro und Frank hielt mir eine Standpauke über acht verletzte Polizeibeamte.

Ich will gar nicht zwischen Ihm und seinem Ziel stehen. Aber er soll mich in Ruhe lassen.“

Das kannst du knicken, er wird dich einen Kopf kürzer machen lassen.“

Glaube ich nicht. Allein schon die Tatsache, dass keiner der Polizisten eine Anzeige erstattet hat, spricht doch Bände.“

Peter, du bist dabei zu übertreiben, halt dich zurück. Tu es nicht nur in deinem eigenen Interesse. Ich werde dir den Rücken decken, aber wenn du mich in Verlegenheit bringst, werde ich dir von Decker die Haut abziehen lassen. Verstanden?“

Ich werde es mir zu Herzen nehmen.“

Die Tür wurde aufgerissen und Mike von der Presseabteilung platzte herein.

Leute, das ist der Knaller. Die Polizei hat Petra Strass wegen Mordes an Ella Fischer festgenommen! Die Nachrichten überschlagen sich.“

Jetzt bricht der Sturm los. Halt dich ja gut fest.“ Warnte mich Frank und sah mich besorgt an.

**

Frank hatte Unrecht. Es brach kein Sturm los, sondern ein Orkan.

Die Nachrichten überschlugen sich und Trommer, der sich ja durch geschickte Äußerungen seit Beates Prozess, im Gedächtnis der Öffentlichkeit gehalten hatte, erschien wieder auf den Titelseiten.

Wie schon bei Beate, ließ sich keine Zeitung Bilder der gefesselten Petra Strass entgehen.

Mit Petra Strass hatte die Republik jetzt eine neue Hassfigur.

Eine bösartige Hexe, die nicht nur einen unbescholtenen Mann dazu angestiftet hatte sein Kind zu ermorden und dabei seelenruhig zugesehen hatte, nein sie hatte durch Manipulation der Medien dafür gesorgt, dass eine Unschuldige für diese Tat hingerichtet wurde.

Und ganz nebenbei, wahrscheinlich fiel es anfangs nur mir auf, ganz nebenbei fiel der Satz, dass sie Oberstaatsanwalt Trommer dafür benutzt hatte, Beate verurteilen zu lassen.

Ich konnte es nicht fassen. Glaubten die Leute das wirklich? Glaubten wirklich Alle, dass dies der Plan von Petra Strass war? Anscheinend schon, denn Niemand stellte eine kritische Frage an Trommer.

Im Gegenteil, man präsentierte ihn als Opfer, der von der intriganten Petra Strass hintergangen wurde.

Und Trommer? Trommer schieg und gab nicht das kleinste Sterbenswörtchen von sich mit der Begründung den fairen Prozess gegen Petra Strass nicht beeinflussen zu wollen. Ich hätte darüber lachen können, würde ich nicht bis zum Hals in der Sache mit drinnen stecken.

War bei Beates Prozess das Interesse groß, war er diesmal gewaltig.

Es meldeten sich dermaßen viele Beobachter an, dass der Prozess vom Gerichtsgebäude in die Kongresshalle verlegt wurde. In Laufe der jüngeren Geschichte war das erst ein einziges Mal geschehen, was wollte Trommer mehr? Eine größere Bühne konnte er nicht bekommen, denn die Verhandlung wurde live im TV übertragen.

Allein die Tatsache, dass das Gericht nur drei Verhandlungstage angesetzt hatte, sagte, das mir dass  das Urteil schon so gut wie fest stand.

Als ich allein in meinem Büro saß und vor mich hin grübelte beschlich mich ein mieses Gefühl. Hatte ich mich übernommen? Konnte ich das wirklich durchziehen? Schaffte ich es Beate und damit auch Vera zu retten? Oder hatte ich mir den falschen Gegner ausgesucht?

Meine Grübeleien wurden unterbrochen, als Jessika herein kam.

Du machst ein Gesicht, als ob du zu deinem eigenen Termin müsstest. Termin, das war unsere Umschreibung für Hinrichtung, ein Begriff der sich im Laufe der Jahre eingebürgert hatte.

So ähnlich fühle ich mich auch. Der Showdown rückt näher und ich hab keinen Plan, wie es ausgeht.“

Wir werden gewinnen.“ Sagte Jessika selbstsicher.

Ich musste einfach lachen. Jessika schaffte es immer wieder einen aus dem Tief zu holen. Dann wurde ich wieder ernst.

Jessika, wenn die Sache schief geht und Beate stirbt, werde auch ich über die Klinge springen müssen. Vera wird dich brauchen, kümmere dich um sie.“

Was soll das Gejammer?“ fuhr sie mich an. „Glaubst du wirklich ich kenne das Risiko nicht und würde Vera allein lassen? Verdammt wenn du so an die Sache herangehst, hat Trommer schon gewonnen. Du wirst dich jetzt zusammenreißen und diesem miesen Typen zeigen, wer hier der Alpha ist! Hast du verstanden Bad-Man!?“

Oh ja das hatte ich.

Ich stand auf und setzte mich neben Jessika, die es sich auf dem Sofa, gegenüber vom Schreibtisch gemütlich gemacht hatte und nahm ihre Hand.

Du wusstest schon immer wie du mit mir umgehen musst. Ich hab dir das nie wirklich gedankt.“

Sie schaute mich durchdringend an und erwiderte den Druck meiner Hand.

Doch, das hast du. Jeden verdammten Tag, seit wir zusammen sind. Du hast mich in 20 Jahren nicht ein einziges Mal enttäuscht. Du hast mich nie angemacht oder in mir falsche Hoffnungen geweckt. Du bist meine Familie. Du, Vera und jetzt Beate. Ich lasse meine Familie nicht im Stich und das wirst du auch nicht, dafür kenne ich dich zu gut.“

Verdammt, diese Frau kannte mich besser als ich mich selbst…

Darauf kannst du dich verlassen.“

Ich weiß. Hier, du bist als Zeuge geladen.“ Jessika überreichte mir eine Ladung des Gerichtes.

Schon kam wieder ein mulmiges Gefühl. Was hatte ich mit der Sache zu tun? Da steckte mit Sicherheit Trommer dahinter.

Egal! Der Bad-Man würde es Trommer und allen anderen zeigen!

**

Gerichtstag

Ich war für den zweiten Verhandlungstag geladen. Zusammen mit Mike fuhren wir mit dem Taxi zur Kongresshalle, denn die Aussicht einen Parkplatz zu ergattern war utopisch.

Schon hundert Meter vor der Halle gab es für das Taxi kein Durchkommen mehr und wir stiegen aus. Wir drückten uns durch das Gedränge und kamen schließlich zum Eingang wo wir genauestens kontrolliert wurden.

Was für eine Show.“ Meinte Mike dazu. „Sie mal, da wird die Strass gebracht. Erinnert dich das an etwas?“

Und ob. Petra Strass wurde der Menge genauso präsentiert wie Beate bei ihrem Prozess, nur das es diesmal keine Überraschung beim Plädoyer geben würde.

In Hand und Fußschellen wurde Petra Strass durch die Leute geführt und die Beamten mussten mehrmals eingreifen um Handgreiflichkeiten gegen Petra Strass zu vermeiden.

Als die Angeklagte in den Saal gebracht wurde, schloss sich Mike der hineinströmenden Menge an, während ich wartete.

Schließlich wurde der Prozess aufgerufen und alle Beteiligten in den Saal gerufen. Dort hatte man für die Zeugen eine Bank freigehalten auf der ich neben Meyer saß.

Hallo Mister –es interessiert mich nur-.“

Na Sherlock, riesen Prozess, was?“

Ich hoffe du bist zufrieden mit dem was du da losgetreten hast.“

Kommt darauf an, was am Ende dabei herum kommt.“

Eine weitere Unterhaltung wurde unterbunden, als wir über unsere Zeugenpflicht belehrt wurden. Anschließend wurden wir nach draußen verwiesen und ermahnt keine Absprachen zu halten.

Seltsamerweise konnte ich Trommer nicht sehen. Das Überraschte, zumal Mike mir erzählt hatte, dass Tromemr schon am ersten Prozesstag nicht anwesend war.

Nach über einer Stunde wurde ich aufgerufen.

Als ich vor den Richtern Platz genommen hatte blickte ich mich um.

Ich hätte wetten können, das sowohl die Richter, als auch die beiden Staatsanwälte gute Bekannte von Trommer waren, denn alle waren im gleichen Alter wie er.

Trommers Kritiker hatten allem Anschein aufgegeben. Der Verteidiger tat mir Leid. Genau wie Beates Verteidiger hatte er von Anfang an keine Chance.

Herr Stein.“ Wurde ich durch die Stimme des Vorsitzenden wieder in die Wirklichkeit gerufen.

Herr Stein, sie sollen Hinweise bekommen haben, wonach Frau Strass am Mord von Ella Fischer beteiligt war, woher haben sie diese Hinweise und wie sehen diese Hinweise aus?“

-HHUUUII- So nicht Herr Trommer.-  Schlimm genug, dass ich in Beates Fall den Hals in der Schlinge hatte.

So kann ich das nicht bestätigen. Ich habe lediglich weitergegeben, dass Frau Fischer sagte, ich zitiere, ich hab meine Kleine nicht umgebracht,  Zitat ende.

Von einer Beteiligung von Frau Strass war nie die Rede.“

Wann hat Frau Fischer dass zu ihnen gesagt?“

In der Kammer, als sie die Injektion bekam.“

Die Augen der Staatsanwältin blitzen böse auf was der Richter bemerkte.

Sie haben Fragen, Frau Staatsanwältin?“

Nur ein paar um sicher zu gehen, dass ich Herrn Stein richtig verstanden habe.“

Bitte.“

Herr Stein, die Kammer, die sie erwähnten, ist das ihre Hinrichtungskammer?“

Ja.“
„Und die Injektion, die Frau Fischer bekam, war eine letale Injektion?“

Verdammt, bis jetzt hatte ich die Wahrheit gesagt, doch jetzt nagelte mich diese blöde Tussi fest. Hatte ihr Trommer gesteckt, was ich mit Beate getan hatte? Wusste sie das Beate noch lebte? Jetzt spielte es keine Rolle mehr, gab es kein Zurück mehr.

Ja.“

Das heißt die Worte die Beate Fischer in diesem Moment sagte, waren ihre letzten Worte?“

So ist es.“

Wann verstarb Frau Fischer?“

Mein Herz pochte bis zum Hals als ich ihr antwortete.

Am 4 März um 18Uhr12, diesen Jahres.“

Jetzt hatte ich endgültig meinen Kopf unter Guillotine gelegt. Ich wartete darauf, dass die Staatsanwältin oder der Richter die Justizwachtmeister auffordern würde mich fest zu nehmen, doch nichts geschah.

Weiter Fragen, Frau Staatsanwalt?“

Nein, danke. Aber ich möchte, dass Herr Stein vereidigt wird.“

Herr Stein sie haben es gehört, die Staatsanwaltschaft, beantragt ihre Vereidigung. Bleiben sie bei ihrer Aussage?“

Selbstverständlich.“

Ich wurde vereidigt und entlassen, da der Verteidiger keine Fragen hatte.

Immer noch mit Herzklopfen setzte ich mich in den Zuschauerraum und Meyer wurde aufgerufen.

Er zählte die die „neuen“ Erkenntnisse auf die zur Festnahme von Petra Strass geführt hatten.

Welche Verletzungen konnten sie an Ella Fischer feststellen?“

Eine massive Quetschung am Hals, die zum Atemstillstand geführt hatte.“

Hätte Frau Fischer, diese Verletzungen hervorrufen können?“

Eher Unwahrscheinlich. Dazu waren die Verletzungen zu massiv.“

Wer der drei Anwesenden kommt ihrer Einschätzung in Frage?“

Herr Fischer.“

Frau Strass sagte aus, dass Herr Fischer die ganze Zeit mit ihr zusammen war, also müsste Frau Strass den Mord mitbekommen haben?“

Das wäre logisch.“

Frau Strass sagte auch, dass Frau Fischer ihre Tochter erwürg hat.“

Das halte ich, auf Grund der Beweise, für eine Lüge.“

Bitte erklären sie das.“

Laut der Aussage von Frau Strass kniete ihr Mann Am Boden und kümmerte sich um seine Tochter, als er von Beate Fischer mit dem Messer Attackiert wurde.

Der untersuchende Pathologe hat aber festgestellt, dass die massivsten Einstiche in den Körper, von Herrn Fischer im Bauch und Brustbereich liegen. Frau Fischer hätte also um die Arme von Herrn Fischer herumgreifen müssen um diese Verletzungen hervorzurufen.

Wir haben das versucht nachzustellen, kamen aber zu dem Entschluss, dass Herr Fischer direkt vor Frau Fischer gestanden haben muss, als Frau Fischer auf ihn einstach.“

Das heißt also, dass die Aussagen die Frau Strass gemacht hatte, alle unwahr sind?“

Zu diesem Ergebnis sind alle Ermittler gekommen.“

Fragen Frau Staatsanwalt?“

Nein Danke.“

Herr Verteidiger?“

Warum wurden diese Ergebnisse nicht schon im Prozess gegen Frau Fischer vorgetragen?“

Durch die Manipulation der Staatsanwaltschaft sowie der Ermittler, seitens Frau Strass gab es zum damaligen Zeitpunkt keine Zweifel an ihrer Aussage, erst als DNA Spuren von Frau Strass an der Leiche von Ella Fischer gefunden wurden, gab es erste Zweifel.“

Wie sind sie dazu gekommen, die Leiche von Ella Fischer erneut zu Untersuchen?“

Durch die Aussage von Herrn Stein, der mir die letzten Worte von Frau Fischer mitteilte. Ich nahm das zum Anlass erneut zu ermitteln.“

Welche Rolle spielte Oberstaatsanwalt Trommer bei den Ermittlungen.“

Als er davon erfuhr, bat er mich auch gegen seine Person zu ermitteln und allen Hinweisen ungeachtet seiner Person nachzugehen.“

OOOHHH Meyer, jetzt hängst du genauso drinnen wie ich!

Damit war der einzige Hebel für den Verteidiger,  seiner Mandantin zu helfen abgebrochen.

Mit zusammengebissenen Zähnen verzichtete er auf weitere Fragen.

Das Gericht vertagte sich auf Nachmittags und ich schob mich durch das Gedränge nach draußen. Für mich stand fest, dass Petra Strass in Kürze in meinen Trakt eingeliefert wird.

**

Der große Knall kam an Tag bevor das Urteil über Petra Strass gefällt wurde.

Ich arbeitete den immer größer werdenden Aktenstapel ab, als das Telefon klingelte. Es war Mike.

Schalt mal den Fernseher ein. Du wirst sehen was ich meine.“

Mit der Fernbedienung schaltete ich den Fernseher an und musst nicht lange suchen. Auf fast allen Nachrichtenkanälen lief dasselbe. Ein Interview mit Trommer.

Herr Oberstaatsanwalt, sie haben beschlossen ihre Kandidatur für den Posten als Generalstaatsanwalt zurückzuziehen. Bitte erklären sie doch den Zuschauern diesen drastischen Schritt.“

Frage die Journalistin, deren Gesicht ich schon gesehen hatte, aber ich konnte mich nicht an ihren Namen erinnern.

Sie sah klasse aus, schien aber ein eiskaltes Inneres zu haben.

Nun Fransiska, ich schäme mich das zu sagen, aber durch die Manipulation meiner Person, wurde eine Unschuldige Frau hingerichtet. Das ist ein nicht wiedergutzumachendes Unrecht.“

Nun ist doch so, dass sie diese Manipulation nicht selbst vorgenommen haben.“

Nein, das nicht, doch dadurch, dass ich mit Frau Strass nach dem Prozess eine Beziehung eingegangen bin, habe ich einen schlimmen Fehler begangen.“

Was denken sie, wie der Prozess gegen Frau Strass enden wird?“

Dazu möchte ich nichts sagen, um keinen Einfluss auf das Urteil zu nehmen.“

Ich hätte lachen können, wäre die Lage nicht so ernst.“ Keinen Einfluss nehmen… Der ganze Prozess ist auf deinem Mist gewachsen. Nein das stimmte nicht, hätte ich Beate nach seinem letzten Besuch getötet, hätte es keinen Prozess gegen Petra Strass gegeben. Wahrscheinlich wäre sie irgendwann bei einem Unfall umgekommen.

Prozessbeobachter sind sich einig, dass Petra Strass die Todesstrafe erhalten wird. Wäre dann der Weg für einen Neuanfang ihrer Bewerbung frei?“

Das Amt als Generalstaatsanwalt ist ein sehr verantwortungsvolles. Der Inhaber dieses hohen Amtes darf auf keinen Fall kompromittierbar sein. Durch mich ist eine Unschuldige ums Leben gekommen, ich kann nur versuchen zukünftige Fehler zu vermeiden.“

Aber dazu wäre doch der Posten als Generalstaatsanwalt am geeignetsten.“

Leider ja. Ich hoffe der Nachfolger unsers jetzigen Generalstaatsanwaltes, tut sein Bestes um solche Fehlurteile zu verhindern.“

Mir lief es kalt den Rücken herunter.

Scheiße, ich hatte Trommer von Anfang an unterschätzt!

Dieser Auftritt würde in die Geschichte eingehen. Trommer verzichtete auf überhaupt Nichts! Dieses Interview schoss ihn nach oben. Nichts kommt bei den Menschen besser an als ein öffentlich eingestandener Fehler. So sicherte sich Trommer die Liebe und Achtung der Massen und erhöhte so den politischen Druck auf die Regierung ihn doch zu nominieren.

Aber das war erst der Anfang. Trommer ging es nicht um den Posten des Generals. Nein der Posten war lediglich das Sprungbrett ganz nach Oben. Als Generalstaatsanwalt konnte er sich die Unterstützung der breiten Öffentlichkeit sichern und dann als nächster Minister in die Regierung wechseln. Und dort würde Trommer sicher nicht einfacher Minister bleiben…

Und das alles konnte er tun, da ich ihm einen „persönlichen“ Gefallen getan hatte. Ich… Verdammt. Was jetzt?

Herr Oberstaatsanwalt, es gibt Stimmen, die sie dennoch als nächsten Generalstaatsanwalt wollen. Es soll sogar welche, die sagen, sie sollten unser neuer Justizminister werden. Wie stehen sie dazu?“

Nun, sich jetzt darüber Gedanken zu machen erscheint mir etwas verfrüht. Wir sollten erst einmal das Urteil von Frau Strass abwarten.“

Nun, das wird nicht allzu überraschend sein. Das war Oberstaatsanwalt Trommer, zu seinem Verzicht als Generalstaatsanwalt zu kandidieren. Ich bin Fransiska Haufberger, für ACP.“

Es folgten weiter Nachrichten aus aller Welt.

Soulebda: Auf der Südseeinsel Soulebda wurde gestern ein Aufstand mehrerer Häuptlinge niedergeschlagen. Die Revolte drang bis zum Palast vor, in dem einige Angreifer die Präsidentenfamilie selbst bedrohten.

Maßgeblich an der Niederschlagung des Aufstandes beteiligt, war eine junge…“

Ich schaltete den Fernseher aus, was geht mich die Südsee an? Mein Problem saß gerade 100 Meter entfernt in Veras Wohnung!

Ein nichtwiedergutzumachendes Unrecht!!! Das war der Zaubersatz seines Auftritts. Gleichzeitig war es eine Warnung an mich. Auch wenn nur ich sie verstand.

Ein Blick auf den Kalender zeigte mir den Tag für das große Finale. Genau heute in einer Woche würde Beate Fischer sterben.

**

Angriff

In der großen Dienstvilla nahe Langley, Virginia, tobte ein älterer Mann mit grauem Haar durch die Wohnung. Gefolgt von seiner Frau die ein paar Bilder in den Händen hielt und damit immer wieder auf ihren Mann einschlug.

Das ist die Schlampe, das ist die Schlampe, wir haben sie gefunden, das ist die Schlampe du musst die endlich umbringen lassen, die hat unsere Söhne auf dem Gewissen!“ Brüllte sie ihrem Mann nach.

John Allister Mc. Froody der III., CIA Vize Direktor und kurz vor dem Ruhestand, hat Tränen in den Augen, nicht wegen den Schläge seiner Frau, sondern weil ihm seine beiden einzigen Söhne vor einigen Jahren von dieser rothaarigen Frau auf dem Bild genommen wurden.

Er schaute auf die Bilder in seinen Händen, es zeigt eine lächelnde Frau der es offenbar gut ging, sie war von jungen Menschen umgeben, tanzte, lachte und freute sich des Lebens – während die toten Körper seiner beiden Söhne in der Erde langsam verrotten.

Sein Hass wurde krankhaft. Er zerknüllte das Bild und warf es mit einem lauten Schrei in den brennenden Kamin.

Diese Henkerin muss dran glauben, ja die wird leiden. Liebste Irina, ich werde die leiden lassen wie kein anderer Mensch zuvor gelitten hat. Das schwöre ich dir.

Wo habt ihr die Schlampe ausfindig gemacht?“

Auf Soulebda, dieser Urlaubsinsel da in der Südsee, wo wir schon zweimal hinwollten, dort arbeitet die da im Strafvollzug. Ich fliege Montag wieder hin, gib mir ein paar deiner CIA Killer mit, ihr habt doch sowas…?“

Mc. Froody schaut seine Frau eindringlich an.

Nein Irina, so geht das nun doch nicht. Flieg ruhig nach Soulebda und melde dich von dort unten, dann sind meine Leute schnell bei dir und dann wird diese elendige Schlampe leiden und keiner soll sie vermissen, ja Schatz und nun pack!“

Mit dem blanken Hass im Gesicht packte die Frau ihre Reiseutensilien und flog in die Nacht hinein. Am kommenden Tag würde sie in Soulebda landen und dann würde sie sehen wie es weiter geht. Mc. Froody aber griff sich das Telefon und begann die entsprechenden Fäden zu ziehen.

**

Das Urteil

Petra Strass zum Tode verurteilt!“ stand es auf den Titelblättern der ganzen Republik.

-Als ob das eine Überraschung wäre.- dachte ich.

Auf den Stuhl mit ihr!“ lautete die Schlagzeile einer beliebten Tageszeitung.

Selbst eher zurückhaltende Zeitungen verdammten Petras Strass, als die größte Hexe der neueren Geschichte.

Am dritten und letzten Prozesstag hatten die Richter gerade einmal drei Stunden gebraucht um sich zu beraten.

Nachdem die Zeugen alle ausgesagt hatten, gab es nichts mehr, was Petra Strass hätte retten können. Ihr Verteidiger, einer der Besten und teuersten, hatte alle Prozessteilnehmer überrascht.

Entgegen allen Erwartungen, hatte er sich wirklich ins Zeug gelegt und alles versucht das drohende Todesurteil abzuwenden. Doch obwohl er alle Register gezogen hatte, das Urteil lautete genauso, wie es alle erwartet hatten.

Clever war die Argumentation der Staatsanwältin. Sowohl in ihrem Plädoyer als auch in der Urteilsbegründung des Gerichtes, tauchte nirgendwo „die schon hingerichtete Beate Fischer auf.“

Mike hatte mir von Tumultartigen Szenen erzählt, als das Urteil verkündet wurde. Mehrere Dutzend Beamte waren nötig um Petra Strass sicher aus der Kongresshalle herauszubringen.

Als ich die Bilder im Fernseher sah, bekam ich ein schlechtes Gewissen. Sicher, diese Frau hatte einen Familienvater angestiftet sein Kind umzubringen, sie hatte schweigend zugesehen, wie Beate zu Unrecht verurteilt wurde und doch tat sie mir in diesem Moment leid.

Jetzt wurde Petra Strass genauso benutzt, wie Beate. Sie wurde vorgeführt und gedemütigt, nur damit Trommer die Leiter nach oben klettern konnte. Das Unrecht das ihr auf diese Weise zukam, hatte sie genau so wenig verdient wie Beate.

Sie tut dir Leid, oder?“  Jessika war in mein Büro gekommen und schaute sich die Bilder an.

Nein, wie kommst du darauf!“

Du bist ein miserabler Lügner. Dir wäre es am liebsten gewesen, sie hätte gestanden und wäre still und leise in die Kammer gebracht worden.“

Hab ich dir schon mal gesagt, dass du mich viel zu gut kennst?“

Nein, aber ich weiß wie du tickst. Und das du so tickst, macht dich umso besser.“

Bin ich besser als Trommer? Das war mein Werk.“ Ich zeigte auf den Bildschirm, auf dem Petra Strass in den Gefängnisbus gebracht wurde.

Sie hat vielleicht nicht diese Behandlung verdient, doch das was sie hier erwartet schon. Und jetzt zu unserem Plan…“

**

An diesem Abend herrschte keine Hochstimmung oder Jubel. Im Gegenteil, wir drei saßen still und leise zusammen und hielten uns fest.

Beates grüne Augen sagen alles. Hätte sie die Möglichkeit alles ungeschehen zu machen, und wäre es zum Preis ihres Lebens, sie würde es tun!

Am nächsten Morgen fuhr ich die abgedeckte Leiche der Malinowski in den Flur. Dort standen Hannes, Bernd und Johann und warteten.

Durch die Schussverletzungen in den Knien, konnte sie nicht selber in die Kammer gehen. Auf eine Stahlliege gefesselt fuhr Hannes die Liege in die Kammer und die Malinowski bekam von Vera den Zugang für die letale Injektion gelegt.

Obwohl es wiederholt Probleme mit ihr gegeben hatte, entschlossen sich Hannes, Johann und Bernd nicht wie sonst draußen zu warten, sondern blieben bei ihr. Selbst diese sonst so abgebrühten Männer, wollten nicht dass die Malinowski in diesem Moment alleine war.

Erst als die Anzeige der Überwachungsgeräte nur noch eine Nulllinie zeigte, sagte Hannes dass sie jetzt draußen warten würden.

Nach einer halben Stunde fuhr ich dann die Leiche abgedeckt in den Flur und Hannes begleitete mich bis zum Wagen des Bestatters.

Du hast einen Scheißjob.“ Meinte er als die Bestatter mit erheblicher Mühe die schwere Leiche der Malinowski einluden. „Ich würde nicht mit dir tauschen wollen. Nicht mal für die da.“

Hannes zeigte auf den Gefängnisbus aus dem gerade Petra Strass ausgeladen und zur Aufnahmekammer gebracht wurde.

Frank hatte in einem Rundschreiben, im Voraus, allen für die korrekte Behandlung von Petra Strass gedankt und alle hielten sich daran,  denn Frank war ein super Chef, der keine Probleme hatte, sich auch für die Putzfrau, mit dem Ministerium anzulegen, doch wehe er war angepisst, dann sollte man sich seinen Zorn besser nicht zuziehen.

Aber es gab eine Ausnahme und die wartete schon sehnsüchtig auf Petra Strass.

Ein Team von drei Beamten brachte Petra Strass in die Untersuchungszelle der Krankenstation. Und dort wartete Vera!

Ich war der Prozession in einigem Abstand gefolgt und sah das teuflische Aufblitzen in Veras Augen, als die Beamten die Strass in die Zelle brachten.

Bevor Vera ebenfalls in die Zelle ging, fing ich sie ab.

Halt dich zurück. Wir können keinen Ärger gebrauchen. Wenn Frank Wind von unsrem kleinen Geheimnis bekommt, geht eine Atombombe hoch.“

Keine Sorge, mein Schatz. Ich werde es genau nach Vorschrift machen. Und glaub mir, Dienstvorschriften können toll sein, wenn man sie kennt.“

Sie zog sich demonstrativ einen Gummihandschuh über und ließ das untere Ende gegen ihr Handgelenk schnappen. „Ich liebe diesen Job!“

Ich hoffte innständig, dass Vera sich im Griff hatte und ging zurück ins Büro, um die Akte Malinowski endgültig zu schließen.

Vera betrat die Zelle und musterte die Strass. Beinahe freundlich lächelnd sah sie die drei Beamten an, die Petra Strass hergebracht hatten.

Vielen Dank, Wenn eine Beamtin, nur für alle Fälle, draußen warten könnte, wäre ich ihnen dankbar. Wir wollen die Untersuchung nicht unangenehmer machen, als es sein muss.“

Ich werde draußen warten.“ Sagte eine der Beamtinnen und alle verließen den Raum. Vera wartete geduldig bis die drei die Zelle verlassen hatten und schloss dann die Tür ab.

Mehr Privatsphäre kann ich ihnen leider nicht bieten, Frau Strass. Ich muss eine medizinische Untersuchung  bei ihnen durchführen, bitte legen sie ihre Kleider ab.“

Ich hatte schon damit gerechnet, dass man mir die Kleider vom Leib reißt.“

Aber nein, wir sind doch alle erwachsene Menschen.“

Glauben sie mir, da hab ich in den letzten Tagen, ganz andere Sachen erlebt.“

Ja, das kann ich mir vorstellen.“

Vera hatte sich zum Waschbecken gedreht und sah im Spiegel zu, wie Petra Strass ihre Kleider auszog.

Hätte die Strass sich umgedreht und Veras Augen gesehen, wäre sie sicher nicht so ruhig geblieben.

Vera hatte ihre Tasche genommen und legte sich ihre Utensilien bereit, unter anderem Handschellen und mehrere volle Klistiere.

Können wir es nun hinter uns bringen?“ fragte die Strass und stellte sich nackt vor Vera.

Sicher, wir sind auch ganz schnell fertig. Das heißt, normalerweise. Aber leider gibt es ein Problem.“

Ein Problem?“

Ja, du hast die Kleine meiner Beate auf dem Gewissen.“

Deiner Beate?“ fragte die Strass ungläubig.

Ja, MEINER Beate. Willkommen in der Hölle.“

**

Mit einem sehr befriedigenden Gesichtsausdruck saß Vera drei Stunden später in ihrer Wohnung.

Es lief genau nach Vorschrift.“ Sagte sie nur, doch ihre Augen leuchteten noch immer.

Ich will dabei sein!“ sagte Beate unvermittelt.

Ich musste erst gar nicht fragen was sie meinte. „NEIN!“

Ich hab alle Anordnungen befolg, was immer du gesagt hast, ich hab es getan, jetzt will ich auch etwas. Ich will der Mörderin meiner Tochter ins Gesicht sehen, wenn sie stirbt!“

Wie stellst du dir das vor? Petra Strass wird öffentlich hingerichtet. Da werden über 100 Leute kommen. Du bist tot, schon vergessen?“

Beates Augen wurden hart und erbarmungslos. Ich konnte die Bestie in ihr erkennen, die sich anschickte hervorzubrechen und nur mit Mühe von Beate zurückgedrängt wurde. Das war etwas, dass ich unbedingt unter Kontrolle bringen musste.

Peter.“ Vera sah mich an.

Du hattest heute schon deinen Spaß, übertreib es nicht.“

Bitte, denk noch einmal darüber nach. Du findest bestimmt eine Lösung.“

Ich dachte tatsächlich darüber nach. Doch ich beriet mich nicht mit Vera oder Beate, sondern mit Jessika und Randy und beide waren derselben Meinung…

**

Vera, sonst selbstsicher und gelassen, saß schweigend neben mir und ließ den Anschiss, den Frank uns verpasste, still über sich ergehen.

VORSCHRIFTEN?! Gerade ihr Beide scheißt auf Vorschriften, wenn sie euch nicht in den Kram passen.“ Brüllte er uns an.

Ich werde das nur ein einziges Mal sagen: Wagt es NIE WIEDER mich so in Verlegenheit zu bringen, sonst lasse ich euch von Decker die Haut abziehen und anschließend werde ich euch feuern!

Ihr werdet die Strass, bis sie im Leichenwagen liegt, mit Anstand und Respekt behandeln. Das gleich gilt für jeden weiteren Insassen! Habe ich mich klar und unmissverständlich ausgedrückt?“

Frank taxierte erst Vera scharf. „Frau Müller?!“

Klar und deutlich.“

Dann blickte er zu mir.

JA.“

Verschwindet, bevor ich euch sofort rauswerfe!“

Wir standen auf und gingen zur Tür, als Vera sich umdrehte.

Frank es tut mir leid. Ganz ehrlich. Ich… Nie wieder. Versprochen.“

Frank sah uns kalt an.

Der Satz hat euch gerade den Arsch gerettet. Merkt euch eines: Ich weiß was in diesen Mauern geschieht.“

-Oh nein, weißt du nicht, sonst würdest du durchdrehen.- dachte ich, hütete mich aber davor auch nur das Gesicht zu verziehen.

Raus jetzt!“

Draußen wurde Vera richtig blass.

Das wäre fast ins Auge gegangen.“ Brummte ich.

Tut mir leid, ich hätte auf dich hören sollen, aber als ich die Gelegenheit hatte… da verdammt.“

Statt Vera Vorwürfe zu machen wurde mir wieder bewusst, warum ich Vera nicht in meinen Rettungsplan einweihte. Auch wenn es mir noch so schwer fiel, ich musste Vera im entschiedenen Augenblick loswerden.

Als wir an meinem Büro vorbeikamen, verabschiedete sich Vera von mir, da sie zum Dienst musste.

Tut mir wirklich leid.“ Sagte sie nochmal geknickt und ging mit gesenktem Blick zur Krankenstation.

Jessika wartete schon mit wütendem Blick auf mich.

Was habt ihr euch dabei gedacht?“ fuhr sie mich an.

Sorry, ich hätte sie stoppen sollen.“

Ja verdammt, das hättest du!“

Thekla hatte schon eure fristlosen Suspendierungen zur Unterschrift. Was hättet ihr dann getan? Beate im Koffer mitgenommen?

Verdammt, ich gebe mir hier alle Mühe und ihr versaut es beinahe!“

Die Sache gerät allmählich außer Kontrolle. Wir müssen es zu Ende bringen.“

Das kannst du bald. Die Hinrichtung der Strass ist in vier Tagen. Das heißt, Beate wird in fünf Tagen sterben.“

**

Seit zwei Tagen saß Petra Strass nun in der Todeszelle und Franks Anschiss war nicht geheim geblieben. So korrekt wie Petra Strass wurde nie wieder ein Insasse behandelt.

Nach dem Anschiss von Jessika hatte sie mir eine Idee präsentiert, wie wir Vera im richtigen Augenblick ablenken konnten. Der Teil des Planes war etwas heikel, denn ich brauchte Hilfe einer Frau. Nicht irgendeiner Frau, sondern eine Todeskandidatin.

Jessika hatte Tagelang die Akten unserer Kandidatinnen studiert, sie noch einmal gelesen und dann ein drittes Mal durchgearbeitet.

Wenn, dann ist sie unsere einzige Hoffnung.“ Sagte Jessika.

Sie, das war die Gefangene in Zelle 12, Susanne Feites. Susanne hatte ihren Mann umgebracht. Angeblich hatte es wiederholt Handgreiflichkeiten Seitens des Mannes gegeben, und als diese Eskalierten warf sie ihn kurzerhand die Treppe herunter.

Er brach sich einige Knochen und verstarb als die Notärzte ihn aus dem Geländer schnitten.

Susannes Problem war, dass er den Notärzten noch eine ganz andere Geschichte auftischt, bevor er das Zeitliche segnete. Ermittelt wurde nur oberflächlich und das Todesurteil war umstritten, dennoch scheiterte Feites Anwalt mit der Berufung.

Die letzte Chance von Susanne war ein Gnadengesuch, etwas das sehr selten Erfolg hatte. Doch hier kam der Punkt der Susanne interessant machte. Trommer hatte, als Vertretung des eigentlich zuständigen Staatsanwaltes, die Sache bearbeitet. Trommer bot sich also erneut die Chance sich ein weiteres Mal beim Volk beliebt zu machen.

Man musste Tommer eben nur mit der Nase darauf stoßen.

Ich wartete bis abends alle Häftlinge in ihren Zellen waren und Deckers Mannschaft sich für die Nachtschicht bereit machte, dann ging zur Zelle von Susanne.

Die saß am Tisch und las in einem Buch, als ich die Tür aufschloss und eintrat.

Susanne sprang wie von einer Tarantel gestochen auf und wich in die Ecke ihrer Zelle zurück.

Das war wohl eine natürliche Reaktion einer Todeskandidatin, deren Henker ihre Zelle betrat und so hob ich beschwichtigend die Hände. -Wenigstens schreit sie nicht.- dachte ich.

Was willst du?“ zischte sie.

Reden. Darf ich?“ ich zeigte auf den Stuhl.

Wiederstrebend und misstrauisch sah sie zu, wie ich mir den Stuhl nahm und mich gegenüber vom Bett hinsetzte.

Bitte setz dich.“

Langsam und mich nicht aus den Augenlassend kam sie der Aufforderung nach.

Was willst du von mir?“ fragte Susanne mich erneut.

Ich will dir einen Handel vorschlagen.“

Ich hab gehört, welche Händel du den Frauen anbietest. Wenn sie dir einen Blasen, geht es schneller. Versuch es und ich beiß ihn dir ab!“

Ich war so verdutzt, dass ich tatsächlich lachte.

Was? Wer erzählt so einen Scheiß?“

Scheiß? Oder ist es Scheiße dass sich es weiß?“

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, ja ich hatte schon sexuellen Kontakt mit gefangenen Frauen, aber der war immer einvernehmlich. Ich hab es nicht nötig mir mit Gewalt zu nehmen was ich will. Aber egal. Nein, ich will etwas ganz andres von dir.“

Immer noch misstrauisch aber auch verwirrt sah sie mich an. Mir wurde klar, dass Susanne ein Glückstreffer war. Diese Frau hatte beschlossen, nie wieder Opfer zu sein und würde mitspielen.

Also, welchen Handel, kann ein Henker seiner Todeskandidatin vorschlagen, wenn es nicht um Sex geht?“

Eine 50-50 Chance hier lebend raus zu kommen.“

**

Penelope

Es war aber erst einmal wieder Ruhe auf Soulebda eingekehrt und mein fünftes Jahr begann.

Von den beiden aufständischen Häuptlingen war der Anführer umgekommen und der zweite Häuptling wurde seinem Stamm übergeben, sie bestraften ihn auf ihre Art und Weise, kurz danach wurde ein neuer Häuptling gewählt, der keinen aufständischen Gedanken nachhing.

Bald würde Penelope die Insel verlassen um in England weiter zu studieren. Bei einigen Festen mit der Bevölkerung sah ich auch erstmals einige der altehrwürdigen Häuptlinge der Stammeskrieger.

Über diese Krieger erzählten sich die alten Bewohner schier unglaubliche Geschichten. Ich spürte lediglich eine besondere Kraft die von ihnen ausging, sie waren einzigartige, kluge Menschen, die im Einklang mit der Natur lebten. Damals begann ich mich mehr mit diesen Stammeskriegern zu beschäftigen, es waren außergewöhnliche Menschen.

Der Abschied von Penelope tat weh. Sie schrieb mir regelmäßig von ihrem Fortschritt an der Universität. Das Leben auf Soulebda aber ging weiter.

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Bonjour

Die Unterkunft ist miserabel. Sogar in Ägypten hatten wir ein besseres Quartier, mon Colonel.“

Sergeant Dunant setzte sich missmutig zu seinem Anführer und goss sich ein Glas Rotwein ein. „Wenigsten bekommen wir hier anständigen Wein und nicht dieses Gesöff…“

Sobald unsere Kameraden alle hier im Land sind, werden wir in eine bessere Unterkunft umziehen. Sie werden morgen mit drei Männern ausschwärmen und uns ein geeignetes Quartier suchen.

Ich will eine gut zu verteidigende und abgelegene Unterkunft, die schnell von der Stadt zu erreichen ist.“

Qui mon Colonel. Haben sie denn schon gehört welchen Auftrag wir hier haben?“

Nein, ich werde mich morgen mit unserem Auftraggeber treffen. Allerdings glaube ich kaum, dass es sich um einen Kampfauftrag handelt.“

SSMM SSMM SSMMM

Der Sergeant holte sein Handy aus der Tasche und schaute auf das Display.

Leutnant Gilles und seine Männer sind über die Grenze gekommen und auf dem Weg hier her.“

Gut, dann fehlen noch Leutnant Suviér und Sergeant Muellèn.

Glauben sie das die Israelis ihren Mann schon gefunden haben?“

Mit Sicherheit haben sie das. Der nahe Osten wird für uns die nächste Zeit ein sehr heißes Pflaster sein, das wir meiden sollten.

Wir müssen bei der Auswahl neuer Soldaten genauer arbeiten. So eine Merde darf nie wieder geschehen.“

Der Agent wurde uns von General la Grande empfohlen. Wir haben uns zu sehr auf sein Urteil verlassen.“

Wenn dieser Auftrag hier ausgeführt ist, wird es Zeit dass der General aus gesundheitlichen Gründen in Ruhestand geht.“

Was der alte Franzose damit meinte war klar. Es wurde Zeit für eine Beförderung.

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Zwei Tage später hatten Sergeant Dunants Männer ein scheinbar geeignetes Objekt ausgemacht.

Ein ehemaliges Lagerhaus eines Jagdpächters welches man, mit viel Liebe zum Detail, zu einem schönen Wohnhaus umgebaut hatte.

Die Bewohner, ein älteres Ehepaar hatte anscheinend  wenig Kontakt zur Außenwelt und lebte sehr zurückgezogen.

Wichtiger aber war, dass das Haus mehr als 1000 Meter abseits der nächsten Straße, mitten auf eine Waldlichtung lag, die mit halbhohen Sträuchern bewachsen war.

Ein ideales Versteck! Verborgen durch den Wald, aber durch die Lichtung gut zu verteidigen.

Sie scheinen einkaufen zu gehen.“ Flüsterte einer von Dunants Männern.

Tatsächlich belud der Mann den Wagen vor der Tür mit Getränkekisten und die Frau kam mit einem Korb aus der Tür. Beide stiegen in den Wagen ein und fuhren über den Weg in Richtung Straße.

Gut ich melde dem Colonel, dass wir ein Quartier gefunden haben. Wir warten bis sie zurückkommen und erledigen sie draußen. Ich will keine Sauerei im Haus, verstanden?“

Dunant wartete bis der Wagen an ihnen vorbeigefahren war, dann gingen sie zu dem Haus und suchten sich eine geeignete Position um die Hausbewohner abzufangen.

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Hinrichtungstag

Die Kontrollen waren streng.

In der Kammer hatten gerade einmal 30 Zuschauer Platz. Natürlich hatten jede Zeitung, jeder Nachrichtensender und jedes Magazin einen Beobachter angemeldet der Petras Strass Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl beobachten sollte.

Da Beate keine nahen Verwandten hatte wurden 20 Plätze im Losverfahren vergeben. Trommer und die Staatsanwaltschaft, waren mit 4 Personen vertreten, ein Platz bekam Strass  Verteidiger, der Rest wurde vom Ministerium und dem Gericht belegt.

Vor dem Gefängnis hatten sich zwei Gruppen gebildet, eine die gegen die Hinrichtung protestierten und mit gerade einmal mit 10 Teilnehmern deutlich in der Minderheit waren, gegenüber den Hunderten die ein Straßenfest aus der Hinrichtung von Petra Strass machten.

Ein Blick aus meinem Fenster ließ wieder den Blutdruck steigen. Am liebsten hätte ich Decker gefragt, ob er nicht ein oder zwei Tränengasgranaten in die johlende Menge schießen könnte, so kotzte mich das ganze an.

Kaum vom Fenster abgewandt hatte ich schon wieder andere Sorgen.

Ich hatte Beate nach langem hin und her versprochen, dass sie bei der Hinrichtung dabei sein durfte.

Da alle Plätze reserviert waren musste sie als Personal des Gefängnisses dabei sein. Glücklicherweise hatte Frank auf seinen Platz verzichtet und würde dem Spektakel fern bleiben. Als Sicherheitsbeamtin konnte Beate allerdings auch nicht mitkommen. Decker hätte sofort den Braten gerochen und wir wären aufgeflogen.

Blieb nur die Möglichkeit Beate als Begleiterin von Vera in ihrer Funktion als Medizinerin in die Kammer zu lassen. Also wurde aus Beate, Frau Weber, eine der beiden neuen Assistenzärztinnen. Mit einem weißen Kittel, die Haare unter eine Mütze versteckt und mit Stethoskop ausgestattet, betrat sie mit Vera die Kammer.

Da Kameras verboten waren, alle Handys eingezogen und jeder einzelne Besucher von Decker höchstpersönlich durchsucht wurde, konnte auch niemand von Beate ein Bild mache, dass sie vielleicht verraten hätte.

Die Aufmerksamkeit würde sich sowieso ausschließlich um Petra Strass drehen. Keiner interessierte sich für Beate, oder Vera. Einzig ich als Henker stand noch in Fokus der Beobachter.

Einer beobachtete mich sogar ganz genau. Trommer fixierte mich mit seinem Blick und ausnahmsweise war ich darüber sehr froh, denn solange er mich anschaute, sah er nicht nach Beate.

Die hatte sich mit Vera in eine Ecke verzogen und wartete auf das Eintreffen von Petra Strass.

Genau 18 Minuten vor der angesetzten Exekutionszeit wurde Petra Strass von Hannes und Johann in die Kammer gebracht.

Petra Strass hatte demonstrativ auf eine Augenbinde verzichtet und Hannes hatte ihr auch keine Fesseln angelegt. Petra Strass wollte allen zeigen, dass sie aufrecht und furchtlos war und für uns alle lediglich Verachtung empfand.

Frank hatte Hannes grünes Licht gegeben und so schritt sie ohne Handschellen oder Fesseln zu ihrem Rendezvous mit dem Tod.

Ihre kalten, blauen Augen wanderten durch die Kammer über die anwesenden Zuschauer und blieben auf Trommer hängen. Tiefer Hass wurde sichtbar, doch die Strass widerstand der Versuchung Trommer zu beschimpfen oder ihn anzuspucken.

Sie warf ihren Kopf voller Stolz in den Nacken und ging zielstrebig auf den elektrischen Stuhl zu.

Hannes und Johann waren zurückgeblieben und so marschierte die Strass ohne Begleitung durch die Kammer, wo sie sich auf den elektrischen Stuhl setzte.

Kaum hatte sie Platz genommen, trat ich zu ihr und begann die schweren Lederriemen um ihren Körper zu legen. Methodisch begann ich bei den Armen, den Beinen und dem Körper.

Dann befestigte ich die Elektrode an ihrem rechten Bein.

Bevor ich ihr die Kapuze mit der Kopfelektrode überzog bekam Petra Strass noch einmal das Urteil verlesen.

Haben sie noch ein letztes Wort?“ lautete die Frage an die Strass. Stifte wurden gezückt und alles lauschte.

Fahrt zu Hölle!“

Das war so ziemlich das was ich und jeder andere im Raum erwartet hatte.

Ich trat wieder zu Petra Strass und zog ihr die Lederhaube über, verschloss den Kinnriemen und schloss die Kopfelektrode an. Schließlich musste ich nur noch die Augenklappe herunterziehen, als ich in den Augenwinkeln eine Bewegung sah.

Ich drehte den Kopf und sah Beate, die bis jetzt still und ruhig am anderen Ende der Kammer, im Rücken der Zuschauer gestanden hatte, auf mich zukommen.

Mein Herz hämmerte in dieser Sekunde wahrscheinlich schneller als das der Strass.

Seelenruhig schritt Beate auf uns zu. In der Hand hielt sie eine Überwachungssonde, welche Delinquenten aufgeklebt werden, um die Herzschläge zu überwachen.

Beate stellte sich direkt vor die Strass und öffnete die ersten Knöpfe deren Bluse. Als sie die Elektrode unter die Bluse schob, waren ihre smaragdgrünen Augen direkt vor den blauen Augen der Strass.

Erkennst du mich?“ flüsterte sie so leise, dass nur die Strass und ich es hörten.

Die Augen der Strass blieben fragend und Beate half nach.

Du Miststück hast meine Tochter auf dem Gewissen.“

Da erkannte Petra Strass wer vor ihr stand und begann an den Fesseln zu zerren.

HHHMMMUUMMM“

Durch den Kinnriemen konnte sie nicht mehr sprechen und die Fesseln hielten sie erbarmungslos fest in Stuhl.

Die einzige die heute zur Hölle fährt, bist du. Ich hoffe du schmorst dort für alle Zeiten.“

Bis jetzt war noch niemand auf uns aufmerksam geworden und ich sah Beate warnend an. –Übertreib es nicht!-

Beate trat zurück und holte aus der Tasche ihres Kittels ein Tablet hervor, mit dem sie die Herzfrequenz von Petra Strass aufrief. Damit stellte sie sich seitlich neben den elektrischen Stuhl und wartete.

Ich schloss die Stromversorgung an, entfernte den Sicherungsstift und wartete.

Noch immer riss die Strass an ihren Fesseln, was von den Zuschauern als Angst und Panik gewertet wurde, in Wirklichkeit aber der Versuch war, an Beate heranzukommen.

Schließlich bekam ich das Zeichen, das Urteil zu vollstrecken und legte den Hebel des elektrischen Stuhls um.

Der Strom schoss durch den Körper von Petra Strass sie bäumte sich in den Fesseln auf und zuckte wild darin.

Beate verschwendete keinen Blick auf das Tablet und blickte ausschließlich auf Petra Strass.

Erst als ich den Strom zwei Minuten später abschaltete und der Körper von der Strass zusammensackte blickte sie auf das Tablet.

Mit Befriedigung sah Beate, dass das Herz von Petra Strass noch schlug und so schaltete ich den Strom wieder an.

Wieder ließ ich den Strom  zwei Minuten durch Petra Strass fließen, bis ich ihn abstellte.

Ich war mir sicher, dass Petra Strass tot war, doch Beate, die das Tablet so hielt, dass nur sie den Bildschirm sah, schüttelte den Kopf und so musste ich, um Beates Tarnung nicht zu gefährden ein drittes Mal den Strom durch die Strass jagen.

Diesmal ließ ich den Strom ganze drei Minuten fließen und hoffte, dass Beate meinen warnenden Blick sah, doch die sah nur auf den zuckenden Körper der Strass.

Erst als ich den Strom wieder abstellte, sah sie zu mir. –Mach keine Dummheiten.-

Eine Ewigkeit stand sie regungslos da, dann nickte sie, trat zu der Strass, hörte ihr Herz mit dem Stethoskop ab und erklärte sie dann offiziell für tot.

Zufrieden standen die ersten Zuschauer auf und verließen die Kammer.

Beate machte sich wieder soweit unsichtbar wie sie konnte und verzog sich mit Vera in eine Ecke, wo sie mit versteinerter Miene Formulare auszufüllen schien.

Trommer ging als letzter, nicht ohne mir einen Bick zuzuwerfen der sagte, -mein Part ist erfüllt, jetzt bist du an der Reihe.-

Schließlich waren wir der mit Petra Strass Leiche allein.

Als Hannes als letzter die Tür hinter sich zuzog brach Beate Sekunden später laut aufschreiend zusammen.

Vera ließ alles fallen und nahm ihre Beate in den Arm.

Laut weinend brach alles aus Beate hervor, was sich in den letzten Wochen angestaut hatte. Da die Kammer schalldicht war, machte ich mir keine Sorgen, das jemand das Drama hier mitbekam, um die beiden Frauen am Boden, machte ich mir dagegen schon Sorgen.

Ich kniete mich neben die zwei und legte meine Arme um Beate und Vera, die jetzt genauso weinte wie Beate.

Zusammen lagen, saßen und knieten wir, uns gegenseitig festhaltend, auf dem Boden, während die Leiche von Petra Strass höhnisch auf uns herabsah.

**

Der Auftrag

Der alte Franzose saß gelassen in dem beliebten Straßencafé und setzte bedächtig seien Tasse ab.

Monsieur, die Gehälter meiner Mitarbeiter, sowie mein eigenes Gehalt oder die Summe, die ich für Aufwendungen berechne, sind in keinster Weise verhandelbar.

Wie sie sich sicher erinnern, habe ich ihnen schon bei unserem ersten Gespräch deutlich gesagt, dass dies kein Verhandlungspunkt ist.“

Der Auftraggeber des alten Franzosen, fixierte sein Gegenüber genau so fest, wie der alte Franzose ihn.

Ich habe nicht die Absicht zu feilschen, lediglich den Umfang ihrer Dienstleistungen möchte ich festlegen.“

Was natürlich etwas ganz anderes ist.“ Lachte der alte Franzose, und sein Auftraggeber leistete sich ein leichtes Schmunzeln.

Ich habe die erste Trance ihrer Vergütung bereits auf das von ihnen angegebene Konto überwiesen. Ich nehme an, dass wir nun zu ihren Aufgaben kommen können.“

Monsieur, sie gestatten?“ Der alte Franzose holte sein Handy heraus und loggte sich bei seiner Bank auf den Antillen ein. Dann nickte er zufrieden und steckte das Handy wieder zurück.

Sehr gerne Monsieur.“

Nun gut. Dann habe ich für sie auch schon einen ersten Auftrag.“

**

Der Tag danach

Der Tag nach Petras Strass Exekution. Beate war in ein tiefes emotionales Loch gefallen, aus dem sie alleine nicht mehr herauskam. Sie hatte ihre Rache bekommen, und fühlte nur noch eine tiefe und schwarze Leere in sich.

Vera tat alles um diese Leere auszufüllen, Beate wieder einen Sinn oder wenigstens ein bisschen Hoffnung zu geben, doch Hoffnung worauf?

Beate wusste dass sie näher am Tod stand als am Leben. Die einzige die vor dieser Tatsache die Augen verschloss war Vera. Sehr fürsorglich hatte sie sich Beate in der Nacht angenommen sie festgehalten und selbst im Schlaf schützend ihre Arme um sie gelegt.

An Schlaf war für mich in dieser Nacht nicht zu denken. Im hellen Mondlicht saß ich die ganze Nacht da und betrachtete die beiden, wie sie eng umschlungen dalagen.

Ich war mit meinen Gedanken bei etwas ganz anderem.

Jessika hatte mich vorgewarnt, dass Trommer heute um 14 Uhr hier her kommen wollte und es war klar, dass Trommer nicht zu einem Schwätzchen vorbei kam.

Nein, das große Finale hatte begonnen!!!

**

Der Überfall

Ich kam aus meiner Dienstwohnung und fuhr in meinem Kleinwagen zur Treffen mit meinen Freunden.

Wir hatten uns zum Kegelschießen draußen vor der Stadt verabredet. Dabei galt es alte Bowling Kegel von einem 25 Meter entfernt stehenden schweren Holztisch ganz herunter zu schießen, recht einfach, wenn man gut und zentral traf, aber wenn der Kegel nur umfiel, konnten er einige Kugel fressen bis er vom Tisch fiel.

Sieger war, wer in der kürzesten Zeit und mit den wenigsten Schüssen alle 10 Kegel abräumte. Ich musste meinen Rekord verteidigen und war gut im Training, aber die Jungen Schützen der Leibgarde und aus der Armee hatten auch gute Augen und es würde eng werden für mich.

Auf der Straße fiel mit die Limousine, die mich verfolgte, schnell auf, sie fuhr zu unauffällig um mir nicht ins Auge zu stechen und als vor vorne eine weitere Limousine gleichen Typs versuchte meinen Mini zu rammen, schaltete ich in den Überlebensmodus.

In dem folgenden Schusswechsel wurden die beiden Leute, in dem Wagen der mich rammen wollte, ausgeschaltet. Danach kam es zu einem energischen Schusswechsel mit dem folgenden Wagen und ich erhielt einen Streifschuss am linken Oberarm.

In dem Verfolgerwagen lagen drei Menschen, zwei Männer mit Ohrstöpsel und Anzügen sowie eine ältere Lady in guter Kleidung und einer MP5 mit Ladehemmung. Leider konnte keine Aussage mehr aufgenommen werden, dafür waren meine Treffer zu präzise.

Über Funk rief ich die Polizei.

Man zog auch aus dem anderen Wagen zwei Anzugträger mit Knopf im Ohr. Ansonsten gab es keine Ausweise oder sonst verräterisches, nur in der Handtasche der Frau einige zerknüllte Bilder von mir, die mich in der Landeshauptstadt, vor dem Gericht und vor meiner Wohnung zeigten.

Das war dann Anlass genug mein weiteres Bleiben auf der Insel zu überdenken.

Im Palast wurde der Vorfall mit mir zusammen recherchiert. Dabei wurde schnell klar dass diese Angreifer aus den USA kamen. Ich musste von der Insel verschwinden.

So beendete ich meine fünf Jahre auf der Insel, verabschiedete mich von meinen geliebten Freunden und der Präsidentenfamilie, verließ das Sonnenparadies Soulebda an Bord einer 747 mit Richtung Europa.

Noch an Bord schrieb ich meine Bewerbung auf eine ausgeschriebene Stelle in Deutschland und schickte die Unterlagen mit den üblichen Unterlagen ab. Mit meiner Sitznachbarin, einer Physikerin aus Süddeutschland, freundete ich mich rasch an und so verlief der lange Flug angenehm schnell.

**

Sie muss sterben

Vera hatte noch eine Stunde Dienst als ich den letzten Punkt meiner to do Liste betrachtete.

-Beate Fischer muss sterben-.

Mit einem Kloss im Hals ging ich zu Beate und berichtete ihr, das Trommer am Nachmittag kommen würde. Ich musste Beate nicht sagen, warum er kam, oder was sie erwarten würde. Nein, Beate Fischer wusste, dass sie an diesem Tag sterben würde und hatte sich mit dem Unvermeidlichem abgefunden.

Jetzt ist es ist also soweit.“ Stellte sie nüchtern fest. „Wir haben es auch lange genug herausgezogen. Machen wir der Sache ein Ende.“

Ja. Beenden wir es.“

Beate trat an mich heran und wir nahmen uns in den Arm.

Ich hätte nie gedacht, dass mir einmal eine Frau so nah kommen könnte. Zwar waren Vera und ich schon lange ein Paar, doch Vera ist eine völlig andere Frau als Beate. Vera war unabhängig und nicht auf meinen Schutz angewiesen.

Danke Peter. Danke für alles.“ Beate presste ihre Lippen ganz fest auf meine und küsste mich. Es war ein langer und ehrlicher Kuss, in dem alle Emotionen lagen. Liebe, Leidenschaft Hoffnung und Angst.

Ich drückte sie fest an mich, bis wir uns nach einer Ewigkeit voneinander lösten.

Ich muss noch was erledigen. Bis nachher.“

Bis später, mein Henker.“

13.30

In Veras Wohnung baute sich eine seltsame Stimmung auf. Vera war sichtlich gut gelaunt. Hin und hergehend machte sie Pläne für sich und Beate. Angefangen von ein paar neuen Möbeln bis zur ersten gemeinsamen Urlaubsreise.

Mir zerriss es beinahe das Herz, als ich Veras glückliches Gesicht sah. Dass Beate krampfhaft versuchte ebenfalls ein glückliches Gesicht zu machen wurde von Vera überhaupt nicht wahrgenommen.

Mit einem traurigen Anblick in den Augen nahm Beate  sie in den Arm.

Ja, mein Schatz, ich freue mich auf ein neues Leben mit dir.“

Unglaublich, aber Beate war die gefasstere der beiden und dass obwohl die Uhr schon 13Uhr 30 zeigte und Beate wusste, das ihr Leben in weniger als einer halben Stunde enden würde.

Um 13.45 !

Plötzlich hörten wir drei einen fürchterlichen Tumult um Flur.

Ich hörte Deckers Kommandos durch die Flure hallen und öffnete die Tür. Als ich auf den Flur trat, rannte mich beinahe Hannes über den Haufen. Direkt hinter ihm kam laut fluchend Decker.

Woher zum Teufel hat sie das Messer?!“  Fragte er Hannes.

Kein Ahnung.“ Hörte ich noch, dann waren die beiden vorbei.

Was ist da los?“ Fragte Beate. Vera schaute an mir vorbei und sah noch wie die beiden in eine der Zellen im Trakt gingen.

Ich weiß es nicht, Schatz.“

Jetzt hörten wir Absätze über den Flur hetzen und plötzlich lief  Jessika auf uns zu.

Vera, du musst sofort auf die Krankenstation! Susanne Feites aus Zelle 12 hat sich gerade die Pulsadern aufgeschnitten.“

Sofort wollte Vera loslaufen, blieb aber kurz stehen und gab Beate einen Kuss.

Bis nachher, Liebes. Schemmlein wird mich im OP brauchen.“

Geh liebes. Ich warte hier auf dich.“ Beate küsste sie noch einmal und lächelte sie an.

Vera drehte sich um und rannte in Zelle 12. An der Tür blieb sie kurz stehen und blickte mich an.

Du passt auf sie auf. Ja?“

Ja, versprochen.“

Dann war sie weg.

Kaum war Vera in Zelle 12 verschwunden, packte ich Beate und lief  mit ihr zur Kammer, in die ich sie hineinstieß.

Verwundert sah Beate,  dass Randy in der Kammer stand. Er hatte eine Tasche dabei und war genauso rot wie bei ihrer ersten Begegnung.

Du tust was er sagt! Keine Widerrede oder Diskussion. Tu es für dich, vor allem, tu es für Vera!“

Ohne Antwort abzuwarten ließ ich die beiden allein und rannte in mein Büro.

Randy mustert Beate und murmelte dann verlegen. „Äähmm, bitte ausziehen!“

Ich eilte ins Büro und hatte gerade Platz genommen, als Trommer erschien.

Er hatte denselben Blick in seinen Augen, wie den als er die Kammer verließ. Er hatte unsere Abmachung eingehalten und für mich hieß es nun, Zahltag!

Hallo Herr Stein, ich musste heute bei einer Vernehmung im TE Bereich dabei sein, und dachte, ich schau einmal bei ihnen vorbei.“

Oh, bitte, nehmen sie Platz. Schön sie zu sehen, besonders, da wir unsere Differenzen beigelegt haben.“

Trommer setzte sich und wir plauderten tatsächlich ein paar Minuten ungezwungen.

Ich habe gehört, dass der amtierende Generalstaatsanwalt, sowie der Justizminister ja, sogar der Regierungschef, sie gebeten haben ihren Verzicht, sich auf die Stelle des Generalstaatsanwaltes zurückzunehmen.“

In der Tat. Ja, das ist das Schöne an einer Demokratie. Ich beuge mich der Mehrheit.“

Dann steht ja einer weiteren Zusammenarbeit zwischen uns beiden nichts mehr im Wege.“

Nun ja, beinahe nichts.“

Ich verstehe. Ich habe mit Beate Fischer geredet. Sie weiß dass sie heute sterben muss. Dennoch wollte sie vorher die Gelegenheit nutzen, um sich bei ihnen dafür zu bedanken, dass die wahre Mörderin ihrer Tochter hingerichtet wurde.“

Ohne zu fragen, öffnete ich die Tür zum Vorzimmer und winkte Beate herein die scheinbar bei Jessika darauf gewartet hatte.

Beate trat ein. Jetzt trug sie ein elegantes Kostüm, eine weiße Bluse, die nicht zu eng an ihrem Körper lag und die passende Hose.

Freundlich lächelnd trat sie auf Trommer zu.

Der erhob sich galant und gab Beate die Hand.

Ich wollte mich bei ihnen persönlich bedanken, dass meiner Tochter Gerechtigkeit wiederfahren ist. Ich weiß, dass dieser Entschluss für sie nicht einfach war. Vielen Dank Herr Staatsanwalt.“

Frau Fischer, bitte glauben sie mir, dass ich am Schicksal ihrer Tochter großen Anteil habe. Hätte ich die Möglichkeit ihnen ihre Tochter zurückzugeben, würde ich es sofort tun. Ich hoffe sie und ihre Tochter finden nun Frieden.“

Ich werde ja bald bei ihr sein und dann werde ich sie nie mehr loslassen. Leben sie Wohl, Herr Staatsanwalt.“

Sie auch, Frau Fischer leben sie wohl.“

Beate drehte sich um und ging zur Tür.

Gerade als sie die Hand ausstreckt um die Tür zu öffnen, peitschte ein lauter Knall durch das Büro.

Die Kugel traf Beate genau zwischen die Schulterblätter. Das große Projektil schleuderte Beate nach vorne gegen die Tür, zerriss ihr Herz und ließ sie zu Boden fallen. Als Beate auf den Boden aufschlug war sie schon tot.

Eine lähmende Stille legte sich über mein Büro, während Beate auf dem Boden lag und ihre leeren Augen in die Ferne starren.

Trommer, der gerade dabei war eine weitere Kugel in Beate zu schießen, sah den roten Fleck der sich auf dem Rücken ausbreitete und beobachtete wie sich die Hose in Beates Schritt nass verfärbte.

Gerade als er die Pistole anhob um zu schießen, riss Jessika die Tür auf und schrie laut auf, als sie Beate auf dem Boden liegen sah. An ihr vorbei stürzte Decker mit gezogener Pistole in das Büro. Unentschlossen sah er zwischen Trommer und mir hin und her.

Es ist alles in Ordnung!“ Beschwichtigte ich Decker.

Beate Fischers Urteil wurde gerade vollstreckt.“

Die zusammengekniffenen Augen von Decker durchbohren erst mich, dann Trommer während er seine Waffe sicherte und zurück in das Holster steckte. Decker drehte sich um und zog Jessika mit sich aus dem Büro heraus, wo er im Vorzimmer bei ihr stehen blieb.

Trommer sah mich kalt an. „Sie verstehen gewiss, dass ich sicher sein musste, dass die Hinrichtung auch wirklich vollzogen wurde.“

Selbstverständlich, Herr Staatsanwalt. Dennoch, seien sie sicher, dass ich unser Arrangement eingehalten hätte.“

Nun, wie sagt man so schön: Sicher ist sicher. Ich verlasse mich darauf, dass sie auch weiterhin über unser Arrangement Verschwiegenheit bewahren. Wir sehen uns, Herr Stein.“

Ungerührt stieg er über Beates Leiche hinweg und verließ das Büro.

Ich wartete noch einen Moment und knie mich neben Beate. Sanft streichele ich ihr über das feuerrote Haar, dann hob ich Beates Leiche auf, legte mir sie über die Schulter und brachte sie aus meinem Büro, nach draußen.

Jessika stand da, mit Tränen in den Augen und Decker stand mit versteinerter Miene neben Jessika im Vorzimmer. Als ich an den beiden vorbei gehe, öffnete Decker mir die Tür.

Draußen auf dem Flur standen alle Beamten und Bediensteten die gerade Dienst hatten.

Decker ließ seine wütenden Augen über die Köpfe schweifen.

Habt ihr nichts zu tun?“ schnauzt er die Gaffer an und sofort löste sich das Gewühl auf. Er legte mir die Hand auf den Arm und schaute mich an.

Soll ich mich um Frau Fischer kümmern?“ fragt er mich.

Nein danke, ich habe es angefangen, ich bringe es auch zu Ende.“

**

Zwei Stunden später kam Vera aus dem OP zurück in ihre Wohnung. Erschöpft legte sie ihren blutigen Kittel zusammengeknüllt auf den Boden.

Hallo Liebes, war ein schwerer Kampf, aber wir haben gewonnen. Sie lebt noch.“

Als Vera keine Antwort erhielt sah sie sich in ihrer Wohnung um.

Beate? Schatz?“

Doch Beate war nicht da.

Vera drehte sich um, ließ die Tür offen stehen und lief eine Tür weiter und riss meine Wohnungstür auf.

Beate! Peter!“

Auch hier bekam Vera keine Antwort.

Voller Panik stürzte sie zu meinem Büro, rannte an Jessika vorbei, die noch immer mit Decker dastand und rief laut nach ihrer großen Liebe.

Beate!“

Da mein Büro auch leer war, drehte sie sich zu Jessika um.

Wo ist sie? Wo istBeate?!“

Traurig ging Jessika auf sie zu.

Trommer hat sie erschossen.“ Flüstert sie.

Bei diesen Worten zerbrach in Vera alles.

Aber… Beate…Peter hat mir doch versprochen… Beate…Er hat es mir versprochen… versprochen…“

Völlig benommen, drehte sie sie sich um und taumelt aus dem Büro zurück in ihrer  Wohnung.

Vera, Vera.“ doch Vera hörte Jessika nicht mehr.

Sie konnte ihr auch nichts erklären. Erstens stand Decker noch immer bei ihr und zweitens musste sie Sarah Schlosser abholen, die auf sie wartete.

**

Sind sie sicher Mann? Die Flasche kostet 200 Mücken!“

Ich legte dem Barmann vier 50er Scheine auf die Theke und er gab mir die sündhaft teure Flasche TALISKER   Single Malt Scotch Whiskey.

Mit dieser und einem Glas verzog ich mich in eine ruhige Ecke in der Bar. Genüsslich zündete ich mir, jedes Rauchverbot ignorierend eine dicke, fette Zigarre an.

Der Rauch der Zigarre passte hervorragend zu dem rauchigen Geschmack des Whiskeys.

Darf ich?“ Als ich aufschaute, stand Frank da.

Klar.“

Er setzte sich zu mir und ich schob ihm die Falsche rüber. Frank nahm sich ein Glas und schenkte sich zwei Finger breit aus.

Verdammt gutes Zeugs!“ meinte er nachdem er einen kleinen Schluck genommen hatte und setzte das Glas wieder ab.

Hast du auch eine für mich?“

Ich griff in meine Tasche und holte eine weitere Zigarre hervor. Zusammen saßen wir schweigend da und genossen die Zigarren und den Whiskey.

Nach einer Ewigkeit sah er mir in die Augen.

Warum?“

Ich hielt es für eine gute Idee.“

Wir schwiegen wieder. Dann, nach zwei Gläsern die kam nächste Frage.

Woher wusstest du, dass Trommer Beate in den Rücken schießt?“

Ich wusste es nicht.“

Dann grinste ich ihn an.

Ich hab es gehofft.“

**

Leider verloren

Sorry Mr. Mc. Froody, das ist alles was unsere Leute herausgefunden haben. Ihre Frau hat sich nicht an die Anweisungen gehalten und entgegen unserer direkten Anweisungen ist sie mit zwei Teams los und wollte die Zielperson höchstpersönlich ausschalten.

Unsere Warnung, dass die Zielperson schnell und sehr gut schießt, hatte sie nicht an die beiden Teams weitergegeben und damit letztendlich alle dem Untergang geweiht. Ich werde das an die Interne Ermittlung weitergeben müssen. Schließlich haben vier Agenten und Ihre Frau das Leben verloren!“

John, das kann doch nicht Ihr Ernst sein, meine Frau ist von dieser Schlampe brutal umgebracht worden und Sie drohen mir mit der internen Ermittlung. Haben Sie vergessen wer Ihnen den Job hier vermittelt hat?“

Mr. Mc. Froody, das ist nicht der Ton der hier passt. Ihre Frau hat das Leben von vier Agenten unnötig geopfert. Sie kennen die Vorschriften, ich kann und darf das nicht vertuschen.

Außerdem finde ich es recht verwunderlich weshalb Sie Ihre Frau nicht besser instruiert haben. Also ich muss das melden, am Montag lege ich meinen Bericht vor, das ist die Zeit die ich Ihnen verschaffen kann. Was Sie damit anfangen überlasse ich Ihnen. Jetzt entschuldigen Sie, ich muss zurück in die Agency.“

Als der Wagen des CIA Mannes das großzügige Grundstück verließ legten sich zwei elegante, schmale Hände um den verspannten Nacken von Mc. Froody.

Oh John, das tut mir ja so leid das mit deiner Frau. Hoffentlich ging es schnell und sie hat nichts gespürt.“

Irina hat nie auf das gehört was ich ihr sagte, jetzt hat diese rothaarige Schlampe sie umgelegt, zuerst nimmt sie mir meine beiden Söhne und jetzt auch noch meine Frau. Komm jetzt her und zeig mir, was du mit der versprochenen Entspannung gemeint hast.“

Damit dreht sich eine schlanke, in schwarzes Leder gekleidete Raubkatze mit einer langen wasserstoffblonden Mähne zu John Allister Mc. Froody dem III zu und nestelt an dessen Hose herum. „Ja komm mein starker Mann und ich zeige dir die wahre Entspannung.“

**

Sicherheit

Jessika führte Sarah durch die Flure und zeigt ihr ihren neuen Arbeitsbereich.

Außerdem bekam Sarah die Leute vorgestellt, mit denen sie in Zukunft zu tun hatte und alle begrüßten sie sehr freundlich. Lediglich Decker betrachtete Sarah freundlich, jedoch ohne eine Miene zu verziehen.

Schließlich standen sie vor Veras Wohnung.

Hier werden sie ein paar Tage wohnen. Ich hoffe, das geht in Ordnung.“

Ja, sicher doch. Irgendwie fühle ich mich hier schon wie zu Hause.“

Bevor sie die Tür öffnete wandte sich Jessika an Sarah.

Frau Müller hat heute ihre beste Freundin verloren, und ist emotional sehr angeschlagen, vielleicht können sie ihr etwas helfen?“

Das kann ich ganz sicher.“ Meinte Sarah selbstsicher.

Jessika klopfte an die Tür.

Vera?“

Da Vera die Tür nicht öffnete, nahm Jessika ihren Generalschüssel hervor und schloss die Tür auf, in der Hoffnung, dass Vera noch keine falsche Entscheidung getroffen hatte.

Erleichtert sah Jessika das Vera am Fenster stand und ins Leere starrte.

Vera, Sarah ist hier.“

Unbeweglich blieb Vera am Fenster stehen.

Sarah schob sich an Jessika vorbei um zu Vera zu gehen. Kurz griff sie zu ihren Augen, als ob sie etwas daraus entfernen würde. Als sie direkt hinter Vera stand streichelte sie Vera sanft über das Haar.

Dann sagte sie nur

Liebes?“

Vera drehte sich um und sah fassungslos in die smaragdgrünen Augen von Sarah.

Lachend und weinend zugleich fielen sich die beiden in die Arme. Veras Beine gaben unter ihr nach zusammen fielen die Beiden auf den Boden.

Jessika schloss die Tür und ließ die beiden alleine. Was jetzt da drinnen geschah, ging niemanden etwas an.

**

Drei Stunden später und 400 Euro ärmer gingen Frank und ich zu Fuß zum Gefängnis zurück.

Franks Handy brummte und er schaute sich die Nachricht an, die er bekommen hatte.

Susanne Feites Zustand ist stabil. Sie hat überlebt.“ Informierte mich Frank. „Schemmlein hat bei der ersten Untersuchung alte Misshandlungsmerkmale gefunden. Trommer hat den Fall übernommen und überprüft das Urteil. Sie steht jetzt unter Betreuung und kommt aus der Todeszelle. Schemmlein hat dafür gesorgt, dass sie in ein Krankenhaus verlegt wird.“

HMM.“

Übrigens, die Waffenkammer, hat vor drei Tagen den Verlust einer schusssichern Weste gemeldet. Sag Randy, dass ich ihm die Weste von seinem Gehalt abziehe.“

HMM.“

Weißt du, dass ich zwei Wochen gebraucht habe, um herauszubekommen, was da Läuft?“

Du wusstest es?“ fragte ich ungläubig.

Er blieb stehen und sah mich an. „Ich hab dir schon einmal gesagt, ich weiß was hinter den Mauern meines Gefängnisses vor sich geht.“

Und du hast nichts gesagt?“

Peter, du bist mein Freund. Ja, ich hab lange überlegt, was ich tun soll, aber bis jetzt waren deine Entscheidungen immer richtig.“

Ich schwieg. Nichts was ich hätte sagen können, wäre der aufrechten Dankbarkeit, die ich gegenüber Frank empfand auch nur annährend gerecht geworden.

Wie zum Teufel hast du das eigentlich gedreht?“ wollte er wissen.

Schau dich um, wir leben und arbeiten in einem Gefängnis. Hier gibt es alles was du brauchst.

Passfälscher, Heiratsschwindler, Friseure, Visagisten… Die machen in ein paar Stunden einen ganz neuen Menschen aus dir.“

Und wie geht es jetzt weiter? Was wird aus Sarah? Ich denke du weiß selber, das dies erst der Anfang ist.“

Ja. Es wird noch ein langer harter Weg. Aber Sarah wird ihn gehen, zusammen mit Vera.“

**

Jessika steckte gerade mit einen selbstzufriedenen Lächeln ihre to do Liste in den Aktenvernichter. Damit war der letzte Beweis auf Beate Fischers weiteres Leben vernichtet.

Ein extra von Randy geschriebenes Programm, hatte alle E-Mails dauerhaft gelöscht. (Bis auf die Mails von Trommer selbst. Schließlich kann man nie wissen…).

Sie löschte das Licht in ihrem Büro und schloss die Tür ab. Zeit nach Hause zu gehen.

Im Flur kam sie an Veras Wohnungstür, hinter der Musik und Veras frohes Lachen zu hören war, in das Sarahs Lachen einfiel und sie kam an Decker vorbei, der seine Runde machte.

Gute Nacht, Wolfgang.“

Gute Nacht Jessika. Ach ja… Gut gemacht!“

**

Der Aufbruch

Mr. Mc. Froody hatte sich die beiden vergangenen Stunden mit der wasserstoffblonden Frau beschäftigt und sich amüsiert. Nun wurde sie zu einer Limousine geleitet, mit einem Bündel neuer Dollarscheine in der Handtasche.

Mit neuer Kraft und Tatendrang trieb John Allister Mc. Froody seine Bediensteten an.

Zwei Dutzend fleißige Helferlein verstauen Kisten und Koffer in den bereitstehenden Trucks.

John Allister Mc. Froody war dabei den USA den Rücken zu kehren, bis er seine beiden Söhne gerächt hatte. Seine Karriere hier bei der CIA würde in einer Woche enden, dessen war er sich sicher, folglich machte er das was er gelernt hatte, er machte sich aus dem Staub mit seinesgleichen.

Auf geht‘s, wir verlegen nach Europa, der nächste Halt ist der alte Herrensitz. Worrowitz, haben Sie das Vorkommando schon instruiert?“

Ja Mr. Mc. Froody, die Besitzer wurden bereits gestern liquidiert, unsere Leute schalten bereits die Leitungen!“

**

Sarah    

Was hatte ich mir bloß dabei gedacht?

Ich stand seit einer halben Stunde im diesem blöden Stau. Statt uns ein Essen zu bestellen und liefern zu lassen, wollte ich selber etwas Tolles auf die Teller bringen.

Da es uns noch zu heiß war, mit Sarah das Gefängnis zu verlassen, und draußen herumzuspazieren, konnten wir nicht Essen gehen.

Schließlich hatte Sarah noch keine Papiere sondern lediglich den gefälschten Reisepass welchen Jarvis für sie angefertigt hatte. Die Gefahr, dass sie in eine Kontrolle kam war zu groß. Zumal immer noch Trommers Wachhunde um mich herum schlichen.

Jedenfalls mussten wir einen günstigen Moment abwarten, damit  wir mit Sarah auf das Amt gehen konnten, und sie ihre neuen Papiere beantragen konnte.

Wieder ging es ein paar Meter vorwärts und langsam kündigten blaue und gelbe Blinklichter an, dass ich mich der Unfallstelle näherte.

Wider schweiften meine Gedanken zu Sarah und Vera ab.

Die erste Nacht hatte ich mich komplett zurückgezogen. Auf keinen Fall wollte ich die beiden stören. Sicher kamen Vera und Sarah auch ohne mich in dieser Nacht aus.

Als ich morgens dann zu ihnen kam, saßen sie gemeinsam am Tisch. Sarah hatte wieder ihre farbigen grau-blauen Kontaktlinsen an, die Haare dunkelbraun gefärbt und ihr Gesicht mit Makeup so geändert, dass sie kaum noch Beate ähnelte.

Während Sarah ein Lächeln aufsetzte, verfinsterte sich Veras Blick. Sie stand auf und stellte sich vor mich und in ihren Augen loderte Hass.

Ihre Mundwinkel zitterten, dann presste sie hervor:

Du mieses Arschloch!“ dann schlug sie mir mit voller Wucht ins Gesicht, doch noch in demselben Sekundenbruchteil änderte sich ihr Blick.

Vera!“ Sarah war aufgesprungen und sprang auf sie zu.

Weißt du was ich durchgemacht habe? Du… Du… Nein, tut mir leid. Peter es tut mir leid.“ Fing sie an zu weinen und sie umarmte mich.

Schon gut, Schatz.“ Hielt ich sie fest.

Ich weiß nicht was in mich gefahren ist…“

Ich schon. Lass es gut sein Liebes. Ich hoffe du verzeihst mir, dass ich dich nicht eingeweiht habe.“

Es gibt nichts zu verzeihen. Ich werde ewig dankbar sein.“

Nein wir werden dir ewig dankbar sein.“ sagte Sarah.

Das reicht jetzt! Ihr macht mich ganz verlegen.“

Wieder begann eine neue Phase in unserem gemeinsamen Leben. Natürlich wurde unter den Bediensteten über das „lasterhafte  Trio“ geredet, doch keinem fiel auf, dass Sarah nicht Sarah war.

Eines jedenfalls war ein deutliches Plus. Da sich Sarah nicht mehr in der Wohnung verstecken musste, war die Anspannung um einiges gesunken und das ließen mich die beiden rothaarigen bzw. braunrote Schönheiten spüren. Keiner meiner Wünsche im Bett blieb unerfüllt.

Mittlerweile war ich nur noch wenige Meter von der Unfallstelle entfernt, die unser teures Essen kalt werden ließ und ich hätte schon längst die Unfallstelle passiert, würden die Fahrer vor mir nicht dauernd auf die Bremse treten um zu gaffen.

Fahr du Idiot!“ rief ich, obwohl er mich nicht hören konnte, aber es verschaffte mir etwas Luft. Schließlich konnte ich die Unfallstelle passieren und  aufs Gas treten, um das Essen wenigstens halbwegs warm zu meinen beiden Frauen zu bringen.

Hätte ich, wie die anderen Fahrer vor mir, das Geschehen an der Unfallstelle begafft, wäre mir der Appetit vergangen.

**

Ein Unfall?

Stein.“ Meldete ich  mich am Telefon.

Hallo Mister, es interessiert mich nur.“

Sherlock. Wie geht’s dir?“

Hast du Zeit?“

Klar, für dich immer, wann?

Sofort!“

Jetzt sofort?“

JA, es sei denn du willst eine offizielle Ladung.“

Mein Magen krampfte sich zusammen. Hatte irgendjemand Lunte gerochen? Wusste Trommer etwa, das ich ihn gelinkt hatte? Ich versuchte meine coole Stimme beizubehalten.

Ja, sofort ist ok. Das Schiller?“

Ja, bis gleich.“

Mit einem mulmigen Gefühl fuhr ich ins Schiller. Was wusste Meyer? Was wusste Trommer? Die Tatsache dass Meyer mich treffen wollte ließ zumindest etwas Hoffnung. Trommer hätte sicher seine beiden Wachhunde geschickt, die mich mit bestimmt mit Freude auseinander genommen hätten.

Hallo Sherlock.“  Begrüßte ich Meyer.

Hallo Herr Stein.“

He, das klingt so offiziell.“ Versuchte ich meine Unsicherheit zu überspielen.

Ich bin auch zumindest halboffiziell hier.“

Was hab ich denn ausgefressen?“ Mein Herz raste wie verrückt und der Schweiß lief mir in Strömen den Rücken herunter.

Was hast du vorgestern Abend um 19 Uhr angestellt?“

Wenn das ein Witz ist, warst du auch schon mal besser.“

Ich meine es ernst! Also?“

HHMM, ich hab gearbeitet und hab dann gegen 18 Uhr Schluss gemacht. Gegen 18.Uhr 30 hab ich hier im Schiller etwas zum Essen bestellt, es abgeholt  und bin anschließend nach Hause.“

HHMMM!“ Meyer sah mich durchdringend an.

Und jetzt will ich wissen, was der Scheiß soll!“

Deine Handydaten sagen mir, dass du an der Unterführung zur Schnellstraße gewesen bist.“

Klar war ich dort. Schließlich ist das der direkte Weg vom Gefängnis nach hier. Ich hab das Essen hier abgeholt und stand über eine halbe Stunde dort im Stau. Und?“

Zufällig der Stau hier?“

Meyer legte mir ein paar Bilder auf den Tisch die den Stau an der Stelle zeigten, in dem ich vorgestern gestanden hatte.

Ja, und weiter?“

Sie dir die anderen Bilder an!“

Ich nahm den Bilderstapel und schaute sie der Reihe nach durch.

Das ist ein Stau wegen einem Unfall. Ich weiß immer noch nicht was du von mir willst!“

Sieh dir die anderen Bilder an.“

Ich blätterte die Bilder durch. Auf den nächsten war zu sehen, wie ein Kranwagen einen völlig zertrümmerten Wagen aus der Böschung hob. Die Heckpartie des Unfallwagens war noch ziemlich unversehrt und irgendwie kam mir der Wagen bekannt vor, aber es klingelte nicht. Dennoch fingen meine Nackenhaare an sich zu sträuben. Ich legte das Bild weg und sah auf das nächste. Aus dem Fenster der Fahrerseite hing halb ein Körper heraus und aus dem Beifahrerfenster ein Arm.

Das nächste Bild ließ mein Herz einen Aussetzer machen. Das Foto zeigte den Fahrer, der aus dem Fenster hing.

Es war Trommers Wachhund! Und der Beifahrer war mein anderer Freund!

Ich sehe du erkennst sie.“

Ja, die beiden hatten schon immer einen beschissenen Fahrstiel.“

Meyer lachte trocken auf. „Ja vielleicht, wäre da nicht ein kleines Detail. Die beiden waren schon vor dem Unfall tot!“

Was? Ich meine irgendwie sind sie ja bis hier her gefahren. Tot wird er kaum selbst gefahren sein.“

Nein. Das ist ein erstklassiger Mord, der nur durch Zufall entdeckt wurde. Und jetzt rate mal, wer auf der Verdächtigen Liste ganz oben steht.“

Scheiße! Ich war es nicht! Ich hab die beiden vermöbelt, ja sogar zweimal vermöbelt, aber umgebracht hab ich sie nicht!“

Nun, der Gerichtsmediziner sagt, dass den beiden von einem Profi das Genick gebrochen wurde und du bist doch darin sozusagen ein Experte.“

Meyer, ich hab die zwei nicht umgelegt. Ich bin sicher, dass die Kameras im Gefängnis jeden meiner Schritte belegen können. Hier war die süße Blonde, die mich bedient hat. Und der Stau war ja schon da, als ich zur Unfallstelle kam.“

Ich werde mir die Videos holen und ansehen. Du hältst dich in Reichweite, verstanden?“

Ohne dass er eine Antwort abwartete stand er auf, sammelte seine Bilder ein und ging.

Scheiße!“ murmelte ich. War das Zufall? Mit Sicherheit nicht! Hatte der Mörder der beiden es nur auf Trommers Wachhunde abgesehen, oder wollte man mir den Mord in die Schuhe schieben?

Trommer war seit einer Woche der neue Generalstaatsanwalt. Er würde nicht gleich eine Kraftprobe mit mir suchen und eine Eskalation herbeiführen. Nein, Trommer würde sich erst einen „Dunstkreis“ schaffen, sich mit Jasagern und Speichelleckern umgeben. Erst wenn er fest im Sattel saß und nichts mehr zu befürchten hatte, dann würde er die Konfrontation suchen.

Blieb die Frage, wer und warum jemand Trommers Wachhunde ungelegt hat.

**

Sonderabzug

Die Gebühr für ihre Dienstleistung wurde wunschgemäß auf ihr Konto transferiert, Monsieur.“

Das habe ich gesehen, doch leider habe ich auch festgestellt, dass sie einen Betrag von 15% abgezogen haben.“ Stellte der alte Franzose fest.

Als er die Kontomeldung bekommen hatte, rief er sofort bei seinem Auftraggeber an.

Der Franzose hatte mittlerweile seine ganze Truppe in dem Waldhaus versammelt und untergebracht. Zwar waren die Verhältnisse etwas beengt, doch dafür waren sie abgeschieden genug um nicht entdeckt zu werden.

Ein Gerichtsmediziner hat festgestellt, dass ihre Kunden schon vor dem Unfall getötet wurden. Ich wollte einen einfachen Unfall, ohne große Ermittlungen, nun bin ich gezwungen umzudisponieren. Aus diesem Grund habe ich die 15% einbehalten. Ich hoffe ich muss bei den folgenden Aufträgen nicht ebenfalls eine Summe abziehen.“

Der alte Franzose hielt den Hörer fest umklammert. Es stank ihm gewaltig, dass sein Auftraggeber so mit ihm redete. Doch seine Möglichkeiten waren begrenzt. Als Söldner hatte er einen Vertag zu erfüllen. Ein Zurücktreten oder gar ein Scheiten würde ihn aus dem Geschäft werfen und das galt es, mit allen Mitteln verhindern.

Nun, Monsieur, selbstverständlich sind die 15% gerechtfertigt. Ich bin jedoch sicher, dass sie bei den nächsten Aufträgen völlig zufrieden sein werden.“

Das will ich hoffen!“ antwortete sein Auftraggeber und beendete das Gespräch.“

Merde!“ fluchte der alte Franzose. So etwas durfte nicht noch einmal geschehen!

**

Perfekt

Selbstsicher kam Sarah aus der Kammer. Sie hatte gerade ihre erste Hinrichtung durchgeführt. Mit Bedacht hatte ich, in Rücksprache mit Frank, ihr einen Mörder zugeteilt, dessen Taten denen ihres toten Ehemanns sehr nahe kamen.

Ohne zu zögern hatte Sarah ihm die Schlinge umgelegt die Falltür ausgelöst.

Frank war beeindruckt. Sarah hatte ihren ersten Test bestanden und Frank gab grünes Licht, Sarah zur Henkerin auszubilden.

Zwar war Henker nicht unbedingt ihr Traumberuf, doch so hatten wir die Möglichkeit Sarah ein Wasserfestes Umfeld zu bieten.

Niemand wollte unbedingt eine Henkerin zur Freundin haben. Ihre Kontakte beschränkten sich anfangs auf uns und die anderen Bediensteten, so dass sie sich nicht verraten konnte.

Schließlich kam der Tag an dem wir losziehen mussten um Sarahs neue Papiere zu beantragen. Der Tag war ideal. Die Sommerferien hatten begonnen, es war ein Brückentag, die Sonne brannte und die Hälfte der Bediensteten würde im Urlaub sein. Der Rest würde nicht allzu viel Freude daran haben, alles genau zu prüfen.

Auch die Uhrzeit hatten wir in unsere Berechnung einkalkuliert. 11Uhr45 kurz vor der Mittagspause.

Dennoch hatte ich ein mulmiges Gefühl. Noch immer schwebte mir die Frage, wer Trommers Wachhunde umgebracht hatte durch den Kopf.

Zusammen mit Vera und Sarah gingen wir durch die Pforte zum Tor des Gefängnisses. Als der Summer ertönte und ich die Tür öffnete, zögerte Sarah. Sie blieb stehen, während ihr die Tränen über das Gesicht liefen. Vera fasste ihre Hand und zusammen verließ Sarah zum ersten Mal das Gefängnis, von dem sie dachte, dass sie es lebend nicht mehr verlassen würde. Für Sarah war es buchstäblich ein Schritt in ein neues Leben.

Wir fuhren auf das Rathaus und suchten die Stelle bei der Sarah ihren neunen Ausweis beantragen sollte. Wie erhofft ging alles schnell und unkompliziert. Der Ausweis, den Jarvis hergestellt hatte war erste Sahne und überstand die Prüfung durch die Beamtin.

Sarah wurde ein vorläufiger Ausweis ausgestellt und bekam die Information, dass ihr neuer Pass in etwa zwei Wochen fertig wäre.

Als wir das Passamt verließen und zum Wagen gingen bat mich Sarah zu warten.

Ich…Ich…Fahrt schon mal vor, ich komme nach.“

Was ist Liebes?“

Ich weiß nicht. Ich dachte ich sterbe hinter den Mauern im Gefängnis. Ich dachte ich sehe all das hier, nie wieder.“ Sarahs Augen wanderten durch die Umgebung. „Ich will es noch etwas genießen.“

Vera nahm wieder ihre Hand. „Darf ich dir Gesellschaft leisten?“

Sarah lächelte sie dankbar an. „Das wäre schön.“

Ok, ihr zwei Turteltauben, wir sehen uns zu Hause.“ Verabschiedete ich mich. Schließlich gönnte ich ihnen die Zeit zu Zweit.

Peter.“ Rief mich Sarah, als ich zum Auto gehen wollte. Ich drehte mich um und Sarah sah mir direkt in die Augen. „Danke.“

Genießt den Tag. Bis nachher.“ Ich musste tatsächlich schlucken. „Hab euch lieb.“

**

Verschwunden

Tel Aviv

Was gibt es neues, vom alten Franzosen?“ fragte Dagan in die Runde.

Die einzelnen Abteilungsleiter berichteten über ihre neusten Erkenntnisse und langsam zeichnete sich ein Bild ab das gar nichts sagte.

Der Franzose und seine Truppe waren verschwunden!

Sicher war lediglich, dass sie irgendwo in Deutschland untergetaucht waren.

Warum ausgerechnet Deutschland? Fragte sich nicht nur Dagan. Auch Lem und Levi hatten sich umsonst den Kopf zerbrochen. Welche Aufgabe gab es für eine Söldnertruppe in Germany? Einen politischen Umsturz schlossen alle aus und für einen Bandenkrieg war der Franzose zu teuer. Blieben allein ein oder mehrere Auftragsmorde. Doch wer sollte ermordet werden?

Frustriert löste Dagan die Stabsbesprechung auf und entließ die Abteilungsleiter während Levi und Lem noch blieben.

Lem, haben sie die Dossiers, um die ich sie gebeten habe?“

Lem legte eine dicke und eine recht dünne Akte auf den Tisch. Die dicke schlug er zuerst auf.

Ja, das ist das Dossier von Gerhard Trommer. Trommer strebt schon seit Jahren ein politisches Amt an. Wir beobachten ihn schon eine ganze Weile, da er sich mit außenpolitischen Themen beschäftigt. Seit kurzem ist er neuer Generalstaatsanwalt. Doch alle unsere Experten sind sich einig, dass dies nur eine Zwischenstation für ihn ist. Mit dem Posten als Generalstaatsanwalt konnte er sich in kurzer Zeit beim Volk sehr beliebt machen und sich so den nötigen Rückhalt für eine politische Karriere sichern.“

Und was bedeutet das für uns?“

Nun seine Aussagen, die er hinsichtlich unserer Politik bzw. der politischen Situation in unserer Region, sind mehr oder weniger neutral, und neigen eher zu unseren Gunsten. Wir könnten ihn als Freund bezeichnen.“

Lem, sie sind ein schlechter Lügner. Was ist mit Trommer?“

Lem schob die Akte zur Seite und schaute kurz an die Decke.

Ich weiß es nicht. Trommer ist ein geradliniger Politprofi. Er handelt immer zu seinem Vorteil. Er hat sich mit den richtigen Leuten umgeben und nach dem Prozess gegen eine ehemalige Geliebte haben seine Beliebtheitswerte in ungeahnte Höhen erreicht. Er ist jetzt genau dort wo er, seinem Plan nach, sein sollte. Doch irgendwie verhält er sich in letzter Zeit seltsam.“

Seltsam?“

Ja, er kappt Seilschaften, die ihm nützlich sein könnten, lässt Freunde versetzen, und schottet sich ab. Zwar macht er sich noch immer beim Volk beliebt, doch er missachtet geradezu Dilettant die Regel, dass man, um nach oben zu kommen, die richtigen Freunde braucht. Irgendetwas ist mit Trommer geschehen und wir wissen nicht was. Das einzige Ereignis, von dem wir wissen, dass er involviert war, ist der Fischerprozess, den ihn nach oben gebracht hat.“

Danke, setzen sie ein paar Leute mehr auf die Sache an. Wir müssen wissen was auf uns zukommt.“

Verstanden. Ich werde Abteilung neun mit einbeziehen.“ Lem verabschiedete sich und ging, nachdem er Levi das zweite Dossier zugeschoben hatte.

Was macht unsere Wilde?“ fragte Dagan Levi.

Nun, Caroline hat Soulebda verlassen und ist in Deutschland angekommen. Unsere Quellen haben verlauten lassen, dass sie die Stelle als Henkerin bekommen wird. Entschieden hat das der Leiter des Gefängnisses, Frank Brauer.“

Wird so etwas nicht im Ministerium entschieden?“

Theoretisch schon, doch der Empfehlung von Brauer stellt sich niemand entgegen. Jedenfalls wird das hier Carolines neuer Chef. Peter Stein.“

Er öffnete das dünnere Dossier, welches Dagan überflog. Viel stand auch nicht darin. Seit über zwanzig Jahren bei der Justiz als Henker, hatte er sich seinen Verstand erhalten können. Außerdem war er in der Fischerangelegenheit als der ausführende Henker beteiligt.  Dagans besah sich ein Bild welches vor nicht allzu langer Zeit aufgenommen wurde.

HHMM. Das könnte Ärger geben.“

Nun, der Mann scheint mit Frauen klar zu kommen. Zumindest umgibt er sich gerne mit ihnen.“

Die Augen von diesem Stein…Er ist es gewohnt der Anführer zu sein. Caroline wird sich ihm nicht unterordnen.“

Um Caroline mache ich mir da keine Gedanken, um diesen Stein schon eher. Entweder er arrangiert sich mit Caroline, oder er geht unter.“

Irgendein seltsames Gefühl beschlich Dagan als er sich das Bild erneut ansah. Er konnte es nicht beschreiben, doch etwas sagte ihm, dass es diesmal nicht so einfach laufen könnte.

Was mir Sorgen bereitet ist“, fuhr Levi fort, „das Caroline sich auf einen Kreuzzug begibt, den wir nicht unter Kontrolle haben. Der alte Franzose und Caroline im selben Land, das kann nicht gut ausgehen. Außerdem haben wir Berichte erhalten, dass Mc. Froody untergetaucht ist und einen Rachefeldzug gegen Caroline führen will. Die Amerikaner haben zwei Spezialisten, einen Colonel Smith und einen Colonel Miller, beauftragt Mc. Froody aus dem Verkehr zu ziehen.“

Dagan ließ sich die Fakten noch einmal durch den Kopf gehen.

Benjamin, ich hätte eine Bitte. Ich wäre ihnen sehr dankbar, wenn ich wüsste, dass jemand vor Ort ein Auge auf Caroline hält. Jemand auf den ich mich verlassen kann.“

Benjamin Levi grinste. „Bin schon unterwegs.“

**

Als Dagan allein war sah er sich die beiden Dossiers noch einmal an. Ein aufstrebender Politstern der sein Verhalten ohne erkennbaren Grund ändert und ein Henker der plötzlich eine wichtige Rolle in Carolines Leben spielen sollte.

Bestand da ein Zusammenhang? Etwas ließ seinen Spürsinn erwachen, doch er wusste nicht was… Fest stand nur, dass beide im Fischerprozess eine wichtige Rolle gespielt hatten.

**

Verwaltungen

Das interessiert mich einen Scheiß!“ sagte Frank recht unfreundlich ins Telefon. „Für mich zählt einzig die Leistung, die Frau Heller erbringt und die ist hervorragend. Frau Heller ist seit Jahren hier beschäftigt und leistet weit mehr, als in ihrem Vertrag steht. Ich lasse nicht zu, dass sie die Frau in eine Serviceeinheit stecken, wo sie nur die Hälfte verdient. Ende der Diskussion. Entweder sie behalten den Vertrag bei, oder ich finanziere das fehlende Gehalt aus ihren Haushaltsmitteln…

Und ob ich das kann, sehen sie mal in die Haushaltsverträge und die Dienstvorschriften…

Ich sehe wir verstehen uns. Ja, auf widerhören.“

Mit einem „Du mich auch!“ legte Frank den Hörer wieder auf.

Die wollen unsere letzte Putzfrau, die noch bei uns angestellt ist kündigen, um sie in eine Servicefirma zu übernehmen, wo sie viel weniger verdient. Nicht mit mir!“ teilte er mir mit.

Seit Jahren wurde jede Reinemachefrau die einen Vertrag mit dem Ministerium hatte und in Rente ging durch eine Kraft ersetzt, die über eine Servicefirma eingestellt wurde ersetzt. Frau Heller war die letzte „ihrer Art“ und hatte Frank um Hilfe gebeten. Und Frank half! Das war etwas, das Frank zu einem sehr  beliebten Chef machte.

Zum Ersten werden zwei neue Reinigungskräfte in deinem Trakt anfangen.“

Ok, gibt es auch neues Wachpersonal?“

Ja, wir bekommen ein paar neue Leute. Decker hat so eine Art Casting veranstaltet und ein paar haben es tatsächlich ins Finale geschafft.“

Ich grinste und versuchte mir Decker als Juror vorzustellen.

Dafür werden wir in der Verwaltung ein paar Stellen nicht mehr neu besetzten können. Das übliche eben. Zum Glück haben wir noch Sarah und ihre Nachfolgerin einstellen können.“

Sarahs Nachfolgerin?“ fragte ich ungläubig.

Peter!“ Frank sah mich verständnislos, ja schon fast wütend an. „Was soll das? Willst du eine Katastrophe herbeiführen? Sarah muss hier weg, und zwar so schnell es geht! Trommer ist der neue Obermacker und dauernd hier im Gefängnis unterwegs um irgendwelche Vernehmungen durchzuführen. Was glaubst du was geschieht, wenn ihm Sarah über die Füße läuft?“

Aber…“

Nichts aber! Du hast ein einmaliges Ding abgezogen, jetzt versau es nicht!“

Frank hatte Recht. Ich wusste dass seine Sorge, Trommer könnte Sarah erkennen, nur allzu berechtigt war. Trommer kam mindestens zwei Mal die Woche ins Gefängnis um Verdächtige, die im TE Bereich saßen, zu vernehmen. Bis jetzt hatte mich Jessika immer rechtzeitig vorgewarnt und Sarah hatte sich unsichtbar gemacht. Doch was, wenn er einmal unangekündigt kam?

Doch das machte die Vorstellung, Sarah zu verlieren nicht besser. In meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken.

Was würde Vera tun? Würde sie bei mir bleiben? NEIN! Vera wird ihre Sarah nie mehr verlassen.

Sollte ich mit den beiden gehen? AUF GAR KEINEN FALL! Trommer würde mich immer mit Argusaugen beobachten und ich wusste, dass er nur auf die Gelegenheit wartete um mich abzuschießen. Ich würde Sarah und Vera also nur in Gefahr bringen.

Peter“, fuhr Frank fort, „ich würde Sarah wirklich gerne hier behalten, aber es geht nicht. Es wäre eine Katastrophe mit Ankündigung.“

Ich weiß ja dass du Recht hast, aber das macht es nicht leichter.

Hör zu, wir reden heute Abend darüber. Sag Jessika sie soll auch kommen. Sie weiß ehe mehr als wir beide zusammen.“

Ok.“ Ich stand auf. „Bis heute Abend.“

**

Hier sind ihre Wohnungsschlüssel, Herr Becker.“

Benjamin Levi, alias Julius Becker, nahm die Wohnungsschlüssel seiner neuen Vermieterin entgegen. Beckers Gehalt als Abteilungsleiter, sein elegantes Auftreten, sowie seine entwaffnende Art sicherte ihm die Wohnung, für die sich auch drei andere Wohnungssuchende interessiert hatten. Das Apartment war voll möbliert, komplett eingerichtet und sündhaft teuer. Doch das spielte keine Rolle, denn als Levi aus dem Fenster sah, konnte er die Verwaltungsgebäude des Gefängnisses in unmittelbarer Nachbarschaft sehen.

**

Dankbarkeit

Vera hatte es an diesem sichtlich am schwersten.

Wir, das waren Sarah, Vera, Jessika, Frank und ich, saßen bis in die späte Nacht zusammen in Franks Büro. Am runden Tisch überlegten wir wie es weitergehen sollte.

Frank hatte natürlich nicht einfach dagesessen und Däumchen gedreht. Auf sein Bitten hin, hatte Jessika ihre Kontakte genutzt und sich einen Überblick, über die die möglichen Stellen verschafft, die Sarah eventuell antreten könnte.

Wie es aussah, hatten wir Glück. Da Tanja Schiller jetzt im Gefängnis saß, wurde ihr Bezirk neu vergeben. Den Posten trat ein Henker an, dessen Bezirk am anderen Ende der Republik lag. Da es in diesem ländlichen Bezirk kaum Arbeit für einen Henker gab, ist dieser Bezirk noch unbesetzt geblieben und im Ministerium wurden Überlegungen angestellt, den Bezirk ganz aufzulösen.

Frank musste nur den richtigen seiner Freunde anrufen. Franks Freunde im Ministerium wussten ebenso wie er, war der Posten erst einmal weg, war die Stelle gestrichen und so wurde der Posten für Sarah frei.

Immer wieder blickte ich zu Sarah. Auch wenn sie ihr Äußeres verändert hatte, für mich blieb sie Beate, die rothaarige Schönheit in die eine Bestie schlummerte, die darauf wartete entfesselt zu werden, um das zu beschützen, was sie liebte.

Ich musste nicht überlegen, wie sich Vera entscheiden würde. Auch wenn sich Vera sichtlich schwer tat, würde sie am Ende mit Sarah gehen. Seltsamerweise kam kein Funken Eifersucht in mir auf. Ich liebte die beiden und der Gedanke, dass beide unglücklich sein würden, nur weil Vera glaubte sie sei es mir schuldig hier zu bleiben, kam nicht in Frage.

Dafür schmerzte die Vorstellung, Sarah und Vera zu verlieren umso mehr.

Vera hatte den ganzen Abend kein Wort verloren. Sieh sah, genau wie wir alle, die Notwendigkeit, Sarah aus Trommers Reichweite zu bringen, dennoch hieß es für sie, dass sie eine Entscheidung treffen musste. Und die würde, ganz egal wie sie ausfiel, für einen Menschen den sie liebte sehr schmerzhaft sein.

Irgendwann weit nach Mitternacht, ließ Frank uns alleine. Es war alles gesagt und jetzt lag es an uns.

Jessika blieb noch einen Moment. „Ich habe eine Freundin von mir angerufen. Im dortigen Gefängnis wird auch eine medizinische Fachkraft gebraucht. Die Stelle ist zwar nicht ausgeschrieben, doch das bekommen wir hin. Überlegt es euch.“

Sie erhob sich und ließ uns drei mit unseren Gedanken zurück.

Als wir drei alleine waren sagte keiner von uns ein Wort. Schweigend saßen wir da und keiner wagte den anderen anzusehen. Schließlich brach Vera als erste das Schweigen.

Peter…“

Nein“, unterbrach ich sie, „du musst dich nicht entschuldigen. Ihr liebt euch und ich werde eurem Glück ganz sicher nicht im Wege stehen. Im Gegenteil, ich freue mich wirklich, dass ihr euch gefunden habt.

Sarah“, ich sah sie an, „Seit Vera mit dir zusammen ist, blüht sie wirklich auf und ist viel glücklicher, als sie es mit mir jemals sein könnte. Und Vera“, ich wandte ich mich ihr zu, „Dein Herz hat längst eine Entscheidung getroffen. Akzeptier sie, genau wie ich es tue. Werdet einfach glücklich miteinander.“

Es war das was ich dachte und ich meinte es so, wie ich es sagte, doch das Gefühl mir selbst das Herz herauszuschneiden würde sich sicher genauso anfühlen.

Sarah ergriff Veras Hand und drückte sie, sah aber mich an. Da sie ihre Kontaktlinsen nicht trug schimmerten ihre smaragdgrünen Augen.

Du wirst immer bei uns willkommen sein.“

Himmel, ihr macht es einem aber auch schwer. Schluss jetzt damit. Wir haben ja noch ein paar Tage und die werden wir nutzen. Ich erwarte, dass ihr eure Dankbarkeit im Bett zum Ausdruck bringt.“

Jetzt mussten  die zwei lachen und Vera die erst Sarah anschaute und dann mich meine nur: „Mal sehen wie viel Dankbarkeit du standhältst.“

**

Angekommen

Ja, ich habe das Apartment gemietet.“ Meldete sich Levi bei Dagan.

Wir haben erfahren, dass die CIA am Durchdrehen ist.“ Brachte Dagan Benjamin auf den neusten Stand. „MC. Froody hat sich abgesetzt. Der Agent, der ihn nach Langley bringen sollte, wurde tot im Potomac gefunden.

Die stellen gerade den ganzen Kontinent auf den Kopf, aber ich vermute, dass sich Froody in Deutschland befindet. Irgendjemand bei der CIA, scheint das auch zu glauben, denn diese Colonels Smith und Miller sind ebenfalls in Deutschland angekommen. Sobald wir wissen wo sich die beiden aufhalten, werde ich dir Bescheid sagen.“
„Wenn wir mit unserer Vermutung richtig liegen, dass Froody hinter Caroline her ist, wäre die beiden Verbündete.“

Wenn es sich ergeben sollte, stelle ich es dir frei, mit Smith und Miller Kontakt aufzunehmen. Doch ich befürchte denen geht es weniger um Carolines Sicherheit, sondern eher darum Froody zu erwischen. Es würde mich nicht wundern, wenn sie Caroline als Köder benutzen, um Froody hervorzulocken.“

Gibt es etwas neues, vom alten Franzosen?“

Nein, der ist immer noch verschwunden. Allerdings sind zwei Polizisten ermordet worden. Irgendetwas sagt mir, dass das der Franzose war.“

Das wäre ungewöhnlich. Ein ermordeter Polizist ist wie ein Stich ins Wespennest. Gab es denn etwas Besonderes bezüglich der Polizisten?“

Wir wissen lediglich, dass sie am Rand mit der Fischersache zu tun hatten. Anscheinend sind die beiden mit Peter, dem neuen Chef von Caroline, aneinander geraten. Jedenfalls steht er auf der verdächtigen-Liste ganz oben.“

Glaubst du, er hat die zwei umgebracht?“

HHMM, nein. Keine Ahnung wieso, doch ich glaube es nicht, aber behalt ihn dennoch im Augen, nicht dass Caroline in Gefahr läuft zwischen die Fronten zu geraten.

Gut, ich werde mir ein Bild von diesem Henker machen und melde mich dann wieder.“

Tu das, ich habe hier Team 7 aktiviert. Sobald du mich rufst, werde ich mit dem Team in sechs Stunden bei dir sein.“

**

Während Benjamin Levi und Dagan sich darüber Gedanken machten, ob ich die Polizisten umgebracht hatte oder nicht, wurde unser Gefängnis umzingelt. Neben Levi wurden drei weitere Beobachtungsposten rund um das Gefängnis besetzt.

**

Noch ein Besucher

Ich frage mich wieviel so ein Konsul verdient.“ Sagte Dave Miller zu seinem langjährigen Freund Mike Smith, als er aus dem Bad kam.

Auf jeden Fall mehr als du.“ Antwortete Mike. Er stand am Fenster eines großen Penthauses und sah sich mit dem Fernglas das Gefängnis an. Neben ihm hatten die zwei noch ein Teleskop aufgebaut, um noch besser die Vorgänge im Gefängnis beobachten zu können. Ihr Hauptaugenmerk lag aber im Bereich vor dem Tor. Sollte MC Froody herkommen, dann würde er wahrscheinlich eher auf dem Parkplatz oder der Zufahrtsstraße erscheinen.

Da in Langley blanke Panik herrschte, rief der stellvertretende Direktor Rush, selbst bei Konsul Niles an, und der stellte sein Penthaus selbstverständlich zu Verfügung, aus dem Mike und Dave jetzt nach MC Froody Ausschau hielten.

Als es klingelte, schaute Dave durch den Türspion und öffnete die Tür.

Agent Sally Clifford, und Agent Will Share.” Stellten sich die zwei vor. Dave, dem man schon in Washington die Akten der beiden gegeben hatte, ließ die zwei in die Wohnung.

Als sich die Tür hinter den beiden schloss und Mike sich vorgestellt hatte, ergriff Sally das Wort.

Sir, was zum Teufel geht hier vor sich. Man hat uns mitten aus einer laufenden Operation herausgezogen. Wir haben einen Drogenring infiltriert und standen unmittelbar vor dem Zugriff. Die deutschen Behörden waren schon alarmiert und der standen bereit und jetzt wurde alles abgeblasen, mit der Weisung, wir sollen uns sofort bei ihnen melden.“

Nun ja, ich habe für meine Operation die besten Leute angefordert, die zu Verfügung stehen. Anscheinend sind sie das.“

Scheiße Sir, ich habe über ein Jahr gebraucht um in diesen Drogenring zu kommen. Ich hab mir den Arsch aufgerissen und jetzt ist alles umsonst gewesen! Was ist so verdammt wichtig?“

Dave, erkläre du es ihr.“

**

Mc Froody

Der von Dave und Mike gesuchte MC Froody war ganz in der Nähe. Lediglich 500 Meter Luftlinie lagen zwischen ihnen. Auch er beobachtete das Tor des Gefängnisses.

Seien Freunde hatten ihm mit allen Informationen versorgt, die für ihn wichtig waren. So wusste er, dass sich Smith und Miller an seine Fersen geheftet hatten und ebenfalls in der Stadt ihr Unwesen trieben. Die Frage war wo, die zwei sich aufhielten.

Als Profi wusste er natürlich, dass die beiden damit rechneten, dass er das Gefängnis beobachten würde und die Wohnungen, sowie die Häuser, die neu vermietet, bzw. gekauft wurden als erstes unter die Lupe nehmen würden.

Aus diesem Grund hatte seine Wohnung den Besitzer nicht gewechselt. Der lag mit durchschnittener Kehle in seiner Badewanne und störte MC Froody nicht im Geringsten.

Immer dann, wenn Jemand durch das Tor des Gefängnisses trat, schaute Froody durch sein Fernglas. Da kam ein Rotschopf und sofort krampfte sich sein Magen zusammen, doch es war nicht diese Henkersfotze, die er erledigen würde, es war die Freundin des Henkers, der mit Caroline Miles zusammenarbeiten würde. Er musste also nur diesen und diese Rothaarige im Auge behalten, Früher oder später, würde Caroline Miles auftauchen und in ihr Verderben laufen.

**

Der dritte Beobachtungsposten hatte eine weniger spektakuläre Aussicht. Er lag in einer kleinen Gartenlaube, versteckt unter Bäumen, dafür weniger als 70 Meter von der Mauer des Gefängnisses entfernt.

Et voila.“ Voller Stolz drehte Korporal Fillier den Bildschirm etwas, so dass Dunant einen Blick darauf werfen konnte.

Fillier hatte sich in das WLAN Netz des Gefängnisses gehackt und sich zugriff auf den Server beschafft.

Gut gemacht, Korporal.“ Lobte ihn Dunant. „Jetzt wollen wir mal sehen. Wir brauchen Zugriff auf bestimmte Akten. Können sie einen Filter benutzen?“

Sicher Sergeant. Welche Suchwörter soll ich benutzen?“

Urkunden und Dokumentenfälschung, Benutzung falscher Identität, Betrug.“

Das wird wohl die halben Insassen betreffen. Kann ich die Auswahl noch weiter eingrenzen?“

Suchen sie nach Häftlingen, die während der letzten sechs Monate entlassen wurden oder in den nächsten Wochen frei kommen. Wichtig ist die Wohnadresse, welche sie bei der Entlassung angegeben haben.“

Gut, dass dürfte zu schaffen sein.“ meinte Fillier und machte sich an die Arbeit.

**

Ein Heißes Eisen

Hallo Mister, es interessiert mich nur.“

Soll ich jetzt Hallo Sherlock, oder guten Tag Herr KHK Meyer sagen?“

Meyer stand in der Tür zu meinem Büro und trat ein.

Nimm Sherlock, tust du sonst auch.“

Na dann, hallo Sherlock.“

Wir haben dein Alibi auseinander genommen. Sieht gut für dich aus. Dein Chef hat uns alle Videos gegeben und die sagen, dass du tatsächlich bis um 18Uhr35 hier gewesen bist. Auch die niedliche Blonde aus dem Schiller erinnert sich an dich.“

Hab ich dir doch gleich gesagt. Und schon eine Spur, außer mich?“

Nein.“

Macht dir Trommer die Hölle heiß?“

Nein, und das bringt mich wieder zu dir.“

Verstehe ich nicht.“

Trommer hat die Nachricht über den Tod der beiden kommentarlos aufgenommen. Er hat eine Sondergruppe beauftragt die Fakten zusammenzutragen. Und jetzt rate mal wer Leiter der Sondergruppe ist.

Richtig Trommers Schoßhund, der schon Beate Fischers Ermittlungsbericht geschrieben hat.“

Das heißt, du bist raus, aus der Sache?“

Exakt.“

Und was treibst du jetzt hier bei mir?“

Ganz einfach. Auch wenn die beiden Arschlöcher waren, sie waren Polizisten, ich mag es nicht wenn Kollegen ermordet werden. Trommer, du und die Zwei Wichser hattet etwas miteinander zu tun, ich will wissen was.“

Ich hab dir schon mal gesagt, dass ich die beiden vermöbelt habe, das ist alles.“

Mich interessiert, warum Trommer dir die beiden auf den Hals gehetzt hat. Was hast du getan? Geht es um die Fischer-Sache?“

Jetzt kam ich wieder ins Schwitzen. Was sollte ich Meyer sagen? Klar geht es um Beate, doch ich konnte Meyer ja schlecht einweihen.

Trommer wollte sichergehen, dass ich seine Karriere nicht gefährde, also hat er mir die Beiden, sozusagen als Warnung, geschickt.“

Und? Hast du seine Karriere gefährdet?“

Ich bin doch nicht verrückt und lege mich mit dem Generalstaatsanwalt an. Nein, ich getan was er wollte und das war es.“

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass du mich genauso anlügst wie Trommer. Ich behalte euch im Auge.“ Meyer stand auf.

Sherlock“, sagte ich als er die Tür erreicht hatte, „ich sag es dir nochmal, ich hab damit nichts zu tun, doch wenn tatsächlich Trommer dahintersteckt, dann pass auf dich auf. Wer immer die zwei umgelegt hat, er wird auch vor dir nicht zurückschrecken.“

Meyer drehte sich ohne etwas zu sagen um und ging hinaus.

Als ich alleine war, überschlugen sich meine Gedanken. Verdammt. Wenn Tommer wieder die Ermittlungen in die falsche Richtung lenkte, wie er es bei Beate getan hatte, dann verhieß das nichts Gutes. Frank hatte Recht, Beate, nein Sarah musste, so schnell wie möglich hier weg!

Hallo Bad-Man, hast du eine Minute?“ ich schaute auf und sah Hannes in der Tür stehen.

Klar.“ Ich schob die Gedanken beiseite und forderte Hannes auf näher zu kommen. Was gibt´s?“

In drei Tagen ist doch das Benefizspiel und ich wollte wissen, ob du vielleicht Zeit hast.“

Das Benefizspiel?“

Ja schon vergessen? Stand in der Rundmail neulich. Wir wollen der Familie helfen, die vor vier Wochen bei einem Hausbrand ihren Vater, Haus und alles andere verloren hat.“

Ach ja, ich erinnere mich.“ An das Spiel hatte ich überhaupt nicht mehr gedacht. Der Vater war beim Brand umgekommen, und die Frau stand mit ihren fünf Kindern ohne Dach über dem Kopf da. Ein Freund der Familie hatte gute Beziehungen zum Präsident des hiesigen Bundesligisten und zusammen hatte man ein Benefizspiel organisiert, bei dem Freunde und Bekannte der Familie gegen den FC spielten.

Hannes war jedenfalls mit dabei und hatte mich gefragt, ob ich auch Zeit hätte.

Sorry, ich hab an dem Tag ein paar Termine, die ich nicht verschieben kann.“

Macht nichts.“ Meinte Hannes. „Wir haben noch genug Ersatzspieler.“

Welche Position spielst du denn?“

Sturm natürlich.“

Die Verteidiger des FC taten mir jetzt schon leid. Dieser Riese würd sich nicht einfach bremsen lassen. „Halt dich zurück. Die Halbfinalspiele in der Pokalrunde stehen an. Wenn du die Spieler des FC platt machst, lynchen die Fans dich.“

Ach ich werde mich schon durchsetzen können, ohne  dass ich sie von den Beinen hole. Ok, ich mach mich wieder zu Decker auf, nicht dass er mich suchen kommt.“

Ich wünsch euch viel Glück und gewinnt! Moment.“ Ich fischte meinen Geldbeutel aus dem Schreibtisch, holte einen 50 Euro Schein heraus und gab ihm Hannes. „Wenn ich schon nicht mitspiele, helfe ich wenigstens so.“

Wow.“ Hannes schaute den 50er an. „Bist viel zu gut für die Welt, Bad-Man.“

War ich das? NEIN VERDAMMT! Ich bin der Bad-Man, der Böse und allmählich wurde es Zeit den Bösen in mir wieder an die Oberfläche zu lassen. Trommer und Meyer versuchten mich in die Ecke zu drängen, Zeit ihnen zu zeigen dass sie sich mit mir besser nicht anlegen sollen!

Doch zuerst musste Sarah hier weg, dann würde ich mir Trommer vornehmen!

**

Der Abschied

Wir schlenderten durch den Stadtpark.

Ich will unsere letzten gemeinsamen Stunden nicht hier verbringen, lasst uns draußen etwas unternehmen.“ Hatte Vera Sarah und mir mitgeteilt.

Während der letzten Tage hatten die beiden schon fast ihre ganzen Sachen in ihr neues Zuhause transportieren lassen und lediglich ihr Handgepäck und zwei kleine Koffer blieben noch übrig und die standen schon am Bahnhof und warteten.

Heute hieß es Abschied nehmen.

Gehen wir in den Park.“ Schlug Sarah vor.

Als wir zum Parkplatz gingen fuhr Hannes gerade zu seinem Benefizspiel los.

He ihr zwei, seid ihr später gegen 20 Uhr  noch da?“

Leider nein, unser Zug fährt schon früher.“

Hannes stieg in seinem roten Trikot aus und umarmte die beiden nacheinander. „Ich vermiss euch jetzt schon. Aber ich denke man sieht sich irgendwann wieder.“

Bestimmt mein Großer. Pass mir auf den da auf.“ Vera zeigte auf mich.

Keine Sorge, der halben Portion passiert nichts, solange ich in seiner Nähe bin.“

Vera gab ihm einen dicken Kuss und Sarah schloss sich an.

Unweit vom Bahnhof, schlenderten wir zwischen den anderen Menschen durch,  und genossen unsere letzten gemeinsamen Minuten. Wie verliebte Teenager hielten Vera und Beate Händchen. Nein, korrigiere ich mich immer wieder, Vera und Sarah.

Verdammt, ich hätte nie geglaubt, dass es mir so schwerfallen würde die beiden ziehen zu lassen.

Unsere Beziehung, die als „ganz normale“ Hinrichtung begann, hatte sich zu einer heißen Dreierbeziehung entwickelt, bei der kein Wunsch offen blieb. Besonders im Bett war es ein einmaliges Erlebnis, zwei Sklavinnen zu haben, die einen so richtig verwöhnten.

Tja, das alles war in wenigen Augenblicken vorbei.

Einen Augenblick Liebes.“

Vera nahm mich an die Hand und zog, mich etwas zur Seite.

Danke, danke für alles.“

Schon Ok. Pass auf euch und besonders auf Sarah auf. Du musst ein Auge auf sie halten. So ein Cup gelingt nur ein einziges Mal im Leben. Sie wird bei der einen oder anderen Aufgabe an ihre Grenzen stoßen, hilf ihr diese zu überwinden und halte die Bestie in ihr zurück.“

Mach ich. Du kannst dich auf mich verlassen.“

Ich weiß. Es war eine schöne Zeit mit dir. Und auch eine schöne Zeit mit euch.“

Jetzt mach es nicht schlimmer, als es schon ist.“ Erwiderte sie und wischte sich weinend die Tränen weg.

Sarah kam dazu und weinte jetzt genauso wie Vera. „Ich liebe dich Peter. Danke.“

Schon gut, das reicht. Und jetzt haut endlich ab.“

Vera und Sarah liefen zusammen ein paar Meter, dann drehten sie sich ein letztes Mal um, winkten sie mir noch einmal zu und liefen Hand in Hand in Richtung Bahnhof.

Zum tausendsten Mal fragte ich mich, ob ich begann weich zu werden.

Nein, nicht weich, sondern einsam…

Niedergeschlagen  machte mich auf den Rückweg zum Gefängnis. Um den Kopf wieder frei zu bekommen, konzertierte ich mich auf die kommenden Tage.

Während ich in Gedanken versunken in Richtung Parkplatz ging, fielen mir irgendwann die vielen Martinshörner auf. Anfangs hörte ein paar Rettungswagen, die am Park vorbeirauschten, dann folgten mehrere Streifenwagen.

Wahrscheinlich ein Unfall. Die Unterführung zur Autobahn war ein Magnet für Idioten, die sich und ihre Fahrkünste überschätzten. Naja, ich hatte genug Probleme.

Kurze Zeit später brausten Feuerwehrwagen an mir vorbei und es kamen immer mehr. Zwischen den An und Abschwellen der Martinshörner, hörte ich die Sirenen heulen.

-Das es sowas noch im Zeitalter digitaler Alarmsysteme gibt.- dachte ich. –Muss ein ziemlich großer Unfall sein.-

Als ich in mein Auto stieg kreisten schon mehrere Hubschrauber durch die Luft und die Fahrt zurück zum Gefängnis führte von einer Straßensperrung zur nächsten.

Was ist denn los?“ fragte ich einen Polizisten, der mich an einer Kreuzung stoppte, um mehrere Einsatzwagen der Feuerwehr und des THW durchzulassen.

Keine Ahnung, nur das irgendwas im Stadion passiert ist.“

Wahrscheinlich haben die Amateure gewonnen.“ Brummte ich und erreichte nach einer dreiviertel Stunde das Gefängnis.

Ich stellte meinen Wagen ab, ging zur Schleuse und schaute freundlich in die Kamera. Normmalerweise reichte dass aus, um die Tür geöffnet zu bekommen, doch nichts geschah. Also drückte ich auf die Klingel und nach ein paar Sekunden öffnete sich die Tür. Ich schritt die 15 Meter bis zur zweiten Tür und musste erneut klingeln. Auch diese Tür öffnete sich und als ich mich umdrehte, sah ich, dass BEIDE Schleusentüren offen standen.

-WOW, wenn das Decker sieht, wird es aber einen Einlauf geben.-

Ich trat an die Tür und hämmerte gegen das Glasfenster. „Die Türen stehen beide offen!“

Mir stockte der Atem, als sich Decker umdrehte und die Türen, per Knopfdruck schloss. „DECKER!?“

Mit dem Generalschlüssel schloss ich die Tür zur Pforte auf und trat ein. Decker lief mit seinem Handy in der einen und dem Mobiltelefon in der anderen Hand hin und her. Der Rest der Mannschaft hatte sich an einem Laptop versammelt.

Randy, es ist mir egal ob es legal ist, versuch ihn zu erreichen!“

Was zum Teufel ist los?“ fragte ich die Wachen am PC.

Einer sah kurz auf und zeigte auf den Laptop. Darauf sah ich Luftaufnahmen wie in einem Kriegsgebiet. Rauch, Staub und jede Menge Blaulichter.

Wo ist das?“

Das Stadion. Die Tribüne ist eingestürzt.“

Bevor ich weitere Fragen stellen konnte, tönte Deckers Stimme durch den Raum.

Hannes! Ist dir was passiert? Was ist mit Gratzweiler? … Verdammt… Verstehe…. Klar… Verstanden…Passt auf euch auf!“

Er legte das Handy hin und rieb sich erleichtert die Stirn, bis er bemerkte, dass wir ihn alle ansahen.

Es ist wie sie im Radio gesagt haben. Die ganze Westtribüne ist eingestürzt. Hannes und Gratzweiler waren gerade auf dem Spielfeld, ihnen ist nichts passiert. Sie bleiben vor Ort und unterstützen die Rettungskräfte.“

Gibt es Tote?“ fragte einer der Wachbeamten.

Eine ganze Menge. Und das wird erst der Anfang sein.“

Der Anfang? Wovon?“ fragte ich ihn.

Das wird eine Hexenjagd geben und du“, er sah mich an, „wirst eine Menge Arbeit bekommen!“

**

Hexenjagd

Decker sollte Recht behalten. Hexenjagd war eine sehr treffende Bezeichnung für das was folgte. Die Katastrophe im Stadion brachte die Volksseele zum Kochen. Vierundachtzig Menschen waren beim Einsturz der Westtribüne ums Leben gekommen.

Besonders schlimm war, dass es nicht einfach eine normale Sportveranstaltung gehandelt hatte.

Die Veranstalter hatte kräftig die Werbetrommel gerührt um der gebeutelte Familie zu helfen, das Stadion war komplett ausverkauft und als die Tribüne einstürzte, waren viele der Opfer junge Eltern und Kinder.

Die Presse, allen voran die großen Boulevardblätter,  lieferten die passenden Bilder und Berichte. Uns schon einen Tag später ging ein Aufschrei durch das Land.

Schuldige wurden gesucht und schnell gefunden. Vom Würstchenverkäufer bis zum Präsident des Bundesligisten standen alle unter Verdacht und es kam zu Übergriffen.

Um eine Lynchjustiz zu unterbinden, musste hart durchgegriffen werden, denn nach gerade einmal drei Tagen, während die Untersuchungen noch in den Anfängen steckten, füllten sich schon die Gefängnisse mit Menschen die selbst für Recht und Ordnung sorgen wollten.

Ein besonders schrecklicher Fall von Selbstjustiz ereignete sich, als eine Gruppe von drei Männern das Auto des Sicherheitschefs des Stadions anzündete.

Das schlimme daran war, dass dieser noch zusammen mit seiner Frau im Auto saß und beide dabei umkamen.

Das war der Moment an dem Generalstaatsanwalt Trommer eingriff!

Sofort wurden die drei Männer verhaftet und in einem Schnellprozess verurteilt und öffentlich gehenkt.

Diese Warnung saß. Es gab zwar noch Anfeindungen gegen verschiedene Personen, doch die blieben meistens verbal.

Doch auch Trommer war klar, dass es eine harte Reaktion der Justiz geben musste und so setzte er eine Sondergruppe ein, welche  die  wirklichen Schuldigen ausfindig machen sollte.

Und eine weitere Besonderheit ereignete sich. Wahrscheinlich fiel nur mir es auf, da ich Trommer misstrauisch beobachtete.

Fransiska Haufberger, die sich bei den Bildern und Berichten der Katastrophe sehr zurückgehalten hatte, schaltete sich erst nach einigen Tagen ein, als erste Ergebnisse vorlagen. Das besondere aber war nicht die Berichterstattung, sondern dass Trommer in ihren Berichten sehr gut wegkam.

Wieder einmal nutzte Trommer die Stimme der Presse um sich beim Volk beliebt zu machen. Er begann seine Stellung zu festigen und ich nahm an, dass er erneut die Chance nutzen würde um eine weiter Stufe der Karriereleiter zu erklimmen.

War das gut oder schlecht? Würde er seinen Aufstieg nicht gefährden und still halten, oder würde er erst mich abschießen und dann…?

Naja, momentan hatte Trommer genug um die Ohren. Das Volk wollte Blut sehen und Trommer, da war ich mir sicher, würde dem Volk das geben, was es wollte. Ich konnte also davon ausgehen, dass er mich noch in meiner Stellung als Henker brauchen würde.

Während ich darüber nachdachte und versuchte einige Akten zu bearbeiten, setzte sich Jessika zu mir.

Du hast morgen einen Anhörungstermin im Ministerium.“

Was für eine Anhörung? Wieder ein Gutachten?“

Nein, es geht um dich!“

Beate?“ fragte ich ungläubig.

Offiziell ist der Name nicht gefallen, aber JA, es geht um sie. Hör zu! Trommer wird es nicht hart auf hart kommen lassen. Nicht jetzt. Mach ihnen klar, dass sie dich sonstwo können.“

Ich musste lachen. Ach Jessika… was würde ich ohne dich tun? Untergehen!

**

Verwarnt

Herr Stein, wir hätten ein paar Fragen an sie.“

Ich saß zwei Männern und einer Frau gegenüber. Auch wenn es sich um ein etwas größeres Büro handelte, ich saß da, wie auf einer Anklagebank.

Betreffen diese Fragen meine Person, oder Handlungen meinerseits? Falls ja, würde ich das heranziehen eines Rechtsbeistandes in Erwägung ziehen.“

Nun, es betrifft die Vorgänge in ihrem Büro, bei der Generalstaatsanwalt Trommer zugegen war. Selbstverständlich steht es ihnen frei jederzeit einen Anwalt hinzuzuziehen.“

Ach.“ Seufzte ich. „Was soll es? Schießen sie los.“

Wie konnte Beate Fischer erst sieben Monate nach ihrem offiziellen Tod sterben?“

Frau Fischer starb offiziell erst an diesem Tag. Ein anderes Sterbedatum, wurde von mir nie vermerkt.“

Das stimmte, denn bei Beates Scheinhinrichtung, hatte ich das Sterbedatum offen gelassen.

Ihre Pressestelle hat den Tod von Frau Fischer schon am 5 März bekannt gegeben.“

Nun, die Meldung war wohl übereilt, ich habe diese auch nicht veranlasst und sah auch keine Notwendigkeit dies zu berichtigen.“

Uns interessiert, wie es zu einer solchen Schlamperei kommen konnte.“

-Und mich interessiert, wieso mich niemand von euch auf meine, unter Eid, getätigte Aussage anspricht, in der ich im Prozess gegen die Strass erkälte hatte, dass Beate am 4 März gestorben war.-

Die Antwort lag auf der Hand. Dadurch, dass viele Leute den Vorfall in meinem Büro mitbekommen hatten, musste Trommer reagieren und einen kleinen Ausschuss bilden der mit Sicherheit genau diese Frage vermeiden sollte.

Denn würde ich jetzt einen Anwalt hinzuziehen und erklären, dass diese Aussage mit Trommer abgesprochen war, käme der Ausschuss nicht daran vorbei dem nachzugehen. Trommer wusste genau, dass ich es nicht darauf anlegen und die Pille hier schlucken würde.

Die Mistkerle hier, würden mir einen bösen Finger zeigen und Trommer würde -NOCH- den Deckel auf der Sache lassen.

ABER! Und das war die gute Nachricht dahinter, Trommer hatte keine Ahnung, dass ich ihn hereingelegt hatte. Wüsste er, dass Beate noch am Leben ist, würde ich in Handschellen hier sitzen. Also würde ich mitspielen…

Selbst Profis wie mir, unterlaufen Fehler. Allem Anschein nach, wurden Akten vertauscht, bzw. Berichte in falsche Akten abgeheftet, was dazu führte, dass Frau Fischer unter, bereits hingerichtet, geführt wurde.

Glücklicher Weise, ist das nur in dieser Richtung möglich, nicht umgekehrt.

Sie geben also zu, dass ihnen in dieser Sache ein grober Schnitzer unterlaufen ist?“

Solange sie es nicht „Vorsatz“ nennen, können sie es bezeichnen wie sie wollen. Aber ja, ich hab es verbockt.“

Ich wurde gebeten draußen einen Moment zu warten, während sich die Ausschussmitglieder berieten. Nach weniger als 20 Minuten wurde ich wieder hereingebeten.

Herr Stein, wir sind zu der Entscheidung gekommen, dass es durchaus menschlich ist, Fehler zu machen, jedoch ist das Ausmaß dieses Fehlers hoch. In Rücksprache mit Generalstaatsanwalt Trommer, werden sie hiermit offiziell gerügt.

Die Rüge wird in ihrer Personalakte vermerkt werden.

Sie haben natürlich das Recht gegen diese Entscheidung ein Rechtsmittel einzulegen.“

-Und ihr könnt mich am Arsch lecken. Wenn ihr wüsstet…-

Vergessen sie es. Machen sie ihren Eintrag und sein sie glücklich damit. Sind wir fertig?“

**

Mit einer verdammt großen Wut im Bauch fuhr ich zurück zum Gefängnis. Fast hätte ich den roten Kleinwagen gerammt, der auf meinem Parkplatz stand, als ich mit Schwung auf meine Lücke zusteuerte. Gerade noch rechtzeitig brachte ich mein Auto zu stehen.

Das brachte das Fass zum überlaufen. “So eine Scheiße!“ Schimpfte ich lauthals los und sah, eine gutaussehende Rothaarige, die aus einem Fenster der Verwaltungsgebäude herunter sah und sich darüber köstlich amüsierte.

Immer noch schimpfend suchte ich einen anderen Parkplatz, der natürlich am anderen Ende des Parkplatzes lag und ging zurück in mein Büro.

Jessika war schon lange da und hatte mir den Schreibtisch voll mit Akten gepackt, aber mir auch einen Tasse Kaffee dazu gestellt.

Kaum saß ich am Tisch, da wurde mir die Leere die hier herrschte bewusst.

Keine Vera und auch keine Vera, die irgendwann im Laufe des Tages zu mir kommen würde. Und auch keine Sarah, die mit ihrem offenen Lachen hier vorbeisehen würde.

Jessika riss mich aus dem Grübeln, als sie sich ebenfalls mit einer Tasse Kaffee in der Hand, zu mir setzte.

Mir fehlen sie auch.“

Was? Ah, die beiden. Egal, nehme ich halt was Neues.“

Schon klar. Bad-Man. Wie war die Anhörung?“

Hab eine offizielle Rüge bekommen, sie geschluckt und ihnen gesagt, sie können mich mal.“

Peter, ich bin stolz auf dich.“

Wieso?“

Du hast gelernt, wann es besser ist den Mund zu halten. Aber hier das wichtigste für Heute: Die Neue ist da, ihre Akte liegt auf dem Tisch, und bevor du zu ihr gehst, sollst du bei Frank vorbei schauen.“

Die Neue?“

Die neue Henkerin.“

Aja, Ich erinnerte mich. In all der Aufregung hatte ich die Neue ganz vergessen. Wie immer hatte es eine Flut von Bewerbern gegeben und Frank hatte mich nach meiner Meinung gefragt.

Ohne das ich beschreiben konnte, hatte diese Miles etwas, dass mich dazu brachte sie als Favoritin für den Job vorzuschlagen.

Wie üblich war Frank meinem Vorschlag gefolgt und hatte Caroline Miles gegen alle anderen Stimmen durchgesetzt.

Ich holte die Akte vom Tisch und schaute sie noch einmal durch.

Caroline Miles, 32 Jahre, keine Familie. Soweit die Zahlen. Die letzten Jahre hatte sie auf einer Südseeinsel, ich musste den Namen zweimal lesen, Soulebda, gearbeitet.

Soulebda? Nie gehört…

Das wichtigste aber war, dass Caroline Miles fertig  ausgebildet ist und sie brauchte sicher nur eine kurze Einarbeitungsphase.

Das war gut, denn langsam füllte sich der Todestrakt wieder und ich könnte etwas Unterstützung gebrauchen. Decker schien Recht zu behalten. Wenn man der Presse glauben konnte, würde Trommer in der Stadions Katastrophe hart durchgreifen und mir eine Menge Kandidaten schicken.

Ich versuchte es jedem meiner Delinquenten so leicht wie möglich zu machen, doch das klappt nicht, wenn du im Hinterkopf hast, dass du jetzt schon unter Zeitdruck stehst, da noch zwei Hinrichtungen durchzuführen sind. Unweigerlich würde ich dann wieder an jenen finsteren Punkt, wie vor 20 Jahren kommen, der meine Seele auffressen wollte.

Also kam mir eine weitere Henkerin gerade Recht, zumal sie allem Anschein nach ein heißer Feger zu sein scheint.

Unwillkürlich musste ich grinsen.

Das Bild in der Akte zeigte eine attraktive rothaarige Frau mit graublauen Augen mit einem leichten Grünstich, wenn auch nicht so grün wie die Augen von Beate. Doch auch wenn es ein typisches Bewerbungsfoto war, die Braut sah verdammt heiß aus.

-STOPP- gefällt sie dir nur, weil sie  wie sie Vera und Sarah rothaarig ist?- drängte sich die Frage in mein Gehirn. –oder gefällt sie dir wirklich?-

Nein, die Frau hatte zwar auch rote Haare, doch das schien auch die einzige Gemeinsamkeit.

Ich versuchte Carolines Aussehen neutral zu bewerten. Die Braut sah nicht gut aus. Nein, sie sah richtig geil aus!

Jessika sah mir zu während ich die Akte studierte. Als ich sie zuklappte sah sie mich zweifelnd an.

Was ist?“ fragte ich.

Sie ist keine Vera und auch keine Sarah!“

Das weiß ich.“

Ich erwähne es nur, weil ich dein Grinsen gesehen habe.“

Ich habe nicht gegrinst.“

Mir kannst du nichts vormachen, ich kenne dich viel zu gut. Ich weiß nur zu gut dass sie genau dein Typ ist. Und jetzt mach dich auf den Weg zu Frank.“

Seufzend kam ich Jessikas Aufforderung nach. Jessika hatte es erkannt. Caroline gefiel mir, dennoch kam ich mir, gegenüber Vera, wie ein Verräter vor.

**

Eine Rüge?“ fragte Frank der mit Sicherheit schon wusste, wie die Anhörung ausgegangen war.

Ja.“

Vergiss sie. Thekla hat sie, aus Versehen natürlich, in den Aktenvernichter gesteckt.“

Danke. Aber ganz ehrlich… Frank ich frage mich wie lange ich den Job noch machen soll und ob ich dich nicht vielleicht um einen Job in der Verwaltung bieten sollte, dann wäre mich Trommer los und du würdest nicht zwischen die Fronten geraten.“

Wenn du das in Erwägung ziehst, dann muss ich dir zum jetzigen Zeitpunkt eine Absage erteilen. In den nächsten Monaten wird einiges auf uns zukommen. Ich kann dich jetzt nicht entbehren. Erstens muss Caroline Miles eingearbeitet werden, zum anderen bekomme ich nicht schon wieder Mittel eine neue Stelle zu besetzen. Je nachdem wie die Stadionsache ausgeht, können wir in ein paar Monaten wieder darüber sprechen.

Gut. Ich gehe aber davon aus, dass meine Wünsche nicht der Grund für meine hier sein sind.“

Nein, ich hatte gerade das Vorstellungsgespräch mit der neuen Henkerin.

Caroline Miles?“

Genau.“

Und?“

Sie ist keine Vera!“

Himmel, fang du jetzt nicht auch noch an. Ich brauche kein Mitleid. Weder von dir, noch von sonst jemanden.“

Ich will dich nicht bemitleiden, ich will dich warnen.“

Jetzt wurde ich vorsichtig. Frank warnte niemals ohne Grund.

Warnen? Wovor?“

Vor ihr. Caroline Miles ist eine Killerin.“

Das verlangt der Job, deswegen ist ja hier.“

Nein, sie ist echte Killerin. Die Amis haben sie aus dem Land gejagt. Weißt du was man als Henker anstellen muss, damit das passiert?

Caroline Miles wird sich dir nicht einfach unterordnen. Diese Frau ist ein Alfa Weibchen und du bist da… nennen wir es,… wenig flexibel.“

Da musste ich auflachen.

OK, ich werde mich bemühen sie nicht gleich bei der ersten Gelegenheit umzubringen.“

Die erste Gelegenheit, wirst du gleich haben. Ihr werdet auf Trommes Wunsch gemeinsam an einem Termin teilnehmen.“

Ein Termin mit Trommer?“

Offiziell geht es um die zu erwartenden Urteile in der Stadions Katastrophe,  in dem Termin wird es noch um mehr gehen. Besonders danach.“

Ich schaute ihn an und hob fragend die Augenbrauen.

Du bist nicht der einzige der Informanten hat. Caroline Miles wird im Anschluss noch ein Einzelgespräch mit unserem Generalstaatsanwalt haben, bei dem es um dich gehen wird.“

Um mich?“

Er wird ihr auftragen, dich im Auge zu behalten.“

Warum sollte Trommer das tun?“

Das weißt du genau. Es hat genug Gerüchte über Beate gegeben. Warum glaubst du denn, ist er bei dir aufgetaucht und hat Beate selbst „erschossen? Warum hat er dir im Ausschuss heute klar gemacht, dass er dich beobachtet?

Er kann es dir zwar nichts nachweisen, aber er traut dir auch nicht. Für ihn ist Caroline ein Geschenk. Sie ist von außerhalb und hat keine Verbindungen zu irgendeinem von uns.

Tu dir selbst einen Gefallen und mach dir Trommer nicht noch mehr zum Feind. Sei nett zu Caroline.“

Ich werde mein Bestes geben. Noch etwas, dass ich wissen sollte.“

Ja, und das hat es in sich.“ Er griff zum Telefon, und wählte eine Nummer.

Du kannst kommen.“ Sagte er nur und leget auf.

Eine Minute später erschien Mike, von der Presseabteilung.

Hallo Bad-Man. Na, wie ist das Singelleben?“

Könnte kurz sein, da ich aufgehängt werde, weil ich einen Pressefuzzi erschlagen habe.“

Mike grinste breit und setzte sich.

Sagt dir der Namen Fransiska Haufberger etwas?“

Haufberger… Ja, und ob mir das etwas sagt. Sie ist doch die Pressetante, die Trommer so in den Himmel lobt.“

Nicht nur das, sie ist auch Reporterin bei ACP. Ihre Spezialgebiete sind Korruption und behördeninterne Schweinereien.

Nachdem Brandanschlag mit den zwei Toten, hat Trommer sie zu sich gerufen und arbeitet seitdem mit ihr zusammen. Regelmäßig treffen sich die beiden und tauschen sich untereinander aus. Und das meine ich durchaus ernst…“

Du wisst sagen, die beiden haben was miteinander?“

Bestätigt ist das nicht. Aber durchaus möglich. Denn es kam nie ein Wort der Kritik an Trommers Person in die Zeitung.“

Die Prozesse in der Stadionsache, gegen die Baufirma und andere Beteiligte, werden bald losgehen und wir alle wissen, wie die enden werden.

Du und Richard werdet viel Arbeit bekommen.

Fransiska wird euch dabei über die Schulter sehen,  damit Trommer der ganzen Welt zu zeigen kann, wie konsequent die Justiz arbeitet.“

Das konnte ja heiter werden. Meine zwei Frauen weg, kein Parkplatz, eine neue Henkerin die Probleme hat sich unterzuordnen und mich eventuell bespitzeln soll und eine Reporterin, die mit dem Generalstaatsanwalt was laufen hat, der mich abschießen wird, sobald er mich nicht mehr braucht.

Kann der Tag denn noch besser werden?

JA!

Übrigens, Decker hat mir, unter Zwang, berichtet, dass du die letzten Termine für die Selbstverteidigung geschwänzt hast. Du weißt was ich davon halte. Ab jetzt kein schwänzen mehr, Klar?!“

Klar.“

Dann los, damit unser hoch geschätzter Generalstaatsanwalt nicht warten muss.“

Auf den Weg in die Empfangshalle ließ ich mir noch einmal die ganzen Informationen durch den Kopf gehen. Das würde heiter werden, doch ich nahm mir fest vor, es mit Caroline nicht schon gleich zu Beginn zu verscherzen. Es schien mir wichtig, mit Caroline klar zu kommen.

Gleichzeitig musste ich auf der Hut sein. Sie durfte nie hinter Beates Geheimnis kommen. Schon gar nicht wenn sie für Trommer spionieren sollte.

-Bleib cool und nett.- Versuchte mich zu beruhigen. Wenn die Infos über Caroline tatsächlich stimmten, würde sie kaum Trommer nach dem Mund reden oder sich bei ihm einschleimen.

Ich erreichte die Halle und fragte die diensthabende Beamtin, ob Caroline schon da wäre.

Die zeigte mir eine Frau und ich erkannte die Rothaarige, die sich über meinen geklauten Parkplatz köstlich amüsiert hatte.

-War ja klar. Egal, bleib freundlich.-

Mit einem entwaffneten Lächeln ging auf sie zu.

**

Caroline

Caroline Miles? Ich bin Peter Stein, der Leiter des Frauentrakts. Willkommen in unserem kleinen Reich.“

Caroline war aufgestanden musterte mich kühl, von oben nach unten.

Frank hatte Recht, Caroline hatte die Augen einer Killerin. Graublau mit einem Grünstich und kalt musterte sie mich.

WOW was für eine Frau! Sie war genau so groß wie ich, schlank aber nicht dünn, mit Kurven an den richtigen Stellen. Sport war für sie ganz klar kein Fremdwort. Caroline war durchtrainiert und hatte trotz ihrer C-Möpse einen drahtigen Körper.

Die Haare waren feuerrot und gingen über die Schulter hinaus und nicht einmal Sarah kam an dieses Feuerrot heran.

Sie hatte sich mit einem kurzen Rock, sowie einer feschen Bluse gekleidet und trug dazu elegante, aber bequeme Schuhe.

Alles in allem, ein Prachtweib.

Genug gesehen?“ riss sie mich aus den Gedanken.

Ich grinste.

Ich weiß nicht, ich könnte noch etwas hinsehen.“

Sie warf mir einen finsteren Blick zu.

Wir sollten gehen. Trommer hasst es wenn man zu spät kommt.“ Sagte ich zu Ihr. „Vielleicht können wir uns auf dem Weg zu ihm ja noch etwas kennen lernen.“

Sie scheinen, was Zuspätkommen betrifft weniger Hemmungen zu haben, sie sollten schon seit einer viertel Stunde da sein.“

Ich muss mich entschuldigen, aber da steht jemand auf meinem Parkplatz.“

Als sie sich umdrehte, sah ich, dass sie sich neu eingekleidet hatte, denn auf ihrem Rücken klebte noch ein Preisschild.

Ganz der Gentleman entfernte ich es ohne sie darauf hinzuweisen.

-Das wird nicht einfach…-

**

Der neue Start

Fünf lange Jahre war ich dem Inselstaat Soulebda als die staatliche Henkerin verpflichtet, jetzt war es Zeit eine andere Gegend zu besuchen.

Das lag einerseits an den gedungenen amerikanischen Jagdhunden, die mir in Soulebda aufgelauert hatten und die ich ausschalten musste, aber auch an den Informationen über einen eiskalten Killer, den man nur als „den alten Franzosen“ kannte. Dieser hatte meinen Verlobten eiskalt ermordet.

Dieser Schweinehund von einem Killer hatte sich nach Deutschland abgesetzt. Da kam mir die Ausschreibung hierher gerade recht. Diesmal eben kein Sonnenbad aber auch keine Mückenschwärme die dir das Blut aus den Armen saugen und keine Tausendfüßler in Zigarrengröße.

Ob ich allerdings den alten Franzosen in Deutschland je treffen würde, war mehr als fraglich. Während des langen Fluges hatte ich mich mit meiner Sitznachbarin angefreundet, einer Physikerin, die in den Süden Deutschlands musste. Unsere Konversation war ergiebig, lustig und ansteckend, bei der Landung hatte sich die halbe Businessklasse in uns verliebt.

Ehe es zum Vorstellungsgespräch ging, musste ich mich noch neu einkleiden, irgendwie waren meine Koffer auf dem Weg nach Ulan Bator und ob ich die jemals wiedersehen würde, war mehr als fraglich. Nach dem Einkaufstrip ging es dann endlich zur Verwaltung meines zukünftigen Arbeitgebers.

Parkplatzmangel sollte also ab sofort zum Standard gehören, aber einen schönen Platz fand ich dann dennoch, stellte meinen Mini Cooper ab und ich wurde im Eingangsbereich freundlich empfangen.

Da ich etwas zu früh war wartete ich in einer Sitzgruppe und entfernte an meiner neuen Kleidung noch eben ein zwei Preisschilder, die ich übersehen hatte.

Schließlich fiel mir attraktiver Mann mittleren Alters auf, der sich herrlich über die Unsitte der Parkplatzräuberei ausließ, offenbar hatte ein Besucher sich erlaubt auf seinen doch deutlich ausgeschilderten Privatparkplatz zu stellen. Dass mich das amüsierte fiel ihm offenbar auf und der Blick den ich erntete war recht böse.

Als er mit der Empfangsdame sprach und sie darauf auf mich zeigte, kam er auch direkt und recht forsch auf mich zu. Er stellte sich als Peter Stein vor und war mein avisierter Gesprächspartner für heute. Er entschuldigte sich für die Verspätung aber irgendein Unmensch hätte sich doch tatsächlich auf seinen Parkplatz gestellt und so musste er irgendwo, ganz weit weg einen anderen suchen.

Auf dem Weg zum Aufzug zeigte er auf meinen Mietwagen und identifizierte ihn als den Übeltäter.

Ich stellte mich Peter als Caroline Miles vor und stellte gleich klar, dass ich nicht die CEP von Save the children sei, sondern dass sie nur den Namen mit mir teilte.

Peter musterte mich aber sehr genau, so als ob ich für ein Casting angereist sei und er versteckte seine Blicke keineswegs. Selbstsicher war er also auf jeden Fall.

Habt ihr hier keine Parkplatzordner? hier stehen auf den Gästeparkplätze Fahrzeuge quer und blockieren diese für Gäste, da kann es rasch zu Überraschungen kommen.“ und zog meine linke Augenbraue leicht hoch.

An seinem Blick war zu erkennen dass es in Peter bereits grübelte, und ich war am überlegen, ob ich es wagen sollte, mal zu sehen wie weit ich gehen könnte, oder mich doch etwas zurückhalten sollte.

Noch ehe ich etwas sagen konnte, sah ich in den verspiegelnden Fenstern, dass er an meiner Bluse offenbar noch ein Preisschild löste, welches ich übersehen hatte. Ohne einen Ton zu sagen löste er es ab und sagte keinen Ton. Da steckte offenbar doch ein Gentleman drin.

Dann stiegen wir in den Aufzug. Einige Männer stiegen hinzu und ein junger Mann sprach sogleich Peter an.

Hey Bad Man, hast du die rothaarige klasse Braut gesehen die sich bei der Parkplatzsuche auf deinen Platz stellte, die war ja mal so was von scharf und…“ dann sah er mich an, stotterte kurz, lief knallrot an und schwieg augenblicklich.

Sein Blick blieb auf mir ruhen und sein knallrotes Gesicht hatte etwas Bübisches. Ich blickte ihn länger an, dann zu Peter und sagte mit Blick zu Peter, „So viel zum Thema Parkplatzordnung…“ und ein leichtes Grinsen zeigte sich in Peters Gesicht.

Einige Etagen später stieg der junge Mann aus, musterte mich nochmals komplett bis sich die Tür schloss.

Dann stieg eine junge Blondine, in Begleitung eines Angestellten des Hauses hinzu. Ich hörte aus dem Gespräch, dass sie zu Generalstaatsanwalt Trommer wollte und sich als Vertreterin der überregionalen Presse dort melden sollte.

Auf ihrem Namensschild stand zu lesen „Fransiska Haufberger, Reporterin ACP“. Peter musterte die Dame nur leicht.

Ich selbst wurde von der Blondine genau gemustert, ihr Mustern fiel mir natürlich auf und als ich sie ansprach, aus welchem Fachbereich der schreibenden Zunft sie sei, kam nur ein hochnäsiges.

Verdeckte Ermittlungen und Spezialaufgaben, ich muss hier herausfinden ob sich ein massiver Schwindel abspielt, doch was geht Sie das an?“

Mit meinem Blick zu Peter meinte ich nur „Nichts, aber wenn Sie verdeckte Ermittlungen durchführen, weshalb sagen Sie es dann ausgerechnet mir?“

Die Blonde war nun offenbar verschnupft und zählte konzentriert die Nieten in der Verkleidung des Aufzuges. In der obersten Etage angekommen wollte sie nach links, ihre Begleitung zog sie aber in den rechten Gang „Hier entlang bitte Frau Haufberger“.

Wir folgten ihnen, da wir auch zu Herrn Trommer mussten. An der Tür zu Trommer angelangt schaute sich die Blonde genervt zu uns um. „Sagen Sie, folgen Sie mir etwa?“ und Peter antwortete, „Nein – Sie gehen nur vor exakt vor uns her!“

Dann traten wir ein zu Generalstaatsanwalt Trommer…..

Generalstaatsanwalt Trommer

Das Türschild wies auf einen machtbesessenen Menschen hin.  Die Schriftart war eindeutig eine Stufe größer als die restlichen Schriften im Haus, er hatte es also offenbar nötig.

Der Raum war ein schier riesiger und nobel ausgestatteter Raum mit edlen Möbeln bequemen Sesseln und zwei Tischen. Einem für große Besprechungen und einen kleineren für bis zu 8 Leute. Hinter dem mächtigen Schreibtisch thronte Generalstaatsanwalt Trommer und davor saßen noch zwei Anzugträger der gehobenen Gehaltsklasse.

Ah da sind Sie ja“ sprach  Trommer und kam auf uns zu.

Ganz Gentlemanlike begrüßte er uns und wies uns die zugedachten Plätze am Konferenztisch zu. Lediglich Peter wurde mit einem finsteren, ja bösen Blick begrüßt und ansonsten ignoriert.

Dann darf ich die Herrschaften miteinander bekanntmachen, hier zu meiner linken Herr Oberstaatsanwalt Kleuber, mein Nachfolger und zur rechten Herr Müller von der internen Ermittlung.

Keine Sorge wir haben nichts gegen Sie vorliegen“ und lächelte süffisant. „Frau Fransiska Haufberger von der ACP. Ihr Spezialgebiet sind Korruption und behördeninterne Schweinereien“.

Frau Haufberger stand kurz auf und nickte freundlich sachlich und setze sich wieder brav.

Als letztes noch unsere neu gewonnene Henkerin, Frau Caroline Miles. Sie war die letzten Jahre in Übersee in einigen Ländern als Henkerin eingesetzt und es haben sich bei der Aktendurchsicht noch ein paar Ungereimtheiten ergeben die wir hier und heute gerne mit Ihnen klären würden, Frau Miles.“

Alle Augen richteten sich auf mich und auch ich stand kurz auf und grüßte.

Trommer fuhr fort: “Der Inselstaat Soulebda scheint Sie ja ganz gut gefordert zu haben. Gab es da, zu Ende Ihrer Zeit, nicht auch einen Aufstand der mit Gewalt zerschlagen wurde und waren Sie bei der Zerschlagung nicht auch selbst beteiligt?“

Wieder wanderten die Augen zu mir.

Das ist korrekt, in der Tat gab es im letzten Halbjahr einen Aufstand einiger größer Gruppen, welche auch den Präsidentenpalast angegriffen hatte, dabei geriet auch der Präsident und seine Gattin mit einigen Gästen in Gefangenschaft, aus der sie dann aber rasch befreit wurden und…“

Entschuldigen Sie Frau Miles, ich lese hier im Statement des Präsidenten, dass er Sie als die treibende Kraft bei seiner Befreiung bezeichnet.“ entgegnete mir Oberstaatsanwalt Kleuber und fuhr fort.

im Laufe der Befreiung wurden über 128 Personen zu Tode gebracht – und äh sehr viele wohl durch Sie, außerdem  werden hier als eine Art Berserkern beschrieben, bitte erklären Sie das!“

Nun die Sicherheitskräfte hatten die meisten der Angreifer  erschossen, ich war zu der Zeit beim Präsidenten und seiner Gemahlin eingeladen und hatte nur mit einigen wenigen Kämpfern zu tun, die schnell ausgeschaltet werden konnten.“

Frau Miles hier steht 128.“

Ja, der Palast war gut zu verteidigen und die Angreifer waren offenbar keine so guten Kämpfer, denke ich.“ Die Männer wechselten einige Blicke und Trommer übernahm.

Frau Miles, der Präsident schreibt hier etwas von fünf Angreifern die zeitgleich zu Tode kamen und von drei weiteren die im Nahkampf ausgeschaltet wurden, hmmm, welchen Kampfsport üben Sie gerade nochmal aus?“

Wahrheitsgemäß antwortete ich „Krav Maga…“

Aha – und wieso kamen die Angreifer so schnell ums Leben?“

Die ersten fünf haben sich abgeseilt ich konnte sie nacheinander bekämpfen und die restlichen drei habe ich dann im Nahkampf niedergestreckt.“

Verstehe“ sagte Trommer und machte einen Haken auf seinen Notizen „Wo haben Sie eigentlich das Schießen gelernt Frau Miles?“

Unter anderem in Amerika bei einer kleineren Sondereinheit.“ antwortete ich.

Frau Miles, in Ihren Unterlagen steht dass Sie eine Ausbildung bei einer Special Forces Einheit durchliefen, ist das so?“

Dazu möchte ich keine Angaben machen, wenn das öffentlich ist, dann steht es sicherlich auch in meiner Akte und wenn nicht, dann sollte ich besser schweigen, Sie verstehen sicherlich, auch bei Ihnen gelten die Geheimhaltungsklausel.“

Trommer hielt ein ziemlich dickes Pamphlet in den Händen, an vielen Stellen war es geschwärzt, es bestand fast mehr aus schwarz, als aus Text und fragte, „Diese Unterlagen hier? Da hat das Kohlepapier meiner Sekretärin mehr lesbaren Text.“ und warf die Akte auf den Tisch. Amerikaner, für die ist alles geheim.“ Dabei grinste er.

Aber egal, das betraf ja nur die militärische Schiene, nun zum zivilen Teil. Wieso besteht gegen Sie ein Einreiseverbot in die USA Frau Miles?“

Während meiner mehrjährigen Tätigkeit als Henkerin in den Staaten, hatte ich auch die beiden Söhne eines hohen Beamten hinzurichten. Das Urteil hatte Bestand, wegen der Schwere der Taten. Also führte ich die Weisung des Gerichtes aus.

Als die Söhne am Seil hingen kam der Vater hinzu und drohte mir, dass, sobald er Minister wäre, die Jagd auf mich beginnen würde. Ich zog es dann vor, dieses ehrenwerte Land schnellstens zu verlassen, denn einen Monat später wurde der Mann in ein sehr hohes Amt berufen und der Rest steht in meiner Akte“

Verstehe“ sagte Trommer, schaute zu seinen beiden Beisitzern und als diese nickten wurde sein Blick wieder deutlich freundlicher.

Gut Frau Miles, das passt zu unseren eigenen Erkenntnissen, ich begrüße Sie also nochmals herzlich in unseren Reihen.“

Trommer setzte sich wieder bequemer hin.

Nun zu etwas anderem. Wir hatten in der letzten Zeit mehrfach Gerüchte, dass es in unserem Strafvollzugssystem ein paar Ungereimtheiten gibt. Das prüfen wir und wollen auch externe Kräfte hinzuziehen. Aus diesem Grunde hat sich auch Frau Haufberger hier eingefunden, sie wird uns die kommenden Jahre unterstützen, damit es keine weiteren Gerüchte mehr gibt.

Frau Haufberger untersteht direkt mir und ich berichte dem Ministerium. In dieser Zeit wird sie in Ihrem Gebäudetrakt untergebracht.“ Dabei schaute er siegessicher Peter an.

Dieser Blick von Generalstaatsanwalt Trommer war eiskalt und berechnend. Egal was früher zwischen ihm und Peter Stein war, hier lag Hass in der Luft.

Ein kleiner Blick zu Frau Haufberger und ihr Leuchten in den Augen beim Anblick von Trommer machte mir klar, da lief was zwischen den beiden. Die beiden anderen Beamten schienen aufrichtig zu sein, auf jeden Fall hieß das für mich Augen auf…

In Peters Augen sah ich nur etwas lauerndes, der Mann wusste sich offenbar zu wehren. Ich hatte nur keine Informationen weshalb ausgerechnet der Generalstaatsanwalt ein Auge auf ihn geworfen hatte.

Aber noch ehe ich die eine oder andere Richtung verfolgen konnte, begann urplötzlich der Routinebetrieb. Es ging um einen Stadionunfall hier in der Stadt. Offenbar war das eine mächtige Sache und viele Leute waren in den Vorfall involviert.

Dazu kam, das war für den Job wichtig, man rechnete mit über 100 Angeklagten davon würden offenbar 26 letale Urteile dabei sein. Das würde also gleich eine erste Bewährungsprobe werden.

Noch während Kleuber sprach und die ersten Unterlagen verteilte, fielen mir einige Dinge auf. Trommer ließ seinen Blick auf zwei Menschen ruhen und nahm ihn nicht von diesen weg, der eine war Peter Stein die andere Person war die Reporterin.

Der andere Ermittler, Herr Müller, von der internen Ermittlung, war aufgestanden und sprach von einer schonungslosen Aufklärung und dass kein Pardon gegeben würde.

Außerdem brachte er diese Reporterin ins Rennen. Sie stand auf und da war es auf einmal, dieser verräterische Blick, ein Blick den sich zwei Menschen zuwarfen die sich näher gekommen waren und glaubten, dass die restlichen Menschen das nicht mitbekämen. Dieses kleine gemeine Funkeln in deren Gesicht. Ich sah es genau und Peter Stein hatte, mich im Blick und hatte dies genau erkannt.

Doch dann begann die Reporterin. „Ich werde selbstverständlich objektiv aber auch schonungslos berichten. Sollte ich den Eindruck haben, dass hier etwas anders als Rechtens abläuft werde ich dieses schonungslos offen legen. Ansonsten freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit ihnen allen. Besonders sie, Frau Miles, möchte ich noch einmal herzlich willkommen heißen.“

Wenn ich etwas hasste, dann solch ein offenes Geschleime, doch ganz Profi wollte ich höflich reagieren, aber es kam anders. Trommer brachte eine Frage auf und in dem Raum stürzte die Temperatur urplötzlich und mindestens 10 Grad.

Was macht übrigens ihre Kollegin Frau Schlosser?“ Die beiden anderen Beamten vertieften sich in den Akten, dafür grub sich der Blick der Haufberger in Peter Steins Gesicht.

Frau Schosser hat ihre Ausbildung mit Bravour abgeschlossen. Zu meinem Bedauern wurde sie versetzt. Doch der Bezirk, den Frau Schlosser jetzt betreut, musste dringend neu besetzt werden.“

Generalstaatsanwalt Trommer filetierte Steins Gesicht. Irgendetwas war da abgegangen, so spricht nur jemand der etwas ahnt. Zwischen den beiden herrschte eine Eiszeit, das war klar und ich kam genau hier dazwischen, nun das konnte interessant werden, oder ganz schnell wieder vorbei sein.

Sagen sie ihr einen schönen Gruß von mir, und dass ich hoffe sie bald wieder zu sehen.“ Die Besprechung war beendet, man verabschiedete sich. „Frau Miles, wenn sie noch einen Moment Zeit hätten?“ hielt mich Trommer zurück.

Ich warte draußen.“ kam von Peter Stein, in seinen Augen war eine Mischung aus Hoffnung, Hass und etwas das ich nicht einordnen konnte.

Trommer schloss die Tür und wir waren allein.

Noch einmal Frau Miles, seien Sie bei uns herzlich willkommen. Wie Sie gesehen haben gibt es auch bei uns Vorfälle, die man nicht immer mit der Waffe lösen kann. Sie lösen jetzt ja unsere bisherige Henkerin, Frau Schlosser ab, eine Frau die auch ihre Geheimnisse innehat.“

Er musterte mich eine Weile, kam aber zu keiner klaren Meinung über mich, das merkte man dem Mann an. Er war von sich so etwas von überzeugt und gleichzeitig stank er förmlich vor Arroganz, der Mann war gefährlich, das war mir klar.

Frau Miles, ich möchte dass Sie eine interne Bewertung über Kollegen Stein erstellen. Das machen wir immer so, schließlich sind wir hier Profis und als solche erwarte ich eine professionelle Beurteilung von Herrn Stein durch Sie. Ist das ein Problem?“

Nein eine professionelle Bewertung sollen Sie erhalten, verfügen Sie über passende Formulare oder hat das frei zu erfolgen?“

Ich würde mich über freie Formulierungen freuen, das gibt eine gewisse Form der Stilfreiheit, wenn Sie verstehen. Bitte nehmen Sie dieses Kurzmemo über diese beiden Frauen, das Memo verlässt den Raum nicht, ich möchte auch dass Sie Informationen über diese beiden Frauen aus Stein der Bewertung hinzufügen. Nun lesen Sie!“

Während ich las, orientierte ich mich in dem großen Zimmer.

Trommer stand am anderen Tisch und schaute angeblich auf einige Fallakten, tatsächlich checkte er auf einem der anderen Bildschirme und ließ die Gesichter der beiden Frauen laufend vor- und zurücklaufen, ganz so als suchte er etwas, schien es aber nicht zu finden.

Aus den großen Fenstern hatte man einen guten Blick auf die ganze Anlage, ich sah gute ausgebildete Wachen und aus zwei Häusern die an die Anstalt grenzten schauten Gesichter die keine Anfänger waren, aber offensichtlich nichts mit der uns hier zu tun hatten.

Aus Soulebda hatte ich gelernt schnell viel zu sehen und zu verstehen und hier kamen keine guten Bilder auf. Das Zimmer von Trommer schien zwar sauber, aber der Access Point an der Decke blinkte mir etwas zu heftig. Hier war noch etwas ganz anderes am Laufen.

Nach einer knappen Viertelstunde verabschiedete mich Trommer sehr kühl und überfreundlich und schloss die Tür hinter sich. Draußen stand Peter Stein auf und kam lächelnd auf mich zu.

Wer ist Sarah Schlosser?“ War meine klare Frage an ihn.

Eine Kollegin, die ich ausgebildet hatte. Sie war übrigens auch in den Staaten als Henkerin tätig.“ Das beeindruckte mich keineswegs, in den Staaten gab es hunderte Henkerinnen und Henker.

Und wer ist Beate Fischer?“ Dabei sah ich ihn genau an. Sein Gesicht war glatt, nicht heimtückisch, eher vorsichtig abschätzend. Peter Stein schluckte nicht einmal bei der Antwort. „Beate war eine verurteilte Mörderin, die hingerichtet wurde.“

Irgendetwas lief hier nicht rund, hier gab es zu viele Stolpersteine, mehr als üblich in einer solchen Anstalt, das war nun klar.

Also musste ich meinen Platz klarmachen, denn ich hatte keine Lust mich erneut  mit gedungenen Schergen der CIA anzulegen. „Damit das klar ist. Mir gefällt es hier. Und ich habe keine Lust Ärger zu bekommen, nur weil du irgendwelche krumme Dinger drehst.“

Sein Gesicht blieb freundlich aber sehr beherrscht. „Ich drehe keine krummen Dinger. Ich erledige lediglich meinen Job. Und ich bitte dich nur dasselbe zu tun, wir werden in den nächsten Wochen alle Hände voll zu tun haben.“

In Peter Stein bebte es, das merkte ich, aber er hatte keine richtige Wut auf mich, da war noch etwas anderes und er versuchte es freundlicher mit einer sogar angenehmeren Stimme. „Lass uns zusammen und nicht gegeneinander arbeiten.“

Der letzte, der mir so etwas gesagt hatte,  versuchte eine Stunde später meiner geliebten Penelope die Kehle aufzuschlitzen, also machte ich dicht.

Ich arbeite nur für mich, und wer mir im Weg steht, den mache ich fertig.“

Damit ließ ich ihn stehen und ging zum Aufzug. In der Zwischenebene stieg ich aus und schaute nach unten. Trommer stürmte mit seinen beiden Lakaien aus dem Gebäude, offenbar war er so richtig böse geladen.

Einige andere Bedienstete sahen ihm nach, das zeigte kein gutes Bild von ihm. Andere beachteten ihn gar nicht. Am Empfang aber stand die Dame von vorhin und beobachtete mich genau. Diese Frau war gut, das sah man auf den ersten Blick. Egal, jetzt war ich hier und jetzt musste ich hier zurechtkommen.

**

Spätestens jetzt wurde klar, um was es hier ging.

Hier ging es um mein Überleben. Und sollte Beates Geheimnis zu Tage treten, ging es sprichwörtlich ums Überleben.

Doch, trotz all dem Ärger, begann in mir die Wut Oberhand zu gewinnen. Vor einer Stunde wäre ich noch bereit gewesen meinen Platz zu  räumen und mir einen ruhigen Job in der Verwaltung zu suchen, um dann langsam in die Zielgerade zu gehen, doch jetzt wurde ich offen herausgefordert.

Ich schwor mir weder vor Trommer, seiner hergelaufenen blöden Pressefotze oder anderen Ärschen den Schwanz einzuziehen.

Sie alle sollten den bösen Henker Peter kennenlernen. Caroline schien mir noch das kleinste Problem.

Dennoch…Was hatte sie getan??? Einen Aufstand im Alleingang beendet? Wie viele Angreifer hatte sie niedergemacht? Welchen Kampfsport beherrschte sie?

Das fehlte mir gerade, eine Killeramazone. Naja, wenigstens würde Decker seine Freude an ihr haben.

Doch sie schien auch sehr klug zu sein und sicherlich war Caroline klar, dass die Haufberger auch über ihre Tätigkeit berichten würde. Sie würde sich also, in dem Krieg den mir Trommer gerade erklärt hatte, zumindest vorerst,  neutral verhalten.

Dennoch war sie ein gefährliches Raubtier, das auf Beute aus war. Und diese Beute war sicher ich.

Hurra, der Tag hatte beschissen angefangen und wurde immer beschissener.

Frank würde richtig begeistert sein. Nicht nur dass Beates Damoklesschwert über mir, und damit auch zumindest teilweise über ihm schwebte, nein jetzt sollte die Haufberger auch noch herumschnüffeln und über alles berichten…

An dieser Stelle, darf ich das Wort an Frau Haufberger weitergeben.“ Schloss Trommer.

Die stand auf.

Genau wie an Beates ersten Prozesstag, verriet auch diesmal ein sekundenbruchteillanger Augenkontakt zu Trommer die Beziehung der beiden.

Auch damals hatte Trommer mit seiner damaligen Geliebten Petra Strass, dem angeblichen Opfer, einen kurzen Augenblick Blickkontakt gehalten und sich verraten.

Carolines Augen wurden schmal. Sie hatte es also ebenfalls bemerkt.

Gut so.

Ich werde selbstverständlich objektiv aber auch schonungslos berichten. Sollte ich den Eindruck haben, dass hier etwas anders als rechtens abläuft, werde ich dieses schonungslos offen legen. Selbstverständlich erst nach Rücksprache mit ihnen.“ Sie schaute zu Trommer.

-Klar erst nach Rücksprache mit dir!- Ich hätte kotzen können. Trommer wusste, dass er Oberwasser hatte und ließ es mich spüren. Haufberger hatte nur eine einzige Aufgabe, sie sollte mich demontieren.

Mike hatte die Situation richtig eingeschätzt. Die Prozesse gegen die Schuldigen der Katastrophe waren meine letzte Schonfrist. In der Zwischenzeit würde die Haufberger genug Material sammeln, damit mich Trommer im Anschluss bequem loswerden konnte.

Die Frage war lediglich ob ich den Knast in Zukunft von außen oder von innen sehen würde.

Ansonsten freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit ihnen allen. Besonders sie, Frau Miles, möchte ich noch einmal herzlich willkommen heißen.“

Mir wurde fast übel. So ein Geschleime. Wenigstens schien Caroline es auch nicht zu gefallen, dass sich die Haufberger dermaßen bei ihr einschleimen wollte. Auch wenn sie freundlich lächelte, ihre Augen blieben frostig.

Was macht übrigens ihre Kollegin Frau Schlosser?“ Fragte Trommer ganz nebenbei.

Während Kleuber und Müller unbeteiligt blieben, bohrten sich die Augen der Haufberger in mich hinein. Trommer hatte ihr also alles gesteckt.

Alles was Trommer noch brauchte, um mich endgültig abzuschießen, war ein handfester Beweis.

-Da könnt ihr lange warten-.

Frau Schosser hat ihre Ausbildung mit Bravour abgeschlossen. Zu meinem Bedauern wurde sie versetzt. Doch der Bezirk, den Frau Schlosser jetzt betreut, musste dringend neu besetzt werden. Aus diesem Grund habe ich Frau Miles vorgeschlagen.“

Er sah mich finster an. „Ja, ich habe die Versetzung von Frau Schlosser mit Interesse mitverfolgt. Sagen sie ihr, bei nächster Gelegenheit, einen schönen Gruß von mir, und dass ich hoffe sie bald wieder zu sehen.“

Caroline war die eisige Stimmung, die zwischen uns herrschte nicht entgangen.

Die Besprechung war beendet und wir alle standen auf um zu gehen. Das hieß alle, bis auf Fransiska Haufberger.

Frau Miles, wenn sie noch einen Moment Zeit hätten?“ hielt  Trommer Caroline zurück.

Caroline sah mich an.

Ich warte draußen.“ Sagte ich zu ihr.

Ich verließ mit Kleber und Müller das Büro und wartete. Die Haufberger blieb ebenfalls  mit Caroline bei Trommer zurück.

Auch wenn mich Frank nicht vorgewarnt hätte, wäre mir klar gewesen, um was es dort drinnen geht. Um meinen Kopf.

Draußen ging ich im Flur auf und ab und wartete auf Caroline. All zulange musste ich nicht warten. Caroline kam schon nach 15 Minuten wieder heraus.

Die Frage, was sie mit Trommer besprochen hatte ersparte ich mir. Zusammen gingen wir nach unten um in unseren Trakt zu gelangen.

Wer ist Sarah Schlosser?“ fragte Caroline unvermittelt.

Eine Kollegin die ich ausgebildet habe. Sie war übrigens auch in den Staaten als Henkerin tätig.“

Und wer ist Beate Fischer?“

Beate WAR eine Verurteilte Mörderin, die hingerichtet wurde.“

Caroline blieb stehen und hielt mich am Arm fest.

Damit das klar ist! Mir gefällt es hier. Und ich habe keine Lust Ärger zu bekommen, nur weil du krumme Dinger drehst.“

Bleib freundlich!!! Versuch es wenigsten!!!

Ich drehe keine krummen Dinger. Ich erledige lediglich meinen Job. Und ich bitte dich dasselbe zu tun, wir werden in den nächsten Wochen alle Hände voll zu tun haben.“

Sagte ich so beherrscht wie möglich und versuchte dann etwas versöhnlicher zu klingen.

Lass uns zusammen und nicht gegeneinander arbeiten.“

Ich arbeite nur für mich, und wer mir im Weg steht, den mache ich fertig.“

Damit ließ sie mich stehen und ging ohne mich weiter.

Genau was ich brauchte, ein Zweifrontenkrieg.

Als ich in mein Büro kam sah mich Jessika vorwurfsvoll an.

Sag nichts! Ich hab es versucht.“

Sie schüttelte nur den Kopf und ließ mich den Rest des Tages in Ruhe.

**

Routinebetrieb

Während ich Caroline die nächsten Tage aus dem Weg ging und mich um die neuen Reinemachfrauen bzw. um die neuen Wachleute in meinem Trakt kümmerte, hatte Jessika anscheinend einen besseren Draht zu Caroline gefunden. Sie führte sie durch den Trakt und stellte sie den Mitarbeitern vor.

Decker bekam große Augen, als er von Carolines Handeln auf Soulebda erfuhr. So eine Kampfmaschine hatte er sich schon immer in seinem Team gewünscht. Wahrscheinlich stellte er sich schon vor, wie Caroline aus seinen Beamtinnen eine Amazonenarmee machte.

Zwei Tage später hatte Caroline ihre erste Hinrichtung. Demonstrativ verzichtete ich dabei zu sein, um ihr nicht das Gefühl zu geben, sie überwachen.

Ich musste aber auch nicht dabei sein. Hannes, Johann und die anderen Beamten berichteten, dass Caroline es genau nach Vorschrift durchzog. Und das ohne zu zögern, sie beherrschte den Job.

Nach einer kurzen Rücksprache mit uns beiden, bei der wir uns kühl gegenüberstanden teilte Jessika die Delinquenten unter uns auf und erstellte einen Plan,  wer in welcher Kammer, wann seinen Dienst tat.

Irrte ich mich, oder hatte Jessika ein seltsames Lächeln in Gesicht? Und wenn ja, was gab es da zu lächeln? Caroline war ganz eindeutig, nicht das was ich mir vorgestellt hatte. Ich wollte eine freundliche Kollegin und hatte einen Drachen bekommen. Obwohl ich zugeben musste… der Drachen war ein verdammt Gutaussehender!

Ich ertappte mich mehrfach bei dem Gedanken, Caroline genauso über den Sessel ihrer Wohnung zu legen wie Vera oder Sarah, ihr gehörig den Arsch zu versohlen um sie anschließend wild zu vögeln.

Doch immer an dieser Stelle, schaltete sich mein Gehirn ein und erinnerte mich daran, dass diese Frau mit bloßen Händen, innerhalb von Sekunden mehrere bewaffnete Angreifer umgelegt hatte. Wie weit würde ich also kommen, sie über das Knie zu legen?

Wohl nicht allzu weit… Eine Einsicht, die verdammt schmerzte. Bis jetzt war ich immer der Alfa, der Chef, der Boss eben. Gerade wenn es ums Vögeln ging. Ich war der dominante Part im Bett! Und jetzt hatte ich Caroline!

Dennoch, der Wunsch und die Vorstellung sie im Bett zu dominieren blieb, ganz gleich wie kalt sie mich auch abblitzen ließ.

**

Um Caroline eine Bleibe zu bieten hatte Frank sich dazu entschlossen ihr Veras Wohnung zur Verfügung zu stellen. Ich würde wieder in meine etwas größere Wohnung nebenan wechseln. Jetzt waren wir auch noch Nachbarn.

Wo Franiska Haufberger untergebracht werden sollte, blieb zunächst noch ungeklärt, doch Frank hatte schon angedeutet, dass er notfalls mich in Ausweichquartier stecken würde, um Platz für Trommers Liebschaft schaffen.

Anders als ich, versuchte Frank nicht Trommer das Leben schwer zu machen. Naja, ich konnte es ihm nicht verdenken. Auch wenn Frank viele Freunde im Ministerium hatte, Trommer war selbst für ihn ein ernstzunehmender Gegner.

Bist du Wahnsinnig geworden, Trommer offen herauszufordern?“

Schiss mich Frank bei der nächsten Gelegenheit an.

Er wird alle Hebel in Bewegung setzten um Beate zu erwischen. Du hast gerade ihr und dein Todesurteil zum zweiten Mal unterschrieben.“

Das glaube ich nicht. Falls er es wirklich öffentlich macht, würden sicher Fragen gestellt werden. Solange er nichts Festes in der Hand hat, wird er die Füße still halten.

Dazu kommt, dass außer dir nur Jessika, und ich Bescheid wissen.“

Und Randy. Verdammt. Sei vorsichtig. OK?“

Versprochen.“

Wie kommst du mit Caroline klar?“

Ich schieg kurz und dachte nach.  Ich schaffte es meine persönliche Meinung über sie zurückzustellen und den Profi in mir Carolines bisherige Arbeit beurteilen zu lassen. „Sie ist klasse.“

Frank brach in schallendes Lachen aus. „Klasse?“

Ja, verdammt. Sie ist gut, nein Caroline ist sehr gut. Sie beherrscht den Job und weiß was sie tut. Sie kommt mit Decker und mit Jessika gut klar und alle sind zufrieden mit ihr.“

Und du? Was ist mit dir?“

Wieder schwieg ich. Was sollte ich auch sagen? Dass ich sie nicht leiden konnte? Dass ich sie gerne im Bett haben wollte? Dass ich ein Problem mit einer dominanten, starken Frau hatte?

Ganz egal was sagen könnte, Frank wusste es schon. Wie er einmal gesagt hatte, er wusste immer was in seinem Gefängnis vor sich ging.

Wir kommen miteinander aus.“ Ich hasste es abgrundtief  das Folgende auszusprechen, „Sie ist keine Vera.“

Nein, ist sie nicht. Und?“

Ich denke ich werde mich daran gewöhnen. Caroline ist wirklich gut und wenn du es genau wissen willst, als Nachfolgerin gäbe es keine bessere.“

Peter, Peter… Ein größeres Lob vom Bad-Man gibt es nicht. Hauptsache ihr bringt euch nicht gegenseitig um.“

Bis jetzt konnten wir uns noch beherrschen.“ Grinste ich.

Sorg dafür, dass es so bleibt. Und Peter, denk an dein Training.“

**

Trainingstag

Ich dachte daran und fand mich pünktlich in der Sporthalle ein.

Wie immer, hatte Decker das Training für alle angeordnet. Wer nicht Urlaub oder Dienst hatte musste ran. Entsprechend voll war die Halle.

Ein Raunen ging durch die Sporthalle und ich blickte auf.

Da kam Caroline. Nein, Caroline kam nicht, Caroline erschien!

**

Die Temperaturen hier waren gut genug für knappe Kleidung, ein knappes Top und meine Lieblings Sporthose, und auf ging es in die Halle. Die Haare zum Pferdeschwanz straff nach hinten gebunden trat ich ein und sofort ging da ein Raunen durch den Saal. Mal sehen wie das Training hier läuft, ich hatte einiges erlebt und nicht immer waren die Trainings sehr gut, aber Jessika hatte Decker in den höchsten Tönen gelobt. Also gut dann los.

**

In einem knappen Top und einer Sporthose, die schon als Hotpants durchgehen konnte, betrat sie die Halle.

Alle Augen richteten sich auf sie und ihren makellosen Körper. Ihre feuerroten Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden. Wären nicht ihre „Killeraugen“ hätte sie glatt als Aerobic Lehrerin durchgehen können.

Ich konnte einige der jungen Wachleute grinsen sehen. Jeder würde mit ihr Trainieren wollen.  -Tja Jungs, viel Spaß. Ihr habt ja keine Ahnung was da auf euch zukommt.-

**

Männer… Die Testosteron getränkte Luft war greifbar und alle Kerle stierten mich an wie Freiwild.  Dazwischen die Frauen, die mich abschätzend ansahen und versuchten sich zu vergleichen..

Nach dem Aufwärmen ging es dann auch rasch los. Jeder wollte natürlich mich das neue Püppchen auf die Matte schicken… Wie ich das hasste! Die Folgen mussten die jungen Kolleginnen und Kollegen tragen. Einen nach dem anderen schickte ich sie auf die Matte. Die weiblichen Kolleginnen waren dabei besser, deutlich besser sogar als ein Teil der Palastgarde auf Soulebda.

**

Um nicht in die Verlegenheit zu kommen, gegen Caroline zu kämpfen, hatte ich auf die andere Seite der Halle verzogen. Doch da hatte ich die Rechnung ohne Decker gemacht. Um zu verhindern, dass man immer mit demselben Partner übte, hatte er ein Rotationsystem und so nahm das Unheil seinen Lauf.

Der Trainer erschien und los ging es. Geübt wurden Zugriff und Abwehrtechniken.

Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, wie Caroline ohne große Anstrengung einen Wachmann nach dem anderen auf die Matte schickte. Dabei ging sie nicht gerade zart mit den armen Jungs um und die schmerzverzehrten Gesichter sprachen eine deutliche Sprache.

Hatte die ersten Beamtem noch gelacht, als ihre männlichen Kollegen aufschlugen, verging ihnen das Lachen ganz schnell, als sie selbst an die Reihe kamen.

Die weiblichen Wachleute leisteten erheblich mehr Widerstand. Ihre  Augen klebten nicht an Carolines Titten, und allein die Chance es den Männern mal zu zeigen spornte an, aber auch sie gingen eine nach der anderen zu Boden.

Langsam machte sie Unmut unter den Sicherheitsbeamten  breit. Die Amazone war nicht zu besiegen. Selbst Decker war beindruckt… und vorsichtig. Unterdessen kamen Caroline und ich uns immer näher.

**

Es waren gute Leute dabei, dann wieder Anfänger und einige harte Knochen. Je mehr die Jungs versuchten, desto härter waren meine Würfe und Griffe. Fast bekam ich Mitleid mit den Jungs und Mädels. Aber ich konnte natürlich nicht nachgeben, ich nicht.

**

Schließlich kam ich, als ihr Gegner an die Reihe. Carolines Augen blitzen gefährlich auf, als wir uns gegenüberstanden und ihre Mundwinkel zogen sich, voller Vorfreude, ein Stückchen weiter nach oben.

**

Da kam er! Peter Stein, der Mann der mir hier eventuell alles madig machen könnte. Der Mann mit den vielen Geheimnissen. Prima, genau der, auf den ich gewartet hatte. Ich hatte ihn schon die ganze Zeit im Auge gehabt, wann immer ein Moment frei war.

**

-Ich werde es dir nicht leicht machen.- schwor ich mir.

Der Trainer zeigte welcher Griff geübt werden sollte, doch Caroline schaute gar nicht hin.

**

Der Trainer gab noch ein Thema vor, aber das sah ich gar nicht. Irgendwie erschien mir Peter wie ein Stier der sich vor mir aufbaute und der etwas suchte. Super ein wilder Stier der mich aufspießen wollte.

**

Kaum war das Kommando „Los“ gefallen gingen wir aufeinander los.

Ich hatte zwar nie eine Prüfung oder Gürtel gemacht, doch nach über 20 Jahren Selbstverteidigung, wusste ich wie man sich zur Wehr setzte.

Es kam genauso, wie es kommen musste, kaum hatten wir Kontakt, lag ich auch schon auf dem Boden.

Sie reichte mir die Hand und mit einem breiten Grinsen half mir Caroline aufzustehen.

Ich hoffe, der alte Mann hat sich nicht wehgetan.“

Das brachte das Fass endgültig zum Überlaufen.

Ihre rechte Hand noch in meiner, landete sie zum ersten Mal auf der Matte!

Keine Sorge, eine Tussi wie du schafft es nicht, mir weh zu tun.“ Die Wut in mir hatte nun endgültig die Kontrolle über mich errungen. Ich war an dem Punkt angelangt, an dem mir alles andere egal war. Ich wollte Caroline zeigen, wo der Hammer hing und wenn es das letzte war, was ich tun sollte.

Das Wort Tussi machte sie wohl ziemlich wütend, denn sie sprang auf und griff sofort wieder an.

So ging es hin und her. Abwechselnd ging einer von uns zu Boden. Hier ging es nicht mehr um Haltegriffe, hier ging es ums Prinzip!

Sie gegen mich. Caroline, die wilde Amazone gegen Peter, den alten Leitwolf.

Mittlerweile hatten wir die Aufmerksamkeit der ganzen Halle auf uns gezogen. Keiner sah mehr zu seinem Partner oder übte mit ihm. Alle standen paarweise zusammen und schauten zu uns.

Nenn mich nie wieder Tussi.“ Fauchte sie, als sie gerade die Oberhand hatte.

Kurze Zeit später, als ich auf die Matte presste frage ich sie:

Was bitte ist dein Problem?“

Ich will den Job haben.“

Du hast den Job.“

Ich will deinen Job haben. Ich will  hier die Chefin sein.“

Wusste ich es doch.

Tja, da musst du noch, bei der heutigen Rentenpolitik, 20 Jahre warten.“

Vielleicht breche dir ja einfach das Genick, dann geht’s schneller.“

Und schon lag ich wieder unter ihr.

Der Trainer hatte längst alle Versuche, uns zu trennen, aufgegeben. Er und Decker standen machtlos neben uns und warteten. Wahrscheinlich wurden schon auf das Ende des Kampfes Wetten abgeschlossen.

Nach ein paar weiteren Runden hatte die Nase voll. Ich beschloss einen Krieg zu beenden.

Ich schlag dir einen Deal vor. Heute Abend regeln wir das unter uns. Gewinnst du, ziehe ich mich nach den Prozessen zurück und du kannst tun, was immer du willst.“

Carolines Augen blitzen siegessicher auf. Doch ich hatte noch eine Überraschung für sie auf Lager.

Und wenn ich gewinne, bekomme ich dich für eine ganze Nacht.“

Erst schaute sie ungläubig, dann lachte sie laut auf.

Sie ihn dir diesen Körper gut an, den wirst du NIE bekommen, nicht einmal im Traum.“ Entgegnete sie höhnisch.

Angst?“ fragte ich provozierend.

Caroline durchbohrte mich mit ihren kalten Augen während sie ihre Lippen zusammenpresste.

Wann und wo?“

Um 19 Uhr in der Hinrichtungskammer.“

Bestell dir schon Mal einen Sarg, alter Mann.“ Sie drehte sich um und widmete sich einem anderen Gegner, der noch viel unsanfter auf die Matte aufschlug als seine Vorgänger. Das Training ging weiter, doch keiner konzentrierte sich mehr darauf.

Als das Training dann offiziell beendet war verließ Caroline als erstes die Halle. Die einzigen denen sie zum Abschied zunickte war Decker und der Trainer, dann war sie weg.

Obwohl keiner der anderen etwas sagte, hatten doch alle mitbekommen, das High Noon auf 19 Uhr verlegt worden war.

Decker sah mich mit offenem Mund, fast schon mitleidig an, als ich an ihm vorbei zum Ausgang eilte. So hatte sich Frank das Training sicher nicht vorgestellt.

**

Jour Fixe

Sei gegrüßt, mein Freund.“ Begrüßte Dagan Levi am Telefon.

Ich grüße dich auch, Freund.“ Levi bestätigte mit dieser Grußformel, dass sie ungestört reden konnten.

Heute Morgen habe ich Caroline gesehen. Sie ist angekommen und hat ihren Job angetreten.“

Wo ist sie abgestiegen?“

Caroline hatte sich zuerst ein Zimmer im „Gloria-Hotel“ genommen, ist aber nach zwei Tagen wieder ausgezogen. Sie wohnt jetzt im Gefängnis.“

Ich dachte, man muss verurteilt werden um dort hineinzukommen. Ich wusste nicht, dass man dort auch wohnen kann.“

Hat mich auch gewundert und hab mal etwas nachgeforscht. Anscheinend hat der Direktor einige Räume, die man nicht zu Zellen umbauen konnte, an Mitarbeiter vermietet. Ihr neuer Chef wohnt ebenfalls im Gefängnis.“

Etwas neues, bezüglich Froody oder den Amerikanern?“

Froody ist immer noch verschwunden, die Amerikaner sind ganz in der Nähe. Ich dachte mir, dass sie ebenfalls das Gefängnis beobachten und zufälligerweise wohnt ein amerikanischer Konsul in der Nähe des Gefängnisses.  So war es ziemlich leicht sie zu finden.

Wissen sie auch von dir?“

Nein, allerdings hatte ich „Besuch“ von einem Mitarbeiter eines Energieversorgers, der unbedingt meinen Zählerstand ablesen wollte. Die Amerikaner suchen Froody hier.“

Hast du etwas vom alten Franzosen gehört?“

Nein, von ihm höre ich nichts.  Aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass hier eine große Sache am Laufen ist.

Nach dem Mord an den beiden Polizisten,  gab es zwei weitere Tote. Ein obdachloser Junkie und ein Mitarbeiter der Presseabteilug der Justiz. Offiziell waren beides Unfälle, doch der Junkie hat mich stutzig gemacht. Er soll sich bei einem Sturz, mit einer zerbrochenen Glasflasche, so schwere Schnittverletzungen zugezogen haben, dass er verblutete.

Ich hab mir Zutritt zur Gerichtsmedizin verschafft und den Toten untersucht. Der Junkie wurde gefoltert. Wer immer das war, er war ein absoluter Profi. Die Folterspuren waren für einen Laien nicht zu erkennen.

Also hab ich mir den anderen Unfall angesehen. Der wurde zwar nicht gefoltert, aber auch von einem Profi ermordet.“

Der Franzose?“

Ich bin mir sehr sicher. Doch es kommt noch besser. Der Pressemitarbeiter hatte, genau wie die beiden ermordeten Polizisten, enge Kontakte zu Generalstaatsanwalt Trommer.“

Was ist mit dem Obdachlosen?“

Bis jetzt konnte ich keinen Bezug zwischen Trommer und ihm herstellen. Er saß wegen gewerbsmäßigen Betrugs im Gefängnis und wurde erst vor drei Monaten entlassen.

Trommer und der Franzose? Das wäre beängstigend.“

Ich glaube Caroline schlittert, ohne eine Ahnung davon zu haben, in eine sehr böse Geschichte.“

Wenn du Recht hast, müssen wir handeln. Ich werde dir ein Unterstützungsteam schicken. Ich selbst werde ein paar Tage später nachkommen. Versuch alles über Trommers Motiv herauszufinden. Welchen Grund könnte, ein beim Volk hoch angesehener, Generalstaatsanwalt haben, eine Söldnertruppe anzuwerben, damit sie Morde verübt und sie als Unfälle darstellt?“

Ich werde mit dem Pressemitarbeiter beginnen. Sobald ich Ergebnisse habe, werde ich mich melden.“

Bis dann, mein Freund.“ Beendete Dagan das Gespräch.

Während Levi wieder das Gefängnis beobachtete, hielt Dagan noch immer grübelnd den Hörer in der Hand.

Sein Instinkt sagte ihm, dass Levi Recht hatte. Entschlossen rief er bei Major Lem an.

Lem? Stellen sie zwei Teams ab. Einens schicken sie zu Levi nach Deutschland, das andere soll sich Trommer vornehmen. Ich will alles wissen, was Trommer in den letzten Monaten getan hat. Ich will wissen, mit wem er sich getroffen hat und um was es ging, einfach ALLES!“

Dann grübelte er wieder. Sein Instinkt hatte immer Recht behalten und das hieß, Caroline schwebte in großer Gefahr!

**

Wut

Wütend auf die ganze Welt, aber besonders auf mich selbst ging in meine Wohnung um mich umziehen und frisch zu machen. Auf dem Weg zurück zum Büro nahm ich meine Sportkleider mit und besorgte mir zwei Paar Boxhandschuhe die ich in der Kammer bereit legte.

Alle an denen ich vorbeikam sahen mich mit großen Augen an. Anscheinend funktionierte der Flurfunk bestens und die Neuigkeit hatte sich schon verbreitet.

Jessika schüttelte einfach nur den Kopf, sah mich strafend an und schwieg. Ich versuchte mich solange auf die Akten zu konzentrieren, doch nach einer halben Stunde gab ich auf.

Wütend warf ich die Akte auf den Tisch und goss mir einen Shivas Reagal ein. –Scheiß drauf!- dachte ich und genehmigte mir einen großen Schluck. Ich würde es Caroline zeigen! Kampflos würde ich nicht untergehen! Das schwor ich mir zum zweiten Mal an diesem Tag.

Vera hätte mich gebremst. Aber Vera war nicht da. Überhaupt, wäre es mit Vera erst gar nicht so weit gekommen.  Tja…Hätte, Hätte, Deutschlandkette….

Egal. Ich würde auch ohne Vera klar kommen.

Kurz vor 19 Uhr zog ich mir meine Sportkleider an und machte mich bereit, mich meinem Schicksal zu stellen.

Im Vorzimmer saß noch immer Jessika. Der Bildschirm war ausgeschaltet und eine Akte lag auch nicht vor ihr.

Noch kein Feierabend?“ wollte ich wissen.

Ich muss noch ein paar Eilsachen erledigen.“

Schon klar.“

Peter!“

Ich blieb stehen und drehte mich zu ihr um.

Du… Ach, nichts. Halt die Ohren steif.“

Keine Sorge, ich lass sie an einem Stück!“ damit verließ ich sie und begab mich auf den Weg zu Caroline.

Im Flur schien die gesamte Mannschaft Dienst zu haben. Wahrscheinlich war niemand nach dem Schichtwechsel nach Hause gegangen. Sogar Decker versuchte unauffällig seine Runden zu machen. Nur vor der Kammer selbst, war keine Menschenseele zu sehen.

Caroline erschien zur abgemachten Zeit, in denselben Kleidern, die zum Training getragen hatte.

Sie sieht einfach geil in dem Fummel aus.- Das war der erste Gedanke den ich hatte, als ich sie sah.

-Was? Idiot, sie wird dich killen!-

**

Das Ziel

Froody war sehr zufrieden. Heute Morgen hatte er sie gesehen. Sie war durch das Tor gegangen und stand für drei Sekunden still da und sah sich um. Wenn er doch nur ein Scharfschützengewehr gehabt hätte…

Nun gut, es würde sich eine neue Gelegenheit ergeben. Sein Geld, welches er rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatte, erlaubte es ihm eine ansehnliche Truppe zusammenzustellen.

Jetzt da er wusste, dass Caroline Miles hier war, konnte er damit beginnen ihren Tod zu planen.

Er würde es genießen, sie leiden zu sehen. MC. Froody der III hatte genaue Vorstellungen von Carolines Tod. Sie sollte ihn anflehen, während sie ganz langsam starb.

Mit Gewalt riss er sich von seinen Gedanken los. Jetzt gab es anderes zu tun. Er musste umziehen. Sein „Vermieter“ in der Badewanne fing langsam an zu riechen…

**

High Noon

Ohne einen Kommentar ging sie an mir vorbei in die Kammer und ich schloss hinter mir ab.

Bereit, für deine Beerdigung?“ fragte sie kühl.

Abwarten. Nur um den Deal noch einmal klar zu stellen… Gewinnst du, räume ich den Posten sobald die Prozesse vorbei sind. Gewinne ich, bekomme ich dich für eine Nacht, und zwar so wie ich es will. Verloren hat, wer liegen bleibt.“

Mit einem selbstsicheren Lächeln, das schon an Überheblichkeit grenzte, zog sie sich die Handschuhe an.

Fertig, alter Mann?“

Sicher Tussi.“

Mit einem Aufschrei warf sie sich nach vorne, doch ich hatte mit einem heftigen Angriff gerechnet, und blockte sie ab.

Langsam umkreisten wir uns und immer wieder griff Caroline unvermittelt an. Die ersten Angriffe konnte ich noch leicht wegstecken, dann wurde mir immer klarer, dass ich so nicht gewinnen würde, und ich griff meinerseits an.

Nach zehn Minuten hatte sich noch  keiner einen Vorteil erkämpft.

Nach weiteren fünf Minuten, blutete ich aus der Nase und mein linkes Auge brannte.

Caroline lief Blut aus dem linken Mundwinkel und ihre rechte Augenbraue war aufgerissen. So wie es aussah, hatte sie sich ihren Sieg leichter vorgestellt.

Meine Lungen standen in Flammen. Ewig würde ich dieses Tempo nicht halten können und mit jeder Sekunde wurde mir bewusster, die Niederlage kam immer näher.

Caroline war schnell und geschickt, aber berechenbar, was den einzigen Grund darstellte, wieso ich noch nicht auf der Matte lag. Ich konnte ihre Angriffe vorhersehen.

DAS IST ES! Durch den Nebel in meinem Gehirn, erkannte ich plötzlich Carolines Schwachpunkt.

Caroline war ausschließlich auf Angriff eingestellt. Das Wort Verteidigung schien nicht in ihrem hübschen Kopf zu existieren.

Gelang es mir ihre Abwehr zu durchbrechen, hätte ich eine Chance. Eine EINZIGE  Chance.

Ich versuchte ein Muster zu erkennen und tatsächlich, immer wenn ich nach einem Angriff zurückwich, setzte sie sofort nach und griff mich an um mich aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Zweimal probte ich es und Caroline hielt sich an das Muster.

Das Ganze hatte mir weitere Treffer eingebracht. Langsam wurde es eng…

Jetzt oder nie.

Ich griff an, schlug zweimal zu, verfehlte sie und täuschte ein Zurückweichen an. Auch Caroline wollte den Kampf jetzt beenden und setze wild nach.

Doch diesmal ging ich nicht zurück! Mitten durch ihre wilden Abwehrschläge drang ich nach vorne. Sie landete zwei harte Treffer, dann war ich durch und verpasste ihr einen heftigen Schlag auf die Brust.

Das brachte Caroline für den Bruchteil einer Sekunde aus dem Konzept.

Das genügte mir! Mit aller Kraft die ich noch hatte, schmetterte ich  den rechten Handschuh gegen ihre Schläfe.

Caroline sah mich für eine halbe Sekunde verwundert an, dann gaben ihre Beine unter ihr nach.

Völlig fertig brach ich keuchend neben ihr zusammen. Die Kammer drehte sich wie bei einem Vollrausch. Jede einzelne Faser in mir schmerzte, selbst mein Gehirn drohte zu explodieren.

Nach einer gefühlten Ewigkeit konnte ich mich wieder bewegen und sah nach der noch immer bewusstlosen Caroline, die ruhig dalag und atmete.

-Ein Glück!- ich hätte Frank nur ungern eine weitere Stellenausschreibung beschert.

Als ich wieder stehen konnte, zog ich die Handschuhe aus und sammelte meine Kräfte wieder. Dann hob ich Caroline vom Boden auf und legte sie mir über die Schulter.

Als ich aus der Kammer trat, standen mindestens 30 Wachleute und anderes Personal davor. Ein böser Blick reichte aus und alle machten sich aus dem Staub.

Nur Jessika und Decker blieben stehen.

Ich… Ich hab zu tun.“ Decker drehte sich fassungslos um und verschwand.

Und jetzt?“ fragte Jessika.

Ich bringe sie in Veras Wohnung.“

Jessika ging vor und öffnete die Tür zu Veras Wohnung, wo ich Caroline auf das Bett legte.

Du hast schon eine spezielle Art mit Frauen umzugehen, Bad-Man.“ Tadelte mich Jessika, ging ins Bad und brachte mir einen feuchten Waschlappen.

Ich wischte Caroline das Blut aus dem Gesicht schaute mir ihre Augenbraue an. Nicht schlimm, aber eine kleine Narbe würde sicher bleiben.

Geh dich waschen, du siehst ja schlimm aus. Ich passe solange auf sie auf.“

Im Bad wusch ich mir das Gesicht ab und betrachtete meinen geschundenen Körper. Verdammt, hatte wie mich dieses Teufelsweib zugerichtet.

Zum ersten Mal spürte ich ein leichtes kribbeln bei dem Gedanken an Caroline

-Sei nicht blöd. Sie wird dich erledigen, sobald sie die Gelegenheit bekommt-.

Sie kommt langsam zu sich.“  Jessika stand in der Tür.

Gut!“

Ich verließ die Wohnung und ging eine Tür weiter, in meine eigene Wohnung. Dort kramte ich die Spielkiste hervor, mit der Vera, Sarah und ich viel Spaß gehabt hatten.

Aus dieser holte ich ein ledernes Halsband hervor, an dem noch eine Leine befestigt war.

Das brachte ich zu Caroline, die jetzt wieder voll bei Bewusstsein war.

Sie lag noch auf dem Bett und starrte mich hasserfüllt an. Einen kurzen Augenblick befürchtete ich, dass sie sich sofort wieder auf mich stürzen würde.

Ich warf ihr das Halsband auf das Bett.

Morgen Abend, zur selben Zeit. Mehr als das Halsband brauchst du nicht zu tragen.“ Und zeigte auf das Halsband.

Damit drehte ich mich um, ließ sie mit Jessika alleine und ging in meine Wohnung zurück mit dem Gefühl, gleich ein Messer in den Rücken zu bekommen.

Doch auch wenn Caroline eine kaltblütige Killerin war, sie würde ihre Ehrenschulden bezahlen, da war ich mir sicher. Diese Blöße würde sie sich niemals geben.

Wie es dann weitergehen würde… Abwarten.

Heute aber, hatte der alte Wolf sein Revier verteidigt! Vorerst! Denn eines war klar, das war eine gewonnene Schlacht, kein gewonnener Krieg.

Dann grinste ich mich im Spiegel an.

-Das wird morgen ein sehr interessanter Abend werden.-

**

Besiegt!

Das war das erste was mir durch den Kopf ging. Der alte Mann hatte mich besiegt, einfach war es nicht dazu hatte ich zu viel Routine, aber ich hab den Schlag nicht geahnt, den hätte ich aber ahnen müssen.

Verdammt der war gut der alte Mann! Na ja so alt ja auch wieder nicht. Als ich in der Sporthalle auf ihm lag da fühlte sich das eigentlich ganz gut an. Aber bei meinem Glück ist das dann doch nur wieder ein geiler alter Knochen mit dem man nichts anfangen kann.

Besiegt… es nagte immer noch an mir.

Ich konnte schon früher nicht so einfach nachgeben und das zog sich auch durch die diversen Schulen durch. Mein Flieger Ausbilder an der USAFA hatte mich immer als „Iron Angelface“ bezeichnet, so bin ich dann auch zu meinem Funk Rufzeichen gekommen.

Naja Angelface das hatte was… und nun hat die kleine einen Schnitzer an der Augenbraue und die Schläfe tanzt Samba mit mir.

Dann schaute ich mir an was Peter mir vor die Füße geworfen hatte. Ein ledernes Halsband mit Leine. Er will mich sich demnach gefügig machen, na wenn du wüsstest, auf was für einen gefährlichen Grad er sich da einlässt, denke ich mir und schau das Halsband genauer an. Gutes Leder, stabile saubere Ausführung, die Messing Beschläge von Tesera´c also nicht mal gerade die Billigversion aus dem Sexshop.

Aber gefügig machen, na da gehören immer noch zwei Parteien dazu. Ich weiß nicht ob sich Peter vorstellen konnte wen er sich da gefügig machen wollte.

Immerhin kann er auch wie ein Straßenkämpfer denken und handeln, andernfalls wäre das anders ausgegangen. Außerdem war er für sein Alter noch schnell und wieselflink, aus dem könnte ich einen wirklich guten Kämpfer machen. Egal.

OK, aber erst mal Ruhe bewahren und die kleine Angelface herauskehren. Ich duschte mich und richtete mich, dann traf ich vorne im Verwaltungstrakt auf Jessika und fragte sie nach den Schlüsseln und den anderen Unterlagen. Schließlich würde ich hier im Trakt wohnen, recht nahe bei Peter – prima auch das noch.

Jessika schaute mich an und fragte nach der kleinen Wunde und ich bedanke mich für ihre gute Versorgung.

Zurück in meinem neuen Zimmer hielt ich das ausgetauschte Türschild in meiner Hand. Ein Glück dass heute Freitagabend und morgen frei ist, dann konnte ich mich zumindest einrichten.

Beim Umstellen der Möbel musste auch der schwere Schrank etwas verrückt werden und mir fiel ein Briefumschlag in die Hände. Der Schrank war offenbar zu schwer oder es wurde nur gut gereinigt aber eben nur gut und nicht professionell. Und dank dem Hebelgesetzt war auch solch ein schwerer Schrank kein Problem.

Die Bilder zeigten zwei sehr schöne Frauen, in eindeutig sexuell aktiver Stellung und sie sahen wirklich sehr vergnügt aus. Kein Zweifel zwischen den beiden Mädchen da ging es wirklich ab.

Die eine kannte ich, da war im Verwaltungsbereich ein Bild von ihr an der Wand hing. Das war ganz offensichtlich Vera Müller. Und die andere … auf einem der Bilder stand dann in schönster Handschrift „Liebste Vera. Ich werde dich immer lieben und stets für dich da sein, auf eine ewige Liebe. Deine Beate.“

Ich schaute sie mir erneut an, ein heißer Feger mit feuerrotem Haar, das war also Beate Fischer…  Jetzt erkannte ich die Frau, deren Dossier mir Trommer gezeigt hatte. Sofort erkannte ich den Sprengstoff, der in diesen Bildern lag. Das sollte besser keiner finden und wenn jemand weiß wie man etwas verstecken kann, dann ja wohl ich.

Nach meinen Waschungen machte ich mich fertig, sicherte die Wohnung und fragte zur Vorsorge nochmal nach, wo man hier eine Kleinigkeit essen und etwas nettes trinken konnte. Da summte mein Smartphone und die Nachricht war von meiner Reisebekanntschaft aus dem Flieger. Sie war über Nacht in meiner Stadt und fragte, ob und wo wir uns treffen könnten.

Nach dem Abendessen schlenderten wir an der Promenade entlang und sie fragte mich tatsächlich ob wir noch etwas unternehmen wollten und hielt mir dabei den Hotelschlüssel vor die Nase. Es war das Vier Sterne Hotel Krone.

Während wir weiterschlenderten fiel mir die Limo mit den beiden Anzugträgern auf. Wir wurden also beobachtet. Keine Panik, das sind Beobachter, das sah man sofort. Aber mein Wächtersinn war wieder einmal geweckt.

Meine Bekannte im Arm hatte aber ganz andere Ideen und wir schlendern zu ihrem Hotel. Unsere Sympathien hatten wir bereits auf dem Flug erkannt und können diese nun ausgiebig vertiefen. Der Sex mit ihr war so, wie ich ihn mochte – gut, ausdauernd, hart und schmutzig. Am anderen Tag verabschieden wir uns und ich machte mich auf den Weg zurück.

Diesmal war es ein ganz anderer Autotyp, das waren andere Beobachter, kleine Kontrollen und prüfende Blicke ergaben dass hier tatsächlich zwei Teams am Werk waren.

Was wollten sie? Hatte man meine Spur aus Soulebda aufgedeckt oder was ging hier vor? Auf zur Arbeitsstelle. Hinter mir verriegelte sich sich die Gefängnispforte, seltsam dass man sich dahinter tatsächlich sicher fühlen konnte.

Die Tür zu meinem neuen Zimmer war verschlossen, die Sicherung aber war gebrochen, jemand war also im Zimmer gewesen. Unauffällig prüfte ich die Wohnung und entdeckte zumindest eine Minikamera die vorher nicht da war.

Da meine Sachen endlich auch aus Ulan Bator eingetroffen waren, holte ich sie beim Empfang ab. Dann zog ich mein Wanzenspürgerät und untersuchte unauffällig meine Wohnung. Eine Minikamera und ein Funkmikrofon wurden gefunden.

Mein Nagellackentferner war der Tod für die Minikamera, sie starb unauffällig, das Allheilmittel gegen solche Kameras. Der Sender wurde noch ausgemessen und die Werte gaben zwei mögliche Länder aus, Frankreich und Algerien. Die Sender waren neu und sündhaft teuer, da waren also Profis im Spiel.

Nach ein paar Aktenstudien über die aktuellen Fälle las ich mich in das Stadionverfahren ein. Ja, das bedeutete viel Arbeit. Ein paar Stunden später warnte der Wanzenfinder über Aktivitäten am Tischtelefon, offenbar hatte „jemand“ eine Telefonwanze aktiviert die bisher inaktiv war.

Gekonnt entfernte ich das Vieh und es landete in einer keinen Blechdose, neben der anderen Wanze, das war es mit der Funkerei, ich behielt auch diese vorsorglich als Beweis.

Nun wurde es aber Zeit für die Einlösung der versprochenen Wette. Das Halsband – ja doch aber wenn Peter dachte, dass ich mich ihm nackt zeige hatte er sich geschnitten. So schnell schießen auch die Preußen nicht.

Zur angegebenen Zeit klopfte es und ich ließ Peter in die Wohnung. Die Tür ging zu und ich kam hinter der Tür zum Vorschein bekleidet mit einem unheimlich hauteng anliegenden gelbschwarzen Sportdress, lange Beine ganze Arme, hoch geschlossen, aber das Halsband brav angelegt.

Kill Bill die Dritte würde Peter sicherlich denken, aber das sollte er ruhig. So schnell gebe ich mich ihm nicht so einfach hin, eher zeige ich ihm dass ich auch mit dem Katana umzugehen weiß und die Sache mit den Wanzen wird er mir auch noch erklären müssen.

**

Der Herrensitz

Worrowitz, sind die Leute angetreten?“

Ja Mr. Mc. Froody, wir haben zwei alte Haudegen von Feldwebel von früher dabei, die übernehmen den Drill und die anderen waren in mindestens vier Einsätzen. Hier ist die Liste der angetreten Leuten.“

Der alte Herrensitz war riesig und schön abgeschottet, es hab keine Zulieferungen und kein Kundenverkehr. Hinter dem Haus standen der Bell Long Ranger und die Wagen vor dem Haus.

Der Herrensitz hatte die typische deutsche Gutsherren Bauform in Form eines Hufeisens. Vor dem Reitstall waren die 32 Leute angetreten und warteten auf die erste Abnahme. Allesamt waren es harte Kämpferinnen und Kämpfer, das sah man ihnen an. Worrowitz hatte gut gewählt.

Ich bin der, der die Schecks unterschreibt. Mein Wort ist hier Gesetz und gilt sofort.

War von Ihnen jemand 1983 in Fort Labino in Mexiko bei der Revolte dabei?“

Ein grobschnittiger Mann trat vor, breite Schultern und ein verschrammtes Gesicht zeichneten den Mann aus.

Wo waren Sie da?“

Kommandotrupp, wir stürmten das Fort und sicherten es.“

OK, kannten Sie die Kommandeurin der Mexikaner vor Ort?“

Ja De la Crux oder so, eine üble Frau“

Gut, stellen Sie sich da drüben hin“

Der Mann ging gerade auf die andere Seite.

Wie ist Ihr Name Soldat?“

Das Muskelpaket drehte sich um und schaute in eine großkalibrige Pistole. Mc. Froody schoss ihm direkt in den Kopf und der Mann fiel wie ein gefällter Baum zu Boden. Während der Mann fiel sagte Mc. Froody verächtlich:

Penelope de la Crux – und sie war meine Halbschwester.“

Ein prüfender Blick ging durch die Reihen. Die angetretenen Söldner zuckten noch nicht einmal mit einer Miene, in ihren Reihen war es üblich bereits am Anfang unverständlich klar zu machen, wer die Autorität innehat.

Gut Worrowitz teilen Sie die Leute ein, ich sehe mir drinnen die Akten an“

Conner und Freyth, schaffen sie das tote Fleisch da weg. Truppführer zu mir!“

John Allister Mc. Froody der III nahm im Haupthaus Platz und trank einen guten Schluck, dann nahm er sich die Akten der Söldner vor und ging jede einzelne genau durch. Er war bekannt dafür, dass er seine Leute immer gnadenlos aussiebte. Bei ihm hatten Maulwürfe bisher keine Chance gehabt und das würden sie auch zukünftig nicht.

**

Israel

WAS?“ fragte Dagan völlig entsetzt. Beinahe wäre ihm der Telefonhörer aus der Hand gefallen. „Sag das nochmal.“ Forderte er Levi auf

Dieser Stein hat Caroline KO geschlagen.“

Woher weißt du das?“

In der Nähe des Gefängnisses gibt es ein beliebtes Bistro. Viele Angestellte verbringen dort ihre Mittagspause, ich sitze öfters dort und halte die Ohren offen. Tun die Amerikaner übrigens auch dort, jedenfalls ist der Kampf gerade das Hauptthema.“

Und wie kam es dazu?“

Da gibt es mehrere Versionen. Die einen sagen es war eine Wette, andere behaupten es sei ein Streit vorrausgegangen. Sicher ist nur, dass Caroline verloren hat.“

Ich hätte nie gedacht, dass so etwas einmal passiert.“

Ich glaube, das hat Caroline auch nicht.“

Was gibt es bei den Ermittlungen bezüglich deiner Vermutung gegen den Franzosen?“

Jetzt wo ich weiß, wonach ich suchen muss, finde ich immer mehr Mordopfer.  Es gibt zwei Kategorien.

Erstens die fingierten Unfälle, bei denen man die Spuren gut verwischt und zweitens Morde, bei denen man die Ermittler auf die falsche Spur bringt.

In den letzten zwei Wochen gab es sechs Todesfälle. Vier getarnt als Unfall, zwei „offizielle“ Morde. Alle verübt von Profis. Ich kann mir nicht helfen, aber der einzige der dazu in der Lage wäre und verschwunden ist, ist der Franzose.“

Hatten die Opfer einen Bezug zu Trommer?“

Nein, und genau das macht mich stutzig. Keiner von ihnen hatte jemals mit Trommer zu tun, nicht einmal am Rand. Das einzige was die Opfer gemeinsam hatten ist der Umstand, dass alle im Gefängnis saßen. In Carolines Gefängnis!“

Lem analysiert Trommers Handel und Treffen in den letzten Monaten. Trommers Verhalten hat sich vor genau 10 Monaten geändert. Finde heraus  ob die Opfer vor 10 Monaten noch einsaßen und wenn ja, was vor 10 Monaten im Gefängnis los war.“

Ich werde mein Bestes geben.“

Ich weiß. Und Ben, pass mir auf Caroline auf.“

Als Dagan den Hörer aufgelegt hatte, ging er zu seiner Ablage und holte sich das Dossier von Peter Stein, welches er diesmal sehr sorgfältig von vorne bis hinten durchlas. Schließlich kam er wieder zu dem Personal Bild, dass in der Akte war. Er schaute es mit zusammengekniffenen Augen an. „Wenn du ihr was antust, leg ich dich um!“

**

Die Belohnung

Davon wusste ich glücklicherweise nichts.

Einerseits, schwebte ich auf Wolke 7. Mein Gewinn wartete auf mich und ich bekam den rothaarigen Drachen nicht nur ins Bett sondern konnte tun was ich wollte. Andererseits saß da ein kleines Engelchen auf meiner Schulter  das mich fragte, ob ich tatsächlich nötig hatte, eine Frau auf diese Weise ins Bett zu bekommen.

Doch bei jeder Bewegung, die vom Kampf her schmerzte, sagte ich mir, dass ich mir meinen Spaß redlich verdient hatte, beschloss aber nicht zu übertreiben.

Ich wollte gerade meine Wohnung verlassen, als mir wieder einfiel, was für eine Kampfmaschine Caroline ist, also ging ich noch einmal zurück und steckte ein Paar Handschellen ein.

Aber… der Gentleman in mir, verbot es mir ohne ein Präsent zu Caroline zu gehen, also hatte ich mir eine Falsche Glavaya Whisky Likör besorgt und eine Schleife um sie gebunden.

So ausgerüstet klopfte ich zur ausgemachten Zeit an Carolines Tür.

**

Uma Thurman in rot, war mein erster Gedanke.

-Sollte sie nicht nackt sein?- fragte ich mich in Gedanken. -Böses Mädchen! – Aber genau das war sie, ein sehr böses Mädchen und wieder gab es einen leichten Stich in der Herzgegend. Ich würde es ganz sicher nicht Liebe nennen, aber sie wurde interessant.

Darf ich eintreten?“ fragte ich brav.

Caroline hatte ihr Pokerface aufgesetzt und ließ keine Regung erkennen. Doch auf die Frage hin lächelte sie sogar und trat zur Seite.

Selbstverständlich, es sei denn, du möchtest deinen Gewinn auf dem Flur entgegennehmen.“

Nein, ich würde das innere deiner vier Wände bevorzugen.“

Noch immer lächelnd trat sie zur Seite und ließ mich eintreten. Sie hatte Veras Wohnung komplett umgeräumt und ich musste mich erst einmal zu Recht finden. Alles war sauber und ordentlich. Nicht gerade das, was man erwartet, wenn man eine frisch bezogene Wohnung betrat, da würde man eher das Chaos vermuten.

Ich überreichte Caroline mein Präsent und sie bedankte sich aufrichtig. Anscheinend hatte ich ihren Geschmack richtig eingeschätzt.

Bitte. Mach es dir bequem. Etwas zu trinken?“ Caroline wies auf einen Sessel und ich nahm Platz.

-Wenn du wüsstest, was für einen Spaß ich schon auf diesem Sessel hatte…- ging es mir durch den Kopf

Was ist?“ fragte sie mich.“

Bitte?“

Du hast gerade sehr süffisant gegrinst.“

Süffisant?“

Ich hoffe, du hast dir mich nicht anders vorgestellt.“

Nein, ich war mit meinen Gedanken nur irgendwo anderes gewesen.“

Sie sah mich zweifelnd an und fragte erneut ob ich etwas trinken wolle.

Wenn du einen Whisky hättest, würde ich einen nehmen.“

Sicher. Einen Moment.“

Wieder schweiften meine Gedanken zu dem Sessel….Mir fiel ein, wie ich Beate über den Sessel gelegt hatte, Vera sie festhalten musste, und ich Beate mit dem Rohrstock den Hintern versohlte. Anschließend durfte mich Vera mit der Zunge verwöhnen und immer, wenn ich der Meinung war, sie könnte sich mehr Mühe geben, biss der Rohrstock in Beates Arsch…

Das muss eine schöne Erinnerung sein.“ Caroline war neben mich getreten und reichte mir ein Glas.

Ja, das war sie.“ Brach ich das Thema schroffer ab, als ich es beabsichtigte und nippte am Whisky.

MMHHH, verdammt der war gut. „WOW tolles Zeugs.“

Ich habe Jessika gefragt und sie hat mir den Tipp mit dem Whisky gegeben.“ gestand Caroline.

Wir plauderten tatsächlich eine ganze Weile ohne uns anzufeinden. Wenn Caroline lachte strahlte sie richtig und man hätte niemals eine Killerin hinter diesem schönen Lachen vermutet. Unvermittelt wurde mir klar, dass Caroline ein freundliches Wesen besaß und viel Kälte die sie den Leuten entgegen brachte lediglich ein Schutzpanzer war.

Weißt du, ich werde nicht schlau aus dir.“ Riss sie mich aus meinen Gedanken.

Was gibt es das Schlau zu werden? Ich bin ich.“

Ich hatte erwartet, dass du gleich über mich herfällst.“

Etwas schwierig, besonders  in diesem Strampelanzug für Erwachsene.“

Caroline holte schon Luft und in die Killeraugen kamen wieder zum Vorschein, also hob ich beschwichtigend die Hände.

War nur Spaß.  Hör zu, ich hab einen tiefschwarzen Humor. Nicht jedes Wort ist ernst gemeint. Im Gegenteil, irgendwie hat diese Art von Humor dazu beigetragen meinen Verstand zu erhalten.“

Caroline sah mich lange und eindringlich an und ich erwiderte ihren Blick, der abschätzte ob ich die Wahrheit sagte. So wie es aussah, glaubte sie mir, denn ich sah die Killerin in ihren Augen wieder zurücktreten.

Ich beschloss den fragilen Frieden nicht zu gefährden.  „Außerdem, glaube ich nicht, dass du dabei einfach still halten würdest.“

Nein, würde ich ganz sicher nicht.“

Das dachte ich mir.“

Dann stecken wir in einer Zwickmühle, oder verzichtest du auf deinen Gewinn?“

Ich lachte. Zum ersten Mal, seit Vera und ihre große Liebe weg waren, musste ich richtig lachen. Caroline hatte ein ganz falsches Bild von mir.

Wie kommst du denn darauf? Weißt du wie sie mich hier drinnen nennen?“

Ja, du bist der Bad-Man.“

Stimmt, und was soll ich sagen, der Name ist Programm.“

Ich stand auf und holte aus meiner Hosentasche das Paar Handschellen heraus.

Carolines Augen funkelten wütend, doch ….Irrte ich mich, oder war da mehr?

Wettschulden sind Ehrenschulden. Wenn ich bitten darf…. Falls du es bemerkt hast, hier sind überall Haken und Ösen an den Wänden und der Decke.“

Ihr Blick glitt durch den Raum. Mit Sicherheit hatte sie diese Haken und Ösen beim Räumen schon bemerkt.

An denen haben keine Blumenampeln gehangen.“

Ich hielt ihr die Handschellen entgegen und widerstrebend kam sie zu mir.

Wahrscheinlich hätte sie mir mit einer Hand das Genick brechen könne, ein Teil in Caroline wollte das sicher auch, doch sie fügte sich. Sie hielt mir die Hände entgegen und ich ließ die Handschellen zuschnappen.

Aus den Weiten meiner Tasche zauberte ich noch einen Karabinerhaken hervor und schon hing sie mit den Armen über dem Kopf an einem Haken an der Wand.

In diesen Moment durchzuckte mich ein Blitz, mir wurde klar, dass ich Caroline nicht nur ficken wollte, weil ich geil war, nein ich begehrte sie tatsächlich.

Ich begehrte diese unbändige wilde Schönheit und wenn mir schon jemand das Genick brechen sollte, dann diese Frau.

Ich trat an sie heran, umfasste ihre Hüften und ließ meine Hände langsam von ihrem Arschbacken über Rücken, nach oben wandern. Am Kopf angekommen fasst ich sanft in ihre Haare und brachte ihre Augen vor meine.

Ihre Augen blitzten und funkelten gefährlich. Mit Sicherheit hätte sie mich trotz Handschellen fertig machen können, doch irgendwas hielt sie zurück.

Zeit für ein kleines Friedensangebot.

Geschickt öffnete ich das Halsband und zog es ihr aus. Wenn sie es trug, dann nur wenn sie es freiwillig für mich trug, und nicht weil sie eine Wette verloren hatte.

Ich ließ das Halsband einfach zu Boden fallen und begann ganz langsam den Reißverschluss des Overalls zu öffnen.

Dazu benutzte ich meine rechte Hand, die linke ließ ich in ihren Haaren, ohne sie wirklich fest zu halten.

WOW. Sie hatte tatsächlich nichts darunter. Ohne gleich die Brüste frei zu legen, öffnete ich den Reißverschluss ganz. Das Ende des Verschlusses lag schon direkt über ihrer Scham. Mit Bedacht diese nicht zu berühren vollendete ich mein Werk.

Als meine linke Hand sich von ihren Haaren löste und über ihren Hals glitt, zuckte sie leicht zurück, hielt dann aber weiter still.

Jetzt ließ ich meine Hände von ihren Schultern zu ihren Brüsten wandern und kaum erreichte ich diese, begannen sich ihre Nippel durch den Stoff des Overalls zu drücken.

-AHA, so abgeneigt bist du also doch nicht-.

Mit einem Griff hatte ich den Karabinerhaken gelöst, die Handschellen aufgeschlossen und trat zurück.

Was ist?“ fragte sie ungläubig.

Ich will dich! Aber nicht auf diese Weise.“

Es ist die einzige Gelegenheit die du je haben wirst!“ fauchte sie.

Dann verzichte ich eben!“ Ich schnappte mir mein Glas, kippte den Whisky herunter und ging in Richtung Tür, als sie mich einholte.

Du arrogantes Arschloch! Bin ich dir etwa nicht gut genug?“

Arrogant? Ich falle nicht über dich her und bin arrogant? Du undankbares Miststück! Am liebsten würde ich dir den Arsch versohlen!“

Tu es doch, wenn du dich traust!“

Das reichte! Und ob ich mich traute! Schon hatte ich ihr die Handschellen wieder angelegt und trotz ihrer „Gegenwehr“ hing sie wieder mit den Amen nach oben an der Wand.

Ich schob den Overall zur Seite und befreite ihre Brüste aus der Enge des Stoffes.

Carolines Brüste waren fest und perfekt geformt. Als meine Finger zu ihren harten Nippeln kamen und sie leicht zwirbelten, konnte sie ein kleines Stöhnen nicht unterdrücken. Doch sofort biss sie sich auf die Lippen und ihre Augen funkelten weiter.

Ich spielte weiter mit ihr und brachte sie in Fahrt.

Meine rechte Hand schob sich über ihren flachen Bauch nach unten. Langsam erreichte ich das Ende des Reißverschlusses und ging tiefer.

Ich fragte mich welch ein Kampf gerade in ihr tobte, aber das machte das Ganze auch erst richtig spannend.

Ich holte aus der anderen Hosentasche meinen zweitbesten Freund hervor, mein geliebtes, sehr scharfes Klappmesser und klappte die Klinge aus.

Ein kurzes nervöses Aufflackern in ihren Augen zeigte wie schwer es ihr fiel still zu halten, doch die blieb ruhig.

Ich begann mit dem rechten Arm des Overalls. Ganz vorsichtig schnitt ich ihr den Anzug vom Leib. –Wärst du nackt geblieben, wie ich es verlangt hatte, müsste ich den Anzug nicht zerschneiden.-

Nach ein paar Minuten, stand sie Oben Ohne vor mir. Dann ging ich auf die Knie und wiederholte das Ganze von unten. Schließlich stand sie nackt in Handschellen vor mir.

Was für ein Anblick! Ich musste offen zugeben, dass Caroline die schönste Frau war, die ich je gesehen hatte.

So genug mit der zarten Nummer!

Ich löste den Haken den Caroline an der Wand fixierte und warf sie mit den Handschellen auf das Bett.

Da das Bett Vera und mir auch als Spielwiese gedient hatte, besaß es, wie die ganze Wohnung, ebenfalls jede Menge praktische Ösen.

Schon waren die Handschellen wieder über ihrem Kopf am Bett festgemacht.

Mit meinem Messer schnitt ich aus dem Overall Stoffstreifen die ich mit an das Bett brachte. Mit diesen band ich ihre Füße, die in modischen schwarzen Sneakers steckten, an die Bettpfosten.

Tja, vorher musste immer Vera oder Beate mich entkleiden und da Caroline „unpässlich“ war, musste ich diesmal selber meine Hose ausziehen.

Hart, jedoch ohne brutal zu sein, drang ich Caroline ein. Viel Widerstand musste ich nicht einmal überwinden. Egal welchen Knopf ich gedrückt hatte, Caroline drückte sich mir leidenschaftlich entgegen.

Jetzt rechnete ich nicht mehr damit, dass sie mich umbringen würde (zumindest nicht vor dem Ende des „Liebesaktes“) und löste die Fesseln an ihren Füßen. Die Handschellen aber ließ ich ihr an. Zu einem sah Caroline darin geil aus, zum anderen sollten die Handschellen sie daran erinnern, wer hier im Bett der dominante Part war.

Was folgte war ein heißes Liebesspiel, das dem Ringen in der Sporthalle kaum nachstand.

Alles diente mir dazu Caroline zu bändigen. Der Sessel, das Bett, das Sofa. Es gab nichts das ich ausließ.

Auch das sanfte Haare packen war vorbei und ich griff fest und bestimmend zu. Ich wollte die Panterin in ihr bändigen und das Raubtier setzte sich zur Wehr. Wild und hemmungslos vögelten wir in der ganzen Wohnung.

Caroline zerkratzte mir den Rücken, die Brust und alles Regionen die sie mit den Handschellen erreichen konnte und ich packte sie ohne Rücksicht dorthin, wo ich wollte, was ihr einige blaue Flecken einbrachte.

Stunden später als sich der „Kampf“ zum Ende neigte, packte ich sie, drückte sie auf den Fußboden und zwängte mich zwischen ihre Beine. Caroline krallte sich mit ihren gefesselten Händen in meinen Nacken und zog sich daran mir entgegen.

In dieser Stellung kamen wir fast gleichzeitig. Ich ließ ihr zwei Sekunden Vorsprung, dann kam auch ich. Wie eine Riesenwelle brachen die Höhepunkte über uns zusammen, bis wir völlig erschöpft  zusammen auf dem Boden liegen blieben.

Nach einer Ewigkeit, lösten wir uns voneinander und Caroline hielt mir die gefesselten Hände entgegen und erst jetzt fiel mir auf, dass keiner von uns auch nur ein einziges Wort gesprochen hatte.

Vergiss es. Schon vergessen? Die ganze Nacht!“

Die Wut kam kurz in ihre Augen zurück, doch sie fügte sich. Und so brachte ich sie zum Bett und die Nacht ging weiter.

Irgendwann am Morgen erwachte ich und der Platz neben mir war leer, bis auf die Handschellen die auf der Decke lagen.

-Schön, sie hat dich nicht umgebracht. Das ist doch schon Mal ein Anfang.-

Ich schwang meine Beine aus dem Bett und stand auf.

AAUUU! Mit dem Aufstehen, kam der Schmerz. Ich schaute in den Spiegel der an der gegenüberliegenden Wand angebracht war. Ich bot ein schlimmes Bild. Überall waren Kratz und Bisswunden, tja, das hat man davon, wenn man mit einer Panterin gekämpft. Und genau, das war Caroline auch, ein gefährliches Raubtier.

-Scheißegal! Das war es wert!-

Ich sammelte meine Kleider ein und machte mich nach einem längeren Aufenthalt im Bad auf den Weg ins Büro.

Wie war dein Gewinn?“ fragte Jessika, nicht ohne Schadenfreude, als sie die Kratzwunden sah.

Ich lebe noch.“

Tja, sie ist eben keine…“

Sag es nicht!!!“

**

Als er da in der Tür stand, war ich mir immer noch unschlüssig wie das was kommen würde ausgehen könnte.

Ganz gewiss würde ich mich nicht einfach wie eine nette Maus vernaschen lassen. Würde er wie ein Berserker über mich herfallen, dann würde es garantiert tragisch enden, ich hatte schon einmal einem Mann die Beine gebrochen als er mich besteigen wollte, so etwas ging einfacher als viele dachten. Also stand für mich die Frage im Raum, was kommt da heute durch diese Tür. Vielleicht wäre es ja der Prinz…

Da wurde ich durch ein zartes Klopfen aus meinen Gedanken gerissen und ich ließ ihn eintreten. Seine Begrüßung war tatsächlich freundlich und ich entdeckte sogar eine Spur Charme in diesem Raubein.

Hier im Haus nannten ihn alle den Bad-Man, weil er auch böse sein konnte wenn er wollte. Na dann willkommen im Club. Nach einer Weile stellte er dann aber klar seine Forderungen und er würde seinen Wettgewinn auch einlösen dessen war ich mir sicher. Aber was dann kam, war für mich eine völlig andere Entwicklung.

Nachdem Peter angefangen hatte mich zu reizen waren meine Signale klar, meine Brüste sprachen eine klare Sprache und so schlimm würde das mit dem durchtrainierten Mann sicherlich nicht werden, ganz im Gegenteil, langsam wurde er in meinen Augen interessant, was er sagte es hatte Hand- und Fuß. Peter brachte sogar rabenschwarzen Humor mit, zugegeben nicht ganz meine Stärke, aber dann löste er die Fesseln und ließ mich stehen.

Ich will dich, aber nicht auf diese Weise!“ kam mir entgegen und diese Worte wirkten wie ein Schlag ins Gesicht. Jede seiner Sätze regten mich mehr auf. War ich ihm nicht gut genug? Na dann hast du eben Pech gehabt mein kleiner Prinz, lieber esse ich dein Pferd als den Prinzen zu nehmen.

Wir erregten uns tatsächlich aneinander und es wurde mir klar, dass er auch das hatte, was alle Alphas hatten, eine irrsinnige Angst alleine da zu stehen.

Ein Wort gab das andere und wir beiden Alphas rieben uns aneinander und schneller als ich es tatsächlich wollte war mein Dress zerschnitten und ich lag gefesselt auf dem Bett. Jetzt endlich jetzt kommst du zur Sache.

Ich konnte es kaum fassen aber dieser Kerl hatte mich erregt und er hatte mich an sich gefesselt und ich begann ihn zu spüren, das war ein richtiger Mann. Jetzt war es dann zu spät für mich, ich wollte ihn eben noch zerreißen, jetzt hätte ich ihm die Kleider vom Leib gerissen und was machte er, er löste die Fesseln und es begann das heißeste Liebesspiel seit meiner ersten Nacht mit Penelope auf Soulebda.

Wir trieben es in allen Positionen und auf allen Plätzen in der kleinen Wohnung und ich saugte ihn regelrecht aus, fraß seine Kraft und er fütterte mich mit dem was ich gesucht hatte. Wie ein Panter fiel ich über ihn her und ich wusste genau dass er am Tag darauf nicht gut aussehen würde aber auch ich musste Schmerzen hinnehmen, wir waren wie zwei entfesselte Orkane die sich getroffen hatten und begannen sich gegenseitig zu verschlingen. Entweder würden wir uns auflösen oder wir würden als ein einziger Hurrikan herausgehen. Als wir uns nach Stunden in unserer Lust ergeben hatten, da fiel mir auf dass er kein Wort mehr gesagt hatte.

Da begann er dann doch sein Reden „… die ganze Nacht! …“ und seine Rede war Programm.

Wir trieben es bis in die frühen Morgenstunden, dann forderte das Training oder das Alter doch seinen Tribut bei Peter und er fiel mir in die Arme. So lag er halb auf, halb neben mir und es fühlte sich sogar gut an.

Ob sich da noch mehr entwickeln würde, ich konnte und wollte es da noch nicht glauben, aber in der Löffelchenstellung schlief auch ich kuschelnd in seinen Armen ein.

Am Morgen löste ich mich aus seiner Umklammerung und von seinen Handschellen, legte sie auf das Bett und deckte ihn mit einer Decke zu.

Nach einer flüchtigen Dusche machte ich mich startklar, schlüpfte in den Trainingsanzug und grüßte Jessika, die eben das Haus betrat. Sie lächelte und ich lächelte zurück mit einem leisen „Er lebt.“ verließ ich das Gebäude und begann meine Runden auf dem nahen Waldweg.

Auf den ersten vier Kilometer war noch Ruhe, aber dann fanden sich deutlich mehr Sportler ein, als ich es gewohnt war. Irgendetwas war hier falsch und ich wurde wachsam.

Auf der einen Bank hatten zwei Jogger eine Kamera gezückt und offenbar mich im Sucher. Gegenüber fielen mir zwei Marokkanisch aussehende gut trainierte Sportler auf die einen südfranzösischen Dialekt sprachen. Ich schaute nach der Abkürzung und verließ den Pfad, rannte schnell weiter zur Pforte und verschwand in den Räumen.

Ich war hier nicht alleine, das wurde mir immer klarer. Aber mit wen konnte, mit wem sollte ich hier reden, ich hatte noch zu wenig Vertrauen.

Jessika verstand alles und war sehr intelligent, die Kollegen waren zu neu und Peter, tja Peter der lag geschunden und hab zerrissen auf meinem Bett, den würde ich wohl kaum ansprechen können.

Ich musste mit meinem Onkelchen Kontakt aufnehmen, er würde wissen was zu tun war und er konnte und würde mir helfen, denn ich wollte hier kein Blutbad anrichten, nur weil alle meine Sinne von Angriff redeten.

**

Der Tag danach

Mach Caroline ein Friedensangebot.“ Jessika klebte gerade ein großes Pflaster auf meinen Rücken, um zu verhindern, dass ich das ganze Büro mit Blut versaute.  „Kauf ihr einen Strauß Blumen.“

Blumen? Die Frau ist eine Killerin!“

Ja, aber sie ist auch eine Frau. Jede Frau freut sich über Blumen. Und bevor du fragst, NEIN, ich hab keine Zeit mich um dein Liebesleben kümmern, geh selber die Blumen kaufen.“

Danke für die tolle Versorgung und deine Tipps. Was wäre ich ohne dich?“

Verloren! Sie mag dich, also gib die Mühe beim Aussuchen der Blumen!“

Sie mag mich? Woher willst du das denn wissen?“

Du lebst noch, das sagt doch alles!“ meinte sie grinsend.

Naja, von dieser Warte hatte ich es noch nicht betrachtet, aber Jessika hatte Recht, ich lebte… noch…

Da Samstag war, standen keine Hinrichtungen an und ich konnte mich auf den Weg machen.

Zwei Ecken vom Gefängnis entfernt war ein kleiner Blumenladen. Zum  Glück stand kein Feiertag vor der Tür und der Betrieb hielt sich in Grenzen. Auf die Frage welche Blumen ich gerne hätte, überlegte ich. Für rote Rosen war es eindeutig zu früh, auch wenn sie das ausdrücken würden, was ich empfand, also wählte ich einen bunten Strauß aus verschiedenen Schnittblumen.

Soll ich die Blumen einpacken?“

Nein danke, ich werde sie gleich verschenken.“

Mit dem Strauß in der Hand machte ich mich auf den Rückweg. Als ich mich dem Gefängnis näherte, musste ich eine Straße überqueren, an der eine Fußgängerampel den Verkehr regelte.

Ich war etwa 50 Meter davor, als ich den feuerroten Haarschopf erkannte, der ebenfalls auf die andere Seit wollte. Caroline hatte wohl etwas erledigt und war auf dem Rückweg.

-Warum nicht?- Ich dachte an Jessikas Rat, ihr ein Friedensangebot zu machen. Auf der anderen Straßenseite lag ein Bistro, das gerne von unseren Leuten besucht wurde. Sogar vernünftigen Kaffee konnte man dort bekommen. Vielleicht gelang es mir, zumindest einen befristeten, Waffenstillstand zu erreichen.-

Ich beschloss mein Glück zu versuchen und ging auf Caroline zu, als ich plötzlich meine Nackenhaare sträubten.

Gefahr!!! Alles in mir zog sich zusammen, meine Sinne liefen auf Hochtouren warnten mich vor etwas.

Ich hatte in den Jahren gelernt meinem Gefühl zu vertrauen. Schnell blickte ich mich um. Außer Caroline, stand nur eine Frau am Übergang, die verzweifelt mit einem Stadtplan kämpfte.

Sonst war nur ein Mann zu sehen, der von links kommend, an den beiden vorbei gehen würde und ein paar abgestellte Wagen 50 Meter und weiter vom Übergang entfernt.

-Du siehst Gespenster. Die Sache mit Trommer lässt dich paranoid werden.-

Ich ging weiter hielt die Augen offen, konnte aber absolut keine Gefahr erkennen, doch das Gefühl der unmittelbaren Gefahr verstärkte sich mit jedem Schritt.

Bei 30 Meter, fasste sich die verzweifelte Frau ein Herz und wandte sich an Caroline, die ihr wohl zeigen sollte, in welche Richtung sie gehen musste.

Da Caroline selbst neu in der Stadt war, brauchte sie selbst einige Sekunden um sich selbst auf dem Plan zu orientieren und den eigenen Standort zu finden.

Bei 15 Metern hatte der Mann die Frauen erreicht. Caroline hatte ihren Standort gefunden und drehte sich etwas, um der Frau die Richtung zu zeigen.

In mir gingen alle Alarmsirenen los. Ich riss meine Waffe aus dem Schulterhalfter.

Als der Mann an der fremden Frau vorbei war und genau in Carolines Rücken stand, rutschte ein bösartig aussehendes Messer aus seinem Ärmel, in die rechte Hand.

Er holte aus und wollte zustoßen, als ihn meine Kugel in den Kopf traf.

Caroline und die Frau wurden mit Blut und Hirnmasse bespritzt als der Mann gegen sie geschleudert wurde und zusammenbrach.

Caroline fuhr herum und sah mich mit der Pistole auf sie zielen. Diese kurze Zeitspanne reichte der Frau aus, um ebenfalls ein Messer zu ziehen.

Caroline und ihre Gegnerin standen jetzt  zu nahe beieinander, um einen sicheren Schuss abzugeben, doch Carolines rasche Auffassungsgabe registrierte jetzt die Gefahr.

Gerade noch gelang es ihr den Angriff abzuwehren, da heulte der Motor eines Wagens auf, der scheinbar verlassen dastand.

Mit quietschenden Reifen fuhr er auf die Frauen zu. Carolin gelang es die Frau in Schach zu halten, doch die erreichte ihr Ziel, denn Caroline wurde abgelenkt.

Ich sprintete los, die Blumen fest in einer Hand, die Pistole in der anderen. Fast zeitgleich erreichten das Auto und ich die Frauen. Der Wagen versucht Caroline niederzufahren und ich hechtete mitten in das Gewühl hinein. Ich erwischte Caroline an der rechten Schulter und riss sie herum.

Da die noch immer mit der Angreiferin kämpfte, wurde diese automatisch mit herumgezogen und landete direkt vor dem Kühler des heranrasenden Autos.

Mit einem lauten Aufprall wurde sie auf die Motorhaube geschleudert und die Windschutzscheibe zersplitterte als der Kopf der Frau hineinknallte, während ich schmerzhaft den Außenspiegel in die Seite bekam.

Die Frau wurde über das Dach geschleudert doch der Wagen beschleunigte und bog mit quietschenden Reifen um die Ecke, während die Frau regungslos auf dem Pflaster liegen blieb.

Ihre Augen starrten blicklos zum Himmel. Anscheinend hatte der Aufprall ihr das Genick gebrochen.

Bist du OK?“ fragte ich Caroline.

Die nickte nur. Die ersten Schreie ertönten, als Passanten die Leichen und das ganze Blut auf der Straße sahen.

Guter Schuss.“ Sagte sie und schaute zu dem toten Mann mit dem Messer in der Hand.

Was zum Teufel war das gerade?“ wollte ich wissen. Ich hatte während des Sprungs meine Waffe verloren und bückte mich um sie aufzuheben, als ich gegenüber eine Gestalt sah, die mit einer Pistole auf uns zielte, doch bevor er schießen konnte wurde er von einer geräuschlosen Kugel mitten in die Stirn getroffen. Irgendjemand aus dem Bistro musste ihn erschossen haben, ich wirbelte herum, sah aber niemanden.

-Was immer hier lief, Zeit abzuhauen!- Ich schnappte Caroline,  hinkte mehr als ich lief und zog sie von der Straße.

Dann erst sah Caroline die Blumen, die verteilt auf der Straße und der toten Frau lagen.

Oh, sind die für mich?“

**

Schnell weg

Komm – runter von der Straße, die haben da meist noch einen weiteren Präzisionsschützen in Petto.“ und ich half Peter beim Aufstehen.

Ein letzter Blick auf die Frau – ja starrer Blick und offene Pupillen dazu das Blut aus dem Kopf, die war ex – und dann nichts wie um die nächste Gebäudewand.

Ein prüfender Blick und dann kümmerte ich mich bereits um Peter. „Danke du Held, das war echt knapp, die lernen dazu – und jetzt zeig mal deine Seite.“ damit zog ich sein Hemd seitlich aus der Hose und prüfte kurz.

Hmm das sieht nach einer Beckenprellung aus und das da oben etwa hier.“ und ich drückte leicht zu und Peter zuckte etwas, versuchte tapfer die Schmerzen zu erdulden.

Ja da sind vermutlich zwei Rippen durch. Lass dich besser mal beim Arzt röntgen, kannst ja sagen dass das die Spätfolgen unseres Trainings waren.“

Während sich Peter richtete prüfte ich kurz die Lage.

Verdammt da ist wer auf dem Dach und scannt nach uns wir müssen da lang.“

Ohne lange sich um das Geschehe zu kümmern, verließen wir schleunigst den Ort, denn die Kollegen von der Straße waren mittlerweile eingetroffen und sperrten ab. Ob die sich über die tote Frau mit den verstreuten Blumen über ihren Körper wundern würden?

In Peters Wohnung schaute ich mir nochmal die Wunden an und zog einen kleinen Teil eines Aufklebers von seiner Brust hervor.

Objects in mirror are closer“ las ich vor, lege ihn weg Peter sieht ihn. „Waren das Amerikaner?“ und ich nicke ihm zu.

OK ich denke es wird Zeit für die ganze Story aus den Staaten!“ forderte mich Peter auf. „ich hole was zu trinken und dann packst du aus!“

Ich wartete bis uns Peter etwas zu trinken gebracht hatte und begann.

Also, die Sache mit den Söhnen die ich gehenkt habe, ehe der werte Herr Papa seine Hebel im Außenministerium spielen lassen konnte, hast du ja gehört.

Was du nicht weißt, ist, dass er später der Vizepräsident der CIA wurde und deswegen musste ich schnellstens aus dem Land. Die Amis nehmen Recht und Demokratie nicht wirklich ernst, wenn es gegen ihre eigenen Interessen geht. Da lassen die schon mal Leute und sogar ganze Dörfer verschwinden.“

Peter schaut mich nachdenklich an „Das ist scho9n eine Zeitlang her wenn der noch immer hinter dir her ist muss noch etwas vorgefallen sein – raus damit ich will jetzt alles wissen!“

Da schaute ich ihn eiskalt an und sagte, „Alles wirst du von mir nicht erfahren aber so nah wie jetzt wird kein anderer Mensch je wieder an die Wahrheit kommen…“

Ich nahm einen tiefen Schluck von seinem Whiskey, ließ die Zunge darin kreisen um den Geschmack aufzunehmen und erzählte weiter:

Der Möchtegern-Vater ist vier Jahre später über eine Affäre gestolpert und musste seinen Hut nehmen. Seine Frau war auch in einer höheren Position in der Industrie und sie war es, die mich Soulebda aufspürte. Sie hatten da eine Niederlassung aufgezogen und so liefen wir uns über den Weg.

Ich kannte sie nicht, aber sie wusste genau wer ich war. Irgendwann gab es dann einen Unfall weil mein Wagen keine Bremsen mehr hatte ich konnte mich retten aber es gab Tote.

Zwei Mann aus dem Sicherheitsteam der Firma wurden als Täter ermittelt, aber es war allen klar, dass da mehr dahinter stecken musste.

Die Botschaft der USA schaffte die Leute aus dem Land, aber die Frau trat dann nochmals in Erscheinung als sie mich in meiner Arbeitsstätte überfallen wollte.

Sie trat dann die Heimreise in einem Zinksarg an. Dann war ein Jahr lang Ruhe und ich dachte es sei vorbei.

Jetzt bin ich hier und die Leute von heute waren ganz klar Profis im Auftrag von „oben“ und – ach ja, ich denke dass das hier“  und ich legte meine Wanzen Fundsachen vor Peter auf den Tisch – „wird wohl nicht aus euren Beständen stammen.

Aber wenn nicht, wer von Euch hier drinnen macht mit den Amis gemeinsame Sache?“

Ich erzählte von den beiden anderen Wanzen und dass das Profiwerkzeug war.

Peter sah sich die Telefonwanze an. „Darf ich?“ und nahm eine kleine Lupe zur Hilfe.

Einer meiner Vertrauten kennt sich da aus, der kann uns vielleicht dazu etwas sagen, aber dazu bräuchte er das Teil für einen Tag?“

Ich schob ihm die Kassette zu „Du hast mich heute gerettet – du hast was gut bei mir. Jetzt aber genug der Arbeit! Lass mich nochmal die Rippen sehen.“

Während sich Peter oben frei machte kramte ich in meinem Medic-Kit und nahm einen Schnellverband heraus.

Peter sah sich das Logo an, ein gebeugter Adler auf einem Anker mit einem quer liegenden Dreizack und einer Waffe, das Logo kannte er also.

Wie zum Teufel kommst du an solche Medizin?“ schaute er mich staunend an und ich entgegnete ihm.

Durch gute Freunde. Jetzt lass die Medizin eines sehr guten Freundes ihre Wirkung auf einem anderen Menschen tun.“, und ich lächelte ihn leicht an.

Das kann nur die Prellung lindern die paar Rippchen müssen heilen.“ Ich  klebte den Verband auf und ich sah in seinen Augen, dass die Schmerzen zogen aber auch dass die Mittel schnell Wirkung zeigten.

Jetzt die Lende – runter mit der Hose und komm nicht auf dumme Gedanken!“ Schonend brachte ich die zweite Lage auf der Lendenseite an, berührte mit dem Ellbogen sein Glied und nahm vergnüglich sein Zucken wahr.

Dieser geile Rammler – dachte ich – Eben noch im Feuergefecht und schon wieder geil.

OK das war es das heilt jetzt bestimmt besser.“ und klatsche mit der flachen Hand auf seinen Po. Nicht zu fest, aber anerkennend.

Ehe er noch etwas sagen konnte stehe ich auf, sehe ihm genau ins Gesicht und drücke ihm einen langen saftigen Kuss auf die Lippen.

Und das war ein kleiner Dank für deinen heutigen Einsatz, vielleicht bist du doch nicht so falsch, wie Trommer meint.“

**

Neue Regeln

Was ist da zwischen dir und Trommer?“ Fragte Caroline mich, während sie in meinem Arm lag.

Nachdem sie mich verarztet hatte, fielen wir wieder übereinander her, wenn auch etwas vorsichtiger als beim ersten Mal.

Caroline nahm so viel Rücksicht wie sie konnte, doch auch wenn sie sich zügelte, blieb sie ein Raubtier, das sich nahm, was es wollte.

Das stellte einen Umstand dar, mit dem ich lernen musste umzugehen. Im täglichen Leben, war sah ich meine Partnerinnen immer auf gleicher Augenhöhe, doch im Bett war es gewohnt Frauen zu dominieren und ich war nicht gewollt, auf die passive Seite zu wechseln.

Natürlich bemerkte Caroline, worauf dieses Spiel hinauslaufen würde. Genau wie es in der Hinrichtungskammer um den Job gegangen war, würde es irgendwann im Bett darum gehen, wer „die Hosen anhatte“.

Heute aber hielt sich Caroline zurück und verwöhnte mich, ohne mir weitere Wunden zuzufügen. Umso überraschter war ich, als sich Caroline nach dem Liebesspiel an mich kuschelte.

Wir lagen einfach da und hielten uns einander fest. Sollte diese Killerin etwa  auch einsam sein? Mir war klar, dass mir Caroline allenfalls die halbe Wahrheit über ihre Vergangenheit erzählt hatte, doch wollte ich überhaupt mehr wissen?

Was auch immer geschehen war, es würde Caroline früher oder später wieder von hier fort tragen. Es sei denn… Wollte sie das überhaupt? Das war die Frage…

Bevor ich mit Vera zusammen kam, war es mir egal ob jemand sein Leben oder das Bett auf Dauer mit mir teilte. Ich hatte meinen Spaß im Bett und es war mir, bei jeder neuen Beziehung von Anfang an klar, dass der Job sie früher oder später beenden würde. Also stellte ich mich gleich auf eine kurze Beziehung ein.

Dann kam erst Vera und mit ihr auch  Beate in mein Leben und alles wurde anders. Ich hatte zwei Menschen gefunden, die mich so liebten wie ich war und denen es gleich war, womit ich mein Geld verdiente.

Doch kaum hatte ich das schönste Leben das man sich vorstellen konnte, brach Trommer über uns herein und ich war wieder so einsam wie vorher. Nur dass ich die Einsamkeit diesmal viel bewusster wahrnahm.

Jetzt lag ich hier, mit einer Frau die genau so einsam war wie ich, und keiner von uns wusste etwas über die Geheimnisse der Vergangenheit des anderen, noch wussten wir was die Zukunft bringen würde.

Dann kam die Frage auf die ich schon gewartet hatte.

Trommer ist ein Machtmensch. Er benutzt alle um nach oben zu kommen. Für ihn ist der Posten als General nur eine Zwischenstation nach ganz oben.“

Es geht um diese Beate, oder? Wer war sie?“

Beates Mann hatte für seine Liebschaft ihr gemeinsames Kind umgebracht. Dafür hat ihn Beate mit dem Messer niedergemacht.

Die Liebschaft hat sich Trommer geschnappt und die zwei haben den Mord, an der Kleinen, Beate in die Schuhe geschoben. Trommer hat diesen Prozess benutzt um sich nach oben zu kämpfen.

Um seine Bewerbung als Generalstaatsanwalt gegen alle Eventualitäten abzusichern, bat er mich Beate vorerst zu verschonen und sie erst hinzurichten, wenn er fest im Sattel saß.“

Und das hast du getan?“

Ja…Verdammt, er hat mich genauso geblendet wie den Rest der Welt. Ich habe die Hinrichtung vorgetäuscht und Beate „verschwinden“ lassen.“

Ich höre an deiner Stimme, dass da noch mehr kommt.“

Irgendwann kam ich zu der Erkenntnis, dass es nur einen Weg gab meinen Kopf zu retten, nämlich Beate hinzurichten.“

Was du nicht getan hast.“

Nein. Vera hatte sich in unsterblich in Beate verliebt. Sie hat sich vor sie geworfen um sich für Beate zu opfern.

In den nächsten Wochen konnten wir beweisen dass Trommers neue Liebschaft, Petra Strass,  am Mord von Ella, Beates Tochter, beteiligt war und Trommer hat, ohne mit der Wimper zu zucken, seine Liebschaft auf den elektrischen Stuhl geschickt. Natürlich nicht ohne den Medienrummel zu nutzen, um weiter nach Oben zu klettern. Tja, und jetzt ist er Generalstaatsanwalt.“

Und was wurde aus Beate?“

Trommer hat sie in meinem Büro erschossen und da sie rechtskräftig verurteilt war…“

Sie ist also tot?“

Ja.“

Und Vera?“

Vera hatte ihre große Liebe verloren wollte nicht hier bleiben. Sie packte ihre Sachen und ist mit Sarah Schlosser, der neuen Henkerin, soweit weggezogen wie sie konnte. Sarah hatte irgendwie einen Draht zu ihr gefunden und passt, das Vera keine Dummheiten macht, bis sie Beates Tod überwunden hat.“

Eine traurige Geschichte.“ Ihre Stimme hatte dabei einen sehr seltsamen Klang. War Caroline wirklich Traurig?

Glaubst du wir zwei könnten einen Waffenstillstand schließen?“

Caroline lachte.

Damit ich nicht den – Feind im Bett- habe?“

Trommers Schoßhündin wird in den nächsten Tagen hier ankommen. Auch wenn sie es auf mich abgesehen haben, wirst du sicher auch beobachtet werden. Allein schon um sicherzustellen, dass ich dich nicht „einwickele“. Trommer ist nämlich sehr misstrauisch. Lass uns bis zum Ende der Prozesse zusammenarbeiten, dann sehen wir, wie es weitergeht. Einverstanden?“

Gut. Waffenstillstand bis zum Ende der Prozesse.“

Besiegeln wir das mit einem Kuss?“

Ok, EINEN Kuss.“

Aus dem EINEN Kuss wurde eine weitere heiße Runde im Bett in der die Panterin mit ihrer Beute spielte.

**

Attacke

Ich brauche hier sofort Unterstützung!“ sagte Levi ohne Einleitung zu Dagan.

Benjamin Levi hatte im Bistro gesessen und die Ohren offengehalten, allein schon weil er wissen wollte, ob es in der Geschichte zwischen Caroline und Peter etwas Neues gab.

Er genoss den wirklich guten Kaffee, als er durch das große Fenster Caroline auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen sah. Levi machte sich so unsichtbar wie er konnte und hoffte dass Caroline nicht gerade jetzt Lust auf eine Tasse Kaffee hatte.

Als er die Frau mit dem Stadtplan sah die sich an Caroline wandte, schrillten alle Alarmsirenen. Es war das klassische Manöver. Einer lenkte ab, der andere schlug zu!

So schnell er konnte, ohne aufzufallen, stand er auf um zu Caroline zu kommen. Levi warf einen Geldschein auf den Tisch und verließ schnell das Bistro.

ZU SPÄT! Hämmerte es auf ihn ein. Ein Mann stand genau in Carolines Rücken und holte aus!

CA…“ Der Rest ging im Knallen eines Schusses unter. Der Mann wurde getroffen und  gegen Caroline geschleudert. Hinter Caroline stand Stein mit der Waffe in der Hand und zielte auf die Frau mit dem Plan, doch er konnte nicht schießen.

Bevor Levi seine Waffe ziehen konnte heulte der Motor eines Wagens auf und fuhr auf Caroline zu. Ben und Stein rannten gleichzeitig los, doch Stein war näher dran, als er. Stein sprang Caroline an und riss sie Auto weg, während die Ablenkung überfahren wurde.

Der Profi in Levi hatte längst das Handeln übernommen. Die Gefahr lauerte jetzt nicht mehr bei Caroline, irgendwo da war Ben sicher, lauerte ein weiterer Killer, er zog seine Waffe, hechtete zwischen zwei Müllcontainer und sucht ihn.

Caroline und Stein waren mitten auf der Straße einem Schützen schutzlos ausgeliefert, als Ben den zweiten Killer fand. Während die ersten Leute panisch schrien und fassungslos herumstanden, schaute ein Mann gebannt auf Carolin und zog eine Waffe.

Als sich Stein bückte um seinen Pistole aufzuheben, brachte der Mann seine Waffe und Anschlag und zielte. Es war eine tausendmal geübte Bewegung, die Pistole entsichern, das Ziel anvisieren und abdrücken, schon hatte der Mann ein drittes Auge und fiel wie ein gefällter Baum um. Noch bevor der Mann auf dem Boden lag, hatte Levi die Waffe weggesteckt, sich wieder unsichtbar gemacht und tauchte in der Menge unter.

Gerade noch rechtzeitig, denn die die „guten“ Amerikaner welche ebenfalls um das Gefängnis herumschlichen tauchten auf.

Schnell war Ben zu seiner Wohnung gegangen und hatte Dagan angerufen.

Die Lage gerät außer Kontrolle. Jemand hat versucht Caroline umzubringen und das waren keine Amateure. Die Vorgehensweise lässt auf einen Geheimdienst schließen.“ Levi erzählte Dagan was vorgefallen war und wie er die Situation einschätze

Was denkst du war es Froody oder der alte Franzose?“

Mit Sicherheit steckt Froody dahinter. Ein solches Vorgehen passt nicht zum alten Franzosen. Ich wette die toten sind ehemalige amerikanische Agenten.“

Was ist mit Stein, könnte er vielleicht…“

Definitiv nein! Er hat Caroline gerettet. Für einen Amateur hat er einen verdammt guten Einsatz gezeigt.“

Also gut! Ich werde mit Team 7 in zehn Stunden bei dir sein. Übrigens Lem hat Trommers Aktivitäten ausgewertet. Es gibt nur einen Vorgang der sein Handeln erklärt. Der Fischer Prozess! Versuch etwas darüber herauszufinden.“

**

Randy zum Zweiten

Am Montagmorgen ging ich als erstes zu Günther, unserem Hausmeister. Mit einer Flasche Dimple in der Hand und einer Schachtel Zigarren.

Anders als die meisten meiner Mitarbeiter, hatte ich ein sehr gutes Verhältnis zu ihm und seinen Leuten. Genau wie auch zu den Reinigungskräften. Ein freundliches Wort konnte sehr viel bewegen und so bekam ich auch immer recht zeitnah, was ich brauchte bzw. was ich wollte.

Mein nächster Gang führte mich zu Randy unserem Genie. Seit seinem erfolgreichen Einsatz bei Beates Rettung, war er viel selbstsicherer, fast schon erwachsen geworden. Naja, etwas erwachsener. Er sah sich noch immer die Welt am liebsten von seinem Monitor aus an.

Guten Morgen Bad-Man. Sorry, falls ich dich neulich im Aufzug in Verlegenheit gebracht habe. Du weiß schon, die Sache mit dem Parkplatz.“

Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. „Schon Ok. Du hattest Recht. Sie ist eine klasse Braut.“

Ich habe gehört, diese Caroline ist auf deinen Job scharf.“

Wir sind uns einig geworden.“

Randy grinste von einem Ohr bis zum anderen.

Ja, das hab ich auch gehört.“

Ich ignorierte das fette Grinsen in seinem Gesicht. Randy war halt Randy. Dieser Junge hatte es faustdick hinter den Ohren, aber er war ein verlässlicher Partner, der immer da war, wenn ich seine Hilfe brauchte.  Er war unser Technikspezialist der immer neben einem coolen Spruch auch die richtige Lösung für ein Problem hatte.

Kannst du dir das mal ansehen?“ fragte ich und gab ihm die Wanze aus Carolines Wohnung.

Er nahm sie in die Hand und schaute sich das Teil genau an.

WOW. Bad-Man, wo hast du das Teil her.“ Flüsterte er, als ob die Wanze noch aktiv wäre.

Die ist aus Carolines Wohnung! Was ist denn mit dem Teil?“

Das Teil ist so neu, dass es dieses Teil noch gar nicht gibt, wenn du verstehst was ich meine.“

Nicht wirklich.“

Dieses Abhörgerät stellt die neuste Generation dieser Teile da. So etwas bekommt man nicht im Handel, die sind Top S