Die schwarze Rose Teil 2

Wir schreiben das Jahr 1905. Die moderne Technik ist dabei die bekannte Welt zu erobern. Ein Weltkrieg scheint in weiter Ferne.

Nahe dem Persischen Golf liegt zwischen dem Iran und Persien das Königreich Stromantien, welches in zwei konkurrierende Sultanate aufgeteilt ist. Die beiden Sultanate sind etwa gleichgroß und auch in etwa gleich reich. Allerdings pflegt man im Sultanat Prospertonia das Wissen und die Weisheit, wohingegen man im Sultanat Extrapolis eher die Schönheit des Goldes mag.

In Stromantien herrscht der edle König Ali bin Bassam, genannt der Friedenschaffende. Der König ist mit 84 reich an Jahren und im Bestreben sein Königreich dem Sohn zu geben, der sich als der bessere erweist. Dummerweise sind beide Söhne erwiesene Tunichtgute und lediglich die Tochter Ultima ist klug und gewitzt, jedoch wird sie keinen ihrer Brüder in der Erbfolge vertreiben können.
In den beiden Sultanaten herrschen junge, starke Männer, die noch auf die alten Werte geprägt sind. Der jüngere Sultan Hakim Karimbai, genannt der Gerechte. Herrscher des Sultanats Prospertonia, ist an Wissenschaft und Forschung interessiert und gerade dabei den Frauen einige Rechte zu gewähren.
Aber bei Sultan Abbas Aluawie, genannt das fliegende Schwert. Herrscher des Sultanats Extrapolis sieht das ganz anders aus. Er beharrt auf dem alten Standesrecht der Sultane und zeigt wann und wo er immer kann, dass die Frau dem Manne untertan ist.

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Einige Personen aus der Geschichte:

Eva, 40 Jahre, eine blonde kluge Ingenieurin aus Finnland.
Siina, 16 Jahre, ihre kluge Tochter.

Helena, 41 Jahre, eine dunkelblonde Medizinerin aus Frankreich.
Claire, 16 Jahre, ihre kluge Tochter.

König Ali bin Bassam, genannt der Friedenschaffende. Herrscher der Region und der beiden Sultanate.
Sultan Hakim Karimbai, genannt der Gerechte. Herrscher des Sultanats Prospertonia.
Sultan Abbas Aluawie, genannt das fliegende Schwert. Herrscher des Sultanats Extrapolis.
Ultima Mellagatama, die Tochter des Königs Ali bin Bassam.
Ali Krufani, ein alter Dolmetscher.

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Wir befanden uns im Lager des Bautrupps. Meine beste Freundin Eva hielt ihre Tochter Siina fest an sich gedrückt und ihr Mann, Selim versuchte etwas Schutz vor dem heftigen Sandsturm zu geben.

Nicht anders bei uns. Meine Tochter Claire und ich, wir hielten uns fest aneinander und John umklammerte uns beide und drückte uns, so fest es ging, gegen ein Gestell des Transportfahrzeugs.

Ein Sandsturm hatte uns überrascht und war plötzlich da. Zwei Familien, die sich außerhalb des Lagers befanden, waren im Staub verschwunden, sie waren verloren, das war uns klar.
Ab und an sahen wir einen Schatten durch das Lager huschen, wir wussten allerdings nicht, ob das Teile waren, die umhergerissen wurden, oder ob das die gefürchteten Soldaten des Sultans waren.

Am Morgen erwachten wir endlich in Ruhe und sahen nur noch unser zerstörtes Lager. Was nicht angebunden war, das war einfach weggeweht worden. Noch dachten wir an einen normalen Sandsturm, bis wir die an den Füßen aufgehängten Soldaten fanden. Sie fingen an einer Verbindungsstange, die im einzigen Hügel eingelassen wurde. Den vier Soldaten waren die Hände hinter dem Rücken zusammengebunden worden. Am schlimmsten aber war, dass man ihnen die Kehlen aufgeschlitzt hatte.

„Eva komm schnell hierher.“ Rief ich zu meiner Freundin. Zusammen mit Siina kam sie angerannt.
„Paul ist verschwunden, ist den John noch da?“
Claire, meine Tochter hatte Siina umarmt und beide waren sichtlich verstört, hatten sie doch gerade eben die Soldaten gesehen.
„Nein, was ist das für ein Geschrei?“
Hinter einem Hügel hörten wir Geschrei und Gewieher von Pferden. Schnell kletterten wir auf den kleinen Hügel und sahen das Grauen.
10 oder 15 Soldaten des Sultan hatten zwei Männer an je eines der Pferde gebunden und die Reiter trieben die Pferde an. Die armen Menschen hinter den Pferden mussten Höllenqualen leiden, wir hofften, dass sie schnell starben.
Die kleine Siina sah es zuerst und sprang auf.
„Papa!“ Rief sie und rannte auf die Reiter zu. Sie hatte ihren Vater erkannt. Wir dachten noch, dass unsere Männer irgendwo gefangen waren, aber Siina lief auf das eine Pferd zu, an dem einer der Männer zu Tode geschleift wurde. Sie hatte die Haare erkannt.

Binnen Minuten waren wir umstellt und man trieb uns in das Reiterlager. All unsere wenige Habe rissen die Beduinen uns weg und zwangen uns in die Knie. Claire und Siina schrien und weinten, da peitschten die ersten Männer unsere Kinder und wir, die wir uns zu wehren wagten, wurden brutal auf den Boden gedrückt und geknebelt.

Irgendwann war das Gewimmer unserer Kinder auch vorbei und sie schluchzten nur noch leise. Ich sah die Striemen im Gesicht von Claire und die Striemen bei Siina.

„Das sind Unmenschen, wie die unsere Kinder gepeitscht haben.“ Flüsterte Eva mir und erhielt sofort einen harten Schlag auf den Rücken.

Da kam ein Trupp Reiter auf uns zu und vorne ritt jemand auf einem arabischen Vollblut, gefolgt von Kamelreitern. Der Mann auf dem Pferd war in heller sehr guter Kleidung und die Kamelreiter sahen auch elegant aus.

Mit Tritten und Hieben zwang man uns auf und wir vier mussten uns in eine Reihe vor den berittenen aufstellen. Von dem Geschrei der Männer verstanden wir kein Wort und als ich den Reiter ansah, wurde ich gepeitscht. Die Lektion kam an. Nicht ansehen.
Unsere Kinder wurden getrennt und man untersuchte, ob sie noch etwas Brauchbares bei sich trugen. Der Reiter stieg ab und kam auf uns zu. Zwei seiner Begleiter waren Leibwächter und hatten ihre Schwerter gezogen. Sein weißes Haar und sein Bart waren gut gepflegt, das war ein Anführer, das war sofort klar.
Eva und ich mussten uns vor den Mann knien. Einige Männer kamen angerannt mit Seilen und Tüchern und warteten auf irgendein Kommando.

Auf Kommando des Anführers wurden uns die Kleider abgerissen, teilweise sogar weggeschnitten, weil es zu lange dauerte. Nun standen wir nackt vor dem Bärtigen und er betrachtete uns Weißhäutige genau. Offenbar hatte er noch keine Frauen gesehen, die ihren Busch rasiert hatten. Wir empfanden das als Erleichterung bei all dem Sand, er bestenfalls als Verwirrung. Schon wurden unsere Kinder gebracht und ebenfalls nackt neben uns gestellt.

Der Anführer gab einen kurzen leisen Befehl und einige seiner Soldaten fielen über uns her. Wenig später lagen wir in Ketten. Die Hände vor den Bauch gefunden und um den Hals eine Kette waren Eva und ich vorne angebunden und hinter uns Helena und Claire. Das Erste Kettenstück wurde an einen Kamelreiter gegeben und dieser befestigte es an seinem Sattel. Ein Befehl nur und die Reise begann, wir wurden entführt und mussten nackt und gefesselt barfuß durch den Sand laufen.

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Die Morgenkühle war schnell gewichen und nun brannte die Sonne auf uns nieder. Schweißgebadet stolperten wir eher schlechter als besser in der Reihe und unsere Entführer kannten kein Pardon. An einer kleinen Oase wurden die Männer mit Wasser versorgt, dann bekamen die Tiere zu trinken und am Ende warf man uns in die Brühe. Das Wasser schmeckte widerlich, aber es war Wasser.
Schon ging es wieder weiter und die Sonne stieg höher und brannte auf unseren Körpern und durch den heißen Sand auch an unseren Füßen.
Es war wohl gegen Mittag, da bekamen wir Probleme und stolperten immer häufiger. Schließlich sah ich nicht mehr richtig und selbst die Peitschenhiebe auf der nackten Haut konnten mich nicht mehr antreiben.
Endlich gab man uns frisches Wasser zum Trinken. Wir kamen zu Kräften, um weiterzulaufen. Sprechen konnten wir schon lange nicht mehr und bei jedem falschen Tritt oder sobald wir stolperten, erhielten wir einen Schlag oder Peitschenhieb.
Endlich sahen wir wieder eine Oase, diese war größer als die beiden Letzten und davor standen auch einige LKW. Wir hatten bereits Hoffnung, dass wir dort Hilfe erfahren würden, aber weit gefehlt. Man trieb uns in einen Stall, nahm uns einzeln wieder heraus, ließ uns kurz waschen und trieb uns in einen anderen Raum, der bereits von geifernden Männern gefüllt war.
Als wir vier dann versammelt waren, fielen die ersten Männer über uns her und ab da wurden wir bis in die Nacht vergewaltigt.
Die Schreie unserer Kinder verstummten rasch, nachdem man Siina geknebelt und Claire ausgepeitscht hatte. Die Vergewaltigungen aber gingen weiter. Alle paar Stunden bekamen wir Wasser und konnten trinken uns etwas waschen, ehe es weiterging.

In der Nacht kauerten wir vier Mädchen zusammen in der hintersten Ecke. Ab und zu wurde eines der Kinder herausgezerrt und eine Wache machte sich über sie her. Unsere Versuche zu helfen, wurden mit brutalen Peitschenhieben unterbunden. Irgendwann schliefen wir dann doch ein.

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Eine Fanfare riss uns aus unseren traumlosen Schlaf und schon drangen die Soldaten in den Stall und rissen uns erneut heraus. Vor uns befand sich ein großer Käfig. In dem befanden sich andere Frauen, alle waren sie in weiße Farbe getaucht und dort eingesperrt. Aber diese hatten die Gesichtszüge der Wüstenbewohner, nur wir sahen anders aus, eben europäisch. Wir wurden in die Nähe geführt und einzeln in einen großen Bottich mit weißer Farbe getaucht. Die Farbe trocknete sehr schnell und hielt auch Schweiß stand. Als Nächstes kamen wir in den großen Käfig und ein mächtiges Schloss kam an den Eingang. Palmblätter auf dem Käfigdach brachten etwas Schatten, aber für uns neu dazugekommenen gab es keinen Platz, uns verwiesen die anderen Gefangenen an das andere Ende in die Sonnenplätze.

Mittags fuhren zwei der LKW auf den Platz und die LKW hatten zwei Längsstangen auf der Ladefläche. Hier mussten wir aufsteigen und unsere gefesselten Hände kamen über die Längsstangen. So waren da zwei Reihen Gefangener, die mehr kniend als sitzend auf den LKW warteten, bis die Fahrt losging. Auf jeden der LKW waren jetzt gut 20 Frauen gefangen, dazu jeweils zwei Wächter am Ende des LKW. Die Fahrt ging los und wir rumpelten stundenlang über hüglige Regionen, dazwischen jede Menge Sand und endlich, am späten Abend, sahen wir Licht am Horizont, die Stadt kam in Sicht.

Je näher wir der Stadt kamen, desto klarer wurde uns, dass das etwas ganz anderes war. Überall dudelte etwas Gerüche und Gestank drangen von allen möglichen Orten zu uns, wobei die angenehmen Gerüche alles überragten. Je näher wir kamen, desto mehr Menschen waren zu sehen und neben den Menschen auch weitere LKW mit weißen Frauen auf der Ladefläche.

Wir fuhren durch die schmalen Straßen auf eine Kaserne innerhalb der Stadt zu. Die Soldaten davor machten schnell klar, dass hier sonst keiner einen Zugang bekam. Vier LKW waren inzwischen vor uns und wir fuhren im Konvoi in einen abgeschlossenen Bereich der Kaserne. An einem riesigen Platz stoppten die LKW und stellten sich nebeneinander auf.
Erst jetzt sprangen die Soldaten ab. Weitere Soldaten kamen dazu und um die ganze Ansammlung stand ein Ring weiterer Soldaten. Flucht war also keine Möglichkeit.

Aufregung entstand. Ein größerer Behälter wurde auf Rollen hereingefahren, voll aus Metall und oben nur mit einer großen Klappe versehen, standen zwei Soldaten darauf.

Ein kleiner Schreibtisch mit einer mächtigen Fahne wurde aufgestellt dazu noch zwei schwarze Sklaven mit einem Palmwedel. Schon bespannte man einen Sonnenschutz über den Schreibtisch und schließlich, nachdem die Sklaven in dem Unterstand vor sich hin wedelten, trat ein bunt gekleideter, kleiner aber fetter Mann in Begleitung einiger anderer Menschen auf uns zu und nahm an dem Schreibtisch Platz.

Ein Schreiber öffnete ein Buch und machte sich schreibbereit. Schließlich wurde eine mächtige Holzbank gebracht und auf dem Metallbehälter gestellt. Schließlich folgte noch eine Abordnung aus mehreren Leuten. Zweifellos dem alten Mann mit dem weißen Vollbart, dazu zwei wunderbar anzusehende Frauen in wehenden Gewändern und einer Kinderschar. Am Ende kam und das war uns sofort klar der Henker, das geschwungene mächtige Schwert machte das sofort klar.

Während die Herrschaften in einem aufgebauten Zelt Platz nahmen, wurden ihnen Getränke und Obst gereicht. Der Henkersmann aber erklomm über eine Leiter den Metallbehälter und kniete sich oben hin.

Wir hatten gar nicht bemerkt, dass hinter uns mehrere Käfige waren in dem leicht hundert Menschen Platz gefunden hätten. Diese wurden geöffnet und je zwei Soldaten nahmen Stellung davor.

Jetzt ging es los. Helena sah mich an und flüsterte „Was geschieht hier?“ Sofort wurde sie mit zwei Hieben bestraft, das hieß offenbar „Ruhe!“

Am ersten LKW wurde die Lade Wand geöffnet und die Frauen wurden in einer Reihe am Boden aufgestellt. Schließlich brachte man jede einzeln zu dem Mann am Schreibtisch und dieser schätzte die Frau ab. Die ersten jüngeren Frauen wurden in die Käfige 1 und 2 gesteckt, dann kam die erste ältere Frau zu dem Schätzer und dieser schaute sie kurz an und deutete nach links zu dem Tank.
Zwei Soldaten brachten die ältere Frau an den Tank und führten sie die Treppe hoch. Oben musste sie sich vor den Holzblock knien und der Henker schlug ihr sofort den Kopf ab.
Wir schrien kurz auf und wurden sofort mit Peitschenhieben ruhiggestellt. Der Kopf der Frau wurde unten in ein Fass mit weißer Brühe getaucht und auf einen noch leeren Wagen gelegt. Da sollten also noch mehr hineinkommen … Uns schauderte.

Weiter und weiter ging die Auswahl. Jeder LKW wurde entladen und die Frauen geschätzt. Langsam füllten sich die Käfige aber auch der Wagen mit den abgeschlagenen Köpfen.

Schließlich war unser LKW dran, wir waren die letzte Ladung. Bei einer der jungen Frauen war sich der Schätzer unschlüssig, die junge, gut gebaute Frau war offenbar schwanger. Ein Blick zu dem Mann im Zelt und schon wurde die Frau auf den Tank geschleift und geköpft.

Jetzt kamen wir an die Reihe. Der Schätzer schaute Helena an, sein Gesicht verzog sich keine Sekunde und sie wurde in Käfig 3 eingeordnet. Ebenso unsere beiden Kinder und am Ende auch ich. Nach mir kam nochmals eine schwangere Frau und auch sie landete auf dem Tank und wurde geköpft.

All das ging rasch und ohne wildes Geschrei ab, die Frauen ergaben sich, in ihre Gefangenschaft. Jetzt erst sah ich, dass der Wagen mit den abgeschlagenen Köpfen weggebracht wurde und die Köpfe wurden zu einer kleinen Pyramide gestapelt. Erst da sah ich die vielen anderen kleinen Pyramiden.

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Erneut sah ich mich um. In unserem Käfig Nummer 3 waren wir jetzt acht Frauen, allesamt recht jung und gut entwickelt. Helena und ich waren hier mit die Ältesten. Käfig 1 war voll besetzt, da passte keine Frau mehr rein und Käfig 2 war auch fast proppenvoll. Nur bei uns war noch genug Platz. All die armen älteren Frauen und Schwangeren, denen man den Kopf abgeschlagen hatte und deren Körper in diesem Tank landeten gehörte mein Mitgefühl.

Endlich kam eine hellhäutige Person auf uns zu. Es war ein Mann offenbar mit nordländischem Einschlag, er versuchte, eine Sprache zu finden, die wir verstanden. Mit Englisch kamen wir dann zurecht, ehe wir erkannten, dass er auch Deutsch konnte.

„Ich bin Ilima und ich bin euer Übersetzer für die kommenden Tage.“
„Was geschieht mit uns Ilima?“
„Ihr werdet in die Festung gebracht und dort wird weitergesehen. Vermutlich werden die Mädchen für die Zucht genutzt und bei euch weiß ich nicht, was geplant ist.“
„Zucht?“, rief Helena, „unsere Kinder sind noch keine 18.“
„Haben sie schon geblutet, haben sie bereits ihre Periode?“
„Äh ja, sie haben schon ihre Periode, aber wes …“
„Dann sind sie gut für Zucht.“ Ilima drehte sich um und ging zum Käfig 2
„Mamaaaaa?“ Fragte mich Siina, „was meint der Mann mit Zucht, doch nicht …“
„Mein Kind, ich kann mir nicht vorstellen, dass die das mit Zucht meinen.“

Helena sah mich mit rotem Kopf an, als Claire, ihre Tochter, sie fragte „Und wenn doch, wollen die etwa, dass wir denen Kinder gebären?“
„Mein Kind, ich weiß es nicht, aber ich hoffe und bete, dass das nicht geschieht.“

Mit einem Ruck bewegte sich unser Käfig. Er war bereits auf Rollen aufgesetzt und wurde nun an einen LKW gehängt, dann ging die Fahrt zur Festung los. Die beiden anderen Käfige wurden in eine andere Richtung gefahren.

Einige Stunden später tauchte vor uns eine mächtige Stadt auf, die auf einen Berg gebaut war und auf dem Berg war eine wunderschöne und bestimmt mächtige Festung. Das musste unser Ziel sein, die Hauptstadt des Sultanats Extrapolis.

Wenn wir eine Stadt sahen, so hatten wir recht schnell ein erstes Gefühl. Bei dieser Stadt kam allerdings kein gutes Gefühl auf. Es dudelten die gleichen Melodien überall in der Stadt und es gab mindestens genauso viele Verkaufsstände und es roch auch ähnlich, aber die Menschen wirkten unsicher und unwohl. Ich spürte deutlich, hier herrschte Angst und Verrat.

Neben uns ritt der Dolmetscher. Ich sah ihn an und versuchte freundlich zu fragen.
„Wohin kommen die beiden anderen Käfige?“
„Käfig 1 wird zur Versteigerung gebracht, alle werden dort als Sklaven verkauft. Jene, die wir nicht verkaufen können, kommen in die große Tonne, wo auch die abgeschlagenen Köpfe drinnen sind.“
„Was macht ihr damit, das muss doch stinken.“
„Das kommt in die Sonne und vergärt, daraus wird Futter für die Fischzucht des Königs gemacht, dieses Fischfutter ist das beste Fischfutter unter der Sonne.“
„Aha und Käfig 2, was macht man damit?“
„Das werden die Leibsklaven der Offiziere und Generäle die haben denen zur Verfügung zu stehen. Alle, die das nicht wollen oder nicht gut sind, werden Fischfutter.“
Damit trabte der Dolmetscher an und ritt nach vorne weg.

„Wer hier also nicht hören will, der wird Fischfutter.“ Sagte ich zu Helena und sie schaute mich an. „Wozu brauchen die hier in der Wüste so viel Fischfutter?“
Diese Frage blieb unbeantwortet, als wir in die Stadt mit der mächtigen Festung kamen.

Die Fahrt ging weiter eine Straße hinauf zur Festung. Nach den Festungstoren und den Wachen trafen wir auf einen runden Platz und mussten aussteigen. In der Mitte standen einige Pfähle mit einer Querstange. Wir vier wurden mit den Händen nach oben gespreizt und angebunden.
Anschließend erhielten wir eine Querstange zwischen die Fersen und so wurden unsere Füße auch gespreizt und angebunden. So mussten wir in der Hitze des Tages stehen und wurden von allen an gesabbert.
Soldaten kamen vorbei und betatschten uns überall, es war eklig, aber die Wache, die sich neben uns im schattigen Unterstand befand, schlug mit der Peitsche sofort zu, wenn wir etwas sagten oder uns genierten. Wir waren nur noch eine Ware, vier Frauen, genauer zwei junge Mütter mit ihren fast erwachsenen Mädchen.

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Am frühen Nachmittag wurden wir von den Stangen gelöst und man brachte uns in die Festung. In einem der Seitenflügel mussten wir durch drei Waschbecken und Sklavinnen schrubbten uns die weiße Farbe ab und wuschen uns mit ekelhafter Seife ab.
„Hast du die Markierungen der Sklavinnen gesehen?“ Flüsterte Helena.
In der Tat hatten alle Sklavinnen auf den Schulterblättern einen Kreis und wiederum ein paar hatten den Kreis mit einer senkrechten, andere mit einer waagerechten und wieder andere mit einem Kreuz versehen. Sklavinnen, die nur einen Kreis trugen waren selten.
„Weißt du was das sein könnte?“ Flüsterte sie erneut.
„Status oder Funktionsmerkmal, vermute ich.“ Flüsterte ich ihr zu.

Erst nachdem wir die drei Bäder hinter uns hatten, brachten uns die Wachen eine Etage höher zu anderen Bädern. Dort wuschen uns Sklavinnen mit deutlich besser riechenden Seifen ab und seiften uns mit Schwämmen ein. Jetzt war der letzte Rest der Farbe ab und wir fühlten uns erstmals wieder sauber.

Nun kamen Soldaten mit vier kräftigen Sklaven herein. Die Sklaven trugen lange Zangen mit einer runden Ausbuchtung. Die Soldaten fassten uns und wir bekamen von den Sklaven ein jeder eine der Zangen um den Hals gelegt. Ein Kettenglied verriegelte die Zange und wir wurden so nach vorne geschoben, die Sklaven führten uns, flankiert von den Soldaten in andere Räume. Hier hörten wir Schreie und es roch verbrannt. Als man uns um eine Ecke führte standen vor uns vier weitere junge Frauen in den Eisenzangen. Die Sklaven befestigten die Zangen an einem Holzbalken, der die Mädchen dazu zwang, sich auf bäuchlings auf einen Sack zu legen. Die Arme der Mädchen wurden nach unten gefesselt und wir kamen rechte neben die Mädchen. Auch wir wurden so gefesselt.

Trotz Kopf nach unten erkannten wir, dass ein bunt gekleideter Mann mit einigen anderen, wohl einem Schreiberling und zwei anderen Männern mit starken Füßen hereinkamen. Hinter uns hörten wir plötzlich den Dolmetscher sagen.
„Ihr werdet jetzt gezeichnet als Eigentum des Sultans. Schweigt und versucht nicht zu schreien, es geht schnell vorbei.“
Erst jetzt erkannten wir, dass die Füße der starken Männer zu Folterknechten oder Schmieden gehörten, denn jeder nahm ein glühendes Eisen mit einem runden Muster und damit traten sie an die Mädchen zur Linken.
Zischend brannten sich die Eisen in beide Schultern, schon ging es zum nächsten Mädchen. Das jedoch schrie vor Schmerz und die Knechte hielten die Eisen länger auf der Schulter.
Der Dolmetscher, der hinter uns stand versuchte, uns zu beruhigen. „Nicht schreien, dann ist es schnell vorbei.“
So kamen die Schergen mit den Eisen näher und näher. Jetzt waren wir dran und die Eisen brannten sich brutal in unser Fleisch. Selbst unsere beiden Mädchen versuchten, so gut und so lange wie möglich, das Schreien zu vermeiden und wir litten unglaubliche Qualen dabei, zuzuhören wie sich die Eisen auch in ihre Schultern brannten.
„Das war gut, ihr habt nicht geschrien, das war wirklich gut.“
Sklavinnen legten kühlende Lappen, die mit irgendeiner Paste getränkt waren, auf unsere Wunden und es kühlte tatsächlich, der Schmerz wurde etwas gelindert.

Die Eisenzangen wurden uns allen abgenommen und man stellte uns vor Spiegelwände, jetzt konnten wir die Brandzeichen sehen. Gut acht cm im Durchmesser und kreisrund. Ich sah aber auch die blutjungen Mädchen mit ihren wohlgeformten Brüsten.

Ein Horn ertönte und eine hohe Tür ging auf. Neue Gerüche, angenehme und aromatische drangen zu uns. Wachen in edleren Uniformen kamen zu uns und führten uns durch die Tür, die sich hinter uns schloss.

Vor uns, auf einer Anhöhe von gut einem Meter, befanden sich Menschen, die hinter dünnen edlen Vorhängen umherliefen und ganz offenbar zu den „Edlen“ gehörten. Die neuen Wachen ließen uns sich in einer Reihe aufstellen. Einige weitere Leute kamen dazu und wir erkannten auch unseren Dolmetscher.

Ein Gong ertönte und wir verbeugten uns ganz tief, warteten, bis wir die Order bekamen und zu erheben und langsam hoben sich die Vorhänge.
Vor uns saßen, oder besser lagen zwei wunderschöne Frauen, die mehr oder weniger nur leichte Schleier trugen und von Sklaven mit Palmwedel frische Luft zu gefächert bekamen. Da traten zwei junge Männer hinzu, der eine vielleicht 14 Jahre und der andere etwas älter, bestenfalls 16 Jahre. Neben jedem der jungen Männer standen zwei Leibwächter mit ihren Seitenwaffen. Ein weiterer Gong ertönte, diesmal ein tieferer Ton und wiederum lagen wir fast am Boden.
Der Sultan hielt Einzug mit seinem Gefolge. Mit seinem Turban war der Sultan erkennbar, er war der Einzige, der einen so hohen und mächtigen Turban trug. Einige andere Würdenträger trugen andersfarbige, aber nur der Sultan und die beiden Jungen trugen einen Turban aus goldenem Stoff.
Hinter die Gefangenen Mädchen traten die Dolmetscher, insgesamt drei an der Zahl. Hier wurden offenbar Sklaven aus allerlei Länder genommen.

Der Sultan stand auf und ging einige Schritte auf die Sklavinnen zu, begann leise aber gutverständlich in seiner Sprache zu reden und wir bekamen es sogleich übersetzt.

„Ich bin der Sultan von Extrapolis. Mir gehört das Land von hier bis zum Sonnenuntergang. Ich verwalte es, für unseren edlen König Ali bin Bassam, genannt der Friedenschaffende. Herrscher der ganzen Region und der beiden Sultanate Prospertonia und Extrapolis.
Ihr seid in diesem Sultanat als Eindringlinge festgenommen worden und wurdet für würdig befunden mir, dem Sultan und damit auch dem edlen König Soldaten zu schenken. Führt die Auslese durch!“

Zwei bunt bekleidete dünne Männlein huschten herbei und verbeugten sich hastig vor dem Sultan, dann liefen sie an die Seite und begannen ihre Arbeit bei den Gefangenen.
Die Soldaten befahlen den Mädchen, die Schenkel zu spreizen und die Arme hochzunehmen. Keines der Mädchen machte noch Anstalten sich nicht zu fügen, alle hatten wir gelernt was das bedeutete. Im besten Fall die Peitsche, im schlimmsten Fall Auspeitschung bis zum Tode und danach Fischfutter.

Die dünnen Männlein betasten die Mädchen und fühlten auch zwischen ihren Schenkeln genaustens, so, als würden sie etwas suchen. Der Busen wurde genaustens geprüft und geknetet, ob die beiden Jammergestalten dabei Lust verspürten, sahen wir nicht, aber sie waren sehr genau und sehr ausführlich.
Schließlich kamen die Männlein an uns und tatsächlich sie schienen in unserer Vagina etwas zu suchen. Jetzt erkannte ich auch erstmalig, dass einer der Männlein Schweißperlen auf die Stirn bekam, das war also keine Lust für die, sondern eher Arbeit.

Hinter uns sprachen die Dolmetscher, ich erkannte eine Art afrikanisch, etwas indisch und eine andere Sprache, die ich nicht erkannte. Unser Dolmetscher sprach: „Ihr werdet untersucht, ob ihr Krankheiten innehabt. Geblutet habt ihr alle bereits und es sind vier Mütter unter euch. Haben von den Müttern welche Söhne geboren?“ Zwei Mädchen neben uns hoben die Hand. „Welche Mütter haben Töchter geboren?“ Wir beide, Helena und ich hoben unsere Hand. „Ist eine von euch im Zarabenus, ist also eine von euch schwanger?“ Ganz links erhob das jüngste der Mädchen seine Hand. „Hat man schon die Peratikus an dir gemacht, also das Geschlecht bestimmt?“ Das Mädchen verneinte. Zwei Soldaten nahmen das Mädchen und führten es ab. Zwei weitere dünne Männlein huschten den Soldaten nach und verschwanden mit um die Ecke. Wir hörten kurz danach Schreie, erst wirkten sie überrascht, dann aber waren das Schreie des Entsetzens und am Ende klangen sie nur noch panisch, bis sie leiser wurden und verstummten.

Wenig später kamen die dünnen Männlein zurück und flüsterten etwas zu einem der Soldaten, der ging zum Sultan und informierte ihn. Er nickte nur leicht. Darauf nickte der Soldat den dünnen Männlein zu und erneut verschwanden sie um die Ecke.

„Die führen jetzt einen Abort durch, das Ungeborene würde ein Mädchen werden und Mädchen geben keine Krieger, Mädchen sind also ungewollt. Überlebt die junge Frau kann sie weitere Söhne gebären.“ Mehr sagte er nicht, er musste aber auch nicht mehr sagen.

Nun wurden die Restlichen der Mädchen zu unserer Linken weggeführt. Man brachte sie zu einer Treppe, die führte steil nach oben.

„Das ist der Aufgang zur Etage der Empfängnis, hier werden alle Mädchen hingebracht, die Soldaten gebären sollen.“

Das junge Mädchen wurde weinend und schluchzend wieder zum Sultan gebracht und nach einem weiteren Kopfnicken wurde auch sie die Treppe hinaufgeführt. Jetzt standen nur noch wir vier hier vor dem Sultan.

Die jungen Söhne des Sultans kamen nun auch näher und man sah den beiden an, dass sie etwas im Schilde führten. Sie flüsterten mit dem Sultan und er schwieg und nickte schließlich.
„Die jungen Frauen werden nun für die Prinzen bereitgemacht, wenn sie den Prinzen entsprechen dürfen sie ihnen Krieger gebären. Wenn nicht, gehen sie sofort in die normale Zucht.“

Schon wurden unsere Kinder weggebracht in je einen anderen Raum und wir sahen unsere Kinder hier zum letzten Mal für heute.

Während der Sultan etwas sprach, gingen die beiden Söhne in die Zimmer mit unseren Mädchen und die Türen schlossen sich.

„Ihr habt bisher nur einmal ein Mädchen gebracht, das war nicht gut und ihr seid nicht zu gebrauchen. Wir werden euch deswegen versuchen euch morgen als Dienstsklavinnen zu nutzen, dafür werden euch eure Brüste abgeschnitten. Sklavinnen brauchen das nicht mehr. Jetzt geht.“

Zwei Soldaten brachten uns weg. Wir mussten eine Etage tiefer in einen der unzähligen unteren Räume und wurden von dort weiter nach unten in einen gut durchlüfteten Raum mit reichlich Polster gebracht. Man reichte uns Wasser und Früchte sowie herrlichen frischen Fisch auf Eis.

„Schau, die haben also doch Fische, schau sie dir an herrliches frisches Fleisch und so groß.“ Wir aßen uns satt und dachten dabei doch nur an unsere Kinder.

„Die werden gerade von den Söhnen vergewaltigt.“
„Na, zumindest sind die Söhne ansehnlicher, ich denke, meine Siina wird sich ihm hingeben und versuchen, ihre Gunst zu nutzen.“
„Da bin ich mir bei Claire nicht ganz sicher, ich könnte mir vorstellen, sie tut etwas Unbedachtes und das wäre hier schlimm.
Wie saßen eng beieinander. Die Tür war verschlossen und keiner sah herein. Durch die oberen Lüftungsschlitze konnten wir allerdings dem Treiben draußen ein wenig folgen.

Helena umarmte mich. „Duuuuuuu? Eva, die werden uns die Brüste abschneiden. Gerade deine süßen Brüste, die haben mir immer so gefallen.“
„Eva du hast ja nie gesagt, dass meine Brüste dir gefallen.“ Dabei streichelte ich sie langsam und zärtlich.
„Deine Brüste sind aber deutlich straffer und mir haben deine eigentlich immer besser gefallen wie meine eigenen.“
„Da schau.“ Und ich räkelte mich und bewegte meinen Busen.
„Darf ich?“ Fragte mich Eva und ich nickte ihr zu. „Solange ich sie noch habe, möchte ich sie dir schenken, darf ich deine kosten?“
So legten wir uns nieder und liebkosten unsere Brüste, streichelten uns und küssten uns zärtlich. Jetzt kannten wir uns schon so lange, aber hatten uns nie getraut uns für die andere zu öffnen.
Evas Brüste waren wirklich straffer als meine eigenen und mit etwas Liebe wuchsen ihre Knospen rasch an. Sie standen richtig ab und erst da sah ich, dass meine eigenen ihr in nichts nachstanden.
Wir liebten uns, küssten uns und versuchten die letzte Zeit als vollkommene Frau zu durchleben, wussten wir doch, dass man uns morgen unsere Brüste abnehmen würde.
Nach einigen Stunden heftiger, intensiver Liebelei nutzten wir die Zeit und schliefen, eng aneinander liegend ein.

**

Am anderen Morgen erhielten wir sogar ein Frühstück und man holte uns danach ab. Erneut standen wir am gleichen Platz wie dem Vortag. Die Vorhänge waren geschlossen, dennoch konnten wir erkennen, dass ein Mensch mit den Beinen nach oben wie ein X gefesselt zwischen zwei mächtigen Pfeilern hing. Wir hörten heftiges Peitschenknallen, aber keine Schreie. Die Person zuckte dafür, offenbar lebte sie noch.
Da kamen erneut Soldaten und der Sultan herein zu uns. Zusammen mit dem Dolmetscher blieben sie vor uns stehen. Der Sultan schaute uns beide abwertend an, danach sprach er einige Sätze und unser Übersetzer begann.

„Gestern hat sich eines eurer Mädchen für den Prinzen entschieden und wird ihm zukünftig Söhne zu schenken haben. Sie ist bereits im Prinzenpalais eingezogen und wird bestens behandelt. Leider kann man das für das zweite Mädchen nicht sagen. Es verweigerte sich dem edlen Prinzen und versuchte ihm sogar etwas abzubeißen. Dieser Frevel wurde inzwischen bestraft. Das Mädchen ist mit dem Tode zu bestrafen.“

Helena sah mich erschrocken an. „Ich wusste es, dass Claire das nicht macht und eine Dummheit machen würde. Edler Sultan darf ich sprechen?“

Der Übersetzer gab das weiter und der Sultan war überrascht, aber neugierig. Wieder erhielt der Übersetzer neue Befehle.

„Der Sultan fragt, ob ihr für den Frevel der Tochter die Schuld und die Strafen übernehmen wollt?“ Im Hintergrund hatte das Auspeitschen aufgehört. Stattdessen sah ich, wie ein Mann mit einem mächtigen Hackmesser anfing, die hängende Person aufzutrennen oder zu halbieren.
„Ob du bereit bist die Schuld und die Strafen zu übernehmen Weib! Der Sultan wartet nicht gerne.“
Helena sah mich hilfesuchend an und ich umarmte sie. Da sprach ich:
„Wir beide treten für die Schuld und Strafen der Tochter ein, sie ist jung und wusste nicht, wie man sich zu verhalten hat und wir bitten in ihrem Namen um Vergebung und eine faire Bestrafung.“
Helena sah mich mit großen Augen an und lächelte. Ihre Tränen liefen ihr an den Wangen herab.
Während der Sultan mit dem Dolmetscher einiges besprach, sahen wir, wie hinter dem Vorhang der hängende Mensch geteilt wurde und schließlich zwei Hälften hingen, die sich langsam drehten. Erst jetzt erkannten wir, dass da Brüste waren, das war eine Frau, die eben halbiert wurde. Wir waren entsetzt.

Der Sultan stand auf und kam einen Schritt auf uns zu. Erneut übersetzte der Dolmetscher. „Wollt ihr beiden wirklich für die Schuld eintreten und die Strafen übernehmen?“
„Ja, das wollen wir, wenn das der Tochter hilft?“
„Nicht das Wohl der Tochter ist wichtig, sondern die Begleichung der Schuld ist einzig das was hier zählt, also frage ich ein letztes Mal, übernehmt ihr die Schuld der Tochter?“
Helena nahm mich fest in den Arm und gemeinsam sahen wir uns mit Tränen im Gesicht an. Was sollte uns schon geschehen, heute würden die da vorne uns unsere Brüste nehmen, dann könnten wir auch gleich für die Schuld von einer von uns eintreten.
„Ja wir treten für die Schuld der Tochter ein und übernehmen ihre Strafen.“
Der Übersetzer gab dies weiter und der Sultan stand erneut auf, hob beide Hände und rief etwas. „Dem wird stattgegeben, ihr übernehmt die Schuld der Tochter. Wohlan dann treten ein und übernehmt die Strafen!“

Jetzt ging der Vorhang hoch und erst jetzt erkannten wir die blutbeschmierten Prinzen von gestern. Hinter ihnen drehten sich zwei Frauenteile langsam in der Fessel. Die beiden Prinzen schauten uns verschlagen an und gingen zur Seite.

Der Schrei von Helena war markerschütternd. Die Prinzen hatten, während wir hier seelenruhig redeten Clair in zwei Teile gehauen und hier hingen die beiden blutenden Clairteile und tropften vor sich hin.

Der Sultan drehte sich einfach weg und verließ den Saal. Die beiden Prinzen standen immer noch da, ihre Augen waren verschlagen und sie lachten uns aus. Sie sprachen miteinander und lachten kräftig, da nahmen beide ihre Messer und jeder packte einen der Brüste und schnitten sie dem toten Körper ab und warfen sie in unsere Richtung.
Schreiend hob Helena die abgetrennten Brüste auf und drückte sie an ihr Gesicht. Ihre Tränen liefen, während die Söhne und verlachten und sich lustig machten.

Damals traf ich eine Entscheidung für mein restliches Leben. Nie mehr sollte ein Mann Gewalt gegen mich oder meine Freundin ausüben!

Erneut sperrte man uns weg. Helena hatte noch gesehen, dass ihrer Tochter die Zunge herausgeschnitten wurde, deswegen hatte sie auch bei dem Auspeitschen nicht geschrien. Aber ihre Clair musste Höllenqualen gelitten haben, ehe sie geteilt wurde und starb.

Eine Stunde später tönten überall in der Festung Hörner und Fanfaren. Irgendetwas ging vor sich. Aus allen Ecken rannten Soldaten nach unten. Aus dem vergitterten Fenster hatten wir einen Blick auf den großen Platz unserer Ankunft. Dort sammelten sich die Soldaten. Sie waren bewaffnet und in voller Montur.

Einige Berittene kamen dazu, offenbar der Sultan mit seinen Söhnen und der Leibwache, danach rannten alle hinunter zum Tor und verschwanden aus der Festung.

Wir bekamen nur mit, dass sich einige Sandwirbel von der Stadt wegbewegten und dass alle Tore geschlossen wurden. Geschlossen von den wenigen zurückgebliebenen Soldaten und Wachen.

Essen erhielten wir keines mehr, dafür klopfte es an der schmalen Tür. Unser Dolmetscher informierte uns.
„Der Sultan des zweiten Reiches hat dieses Sultanat angegriffen, nachdem er informiert wurde, dass die Ingenieure und Bautrupps des Königreiches abgeschlachtet und gefangen wurden. Sein Auftrag, der vom König kam, war die Befreiung der überlebenden Bautrupps und sicheres Geleit zum König. Doch der zweite Sultan wollte sein Pfand nicht aufgeben.

Die Schlacht der beiden Armeen tobte draußen in der Wüste und ein kleiner Trupp aus dem anderen Sultanat schlich sich in die Festung, auf der Suche nach uns.

„Ich werden den helfen, ich weiß, wo eure Tochter ist und ich bringe sie zu ihr. Danach befreien wir euch, also versteckt euch hier.“

Wir verkrochen und hinter Kissen und Decken und warteten. Irgendwann hörten wir kurz, dass über uns gekämpft wurde, doch dann öffnete sich die Tür und Siina lief herein.
„Mama, Helena, die haben Claire umgebracht. Ich musste mitansehen, was die getan haben, es war so eklig.“
Zwei Araber mit verkleidetem Kopf sahen kurz zu uns rein und winkten und mitzukommen. So schnell es ging verließen wir die Festung und die bereitstehenden Pferde waren ein Geschenk.
Wir tobten durch die Wüste, rasteten so kurz wie möglich und rasten erneut weiter. Am zweiten Abend kamen wir in die Stadt des anderen Sultanats.

Hier war es ganz anders. Auch wenn die meisten Soldaten weg waren, so sahen die Menschen freundlicher und ehrlicher aus. Diese wurden hier nicht bestraft und geschlagen, deswegen sahen sie auch uns mit sehr entspannten Gesichter an.

**

Am folgenden Tag brachte man uns vor den Vertreter des dortigen Sultans. Da der Krieg noch tobte, mussten wir auf seine Vertretung warten.

Eine kleine Schaar Wachen begleitete eine edel gekleidete Person in den Saal, in welchem wir warteten. Mit einem Gong begann die Überraschung. Die Edelfrau beherrschte unsere Sprache perfekt.

„Ich bin Prinzessin Ultima Mellagatama, die Tochter des Königs Ali bin Bassam. Während der Abwesenheit des Sultans Hakim Karimbai wurde ich von König Ali bin Bassam mit der Führung dieses Sultanats beauftragt und damit, euch zu befreien.“

Wir verbeugten uns vor der Prinzessin. „Seid ihr die Überlebenden der Telegrafenabteilung, die uns die Verbindung zu unseren Nachbarn bringen sollten?“

„Ja Prinzessin,“ begann ich, „wir sind die Überlebenden. Unsere Ehemänner und alle Helfer wurden umgebracht und sogar die Tochter meiner geliebten Freundin wurde entsetzlich abgeschlachtet.“
Die Prinzessin stand auf und kam langsam auf uns zu. In ihrem Gang war keinerlei Unsicherheit oder Angst. Sie versuchte zu lächeln. „Die Prinzen haben gestanden, das Mädchen geschlachtet zu haben, und wurden von meinen Truppen gerichtet. Der Krieg zwischen den Sultanaten dauert noch an und ein Ende ist noch nicht absehbar. Wie auch immer das ausgeht, es bedeutet das Ende für das unterlegene Sultanat.“

Helena sah mich an, nickte kurz und lächelte. Ich verstand. „Edle Prinzessin Ultima Mellagatama, wie können wir helfen?“

Prinzessin Ultima Mellagatama sah uns beide an und lächelte. „Beherrschen sie die Kunst des Telegrafierens?“
„Selbstverständlich Prinzessin. Wir beide beherrschen diese Kunst.“
„Gut in Extrapolis sind keine dieser modernen Techniken gebaut worden, weil der Sultan das nicht versteht, nicht kennt und daher unterbindet. Aber in Prospertonia ist diese Technik bereits im Einsatz. Wir verfügen nur derzeit über keine Kundigen, die Nachrichten zum König in die Hauptstadt senden können.“
„Wir würden ihnen gerne helfen.“

**

Der Soldat vor dem Häuschen wirkte recht teilnahmslos und schläfrig. Ein Knabe kam vorbei und brachte ein paar Datteln und einen Apfel, den der Soldat gerne annahm und sich bedankte über diesen prächtigen Jungen. Die Früchte schmeckten ihm gut.

Kurze Zeit später saßen Helena, Siina und ich in einem kleinen Haus, in dem die Telegrafenleitungen zur Hauptstadt angeschlossen waren. Die Versorgungsspannung war auf der Anlage drauf und nach einem kurzen Empfangstest meldete sich in der Telegrafenstation der Hauptstadt Alan Ditiger, den Mann kannten wir beide persönlich.

Nach kurzem „Hallo“ und zwei kleinen kryptischen Zeichen, die nur wir sowie Ditiger kannten übertrugen wir die Meldung, die uns die Prinzessin aufgegeben hatte und die Empfangsbestätigung kam von Alan Ditiger.

Inzwischen hatte sich der Soldat vor dem Telegrafenhäuschen in eine schattige Ecke gesetzt und war kurz danach eingeschlafen. Die Datteln waren mit einem starken Schlafmittel versetzt und der Soldat schnarchte tief und fest.

Als wir drei das Häuschen verließen wurden wir von Männern angesprungen, die uns drei niederschlugen und je einen Sack über den Kopf stülpten und uns wegschleiften.

**

Als wir wieder wach wurden, war es dunkel und stickig um uns herum. Wir lagen in einem Keller auf muffigen Strohlagern. Das Stroh roch stark und war alles andere nur nicht frisch.

Ich schaute mich um, meine Hände waren auf den Rücken gebunden und die Kleider fehlten uns erneut. Helena lag noch gefesselt und schlief, aber Siina fehlte.

Die einzige Tür, eine schwere Holztür wurde entriegelt und zwei bullige Männer schleiften Siina zu uns in den Keller und warfen sie in unser Lager. Sie war gefesselt und geknebelt und zwischen den Beinen blutete sie.

Rasch sprang ich zu ihr und versuchte ihr zu helfen, da versuchte mich einer der Männer, von hinten zu packen. Mit gefesselten Händen konnte ich wenig machen also biss ich mit voller Kraft in seine Hand und ich ließ nicht los, bis der zweite Kerl kam und mich niederschlug.

**

Als ich wieder zu mir kam, schmerzten meine Fuß- und Handgelenke. Da erst realisierte ich, dass ich in einem anderen Raum mit deutlich mehr Licht an der Decke und dem Boden festgebunden war.

„Die Hexe ist wach!“ Rief eine krächzende Stimme hinter mir. Ein älterer kleiner Mann kam von hinter mir um mich herum und schaute mich geifernd an.
„Ich bin Krufani der Dolmetscher.“ Sagte er und auf einmal kamen weitere Leute in den Raum. Ich hörte deutlich, wie über mich gelacht wurde und einige betatschten mich, besonders an meinen Brüsten und am Po. Der alte Dolmetscher übersetzte Wortfetzen und hörte ansonsten angestrengt zu.

„Mein Herr will wissen, was du in dem Häuschen gemacht hast.“
„Dein Herr soll gefälligst selber mit mir reden, wenn er kann.“
Als er es übersetzte wurde ich mit einer groben Lederpeitsche ausgepeitscht.
„Mein Herr will wissen, was du in dem Häuschen gemacht hast. Sagst du es jetzt?“
„Kann dein Herr nicht reden oder traut er sich nicht?“
Erneut wurde ich gepeitscht und es tat höllisch weh, aber ich war überzeugt, dass ich den, der die Fragen stellte, besser selber sehen möchte.
„Also nochmal. Mein Herr will wissen, was du in dem Häuschen gemacht hast.“
„Was wird man in solch einem Häuschen wohl machen, wisst ihr das nicht?“
Als Antwort wurde ich gepeitscht, bis ich bewusstlos wurde. Ein Eimer kühles Wasser brachte mich wieder zurück. Bei den Männern wurde gestritten und einer wurde übelst verprügelt. Offenbar hatte man Angst, dass man mich erschlug oder zu Tode peitschte. Das war mein Vorteil, ich durfte also nicht sterben. So dachte ich.
Aber meine Idee hatte einen fatalen Fehler. Ich sollte nicht sterben, aber man konnte mich vergewaltigen und das geschah dann auch. Der erste fiel über mich her, dass ich angebunden war und fast die Arme und Füße herausgerissen wurden interessierte keinen der Kerle, sie wollten ihren Spaß und nahmen sich, was sie wollten.

Nach jeder halben Stunde wurde ich mit Wasser abgeduscht und bekam etwas zu trinken, dann ging es weiter. Langsam schwand mein Wille.

„Willst du nun reden?“ Fragte Krufani.
„Ich sag’s deinem Herrn, wenn er kommt.“
Aus der hinteren Reihe kam ein Gebrüll und ein älterer Herr, der eigentlich ganz edel aussah kam angebraust mit einer ledernen Peitsche in der Hand und schrie mich auf Arabisch an:
Krufani übersetzte. „Dann sag’s mir ins Gesicht du Ausgeburt einer Ziege, was habt ihr in dem Häuschen gemacht?“
Ich sah den Mann ins Gesicht und sagte laut „TELEGRAFIERT“
Jetzt verstand ich, der Mann wusste nicht, was das war und konnte daher mit dem Wort auch nichts anfangen. So prügelte er mit der Peitsche auf mich ein und zog schließlich die Peitsche zurück, drehte das Griffstück und drückte es mit unbarmherziger Gewalt in meine Vagina. Jetzt schrie ich auf und versuchte den Schmerz auszuhalten.

Gerade so, als wolle er mich mit dem rauen Leder zufriedenstellen trieb es der Mann immer wieder in mich und ich schrie jedes Mal lauter auf.
Als ich wieder am wegdriften war, redete der Dolmetscher auf den Mann ein. Tatsächlich versuchte er mein Leben zu retten, denn der Mann ließ endlich von mir ab, ließ die Peitsche in mir stecken und verließ den Raum.

Einige der anderen Männer verließen ebenfalls den Raum, bis auf zwei jüngere, die mich geil ansahen und betatschten. Der größere der beiden spielte noch mehrere Male mit der Peitsche und riss sie schließlich aus mir, was mir sehr schmerzte, da kam der andere der beiden und hatte seine Beine bereits von der Kleidung befreit und fiel über mich her.

Das war jetzt weitaus weniger schmerzhaft, ja fast schon zärtlich und er rief dem anderen Mann etwas zu. Laut lachend lief der aus dem Raum und sobald der Mann weg war, ließ der zweite sofort von mir ab und nickte ein wenig.

„Mir leidtun, ich helfen. Bitte warten.“ Schon schnitt er mich aus den Fesseln und gab mir etwas um meine Blöße zu bedecken. Rasch schlichen wir weiter zum Ausgang und der Mann half mir zu fliehen.

**

Wir kamen bis zum nächsten Soldatentrupp und der Mann zeigte den Soldaten eine spezielle Münze. Sofort standen die Soldaten strammer und hörten ihm genau zu. Kurz danach hielt ein Wagen und wir stiegen ein, die Soldaten saßen auf und wir ritten und fuhren in die Festung dieser Stadt. Diesmal sah ich die herrliche Festung auch bei Licht und eine halbe Stunde später traten wir beide vor die Prinzessin.

Der Mann sprach mit der Prinzessin, sie nickte und erteilte rasch einige Kommandos. Sofort danach huschten Soldaten durch die Räume und verstärkten die vorhandenen Truppen.

Nun kam die Prinzessin auf mich zu und ihr Blick zeigte, dass sie sich Sorgen gemacht hatte. Unser Dolmetscher übersetzte wieder.

„Bitte verzeih, ich wusste nicht, dass man euch entführt und Leid angetan hat. Meine Agenten durchsuchen bereits die Stadt und ich rechne mit einer raschen Aufklärung.“ Bitte wascht euch.“

Das war das Erste Mal, dass ich mit „euch“ angesprochen wurde und ich wusste nicht, ob das ein Versehen des Dolmetschers war.

Als ich frisch gewaschen und neu eingekleidet zurückkehrte, herrschte bereits Ausregung. „Wir haben die Schurken, sie sind im El Fatamach, einer alten Spelunke.“

**

Die Spelunke war schnell umstellt und die drei Türen wurden zugleich aufgebrochen. Schon drangen die Soldaten in die Spelunke und ein Kampf entbrannte. Als ich mit meinen Bewachern eindrang, schrie ich aus vollen Kräften, denn meine Tochter hing zappelnd an einem Seil und die Soldaten kämpften lieber mit den anderen Männern, als einer jungen Frau zu helfen.

So stürmte ich nach vorne um das Seil zu finden und zu lösen, aber eine Hand packte meinen Fuß und riss mich um. Ein anderer Schrie etwas und ein älterer Mann sprang an meine Tochter und hängte sich an sie.

Ein schrecklicher Anblick meiner Tochter traf mich, als der Mann an ihr hing und ihr das Genick brach. Mit langem Hals und entspanntem Gesichtsausdruck hing meine geliebte Tochter leblos in dem Seil und ich schlug mit meinen Fäusten auf den Mann ein.

Da nahmen ihn Soldaten ab, der Rücken des Mannes war mit Pfeilen gespickt. Die Soldaten hatten schon auf den Mann geschossen, aber er hatte sich im Tod verkrampft.

Weinend trug ich mein Kind hinaus in die bereitstehende Kutsche. Wieder in der Festung kam die Prinzessin auf mich zu und der Übersetzer sprach.
„Die Prinzessin würde gerne euer Kind mit allen Ehren beisetzen lassen. Diese Ehre bekommen sonst nur Adelige und Ehrenleute. Das ist das mindeste, was sie für uns tun könnte.“
Ich sah die Prinzessin mit meinen tränenunterlaufenen Augen an und nickte. „Was bitte ist mit der Tochter meiner Freundin, die halbiert wurde? Erhält die auch eine solche Behandlung?“
Die Prinzessin sah mich an und schwieg, dann traten die ersten Tränen aus ihren Augen, die sie sofort wegwischte.
„Es tut mir leid, sagen zu müssen, dass die Prinzen die Überreste den Zibwawa gegeben hatten, den Festungshunden. Sie fraßen die Reste binnen Minuten auf.“

Helena und ich umarmten uns und weinten leise vor uns hin. Die Prinzessin, die es auch getroffen hatte, das sahen wir ihr an, kam auf uns zu und flüsterte etwas, das der Dolmetscher erst beim Nachfragen verstanden hatte.

„Die Prinzessin wird sich bei euch, wie sagt man, ihr habt kein Wort dafür, sie wird alles, was gut ist, für euch tun. Doch erst muss dieser Krieg enden, dann kümmert sie sich um euch.“

In dieser Nacht schliefen Helena und ich zusammen und hielten und ganz fest in den Armen. Wir hatten jetzt alles verloren, was uns einst wichtig war, Unsere Töchter, den Mann und die Arbeit, die uns versorgt hätte. Wir kamen uns überflüssig vor. Helena weinte und ich lenkte sie mit zarten Küssen ab, damit sie endlich eine wenig Ruhe finden konnte. Als wir endlich ineinander verkeilt völlig erschöpft einschliefen, schloss sich eine verdeckte Klappe an einer der Seitenteile und ein weibliches Auge hatte da offenbar genug gesehen.

Am Tag darauf wurden wir von Trompeten- und Fanfarenlärm geweckt. Wir sahen uns an und befanden uns bereits angekleidet vor. Keine von uns wusste, wann dies geschehen war. Da fielen die ersten Schüsse draußen und Alarmrufe gellten durch das Gewölbe.

Soldaten in Begleitung des Dolmetschers kamen hereingerannt und man forderte uns auf sofort mit in den großen Turm zu kommen. Der große Turm war die letzte Rettung, wenn alles andere einmal versagen würde. Als man uns oben hineingebracht hatte, da sahen wir andere Frauen und Kinder, wenig junge Soldaten, aber die Prinzessin fehlte.

„Wo ist die Prinzessin?“
„Sie ist unten und wird den Sturm anführen. Es sieht aber nicht gut aus, der Sultan des Nachbarlandes ist stärker und dieses Sultanat wird wohl fallen.“

Wir liefen hinauf auf die oberste Plattform. Hier stand ein mächtiger Mörser, aber nur wenige der kugelrunden Granaten. Dafür hatten wir einen grandiosen Anblick. Unter uns sammelten sich Schützen mit ihren Gewehren und auf der anderen Seite wurden die ersten Kanonen in der Mitte des Feldes in Stellung gebracht, da stand der große Munitionswagen, außerhalb der Reichweite unserer Gewehrschützen.
Ich rief Helena zu mir. „Frag mal mit dem Dolmetscher, ob und ein paar Leute hier am Mörser helfen können. Ein jüngerer Soldat sah mich an und letzte sein Gewehr ab.
„Madame, ich spreche ihre Sprache, wie kann ich helfen?“
„Wie ermittelt ihr die Entfernung zum Ziel und den Schusswinkel?“
Der Junge lächelte und kam näher.
„Darf ich ihnen zeigen, wie wir hier im Morgenland das machen, wir haben dieses Rohr da vorne da sehen wir hindurch und ermitteln damit die Distanz zum Ziel.“
„Das schaut aber nicht wie ein Fernglas aus, das ist ja quer angebracht.“
„Kommen sie, ich zeige es ihnen. Richten sie das Glas auf den großen Munitionswagen dort auf dem Felde aus und drehen sie solange dieses Rad, bis beide Bilder sich decken, also bis das Bild scharf wird.“
Ich tat wie mir geheißen, solch ein Quer-Sicht-Rohr hatte ich noch nie gesehen, ich kannte nur Teleskope und Ferngläser.
Also tat ich, wie mir der aufmerksame Junge geheißen hatte und als das Bild scharf war sagte ich es ihm.
„Das hier ist die Entfernung zum Ziel in britischen Fuß an und der Mörser arbeitet damit, weil wir die Höhenangaben ja kennen, ist nur die Distanz wichtig. Sie verstehen?“
Ich lächelte den jungen Mann an, der wusste, was relevant war und ich las ab 1850 Yard zum Ziel, schon schraubte der Mann am Mörser herum.
„Und nun den Winkel also die Gradzahl zum Ziel.“
Das wiederum war mir klar und ich gab die Gradanzahl weiter. Schon drehte der Junge am zweiten Rad.
„Fertig, jetzt brauche ich ihre Hilfe beim Beladen des Mörsers.“
„Wieviel Pulver kommt denn da rein?“
Wieder lächelte der Junge „Hier auf der Tafel ist die Entfernung und daneben die Anzahl für das Pulver.“
Ich verglich die 1850 Yard auf der Tafel und fand eine Angabe. „1.5 steht hier, was bedeutet das?“
„Das bedeutet 1.5 Standard Fässer Pulver.“ Erwiderte der Junge und lächelte mich an. Zusammen mit Helena und dem Dolmetscher bestückten wir die in unseren Augen riesige Kanone und rollten am Ende die Granate hinein.
„Da sehen sie, hier steht die Brenndauer der Lunte an der Granate, ebenfalls 1,5 und der Junge maß die Lunte ab, steckte die Lunte in die kugelrunde Granate und fragte, „Wollen wir noch einmal alles kontrollieren?“
Wir verglichen und änderten den Winkel ein wenig, da sich der Munitionswagen bewegt hatte.
„Madame, es wäre mir eine Ehre, wenn ich die Kanone …“ dabei lächelte der Junge, wie wenn er sein Weihnachtsgeschenk erwarten würde.
Noch während der junge Artillerist die Lunte entzündete, ritten unten an dem großen Platz der Trupp Reiter zusammen mit zwei Männern in weißer Uniform und den Landesfarben an den Pulverwagen. Offenbar hatte man von hier die beste Sicht.
Ehe ich nachsehen konnte rief der Junge, „Alles auf den Boden, Ohren zuhalten Mund auflassen.“ Im gleichen Moment donnerte der Mörser und mir brummte der Schädel. Ich sah noch die Granate im Himmel verschwinden und blickte jetzt erst nach unten auf den Platz des Einschlages. Da hatten sich inzwischen die Offiziere versammelt zur Befehlsausgabe für die Stürmung von Stadt und Festung. Doch eine einsame Mörsergranate kam ihnen dazwischen.

Ich sah einen kleinen Ball genau auf den Munitionswagen fallen und darin verschwinden. Schon dachte ich, dass da etwas nicht funktioniert hatte, da blitzte es am Wagen und ein mächtiger Knall riss mich von den Beinen.

Dort, wo eben noch die Anführer der Angreifer gestanden hatten, gähnte nur noch ein schwarzes Loch. Ringsumher lagen Pferde und Menschen verteilt, aber von dem General und seinen Offizieren war nichts mehr zu sehen.

So endete der Angriff des Sultans von Extrapolis auf das Sultanat Prospertonia. Die überlebenden Offiziere ergaben sich und wurden auf der Stelle geköpft, alle anderen Soldaten, die sich ergaben wurden weggeführt, wir erfuhren nicht, was mit ihnen geschah, unser junge Artillerist aber meinte, „Die werden eine Strafe erhalten und dürfen sich dann dem neuen Sultan anbieten, nimmt er sie an, sind sie ab morgen seine Soldaten, wenn sie nicht annehmen, dann endet ihr Leben hier und heute.“

Die Geschichte von unserem Volltreffer hatte sich bereits in der ganzen Festung sowie der Stadt herumgesprochen und wir sollten uns bei der Prinzessin melden. Zusammen mit dem Jungen gingen wir nach unten, wuschen uns und stellten uns weisungsgemäß der Prinzessin vor.

Wir gingen auf die Prinzessin zu, verbeugten uns vor ihr und warteten, bis der Dolmetscher anfing zu übersetzen. Dann berichteten wir, was geschehen war, dabei sprach Helena, sowie der Junge und ich abwechselnd und die Prinzessin lauschte uns, doch dann fing sie an zu lächeln und verbeugte sich.

Erst jetzt bemerkten wir, dass sich alle im Raum ganz tief verbeugten und ich fragte den Jungen, „Steht jemand hinter uns?“ Der Knabe sah sich um, erschrak und warf sich zu Boden. Helena und ich drehten uns um und warfen uns ebenfalls zu Boden.

Genau vor uns stand lachend der König mit seiner Leibgarde. Die Garde hatte die glänzenden Schwerter gezogen und lächelten nicht.

Der König sprach einige Worte mit seiner tiefen, wohlklingenden Stimme und die Prinzessin kam auf ihn zu und verbeugte sich nochmals kürzer, dann umarmte sie ihren Vater. Unser Übersetzer trat neben uns und der König ordnete an, dass wir uns oben in der Festung, am Platz der Regenten und Sultane einzufinden hatten.

**

Wir wurden vorher gewaschen und neu eingekleidet, mit Duftwasser bestäubt und fühlten uns erstmals wieder ruhig.
Unser Dolmetscher ließ uns nicht mehr aus den Augen, er war jetzt für uns abgestellt und begleitete uns zum König und zur Prinzessin.

Als wir die Tür durchschritten, da erklangen Fanfaren. Wir dachten, da kommen noch andere wichtigere Leute, aber dies war offenbar für uns.

Während wir vor den König und die Prinzessin geführt wurden, verlas ein anderer Dolmetscher die ganzen Titel und der herrschaftlichen Namen, das dauert fast drei Minuten. Endlich standen wir vor dem König und er lächelte uns an.

Der königliche Dolmetscher begann, aber krächzte nur undeutlich. Wir sahen uns fragend an und die Prinzessin verstand sofort. Mit einem Befehl schwieg der Übersetzer und unser Übersetzer sprang für ihn ein.

„Seine königliche Hoheit, Ali bin Bassam, genannt der Friedenschaffende, hat heute die Kapitulation des Sultans von Extrapolis entgegengenommen. Der Sultan und seine beiden Söhne werden wegen eines unnötigen und hinter listen Krieges der Bestrafung zugeführt.
Die Prinzessin, Ultima Mellagatama, hat im geheimen Auftrag im Sultanat Prospertonia die Regierung übernommen, weil der ehrenwerte Sultan Hakim Karimbai, genannt der Gerechte, im Krieg mit dem unwürdigen Sultan von Extrapolis lag.

Mit Hilfe der Prinzessin und zwei höchst ehrbaren Frauen aus dem Abendland und einem sehr klugen Jungkanonier aus Prospertonia konnte der Krieg rasch und schnell beendet werden. Dafür gebührt allen Beteiligten eine ehrbare Auszeichnung.“

Die Prinzessin gab ein Zeichen und einige der Höflinge traten auf den Platz neben den König und die Prinzessin. Dann schaute die Prinzessin den jungen Kanonier an.

„Jungkanonier Kasim Forlong, du hast durch deine einzigartige Tat einen blutigen Krieg gestoppt. Dafür erhältst du die goldene Artillerie Spange und wirst in der Offiziersschule aufgenommen. Jungkanonier Kasim Forlong – vortreten.“

Der Junge war rot angelaufen, aber machte eine perfekte Meldung und grüßte bereits wie ein alter Haudegen. Als er von der Prinzessin die Ehrenspange angesteckt bekam und einen Kuss auf die Wange erhielt, da fiel alle Anspannung von ihm und er lachte.

Nun schaute die Prinzessin zu uns beiden, Helena und ich schluckten noch einmal, falls wir etwas zu sagen hätten.“

„Es ist uns eine besondere Freude heute zwei junge Frauen aus dem Abendland hier vor unserem König auszuzeichnen. Ihr Eva und ihr Helena tretet bitte vor.“
Wir traten einen Schritt nach vorne und verbeugten uns nochmals sehr sehr höflich vor den Anwesenden, der König hatte ein leichtes Lächeln auf seinen Lippen, schwieg aber noch.

„Eva und Helena, ihr beide habt unser Land bereist um uns die neuen Techniken zu bringen, leider musstet ihr dabei die schrecklichen Seiten kennenlernen, die es auch gibt, wie überall auf der weiten Welt. Ihr beide habt dabei eure Ehemänner und eure Erstgeborenen verloren. Soviel Trauer innerhalb kürzester Zeit zu ertragen und dabei mitzuhelfen einen unnötigen Krieg zu beenden bedeutet für uns alle hier das Dijhaab Al Muagdahh, die höchstmögliche Ehrerbietung zu erhalten.

Eva und Helena, ihr beiden jungen Frauen werdet in den Stand der Edelfrauen gehoben, ihr erhaltet neben dem Ehrentitel eine angemessene Apanage und einen Pass, der euch als Ehrengäste des Königs ausgibt. Dies entspricht in eurem Land dem Diplomatenstatus. Eva und Helena, so tretet nun vor.“

Wir traten einen weiteren Schritt vor und erhielten eine kristallene Brosche an unsere Kleidung gesteckt und eine massive Kette mit einem leuchtenden rötlichen Rubin.

Die Prinzessin lächelte uns beide an und küsste uns auf die Wange. „Bitte sagte etwas zu meinem Vater, dem König, wenn auch nur ein Wort.“

Wie bedankten uns bei der Prinzessin und verbeugten uns nochmals vor dem König und riefen, so laut es unsere Kehlen es gerade noch herausbrachten:

„Shukran, lang lebe der König!“

Der König stand auf und lachte laut, dabei fing er an zu klatschen und alle, die in dem Saal waren, fielen mit ihm ein.

Doch da hob der König die Hand und augenblicklich verstummten alle anderen. Er schaute uns nochmals streng an und kam auf uns zu. Unsere Augen wurden größer und größer, auch die Prinzessin wusste nicht, was nun kam. Die Leibwächter kamen bereit auf den König zu, ihre Hände an den Schwertern, aber ein Blick des Königs ließ sie stoppen.
Der König schaute wieder uns an, trug ein herrliches Wasser und roch so richtig edel. Da lächelte er und flüsterte „Es war mir eine Ehre Euch kennen zulernen.“
Als wir unsere Augen und Münder aufrissen und lächelten da lachte er auch noch einmal laut und die Prinzessin kam zu uns und der Dolmetscher sagte, „Ich wusste gar nicht, dass du die Sprache des Abendlandes kannst.“ Der König antwortete etwas und der Dolmetscher lächelte und sagte „Aber meine Tochter, ich bin der König!“

ENDE

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