Eine Insel mit zwei Bergen

Die Flagge von Soulebda


Die Insel Soulebda im Pazifik

 


Die Insel Soulebda im Pazifik

 

 

Vorwort:

Die Einladung zum Thronjubiläum auf Soulebda haben sich Caroline Miles und Peter Stein ganz anders vorgestellt. Der Präsident ist offenbar irre geworden und versucht seine Frau, die Regentin, zu töten und das ganze Volk zu unterjochen.
Fremde Mächte haben die unschätzbaren Werte der seltenen Erden auf Soulebda erkannt und wollen ihren Teil davon haben, dabei lenken sie den Präsidenten fern und schrecken auch vor Mord nicht zurück.
Caroline und Peter gehen in den Untergrund und beginnen mit den dortigen Widerstandskämpfern einen Kampf, der am Ende die halbe Welt in Aufruhr versetzt.
Eines ist indes unseren Helden klar geworden, sollten sie versagen, dann ist ganz Soulebda verloren.

 

Einige Personen aus der Geschichte

Peter Stein Protagonist
Caroline Miles Protagonistin
Frank Brauer der Chef der beiden
Jessica Dafore Peter Steins rechte Hand
Randy Kaufmann Ein Nerd und Frauenheld
Wolfgang Decker Chef der Wachtruppe mit Kampferfahrung
Johann, Bernd, Hannes Starke Hände und gute Freunde
Sheramoh ai Youhaahb Präsident von Soulebda
Heylah ai Youhaahb Präsidentengattin und eigentliche Herrscherin
Nafir Umdalah Generalkonsul
Nassadir Chalis General und oberster Militär
Penelope ai Youhaahb Tochter des Präsidenten
Soleab n’Amsala Rebellenführer
Helfana n’Atuari Sekretärin des Präsidenten
Mike, Nr1 und Dave, Nr 2 zwei alte Bekannte vormals CIA
Jerome n’Antakcket Ein Wohltäter vor Ort
Dagan Mayr Ein Wohltäter aus der Ferne
Major Meresch Technik Genie beim Mossad
Sarah und Vera Zwei schwer Verliebte Mädchen
Bernd Schuster Böser Junge der zum Guten Jungen wird
Veronique Soolef´ta Leiterin des Julam’da Airfields
Kenta’Mariba Stammeskrieger
Trars’Fret Stammeskrieger

 

 

Der Alltag

Peter und ich waren zwei Beamte im Strafvollzug. Wir waren mit der Durchführung der vom Gericht festgesetzten Strafen beauftragt. Das bedeutete in unserem Fall, wir waren die ordnungsgemäß bestellten Henker und sorgten für Ordnung.
Da ich recht neu in Deutschland war, hatte es mit Peter am Anfang diverse Reibungen gegeben, die wir aber zu unserer beiderseitigen Befriedigung beilegen konnten. Die Zusammenarbeit mit Peter hatte sich weiter gefestigt und wir waren inzwischen ein richtig tolles Team geworden. Wir erkannten mit einem Blick, was im Kopf des anderen vor sich ging, und das war endlich einmal ein sehr gutes Gefühl.
Hätte man mich vor einem Jahr darauf angesprochen, dass ich mich fest an einen Mann binden würde, so hätte ich ihn vermutlich ausgelacht, denn zu der Zeit hatte ich nach einigen Enttäuschungen mit Männern mehr Freude bei anderen Frauen gefunden. Dass ich mit beiderlei Geschlechtern gut auskam, war bekannt und alles andere war Privatsache.
Wir arbeiteten in „unserem“ Gefängnis weiter und es schien sich alles normalisiert zu haben. Dann kam der besagte Dienstag, an den wir uns später immer wieder erinnern würden.
Wir wurden gemeinsam in das Büro von Frank, unser beider Chef gerufen. Frank saß am Konferenztisch und unterhielt sich mit zwei edel gekleideten gut aussehenden sonnengebräunten Männern auf Englisch.
„Ah da sind Sie ja“ begrüßte uns Frank. „Ich darf vorstellen, den Generalkonsul von Soulebda Herr Nafir Umdalah und General Nassadir Chalis den Chef der dortigen Streitkräfte.“ Die beiden Herren begrüßten uns freundlich und der General kam auf mich zu und begrüßte mich mit einem eleganten englischen Handkuss.
Offenbar war seine Erziehung erstklassig und auch sein Auftreten war dies. Seine Uniform saß perfekt und war bestens geschneidert. An seinem braungebrannten Körper saß die Uniform sehr gut.

„Frau Miles, ich freue mich, Sie wiederzusehen und Ihnen endlich persönlich zu danken“. Frank richtete einladend seine Hand auf die Sitzgarnitur in der Ecke und wir nahmen Platz. Als der Generalkonsul aufmunternd dem General zunickte, begann der General:
„Meine Herren, Sie sollten wissen, dass Frau Miles vor einigen Jahren eine bedeutende Rolle bei der Zerschlagung einer Palastrevolte innehatte, und dass Sie unseren geliebten Präsidenten, mitsamt Gemahlin vor dem sicheren Tod rettete. Ja und sie hat auch mir mein Leben gerettet, ich war damals ein Oberst der Leibgarde und von mehreren Revolutionären bedroht.
Den hervorragenden Schießkünsten von Frau Miles ist es zu danken, dass ich heute vor Ihnen stehen kann und möchte mich bei Ihnen persönlich bedanken. Miss Miles.“
Dann übernahm der Generalkonsul. „Es ist mir eine außerordentliche Ehre, Sie Frau Miles und Ihren Begleiter, Herrn Stein zu den Feierlichkeiten der 20 jährigen Regentschaft unseres geehrten Präsidenten Sheramoh ai Youhaahb einzuladen. Die Feierlichkeiten beginnen am 20. Mai und dauern drei Wochen, wir würden uns sehr freuen, wenn wir Sie auf unserem Inselstaat Soulebda begrüßen dürften. Die Matriarchin und ihr Gatte, der Präsident, laden Sie hiermit herzlich ein als Ehrengäste dabei zu sein.“
Damit übergab uns der Generalkonsul je einen edlen Briefumschlag mit goldenem Aufschrieb und einen weiteren an Frank. „Wir verabschieden uns bereits wieder, wir haben noch einen Termin in Berlin.“ Damit endete das Gespräch und nach den üblichen Verabschiedungen standen wir nun mit Frank alleine in seinem Büro.
Frank grinste uns an und wir nahmen erneut Platz. „Aus dem Ministerium kam vor einer Stunde die Freistellung für euch zwei, natürlich unter Beibehaltung aller Geld- und Sachbezüge. Die Freistellung gilt vom 10. Mai bis einschließlich 25. Juli. Wer auch immer hier seine Finger im Spiel hat, der spielt in der obersten Liga.
Wenn ich euch wäre, dann würde ich euren überfälligen Urlaub da dranhängen, dann bin ich euch endlich mal los. Denn während ihr euch auf Soulebda auf Empfängen und Bällen herumtreibt, wird unsere uralte Anstalt hier endlich modernisiert und umgebaut. Da kommt mir das gerade recht, dass ihr mir aus dem Weg seid.“
Frank lächelte zufrieden und wurde dann wieder ernst „Peter pass mir auf Caroline auf, aus dem Auswärtigen Amt wurden wir vor einem möglichen Putschversuch gewarnt, da unten auf Soulebda ist offenbar doch nicht alles Gold, was glänzt.“
Und mit einem Blick zu mir „Du hast da unten einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Wie mir der Generalkonsul sagte, hat der Präsident vor ein paar Jahren extra einen Preis für die besten Schützen ausgelobt und diesen „Caroline Miles Survival Prix“ genannt. Pass auf, dass du da nicht vor einen Karren gespannt wirst, der dir nicht steht.“
Dann prostete er uns zu „und jetzt, Caroline Miles, sag mir gefälligst alles, was damals auf Soulebda geschehen ist und du, na sagen wir einmal, vergessen hast mir zu erzählen. Ehe ich euch also fliegen lasse, will ich wissen, was damals war.“
So saßen wir bei Frank und ich sah in mein Glas, der Drink schimmerte im Licht und meine Erinnerungen kamen wieder. Erinnerungen an die herrliche Südsee, über den damaligen Aufstand auf Soulebda.
„Wisst ihr, auf Soulebda war nicht alles Gold, was glänzt, es gab da einige Häuptlinge auf den umliegenden Nachbarinseln, die waren unheimlich machtbesessen und wollten ihren Anteil an den seltenen Erden haben. Auch wenn die seltenen Erden bisher vor allem auf der Hauptinsel gefunden wurden, wollten sie dennoch ihren Anteil einfordern.
Im Norden, auf der Insel Ni’jamong, war das Häuptling Kazt’taeel und im Südwesten, auf der Insel Ka’Ihlih war das Häuptling Nick’Takk. Sie konkurrierten mit den Häuptlingen der anderen, kleineren Inseln, waren rücksichtslos und brutal und wollten schließlich sogar die Regentschaft auf Soulebda selbst anfechten.
Das konnte nicht ungestraft bleiben und die beiden Häuptlinge wurden in die Hauptstadt einbestellt, aber anstatt sich bei ihrer Regentin und ihrem Präsidenten zu melden, brachen sie einen Streit vom Zaun, der sich zu einer heftigen Revolte entwickelte. Nach heutiger Sicht hätte man damals besser Truppen geschickt, das hätte viel Leid erspart.
Ihr müsst wissen, auf Soulebda herrscht das Matriarchat seit Urzeiten her, die Regentin ist die Frau mit der Macht, aber ihr Mann, der Präsident, erledigt nach außen hin die Geschäfte. Bisher musste man nie gegen eigene Häuptlinge vorgehen und so begann damals der Aufstand.
Als die beiden Häuptlinge den Streit begannen, da befand ich mich mit Penelope, der Tochter der Regentin, auf der Schießbahn des Palastes, in dem Kellergewölbe, wo wir für die anstehenden Wettbewerbe trainierten. Wir trainierten auf 25, 50 und 75 Meter. Plötzlich rannten zwei Mädchen der Leibgarde zu uns rein und schrien etwas von Aufstand und Revolte. Sie begleiteten Penelope in einen sicheren Schutzraum, und ich bat sie dort zu bleiben, bis wieder Ruhe eingekehrt war. Mit ihren .45 Colt sahen die Mädchen der Leibgarde echt unter bewaffnet aus, aber mehr hatten sie damals nicht zur Verfügung, als diese alten Pistolen.
Lediglich zum Sport und im Wettkampf wurden die 9 mm Para Pistolen eingesetzt und mit denen trainierten wir ja gerade. Rasch sammelte ich alle Magazine und alle Munition ein, die ich fand und machte mich mit den beiden Pistolen und einigen Kartons Munition auf den Weg zum Kommando Punkt.
Dort befanden sich bereits einige Soldaten und ein Oberst der Leibgarde, die mit der Absicherung beschäftigt waren. Mit ihren alten .45 Colt waren sie keine besonders gute Hilfe, aber es war die Standard Waffe der Garde.
Der Oberst wollte mich gerade aus dem Palast entfernen lassen, da ging die Schießerei los. Einige Aufständische waren über die Dächer eingedrungen und seilten sich an den Wänden ab, sie schossen dabei wild um sich und trafen eine Gardistin tödlich.
Die Distanz der Angreifer war aber dummerweise etwa so groß wie auf dem Schießstand. Ich schoss die Angreifer nieder, wie sie kamen, einer nach dem anderen lag kurz danach am Boden. Als der erste Ansturm vorbei war, standen die Soldaten mit offenen Mäulern da und vor uns lagen gut zwanzig erschossene Revoluzzer. Während ich nachlud wie der Oberst mir zwei Gardistinnen zu mich zu unterstützen.
Ab da war der Oberst froh, dass mich bei sich hatte und wir zogen uns in den Bereich der Präsidentenräume im Palast zurück. Aus einigen Ecken stürmten die Angreifer und schossen auf uns. Die Soldaten mit ihren .45’er und ich mit meinen beiden 9 mm Beretta. Da ich nicht gewusst hatte, was auf uns zukam, hatte ich ein paar Kartons mit 9 mm Munition mitgenommen, die auf dem Schießstand war. Meine beiden Leibgardistinen hatten mit dem Nachladen zu tun und zusammen mit den anderen schossen wir was wir konnten.
So kämpften wir uns den Weg frei. Auf dem Weg zu der Regentin und ihrem Mann wurden wir in der Zentralbibliothek überrascht. Auch da kämpften wir uns frei und trafen am Archiv auf die Regentin und den Präsidenten mit ihren Leibwächtern.
Wir hatten sie in unsere Mitte genommen. Wir bildeten einen Schutzgürtel in der Bücherei. Ich war froh, dass Soulebda so viele gute Bücher hatte, die stoppten zuverlässig die Kugeln der Angreifer.
Als Letztes versuchte Häuptling Kazt’taeel, mit einigen seiner Getreuen, den Präsidenten und die Regentin zu töten, die Angreifer schossen wie Verrückte und der Häuptling erwischte mich mit einem Streifschuss an der Schulter. Doch ich konnte Häuptling Kazt’taeel erschießen, ehe er der Herrscherfamilie zu nahe kam.
Als es dann zu Ende war und das Schießen aufgehört hatte, stand ich da, inmitten unserer kleinen Burg aus durchlöcherten Büchern, blutend, verschwitzt und schmutzig. In beiden Händen hatte ich eine rauchende Waffe und um mich herum lagen die leeren Magazine und jede Menge Patronenhülsen.
Als dann die Soldaten in den Palast kamen und alles vorbei war, stand Heylah ai Youhaahb auf, kam auf mich zu und machte ein Bild mit ihrem Handy. Dann begann sie zu klatschen und die Umstehenden klatschten auch mit. Erst da bemerkte ich, dass mir diese Ehrerbietung galt.
Am Tag darauf wurden über 128 erschossene Angreifer und leider auch einige erschossene Mädchen der Leibgarde gezählt. Angeblich hatten mehr als die Hälfte der Angreifer kleinere Löcher in ihren Körpern als die der dicken .45 er.
Ja, was soll ich sagen, diese Erkenntnis trug man offenbar auch der Regentin vor. Die Autopsien ergaben dann die Bestätigung und als wieder Ruhe eingekehrt war, wurde mir eine sehr hohe Auszeichnung verliehen, der Kahlscha’daar, eine Auszeichnung die bisher nur sehr wenige erhalten hatten, wie ich später erfuhr.
Erst viel später erfuhr ich, was es mit dieser Auszeichnung sonst noch auf sich hatte. Der Kahlscha’daar enthielt einen Ehrenstatus, der mich als absolute Vertrauensperson der Regentin definierte.
Penelope bedankte sich auf ihre einzigartige Weise, dass ich ihre Familie gerettet hatte. Außerdem überreichte sie mir ein großes eingerahmtes Bild, es zeigte mich inmitten der Bücher stehen, mit den beiden Pistolen im Anschlag, verschwitzt und angeschossen.“
Ich lud das Bild in mein Smartphone und legte es Frank vor, er sah es mit Peter an und beide lachten. „Den Kinofilm hätte ich gerne gesehen. Jetzt ist mir auch klar, weshalb Decker letztens deine Schießergebnisse so gelobt hatte, und Decker lobt für gewöhnlich nicht gleich.“
Dann entließ und Frank. Als wir abends in unserem Zimmer waren, öffneten wir die Umschläge. Sie enthielten unsere erste Klasse Tickets der Singapur Airlines, dazu den Zusatzeintrag „CD“. Wir würden also sehr gut fliegen. Dazu die obligatorischen Bescheinigungen und Sondererlaubnisse zum Mitführen von Schusswaffen und so weiter.
Dann sahen wir die Bescheinigungen zur Hotelbuchung, die hatten tatsächlich für die erste Woche eine Suite im besten Hotel für uns reserviert. Ab der zweiten Woche würde für uns ein Dienstbungalow zur Verfügung stehen. Dazu weitere Buchungen und Bescheinigungen, die hatten alles gedacht. Von den Reiseschutzimpfungen bis zum Hinweis der örtlichen Religionen fehlte nichts.
Die nächsten zwei Wochen würden uns einige Behandlungen abverlangen und wir würden garantiert mit allen möglichen und unmöglichen Schutzimpfungen versorgt werden.
Peter saß mir abends gegenüber am Tisch und sah meine Gedanken förmlich fliegen. „Du bist mit deinen Gedanken wieder auf Soulebda? Erzähl bitte, was geht gerade in dir vor?“

**

Rückblende

Ich blickte in meinen heißen Kaffee und meine Erinnerungen kamen zurück …
„Soulebda, dieser Inselstaat mit über 400 Inseln im Pazifik. Eigentlich ein Traum in der warmen Südsee …“ Und ich erzählte Peter von meinen Erinnerungen an diesen Inselstaat.
„Die meisten der kleinen Inseln waren unbewohnbare Inselchen. Weit über die Hälfte der anderen Inseln waren davon nur schwach besiedelt aber die vier Hauptinseln hatten sich prächtig entwickelt, seit die seltenen Erden dort gefördert wurden. Ab da ging es auch finanziell sehr steil mit dem Inselstaat bergauf.
Als ich da wohnte, hatte ich mit Penelope unsere eigene kleine Wohninsel für die gemeinsamen Wochenenden, ich möchte gerne wissen, was daraus wurde. Für mich war das dann Insel Nummer „42“, du weißt schon, Douglas Adams, die Antwort auf alles im Universum … Ich hatte die mit meiner damaligen Freundin Penelope zu unserer persönlichen Insel umgebaut und sie war gut entworfen, sie war echt gut geraten, unsere kleine Liebesinsel …
Eigentlich herrscht dort auf Soulebda das Matriarchat, aber wir hatten seine Gattin nie aktiv erlebt. Der Präsident war clever genug eine verlässliche Leibwache zu installieren und auch einen leistungsfähigen Regierungsapparat mit fähigen Beamten um das Land am Laufen zu halten. Nach den ersten 10 Jahren wurde es richtig ruhig auf dem Inselstaat, wohl auch weil man mit den Menschen fair umging und sie nicht übermäßig ausbeutete. Eine wesentliche Rolle spielte dabei garantiert seine Gattin. Die Regentin war einfach die gute Seele, zu der alle aufsahen.
Externe Investoren wollten sich hier nie recht ansiedeln, da sie keine lohnenden Rohstoffe sahen. Erst jetzt, durch die seltenen Erden, interessierten sich wieder Länder und Firmen für die Insel. Aber mittlerweile hatte auch die Regierung die Regeln verstanden und förderten diese Devisenbringer in eigener Regie. Als ich dann auf dem Inselstaat als die staatliche Henkerin verpflichtet wurde, fand ich eine florierende Wirtschaft vor. Steuern die die Menschen zahlen konnten und äußerst wenig Korruption. Die Strafen waren hart und taten sicherlich ihren Teil dazu bei, dass es ruhig blieb.
Als ich dort etabliert wurde, freundete ich mich mit Penelope, der Tochter des Präsidenten an, einem intelligenten jungen Mädchen mit hellem Kopf und einem guten Gewissen. Wir wurden auf der Insel ein Liebespaar aber ihr Papa hat das nie verstanden. Da er aber keine von uns beiden entbehren konnte, ließ er uns gewähren. Du musst wissen, dass auf Soulebda gleichgeschlechtliche Liebe unter Frauen noch niemals ein Tabuthema war.
Als ich dann Jahre später Soulebda verließ, ging sie nach England und machte an der Universität in Oxford ihren Abschluss.“ Mittlerweile müsste sie ihre Doktorarbeiten abgeschlossen haben.

**

Auf auf und davon

Inzwischen war der Kaffee kalt geworden. Peter hatte jedes Wort von mir aufgesogen. „OK, dann ist der Urlaub ja fest geplant – auf nach Soulebda!“
Die kommenden Wochen vergingen wie im Flug. Regelmäßig kam die Aufforderung von Dr. Schemmlein, dass wir uns für irgendwelche Impfungen einzufinden hätten.
Am letzten Tag wurden wir nochmal mit der aktuellen Gefahrenlage versehen und dann verabschiedeten uns die Kolleginnen und Kollegen am späten Nachmittag. Frank wünschte uns alles Gute und es ging mit dem Dienstwagen zum Flughafen.
An Bord des Airbus A380 der Singapur Airlines wurden wir herzlich begrüßt. Zusammen mit den anderen Passagieren hoben wir bei diesigem, leicht verregnetem Wetter ab. Landen würden wir bei herrlichem Sonnenschein.
Die Diplomaten Suite im A380 war im Oberdeck und herrlich eingerichtet. In der Nacht flogen wir über das Meer und ich lag bei Peter in den Armen. „Schau da, das Sternbild des Orion“ und wir suchten weitere Sternbilder, soweit die relativ großen Fenster das zuließen. An einem der Displays konnten wir die aktuelle Position genau sehen.
Nach einem wunderbaren leichten Abendessen, mit Fisch und herrlichem Obst, baten wir die Stewardess, unser Kabine zu separieren. Ab da waren wir tatsächlich für uns alleine. Airbus war mit dem Flieger wirklich ein guter Wurf gelungen, ich kann mich an keinen anderen Flieger erinnern, in dem ich mich so gut gefühlt hatte, wie in diesem A380. Zufrieden schlief ich in Peters Armen ein.
Am Folgetag arbeiteten wir uns durch einige mitgebrachte DVD’s über Soulebda und brachten uns auf den aktuellen Stand. Dank des rasend schnellen Internets hier oben, konnten wir gut recherchieren. Wir lasen die Berichte, verfolgten Nachrichtensendungen und andere Aufzeichnungen, aßen zu Mittag und arbeiteten weiter.
Nach und nach vervollständigten wir unsere Kenntnisse und ich brachte mich wieder auf den aktuellen Stand des Gesehenes. Offenbar war auf Soulebda einiges in Aufruhr.
Peter ließ Nachrichtenbilder laufen vom aktuellen Geschehen auf Soulebda. Doch dann stutzte ich und bat Peter, die letzten Bilder zu vergrößern. Peter stoppte den Film und spulte zurück bis zu dem Bild, das ich suchte. „Stopp, das Bild hier meine ich …“
Peter schaute mich fragend an, als ich mit dem Finger auf eine junge Frau deutete. „Das ist doch Penelope, genauer Penelope ai Youhaahb, die Tochter der Regentin und des Präsidenten, was macht die am Flughafen bei den Protestbewegungen?“
„Penelope, ist die nicht in England auf einer Elite-Universität? Auf jeden Fall ist sie ein heißer Feger. Und du hattest tatsächlich etwas mit ihr, ich meine so richtig …?“
„Ja, wir waren fest zusammen und sie ist sehr clever und auch sehr klug, das da eben, das war eindeutig der neue Flughafen von Soulebda, also ist sie dort, wie alt sind eigentlich die Bilder?“
„Die sind von heute Morgen.“ Während des Überfluges sahen wir viele der Inseln und ich erkannte einige von ihnen, langsam kam Soulebda auf dem Bildschirm in Sicht, dann begann der Landeanflug.
Wir schalteten die Frontalkamera auf den großen Bildschirm in unserer Suite und Peter bekam ein wunderschönes Bild der Insel.
„Schau Peter, da hast du direkt das Bild vor dir, schau die beiden mächtigen Vulkanen, das sind Ainig u’Alara und Beenec u’Alara so heißen die.“, doch Peter grinste mich fies an und meinte nur:
„Eine Insel mit zwei Bergen …“, und summte das Liedchen der Augsburger Puppenkiste dazu.
Die Landung war butterweich. Während wir ausrollten, erhielt Peter einen Ellenbogenrempler von mir. „Mensch Peter, die beiden Berge sind den Menschen hier heilig und eine Eisenbahn haben die hier tatsächlich aber bestimmt keinen Jim Knopf“.
Als die Maschine stand, wurden wir gebeten, noch zu warten, die Flugkapitänin wollte uns noch etwas sagen. Eine bildhübsche hochgewachsene Frau mit Kapitänsabzeichen kam zu uns und lächelte uns an.
„Miss Miles, Mister Stein, ich bin Corinna ihre Pilotin und grüße Sie. Sicherlich konnten Sie Ihren Flug genießen. Bitte passen Sie auf, es hat sich auf Soulebda seit Ihrem Weggehen vieles geändert. Achten Sie bitte auf die Soldaten und die Palastwachen, die sind nicht mehr so edel wie zu Ihrer Zeit, Caroline Miles.“ Erstaunt sah ich die hübsche Pilotin an, „Woher kennen Sie mich?“
„Sie haben damals meinem Bruder das Leben gerettet, als der Aufstand losgegangen war. Er war der Chefkoch im Palast und wurde als Geisel genommen, er berichtete immer, wie Sie ihn aus den Händen der Aufständischen befreit haben. Er sprach bis zu seinem Tode vor einem Jahr nur in den besten Tönen von Ihnen, deswegen möchte ich Sie warnen. Es hat sich einiges verändert auf Soulebda.“
„Ja, klar doch, Kai’hli, ja ich erinnere mich gut an ihn, er zauberte immer solch herrliche Suppen und Beilagen?“
„So, ich muss mich sputen. Passen Sie beide auf sich auf. Sie werden gleich hier am Flugzeug abgeholt die Wagen kommen bereits, ich wünsche Ihnen alles Gute und den Schutz Mualebdas.“ Damit verschwand sie. Peter nahm mich an der Hand und wir stiegen aus der Maschine.
„Wen hat sie da beschworen? Mualebda? Wer, oder was ist denn das?“ „Das ist ihr oberer Kriegsgott, wenn die Mualebda beschwören, ist etwas nicht in Ordnung.“ Unten fuhren die Wagen vor und zwei weiß gekleidete Fahrer öffneten uns die Türe zur Limo. Drinnen begrüßte uns ein gepflegter Mann offenbar indischer Herkunft.
„Ich bin Ihr Concierge Maru al Larabduh, Sie können mich gerne Maru nennen und ich begrüße Sie auf unserem Boden.“ Die Kolonne zog an und wir waren unterwegs. „Können wir die Fenster öffnen, ich habe die Stadt lange Zeit nicht mehr gesehen und möchte den Blick und die gute Luft genießen?“
„Leider sind die Fenster nicht zu öffnen, aber der Wagen ist ja klimatisiert.“ Mit einem Lächeln schaute ich zu Peter und wir sahen die Knöpfe der Fensterheber, irgendetwas war hier ganz und gar nicht in Ordnung, das war unser erster Gedanke.
„Ist das Ihr erster Besuch in Soulebda?“ richtete Maru das Gespräch an Peter und wir führten alsbald eine nette Konversation. Maru war ganz offensichtlich erste Garde, denn er hatte auf alles eine passende Antwort, wusste zu allen Themen etwas zu berichten ohne zu viel zu sagen. „Wir bringen Sie heute erst in Ihr Hotel und Morgen, nachdem Sie der Präsident empfangen hat, sehen Sie ihre alte Dienstvilla wieder Madame“ und Maru lächelte mir zu. „Bitte ruhen Sie sich heute aus, der Flug war lang und anstrengend. Essen Sie vielleicht etwas Gutes und Morgen sehen wir weiter.“
Die aufblühende Wirtschaft hatte Soulebda gutgetan, die Hotels waren erstklassig und es sah alles sauber und aufgeräumt aus. Nach dem Abendessen schlenderten wir durch die Straßen, von den Alternten Asphaltstraßen von vor Jahren war nichts mehr zu sehen, die heutigen Straßen und Wegen waren erstklassig. Um uns herum wuselten beschäftigte Menschen und gingen ihren abendlichen Tätigkeiten nach. Einige der Bewohner sahen und fragend an, ihre Blicke waren aufrecht und neugierig, keineswegs böswillig oder aggressiv. Während wir durch einen Park schlenderten, kam uns eine ältere, edel gekleidete Frau mit vier jungen Männern im schlepp entgegen. Die Frau trug einen Korb und die jungen Männer hatten ihre Waren auf einer Rückentrage gestapelt. Die Frau schaute uns an und allmählich begann sie zu lächeln, als sie näher kam.
„Ich grüße dich, oh du Trägerin des Kahlscha’daar.“ Sie lächelte mich an und erst jetzt erkannte ich die alte Frau wieder. Mein Lächeln erfreute sie, als sie sagte, „Ich sehe, du erkennst mich wieder, ja ich bin es, die Haushofmeisterin Leha’Dengs, ich wusste nicht, dass du wiederkommst. Sei willkommen oh Caroline, doch hüte dich vor dem Präsidenten, er ist …“
Mit quietschenden Reifen hielt eine Limousine des Hotels neben uns und Maru kam angerannt. „Bitte steigen Sie sofort ein, wir rechnen in den nächsten Minuten mit einem fürchterlichen Regenguss, rasch!“ Kaum waren wir eingestiegen, da raste der Wagen auch bereits los, direkt in die Tiefgarage des Hotels.
Oben im Hotel ging tatsächlich ein starker Regenguss hernieder, aber deswegen würde man keinen Wagen losschicken, um seine Gäste einzusammeln. Wir wurden also überwacht und irgendwer wollte nicht, dass wir mit den Bewohnern in Kontakt treten, erst recht nicht, wenn man sich kannte.
„Wer war das, was für eine Haushofmeisterin?“, wollte Peter wissen. „Große Häuser haben eine Haushofmeisterin, die hat das Sagen in dem Haus und alle Angestellten sind ihr unterstellt. Leha’Dengs ist die Haushofmeisterin im Palast. Vermutlich war sie mit den jungen Männern dabei den Einkauf zu tätigen.“
Den restlichen Abend verbrachten wir auf der kleinen überdachten Terrasse des Hotelzimmers. Das Abendessen war eine Spezialität, hier nannte man sie Tachaheeles, das waren kleine geröstete Fische auf Salat und Obst dargereicht. Dazu ein gutes Dutzend unterschiedliche Saucen.
Am nächsten Morgen brachte man uns zum Regierungspalast. Hier hatte sich einiges verändert. Waren früher nur einige Wachen vor dem Palast eingesetzt, so gab es hier eine richtige Sicherheitsschleuse. Sie bestand aus zwei Reihen Sicherheitsleuten mit modernen Scannern. Die alten .45 Automatik waren gegen moderne Pistolen ausgetauscht und die Wachen hielten neue Sturmgewehre in den Händen, dem Anschein nach neue Daewoo K-11 Modelle.
Wir wurden sofort vorgelassen. Die Ausrüstung war top. Durch mehrere Sicherheitsschleusen kamen wir endlich zu einer bildhübschen Frau. Von der Sonne verwöhnt und mit allen Attributen der Sinnlichkeit überdeutlich ausgezeichnet, stellte sie sich uns als Helfana n’Atuari, die Chefsekretärin des Präsidenten vor. In mir stellten sich innerlich die ersten Haare auf zum Kampf aber Peter war ganz offensichtlich von der Dame begeistert und sie anscheinend auch von ihm. Sie führte mit Peter ein belangloses Gespräch, während ich mich umsah.
Irgendwie hatte ich bei ihr ein ungutes Gefühl. Ein Signal an ihrem Arbeitstisch summte und sie wechselte sofort das Thema „Wenn Sie mir bitte folgen würden, ich bringe Sie jetzt zu seiner Eminenz, dem Herrn Präsidenten Sheramoh ai Youhaahb dem Edlen.“ Mit diesen Worten schwebte sie von dannen und wir folgten ihr. Je näher wir kamen, desto dichter wurde der Ring an Wachen.
Vor dem Eingang stand ein stattlicher Soldat in Galauniform und wartete, wir erkannten in ihm den General Nassadir Chalis wieder, er salutierte, dann begrüßte er uns wie gute Freunde. Schon öffnete sich die mächtige weiße Tür und wir wurden eingelassen. Eine Abordnung Soldatinnen und Soldaten im Kampfdress erwartete uns. Sie standen stramm, als der General zu ihnen kam und grüßten militärisch knapp und exakt. „Wir legen bei der Präsidenten Leibgarde viel Wert auf die Parität der Geschlechter, außerdem sind Frauen in vielen Dingen belastbarer, oder einfach nur besser.“
Wir schauten uns die Mädchen kurz an, diese zuckten mit keiner Miene, ihre Ausrüstung und Abzeichen machten schnell klar, dass das hier die Elite war. Von einfachen Paradesoldaten war hier keine Rede mehr. Das waren alles Einzelkämpfer, ich erkannte es in ihren Augen, dieser durchdringende Blick. Weiter gingen wir bis zur letzten der großen Türen.
An der Tür angelangt, verbeugten sich einige Bücklinge der Verwaltung und huschten ihrer Wege. Ein offenbar sehr hoher Verwaltungsmensch mit einer Roten Schärpe kam auf uns zu uns und wollte uns die Benimm Regeln der hiesigen Etikette erklären. Erst als der General überdeutlich wurde, dass wir geladene Ehrengäste waren, und zugleich dem Verwaltungsmenschen Gewalt androhte, schlich sich der Paragrafenreiter von dannen und schimpfte fürchterlich.
„Ja solche Bücklinge kennen wir bei uns auch,“ lockerte Peter die Stimmung auf und der General lächelte. Jetzt warteten wir vor der letzten großen Tür. Mehrere mächtige Schlösser entriegelten sie und sie wurde von je zwei Schergen geöffnet.
Endlich traten wir in den großen Empfangssaal ein. Hier befanden sich nur noch weibliche Soldatinnen. „Wie Sie sehen, hat sich einiges geändert, der Saal wurde etwas Internationaler eingerichtet und angepasst und ein Eindringen über die Dächer ist nicht mehr möglich. Die Seitenbereiche sind …“ Der General erzählte was hier alles gebaut, umgebaut und erneuert wurde. Es war offensichtlich, dass er General mit den Umbauten aufzeigen wollte, was sich alles getan hatte und dass der Palast heute zu einer wahren Festung ausgebaut war. Nebenbei erfuhren wir auch, dass er als der Verantwortliche all diese Umstellungen eingeleitet hatte.
Von vorne kam uns aus einer der Türen eine edle Frau entgegen und ich erkannte die Regentin und Präsidentengattin Heylah ai Youhaahb. Auch wenn ich sie seit einige Jahre nicht mehr gesehen hatte, solch ein sanftmütiges Gesicht konnte niemand vergessen..
Heylah lächelte und kam schnellen Fußes auf uns zu und rief bereits „Caroline Miles, endlich sehen wir uns wieder, nach so langer Zeit,“ und sie öffnete ihre Arme um mich zu umarmen. Als ich auf sie zuging und ebenfalls meine Arme öffnete, wurde die Leibgarde sofort aktiv, und erhoben ihre Waffen. Ein einziger Blick Heylah’s schaffte sofort Klarheit.
„Was soll das. Diese Frau ist die Trägerin des Kahlscha’daar, dem Zeichen des absoluten Vertrauens!“ Sofort entspannte sich die Leibwache. Ich verbeugte mich ordnungsgemäß und wurde von ihr gebeten neben ihr zu gehen. „Meine Liebe, ich habe so vieles mit Ihnen zu bereden und doch so wenig Zeit, wir müssen uns unbedingt unterhalten über …“ Weiter kam sie nicht.
Vor uns öffnete sich die letzte schwere Tür und wir sahen gerade noch, wie zwei Soldaten einen Gefesselten mit blutigen Striemen am Rücken wegschafften. Der Mann war zweifellos brutal ausgepeitscht worden. Der Mann mit der Peitsche gab diese einem der Helfer und wusch sich seine Hände, dann drehte er sich zu uns um.
Es war der Präsident, der sich da vor uns die Hände abtrocknete und er hatte den anderen Mann hart ausgepeitscht. Ein seltsames Lächeln erschien in seinem Gesicht. Das Lächeln wirkte aufgesetzt und er wirkte auf mich, wie ein kleines Kind, das man beim Eierdiebstahl erwischt hatte.
Im Hintergrund sahen wir, dass dem Präsidenten die Hände getrocknet wurden und er einen Umhang erhielt. Ehe wir etwas sagen konnten, trat einer der Palastschergen vor uns und kündigte den Präsidenten von Soulebda mit all seinen Titeln an.
Seine Frau, die Regentin aber wurde mit keiner Silbe erwähnt …
Das kam uns dann doch sehr komisch vor, hier hatte sich einiges verändert.
Jetzt endlich erschien Sheramoh ai Youhaahb der Präsident von Soulebda vor uns. Irgendwie war das nicht mehr die Person, der ich damals das Leben gerettet hatte. Er hatte damals etwas Herrliches, etwas Edles.
Aber alles was ich hier sah, war Verschlagenheit, Niedertracht und Heimtücke. Freundlich wie es sich gehört, verbeugte ich mich und der Präsident achtete genau darauf, dass ich mich auch tief genug verbeugte. Dann nahm er die Grüße der anderen ab und tupfte sich die letzten Tropfen an seinen Händen ab.
Das Tuch war rot gefärbt …
„Schön dass sie es einrichten konnten, uns zu besuchen und an unserem Jubiläum teilzuhaben. Wir werden Sie in zwei Tagen auf dem großen Hinrichtungsplatz wiedersehen da erwarten wir eine Henkers-Tat, wie es einer geübten Henkerin gefällig sein muss. Sie werden uns dort einen Gefallen erweisen.
Jetzt können Sie sich entfernen!“
Damit drehte sich um und verschwand mit seinem Gefolge in den Nachbarraum. Noch während sich die Türe schloss, hörten wir ihn sagen „Bringt mir den Nächsten herein zum Verhör!“ Mit einem lauten Klacken schloss sich die schwere Tür.
Wir wurden mit Nachdruck aus dem Saal geführt. Die Gattin des Präsidenten schaute nochmals mit Tränen in den Augen zu uns. „… so wenig Zeit.“ Eine der Wachen brachte uns aus dem Gebäude. Nach und nach verschwanden die anderen Wachen und die Sekretärin entließ uns da auch. Peter unterhielt sich noch etwas mit ihr und sie reagierte, offenbar mit einem schelmischen Blick und errötete. „Nichts wie weg hier“ raunte ich Peter an, er nickte nur kurz und unser Wagen brauste los.

**

„Sag mal, hier passt ja …“ Doch ich signalisierte Peter vorsichtig zu sein, bei dem, was er sagte „… alles wie in einer Märchenstadt, überall Sauberkeit und Freundlichkeit,“ endete Peters Satz. In unserem Hotel prüften wir die mit den mitgebrachten Scannern die Sauberkeit der Wohnung und entdeckten nicht weniger als sieben Wanzen, in der Dusche sogar drei. Nur draußen auf der Terrasse schien es noch sauber zu sein. Dennoch waren wir ab sofort vorsichtig.
„Sag mal, hier passt ja gar nichts aufeinander, sind die allesamt durchgedreht? Der General, der uns in Deutschland besuchte, ist nur ein besserer Hausmeister in Paradeuniform, die Regentin hat offenbar Todesangst und fürchtet sich vor irgendwas und dein Präsident foltert ganz offen Gefangene und du willst mir weismachen, dass Soulebda eine ideale Urlaubsdestination ist.
Hallo hier stimmt einiges nicht oder??“
Ich umarmte Peter und küsste ihn „Du hast Recht Schatz. Wir müssen schleunigst hier aus dem Hotel raus, der Präsident hat noch nie von sich in der Dritten Person geredet und ich habe keine Lust, in zwei Tagen für ihn irgendwelche Leute umzubringen.“
Ein Blick auf die Uhr halb Zehn Ortszeit die große Hitze würde erst noch kommen. Da klopfte es bereits. Ein Page übergab uns einen Umschlag und wartete an der Tür.
„Treffen in der Garage III – Ziel ihre alte Dienststätte, ML“ wir gingen mit dem Pagen zu Aufzug. Hinter uns schwirrten bereits die kleinen Helferlein in unser Zimmer, um alles zu packen. Unten angekommen, kam Concierge Maru al Larabduh auf uns zu und lächelte flüchtig. „Dieser Mann bringt Sie in Ihren alten Dienstbungalow, das Haus wurde gepflegt und gesäubert alles ist noch so, wie Sie es kannten, es wohnte nur keine Henkerin mehr drinnen, seit Sie gegangen sind.“ Wir stiegen in einen verdunkelten SUV und brausten los. „ML“ winkte uns hinterher.
Im Dienstbungalow angekommen, fuhren wir direkt in die Tiefgarage. Dort stand noch mein alter Landrover und mein feuerroter Mini. „Fahren die etwa noch?“ Fragte ich den Fahrer und er nickte freundlich. „Oh ja Miss Miles, wir haben uns um Ihr Haus gekümmert, um alles was da drinnen ist und selbstverständlich auch um diese beiden schönen Fahrzeuge, die fahren und sind voll aufgetankt.“
Oben angekommen besah ich mir mein altes Domizil. Es war noch genauso ausladend wie damals, genauso schön hell und alles war noch so, wie ich kannte. Eine ältere, edle Dame begrüßte uns. Sie war braungebrannt, hatte sehr aufmerksame Augen und wusste sich elegant auszudrücken und leichter zu bewegen, als ich ihrem Alter nach schließen konnte.
„Ich bin Madame Ma‘ Difgtma, die Haushofmeisterin. Wir haben jeden Tag aufgeräumt Miss Miles und gehofft, dass Sie wieder kämen, unsere Gebete wurden erhöht, Mualebda sei Dank.“ Ich schaute sie an und begrüßte sie in der Landessprache. Ihre Augen begannen auf einmal freundlich zu leuchten, als sie ihre Sprache hörte, und eine Träne zeigte sich. „Es tut gut, Sie wieder zu sehen Miss Miles. Als Sie damals hier waren, habe ich noch für Penelope ai Youhaahb gearbeitet, daher kenne ich Sie noch gut.“ Dann entschwand sie in der Küche.
„Ist die Frau als Köchin nicht alleine überfordert und etwas zu alt?“ Das brachte Peter einen Ellbogenstoß in die Rippen ein. „Schatz, täusch dich nicht in der Frau, sie ist immer für eine Überraschung gut.“

**

„Peter, komm, hier habe ich einige Jahre gelebt und gearbeitet, lass mich dir das Haus zeigen,“ damit zog ich Peter in den großen Saloon, der angenehm temperiert war, die Bar war frisch gefüllt, wie ich es kannte. Sogar frisches Eis war da und auf den Tischen standen jede Menge frische Blumen in wunderschönen Vasen.
Davor der Befragungsraum, hier wurden früher die Befragungen der Verurteilten durchgeführt und da draußen auf der kleineren Veranda stand noch immer der mächtige Galgen. Hier waren die Verurteilten zu Hunderten gestorben. Das Seil hatte durch die Jahre etwas gelitten und müsste erneuert werden, aber die Falltüre öffnet sich problemlos und Peter und ich sahen durch das Loch nach unten. Wir schlossen die Falltüre wieder und gingen weiter.
„Das gehörte alles zu deiner Dienstvilla?“ Peters Augen wurden zusehends größer. „Oh ja und das ist noch längst nicht alles, komm auf die Terrasse.“ Wir gingen durch den Saloon, an einem Arbeitszimmer vorbei hinaus auf eine riesige Terrasse. Ein Teil war fest überdacht, ein weiterer war frei, hier standen auch zwei Grillpfannen und ein dritter Teil konnte mit einer Markise überdacht werden.
Aber all das sah Peter nicht, er hatte nur Augen für den Ausblick. Diesen herrlichen Ausblick über die Stadt mit den Märkten, die Wälder und Haine, und in der Ferne sah man das Meer. Wie sehr hatte ich diesem Ausblick vermisst, stellte ich gerade fest, da nahm mich Peter in den Arm und küsste mich.
„Jetzt verstehe ich langsam, was du an der Insel findest, wenn alles hier so schön wäre, das wäre das Paradies.“ Wir schauten von der Terrasse hinunter zu den Menschen, betrachteten einige Papageien, die in die dichten Wälder flogen und sogen die frische Lust gierig ein. Wir konnten die Menschen in den Straßen und Gassen sehen und sahen viele Menschen mit Waffen. Ein Gefühl von Unmut kam in uns auf.
„Warte ab Schatz, lass uns nach oben gehen, oben sind die Privatgemächer.“ „Privatgemächer, und all das hier unten?“ „Das gehört zur Arbeit, alleine die Küche ist ein Wunder für sich. Hier unten hat es noch Lagerräume, zwei Toiletten, eine Dusche und mehr.“ Damit gab ich Peter die Hand und entführte ihn über die breite Treppe nach oben.
Privatgemächer war vielleicht das falsche Wort, das merkte ich an Peters Gesichtsausdruck. Ein schönes Esszimmer, das auch als Saloon dienen konnte, nebenan eine Raucherecke mit Kamin. Peter grinste mich an. „Der Kamin brannte aber noch nie oder?“
„Der brannte ab und zu, aber mehr wegen der Stimmung und nicht wegen der Wärme, deswegen kannst du das Feuer auch als Video zuschalten.“ Ein Knopf am Kamin und ein loderndes Feuerchen knisterte vor uns, es sah täuschend echt aus, aber es fehlte der Geruch und die Hitze.
Drinnen zeigte ich Peter die anderen Räume, die Dusche mit dem Bad das große Schlafzimmer, Ankleide- und Bereitschaftsraum, die zweite kleinere Küche gefiel Peter dann wieder, besonders die edlen Messer hatten es ihm angetan. Lager und Vorratsraum waren kaum gefüllt, dafür war der Sportraum so, wie ich ihn kannte, alle Sportgeräte waren noch da, zumindest würde es uns hier nicht langweilig werden.
Als ich einen Durchgang öffnete, sah Peter den Pool, gut vier Meter breit und an die fünfzehn Meter lang. Die Wassertiefe war mit 2,20m angegeben und an der vorderen Einstiegstelle verlief er flacher.
„Ehe du jetzt was Falsches sagst, hier oben kann man besser sonnen und baden, als auf der großen Terrasse unten, abgesehen davon ist der Pool auch zugleich der Feuerlöschteich, falls es einmal brennen sollte.“
„So, lass uns das Wasser genießen und dann etwas entspannen, ich möchte dich hier in deiner Villa auch einmal so richtig begrüßen.“
„Ja Schatz, was du willst, ist mir klar, das hat aber mit begrüßen nichts zu tun, komm, lass uns noch die Kellerräume ansehen, dort ist es natürlich kühler, das tut dir bestimmt auch gut.“
Unten im Keller schauten wir uns die Wagen an, sie sprangen tatsächlich sofort an, als wäre ich eben erst weg gewesen. Dahinter einige Lagerräume, das Waffenlager stand offen, war aber natürlich leer. Nebenan befand sich eine Schießanlage und man konnte auf 25 und 50 Meter üben.
Peter sah in der Schießanlage noch einige Combat Scheiben in der 50 Meter Bahn hängen. Wir fuhren die Scheibe zu uns her. Peter lächelte nur, als er die Treffer im schwarzen sah und meinte „Daher hast du also die Beretta so gut im Griff, hier konntest du ja wirklich intensiv üben.“
„Oh ja die Villa war perfekt, hier sind noch zwei kleine Werkstätten, wenn man etwas kleines reparieren will und das da, waren alles Lagerräume. Langsam gingen wir wieder nach oben zurück.
Oben angekommen stand Madame Ma‘ Difgtma, die Haushofmeisterin von vorhin wieder da und lächelte uns an. Lächelnd sagte sie laut: „Sie haben noch Freunde hier Mad’ame Caroline! – Herbei mit euch allen!!“
Aus einigen Räumen und Zimmern kamen Dienstmädchen und Helfer, zwei besonders hübsche Mädchen brachten frisches Obst mit. Dann stellte sie uns die ganzen Leute vor. Köchinnen und Bedienstete, Schneider und Wachen, Handwerker aller Art und weitere. Am Ende auch ein kräftiger junger Mann, von über 1,90m mit gewitztem Gesichtsausdruck, und einem Kampfmesser am Gürtel..
„Das hier ist mein Erstgeborener, Jerome n’Antakcket, er wird ihnen hier als Leibwächter, Fahrer und Vertrauter dienen, er ist ein sehr guter und erfahrener Krieger.“
Jerome n’Antakcket kam zu uns und lächelte freundlich aber bestimmt, Peter fand sofort einen Draht zu ihm, quasi von einem Krieger zum anderen. Während Ma‘ Difgtma mit uns redete, wuselten Helferlein durchs Haus, füllten die Lager auf und begannen etwas zu kochen. Bald roch es nach köstlichem Essen. Nach einiger Zeit war es dann soweit und das Abendessen begann.
Am Abend, als die Helferlein uns offenbar verlassen, oder sich zurückgezogen hatten, saßen Peter und ich zusammen oben auf der Terrasse bei einem guten Whiskey. Peter rauchte eine schmackhafte Zigarre und ich naschte an erfrischendem Obst. Endlich hatten wir Zeit und konnten über die Geschehnisse des Tagen reden.
Frank hatte Recht behalten. Hier auf Soulebda stimmte etwas nicht, und das war sogar eine riesige Untertreibung. Hier stank es! Und eines war mir sofort klar. Der Fisch stank vom Kopf! Alles was wir an diesem Tag gesehen hatte, ließ die Alarmglocken bei uns beiden schrillen.
„Hast du all die Wachen gesehen und dazu die ganzen Leute auf den Straßen, so viel Waffen habe ich nur in Kriegsregionen gesehen aber doch nicht in einem Urlaubsparadies.“
„Ja, hier laufen viel zu viel Bewaffnete herum, das gefällt mir gar nicht. Hast du die schwarzen Autos gesehen, eines folgte uns ständig. Die überwachen hier wohl alles und jeden.“
„Oh ja, ich habe vorhin aus drei Zimmern alte Wanzen entfernt, die waren älter, aber ich mag die Dinger nicht. Neue sind wohl derzeit keine da, zumindest findet der Scanner keine.“

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SOULEBDA

Das war also das Südseeparadies Soulebda.
Wir stiegen die Gangway herunter und steuerten auf die Fahrzeuge zu, welche uns abholen sollten.
„Mule… Mauleb…Wie heißt der Gott, den die Pilotin beschworen hat?“ Fragte ich Caroline.
„Mualebda. Und sie ist eine Göttin.“
„Göttin?“
„Ja, mein Lieber, die Staatsform Soulebdas ist das Matriarchat. Hier haben die Frauen die Hosen an.“
„HHMM, hast du nicht was von Baströckchen erzählt? Von Frauen in Hosen war keine Rede, das weiß ich genau.“
„Peter….!“
„Aber eine andere Frage, wenn hier das Matriarchat herrscht, wieso ist dann Sheramoh ai Youhaahb der Chef und nicht Heylah?“
Die Frage schien sich auch anscheinend auch Caroline gestellt. „Vor fünf Jahren waren die beiden ein gutes Herrschergespann. Offiziell war Sheramoh der Präsident. Er war das „Gesicht“ Soulebdas, während Heylah sich nicht offiziell in die Staatsgeschäfte einmischte. Doch für die Soulebdalesen ist Heylah die eigentliche Herrscherin. Sie ist die Regentin und ihr Wort ist Gesetz.“
„Wie kommt es dann, dass es auf der Insel so rumort?“
„Das ist eine gute Frage!“
Wir hatten die Wagen erreicht und eine Ehreneskorte stand bereit und stramm, als wir einstiegen, um zum Palast zu fahren.
Wir verließen den Flughafen und mussten die Innenstadt Soulebdas durchqueren, die Maru nutze, um uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu zeigen. Doch viel mehr als die Sehenswürdigkeiten, fielen mir die vielen Bewaffneten auf, welche durch die Straßen patrouillierten. Sollte Maru mitbekommen haben, dass mir das auffiel, so ließ er sich nichts anmerken.
Er verzog auch keine Miene, als ich sah, wie an in einer Seitenstraße ein Mann von mehreren Soldaten zusammengeschlagen und auf einen LKW gezerrt wurde.
Caroline, die den Vorfall ebenfalls bemerkt hatte, warf mir einen warnenden Blick zu, den ich schon kannte. Er hieß, – sag nichts! –
Schließlich kamen wir im Palast an und dort wartete dann die größte Überraschung von allen.
Sheramoh ai Youhaahb!!! Der Typ war völlig durchgeknallt! Ich hatte eine verdammt gute Menschenkenntnis und nach der ersten Sekunde wusste ich, dass Sheramoh ai Youhaahb diese Insel ins Verderben stürzen würde.
Noch mehr überrascht war wohl Caroline, denn für einen Moment konnte sie ihr Pokerface nicht bewahren. Sie war von der Erscheinung Sheramoh entsetzt. Doch schon eine halbe Sekunde später konnte ich eine Veränderung bei Caroline feststellen, sie schaltete in ihren „Kampfmodus“. Eine Stimme tief in ihr sagte, dass dieser Mann ein Feind geworden war. Klug genug wie Caroline ist, ließ sie es sich nicht anmerken und setzte ihr freundlichstes Lächeln auf. Ließen sich auch die anderen davon täuschen, mir konnte sie nichts vormachen.
Erleichtert atmete ich auf, als wir endlich den Palast verließen.
„Ich hoffe wir werden die nächsten Tage mehr miteinander zu tun haben.“ Verabschiedete uns Helfana n’Atuari, sah aber dabei mehr mich an, als Caroline.
„Das wäre schön“ antwortete ich ihr und sah aus den Augenwinkeln Caroline vor Wut blass werden. Also schob ich ein, „Ich hoffe allerdings auf andere Gelegenheiten, als eine Massenhinrichtung.“
„Nun, warten wir es einfach einmal ab.“ Hauchte sie und zwinkerte mir mit den Augen zu.
„Komm jetzt!“ Zischte Caroline und zog mich am Arm aus dem Palast heraus.
Jetzt saß ich hier und ließ den Tag an mir vorüberziehen. Alles was ich an diesem Tag gesehen hatte, ließ die Alarmglocken in meinem Kopf schrillen.
Seit unseren letzten Abenteuern hatte ich ja öfter das Gefühl, in einem schlechten Hollywoodfilm zu sein, aber diesmal hatte sich der „Regisseur“ wirklich alle Mühe gegeben, mich zu überraschen.
Abgesehen davon, dass hier mehr Bewaffnete, Wachen und Soldaten durch die Straßen liefen als Zivilisten, nein es herrschte ein tiefes Misstrauen zwischen den Menschen. Jeder schien jedem zu misstrauen und zu beobachten.
Allein dass Caroline das Hotel sofort verlassen und in ihre ehemalige Dienstvilla gewechselt hatte, sprach Bände. Die Reaktion unserer „Betreuer“ sagte einiges. Damit hatten sie nicht gerechnet und so die Villa nicht verwanzt. Alle Versuche diese Idee Caroline auszureden scheiterten und die einfache Frage ihrerseits, ob man der Trägerin des Kahlscha’daar etwa diesen bescheidenden Wunsch abschlagen wolle, machte den Weg frei, in die Villa zu wechseln.
Nun saß ich da und versuchte das. Was ich heute erlebt hatte, mit dem über Einklang zu bringen, was ich aus Carolines Erzählungen, Reiseberichten und dem Internet über Soulebda in Erfahrung gebracht hatte.
Nachdem uns der Generalkonsul uns die Einladungen überreichte, hatte ich neben Carolines Erzählungen natürlich im Internet recherchiert, was es über Soulebda und Sheramoh ai Youhaahb zu lesen gab.
Erste Erkenntnis, Heylah die Matriarchatin hatte hier nichts zu melden! Sheramoh hatte hier das Kommando! Frage, wieso??? Caroline hatte Heylah als starke Persönlichkeit beschrieben, als freundliches aber zielstrebiges Wesen, doch die Frau heute war eher ein Zombie als eine Herrscherin.
Jedenfalls schien während Carolines Abwesenheit ein echter Machtwechsel stattgefunden zu haben. Sheramoh hatte nun das Sagen. Der war zwar ein Irrer, doch seien Herrschaft schien gefestigt zu sein. Die Armee spurte und sorgte dafür, dass das Volk ihn „liebte“. Irgendwie kam mir das aus Berichten über andere Diktaturen sehr bekannt vor.
Doch Sheramoh schaffte es mit Wohltaten und dem bewährten Prinzip „Brot und Spiele“ die Armee bei der Stange zu halten, und solange die Armee hinter dem „Präsidenten“ stand, brauchte der sich keine Sorgen zu machen.
Ähnlich wie auf einer bekannten Karibikinsel vor der Küste der USA hielt sich Sheramoh ai Youhaahb so an der Macht.
Natürlich tat auch ein guter, allwissender und gefürchteter Geheimdienst das seine, um ihm die Macht zu sichern.
Als dann die seltenen Erden gefunden wurden und die Wirtschaft einen Boom erlebte, erreichte die „Beliebtheit“ des Präsidenten ungeahnte Höhen, denn er sorgte tatsächlich dafür, dass ein großer Teil des neuen Reichtums seinem Volk, also der Armee ankam.
Was Sheramoh bei der Armee so beliebt machte, war die Tatsache, dass das viele Geld in die Gehälter floss, statt in teure Rüstungsgüter. Sicher hatte die Armee Soulebdas moderne Waffen, doch schwere Panzer, Kampfhubschrauber und U-Boote suchte man hier vergeblich.
Als Inselstaat ohne direkte Nachbarn, die das Land bedrohten, war Sheramoh ai Youhaahb auch klug genug, um zu wissen, dass ein Krieg gegen die Mächte, welche seine Insel besetzen konnten, von vorne herein verloren war. Also richtete er seine Außenpolitik entsprechend aus und suchte den Anschluss an die USA, Großbritannien, Australien und Neuseeland.
Solange diese Nationen an der Ausbeutung der seltenen Erden beteiligt waren, würde es keine Invasion geben, keine internationale Ächtung und auch keine offizielle Einmischung in die inneren Angelegenheiten Soulebdas.
Alles in allem konnte ich feststellen, es stimmten weder die Berichte von Caroline, noch die aus dem Internet!!!

**

Zwei Wochen vor unserem Abflug

„Mann, die Südsee, da würde ich auch mal gerne Urlaub machen.“ Sagte Randy durch den Zigarrenqualm.
Wir saßen zu unserem allmonatlichen Herrenabend zusammen und genossen Whisky, Zigarren und unsere Freundschaft.
Mittlerweile hatte der Herrenabend nichts mehr mit dem ursprünglichen Treffen gemein.
Anfangs saß ich mit Frank alleine in einer Bar und wir beratschlagten, wie wir Probleme aus der Welt schaffen konnten, bevor sie zu echten Problemen wurden. Auf diese Weise konnten Frank und ich einige gefährliche Klippen umschiffen.
Bestes Beispiel dafür, war Andreas Hinrichtung, einem vom Ministerium angeordnetes Medienspektakel das sowohl Frank als auch mich anwiderte. Wir schafften es (mit Randys Hilfe) dafür zu sorgen, dass es das einzige Spektakel dieser Art blieb. Nach diesem Abenteuer erweiterte sich die Runde um Mike dem Chef der Presseabteilung, und Randy unserem Computergenie.
Randy war der jüngste in der Runde, doch er hatte es faustdick hinter den Ohren. Zugegeben, Randy schaute sich die Welt am liebsten von seinem Monitor an, doch Randy war clever und ein verdammtes Genie.
Anders als Vera und Sarah, hatte Caroline ihre Freude an dieser Zusammenkunft und sie wurde von den anderen ganz selbstverständlich in die Runde aufgenommen. Damit Caroline nicht als einzige Frau am Tisch saß, wurde Jessika gefragt, ob sie sich uns anschließen wollte und natürlich, hatten sich auch Decker zusammen mit Hannes, Johann und Gratzweiler, nach den letzten Abenteuern das Recht verdient, an dieser Runde teilzunehmen. Allerdings nahmen die mit Ausnahme von Decker nur selten an unseren Treffen teil.
Hannes jagte den weiblichen Sicherheitsbeamten nach, Johann verbrachte die Zeit lieber mit seiner Freundin und Gratzweiler hatte als amtierender Schützenkönig von St. Deister, viele andere Verpflichtungen.
Was diese Runde so einmalig machte, war die Tatsache, dass es hier keinen Chef gab, es gab keine Sekretärin oder Angestellten. Wir waren Freunde und ein unumstößliches Gesetzt dieser Runde besagte, dass nichts was in dieser Runde gesagt wurde, im Dienst negativ verwendet werden durfte! Auf diese Weise konnten wir uns ein vernünftiges und angenehmes Klima auf der Dienststelle schaffen, was bei der besonderen Belastung durch unsere Tätigkeit mehr als wichtig war, denn das Arbeiten im Todestrakt eines Gefängnisses ist alles andere als einfach!
Nun saßen wir mit Whiskey und Zigarren da und unterhielten uns über alles und vieles, doch momentan gab es nur ein Thema, unsere Einladung nach Soulebda…
„Was hält dich denn davon ab, in die Südsee zu fahren?“ Fragte Jessika.
„Das magere Gehalt, das mir unser Chef zahlt.“ Antwortete Randy gespielt mürrisch.
„Würdest du nicht dauernd irgendwelchen Blödsinn machen, der Schaden anrichtet und den ich dir vom Lohn abziehen muss, könntest du dort ein Ferienhaus kaufen.“ Antwortete Frank, ebenfalls gespielt böse.
„Ich möchte betonen, dass die meisten Schäden, die ich bisher angerichtet habe, auf Anweisungen einer dritten Person, geschehen sind.“ Damit schaute Randy mich an.
„Da hat er Recht. Eigentlich müssten Randy und Caroline in die Südsee fahren.“ Meinte Mike und grinste von einem Ohr zum anderen.
„Tut mir leid, aber ich teile weder Caroline noch meinen Urlaub mit einem von euch.“ Erteilte ich Randy grinsend eine Absage und alle ließen ein „OOHH“ oder „Schade“ ertönen.
„Verdient an deiner Stelle mitzukommen, hätten wir wohl alle.“ Sagte Frank und schüttelte den Kopf. „Allein was uns deine letzte Eskapade gekostet hat… Ich musste alle Register ziehen, damit du nicht gefeuert wirst.“
Das war nicht übertrieben. Nach meiner Verfolgungsjagd durch die Stadt, bei der die Söldner des alten Franzosen mit Panzerfäusten um sich geschossen hatten, sowie meiner Rettungsaktion, im Laufe, derer einer unserer Gefangenentransporter wie ein Schweizer Käse durchsiebt wurde, hatten Rufe nach meiner Suspendierung laut werden lassen. Lediglich Frank wiedersetzte sich dem und schaffte es, seine Freunde im Ministerium davon zu überzeugen die „Anklage“ gegen mich fallen zu lassen. Doch er hatte Recht, einfach war es nicht gewesen…
„Meine Güte“, sagte ich und rollte mit den Augen, „da lässt man EINMAL eine Todeskandidatin am Leben und schon …“
„Und schon ist die halbe Welt hinter dir her.“ Sagten Frank und Decker wie aus einem Mund.
„Sieh es positiv“, hielt ich Frank entgegen, „hätte ich Beate getötet, wäre Caroline jetzt nicht hier. Und du sagst selber, dass sie die beste Henkerin ist, die du bisher getroffen hast.“
„OOHH, das hast du über mich gesagt? Ich bin geschmeichelt.“ Caroline beugte sich quer über den Tisch und gab Frank einen Kuss auf die Wange.
„Ja, das hab ich tatsächlich gesagt. Und die Aussicht dich hier zu haben und diesen Behördenschreck loszuwerden, hat schon einen gewissen Reiz.“
„Tut mir leid Frank, aber uns gibt es nur im Doppelpack.“ Sagte Caroline mit großem Bedauern in der Stimme.
Dem konnte ich nichts hinzufügen, grinste und zuckte mit den Schultern. „So ist es, wir sind unzertrennlich.“
„Ich werde dir mal was sagen“, ließ sich Decker vernehmen und stieß Caroline an, „irgendwann wird Peter uns alle ins Verderben stürzen.“
Für einen Augenblick sah Caroline nachdenklich aus, dann grinste sie Decker an und antwortete, „Vielleicht… aber wer weiß, vielleicht wäre es anders stinklangweilig.
„Langweilig?“ Fragte Decker entsetzt und wollte gerade anführen, wie ich sein Leben auf den Kopf gestellt hatte, als er von Jessika einen Stoß in die Seite kam. Decker verstand den Wink und beließ es dabei.
„Erzähl mal lieber mehr von dem Paradies.“ Forderte Randy Caroline auf. „Wie ist es auf Soulebda? Wie lebt es sich im Palast?“
Bei dem Wort „Paradies“, sah ich Frank zum ersten Mal die Stirn runzeln. -Da ist also was im Busch- dachte ich. –Das Paradies scheint selbst Ferien zu machen.
„HHHMMM, was kann ich darüber erzählen? Also, der Palast steht auf einer hohen Klippe, von der man einen wunderschönen Sonnenuntergang bewundern kann. Der Präsident selbst, hat eine besondere Vorliebe für Traditionen. Eine Tradition besteht darin, dass die Palastgarde ausschließlich aus Frauen besteht. Die Garde und alle Bediensteten müssen stets die traditionellen Uniformen tragen.
Die besteht aus einem Stoffrock für die Männer, bei der das Muster den Rang und die Stellung des Trägers bekannt gibt.
Die Bekleidung für die Frauen besteht aus einem sehr kurzen Baströckchen und den passenden Sandalen. Sonst dürfen die Frauen nur dezenten Schmuck tragen. Ein extra eingerichtetes Büro im Palast, muss alle neuen Bewerberinnen auf ihr Aussehen prüfen. Es werden nämlich nur die schönsten Frauen ausgewählt, um im Palast zu dienen.
Auch ich durfte im Palast nur das Röckchen und sonst nichts tragen. Du kannst die sicherlich vorstellen, dass das für mich anfangs nicht so einfach war, zumal meine Haare damals noch kürzer waren und meine Brüste nicht verdeckten. Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass der Präsident mir dauernd auf die Nippel starrte, während er mit mir redete.“
Randys Augen waren während Carolines Ausführungen automatisch auf deren Busen gewandert, doch als er wieder in ihr Gesicht sah, bemerkte er das verräterische Zucken ihrer Mundwinkel und mit einem Mal brachen wir alle in Lachen aus.
Alle bis auf Randy.
„HAHA“ maulte er.
Jessika legte ihren Arm um ihn und drückte ihn fest und freundschaftlich.
„Ach, lass dich nicht ärgern.“ Meinte sie zu Randy.
Randy sah uns anklagend an und hob drohend den Zeigefinger. „Ich schwöre euch, irgendwann werde ich auch nach Soulebda fliegen und dann werde ich selber nachschauen, was die dort für Uniformen tragen.“
So zog sich der Abend hin, bis Jessika irgendwann auf die Uhr sah. „Leute, ich hab genug. Der Schinder da hat morgen wieder einen vollen Terminkalender.“
„Was du willst uns schon verlassen?“ Wollte ich wissen.
„Ich wünschte, du müsstest einmal den ganzen Papierkram nach einer Hinrichtung selber machen.“ Antwortete sie und sah mich strafend an.
„Sorry, aber das lasse ich lieber. Ich kümmere mich um das Handwerkliche und du um den Papierkrieg.“
„Egal, ich gehe jetzt nach Hause. Wir sehen und in ein paar Stunden.“ Verabschiedete sich Jessika.
„Warte, ich komme noch mit dir nach draußen, ich brauche dringend mal frische Luft.“ Caroline stand auf, hakte sich Jessika unter und zusammen gingen die beiden Frauen nach draußen.
„Ich mache auch Feierabend. Ich habe nachher einen Termin beim Minister, er will eine Zusammenfassung der Pressemitteilungen haben, die in der Stadion Sache raus gegangen sind.“
„Ich dachte, die Sache ist vorbei?“ Fragte Frank.
„Nicht ganz, aber keine Sorge, es geht weder um Trommer, noch um Peter. Es ist lediglich eine Auflistung der Artikel in der Angelegenheit, die der neue Generalstaatsanwalt haben möchte. Der Minister will wissen, welches Material wir weitergeben, damit sich der neue General einzuarbeiten kann.
Ok, das machte Sinn. Der neue General war aus der „letzten Reihe“ hervorgeholt worden, da Trommer auf seinem Weg nach oben alle anderen Kandidaten zerlegt hatte. Bei allen Parteien herrschte Einigkeit darüber, dass der neue Generalstaatsanwalt lediglich eine Übergangslösung darstellte. In weniger als zwei Jahren würde der neue General in den Ruhestand gehen und bis dahin hatte man etwas Zeit gewonnen, um sich einen neuen und eigenen Kandidaten zu suchen, welchen man dann ins Rennen schicken konnte.
Mike trank noch seinen Whisky aus und verließ uns.
„He Mike, warte ich gehe auch, lass uns gemeinsam ein Taxi rufen.“ Brummte Decker, trank ebenfalls aus und schoss sich Mike an.
„Wisst ihr, die haben Recht. Ich mache auch die Faltter. Bad-Man, das war ein gelungener Abend. Vielen Dank, sag Caroline einen schönen Gruß und gib ihr einen Kuss von mir.“
„Na, das mache ich doch gerne.“ Lachte ich. „Kannst dich ganz auf mich verlassen.“
Nachdem Randy die Tür hinter Decker, Mike und sich selbst zugezogen hatte, waren nur noch Frank und ich im Raum.
Nun versuchte Frank nicht mehr seine Sorgenfalten zu verbergen.
„Was hast du auf dem Herzen?“ Wollte ich wissen.
„Es gibt Berichte, dass Soulebda nicht mehr das Paradies ist, welches es vor ein paar Jahren war, als Caroline noch dort arbeitete.“ Antwortete er.
„Was konkretes?“
„Es soll sich um die seltenen Erden drehen. Anscheinend will der Präsident sie auch an den Stellen abtragen lassen, die den Einheimischen als heilig gelten. Auf Soulebda hat sich eine Umweltbewegung gebildet, die sich zwar nicht gegen den Präsidenten stellt, wohl aber gegen den Abbau in diesen Gegenden. Man munkelt außerdem, dass die Präsidententochter bei den Umweltschützern mitmischt. Irgendwas stimmt da nicht.“
„Hört sich ja nicht gerade nach dem Paradies an. Obwohl Umweltbewegungen gibt’s fast in jedem Land der Erde, vielleicht von Nordkorea abgesehen. Ich denke nicht, dass ein paar Umweltschützer ausgerechnet dann eine Rebellion entfachen, wenn wir auf der Insel sind.“
„Das denke ich auch nicht, dennoch wie heißt es? Vorsicht ist besser als Nachsicht. Pass einfach auf euch beide auf. Ich gehe davon aus, du schaffst es, die paar Tage in der Südsee Urlaub zu machen, ohne eine Rebellion oder einen Krieg anzufangen. Obwohl… wenn es einer schafft dann du verrückter Hund.“
Ich lachte. „Ich werde mein Bestes geben, mich und Caroline aus allem Schlamassel herauszuhalten.“
Als auch Frank aufstand, um zu gehen, hielt ich ihn am Arm fest.
„Ich wollte dir nochmal Danke sagen, dass du mir bei Beate den Rücken freigehalten hast. Danke. Und Danke, dass du dafür gesorgt hast, dass ich nicht gefeuert wurde.“
„Als ich mitbekommen hatte, was du vorhast, wäre ich beinahe in Beates Zelle gegangen und hätte der Sache selbst ein Ende gemacht, aber dann hab ich mir gesagt, dass du bis jetzt immer Recht hattest und dass es vielleicht besser wäre, dir zu vertrauen. Heute bin ich froh, dass ich dir vertraut und Beate nicht getötet habe.“
Mehr gab es dazu nicht zu sagen. Es würde NIE passende Worte des Danks geben, die Franks Beitrag bei diesem Abenteuer gerecht wurden.
Er drehte sich um und ging zur Tür raus, blieb noch einmal kurz stehen und sah mich an.
„Ah übrigens, was dieses EINMAL angeht… Sag Fibi bei nächster Gelegenheit einen schönen Gruß.“

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Tel Aviv

Stirnrunzelnd legte Dagan die Papiere in seiner Hand auf die Seite und schaute sein Gegenüber zweifelnd an.
„David, alter Freund, du solltest mir eine ehrliche Einschätzung geben, nicht mir einen Gefallen tun.“
„Dagan, du weißt genau, dass ich dir keinen solchen Gefallen erweisen würde. Eine geschönte Version würde keinem von uns nutzen, du wolltest eine Einschätzung? Das ist sie!“
Erneut sah sich Dagan die Unterlagen an und studierte die einzelnen Ergebnisse. Bei den Unterlagen handelte es sich um eine Einschätzung von Fibi… und diese Unterlagen würden über Fibis Schicksal entscheiden…

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Vor sechs Monaten war Levi aus Deutschland zurückgekehrt. Dagan selbst, war mit Lem sofort nach ihrem Sieg über den alten Franzosen zurück nach Tel Aviv geflogen, während Levi noch ein paar Wochen blieb, um die Augen und Ohren offen zu halten.
Jedenfalls blieb Levi in Carolins Nähe und stellte sicher, dass sowohl von Seiten der Söldner als auch von Froody, dem durchgeknallten Ex CIA Chef keine Gefahr mehr drohte. Eine Gelegenheit welche Jessika Dafore, die bessere Arbeitshälfte von Peter Stein nicht ungenutzt ließ…
Dann kam ein denkwürdiger Tag … Peter bat Jessika um ein Treffen mit Levi und der willigte ein. Peter musste einen verdammt schlechten Einfluss auf Levi haben, denn der organisierte, hinter Dagans Rücken, Fibis Flucht.
Als Levi abends plötzlich mit Fibi und einem Brief von Peter vor Dagans Haus stand, war Dagan zum ersten Mal in seinem Leben sprachlos! Noch nie hatte einer seiner „Neffen“ bzw. „Nichten“ etwas hinter seinem Rücken … Auch Lem, der zu einer Besprechung anwesend war, fehlten die Worte.
Während Fibi völlig fertig im Bett lag und schlief, las sich Dagan den Brief zweimal durch und sah dann fragend zu Levi.
„Irgendjemand hatte behauptet, Fabienne wäre ein Spitzel. Ihr wisst, was das im Gefängnis heißt, Spitzel sind im Knast Freiwild und werden gejagt. Um sie zu schützen und um zu verhindern, dass Fibi in Einzelhaft muss, hat Caroline sie in ihre Wohnung geholt. Alle, auch Caroline, gingen davon aus, dass Fabiennes Urteil in der höheren Instanz umgewandelt wird. Doch das geschah nicht, das Todesurteil wurde bestätigt und das Gericht hatte Fabiennes Exekution angeordnet.
Peter war klar, dass Caroline, nicht ohne Schaden für sich selbst, das Todesurteil vollstrecken konnte. Und da er selbst fest an Fabiennes Unschuld glaubt, konnte er es auch nicht tun, also hat er aus Verzweiflung diesen Weg gewählt.“
„Er hat diesen Weg gewählt?“ Fragte Lem und schüttelte verwundert den Kopf. „Verdammt, der Mann hat sich selbst… Dagan, gegen diese Frau besteht ein rechtmäßig gefälltes Urteil! Auch wenn ich es für barbarisch und falsch halte, ist es dennoch ein rechtmäßiges Urteil. Was ist, wenn die Sache auffliegt? Niemand wird Caroline glauben, dass sie nicht beteiligt war!“
„War sie denn beteiligt?“ Wollte Dagan von Levi wissen.
„Nein! Peter und ich haben es alleine durchgezogen“, dabei spürte Levi Dagans vorwurfsvollen Blick sehr wohl auf sich, „Caroline weiß nichts davon und das Letzte was ich hörte, war, dass sie sich deswegen von Peter trennen will, da sie glaubt Fabienne wäre tot.“
-Stein! Du elender Mistkerl!- Dachte Dagan. -Von wegen Verzweiflung!- Stein wusste genau, was er tat, als er Levi bat Fabienne hier nach Tel Aviv zu bringen. Peter wusste, dass er, Dagan, Fabienne nicht einfach zurückschicken konnte, denn in dem Fall war es, wie Lem gesagt hatte, niemand würde Caroline glauben!
„Wieso hast du da mitgemacht?“ Diese Frage von Lem an Levi riss ihn wieder in die Gegenwart zurück.
„Um ehrlich zu sein, ich vertraue Peter. Peter ist zwar ein schwanzgesteuerter Testosteronbolzen, der mehr mit dem Bauch denkt als mit dem Kopf, aber ist ein verdammt anständiger Kerl. Und jetzt mal ehrlich, glaubst du wirklich, Fibi ist eine Raubmörderin?“
„Was ich glaube, spielt keine Rolle…“
„Schluss jetzt!“ Beendete Dagan die Diskussion. „Fabienne ist nun mal hier und wir müssen uns überlegen, wie wir mit ihr weiter verfahren. Levi, dein Vorschlag?“
„Ich konnte mich die letzten beiden Tage viel mit ihr unterhalten, Fabienne macht zwar einen naiven Eindruck, doch ich glaube, sie ist ein Hauptgewinn. Auch wenn Fabienne es selbst nicht ahnt, in dieser Frau schlummern viele verborgene Talente, man muss sie nur zu Tage fördern.“
„Lem?“
Lem schwieg und starrte zur Decke. Eine Eigenart an Lem, die Dagan und Levi nur allzu gut kannten. Es bedeutete, dass die Gedanken in Lems Kopf rasten und das es besser wäre, ihm die Zeit weiter nachzudenken lassen sollte, denn Lem war ein hervorragender Analytiker. Schließlich sah er Dagan an.
„Wie du gesagt hast, sie ist hier… und Levi hat eine gute Menschenkenntnis, versuchen wir es. Stecken wir sie zu David Kulwisnki und lassen ihn sich einen Eindruck von Fabienne verschaffen. Wenn Levi Recht hat, was die verborgenen Talente angeht, wird er sie erkennen wir können anfangen mit Fabienne zu arbeiten. Wenn nicht, haben wir ein Problem.“
„Gut“, sagte Dagan, „es ist schon spät, ich werde heute Nacht darüber schlafen. Morgen sehen wir weiter.“

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In dieser Nacht schlief nur Fabienne in Dagans Haus. Er selbst saß grübelnd hinter seinem Schreibtisch und dachte über Caroline und Peter nach.
Auch er glaubte nicht, dass Caroline es über sich gebracht hätte Fabienne hinzurichten, zumindest nicht ohne dass Caroline darüber zerbrochen wäre und Carolines Wohlergehen schien Peter mehr wert zu sein als alles andere. Selbst auf die Gefahr hin, dass Caroline sich von ihm abwandte, hatte er sie, um sie zu schützen, nicht in seinen Plan eingeweiht.
Damit hatte er für Dagan bewiesen, dass es Peter mit seinem, „Ich liebe Caroline“, ernst nahm. Nun schien sich Caroline tatsächlich von Peter trennen zu wollen… Sollte er, Dagan, das einfach so…? Durfte er sich in Caroline Leben dermaßen einmischen?
War Peter Stein das wert???
Peter!!! Ob er wollte oder nicht, Peter faszinierte ihn. Einerseits war Peter ein offenes Buch, denn aus seinen Ansichten oder Gefühlen machte Peter keinen Hehl. Er war gerade heraus und meinte das, was er sagte. Andererseits… steckte dieser Kerl voller Überraschungen! Niemand konnte voraussehen, was Peter tat, wenn er unter Druck stand… doch Peter war, wie Levi es ausdrückte, ein anständiger Kerl! Davon konnte sich Dagan während der hektischen Tage in Deutschland selbst überzeugen.
Peter hatte zweimal eine Gewissensentscheidung getroffen und er stand dazu. Ja… Peter hatte beide Male massiv gegen das Gesetz gehandelt, er hatte sein Leben aufs Spiel gesetzt, um das zu tun, was er für richtig hielt. Genau diesen Punkt bewunderte Dagan an ihm. Es waren exakt diese Charaktereigenschaften, nach denen er sich seine Nichten und Neffen aussuchte. Männer und Frauen wie Caroline, Levi und Lem… und Kirschan…
Würde er es sich verzeihen, wenn Caroline unwissentlich einen Fehler machte? Niemals!!!
Was sagte sein Bauchgefühl? Was sagte sein Bauchgefühl über Fabienne? Dagan stellte sich diese Frage zum tausendsten Mal und zum ersten Mal in seinem Leben, beneidete er Menschen wie Peter Stein!

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Stunden später, gerade als die Sonne aufging, erschienen Levi und Lem.
Dagan saß mit Fabienne in seiner Küche und frühstückte. Als er Fabienne gegenüber saß und musterte, fielen ihm als Erstes ihre Augen auf. Levi hatte Recht, hinter diesen Augen steckte mehr als ein naives Mädchen… viel mehr!
„Gibt es denn eine Möglichkeit, wie ich mich erkenntlich zeigen kann?“ Wollte Fabienne wissen. Sie saß noch immer etwas eingeschüchtert da und schaute Dagan verlegen an. „Ich weiß, dass sie und die anderen meinetwegen Schwierigkeiten haben… Was kann ich tun, um mich zu bedanken?“
„Meine Liebe,“ Sagte Dagan und fasste einen Entschluss, „werden sie einfach glücklich…“
Zehn Minuten nach dem Eintreffen der beiden Majore, erhielt Caroline eine Mail…

„Meine über alles geliebte Mischka…“

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Nun saß Dagan da und las die Einschätzung seines alten Freundes David Kulwisnki durch. Dieser war Leiter der hiesigen Hochschule, und außerdem derjenige, welcher auch Dagans Kandidaten als Nichte, bzw. Neffe genau beleuchtete. Davids Meinung und seine Einschätzung, waren die vorletzten Hürden, die jeder Anwerber schaffen musste, doch das was Dagan nun in den Händen hielt, hatte er noch nie gesehen!
Unter Kulwinskis wachen Augen hatte es Fabienne in fünfeinhalb Monaten geschafft, ihr Abitur nachzuholen! Kulwinski hatte außerdem festgestellt, das Fabienne ein einmaliges Talent darin war, Aufgaben in verschiedene Schwierigkeitsstufen einzuteilen und diese so in Rekordzeit zu lösen. Das was Dagan las, sagte nur eines, Fabienne war ein Rohdiamant!
„Wenn du meine bescheidene Meinung hören willst, schnapp dir die Kleine und bring sie in deinem Stab unter. Sie ist brillant und richtig ausgebildet, wird sie eine der Besten sein.“

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Kulwiskis Vorhersage trat ein.

Dagan sorgte für Fabiennes Aufnahme in die Armee und ließ sie ihre Grundausbildung absolvieren. Lem, der die 21 Monate überwachte, war überaus überrascht, wie gut sich Fabienne hielt. Sicher die zierliche rotblonde Frau hatte die eine oder andere Schwierigkeit, doch sie biss die Zähne zusammen und löste alle Aufgaben und Lasten.
„Na du großer Krieger?“ wurde Lem vom Kasernenkommandant, General Javid begrüßt, als er Fabienne in die Kaserne brachte. „Hast du genug vom Schreibtisch und willst endlich wieder ein richtiger Soldat werden?“
„Nein, mir gefällt mein Schreibtisch besser, als das dein Exerzierplatz.“
„Was kann ich für dich tun?“
Lem stand auf, ging zum Fenster und winkte Javid zu sich. Als er neben ihm stand zeigte Lem auf Fabienne, die draußen stand. „Dagan bittet dich, sie den Grundwehrdienst ableisten zu lassen.“
Der General zog die Brauen zusammen, „Dagan bittet mich?“ fragte er zweifelnd, da in Israel die Wehrpflicht für ALLE Männer und Frauen galt, musste also ein Geheimnis hinter dieser Frau stehen. „Wer ist sie?“
„Fabienne.“
„Fabienne und weiter?“
„Nichts, nur Fabienne.“
„Lem, du stellst meine Geduld auf eine harte Probe.“
„Javid, wenn es einfach wäre, würde ich nicht hier stehen. Bitte, lass es bei Fabienne bewenden.“
General Javid schaute Lem eine lange Zeit an, dann sagte er, „Wenn Dagan es für richtig hält, tue ich es, aber du wirst die Verantwortung tragen!“
„Gut.“
Als Fabienne Lem nach der Einkleidung entgegentrat, hätte Lem beinahe aufgelacht.
„Wie sehe ich aus?“ fragte Fabienne.
Lem musterte sie stirnrunzelnd von unten bis oben. Die Uniform war etwas groß und bei auf dem Namensschild stand lediglich „Fabienne“.
„Etwas schlabbrig, aber du wirst hineinwachsen.“
Schließlich kam der Moment, als der Waffenwart ihr ein Sturmgewehr in die Hand drückte.
Für einen Moment wirke Fabienne verängstigt und unsicher, doch dann fasste sie die Waffe mit festem Griff und nickte Lem zu.
Neben dem militärischen Drill stand natürlich auch Theorie auf dem Lehrplan. Lem sorgte bei Javid dafür, dass Fabienne in die Lehrgänge der Offiziere aufgenommen wurde und selbst die Ausbilder mussten zugeben, dass Fabienne eine der besten Schülerinnen war, die sie je unterrichtet hatten.
Neben dem eigentlichen Unterricht wurde Fabienne das Grundwissen der Stabsarbeit eingetrichtert und Fabienne schien die vielen Informationen einfach aufzusaugen.
Javid, der bezweifelte, dass Fabienne all diesen Input einfach abspeichern konnte, wurde eines besseren belehrt, als er sie testete. Wie Kulwilski es festgestellt hatte, konnte Fabienne alle Fakten sortieren und in einer Ecke ihres Gehirns abrufbereit halten.
„Lem, ich muss mich entschuldigen, wer immer deine Fabienne ist, sie ist gut.“
Es war der letzte Tag von Fabiennes Ausbildung und Lem war gekommen, um ein Abschlussgespräch mit General Javid zu führen.
„Du denkst, sie ist bereit?“
„Wann wusstest du, ob du bereit bist?“ Wollte Javid wissen. „Du wusstest es, als du das erste Mal einen scharfen Schuss auf einen Menschen abgegeben hast. Erst wenn sie das tun muss, wird sie wissen, ob sie bereit ist. Wenn du mich allerdings nach meiner Meinung fragst, ja sie wird bereit sein.“
Als Lem mit Javid zu Fabienne ging, um sie zurück zu Dagan zu begleiten, stand die stramm vor Lem und verdammt, Lem musste zugeben, dass dies eine völlig andere Fabienne war.
Während ihn Javid von der Seite her angrinste, betrachtete Lem die Fabienne welche nun vor ihm stand. Diese Fabienne steckte nicht mehr in einer schlabbrigen Uniform, sie füllte sie aus und trug sie mit Stolz. Von Unsicherheit oder Verlorenheit gab es keine Spur mehr…
Lem war klug genug um wissen, wann er einen tollen Fang gemacht hatte und so wurde Leutnant Fabienne Stahl geboren!!!

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SOULEBDA

Mit einem hatte Caroline aber Recht behalten, der Sonnenuntergang auf der oberen Terrasse ihres Strandhauses, was spektakulär! Wir saßen zusammen auf der Terrasse und genossen den Anblick.
„WOW, ich hätte nie geglaubt, dass es so schön ist. Ich habe diese Sonnenuntergänge in Prospekten, oder im Fernsehen immer als „Romantikmache“ abgetan, aber das hier ist wirklich spektakulär.“
Caroline drückte sich gegen mich und ich legte meinen Arm um sie, während sie auf das Meer starrte. „Weißt du“, flüsterte sie, „das ist das erste Mal, dass ich den Sonnenuntergang so schön erlebe. Ich habe hunderte Mal hier mit Penelope gesessen und den Sonnenuntergang bewundert, aber so schön wie heute Abend, war er noch nie.“
Ich drückte sie noch fester und für einen Moment hatte ich alles um uns herum vergessen. Dieser Moment war unbezahlbar…
„Peter?“
„Was? Sorry, ich war gerade nicht da.“
„Ich habe gefragt, was du von der Sache hältst.“
„Die Inseln sind traumhaft. Wieso ist Soulebda eigentlich Tourismusmäßig so unbekannt? Ich meine hier gibt es doch alles, was es in Hawaii oder den Fidschis auch gibt.“
„Oh, hier gibt es Tourismus, allerdings keinen Massentourismus. Sheramoh sind einige wenige reiche Touristen lieber, als viele Touristen, die hier kein Geld ausgeben können, weil sie ihr ganzes Geld für den Flug drauf gegangen ist. Dadurch dass die Touristen die Insel nicht überschwemmen, ist sie bei denen die kommen umso beliebter. Außerdem, sind fast die Hälfte der Inseln für Touristen nicht zugängig, weil sie entweder heilig oder verflucht sind.“
„Verflucht?“
„Ja, auf ihnen wohnen böse Geister und die Einheimischen fahren diese Inseln nicht an. Fast der ganze Nordosten der Insel ist unzugängliches Gebiet, da die Einheimischen ihn meiden, aber noch wichtiger ist, dass durch den wenigen Tourismus die Stämme Soulebdas erhalten geblieben sind.“
„Die Stämme? Ah, du meinst die „Ureinwohner“ von Soulebda.“
„Ja, genau die. Soulebda hatte all die Jahrhunderte Glück. Die Insel wurde nie annektiert oder besetzt. Selbst im Zweiten Weltkrieg wurde die Insel von allen kriegsführenden Parteien links liegen gelassen. Die Insel lag zu weit von allem weg. Es gab hier keine Eroberer oder Missionare und so wurde Soulebda auch nie christianisiert. Auf Grund dessen wurde viel Wissen der Stämme erhalten.“
„Du meist die Kunst einen Lendenschurz herzustellen?“ grinste ich.
„Peter!“ Caroline schüttelte den Kopf. „Das Wissen der Stämme würde dich in Staunen versetzen. Ich habe nur wenig mit den Stämmen zu tun gehabt, aber das wenige, dass ich mitbekam… Ich habe einmal einen Krieger gesehen, der sich einfach unsichtbar machen konnte.“
„Unsichtbar?!“
„Nicht unsichtbar, wie du jetzt glaubst. Er konnte sich wie ein Chamäleon perfekt an die Umgebung anpassen, ich stand vielleicht drei Meter von ihm entfernt und sah ihn nicht mehr!“
„Cool. Erzähl das Decker und er nimmt das in seine Ausbildung auf. Was können die sonst noch?“
„Ich habe gehört, dass es Stammesangehörige gibt, die sich nur mit ihren Gedanken untereinander verständigen können.“
„Ok, jetzt wird es skurril.“
„Du bist ein typischer Vertreter der westlichen Welt. –Glaube nur das was du siehst-.“
„Ja, so bin ich nun mal, aber bitte, ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.“
Carolines Augen wurden etwas schmaler und sie grinste mich an. „Würde es dich beispielsweise überzeugen, wenn jemand sozusagen, aus dem Nichts erscheint und plötzlich hinter dir steht?“
„Ja, das wäre zwar kein Beweis für die Sache mit der Gedankenübertragung, aber es wäre ein Anfang…“ Ich zuckte vor Schreck zusammen, als mir Ma’Difgtma über die Schulter ein Glas Whisky hinstellte. Wo zum Teufel, kam die Haushälterin her?
Ich sah zu ihr auf und ihre Augen blitzen mich an, als ich mich bedankte, während Caroline sichtlich ihren Spaß hatte. Also beschoss ich das Thema wieder auf Sheramoh zu lenken.
„Frank hat mir erzählt, dass der Präsident auch auf den heiligen Inseln die seltenen Erden abbauen will.“
„Sheramoh…,“ sagte Caroline versonnen. „Vor ein paar Jahren, wäre ich diesem Mann ohne zu zögern gefolgt, aber als wir ihn gestern vor ihm standen…Das war nicht mehr dieser Sheramoh, den ich kannte.“
„Seine Tochter soll mit dem Umweltaktivisten gemeinsame Sache machen, vielleicht hat ihn das aus der Bahn geworfen?“
„Kann ich mir nicht vorstellen. Penelope hat schon immer das gemacht, was sie wollte.“
„Zum Beispiel, mit dir ins Bett zu hüpfen?“
Caroline grinste. „Ja, zum Beispiel. Dennoch, hier ist irgendwas im Busch. Schon allein die Aufforderung auf dem Richtplatz zu erscheinen und Hinrichtungen durchzuführen, ich frage mich, ob wir tatsächlich hier sind um das Jubiläum zu feiern.“
„Wie meinst du das?“
„Wenn wir wirklich aus einem anderen Grund hier sind, dann sind wir auch nicht als Gäste hier.“
„Du meinst, wir sind hier, um Sheramohs Drecksarbeit zu machen?“
„Ja, genau das befürchte ich.“
Das musste ich erst einmal verdauen, denn soweit hatte ich noch gar nicht gedacht.
„Mach dir keine Sorgen“, meinte ich, „sowie Sheramoh gestern aussah, hat er das sicher schon längst wieder vergessen.“
„Das hoffe ich. Ich hab wirklich keine Lust in seine Angelegenheiten verstrickt zu werden..“
Ma‘ Difgtma erschien erneut auf der Terrasse, diesmal ohne mich zu überraschen, und brachte uns das Abendessen.
„Gab es denn in letzter Zeit Unruhen?“ Fragte Caroline die Haushälterin.
„Nein Madame Caroline, warum fragen sie?“
„So wie es aussah, hat der Präsident eine größere Hinrichtung geplant und ich frage mich einfach, was da geschehen sein könnte.“
Ma‘ Difgtma sah zu Boden.
„Unser geliebter Präsident hat sicher einen Grund, diese Menschen hinrichten zu lassen.“ Sagte sie mit einer Stimme, die ganz und gar nicht zu dieser älteren Frau passte. Die Stimme war hart, klar und klang kämpferisch.
„Der Präsident hat immer Recht.“ Dabei liefen ihr die Tränen über die Wangen, dann ging sie und ich konnte deutlich hören, wie sie im Inneren des Hauses aus Wut eine Tür zuwarf.
Caroline und ich sahen uns betroffen an, dann schaute Caroline zum Meer.
„Ich werde mich mit Penelope treffen! Sie wird mir sagen, was hier los ist.“
„Meinst du nicht, dass das gefährlich ist? Wenn du Recht hast, werden wir sicher überwacht.“
„Dann müssen wir eben vorsichtig sein…“
Plötzlich gab es einen lauten Tumult im Haus. Wir sprangen auf und liefen hinein. Im Hauptraum des Hauses, stand der hünenhafte Jerome, mit einem kleineren Mann, der aufgeregt in Landessprache redete, während der viel größere Jerome ihn scheinbar mühelos am Kragen festhielt.
Caroline die hinter mir hergekommen war, bat Jerome, den Mann loszulassen und das tat sie ebenfalls in Landessprache.
„Warte mal, du sprichst…, was sprichst du eigentlich? Polynesisch?“
„Nicht ganz, aber die Landessprache ist eine Art Dialekt davon. Und ja, ich spreche die Landessprache.“
Nachdem Jerome den Mann losgelassen hatte, fing der Kleine an, auf Caroline hektisch und aufgeregt einzureden. Und er redete und redete.
Ich verstand kein einziges Wort und zog Jerome zur Seite. Von ihm wollte ich wissen, was der Mann sagte.
„Er begrüßt die berühmte Tochter Mualebdas.“
„Was, dafür braucht er so lange?“
„Er begrüßt sie eben sehr wortreich.“ Antwortete er und konnte sich dabei ein Grinsen nicht verkneifen.
„Und was will er? Ich meine außer sie zu begrüßen?“
„Er lädt die Trägerin des Kahlscha’daar ein, seine Herrin zu besuchen.“
„Und wer ist seine Herrin?“
Jerome hatte mir gar nicht zugehört. Er sah mich nur staunend, mit offenen Mund an und Fragte mich dann sichtlich fassungslos, „Sie ist wirklich Trägerin des Kahlscha’daar?“
„Ich weiß nur, dass sie da so einen Orden bekommen hat, als sie geholfen hatte die Palastrevolte niederzuschlagen. Was ist daran so ungewöhnlich?“
„Diesen Orden gibt es nur für ganz besondere Dienste, den haben im dem letzten hundert Jahren nur eine Handvoll Leute bekommen und ich bin sicher, dass Frau Miles die erste und einzige Frau ist, die den Kahlscha’daar bekommen hat. Das macht sie praktisch zu einer Heiligen.“
„WOW“, brummte ich, „ich bin mit einer Heiligen zusammen.“
Jerome sah mich von der Seite her an und zog die Brauen zusammen. „Ich glaube nicht, das deine Vorstellung von heilig, mit der unseres Präsidenten übereinstimmt.“
„Nein.“ Lachte ich trocken auf. „Ganz sicher nicht. Was ist jetzt mit dem Kerl hier? Wer ist seine Herrin?“
„Penelope ai Youhaahb!“ Sagte Caroline.
„Madame, bitte entschuldigen sie, aber ich halte das für eine Falle.“ Jerome stieß den Mann zur Seite und trat an Caroline heran. Ich gab dem Boten zu verstehen sich nicht zu rühren und trat ebenfalls hinzu.
„Der Präsident testet oftmals die Menschen, ob sie vielleicht dazu neigen sich gegen ihn zu verschwören. Dieser Mann ist ganz alleine gekommen und auch noch ohne Fahrzeug. Penelope ai Youhaahb ist die Tochter des Präsidenten und kennt sein Vorgehen, er würde sicher nicht so einen… einen offensichtlichen Boten schicken.“
In Carolines Kopf rasten die Gedanken. Jerome hatte Recht, der Präsident könnte ihr eine Falle stellen… er würde ganz sicher so handeln, doch was, wenn Penelope tatsächlich mit ihr reden wollte?
Sie sah den Mann an und sagte etwas zu ihm. Ich schaute Jerome an, welcher resigniert den Kopf schüttelte.
„Wir gehen mit ihm!“ Verkündete Caroline.
„NEIN!“ Kam es gleichzeitig von Jerome und mir.
„Ich muss wissen, was hier los ist. Ich muss mit Penelope reden.“
„Woher weißt du, dass er tatsächlich von Penelope geschickt wurde?“ Wollte ich wissen. „Los frag ihn?“ Forderte ich Jerome auf.
Jerome wiederholte die Frage auf Soulebdahea und machte einen drohenden Schritt auf den Kleinen zu, der zurückwich und in seine Hosentasche griff. Er holte etwas hervor, was er Caroline überreichte.
Es war ein wunderschöner Goldring, der zwei ineinander verschlungene Schlangen darstellte und alle vier Schlangenaugen aus Rubinen bestanden.
Als Caroline den Ring in den Händen hielt, schlug ihre Stimmung für mich deutlich sichtbar um, das war ganz klar an ihrem Blick zu erkennen.
Diesen entschlossenen Blick hatte sie, als wir gegen die Söldner kämpften, auf dem Parkplatz wo man sie ermorden wollte, und diesen Blick hatte sie, als wir die Hütte stürmten, in der Fransiska und Vera gefangen gehalten wurden.
Plötzlich war sie Caroline die Kriegerin.
„Wir gehen sofort!“
„Dürfte ich erfahren, was das für ein Ring ist?“, wollte ich von ihr wissen.
„Diesen Ring habe ich Penelope als Zeichen meiner Liebe geschenkt. Sie hat einmal gesagt, sollte sie jemals Angst um ihr Leben haben, würde sie ihn mir zurückgeben, damit niemand anderes ihn bekommt.“
Sie sah Jerome an, „Jerome fahren die Autos noch?“ Fragte sie ihn.
„Ja, ich habe sie jede Woche gepflegt. Die Wagen sind bereit und aufgetankt.“
„Dann los!“
„Warte doch mal“, fragte ich sie, „sollten wir nicht irgendwelche Vorbereitungen treffen? Ich meine, wenn ihr alle Recht habt, werden wir beobachtet und können nicht ungesehen hier weg.“
„Um die Bewacher kümmere ich mich.“ Erklang eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um und sah Ma’Difgtma hinter uns stehen. Sie war plötzlich hinter uns aufgetaucht.
„Gut!“ sagte Caroline nur.
GUT??? Nein das war Überhaupt nicht gut!!! Wir sollen die Wachen der Haushälterin überlassen? Gerade als ich mich zu Caroline drehte, um sie zu fragen, ob das ihr Ernst wäre, legte mir Jerome seine riesige Hand auf die Schulter. Ohne ein Wort gab er mir zu verstehen, dass seine Mutter durchaus in der Lage wäre sich um die Wachen zu kümmern.
Da Caroline auch keine Einwände erhob, beließ ich es dabei. – wahrscheinlich quatscht sie die Wachen tot… – dachte ich.
„Gut, dann brechen wir sofort auf!“
Ma‘ Difgtma mischte sich nun das in das Gespräch ein „Bitte, Madame Caroline, nehmen sie wenigstens Jerome mit, er kennt die Gegend und wird sie beschützen.“
Caroline wollte das Angebot ablehnen, doch in diesem Punkt konnte ich mich dann durchsetzen. „Also gut.“ Willigte Caroline ein. „Ich gehe mich umziehen. Du wartest hier.“ Wies sie den Boten an.
Ma’Difgtma gab dem Boten zu verstehen ihr zu folgen. „Los, komm mit mir. Du wartest in der Küche, bis Madame Caroline sich umgezogen hat!“

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Ich stand vor dem Kleiderschrank und hatte mein Kleid gerade ausgezogen, sprang schnell in meine Camel Jeans und zog das passende T-Shirt darüber. Ein Blick in den Spiegel zeigte mir wieder die Kämpferin, die ich war, aber da kam auch die Erinnerung an einen Fehler, der vor Jahren fast meinem besten Freund das Leben gekostet hatte.

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Damals hatten wir auf einer Insel einen Auftrag und sollten eine Familie befreien, die den dortigen Machthabern als Druckmittel diente. Mein damaliger Freund und Partner, Krischan war der Kommandoführer und ich war seine Stellvertreterin, Scharfschütze und Funker. Unser dritter Mann, Herale Lipingston, war der Sprengstoff Experte, Sanitäter und als begnadeter Nahkämpfer nahezu unbesiegbar.
Dann kam der verhängnisvolle Tag, an dem Krischna und Herale ein Haus erkundeten. Ich war als Rückendeckung und Sniper einige Häuser weiter in einem Dachgiebel versteckt und gab Deckung.
Unser Befehl lautete: Verdeckt die Lage aufklären, einen Rettungsweg auskundschaften und sichern, keine Kampfhandlungen ausführen. Das war damals der Befehl, heute würde das anders aussehen, aber damals war es genau so.
Als Krischna und Herale überrascht wurden, erhielt sein Funkgerät einen Treffer und ich war taub, ohne Information und wartete. Plötzlich ging die Schießerei los und ich konnte nichts einordnen, ob meine Freunde dabei waren oder nicht. Ich wusste nur, dass unsere Schutzpersonen zwei Häuser weiter nördlich waren und auf uns warteten.
Doch leider waren wir verraten worden. Unser ganzer Plan war verraten worden und nur die Tatsache, dass ich meine Positionsänderung selbstständig durchführte, und das Haus wechselte, rettete mein Leben. Der Dachstuhl jedenfalls, indem ich liegen sollte, ging durch zwei Handgranaten in Flammen auf.
Dann zogen sie Krischan und Herale gefesselt aus dem Haus und die Terroristen würden sie aufhängen, das war klar.
Und ich, ich hielt mich damals an meinen Befehl, und die hießen keine Kampfhandlungen. Ich wartete auf meine Chance. Aber die Chance kam nicht. Verstärkung hatte ich bereits zweimal angefordert, aber auch sie kam nicht.
Stattdessen hatten die fünf Terroristen meine Freunde gefangen und zogen die beiden Kinder unserer Schutzpersonen aus dem Haus. Stellten sie genau vor Krischan und Herale. Offenbar wussten die Terroristen von mir, nur waren sie sich nicht ganz sicher, ob ich in dem brennenden Dachstuhl umgekommen war.
Jetzt hatte ich vor mir die beiden Kinder, dahinter meine Freunde und insgesamt fünf verrückte Terroristen, die alle und jeden ermorden würden.
Über Funk forderte ich erneut Verstärkung an, aber es gab keine und es hieß nur: „Halten sie sich an ihre Befehle!“

Schließlich zog einer der Terroristen den Vater der Familie aus dem Haus, ließen ihn vor den Kindern hinknien und erschossen ihn vor den Augen der Kinder. Die Kinder schrien und rissen sich los. Auch wenn es noch so grausam war, das war meine Chance. Meine einzige Chance.
Noch nie in meinem Leben hatte ich so schnell dreimal hintereinander geschossen und akkurat getroffen. Von den Terroristen fielen fünf getroffen zu Boden, zwei Terroristen Paare hatte ich glatt durchschossen, weil sie hinter einander standen und den einzelnen, der den Vater aus dem Haus gezogen hatte, als letzten erledigt.

Aber es gab Opfer. Der Vater der Familie war erschossen und Herale war schon vorher in der Lunge verwundet, er starb auf dem Heimflug an einer Embolie.
Auch wenn mir Krischan immer wieder sagte, dass ich richtig gehandelt hatte, so musste ich an den erschossenen Vater denken. Sein Bild ging mir lange nicht aus dem Kopf.

Alles nur, weil ich zu lange gewartet hatte. Das würde hier nicht geschehen!
Ich zog den Gürtel straff und lief hinunter zu Ma Difgtma.

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„Haben wir irgendwelche Waffen im Haus?“, Fragte ich Jerome, als wir alleine im Raum waren.
„Als Madame Caroline wegging, haben die Palastwachen alle Waffen mitgenommen.“ Antwortete er schulterzuckend.
„Wäre auch zu schön gewesen.“ Fluchte ich, bis ich Jerome grinsen sah. „Was ist?“
„Zumindest dachten die Palastwachen, dass sie alle Waffen mitgenommen haben.“ Erwiderter Jerome. „Komm mit, ich hab da eine Überraschung.“
Er ging mit mir in den Keller des Hauses, räumte dort eine Ecke in der Garage leer, auf der allerlei Autoersatzteile jagen und hob eine Platte auf dem Boden auf.
„Der Trick liegt darin, schmutzige und ölige Teile zu benutzen. Keiner dieser Paradesoldaten will sich seine Hände, oder gar die Uniform schmutzig machen.“
Er trat zur Seite und ließ mich einen Blick in die Grube werfen, welche er freigelegt hatte. Darin lagen zwei Uzis ein G3 zwei Sig und eine der von Caroline so geliebten Beretta, nebst jeder Menge Munition.
„Ich dachte, man kann nie wissen, ob man sie nicht Mal braucht.“ Meinte Jerome, als er mein ungläubiges Gesicht sah.
„Sag mal, hast du die Waffen wirklich nur für Caroline aufbewahrt, oder steckt da mehr dahinter?“
Jerome gab keine Antwort und DAS war Antwort genug!
„Am besten nehmen wir nur die Pistolen, alles andere fällt zu sehr auf.“ Schlug Jerome vor.
„Gut.“ Ich beschloss, die großen Waffen erst mal liegen zu lassen, und holte nur die Handfeuerwaffen aus der Grube. Eine SIG gab ich Jerome, der nachsah, ob die Waffe gesichert war, eine steckte ich ein und holte die Beretta für Caroline.
„Was denkst du, reichen zwei Ersatzmagazine?“ Fragte ich Jerome.
„Kommt darauf an, mit wem du dich anlegen willst. Am liebsten wäre mir, wir bräuchten überhaupt keine.“
„Ha Ha.“ Ich holte je zwei Magazine und anschließend räumten wir alles wieder in das Versteck.
Als wir wieder oben ankamen, hatte Caroline ihr Sommerkleid gegen praktische Hosen und ein T-Shirt getauscht und wartete schon ungeduldig.
„Da seid ihr ja endlich? Was habt ihr denn im Keller getrieben?“
Ich wollte sie gerade mit der Beretta überraschen, als wir hörten, wie mehrere Fahrzeuge sich dem Haus näherten. Wir liefen zu den Fenstern und sahen eine Wagenkolonne vorfahren, welche die Hoheitszeichen des Präsidenten führte. Jerome rannte in die Küche, und stopfte den verwunderten Boten in den Besenschrank. Eindringlich warnte er ihn, sich sehen zu lassen.
„Kein Mucks! Hast du verstanden?“
Der Bote begriff, dass es um sein Leben ging und nickte.
Mein Magen krampfte sich schon zusammen, als bewaffnete Männer ausstiegen, sollte es tatsächlich ein „Test“ sein? Hatte Sheramoh und eine Falle gestellt? Doch die Bewaffneten stürmten nicht das Haus, sie stellten sich nur als Ehrenwache auf und einer öffnete die Wagentür.
Nassadir Chalis, der Oberste Militär stieg aus und wurde von Ma’Difgtma ins Haus gelassen. Im Salon begrüßte er Caroline fast so überschwänglich wie der Bote, während ich nur zugenickt bekam und Jerome ganz ignoriert wurde.
„Sag nichts, er begrüßt sie.“ Flüsterte ich Jerome zu, der leicht nervös neben mir stand.
„Ja, aber weniger ehrfürchtig.“
Caroline tat dennoch so, als ob sie sehr geschmeichelt wäre, und bedankte sich artig. Anschließend wechselte Nassadir wieder ins Deutsche.
„Frau Miles, der Präsident hat mir aufgetragen ihnen eine Liste der subversiven Objekte zu überreichen, welche sie in drei Tagen auf dem Richtplatz hinzurichten haben. Er hat ebenfalls seine Wünsche bezüglich der Todesart dazugeschrieben. Ich nehme an, sie wissen, dass man die Wünsche des Präsidenten besser erfüllen sollte.“
Er reichte die Liste an Jerome weiter, der unterwürfig da stand und die Liste schweigend entgegennahm.
Ich war da weniger unterwürfig! Verdammt dieser Nassadir war erst eine halbe Minute hier und schon brachte er meine dunkle Seite zum Vorschein. Der Typ reizte mich einfach und so holte mir einfach die Liste. Unbeeindruckt von Nassadir bösem Blick, den er mir zuwarf, schaute ich mir die Liste an. Da standen nicht weniger als 20 Namen untereinander und keine der Todesarten, die der Präsident sich ausgedacht hatte, war eine schnelle!
Sheramoh schien ein Nero 2.0 zu sein und eine Vorliebe zum Feuer zu haben, denn über die Hälfte der Menschen sollte verbrannt werden! Daneben sollten einige Verurteilte ausgeweidet werden und lediglich drei sollten am Galgen sterben.
Ich schüttelte ungläubig den Kopf, als ich das sah.
„Hat es einen zweiten Aufstand gegeben?“ fragte ich den General verwundert.
„Nein Warum?“ fragte er scharf zurück.
„Nun hier stehen 20 Namen, ich meine, da muss doch was geschehen sein, wenn man 20 Menschen hinrichten lässt. Besonders wenn man die Todesarten berücksichtigt, die sich ihr Präsident ausgesucht hat.“ Dabei hatte ich das Wort Präsident ziemlich deutlich betont. Ich konnte halt nicht anders…
Die Augen des Generals wurden schmal, als er mich anstarrte.
„Nein, das hier ist nur die übliche Anzahl von Verbrechern, die jede Woche hingerichtet wird. Frau Miles, ich rate ihnen eindringlich, die Befehle des Präsidenten nicht in Frage zu stelle.“ Dann blickte Nassadir mich böse an. „Ich weiß, dass sie es gewöhnt sind bei ihnen zu Hause das zu tun was sie wollen und die Anordnungen ihrer Vorgesetzten einfach ignorieren, doch hier rate ich ihnen dringend davon ab! Hier gelten unsere Spielregeln, merken sie sich das!“
Caroline hatte bisher kein Wort gesagt, sah mit funkelnden Augen den General an, und ich hielt es für besser, mich unauffällig zwischen die beiden zu stellen. Ich kannte dieses Funkeln nur zu gut, und beim letzten Mal lagen zwei Kämpfer mit gebrochenem Genick neben Caroline.
„Hören sie General, eigentlich sind wir nichts anderes als Touristen. Wir haben uns auf eine ruhige Zeit ohne Arbeit gefreut, Caroline wollte mir die vielen schönen Orte ihrer Heimat zeigen. Ich nehme an, in ihrem Urlaub wollen sie auch nichts von Panzern wissen, oder? Ich meine, sie machen doch Urlaub?“
Nassadir Chalis wurde weiß vor Zorn, ging aber gar nicht auf mein Gespräch ein, sondern schaute noch einmal eindringlich an.
„Wir sehen uns auf dem Richtplatz!“, sagte er lediglich zu Caroline. „Ich rate ihnen, seien sie pünktlich.“ Dabei sah er Jerome und deren Mutter vielsagend an. Er drehte sich um und verließ das Haus. Draußen stieg wieder in seinen Wagen und brauste ab, sobald er Platz genommen hatte.
Meine Geliebte bebte förmlich vor Zorn, ihre Lippen zitterten und die Augen waren zu schmalen Schlitzen geworden.
„Ich bin sicher, dass wir uns sehen, aber ich glaube, dass du dir das Wiedersehen anders vorstellst!“
„Caroline?“
„Peter! Ich liebe diese Insel, ich liebe die Leute hier und werde NICHT für diesen Hampelmann die Henkerin spielen! Ich muss zu Penelope!“
Sie wartete, bis die Wagenkolonne, außer Sicht war, dann ging sie zielstrebig nach draußen und steuerte auf den Rover zu. „Los wir fahren!“
Jerome seufzte und zog den Boten auf dem Schrank. „Komm!“ Sagte er nur und zerrte ihn zum Rover, wo er ihn in den Fond setzte. Dann setzte sich Jerome hinter das Lenkrad und Caroline auf den Beifahrersitz und ich setzte mich zum Boten auf die Rückbank.
Als wir los fuhren, übergab ich Caroline die Beretta. Mit schmalen Augen sah ich ihr zu, wie sie das Magazin auswarf, nachsah, ob es geladen war, die Waffe spielerisch prüfte, das Magazin wieder hineinschob und die Waffe durchlud.
Als sie die den Schlitten der Beretta zurückzog, fielen mir Franks Worte ein… „. Ich gehe davon aus, du schaffst es, die paar Tage in der Südsee Urlaub zu machen, ohne eine Rebellion oder einen Krieg anzufangen.“

Es schien wirklich so, als ob ich schon nach zwei Tagen versagt hätte …

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NORDSEE

„Jetzt wird es etwas knifflig.“ brummte Bernd Schubert. Die Ausläufer des Sturms welcher sich gerade über Norddeutschland austobten, schüttelten den Hubschrauber und die Ladung darunter gefährlich durch.
Er schwebte mit seinem CH-53E Super Stallion über der Bohrinsel und setzte die unter dem Hubschrauber befestigte Last ganz vorsichtig ab. Bernd Schubert war ein begnadeter Pilot und konnte alles Fliegen, was Flügel oder Rotoren besaß. Sein jetziger Job bestand im Transport größerer Ersatzteile zu Bohrinseln. Nicht gerade sein Traumjob, aber einer der wenigsten gut bezahlt wurde.
„OK, langsam ab…“ kam das Kommando über Funk. „…weiter… .noch etwas… GUT!“ Schubert ging noch etwas tiefer und sah unter sich mehrere Arbeiter zu den Gurten springen, um die Last vom Hubschrauber zu lösen. „Alles klar, die Ladung ist frei! Du kannst zur Landeplattform.“
Bernd ließ den Hubschrauber zur Seite gleiten und steuerte die Landeplattform an, wo er den Helikopter sicher und souverän aufsetzte.
Anschließend meldete Schubert bei dem Leiter der Bohrinsel.
„Hallo du Luftkutscher.“ wurde Schubert von dem begrüßt. „Na, wie war der Flug?“
„Aufregend wie immer, wenn du so sperrige Teile unter dir hängen hast. Der Sturm hat einen Haken geschlagen und die Sturmwarnung selbst kam erst, als ich schon in der Luft war.“
„Ja, der Sturm hat viele überrascht, aber ich bin froh, dass wir diesmal verschont geblieben sind. Wie sieht es aus, fliegst du noch heute zurück?“
„Nein, erstens muss ich erst meine Ruhepause einlegen und zweitens will ich warten bis der Sturm abgezogen ist, ich hab keine Lust durch das schlechte Wetter zu fliegen. Morgen ist auch noch ein Tag.“
„Gut, wird unseren Chef zwar nicht gefallen, aber mit Recht deine Entscheidung, ich sage der Flugleitung Bescheid.“
„Danke, ich besorge mir mal was zum Essen.“
„Alles klar, bis morgen.“
Schubert machte sich auf zur Kantine und traf dort viele bekannte Gesichter. Er belieferte die Bohrinsel schon seit zwei Jahren und brachte viele Annehmlichkeiten zu denen, die hier hart arbeiteten Männer und Frauen, entsprechend freundlich war die Besatzung zu ihm, schließlich stellte sein Eintreffen immer ein Highlight da.
Als Schubert mit einem extra für ihn zubereitetem Essen am Tisch saß, setzte sich einer der Arbeiter zu ihm. Es war Alfons Silberstein, einer der wenigen Ausnahmen, die Bernd irgendwie unsympathisch waren. Zwar war Alfons ihm gegenüber nie unfreundlich oder abweisend, doch Silberstein hatte irgendwie etwas, das Bernd nicht mochte. Silberstein gehörte erst seit kurzem der Mannschaft an und hatte auch keine engeren Freunde gefunden. Etwas, das in einer so verschworenen Gemeinschaft wie der Besatzung einer Bohrinsel einiges aussagte.
„Ich hab gehört, du fliegst erst morgen zurück.“
„Ja, das Wetter spielt nicht mit.“
„Ich habe eine Woche Urlaub, kannst du mich morgen mitnehmen? Wenn nicht, muss ich warten bis der Versorger übermorgen kommt und ich hab eine neue Freundin… Eine mit richtig tollen Augen.“ Bei dem Wort Augen zeigte er mit seinen Händen ein paar mächtige Titten an.
Bernd rang etwas mit sich und obwohl eine innere Stimme ihm abriet, nickte er Silberstein zu. „Von mir aus! Abflug pünktlich um 5 Uhr 30.“
„Danke, mein Bester.“ Grinste Silberstein und stand auf.
„Mein Bester… pass auf, sonst werfe ich dich unterwegs in die Nordsee.“ Murmelte Schubert, aß auf und legte sich in eines der leerstehenden Betten.
Um fünf Uhr morgens stand Schubert schon wieder an seiner Maschine und überwachte das Beladen des Hubschraubers mit Sachen, die von der Bohrinsel zum Festland gebrachte werden sollten.
Zehn Minuten vor dem Abflug kam Silberstein mit einer Sporttasche in der Hand auf die Plattform.
„Morgen.“ begrüßte er Bernd. „Wohin damit?“ wollte er wissen und zeigte auf die Tasche.
„Ist das alles?“
„Ja, ich hab nie mehr Gepäck.“
„Pack es unter den Copiloten Sitz.“
„Ok.“ Silberstein brachte die Tasche in den Helikopter und Bernd achtete wieder auf das Beladen. Hätte er auf Silberstein geachtet, hätte er gesehen, wie der sein Handy aus seiner Hose fischte und ganz blass wurde, als er die eingehende Nachricht las.
„Bernd!“, hörte Schubert und drehte sich zu Silberstein um.
„Was ist?“
„Mir wird plötzlich echt übel. Muss am Essen liegen… Hör mal, ich will dir den Heli nicht vollkotzen… Ich warte lieber auf den Versorger morgen.“
„Wie du willst.“ zuckte Bernd mit der Schulter und verschloss die Ladeluke des Hubschraubers.
Zehn Minuten danach war Schubert in der Luft und steuerte das Festland an, welches er nach einem Flug von nur einer dreiviertel Stunde erreichte. Eine weitere halbe Stunde später steuerte er den Landplatz seiner Firma an und wunderte sich über das geschäftige Treiben um den Landeplatz.
Kaum standen die Rotorblätter still, kam sein Chef mit einem Mann in zivil zu ihm. Der Mann griff in seine Tasche und hielt Bernd einen Ausweis unter die Nase.
„Geller, Drogenfahndung vom LKA! Treten sie von dem Hubschrauber zurück.“ forderte er Schubert auf.
„He, sie Experte, das ist kein Sportwagen, in den man hineinspringt und Vollgas gibt. Bleiben sie locker.“
Geller ignorierte Schubert und winkte mehrere Polizisten herbei, bei denen auch ein Hundeführer dabei war.
„Was soll das?“ wollte Schubert von seinem Chef wissen.
„Sie sagen, sie hätten einen Tipp bekommen, dass heute eine größere Menge Rauschgift von den Bohrinseln zum Festland gebracht werden soll.“
„So ein Schwachsinn!“
Fünf Minuten später hörten Schubert und sein Chef den Spürhund anschlagen und als Schubert Silbersteins Tasche sah, wurde ihm übel und es drehte sich plötzlich der ganze Landeplatz!!!

**

SOULEBDA

Jerome fuhr den Geländewagen durch den Wald und die Blätter wurden dichter und dichten. Wir sahen ab und zu nach hinten, um zu prüfen, ob uns jemand folgt. Jerome war ein Naturtalent, er fuhr über Wege, von denen hätten wir vorher nachgesehen, ob wir da durchkämen. Aber er jagte den Wagen einfach durch das Dickicht und auch in der beginnenden Dämmerung fuhr er ohne Licht. Uns war klar, dass Jerome diese Wege nicht zum ersten Mal passiert hatte.
Nach gut einer halben Stunde wurde der Dschungel dichter und dichter und wir waren uns inzwischen sicher, dass uns keiner gefolgt war. Schließlich hielt Jerome der Wagen an und stellte den Motor aus.
„Wir sind da, bitte aussteigen und bitte langsam, ganz langsam, ja?“
Kaum dass wir ausgestiegen waren, wurden wir bereits von den Einwohnern des Dorfes umringt. Alle Erwachsenen trugen Waffen, aber diese Waffen waren alt und abgenutzt. Wir sahen Kalaschnikows, M16 und G3, dazu einige fremde Waffen und nicht alle sahen so aus, als ob sie geradeaus schießen konnten.
Jerome wurde von den Einheimischen mit einem gewissen Maß an Ehrfurcht begrüßt und spätestens jetzt war uns klar, dass man ihn hier gut kannte. Rasch wurde der Wagen versteckt und mit Zweigen abgedeckt, dann führten uns die Einwohner durch den Wald in eine lange Schlucht. Einige Abzweigungen später standen wir vor einer sehr gut getarnten Höhle, in die wir eingelassen wurden.
Uns fiel sofort die gute Durchlüftung der Höhle auf. Das Höhlensystem war gewaltig und hatte viele Räume und Gänge. Endlich war die zentrale Versammlungshöhle vor uns, in der bereits viele Menschen standen und in der Mitte auf einem Podest, wie sollte es auch anders sein, Penelope, so wie ich sie kannte.
Als Penelope uns sah, stürzte sie sich auf uns und umarmte uns der Reihe nach. „Endlich sehen wir uns, ich wusste ja, dass ihr angekommen seid, aber ich wusste nicht, wie sehr der Präsident wieder einmal sein Spiel spielt.“ Dann schaute sie uns genauer an „Caro, meine Liebe, meine Beschützerin, wie sehr hast du mir gefehlt!“ Mit diesen Worten küsste sie mich vor allen anderen gut sichtbar direkt auf den Mund und es war ein guter intensiver Kuss. Die Anwesenden sahen das und summten allesamt ein „Ahhmmmhhjjaaaaahhh“ als Anerkennung der Liebe an.
„Wie ich sehe, hast du dir endlich einen richtigen Mann zugelegt, der scheint ja wirklich was zu taugen. Wenn meine Freunde recht haben – und sie haben eigentlich immer Recht – dann ist das eine gute Wahl gewesen. Nichts gegen Krischan, aber der war mir immer zu hektisch und zu oft in der Welt unterwegs.“
Damit sah Penelope Peter an. Sie sah ihm direkt in die Augen und schien etwas zu suchen. Peter war von Penelope, mit ihrem krausen, schwarzen Haaren und dem wunderschönen Gesicht begeistert. Ihr perfekter Körper, verziert mit zwei herrlichen, straffen Brüsten, zeigte auch bei Peter Wirkung.

Mit ihren sanften Händen streifte sie Peter durch die Haare, dann aber packte sie unvermittelt und fest ein Haarbüschel und zischte leise zu Peter: „Wenn du ihr das Herz brichst, dann schneide ich dir dein Herz heraus und esse es!“
Ihre Augen blitzten dabei und Peter war sofort klar, das war ernst gemeint und Penelope würde das auch umzusetzen wissen. Peter kannte das Blitzen in den Augen der Menschen sehr gut und wusste genau, dass das auch so gemeint war.

Schon ließ Penelope Peter los und ging zwei Schritte zurück. Ich zwinkerte Peter kurz zu und reichte ihm meine Hand und er nahm sie. Penelope sah das natürlich und sie lächelte leicht. Als sie auf eine der größeren Höhlen zuging, und ich ihr nachsah, da war mir wieder bewusst, wie schön sie doch war. Die Zeit auf der Universität und das englische Essen hatte keinen Schaden hinterlassen.

Die Leute hatten gerade ein herrlich duftendes Abendessen zubereitet und wir wurden eingeladen, daran teilzuhaben. Penelope kam zu uns und erklärte, dass wir morgen einiges zu bereden hätten, aber erst morgen. Uns würde ein Lager bereitet, das hieß für Peter und Jerome, mich würde Penelope zu sich nehmen, in ihr Gemach. Peter lacht natürlich wieder „das ist ja mal wieder typisch Frau, ihr seid zusammen, habt Spaß und wir darben hier vor uns hin.“ Jerome sagte etwas in der Stammessprache und alle am Lagerfeuer begannen laut zu lachen. Eine Frau stand auf und setzte sich neben Jerome und sie flüsterte ihm etwas ins Ohr. Dann sah er zu Penelope und sah, wie sie lächelte und leicht nickte. Jetzt lächelte auch Jerome und flüsterte der Frau etwas ins Ohr.

Die Frau stand auf und ging zurück zu den anderen Frauen und Mädchen, sie beratschlagten eine Weile, dann standen zwei Mädchen auf und gingen auf Peter zu.

„So, Peter, die beiden werden diese Nacht auf dich aufpassen, ich werde bei der Frau übernachten. Verlauf dich aber nicht in der Höhle, nicht alle Frauen sind hier so willig wie die beiden Mädchen da und unsere Wächterinnen spaßen nicht.“

Als sich die beiden Mädchen zu den Männern setzten, konnte ich sehen, dass Peter die Ablenkung erfahren würde, die er suchte. Ich dafür konnte mit meiner geliebten Penelope noch einiges besprechen und wir würden uns sicherlich danach auch entspannen. Penelope nickte und nahm uns mit, in die Mitte, der großen Versammlung und es folgte ein mehrstündiges Palaver, in dessen Folge wir den anderen Bewohnern vorgestellt wurden.

Bei Peter wurde ein Raunen in der Damenwelt laut als Penelope ihn als meinen Begleiter und Beschützer vorstellte. Es wurde noch gegessen und einiges getrunken, nach und nach wurden die Plätze leerer und auch Peter und Jerome verließen ihre Plätze.

Penelope stand auf und reichte mir ihre Hand. „Komm, meine geliebte Caroline, du weißt gar nicht, wie sehr ich dich in England vermisst habe, das wollen wir diese Nacht nachholen, komm jetzt.“ Schon zog sie mich in ihre Privathöhle und verschloss den Eingang.

**

Am anderen Morgen wurden wir durch einen leisen Gesang geweckt. Ich sah in Peters überraschte Augen. Einige junge Mädchen standen auf einem Stein und sangen leise ein wunderschönes Lied. Nach und nach traten weitere Mädchen hinzu und sangen mit. Allmählich wurde der Gesang lauter. Allmählich gingen die Eingänge auf und immer mehr Bewohner kamen aus den Schlafhöhlen. Schon bald brannte irgendwo das Feuer und man roch frisch gemahlenen, starken Bohnenkaffee. Das Frühstück war einfach, aber gesund, jede Menge Obst und Früchte, Rüben und mehr. Dazu Wasser und Säfte, es war an allem genug da. Nach dem Frühstück stand Penelope auf und klatschte in die Hände. „Wir müssen arbeiten und über vieles nachdenken.“
Sie bat uns, in der Höhle Platz zu nehmen. Nach einem Glas, herrlichem kühlen Obstsaft, änderte sich Penelopes Stimmung schlagartig.

„Ich habe euch her gebeten, weil mein werter Herr Vater gerade dabei ist, meinen Verlobten hinrichten zu lassen, und zwar von dir, meine Liebste!“ Peter schaute sie kurz an, dann sah er zu mir. „Die 20 Namen auf der Todesliste …?“, und Penelope hatte sich die Liste geangelt. „Ganz da oben auf Platz zwei, steht sein Name, direkt unter dem hohen Priester und den ganzen anderen Würdenträgern, du bist dir klar darüber, dass der Präsident damit seine Macht demonstrieren will, er lässt eine ausländische Henkerin kommen und diese bringt die ganze Führung der Opposition auf einen Schlag um.“
Ich schaute sie an und drückte meine Stirn an ihre, ein uralter Brauch auf der Insel, dann flüsterte ich ihr zu „Mit Mualebdas Hilfe wird das nicht geschehen.“ Dann wurden die 20 Namen der Reihe nach vorgelesen. Hier sollte tatsächlich ein Exempel statuiert werden, die Personen hinter den Namen waren allesamt Erste Liga, vom hohen Priester über zwei seiner Priesterkollegen, hin zu zwei ehemaligen Richtern, mehrere hohe Verwaltungsbeamten und dann die gefangenen Männer des Widerstandes, ehrbare Kriegerführer und bewährte Kämpfer allen voraus Soleab n’Amsala der Geliebte und Begleiter von Penelope.
Mit einer farbenreichen Wortwahl der Inselsprache stellte Penelope klar, dass, wenn der hohe Priester und seine Priesterkollegen hingerichtet würden, es einen Glaubenskrieg auf der Insel geben würde, der nicht zu kontrollieren sei.
Nach und nach wurde uns klar, was hier gespielt wurde. Abschaffung der religiösen Kaste, Aufbrechen des Glaubens der Bevölkerung und gleichzeitig Ausschalten der unbestechlichen Richter und Beamten. Danach nur noch das Abschlachten der Krieger und das wäre es mit dem Aufstand gewesen.
Nach geraumer Zeit nahm uns Penelope erneut mit in ihre Privat-Höhle in der sie mit wenigen Zuverlässigen wohnte „Hier können wir auch delikatere Dinge besprechen, die nicht jeder hören soll“, und damit wies sie uns genauer in das ganze Geschehen ein, was sich alles seit meinem Weggang und ihrem Gang zur Universität geändert hatte.

Heylah ai Youhaahb, die Präsidentengattin, war im letzten Jahr plötzlich an Krebs erkrankt und ihr Lebensfaden war am Reißen, die Fördermannschaften der großen ausländischen Betreiber hatten die größten Fördermengen an seltenen Erden unterhalb der beiden Heiligen Berge ausgelotet, diese Berge waren aber immer schon tabu gewesen. Mit dem Fehlen des hohen Priesters konnte man da jetzt Arbeiten erwarten, die die Priester niemals zugelassen hätten. Als sich Penelope dann in den tapferen und klugen Kämpfer Soleab n’Amsala verliebte, war ihr weiteres Schicksal klar, sie würde gegen den Tyrannen kämpfen, der Tyrann, dessen eigen Fleisch und Blut sie war.

Als wir im frühen Morgenlicht aufbrachen, war uns klar, dass wir gerade die Positionen gewechselt hatten, vom einfachen Besucher mit präsidialer Einladung hin zu aktiven Untergrundkämpfern. Ich sah Peter an und konnte seine Gedanken förmlich greifen.
Seine Gedanken waren gerade bei Frank. „Was hatte Frank noch gesagt und was haben wir gerade vor zu tun?“ Peter sah mich an und nickte nur leicht.

Ich nahm Peter zur Seite und wir schauten uns an. „Peter, das kann unmöglich alles im Kopf vom Präsidenten gereift sein, so kenne ich den nicht, der würde seine eigene Religion niemals so zerstören, da muss doch noch viel mehr dahinter stecken. Wir übersehen etwas, wir haben nicht alle Informationen und damit kann man nur zum falschen Schluss kommen.“

„Liebes, vergiss nicht, es geht hier um verdammt viel Geld. Diese seltenen Erden sind das Material dazu, alle wollen es in Unmengen haben und es ist immer noch selten und teuer“ „Wir müssen unbedingt versuchen herauszufinden, wer hier noch alles mitmischt. An erster Stelle vermute ich die Amis und die Briten, Indien wird sich hier nicht einmischen, könnten die Aussies da noch mitspielen?“

Peter schaute mich an, „Vergiss die Neuseeländer nicht, die haben hier ein reges Interesse.“ Während wir das sagten, zog am Himmel ein Reklameflugzeug ruhig seine Bahn, offenbar über der Hauptstadt und zog ein Werbebanner hinter sich her. „Kannst du das lesen?“ Während wir noch nach dem Fernglas suchten, schaute Jerome sich das Banner an und las vor „Global Carbonite Intenational Mining.“ Wir schauten uns an und Peter murmelte nur „Aha, also die Amis…“

„Sag mal Jerome, weißt du, woher der Flieger kommt?“ „Ja Caroline, vom Flugfeld Julam’da da vor uns etwa eine halbe Stunde weg von hier da stehen diese Cessnas herum und werden ab und an gemietet, mein Bruder ist dort bei der Luftaufsicht … und ja, ich kenne auch den Besitzer.“ Als er mein Grinsen sah, wusste er, was kommt. „Ich fahre euch da hin.“

Wir verabschiedeten uns von Penelope und den Dorfbewohnern, dann polterte der Wagen durch den Dschungel und kam schließlich wieder auf die Landstraße, die zum Flugfeld Julam’da Flugfeld führte.
Eine Stunde später standen wir an einer älteren Cessna 185 mit größeren Tanks. Der Eigentümer, Manlo’Tif, schaute Jerome freundlich an und wollte immer wieder, dass wir zu ihm kommen, aber Jerome wollte das auf keinen Fall. Als die Verhandlungen zu scheitern drohten, winkte Jerome uns doch heran. Als der Mann sah, wer wir waren, lichtete sich sein Blick sofort.

„Ich erkenne dich jetzt wieder. Du bist doch die Trägerin des Kahlscha’daar …. Und du bei mir … welche Ehre … “, und er grüßte demutsvoll.

Schnell half ich ihm wieder auf die Beine, ehe wir zuviel Aufmerksamkeit erregten. Hier auf dem Flugfeld standen an die 40 andere Maschinen und einige ältere Transportflugzeuge, die bessere Jahre gesehen hatten. „Was führt euch hier her, womit kann ich euch helfen?“ Wir erklärten Manlo’Tif, dass wir uns die Insel genauer ansehen wollten und speziell diese neuen Gäste, die sich auf den Nachbarinseln niedergelassen hatten.

„Ich verstehe, ich kann euch diese Maschine hier geben, sie hat vergrößerte Tanks und wenn wir einen leichten Luftsack nehmen, bremst der nicht so stark und ihr könnt weiter fliegen. Ich hole noch schnell die Pilotin, diese schwere Maschine fliegt nur meine Tochter und ich selber, die hat nämlich ein paar Macken, die Maschine, meinte ich.“ Wir lachten mit Manlo’Tif über den „großartigen“ Witz.

„Das ist Veronique meine älteste Tochter,“ sagte er, als müsse er sich für den Namen entschuldigen. „Ihre Mutter kam aus Guadeloupe und ich liebte sie sehr …“ Veronique war eine ausgesprochene Schönheit und klug genug, die Flugscheine für die meisten Klassen zu erhalten. Rasch war die Maschine überprüft und wir nahmen Platz.

Zehn Minuten später zogen wir unsere Kreise über der Insel. Veronique flog so hoch wie möglich, ohne aufzufallen, und wir kreisten über das Umfeld und die Küstenlinien. Aus der Luft betrachtet war Soulebda immer noch eine wunderbare Inselgruppe, dachte ich und Veronique lächelte mich an, als könnte sie meine Gedanken erahnen.

Als wir zur zweitgrößten Insel im Norden Ni’jamong kamen, drehte Veronique ab, „Verbotener Luftraum“ sagte sie nur. Wir konnten im einzigen Binnenhafen mehrere größere Schiffe und gute 20 kleinere Schiffe sehen, ehe wir abdrehen mussten. Mehrere Hubschrauber standen in Reih und Glied und viele Fahrzeuge dazu. Mehr sahen wir aus der Entfernung aber nicht. Natürlich prangte mitten auf dem zentralen Platz an einem schier endlosen Mast die amerikanische Flagge.

Damit war diese Frage geklärt, wer hier das Sagen hatte und wir flogen weiter Richtung Süden. Nach guten 15 Minuten zeigte ich nach unten. „Schau da unten Peter, das ist unsere Insel, die haben Penelope und ich uns geleistet und sie Bea genannt. Ich hatte sie immer nur „42“ genannt,“ und Veronique lachte, als sie sagte „Verstehe, Douglas Adams, die Antwort auf alle Fragen. Diese Insel ist heute verbotenes Land, es gab hier im letzten Jahr einige Tote, als die Insel erkundet werden sollte und man hat sie dann kurzerhand für die Menschen gesperrt.“ Peter schaute mich fragend an „Ja, wir haben ein paar Überraschungen da gelassen, aber hey – erstens ist das unser Eigentum und zweitens,“ und dabei lachte ich „und zweitens waren die Fallen allererste Sahne und sie scheinen bis heute gut zu wirken.“ Wir flogen über Bea Island und ließen den Berg, der diese Insel ausmachte hinter uns.

Wir flogen weiter nach Süden und Veronique erklärte uns einiges zu der Insel, den unzähligen kleinen Inselchen und dann tauchte vor uns die nächste der größeren Inseln auf. „Das ist Poa’Holh, hier ist es immer recht ruhig, die Leute da winken uns ab und zu auch herzlich zu.“ Wir gingen tiefer und erkannten eine kleinere Station, gut 30 Zelte und zwei Bauten, bei denen der Dachstuhl aufgelegt wurde. In den beiden Hafenanlagen lagen mehrere Transportboote und ein Truppentransporter. Wir konnten Leute am Boden sehen, die uns entspannt zuwinkten und Veronique wedelte leicht mit den Tragflächen. „Da schaut, an dem Transportschiff die Landesflagge das sind die Neuseeländer.“

Wir flogen um die Südspitze herum Richtung Westen. „Da unter uns, da unten sind die Götter und zürnen den Bösen. Hier fischen unsere Leute nicht, das Meer hier gilt als böse. Das mag an den heißen Strömungen liegen oder andere Gründe haben. Es würde mich nicht wundern, wenn hier einmal ein neuer Vulkan durchbricht.“

Wir sahen aus der Luft, dass das Wasser eine andere Farbe hatte, mehr konnten wir aber nicht erkennen.

Gut ein halbe Flugstunde weiter westlich auf der anderen Inselseite sahen wir heftiges Treiben am Boden und vor den Inseln Ka’Ihlih im tieferen Wasser wurden offenbar schwere Geräte von großen Transportschiffen an Land gebracht. Beim näher kommen schwirrten uns zwei Gyrocopter in die Flugbahn und drängten uns ab, die Leute verstanden gar keinen Spaß. Die Männer waren offenbar bewaffnet und die Gyrocopter hatten englische Markierungen an der Seite. „Diese Leute glauben immer noch, sie könnten uns zu einer ihrer Kolonien machen, aber das hat damals nicht funktioniert und heute auch nicht. Schaut euch mal diesen Dreck da an.“

Wir sahen aus zwei Kaminen dreckigen, rußigen Rauch aufsteigen und sehr viel Müll überall herumliegen. Ordnung und Sauberkeit war hier eindeutig fehl am Platz. Aus einigen der kleineren Schiffe sah man bläuliche Flecken auf dem Wasser treiben.

„Naturschutz ist im Commonwealth nicht auf der ersten Seite der Absichten, Gewalt aber eher.“ Mit diesen Worten drehte Veronique ab und wir flogen weiter nach Norden. „Jetzt fehlt noch der Nordbereich der Insel, mal sehen, ob uns der Kraftstoff dafür noch reicht. Da oben sind eh nur die Sümpfe, wir meiden das Gebiet, da hat es allerlei Ungeziefer, das kennt ihr nicht einmal aus euren Büchern. Fleischfressende Tausendfüßler, Giftspinnen die dich anspringen und Pfeilgelbfische, die einen Dünnen giftigen Stachel haben. Steckmücken die die die Adern leer saugen und vieles mehr.“

Auf halber Strecke machte uns Veronique klar, dass wir die Sümpfe nicht erreichen würden, aber das bisschen Insel, dass wir aus der Ferne sahen, war eh nicht besonders einladend. So drehte Veronique in Richtung des Flugfeldes und unser Ausflug endete friedlich.
Wir bedankten uns bei Vater und Tochter und wünschten beiden den Schutz der Götter. Dann ging es zurück in Richtung der Hauptstadt. Wir fuhren zu unserem Haus und Jerome fuhr an der Einfahrt zur Tiefgarage vorbei und hielt etwas weiter hinter einer dichten Baumreihe.

„Da sind Leute, vor dem Haus, ich habe zwei oder drei gesehen, bitte wartet, bleibt leise ich schau nach.“ Schon war Jerome verschwunden.
Als Jerome wieder kam, berichtete er von drei bewaffneten Männern, allesamt Mitglieder der alten Palastwache. Die alte Palastwache war nach „Neuordnung“ als einfache Polizei und Sicherheitspersonal abgestellt und hatten offenbar die Aufgabe uns zu überwachen. „Den einen am Zugang zur Garage, habe ich ausgeschaltet, der schläft für die nächsten Stunden, wir müssen schnell und ohne Licht fahren!“

Damit ging die Hatz los und Jerome brachte den Wagen in der Garage zum Stehen. Als alle Türen geschlossen und der Raum geprüft war, konnten wir uns entspannen und sicherten unsere Waffen. Jerome war wieder weg und prüfte, ob sich noch andere Bewacher im Haus versteckt hatten.
„Keiner da, der nicht reingehört, kommt rauf.“ Sagte Jerome wieder im normalen Ton. Wir untersuchten das Haus mit unseren Scannern, fanden aber keine neuen Abhörgeräte. Da auch keine anderen „Gäste“ uns besucht hatten oder die Telefongesellschaft plötzlich die Leitung geprüft hatte, konnten wir uns entspannen.
Unsere Haushofmeisterin zauberte uns ein kräftiges Essen und wir machten uns an die Auswertung unserer Erkenntnisse. „Im Norden die Amerikaner, im Westen die Briten, im Südosten die Australier und bestimmt auch die Neuseeländer und im Nord-Osten waren wir noch nicht.“

Jerome wusste zu den östlichen Inseln noch etwas zu sagen „Dort haben früher Soldaten des 7. Regiment Etranger der Fremdenlegion vergeblich geübt und die Region gilt heute immer noch als kaum zu passieren. Selbst wir Krieger halten uns von da fern, das Gebiet ist für uns tabu.“

Wieder einmal überraschte uns Jerome mit seiner Eloquenz und seinem Wissen von allem, was hier auf Soulebda vorging. Nun hatten wir die Inselgruppe erkundet, wir wussten welche Macht sich wo konzentriert, aber unser größtes Problem bestand weiterhin.

In Zwei Tagen sollten die 20 Gefangenen hingerichtet werden und der Präsident hatte klar gemacht, wer der Henker sein sollte. Ich sah zu Peter auf „Jetzt wäre eigentlich ein guter Zeitpunkt ein paar alte Gefallen einzufordern oder nicht?“

Peter lächelte und zog ein kleines Gerät aus der Tasche. „Was ist denn das?“ fragte Caroline mit offenem Mund.

Peter lachte über das ganze Gesicht. „Ja Schatz, es ist schön selbst dich noch überraschen zu können.“

**

Zwei Tage nach unserem Herrenabend…

„Hör zu, ich weiß wie ein Handy funktioniert.“ Sagte ich zu Randy. Wir saßen in Randys Büro und der hatte ein Smartphone in der Hand, das er mir zeigte. Ok, meine Hand war, im Gegensatz zu manch anderen, nicht mit einem Handy verwachsen, doch ich wusste, wie man eines bediente.
„Ich hab auch nicht behauptet, dass du das nicht weißt, obwohl ich sicher bin, dass du die meisten tollen Errungenschaften dieses Gerätes nicht zu würdigen weißt, dennoch will ich dem Dinosaurier in dir erklären, wie man mit dem Teil hier umgeht.“

„Das ist ein Handy!“

„Willst du jetzt zuhören?“ Fragte er scheinbar genervt.
Ich grinste und seufzte resigniert. „Schieß los.“

„Also, das ist ein Smartphone.“ Ich tat so, als ob ich auf ihn Kragen packen wollte und bevor ich ihm den Hals umdrehen konnte, machte er schnell weiter. Er hielt mir ein USB Kabel unter die Nase und sagte dann, „Du schließt es an ein normales Tablet, einen Laptop, oder eine handelsübliche Powerbank an…. Hier, so macht man das.“ Er verband das Handy per USB an sein Tablet und schaute mich an.
Ich sah mir die verbundenen Geräte an und wartete… nichts geschah und mein Blick wanderte zu Randy, der mich erwartungsvoll anstrahlte. „Und?“ fragte er.
„Ich warte immer noch auf den WOW-Effekt.“
„Nun, den wirst du hier nicht bekommen.“

Jetzt war ich ernsthaft genervt. Ich hatte noch einen Termin bei Schemmlein, der mir unbedingt noch ein paar Impfungen verpassen wollte, musste zum Passamt der Stadt und Facher wartete ebenfalls auch auf mich. Facher war der Leiter des Männertraktes und mein Vertreter. Er und ich vertraten uns gegenseitig und vor jedem Urlaub wiesen wir den anderen in das aktuelle Geschehen ein.
„Hör zu, ich hab eine Reise vorzubereiten. Da sind noch einige Sachen zu erledigen. Können wir das hier etwas abkürzen?“

„Ich würde es dir nicht zeigen, wenn es nicht wichtig wäre! Du fährst in eine Region, wo Kommunikation nicht selbstverständlich ist.“

„Die haben schon länger Telefon und Handy auf Soulebda.“
„Das schon, aber sie haben auch einen Präsidenten, der beides auf Knopfdruck abschalten kann. Erinnerst du dich an die Twitterabschaltung ein paar Länder weiter östlich, oder an den Arabischen Frühling? Da wurden als erstes das Handynetz und das Telefonnetz abgeschaltet, damit sich die Menschen nicht organisieren konnten.“

„Ich hab vor, dort Urlaub zu machen, nicht irgendwelche Massen zu organsieren.“
„Wieso habe ich das Gefühl, dass du nicht der Typ für einen ruhigen Urlaub bist? Mit dem Teil hier, kannst du jedenfalls immer Kontakt zur Außenwelt halten, ganz gleich welches Netz abgeschaltet wird.“
„Du meinst, ich kann damit telefonieren, auch wenn das Netz abgeschaltet ist?“

„Ja, das Teil hier hat eine spezielle Software, es sucht sich den nächsten Kommunikationssatelliten und hackt sich dort ein. Deswegen der Laptop, oder das Tablet, die haben einen größeren Akku, den das Smartphone dafür braucht. So kannst du mit jedem auf der Welt reden. Sollte das Gespräch tatsächlich abgehört werden, kann der Anruf nicht zurückverfolgt werden, man kann also deinen Standort nicht ermitteln. Man kann lediglich herausfinden, welchen Satelliten du benutzt. Und den kannst du nicht einfach abschalten. Man kann also deine Gespräche nicht unterbinden oder zurückverfolgen.“

„Woher hast du sowas? Baust du dir solche Teile selber?“ Wollte ich wissen.
„Erinnerst du dich an deine Freunde aus der israelischen Botschaft?“
„Jetzt erzähl mir nicht, dass du für den Mossad arbeitest.“
„Nein, ich hatte nach dem Abenteuer mit den alten Franzosen Besuch von einem freundlichen Onkel, der mir einen Beraterjob angeboten hat. Er hat mitbekommen, wie ich mich bei den Söldnern eingehakt habe und war beeindruckt.“

„Können die Israelis nicht selber ihre Sachen testen?“
„Klar können sie das, aber manchmal finden externe Mitarbeiter Fehler, welche die eigenen Fachleute nicht finden. Du weißt schon, die Sache mit den Bäumen und dem Wald. Da gibt es übrigens eine Seite im Internet, da kann man als Hobbytüftler verdammt viel Geld verdienen.“

„Du und Dagan… da haben sich die Richtigen gefunden. Und was sagt Frank dazu?“
„Er hat nichts dagegen. Im Gegenteil, ich glaube, er möchte mich als guten Freund der Israelis haben. Und solange ich nichts erzähle, was hier drinnen vorgeht… Dieser Lem war übrigens auch dabei. Wusstest du, dass Lem als Abteilungsleiter Europa hier für alles und jeden zuständig ist?“

„Nein und Dagan würde dir den Hals umdrehen, wenn er wüsste, dass du es in die Welt posaunst.“

„Oh, da könnte etwas dran sein.“, murmelte er verlegen. Dann hob er das Smartphone und fragte, „Also was ist jetzt? Willst du wissen, wie das Teil funktioniert?“

**

SOULEBDA

„Das ist ein schöner Gruß von Randy. Gesponsert von seinem neuen „Onkelchen“. Gibt es vielleicht jemand, mit dem du reden möchtest?“ Caroline bestaunte die Geräte, schaute sie kurz an und koppelte sie zusammen. Als sie im Displays ihres Handys ein Empfangssignal bekam, nahm sie ihr Notebook, ihre Handtasche und es ging ein Lächeln über ihr Gesicht.

Ihr Bastlersinn war erwacht. Sie drückte sich gegen Peter und gab ihm einen langen heißen Zungenkuss. „Das ist die Anzahlung. Den Rest meines Dankeschöns bekommst du nachher.“ Damit machte sie sich über die Anlage her. „WOW!“ Hörte ich sie murmeln. „512K Verschlüsslung…“ Es folgten noch weitere Daten, mit denen ich überhaupt nichts anfangen konnte. –scheint so, als ob Randy Recht hat… Ich war ein Dinosaurier… –

Ich schnappte mir einen Whiskey und setzte mich auf die Terrasse, entzündete mir eine herrlich duftende Zigarre und ließ die Gedanken schweifen. Die südamerikanische Zigarre verbreitete ein herrliches Aroma und mein Blick ging in die Ferne. In Gedanken war er bei Frank und bei dessen Befürchtungen, sich besser aus fremden Dingen herauszuhalten.

**

– Toller Urlaub! Warum passiert sowas immer nur mir? – Fragte ich mich. – Vom Tourist zum Widerstandskämpfer und das an nur einem Tag. – Frank würde explodieren, wenn er wüsste, was hier gerade geschieht.

Zugegeben… ich habe so meine Probleme mit der Obrigkeit, davon konnten Frank und seine Freunde im Ministerium ein Lied singen, aber ich war bei weitem kein Revoluzzer! Unter einem Untergrundkampf verstand ich das Gedränge in der U-Bahn, aber keinen Dschungelkrieg… und schon gar keine Rebellion. Fakt ist, ich bin kein Revolutionär!

Wenn ich darüber nachdachte, war ich bis vor Kurzem ein stinknormaler und langweiliger Beamter! Ok, Henker ist jetzt nicht irgendein Beruf, Henker ist ein Beruf, der von dem der ihn ausübt, alles abverlangt! Ich kannte unzählige Beispiele von Kollegen, die diese Belastung nicht ausgehalten hatten und jedes dieser Beispiele hatte ein tragisches Ende!

Wie ich zu diesem Job kam? Ich hatte nach der Schule keine Vorstellung, was ich machen wollte und da kam mir der Wehrdienst gerade recht, es verschaffte mir Zeit zum Nachdenken bis zu dem Wochenende, in dessen Verlauf ich durch Zufall Zeuge einer öffentlichen Hinrichtung wurde. Plötzlich hatte ich eine genaue Vorstellung meiner Zukunft, ich wollte Henker werden!

Frank, damals zuständig für die Bewerber, und ich verstanden uns auf Anhieb und ich bekam die Stelle.
Schnell lernte ich die Schattenseiten dieses Berufes kennen, denn allzu einfach einen Menschen zu töten ist es nicht! Der Job griff meine Psyche au und nach kurzer Zeit stand ich vor der Wahl, mir selber eine Kugel zu verpassen oder die Kurve zu bekommen.

Mit Jessikas Hilfe schaffte ich es, meinen Verstand zu erhalten, den Job zu meistern, und so hatte ich meine Berufung gefunden.
Als das geschafft war und Frank sah, dass ich mit den Belastungen klar kam, zog er mich zur Seite und meinte, es wäre Zeit weitere Aufgaben zu übernehmen.

Durch Umstrukturierungen wurde der Posten eines Traktleiters geschaffen und der sollte ich sein. Wie drückte Frank es aus, “Ich brauche einen, auf den ich mich verlassen kann, auch wenn er störrisch ist.“
Allerdings hatte das ganze einen Haken, die Stelle sah einen Hochschulabschluss vor.
Also bin ich zur Uni und hab einen Abschluss in Verwaltungsrecht gemacht, zugegeben, es hat einige Türen bei der Justiz geöffnet.

So lebte ich „friedlich“ bis Trommer, Beate und Caroline in mein Leben traten. Plötzlich tat ich Sachen, die vorher für unmöglich gehalten hatte.
Ich verstieß gegen das Gesetz, legte mich mit der Staatsgewalt an und kämpfte gegen Söldner und gekaufte Killer.

Wenn ich darüber nachdachte, musste ich mich bei Trommer bedanken, denn als er mir seine Söldner auf den Hals hetzte, setzte er einen Prozess in Gang, den keiner für möglich gehalten hätte. Ich überlebte nicht nur, sondern ich lernte auch, was es hieß, zu kämpfen.

Bis dahin hatte ich nämlich von Taktik, Strategie und Kampftechniken keine Ahnung, sah man von Deckers Training einmal ab, aber durch Trommers Aktionen und Froodey dem durchgeknallten Ami der Caroline umlegen wollte, musste ich schnell lernen, um mein Überleben und vor allem, das Überleben meiner Caroline zu sicheren.

Dennoch, ich war ein Amateur!

Aber, auch das hatte ich gelernt, auch das Amateur sein, hatte seine Vorteile. Denn du tust Sachen, an die kein Profi auch nur im Traum dachte, zu Beispiel mit einem gepanzerten Gefängnisbus über einen Parkplatz donnern und böse Schweinebacken überfahren, die deine Geliebte umbringen wollen… Ich musste bei diesem Gedanken unwillkürlich grinsen. Nein, so hatten sich Froodys Killer ihren Auftrag sicher nicht vorgestellt.

Nun saß ich auf der Terrasse und genoss den amerikanischen Bourbon. HHMMM, schmeckte gar nicht übel. Ich nahm mir vor, mir die Marke zu merken und zu Hause eine Flasche davon zu besorgen.
– wenigstens etwas Gutes, was die Amis hierher bringen. – dachte ich mir.

Wir hatten noch einen Tag Zeit, eine Lösung für unser Problem zu finden. Nein eigentlich war es nur diese Nacht…

Ich hatte mir einen Eindruck von Penelope machen können und der war überaus positiv. Diese Frau war eine Kämpferin und genau das war das Problem… Penelope würde ganz sicher nicht tatenlos zusehen, wie ihr Verlobter von Caroline getötet wurde.

Caroline würde es natürlich gar nicht erst tun und sich so den Zorn des Präsidenten auf sich ziehen. Egal wie ich es sah, wir steckten in einer Zwickmühle.
Eine Lösung wäre, beide KO zu schlagen und anstelle von Caroline die Hinrichtung durchzuführen.
Doch da gab es zwei Probleme… Erstens hatte ich keine Lust für dieses durchgeknallte Arschloch von „Präsident“ Menschen zu töten, schon gar nicht auf die bestialische Art die er sich ausgedacht hatte, und zweitens, Caroline und Penelope…

Beide würden mich im Anschluss umbringen…

Aber was hatte ich für Alternativen? Was konnten Caroline und ich gegen Sheramoh ausrichten?
Eines war klar, Penelope würde versuchen die Hinrichtung zu verhindern, doch das konnte sie nur, wenn sie mit ihren Gefolgsleuten einen offenen Kampf riskierte.

Auch ohne ein militärisches Genie zu sein, war mir klar, dass dieser Versuch in einem Massaker enden würde. Bei unserem Besuch in den Höhlen hatte ich die „Rebellen“ gesehen. Männer und Frauen allen Alters, die eigentlich nur ihre heiligen Stätten schützen und nicht gegen die Armee kämpfen wollten. Die Rebellen hatten völlig veraltete Waffen und waren viel zu wenige. Die Armee wusste natürlich, dass man die Gefangenen befreien wollte, und würde dann Penelope angreifen, und so würde es ein sehr kurzer Kampf werden…

In diesem Massaker würden Penelope, Caroline und die Gefangenen mit Sicherheit abgeschlachtet!
Und sollte Penelope Recht haben und die Inselbevölkerung wegen dem Tod der Priester einen Aufstand riskieren, war dieser ohne Führung und würde genau so gnadenlos niedergeschlagen werden, wie in anderen Diktaturen. Beispiele dazu gab es ja leider mehr als genug.

Verdammt, egal wie ich es auch drehte, die einzige Möglichkeit, die ich sah, war die Hinrichtung erst gar nicht stattfinden zu lassen.

– Was hätte Bruce Willis wohl gemacht? – Fragte ich mich…
Er hätte ganz alleine das Gefängnis gestürmt, mit einem einzigen Magazin alle 100 Wachen erschossen und die Gefangen befreit.

Naja… Vielleicht sollte ich mir besser einen anderen Filmhelden als Vorbild nehmen…
MacGyver vielleicht? Ein Taschenmesser hätte ich… Nein, das war auch keine Option.
In meinen Gedanken ging ich alle Filmhelden durch und keiner hatte eine Lösung parat…

Plötzlich stach mir ein Name ins Gehirn… ich hatte auf die falschen Helden gesetzt …

In meinem Kopf begann sich ein Plan zu entwickeln. Ein Plan der so amateurhaft und verzweifelt war, dass er tatsächlich klappen könnte. Ich sprang auf und lief in das Haus. Caroline, die immer noch mit dem Handy von Randy beschäftigt war, schaute kurz auf, als ich mein Handy holte und wieder nach draußen ging.

Ich rief Randy an und hatte Glück, denn bei uns zu Hause, begann gerade der Arbeitstag.
„Hi, Bad-Man? Na wie ist der Urlaub?“
„Klasse, hör zu! Ich brauche ein paar Daten, an die ich hier nicht so schnell herankomme.“
„Kein Problem, was willst du denn wissen?“
„Ich brauche alles was Netz über das Gefängnis der Hauptstadt hier weiß.“
„Ah, du hast ein Termin als Vertreter der deutschen Justiz und willst Namen und so weiter wissen, um nicht als Volldepp dazustehen.“

„NEIN! Ich will alles über die Lage, Baupläne, Anzahl der Wachen, Luftaufnahmen, und und und.“
„ÄHM… Anzahl der Wachen und Luftbilder? … weißt du, es wäre hilfreich, zu wissen, was du vorhast.“
„Ich hab vor ein paar Gefangene zu befreien.“ Dann erklärte ich Randy, wie ich die Gefangenen befreien wollte.

„Das hört sich irgendwie so an, als ob das wirklich dein Ernst ist.“
„Ich meine auch ernst!“
„Peter… das… diese Informationen findest du nicht im Netz.“
„Ist mir klar, aber ich weiß, dass du weißt, wo und wie du an diese Daten herankommst!“
Was folgte, war ein langes Schweigen. „Ok, ich wusste ja, dass du nicht einfach Urlaub machen kannst.“ Hörte ich Randy mit einem breiten Grinsen im Gesicht lachen. „Gib mir eine Stunde, schätze bis dahin habe ich alles, was du haben willst.“

„Danke, falls es deiner Motivation hilft, du rettest Caroline damit das Leben.“
„Ist es wirklich so schlimm?“

„Ja, leider.“

„Ich mache mich sofort an die Arbeit. Du hörst in einer Stunde von mir.“

**

Als Erstes stellte ich den Whisky zur Seite, der musste warten! Dann begann ich die Einzelheiten auszuarbeiten. Wie viele Männer brauchte der Plan, wo bekam ich die her und wie gehen wir vor? Tausende Fragen und immer kam ich zu der Antwort… Eigentlich musste ich nur… Glück haben!
Ein Blick zur Uhr sagte mir, dass die Stunde vorbei war und Randy sich gleich melden würde, also ging ich ins Haus zu Caroline.

„Ich hab einen Plan!“ Verkündigte ich so selbstsicher, wie ich konnte.
„Das sehe ich!“ Antwortete Caroline und schaute auf.
„Hier gehen jede Menge Daten von Randy ein. So wie ich die Daten deute, hast du vor, das Gefängnis stürmen, das ist kein Plan, das ist Selbstmord!“
„Nein, das heißt, doch, wahrscheinlich gehe ich drauf, aber nur ich.“
Ich setzte mich an den Laptop und rief Randy an.
„Kommt das Material?“, wollte der wissen und blickte in die Kamera.
„Ja, kommt an.“
Caroline schob mich zur Seite und winkte in die Kamera.
„Danke Großer, hast was gut bei uns.“ Sagte Caroline und warf eine Kusshand in die Kamera.
„He, für dich tue ich doch alles.“ Grinste Randy tatsächlich verlegen.
Den Laptop zu mir drehend brachte ich das Bild wieder zu mir,
„Noch was… kein Wort zu Frank. Der bringt mich um, wenn er mitbekommt, was ich vorhabe.“
„Äähmmmm, versprochen, von MIR erfährt er kein Wort.“ Schwor Randy und sah zur Seite.
Wir beendeten das Gespräch und machten uns an die Auswertung der Daten, welche uns Randy geschickt hatte.

**

Zu Hause schaltete Randy die Kamera und das Mikrofon ab und schaute zu Boden. Ihm gegenüber stand Frank, der geradezu vor Wut schäumte. Randy schaute Frank fragend an, „Was soll ich jetzt tun?“

„Tu, was er sagt, und wenn er wieder da ist, dann bring ich ihn eigenhändig um! Nein ich bringe alle beide um, dieses Weib ist genauso schlimm wie Peter!!“

**

TEL AVIV

„Entschuldigung“, klopfte Soraya an Dagans Tür an. „Sie wollten wissen wann und was ein bestimmtes Gerät von uns Daten überträgt, hier sind die Ausdrucke der Daten, die das Gerät empfängt.“
Soraya, Dagans „Jessika“ überreichte Dagan die Kopien der Daten, welche Randy nach Soulebda geschickt hatte.
„Vielen Dank. Bitte schicken sie Lem zu mir… und bitte auch Fabienne.“
„Sofort.“ Soraya machte kehrt und schickte Lem und Fabienne zu Dagan.
In der Zwischenzeit sah sich dieser die Daten kopfschüttelnd durch und reichte sie an Lem weiter, als der mit Fabienne in sein Büro gekommen war.
„Was halten sie davon?“ Fragte er Lem.
Auch der war sprachlos, als er seine Schlüsse zog. „Stein hat vor das Gefängnis anzugreifen. Verdammt, wir wussten ja, dass Sheramoh die Gefangenen als Köder für die Rebellen benutzt, aber das Caroline in so eine Falle tappt…“ Dann begann Lem die Unmöglichkeiten eines solchen Angriffs auszuführen.
„Darf ich?“, wollte Fabienne wissen und griff nach den Ausdrucken.
„Selbstverständlich.“ Antwortete Dagan und reichte ihr die Unterlagen.
Fabienne schaute sich die Seiten eingehend an, dann legte sie die Papiere zurück auf den Tisch.
„Und wie ist ihre Einschätzung?“
„Ich glaube nicht, dass die zwei einen so verzweifelten Angriff unternehmen.“
„Sondern?“
„Wie ich die beiden kenne, tun sie etwas, womit niemand rechnet, nicht einmal wir.“
„Und das wäre?“
„Tja, gute Frage…“
Dagan sah Lem mit seinem –Sehen sie?!- Blick an und der antwortete mit seinem –warten wir ab, ob sie Recht hat- Blick.

**

SOULEBDA

„Also wie sieht dein Plan aus?“, wollte ich wissen, und dann begann Peter seinen Plan zu erklären und ich wurde blasser und blasser.
„Dein Plan ist völlig bescheuert. Da passt ja gar nichts. Das Gefängnis ist ein Sicherheitsbereich, da kommst du nicht mal in die Nähe. Du schaust auch nicht aus wie ein Einheimischer. Die ziehen dich weit vorher von der Straße, weil du auffällst. Und du sprichst nicht einmal ansatzweise die Landessprache.“
„Ich spreche die Sprache nicht, aber Jerome schon. Er wird mir dabei sicherlich helfen.“
„Einen Teufel wird er tun. Wenn überhaupt, dann mache ich das! Ich kenne mich aus und kann mit den Leuten reden.“
„Ja du kannst dich mit den Leuten hier unterhalten Und geschickt bist du auch. Aber es geht nicht und das weißt du selber am Besten. Du bist in der Hauptstadt bekannt wie ein bunter Hund.
Mich dagegen, kennt keine Sau.

Außerdem hast du eine viel wichtigere Aufgabe. Du musst Penelope davon abhalten in den Krieg zu ziehen. Und das kannst nur du Schatz. Nur du kannst sie aufhalten in einen Krieg zu ziehen, zumindest nicht morgen früh.“

Böse Erinnerungen stiegen in mir hoch und ich war tatsächlich kurz davor, in Tränen auszubrechen.

„Warum willst du dich umbringen lassen?“ Fragte ich ihn.

**

„Wenn Penelope beschließt zu kämpfen, wirst du mit ihr gehen. Dann werdet ihr beide in einem sinnlosen Gemetzel umgebracht. Und da ich dich niemals alleine ziehen lasse, werde ich auch draufgehen. Das ist so ziemlich genau das, was in meinem Plan, über unsere gemeinsame Zukunft, nicht vorkommt!
Aber wenn unser Vorhaben gelingt, wird keiner von uns draufgehen. Und wenn es doch schief geht, dann trifft es wenigstens nur mich.“

Mehr als fünf Minuten saß Caroline still und schweigend da. Der Laptop begann neue Daten auszuspucken, doch weder Caroline noch ich hoben die Augen.
Ich schaute Caroline an. Minutenlang saß Caroline bereits still und schweigend da. In Gedanken ging sie alle Möglichkeiten durch, man sah förmlich ihre Gedanken fliegen.

„Was sieht denn dein Plan über unsere gemeinsame Zukunft vor?“ Fragte sie leise.

„Punkt eins! Zusammen glücklich werden!“
„Und Punkt zwei?“

„Der Plan ist noch nicht ganz fertig, weiter wie Punkt eins, bin ich noch nicht gekommen.“
Caroline musste trotz der Tränen in ihren Augen auflachen. „Du bist verrückt!“ Dann stand sie auf und holte mich in den Arm.

„Sei bloß vorsichtig! Ich hab nicht die halbe Fremdenlegion und all die anderen Spinner umgebracht, nur damit du hier draufgehst.“

„Keine Sorge Schatz, die Nummer hat ja mal tatsächlich geklappt. Und ich denke nicht, dass hier auch nur ein Mensch davon gehört hat.“
Damit nahm ich mir das Notebook und schaute, was Randy alles geschickt hatte. Es waren genau die Angeben, die ich brauchte. „Klasse, das ist genau das, was ich gebraucht hatte, jetzt muss ich mit Jerome einige bereden.“

Dann bemerkte ich plötzlich, dass ein ganzer Datensatz von einer anderen, anonymen Adresse geschickt wurde. Da steckte mit Sicherheit Dagan und sein Gespür dahinter, der garantiert aus meinen Fragen heraus, den Plan verstanden hatte.
Ob Randy wusste, dass die Israelis die Geräte überwachten? He, ich hatte etwas VOR Randy herausgefunden….

„Übrigens, Schatz, ich habe gesehen, dass unser Bett vier wunderschöne stabile Bettpfosten hat.“
„Wie zum Teufel, kommst du jetzt da drauf?“ Fragte Caroline verwirrt.
„Na ja, wenn wir morgen Abend wieder hier sind… Vier Bettpfosten vier Stricke und du damit ans Bett gefesselt.“

„Du verrückter, lieber, tapferer Mistkerl.“ Antwortete Caroline mit einem Lächeln im Gesicht und gab mir einen tiefen Kuss. „Pass auf dich auf, ja?“ „Keine Angst. Ich kann mir doch eine als Sklavin gefesselte Caroline in der Südsee nicht entgehen lassen.“

Jetzt brauchte ich Jerome, den fand ich bei seiner Mutter in der Küche.
„Kannst du mir mal zur Hand gehen?“ fragte ich, so unauffällig wie ich konnte, um ihn aus der Küche zu bekommen. Meine Vorsicht hätte ich mir sparen können, denn Ma’Difgtma legte sofort ihre Stirn in Falten.
Jerome nickte ihr zuversichtlich zu, kam zu mir und zwei Minuten später standen wir auf der Terrasse.
„Ich gehe davon aus, du weißt was passiert, wenn Penelope versucht ihren Verlobten mit Gewalt zu befreien?“
Jerome starrte auf Meer hinaus und nickte traurig „Ja. Es wäre unser aller Ende.“
„Du gehörst also wirklich dazu und bist ein Rebell?“

„Rebell… wie sich das anhört!“ Fauchte er. „Alles was wir wollten, war das Versprechen des Präsidenten, unsere heiligen Stätten zu respektieren.
Keiner von uns ist gegen den Abbau der seltenen Erden, wenn er vernünftig betrieben wird. Im Gegenteil, die Menschen hier auf Soulebda profitieren ja alle davon. Doch es gibt genug davon, die Konzerne hinter Sheramoh müssen nicht die heiligen Stätten entweihen.
Anfangs haben wir noch auf die Einsicht unseres Präsidenten gehofft, doch die Geschäftsleute, welche dem Präsidenten Unsummen bezahlen, wollen unseren Widerstand brechen und haben Sheramoh dazu gebracht Jagd auf uns zu machen, und so mussten wir in den Untergrund.“

„In meinen Einweisungen habe ich nichts über eine Guerilla hier auf der Insel gehört. Es wurden zwar vor einer gewaltbereiten Umweltbewegung berichtet, aber nichts von bewaffneten Rebellen.“
„Nein, wir wollen auch keinen offenen Konflikt in dem Unschuldige zu Schaden kommen. Wir haben noch nie etwas angegriffen. Du hast die Männer und Frauen bei Penelope gesehen… das sind keine Krieger!“

„Stimmt es, was Penelope gesagt hat? Das die Bevölkerung einen Aufstand lostreten würde, wenn die Priester hingerichtet werden?“

„Ja, und ich befürchte, dass dies der Plan des Präsidenten ist. Er wäre mit einem Schlag alle seine Probleme los. Die Priester und die Rebellion wären an einem Tag tot.“
Jerome schwieg verbittert und starrte wieder auf das dunkle Meer.
„Es könnte so schön und friedlich sein…“ flüsterte er.

„Und wenn die Priester und Penelopes Verlobter nicht sterben?“ fragte ich ihn.

Er drehte sich zu mir um und seine Augen sahen mich misstrauisch an. „Dann würde es keinen Aufstand geben und unsere Rebellion, hätte seinen Kopf noch. Wir würden zwar noch immer eines Tages kämpfen müssen, doch wir würden nicht sinnlos sterben. Wir hätten wertvolle Zeit gewonnen, um vielleicht eine friedliche Lösung zu finden.“

„Ich hätte da vielleicht eine Idee…“ sagte ich zu ihm „Wir brauchen acht zuverlässige Männer.“
Er sah mich noch misstrauischer an, als vor ein paar Sekunden.

„Nur acht? Allein in der Kaserne, neben dem Gefängnis sind 300 Soldaten stationiert, die nur auf uns warten.“
„Acht reichen völlig aus.“
„Was hast du vor?“
„Wir nutzen einfach die Schwäche jedes Militärsystems.“ Ich umriss meinen Plan in wenigen Sätzen und Jerome war genauso skeptisch wie Caroline.

„Wie bist du denn auf eine solch blöde Idee gekommen?“
„Weil sie schon einmal geklappt hat! Hast du schon einmal vom „Hauptmann von Köpenick“ gehört?“ fragte ich grinsend.
In Jeromes Gesicht zeigte sich eine deutliche Wandlung. Zwar ging er wohl mit Sicherheit davon aus, die Nacht nicht zu überleben, doch eine wilde Entschlossenheit ergriff ihn.
„Also gut“, er legte mir seine riesige Hand auf die Schulter und drückte zu, „ich bin dabei und kümmere mich um die anderen.“
„Ich kann das noch nicht glauben, und das hat in deinem Land tatsächlich funktioniert, ich dachte immer, ihr Europäer seid so professionell, was das angeht.“

„Deswegen hat das auch geklappt und deswegen wird das auch hier klappen, auch hier führen sich die Offiziere auf, als wären sie kleine Götter.“
„Ja, dann musst du erst einmal die Stabsoffiziere sehen, die sind kleine Götter, zumindest führen sie sich so auf.“

„Gut, genau da beginnen meine Fragen, ich muss wissen, ob die Offiziere Laster haben, gibt es üble Spelunken und Orte mit viel Alkohol, oder Bordelle, in denen die Offiziere verkehren, das sollte …“

„Ahh, ich glaub, jetzt verstehe ich dich besser Peter. Oh ja, diese Plätze gibt es. Also pass auf. Das beste Bordell in der Stadt ist auch das Bordell der hohen Offiziere, …“ Und Jerome erzählte Peter genau das, was er wissen wollte.

**

Caroline hatte sich auf den Weg gemacht, um Penelope dazu zu bringen, abzuwarten. Ihr war klar, dass dies nicht einfach sein würde. Letztlich würde es darauf herauslaufen, dass Caroline für Soleabs Leben gerade stehen musste, und sollte ich versagen, würde sicher alle Freundschaft zwischen Penelope und Caroline unwiderruflich zerstört sein und das war etwas, was ich unbedingt vermeiden wollte.

**

Drei Stunden später, gegen Mitternacht, saß ich mit Jerome in einem altertümlichen Bus, der ohne Scheinwerfer durch die Nacht brauste. Erneut hatte sich Ma’Difgtma um die Wachen gekümmert.

„Wie macht deine Mutter das denn? Wie schaltet sie die Wachen aus?“ wollte ich von Jerome wissen, als wir auf dem Weg nach Soulebda Stadt waren.
„Kula’kate.“ War die Antwort.
„Kula was?“
„Kula’kate ist ein Gift einer hier heimischen Krötenart. Richtig verarbeitet und gemixt ist es ein sehr starkes Schlafmittel. Ein kleiner Ritz oder Stich und du wirst schnell sehr, sehr müde. Je nach Dosierung bist du für einige Stunden oder Tage außer Gefecht, ohne zu wissen, wie es dazu kam.“

„Du machst Witze! Und wie verpasste deine Mutter den Wachen das Zeugs? Tut sie es ins Essen und bringt es ihnen? Ansonsten wird sie kaum an die Wachen herankommen, ich meine… sie sehen sie kommen…“

Jerome sah mich beinahe mitleidig an. „Meine Mutter und gesehen werden? Glaub mir, die sieht keiner!“

Die Art wie Jerome das sagte… so als ob es selbstverständlich wäre, dass eine ältere Haushälterin mehrere Wachen ausschalten könnte…

Ich beschloss meine Zweifel daran Jerome nicht mitzuteilen, schließlich wollte ich seine Mutter nicht beleidigen. Eine Frage hatte ich dann aber doch noch.
„Werden die Wachen nicht Alarm schlagen, wenn sie wieder wach sind?“

Jerome schnaubte verächtlich. „Wenn du auf Wache bist und einschläfst, würdest du zu deinem Chef gehen du sagen, „Sorry Chef, ich weiß nicht, was heute Nacht geschehen ist, ich bin eingeschlafen?“
Nein, die werden schön die Klappe halten.“

Nun, das war eine logische Schlussfolgerung…

In Gedanken stellte ich mir bereits eine alte Haushälterin in Küchenschürze vor, wie sie die Wachen mit einer Kröte K.O. schlug. Ich schüttelte mich, um den Gedanken loszuwerden.

**

Jerome hatte einen sehr gewagten Fahrstiel als er durch die Nacht raste.
„Hat das Ding denn keine Scheinwerfer?“ Fragte ich ihn.
„Doch, aber wir wollen nicht auffallen.“
Mir wäre ein wenig Aufmerksamkeit lieber gewesen, als Jeromes wildes Fahren durch die Dunkelheit.
Irgendwann fiel mir auf, dass Jerome dauernd zu mir herüber sah. Gerade wieder drehte er den Kopf zu mir, als ob er etwas fragen wollte, sich aber nicht traute.
„Was?“ fragte ich ihn.
„Sie hat dich tatsächlich angefasst.“
„Wer?“
„Penelope.“
„Und?“

„Ich habe noch nie erlebt, dass sie einen Fremden so nahe an sich heranlässt! Was hat sie gesagt, ich konnte es nicht verstehen?“

„Sie hat mir gedroht, das Herz herauszuschneiden und es zu essen.“
Jerome wäre fast von der Straße abgekommen.
„Bei Mualebda, das hat sie gesagt?“
„Ja und sie ist nicht die Erste. Mittlerweile habe ich schon eine ganze Liste von Leuten die mich umbringen wollen, wenn ich Caroline enttäusche oder sie verletzte. Doch, weißt du, wenn man das aber dauernd hört, verliert es den Schrecken.“

Jetzt schaute mich Jerome noch häufiger von der Seite an.
„Könntest du jetzt bitte auf die Straße schauen?“
Jerome grinste nur und wir erreichten glücklicherweise die Hauptstadt, ohne einen steilen Dschungelpfad herabzustürzen. Verdammt Jeromes Fahrstil war schlimmer als mein eigener. Und das sollte etwas heißen!
„Wohin fahren wir?“

„Zum Hafen, da arbeiten viele Leute, die zwar nicht kämpfen, uns aber dennoch unterstützen. Dort gibt es viele sichere Plätze, an denen wir uns verstecken können, außerdem ist dort um diese Uhrzeit kein Mensch unterwegs.“

Jerome fuhr um die Hauptstadt herum und brachte uns zu einem alten Verlade Peer. Hier standen mehrere Lagerhäuser aus Holz, aber auch ein paar Moderne. Auf der anderen Hafenseite, konnte ich einen hell beleuchteten Peer sehen, auf dem auch um diese Uhrzeit einiger Betrieb herrschte.

Mehrere Jeeps und gepanzerte Fahrzeuge sicherten die Zufahrt und auch Wachen konnte ich dort sehen.
„Das Verlade Peer der Engländer und Franzosen.“ klärte mich Jerome auf. „Wenn es ums Ausbeuten geht, funktioniert die internationale Zusammenarbeit plötzlich hervorragend.“ fügte ich verbittert hinzu.
„Komm, wir wollen hier nicht gesehen werden.“
Wir stiegen aus und begaben uns ins Innere eines der Lagerhäuser aus Holz, welches neben dem Peer stand.

Als wir eintraten, sah ich, das schon vier Männer auf uns warteten, die Jerome zwar freundlich begrüßten, mich jedoch mit offenen Misstrauen empfingen und sofort begann eine sehr hitzige Diskussion.
In einer längeren Rede überzeugte Jerome die Männer, dass ich vertrauenswürdig war, doch viel Erfolg hatte er nicht, das konnte ich deutlich in den Gesichtern der anderen lesen.
Wenige Minuten später kamen drei weitere Männer an und die Diskussion ging von vorne los.

Schließlich sprach Jerome ein Machtwort und die Diskussion war beendet. Erstaunt sah ich Jerome an, als er plötzlich einen harten militärischen Befehlston anschlug. Ich hatte zwar kein Wort verstanden, aber von dem Befehlston wäre auch Decker beeindruckt gewesen.
Jedenfalls schwiegen die anderen und standen auch einen ticken strammer als vorher. Jerome winkte mich herbei und nickte mir zu.

„Also, erzähl meinen Freunden von deinem Hauptmann. Keine Sorge, sie sprechen alle deine Sprache recht gut.“

Nun schaute ich mir die Männer genauer an, tatsächlich machten alle einen sehr gebildeten Eindruck auf mich. Jerome hatte anscheinend eine kluge Auswahl getroffen und so erklärte ich meinen Plan.
Er war den Männern anzusehen, was sie von meinem Plan hielten, doch auch ihnen war auch klar, was bei einem Scheitern geschehen würde und dass nichts unversucht bleiben durfte, einen offenen Aufstand und somit ein Massaker unter der Bevölkerung, zu verhindern.

„Also, wir brauchen Uniformen und Papiere.“ Sagte schließlich einer der Männer.
„Es gibt in der Stadt ein Bordell, das um diese Uhrzeit recht gut besucht ist. Ich kenne die Besitzerin ganz gut, dort bekommen wir bestimmt einige Uniformen.“ Meinte ein anderer.
So schlug jeder der Männer etwas vor und kurz darauf gingen wir alle „Einkaufen“.
Jerome und ich sollten uns um Papiere und ein Transportmittel kümmern.

„Was nehmen wir zuerst, Papiere oder Auto?“
„Wir besorgen uns zuerst die Papiere. Das Fahrzeug haben wir schnell.“

„Ok, das hier ist dein Spielplatz.“ stellte ich fest und überließ Jerome die Führung. Zusammen gingen wir durch die Stadt und je näher wir der Innenstadt mit dem Touristenzentrum kamen, umso belebter wurden die Straßen.
Anfangs dachte ich, dass wir durch dunkle Straßen schleichen würden, doch hier gab es jede Menge Leute und als Tourist mit meinem Guide fiel ich hier überhaupt nicht auf.
Jerome machte mich auf Sehenswürdigkeiten aufmerksam und wir verschmolzen in der Menge.

„WOW, irgendwie hatte ich mir eine Stadt in der Südsee ganz anders vorgestellt.“ teilte ich Jerome mit, als wir durch die Hauptgeschäftsstraße gingen. Die vielen Bars, Geschäfte und Restaurants, mit ihren Leuchtreklamen erinnerten mich an andere Hauptstädte, die ich besucht hatte und die nicht in der Südsee lagen.
„Lass mich raten, Hütten mit Palmwedeln und halbnackte Mädchen mit Körben auf den Köpfen?“
„Na ja…“
„Typisches Klischee.“ schüttelte Jerome den Kopf und grinste vor sich hin.
Dann zog er mich in einen Hauseingang und schon waren wir weg von der Straße.
„Hier wohnt meine Schwester.“ erklärte er mir, als ich ihn Fragte, wo wir sind.
„Und was machen wir hier?“
„Den Segen der modernen Technik nutzen.“ grinste er und schloss die Tür auf.
Er brachte mich in einen Raum, der ein Ladenlokal war.

„Meine Schwester betreibt ein Souvenirgeschäft. Hier gibt es alles, was der moderne und aufgeschlossene Tourist mit nach Hause nimmt. Knallbunte Ansichtskarten mit Sonnenuntergang, Korallenhalsketten, Hula-Mädchen aus Plastik die im Sonnenlicht tanzen…“

„Ich hab’s verstanden! Keine Klischees mehr. Wir werden aber kaum wegen meinen verklärten Vorstellungen über die Südsee hier sein.“
„Nein nicht ganz, neben den Baströckchen es gibt nämlich DAS.“

„DAS“ war ein moderner PC mit Xerox Farblaserdrucker und allem anderen Zubehör. Der Computer stand in einem kleinen Nebenraum, der von der Straße nicht eingesehen werden konnte. Und am Boden stand neben einem externen Plattenspeicher sogar eine unterbrechungsfreie Stromversorgung von APC.

Jerome setzte sich an den Rechner, fuhr ihn hoch und hämmerte kurz darauf auf die Tastatur ein.
„Ich bin drin!“ Verkündete er kurze Zeit später und mit einem Mal, erschien das Logo der Polizeibehörde.
„Ich wusste nicht, dass du auch so ein Hacker bist. Ich sollte dich mal Randy vorstellen.“
„Das hier erfordert keine großen Hackerkünste. Auf der Rückseite der Straße ist eine Polizeiwache. Die Polizei profitiert nicht annähend so viel, von der Gunst des Präsidenten wie die Armee und somit haben die auch ein kleineres Budget und arbeiten mit weniger Geld. Wir haben einen einfachen WLAN-Verstärker im Haus neben der Wache angebracht und uns von dort in das Netz der Wache eingewählt. Früher hatten wir weit mehr Schwierigkeiten, an Papiere heranzukommen.“ grinste er.
„Kann man das Signal denn nicht zurückverfolgen?“
„Ich hoffe nicht.“ antwortete er düster. „Bisher blieben wir unentdeckt.“
– Bisher habt ihr euch auch noch nie wirklich mit dem Präsidenten angelegt. – fügte ich in Gedanken hinzu.

Jerome begann derweil die benötigten Papiere auszufüllen und der Drucker spuckte sie aus.
Noch während der Drucker seine Arbeit machte, griff Jerome in seine Tasche und holte sein Handy heraus das wild brummte. Schweigend hörte er zu und beendete das Gespräch mit einem knappen „Ich kümmere mich darum.“

„Was ist?“ Wollte ich wissen, als er aufgelegt hatte.
„Verdammt“, sagte er zu mir, nahm die Dokumente aus dem Drucker und fügte dann hinzu, „wir haben die meisten Uniformen, aber eine wichtige fehlt noch, wir zwei müssen eine zusätzliche Besorgung machen. Hier!“ Jerome verstaute die Dokumente und drückte mir einen Wandfächer in die Hand. „Jetzt siehst du aus wie ein richtiger Tourist.“

„Haha!“ brummte ich und wir verließen den Laden.
Jerome führte mich durch die Straßen, bis wir zu einer kleinen Seitengasse kamen, um von dort zu der Hütte neben der Polizeistation zu gelangten, wo wir uns versteckten.

„Was machen wir hier?“
Er schaute auf seine Uhr und zeigte dann auf einen Wagen, der die Straße herunter kam.
„Das ist das Schöne am Militär. Es kommt immer pünktlich.“ Aus dem Wagen stieg ein Soldat aus und öffnete die Tür des Fonds. Ein Offizier stieg aus und betrat die Wache.
„Die Uniform dieses Offiziers brauchen wir, ohne die läuft gar nichts.“
„Ok, und wie kommen wir an die heran?“
Jerome ignorierte die Frage und schaute wieder zur Uhr.
„Wir haben zehn Minuten! Los!“ Damit verließ er die Hütte und wir schlichen zu dem Wagen des Offiziers.

Jetzt wo wir schlichen, viel mir das erste Mal auf, wie katzenhaft der große Jerome sich bewegen konnte.
„Hast du schon mal einen Menschen getötet?“ fragte er als wir uns hinter dem Wagen versteckten.
„Soll dass ein Witz sein? Ich bin Henker!“ antwortete ich fast schon beleidigt.

„Gut, du kümmerst dich um den Fahrer. Aber sei vorsichtig, wir brauchen die Uniform noch.“
Nach einigen Minuten ging die Tür der Wache auf und der Offizier kam mit seinem Fahrer zurück. Plötzlich kam mir mein Plan nicht mehr so toll vor, denn mir wurde klar, dass es nicht ohne Tote ablaufen würde. Der Fahrer, der unbekümmert auf mich zukam, war weder verurteilt, noch hatte er… er war eben nur zur falschen Zeit am falschen Ort.

– Idiot, etwas spät, dir darüber den Kopf zu zerbrechen! – riss mein Gehirn mich in die Gegenwart zurück und weitere Zeit hatte ich auch nicht um darüber nachzudenken.

Als der Fahrer dem Offizier die Tür öffnete, sprang Jerome um den Wagen herum und versetzte dem Offizier einen einzigen Schlag, der diesen wie ein Klappmesser zusammenbrechen ließ.
Noch bevor der Fahrer reagieren konnte, hatte ich ihn von hinten am Hals umschlungen und drückte ihm die Arterien ab, die den Fahrer keinen Alarm schlagen und nach Sekunden bewusstlos werden ließ.
Als er bewusstlos war brach ich ihm mit einem geübten Hebel das Genick.
Jerome hatte den Offizier in den Wagen gelegt und ich schob den Fahrer dazu. Kaum waren die Leichen auf der Rückbank, da sauste Jerome auch schon mit dem Wagen los um in einer Seitenstraße etwa einhundert Meter von der Polizeiwache stehen zu bleiben.

„Wir brauchen noch den Bus. Kannst du einen Bus fahren?“
„Klar, ich war der beste Fahrer, den die Bundeswehr je hatte.“
„Gut, warte hier!“

Jerome stieg aus und ging zurück zur Polizeiwache, auf deren Parkplatz ein größerer Bus stand, dann war aus meinem Sichtfeld verschwunden.
Während ich auf Jerome wartete, kam ich ganz schön ins Schwitzen, schließlich saß ich in einem geklauten Auto der Armee und hatte zwei tote Soldaten hinter mir… Ich zuckte zusammen, als plötzlich ein Bus vor mir stehen blieb. Jerome winkte mir zu, ihm nachzufahren, und ich rutschte auf den Fahrersitz, startete den Motor und fuhr Jerome nach, zum Hafen.

Kurze Zeit später versenkten wir die Leichen der beiden Soldaten im Hafenbecken und mit einem gestohlenen Polizeibus, kamen wir zurück zum Peer.
Dort hatten sich die anderen schon versammelt und bereit gemacht. Alle bis auf einen trugen jetzt Uniform. Unser Mitstreiter ohne Uniform brauchte keine, er würde seinen Job, von hier aus erledigen, oder hier draufgehen….

Es war jetzt zwei Uhr, in spätestens einer Stunde würde man den Offizier und die Uniformen vermissen
und so, der Teufel los sein. Er wurde also Zeit zur Tat zu schreiten!

„Mualebda stehe uns bei.“ sagte einer der Männer.
„Wir werden Erfolg haben, oder als Opfer unseren Freunden vorangehen.“ meinte Jerome und alle umarmten sich. Alle außer mir, irgendwie stand ich abseits der anderen… Aber Jerome kam zu mir und umarmte auch mich.
„Du bist verrückt mein Freund, aber ich bin froh, dass du hier bist. Mualebda selbst hat dich geschickt.“
Damit kamen auch die anderen zu mir und drückten mich. Tja, jetzt gehörte ich wohl richtig dazu!

**

In Deutschland

Zu Hause saß Randy an seinem Rechner, doch richtig konzentrieren konnte er sich nicht, zu groß waren die Sorgen, die er sich um seine Freunde machte.
Als Peter ihm sagte, er wolle Gefangene befreien, hatte er sich ohne allzu große Mühe in das Computernetzwerk der Regierung Soulebdas eingehackt. Entweder hatten die auf der Insel noch keine Hacker in ihrem System, oder die IT Sicherheitsverantwortlichen waren einfache Amateure.

– Was kann ich tun, um Caroline zu helfen? – diese Frage stellte er sich immer wieder, als das Telefon läutete.

„Kaufmann.“
„Wussten sie, dass es in Soulebda Stadt viele Kameras gibt, welche die öffentlichen Plätze und ganze Straßen überwachen?“, erklang eine Stimme.

„Was? Wer sind sie?“

Eine Antwort bekam Randy auf diese Frage nicht, stattdessen hörte er, „Die Daten der Kameras werden auf einen Server der Armee gespeichert, der mit dem Hauptserver der Regierung vernetzt ist. Ich erwähne das nur für den Fall, dass man den einen oder anderen auf diesen Videos vielleicht nicht sehen sollte.“

Damit war das Gespräch beendet, und die Leitung war tot.

„Hallo?!“ Doch Randy bekam keine Antwort mehr.
„Verdammt!“ Fluchte Randy und legte den Hörer auf.

Zwei Minuten dachte er über das Gespräch nach, dann wusste er, was er tun konnte, um seinen Freunden zu helfen.

Der Groschen war gefallen.

**

SOULEBDA STADT

Wir brachen auf und ich fuhr den Bus. Da ich, wie Caroline es richtig bemerkt hatte, nicht wie ein Einheimischer aussah, hatte ich den Job im Bus zu warten, bis jemand mich nach dem Fehlschlag verhaften würde.

Ich brachte den Bus vor dem Gefängnis zum Stehen und Jerome stieg mit vier anderen Männern aus. Alle trugen die Uniformen, die sie als dem Bordell entwendet hatten. Jerome trug die Uniform eines Hauptmanns, und betrat, so selbstsicher wie er konnte, das Gefängnis. Der wachhabende Soldat salutierte und ließ Jerome mit seinen Männern ein.
Von dort begaben sie sich zum Büro des Offiziers vom Dienst. Dieser, ebenfalls ein Hauptmann saß dort mit vier weiteren diensttuenden Soldaten und schauten in einen kleinen Fernseher und staunten nicht schlecht, als die fünf Mann im Büro standen. „Was wollen sie hier?“ Fragte er misstrauisch.
„Wir haben den Befehl bekommen, die Gefangenen, welche heute Mittag hingerichtet werden, in den Hochsicherheitstrakt des Palastes zu verlegen, da eine Befreiung befürchtet wird.“
Jetzt erst recht misstrauisch näherte sich die Hand des Hauptmanns dem Alarmknopf.

„Davon ist mir überhaupt nichts bekannt!“

„Nein, der Befehl kommt vom Präsidenten persönlich. Er gab ihn mir vor einer halben Stunde.“
Der Hauptmann winkte seine Leute heran und die hatten ihre Waffen schon im Anschlag.
Weder Jerome noch einer der Männer zeigten Anzeichen von Nervosität, als sich die Waffen auf sie richteten.

„Ihre Papiere!“, forderte der Wachhabende ihn auf und öffnete seine Pistolentasche.
Jerome holte den gestohlenen Ausweis heraus und wollte ihn gerade dem Wachhabenden geben, als eine Stimme durch das Büro donnerte.

„Was ist hier los?“
Ein Oberst, welcher die Uniform des Geheimdienstes trug, stand mit einem Adjutanten in der Tür. Sofort nahmen alle Soldaten, einschließlich dem Wachhabendem Offizier und Jerome Haltung an.

„Ich habe gefragt, was hier los ist!“ brüllte der Oberst erneut, als er keine Antwort bekam.
„Dieser Offizier behauptet, Befehle zu haben, die hinzurichtenden Gefangenen in den Hochsicherheitstrakt des Palastes zu überführen.“
Der Oberst baute sich vor Jerome auf.

„AUSWEIS!“ Er schnipste mit dem Finger und Jerome überreichte ihm seinen gestohlenen Ausweis.
Der Oberst studierte ihn sehr gründlich, dann gab er ihm Jerome zurück.
„Von einem solchen Befehl weiß ich nichts, und ich wüsste es als Erstes, denn ich befehle die Einheit, welche die Rebellen bei ihrem Befreiungsversuch überwältigen wird.“

„Der Präsident persönlich hat den Plan geändert, um sicherzugehen, dass keiner der Gefangenen seiner gerechten Strafe entgeht und durch eine schnelle Kugel stirbt, sollen die Gefangenen während des Kampfes im Sicherheitsflügel des Palastes untergebracht werden.“

„Wer hat den Befehl unterzeichnet?“
„General Nassadir Chalis selbst.“
Wieder schnipste der Oberst mit den Fingern und ließ sich von Jerome den Befehl geben.
Gründlich las sich der Oberst den Befehl durch, dann winkte er seinen Adjutanten zu sich.
„Rufen sie im Palast bei General Nassadir an und lassen sie sich den Befehl bestätigen!“
„Sofort!“ bellte der Adjutant und eilte zum Telefon.
Zwischenzeitlich musterte der Oberst Jerome und jeden Mann der Gruppe ganz genau.
„Ich möchte nicht in ihrer Haut stecken, wenn der Befehl nicht bestätigt wird.“ sagte der Oberst und sah Jerome mit schmalen Augen an.

„Der Befehl wird bestätigt, Herr Oberst!“ Meinte Jerome lediglich.
Der Adjutant hatte mittlerweile den Palast erreicht und ließ sich mit General Nassadir Chalis verbinden.

„Herr General, hier ist der Adjutant von Oberst Hejka’har. Wir sind gerade im Gefängnis, um noch einmal die Vorbereitungen zur Niederschlagung der Rebellen zu überprüfen. Nun steht hier ein Hauptmann, der behauptet, Befehl zu haben, die Gefangenen in den Palast zu verlegen.“ Dann las er den Befehl vor und lauschte dem General. Dann sah er zu seinem Oberst und hielt ihm den Hörer hin.
„Der General, möchte mit ihnen reden, Herr Oberst.“

„Ich komme!“ Sagte der und winkte dann den Hauptmann des Gefängnisses zu sich. „Halten sie die Männer scharf im Auge!“ Befahl er dem Wachhabenden und ging ans Telefon.

„Hier ist Oberst Hejka’har…. Jawohl! Ja Herr General!“
Oberst Hejka’har hörte zu, dann winkte er den Hauptmann zu sich und überreichte ihm den Hörer.

„Hier spricht General Nassadir Chalis“, selbst die anderen konnten die markante Stimme des Generals hören, „erkennen sie meine Stimme?“ Fragte er den Hauptmann.

„Jawohl Herr General.“

„Der Befehl kommt vom Präsidenten persönlich. Ich erwarte, die Gefangenen binnen einer halben Stunde im Palast! Haben sie das verstanden?“
„Jawohl Herr General, aber die geplante Befreiung…“
„Ziehen sie meine Befehle oder gar die Befehle des Präsidenten in Zweifel?“ kam die drohende Frage.
„Nein, Herr General.“ beeilte sich der Hauptmann, zu sagen, und stand stramm mit dem Hörer in der Hand.

„Wir kümmern uns um die Rebellen und sie kümmern sich um die Gefangenen! Deswegen schlage ich vor, sie befolgen ihre Befehle!“ Die Verbindung wurde vom General ohne ein weiteres Wort unterbrochen als General Nassadir Chalis das Gespräch jäh beendete.
Der Hauptmann stand noch einige Sekunden unentschlossen da, bis er bemerkte, dass ihn der Oberst scharf ansah.

Im Schuppen des Peers legte der achte Mann unserer Truppe den Hörer auf, atmete tief durch und hoffte bei Mualebda, dass er überzeugend genug gewesen war. Falls nicht, würden seine Freunde einen hohen Preis zahlen.
Nun kam der kritischste Moment unserer Befreiungsaktion. Der Hauptmann kämpfte noch etwas mit sich, doch wie wir gehofft hatten, wagte es der Wachhabende nicht, die Befehle seines obersten Generals in Frage zu stellen.

Schließlich legte der Hauptmann den Hörer auf, dann gab er seinen Männern Befehl die Gefangenen zum Transport bereit zu machen.

„Sie haben Glück gehabt, dass der General ihre Befehle bestätigt hat.“ teilte der Oberst Jerome mit.
„Ich habe keine Sekunde daran gezweifelt, Herr Oberst.“

Dann wandte sich Jerome an seine Männer, und befahl ihnen den Männern den Wachen zu helfen.
Minuten später wurde der erste Gefangene mit Hand und Fußketten und einem Sack über dem Kopf nach draußen in den Bus geschleift. Dabei gingen weder die Wachen des Gefängnisses noch Jeromes Männer allzu sanft mit den Gefangenen um.

Als sich das Tor des Gefängnisses öffnete und mehrere Wachen herauskamen, blieb mir fast das Herz stehen, in meinen Ohren hämmerte es, dann sah ich jedoch, wie die Wachen ausschwärmten und den Platz vor dem Gefängnis sicherten. Kurze Zeit später erschien der erste Gefangene, der zum Bus gebracht wurde.

Ich zog meine Mütze so tief ins Gesicht, wie ich konnte, öffnete die Tür, hielt den Mund, grüßte stumm und sah teilnahmslos nach vorne. Einer von Jeromes Männer gab mir einen deutlichen Schubs, der mich aufforderte, in den Bus einzusteigen, um notfalls loszufahren.

Der Oberst erschien auf dem Platz und überwachte die Aktion. Sein Adjutant lief zum Wagen des Obersten und fuhr dessen Wagen vor den Transporter.
Schließlich saßen alle Gefangenen im Bus und Jerome stieg ein.

„Fahr dem Wagen nach! Aber versuch, nicht aufzufallen!“ flüsterte er und schloss die Bustür.
Der Oberst indes bestieg sein Fahrzeug und fuhr los. Ich blieb mit dem Bus einfach hinter ihm und erst als wir um Ecke bogen, fiel mir ein tonnenschwerer Stein vom Herzen. Immer noch hinter dem Wagen des Obersten holte ich tief Luft und konnte wieder normal atmen.

Keiner der Männer sagte etwas, alles ah so aus wie es sollte, ein Transport gefährlicher Rebellen zum Palast! Schließlich waren wir noch mitten in der Stadt und konnten jederzeit gestoppt werden, doch dann passierten wir die Stadtgrenze und Jerome gab mir Anweisungen, welchen Weg ich zu fahren hatte.

Der Wagen mit dem Oberst gab Gas und verschwand hinter einer Kurve.
Ich fuhr weiter geradeaus zur Stadtgrenze, welche wir nach Fahrt von fünf Minuten erreichten.
„Jetzt Links!“ Wies mich Jerome an und die Straße ging plötzlich in einen unbefestigten Weg über. Nach weiteren fünf Minuten schien der Dschungel nach dem Bus zu greifen, so dicht war hier die Vegetation.
Mitten in der Wildnis herrschte eine totale Finsternis, lediglich die Scheinwerfer des Busses warfen bizarre Schatten.

Nun erlaubte sich auch Jerome, ein vorsichtiges Aufatmen und seine Männer begannen den Gefangenen die Säcke vom Kopf zu ziehen und die Fesseln abzunehmen.
Erste Jubelrufe wurden laut, Glückwünsche waren zu hören und Umarmungen wurden getauscht.
Nach einer scheinbar endlosen Fahrt durch den Dschungel kamen wir an ein Stück, dass weniger wild bewachsen war und Jerome ließ mich anhalten.

„Ich kann nicht fassen, dass es wirklich geklappt hat. Du bist ein Genie.“
Er umarmte mich so heftig, dass er mir beinahe ein paar Rippen gebrochen hätte.
„Das konnten die Leute damals auch nicht.“ japste ich, während er mich drückte. „Es ist doch bei jedem Militärstaat dasselbe, man muss nur weit oben auf der Leiter stehen und laut brüllen, dann tanzen alle nach deiner Pfeife.“
„Du musst zurück ins Haus, und mit Caroline später in die Stadt fahren, sonst fällt der Verdacht sofort auf euch.“ meinte er.
„Den werden sie sowieso gegen uns hegen, aber ich hoffe, dass Carolines Status als „Heilige“ uns schützt.“
„Verlass dich nicht allzu sehr darauf. Nassadir Chalis wird außer sich sein. Der Mann ist sehr jähzornig, man kann nie wissen, was er tut, wenn er die Kontrolle über sich verliert.“
„Ich werde es wohl erleben.“
Jerome ließ mich wieder anfahren und dann in der Nähe des Hauses anhalten. Nun nachdem das Adrenalin abgebaut war, schlotterten mir die Knie beim Aussteigen.

„Von hier aus ist das Haus in einer halben Stunde zu erreichen. Die Wachen werden sicher noch schlafen. Ich bringe die anderen noch in Sicherheit, dann komme ich zu euch.“
Ein Mitstreiter dieser Nacht nach dem Anderen kam zu mir und drückte mich, oder nickte mir anerkennend zu.

Schließlich kam einer der Befreiten zu mir. An seinem Auftreten und Jeromes Haltung ihm gegenüber, war mir sofort klar, dass dieser Mann Soleab n’Amsala, der Anführer der Rebellen war.

Soleab n’Amsala hatte nichts mit einen Che Guevara gemein. Im Gegenteil, der Rebellenanführer war schmal, hatte keinen rauschenden Vollbart, keine funkelnden Augen und auch sonst erfüllte er keine Vorstellung, welche die meisten Leute von einem Rebellenführer hatte. Womit wir wieder bei den Klischees wären….

Soleab sah aus, wie ein typischer Lehrer! Ein intelligenter Blick, mittlere Größe und Statur, leicht graue, kurze Haare und eine irgendetwas, was mir diesen Kerl sofort sympathisch machte..
„Ich bin Soleab n’Amsala.“ stellte er sich vor.
„Peter Stein.“ wir tauschten einen festen Händedruck aus und musterten uns gegenseitig.
„Ich hörte, dass unsere Befreiung dein Plan war.“
„Ich habe das Original nur etwas abgeändert und wiederholt.“
Soleab lächelte leicht, „Ob abgeändert oder neu, du hast heute viele Leben gerettet. Einschließlich meines, auch wenn der Preis dafür fürchterlich sein wird. Heute Nacht hat Moulebda einen neuen Sohn bekommen. Was immer geschehen mag, du wirst hier Freunde haben.“

„Soleab…“ drängte Jerome und der nickte, umarmte mich noch einmal und stieg in den Bus.
„Folge dem Pfad, er führt direkt zum Haus.“ zeigte mir Jerome den Weg und schloss die Tür. Dann setzte sich Jerome hinter das Steuer und fuhr los, während ich dem Bus nachsah, bis er im Dschungel verschwunden war, dann schlich ich zurück zum Haus.

Tatsächlich traf ich neben dem Pfad einen der Wachposten. Er lag friedlich schlafend mit dem Rücken am Baum da.
Unglaublich… dachte ich, musste Jerome aber Recht geben, wenn erst einmal die Bombe geplatzt war, würde dieser Wachposten ganz sicher nichts davon erzählen, dass er eingeschlafen war, nein er würde alle Eide schwören, dass wir das Haus nicht verlassen hatten.

Ich grinste vor mich hin, bis mir Soleabs Worte wieder einfielen. „Auch wenn der Preis dafür fürchterlich sein wird…“ was meinte er damit?

Caroline hatte sich schon eine halbe Stunde vorher zurück ins Haus geschlichen und lief im Wohnzimmer unruhig hin und her. Als ich durch die Tür kam, sprang sie mich förmlich an.

„Und?“ fragte sie gespannt.
Ich grinste von einem Ohr zum anderen. „Alles in Ordnung. Wir haben es geschafft.“

Caroline packte mich und drückte mich ganz fest. Wie lange wir so da standen, konnte ich später nicht mehr sagen, irgendwann hörte ich die Tür und Jerome nach seiner Mutter rufen.
Erleichtert, dass nun auch der letzte Teil unserer Unternehmung geglückt war, goss ich mir endlich einen Whisky aus.

„Und war es schwer, Penelope abzuhalten das Gefängnis zu stürmen?“
„Oh ja! Wenn es nicht geklappt hätte… ich will gar nicht daran denken was… Peter! Du bist mein Held!“
Wieder küsste sie mich und drückte ihren heißen Körper gegen mich.

„Dir ist aber schon klar, dass Sheramoh und Nassadir ausflippen werden und wir auf der Liste der Verdächtigen ganz oben stehen?“ fragte ich Caroline.
„Ja, aber uns kann er nicht einfach so umlegen, schließlich sind wir ausländische Gäste, und bevor sie keine Beweise haben, sind wir sicher.“
Ich war da weniger optimistisch, aber nun war es eh zu spät. „Na ja, wir werden es ja gleich erleben, in einer Stunde sollen wir am Gefängnis sein.“
„Dann sollten wir die Stunde nutzen.“ antwortete Caroline und sprang mich wie eine Pantherin an, so dass ich mit dem Rücken auf dem Boden lag und Caroline auf mir saß. „Als Rebell weißt du nämlich nie, wie viele Stunden du noch hast…“

**

Mit Jerome als Fahrer trafen wir pünktlich zur angegebenen Zeit vor dem Gefängnis ein.
Dort hatte sich bereits eine riesige Menschenmenge gebildet, doch schon beim Aussteigen war klar, dass es hier keine Party gefeiert wurde! Die Menschen wehklagten, viele weinten und hielten sich trauernd im Arm.
Mit Jerome an der Spitze bahnten uns den Weg durch die Menge und kamen an eine Absperrung, die den Platz vor dem Gefängnis für die Menschen absperrte. Als ich den Platz sah, hatte ich das Gefühl einen Schlag in den Magen zu bekommen!

Vor dem Gefängnis standen mehrere volle Massengalgen!!!
Über fünfzig Menschen hingen dort teilweise nackt in der Sonne.
Am ersten Galgen erkannte ich den wachhabenden Hauptmann, den man mit samt seiner ganzen Familie aufgehängt hatte.

Auch alle anderen Männer und Frauen, welche heute Nacht Dienst im Gefängnis hatten, hingen neben der Frau und den Kindern des Hauptmanns.
An den anderen Galgen hingen die Prostituierten aus dem Bordell und die Soldaten, die dort ihre Uniform „verloren“ hatten. Wer noch alles hier sein Leben verloren hatte, wusste ich nicht, hoffte aber inständig, dass Jeromes Schwester nicht unter den Hingerichteten war.
Mir wurde übel… So hatte ich mir unseren Triumph nicht vorgestellt. Caroline nahm meine Hand, drückte sie sah mich an, auch wenn sich kein Muskel in ihrem Gesicht bewegte, wusste ich, dass sie weinte.

– Ihr Schweine, das zahle ich euch heim! – Wieder einmal schwor ich Rache! Ich hab Trommer und der halben Fremdenlegion in den Arsch getreten, ich trete auch euch in den Arsch!!!
„Lass dir bloß nichts anmerken.“ presste sie hervor. Und schon kam Nassadir auf uns zu gerannt.

„IHR!“

„Haben sie schon ohne uns angefangen?“ fragte ich ihn und versuchte zu grinsen.
Nassadir riss seine Pistole aus dem Holster und richtete sie auf mich. „Ich leg dich um!“

„Das ist aber nicht die beste Art mit Gästen ihres Präsidenten umzugehen.“ entgegnete ich ihm.
Weis vor Zorn stand der oberste General der Insel Soulebda vor mir und ich war mir sicher, dass er abdrücken würde.

„General!“ erklang eine helle, doch befehlsgebende Stimme.
Heylah ai Youhaahb stand da, nachdem Soldaten ihr einen Weg durch die Menge gebahnt hatten.
„Stecken sie die Waffe weg!“ befahl sie Nassadir.
„Diese Personen waren an der Befreiung der Gefangenen beteiligt. Ich werde sie auf der Stelle hinrichten lassen!“ schäumt er.

„Sie vergreifen sich im Ton General! Diese Personen sind Gäste meines Mannes! Schieben sie ihre eigene Unfähigkeit nicht auf andere!“

War Nassadir schon vorher wütend, wurde er nun richtig böse und ich sah einige Soldaten zurückweichen.
Wäre Heylah nicht die Regentin und Präsidentengattin gewesen, hätte uns Nassadir mit Sicherheit alle drei auf der Stelle erschossen.
Mit zitternden Händen senkte er seine Waffe und versuchte sie in sein Holster zu stecken, was ihm aber wegen dem Zittern nicht gelang.
„Ich werde euch kriegen. Ich werde euch mit eigenen Händen Töten. Das schwöre ich euch, und wenn es das Letzte ist, was ich tute!“
Damit drehte er sich um und ließ seine Wut an seinen Soldaten aus.

„Heylah…“ begann Caroline, doch die schüttelte leicht den Kopf. „Nicht hier und nicht jetzt.“
Heylah ai Youhaahb sah uns an und ging, drehte sich noch einmal um und sagte dann leise.
„Ihr habt Glück, zufällig hatte der Server mit den Aufzeichnungen der öffentlichen Überwachungskameras heute Morgen einen Totalausfall. So viel Glück werden sie nur einmal haben.“ Dann sah sie noch einmal auf die, in der Sonne hängenden Toten während ihr die Tränen über ihr Gesicht liefen. „Sagen sie meiner Tochter, dass ich sie liebe. Mögen Mualebda und die Geister Ainig u’Alaras und Beenec u’Alaras euch beschützen.“

Dann war sie weg.

„Lass uns hier verschwinden.“ flüsterte Caroline.
Das war das Beste, was ich heute gehört hatte. Wir kämpften uns zum Wagen zurück, wo Jerome auf uns wartete.

„Deine Schwester?“ fragte ich leise.
„Nein.“ antwortete er nur und ich schloss dankbar die Augen. Wenigstens etwas…
Ich zog ein bitteres Resümee, jetzt wusste ich, was Soleab mit einem fürchterlichen Preis gemeint hatte!!!
Doch, auch wenn da fünfzig Menschen tot in der Sonne hingen, ich hatte eine wichtige Schlacht geschlagen und gewonnen!
Ich hatte, zumindest heute, ein Massaker vereitelt und viel Leben gerettet. Dennoch fühlte sich der Sieg beschissen an und ich versuchte, mich abzulenken.

– Heute Nacht gab es vier Bettpfosten, vier Stricke, und eine ans Bett gefesselte Caroline! –

**

Die Nacht gefesselt und hängend zu erleben war einerseits schmerzhaft und andererseits äußerst wohltuend. Lustschmerzen durchzogen meinen Körper als ich in dem Himmelbett in den Seilen hing und pendelte.
Peter versorgte mich danach so richtig hart und gut, nur um mich anschließend auf seine unwiderstehliche Art zu verwöhnen. Peter wusste genau, was ich wann und wo brauchte. Er jagte mich kreuz und quer durch das Kamasutra.
Es war genauso, wie ich es mochte, hart und stark, passend zu dem Land und passend zu uns beiden Alphatieren. Als er mich am frühen Morgen dann endlich zu sich ins Bett ließ, da kuschelte ich mich an Peters Seite und wir schliefen beide erleichtert und entkräftet ein.

Nach einer ausgiebigen Dusche und einem kräftigen Frühstück checkten wir unsere Mails und sonstige Meldungen und planten den weiteren Tag. Ich konnte in Peters Augen sehen, dass ihm die 50 armen Menschen immer noch durch den Kopf gingen.

Seine Gedanken kreisten immer noch um die über 50 erhängten Menschen. Das sah ich ihm an, und dass Frauen und Kinder völlig nackt aufgehängt wurden, das hatte sogar ihn berührt, ihn den erfahrenen Henker.

**

Mich erinnerte das an einen Einsatz 2005 in Petit-Goave, im unteren langen Inselschlauch von Haiti, dort wo sich auch Port-au-Prince liegt. Eine große Yacht war in der Bucht von Petit-Goave auf Grund gelaufen und die Besatzung der Yacht daraufhin entführt worden. Darunter waren auch zwei wichtige Familien aus Israel. Dies mussten unbedingt befreit werden, ohne viel Aufregen und sie mussten lebendig zurückkommen.
So kam ich ins Spiel. Mit einem Team wurde ich von Dagan dahin entsendet. Unser Auftrag lautete, die israelischen Bürger befreien und sicher nach Hause zu bringen. Für die anderen Mitglieder der Yacht gab es ausdrücklich keinen Auftrag. So war das damals, halte dich an deinen Auftrag, das war stets die Devise. Uns sagte man, dass zwei andere Dienste ebenfalls Teams zusammenstellen würden, um ihre Leute zu befreien, eine so ausgeprägte Kommunikation unter den Diensten verschiedener Länder wie heute, war zu der Zeit nicht zu denken.
Damals herrschte in der ganzen Region eine gefährliche Unruhe, wer zu lange zögerte, der fehlte beim Abendessen.
Wie bereits in anderen Einsätzen hatten wir unsere Zielpersonen recht schnell ausgekundschaftet und befreit. Wie immer wurden dabei keine Gefangenen gemacht. Wir waren wie die Schatten, schnell und zielsicher dabei immer geräuschlos und effektiv.
Als unsere Zielpersonen in Sicherheit waren, sahen wir gerade noch, wie am anderen Ende der Stadt die verbliebene Yachtbesatzung einer nach dem anderen von den Aufständischen an den Stahlträgern einer alten Fabrikhalle aufgehängt wurden. Es gab kein erlösender Fall in die Seile, kein Longdrop mit Genickbruch, nein, die Gefangenen wurden allesamt einer nach dem anderen aufgeknüpft und dabei elendig erstickt.
Da wir ausdrücklich nicht eingreifen durften, war das eine doppelte Belastung für mich, ich war damals noch recht jung und hatte noch nicht die Erfahrung von heute. Es tat wirklich weh, diese armen Menschen dort unten elendig zappelnd sterben zu sehen und nicht die 40 – 50 Aufständischen zusammenzuschießen. Mit einem fünf Mann Team und Schutzbefohlenen im Rücken ging das aber nicht.
So brachten wir unsere Zielpersonen in Sicherheit und verständigten die UN Blauhelme in der Region über den Vorfall, sie wollten sich die Aufständischen eh vornehmen.
Im Flugzeug erfuhren wir, dass die eingreifenden Blauhelmsoldaten mit den Aufständischen nach einem heftigen Kampf kurzen Prozess gemacht hatten. Die Blauhelme hatten allerdings zwei Verluste dabei zu beklagen.
Während ich die glücklichen Gesichter unserer Zielpersonen sah, die mit ihren Kindern im Flugzeug herumtollten, musste ich an die anderen Menschen denken. An die zappelnden Gesichter der aufgehängten Menschen. Ich konnte diese Gesichter lange nicht vergessen.
Der Mann, den wir dabei befreiten wurde später ein sehr erfolgreicher Diplomat und war an vielen Geiselbefreiungen dabei.

**

Inzwischen tobte sich im Regierungspalast ein wild gewordener General aus und ließ sich auch nicht zur Ruhe bringen, als er zum Präsidenten zitiert wurde.
Die aufgeregte Garde versuchte, ihn zu stoppen, aber ein fast Wahnsinniger mit einem Minderwertigkeitskomplex so groß wie die beiden Vulkane zu stoppen, das war eine Herausforderung.
So drängte er weiter und weiter zu den Präsidenten Gemächern zu und stand endlich vor der letzten Tür.

Hier hatte sich die Leibwache aufgestellt und stoppte den General endgültig. Der General fluchte und fuchtelte mit seiner geladenen Pistole umher. Endlich öffnete sich die große Tür und der Präsident stand mit seiner Gattin da, Hand in Hand.

„Was plärren Sie hier so herum?“ fauchte der Präsident den General an.
Auch vor dem Präsidenten ließ der General eine Schimpfkanonade gegen die Präsidentengattin und Regentin herabregnen, fuchtelte mit seinen Händen und als er im Wahn mit seiner Waffe zwischen die Füße der Präsidentengattin schoss, da war es genug mit lustig.

Eine weiß angelaufene Gattin sah ihren Mann an und der Präsident ließ den General sofort an Ort und Stelle von seiner Leibgarde entwaffnen und festnehmen.

Der Präsident war außer sich, er schrie den General an. „Niemand – ich wiederhole, niemand droht dem Präsidenten oder seiner Gattin oder schießt im Palast auf uns. Führt den ehemaligen General ab. Schlagt ihm den Kopf ab und steckt in am Hintereingang auf eine Lanze, dort soll er fortan die Kinder erschrecken und die Ratten vertreiben! Seinen Körper sollen die Wachhunde fressen, dann ist er noch zu etwas nütze – und jetzt hinaus mit ihm!“

Alles fluchen und wehren half dem General nicht, die Leibgarde hatte ihn gepackt und schon durch eine Tür gezogen.

So endete die Karriere des Generals – kurz und schmerzvoll.

Zu seinem Nachfolger wurde der schneidige Luftwaffengeneral Voight’l Malubh ernannt.
Ein junger aufstrebender General, der dadurch aufgefallen war, dass er seine kleine 10 Mann starke Piloten der Luftwaffe komplett hinrichten ließ, als diese mit den ersten Düsenmaschinen während einer Übung diese Maschinen aus Unkenntnis zu Schrott geflogen hatten.

Danach kamen nur noch Helikopter zur Verwendung. Damit kannten sich auch die Piloten aus und der General auch.

Wir hörten im Regierungsrundfunk, dass sich der alte General aus der „aktiven Arbeit zurückgezogen habe“ und wer zu seinem Nachfolger ernannt wurde. Ob das für uns ein Segen werden sollte, oder ob da eine neue Gefahr heranwuchs, das konnten wir da noch nicht erkennen.

**

Vorerst herrschte eine trügerische Ruhe. Der Präsident hatte seine Hinrichtungen erhalten, wenngleich anders, als gewünscht, aber es hingen für sein Gefühl zum Glück genügend am Galgen.
Die Regentin gab uns Rückendeckung und wir konnten zu Kräften kommen und unsere nächsten Züge planen.
Jerome kam zu uns und Fragte, wie es jetzt weiter gehen soll, denn Soleab n’Amsala war zusammen mit seinen Leuten untergetaucht. Wenn wir ihn bräuchten, würden wir über Jerome Kontakt bekommen.
Wir mussten als Nächstes herausfinden, was die Industrienationen hier vorhatten und wie sie in das Spiel des Präsidenten passten.
Also trafen wir uns auf dem Flugfeld von Julam’da mit Veronique und erklärten ihr, dass wir irgendwie auf die nördliche Insel kommen mussten.
„Das ist die Flugverbotszone der Amerikaner, die haben da den Luftraum gesperrt.“ „Das dürfen die doch gar nicht das ist doch euer Land, eure Insel und eure Gesetze gelten hier.“
„Ja, aber das sind Amerikaner. Die sind es gewohnt, um sich zu schießen, und glauben, dass sie immer und überall Recht haben. Die haben bereits eines meiner Flugzeuge beschossen und auch einige Fischerboote. Die nehmen sich einfach das, was sie wollen und wem das nicht passt, der fehlt halt beim Abendessen!“
„Verstanden und wie kommen wir trotzdem auf die Insel? Ich glaube, nicht dass ihr nicht einen Weg gefunden habt“ „Eine einzige Chance haben wir, mit einem kleinen Wasserflugzeug über die nördlichen Inseln da wo die ganzen Sümpfe sind und früher ein Übungsgelände war, da müssen wir hin und von dort aus über die Seeseite anfliegen, das ist der einzige Bereich, den die Amerikaner noch nicht überwachen“ „Wann starten wir?“ „Sobald ich genug Kraftstoff für das einmotorige Wasserflugzeug habe, normales AVGAS haben wir, aber nicht genug für unser leises Wasserflugzeug, den kann ich aber in einem Tag besorgen, dann könnten wir Sonntag Morgen bei Sonnenaufgang starten, wir landen bei einer der kleinen vorgelagerten Inseln und ab da müsst ihr mit dem Schlauchboot weiterkommen.“
Gesagt getan, wir saßen an dem Sonntagmorgen in der spartanischen Kabine des recht geräumigen Fliegers und hinter uns brummte der schwere Motor. „Was transportiert ihr denn normalerweise in dem fliegenden Stadtbus?“ „Alles was gebraucht wird, vom Kanu über Treibstoff, Lebensmittel, eben alles Mögliche und natürlich auch alles Unmögliche“ Wir kamen an das ehemalige Übungsgelände der Franzosen, eine düstere nebelverhangene Insel in Form eines springenden Rehs als es um uns herum aufleuchtete und helle Punkte an und vorbeiflogen.
„Leuchtspurmunition, Ausweichen!“, brüllte Peter und Veronique kippte den Flieger seitlich weg und machte sich schleunigst aus dem Weg.
Wir wollten auf dem schnellsten Weg zurück, da schrie Peter: „Aufpassen die verfolgen uns!“ Ein recht kleines aber ungemein aggressiv aussehendes Flugzeug war aufgestiegen und verfolgte uns.
Wir flogen über die Hauptinsel hinweg zur anderen Seite.
„Wir können auf dem Flugfeld nicht landen, sonst haben die uns bald.“
„Zu unserer Insel, wir sind ein bisschen schneller als das kleine Ding da,“ drängte ich Veronique und sie verstand sofort. Über das Meer kamen wir zu der kleinen Insel östlich von Soulebda, jene Privatinsel, die Penelope und ich uns gekauft hatten, damals in anderen Zeiten.
„Versteckt euch, ich komme heute Abend zurück“, wies uns Veronique an und flog die Insel flach an, landete im Wasser und wir sprangen aus dem Flugzeug und spurteten an Land. Meine roten Locken versteckte ich rasch unter einer Baseballmütze.
Da hatte Veronique bereits längst wieder Vollgas gegeben und das kleine Wasserflugzeug hob ab und verschwand in den nahen Dunstwolken.
Wir hatten das Ufer erreicht, da zischte dieses kleine Flugzeug über uns hinweg. Offenbar suchte es Veronique, fand sie aber nicht mehr und drehte zu uns um.
„Das sieht ja aus, als käme es aus den Scifi Filmen der Familie Jetson. Da passt tatsächlich gerade so ein kleiner Pilot rein und eine Waffe haben die wohl auch unter dem Rumpf.“
„Schnell und halt dich genau hinter mir, wenn du überleben willst,“ rief ich Peter zu und ich spurtete zu den ersten Bäumen. Über uns fauchte das Kleinflugzeug, drehte eine Runde und jagte eine Garbe Kugeln in unsere Richtung, drehte erneut und belegte den Waldrand erneut mit Kugeln. Danach stieg es auf und verschwand Richtung Hauptinsel.
„Zumindest haben wir Veronique etwas Zeit verschafft,“ sagte ich zu Peter und er nickte. „Und du weißt genau wo hier diese verdammten Fallen stehen, liegen und hängen?“ „Ja, genau einen Meter neben dir ist eine Fußangel, da schau“ und ich zeigte Peter das grässliche Teil. Weiter ging es zu dem angrenzenden Berg. „Sobald wir den erreicht haben, sind wir erst einmal sicher, aber diese Insel im Norden ist offenbar doch nicht so unbewohnt.“
„Was war das für ein Flugzeug, hast du so etwas schon mal gesehen?“ „Eigentlich sah das aus wie eine CriCri, ein Kleinstflugzeug, die Bausätze gibt es über den französischen Hersteller im Internet. Aber eine Version mit MG kam mir noch nicht unter. Hast du die Trikolore auf den Tragflächen gesehen, das waren Franzosen, die sind also auch hier.“
Wir krabbelten höher und erreichten eine kleine Plattform. „Komm, ich zeige dir eine kleine Überraschung, wir haben hier nicht nur gespielt …“ und ich entriegelte etwas hinter einem Stein. Eine versteckte Öffnung im Feld tauchte auf. Wie eine Schiebetür öffnete sich eine Abdeckung und gab einen Einstieg frei. Wir traten ein und hatten auf einmal mehrere Lichtkegel und kleine rote und grüne Laserpunkte auf unseren Oberkörpern und im Gesicht.
„Keine Bewegung oder das war es für euch, Gents!“
„Gents? Was zum Teufel machen die Amerikaner auf meiner Insel?“ fluchte ich die Männer in der Dunkelheit an.
Aus der hinteren Reihe meldete sich eine helle bekannte Stimme:
„Stop, nicht schießen, sofort alle Waffen sichern!“, und ein hochgewachsener Mann kam nach vorne und trat ins Licht.
Peter und ich begannen laut zu lachen und auch der hochgewachsene Mann stimmte in das Lachen mit ein. Er drehte sich um und rief nach hinten: „Hey Mike, komm mal her, das glaubst du nicht, wen wir hier gefunden haben.“

**

Eine halbe Stunde später saßen wir um ein Lagerfeuer, Peter und ich und auf der anderen Seite fünf Amerikaner, darunter „Nr. 1“ Mike Smith und „Nr. 2“ Dave Miller wie wir sie damals genannt hatten. „Was treibt denn die mächtige CIA auf meine Insel?“
„Ja ich habe gehört, dass das offenbar Privatbesitz ist, wir sind da oben durch eine Falltür gebrochen und einer unserer Männer hat sich am Bein verletzt, hier hat es ja mehr Fallen als auf Borneo zur Menschenjägerzeit!“
„Tja, wer sich auf fremdem Besitz herumschleicht, muss damit rechnen, eins auf die Mütze zu bekommen.“ grinste Peter die beiden an.
„Wir sind nicht mehr bei der Agency, wir sind jetzt Privatleute und haben hier auf der Nachbarinsel zu tun.“
„Einmal CIA immer CIA, das hat mir schon mein Onkel beigebracht.“
Die Amerikaner schauten irgendwie unzufrieden mit sich selbst und ertappt.

„Also nochmal, was macht ihr auf meiner Insel?“
„Im Grunde genau das, was alle anderen auch hier auf Soulebda tun, sie suchen ihre Vorteile und sie suchen günstige Abbaugebiete für die seltenen Erden.“
„Und da dachtet ihr, gehen wir mal auf die Privatinsel und wenn doch wer aufmuckt, was wolltet ihr dann mit den Besitzern tun?“
„Vermutlich großzügig entschädigen …?“ grinste Peter
„OK vermutlich würden wir hier eh kaum was finden. Aber weshalb habt ihr diese Insel so abgesichert, weshalb sichern Privatleute ihre Insel wie eine Hochsicherheitsanlage ab, könnt ihr mir das einmal erklären?“
„Können schon, aber es geht euch einfach nichts an. Wir sichern unser Eigentum ab und dass das nötig ist, das habt ihr wieder einmal bewiesen. Aber keine Angst, ihr seid nicht die Ersten, die diese Lektion lernen. Die anderen Eindringlinge mussten auch schmerzlich erfahren, dass es besser ist von der Insel fernzubleiben.“
„Vermutlich ist sie auch deswegen zur Sperrzone erklärt und als gefährlich eingestuft worden, ja, das haben wir jetzt verstanden Miss Miles.“
Dave sah Peter und mich an und Fragte „Wie habt ihr es geschafft, dass die Insel als verflucht gilt?“
„Oh, einige Besucher hatten sich unfreiwillig ein Gift verabreicht, das sie im Kopf verwirrte, und die haben das natürlich auf der Hauptinsel erzählt. Als Folge kamen einige Abenteurer auf die Insel und wurden ebenfalls infiziert.
Da das aber wirklich harte Helden waren, haben wir mit einigen Giftpfeilen nachgeholfen. Wisst ihr, wir haben hier Gifte, die sind nicht einfach zu erkennen und haben merkwürdige Wirkungen. Jedenfalls haben die Helden dann die Insel als von Hexen besetzt und verflucht verschrien und da kam die Sperrung gerade recht.
„OK lasst uns mal den Verletzten ansehen, vielleicht kann ich hier ja etwas helfen.“ Mike nickte und zeigte auf den Verletzten. Schmerzverzerrt schaute ein junger sportlicher Mann Dave und dann uns beide an.
„Sagen sie Colonel ist das nicht diese Henkerin, und die soll mich kurieren?“ „Keine Dienstgrade, du Anfänger und ja, wenn dir noch einer helfen kann, dann ist das Miss Miles, die Henkerin!“
Der Verletzte sah mich ungläubig an, gerade so, als würde ich jeden Moment das Messer an seiner Gurgel ansetzen. Mein breites Grinsen sorgte nicht gerade für eine Erleichterung, der kritische Blick blieb.
Ich schaute mit die Verletzung an, es war nur eine kleine Schnittwunde, die sich allerdings infiziert hatte. „Wo ist das mit dem Schnitt passiert hier oben, unten am Meer oder in den Wäldern?“
„Wieso ist das wichtig, es tut einfach nur verdammt weh? Sind Sie überhaupt Sanitäterin oder so etwas? Was qualifiziert Sie eigentlich, mir zu helfen?“
„Nun, mein junger, tapferer Cowboy, weil wir am Meer nur das wasserfeste Gift des Stachelrochens verwendet haben.
In den Wäldern hingegen das Gift von den hochgiftigen Kambô-Fröschen und hier oben auf dem Berg eine spezielle Version von Fledermauskot, vermengt mit ….“
Der Junge wechselte bereits die Gesichtsfarbe.
„Scheiße – ich hab Scheiße da drinnen … Ich hab mich da oben geschnitten und kurz darauf brach ich auch noch durch diese verdammte Falltür“, jammerte der Junge.
„OK gebt mir eure Medical Kits, alles was ihr an Medizin habt und alle sonstigen Rauschmittel, die ihr so habt. Ihr seid Amis, ihr werdet schon was dabei haben, was ich brauchen kann, um das Leben dieses kleinen Greenhorns zu retten.“ Dabei tätschelte ich dem Jungen sanft auf den Kopf, was ihm gar nicht gefiel.
„Hey, ich bin ein ausgebildeter Soldat …“
„Ja schon gut, du kennst Miss Miles nicht, aber unsere Generäle hören auf sie und wir beide auch, also bedenke, was du sagst und werde nicht frech, die Lady hat seinerzeit Colonel Worrowitz aus Fort Benning in einem Zweikampf auf die Planken geschickt.“
Der Junge sah mich fragend an „Sie waren das, Sie haben Worrowitz, die alte Kampfnatter, auf die Bretter geschickt?“ Davon erzählen die Kameraden heute noch, aber die sagen es wäre eine Amazone gewesen mit feuerrotem …“
Ich zog meine Baseballmütze ab und schüttelte kurz meine gelockten feuerroten Haare aus und der Verletzte schwieg augenblicklich.
„Jupp, es war ein fairer Fight …“ Mike und Dave fingen lauthals an zu lachen.
Die anderen Amis schauten Mike und Dave an und die nickten und spornten zur Eile.
Der junge Verletzte blickte starr vor sich hin und murmelte „verdammt, muss ich unbedingt an Xena und ihren Freund geraten …“
Schon öffneten die anderen ihr Gepäck und suchten zusammen, was sie hatten. Es war wieder einmal interessant, was Onkel Sam seinen Leuten alles mitgab, wenn sie ins Feld ziehen. Ich prüfte, was wir nun alles hatten und schaute die Männer an.
„Das sind spezial Verpackungen, die muss man öffnen, indem …“, versuchte der Verletzte zu helfen und mit einem „Knack“ lag die Verbandsmasse ausgepackt in der sterilen Verpackung vor mir und der Junge war augenblicklich still.
„Ich weiß mein Freund, das haben mir schon meine Freunde bei den SEALS beigebracht.“
Der junge Mann wurde zusehends unruhiger. „Keine Sorge, momentan versuche ich nicht Sie zu töten, sondern am Leben zu halten.“ Ich prüfte die Bestände und merkte, dass etwas fehlte.
„Ist von euch Virginia Farmboys einer etwas in der Flora bewandert und kennt einige Pflanzen?“ Mike grinste breit, „Virginia Farmboys, so hat uns auch schon lange keiner mehr genannt.“
Währenddessen stand Dave auf und sprach in die Runde der Amerikaner: „Hawkins, damit dürften Sie gemeint sein, bewegen Sie sich.“ Ein junger Mann kam auf uns zu „Was suchen Sie, wie sieht das aus und wo finde ich es?“
Endlich einmal ein Ami mit Verständnis für das wesentliche dachte ich und klärte ihn auf, was wir brauchten und wo er zu suchen hatte. Der Junge fragte ein zweimal nach und hatte dann alle Informationen. Dann verschwand er aus der Höhle, mit einem Gewehr und einem Rucksack.
„Nun zu dir mein kleiner Held, lass mich deine Wunde säubern, wenn dein Kollege gut ist, dann bekommst du gleich einen Tee, der dich rettet.“ Dave nickte und gab Anweisungen. Schon wurde von einem anderen Soldaten Wasser gekocht. Eine halbe Stunde später kam der Heilkräutersuchende zurück und hatte die bestellten Kräuter dabei, die ich sogleich zubereitete.
Nach kurzer Zeit hatte ich alles beisammen und goss den Tee auf.
Der junge Soldat trank den Tee erst vorsichtig, als er ihm schmeckte trank er gierig und schaute mich dankend an. Mit den Kräutern als Tee kam der Junge schnell wieder zu Kräften und seine Gesichtsfarbe kehrte zurück.
„Danke Miss Miles“ sagte er mit einem ehrlichen Lächeln im Gesicht. Ich lächelte zurück „Gern geschehen und nun Kopf hoch, dir geht es gleich besser.“

Hawkins, der Kräutersuchende, stand neben Mike und Dave. Er hatte neben den Kräutern aber auch eine beunruhigende Information mitgebracht.
„Sir, Da draußen ist soeben ein richtig fettes Flugboot gelandet. Das sieht aus wie eine Berijew Be-12. Da steigen bewaffnete Soldaten aus, dem Aussehen nach sind es aber keine Russen, sondern Franzosen. Sie kommen aus dem Osten.“
Mike kam auf uns zu „Wen habt ihr denn da verärgert?“ Peter und ich schauten uns fragend an „Hoffentlich habt ihr Amis nicht alle Fallen unschädlich gemacht oder gekennzeichnet, die könnten uns jetzt nämlich helfen.“
Mit Mike und Dave besprachen wir die geänderte Situation und sie meinten, dass wir doch etwas Hilfe brauchen könnten. Damit kramte Mike ein Satellitentelefon und ging nach draußen.
Dave wurde von uns unterrichtet, dass diese Franzosen offenbar aus dem Norden im ehemaligen Übungsgelände abgestiegen waren, nachdem die größeren Inseln ja bereits von den anderen Mächten okkupiert wurden und diese kleine Insel hier viel zu klein war.
Mike kam zurück und schickte zwei seiner Männer nach draußen auf Wachposten. „Die wissen auf dem Stützpunkt Bescheid, dass wir hier Probleme haben uns bereiten etwas vor. Von euch habe ich noch nichts gesagt, nicht dass die bei uns auf dumme Gedanken kommen und unnötige Fragen stellen.“
Mike grübelte etwas, dann kam seine Frage, auf die wir gewartet hatten, “Was zum Teufel macht ihr eigentlich hier auf Soulebda?“
„Ich habe vor Jahren hier gelebt und gearbeitet und wir beide wurden vom Präsidenten eingeladen.“
„Fuck …“ Meinte da Mike, „Fuck und nochmal Fuck, das hätten wir uns denken können. Ihr seid das, nach denen die da überall suchen. Ihr hattet nicht zufällig bei einer kleinen Befreiungsaktion eure Finger mit im Spiel?
Die haben ihren obersten General deswegen ausgetauscht und der Neue General ist noch ein unbeschriebenes Blatt“ Peter schaute Mike an „Da ist offenbar weit mehr im Hintergrund, als wir wissen und ja, an der Gefangenenbefreiung waren wir „etwas“ beteiligt, aber die Leute die wir da herausgeholt haben, die waren wichtig!“
„Damit meint ihr natürlich Soleab n’Amsala und die hohen Priester. Wir dachten uns schon, dass da etwas läuft, als die hohen Priester gefangen gesetzt wurden und kurz darauf Soleab n’Amsala auch gefangen genommen wurde, war uns klar, dass da mehr läuft.“
„Schon klar, aber ihr wisst natürlich, dass ihr Amis es übertreibt, ihr habt die Insel im Norden, Ni’Jamong, einfach besetzt und beansprucht sogar den Luftraum. Das ist nicht die beste Position, um bei den Verhandlungen bessere Schürfrechte zu erhalten.“
„Aber Miss Miles, zugegeben, wir waren da wohl etwas zu schnell und die Insel ist wohl die größte, aber auch die, mit dem geringsten Anteil der seltenen Erden. Und mit dem Luftraum, nun, wir denken, dass sich besser keiner unserer Insel nähern sollte, Sie verstehen?“ Erklärte Dave.
„Das ist aber nicht Ihre Insel, das sollte euch Amis klar sein. Zufällig weiß ich, dass ein Flugzeug abgedrängt wurde, das im Soulebanischen Luftraum war, das ist nicht gut.“
Mike murmelte „Gerüchte, würde ich sagen, dafür gibt es keine Beweise.“
„Wir beide waren aber in dem Flugzeug, das sind also keine Gerüchte!“ 
„Fuck,“ meinte da Dave, „dann haben die uns nicht alles erzählt. Sowas darf natürlich nicht vorkommen. Die Cowboy und Indianer Zeit ist im Grunde vorbei.“
Peter grinste nur „Ja ne, schon klar und im Grunde macht die CIA ja auch friedliche Außenpolitik, sie wird nur immer falsch verstanden.“
„Lassen wir das, diese Politik ändern wir von hier nicht.“ brummte Mike und setzte sich neben uns an das Lagerfeuer. Dann stocherte er etwas im knisternden Feuer herum „Wir wollen an die seltenen Erden heran und wir wollen die Ersten sein oder zumindest die besten Stellen haben, das ist euch schon klar oder?“
„Klar, China hat die Preise für die seltenen Erden kräftig erhöht und ihr wollt nicht mit heruntergelassenen Hosen da stehen, schon klar, aber was machen die Vertreter des Commonwealth hier, was will Neuseeland hier, die Briten und Australier ja aber was treibt die Kiwis hierher?“
„Die sind offenbar an irgendwelchen Ausgrabungen interessiert und scheinen sich noch nicht für diese seltenen Erden zu interessieren, aber sicher sind wir uns da noch nicht.“
„Sie kommen den Berg rauf, ich habe ein Dutzend gezählt, dazu zwei Piloten im Flieger“, rief eine der Wachen von draußen.
Mike und Dave kamen zu uns. „Vorschläge, das ist eure Insel, ihr kennt euch hier besser aus?“
„Ok, hört zu“ begann ich. „Die Eingangstür wird von innen verriegelt und gesichert. Sorgt dafür dass jeder, der durch die Falltür da oben fällt, auch am Boden liegen bleibt.
Zur Not nehmt den Spaten, der da oben ist. Löscht das Feuer und deckt es mit der Kuppel da ab. Mit der kann man nicht nur kochen, sondern auch den Feuerplatz abdecken.
Treibt die Eindringlinge hier herunter, dann erleben die ihre schlimmsten Alpträume nochmals.
Und wenn ihr noch einen Mann entbehren könntet, wir müssten da unten in den Gängen etwas vorbereiten.“
„Was muss der Mann können?“
„Gut sehen, der muss nicht zwingend kämpfen, oder etwas tragen können.“
Der Verletzte von vorhin bot sich an und wir bekamen von Dave je einen Satz Funkgeräte. „Kanal 31, Crypto“ sagte er uns und wir prüften kurz die Verbindung. Danach verschwanden wir in einem seitlichen Gang.
„Ich heiße auch Mike, wie unser Boss und bin IT Spezialist und EOD“, sagte der Verletzte und damit gab er uns die Hand, wir schlugen ein und es ging weiter. Wiederum ging ich voraus. Peter schaute den jungen Mann an „EOD Was ist denn das?“ „Das ist Explosive Ordnance Disposal, also Kampfmittelbeseitigung. Wir räumen den Mist weg, den andere vergraben.“
„Apropos vergraben, Vorsicht Jungs, Schlagfalle“ und ich deutete auf einen Riss in der Wand, kurze Zeit später „Vorsicht Fußangel“ So ging das eine Weile bis wir schließlich am Boden des Ganges angekommen waren.
Ehe wir zu dem verdeckten Eingang kamen, körten wir vor uns ein Geräusch und einen kurzen Schrei, danach polterte etwas zu Boden. Ein Rascheln und leichtes Stöhnen und im Licht der Taschenlampe lag vor uns ein sterbender Franzose mit einem Giftpfeil im Hals und einem Spieß im Herzen. „Merde …“ kam gerade noch über seine Lippen dann brach auch schon sein Blick.

Aus seiner Ausrüstung entnahmen wir einen Satz Pläne, einige Bilder, das Funkgerät und einen USB Stick, dazu ein gutes Kampfmesser und 9 mm Parabellum Munition für uns. Sein Gewehr aber schien verschwunden zu sein.
Es knackte im Funk „Es geht los, wir haben zwei der Angreifer,“ dann eine kurze Pause dann „Jetzt sind es drei“ Ein gellender Schrei hinter uns und ein Schuss ließ uns in Deckung gehen, der Begleiter des Franzosen war in eine der Fußangeln getreten und hatte versehentlich geschossen.
Mike schoss auf den Soldat und der Legionär erschlaffte. Bei ihm fanden wir weiteres Material und auch die fehlende Waffe.
„Wir haben hier auch zwei ausgeschaltet,“ gab Peter über Funk durch.
Dann knackte es im Franzosen Funkgerät, leise kam ein „Jean, René – Rapport vite vite“ und das Gerät schwieg wieder.

**

Von oben kamen die ersten Schüsse helle und dunkle, dumpfe Schüsse, dann eine Explosion und es war wieder Ruhe. Aus dem Funk der Franzosen plärrte es auf einmal laut „Retrait immédiat“ dazu ein Pfeifton, dann war Ruhe.
Die Franzosen waren auf dem Rückzug. Der Berg war ihnen jetzt doch unheimlich geworden, überall lauerten Fallen und sie hatten binnen Minuten fast die Hälfte ihrer Männer verloren.
Ihr Anführer hatte zum Rückzug gerufen und die Überlebenden kamen angerannt. Gerade drehte sich der Anführer um, da brach er, nahe einem Baum durch eine Abdeckung und verschwand mit einem Schrei in einem schmalen Erdloch.
Aus dem Gipfel das Baumes, oberhalb der Falle, rauschte es und rumpelnd fiel ein Baumstamm von gut drei Meter Länge und gut 40 cm Durchmesser in das Loch, in dem der Anführer verschwunden war und zerstampfte ihn. Ein kurzer dumpfer Aufschrei war das Letzte, was aus dem Loch kam.
Jetzt rannten die Fliehenden noch schneller zum Ufer. Das war dann auch den hart gesottenen Franzosen zuviel. Selten hatten wir solch harte Soldaten so überhastet fliehen gesehen.

Mike hatte inzwischen das Gewehr eines Franzosen geprüft und wir traten hinter einem riesigen Baum ins Freie. Keine 100 Meter vor uns lag das Wasserflugzeug und die Motoren starteten gerade. Aus dem Laderaum winkte einer der Piloten den vier rennenden Soldaten zu und half ihnen beim Einsteigen.
Mike legte das Gewehr an, zielte sorgfältig und schoss dreimal, in die Maschine, aber keiner der fliehenden Männer nahm Notiz. Er schoss weiter und auch jetzt schien er nichts zu treffen.
„Das habe ich auch schon mal besser gesehen“ sagte ich zu Mike, aber er grinste breit und meinte nur „Abwarten!“ Die schweren Motoren wummerten auf, bliesen heftige Winde landeinwärts und das Flugboot nahm Fahrt auf, tatschte zweimal im Wasser auf und hob dann steil ab in den Himmel, gewann rasch an Höhe und Geschwindigkeit. Eine Minute später drehte sich aber das Flugboot plötzlich seitlich weg, die Motoren stotterten kurz. Aus dem Innenraum dampfte und rauchte es. Dann geschah es.
Ein greller Lichtblitz stand da, wo eben noch der Flieger in der Luft hing. Mit einem lauten Knall zerriss es die riesige Maschine. Rauchende, brennende Wrackteile fielen einige Hundert Meter herunter ins Meer, dann herrschte Ruhe und nur noch eine schwarzer Wolke war Zeuge dass hier etwas unerwartetes geschehen war.
„Die hatten offenbar noch anderes an Bord als nur Treibstoff, das sollte eigentlich nur den zentralen Ölverteiler zerstören.“
Wir sahen ihn stolz an „Guter Schuss Soldat!“, und er lächelte dankbar und erwiderte stolz „Sniperausbildung bei General Oldfield in …“ Ich konnte nicht mehr und lachte darauf los. Verwundert sah mich der Soldat an. „Daddy Langbein lebt immer noch?“, lachte ich den Jungen an und er lächelte zurück, „Sie kennen Daddy Langbein, ich glaube es nicht, Sie kennen auch alle Welt wie?“

„Daddy Langbein, oh ja wir haben oft zusammen gestritten über die Vorzüge der Cal. .50 Munition. Daddy liebte doch diese 20 mm Monster und ich kam mit der Halbzoll Munition besser zurecht. Sein Wissen hatte ich schon damals bewundert. Ich weiß noch, dass er mich einmal zu den Entscheidung Wettkämpfen nach Alaska mitnahm und dort mit mir angab, als sei ich seine Tochter, die er nie hatte.

Ja Daddy Langbein, ich habe ihn geliebt, wie man einen wissenden Altvorderen lieben muss. Wie geht es ihm, ich habe lange nichts mehr von ihm gehört?“
„Tja, Daddy Langbein ist vor zwei Jahren bei einem Flugzeugabsturz gestorben. Wir waren bei der Wohnungsauflösung im Camp Echo und sahen die nicht fertig gewordene Urkunde, an der er arbeitete. Er hatte doch eine besondere Art des Urkunden Schreibens und diese war für eine Frau mir rotem Haar, aber die nannte er nicht Caroline Miles, sondern Mischka.“

Ich wurde etwas nachdenklicher. „Ja, seine Kalligraphie war wunderbar, er konnte noch richtig mit Feder und Tusche zaubern, aber Mischka, so nannte man mich früher beim Mossad.“
„Oh, dann stimmt das doch, dass Sie von dort kommen, wir konnten die Urkunde nicht zustellen, mein Freund hat sie eingelagert und ich weiß jetzt ja, für wen die gedacht war. Lassen Sie uns nachher die Adressen tauschen ja?“ „Klar das machen wir.“

„Zurück, wir müssen die Kiste holen und dann nach oben zu den anderen“ Im Lager auf dem Berg sah es aus wie nach einem Scharmützel, die gefallenen Soldaten wurden gerade durchsucht und dann wurden sie beigesetzt. Lediglich der Anführer verblieb in seiner Falle, da kamen wir ohne Werkzeug ohnehin nicht ran. Wir schütteten nur etwas Erde um den schweren Stamm, damit war das Grab auch fertig.

„Alles klar?“ Fragten wir, „Ja, keine Verletzten aber ein kaputtes Funkgerät“ sagte Mike. „Was war denn bei euch los und wer hat verdammt nochmal den Flieger heruntergeholt?“

„Offenbar hat sich an Bord etwas entzündet oder eine Granate ist explodiert“ sagte ich, ehe Mike etwas sagen konnte. Mike schaute mich an. „OK verstehe“ sagte er, dann war das Thema durch.
Dave kam zu uns. „Gerade landen unsere Jungs mit einigen Hubschraubern, ihr beide kommt wohl besser mit uns, sonst stellen die falschen Leute, die falschen Fragen.“ An Bord des Jet Rangers teilten wir unsere Erkenntnisse mit Mike und Dave.

Die Franzosen hatten offenbar auch ein Interesse an der Insel und sie haben sich im Teufelssumpf, wie das ehemalige Übungsgelände bei den Amerikanern genannt wurde, erst kürzlich eingerichtet. Wie sie das riesige Flugboot dort aber versteckt hatten, blieb uns schleierhaft.
Da unsere Privatinsel bereits den Ruf hatte, dass sie verflucht sei, und die Anzahl der Ausfälle bei den Franzosen jetzt recht groß war, rechneten wir in der nächsten Zeit dort mit keinen weiteren ungebetenen Besuchern.
„Das Satellitentelefon könnt ihr behalten, uns erreicht ihr über diese Nummer und denkt dran, wir haben euch im Auge.“ „Ja ja, wenn ihr uns finden könnt“ lachten wir. Der Hubschrauber setzte uns nahe einem kleinen Dorf ab und flog dann zu den anderen zurück.

**

Am anderen Tag waren wir in der Höhlenregion von Penelope an und wir berichteten ihr von unseren Erkenntnissen. Ich staunte immer wieder über die Größe der Höhlen. Penelope nahm die Neuigkeiten auf, dachte kurz nach und gab anschließend ein Zeichen an ihre beiden Begleiterinnen.
Die beiden Mädchen, die ständig bei Penelope waren, begannen zu lächeln und flüsterten leise etwas, das ich nicht verstand.

Penelope lachte kurz und sah zu Peter, dann nickte sie und die Mädchen schwebten förmlich zu Peter.
Völlig überrascht, zogen sie ihn aus seinem Lager und verschwanden mit ihm in einem offenen Seitenbereich der Höhle. Schon bald danach hörten wir Geplätscher und Gekicher. Die beiden Schönheiten massierten Peters Rücken und stiegen alsbald ganz zu ihm in das Wasser. Peter schaute nochmals kurz zu uns und sah, dass Penelope und ich erst nickten und dann lächelten. Daraufhin entspannte sich auch Peter.

„Die verwöhnen deinen Peter jetzt ein wenig, du hast doch sicher nichts dagegen einzuwenden oder“ und sie nahm mich in ihren Arm. „Liebes, ich habe dich so vermisst, sei dir dessen immer bewusst, ich liebe dich. Diese Engländerinnen sind für mich viel zu träge und viel zu langsam und mit den Mädchen hier kann und darf ich mich nicht einlassen, also wie ist es, bist du noch so gut mit der Flasche wie damals?“ Dabei schaute sie mich keck und fordernd an.

Wir zogen uns in Penelopes Private Höhle zurück. Das war die einzige Höhle mit einer richtigen Tür.
Ihre Leibwache schloss die Tür und sicherte den Eingang. Eine halbe Stunde später hörte man aus der Wohnhöhle tiefe Geräusche der Wollust … Endlich konnte sich Penelope wieder so richtig entspannen und gehen lassen und ich teilte diese Freunden nur allzu gerne mit ihr.

Eine der Wachen meinte zur anderen „Das muss ein unglaubliches Erlebnis sein, mit einer lebenden Göttin vereint zu sein und ihre Liebe zu spüren“ und sie bestätigte „Ja sicher, das ist bestimmt einzigartig!“

**

Als ich die Penelope und Caroline gemeinsam in die Höhle gehen sah, war ich kein bisschen eifersüchtig. Im Gegenteil, ich freute mich, dass die beiden endlich wieder gemeinsam Spaß hatten. Caroline und Penelope schien ein sehr starkes Band zu verbinden und ich hatte gelernt, dass hier auf Soulebda, die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften weit weniger skeptisch gesehen wurden, als bei uns. Auch der Sex war viel weniger an eine Partnerschaft gebunden als in der „zivilisierten Welt“.
Je länger ich darüber nachdachte, umso mehr kam ich zu dem Entschluss, dass es vielleicht eine gute Idee war, mich später einmal hier niederzulassen. Palmen, weiße Strände, Sex, abends einen guten Whisky… Und Galgen mit … STOPP! Rief mein Hirn! Verdammt! Ich versuchte es erneut und versuchte mich auf die schönen Seiten dieser Insel zu konzentrieren.
Als ob Penelopes Mädchen, oder Zofen, wie immer man es nennen wollte, diesen Kampf in mir spürten, kamen sie mir zur Hilfe.
„Lass dich fallen.“ Forderte mich Mieleyer, eines der Mädchen auf. „Wir übernehmen jetzt.“
Fallen lassen… ja, das hörte sich gut an, also schloss ich die Augen und versuchte abzuschalten, was gar nicht so einfach war, meine Gedanken kreisten immer wieder um die letzten Stunden.

**

Nach ihrer Befreiung waren Soleab n’Amsala und die Priester nur kurze Zeit bei ihr in den Höhlen geblieben, es war einfach zu gefährlich hierzubleiben. Die Armee suchte nach ihnen und Soleab wollte die Menschen hier nicht unnötig in Gefahr bringen. Doch wo sollten sie sich verstecken? Soulebda war eine Insel und der Platz darauf begrenzt.
Schließlich schlug Xialorenga, die erste Priesterin vor, Ma’aru a’Hualb den obersten Häuptling der Stämme um Beistand zu bitten. Nun, da ein bewaffneter Konflikt unausweichlich schien, brauchte man jeden Verbündeten, den man finden konnte und die legendären Krieger der Stämme wären eine nicht zu unterschätzende Hilfe.
Der Lebensraum dieser „Geisterkrieger“ lag ebenso wie der der Stämme außerhalb der Städte in den unzugänglichen Gegenden Soulebdas. Die Stämme lebten so zurückgezogen, dass sie mittlerweile für viele Bewohner Soulebdas mehr Legende als Tatsache waren.
Doch ob Legende oder nicht, die ganze Kultur Soulebdas leitete sich von den Stämmen und besonders von den Kriegern ab. Der Grund, warum Soulebda eine so große und erfahrene Armee besaß, beruhte einfach auf der Krieger-Tradition.
In den weinigen Berichten, welche ich im Internet über die Stämme gefunden hatte, wurden Vergleiche zu den berühmten Maori gezogen. Ein Bericht ging sogar soweit, die Krieger Soulebdas, mit einer Mischung aus Maori und Gurkhas zu vergleichen.
Doch bis jetzt hatten sich die Stämme aus allen Streitigkeiten zwischen der Regierung und den „Rebellen“ herausgehalten. Ma’aru a’Hualb war klug genug zu wissen, dass es für die Stämme besser war Zurückhaltung zu üben und am besten nicht aufzufallen. Auf diese Art hatten die Stämme Jahrhunderte lang ihre Tradition erhalten können.
Doch nun bedrohte die Politik Sherahmons die Stämme direkt, denn der Abbau würde nicht an den heiligen Städten halt machen. Er würde die ganze Insel und somit den Lebensraum der Stämme ergreifen.
Einerseits fiel es Soleab schwer, die Stämme in den Konflikt hineinzuziehen, andererseits war ihm klar, dass er jede Hilfe annehmen musste und so stimmte er schweren Herzens, dem Vorschlag Xialorenga zu.
Ma’aru a’Hualb, der die Zeichen der Zeit richtig gedeutet hatte, stimmte einem Treffen zu, machte aber zur Bedingung, das alle Häuptlinge der sieben Stämme Soulebdas, an den Verhandlungen teilnahmen.

Damit waren alle einverstanden und die Verhandlungen begannen schon einen Tag später. Als Erstes boten die Stämme den Befreiten einen sicheren Unterschlupf, dann folgte die Beratung, ob die Stämme aktiv in den Konflikt eingreifen sollten.

Jahre’ferta, der Häuptling des Stammes, zu dessen Gebiet auch die Insel Ka’Ilin gehörte, auf der die Briten die seltenen Erden abbauten, berichtete von gravierenden Umweltschädigungen und davon, wie die Angehörigen seines Stammes immer weiter vertrieben wurde.

Ähnliche Berichte kamen auch von den Häuptlingen Ni’Jamongs und PoTaus. Alle waren sich einig, dass es so nicht weitergehen konnte und ebenso waren sich alle einig, dass es unter Sheramoh keine befriedigende Lösung des Konflikts geben würde.

„Was ist mit dir?“ Fragte schließlich Ma’aru a’Hualb Soleab. „Wenn wir uns deiner Seite anschließen, wird es viele Opfer unter unseren Familien geben. Viele unserer Krieger werden sterben, ganze Dörfer vielleicht vernichtet und viel Leid wird über uns kommen. Welche Worte hast du für uns?“

Soleab stand bedächtig auf und wandte sich den Häuptlingen zu. „Ma’aru a’Hualb hat Recht! Es werden viele Krieger und auch andere Angehörige der Stämme sterben. Und so wie beschrieben, wird das nur eintreten, wenn wir diesen Kampf gewinnen! Wenn wir ihn verlieren, wird euer Lebensraum vernichtet!
Ihr habt die Berichte von Ka’ilin und Ni’jamong gehört, wie wollen die Stämme ohne ihren Lebensraum überleben? Nein wenn wir diesen Kampf verlieren, werden die Stämme Soulebdas, welche Jahrhunderte überdauert haben, innerhalb kurzer Zeit zugrunde gehen.“
Betretenes Schweigen legte sich über den Rat der Häuptlinge und alle ließen sich die Worte Soleabs düsteren Vorhersagen durch den Kopf gehen.
„Wirst du unseren Lebensraum schützen? Auch wenn unser Boden wertvoll ist?“ Fragte Ma’aru a’Hualb schließlich.

„Versteht mich richtig, ich bin nicht gegen den Abbau der seltenen Erden, doch ich trete dafür ein, ihn ausschließlich dort zu betreiben, bei denen der Nutzen keinen Schaden, bei Natur oder Mensch anrichtet. Ihr solltet wissen, dass ich nicht die Macht Soulebdas übernehmen will, doch sollte ich diesen Kampf überleben, werde ich KEINEN Herrscher oder Herrscherin dulden, welcher eure Lebensräume nicht respektiert. Das schwöre ich bei Mualebda!“

Ma’aru a’Hualb nickte bedächtig und forderte anschließend alle auf den Rat der Häuptlinge alleine zu lassen, damit man sich beraten konnte.
Penelope drückte sich draußen ganz fest an Soleab. „Das war eine gute Rede. Ich glaube sie werden dir folgen.“

„Sie folgen mir in den Tod. Was biete ich ihnen außer Tod und Leid?“
„Ihr Überleben!“ antwortete Penelope und sah Soleab tief in die Augen. „Du bietest ihnen eine Zukunft! Ja, es werden Menschen sterben, doch wir dürfen über die Sorgen derer, welche sterben werden, nicht die vielen anderen vergessen, welche nach diesem Kampf wieder eine Zukunft haben werden!“
„Du redest schon wie eine Politikerin. Vielleicht solltest du die Regierung übernehmen, schließlich herrscht hier das Matriarchat.“
„Nein, dazu bin ich nicht bereit! Zumindest nicht solange meine Mutter…“ betroffen schwieg sie und Soleab hielt sie einfach fest, während Penelope ihren Tränen freien Lauf ließ.
Die Beratung der Häuptlinge dauerte drei Stunden, dann bat man Soleab, Penelope und Xialorenga wieder zu sich.

„Wir sind uns einig geworden. Keiner von uns will einen Kampf, welcher den Tod vieler Angehöriger fordern wird… Doch nicht zu kämpfen, bedeutet tatenlos dem Untergang entgegen zusehen. Wir schließen uns deinem Kampf an, solange du zu deinem Schwur gegenüber Mualebdas stehst.“

**

In dieser Nacht huschten viele Schatten über die Insel. Mit Hilfe der Stammeskrieger gelangten Boten ungesehen in jede Stadt und jedes Dorf und überbrachten eine wichtige Botschaft von Xialorenga. Die Priesterin konnten die Menschen überzeugen, keinen offenen Krieg zu führen.

Viele erleichterte Menschen, welche sich einem aussichtslosen Kampf gegenüber sahen, gingen still und leise wieder nach Hause… Der Aufstand blieb aus, und somit gab es auch kein Massaker unter der Inselbevölkerung.

**

TEL AVIV

„Unglaublich!“ murmelte Dagan. „Einfach unglaublich!“
Zum hundertsten Mal sah er sich die Aufnahmen des Satelliten an, welcher ihm Bilder der Befreiung geliefert hatte.
Durch die Kürze der Zeit, hatte es Lem nicht mehr geschafft einen „richtigen“ Spionagesatelliten in Position zu bringen, und so musste man sich behelfsmäßig mit einem zivilen Satelliten zufrieden geben.
„Kommen sie rein!“ rief er als Lem an seine Tür klopfte.
„Und kann man etwas erkennen?“ wollte Lem wissen.
„Nicht viel, aber etwas schon. Hier!“ Dagan winkte Lem zu sich und ließ die Aufnahme erneut ablaufen.
Da die Kamera keine hochauflösende war, konnten die zwei das Geschehen nur erahnen.
Die Uhr zeigte 03 Uhr 50 als ein Bus vor dem Gefängnis stehen blieb und dann um 04 Uhr 15 Menschen aus dem Gefängnis zum Bus gebracht wurden. Anschließend fuhr der Bus weg und die Spur des Busses verlor sich im Dschungel.
Die Meldungen und Nachrichten aus Soulebda gaben ebenfalls keinen Aufschluss darüber wie die Gefangenen befreit wurden.
„Die Überwachungskameras?“ fragte Lem.
„Nein, Kaufmann hat unseren Wink verstanden und alle Aufnahmen gelöscht. Er hat den Server der Armee völlig platt gemacht. Der hilft uns also auch nicht weiter.“
„Was meint denn ihr Wunderkind?“
„Fabienne? Sie glaubt, dass Peter und ein paar andere sich einfach ein paar Uniformen besorgt und so die Gefangenen befreit haben.“
„Kommen sie! Dass es so einfach war, glauben sie doch selbst nicht!“
„Jedenfalls hatte Fabienne mit ihrer Einschätzung der Lage Recht, Stein hat ein Ding abgezogen, womit niemand gerechnet hat, auch wir nicht.“
„Das gebe ich zu. Ich habe Fabienne deshalb heute Morgen zu ihrem inneren Stab versetzt.“
„Gut!“ Dann sah er wieder auf den Bildschirm. „Nun…Mehr ist nicht zu erkennen.“ Wieder lief die Aufnahme ab.
„Die sind einfach vorgefahren und haben die Gefangenen eingeladen…“ Schüttelte Lem, den Kopf. „Wie zum Teufel…???“
„Keine Ahnung, ich schätze wir werden es erst erfahren, wenn wir…“
Lem grinste leicht. „Ja, diesbezüglich habe ich ein paar Erkundigungen eingezogen.“
„Dann schießen sie los!“

„Momentan liegt unsere Hauptsorge eher bei den Aktivitäten unserer Gegner auf dem Lande. Marinemäßig sind wir zwar mit den Überwassereinheiten gegen Schmuggler vor unserer Küste beschäftigt, doch unsere U-Boote haben gerade wenig zu tun. Auf Grund dessen, sind einige unserer Einheiten zur Modernisierung in der Werft.
Die Amerikaner haben einen neuen Filter für das Sonarsystem entwickelt, welcher auf Hawaii in eines unserer Boote eingebaut wird.“
„Hawaii?“ fragte Dagan nach. „Ist das nicht etwas weit entfernt, für unser Boot?“
„Ja, das ist es tatsächlich, doch erstens ist es eines unserer neuen Wasserstoffboote und zweitens bietet uns dieser Stützpunkt ein Maximum an Geheimhaltung.“
„Und welches Boot ist auf Hawaii?“
„Die Hebron unter Kapitän Tamar.“
„Tamar? Den kenne ich, ein guter Mann.“
„Ja, ein Kapitän, der sein Handwerk versteht. Wissen sie wie er sein Boot nennt? Er nennt es, den „Todesschatten!““
„Nun, dass passt! Wie lange liegt der Todesschatten noch auf Hawaii?“
„Die Arbeiten am Sonar sollen in zwei Tagen abgeschlossen sein.“
„Gut! Sobald die Arbeiten auf der Hebron abgeschlossen sind, lassen sie Tamar Kurs auf Soulebda nehmen.“
„Ein U-Boot allein kann uns nicht weiterhelfen.“
„Nein, das ist mir klar. Stellen sie auch ein Team zusammen!“
„Und wie wollen wir ein Eingreifen unsererseits auf Soulebda rechtfertigen? Ich gehe zwar davon aus, dass wir nicht offiziell in die inneren Angelegenheiten Soulebdas eingreifen, doch was ist wenn wir Farbe bekennen müssen?“
„Caroline ist dort! Sie ist israelische Staatsbürgerin und wir schützen unsere Staatsbürger, egal wo sie sind!“
„Genau, das ist es, legen Sie los.“ sagte Dagan.

**

SOULEBDA

Ich hatte nun den offiziellen Status eines Helden!
Und …ich musste zugeben, das hatte etwas. Wenn Caroline schon eine „Heilige“ war, konnte ich wenigstens ein Held sein.
Doch jedes Mal wenn ich die Augen schloss und die 50 Leichen vor dem Gefängnis in der Sonne hängen sah …
Scheiße, das Held sein hat auch Schattenseiten.
„He… Europäer! Ich sagte, lass dich fallen!“ befahl Haylya mir mit gespieltem Ernst, griff mir zwischen die Beine und drückte mich gegen Mieleyer, die hinter mir stand.
Mieleyer umgriff meinen Nacken und schon lag mein Kopf in ihrem Schoß. Mit sehr geschickten Fingern massierte sie meine Schläfen, während Haylya mit ebenso geschickten Fingern meinen „anderen Kopf“ massierte.
So schaffte ich es wirklich nach kurzer Zeit fallen zu lassen und alle negativen Gedanken abzuschütteln.
Oh ja, die beiden gaben sich alle Mühe mich zu verwöhnen und als wir im Anschluss an die Massage zusammen in der Grotte badeten, kam mir automatisch der „Prinz aus Zamunda“ in seiner Badewanne in den Sinn und ich musste grinsen.
Tja, wer hätte gedacht, dass es das wirklich geben kann.
So etwas bekamen eben NUR Helden!

Haylya und Mieleyer hätten Zwillinge sein können. Beide waren Anfang Zwanzig und sahen hinreißend aus. Lange schwarze Haare, gute B-Möpse und Sanduhrenfiguren, die genau an den richtigen Stellen rund waren. Absicht oder nicht, die Zwei entsprachen genau dem Klischee über Südseeschönheiten.
Während ich mit dem Rücken nach oben und aufgelegtem Kopf am Rand der Grotte entspannte, und mir Mieleyr erneut den Rücken massieren ließ, griff Haylya zwischen meine Beine durch und massierte etwas ganz anderes…
Sie war ein Naturtalent, die jedem Tantra Lehrer noch etwas hätte beibringen können. Mit geschickten Fingern umfasste sie meinen Riemen drückte und massierte ihn, ohne mich wirklich hochkommen zu lassen.
Ich schaffte es tatsächlich, mich soweit fallen zu lassen, dass ich glaubte über die Insel zu schweben.
Eine solche Erfahrung war für mich völlig neu. Ich hatte den Hype über Tantra Massagen nie verstanden und immer als übertrieben abgetan, nun wurde ich eines Besseren belehrt.
Für einen kurzen Moment schlich sich die Frage in mein Gehirn, was Caroline und Penelope wohl in ihrer Höhle trieben und ich war mir sicher, dass die zwei nicht Höhlen-Halma spielten.
Minuten später saß Mieleyr in Reiterstellung auf mir und zeigte, dass sie mit ihren Beckenbodenmuskeln genauso begabt war, wie mit ihren Händen.
Die beiden schienen ein eingespieltes Team zu sein, denn der Ritt war erste Klasse, nein er war einmalig. Alles an diesem Spiel schien ausgelegt zu sein, mich zu verwöhnen. Wenn das die Entschädigung dafür war, dass Penelope ihren Spaß mit Caroline haben durfte, dann durfte sie ihn gerne öfter haben…
Haylya und Mieleyr pressten ihre Lippen fest gegeneinander, küssten sich und hielten dabei meinen Schwanz zwischen ihren Lippen.
Ich musste wirklich alles an Beherrschung aufbringen, um das Spiel nicht schon nach einer halben Stunde zu beenden, doch immer, wenn ich kurz davor stand zu kommen, massierte Haylya meinen Schwanz mit ihrer Tantra Technik und verschaffte uns so eine weitere Runde.
Es war ein verdammt guter Fick! Selbst ohne Fesseln, Stricken, oder Spielzeug.
Irgendwann hatte ich jedes Zeitgefühl verloren und schwebte weit über der Insel, bis mich die beiden mit einem unglaublichen Orgasmus erlösten. Eben schwebte ich hoch in der Lauft, in der nächsten Sekunde raste ich dem Erdboden entgegen. Einen so unglaublichen Orgasmus hatte ich bisher noch nicht erlebt.
Mit Haylya links und Mieleyr rechts im Arm schlief ich irgendwann ein.

**

Als ich erwachte, lag ich allein im Bett.

Ein Blick auf die Uhr sagte, dass ich erst vor wenigen Stunden eingeschlafen war, dennoch war ich top fit.
Die Massagetechnik, und das was nebenbei gelaufen war, hatten mich wirklich entspannen lassen. Ich überlegte kurz, ob Caroline wohl etwas dagegen hätte, wenn wir Haylya und Mieleyr später nach Hause mitnehmen würden …
Ich stand auf und, oh Wunder, jemand hatte Kaffee gekocht und eine Kanne neben das Bett gestellt.
Ja, Held sein hatte Vorteile!
Ich goss mir eine Tasse aus und trat vor die Höhle. Im ersten Sonnenlicht, sah ich Caroline mit Penelope in der Grotte baden. Sie wuschen sich gegenseitig den Schweiß der Nacht von ihren Körpern und beschloss den beiden noch etwas Zeit alleine zu lassen.
Mit der Tasse Kaffee in der Hand, setzte ich mich auf einen Felsen und schaute den beiden zu.
Nach einer Weile fingen meine Gedanken an zu kreisen… ich versuchte unsere Erkenntnisse zusammenzutragen und zu sortieren.
Nr. 1 und Nr. 2…-Mike und Dave!!!- schimpfte ich mich selber (ich musste mir unbedingt die Namen merken!) wiederzusehen, war schön. Die zwei waren maßgeblich am erfolgreichen Ausgang der „Schlacht um Fransiskas Hütte“, und damit an Veras Rettung beteiligt gewesen.
Nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten, wie sich gegenseitig die Kanonen unter die Nasen halten und trotz der schiefen Nase, die Dave mir verdankte, hat er mir als Scharfschütze im diesem unübersichtlichen Kampf den Rücken freigehalten und mir sowie Sarah, mehrfach das Leben gerettet.
Nun waren sie als „Scouts“ auf Soulebda, um für „private Investoren“ lohnende Gebiete zu finden, in denen sich der Abbau der seltenen Erden lohnt.
Aber wie Carolines Onkel, Dagan, sagte… einmal CIA immer CIA.
Ich glaubte nicht daran, dass Mike und Dave in die Privatwirtschaft gewechselt sind. Mike hatte zugegeben, dass sie nach den seltenen Erden suchten und das obwohl sie schon ganz Ni’jamong „besetzt“ hatten. Warum suchen sie im geheimen?- fragte ich mich. Dieser Frage musste ich nachgehen, denn je nach Antwort kam die Möglichkeit in Frage, dass wir eventuell Freunde hätten…denn die Tatsache dass wir wieder eine Schlacht gemeinsam geschlagen hatten, machte uns hier auf Soulebda nicht zwangsläufig zu Verbündeten…
ABER… wenn die Amerikaner an den seltenen Erden interessiert waren und Angst hatten zu kurz zu kommen, könnte uns das durchaus nützen.
Ich spannte den Faden weiter…
HHHMMM, Die Briten sowie die Franzosen hatten sich einen Großteil der Erden gesichert, aber die konnten sie nur ausbeuten, solange der Präsident sie ließ, also sicherten sie seine Macht und sorgten dafür, dass Sheramons Herrschaft unangetastet blieb.
Soleab mit seinen „Rebellen“ war ein Ärgernis, welches beseitigt werden musste, um weiterhin Gewinn zu machen.
Doch bisher wurden die Erden hauptsächlich auf den größeren Inseln, nicht auf Soulebda selbst abgebaut. Die Hauptinsel war größtenteils noch nicht erschlossen, da es Seitens der Priester und der Umweltschützer, Widerstand gegen den Abbau gegeben hatte.
Jetzt wurde der Nebel langsam etwas heller.
Entweder war es die Idee des Präsidenten, oder die Firmen hatten den Plan ausgeheckt, einen Volksaufstand zu riskieren, um dann, wenn die Priesterkaste, die Umweltschützer und die Rebellen abgemurkst waren, die seltenen Erden abzubauen, wo sie wollten.
Wenn Mike die Wahrheit gesagt hatte, und die Amis daran nicht beteiligt waren, konnten wir vielleicht eine Allianz bilden.
Wenn wir die Amis dazu bekommen könnten, sich auf die Abbaustellen zu konzentrieren, welche keinen Aufstand provozieren würden, könnten wir so den Präsidenten los werden und vielleicht die anderen Ausbeuter aus dem Land jagen.
-Oh Mann, du wirst langsam größenwahnsinnig! Die Sache mit der Befreiungsaktion, ist dir zu Kopf gestiegen. Du bist Henker, kein Revolutionsführer.-
Dennoch ließ sich der Gedanke nicht wieder verdrängen… Wichtig wäre zu wissen, wo die Interessen der Amis wirklich lagen. Und ich wusste genau wen ich das fragen musste! Also packte ich mein Handy aus und rief zu Hause an.
„Ohhh Peter, hast du eine Ahnung wie späte es ist?“ fragte Randy, „Ich wollte gerade Feierabend machen. Auf mich wartet eine tolle Fertigpizza.“
„Pizza um diese Uhrzeit?“
„Was soll das denn heißen, weißt du wie spät es ist?“
„Klar, hier ist es gerade mal sechs Uhr morgens.“
„Aber nur bei euch auf Soulebda.“
„Dann habe ich eine tolle Beschäftigung für deinen Feierabend, du musst was für mich tun. He…Ich bin hier!“ sagte ich in die Kamera, als Randy zur Seite sah.
Was ich nicht sah war, dass Frank in Randys Büro gekommen war. Da Randy mir sein Wort gegeben hatte, Frank nichts zu erzählen, Frank aber wissen wollte, was los war, hatten sich die beiden darauf geeinigt, das Frank dazu kam, wenn ich anrief. So hörte er alles von mir direkt, und Randy musste ihm nichts von dem Gespräch erzählen.
„Ich brauche eine Verbindung mit Dagan.“
„Ich werde sehen was ich tun kann.“
„Sie nicht zu, ich brauche die Verbindung so schnell wie es geht.“
-Was hat er vor?- schrieb Frank auf einen Zettel, den er Randy hinhielt.
„Also… mich würde interessieren, was du vorhast?“
„Ich will hier eine Lösung finden, ohne dass die halbe Inselbevölkerung massakriert wird.“
-Warum- stand auf dem nächsten Zettel.
„Warum? Weil ich …“ jetzt fiel auch bei mir der Groschen, “Frank ist da, oder?“
Mit etwas Unbehagen im Blick, machte Randy den Platz vor der Kamera frei und Frank setzte sich davor.
„Hallo Peter!“
„Hallo Frank, bevor du jetzt ausflippst…“
„Klappe halten! Also, warum?!“
„Warum…“ Was sollte ich Frank sagen? Dass ich die Leute hier mochte? Das ich einen Bürgerkrieg verhindern wollte? Nein, es gab nur einen einzigen Grund!
Ich schaute mich um und vergewisserte mich, dass ich immer noch alleine vor der Höhle saß.
„Wegen Caroline! Ich glaube, es war ihr selber nicht klar, aber sie ist ein fester Teil dieser Insel. Wenn die Leute hier kämpfen, und das müssen sie vielleicht, dann wird Caroline mit ihnen kämpfen.
Ich werde alles versuchen, dass ihr nichts geschieht und wenn ich dafür den Palast alleine stürmen muss, dann tue ich das!
Ich weiß, dass du das vielleicht nicht verstehst, aber Caroline ist mir das wichtigste auf dieser Welt geworden. Nicht dass ich Vera weniger geliebt hätte, aber Caroline… sie ist etwas Besonderes.“
Frank schaute eine Ewigkeit in die Kamera ohne sich zu bewegen, überlegte und sagte dann, „Ich kann Randy nicht befehlen, dir zu helfen, aber ich werde ihn bitten, die so gut zu helfen wie er kann. Passt auf euch auf. Viel Glück.“

Damit wurde der Bildschirm schwarz und ich starrte den schwarzen Bildschirm ungläubig eine ganze Minute an.
Viel Glück??? Kein- Bist du wahnsinnig? Kein- Ich bring dich um wenn du wiederkommst?

Er steht unter Schock, das war die einzige logische Erklärung die ich dafür hatte.
Die Tatsache, dass sich zwei „seiner“ Beamten als Rebellen mit einem Präsidenten anlegten, hatte ihn offensichtlich aus der Bahn geworfen!

– Am besten suche ich mir hier einen Job, denn wenn Frank den Schock erst einmal überwunden hatte, wird er dich sicher feuern. –
Jetzt hatte ich aber erst einmal andere Probleme.

**

Zu Hause

„Ähm Jessika, hast du noch die Nummer von diesem Levi?“ Randy musste nicht lange überlegen, wie er Dagan kontaktieren könnte. Er wusste, dass Benjamin Levi zum inneren Kreis von Dagan gehörte und das Jessika ein Auge auf ihn geworfen hatte.
Niemand auch Peter nicht, hatte herausgefunden ob oder was zwischen den beiden gelaufen war, nachdem sie den alten Franzosen ohne seine Eier zum Teufel geschickt hatten. Doch wenn jemand Levis Nummer hatte, dann Jessika.
„Warum?“ kam die Gegenfrage.
„Caroline und Peter…“ er unterbrach als ein Bediensteter die Post brachte, wartete bis der den Raum wieder verlassen hatte, dann schloss er die Tür hinter ihm ab.
„Caroline und Peter stecken in Schwierigkeiten und Peter muss mit Dagan reden.“
„Was für Schwierigkeiten?“ fragte sie misstrauisch, denn Jessika war sehr wohl bewusst, dass Levi sich nie wieder bei ihr melden würde, sollte sie sein Vertrauen, was seine Telefonnummer betraf enttäuschen.
„Caroline und Peter wurden in die Auseinandersetzung zwischen dem Präsidenten und den Rebellen hineingezogen. So wie es aussieht kommt es in wenigen Tagen, wenn nicht in einigen Stunden zu einem Bürgerkrieg und den will Peter verhindern.“
„Peter?! Peter will einen Krieg verhindern? Wie zum Teufel will er das machen?“
„Das weiß ich nicht, aber ich glaube, er meint es ernst.“
„Typisch!“ Jessika stach mit dem Brieföffner, mit dem sie die Briefe öffnen wollte, dermaßen in die Tischplatte, dass eine deutliche Kerbe entstand! „Er denkt wohl, nur weil es hier in seinem Trakt läuft, kann er auch eine Rebellion…“ Ihre Augen wurden schmal, dann blickte sie Randy an. „Ich kümmere mich darum!“
„Danke.“
„Du brauchst dich nicht zu bedanken, das ist Peters Job! Und das werde ich ihm auch noch klar machen!“

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Tel Aviv

Dagan hatte sich ständig über die Vorgänge auf der Insel informieren lassen, denn auch sein Herz war bei Caroline.
Eine ganze Abteilung wurde auf die Geschichte, Kultur, Politik und die Wirtschaft des Inselstaates Soulebda angesetzt.
Soulebda war eine unbekannte Insel, bis man seltene Erden gefunden hatte. Mit dem Auffinden der Erden begann das Interesse an der Insel zu steigen und als erstes kamen die Amerikaner. Dann kurze Zeit später die Briten und Franzosen und schließlich die Australier und Neu Seeländer. Allerdings beteiligten sich die beiden letzten nicht aktiv am Abbau der Erden.
Die verschiedenen Firmen schickten eine große Anzahl von Unterhändler nach Soulebda um sich die besten Abbaugebiete zu sichern, wobei die Briten und Franzosen sehr viel geschickter vorgingen als die Amerikaner.
Während die Amerikaner auf Technik vertrauten und darauf bedacht waren sich Ni’jamong zu sichern, bauten die Briten ihre Beziehungen zu dem Präsidenten auf, einigten sich mit den Franzosen und schickten nach und nach „Sicherheitsfachleute“ auf die Insel. Mittlerweile hatten die Briten und Franzosen eine nicht zu unterschätzende militärische Truppe zusammengezogen, um ihre Abbaugebiete zu schützen, bzw. ihre Inseln zu sichern.
Als die Amerikaner merkten, dass sie ins Hintertreffen geraten waren, war es bereits zu spät. Die Briten und Franzosen hatten ihnen die Hosen herunter gezogen. Nun mussten die Amis auf „private Investoren“ zurückgreifen um gute Abbaugebiete zu finden. –Tja liebe Amerikaner, da seid ihr wohl zu schnell gewesen.- dachte Dagan.

**

Nachdem Jessika ihn kontaktiert hatte, war Levi sofort zu Dagan gegangen um das weitere Vorgehen zu besprechen.
„Also, wie weit sind sie?“ fragte Dagan Lem, der nun zusammen mit Levi in seinem Büro saß.
„Wir haben ein zehn Mann Team zusammengestellt. Des Kommando trägt Major Meresch und sein Stellvertreter ist Hauptmann Menachem.“
„Meresch, von der Kommunikationsgruppe?“ fragte Dagan nach.
„Ja, genau der.“
„Warum ein Spezialist für Kommunikation und kein Kommandospezialist?“
„Nun, ich habe ihre Gedanken mal etwas weiter gesponnen.“ Meinte er zu Dagan.
„Meine Gedanken?“ fragte der misstrauisch.
„Ja, ihre Gedanken. Mir machen sie nichts vor! Uns allen ist doch klar, dass Caroline nicht einfach in das U-Boot steigt und zurückkommt. Sie wird bleiben und kämpfen, das ist der Grund warum wir eine Einheit dorthin schicken.“
Dagan sah fassungslos zu Levi der mit einem verräterischen Grinsen die Schultern hochzog.
„Ihr zwei Mistkerle habt das ganze also schon detailliert geplant?“
„Dafür bezahlen sie uns doch, oder?“ fragte Levi.
„Also gut, weiter!“
„Wir gehen davon aus, dass Sheramon als erstes alle Kommunikationseinrichtungen besetzt oder abschaltet. Doch wie wir wissen, ist Kommunikation das wichtigste überhaupt.“
„Sollte es also nötig sein, dass unsere Einheit, um das Leben einer israelischen Staatsbürgerin zu schützen, in die Kämpfe eingreifen muss, dann ist zumindest eine Kommunikation gewährleistet. Aber…“
„Aber?“
„Auf Grund der geringen Transportkapazität kann das U-Boot nur zehn Mann aufnehmen und nach Soulebda bringen. Selbst wenn Tamar uns jeden Seemann mitgibt den er entbehren kann, sind wir nicht genug um die Kommunikation aufrecht zu halten, die Kommunikationseinrichtungen zu schützen und gleichzeitig auf Caroline aufzupassen.“
„Wir brauchen also ein weiteres Team?“
„Ja, ein kleines schlagkräftiges Team, eines das ungesehen auf die Insel kommt und das sich um dort Caroline kümmert. Allerdings bekommen wir das nicht zusammengestellt, ohne dass man im Verteidigungsministerium Wind davon bekommt.“
„Vorschläge?“
„Ich hätte da eine Idee.“ Meinte Levi.
„Alles andere hätte mich auch gewundert…“ Grinste Dagan vor sich hin.

**

SOULEBDA

Es dauerte nur eine kurze Zeit, bis Randys Wunder-Smartphone vibrierte.
„Hallo mein Freund.“
„Hallo Dagan. Wie spät ist es bei euch, hast du nicht Feierabend?“
„Deine Aktivitäten haben mich bis jetzt im Büro gehalten.“
„Woher hast du überhaupt meine Nummer?“
Dagan lachte. „Ich sehe, du bist in diesem Geschäft noch immer grün hinter den Ohren. Dein Freund Randy hat einen Weg gefunden, dich zu kontaktieren. Er hat übrigens euren Arsch gerettet und alle Aufzeichnungen der Überwachungskameras gelöscht.“
„Ja, der kleine Nerd ist schon eine große Hilfe, für die Rebellen hier.“ Erwiderte ich eher spöttisch.
„Das ist er tatsächlich! Du solltest ihn nicht unterschätzen, in den heutigen Kriegen töten Computer fast so viele Menschen wie Waffen.“
“Ich werde es mir merken.“
„Ich hörte, du machst du einen Schnellkurs in Revolution Führung?“
„Das habe ich mir nicht ausgesucht!“
„Man hat immer eine Wahl. Du hättest dich heraushalten können, ob es das richtig gewesen wäre, steht auf einem anderen Blatt.“
Er hatte Recht. Ich hätte einfach nichts tun können…Dann wäre Caroline jetzt vielleicht sauer auf mich, doch wir wären in relativer Sicherheit…Wäre es besser gewesen? Nein!
„Ich hielt es für richtig, die Gefangenen zu befreien.“
„Auch jetzt noch, jetzt wo du die Konsequenzen gesehen hast?“
„Ja, auch jetzt noch.“ Schaffte es aber nicht in die Kamera hinein zu sehen.
„Ich sehe in deinem Gesicht, dass du an die Opfer deiner Aktion denkst. Aber lass dir sagen, Opfer gibt es immer. Und oft treffen sie diejenigen, die du schützen willst.
Wenn es dir hilft, meine Kontakte sagen, dass der Aufstand, welcher Sheramoh wollte, um ihn niederschlagen zu können, nur um Stunden verhindert wurde. Was glaubst du wie viele Opfer es gegeben hätte, wenn der Konflikt offen ausgebrochen wäre? Wir reden hier nicht von ein paar toten Söldnern, vor einer Hütte im Wald.“
Während Dagan mir die Konsequenzen eines offenen Krieges erklärte, schweifte mein Blick durch die Schlucht. Caroline und Penelope badeten noch immer und mittlerweile waren mehr Bewohner wach geworden.
Automatisch stellte ich mir die Frage, wer würde diesen Kampf überleben?
„Bist du noch da?“
„Ja, tut mir leid.“
„Also, was willst du wissen?“
„Wir haben ein paar alte Bekannte getroffen, du weißt schon, Bekannte die uns bei der Hütte geholfen haben. Sie haben zugegeben, dass sie an die seltenen Erden wollen. Uns interessiert, wieso? Sie haben schon einen großen Teil Soulebdas unter ihrer Kontrolle.“
„Ahh diese Bekannten, ja wir wussten, dass unsere amerikanischen Freunde ein paar „private Investoren“ nach Soulebda geschickt haben, nur nicht wen.
Nun die Antwort ist einfach. Als der Wettlauf, nach den seltenen Erden begann, dachten die Amis, dass diese ziemlich gleichmäßig auf den Inseln verteilt sind, und haben sich schnell die größte Insel Ni’jamong gesichert.
Das hat sich als Fehler herausgestellt. Denn während die Amerikaner schon anfingen Mienen zu graben, haben sich die Briten und die Franzosen gemeinsame Sache gemacht, erst Proben genommen und sich dann die kleineren Inseln in Beschlag genommen, wo sie ihre Hauptsitze aufbauten. Diese Inseln sind kleiner als Ni’jamong, lassen sich aber hervorragend verteidigen.
Nach einer aktuellen Schätzung, teilen sich die Briten und die Franzosen etwa 80% der seltenen Erden, während die Amis auf ihrer großen Insel sitzen und sich mit dem Rest zufrieden geben müssen.
Jetzt versuchen alle Parteien, besonders die Amerikaner, an die Lagerstätten auf der Hauptinsel heranzukommen. Aber das ist, wie ihr wohl mitbekommen habt, nicht so einfach.“
„Ja, das habe ich mitbekommen, deswegen sitze ich hier im Urwald.“
„Beschwer dich nicht, dass hast du dir selber eingebrockt!“
„Haha, was ist jetzt mit den Amerikanern?“
„Nun, die Amis sind hin und her gerissen. Wenn sie den Präsidenten weiter stützen, können sie zwar die Schürfrechte bekommen, aber es wird auch einen Krieg geben. In diesem Fall müssen sie die Mienen schützen und verteidigen und auf der Hauptinsel, ist das viel schwerer als auf den kleinen Inseln und wie groß die Ausbeute ist, weiß niemand, denn sorgfältige Untersuchungen gab es noch nicht.
Also weiß niemand, ob sich der ganze Aufwand lohnt.
Zumal es bei der Verteidigung der Mienen auch tote Amerikaner geben könnte, die man den Leuten zu Hause erklären muss.
Den Briten und den Franzosen ist ein Bürgerkrieg egal. Sie sitzen auf ihren Inseln, die sich leicht verteidigen lassen. Sie brauchen sich nur zurückzulehnen und abzuwarten, was geschieht.“
„Also wären die Amis eher geneigt einen offenen Konflikt zu vermeiden, wenn sie im Gegenzug einen größeren Anteil an den leichter zugänglichen Mienen bekommen?“ fragte ich Dagan, der mich mitleidig ansah und den Kopf schüttete.
„Peter…Wie stellst du dir das vor? Glaubst du die die Briten und Franzosen geben den Amis einfach etwas von ihren Kuchen ab, nur damit ein paar Insulaner, für die sich in England oder Frankreich keiner interessiert, am Leben bleiben?
Weder in Marseille noch in Glasgow interessiert sich jemand für Soulebda. Dort interessiert man sich dafür, was ein Computer oder ein neues Handy kostet.“

Verdammt. Dagan hatte es auf den Punkt gebracht! Das was er sagte, war die bittere Wahrheit! Es ging einzig und alleine ums Geld.

„Ganz gleich welchen Weg ihr geht, es wird zum Kampf kommen. Zuerst zwischen den Insulanern untereinander und dann, sollte Soleab gewinnen, zwischen ihm und den anderen Nationen.“

„Und wenn Soleab n’Amsala den Präsident unblutig stürzen und sich mit den Amis einigen kann? Dann würde es keine Kämpfe geben.“
„Peter, manchmal bin ich über deine Naivität entsetzt.“ Sagte Dagan und rieb sich die Schläfen. „Angenommen, nur angenommen, Soleab n’Amsala schafft es wirklich den Präsidenten ohne einen Bürgerkrieg vom Thron zu bekommen und es würden sich tatsächlich eine Nation finden, die seine Regierung anerkennt, glaubst du die Briten und die Franzosen lassen sich einfach so aus dem Land jagen?
Ich werde dir sagen, was sie tun werden. Wenn die USA die Regierung von Soleab n’Amsala nicht anerkennen, werden sie mit regulären Truppen kommen und euch alle von der Insel jagen, sollte Sheramoh sie darum bitten und sie werden ihn dazu bringen diese Bitte zu stellen!
Falls nicht, suchen sie sich eben einen anderen Präsidenten, einen der nach ihrer Pfeife tanzt. Sollte Soleab mit seinen Rebellen den Kampf mit Sheramoh gewinnen die USA, gegen meine Erwartung, Soleab n’Amsala doch als Regenten anerkennen, werden sie Söldner schicken.
In beiden Fällen bleibt die Frage, ob eure neuen Freunde euch dann helfen werden.“
Es war zum Haare raufen… Ganz gleich was wir taten, es würde Kämpfe geben.
„Kannst du mal deine Fühler ausstrecken und nachhorchen ob die Amis Soleab n’Amsala anerkennen würden?“
„Ich werde sehen, was sich tun lässt. Hast du die Möglichkeit deine Freunde zu erreichen?“
„Ja, ich hab ein Satellitentelefon.“
„Dann denke ich, wirst du in Kürze von ihnen hören.“
„Gibt es denn gar nichts was ich tun kann?“
„Nein, was nun kommt, liegt nicht in deiner Hand. Aber doch, es gibt etwas, das du tun kannst! Pass auf Caroline auf! Notfalls schlag sie Ko, fessele sie und versteck sie, bis alles vorbei ist! Du hörst von mir.“
„Danke.“ Antwortete ich und das Display wurde schwarz.
Ich legte das Smartphone hin und ließ mir das Gespräch noch einmal durch den Kopf gehen, besonders Dagans Rat bezüglich Caroline.
Caroline KO schlagen… Ob das eine gute Idee war? Wahrscheinlich nicht…
Ich stand auf, suchte mir etwas zu schreiben und machte ich eine Niederschrift des Gespräches, welches ich Soleab zukommen lassen wollte.
Was er dann mit Dagans Erkenntnissen anfing, war seine Sache, aber er würde eine Entscheidung treffen müssen.
Jetzt war es aber Zeit zu Caroline und Penelope zu gehen, die ihr Bad noch immer genossen.
„Hallo ihr Nixen, na, hattet ihr auch eine so erholsame Nacht wie ich.“ wollte ich wissen.
„Und ob. Ich hoffe Penelopes Mädchen haben dich dafür entschädigt, dass du nicht dabei warst.“
„Ja, wir hatte alle unseren Spaß.“
„Willst du nicht zu uns kommen?“ fragte Penelope, der es ganz offensichtlich nichts ausmachte nackt vor mir im Wasser zu stehen.
„Und ob ich das möchte, aber ich hab leider ein paar schlechte Nachrichten.“
„Schlechte Nachrichten?“ fragte Caroline erstaunt, „Von wem und worüber?“
„Ich habe gerade mit unserem Onkel geredet.“
Caroline fuhr beinahe aus dem Wasser. „Wie zu Teufel schaffst du das? Ich konnte Dagan noch nie in weniger als einer Stunde erreichen.“
„Tja, man muss nur die richtige Nummer haben.“
Ich berichtete den beiden, was ich erfahren hatte und beide machten ein betroffenes Gesicht.
„Ich lasse Soleab sofort benachrichtigen.“ Sagte Penelope und sprang aus der Grotte, während Caroline im Wasser blieb, aber zu mir an den Rand der Grotte kam.
„Und?“ wollte ich wissen.
„Ich hatte Penelope so lange entbehrt…es war herrlich. Und wie war deine Nacht?“
„Zu kurz.“ Grinste ich und hüpfte zu Caroline ins Wasser.
„Weißt du“, sagte ich zu Caroline, „Soleab wird eine Zeit brauchen, bis er hier ist, wir sollten die Zeit sinnvoll nutzen.“
„Da bin ich ganz deiner Meinung.“ Antwortete Caroline und drückte ihren nackten Körper gegen meinen. „Und, waren Penelopes Mädchen so gut wie ich?“
„Keine ist so gut wie du, auch nicht wenn sie zu zweit sind.“
„Schleimer!“ grinste sie und schlang ihre Beine um mich.
„Nein, das meine ich ernst… Hättest du eigentlich etwas dagegen, wenn wir Haylya und Mieleyr mit nach Hause nehm…“ der Rest des Satzes ging unter, als mich Caroline unter Wasser drückte.

***

Ein paar Stunde später, saßen Soleab n’Amsala, und seine Berater bei Penelope zusammen. In Soleabs Truppe gab es nur eine Handvoll „gelernte“ Soldaten. Er konnte nur auf einen Oberst, zwei Hauptleute und fünf Sergeanten zählen, alle anderen waren Zivilisten. Nun, war der Oberst anwesend, dazu Ma’aru a’Hualb, die oberste Xialorenga und ein paar zivile Berater. Ehemalige Lehrer, ein paar Beamte und paar andere, die man wegen ihrer Kritik am Präsidenten verfolgt und geschasst hatte.
Anfangs gab es Diskussionen ob Jerome, Caroline und ich an dieser Runde teilnehmen durften, doch Soleab machte der Diskussion schnell ein Ende.
„Diese Kämpfer haben sich das Recht verdient! Sie haben außerdem gute Kontakte zu Leuten von außerhalb, Leute die uns wertvolle Informationen zukommen lassen. Außerdem müssen wir vielleicht mit den Amerikanern ein Gespräch oder gar Verhandlungen mit ihnen führen. Frau Miles kennt die Amerikaner, welche zurzeit hier sind, ich schlage Caroline als Vermittlerin vor, sollten wir uns zu diesem Schritt entschließen.“

Wie es zu erwarten war, wurde hitzig und leidenschaftlich diskutiert. Das meiste allerdings in Souledbdahea, das ich sowieso nicht verstand. Manchmal, wenn es Caroline wichtig erschien, übersetzte sie mir die Passagen.
Eines fiel mir allerdings auf. Ma’aru a’Hualb, der Häuptling schwieg die meiste Zeit, schaute aber oft zu Caroline und mir herüber.
„Ist dir aufgefallen, dass uns der Typ da hinten, im Lendenschurz, dauernd anstarrt?“ fragte ich ganz leise, so das nur Caroline mich hören konnte.

„Ja, das ist Ma’aru a’Hualb, der Häuptling der Stämme.“ Flüsterte sie zurück.
„Ah, die Geister die sich unsichtbar machen können.“
„Nein! Nicht alle Angehörige der Stämme sind Krieger. Etwa 25 bis 30 Prozent der Bevölkerung Soulebdas gehören den Stämmen an. Die Hälfte davon lebt allerdings in den Städten oder in der Nähe. Lediglich die andere Hälfte lebt in unzugänglichen Gebieten und von ihnen sind nur circa 10 Prozent Krieger.“
Ich rechnete nach, was ich im Netz über die Einwohner und Bevölkerungszahlen Soulebdas im Internet nachgelesen hatte.
„Dann gibt es ja nicht sehr viele dieser berühmten Krieger.“
„Nein, aber jeder einzelne ist ein sehr ernst zunehmender Gegner.“
„Das erklärt immer noch nicht, warum er uns anstarrt.“ Wisperte ich.

„Weil ich heute Morgen eine Harpyie sah.“ Sagte Ma’aru a’Hualb plötzlich laut und deutlich durch den Raum, deutete auf uns und alle schwiegen und sahen ihn an. „Sie kreiste über den Höhlen, gegen den Lauf der Sonne.“
Verdammt, der Typ saß gute fünf Meter weit weg, in einem Raum, in dem gerade leidenschaftlich diskutiert wurde! Wie zum Teufel hatte er mich hören können? Wieso verstand er mich überhaupt?
Während Caroline und ich genauso ratlos um uns blickten wie die meisten anderen in der Höhle auch, starrten uns Jerome und Xialorenga an, als ob sie einen Geist gesehen hätten.
„Was ist? Hab ich irgendwas nicht mitbekommen? Er hat einen Vogel gesehen… Und weiter?“ fragte ich Caroline, „Ich vermute das hängt mit Mualebda zusammen.“ sagte sie.

**

Zu Hause

Während in der Höhle über das weitere Vorgehen beraten wurde, saßen Frank und Decker, wie zu jedem dieses besonderen Jahrestags seit 1988, in Franks abgedunkeltem Büro.
„Heute wäre Yasemine 44 Jahre alt geworden.“ Sagte Frank und starrte an die Decke.
„Ich weiß.“ Antwortete Decker, stand auf und öffnete die unterste Schublade des Aktenschranks, welcher neben der Tür stand. Ganz hinten lag unter einer leeren Akte eine Flasche Whisky, die er herausnahm.
Frank schaute sich um und zeigte auf die Kaffeemaschine, neben der zwei Tassen sowie mehrere Gläser standen.
Decker nahm zwei Gläser und schenkte sich und Frank einen Whisky aus, dann reichte er Frank einen davon. Es war zwar erst zwei Uhr mittags, doch an diesem Jahrestag, war das scheißegal!
Frank nippte an dem Whisky und stellte das Gals ab. „Jedes Jahr frage ich mich, ob wir in dieser Nacht richtig gehandelt haben.“ Sagte er, ohne den Blick von der Decke zu nehmen.
„Was hätten wir denn damals tun sollen?“ antwortete Decker mit einer Gegenfrage. „Zusehen, wie sich die Dörfler gegenseitig abmurksen? Nichts was in diesen zwei Nächten geschehen ist, lässt sich rückgängig machen.“
Frank schwieg und starrte weiter zur Decke.
„Ich würde gerne wissen was SIE macht.“
„Maja? Das letzte was ich von ihr hörte war, dass sie und Boris im russisch-chinesischen Grenzgebiet eine kleine Fluglinie betreiben. Da soll man im Moment richtig viel Geld zu verdienen können.“
„Ich würde sie gerne einmal wiedersehen…“ brach Frank mitten im Satz ab und starrte wieder zur Decke.
Als Frank nach einer Minute immer noch zur Decke starrte, beschloss Decker seinem Chef und Freund einmal richtig den Kopf zu waschen! „Frank! Hätten wir in dieser Nacht andres gehandelt… Wer weiß was dann geschehen wäre. Wir hätten Maja und Boris nie kennen gelernt, hätten die verzweifelten Amis nicht gerettet und all den bösen Schweinenbacken nicht in den Arsch treten können! Jetzt haben wir beide tolle Familien, wir haben gute Jobs und wir haben hervorragende Freunde. Wir sollten dankbar sein, dass wir das alles haben. Und verdammt! Maja ist GLÜCKLICH! Belass es dabei!“
„Du hast Recht, mein Freund.“ Frank schaute Wolfgang dankbar an, hob sein Glas und stieß mit Decker an.
„HHMM, guter Whisky.“ Meinte Decker nachdem er einen Schluck genommen hatte und schaute sich die Flasche an. „Ist das nicht Peters Marke?“
„Das ist sogar Peters Flasche.“ Grinste Frank. „Momentan hat er dafür keine Verwendung, ich aber schon. „Der Kerl und seine Freundin bringen mich noch ins Grab, also kann ich auch seinen Whisky trinken… Was unsere Freunde angeht…Was meinst du?“
Decker lachte und stellte den Whisky zur Seite. „Ich dachte schon du fragst mich nie. Lass uns loslegen!“
Entschlossen, stand Frank auf, schaltete das Licht an und verwandelte das dunkle Zimmer wieder in ein helles Büro. Der Whisky verschwand wieder im Aktenschrank und die Gläser wurden geleert.
„Wir brauchen jemanden der Kontakte zu Jedem und Allen hat.“ Stellte Decker fest.
„Dann weiß ich wen wir anrufen müssen.“ Meinte Frank, griff Frank zum Telefon und wählte Jessikas Nummer.
„Hallo Jessika, hier ist Frank, Decker und ich bräuchten deine Hilfe. Kannst du schnell vorbei kommen?“
„Bin schon unterwegs.“

Jessika legte auf und lächelte dankbar in sich hinein.

– Endlich, kommen die zwei in die Gänge. Wurde auch Zeit! –

**

Prioritäten

Noch immer saßen Soleab n’Amsala, seine militärischen und zivilen Berater, Penelope, einige der hohen Priester, Jerome, Peter und ich in einer Runde. Während die Krieger immer noch zu den Waffen aufrufen wollten, rief Soleab n’Amsala die Vernunft an und die Priester gar gleich sämtliche Götter.

Peter und mir war klar, dass es an der Zeit war, weitere Informationen aus dem Mund der Präsidentengattin zu bekommen und das hieß nun einmal, wir mussten in den Palast rein.

So nutzten wir eine kleine Pause und verabschiedeten uns von den Anwesenden, lediglich Penelope erhielt die Information, dass wir in den Palast wollten, um mit ihrer Mutter zu reden.
Daraufhin gab sie uns eine Halskette, eine recht unscheinbare zwar, aber das war das Erste, das sie von ihrer Mutter bekommen hatte und sie würde es zweifelsfrei erkennen, denn auf der Rückseiten waren Zeichen in einer uralten Sprache eingeritzt, die nur sie noch lesen konnte.

Diese Halskette konnte für uns noch wichtig werden, meinte sie. Nun kam man nicht so einfach in den Palast des Präsidenten, es war schon schwer genug in die Nähe zu kommen. Hätten die Soldaten Peter, gesehen wäre er sofort festgenommen oder sofort erschossen worden. Aber wenn man als die Trägerin des Kahlscha’daar dem Zeichen des absoluten Vertrauens Aufwarten konnte, war die Chance in den Palast zu kommen doch größer.

Penelope hatte die Information an die wenigen zuverlässigen Frauen der Wachmannschaft durchsickern lassen, dass die Trägerin des Kahlscha’daar mit der Gattin und Regentin zusammentreffen möchte. Für gewöhnlich war dies eine Garantie durchgelassen zu werden, ob das allerdings noch ausreichte, war derzeit mehr als fraglich. Jedenfalls sollte ich am Abend gegen 19:20 an einer bestimmten Seitentüre sein. Mehr erfuhren wir nicht.

Also präparierte ich mich, keinerlei eindeutige Waffen, nur offenbar harmlosen Schmuck wie Haarspangen und Schnallen für den Umhang und eben diese besagte Halskette als Erkennungszeichen. Pünktlich um 19:20 öffnete sich diese Seitentür und ich konnte hineinschlüpfen, die Türe wurde verriegelt und man führte mich über Schleichwege weiter in den Palast. Schließlich schob mich die Frau durch eine kleine Türe und schloss diese hinter mir zu.

Dann gingen auf der anderen Seite Lampen an und drei Soldatinnen der Garde schauten mich an, sie hielten ihre Waffen im Anschlag.

Das Spiel war aus …

**

Auf Souledbdahea hörte ich ein paar leise aber klare Kommandos, dann kam eine Majorin der Leibgarde, musterte mich kurz und wies die anderen an, die Waffen zu senken. „Die Trägerin des Kahlscha’daar sollte man nicht mit einer Waffe bedrohen“ und die Mädchen entspannten sich deutlich.

Dann nahm sie mich mit und wir gingen immer noch leise durch weitere Seitengänge und Türen. Schließlich über eine kleine Treppe hinauf in die Herrscher Räumlichkeiten und dann in einen der Ankleideräume der Präsidentengattin, diesen Raum kannte ich noch von früher.

Da sollte ich warten bis sie käme. Kurze Zeit später kam Heylah ai Youhaahb und lief mir aufrecht gehend in die Arme, um mich zu begrüßen.

„Caroline Miles, wie schön dich endlich privat zu treffen, wir müssen reden. Je schneller desto besser, komm bitte mit mir in mein Privatgemach, da sind wir sicher.“

„Heylah ai Youhaahb ich bin erfreut, Sie zu sehen“ und verbeugte mich ordnungsgemäß, doch sie nahm mich schnell an den Händen „Komm – rasch!“, damit waren wir verschwunden.

Als sie die Tür zum Privatgemach verschloss, schaute sie mich erneut an, diesmal etwas entspannter und lockerer. Bei der Übergabe der Halskette kam eine kleine Träne in ihre Augen „Ich wusste nicht, dass sie die noch aufbewahrt hat, das ist die allererste Kette, die ich ihr gegeben hatte“ und dankbar gab sie mir sie zurück. „Weißt du was diese Inschrift da bedeutet?“ und sie sah mich fragend an
„Sie ist in Alt- Souledbdahea verfasst das können hier gerade noch drei Menschen lesen, die beiden obersten Priester und ich“ dann schaute sie mich mit ihren tiefgründigen ehrlichen Augen an. „Wenn die Trauer am größten ist, dann entfessle die Macht der Wahrheit am Xaraxalaxam. Weißt du eigentlich, was das bedeutet?“

Ich konnte nur verneinen, denn Xaraxalaxam sagt mir nun gar nichts. „Das ist ein heiliger Stein, in der Höhle unserer Vulkane. Jeder unserer beiden Vulkane hat solch einen Stein, betrachte ihn als einen Verschlussstein, wenn der gezogen wird, also herausgezogen wird, dann kann der Vulkan entfesselt werden. Vergiss das niemals!“

„Weiß das auch Penelope?“ „Nein sie weiß das nicht, diese Prophezeiung hat sie nie erfahren und wenn, dann hätte sie sie bestimmt nicht geglaubt. Würdest du mir glauben, dass unsere Vorfahren die Vulkane gezügelt hatten?“

„Ehrlich gesagt, nein! Danke für diese Erklärung, aber bitte sagt mir, weshalb sprachen Sie bei unserer ersten Begegnung von – zu wenig Zeit?“

Sie kam ganz nahe an mich heran, nahm meinen Kopf in ihre beiden Hände, küsste meine Stirn und sprach: „Meine liebe Caroline, ich habe eine Krankheit, die mich von innen auffrisst und ich weiß, auch ihr kennt diese Krankheit, wenn auch unter einem anderen Namen, den Namen eines eurer Tierkreiszeichen am Sternenhimmel. Mir bleiben noch ganze drei Monate, nicht mehr. Da muss man Prioritäten setzen.

Mein Gatte weiß das nicht, aber wenn ich dann sterbe, wird er nicht mehr zu bremsen sein und allem und jedem die Schuld dafür geben und vielleicht das ganze Volk bestrafen. Ich meine damit wirklich das ganze Volk. Also muss ich vorher eine andere Wahl treffen, ich weiß nur noch nicht welche.“ Dann küsste sie mich noch einmal auf die Stirn und ließ mich los.

„Jetzt komm, ich muss dir ein Geheimnis offenbaren, das bisher noch kein anderer gesehen hat, prüfe gut, was du damit machst und mit wem du das teilen willst und wem du es vorenthältst.“

Dann ging sie voran durch einen verdeckten Seitengang, um einige Ecken und Winkel um hinter einer großen Figur zu verschwinden. Als ihre Hand mich fasste und zu sich zog, konnte ich über diese optische Täuschung nur staunen, eine perfekte Tarnung durch Kantenüberlagerung.

„Siehst du da unten die Göttin Mualebda, unsere große heilige Kriegergöttin, zu ihr betet mein Mann, wenn er innere Führung bedarf und sie hat ihm immer geholfen. Er stellte die Bitte oder die Frage und der rechte oder der linke heilige Augenstein begann zu leuchten.

Aber vor drei Jahren wurde es anders, ab da hat sie ihn nicht mehr gut beraten und ich wusste nicht weshalb. Bis vor einem halben Jahr, da fand ich heraus, dass wir schändlich betrogen wurden und immer noch betrogen werden. Doch schau selbst.“

Und sie zog mich weiter hinter das Abbild der Gottheit. Verdeckt hinter dem Kopf liefen da zwei dunkle Stromkabel entlang, die in einem dünnen Loch verschwanden.

„Komm weiter“ und sie zog mich weiter und die schmalen Gänge und Löcher wurden immer enger. Dann sahen wir es. Die Kabel liefen in einen Sender.
Der Präsident wurde ganz offenbar betrogen und über seinen Glauben an die Gottheit Mualebdas fehlgeleitet. „Ich weiß nicht wer den Sender betreibt, aber er ist es, der die eigentliche Macht über meinen Gatten ausübt und mittlerweile ist er der Göttin hörig geworden.“

Sie sah mich mit ihren Augen an „Ich habe Angst um meinen Mann, ehrliche Angst, bitte hilf mir, hilf uns allen!“ „Und wenn ihr den Sender abschaltet?“

„Um damit die Göttin mundtot zu machen, er würde Fürchterliches machen, um die Göttin zu Antworten zu bitten, er hat schon Hunderte hier geopfert, weil die Hilfe nicht kam, oder zu spät kam und er würde weitere Hunderte opfern. Nein ihr müsst die Quelle finden.“

„Gut, ich muss das schnellstens meinen Leuten sagen,“ und wir brachen auf. Auf dem Weg nach draußen fragte ich noch ob jemals etwas hinter dem Berg gebaut oder gebohrt wurde und sie verneinte, doch dann hielt sie kurz inne.

„Es wurde einmal der Versuch unternommen, hinter den Bergen eine kleine Miene zu graben, aber diese brach immer wieder ein. Sie wurde dann versiegelt, den Eingang kenne ich aber nicht mehr, den kennt vielleicht noch die Alte Le‘ Hgathy, die Amme meiner Tochter, du findest sie in der Oststadt.“ Sie schrieb mir ein paar Zeilen mit der Adresse auf und gab mir den Zettel.

Wir trennten uns und ich traf die alte Amme Le‘ Hgathy in der Stadt. Sie konnte mir helfen und zeichnete in der Karte einen Punkt ein, beschrieb mir den Eingang und wie ich ihn erkennen kann. Dann machte mich auf, zurück in unser Lager. Wie immer schlich ich durch mehrere Seitengassen und über einige Wege. Doch irgendetwas stimmte nicht. Ein Schatten folgte mir und er war gut darin, sich bedeckt zu halten. Ich war gewarnt und machte mich kampfbereit.

Kurz vor dem Erreichen des Wagens hatte ich plötzlich eine Klinge an meinem Hals.

„Mitkommen!“ War der Befehl in der Landessprache. In einem dunklen Winkel erkannte ich einen Wachsoldaten aus dem Palast wieder „Es gibt eine fette Belohnung für dich und eine doppelt so große, wenn ich nur deinen Kopf abliefere,“ prahlte er.

„Wer zahlt so viel für meinen Kopf, es gibt doch sicher viele andere, die auch bereit sind etwas zu zahlen?“

„Ja, aber keine 10.000 amerikanischen Dollar, das kann sich nur der Mc. Allister von den Briten lei…..“
Der Wachsoldat zuckte kurz, während eine große Hand sein Messer zurückzog. Ein Gurgeln kam und aus seinem Mund und ein Messer bohrte sich aus seiner Kehle. Jerome trat aus dem Schatten heraus und er sah, wie ich meine beiden Dolche wieder einsteckte. Er grinste etwas vorsichtig. „Gut, du hast ihn doch kommen sehen. Rasch, wir müssen weg.“, sagte er, und wir flohen, so schnell es ging aus der Stadt.

Zurück im Lager berichtete ich Peter und Penelope von dem erlebten und als Penelope von der Krankheit ihrer Mutter erfuhr, traf es sie hart und sie zog sich zurück.

Dann berichtete ich Peter ausführlich von den Briten, Mc. Allister und dem Sender. Schließlich schickte mich Peter zu Penelope und ich half ihr bei ihren Gebeten und schenkte ihr neue Kraft.

Peter selbst verließ kurz das Lager und ging in das Kommunikationszelt, an den Rechner. Jerome kam zu uns und hob seinen hellen Finger, seine hellen Zähne leuchteten, dann sagte er nur „Nach Hause telefonieren“ und lächelte.

**

Ich setzte Randy auf die Weissagung von Xaraxalaxam an und hoffte, dass er herausfinden konnte, wirkliche Hoffnung hatte ich aber keine. Wenn schon hier auf Soulebda niemand davon gehört hatte, wie sollte dann jemand in der Welt, da draußen etwas darüber wissen?

Wie hatte Dagan es richtig formuliert? Niemand der weiter als 100 km von der Insel weg lebt, interessiert sich für Soulebda. Und 100 Km waren hier im Pazifik die direkte Nachbarschaft!

Dafür konnte Dagan mit dem Namen Mc. Allister sofort etwas anfangen! Dieser war im Nahen und Mittleren Osten kein Unbekannter.

Mc. Allister hatte seine Finger überall, wo nach Öl gebohrt wurde, und Jeder der im Ölgeschäft eine große Nummer war, kannte ihn.

„Wie kommt man vom Öl zu seltenen Erden?“

„Rohstoff ist Rohstoff. Mc. Allister erschließt die Abbaufelder, besorgt sich die Schürf und Bohrrechte und verkauft diese an die großen Konzerne. Natürlich mit einem Gewinn von mehreren hundert Prozent.“

„Haben die Firmen denn keine eigenen Unterhändler? Warum brauchen sie einen Mc. Allister?“

„Ein großer Teil von Rohstoffen, wie Öl oder seltene Erden, liegen nicht in Gebieten in denen, sagen wir mal, Demokratie herrscht. Dort hocken entweder Diktatoren, oder Könige sind am Drücker, die entscheiden wer, was abbauen darf und wie viel er dafür zahlen muss. Mc. Allister ist ein Experte im Umgang mit solchen Staatsoberhäuptern. Er spart den Konzernen Milliarden an Kosten, welche diese sonst aufbringen müssten, um mit einem Heer von Anwälten Konzessionen auszuhandeln oder Schmiergelder zu zahlen.

Was sind da schon ein paar Millionen, die man Mac Allister für seine Bemühungen bekommen lässt.

Im Übrigen, sind die Methoden, die Mc. Allister bei lupenreinen Demokratien anwendet so ziemlich die gleichen. Die Verhandlungen dauern nur länger.“

Ich konnte mir ein trockenes Lachen nicht verkneifen. Wahrscheinlich waren die Schmiergelder die Mc. Allister bei einer Demokratien aufbringen musste, um einiges höher als bei einem einzigen Diktator.

„Mac Allisters Vermögen wird auf circa 125 Millionen geschätzt, die er natürlich gewinnbringend bei den Konzernen, für die er arbeitet, angelegt hat.

„Der Kerl hat Millionen und bietet nur 10.000 für Caroline?“

„Er hat ein Kopfgeld auf Caroline ausgesetzt?!“ fragte Dagan scharf nach.

Am liebsten hätte ich mir die Zunge abgebissen. –Kannst du Idiot nicht den Mund halten.- Jetzt war es zu spät und ich berichtete ihm von Carolines Ausflug und ihren Erkenntnissen.

„Ich werde mal in diese Richtung ermitteln. In der Zwischenzeit passt du auf Caroline auf! Hast du verstanden?!“

„Das Drohen kannst du dir sparen. Ich schneide mir selber das Herz heraus, wenn ihr was geschieht.“

Dagan sah mich ernst an. „Ich sehe, du hast damals die Wahrheit auf den Zettel geschrieben. Keine Sorge, ich drohe dir nicht. Du gehörst praktisch zur Familie. Ich werde mal sehen, was ich alles an neuem Material finde und werde es euch zukommen lassen, Caroline wird es sicher auswerten können.“

„Gut, ich gebe es ihr dann.“

„Haltet die Ohren Steif. Du hörst von mir.“

**

TEL AVIV

Als die Verbindung beendet war, schaute Dagan zum Fenster heraus. Er saß in seinem Haus am Meer wo gerade die Sonne aus dem Meer entstieg, einen friedlichen Moment den er sehr liebte. Fabienne brachte ihm eine heiße Tasse Kaffee und setzte sich neben ihn auf das Sofa.

„So schön und friedlich, finden sie nicht auch?“ Murmelte er und schaute heraus.

„Ja, ein Moment der es wert ist, ihn zu erhalten.“

Als ein schmaler Streifen zwischen Sonne und Meer zu sehen war, bat Dagan Fabienne ihm sein Handy zu bringen.

In einem fünf minütigen Gespräch wies er dann Major Lem an, das Dossier über Mc. Allister auf den neusten Stand zu bringen und es ihm dann vorbeizubringen.

Der nächste Anruf verband ihn mit Major Levi, den er bat mit Lem herzukommen.

Als die beiden zusammen mit Fabienne anwesend waren, bat er um die neusten Berichte und schaute sich das Dossier von Mc. Allister an.

Anschließend sah er Lem an.

„Was macht Meresch?“

„Meresch und seine Männer sollten in zwei Stunden auf Hawaii landen.“

„Wie weit ist die Hebron?“

„Der neue Filter ist eingebaut. Offiziell bleibt die Hebron noch im Pazifik um das neue Sonar zu testen um gegebenenfalls wieder auf Hawaii ins Dock zu können. Ich habe mit Kapitän Tamar persönlich Kontakt aufgenommen, und ihm seinen Auftrag erklärt.“

„Gut.“ Dagan sah zu Levi und fragte, „Haben sie schon Kontakt mit dem Rettungsteam aufgenommen?“

„Persönlich noch nicht, aber mein Kontakt berichtet, dass das Team bereitstehen würde.“

„Wunderbar, ich habe doch seit kurzen einen neuen Neffen, er ist zusammen mit Caroline auf Soulebda.“

„Ah, der Neffe“, grinste Levi „Peter… ja ich erinnere mich. Er hat bei der Hütte einen guten Kampf geliefert. Es ist auch sein Verdienst, dass wir Kirschans Mörder erwischt haben. Allein dafür hat der Kerl etwas bei mir gut. Wie kann ich den beiden helfen?“

**

Zu Hause in Deutschland – 24 Stunden zuvor

Jessica hatte täglich mit Ben Levi geredet, nachdem sie aus Los Angeles zurückgekehrt war.
Für sie war es ein unglaubliches Erlebnis mit Ronni durch Hollywood zu fahren und die Filmstars, Quentin und Sharon Steward zu treffen.
Die beiden erfüllten in keiner Weise das Klischee von verwöhnten Stars. Ihr bescheidenes Haus hätte genauso gut in ihrer Nachbarschaft stehen können. Kein riesiger Pool, keinen Palmengarten und auch keine Garage volle Luxuskarossen. Irgendwie eben… ganz normal…
Ronni hatte einige Jahre hier für Dagan gearbeitet und wusste das die Stewards ein großes Interesse am Umweltschutz hatten, also hatte sie dies als Begründung für ein Treffen genannt: Die verehrenden Umweltschäden durch den Raubbau auf Soulebda.
Jessika fühlte sich sichtlich unwohl den Stewards nur die halbe Wahrheit einzuschenken, was von Sharon bemerkt wurde. Sie und ihr Mann hatten ein Gespür für „Fakes“.
„Wollen sie uns vielleicht etwas mitteilen?“ fragte Sharon Jessika direkt.
Jessika ignorierte Ronnis warnenden Gesichtsausdruck und fasste sich ein Herz.
„Ja. Ich bin keine Umweltaktivistin, ich bin Sekretärin und arbeite in einem deutschen Gefängnis.“
Dieses Geständnis brachte sogar den sonst so erfahrenen Quentin Steward aus der Fassung und der hatte schon viel gehört. „Ok, eigentlich wollte ich euch zwei gerade rauswerfen, aber das interessiert mich jetzt doch. Was will eine Sekretärin eines deutschen Gefängnisses hier bei uns. Autogramme werden es kaum sein, oder?“
„Nein, ich bin hier, weil wir ihre Hilfe brauchen. Was meine Freundin Ronni ihnen erzählt hat, ist nicht gelogen. Die Rücksichtslosigkeit mit der auf Soulebda Seltene Erden abgebaut werden, verursacht tatsächlich gravierende Umweltschäden. Und genau das ist das Problem. Auf Soulebda hat sich eine Umweltschutzbewegung gebildet, gegen die der Präsident so brutal vorgegangen ist, dass sich daraus eine Rebellion entwickelt hat.
Doch die Rebellen sind eigentlich keine Rebellen, denn sie kämpfen nicht gegen ihr politisches System, sie kämpfen nur für den Erhalt ihrer Umwelt.“
„Ich habe in den Nachrichten gehört, was sich dort abspielt.“ Sagte Quentin ernst. „Und es gefällt mir nicht.“
„Ich habe gute Freunde auf der Insel die bestätigen können, dass der Präsident von britischen und französischen Interessen gesteuert wird und rücksichtslos gegen sein eigenes Volk vorgeht.“
Quentin wechselte mit seiner Frau einen Blick und forderte dann Jessika auf weiterzureden.
„Meine Freunde dort auf Soulebda sind in großer Gefahr und andere Freunde von mir wollen sie retten. Damit sind alle meine Freunde dem Schicksal der Rebellion ausgeliefert.“
„Die wenigen Berichte aus Soulebda sind in der Tat schrecklich.“ Bestätigte Sharon, „Aber was wollen sie von uns?“
Nun kam Ronni zum Zug. Sie gab unumwunden zu für den Mossad zu arbeiten und unterbreitete den Schauspielern Dagans Bitte, die Stewards möchten über Steward Media Kontakt mit dem Palast auf Soulebda aufzunehmen und so Frank und Schubert die Gelegenheit zu geben, unentdeckt auf Soulebda zu landen.
„Die Rettung ihrer Freunde, wird die Umweltzerstörung auf Soulebda nicht aufhalten.“ Stellte Sharon fest.
Als Ronni antworten wollte, kam ihr Jessika zuvor. „Doch! Ich weiß, das hört sich jetzt seltsam an, aber… Meine Freunde werden diese Insel nicht einfach verlassen, sie werden gegen diesen Tyrannen kämpfen und ihn stürzen. Ich kenne diese Menschen beinahe mein ganzes Leben und ich schwöre, wenn es jemand schafft diesen Schlächter in die Wüste zu schicken, dann sind es meine Freunde! Doch dazu müssen sie erst nach Soulebda kommen.
Die Stewards hörten schweigend zu und baten dann Jessika und Ronni hier zu warten, während sie sich beraten würden.
Für die beiden Frauen dauerte die Beratung scheinbar eine Ewigkeit, doch in Wahrheit brauchten Sharon und Quentin nur zehn Minuten um sich einig zu werden. Als sie zu Jessika zurückkamen, ging diese nervös durch das Zimmer.
„Wir werden ihnen helfen,“ eröffnete Quentin und hob die Hand, als Jessika aufjubeln wollte, „doch nicht ganz umsonst.“ Und als sich Jessika und Ronni fragend ansahen, lächelte Quentin.
„Wir erwarten, dass sie dafür sorgen, dass wir eine Reportage über den Kampf für die Umwelt auf Soulebda drehen dürfen, wenn sich die Lage beruhigt hat.“
„Dafür werden meine Freunde sicher sorgen.“ Versprach Jessika.
„Dann lassen sie mal hören, was sich ihre Freunde in Tel Aviv ausgedacht haben um den Umweltrebellen Soulebdas zu helfen.“
Während Ronni den Schauspielern Dagans Plan unterbreitete, fiel Jessika ein Stein vom Herzen.
Als sich die beiden Frauen von den Stewards verabschiedeten, konnte nichts mehr Frank und Schubert aufhalten, nach Soulebda zu fliegen.
„Wenn sie wieder einmal so ein Ding drehen wollen, kommen sie gleich zu uns.“ Verabschiedete Sharon Jessika.
„Das werde ich.“
„Können wir sonst noch etwas für ihre Freunde tun?“
Jessika und Ronni sahen sich an, dann lächelte Jessika verlegen, „Könnten wir vielleicht doch noch ein paar Autogramme bekommen?“

**

SOULEBDA

Ich schaltete die Anlage aus, drehte mich um und erschrak fürchterlich. Hinter mir stand Soleab!

„Mann, was soll das? Hätte ich eine Pistole, statt eines Handys in der Hand, wärst du jetzt tot!“

„Tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken. Das Gespräch erschien wichtig zu sein und ich wollte es nicht dein Gespräch unterbrechen.“

„Schon ok.“ Sagte ich, als sich der Puls wieder etwas beruhigt hatte. „Ja, das Gespräch war wichtig. Ich nehme an, du hast mitgehört, was Mac Allister für Verbindungen und Kontakte hat.“

„Ja. Dieser Schweinehund hat überall auf der Insel seine Spione und Spitzel. Wir müssen vorsichtig sein.“

„Was willst du?“

„Ihr müsst wieder in euer Haus.“

„Machst du Witze? Da erwartet sicher eine Kompanie Soldaten, die nur darauf wartet, dass wir zurückkommen.“

„Nein, lediglich die ehemaligen Palastwachen bewachen euer Haus. Der Präsident hatte seinen Spaß vor dem Gefängnis. General Nassadir Chalis hatte es glücklicherweise versäumt, ihn von seinem Verdacht gegen euch zu unterrichten. Allerdings hegen auch andere einen Verdacht gegen euch, doch eine Trägerin des Kahlscha’daar öffentlich anzuklagen ist eine gefährliche Sache. Der Ankläger muss absolut unwiderlegbare Beweise haben. Bis jetzt hat es noch keiner gewagt diesen Schritt zu tun.“

Ich war davon weniger überzeugt wie Soleab, beließ es aber dabei.

„Du willst sicher mit Caroline reden?“ fragte ich um das Thema zu wechseln. „Sie ist bei Penelope.“

„Ich weiß, nein ich muss mit dir reden.“

„Ok. Dann schieß los.“

„Du musst eine Hinrichtung durchführen.“

Ich fiel aus allen Wolken. Hatte ich mich gerade verhört??? Nein, Soleab hatte diese Bitte tatsächlich gestellt. Verdammt, bis jetzt hatte ich eine wirklich gute Meinung von Soleab gehabt… Damit war es wohl an der Zeit, Soleab klar zu machen, mit wem er es zu tun hatte!

„Was!? Jetzt hörst du mir mal gut zu! Du scheinst eine völlig falsche Vorstellung von mir zu haben! Ich bin zwar Henker, aber ich arbeite nicht in der Privatwirtschaft! Ich bin auch keiner deiner Freiheitskämpfer oder Untergebenen! Der einzige Grund, für mich hier zu sein, ist Caroline. Sobald es geht, setze ich Carolines Hintern in ein Flugzeug und bin weg von dieser Insel! Also such dir einen anderen, der für dich Leute umbringt!“

Soleabs Augen waren kein bisschen gekränkt. Nein, er sah mich eher traurig an.

„Du hast mich falsch verstanden.“ Antwortete er ruhig und setzte sich auf einen Stuhl der neben dem Tisch stand. “Du sollst diese Hinrichtung nicht für mich, oder wie du es wahrscheinlich ausdrücken würdest, für uns Rebellen durchführen.“

Jetzt war ich verwirrt und die Art wie er das sagte, veranlasste mich ihm gegenüber Platz zu nehmen.

„Ok, erklär es mir! Wenn ich diese Hinrichtung nicht für dich durchführen soll, für wen dann?“

„Für den Präsidenten.“

„Was?“ fragte ich ihn ungläubig. Jetzt verstand ich gar nichts mehr.

„Wir hatten zwei gute Kontakte im Palast. Einer davon wurde gestern vom Geheimdienst enttarnt. Sie ist eine Angehörige der Leibgarde und lebt zusammen mit ihrer Schwester und Tochter im Palast. Der Einfachheit halber, hat man gleich alle drei verhaftet und in die Folterkammer gebracht. Du kannst mir glauben, nach einer Stunde dort drinnen, gesteht jeder alles.

Der Präsident hat sie zum Tod am Galgen verurteilt und du sollst das Urteil vollstrecken.“

„Wieso ich? Wenn, dann würde er Caroline nehmen, sie ist sein Aushängeschild.“

„Das ja, aber die Bitte an dich ist mehr, als eine Bitte von Sheramoh als Henker tätig zu sein. Es ist ein Loyalitätstest.“

„Ein Test? Quatsch! Da bin ich schon durchgefallen. Du hast es selber gesagt, allein die Tatsache dass Caroline Trägerin des Kahlscha’daar ist hält ihn davon ab, uns an die Wand zu stellen.“

„Das stimmt zwar, doch der Test gilt nicht dir, er gilt dem Überbringer der Bitte.“

„Jetzt versteh ich gar nichts mehr.“

„Ich habe dir doch gesagt, dass wir zwei Kontakte im Palast haben, derjenige, der dich bitten wird die Hinrichtung durchzuführen, ist unser zweiter Kontakt. Wahrscheinlich haben sie auch ihn in Verdacht, doch keinen Beweis, was Sheramoh dazu veranlasst hat diesen Weg zu nehmen um seine Loyalität zu testen.

Vielleicht ist es auch nur Zufall, aber ich glaube nicht an Zufälle. Meine Befürchtung ist, wenn du ablehnst, dann wird das Sheramoh als Zeichen für seinen Verrat ausgelegen, und er verschwindet in den Kerkern.“

„Warum holst du deine Leute nicht einfach heraus.“

Soleab lacht kurz auf.

„Mein Freund, du weißt selbst am besten, dass es Unmöglich ist. Du hast es einmal selbst gesagt, “ so etwas funktioniert nur einmal.“ und du hast Recht. Die drei Frauen sitzen im Hochsicherheitsbereich des Palastes. Da kommt keiner heran.“

„Und dein anderer Kontakt? Kann der denn gar nichts tun? Warum haut er nicht einfach ab? Vorher weiß er, dass die Frau ihn nicht verrate hat?“

„Ganz einfach, sie wusste nichts von ihm. Das heißt nicht, dass man ihn nicht verdächtigt. Grundsätzlich verdächtigt der Geheimdienst jeden und alle. Man muss also herausfinden, wer ein Verräter ist und wer nicht. Der Präsident und der Geheimdienst unterziehen also die engeren Vertrauten des Präsidenten immer wieder solche Loyalitätstests. Die Methode hat übrigens auch Saddam Houssein angewandt.“

„Weiß er denn, dass die Frau deine Kontaktperson war?“

„Ja, er weiß es.“

„Wenn der Geheimdienst einen Verdacht hat, warum schnappt sie ihn nicht einfach?“

„Erstens ist er für den Präsidenten wichtig und zweitens… Du wirst es sehen, wenn er kommt. Es ist für uns außerordentlich wichtig, gute Kontakte im Palast zu haben. Krieg wird nicht nur mit Gewehren geführt. Ich weiß, dass du dieselbe Erfahrung gemacht hast, eine richtige Information, zur rechten Zeit, kann viel Leben retten. Deswegen ist es äußerst wichtig, die Hinrichtung durchzuführen. Jeder Verdacht muss von dem zweiten Kontakt abgelenkt werden. Und wenn dafür, die drei Frauen sterben müssen, dann ist es eben so!“

„Dann müssen sie sterben?! So einfach ist das für dich?“ Ich schüttelte wütend den Kopf. „Scheiße, du hörst dich an wie ein Arsch!“

Soleab schien kein bisschen gekränkt zu sein. im Gegenteil, er wirkte irgendwie erleichtert, als ob er eine richtige Wahl getroffen hatte.

„Was erwartest du? Ich führe Krieg. Nicht offen, aber mit Opfern. Ich bin froh dass du mich für einen Arsch hältst, denn es zeigt mir, dass du keiner bist. Ich bitte dich, tu es für uns. Tu es für Soulebda.“

„Wer weiß alles, dass derjenige der mich bitten wird, die Frauen aufzuhängen, einer von uns ist?“

Einer von uns…wie sich das anhörte… vor Zwei Minuten hatte ich ihm noch gesagt, dass ICH keiner von UNS bin… Soleab schien es jedenfalls überhört zu haben.

„Das wissen jetzt genau zwei Menschen auf der Welt. Bitte belasse es dabei.“

„Was ist mit Caroline?“

„Niemand!“

„Nein, ich habe vor Caroline keine Geheimnisse und werde auch in Zukunft keine haben. Entweder sie ist mit dabei, oder das war es.“

„In Ordnung!“ lenkte Soleab nach kurzer Bedenkzeit ein.

„Saddam Houssein, was?“ fragte ich als er aufstand um zu gehen.

Nun blieb er sitzen und sah mich finster an.

„Ja, das war eine seiner bevorzugten Methoden.“

„Naja, wie das mit Saddam ausging wissen wir ja.“

Soleab nickte kaum merklich und meinte dann leise, „Und wie nach ihm weiterging, wissen wir auch!“

Er stand auf und ging, ohne ein weiteres Wort.

-Was für eine Scheiße.- sagte meine innere Stimme, als Soleab weg war und ich allein in der Höhle saß. Ja, da hatte Soleab nicht unrecht! Wie es nach Saddam weiterging, wussten wir alle… Eine neue Stimme in mir ertönte, welche nur einen Satz sagte, „Das wirst du nicht zulassen!“

**

Gegen Mitternacht kam Caroline von Penelope zurück und zusammen mit Jerome schlichen wir in unser Haus zurück.

Soleab hatte Recht behalten, es gab keine Soldaten, welche uns erwarteten. Wieder zahlte es sich aus, dass unsere Bewacher, keine Soldaten, sondern ausgemusterte Palastwachen waren. Wir konnten unbemerkt an ihnen vorbei schleichen und im Haus verschwinden, wo uns Ma’Difgtma schon an der Tür erwartete.

Entweder hatte man ihr unsere Ankunftszeit mitgeteilt oder sie hatte uns kommen hören.

NEIN, nicht mal die Wachen hatten uns gehört…. Mit einem Auge, sah ich wie Jerome ihr etwas zuflüsterte, danach bemerkte ich wie uns Ma’Difgtma mit einer Mischung aus Gewissheit und Unglaube ansah.

„Ich bin oben in der Badewanne.“ Sagte Caroline und lief die Treppe herauf.

„Gute Idee sagte ich und wollte ihr folgen, als Jerome auf dem Weg zur Küche an mir vorbei ging.

„Was hat du deiner Mutter gesagt?“ wollte ich von Jerome wissen, bevor ich die Treppe nach oben ging.

„Ich habe ihr von dem Harpyie berichtet.“

„Jerome…“, sagte ich leise als ich Ma’Difgtma in der Küche arbeiten hörte, „euer Häuptling hat einen Vogel gesehen, was ist daran so…so interessant?“

Jerome legte mir seine riesige Hand auf die Schulter. „Mein Freund, glaubst du an die Götter, an Magie und Zauber?“

Ich zuckte mit der Schulter, „Eigentlich nicht.“ Antwortete ich wahrheitsgemäß.

„Dann, mein Freund, war es für dich nur ein Vogel!“ sagte er mit einer sehr traurigen Stimme, drehte sich um und ließ mich einfach stehen.

„Ein Vogel. Na toll!“ brummte ich, doch momentan hatte ich ganz andere Probleme, als ein Vogel der über meinem Bett gekreist hatte. Ich sollte für einen Präsidenten, den ich für ein durchgeknalltes Arschloch hielt, als Henker tätig sein! Scheiß auf den Vogel!

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HAWAII

 

„Jungs, ist das euer Ernst?!“ hörte Major Meresch eine angenehme Stimme auf Hebräisch und drehte sich um. Er war gerade mit seinem Stellvertreter Menachem aus dem Terminal getreten und sah sich um.

Er und sein Team waren vor 20 Stunden in Tel Aviv in einen Flieger gestiegen, um dann über Florida und Los Angeles schließlich nach Hawaii zu gelangen.

Nun hatte er sein Team im Zweierteams aufgeteilt und wartete. In seiner Einweisung hieß es, dass man das Team am Airport abholen und zum U-Boot bringen würde.

Als er sich umdrehte, stand eine hübsche zierliche Frau in einem luftigen Sommerkleid hinter ihnen. Die Frau hatte eine durchschnittliche Größe, trug dunkelbraune, schulterlange Haare und eine Sonnenbrille, welche den Haar Reif ersetzte. Das Sommerkleid zeigte genug vom Körper um erkennen zu lassen, dass dieser durchtrainiert und fit war.

„Entschuldigung?“ fragte Meresch.

„Hawaiihemden! Ihr habt Soldat auf der Stirn stehen und läuft in Hawaiihemden herum! Noch einfacher konntet ihr es den Amerikanern und jedem anderen, der diesen Flughafen überwacht, nicht machen!“

Meresch uns Menachem musterten sich gegenseitig… Meresch musste zugeben, das Menachem in dem bunten Hemd albern aussah und er selber fühlte sich auch in dem Fummel unwohl, doch man wollte nicht auffallen…

„Magnum konnte so herumlaufen, aber ihr nicht!“ legte die Frau nach und schüttelte den Kopf.

„Wer sind sie?“ wollte Meresch von der Frau wissen.

„Miriam Yael, zweiter Offizier der Hebron. Sie sind Major Meresch und sie im gelben, augenverbrennenden Hemd, sind Hauptmann Menachem. Suchen sie ihre Männer zusammen, Abfahrt in genau zehn Minuten!“ Damit ließ Yaeal die beiden stehen und winkte einen Bus herbei, der vor dem Terminal stehen blieb.

„Hawaiihemden!“ hörte Meresch noch, als er losging um sein Team einzusammeln.

„Hör auf zu lachen!“ warnte er Menachem und drohte mit dem Finger. „Das ist ein Befehl!“

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SOULEBDA

„Was beschäftigt dich so?“ wollte ich von Peter mitten in der Nacht wissen. Schlafen schien für uns beide unmöglich zu sein, denn wir lagen seit Stunden schlaflos nebeneinander.

„Woher willst du wissen, dass mich was beschäftigt?“

„Ich höre dein Gehirn rattern. Ich befürchte es läuft gleich heiß.“

„Denkst du, du findest heraus, wenn ich dich anlüge?“

Ich lachte leise auf. „Ja, ich denke schon.“

„Dann würde ich lieber nichts sagen.“

Nun setzte ich mich auf und schaltete die Nachttischlampe auf meiner Seite an.

„Was hast du da gerade gesagt?“ fragte ich ihn ungläubig.

„Ich habe versprochen nichts zu sagen, und ich will dich auf keinen Fall anlügen.“

„Wem hast du das versprochen?“

„Soleab!“

Peter sah mein Funkeln in den Augen, welches nichts Gutes verhieß.

„Was wird geschehen?“

„Morgen wird jemand herkommen und mich bitten, im Palast eine Hinrichtung durchzuführen.“

„Woher weiß Soleab das?“

„Das gehört zu dem Teil, den ich nicht erzählen möchte.“

„Und? Weiter!“

„Ich werde es tun.“

„Wen wirst du hinrichten?“

„Eine angehörige der Wache, ihre Tochter und ihre Schwester.“

„Peter“, flüsterte ich jetzt gefährlich leise. Diesen Ton hatte er schon einmal bei mir gehört und damals war es für unseren Gegner nicht gut ausgegangen… „ich will jetzt wissen was hier läuft!!!“

Die Art wie ich das sagte und ihn dabei anfunkelte, ließ keinen Widerspruch zu. Peter hatte Soleab klar gemacht, dass er Caroline nicht anlügen würde und auch keine Geheimnisse vor ihr hatte! Außerdem hatte Caroline hatte oft genug bewiesen, dass sie mit Geheimnissen umzugehen wusste.

**

Caroline saß da und hatte mich fest im Blick, ich wusste, jetzt gab es kein Entkommen. Beim nachdenken erkannte ich auch, dass sich Soleab nicht wirklich im Klaren darüber war, welch eine mächtige Verbündete Caroline sein konnte. Also erzählte ich ihr von Soleabs Besuch und dem Grund warum ich mich entschlossen hatte Soleabs Bitte nachzukommen. Danach schwiegen wir wieder eine Weile. „Und, wirst du es tun?“ fragte sie mich nach einer Weile.

„Wenn ich es nicht tue, war die ganze Befreiungsaktion umsonst. Überhaupt war alles umsonst, wenn Soleab den Kampf verliert. Ich will es nicht tun, aber ich befürchte, wenn ich mich weigere, bin ich vielleicht am Scheitern der Rebellion schuld… Verdammt, ich weiß es nicht!“

„Peter!“Caroline drehte sich zu mir und legte ihre Arme um mich. „Stell dir eine Frage, wäre es besser, wenn Soleab und seine Kämpfer gewinnen, oder wäre es besser wenn Sheramoh an der Macht bleibt?“

Darüber musste Peter nicht allzu lange nachdenken. Sheramoh war ein Irrer! Jemand der keine Skrupel hatte, dutzende Menschen aufzuhängen, nur weil es ihm Spaß machte!

War Soleab besser? Ja, verdammt! Soleab hatte gezeigt, dass Menschen wichtiger waren, als Gewinne!

Peter musste seine Antwort nicht laut aussprechen, wir kannten sie auch so. „Wir haben uns beide dazu entschlossen Soleab in diesem verzweifelten Kampf beizustehen, jetzt müssen wir auch durch!“

**

Und so waren wir „sehr überrascht“ als früh morgens eine Wagenkolonne vorfuhr und im Hof hielt.

Nachdem die übliche Ehrenformation Aufstellung genommen hatte, öffnete sich die Tür und General Voight’l Malubh, der neue oberste Militärchef, stieg aus.

Hinter ihm kam ein Oberst der förmlich nach Geheimdienst roch und hinter diesen beiden stieg Maru al Larabduh aus.

So als ob nichts geschehen wäre, begrüßte der General Caroline die berühmte Trägerin des Kahlscha’daar wie alle anderen auch. Sehr Blumig und sehr, sehr Ausgiebig.

Ich musste zugegeben, Voight’l Malubh war ein anderes Kaliber als sein Vorgänger, Nassadir Chalis. Voight´l war ein charmanter und aalglatter Typ, in einer maßgeschneiderten Uniform.

Er verbeugte sich tief vor Caroline, strahlte über das ganze Gesicht und betonte, wie stolz er wäre, die Frau, welche den Präsidenten und dessen Familie, praktisch im Alleingang gerettet hatte, endlich persönlich kennen zulernen.

Sogar ich war es wert, freundlich begrüßt zu werden, wenn auch nur der Höflichkeit wegen.

Voight’l Malubh war ganz sicher der letzte, den ich erwartet hätte!

„Leider ist der Grund meines Hierseins nicht die pure Freude an ihrer Gesellschaft, Frau Miles.“ Sagte der General und verzog mit gespielter Trauer das Gesicht.

Da ich den Grund seines Hierseins kannte, war ich nahe dran, dem Kotzbrocken eine in die Fresse zu hauen, doch Carolines Blick hielt mich zurück. Heute Nacht hatten wir uns geeinigt, Caroline, als dir Erfahrene von uns beiden, hatte das Kommando….

-Was für ein Schleimer.- dachte ich, sah ihn aber fragend an.

Unter dem wachen Auge des Obersten, trat Maru vor und stellte sich vor Voight’l.

„Der Präsident musste mit großem Bedauern feststellen, dass es in seiner persönlichen Garde eine Verräterin gab. Der hervorragenden Arbeit unseres Geheimdienstes ist es zu verdanken, dass die Verräterin und ihre beiden Komplizinnen enttarnt wurden.

Der Präsident wünscht, das diese Personen umgehend hingerichtet werden und bittet sie um eine Demonstration ihrer Kunst.“ Das alles sagte Maru mit einer völlig unbewegten Mine.

Du bist es also!- Jetzt wurde mir einiges klar! Maru war der Mann, der als einer der wichtigsten Berater des Präsidenten fungierte. Er war sozusagen dessen ständiges Aushängeschild, denn anderes als Caroline, war Maru dauerhaft auf Soulebda und Maru war Inder.

Dennoch würde ich wetten, dass Maru einen britischen Pass hatte und das Sheramoh zumindest den Verdacht hegte, Maru würde mit Mac Allister zusammenarbeiten.

Sogar Sheramoh ai Youhaahb war nicht so dumm, die Hand zu beißen, welche ihn fütterte. Maru konnte nicht einfach in den Folterkammern verschwinden. Genau wie bei uns, mussten gegen ihn stichhaltige Beweise vorliegen.

„Meiner Kunst?“ fragte ich skeptisch. „Frau Miles war hier auf der Insel als Henkerin tätig. Wollen sie wirklich mich?“

„Nun, eine Trägerin des Kahlscha’daar mit so etwas zu belästigen, wäre keine Geste der Gastfreundschaft.“ Erwiderte Voight’l.

-Ah, ihr traut ihr nicht und wollt diese Kampfmaschine nicht im Palast haben.- dachte ich mir.

„Wenn Frau Miles nichts dagegen hat, werde ich ihr gerne bis zu ihrer Rückkehr Gesellschaft leisten.“ Bot sich General Voight’l Malubh an.

-Man könnte auch sagen, ihr nimmt Caroline solange in Gewahrsam, nur nett formuliert und nicht in einer Zelle.-

Nein, so leicht werde ich es dir nicht machen, wobei mir klar war, dass der einzige, der bisher nichts gesagt hatte, hier der wichtigste Beobachter war… der Oberst des Geheimdienstes. Und so ließ ich Voight’l mit meiner Antwort noch etwas zappeln.

Die Ehrengarde des Generals wirkte, wie auf Kommando, nicht mehr sehr entspannt und freundlich, auch wenn keiner eine Waffe auf uns richtete, schauten einige doch sehr nervös in Carolines Richtung, und einige Hände näherten sich unauffällig den Waffen.

Noch blieb Marus Gesicht völlig entspannt und teilnahmslos und ich beschloss mich noch etwas zu zieren, bevor ich zusagte.

Wie abgesprochen spielte auch Caroline noch die eine Weile die böse.

„Ich würde ihre Gesellschaft auch gerne im Palast genießen.“ Sagte sie zu Voight’l, und fixierte ihn mit den Augen.

„Aber ich würde gerne mit ihnen, an ihrer ehemaligen Wirkungsstätte verweilen, sie haben hier sicher einige interessante Abenteuer erlebt, von denen sie mir erzählen können.“ Das klang schon gar nicht mehr so freundlich.

Wir verständigten uns mit einem Blick, das reichte uns aus. Insgeheim hoffte ich, dass der General bei meiner Rückkehr noch am Leben war und nicht an einen der Galgen baumelte. Also drehte ich zu Maru um nickte resigniert.

„Fahren wir, damit ich zum Essen wieder hier bin.“ sagte ich zu ihm, wobei ich keinerlei Erleichterung in seinen Augen sehen konnte. Maru schien ein Meister seiner Emotionen zu sein, was Wahrscheinlich der Grund war, warum Maru noch nicht enttarnt war.

„Nun, dann ist das ja geklärt.“ Sprach Voight’l und legte freundschaftlich den Arm um Caroline. Für eine Sekunde fürchtete ich, dass sie ihm diesen brechen würde, doch Caroline beherrschte sich und führte den General ins Haus.

Von den ganzen Wachen blieben nur zwei bei Maru, dem Oberst und mir, anscheinend war Caroline die größere Gefahr.

Maru steuerte seinen Wagen an und setzte sich in den Fond. Der Oberst deutete mir mit einer Kopfbewegung an ebenfalls einzusteigen und ich ging mit den beiden Wachen im Rücken ebenfalls zum Wagen. Eine der Wachen wartete, bis ich mich neben Maru gesetzt hatte, dann stieg er auf den Beifahrersitz, die letzte Wache ließ den Oberst neben mir Platz nehmen und setzte sich dann hinter das Steuer. So fuhren wir zum Palast.

Zwischen Maru und den Oberst saß ich eingeklemmt und beschloss das Beste aus der Situation zu machen und etwas Spaß zu haben.

Mein Ziel war der Oberst, der noch immer kein einziges Wort geredet hatte. noch kein einziges Wort geredet hatte. Er schwieg auch weiterhin sehr beharrlich und auch Maru schien an keiner Konversation interessiert zu sein.

-Ok, ihr Zwei.- um meinen Spaß zu haben, beschloss den beiden, zumindest dem Oberst, etwas auf die Nerven zu gehen.

„Was für eine Hinrichtung haben sie denn geplant?“ fragte ich und sah ihn direkt an, so dass er keine Gelegenheit hatte abzuwarten, bis Maru die Antwort geben konnte.

„Das sehen sie wenn wir da sind.“ Kam die knappe Antwort, ohne dass er mich ansah.

„Ich frage nur, weil ich nämlich, je nach Exekutionsart, eventuell andere Kleider bräuchte. Haben sie schon mal gesehen, wenn man einen Kopf abschlägt, und der Torso sich in die falsche Richtung dreht? Ich kann ihnen sagen, da sieht man aus wie Sau.

Oder wenn man zu nahe am Galgen steht, und man wird angepisst…voll ekelig und ich habe schon ein weit gedehntes Empfinden, was ekelig sein angeht. Einmal hatten wir den Knebel, bei einer Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl nicht richtig angelegt… Oh, das war vielleicht eine Sauerei. Also was ist geplant?“

„Sie sehen es, wenn wir da sind!“

Marus Gesicht, war wie aus Stein gemeißelt, aber ich konnte ihn innerlich lachen hören.

-Mal sehen, wo deine Grenze liegt, Herr Oberst.-

„Ich hoffe nur, dass es nicht zu unappetitlich wird, ich habe heute Morgen noch nicht gefrühstückt, schließlich kam ihr Besuch völlig unerwartet. Eigentlich wollten Caroline und ich ja ein Picknick am Strand machen, um dann anschließend ins Wasser hüpfen.

Apropos Wasser, wussten sie, das man im Salzwasser viel länger braucht um zu ertrinken als in Süßwasser? Das liegt daran, dass das das Volumen…“

Der Oberst hatte genug. „Halten sie den Mund! Ich habe gesagt, sie sehen es, wenn wir im Palast sind!“

„Und wenn ich nicht solange warten will? Was dann, du aufgeblasener Arsch?!“

Wohl um mich einzuschüchtern wollte er seine Waffe ziehen, doch da hatte er die Rechnung ohne mich gemacht.

Ich war zwar nicht Caroline, doch nach zwanzig Jahren Training bei Decker, kannte ich jeden schmutzigen Trick. Denn Decker hatte sein Training an die Bedingungen des Gefängnisses, insbesondere der Zellen angepasst, das hieß „Wehr dich auf kleinstem Raum!“, und bevor der Oberst sich versah, hatte er den Lauf seiner eigenen Kanone im Mund.

Die verbliebene Wache auf dem Beifahrersitz, drehte sich erschrocken um und wollte ihr Sturmgewehr auf mich richten, etwas, dass im einen vollbesetzten und geschlossenen Wagen ziemlich schwierig war und Zeit brauchte Ich ließ ihm die Zeit, denn der Typ würde ganz sicher nicht abdrücken!

Als er es dann geschafft hatte, sagte ich nur, „Waffe runter, oder eine Obristen Stelle wird neu besetzt. Los! Sag ihm er soll die Knarre runter holen!“ Wies ich den Oberst an.

Der Oberst, sonst gewöhnt dass die Leute nach seiner Pfeife tanzten, schluckte schwer und versuchte seiner Wache klar zu machen, dass er sein Gewehr senken sollte.

„Es wäre doch schade, wenn du deinem Präsidenten unter die Augen treten müsstest um ihm zu sagen, dass sein Henker tot ist und er die Leute selbst hinrichten muss, oder?“

Um dem ganzen etwas Nachdruck zu verleihen, schob ich den Lauf noch etwas tiefer in den Mund des Obersten.

„HHMM!“ machte der nur und deutete ein Nicken an.

Ich beschloss es nicht zu übertreiben also holte die Pistole aus seinem Mund und warf sie in seinen Schoß.

Weiß vor Wut, steckte er sie wieder ein, wobei seine Hände erheblich zitterten. Da hatte ich mir einen Freund fürs Leben gemacht und ich was sicher, er würde die Gelegenheit sich zu rächen, nicht ungenutzt lassen! Wütend funkelte er mich an und ich konnte seine Gedanken lesen! –Ich leg dich um!- sagten diese.

-Versuch es und ich reiße dich auseinander, du Arsch.- antworteten meine.

Glücklicherweise kamen wir auch schon zu Palast, bevor die Situation erneut eskalieren konnte.

Ich hatte eigentlich erwartet, dass die Wachen stramm stehen und ums durchwinken würden, doch meine Befreiungsaktion hatte alle sehr vorsichtig gemacht.

Selbst die Papiere des Obersts wurden genauesten geprüft, dann erst wurden wir durch das Tor des Palastes gelassen.

Am Eingang des Palastes stiegen wir aus und Maru wollte mich schon hinein führen, als der Oberst mich am Arm festhielt.

„Du glaubst du bist sicher, weil du hier Gast bist?“ zischte er böse. „Ich sag dir was, ich leg bei der nächsten Gelegenheit um. Und das wird eine sehr hässliche Sache.“

Nach dem alten Franzosen und Froody, konnte mich der Arsch nicht einschüchtern, also bekam er die passende Antwort!

„Das haben schon ganz andere Kaliber als du versucht. Echte Soldaten, keine Hampelmänner wie du. Und ich hab sie alle kalt gemacht. Also nimm dein Maul nicht zu voll.“

Maru trat dazwischen, griff mich am Arm und zog mich vom Oberst weg, zum Eingang des Palastes.

„Das war zwar lustig, aber nicht sehr schlau.“ Flüsterte er.

„Tut mir leid, aber er hatte es einfach verdient. Ich hoffe, ich hab ihnen keine Schwierigkeiten gemacht.“

„Ich habe keine Ahnung, wovon sie reden!“ Die Tonlage Marus ließ keine weitere Ausführung zu, also hielt ich den Mund…

Maru führte mich durch die Gänge des Palastes zu einem großen Saal im Hauptflügel des Palastes, in dem eine Überraschung auf mich wartete.

Der Saal war selbst riesig, mindestens 50×40 Meter. „WOW!“ sagte ich, als ich den reichlich verzierten Saal sah. Dieser Saal stand, was den Prunk anging, anderen Palastsälen welche ich als Tourist besucht hatte, in keiner Weise nach! Lediglich das Gestell in der Mitte, war hier fehl am Platz…In der Mitte stand ein Galgen mit drei Schlingen mit drei niedrigen Schemeln darunter.

Damit was der Zauber, der von diesem Raum ausging auch schon wieder verflogen.

Etwa zehn Meter vom Galgen entfernt, waren ein Thron aufgestellt und seitlich hinter diesem ein paar Besucherstühle.

Die größte Überraschung aber war die Person, die schon auf mich wartete! Helfana n’Atuari, die Chefsekretärin des Präsidenten saß auf dem Thron und schaute uns gespannt entgegen.

„Nun, ich habe meine Pflicht erfüllt und hoffe gutes Gelingen.“ Damit Verabschiedete sich Maru von mir und ich nickte ihm zu.

„Hallo Herr Stein.“ Flötete Helfana vom Thron aus herunter.

„Nennen sie mich Peter, das Herr Stein, liegt mir weniger.“ Ich wartete bis Maru die Tür hinter sich geschlossen ahtte, dann drehte ich mich zu ihr um. „Sind sie befördert worden?“ fragte ich Helfana auf dem Thron.

„Nein, noch nicht, ich wärme unserem Präsidenten nur den Platz an. Er liebt es auf einem angewärmten Platz zu sitzen“

Sie stieg vom Thron herunter und kam zu mir. Mir verschlug es fast die Sprache, als auf mich zukam.

Helfana trug eine sehr knappe und sehr enge weise Bluse, und eine einen Rock, der kaum etwas verdeckte. Man musste auch nicht genau hinsehen um zu erkennen, dass weder unter der Bluse, noch unter dem Rock ein Fetzten Unterwäsche war.

Abgerundet wurde das Bild, von einem Paar schwarzen Pumps, die einen höllischen Absatz hatten.

Verdammt diese Frau war eine Augenweide für jeden Kerl und als sie sah, wie ich sie musterte, lächelte sie verspielt.

„Unser Präsident, legt Wert auf eine angemessene Kleidung, bei solchen Veranstaltungen. Dieses Outfit, gefällt ihm besonders.“ Erklärte sie lächelnd.

„Ja, als Mann kann ich das nur allzu gut nachvollziehen.“

„Bitte setzten sie sich doch.“ Lächelte sie mich einladend an und zeigte in Richtung Thron.

„HHHMMM, ich weiß nicht…wenn es ihnen nichts ausmacht, bevorzuge ich einen Besucherstuhl. Von dem kann man nicht so tief herunterfallen.“

Helfana lachte herzlich, nahm mich an der Hand und führte mich zu dem nächsten Besucherstuhl.

„Hier bitte, der erste Stuhl neben dem Thron. Sie kennen sicher die Weisheit, „Wahre Macht ruht hinter dem Thron““.

„Ja, aber gibt es nicht auch die Weisheit, hinter jedem großem Herrscher, steht eine kluge Frau?“

„Ja, und es ist eine Tatsache.“ Sie drückte mich in den Stuhl und schwang sich auf meinen Schoß, mit dem Gesicht zu mir.

Verdammt, war Helfana ein heißes Gerät! Selbst durch die Hose konnte ich ihren heißen Unterleib spüren, als sie diesen gegen mich drückte und diesen ganz langsam vor und zurück schob.

OK, dachte ich, im Krieg muss man kämpfen, wo es nur geht! Ich legte meine Hände auf ihren Rücken und ließ sie dann bis zu ihrem Arsch wandern. Der kurze Rock legte ihren halben Hintern frei und ich konnte ihre heiße Haut unter meinen Fingern spüren.

„HMM.“ Stöhnte sie leise auf und drückte sich fester gegen mich.

Als sie ihren Kopf gegen meine Schulter legte und ihre festen Brüste gegen mich drückte, sah ich durch ihre Haare nach vorne, wo der Galgen stand.

„Ok, ich sehe einen Galgen, wo sind die Verurteilen? Und wann soll ich sie holen gehen?“

„Keine Sorge“, murmelte sie ohne sich von mir wegzubewegen, „das wird von unseren Wachen erledigt.“

Wie auf Kommando öffnete sich eine der Türen die in den Saal führte und zwei Wachen brachten die erste Frau herein.

Dahinter kamen die zweite und schließlich die dritte.

Die dritte schrie und wurde regelrecht zum Galgen geschleift. Sie war eindeutig die jüngste der drei Frauen und ich ging davon aus, dass sie die Tochter der enttarnten Palastwache war.

Entgegen meinen Erwartungen, waren die Frauen nicht nackt, wie ich es von Sheramoh erwartet hatte, wenn er sich schon ein solches „Vergnügen“ gönnte, stattdessen trugen die drei Frauen graue Overalls.

Helfana dachte nicht daran aufzustehen, als die Wachen mit ihren Gefangenen in den Saal kamen, sondern sie blieb eng an mich gedrückt auf mir sitzen.

Mit einer Hand schob ich ihre Haare zur Seite und schaute zu dem Geschehen am Galgen, wo die Wachen drei mittlerweile die Frauen zum Galgen gebracht hatten. Die erste zu der Schlinge links, die Zweite in die Mitte und die junge rechts. Als jede hinter ihrer Schlinge stand, drückten sie die Frauen zu Boden und warteten.

„Die junge ist die Tochter der Verräterin. Die links ist die Schwester und die Verräterin selbst, kniet in der Mitte.“ Erklärte mir Helfana, ohne einen Blick auf den Galgen zu werfen. „Was denken sie? Was wird schlimmer für die Verräterin sein, ihre Tochter sterben zu sehen, oder vor ihr zu hängen?“

In diesem Moment wurde mir klar, wie sehr ich das hier verabscheute! Ich musste wirklich alle Selbstbeherrschung aufbringen, um dieser attraktiven Frau, welche noch immer ihre Muschi an mir rieb, nicht mit einem Faustschlag die Nase zu zertrümmern!

Nicht die Hinrichtung an sich widerte mich an, schließlich verdiente ich mir damit meinen Lebensunterhalt, aber DAS hier hatte nichts mit einem Urteil eines unabhängigen Gerichtes oder eines Rechtsstaates zu tun!

Nein, mir stank es, dass ich benutzt wurde, einem Tyrannen die Drecksarbeit zu machen. Schlimmer, das hier sollte mir die Konsequenzen zeigen, sollte ich aus der Reihe tanzen. Dasselbe hatte Trommer mit mir gemacht, und wie das ausging …

Zum Glück für Helfana und wahrscheinlich zu meinem Glück, übernahm mein Verstand die Oberhand und schaltete mich auf „Autopilot“ ohne Emotionen.

„Sie können es wohl kaum erwarten, oder?“ fragte ich Helfana und schaute auf ihre Brüste, durch die sich ihre Nippel deutlich sichtbar, durch den Stoff drückten.

„Nun Peter du bist der erste Henker, den ich aus dieser Nähe sehe.“ Antwortete sie und rutschte wieder etwas auf meinem Schoß hin und her, was seine Wirkung nicht verfehlte, denn ich spürte ein erwachen in meiner Hose.

„Nicht, dass ich Frau Miles nicht gemocht oder bewundert hätte, aber sie ist eben eine Frau.“ Erklärte sie mir und registrierte den Gegendruck unter sich sehr wohl.

-Daher wehte der Wind also.- dachte ich, als bei mir der Groschen fiel. Ich würde wetten, dass das tragen dieser Kleidung nicht unbedingt nur dem Präsidenten galt.

„Erzähl mir etwas von dir, wie kommt so ein toller Kerl wie du, hier auf unsere schöne Insel?“

„Tja, woe ich hier her kam, weißt du ja sicher, außerdem… wer möchte nicht seinen Traumberuf mal in der Südsee ausüben.“

„Oh deinen Traumberuf. Wie gefällt dir denn unsere Insel? Ist sie auch traumhaft?“

„Das Gefühl habe ich gerade, schon.“

Sie stellte mir noch einige Fragen und rutschte immer weiter hin und her. Schließlich fasst sie ungeniert zu und packte mich zwischen den Beinen. Aber so einfältig war ich dann doch nicht. Ich erkannte trotz ihrer Bemühungen sehr wohl, die wenigen wichtigen Fragen, zwischen den vielen anderen heraus. Aber ich spielte mit und ließ sie im Glauben, Wachs in ihren Händen zu sein. Obwohl ich zugeben musste, sie wusste, was sie mit ihren Händen machen sollte!

„Also?“ fragte sie irgendwann, „In welcher Reihenfolge sollen wir die drei aufhängen?“

Bevor ich antworten konnte, ging die Hauptpforte auf und der Präsident samt Gefolge kam herein.

Das Gefolge bestand aus einigen seiner Militärs, Maru und einigen Leuten die eindeutig Ausländer waren. Bei einem war ich mir sicher, dass es sich um Mac Allister handelte.

Der Mann war groß, etwa Mitte fünfzig, hatte rot-graue Haare und ein gestochen scharfes Profil. Als er mich sah, bohrten sich seine blass-grauen Augen förmlich in meine. Ihm ging es wohl darum einen seiner Gegner zu sehen und ich erwiderte seinen Blick ohne mit der Wimper zu zucken. Schließlich wollte ich ihn nicht enttäuschen!

Jetzt erst erhob sich Helfana, verbeugte sich tief vor dem Präsident und trat hinter diesen, nicht ohne mich mit einem Augenzwinkern an die Weisheit zu erinnern, dass die kluge Frau hinter dem Regenten stehen würde.

Als alle mich anstarrten, verbeugte ich mich ebenfalls, wenn auch nicht so tief und ehrerbietig, wie anderen.

Ohne ein Wort zu sagen, oder mich eines weiteren Blickes zu würdigen, setzte sich Sheramoh ai Youhaahb der Herrliche, -der Arsch- auf seinen angewärmten Thron.

Erstmals sah ich den warnenden Ausdruck in Marus Augen, es nicht zu übertreiben, denn mit Sicherheit, hatte der Oberst schon seinem Präsident Bericht erstattet. Ich deutete Marus Blick wie folgt: Zieh die Hinrichtung durch und zwar ohne weitere Provokationen!

Ok, dachte ich, sollen dieser Arsch und seine Speichellecker ihren Spaß haben.

Ohne meine Wut zu zeigen ging ich zu dem Galgen und fing mit der Schwester an. Die war noch die Beherrschtere der drei Frauen und würde wohl die wenigste Gegenwehr leisten.

Ich holte die Schlinge herbei und legte sie ihr im den Hals. Da ich nicht davon ausging, dass sich eine der drei Frauen das Genick brechen sollte, platzierte ich den Knoten entsprechend.

Auf meine Zeichen stellten die Wachen die Frau, deren Hände schon auf dem Rücken gefesselt waren, auf den Schemel zu stellen und ich konnte den Strick stramm ziehen.

Dann kam die „Verräterin“ an die Reihe. Sie versuchte Haltung zu wahren, doch als sie sah, wie ich ihrer Tochter die Schlinge um den Hals legte fing sie an den Präsidenten anzuflehen.

Sie tat es in Subdelaeaheli, doch ich brauchte keinen Übersetzter, um zu verstehen, um was sie flehte. Als ich die Hand ausstreckte um die Schlinge für die Tocher heranzuholen, stellte ich tatsächlich ein Zitetren fest. Ein Zittern vor Wut! Eine Wut, die ich noch nie vorher gekannt hatte…

Sheramoh ai Youhaahb genoss das Zusehen, und Mc. Allister beobachtete interessierte sich ausschließlich für mich.

Die einzige Zuschauerin im Raum, Helfana, saß ganz vorne und hatte sichtlich ihren Spaß beim Zusehen.

Ich war dermaßen angepisst, das ich am liebsten allen in die Fresse gehauen hätte. Verdammt, die Waschen hatten nicht mal Pistolen…-Nein! Beherrsch dich!!!- befahl ich mir.

Schließlich standen alle drei Frauen, bereit zu sterben, auf den Schemeln.

Sheramoh ai Youhaahb sagte etwas in Landessprache, was ich nicht verstand, also schaute ich Maru an, der mir mit einem Fingerzeig, zu verstehen gab, zuerst die Schwester aufzuhängen.

Ich trat hinter diese und setzte meinen Fuß auf den Schemel, dann wartete ich bis Sheramoh nickte und trat ihn unter ihr weg.

Sie hing sofort frei in der Luft und fing an röchelnd um sich zu treten.

Was immer die Geheimdienstleute mit der Frau angestellt hatten, es führte dazu, dass sie mehr apathisch in der Schlinge baumelte und schließlich einfach starb, ohne Sheramoh und den anderen ein großes Schauspiel zu bieten.

Schließlich färbte sich der Stoff ihres Overalls dunkel und sie schwang leicht hin und her.

Die Zuschauer waren alle, bis auf Maru, ziemlich enttäuscht.

Der Präsident sagte etwas sehr ungehaltenes und ich vermutete, er wünschte sich, dass der Tod der nächsten Frau ihn nicht enttäuschend sein würde. -Tja Arschloch, hast eben Pech gehabt!-.

Als Maru dann aber auf die Tochter zeigte, begann ein anderes Schauspiel als bei der Schwester.

Sofort begannen beide, Mutter und Tochter, an zu Schreien und zu flehen.

Die Tochter war jung, leicht und körperlich in einem guten Zustand, das hieß, sie würde mit Sicherheit lange brauchen, bis sie ihr Leben ausgehauchte.

Das ein oder andere Grinsen zeigte sich, als die Tochter ihren Overall einnässte, als ich noch hinter ihr stand und auf Sheramoh Zeichen wartete.

Als es kam und der Hocker unter ihr weg war, entschädigte der Todeskampf der Tochter die Zuschauer, für die klägliche Darbietung der Schwester. Nur mich und MAru widerte das Schauspiel an…

Wie ich vorhergesehen hatte, brauchte die Tochter schon eine Weile, bevor sich die Schlinge soweit schloss, dass sie nicht mehr atmen konnte.

Die Mutter heulte und flehte die ganze Zeit, während ihre Tochter in der Schlinge tanzte.

Ganze vier Minuten brauchte die Tochter, um bewusstlos zu werden, erst dann, als sie sich noch um die eigene Achse drehte, verfiel die Mutter in Weh und Anklagen.

Die verstummten allerdings abrupt, als ich dann letztlich unter ihr den Schemel wegtrat. Auch die Mutter brauchte eine Zeitlang um zu sterben.

Einzig Maru hatte die Hinrichtung mit eisiger Mine verfolgt und auch beim Verlassen des Saales, verriet er nichts über seine Emotionen. Sheramoh ai Youhaahb und seine Zuschauer schienen jedenfalls sehr befriedigt zu sein und als die drei Frauen still am Galgen hingen, stand Sheramoh auf, verließen sie den Saal, mit den Wachen hinter sich, ohne mich eines Blickes zu würdigen und alle anderen schlossen sich an.

Das heißt alle bis auf Mac Allister und Helfana. Mac Allister schaute mich noch einmal durchbohrend an, dann verschwand auch er.

Helfana, war im Saal, bzw. auf ihrem Stuhl geblieben. Als sie aufstand konnte ich eine ziemlich feuchte Stelle auf dem Polster des Stuhles erkennen.

Sie kam zu mir und schubste die drei Leichen der Tochter leicht an.

„Das war tolle Arbeit. Mir hat der Tanz der Tochter am besten gefallen. Und ihnen?“ fragte sie und drückte sich wieder gegen mich.

Mittlerweile hatte ich mich wieder soweit im Griff, dass ich mir meine Wut und Abscheu vor ihr verbergen konnte. „Ja, der war der beste.“ Antwortete ich ihr.

„Wir müssen noch in meinem Büro die Protokolle ausfüllen. Wenn ich bitten darf.“ Sie hakte sich unter und zog mich vom Galgen weg, zu ihrem Büro.

Auf dem Weg dorthin stellte sie mir noch weiter Fragen und langsam kam ich zu der Erkenntnis, dass Helfana eigentliche Aufgabe war, mich dazu zu bringen; etwas zu verraten.

-Gut, dass kannst du haben!- dachte ich mir und so gab ich ihr die Antworten, von denen ich dachte, sie wären für Soleab die besten.

Kaum in ihrem Büro angekommen warf sie die Tür hinter sich zu und packte mich ohne zu zögern in den Schritt.

„So, jetzt wollen wir das mit dem „Hängen“ bleiben lassen.“ Sagte sie und öffnete mir die Hose! -Du tust es für die Rebellion!- sagte ich mir und Minuten später lag Helfana auf ihrem Schreibtisch und ließ sich von mir durchvögeln.

Als sie unter mir lag, riss ich ihr die Bluse auf und holte ihre D-Möpse heraus, während ich sie wild und Hemmungslos fickte.

Helfana, die nicht gerade leise war, schien es egal zu sein, ob der halbe Flur mitbekam, dass sie gerade Sex hatte, sie schrie ihre Lust laut heraus.

Ich konnte es nicht fassen, während ich diese nicht gerade unattraktive Frau vögelte, begannen meine Gedanken um eine ganz andere Möglichkeit zu kreisen…

Wenn sie von mir Antworten wollte, warum dann nicht solche, die Soleab n’Amsala dem Präsidenten zukommen lassen wollte? Warum nicht ein paar gezielte Desinformationen?

Für einen Moment musste ich über mich selbst lachen. „Stein! Der Spion, der dich fickte…“ als Titel für einen Film, hörte sich das nicht schlecht an.

Helafana wurde immer lauter und schließlich brüllte sie den ganzen Flur zusammen, als sie einen Orgasmus hatte. Wahrscheinlich gehörte das auch zum Plan, aber mir war das egal. Ich hatte auf „Spionmodus“ geschaltet, meinen Spaß und einen geilen Höhepunkt.

**

Als ich aus dem Palast kam, stand Maru mit einem Wagen bereit, um mich zurück zur Villa zu bringen.

„Sie hatten Glück.“ Murmelte er, als wir zum Wagen gingen. „Wussten sie, dass im Garten des Palastes schon ein Erschießungskommando bereitstand und nur auf sie wartete?“

„Nein, aber gut zu wissen, wie man hier mit Gästen umgeht.“

„Das haben sie sich selbst und ihrer störrischen Art zuzuschreiben. Raten sie mal wer das Kommando führen sollte.“

„Mein Freund aus dem Auto?“

„Ja, er hatte sich schon sehr darauf gefreut, ihnen eine Kugel in die Stirn zu jagen.“

„Tut mir leid, dass ich ihn enttäuschen musste. Ich denke, er bekommt seine Chance. Aber ich bin mir sicher, dass ich dann auch eine Knarre in der Hand halte!“

„Sie sind ein hoffnungsloser Fall!“ brummte Maru und öffnete mir die Autotür.

Schließlich brachte mich ein Fahrer Zurück zu unserem Haus.

**

Als ich ins Wohnzimmer kam, saßen sich General Voight’l Malubh und Caroline gegenüber.

Lediglich das Bild, das Voight’l ein geschwollenes Auge hatte, eine der Wachen seinen Arm in eine Schlinge gelegt hatte, und drei Wachen ihre Waffen auf Caroline richteten, zeigte dass auch hier nicht alles, nach Plan des Präsidenten gelaufen war.

„Herr Stein, schön dass sie zurück sind. Wir haben schon sehr auf ihre Rückkehr gewartet, nicht wahr Frau Miles.“

„Oh ja, wir konnten es beinahe nicht erwarten.“ Antwortete die und lächelte freundlich, also beschloss ich das geschwollene Auge Voight’ls zu ignorieren.

„Wir sehen uns meine Liebe. Ich denke sie werden noch eine Weile Gast auf unsrer wunderschönen Insel sein.“ Damit verabschiedete sich General Voight’l Malubh. Er gab seinen Bodyguards einen Wink und verließ das Haus.

„Was ist denn mit seinem Auge passiert, als ich losfuhr, sah er noch nicht so ramponiert aus?“ fragte ich Caroline, als wir wieder alleine waren.

„Er wollte das Wort, Nein, nicht verstehen.“

„Ahh. Tja, ich schätze jetzt weiß er, was Nein bedeutet.“

„Ja, ich denke, er hat seine Lektion gelernt. Wie ist es bei dir gelaufen?“

„Wir müssen mit Soleab reden, ich habe eine Idee.“

„Welche?“

Ich überlegte, ob ich Caroline den Fick mit Helfana gleich beichten sollte, entschloss mich aber lieber zu warten, bis Soleab da war….Sicher ist sicher…

„Ich denke, wir könnten eine neue Quelle im Palast haben, wenn wir es richtig anstellen.“.

„Wen?“ fragte Caroline.

„Helfana.“

„Die Tipse?“

„Ja genau die.“

Caroline war wenig begeistert, dass konnte an ihrem Gesicht deutlich sehen, doch sie beließ es dabei.

„Naja“, meinte sie, „Vielleicht hast du recht.“

Ich ging zur Küche, wo Jerome mit seiner Mutter saß und sich lebhaft in Soulebdahea unterhielt.

„Kannst du Soleab eine Nachricht zukommen lassen? Ich muss mit ihm reden.“

Jerome sah seine Mutter kurz an, die leicht nickte, dann sagte er nur „Geht in Ordnung.“

Den Rest des Tages überlegte ich, wie ich Caroline das „Treffen“ mit Helfana beibringen könnte.

Um zwei Uhr Nachts weckte Jerome uns auf, indem er mich kräftig schüttelte.

„Verdammt Jerome! Was soll das?“

„Soleab n’Amsala ist da.“

„Was? Mitten in der Nacht? Wie konnte er deine Botschaft so schnell bekommen?“

„Die Stammeskrieger haben ihn benachrichtigt.“

Stammeskrieger? Jeromes Antwort ergab keinen Sinn, aber das war auch egal, Soleab war hier und ich musste mich der Gefahr stellen.

Wir stiegen beide aus dem Bett und gingen nach unten ins Wohnzimmer, wo Soleab auf dem Sofa saß und wartete.

„Ihr habt euch heute keine Freunde gemacht.“ War seine Begrüßung. „Die Nummer mit dem Oberst war unnötig und auch dem General ein Veilchen zu verpassen, war nicht in Ordnung.“

„Doch, das war nötig!“ Entfuhr es Caroline. „Mir ist es egal, ob es ein Mann des Präsidenten ist oder einer deiner Männer. Der nächste der mich, ohne Erlaubnis anfasst stirbt.“

„Ich nehme nicht an, dass ihr deswegen mit mir reden wolltet.“ Beendete Soleab das Streitgespräch.
„Nein“, sagte ich und setzte mich hin, „ich glaube wir können im Palast eine neue Quelle anzapfen, zumindest können wir die Informationen platzieren, die wir dort haben wollen.“

„Wir?“ fragte Soleab nach. „Gestern hieß es noch, ich bin keiner von euch.“

„Das hat sich heute geändert! Als Henker habe kein Problem damit Leute aufzuhängen, aber ich arbeite in einem Rechtsstaat, in dem Menschen von unabhängigen Richtern verurteilt werden. Das heute war ein Verbrechen und ich wurde dazu benutzt. Das gefällt mir nicht.“

Soleab n’Amsala sah mich an und schwieg. Schließlich fragte er nach meiner Quelle.

„Helfana n’Atuari, die Sekretärin des Präsidenten, ich glaube sie wurde auch mich angesetzt.“

„Wie kommst du denn darauf?“ wollte er wissen.

„Wir hatten Sex, direkt nachdem sie mit angesehen hatte, wie ich die drei Frauen aufgehängt habe. Vorher und danach hat sie mir tausend Fragen gestellt und zwischen den vielen unwichtigen, kam immer mal wieder eine gezielte Frage. Zum Beispiel mit wem wir alles Kontakt auf der Insel hätten, oder mit wem wir außerhalb der Insel kommunizierten. Und so weiter.“

Ich warf einen unauffälligen Blick zu Caroline, die immer noch neben der Tür stand und die mich jetzt anstarrte. Ihre Augen waren sehr, sehr schmal geworden. – Das ist ein kein gutes Zeichen.- fuhr es mir durch den Kopf.

„Ich werde darüber nachdenken.“ Teilte uns Soleab mit. „Einstweilen unterlässt ihr zwei jeden Versuch den Präsidenten, oder seine Leute zu provozieren.“

Soleab stand auf und verließ das Haus, so still wir er gekommen war.

Caroline wartete, bis Soleab das Haus verlassen hatte, dann trat an mich heran und ihre Augen blitzten.

Ich stand vorsichtshalber auf und machte mich darauf gefasst, dass sie mich anspringen würde.

„Du hast was getan?“ zischte sie gefährlich leise. „Ich lass dich für ein paar Stunden aus den Augen und hast nichts Besseres zu tun, als mit dieser Tipseschlampe ins Bett zu steigen?“

„Es war bloß der Schreibtisch…“

„Mistkerl!“ fuhr sie mich an.

„Wir sind im Krieg mein Schatz, da muss man Opfer bringen…“

Ich konnte mich gerade noch ducken und der Vase ausweichen die Caroline nach mir geworfen hatte. Die zersprang in tausend Scherben, als sie an die Wand krachte, dann sprang mich Caroline wie eine Pantherin an.

Doch ich war nicht bereit, mich ihrer Gnade auszuliefern, schließlich war ich ein trainierter Kämpfer und machte es ihr nicht leicht!

**

Am Morgen war die halbe Einrichtung des Hauses ebenso wie die Vase zertrümmert, zerbrochen, oder lag in einem völligen Chaos auf dem Boden.

Wie schon nach unserer ersten Liebesnacht, war ich mit Biss und Kratzspuren übersäht, hatte einen Riss über dem linken Auge während Caroline Würgemale am Hals und blaue Flecken am ganzen Körper davongetragen hatte. Wieder einmal hatten sich die Panterin und der Wolf ein erbittertes Duell geliefert.

Während Madame Ma‘ Difgtma klagend durch das Haus lief und versuchte Ordnung zu bekommen, saßen wir uns grinsend gegenüber und frühstückten.

„Du bist eine verdammt zähe Gegnerin.“

„Und du bist ein sturer Knochen, der nicht weiß, wann er verloren hat.“

„Ich hab nicht verloren! Ich hatte zweimal geilen Sex. Den besseren übrigens mit dir.“

„Das will ich dir auch geraten haben!“

Bevor wir dieses Thema erneut vertiefen konnten, kam Ma’Difgtma zu uns an den Tisch und fragte etwas auf Soulebdaheli, wobei sie mich anklagend ansah.

Caroline sah mich an und antwortete in Landessprache.

Ich glaube es war das erste Mal, dass ich Ma‘ Difgtma lachen sah, denn zumindest bewegten sich die Mundwinkel. Dann sagte sie etwas, das sich wie „Das hätte er verdient“ anhörte und drehte sich um.

„Was hat sie gefragt?“

Caroline beugte sich vor, als ob sie etwas sagen wollte, dann packte sie ein Besteckmesser und drückte es fest gegen mein bestes Stück.

„Sie wollte wissen, wie du deine Eier magst!“

**

Ich sah sie mit großen Augen an. „Am liebsten gekrault – habe ich Ma‘ Difgtma geantwortet und sie hat endlich wieder gelächelt.

Weißt du, seit die Truppen ihren Mann entführt und vermutlich ermordet haben, war das das erste Mal, dass sie lächelte.“ Wir schauten sie beide mit einem Lächeln an und endlich gelang auch ihr ein leichtes verschmitztes Lächeln. Wie gut doch so ein Lächeln tun kann, dachten wir uns. „Wer war bei deinem Auftritt im Palast sonst noch alles dabei?“ Peter erzählte mir dass er auf Mc. Allister getroffen war und dass der nicht sehr vertrauenerweckend wirkte. Wir frühstückten ausgiebig und tauschten unsere Informationen aus, um unser beider Wissen upzudaten.

„Wie willst wieder du in den Palast gelangen, ohne gleich aufgeknüpft zu werden“ „Die wollen mich aushorchen, das hereinkommen dürfte kein Problem werden“ „Ja das wird dann bestimmt auch für die präsidiale Tippse gelten, so wie ich dich kenne“ meine Stimme hatte etwas lauerndes. „Entspanne dich Liebes, ich opfere mich da sozusagen für eine höhere Aufgabe“ Peter grinste und wusste dabei doch genau, wie weit er gehen konnte.
Ein wenig zu weit und er würde wie eine Fliege im Netz baumeln ein wenig zu wenig und es würde nicht funktionieren und auch da drohte die Tippse mit ihrem gedanklichen Netz.

„Die Frage um die es geht, ist doch, was für Informationen wollen wir platzieren“ und wir schauten uns beide an, das war des Pudels Kern und genau da würden später auch Penelope und Soleab n’Amsala mitreden wollen. Damit wanden wir uns den weiteren Informationen zu. So langsam wurde das Bild klarer.

Die Amis, die bisher immer gewohnt waren, die Nummer eins zu spielen, hatten hier auf Soulebda zu früh und zu schnell ihr Pulver verschossen. Die Australier spielten mit den Neuseeländern, eine deutlich kleinere Rolle, aber als die Hauptdrahtzieher stand ganz klar das Empire fest mit Mc. Allister an der Spitze.

Dieser Mann war gewohnt, wie auch die CIA ihren Weg zu gehen und was man nicht kaufen konnte, wurde eben aus dem Weg geräumt. Für uns war es nur eine Frage der Zeit, wann wir bei den Briten aufräumen würden und bestenfalls noch wie.
Doch zuvor galt es noch zu prüfen, was alles hinter der Verkabelung der Gottheit Mualebdas war, wer da alles seine Fäden zog.

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Mit Jerome machten wir uns auf, um die stillgelegte Mine zu finden, und die Hinweise der Amme waren dabei Gold wert. Der Eingang war hinter einem Felsvorsprung versteckt, wenn man nicht wusste, dass dort ein Eingang war, würde man garantiert vorbeilaufen. So zwängten wir uns durch den schmalen Eingang und gelangten so in die Höhle.

Wir erkundeten vorsichtig die Höhle und machten zumindest zwei Fallen ausfindig, Jerome entdeckte dann noch zwei Claymore Antipersonenminen.

Offenbar wollte hier jemand ganz auf Nummer sicher gehen und nahm auf das Leben anderer keine Rücksicht.
Am Boden waren noch die Schienen vor der Erschließung der Miene, diese Schienen waren aber gereinigt und ausgebessert.

Wir folgten den Schienen und sie waren zumindest in einwandfreiem Zustand, je tiefer wir kamen. Der Weg durch die Miene führte immer näher zu dem alten Vulkan, von dem immer noch eine Menge Hitze ausging.
Da aber der letzte Ausbruch vor über 250 Jahren stattfand, machte man sich bei dem stadtnahen Vulkan keine Sorgen, bei dem im Norden sah das anders aus, der galt als wesentlich gefährlicher.

Wir gingen weiter in den Tunnel und je tiefer wir kamen, desto klarer wurde uns, dass da unten jemand sprach. Wir vernahmen leichte Geräusche, Schatten und dann auch einige Lichter. Offenbar kam da jemand den Gang entlang auf uns zu und da die Person sprach, war sie offenbar nicht alleine.

Sofort erloschen unsere kleinen Lampen, wir versteckten uns, so gut es in einer gehauenen Minen ging, und wir lauschten dem, was da auf uns zukam.

Zwei eindeutig angetrunkene Männer in älterer britischer Kaki Ausrüstung stolperten auf uns zu. Einer hielt eine MP über der Schulter und der andere eine Pfeife die noch rauchte. Ich hatte mich in eine Nische gedrückt und Peter und Jerome hatten hinter größeren Felsen Schutz gesucht. Der Pfeifenraucher kam zielsicher auf mich zu, drehte sich kurz zu seinem Kumpan und meinte mit rauchiger Stimme „Hey Mike warte, ich muss mal eben pissen.“
Schon schob seine rauchende Pfeife in den Mund und kramte zwischen den Beinen herum. Als er wieder aufblickte, stierte er genau in mein Dekolletee und seine Pfeife fiel ihm aus dem offenen Mund. Dann folgte sein Blick in mein Gesicht.

„Na Süßer, alles gefunden?“

Er nickte überrascht, murmelte „Ähh ja sicher …“ Dann traf ihn mein Schlag an den Hals und er sackte gurgelnd zu Boden. Von hinten kam der andere Mann mit der MP und murmelte etwas von „Du alter, besoffener Ire, kannst du nicht mal im Camp pinkeln?“, da lief er Peter in die Arme und ging nach einem kräftigen Hieb dann auch brav zu Boden.

Bewusstlos lagen die beiden vor uns und wir versteckten sie. Jerome kümmerte sich um die Fesseln und wir schauten weiter nach vorne. Zwei Funkgeräte, zwei Messer, ein Smartphone, etwas Tabak diverse Kleinteile, Löt-Draht und etwas Stoff, dazu Streichhölzer, diverse Schraubendreher, Zangen und anderes Reparaturmaterial trugen die beiden mit sich, offenbar war das also nur ein Wartungstrupp.
Das Handy war noch eingeschaltet und erforderte keinen PIN-Code. Gut zu wissen, das Handy wollten wir uns nachher vornehmen.
Jerome fesselte die beiden und wir gingen weiter den Gang entlang. Jerome wartete einen Moment, bis wir um eine Ecke waren, dann zückte er seinen Dolch. „Verzeiht mir meine englischen Feinde, aber ich kann euch hier nicht liegen lassen, damit ihr nachher eure Leute warnen könnt“ und mit zwei kurzen Dolchstößen durchbohrte er ihre Herzen, die würden keinen mehr warnen können. Ihr Tod kam schnell.
Unten angekommen köchelte ein Mann etwas in einer Dose, ein anderer schlief und in einem mittelgroßen Zelt waren Schatten von zwei Leuten, die sich unterhielten.

Wir schalteten die beiden Männer in dem Zelt aus und die beiden anderen waren auch kein Problem.

Jerome zog von einem der beiden großen Stapel die Decke herab. Da kamen Kisten mit Waffen, Sprengstoff, Munition, jede Menge Handgranaten, Zündschnüre und alles, was ein Soldatenherz sonst noch aufleuchten ließ.

Peter und Jerome waren kaum zu bändigen. Über das Funkgerät nahmen sie rasch Kontakt mit dem Camp auf und gaben einen Bericht ab. Während wir die Höhle noch auskundschafteten kam das erste Team aus unserem Camp und belud eine der Loren mit Munition. „Wir karren das ins Camp und kommen dann später wieder, um den Sprengstoff zu holen.“ Damit verschwanden die Männer mit den Patronen.

Während die beiden Kämpfer noch Inventur machten, schaute ich mich an der Mauer genauer um, in einer Nische waren Druckschalter und ein Monitorsystem, damit konnte man den Raum davor überwachen, es war die in Stein gemeißelte Göttin Mualebda.
Die Bedeutung der drei Schalter konnte nur der drei Feuerschalen entsprechen. Dummerweise hatten die Briten diese Schalter aus Platzgründen senkrecht angebracht und auf eine Kennzeichnung verzichtet.

„Keine Kennzeichnung der Schalter, welcher schaltet rechts und welcher die linke Schale …“

Als ich herausfinden wollte, was der oberste Schalter auslöste, öffnete sich in dem Raum vor uns eine Tür und über den Monitor sah ich den Präsidenten hereinkommen.

Auch wenn der Monitor nur wenig Farbe übertrug und recht dunkel war, war das Bild was ich sah, alles andere als erfreulich.

Der Präsident sah einfach irre aus. Total durchgeknallt und eindeutig nicht mehr ganz sauber im Kopf. Mit einem schlichten, verschmutzten Büßergewand und der Königskrone auf seinem Kopf hatte das gewiss nichts mehr mit einem Büßer zu tun.
Zwei Wachen hatten einen jungen Mann mit in den kleinen Raum geschleppt, der Mann war ganz offensichtlich gefoltert worden und sah schlimm aus.

Nun sah ich, wie der Präsident seine Hände beschwörend zur Göttin hob und irgendwelche Fragen stellte, wenn ich nur hören könnte was er wollte, aber ich fand keinerlei Kopfhörer oder ähnliches. Ein Handzeig des durchgeknallten Präsidenten und die Wachen köpften den armen Gefangenen. Während der Kopf auf eine Lanze gesteckt wurde, fing der andere Wachsoldat das Blut in einer Schale auf.

„Jungs ich brauche hier Hilfe!“ rief ich nach hinten in den Gang, aber die beiden waren immer noch beim sammeln der Wunderkerzen.

„Hilfe, verflixt nochmal, ich brauche hier Hilfe, und zwar jetzt sofort!“ Schrie ich nun unverblümt nach hinten, wissend, dass die Wand dicht genug war. Jetzt kamen Jerome und Peter angesaust. „Was schreist du so?“

„Da der Präsident, er hat gerade eben einen Mann köpfen lassen, der Mann da war sein Opfer, der Präsident wird gleich seine Fragen stellen.
Habt ihr da draußen ein Headset oder so etwas gesehen, womit wir hören können, was der Präsident da sagt?“

Wir sahen einen am Boden knienden Mann mit einer schiefsitzenden Krone auf dem Kopf, der mit gen Himmel gereckten Händen irgendwelche Anrufungen machte – und wir verstanden kein Wort, es blieb still.

Jerome war flugs wieder aus der Nische verschwunden, er suchte im Vorraum ein headset, einen Lautsprecher oder sonst etwas verwendbares.
Peter schaute mich und dann das Bild auf dem Monitor an. „Schatz, der erwartet eine Antwort von seiner Göttin, das ist dir schon klar?“ „Ja, aber ich weiß nur, dass der mittlere Knopf die mittlere Schale aufleuchten lässt, aber die beiden anderen rechts und links die sagen JA oder NEIN aus, nur welcher Knopf ist JA und welcher NEIN.
Und solange wir nicht hören was er sagt, ist das eine gefährliche Lotterie.“ Offenbar beschwor der Präsident die Göttin sehr heftig und die Wachen wurden bereits unruhig, es musste eine Entscheidung fallen, also drückte ich einmal auf den mittleren Schalter.
Auf dem Monitor flammte die mittlere Schale auf und die Wachen schienen irgendwas zu jubeln. Ihre Kriegskönigin hörte ihnen also zu.
Erneut vollführte der Präsident in seiner komischen Aufmachung eine Anrufung und wir wussten genau, wir müssen jetzt mit JA oder NEIN antworten aber welche Taste?
„Wir müssen eine Taste drücken Peter“
„Ja aber wir kennen weder die Frage noch die Bedeutung der beiden Tasten.“

„Dann müssen wir versuchen Zeit zu gewinnen“ und ich drückte zweimal die mittlere Taste. Wieder flammte die mittlere Schale auf und gleich darauf noch einmal.

Alle Wachen zuckten zusammen. Danach begannen sie wild herumzutanzen und was auch immer sie brüllten, es klang nicht gut.

Wieder reckte der Präsident seine Arme in den Himmel und rief etwas, zwei Wachen schleiften ein Mädchen herein, ein blutjunges Mädchen, das weinte.

„Oh nein, nicht das Mädchen opfern!“ Rief ich. Peter hielt mich fest, „Schatz, ich bin bei dir.“

Der Präsident zückte einen Dolch und schnitt damit in die Hand des Mädchens, Blut tropfte, das kannte ich wiederum. Das war die ultimative Frage, nur würde für gewöhnlich der Fragende selbst sich schneiden, doch nicht einmal dafür hatte der Präsident genug Mut. Aber uns war klar, hier ging es gerade um Leben und Tod. Irgendwer würde hier zum Sterben oder Überleben verurteilt werden und wir mussten jetzt antworten. Als der Präsident den Dolch hob, um dem armen Mädchen das Herz zu durchstechen, war es soweit.

„Oben oder unten?“

„Egal, wir müssen jetzt handeln!“, und dann schauten wir uns beide an und sagten gleichzeitig „Oben!“

Ich drückte die obere Taste und aus der linken Schale flammte es auf. Der Präsident stürzte auf seine Knie und schaute seine Kriegskönigin an. Danach riss er seine Hände nach oben und brüllte ein paar Kommandos und die Wachen stürmten nach draußen.

Am Boden lag das weinende Mädchen, und der Präsident ließ den Dolch einfach fallen und drehte sich um. Langsam verließ er den Raum, indem das weinende Mädchen allein zurückblieb.

Wir hatten offenbar irgendein Gottesurteil gesprochen, wussten aber weder um die Entscheidung noch um die Person. Ich schaltete den Monitor aus und wir gingen zurück in die Höhle, direkt auf Jerome zu, der weiß im Gesicht geworden schien. „Ich habe keinen Kopfhörer gefunden, aber das da wurde hier aufgezeichnet“ Er schaltete ein Bandgerät ein und spulte kurz zurück.

„… so frage ich dich oh heilige Kriegskönigin, ist meine Gemahlin eine Verräterin an ihrem Volk?“ Dann kam vom Band Gemurmel, Geschrei und wildes Gebrüll, und erneut klang die Stimme des Präsidenten:

„Wie du entschieden hast. Dann soll es so sein – sucht sie und bindet sie für die öffentliche Verbrennung, die Göttin hat entschieden. Meine Frau ist eine Verräterin und muss brennen!“

Kreidebleich sahen wir uns an „Was habe ich getan?“

**

Inzwischen im Palast.

Die Regentin und Präsidentengattin huschte um eine weitere Ecke und wurde von einer Vertrauten begleitet. „Schnell schnell, kommen Sie mit, Sie sind in allerhöchster Gefahr, ihr Gatte hat sie dem Tode überantwortet!“

Damit rannte sie mit der Frau weiter und suchte Schutz in den verborgenen Gängen.

Aus einer verdeckten Tür trat die Haushofmeisterin und winkte der Regentin zu, da stockten die Bewegungen der Haushofmeisterin und Blut drang aus ihrer Brust. Ihr Blick schien um Entschuldigung zu bitten, da sackte sie kraftlos zusammen. Sie rutschte Blut spuckend zu Boden. Hinter der Haushofmeisterin aber stand Helfana n’Atuari mit einem blutigen Messer und schrie lauthals:

„Da läuft die Verräterin, hier läuft sie…“

Die Gattin rannte weiter und verschwand mit ihrer Vertrauten in einem der vielen Gänge…

Hinter ihr schrie Helfana n’Atuari einher „Da läuft sie, haltet die Verräterin, Verrat, haltet sie …“

**

„Was haben wir getan Peter?“ Ich war kreidebleich und auch Peter musste schlucken. „Wir müssen das sofort in das Camp melden, wenn die noch eine Chance haben, müssen sie die jetzt nutzen, sonst wird die Regentin Morgen früh auf dem großen Platz verbrannt.“

Penelope versprach alles zu tun, um ihre Mama zu retten, auch wenn es das Leben vieler Menschen kosten würde. Dann endete die Funkübertragung.

Ich stand vor der Apparatur. „Das darf nie wieder vorkommen, wir müssen das hier vernichten, und den Tunnel dazu, sonst hört das nie auf und weitere Leben gehen verloren.“
Wir waren uns also einige. Schnell deponierten wir an allen denkbaren Stellen den Sprengstoff und legten einen Zünddraht in den Tunnel.
„Die ganze schöne Munition die hätte unsere Revolution weiterbringen können“ jammerte Jerome.
„Sei still und hilf gefälligst Caroline“ fauchte ihn Peter an und er folgte. Wir legten die Lunte so weit wie nur möglich und sammelten uns noch einmal.

„Also, die Lunte brennt nur 240 Sekunden. Wir fliehen da raus, die beiden nächsten Gänge rechts und dann gerade aus. Ist jedem der Fluchtweg klar?“

Peter und Jerome bestätigten. Damit zündete ich die Lunte an und sie brannte erstaunlich schnell ab, wir rannten los, als sei der Teufel selbst hinter uns her.

Die Gänge entlang und dann hinaus ins Freie und nichts wie weg. Wir waren gerade 50 Meter vom Eingang entfernt, da spürten wir die Detonation. Ein Grollen lief durch den Boden und ein paar Steine lösten sich.

Dann brach hinter uns die Hölle auf. Wir konnten die Erschütterungen der Detonation spüren, noch ehe wir die Auswirkungen sehen konnten, es schien, als stürzte der halbe Berg ein.

Die Mine verging in einem mächtigen Feuerpilz. Jerome schaute uns an und meinte nur „Mächtiger Bada-Bouum“. Seine Nackenhaare hatten sich gestellt und das will bei einem mit Afrolook etwas bedeuten.
Wir rannten weiter zu unserem Wagen und brausten los.

**

Wieder im Palast.

Der Präsident tobte mit einem Säbel in der Hand durch den Palast, seine Leibwachen folgten ihm in gehörigem Abstand.

Der Mann war offensichtlich von Sinnen. Jeder Angestellte, der nicht schnell genug aus dem Weg war, wurde niedergestreckt und erschlagen, es war ein Graus.

Der Präsident war im Todesrausch und kannte keinerlei Gnade.

„Findet sie und bringt sie mir, wer ihr hilft, wird gehäutet und auch verbrannt – findet sie – sucht sie und findet sie und kommt mir nicht unter die Augen ohne die Verräterin …“

**

Unser Funkgerät quäkte, Jerome versuchte etwas langsamer und dadurch leiser zu fahren. Penelope war am Funk und informierte uns, dass sie zu Point Zebra unterwegs sei „die Küchenrolle“ abzuholen, wir sollten sie am Point Alpha erwarten.
Jerome übersetzte für uns… „Sie holt ihre Mutter ab an einem der geheimen Gänge die nur sie und ihre Mutter kennen, wir sollen zum nördlichen Vulkan kommen, zu der Quandaris Höhle.“

„Da ist doch diese lange, gerade Schlucht, die zu der Höhle führt oder?“ „Ja, das ist geradezu die perfekte Falle, wir würden da niemals hingehen wenn Penelope uns nicht dahin beordern würde, aber diese lange Schlucht ist ein Grab für alle, die dort hineinlaufen.“
„Oder hinaus wollen,“ meinte Peter.

Jetzt lächelte ich Jerome an. „Jerome, da vorne ist eines der Verstecke von Penelope und mir, erinnerst du dich noch an den Absturz der F16 vor ein paar Jahren?“

„Ja, der kleine Düsenflieger, mit den dicken Außentanks, der ist doch dort auf der Lichtung da am Ufer notgelandet und wir haben vieles ausgebaut, nur ein paar Dinge aus dem Flugzeug fanden wir nicht.“

„Ja, weil unsere Leute schneller waren und genau diese Dinge brauchen wir jetzt um diese Schlucht abzudecken.“ Ich dirigierte ihn zu einer der unzähligen versteckten Höhlen und wir öffneten eine davon.

Die Sicherungen am Eingang waren noch in Ordnung, da waren also keine Besucher in die Höhle eingedrungen. Im Inneren der kleinen Höhle stand etwas, auf einem schweren Holzwagen aufgebockt.

„Darf ich vorstellen, das war die Bordkanone der F16, eine 20 mm Gatling Maschinenkanone.“

Jerome sah sich die Kanone genauer an. „Ist das so eine Vulkan Kettenkanone?“ Wieder erstaunte er uns mit seinem Fachwissen.

Jetzt kam die Technikerin in mir zum Vorschein. „Das ist also die 20mm Gatling, die ist technisch noch in Ordnung und bestens gepflegt. Wir brauchen zwei neue Batteriesätze, Jerome, die könnt ihr besorgen, wir brauchen einige autobatterient für den Betrieb.
Die Munition ist in dieser Trommel und wir haben außerdem diese beiden Paletten bereits aufgegurtet.
Die Gatling war aus einer der ersten F16, da war die Kadenz noch regelbar, später wurde sie fest eingestellt. Das Ding hier wird die Schlucht abdecken, wenn die Eindringlinge kommen.“
Jerome, wir brauchen ein paar starke Männer, wenn wir das Ding am Ende der Schlucht in dem Berg montieren wollen.“

Wir schauten Jerome an und seine weißen Zähne bekamen das bekannte, freundliche Leuchten.

„… und ich weiß auch genau, was das Ding da zum Fressen braucht, die Batterien mit 28 Volt und 48 Volt haben wir schnell zusammen.“ Jerome lief um die Bordkanone herum, wie ein Junge um sein erstes Osternest.
Er betete technische Daten wie aus einem Quartettspiel, dieser Mann war einfach unfassbar und wusste immer einen Rat.

Anders Peter, Peter sah in meine Augen und es war ihm klar, was ich dachte. „Was zum Teufel willst du mit einer alten Bordkanone?“
„6200 Schuss maximal aber eher wohl 4500 Schuss in der Minute. Damit mähst du eine Armee weg oder räumst eine Schlucht frei.“
„Ja, oder du gräbst einen Graben von 200 Meter Breite und ein paar Kilometer und begräbst dort eine ganze Stadt!“ „Jerome, wir brauchen noch ein paar deiner Leute zum aufladen und zu auf montieren der Kanone.“
Schon war Jerome verschwunden und telefonierte seine Leute zusammen. Alsbald wimmelte es von seinen Jungs und man belud einen Truck.

Währenddessen überlegten Peter und ich, wen wir alles um Hilfe bitten könnten. Hilfe würden wir brauchen, jede mögliche und wenn möglich so schnell, wie möglich. „Ich geh mal telefonieren.“ Damit verschwand Peter mit dem Satellitentelefon.

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Die Männer von Jerome wuchteten die Kanone aus dem Truck und zogen sie über einen Seilzug am Ende der Schlucht auf einen flachen Felsen, kaum 4 x 4 Meter groß. Schnell war ein Stromgenerator eingeschaltet und einige der Männer dübelten ein Gestell in den Felsen. Darauf montierten sie die Gatling Kettenkanone und schlossen die Leitungen und Patronengurte an.

„Wir können die Kanone aber nicht mehr bewegen oder schwenken, wenn die schießt.“ Bemerkte Jerome. Ich beruhigte ihn. „Wir müssen einen Punkt anvisieren und dann wird die Kanone fixiert. Die wird nicht mehr bewegt. Ihre Streuung ist groß genug, dass die die gesamte Schlucht mit Feuer belegen wird. Da braucht man nicht mehr hin und her zu schwenken.“
Jerome war wieder beruhigt und überwachte die Montage.

„Wir müssen die langen Gurte auslegen, damit die gefräßige Kanone nicht verhungert. Die Zufuhr darf nicht stocken. Jerome, viel wichtiger ist, dass die Kanone kein Dauerfeuer schießt, die ist so schnell, die rattert die ganzen Gurte in weniger als einer Minute durch. Also nur kurze Feuerstöße, wirklich nur ganz kurze, das Ding spuckt so schnell die Kugeln aus, das glaubst du nicht.“

Jerome schaute mich an und grinste breit. „6000 Schuß in der Minute sind 100 Schuss in einer Sekunde, das ist sehr viel und ich kann rechnen, hoffentlich kann ich auch so kurze Feuerstöße abgeben, dass es reicht.“

Auf der Anhöhe wurde die Kanone unter einer Plane versteckt. Davor kamen Felsbrocken als Deckung und Feuerschutz. Nur ein Bereich blieb seitlich frei.

„Warum machst du da keine Schutz hin?“ Fragten zwei Handwerker Jerome und er antwortete souverän. „Die ganzen alten Patronen müssen ausgeworfen werden und nichts ist da besser als ein Berg, wo die hinunterrutschen können, deswegen brauche ich das Loch, als Patronenrutsche.“ Das leuchtete den Männern ein.

In der Zwischenzeit prüften wie die Schlucht auf weitere Deckungs- und Schützenpunkte. Mit einigen der anderen Waffen versuchten wir, diese Schlucht zur perfekten Falle auszubauen.

„Wer wird denn hier alles durchkommen?“ fragte ich Jerome. „Alle, die der Präsident auf seine Frau angesetzt hat und jene die ihm helfen, denke ich. Penelope hat da oben diese runde Höhle gemeint.“ Er zeigte auf ein Loch am Rande des Vulkans.
„Dahinter ist der zweite Vulkan der Insel und der ist noch aktiv oder schlummert der nur?“ „Nein Peter beide Vulkane sind hier seit langer Zeit nicht mehr ausgebrochen, aber der hier, der gilt als der gefährlichere von den beiden. Das sagen jedenfalls unsere Geologen.“

„Wir sollten auf jeden Fall noch einen Plan B und C bedenken also lasst uns alles prüfen, Jerome gib uns bitte Bescheid wenn sich etwas tut!“ Damit verschwanden wir hinter den Blättern.

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Inzwischen hinter dem Palast.

Der Konvoi von Penelope hatte sich versteckt gehalten und endlich kam aus der Geheimtür Heylah ai Youhaahb heraus und wurde von Penelope in Empfang genommen. „Schnell, in die Wagen, die schweren Kolonnen Brecher voraus, die Absicherer hinter uns, und los geht es, wir halten auf keinen Fall vor Point Alpha. Ist das allen klar? Keinen Stopp, keiner hält an! “

Die Männer und Frauen stiegen ein, sie wussten genau, das wird jetzt happig, sie hatten keine Ahnung, was der Präsident alles in Bewegung setzen würde, aber sie vermuteten, dass die halbe Insel hinter ihnen her sein würde …

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So fuhr der Rettungskonvoi los. Vorneweg ein schwerer LKW mit einem aus Eisenbahnschienen verstärkten Rammschild und mit dicken Panzerplatten vor Motor und Kühler. Direkt dahinter fuhren zwei LKW nebeneinander, die ebenfalls einen seitlichen Panzerschutz hatten, dann folgte der schwere Daimler der Regentin und ihren Leuten, ein weiterer schwerer Wagen folgte und am Ende führ ein Truck, der sein Heck mit Panzerplatten geschützt hatte.

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Unweit der zentralen Straße hatte der Präsident eine Straßensperre aufbauen lassen. Gut acht Landrover standen da in zwei Reihen und hatten die einzige Straße zu den Bergen blockiert.

Ein Durchkommen war hier nicht möglich, so sah es aus.

Doch als der Konvoi der Flüchtenden angerast kam bebte die Erde und der schwere LKW rammte einfach durch die Jeeps. Wie Spielzeugautos wurden die Landrover hinweggewirbelt, schon war der Konvoi vorbei.
Die Schüsse der Wachsoldaten schlugen an die dicken Panzerplatten des letzten Fahrzeuges und irgendwie klang es wie eine Befreiungsglocke.

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Auf der Insel Ka’Ihlih, südwestlich von Soulebda.

Colonel Mc. Allister hatte seine Soldaten antreten lassen. Wie in alten Zeiten standen die Männer in Reih und Glied und schauten zu ihrem Colonel hoch, der auf der Veranda auf und ab ging und sich dann zu seinen Leuten umdrehte.

Wie ein alter General stand er mit seinem Zeigestock unter dem Arm vor einer riesigen Videoleinwand. Er stand da wie einst Montgomery, nur eben mit deutlich mehr rot in den Haaren.

Das Mikrofon in der einen Hand den Zeigestock in der anderen legte er los.

„Männer – Wir haben hier einen Auftrag zu erfüllen, wir sind hier nicht um Urlaub zu machen. Wir müssen den Präsidenten dieser Insel unterstützen in seinem Kampf gegen aufrührerische Rebellen..“ Dann zeigte er mit seinem Zeigestock auf die Leinwand und fuhr fort. „Feindliche Rebellen haben aus dem Palast ein Mitglied der Präsidentenfamilie entführt. Sie bewegen sich hier in nördlicher Richtung auf diese Vulkane zu.

Wir werden uns vom Norden her von dem Julamda Airfield auf die Rebellen zubewegen. Aus dem Süden kommt die Präsidenten Garde und all die Truppen, die dem Präsidenten sonst noch zur Verfügung stehen.

Wir werden die Rebellen an den nördlichen Vulkan treiben und die Truppen dort restlos vernichten und mit vernichten meinte ich auch restlos vernichten.

Dabei wird die Spezialeinheit Bravo die Gefangene isolieren und sichern. Alle Rebellen auf die wir treffen sind wie feindliche Kämpfer zu behandeln und zu vernichten, ich wiederhole nochmal.

Keine Gefangenen das ist eine Anordnung des Präsidenten!

Transporteinheiten, machen Sie ihre Geräte einsatzklar, wir verlegen mit allem Männern.“

Er schlug wie ein alter englischer Soldat die Stiefel zusammen und stand stramm.

„Aaaachtung, stillgestanden! – Bravo Einheit zu mir, Einsatzbereitschaft in 60 Minuten; Gruppenführer übernehmen sie. Der Rest wegtreten.“

Dann ging der Colonel mit der Spezialeinheit an die weitere Planung.

Die Gruppenführer übernahmen ihre Leute. Die Transportsoldaten machten ihre Hubschrauber einsatzklar und die Waffenkammern wurden geöffnet, jetzt ging es endlich los …

Ein unauffälliger Sergeant verschwand hinter einem Zelt und nahm ein kleines Smartphone in die Hand, dann setzte er einen verschlüsselten und komprimierten Funkspruch ab. Zwei Sekunden später war alles vorbei und der Mann ging zurück.

Kaum dass er fertig war, verschwand er in der Waffenkammer und arbeitete weiter, als wenn nichts gewesen wäre.

Der Funkspruch aber hatte seinen Weg zum nächsten Satelliten gefunden und gelange zum Ziel.

**

Peter und ich standen auf einer Anhöhe und legten die möglichen Fluchtwege fest, als aus Peters Rucksack ein leises Meeep Meeep Meeep drang.

„Ist das nicht das Satelliten Telefon?“
„Doch, aber was wollen die Amis jetzt gerade von uns …“ Und Peter nahm den Ruf an.

Er hörte gut zu, stellte ab und zu ein paar Zwischenfragen und hörte wieder genau zu. Als er die Verbindung trennte, hatte sein Gesicht die Farbe gewechselt.

„Ich glaube dieser Mc. Allister hat soeben einen Krieg angefangen, die Briten kommen mit Mann und Maus aus dem Norden oberhalb des Vulkans Aining u’Alara.
Bis auf Penelopes Mutter sollen wir alle ausradiert werden, ich meine totale Vernichtung. Die Truppen von Mc. Allister wollen tatsächlich alle umbringen. Die machen Ernst und die Präsidentengarde kommt aus dem Süden direkt zu uns am Vulkan zu. Unser Trick mit der Schlucht kann also nur zum Teil funktionieren, denn die Briten kommen mit Hubschraubern.“

„Und wir haben nur diese eine alte ausgemusterte Gatling mit zwei Paletten Munition und unsere beiden M40 Kate, na das kann ja ein Spaß werden!“ „Du Peter, wir müssen die Luftabwehr verstärken.“ Peter nickte. „Schatz, wenn du ein böser britischer Angreifer im Hubschrauber wärst, von wo aus würdest du angreifen?“
Ich schaute mich kurz um und zeigte Peter drei mögliche Angriffspunkte. „Genau von hier, da vorne und da drüben.“

Damit legten wir die möglichen Punkte für unsere beiden Scharfschützengewehre fest. Die wenigen Leute mit guten Waffen, die wir hatten, teilten wir geschickt auf und sorgten auch für die Absicherung unserer Späher.
Passende Reserven, Versorgungen, genug Wasser und weitere Dinge, die wir brauchen würden.
Oh das würde übel enden das wurde uns nach und nach klarer.

„Die Hubschrauber müssen so früh wie möglich zur Landung gezwungen werden“ „Was machen wir wenn die mit Gleitschirmen kommen? Haben wir Schrotwaffen oder etwas zur Vogeljagd?“
Jerome schaute uns, an lächelte und meinte „Ja so etwas in der Art haben wir, sogar etwas sehr Gutes haben wir. Damit vertreiben wir die großen Raubvögel von unseren Gebieten.“ Schon war Jerome verschwunden und hatte sich zwei, dann vier seiner Leute geschnappt.

**

Erneut gingen mir die Worte der Präsidentengattin durch den Kopf… „Wenn die Trauer am größten ist, dann entfessle die Macht der Wahrheit am Xaraxalaxam.“

Peter sah mich an „Schatz, was ist mit dir, dir geht doch etwas durch den Kopf.“

„Ja, Heylah hat mir ein Geheimnis verraten, dass es in jedem der beiden Vulkane, in den Höhlen eine Art Verschlußstein gibt. Würde dieser Stein entfernt, dann wehe allen am und im Vulkan. Ich glaube, wir sollten und die Höhle in dem Vulkan genauer ansehen, kommst du mit?“

Damit war wieder ein weiterer Punkt klar, wir mussten uns den Vulkan ansehen und diesen speziellen Stein finden, falls das wirklich der letzte Weg wäre, mussten wir wissen, was zu tun war.
Jeromes Leute hielten oben auf dem Berg Wache und wir drangen unten in diese Höhle ein.

**

Jerome war dabei mit vier seiner Männern die „Vogelabwehr“ aufzubauen. Das waren umgebaute alte Mörser, die mit Pulver geladen wurden. Am unteren Ende war ein Zündmechanismus angebracht, der eine Patrone aufnahm und so zünden konnte. Irgendwie sah das Ding aus wie ein Schussapparat eines Metzgers, den man an den Mörser angeschraubt hatte. Das war zwar alles abenteuerlustig, aber gefüllt mit dem feinen Kies der hier überal herumlag, war das eine üble Schrotkanone. Leider gab es nur vier dieser Mörser und die befanden sich noch in einer Höhle. Binnen einer Stunde hatte Jerome die „Luftabwehr“ aufgebaut und genug Munition bereitgelegt.

„Ihr wisst schon, dass diese Donnerbüchsen kaum höher als 200 Meter schießen?“ Wollte ich von Jerome wissen und er lachte uns beide an. „Wir haben schon die großen Vögel aus 500 Meter damit getroffen, ich würde mich den Dingern nicht nähern, wenn ich angesegelt käme.“ „Mehr haben wir nicht, das muss genügen, wie schnell sind deine Leute mit den Mörsern?“ Meine Leute können diese Vogelkanonen oder Mörser wie du sagst in einer Minute reinigen, laden damit zielen und schießen, eine Minute schneller geht das nicht wegen des Pulvers.“

„Gut Jerome, Peter und ich wir müssen in diese Hölhe des Vulkans, ist das dieser Eingang?“ „Ja, genau da geht es rein, nehmt Licht mit und ich werde ein paar Krieger abstellen zur Bewachung des Eingangs.“

**

Der Zugang war verwinkelt, es gab keine Fluchtmöglichkeit, dafür konnten Angreifer nicht weit schießen, denn der Weg war sehr unübersichtlich. Erst weiter in der Höhle wurde der Platz breiter und höher. Je näher wir dem Ende des Ganges kamen, desto heißer wurde es, oh ja, da war noch leben in dem Vulkan und wehe, wenn das losgelassen würde.

Schließlich standen wir an dem Ende des Ganges, kein magischer Schlussstein, kein magisch leuchtender Stein am Wegesrand, kein „X“ am Boden, nichts war zu sehen. Der Gang war einfach zu Ende. ein etwas größerer Platz, ausreichend für etwa 20 Leute um hier zu beten oder zu meditieren. Es sah aus, als wären hier gewaltige Steine ohne Zwischenräume aufgestapelt worden, aber wie konnte das geschehen sein innerhalb eines Berges. Ich legte meinen Kopf in den Nacken, nahm die Taschenlampe und suchte die Decke ab. „Nicht auch das noch, eine Legende ohne einen wahren Kern, kann nicht ein einiges mal etwas so ablaufen, wie wir es geplant haben?“ Und ich schaute an die Decke, als ob ich mir da ein Loch hinein wünschen könnte. Da endlich fiel bei mir der Groschen.

„Peter, schau mal da oben, schräg oberhalb von uns, genau da, wohin ich leuchte, dieser riesige weiße Stein, der einen Bogen abzustützen scheint, an was erinnert dich das?“

„An einen zentralen Abschlussstein in einer römischen Kathedrale.“ Damit begann er zu lächeln. Er nahm mich in den Arm umarmte und küsste mich.

„Ich glaube, du hast diesen magischen Stein gefunden, lass uns einen Sprengsatz bauen, der das Ding wegpustet, falls es je soweit kommt.“

Eine Stunde später hatten unsere Künstler aus Bambus und allerlei anderen Holz ein Gerüst gezimmert, das bis unmittelbar unterhalb des hellen Schlusssteines reichte.

Dort oben platzierten wir eine mächtige Sprengladung und hingen diese an Seilen auf, falls das Gerüst brechen sollte.

Durch eine gezielte Verdämmung der Sprengladung würde sich eine Richtwirkung ergeben und die Hauptenergie nach oben lenken. Das würde ein mächtiges Loch nach oben schlagen, hoffentlich stark genug.

Peter schaute das Bauteam und mich fragend an. „Wie heiß ist es da oben, können wir diese Ladung hier lassen oder geht die irgendwann von alleine hoch?“ „Nein Peter, das ist bester britischer millitärischer Compound 4 Sprengstoff, du kennst den aus deinen Krimis als C4, der geht nicht von alleine hoch, bis der sich umsetzt brauchst du hohen Druck und extrem hohe Temperaturen.“

Alles was dann käme, wäre einem Weltuntergang wohl ähnlich. Als Zünder hatten wir drei unterschiedliche eingebaut und verkabelt. Die Dynacord Sprengschnüre liefen entlang des einzigen Weges und wir versuchten, diese drei Schnüre zu tarnen.

Erst am Eingang schlossen wir die ersten zwei Schnüre an gut getarnten Funksendern an, die dritte Sprengschnur knoteten wir an eine dünnere, hochbelastbare Sprengschnur und zogen diese durch einen Graben auf die andere Seite der Schlucht, um sie nach oben weiterzuführen, dahin, wo wir uns vermutlich aufhalten würden. Am Ende hatten wir gut drei Kilometer Dynacord Sprengschnur verlegt und gut abgedeckt.

„Hoffentlich brauchen wir sie nicht, aber wenn die Briten gut sind, dann blockieren sie die Frequenzen und wir stehen dumm da.“ „Deswegen die dritte Sprengschnur zum manuellen zünden, die brennt schnell ab, ich meine richtig schnell. Innerhalb einer zehntelsekunde ist alles vorbei.“

„Verflixt von oben die Fallschirmsoldaten, dazu die britischen Hubschrauber und von unten die Truppen des Präsidenten, das wird eng, verdammt eng.“

„Ich gebe nicht auf Peter, zur Not jage ich den Vulkan hoch. Wenn der Präsident zur Jagd auf sein Volk geblasen hat, dann können wir uns doch nicht zurückhalten. Wir müssen retten was zu retten ist.“

„Schatz ich verstehe dich, aber wir können hier keinen Krieg entfesseln, das ist nun auch für dich etwas starker Tobak.“ „Du hast es eben gesagt, die Briten haben den Krieg bereits begonnen, die marschieren auf uns zu…“ „Ja und etwas anderes ist auch klar, mit den paar Leuten können wir nicht viel ausrichten, wir brauchen Hilfe, Unterstützung von außerhalb – ich glaube, jetzt wäre es Zeit für dich, ein paar Telefonate zu führen und gib mir bitte mal das Telefon der Amis,“ Peter gab mir das Satellitentelefon, ein schönes Iridium. Jetzt konnte das Teil zeigen, was wirklich in ihm steckt.
Ich begann ein paar Nummernreihen einzugeben. Hin und wieder erfolgte ein Quittungston, dann ging es weiter. Endlich hob am anderen Ende jemand ab und ein kurzes „Ja bitte?“ Erklang auf hebräisch. Ich identifizierte mich. Die Stimme wurde freundlicher. „Moment, ich verbinde.“ Es klickte, am anderen Ende und dann konnte ich endlich reden …

Zu Hause

„Hallo Jessica.“

Jessica sah auf und sah Benjamin Levi in der Tür stehen.

„Ben.“ Für einen Moment setzte Jessicas Herz aus, doch dann hatte sie sich wider unter Kontrolle. „Komm herein.“ Forderte sie ihn auf.

Levi trat durch die Tür und schloss diese hinter sich, dann blieb er brav vor ihrem Schreibtisch stehen.

„Ben! Setz dich, du bist doch keine Kundschaft.“

„Nein? Was bin ich denn?“

„Das hängt von dir ab.“ Antwortete Jessica und sah ihn erwartungsvoll an. „Hast du …darüber nachgedacht?“

„Ja, das habe ich in der Tat. Und ich glaube, anders als vor ein paar Monaten, kann ich deine Frage heute beantworten.“

„Und wie lautet deine Antwort?“

„Jessisca, Dagan hat mir angeboten, mich aus dem „aktiven Dienst“ zu entlassen und hier meine Arbeit zu machen.“

„Worin besteht denn deine Arbeit hier und wo liegt der Unterschied zum „Aktiven Dienst?“

„Caroline würde es so ausdrücken, „Einmal dabei immer dabei“. Und genau wie für Caroline wird es immer etwas für mich zu tun geben. Meine vorranige Aufgabe wird es sein, Caroline den Rücken freizuhalten, denn Dagan glaubt, dass dieser rote Wirbelwind von einem Abenteuer ins nächste geraten wird.“

„Ja, da könnte etwas dran sein.“

„Also, wenn du damit leben kannst, dass ich ab und an in die Welt ziehe, würde ich gerne hier, bei dir bleiben.“

Jessica ließ sich ihre Erleichterung und Freude nicht anmerken und fixierte Levi mit ihren Augen. „Ja, damit kann ich leben. Aber nur damit du weißt was du bekommst, ich habe eine Familie! Caroline, Peter, Vera und Sarah!“

„Oh!“ sagte Ben und lächelte verschmitzt, „Diese Familie kenne ich, dann sind wir ja praktisch miteinander verwandt.“

**

„Was jetzt?“ fragte Jessica, nachdem diese Frage, welche seit Monaten zwischen ihr und Benjamin gestanden hatte endlich geklärt war…und noch dazu so geklärt war, wie sie sich es erhofft hatte…

„Dagan hat mich geschickt um Caroline und Peter zu retten. Dagan schickt ein Team nach Soulebda, doch er braucht ein zweites Team, ein Rettungsteam!“

„Frank und Decker stehen bereit, wollten aber auf dich warten, bevor sie weitere Teammitglieder aufstellen.“

„Dann sollte ich wohl mit den beiden reden.“

„Sie erwarten dich schon ganz gespannt. Komm ich bringe dich zu ihnen.“

Als sie an Benjamin vorbeigehen wollte, tippte der ihr auf die Schulter und als sie den Kopf drehen wollte um ihn zu fragen, was er wolle, drückte er ihr einen Kuss auf die Lippen, den sie sofort fest erwiderte.

**

Als sie zu Franks Vorzimmer kamen, klopfte sie brav an und trat mit dem Benjamin ein.

Thekla, Franks Sekretärin, schaute auf. „Hallo Jessica?“ Sagte Thekla überrascht. „Was kann ich für euch tun?“

„Das ist Herr, Benjamin Levi. Er muss zu Frank!“

Thekla schaute einen Moment verwirrt, dann blickte sie in den Terminkalender. „Tut mir leid, Herr Levi, aber ich finde hier keinen Eintrag.“

„Ich bin sicher, Herr Brauer wird für mich Zeit haben.“ Die Stimme des Mannes war freundlich, aber sehr bestimmend und Jessica schmolz dahin.

TU ES! Sagten Jessicas Augen, und Thekla kannte Jessica lange genug, um das zu erkennen, also stand sie auf und klopfte an Franks Tür..

„Wir sehen uns nachher… Liebster.“ Hauchte Jessica ihm zu.

„Ja, meine Liebste.“ Flüsterte Ben zurück und warf ihr ein Augenzwinkern zu.

„Sie sollen eintreten.“ Unterbrach Thekla die beiden Turteltauben und Levi schob sich mit einem Lächeln im Gesicht an Thekla vorbei.

„Was läuft hier?!“ wollte Thekla von Jessica wissen.

„Ich bin verliebt!“

Du verliebt!? Du, die unnahbare Jessica?“

„Ja, verrückt, oder?“

„Wir müssen unbedingt einen Kaffee zusammen trinken. Wann machst du Pause?“ fragte Thekla grinsend.

**

Frank saß zusammen mit Decker da und sie ließen sich gerade von Randy die letzten Ereignisse berichten. Nachdem Frank sowieso wusste was ich auf Soulebda trieb, hatte ich Randy von seinem Versprechen, Frank nichts zu erzählen, befreit.

Als Decker Levi erblickte, stürmte er freudestrahlend auf diesen zu und die beiden umarmten sich freundschaftlich. „Levi, mein Freund, schön sie wiederzusehen, kommen sie herein.“

„Das ist Major Levi, einer unserer Freunde, die uns bei der Befreiung von Vera und Frau Haufberger geholfen haben. Ein exzellenter Scharfschütze.“ Stellte Decker Benjamin Frank vor.

Frank stand auf und reichte Ben die Hand und auch Randy freute sich, Levi wiederzusehen.

„Ach was Wolfgang, du übertreibst, du warst der Einsatzleiter. Es ist dein Erfolg.“

„Ohne eure Hilfe wäre dieser Einsatz gar nicht möglich gewesen.“

„Vergiss den Beitrag unserer amerikanischen Freunde nicht.“

„Herr Levi, setzten sie sich doch.“ fragte Frank.

„Fangen wir mit dem wichtigsten an. Ich bin Ben! Lassen wir das Sie weg, ok?“

„Ganz und gar Ok.“ Grinste Frank breit. „Da du hier bist, hat Dagan unser Angebot also angenommen?“

„Ja, er hat euer Angebot sogar mit großer Dankbarkeit aufgenommen. Gibt es neue Informationen aus Soulebda?“

„Randy hat heute Morgen mit Peter geredet. Der Präsident hat vor wenigen Stunden den Ausnahmezustand verhängt. Fast alle Flüge auf die Insel wurden gestrichen, und die Schiffe, welche Soulebda anlaufen werden strengstens kontrolliert. Außerdem werden alle zivilen Behörden der Armee untergeordnet.“

„Das war vorherzusehen. Verdammt, ich hatte gehofft, das geschieht erst, wenn wir auf der Insel sind.“

„Von hier aus können wir den beiden nicht helfen. Hast du auch schon eine Idee, wie wir vorgehen sollen, Ben?“

Levi überlegte und meinte dann, „Das Problem ist, dass Soulebda eine Insel ist. Wir müssen entweder per Schiff oder mit einem Flugzeug dorthin gelangen. Beides geht nicht so einfach. Dagan schickt ein Team von Hawaii aus nach Soulebda, um uns etwas Militärischen Beistand zu geben, doch wir können nicht einfach ein U-Boot nehmen, wir müssen einen anderen Weg finden.“

„Wir brauchen also Hilfe.“ Stellte Frank fest und alle stimmten zu. „Vorschläge?!“

Levi musste ein Grinsen unterdrücken, denn Farnk hatte denselben Ton an sich, wie Dagan, wenn er einen Plan entwarf.

„Ich hätte da eine Idee.“ Sagte Decker. „Randy, danke für die Infos, willst du nicht doch Pause machen?“ Damit verschwand Randy aus dem Zimmer, er hatte verstanden.

**

Frank sah ihn fragend an und Decker grinste nur breit. „Wie damals in Qush-e Azim.“ Frank begann zu lächeln. Er hatte sofort verstanden und übernahm wieder.
„Ja, wie seinerzeit im Iran, wir waren auf der Suche nach einem Mann, der wichtige Informationen hatte. Dummerweise war er, so die Meldungen, im Grenzgebiet von Turkmenistan und dem Iran. Ihr müsst euch vorstellen, damals hatte man nicht für alles einen Helikopter oder so etwas, da gab es bestenfalls eine uralte Piper und die Dinger waren damals schon alt.“

Decker übernahm wieder.

„Wir hatten erst einige Monatge zuvor erst Dagan kennengelernt und er gab uns einen Namen. Den Namen einer Frau, die uns da unten fliegen würde. Damals waren im Iran Frauen in Autos schon ein Grund das Feuer anzufachen und eine Frau im Flugzeug war überhaupt nicht vorstellbar. Und genau zu solch einer Frau sollten wir. Das war das erste Mal, dass wir auf die legendäre Maja trafen, stimmts Frank?“
„Ja, Maja war damals bereits eine Legende. Sie konnte alles fliegen, was Propeller hatte, alles fahren, was Räder hatte und sie war mit allen Wassern gewaschen. Wenn man auf sie traf dachte man auf einen Archäologen oder Abenteuerer, aber garantiert nicht auf eine Frau. “
„Und sie war eine Unberührbare, so nannte man die Frauen, die keinen Mann hatten, weil es ihnen nicht gestattet war. Diese Maja haben wir dann für unsere Suche begeistert, so nannte es Dagan.“

Wieder machte Decker weiter. „Ums kurz zu machen, die Frau flog uns mit der alten Piper so wahnwitzig tief, dass die alte Maschine mehr Kratzer in der Tragfläche hatte, als am Fahrwerk, aber sie schaffte es uns zum Ziel zu bringen und wir fanden den Mann. Einen Ingenieur namens Boris Marunja. Wir bekamen die Pläne, die wir suchten, machten uns zurück in unser Camp. Wir dachten, unsere Aufgabe sei abgeschlossen und verabschiedeten uns von Maja, dann traf uns die Nachricht, Maja sei mit Boris abgeschossen worden.“

Frank fuhr weiter fort. „Decker brachte die Pläne in Sicherheit und ich habe sie dann gesucht und in der Wüste gefunden, auf der turkmenischen Seite. Drei Tage hatten die beiden dort überlebt ohne etwas zu trinken, dann kam ich mit einer „ausgeliehenen“ turkmenischen Maschine angeflogen und habe sie gerettet. Seither nannte sie mich den großen Adler. Ja, was soll ich sagen, die beiden, Maja und Boris haben später geheiratet und haben eine wunderschöne Tochter, Finja und die arbeitet heute wohl bei euch.“

Levi schaute die beiden wechselweise an. „Ja ich habe Finja kennengelernt. Was hat das jetzt mit uns zu tun?“ „Na ganz einfach, wir brauchen einen, mit dem wir so tief fliegen können, dass unser Flugzeug mehr Fische fängt als Regentropfen.“

„Und ich weiß auch genau, wer uns dabei helfen kann, der Mann ist bereits bei uns zu Gast!“ Ergänzte Decker.

**
Als Caroline ihr Telefonat beendet hatte, kam sie zu Peter zurück. Ich nahm das Satellitentelefon von Caroline und zog sie an mich heran, und gab ihr einen leichten Kuss.

„Wir sitzen mächtig in der Scheiße!“ Sagte ich ihr und sie sah mich an..

„Ja, das kannst du laut sagen. Was machen wir jetzt? Gibt es denn keine Möglichkeit die Briten aufzuhalten, ohne die halbe Insel in die Luft zu jagen? Ich meine, diese Option haben wir nur ein einziges Mal. Und der Krieg hat gerade erst begonnen. Was ist, wenn wir gegen richtige Truppen kämpfen müssen?“ Frustriert trat Caroline einen Stein weg und ballte die Hände zu Fäusten.

„Schatz, ich weiß das wird happig und bitte, versuche nicht alles im Alleingang zu lösen.“ Versuchte ich sie zu beruhigen. „Wir werden sicher eine Lösung finden.“

„Peter! Wenn ich eine andere Lösung wüsste, dann würde ich es nicht tun.“

Ich dachte angestrengt über die Lage nach und versuchte krampfhaft einen Ausweg zu finden… Verdammt es musste doch eine Lösung geben! „Hätten wir bloß nicht den ganzen Sprengstoff aus der Höhle in die Luft gejagt.“

„Hätte, hätte, Fahrradkette! Lass dir was einfallen!“ Stieß mich Caroline an.

-Lass dir was einfallen…- Tja, eigentlich gab es nur EINE Option. Wir mussten Mike um Hilfe bitten. Er und seien Farm-Boys waren die einzigen, die auf uns vielleicht helfen konnten.

„Wir haben nur eine einzige Option. Wir rufen unsere amerikanischen Freunde an und fragen ob sie uns helfen. Wenn die Amis uns unterstützen wollen, dann tun sie es, wenn nicht, sind wir sowieso im Arsch.“ Sagte ich schließlich.

„Die Handvoll Farm-Boys können die Briten niemals ausschalten.“ Meinte Caroline, nachdem sie über meinen Vorschlag nachgedacht hatte.

„Das vielleicht nicht, aber sie können die Briten vielleicht solange beschäftigen, bis wir mit der Palastgarde fertig sind. Dann haben wir wenigstens den Rücken frei.“

„Gut, ruf sie an! Eine andere Wahl haben wir nicht.“ Sagte Caroline, doch ihre Stimme ließ erkennen, dass sie wenig Hoffnung hatte, Mike würde sich in den Kampf mit den Briten hineinziehen lassen.

Ich wählte die Nummer, die Mike mir gegeben hatte und wartete darauf, dass er abnahm.

„Hallo Freund. Keine Namen!“ Erklang Mikes Stimme am anderen Ende der Leitung.

„Freund, wir brauchen eure Hilfe.“ Sagte ich zu ihm.

„Ja, das kann ich mir vorstellen.“

„Werdet ihr uns helfen?“ wollte ich wissen. Wobei mir klar war, dass in dieser Frage, auch die Frage lag, ob die USA eine von Soleab n’Amsala geführte Regierung, mit allen Konsequenzen anerkennen würden. Entsprechend vorsichtig war die Antwort.

„Unser Abteilungsleiter hat diesbezüglich noch kein grünes Licht gegeben.“ Kam die vorsichtige Antwort.

„Nun, sollte die Frage ernsthaft in Erwägung gezogen werden, dann jetzt oder nie! Ein später wird es kaum geben. In einer Stunde sind sowohl Soleab als auch Heylah tot, du kennst sicher die Priorität der britischen Befehle.“

Ein eisiges Schweigen folgte meiner Frage. Oh Ja! Mike kannte die Befehle der Briten!

„Tut mir leid, aber wir haben kein grünes Licht.“ Damit war die Verbindung tot.

Niedergeschlagen schaute ich das Telefon an.

„Wie sieht es aus?“

Ich musste nichts sagen, Caroline sah die Antwort auch so. „Und jetzt?“ flüsterte sie.

„Keine Ahnung.“ Antwortete ich niedergeschlagen. Verdammt, Mike war unsere einzige Hoffnung gewesen, diesen Kampf irgendwie zu gewinnen…

„Also doch der Vulkan? Mist, dieses As hätte ich mir gerne noch etwas aufgehoben.“

Jerome, der das Gespräch aufmerksam verfolgt hatte, kam auf uns zu. „Hört mal ihr zwei, wir können die Schlucht zwar gegen die Bodentruppen halten, aber nicht gegen die Hubschrauber. Wenn ihr es schafft die Hubschrauber auszuschalten, haben wir vielleicht eine Chance den Tag zu überleben. Doch wenn die uns hier mit ihren Bordkanonen beschießen, ist die Stellung nicht zu halten und das war’s!“

„Nein, das war es nicht! Ich gebe nicht auf!“ sagte Caroline wütend und plötzlich ging uns beiden ein Licht auf. Ein Name sprang förmlich ins Gehirn!

„Veronique!“ kam es wie aus einem Mund. „Sie kommen über Julam’da! Wenn, dann ist sie unsere einzige Chance.“ Plötzlich hatten wir alle drei wieder etwas Hoffnung.

„Dann haut ab und möge Mualebda euch beistehen.“ scheuchte uns Jerome zum Wagen, fuchtelte mit den Händen umher und gab uns Fahrzeugschlüssel für den Geländewagen. „LOS, wir haben nicht ewig Zeit!“

**

U-Boot „Todesschatten“ 100 Seemeilen vor der Küste Soulebdas

„Beredin?“ Kapitän Tamar stand neben der Sonarkonsole und schaute auf den Sonarspezialist Beredin, der mit geschlossenen Augen dasaß und mit einem Lächeln im Gesicht lauschte.

„BEREDIN!“

Beredin schrak auf und sah Tamar vor sich stehen.

„Kapitän?“

„Schön, dass sie wieder bei uns sind. Ich wollte wissen, ob der neue Filter funktioniert, oder ob wir die lange Reise umsonst gemacht haben.“

„Nein Kapitän, die Reise hat sich gelohnt, das Teil ist klasse!“

„Geht das auch etwas genauer als, klasse?“

Beredin setzte ein Grinsen auf und legte den Kopfhörer zur Seite, dann schaltete er mehrere Anzeigen auf die Monitore.

„Wir hatte vor Einbau des Filters, eine Erfassungszone von einhundertfünfzig Seemeilen welche uns Kontakte zweifelsfrei als Ziel erfassen ließ. In einer Zone zwischen einhundertfünfzig und einhundertachtzig Meilen, konnten wir Kontakte zwar feststellen, aber nicht mit ausreichender Sicherheit als Ziel benennen. Mit dem neuen Filter, kann ich Ziele über eine weit größere Entfernung, eindeutig erfassen und erkennen!“

„Was ist denn für sie, eine weit größere Entfernung?“

„Hören sie selbst!“ Er hielt Tamar den Kopfhörer hin und drückte einen Knopf an seiner Konsole.

Als Tamar den Kopfhörer aufsetzte hörte er ein schwaches Geräusch, welches der erfahrene U-Bootfahrer Tamar eindeutig als Schraube eines U-Bootes erkannte, dann nachdem Beredin einen anderen Kontakt anwählte, eine etwas lautere Schraube.

„Das erste ist die USS Idaho, ein Jagd-U-Boot der Virginia-Klasse. Die schleicht etwa tausend Meilen vor Pearl hinter der Kaschalot, einem Russen der Akula-Klasse her, dem etwas lauterem Kontakt. Während die Russe keine Ahnung haben, dass die Amis hinter ihnen sind, können wir beide ausmachen.

Tamar, der seine Position kannte, überschlug die Entfernung und war sprachlos. „Das sind beinahe dreieinhalbtausend Meilen! Beredin, sowohl die Virginias als auch die Akulas sind die leisteten Jagd-U-Boote, die es gib! Wollen sie mich verarschen?!“

Beredin grinste noch breiter, wurde dann aber ernst. „Geplant war das so von unseren amerikanischen Freunden nicht. Ich habe den Ingenieuren etwas über die Schulter geblickt und die haben mir nur einen beschränkten Einblick in die Funktionsweise des Filters gegeben. Aber dann haben sie aus Versehen den Bauplan auf einen Tablet, kurze Zeit unbeaufsichtigt gelassen. Also hab ich ihn kopiert und studiert, während die Techniker den Filter eingebaut haben.

Als ich mir den Bauplan näher angeschaute habe, kam ich zu der Erkenntnis, dass der Filter viel leistungsfähiger ist, als uns die Amerikaner weismachen wollen. Außerdem habe ich auf den ersten Blick einen gravierenden Fehler bei den Materialien des Filters festgestellt. Bei der amerikanischen Bauweise des Filters sind drei Widerstände gleichzeitig geschaltet, was mir schon seltsam vorkam. Mit dieser Bauweise hätten wir eine etwa achtzig Prozentige Leistungssteigerung erzielt, doch nachdem ich die Bauweise studiert hatte, habe ich die Widerstände statt parallel, hintereinander geschaltet und sieh da, es klappte. Außerdem fiel mir auf, dass die amerikanischen Ingenieure die Länge der Widerstandskabel falsch berechnet hatten. Sie waren alle drei mm zu kurz und konnten somit nicht genug Leistung erbringen. Also hab ich die Kabel getauscht, alles neu berechnet und die Einstellungen, nach der Abnahme unserer eigenen Experten, geändert und neu in das Sonarsystem eingespeist.“
„Sie haben was?! Sie haben die Einstellungen im Sonarsystem eigenhändig und ohne Anweisungen geändert?!“ Fragte Tamar fassungslos.

„Ähm.. ja… Ich meine, wenn wir schon ein neues System haben…“

„Wer weiß davon?“

„Niemand, ich wollte es erst testen, bevor…“

„Klappe halten Beredin!“ Tamar wusste nicht, ob er lachen oder fluchen sollte…

Eigentlich sollte sein Todesschatten schon an der Küste Südamerikas stehen und in Richtung Kap Horn fahren. Stattdessen hatte man ihm in Pearl zehn „Spezialisten“ ins Boot gesetzt und ihm den Befehl gegeben Kurs auf Soulebda zu nehmen, einer Insel von der er noch nie gehört hatte und bei der selbst Tamar auf der Karte nachsehen musste, wo sie lag!

Doch der Befehl kam nicht etwa direkt über seine Vorgesetzten, die Befehle der Flottenleitung wurden von Major Lem übermittelt… Tamar wusste wer Lem ist und er wusste auch, für wen Lem arbeitete… Dagan, die unangefochtene Nummer Eins des Geheimdienstes!

Damit war Tamar klar, dass der Auftrag, den er auszuführen hatte, wichtig war und zwar so wichtig, dass eines der modernsten U-Boote Israels, hier durch die Südsee fuhr, statt Kurs aufs Mittelmeer zu nehmen!

Und als ob das alles noch nicht genug war, hatte sein Sonarspezialist auch noch angefangen eigenhändig am System zu basteln… Obwohl Tamar zugeben musste… das was Beredin da erreicht hatte, mit dreieinhalb TAUSEND Meilen Reichweite, das hatte etwas …

„Das ist ein eklatanter Verstoß gegen die Dienstvorschrift!“ schnauzte er den Sonarmann an. „Und es weiß sonst niemand? Auch die Amerikaner nicht?“

„Nein! Kapitän, die bauen ihre Filter so ein, wie es ihre Ingenieure … Kapitän… ich… brauche nur eine Stunde, dann habe ich alle Änderungen wieder in die Grundeinstellungen…“

„Ich sagte Klappe halten! Sie ändern erst wieder etwas, wenn ich es anordne! Verstanden?“

„Verstanden, Kapitän.“

Tamar sah Beredin noch einmal böse an und ging dann ohne eine Miene zu verziehen in die Zentrale. Innerlich jedoch, grinste er tief in sich hinein. Dreieinhalb TAUSEND Meilen und niemand, nicht einmal die Amerikaner wussten davon…

**

„Ich bekomme keine Verbindung mehr, das Netz ist tot. Anscheinend hat dein Freund, der Präsident, alle Netze abschalten lassen.“ sagte ich zu Caroline die wie eine Verrückte über den Dschungelpfad raste während ich das tote Handy in den Händen hielt. „Nimm Randys Spielzeug, dafür hat es uns Dagan gegeben. Und noch was! Er ist nicht mein Freund!“ fauchte sie zurück und ich konnte mir trotz der ernsten Lage ein Grinsen nicht verkneifen.

Schnell hatte ich eine Powerbank in das Handy gesteckt und wartete. Erst geschah nichts, aber ich war ehrlich erstaunt, als ich Veroniques Nummer wählte und tatsächlich eine Verbindung bekam. In diesem Moment nahm ich mir vor, Randy in Zukunft mehr Respekt entgegenzubringen. Dieser kleine Nerd, hatte es wirklich drauf! Allerdings konnte ich ihm jetzt nicht huldigen, denn Veronique ging an den das Telefon.

„Willkommen bei Julam’da -Flug und Rundreise, ich bin Veronique Soolef´ta.“

„Hallo Veronique, hier ist Peter, dein Passagier von neulich, ich nehme an du erinnerst dich an mich. Keine Sorge, die Leitung ist sicher und kann nicht abgehört werden.“

„Peter! Du und Caroline, ihr werdet gesucht! Sie sagen, dass ihr euch den Rebellen angeschlossen habt. Die ganze Armee ist hinter euch her und der Präsident hat eine Belohnung auf eure Köpfe ausgesetzt!“

WOW, eine Belohnung auf meinen Kopf! Das war wirklich mal was Neues! Da gab es wohl nichts zu beschönigen. „Ja, es stimmt, wir kämpfen für die Rebellen… und wir brauchen dich!“

„MICH?!“?

„Veronique… wie soll ich dir das jetzt erklären…?“ fragte ich und gab ihr eine Kurzfassung der Ereignisse.

Veronique hörte still zu, bis ich ihr erklärte, dass Heylah auf der Flucht vor ihrem durchgeknallten Mann war.

„Sie wollen Heylah töten?! Aber…Heylah ist die Herrscherin! Niemand tötet meine Regentin, auch der Präsident nicht! Was habt ihr vor, um sie zu retten?“

„Ich erklär es dir, sobald wir auf dem Flugplatz sind.“

„Gut! Ich erwarte euch!“ Damit beendete Veronique das Gespräch.

„Und?“ fragte Caroline und legte den Wagen in eine gewagte Kurve.

„Sie ist dabei, ich glaube Veronique mag es nicht, dass man ihre Herrscherin umbringen will. Heylah muss wirklich beliebt sein.“

„Das ist sie auch, wenn ich nur wüsste, wieso sie es soweit hat kommen lassen.“

„Falls wir es schaffen sie zu retten, wirst du sicher Gelegenheit haben es zu erfahren. Übrigens auf deinen Kopf ist eine Prämie ausgesetzt. Hätte nie gedacht, dass man mal einen Kopfgeld auf mich aussetzt. Du etwa?“

Caroline blickte mich kurz an und grinste. „Fünf.“

„Fünf, was?“

„Das ist die fünfte aktive Kopfprämie, die auf mich ausgesetzt ist, einschließlich die von Mac Allister.“

Ich starrte Caroline von der Seite her an. „Du machst Witze! FÜNF! Und was zum Teufel heißt aktiv?“

„Insgesamt waren bisher neun Prämien auf mich ausgesetzt, doch vier der Mistkerle können die Prämie, wegen vorzeitigen Ablebens nicht mehr auszahlen. Also sind diese Prämien verfallen.“

Ich schüttelte ungläubig den Kopf und schwor mir, dass Sheramoh und Mac. Allister die nächsten Mistkerle sein würden, welche die Prämie auf Caroline, wegen vorzeitigen Ablebens nicht auszahlen konnten!

**

Wir erreichten das Flugfeld, auf dem Veronique schon mit laufenden Motoren des großen Wasserflugzeuges auf uns wartete, mit dem sie uns neulich zu Carolines Insel geflogen hatte.

Während ich das Wasserflugzeug anstarrte, legte mir Caroline die Hand auf den Arm. „Überlass mir das Reden!“

„Geht klar.“ Mittlerweile wurde auch mir bewusst, dass unsere Chance heil zurückzukommen, ziemlich gering war! Also überließ ich es Caroline gerne, Veronique einzuweisen.

Caroline lief auf sie zu und begann ihr die Lage zu erklären. Doch viel zu erklären gab es nicht, was wir vorhatten, war ein Himmelfahrtskommando!

„Hör zu Veronique, ich will dich nicht anlügen“, sagte Caroline gerade heraus, als ich zu ihnen kam, „das wird wahrscheinlich ein Flug ohne Rückkehr. Und selbst wenn wir zurückkommen… dann wird es hier kein Weiterleben für dich geben.“

„Ich weiß.“ Antwortete sie traurig, doch dann bekamen ihre Augen einen trotzigen Ausdruck. „Aber alle meine Freunde kämpfen für die Rebellion, oder sie kämpfen für Heylah. Ich kämpfe für Heylah! Und ich werde meinen Beitrag leisten um Heylah, die Herrscherin Soulebdas zu retten! Ich werde weder Heylah, noch euch im Stich lassen!“

Nun, das war eine klare Ansage und Caroline nahm Veronique in den Arm und drückte sie.

„Heylah kann stolz sein, dich an ihrer Seite zu haben!“

„Dann sollten wir jetzt aufbrechen, denn alleine das Reden rettet sie nicht!“ stellte Veronique fest und ging zum Flugzeug.

„Wollen wir wirklich das Teil hier nehmen?“, wollte ich wissen und zeigte auf die große zweimotorige Twin-Otter. „Das Ding ist riesig und eine fliegende Zielscheibe!“

„Ja, es ist groß und nicht zu übersehen“, stimmte mir Veronique zu, „aber die Mühle ist schneller als sie aussieht, stabil und kann einiges einstecken! Wenn wir Glück haben, können wir einen vielleicht auch zwei Hubschrauber rammen, bevor wir abschmieren.“

„Gibt es wenigsten Fallschirme?“ wollte ich wissen.

„Nein, wozu?“ fragte sie irritiert, „wir werden zu tief fliegen, um Fallschirme benutzen zu können. Und selbst wenn, was glaubst du werden die Briten mit dir machen, wenn du am Fallschirm hängst?“

Veronique hatte Recht. Die Vorstellung hilflos am Fallschirm zu hängen, während ziemlich angepisste Briten um mich herum flogen, war alles andere als berauschend. Besser wir gingen schnell „nach unten“.

„Na dann los.“ Trieb uns Veronique an. „Wir sind jetzt die offizielle Luftwaffe des freien Soulebda.“ Trotz der ernsten Lage mussten wir alle drei Lachen. Veronique sprang in die Maschine und stieg ins Cockpit.

Als Caroline in den Flieger einsteigen wollte, hielt ich sie kurz am Arm fest. „Falls ich keine Gelegenheit mehr haben sollte, dir das zu sagen… ich liebe dich.“

Carolines Antwort war ein langer und ehrlicher Kuss.

„He, habt ihr Freunde eingeladen?“ Rief Veronique aus dem Cockpit und zeigte auf die Einfahrt zum Flugfeld. Dort kamen zwei Jeeps durch das Tor gerast und donnerten über das Areal auf uns zu, wo sie mit quietschenden Reifen neben dem Flugzeug stehen blieben.

Mein Magen hatte sich zusammengezogen und ich erwartete, dass Soldaten, oder Geheimdienstler aus den Wagen sprangen, doch es waren Mike und Dave, sowie sechs seiner Farm-Boys die ausstiegen.

Ohne etwas zu sagen, stiegen drei der Farm-Boys hinter Mike ins Flugzeug, zwei andere und Dave liefen zu einem zweiten Flugzeug das neben dem Wasserflugzeug stand.

Einer der Farm-Boys kletterte zu Veronique und begrüßte sie.

„Signorina, besitzen sie die Schlüssel, für das Flugzeug neben der Landebahn und wissen sie, ob es vollgetankt ist? Das Flugzeug macht den Eindruck einer stabilen Maschine, die im anstehenden Kampf nützlich sein könnte.“

„Wer sind sie denn?“ wollte Veronique wissen.

„Jim.“ Stellte sich der Farm-Boy vor.

Veronique musterte stirnrunzelnd den Mann neben sich. Der war höchstens 1,60m groß, hatte kurze, dichte, schwarze Locken, einen dicken Schnäuzer und sah eindeutig nach einem Südeuropäer aus.

„Sie sehen nicht aus wie ein –Jim–.“

„Luigi Alfredo Bernardo die Massa. Zu ihren Diensten, Signorina “ Grinste der Mann sie an.

„Ok, JIM, die Mühle braucht keine Schlüssel, stecken sie einfach den Schraubendreher auf dem Sitz in die Startvorrichtung und ja, die Tanks sind voll.“

„Grazie mille.“ Sagte Jim und sprang aus dem Cockpit um Mike Platz zu machen.

Während Taschen aus den Jeeps in die Flugzeuge verladen wurden, kam Mike auf Caroline und mich zu. „Grünes Licht, rotes Licht…wusstet ihr, das ich eine Rot-Grün- Schwäche habe?“ Zwinkerte mir Mike zu und stieg ein.

Caroline und ich sahen uns an. Sogar mir stiegen kurz Tränen in die Augen, solche Freunde zu haben ist unbezahlbar!

Veronique schob den Gashebel nach vorne und brachte das Flugzeug ins Rollen und kaum hatte sich das Wasserflugzeug in Bewegung gesetzt, wurden die Seitentüren entfernt, dann noch einige der Sitze.

Gut, dass diese Transportflugzeuge mit Schnellhalterungen ausgerüstet waren, denn die unnötigen Teile wurden von Mikes Farm-Boys einfach aus der offenen Tür geworfen. Naja, dachte ich, Veronique wird dafür eh keine Verwendung mehr haben.

Als ich einen Blick auf das andere Flugzeug warf, wurde dort gerade eine ganze Sitzreihe aus der Tür geworfen. Eines musste man den Amis lassen, diese Jungs arbeiteten schnell und effektiv.

Mit aufheulenden Motoren brachte Veronique das Flugzeug schließlich in die Luft und Jim mit Dave als Kommandant folgten ihr nur Sekunden später.

„Wie sieht es aus?“ Fragte Mike Hawkins, seinen Radarspezialisten, der sich direkt neben Veronique auf den Copiloten Sitz gesetzt hatte. Dort hatte der einen kleinen Laptop ausgepackt und eine Karte von Soulebda aufgerufen. Hawkins drehte den Monitor zu Mike und anschließend zu Veronique, dann zeigte er auf ein paar Punkte welche etwa zwanzig Meilen südwestlich von Julam’da, dem Vulkan Ainig u’Alara näherten.

„Unser Radar zeigt fünf Hubschrauber, drei große Hubschrauber, wahrscheinlich mit Truppen und zwei Kleinere, dass werden mit Sicherheit Kampfhubschrauber sein. Ihr Kurs ist 060.“

Dann schaute er zu Veronique, „Nehmen sie Kurs 195 Südwest, das sollte uns direkt in die sechs Uhr Position, hinter sie bringen.“

„Gut, wir fliegen sie von hinten an und überraschen sie, die Briten werden nicht mit uns rechnen. Wie wird die Bewaffnung aussehen?“ fragte Veronique.

„Wahrscheinlich mehrere Waffenpylonen, aber ich denke sie werden ausschließlich Granaten für den Erdkampf geladen haben. Ich glaube auch nicht, dass sie mit einem Luftkampf rechnen, also sind wir für einen kurzen Moment im Vorteil.“ Bestätigte Mike „Wir müssen die Kampfhubschrauber zuerst erledigen, denn die sind auch mit Maschinenkanonen ausgestattet.“

„Ok. Leute, Lagebesprechung!“ Veronique bekam von Mike ein Headset verpasst und sie konnte sich mit Jim in der anderen Maschine absprechen.

„Wir fliegen die Hubschrauber von hinten an und versuchen zuerst die Kampfhubschrauber auszuschalten. Diese werden unsere größte Bedrohung sein. Die anderen Hubschrauber werden zwar auch bewaffnet sein, aber ich rechne nicht mit Nahkampfwaffen.“

Während Veronique sich einen Angriffsplan zurechtlegte, bauten Mike und seine Jungs zwei MG zusammen und holten mobile Flugabwehrraketen aus einer der Tasche.

„Sind das Stinger Raketen?“ fragte ich ihn und der Mann lachte. „Nein, diese alte Steinschleuder wird von uns nicht mehr benutzt, nur noch exportiert. Diese Dinger hier sind Piranhas, das ist der neuste und heißeste Scheiß, den es auf dem Markt gibt. Klein und verdammt treffsicher. Ich bin übrigens Jeff.“

„Peter.“

„Freut mich, Peter. Bist du der Peter, der mit dabei war, als man Froody in den Arsch trat?“

„Erinnere mich nicht daran! Aber ja, ich war mit dabei. Hier!“ ich zeigte auf Caroline, „Sie hat die Hauptarbeit erledigt.“

„Echt klasse Leistung.“ Jeff hob den Daumen. „Ich selbst war bei der Einheit, die seinen Landsitz gestürmt hat. Aber da gab es nichts mehr für uns zu tun, ihr wart schneller.“

Während Jeff mit mir plauderte, hatte er mit wenigen Handgriffen, eine der Raketen in kleine Abschussvorrichtungen gesteckt und scharf gemacht. Anschließend brachten Jeff und ein weiterer Farm-Boy die MGs zu den offenen Türen und prüften, ob die Waffen ein ausreichendes Schussfeld hatten. Dann wurden die Raketen griffbereit gelegt.

„Wie heißen sie?“ fragte Mike unsere Pilotin im Cockpit.

„Veronique.“ Antwortete sie.

„Veronique, ein schöner Name, wie fühlt man sich als Führerin einer ganzen Luftwaffe?“

Veronique schaute ihn an. „Ganz ehrlich?“

„Ja.“

„Großartig!“ lachte sie.

„Können wir auch was tun?“ fragte ich Jeff unterdessen.

„Ja, steht nicht im Weg und sorgt dafür, dass den MGs nicht die Munition ausgeht.“

Ich nickte. „Welche Seite nimmst du?“ fragte ich Caroline und die zeigte auf das linke MG. „Ok.“ Das hieß, ich würde für Jeff die Munition heranschaffen.

In einer weiteren Tasche befanden sich mehrere Kästen mit MG Gurten und ich stellte zwei neben Jeffs Waffe, während sich Caroline ebenfalls zwei Kästen bereitstellte.

„Langsam müssten wie sie sehen.“ Meinte Hawkins vorne in Cockpit.

DA sind SIE.“ Veronique zeigte nach vorne.

Tatsächlich, einige Meilen vor dem Wasserflugzeug hingen fünf Punkte in der Luft. Sofort ging Veronique tiefer, um nicht gesehen zu werden.

Nur knapp über den Baumwipfeln flog sie auf die Hubschrauber zu, deren Besatzungen keine Ahnung hatten, was da auf sie zukam. Jim in der anderen Maschine nahm eine Position an Veroniques linken Flügel ein.

Eine Minute später, konnte man die Formation der Hubschrauber genau erkennen. Da wir sehr tief flogen, zeichneten sich die Hubschrauber deutlich gegen den Himmel ab, während wir praktisch unsichtbar über den Dschungel flogen.

„Das ist eine klassische Formation.“ Sagte Mike und erklärte Veronique wie sich die Briten aufgeteilt hatten. „Einer der Kampfhubschrauber fliegt vorne, der andere bildet die Nachhut. Wir müssen beide Kampfhubschrauber gleichzeitig angreifen.“

„Verstanden!“ Nickte Veronique und überlegte kurz. „Jim! Ich mache einen Schwenk nach links, und halte auf den vorderen Kampfhubschrauber zu, dann kannst du, den hinteren Kampfhubschrauber mit uns gleichzeitig angreifen.“ Teilte Veronique Jim mit.

Das war die neue Veronique! Sie schlug es nicht etwa vor, nein sie hatte das Kommando übernommen.

Jim, in der zweiten Maschine wackelte kurz mit dem Flügel um zu zeigen, dass er den Plan verstanden hatte und bereit war, dann flog Veronique eine Schleife um genau hinter die Hubschrauberformation zu kommen.

„Scheint so, als ob Soulebda eine neue Kriegerin bekommen hat. Eine Kriegerin der Lüfte.“ Meinte Caroline und deutete nach vorne, wo Veronique den Gashebel nach vorne schob und die Motoren aufheulen ließ.

„Ja, scheint wirklich so.“ antwortete ich als das Wasserflugzeug beschleunigte und unsere Pilotin alles aus der Maschine herausholte, was die Motoren hergaben. In diesem Punkt hatte Veronique nicht gelogen, die Mühle war groß, aber schneller als sie aussah.

Durch die höhere Geschwindigkeit und Veroniques Manöver, waren wir nun unmittelbar hinter den Hubschraubern als Veronique erst tiefer, dann nach etwas links und anschließend steil nach oben zog.

Jim wartete ein paar Sekunden, dann zog er hoch und war hinter dem Kampfhubschrauber, der die Nachhut bildete.

Jeff hatte unterdessen eine erste Flugabwehrrakete scharf gemacht und suchte sich einen festen Stand an der Tür, indem er sich gegen in die Halterung in dem Türrahmen drückte. Die Rakete fest gepackt, schob er die Piranha-Rakete nach draußen. „Passt bloß auf, dass ihr nicht hinter mir steht, die Dinger sind zwar nicht mehr so brutal wie die alten Modelle, aber aufpassen sollte man doch.“

Auf Mikes Zeichen schoben sich alle Farm-Boys einen Knopf im Ohr und zeigten sein „OK“ mit erhobenen Daumen.

„Es geht los!“ rief Jeff und lächelte. „Die Rakete ist aktiv und hat ein Ziel.“

JETZT!“ rief Veronique und gab Vollgas.

Sie flog unter den Truppenhubschraubern durch, zog direkt vor dem ersten Transporthubschrauber nach oben und flog jetzt in der acht Uhr Position hinter dem führenden Kampfhubschrauber. Gelichzeitig hatte Jim sich in eine vier Uhrposition an den Hubschrauber gehängt, welcher die Nachhut bildete.

Als Veronique sich direkt vor dem ersten Transporthubschrauber wie aus dem Nichts auftauchte und sich vor ihn schob, wich dessen Pilot entsetzt aus. Nur mit Mühe konnte der zweite Transporter eine Kollision verhindern und damit war das Chaos perfekt.

Die Schrecksekunde nutzte Jeff aus und schoss die Piranha-Rakete ab. Bevor der Pilot des Kampfhubschraubers realisieren konnte, was sich hinter ihm abspielte, schlug die Rakete in sein Triebwerk ein und brennend stürzte der Lynx Hubschrauber in den Dschungel.

Auch Jims Schütze traf sein Ziel, doch der Kampfhubschrauber war schon am Ausweichen und dieser stürzte nicht direkt ab. Die Rakete traf und der Hubschrauber zwar und er zog eine Rauchspur hinter sich her, doch der Pilot schaffte es den Helikopter in der Luft zu halten.

Die drei Transporthubschrauber begannen wild auszuweichen und stoben auseinander.

„Jim, du greifst von West nach Ost an, ich von Nord nach Süd. So haben wir sie im Kreuzfeuer.“

„Alles klar, Signorina Geschwader Führerin.“ Jeff legte die Frachtmaschine in eine enge Kurve und flog zwischen die ausweichenden Transporter.

Veronique rollte das Flugzeug herum und begann die Hubschrauber erneut anzufliegen. Jetzt rächte es sich für die Briten, dass die Waffenpylonen ihrer Hubschrauber, nur mit Sprenggranaten für den Erdkampf geladen waren. Ein paar Luft-Luft Raketen und der Kampf wäre zu Ende gewesen, noch bevor er richtig begonnen hatte.

Als wir erneut anflogen, hatten sich die Hubschrauber aufgeteilt, doch durch Veroniques klugen Angriffsplan, blieben zwei der Helikopter in Schussweite unserer Flugzeuge.

Kaum näherten wir uns an, eröffneten die Farm-Boys aus beiden Türen mit den MGs das Feuer auf die Hubschrauber. Als Soldaten wussten sie, welche Teile man an einem Hubschrauber unter Beschuss nehmen musste.

„Nachladen!“ rief Jeff und ich riss den nächsten Kasten mit Munition auf, zog den Gurt heraus und schon hatte ihn Jeff in den Verschluss des MGs gepackt und das Feuer wieder eröffnet. „He, wir sind ein spitzen Team.“ Rief er zwischen den einzelnen Feuerstößen.

Jim begann gerade einen weiteren Anflug, als der rauchende Kampfhubschrauber zurück kam um den Kamp aufzunehmen.

„Achtung, Jim.“ Rief Veronique. „Der Kampfhubschrauber!“ warnte sie ihren Flügelmann, der dank Veroniques Warnung rechtzeitig einer Salve Geschosse ausweichen konnte.

„Vielen Dank, Signorina.“

„Keine Ursache.“ Murmelte sie mehr für sich, dann drehte sie sich zu uns um.

„Der Kampfhubschrauber!“ sie zeigte uns die Richtung und legte das Flugzeug in eine enge Kurve um Jeff und dem anderen Schützen freie Bahn zu geben.

Rauchspuren zischten in Richtung des Kampfhubschraubers, doch diesmal war der Pilot vorgewarnt und wich geschickt aus. Der Lxnx Hubschrauber war zwar wendiger, doch wir waren schneller. Und es zeigte sich, das Veronique auch in einem weiteren Punkt Recht hatte… Diese Mühle konnte einstecken! Der Kampfhubschrauber schoss mit seinen Bordgeschützen auf uns, und auch aus den Transporthubschraubern wurde mit Sturmgewehren auf uns geschossen, doch das Wasserflugzeug steckte alle Treffer weg.

Auch im Cockpit wurden einige Teile zersiebt, Kugeln schlugen durch die Cockpitscheiben, doch das Flugzeug flog ruhig weiter.

„Brauchen wir die Teile nicht?“ fragte Mike und zeigte auf eine zerschossene Anzeige.

„Nein, solange wir noch fliegen nicht.“

„Das beruhigt mich nicht unbedingt.“

Jims Schütze hatte in der Zwischenzeit einen der schweren Transporthubschrauber erwischt. Eine Piranha hatte sein Triebwerk erwischt und der Transporter ging rauchend nach unten. Zum Glück der Briten, war der Pilot ein As, denn er schaffte es die Rotorblätter in die richtige Stellung zu bekommen und einen unkontrollierten Absturz zu verhindern. Der Hubschrauber krachte zwischen die Bäume und die Söldner konnten heraus springen, bevor der Hubschrauber explodierte.

Die beiden anderen Helikopter suchten ihr Heil in der Flucht, doch weder Veronique, noch Jim waren bereit jetzt schon den Kampf abzubrechen.

Die völlige Katastrophe verhinderte der zweite Kampfhubschrauber! Während wir von Kampfhubschrauber beschäftigt wurden, verfolgte Jim einen der zwei übriggebliebenen fliehenden Hubschrauber. „Achtung, der Kampfhubschrauber will uns aufs Korn nehmen.“ Warnte Hawkins und Veronique ließ das Flugzeug steil nach unten fallen.

An der Stelle, an der wir noch eine Sekunde vorher waren, war der Himmel mit Sprenggranaten übersät. „Das war knapp.“ Meinte unsere Pilotin.

„Ja, aber jetzt hat er sein Pulver verschossen. Wir sind wieder am Zug.“ Sagte Mike und sofort drehte Veronique das Wasserflugzeug zum Angriff auf den Kampfhubschrauber.

„Ich ziehe rechts an ihm vorbei.“ Rief Veronique nach hinten.

Jeff hob den Daumen und zeigte, dass er verstanden hatte. Er drückte mir das MG in die Hand und griff nach einer Rakete.

Der Pilot des Kampfhelikopters wusste, dass er nur noch seine Bordkanone gegen uns einsetzten konnte, doch den Gefallen tat ihm Veronique nicht. Wild kurvend und immer wieder die Höhe ändernd flog sie auf den Heli zu. Durch den Fahrtüberschuss, um einiges schnelle als der Hubschrauber, zog Veronique das Flugzeug in der letzten Sekunde nach oben, legte es in eine Kurve und Jeff hatte freie Schussbahn.

Zischend flog die Rakete auf den Hubschrauber zu und diesmal erwischte sie ihn richtig. Die Rakete traf genau den Rotoransatz und brennend stürzte der Kampfhubschrauber in den Dschungel.

„Erwischt, du Schweinebacke!“ rief Veronique und drehte sich zu Jeff um. „Guter Schuss!“

Jim hatte den zweiten Transporter aus den Augen verloren als er den Kampf beobachtete, doch der Pilot machte einen schweren Fehler. Anstatt sich und seine Maschine zu retten, drehte er um und feuerte alle seine Bodenraketen auf das Flugzeug von Dave ab. Jim der durch Zufall gerade in die richtige Richtung blickte, sah die verräterischen Rauchspuren auf sich zukommen und ließ das Flugzeug über den linken Flügel steil nach unten kippen.

Die Bodenraketen waren zwar alles ungelenkte Geschosse, doch hätten sie das Flugzeug getroffen, wäre es wie mit eine Säge zerschnitten worden. So aber, verrieten die Rauchspuren der Raketen den Standort des Hubschraubers und Jim setzte nach.

„Na warte, du Hurensohn.“ Fluchte Jim und ließ einen Schwall italienischer Flüche folgen, von denen Dave nicht wissen wollte, was sie bedeuteten.

Der Pilot, der nun seinen Fehler erkannte, suchte erst jetzt sein Heil in der Flucht und beging einen weiteren verhängnisvollen Fehler. Statt tief unten über dem Blätterwerk des Dschungels zu bleiben und die Angriffsfläche für Jim so klein wie möglich zu halten, zog er nach oben und wollte er über den Vulkan entkommen.

Damit hatten Jims Schützen nach allen Seiten freie Schussbahn. Eine Piranha-Rakete erwischte den Hubschrauber genau, als er über dem Vulkan war. Eine Flammenspur hinter sich herziehend, prallte der Transporter gegen die inneren Felsen des Vulkans und explodierte.

„Wo ist der letzte Hubschrauber Hawkins?“ Fragte Mike und stieß Hawkins an.

„Hier! Hawkins zeigte nach Westen. „Sieht so aus, als ob er Fersengeld gibt. Er fliegt mit Volldampf auf Ka´Ihlin zu.“

„Können wir ihn noch kriegen?“

„Natürlich kriegen wir ihn!“ rief Veronique und riss das Wasserflugzeug nach Westen.

„Das lassen wir lieber! Bevor wir ihn eingeholt haben sind wir Reichweite der britischen Flugabwehr!“ riet ihr Hawkins. „Für die ist dieses tolle Flugzeug nämlich wirklich nur eine riesen Zielscheibe.“

„Ok. Lassen wir ihn. Wir hatten genug Spaß.“

„Wie sieht es am Boden aus?“ rief Caroline nach vorne. „Das hier war nämlich nur der Halbe Spaß.“

„Stimmt!“ gab ihr Veronique Recht. „Keine Ahnung. Wir müssen hinfliegen und nachsehen. Ist das noch in ihrem Flugplan mit inbegriffen?“ fragte sie Mike.

„Selbstverständlich.“ Antwortete Mike.

„Gut! Jim, wir drehen ab und fliegen nach Süden zur Schlucht.“

„Alles klar.“ Kam die Bestätigung der zweiten Maschine.

Veronique zog die Maschine herum und flog am Vulkan vorbei in Richtung Schlucht. Wir flogen nur eine kurze Zeit, dann konnten wir aus der Luft sehen, was sich unten am Boden abgespielte.

**

Am Boden spielte sich ein Drama ab.

Penelope floh mit ihrer Mutter aus Soulebda Stadt in Richtung der Höhlen, verfolgt von einem Teil der Palastgarde. Aus Uhr’Luu kommend, sollten ihr zwei Kompanien der Armee den Weg abschneiden und sie aufhalten.

Ob es Sheramoh seinen Soldaten nicht zutraute, den Befehl Heylah zu töten auszuführen, oder ob Mac Allister lieber auf Nummer Sicher ging und es seine Söldner lieber selbst erledigen ließ, konnte später niemand mehr beantworten. Jedenfalls sollten die Soldaten Heylah und Penelope bis zum Eintreffen der Briten aufhalten. Doch dazu mussten die Soldaten durch die Schlucht an den Südhängen des Vulkans Ainig u’Alara, welche Jerome mit der Gatling verteidigte.

Sheramoh, der Heylahs Ende selbst miterleben wollte, traf gemeinsam mit einem weiteren Teil der Garde, am Eingang zur Schlucht mit den Soldaten aus Uhr’Luu zusammen.

„Worauf warten sie?!“ pfiff Sheramoh einen Major an, welcher die Soldaten aus Uhr’Luu führte. Der hatte an der Einfahrt zur Schlucht anhalten lassen und rief seine Offiziere zusammen.

„Herr Präsident, uns wurde gemeldet, dass sich Kräfte der Rebellen zusammenziehen, um die Regentin“, das Wort Regentin, kam sehr zögerlich, „zu schützen und ihr das Entkommen zu ermöglichen. Die logischste Stelle für einen Hinhalte Kampf ist diese Schlucht. Durch den Dschungel rechts der Schlucht kommen wir nur sehr langsam voran und links an den Hängen kommen wir mit den Fahrzeugen nicht vorbei. Wenn die Rebellen einen Hinterhalt legen, dann hier.“

„Hinterhalte interessieren mich nicht! Fahren sie weiter!“

„Herr Präsident, ich halte es für klüger zu warten, bis die Briten mit ihren Hubschraubern unseren Vormarsch aus der Luft abdecken. Auch im Interesse ihrer eigenen Sicherheit…“ er brach ab, als er Sheramoh blass werden sah.

„In die Fahrzeuge!“ rief der Major schnell und rannte zu seinem Kommandowagen, bevor ihn Sheramoh erschießen konnte.

 

„Da kommen sie.“ Einer von Jeromes Mitstreiter lag mit einem Fernglas neben der Gatling und sah die ersten Fahrzeuge in die Schlucht einfahren.

„Verdammt, das ist nicht nur die Palastgarde, das sind reguläre Truppen.“

„Scheiße!“ fluchte Jerome, obwohl ihm klar war, dass es irgendwann unvermeidbar war gegen „richtige“ Soldaten zu kämpfen. „Lässt sich jetzt nicht mehr ändern. Alles bereit?“

„Alles bereit!“ der Schütze der Gatling hob den Daumen und grinste schwach, denn auch ihm ging der Arsch auf Grundeis, genau wie allen anderen.

„Ok, wir warten noch einen Moment. Lasst sie kommen.“

**

Die Palastgarde, unterstützt von den Soldaten war in die Schlucht eingedrungen und hatte den Sieg schon vor den Augen…

Jerome hatte geduldig gewartet, bis etwa ein Drittel der Soldaten und Gardisten in der langen Schlucht waren, dann gab er dem Schützen einen Wink und der drückte auf den Auslöser der Gatling. Stunden zuvor hatte Jerome alle 100 Patronen eine Patrone mit Leuchtspur einsetzen lassen und als die Gatling anfing Feuer zu spucken, wirkte es auf Jerome, als ob ein Drachen seinen Feueratem auf die Soldaten in der Schlucht blies und Jerome war überrascht, dass die Gatling keinen Maschinengewehrlärm machte, sondern wie ein wildes Tier fauchte.

Tatsächlich waren es nur drei Feuerstöße von wenigen Sekunden, aber diese hatten unter den in der Schlucht befindlichen Truppen tödliche Ernte gehalten. Wilde Querschläger pfiffen durch die Schlucht.

Erschrocken machte der Schütze die erste kurze Pause und sah die verehrende Wirkung, welche die Gatling unter den Soldaten angerichtet hatte, denn da die Kanone mit flachem Winkel in die Schlucht feuerte, bestrich sie eine große Fläche der Schlucht und somit gab es wenig Deckung für die Soldaten.

Die Gardisten fielen in Scharen und der Major, welcher sich den Zorn des Präsidenten zugezogen hatte, war einer der ersten Toten. Ein Hauptmann erkannte die Gefahr und versuchte zu retten, was zu retten war. Sofort ersuchte er beim Präsidenten die Erlaubnis für den Rückzug zu erhalten, aber dieser trieb ihn an die Schlucht erneut zu stürmen.

Als der zweite Ansturm der Gardisten begann, feuerten Jerome und seine Kämpfer erneut. Nach dem zweiten Gefauche aus der Gatling, konnte Jerome nicht erkennen, ob es genug war und er musste eine Weile warten bis sich der Nebel verzog hatte. Dann sahen sie, dass noch mehr Tote in der Schlucht lagen und die Überlebenden sich zurückgezogen hatten.

Ein Hauptmann aus Uhr’Luu hatte nun das Kommando übernommen und rannte zu Sheramoh. „Wir kommen nicht durch. In der Schlucht gibt es keinerlei Deckung und jeder, der sich in Reichweite der Gatling begibt, ist so gut wie tot!“

Der Präsident tobte. „Wo sind diese Scheiß-Briten!?!“ Schrie Sheramoh. „Das ist Verrat! Greifen sie sofort wieder an!“ Befahl er einem Hauptmann.

„Das ist Selbstmord, Herr Präsident…“ Ohne ein weiteres Wort schoss Sheramoh dem Hauptmann ins Gesicht, dann sah der Präsident einen Leutnant, der wenige Meter daneben stand, richtete die Waffe auf diesen und befahl:

„Angreifen!“

Der Leutnant biss die Zähne zusammen und lief zu den Soldaten, um den Angriff zu leiten. Wieder griffen die Garde und die Soldaten die Schlucht an und wieder endete es in einem Blutbad. Dieses flammende Ungetüm am Vulkan, das wie ein brüllender Ochse fauchte, es kannte keine Gnade.

Als die Garde zum dritten Mal Angriff, feuerten Jerome und seine Kämpfer erneut und sie ließen den Drachen sein Feuer spucken.

Als die Gatling wieder schwieg, herrschte eine gespenstische Ruhe in der Schlucht. Es gab keine Gegenwehr mehr, aber es gab auch nichts zu sehen, denn die Schlucht war von einem tödlichen Schleier und den Leichen der Soldaten bedeckt. Kein Schuss fiel mehr in der Schlucht.

Dafür sah Jerome die glühende Gatling neben sich, die knisternd da stand und er sah einen riesigen Berg leerer Patronenhülsen neben und um sich

„Uns geht langsam die Munition aus.“ Warnte Jeromes Schütze und zeigte auf die wenige Munition, welche noch verblieben war. „Ein paar Feuerstöße können wir noch abgeben, dann ist Schluss und die ganze Munition ist weg.“

„Wo bleibt bloß Penelope?“, fragte Jerome und sah hoch in die Luft.

**

DA!“ Rief Caroline und zeigte nach unten. „Da ist Penelope und sie wird verfolgt.“

Wir blickten in die Richtung die Caroline zeigte und sahen eine Kolonne Fahrzeuge, die von einer weiteren Kolonne verfolgt wurde. Penelopes Fahrzeuge, waren normale PKW, ein paar ältere Laster und Pick-ups die alle schon bessere Tage gesehen hatten. Gepanzert war von den Fahrzeugen keines.

Die Verfolgerkolonne aber bestand vorwiegend aus Militärfahrzeugen. Moderne LKW, militärische Geländewagen und sogar Schützenpanzer jagten Penelope und ihre Mutter. Und die Verfolger holten auf!

Aus dem vorderen Fahrzeug, ein neuer Fünftonner LKW, wurde aus einer Dachluke mit einem MG auf Penelopes Kolonne geschossen.

Von der Pritsche des letzten Fahrzeuges schoss ein Mann einsam mit einem AK47 zurück, doch der hätte ebenso gut mit Steinen werfen können.

Penelope, die im ersten Wagen, einem älteren Bus, das Drama am Ende ihrer Kolonne mitbekam, wurde ihr klar, das ohne ein Wunder, keiner von ihnen die Höhlen erreichen würde.

Tränen der Verzweiflung liefen ihr über die Wangen, als sie beschloss, für dieses Wunder selbst zu sorgen!

Sie warf einen Blick zu ihrem Beifahrer, welcher ihr tapfer zunickte. „Die Straße macht in wenigen hundert Metern eine scharfe Biegung. Dort halten wir sie auf!“ sagte er nur und packte seine alte M 14 fester.

Penelope scherte aus der Kolonne aus und winkte die nachfolgenden Fahrzeuge an sich vorbei.

**

Zweihundert Meter über Penelope sah auch Veronique das Penelopes Bus aus der Kolonne ausscherte und erriet, was diese vorhatte.

„Jim, wo sind sie?“ Fragte Veronique.

„Direkt hinter ihnen.“

„Sind sie dabei?“

„Sie sind die Geschwader Führerin! Signorina… wir brauchen einen Rufnamen.“

„Ok, Condor zwei, wir fliegen die Verfolger von rechts an.“

„Verstanden, Condor eins.“

„Condor?“ Fragte sie Mike hinter ihr.

„Ja, ein großartiger Vogel“, sagte Veronique lachend. „er hat etwas Erhabenes.“ Veronique ging tiefer und flog in Bodenhöhe an die Kolonne der Garde an.

Jim hinter ihr, nahm wieder die linke Flügelposition ein.

„Ich nehme das Ding und du das MG!“ wies mich Jeff an, griff eine Rakete und ich nickte.

„Kein Problem!“ sagte ich, übernahm das MG und entsicherte die Waffe.

**

„Die Biegung!“ rief Penelopes Beifahrer und Penelope trat auf die Bremse um die restlichen Fahrzeuge ihrer Kolonne passieren zu lassen, dann als das letzte Fahrzeug vorbei war, stellte sie den Bus Quer auf die Straße.

NEIN!“ schrie Heylah im dritten Fahrzeug, als sie sah, was Penelope tat und griff dem Fahrer in den Arm. „UMDREHEN!“

„Wir können nicht… der Rest des Satzes ging in einer Explosion unter.

**

Veronique zog auf Bodenhöhe an der Kolonne vorbei und zu unserem Glück, waren die Soldaten so überrascht, dass keiner auf den Gedanken kam, auf uns zu schießen.

Jeff hatte sich das erste Fahrzeug als Ziel ausgesucht, und kaum waren wir in Reichweite, flog es krachend in die Luft, keine dreißig Meter von Penelopes Bus entfernt, gleichzeitig eröffnete ich das Feuer mit dem MG.

Bevor sich in der Kolonne der Garde jemand von dem Schock erholen konnte, flog Jim die Kolonne an und ein weiteres Fahrzeug explodierte. Auch Daves MG Schütze beharkte die Militärkolonne, aus der jetzt das Feuer erwidert wurde.

„Condor zwei, zweiter Anflug! Wir greifen aus entgegengesetzter Richtung an.“ Befahl Veronique.

„Verstanden Condor eins.“ Jim flog eine enge Kurve und beschoss die Fahrzeuge erneut um die Schützen zu beschäftigen, während Veronique eine Schleife drehte um in Position zu kommen.

„Condor eins, bin in Angriffsposition.“

„Anflug!“ Veronique drehte um und die Flugzeuge rasten aufeinander zu. Veronique griff die Fahrzeugkolonne auf der rechten Seite aus an, Jim die linke Seite. Wie zwei Hämmer droschen wir auf die Kolonne ein und wieder gingen Fahrzeuge in Flammen auf und wischen von der Straße aus.

„JAAA. Nochmal! Nächster Anflug, gleiches Manöver!“

„Nein! Sehen sie!“ Bremste Mike unsere Geschwader Führerin und zeigte auf die Straße, wo sich die übrigen Fahrzeuge verhielten wie es im Lehrbuch stand. Sie fuhren von der Straße herunter und bildeten eine Art Kreis, um sich gegenseitig Feuerschutz zu geben. Damit war unser Ziel aber erreicht!

„Lass uns abhauen!“ rief Penelopes Beifahrer, der kaum glauben konnte, dass er noch am Leben war und zeigte auf die berennenden Fahrzeuge, welche die Straße blockierten.

Penelope noch halb unter Schock trat auf das Gaspedal und fuhr so schnell es ging ihrer Mutter nach. Als sie die anderen Fahrzeuge eingeholt hatte, hupten alle Fahrer vor Freude auf.

**

„JUHU!“ rief Veronique drehte übermütig eine Rolle in der Luft.

„HE, lass das.“ Rief ich als ich durchgewirbelt wurde.

„Sorry, tut mir leid, aber dass musste einfach sein.“ lachte sie und zog noch eine Schleife zur Schlucht im Vulkan. Dort hatten Jerome und die anderen mit der letzten Munition verschossen um einen Ansturm der Soldaten aufzuhalten.

Gerade als die letzten Reste durchbrechen wollten, donnerten wir über sie hinweg und wir beschossen die Soldaten am Boden mit den MGs.

Das reichte! Wer laufen konnte gab Fersengeld und zog sich zurück. Über ihm, konnten gerade noch sehen, wie Jerome die Gatling mit einem Stück Fels bearbeitete und dann den Abhang herunterwarf. Mit dieser Waffe würde ganz sicher keiner mehr schießen. Mit Erleichterung hörte Jerome, dass Penelopes Kolonne entkommen war und anschließend rannte Jerome mit seinen Leuten den Abhang zum Dschungel herunter wo sie zwischen den Bäumen verschwanden. Von der Garde und den beiden Kompanien war nicht mehr viel übrig geblieben, die kläglichen Reste zogen ab und nur ein völlig durchgedrehter Präsident stand verlassen da und drohte uns mit der Faust.

„Leck mich!“ Brüllte ich zu Sheramoh hinunter, obwohl ich mir sicher war, dass der Präsident mich nicht hören konnte und zeigte ihm den Mittelfinger.

„Was?!“ fragte ich, als mich Caroline strafend ansah.

„Du beleidigst ein Staatoberhaupt mit dieser… Geste?“

„JA! Er hat es verdient!“

„Nun, dann hoffe ich, er hat auch gesehen.“ Grinste sie.

**

„Was jetzt? Die haben bestimmt die Kennung der Flugzeuge gemeldet. Du kannst unmöglich zurück.“ Fragte Caroline unsere Pilotin und neue Kommandantin der „Luftwaffe des freien Soulebdas“.

„Ich weiß nicht.“ Flüsterte Veronique. Nun, da sich das Adrenalin gelegt hatte, begriff sie langsam, welchen Schnitt, ihr Handeln für ihr Leben bedeutete.

„Am besten wir verstecken die Flugzeuge auf einer der Inseln.“ Meinte Mike.

„Am besten auf Beas Island.“ Schlug Caroline vor. „Du weißt schon… die ist verflucht, da geht keiner freiwillig hin.“

„Gute Idee.“ Antwortete Mike.

„Was ist mit meinem Vater?“ wollte Veronique wissen.

„Keine Sorge, um den kümmern wir uns. Setzten sie uns nur ab, und zeigen sie Jim, wo er das Flugzeug verstecken soll. Wir treffen uns dann auf Carolines Insel.“ Sagte Mike und alle waren einverstanden.

Etwas holprig setzte Veronique und Jim die Flugzeuge auf und die Farm-Boys stiegen alle bis auf Jim aus. Jetzt erst sahen wir, wie viele Treffer das treue Flugzeug eingesteckt hatte, ohne uns im Stich zu lassen.

„Hört mal ihr zwei.“ Sagte Mike zu uns, während seine Leute zu den Geländewagen gingen, zu uns. „Ich weiß nicht, ob sich unsere Regierung darauf einlässt. Wahrscheinlich wird sich irgendein hohes Tier mit eurem Anführer treffen wollen. Der sollte dann ein paar gute Vorschläge haben.“

 

„Ich werde es Soleab n’Amsala sagen.“ Versprach Caroline. „Ich bin sicher, dass er an einer Einigung interessiert ist. Aber euer Unterhändler sollte auch wissen, dass der nicht bereit sein wird, einen Unterdrücker gegen einen anderen einzutauschen.“

„Ich habe die letzten Tage sein Profil studiert, und persönlich halte ich Soleab n’Amsala für einen guten Anführer. Ob er ein guter Staatsmann ist, wird sich herausstellen.“

„Ich glaube nicht, dass sich Soleab schon darüber Gedanken gemacht hat, wie er einen Staat führen soll. Ich hoffe euer Unterhändler versucht ihn nicht über den Tisch zu ziehen.“

„Falls es in meiner Macht steh, werde ich versuchen das zu verhindern.“ Versprach Mike.

Caroline und ich sahen uns fragend an. „Versteh mich nicht falsch“, sagte Caroline, „aber seid ihr nicht da, um euch das größte Stück des Kuchens zu bekommen?“

„Ja, natürlich wollen wir das. Und ich will auch, dass das Amerika größte Stück abbekommt, aber ich will es auf richtige Art machen! Ich habe die Idioten da oben jedes Mal gewarnt und jedes Mal wurden meine Vorschläge ignoriert und jedes Mal flog uns ein riesen Haufen Scheiße um die Ohren, wie bei der Sache mit Froody. Jetzt hören sie mir zu und ich kann endlich frühere Fehler vermeiden. Also ziehen wir an einem Strang?“

Caroline sah ihm in die Augen nickte und auch mein Bauchgefühl sagte mir, dass Mike es ehrlich meinte. Statt einer Antwort, hielt ihm Caroline die Hand hin und Mike schlug ein.

„Werdet ihr keinen Ärger bekommen, wegen heute?“ wollte ich von Mike wissen.

„Wieso? Wir waren nie hier und haben uns auch nicht eingemischt. Zugegeben, es wurden wohl amerikanischer Waffen benutzt, aber die hat doch heute jeder.“ Grinste Mike, als er zum Geländewagen ging.

„Wir schulden euch etwas. Danke.“ Rief Caroline ihm nach.

„Ihr habt einem Farm-Boy auf deiner Insel das Leben gerettet. Wir sind höchstens quitt.“ Damit drehte er sich um und verschwand mit seiner Truppe in den Jeeps. Veronique hatte in der Zwischenzeit ihren Vater davon überzeugt, das Haus zu verlassen.

Als er hörte, was seine Tochter getan hatte, wusste er, dass in weniger als einer halben Stunde, der Geheimdienst hier sein würde und jeder den die Geheimdienstler hier antreffen würde, in den Folterkellern des Geheimdienstes verschwinden würde.

Mit ihrem Vater im Schlepp kam Veronique aus dem Haus heraus, wo ihr Vater vor dem zerschossenen Flugzeug stehen blieb.

„Kind! Mein… Mein Flugzeug.“ Stammelte er.

„Stieg jetzt ein!“ Drängte ihn Veronique und schob ihn in das Wasserflugzeug. Ich hatte mich umgeblickt und sah, dass Mikes und seine Farm-Boys verschwunden waren.

„Danke Veronique.“ Caroline umarmte ihre neue Freundin herzlich und drückte sie an sich.

„Nichts zu danken. Wann hat man schon die Gelegenheit Chefin einer Luftwaffe zu werden.“ Lachte sie und sprang zurück ins Flugzeug. Jim blieb hinter ihr und zusammen verschwanden sie über dem Dschungel.

„Ach übrigens, “ Caroline nahm mich in den Arm als wir einsam und verlassen am Flugfeld standen, „ich liebe dich auch.“

**

Unendlich stolz kamen wir zur Penelopes Versteck in den Höhlen an. Penelope war mittlerweile mit ihrer Mutter angekommen, doch die Party fiel aus. Durch den Beschuss der Palastgarde, hatte es bei den Beschützern ihrer Mutter Tote und Verletzte gegeben. Und so hielt sich die Freude über den Sieg in Grenzen.

Soleab ,der in seinem Versteck von der Jagd auf Heylah erfahren hatte, war mit so vielen Kämpfern wie er finden konnte zu den Höhlen geeilt um diese zu verteidigen, doch den Soldaten und der Garde war die Lust, Penelopes Kolonne zu verfolgen, gründlich vergangen und so blieb ihr Lager weiterhin ein Geheimnis.

Als Soleab n’Amsala uns sah, packte er uns und zog uns nach draußen. „Ist das eure Vorstellung, den Präsidenten nicht zu provozieren?“ herrschte er uns a.

„He, jetzt halt mal die Luft an!“ blaffte ich zurück. „Wir wurden angegriffen und haben einen großartigen Kampf geliefert und gewonnen.“

„Gewonnen?“ Fassungslos schüttelte Soleab den Kopf. „Ihr Schwachköpfe habt gar nichts gewonnen! Im Gegenteil, ihr habt den Krieg offen ausbrechen lassen! Das waren keine Soldaten, das war die Palastgarde! Paradesoldaten, die ihre Uniformen spazieren tragen. Und die Soldaten aus Uhr’Luu, ist eine Ausbildungseinheit! Eine völlig unerfahrene Truppe.

Was glaubt ihr, geschieht, wenn der Präsident erst mal seine richtigen Truppen organisiert und losschickt. Wir waren noch nicht bereit, einen offenen Kampf zu bestehen, jetzt haben wir keine Zeit mehr, um stärker zu werden. Jetzt werden wir alle vernichtet!“

„Nicht unbedingt.“ Sagte Caroline und hob beschwichtigend die Hände. „Wenn du dich mit den Amerikanern einigen kannst, bekommen wir Hilfe.“

„Die Yankees? Seid ihr so naiv und glaubt das wirklich? Die sind nicht besser als die anderen, welche uns ausbeuten wollen.“

„Sie haben uns heute geholfen, ich denke, das hätten sie nicht getan, wenn es von Anfang an ausgeschlossen wäre. Mike, der Anführer der Amerikaner, macht einen ehrlichen Eindruck auf mich. Ich denke wir sind in einer guten Position. Wir haben die Erden und die Amerikaner wollen sie haben, eine bessere Verhandlungsposition können wir uns nicht wünschen.

„Die Amerikaner wollen unter den heiligen Bergen graben, das werden die Priester niemals zulassen.“

„Dann müssen wir ihnen eben die anderen Schürfstellen geben.“

„Glaubt ihr vielleicht die Briten und die Franzosen hauen einfach ab?“ während Soleab mit Caroline diskutierte, kam mir das Gespräch mit Dagan wieder in den Sinn. Genau das hatte er mich auch gefragt, aber jetzt wusste ich eine Antwort.

„Nein das werden sie nicht, wir müssen die Briten und Franzosen eben dazu bringen? Und dass, wenn es nicht anders geht, mit Waffengewalt“

„Ihr seid Träumer, alle miteinander. Ihr glaubt, ihr kommt einfach mal eben im Urlaub vorbei, gewinnt eine Rebellion und fahrt dann, wenn alles wieder friedlich ist, nach Hause. Hier sterben Menschen! Das ist kein Spiel.“

„Es ist die einzige Möglichkeit, die wir haben.“ Beharrte Carolin.

„Und wen werden die Amerikaner dann als Staatsoberhaupt anerkennen? Mich etwa? Sie werden niemals, einen Rebellenführer wie mich akzeptieren. Nein, die einzige Möglichkeit, die wir jetzt noch haben, ist, mit erhobenen Haupt untergehen.“

Das darf nicht sein!“ hörten wir eine Stimme hinter uns. Heylah ai Youhaahb war zusammen mit ihrer Tochter Penelope aus der Höhle getreten. „Ich werde nicht zulassen, dass mein Volk untergeht!“ Sprach sie mit fester Stimme.

„Frau Präsident…“

„Nenn mich NIE WIEDER so!“ schrie sie Soleab fast an.

„Heylah… ich weiß wirklich nicht, wie wir diesen Kampf gewinnen sollen.“

„Du bist unser Anführer! Finde einen Weg! Wenn die Amerikaner unsere einzige Hoffnung sind, dann rede mit ihnen!“

„Ich denke ehrlich nicht, dass die Amerikaner mich als Vertreter Soulebdas akzeptieren.“

„Ich weiß eine Lösung!“ Rief Caroline und wir alle schauten sie an.

„Heylah, sie werden unsere politische Führerin sein. Das Gesicht der Rebellion.“

„Ich?“ fragte sie zögerlich.

„Ja, sie sind im Ausland bekannt und man respektiert sie. Außerdem sind sie beim Volk beliebter, wie jeder andere auf der Insel. Ob es dir jetzt gefällt oder nicht, DU bist die PRÄSIDENTIN! Nimm es an und führe die Rebellion. Und du Soleab, du übernimmst den militärischen Teil. Ihr beide bildet eine Doppelspitze.“ Alle sahen sich an und schwiegen.

Carolines Vorschlag hatte etwas. Nein, er war genial und ich hatte das Gefühl, bei der Entstehung etwas wunderbarem dabei zu sein. „Caroline, du glaubst wirklich, dass das klappt?“ wollte ich wissen.

„Ja das glaube ich, da wird es ganz bestimmt.“

Ich ergriff Carolines Hand und sie drückte sie.

Penelope liefen die Tränen über das Gesicht, als sich Heylah und Soleab ansahen. Alle ihre Lieben waren jetzt auf Gedeih und Verderb, dem Ausgang der Rebellion ausgeliefert.

„Für Soulebda.“ Soleab reichte Heylah die Hand.

„Für unser Volk.“ Antwortete sie und die beiden umarmten sich.

Wir alle wussten, dass gerade etwas Neues, etwas Tolles, begonnen hatte.

**

Deutschland, In einer Zelle

Schubert lag still und regungslos in seinem Bett und lauschte angestrengt in die Dunkelheit.

Seine Instinkte hatten Alarm geschlagen und ihn geweckt. Er lag ganz still auf seinem Bett und lauschte mit geschlossenen Augen in die Stille.

Nichts! Dennoch, jemand war hier in seiner Zelle, da war sich Schubert absolut sicher. Seien Nackenhaare logen nicht. Zu oft hatte ihm dieser Instinkt das Leben gerettet. Wie im Schlaf, drehte er sich um und schob seine Hand unter das Kopfkissen, wo er fest das Besteckmesser umfasste.

„Das Mitbringen von Messern in die Zellen, ist ein schweres Vergehen, gegen die Haftordnung.“ Sagte eine tiefe, raue Stimme in der Dunkelheit.

Geblendet schloss Schubert die Augen, als das Lichteingeschaltet wurde, blinzelte und sah genau in den Lauf einer Pistole.

Decker zog ihm das Kissen unter dem Kopf weg und nahm ihm das Messer aus der Hand, dann sicherte er die Waffe und steckte sie in das Holster zurück. Kopfschüttelnd warf Decker das Messer auf den Tisch und stellte sich mit verschränkten Armen ans Fenster, nur einen Schritt vom Messer entfernt.

Schubert setzte sich auf und sah das drei Männer in seiner Zelle standen. Den Mann, der ihm das Messer entnommen hatte kannte Schubert, er hieß Decker und war der Leiter der Sicherheitsabteilung.

Außer Decker standen zwei standen zwei weitere Männer da und sahen zu ihm hin. Der eine, da war sich Schubert sicher, war Frank Brauer, der Leiter des Gefängnisses war und ein Dritter, den Schubert nicht kannte. Alle drei starrten ihn an, ohne etwas zu sagen, was Schubert ziemlich nervös machte.

„Habt ihr so wenig Personal, dass der Chef die Zellen selbst kontrollieren muss?“ fragte Schubert schließlich.

„Wie sie sehen, “ Frank zeigte auf das Messer, „man findet immer etwas.“

„Was soll das?“ wollte Schubert wissen. Er hatte auf seine Armbanduhr geblickt und festgestellt, dass es ein Uhr Nachts war. Kaum, die Zeit, für eine Zellenkontrolle.

„Wissen sie, wir drei haben ein besonderes Hobby.“ Antwortete der Leiter der Haftanstalt. „Immer wenn wir nicht schlafen können, schauen wir uns interessante Akten von Insassen an. Ihre ist besonders interessant.“ Er warf Schuberts Akte auf den Tisch, setzte sich auf einen Stuhl und blätterte die Akte durch, ohne dem Messer daneben Aufmerksamkeit zu schenken.

„Sie waren Pilot bei den Streitkräften, mehrere Auslandseinsätze… Da ist einiges geschwärzt, also gehe ich also davon aus, dass es Sondereinsätze gewesen sind. Dann hatten sie ein kleines… sagen wir mal… Transportproblem. Sie haben Opium in ihrem Flugzeug geschmuggelt.“

Schubert schwieg, was hätte er auch sagen sollen.

„Was nicht in der Akte steht“, fuhr Frank fort, „das Opium haben sie für eine Klinik in Frontnähe des Krisengebietes geschmuggelt, das keines mehr hatte.“

„So etwas steht nie in Akten.“

Frank zog stirnrunzelnd die Schultern hoch und fuhr fort. „Dann waren sie Rettungsflieger. Den Job haben sie ein paar Jahre gemacht, bis sie einen Helikopter geschrottet haben.“

„Ja, der Heli war hin, aber ich war der Einzige, der sich den Auftrag zugetraute und bei Sturm gestartet war. Und ich hab dem Mann das Leben gerettet!“

„Tja, gedankt wurde es ihnen nicht, sie wurden gefeuert. Als Nächstes waren sie als Buschflieger im Outback unterwegs.“

„Ja, ich hatte die Schnauze voll von diesen Paragraphenreitern.“

„Hier steht, die Australier haben ihnen einen Orden gegeben, weil sie mitten im brennenden Busch gelandet sind und eine ganze Familie gerettet haben, samt einem Hund und zwei Katzen. Ihr Arbeitgeber sah das anders und hat sie rausgeworfen, weil sie die Maschine gegen seinen Willen dazu benutzt haben.“

„Wenigstens der Hund war dankbar.“ Sagte Schubert bitter.

„Tja dann wieder hier, als Pilot eines Schwertransporthubschraubers. Dabei hatten sie wieder ein kleines Transportproblem.“

„Diese linke Ratte von Silberstein hat mich hereingelegt! Ich wusste nichts von den Drogen im Hubschrauber. Er hatte das eingefädelt. Er hatte einen Tipp von der Razzia bekommen, die Drogen in den Heli gepackt, dann hat er was von Durchfall erzählt und ich bin allein gestartet.“

„Und sie haben die Maschine keine Sekunde aus den Augen gelassen oder? Nein ich erinnere mich, sie haben ganz nach Vorschrift das Beladen überwacht. So steht es im Protokoll. Schade, dass der Richter das nicht geglaubt hat. Zumal es ja das zweite Mal war, das es dieses Transportproblem gegeben hatte.“

„Ach Scheiße!“ fluchte Schubert.

„Ja, Scheiße, jetzt sitzen sie hier, wie lange… 27 Jahre. Sie sind jetzt 42Jahre, das heißt, wenn sie rauskommen, sind sie 69! Eine verdammt lange Zeit. Dabei halte ich sie für einen anständigen Kerl, der in seinem Leben immer etwas Gutes tun wollte und dabei auf die Schnauze gefallen ist.“

Schubert starrte Frank böse an. „Sie Mistkerl!“ fluchte er leise. Dann klingelte es in Schuberts Gehirn. „Was wollen sie?“

Die drei Männer schauten sich gegenseitig an und nachdem auch der dritte der Männer genickt hatte, grinsten alle drei ganz breit.

„Willkommen im Team!“ sagte Frank und hielt Schubert die Hand entgegen.

**

Im Halbdunkel sah man rote Lichter, einige gelbe waren auch dabei, ab und an ein grünes Licht. Dazu einige leise summende Maschinen. In dem Halbdunkel hörte man leise ruhige Kommandos.
Ein Mann am Periskop sagte leise „Keine Objekte gesichtet in 30 km, Rundum alles frei, keine Kontakte, Radar meldet alles frei,“ dann klappte er die Griffe ein und das Teleskop fuhr nach unten weg und verschwand im Boden. Vor dem Mann stand ein Offizier mit Kapitänsabzeichen, er gab nur ein leises Kommando.

„Auftauchen!“ Befahl Kapitän Tamar.

Aus dem dunklen Grau der See schälte sich ein rabenschwarzes U-Boot, die Wellen prallten von der Hülle ab und höher und höher tauchte das E-Boot aus dem schwarzen Nass auf.

Aus den Luken krochen gut ein Dutzend Soldaten und sammelten Material, zwei starke Zodiac Schlauchboote wurden zu Wasser gelassen, ein drittes folgte und schließlich noch ein viertes. Die Männer verluden ihre Ausrüstung und stiegen um. Schon starteten die Motoren und trieben die kleine unscheinbare Flotte in Richtung Küste. Der Kommandoführer schaute sich um. Dort wo eben noch ein U-Boot Turm war, trieben nur noch einige Blasen auf dem Wasser. Von dem U-Boot war nichts mehr zu sehen. Das ganze hatte nicht einmal 20 Minuten gedauert.

Von leisen Motoren angetrieben fuhr der kleine Verband durch die Nacht und legte an der nördlichen Küste von Soulebda an. Die Männer waren so schnell vom Strand verschwunden, wie sie gekommen waren.

In einer versteckt liegenden Höhle fanden sie eine natürliche Bleibe. Da drinnen versteckten sie ihre Ausrüstung und die Schlauchboote.
Sicherungen wurden eingerichtet und der Bereich gesperrt und überall mit Sensoren gespickt.

Ein schwarzgekleideter Mann huschte gewandt wie ein Affchen die Felsenwand hoch und zog ganz oben angekommen ein Seil nach. Daraus packte der Mann eine Satelliten Antenne und befestigte sie, gut vor neugierigen Blicken geschützt, in einer Felsnische. Zwei kleinere Kästen wurden noch versteckt und alles mit dunklen Kabeln angeschlossen.

Noch ehe der Morgen graute, war der Mann vom Gipfel verschwunden, dafür war oben auf dem kleinen Gipfel eine moderne Funkanlage installiert mit diversen Antennen und einer Hochleistungs-Parabolantenne.

Zwei andere Männer hatten am Ufer einen runden länglichen Metallbehälter im Meer versenkt und ein langes Kabel führten sie nach oben, in die Höhle. Rasch wurde ein Verteiler angeschlossen und schon leuchteten die ersten Lichter auf.

In der Höhle wurde sich still und leise eingerichtet und alles für ein Übergangsquartier klar gemacht. Die Bodenbretter der Boote wurden als Tische und Bänke umfunktioniert und auf einem der Tisch schnurrte bereits ein Notebook. Mehrere Codes wurden eingegeben und die Verbindung stand. Ein Logo erschien in Form eines siebenflammigen Lüsters und von einem Text in Kreisform umgeben. Da verschwand das Logo bereits und ein Gesicht tauchte auf.

Jetzt gab Major Meresch, der Leiter der kleinen Einsatzgruppe seinen Statusbericht ab und bekam neue Order. Danach beendete Meresch die Verbindung.

„Leute, wir haben unsere Befehle, wir gehen zum Fernsehen und werden die Stimme dieser Insel!“

Danach grinste er seinen Vertreter an. „Das ist genau wie damals in Daressalam.“ Sein Gegenüber nickte ruhig.

„Samuel du baust mit Shimon die Sendeanlage auf, ihr beiden sorgt für die Energieversorgung, die Solaranlage sollte hier genug Energie liefern. Und du Menachem, wir beide nehmen Kontakt zu den Rebellen auf. Achtet auf die Absicherung und denkt daran. Nördlich von uns sind die Fremdenlegionäre. Lasst sie in Ruhe spielen und murkst sie nicht wieder ab.“

Die Männer machten sich für die Nachtruhe einsatzbereit, kontrollierten ihre Waffen noch einmal und nach einem Abendessen erloschen die Lichter. Nur die Wachen hatte ihre Augen und Ohren überall. Aus der Ferne drang lediglich das leise Rauschen der Wellen.

**

„Soleab & Heylah oder doch besser Heylah & Soleab was klingt besser, was spricht die Leute an und was erreicht am meisten?“ „Ganz klar Heylah & Soleab die ehemalige Präsidentin kennt man sogar im Ausland und dort soll man uns doch hören oder?“ „Ja, aber er ist der Mann!“, und wir lachten Jerome an.
„Jerome, in der heutigen Welt hat der Mann nicht überall die Hosen an, glaub mir das,“ lachte Peter ihn an und die Mädels fielen in das Lachen ein. Wieder drang dieses leise Meeep Meeep Meeep aus der Tasche, Peter nahm das Gespräch an, schaute kurz auf das Display und kam auf mich zu. „Für dich …“

**

Nach dem Gespräch leuchteten meine Augen und ich setzte mich zu den Leuten an das wärmende Feuer. Mit einem Leuchten im Gesicht nahm ich Heylahs Hand und die von Penelope.

„Unser größtes Problem ist doch, dass man uns im Ausland nicht hört, ja nicht einmal auf Soulebda kann man uns überall hören. Und so wollen wir die neue Opposition aufbauen?“

Heylah verstand sofort, worauf es ankam „Wir brauchen einen richtig guten Sender, einen den man nicht einfach abschalten kann, wir müssen im Internet präsent werden und wir brauchen Bandbreite …“ Jetzt sah mich Penelope erneut an und ihre Augen begannen zu leuchten. Sie kannte mich immer noch sehr gut.

„Schatz, was hast du für uns?“

Wie immer kam als direkt zum Punkt. Die anderen schauten mich erwartungsvoll an.

„Unsere Freunde haben uns Hilfe geschickt, Morgen oder spätestens übermorgen, haben wir eine Stimme in der Welt, die man hören kann und hören wird. Und das Beste ist, diese Stimme kann man nicht so einfach abschalten!“

Selten hatte ich so viele erwartungsvoll leuchtende Augen gesehen, wie in diesem Moment. Heylah sah mich dankend an, sie nickte nur leicht. Aber ich wusste ihren Dank anzunehmen.

„Hat Onkelchen etwa den Expressdienst kommen lassen?“ Wollte Peter wissen und Jerome und Soleab sahen sich gegenseitig fragend an.

„Ihr müsst wissen, mein Onkelchen hat eine Art Lieferservice für spezielle Anlässe engagiert und die Jungs liefern stets schnell und pünktlich. Gerade meldet mein Onkelchen, dass die Lieferanten bereits hier sind und sich mit uns in Verbindung setzen werden.“

**

Inzwischen im Palast.

Präsident Sheramoh ai Youhaahb tobte durch seine Gemächer, brüllte jeden an und wer sich nicht schnell genug vor ihm versteckte, der lang mit einer Kugel im Kopf blutend am Boden.

Der Mann war total ausgerastet und außer Kontrolle. Da sich keiner an ihn herantraute, um ihn zu beruhigen, wurde es stündlich schlimmer. Nur seine engsten Berater waren um ihn herum, aber auch sie hatten immer eine Deckung oder einen Fluchtweg im Kopf.

Es war ein wahres Schlachten im Palast. Irgendwann wurden die Unfähigen weniger oder die Ideen besser, jedenfalls hörte der Präsident irgendwann seinen Beratern wieder zu und schoss sie nicht gleich zusammen.

Schließlich hatte der Präsident genug von den Phrasen seiner Berater.

„Wo zum Teufel haben sich diese verfluchten Engländer versteckt, die hatten mir Verstärkung, und sogar Luftunterstützung versprochen und keiner von denen war da. Ich lasse die von meiner Insel treiben! Wo ist General Balschira?“

„Der liegt noch auf der Treppe vor Euren Gemächern Herr Präsident.“ antwortete einer der Diener. „Ich lasse nach seinem Vertreter und Ersatz schicken…“

Der aktuelle Befehlshaber wurde gerufen und der Befehl des Präsidenten an ihn war kurz und knapp.

„Treiben Sie die Engländer von meiner Insel und schafft mit diesen Mc. Allister her. Egal wie – lebendig oder in Streifen geschnitten – ich will den hier haben – Sofort!!“

Der Vertreter des Generals verabschiedete sich schnell vom Präsidenten und sah General Voight’l Malubh und den Geheimdienstchef an. Sie berieten sich kurz und es war ihnen sofort klar, dass sie die Engländer nicht einfach von der Insel ins Meer jagen konnten. Aber Mc. Allister herbringen, das war wohl möglich.

Vielleicht konnte er den Präsidenten zur Einsicht bringen.

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Heylah & Soleab, so nannten wir fortan unsere neue Führungsgruppe, saßen zusammen beim Frühstück, als das Satellitentelefon wieder ging und uns die Israelis angekündigt wurden. Major Meresch und sein Stellvertreter wurden freudig empfangen und eingewiesen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit langer intensiver Unterhaltung wussten die Israelis wo sich welche Truppenverbände befanden, wer wo ein Problem darstellte und sie erhielten auch die nötige Unterstützung was ein leistungsstarkes Fischerboot anging. Über Funk bestellte Meresch zwei seiner Spezialisten zur Anlegerstelle und sie bauten das Fischerboot zu einer maritimen Sendeanlage um. Oben auf dem Mast prangte alsbald ein kreiselstabilisiertes Kamerasystem das sich manch ein Filmstudio gewünscht hätte. Der erste Anlaufpunkt sollte die Britische Besatzung im Westen sein. Die beiden Spezialisten wurden von vier Einheimischen verstärkt und alsbald stachen sie in See.

**
Auf dem Britischen Stützpunkt ging es drunter und drüber. Die beschädigten Maschinen wurden, so gut es ging, repariert aber der große Chinook Hubschrauber sah traurig aus. Überall tropfte etwas heraus, an den Triebwerken hingen die Techniker und taten, was sie konnten. „Schadensmeldung Captain“ murrte Mc. Allister und der Offizier zählte auf, was sie alles verloren hatten.

„45 Mann aus den beiden abgeschossenen Chinook, dazu die 24 Mannschaften der beiden Sikorski. Zwei Chinook sind verloren und die beiden Kampfhubschrauber auch, der Lynx hat einen beträchtlichen Schaden und diese Chinook wird gerade geprüft, es sieht aber schlecht aus. Wir haben einen Treffer im Zentralgetriebe und die Hydraulikpumpe hat nen Schaden.“

Mc. Allister war außer sich. Es war beschämend, diese Inselaffen, für mehr hielt er die Bewohner nicht, hatten ausgewachsene Kampfhubschrauber zerlegt, Transporthubschrauber abgeschossen und seine Verluste waren viel zu hoch.

Damit hatte keiner gerechnet. Am meisten ärgerte den alten Soldaten, dass sie von uralten Propeller Flugzeugen so eine massive Abreibung eingefangen hatten.

„Was ist mit der Spezialeinheit?“

„Sind im Ziel runtergegangen, die meisten haben wohl überlebt, wir erwarten die Meldungen in den nächsten Minuten“ „Hat sich London gemeldet wegen des Nachschubs?“ „Ja aber nach dem Desaster wollen sie keine neuen Maschinen schicken und wir haben keine anderen in der Nähe.

Guam ist angewiesen nichts zu senden und von Australien wird nichts kommen. Momentan sind wir auf uns allein gestellt Sir.“

„Das werden mir diese Bastarde büßen!“ fluchte Mc. Allister.

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Inzwischen hatte der israelische Vorposten begonnen, das Fischerboot aufzurüsten. Auf den zentralen Mast kam eine kreiselstabilisierte Kamera mit automatischen Wechselobjektiven. Das Teil war gerade einmal so groß wie ein Fußball.

Diverse Funk- und Richtantennen machten aus dem Fischerboot eine schwimmende Sendestation. Zwei kleine Generatoren wurden installiert und einiges mehr. Da die beiden Laderäume leer waren, war das zusätzliche Gewicht kein Problem. Am anderen Tag tuckerte das aufgerüstete Fischerboot nach Süden auf die von den Engländern besetzte Insel zu.

„Da vor uns tut sich was, Sir, da kommen Boote auf die Insel zu.“

„Die sind zu weit weg, schalten Sie auf die Telekamera.“
„Auf den Bildschirmen im Unterdeck flackerten die Bilder auf und scharfe Konturen zeichneten sich aus dem Wasser.

Landungsboote und diverses andere Militärgefährt schien sich der Insel der Engländer zu nähern. Am Bug des großen Landungsbootes standen Soldaten und man konnte einen hochrangigen Offizier erkennen.

„Das ist einer der Generäle aus Soulebda, die wollen die Briten auf der Insel angreifen.“

„Alle Aufzeichnungsgeräte einschalten, das müssen wir dokumentieren, die Briten werden vermutlich schießen …“

Nahe dem britischen Stützpunkt wurden sie Israelis Zeuge des Zusammentreffens der regulären Armee mit den Briten. Zu diesem Zeitpunkt fuhren bereits Fischerboote auf diesem Teil des Meeres und kamen den beiden Armeeteilen in die Queere.

Vier Motorschiffe der Marine, darunter eine kleine Korvette und eine Art Landungsboot voller Soldaten wollten auf der Insel landen, aber die Briten verwehrten ihnen den Zugang.

Als der General die britischen Besatzungen an Bord einer Korvette die Briten aufforderte sich zu ergeben, erhoben diese tatsächlich die Waffen und begannen auf den General mit seinen Truppen zu feuern.

Die regulären Truppen erwiderten das Feuer und da sie auch gut ausgerüstet waren, entbrannte ein heftiges Feuergefecht. Der General suchte Schutz im inneren der Korvette und ließ auf die Angreifer schießen.

Die Briten aber mähten nun mit ihren schweren Maschinengewehren alles nieder, was ihnen vor die Flinte kam, dabei nahmen sie keine Rücksicht auf Fischerboote oder die Boote der Armee. Sie schossen gnadenlos alles zusammen, was in ihrer Reichweite war.

Als sich die Armee geschlagen zurückziehen mussten, hatten die Briten 12 Schiffe mitsamt den Besatzungen versenkt, darunter mehrere Fischerboote mit Zivilisten, Frauen und Kindern.

Die Korvette des Generals war stark beschädigt aber gerade noch seetüchtig.

Zu den zahlreichen Opfern zählen Frauen und Kinder. Und das alles auch noch mit erstklassigem Filmmaterial belegt. Die Israelis drehten um und übertrugen die aufgezeichneten Bilder an die Zentrale, von dort aus liefen die Bilder weiter in das Camp zu Penelope und Heylah & Soleab.

„Britische Überseetruppen beschießen ohne offiziellen Auftrag reguläre Armeeverbände eines unabhängigen Staates und versenken dabei zivile Fischerboote.“ So lautete der Titel der Übertragung.

Wenn das kein Aufmacher für die Presse war:

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Drei Monate vorher auf Hawaii

„Jungs, das ist euer Ernst?!“ hörte Major Meresch eine angenehme Stimme auf Hebräisch und drehte sich um. Er war gerade mit seinem Stellvertreter Menachem aus dem Terminal getreten und sah sich um.

Er und sein Team waren vor 20 Stunden in Tel Aviv in einen Flieger gestiegen, um dann über Florida und Los Angeles schließlich nach Hawaii zu gelangen.

Nun hatte er sein Team im Zweierteams aufgeteilt und wartete. In seiner Einweisung hieß es, dass man das Team am Airport abholen und zum U-Boot bringen würde.

Als er sich umdrehte, stand eine hübsche zierliche Frau in einem luftigen Sommerkleid hinter ihnen. Die Frau hatte eine durchschnittliche Größe, trug dunkelbraune, schulterlange Haare und eine Sonnenbrille, welche den Haar Reif ersetzte. Das Sommerkleid zeigte genug vom Körper um erkennen zu lassen, dass dieser durchtrainiert und fit war.

„Entschuldigung?“ fragte Meresch.

„Hawaiihemden! Ihr habt Soldat auf der Stirn stehen und lauft in Hawaiihemden herum! Noch einfacher konntet ihr es den Amerikanern und jedem anderen, der diesen Flughafen überwacht, nicht machen!“

Meresch uns Menachem musterten sich gegenseitig… Meresch musste zugeben, das Menachem in dem bunten Hemd albern aussah und er selber fühlte sich auch in dem Fummel unwohl, doch man wollte nicht auffallen…

„Magnum konnte so herumlaufen, aber ihr nicht!“ legte die Frau nach und schüttelte den Kopf.

„Wer sind sie?“ wollte Meresch von der Frau wissen.

„Miriam Yael, zweiter Offizier der Hebron. Sie sind Major Meresch und sie im gelben, augenverbrennenden Hemd, sind Hauptmann Menachem. Suchen sie ihre Männer zusammen, Abfahrt in genau zehn Minuten!“ Damit ließ Yaeal die beiden stehen und winkte einen Bus herbei, der vor dem Terminal stehen blieb.

„Hawaiihemden!“ hörte Meresch noch, als er losging um sein Team einzusammeln.

„Hör auf zu lachen!“ warnte er Menachem und drohte mit dem Finger. „Das ist ein Befehl!“

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Zivile Opfer

Als Mc. Allister über das Gefecht am Ufer informiert wurde und man ihm die Verlustzahlen sowie die Zivilopfer offen legte, war er derart ungehalten dass er seine beiden Offiziere die das vermasselt hatten einsperren ließ. Vor dem Käfig brüllte er sie nochmals zusammen.

„Was fällt Ihnen ein, sich mit den regulären Truppen des Präsidenten ein Gefecht zu liefern? Seid ihr noch bei Trost?
Ihr habt dabei zivile Fischerboote versenkt und offenbar auch Frauen und Kinder getötet. Wenn da jemals etwas an die Öffentlichkeit gerät dann hänge ich Euch eigenhändig auf.“

Fluchend ging er auf den Wachhabenden zu „Die beiden bleiben bis auf weiteres eingesperrt und der Sonnenschutz bleibt weg, vielleicht bringt sie das wieder zum Nachdenken!“ dann stapfte er zu seinem Quartier zurück und murmelte vor sich hin „Diese Penner, ein einziges Bild davon im Internet und ich kann den ganzen Puff hier dichtmachen…“

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Die Bilder des Angriffes waren gestochen scharf und dank der Stabilisierung auf dem Mast sehr aussagekräftig. Man konnte genau die britische Fahnen sehen, und die in Uniform gekleideten Truppen an Land wie sie auf die Soldaten schossen und dabei mit ihren MG Garben auch die Zivilisten zerfetzten.

Der General war gut zu sehen, wie ihn die Kugeln zum ducken zwangen, während sein Adjutant tödlich getroffen wurde.

Heylah & Soleab waren außer sich. Soleab wollte die Aufnahmen am liebsten im Rundfunkprogramm einspielen lassen, Heylah aber erkannte die ganze Tragweite und schaute ihre Tochter an:

„Diese Bilder müssen in Europa gezeigt werden. Hast du noch den Kontakt zu dem jungen Oberst in Brüssel, wie war noch sein Name?“

„Oberst Meylenkampp, ja sicher, und er ist inzwischen General denke ich“ „Die Bilder müssen in die politische Mühle laufen und dort die Räder antreiben, hier erreichen wir damit gar nichts, das muss in England krachen, genauer mitten in London, im Palast der Queen, mein Kind“ „Oh ja Mama und ich weiß genau, was ich Meylenkampp sagen muss …“

Damit war Penelope mit den Nachrichtenoffizieren im Videozelt verschwunden. Peter schaute Heylah an, sie lächelte wissend und meinte: „Sie weiß genau, was sie wem und wie sagen muss, damit das wie eine Bombe einschlägt.“

Dann ging sie mit uns beiden in ihr Zelt. Ich schaute Peter an, „Ich wette mit dir, dass Elsbeth von der Themse binnen 24 Stunden hier bei den Briten aufräumen lässt, und es würde mich nicht wundern, wenn da ein paar Köpfe rollen würden.“

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In Cheltenham beim GCHQ, dem britischen Geheimdienst für Nachrichtenbeschaffung, ratterten die Fernschreiber, und die Drucker spucken die geheimsten Nachrichten aus, die gerade weltweit abgefangen wurden, als ein junger Analytiker und Unter-Abteilungsleiter früh morgens mit einem Tablet aus dem Aufklärungsraum VII rannte, direkt zu seinem Chef in dessen Büro hinein.

Aufgeregt fuchtelte der junge Analytiker mit den Händen herum und erzählte seinem Chef, was sich da gerade in der Südsee zugetragen hatte und dass es dabei um Seltene Erden ging.

Der Chef der Abteilung VII schaute gelangweilt über die Times, fauchte den Unter-Abteilungsleiter an, weshalb er sich mit solch einem seltenen Dreck beschäftigen sollte. Doch der junge Analytiker ließ nicht nach und klärte seinen Chef auf. Als auch noch der Bericht über den Angriff britischer Truppen auf eine souveräne Armee folgte, da wurde auch der Abteilungsleiter schlagartig hellwach.

Er ließ sich die Zahlen, Daten und Fakten zeigen und griff zum roten Telefon in der Mitte seines massiven Schreibtisches. Binnen Minuten trommelte er ein Team zusammen, und mit dem Unter-Abteilungsleiter im Schlepptau hastet er in einen anderen Konferenzraum.

Nach und nach trafen weitere wichtige Frauen und Männer anderer Abteilungen ein, dann waren endlich alle beisammen.

Die Türen und Jalousien schlossen sich, und die Berichterstattung über das britische Massaker auf Soulebda begann …

Eine halbe Stunde später öffneten sich die Türen, kleine Gruppen aufgewühlter Menschen rasten aus dem Raum und verliefen sich in der riesigen Anlage.

Ein älterer Mann in edlem Zwirn und mit sorgsam gepflegtem Schnurrbart, gefolgt von einigen anderen Edelstoffträgern in Offizieruniformen, tobte fluchend durch den Flur.

„Wenn man einmal diesen Mc. Allister alleine lässt, beginnt er doch sogleich einen Krieg. Wenn seine Majestät das erfährt, dann ist hier aber etwas los.

Wo bleibt mein Tee und wo in aller Welt liegt eigentlich dieses Soulabesi?“

Einer der Edelstoffträger korrigiert den edlen Herrn „Soulebda, Sir.“ Schon waren sie um eine Ecke und verschwanden in einem anderen Konferenzraum.

„Wie hoch ist die Verlässlichkeit Watkins?“ „Die Verlässlichkeit ist hoch, Sir, ich wiederhole, sie ist hoch!“
„Wo stammen diese Daten her?“ „Direkt vom PC bei einem belgischen General aus Brüssel, die sind brandaktuell eben erst hereingekommen.“ „Was hat der General vor?“ „Er steht dem internationalen Pressecorps vor, Sir…“
„Können wir noch mit ihm reden Colonel?“ „Vermutlich, unsere Leute vor Ort sind schon dran“
„Schocking, die sollen zumachen, ich muss um Fünfzehnhundert Uhr zur Queen und zum Premier.“
„Ja Sir, sofort Sir,“ und der Colonel verschwand mit seinem Handy um die Ecke.
„Schafft mir umgehend einen Draht zu diesem General aber ASAP!“ Der Nachrichtengeneral blieb kurz stehen und las eine Nachricht seines Adjutanten. „Oh das ist gut, die erste gute Nachricht bisher.“, sagte er zu ihm.

Sein Adjutant, ein Oberstleutnant nickt ihm zu. „Der General hat sich von sich aus schon gemeldet, er wartet auf einen Minister oder auf Sie, Sir.“ Wieder gehen die beiden in einen der unzähligen Räume. Eine Vorzimmerdame erhebt sich und nickte dem Mann mit dem edlen Schnurrbart freundlich zu.

„Elayah, meine Teure, sagen Sie bitte heute Vormittag alle meine Termine ab, ja und mein Jet soll in 20 Minuten bereit stehen, ich muss auf den Kontinent und ich brauche jetzt meinen Tee, ja meine Teuerste?“

„Sehr wohl, Sir, Ihr Tee steht bereits auf Ihrem Schreibtisch.“
„Elayah, meine Teuerste, was würde ich nur ohne Sie machen.“ Damit schloss der Mann die schwere Tür hinter sich.

Elayah aber schaute auf die verschlossene Tür und dachte sich nur „Du würdest elendig untergehen und alles vermasseln.“

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Präsidentenpalast Soulebda

Im Palast tobte Präsident Sheramoh ai Youhaahb wieder einmal und seine Schergen schleppten seinen ehemaligen Oberst vom Geheimdienst aus dem Saal, der Oberst war jetzt etwas leichter, denn sein Kopf steckte bereits auf einer Lanze.
„Wenn ihr das mit ein paar Hundert Mann nicht schafft, dann schafft die ganze verfluchte Armee auf diese Insel und jagt diese Britischen Hundesöhne endlich ins Meer zurück, wo sie hingehören.
Ich dulde kein weiteres Versagen, wenn diese Insel nicht bis Morgen geräumt ist lasse ich den ganzen verfluchten Generalstab austauschen. Die können dann mit ihrem Kampfmessern die Insel umgraben. Und jetzt soll Voight’l Malubh herkommen ich will Blut sehen.“ Zwei Leibgardisten flüchten hinter eine der hohen Türen „Heute ist er aber ausgesprochen böse, so hab ich den ja noch nicht erlebt…“

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Supreme Headquarters Allied Powers Europe
(Oberstes Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte in Europa)

Im SHAPE liefen gerade die Videobilder in HD Auflösung.. Maschinengewehrsalven zersiebten einige Fischerboote, eine Frau fiel mit zerschossenem Kopf ins Meer, einige Kinder wurden von den MG Garben zerfetzt und über Bord gefegt.
Dazwischen flattert der Union Jack, die eindeutige Beflaggung der angreifenden Truppen auf einer Insel, die sich mit einer anderen Armee ganz offen bekriegte. Eine Marinekorvette von Soulebda wurde beschossen und durchlöchert. Überall sah man Blut, Tod und immer wieder die beiden Landesflaggen. Die Flagge von Soulebda und die Flagge ihrer Majestät. Dazwischen tote Frauen und Kinder im Wasser treiben. Aus einigen Wachtürme schossen britische Soldaten mit verzerrten Gesichtern Dauerfeuer auf die angreifende Armee aus Soulebda.

„Genug jetzt!“

Der Film endet abrupt, Lampen flammten auf, Rollos fuhren nach oben. Ein belgischer General erhob sich und ging langsam auf eine kleine Abordnung aus zwei Zivilisten und einem Mann in englischer Uniform zu.
„Das waren britische Überseetruppen, die gestern auf einem unabhängigen Staat das dortige Militär angegriffen haben. Offenbar wurden dabei auch unschuldige Zivilisten mit Kindern von den Briten regelrecht abgeschlachtet …
Wir haben die Bilder überprüft, sie sind definitiv echt!“

Der Belgier ließ seine Worte kurz in dem Saal verhallen. Dann fuhr er mit einer deutlich leiseren aber sehr klaren Stimme fort:

„Sie haben 24 Stunden Ihre Truppen von dieser souveränen Insel zu entfernen, und zwar restlos mit Mann und Maus mit Stiefel und Teebeutel.

Wenn ich bis dahin keine Bestätigung bekomme, zeige ich diesen Film dem internationalen Pressecorps bei meinem Briefing. Das wird dann auch im Buckingham Palast gesehen werden. Habe ich mich da klar und unmissverständlich ausgedrückt?“

Der Zivilist im edlen Zwirn erhob sich und erklärte: „Sehr klar und sehr deutlich, ich denke, das Thema Soulebda ist vor den 24 Stunden endgültig vom Tisch. Ja, das garantiere ich Ihnen sogar Herr General und nochmals danke für den kurzfristigen Empfang und die großzügige Frist …“

**

Zwei Stunden später

Mc. Allister hielt noch die Mail mit den Befehlen in der einen Hand und die rauchende Waffe in der anderen.
„Danke für diese Nachricht,“ sagte er zu dem am Boden liegenden, leicht zuckenden Mann, dem der halbe Kopf fehlte. „Verdammter Mist jetzt haben wir den Salat!“
Mc. Allister stand auf und öffnete die Tür zum Flur und schrie. „H O O O O B K I I N S S S“

Ein Offizier spurtete herein, stand stramm „Ja Sir?“ „Hobkins, lassen Sie alle antreten, Alle und jeden auch die Gefangenen und die Verletzten, eben ALLE.“

Minuten später war der gesamte Stützpunkt angetreten.

Mc. Allister startete seine Rede. „Wir räumen diese Insel. Alle verlassen die Insel, schiffen sich ein, es geht heim Leute. Der nächste Halt ist die Insel Nauru, von dort aus fliegen wir weiter.

Das wird eine notfallmäßige Räumung, was nicht mit kann, wird vernichtet oder bleibt hier. Diese Insel muss in genau 9 Stunden geräumt sein!“
Jetzt wurden die weiteren Befehle verteilt und es wurde hektisch. Mit seinem Stab traf sich Mc. Allister in seinem Zelt. „Sie und Sie, leiten den Abzug und sorgen dafür dass die Insel wirklich leer ist, und wir anderen, meine Herren, wir setzen über auf die Hauptinsel. So schnell lass ich mir nicht ans Bein pinkeln. Weder von ein paar Inselaffen, noch von einem Wichtigtuer von einem Pommes-General!“

Und dann besprachen sie die weitere Planung. Währenddessen war draußen die Hektik ausgebrochen. Alles Mögliche wurde verstaut, auf Paletten gepackt oder in Materialgruppen zusammengestellt. Am Kai legten die ersten Frachter an, die bereits hierher unterwegs waren oder umgeleitet wurden.

In den ehemaligen britischen Ameisenhaufen war Bewegung gekommen. Nach achteinhalb Stunden war die Insel geräumt und die beiden letzten Frachter legen ab. Als die Männer sich auf Deck der Schiffe einen Platz gesichert hatten, sahen sie, wie auf dem ehemaligen Rollfeld die Sprengladungen hochgingen. Alles was da bleiben musste, explodierte nach und nach. Es sollte nichts brauchbares zurückbleiben …

Offenbar waren aber einige Sprengladungen nicht hochgegangen, die Gebäude und Treibstofflager sowie das Material Hauptlager sowie einige Türme und Radaranlagen bleiben stehen, aber dafür war es jetzt auch zu spät.
Sollte sich doch die Natur diese verdammte Insel zurückholen. In der entgegengesetzten Richtung, nordwestlich der Hauptstadt, zwischen den beiden Vulkanen landen vier Zodiac Boote und ein paar Dutzend Vermummte gingen an Land und verschwanden im Dschungel.

**

Im All richtete Keyhole 46 seine Linsen und Sensoren auf die malerische Südsee, beim Überflug von Soulebda wurde bestätigt, dass die Nachbarinsel Ka’Ihlih geräumt und menschenleer war. Die Infrarotscanner registrieren keine Lebewesen größer als einen Hund. Die Insel war geräumt. Rauchschwaden und diverse Krater belegten, dass da vorher noch Material vernichtet wurde.
Genau diese Daten sendete der Satellit an die Kontrollstationen und von da aus wurden die Daten verteilt.

„Räumung abgeschlossen“ stand dann im Abschlussbericht.

**

Ra’hilf stand auf einer Anhöhe und mit seinen beiden Brüdern beobachtete er die Hauptstraße nach Soulebda. Seine Aufgabe war einfach aber wichtig. Sobald sich größere Truppen der Hauptstadt näherten, sollte er Alarm schlagen. Und sobald sich größere Truppen aus der Stadt näherten auch.

Egal wie und egal was, sobald sich über diese Straße Truppen bewegten, sollte er es an das Camp von Penelope melden. Ja seine Brüder und er machten ihren Job gut, sie würden die Hauptstraße nicht aus den Augen lassen.

Leider übersahen sie aber die hinter ihnen liegende Küste. Von dort aus näherte sich Mc. Allister mit seinem Trupp. Sie schlichen direkt auf die drei Wächter zu und überwältigten sie schnell.

Mit durchgeschnittenen Hälsen lagen die drei Brüder in einem einfachen Graben und die Angreifer bedeckten die Leichen. Keiner würde sie finden oder nach ihnen suchen, sie waren einfach verschwunden und würden es auch bleiben.

Die junge Allianz hatte ihre ersten Opfer gefunden.

**

Die Pressekonferenz beim Pressecorps in Brüssel sollte in 10 Minuten beginnen. Heute waren die Tagesordnungspunkte die Seuche in Bangladesch, das Schiffsunglück vor Malta und weitere einfache Dinge.
Der belgische General sprach noch mit London. „Können Sie bestätigen, dass die Insel komplett geräumt wurde?“ „Ja, die Insel wurde komplett geräumt.“ „Können Sie auch bestätigen, dass die Truppen alle abgezogen wurden?“

„Ja wir können bestätigen, dass keine Truppen mehr auf Ka’Ihlih sind“ „Das war nicht die Frage, die Frage war, ob Sie bestätigen können, dass alle Truppen abgezogen wurden, sich also auf dem Heimweg befinden, können Sie das bestätigen?“ „Ja wir können bestätigen, dass die Truppen auf Schiffen sind und demnächst ausgeflogen werden“

„Sind alle abgezogen und das gilt insbesondere und speziell für den Kommandoführer, namentlich ein gewisser John Mc. Allister – ist dieser Mann mit an Bord oder nicht?“

„Ja wir können bestätigen, dass Mc. Allister die Insel mit einem Boot verlassen hat“

„Zum letzten Mal: Ist Mc Allister von Soulebda abgezogen, ja oder nein?“

Schweigen …

„Sie haben noch genau eine Minute, dann gehe ich zur Pressekonferenz und lege die Beweise vor über das, was sich die Briten da geleistet haben. Letzte Chance: Ist Mc Allister von Soulebda abgezogen ja oder nein?“

„Nun, Herr General, es ist so, wir wissen derzeit nicht genau ob sich Mc. Allister auf einem der größeren Schiffe befindet, oder nicht, aber wir nehmen an dass er…“

„Herr Minister Sie belügen mich, Sie wissen, dass Mc. Allister Soulebda nicht verlassen hat, ist das zutreffend – Ja oder nein?“

„Im Grunde wissen wir derzeit nur dass die Insel geräumt wurde und wir nehmen an dass Mc. Allister an Bord der …“

„Herr Minister, Sie haben mich belogen, Sie haben mich die ganze Zeit belogen. Jetzt hatten Sie die letzte Möglichkeit es zuzugeben, aber Sie haben mich weiterhin belogen.

Jetzt ist es zu spät. Ich gehe jetzt in die Pressekonferenz und lege den internationalen Vertretern die Beweise vor, ich lasse den ganzen Film laufen.
Sie können sich dann ja heute Abend Ihrer Majestät erklären! Guten Tag.“

„Warten Sie… Bitte… Herr General… Bitte warten Sie“

„Sie haben eine Minute“ „Danke…. Wir haben vor fast 20 Stunden unsere SAS losgeschickt, sie sollen Mc. Allister zurückbringen, er ist nicht an Bord der Schiffe, er muss auf Soulebda sein. Die SAS ist seit einer Stunde auf Soulebda gelandet, hat aber noch keine positive Meldung abgegeben, also haben sie ihn noch nicht gefunden … Herr General, die Zeit.“

„Sie haben eine weitere Minute.“

„Danke, die SAS wird Mc. Allister suchen und finden. Ihr Auftrag lautet, ihn auf jeden Fall zurückzubringen. Tod oder lebendig.“

„Herr Minister, ich verstehe ihr Dilemma, aber nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass wir auch wissen, dass Mc. Allister ein ehemaliger SAS Mann ist, und dass viele seiner Leute aus diesen Reihen kommen. Glauben Sie wirklich, dass die ihn einfach so festnehmen werden und nach London bringen werden?“

„Das kann ich Ihnen versichern, Herr General. Unser SAS Team Omega ist vor Ort und wird Mc. Allister zur Strecke bringen. Das versichere ich Ihnen, bei allem, was mir heilig ist!“

„Herr Minister, wenn ich binnen einer Stunde keine Antwort von Ihnen und Ihrer Spezialeinheit habe, dann ist Ihre Frist endgültig abgelaufen, ich habe bereits alles in die Wege geleitet und die Mails mit den Videos sind bereit. Denken Sie daran, eine Stunde.

Das ist die allerletzte Möglichkeit für Sie. Eine einzige Stunde oder Sie sind morgen ein Fernsehstar!“

Damit verließ der General den Raum.

Mit hochrotem Kopf stand der britische Offizier auf. „Leute – wehe das geht schief – dann können wir die nächsten 40 Jahre auf Grönland Eis schaufeln“

**

Vor einer Stunde über Soulebda

Eine Herkules Transportmaschine mit ziviler Kennung flog in 18.000 Fuß Höhe über der Insel. An Bord wurden die letzten Tests gemacht, die Ausrüstung geprüft und die Waffen gecheckt. Dann das Kommando auf das alle warteten. „Noch eine Minute!“ Die fünfzehn Mann des Teams bestätigen alle mit Daumen hoch „noch eine Minute“ und standen sie auf, hakten ihre Fangleinen ein und nahmen Aufstellung.

„Sie haben Ihre Anweisungen Major Murdock, bringen Sie den Bastard Mc. Allister heim. Gefesselt, oder in Stücken!“ „Aye, Sir“ und dann rufen alle gleichzeitig „Wer wagt gewinnt!“ Ein Licht flammte auf, eine Sirene ertönte und die Spezialeinheit sprang zusammen aus der Maschine, hinaus in die Dunkelheit.

Sie verschwanden in der Nacht. In 2000 Metern öffneten sich ihre Gleitschirme und das Team kreiste ein, orientierte sich kurz und flog einen küstennahen Platz an. Dort landen sie, entledigten sich ihrer Gleitschirme.

„Ausrüstungskontrolle“ ordnete der Major an. Der Funker und Präzisionsschütze lächelte seinen Kollegen an „Endlich wieder ein richtiger Einsatz.“ Der Sanitäter zu seiner linken klatschte ihm in die Hand.
„Ja endlich wieder ein Einsatz, wir …“ Weiter kommen beide nicht, da wurde ihnen von hinten die Kehle durchgeschnitten. Gurgelnd und sterbend sackten die beiden Soldaten zu Boden.

„Major, alles bereinigt, alles klar, wir sind unter uns …“

Der Major nickte, stellte das Funkgerät ein und rief in das Funkgerät „Tango Zebra gelandet, Tango Zebra gelandet, Pappa Bär melden, Tango Zebra gelandet …. kommen.“

„Tango Zebra, willkommen – hier Pappa Bär, tut gut euch zu hören Jungs, kommen.“
„Roger – out.“

Das SAS Kommando war gelandet.

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Weit nördlich des Julam’da Airfields, nahe des Berges und der Flußteilung hatten sich zwei Lkw und fast zwanzig Mann der Opposition versammelt und warten auf die Verstärkung. Da sprangen Mc. Allister und seine Truppen aus den Büschen und eröffnen das Feuer.
Mehrere Kämpfer der Opposition starben gleich im ersten Kugelhagel, andere retteten sich in den gegenüber liegenden Graben und eröffnen ihrerseits das Feuer auf die Briten.

Ein wahrer Feuerkampf entbrannte, aber er war nur kurz.

Denn da wurden die Kämpfer der Opposition von hinter sich mit starkem Feuer aus automatischen Waffen beschossen und sie gingen zu Boden.

Die letzten Verwundeten wurden brutal erstochen und dann standen sich die beiden Gruppen gegenüber. „Major Murdock, SAS“

„Hallo Major, Mc. Allister“ „Sehr erfreut, Sie wieder zu sehen Colonel Mc. Allister erzählen Sie mir aus der guten alten Heimat“ „Sir, ich habe frischen Tabak und Tee aus der Heimat mit dabei…“

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Peter und ich wurden von Jerome geweckt. „Kommt, es tut sich was, da stimmt etwas nicht“ „Dieser Posten im Norden meldet sich nicht mehr, dieser und diese beiden hier auch nicht und jetzt hat sich das Camp mit den Leuten aus Kampa’Hula auch nicht mehr gemeldet“ berichtete Soleab vorwurfsvoll.
Heylah schaute uns mit Tränen in den Augen an „Ich glaube, wir werden langsam eingekreist.“ Penelope kam hinzu und berichtete „Es sind keine Truppen von Soulebda dabei, die stürmen gerade alle die britische Insel, die scheint verlassen zu sein“ „Wenn die Briten ihre Insel verlassen haben, dann müssen sie noch lange nicht einfach weg sein, ich vermute dass dieser Mc. Allister uns angreift.“ „Ja, Caroline, das denken wir auch.“ Peter schaute die Karte genauer an „Von da, hier und hier und wohl von da kommen sie, was ist da oben zwischen dem zweiten Vulkan und dem Berg?“ „Der Dschungel der Tausend Tote“ antwortete Jerome. „Klingt nicht sehr nett“ „Da haben wir früher Stammeskämpfe abgehalten, überall böses Blut, Gefahren viele Gefahren, hohle Steine böse Tiere, viel Schmerz.“ Sagte einer der Häuptlinge. „Wie kriegen wir die Angreifer in dieses Gebiet?“

Zwei alte Krieger hoben ihre Hände gen Himmel und riefen „Mualebda Ankari tutlars tak“ die anderen Krieger stimmten nach und nach in einen leisen Singsang ein.

Penelope schaute uns an. „Die Kriegsgöttin wird sie rufen“ und lachte uns dabei wissend an. „Kommt, ich zeige es euch“

„Da unten ist der Dschungel der Tausend Tote, dahinter diese hohen zylindrischen Berge das sind die Höhlen der Beschwörung, da werden einige unserer Kämpfer sein und die Angreifer herlocken. Sie können sehr überzeugend sein beim anlocken. Ein paar Feuerchen dazu, etwas gut riechendes Essen, das lockt jeden her.“

„Und dann werden die Tommys euch plattmachen,“ meinte Peter mitleidig. „Sicher nicht, wir werden die Angreifer aber ein paar Tage dort festhalten können und ihnen die Nachtruhe verderben. Wenn die so schön müde und zermürbt sind, können wir sie überraschen.“

„Das sind Spezial Forces, Einzelkämpfer, Männer mit Kampferfahrung und solche Soldaten, die macht man nicht so einfach mürbe …“ „Vertrau Mualebda“ und Penelope lächelte wissend „vertraut ihr einfach und vertraut unserem Volk.“

**

„Colonel Mc. Allister, Sir, da vorne da ist Bewegung, da bei den spitzen Bergen vor uns.“ „Bestätige mehrere Feuerstellen, offenbar das Hauptlager, sie scheinen zu essen Sir.“ „Gebiet einkreisen sichern und säubern.“ Währenddessen hatten die britischen Soldaten ihr erstes Camp aufgeschlagen und beratschlagten das weitere Vorgehen. Vorne an den hohen Bergen war hin und wieder etwas Kampfgeschrei zu hören, dann fielen die ersten Schüsse, es folgte etwas Geschrei.

„Ausschwärmen, helft ihnen!“ Und schon liefen die von Mc. Allister Truppen in den Dschungel.

Aus einer der Höhlen rannte ein in Flammen stehender Mann und schrie aus Leibeskräften, während er versuchte durch den Wind, frei atmen zu können, aber die Flammen waren schneller und nahmen ihm sein Leben.

Im Fallen lösten sich ein paar brennende Schaben ab und die Männer zertraten sie, schon standen auch ihre Füße in Flammen.

„Verdammt, das sind Flammkäfer!“ Rief einer der Jüngeren.

„Schwachkopf, das ist sicher irgend ein Hokus Pokus“ rief ein Hauptmann und schickte vier weitere Männer vor, hinein in die Höhle. Von innen drang Gebrüll und dumpfes Geschrei, dann kamen ein paar Schüsse und es herrscht wieder Ruhe.

Die vier Mann melden sich aber nicht mehr. Stattdessen raste eine Bestie, die aussah wie ein Stachelschwein mit Teilen einer Uniform aus der Höhle und verschwand im Dschungel.

Aus den Höhlen aber kamen drohende und johlende Geräusche. Einigen der Soldaten standen die Haare zu Berge.

„Das reicht jetzt aber“ brüllt Mc. Allister. „Major, sprengen sie die Eingänge zu den Höhlen, der Rest baut das Camp da an dem See auf. Morgen früh geht es den Rebellen an den Arsch!“

„Jawohl, Sir.“ Kurz darauf wurden die Eingänge zu den Höhlen gesprengt.

Jetzt würden die Soldaten ihre Ruhe haben.

So dachten sie jedenfalls.

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Zeit des Schlafes

„Die Europäer haben ihr Lager aufgeschlagen, an See von Lak’hombe,“ lächelten die beiden Krieger und freuten sich offenbar über irgend einen gelungenen Coup. Heylah und Penelope kamen lachend zu uns und erklären uns, was da los war.
„Die kampieren an dem einzigen See, der sein Wasser unterhalb des Vulkans bekommt. Wir wissen nicht, was in dem Wasser ist, aber sie werden Morgen früh ihre Überraschung erleben, wir müssen denen gar nichts besonderes bereiten, wir müssen nur abwarten.
Kleiner Tipp, haltet euch von dem Wasser fern.“ Jerome schaute uns mit seinen großen Augen an „Wasser ist böse und nicht gut, wir glauben, dass Mualebda die Schwachen von uns prüfen will.“

„Das ist irgendein natürliches Gift, von dem wir nicht wissen, was es genau ist, aber es zieht allerlei fieses Ungeziefer an, seltsamerweise aber erst im frühen Morgen, esst und schlaft. Morgen früh erlebt ihr wie Mualebda die Unreifen bestraft.“ Und Penelope lächelt uns zu. Dann nahm sie uns beide an den Händen und ging voraus zu einer Höhle.

Auf dieser Höhle steht der Turm der Anrufung, hier haben unsere Vorfahren früher Mualebda um Hilfe im bevorstehenden Kampf angefleht. Legenden zufolge kam dann morgens diese Hilfe, aber nur, wenn das Flehen der in der Höhle eingeschlossenen Krieger ehrlich und aufrecht war.“ Wir sahen den hohen Turm an, es schien, als würden an der Spitze Vögel kreisen. „Was ist das Besondere an dem hohen Turm?“ „Wir nennen ihn auch die Orgelpfeifen der Liebe,“ sagte Penelope und lächelte wissend.

„Kommt ihr zwei, ich habe euch eine kleine Höhle bereitmachen lassen, ihr solltet morgen Kraft haben, also tankt heute die Kraft der Liebe,“ und damit reichte sie uns einen süßen Trank. Herrlich saftig und fruchtig war der Trank und wir tranken ihn aus. Penelope schloss hinter uns den Eingang und ging weg. Jetzt konnte ich Peter endlich wieder für mich alleine haben, ein seltsames Verlangen kam in mir hoch, ein Verlangen der Leidenschaft. Dass einige Kilometer entfernt der Feind war, das schien unwichtig zu werden, Peter erschien mir näher als je zuvor und auch seine Augen begannen diesen Glühen auszustrahlen, wie bei unserem ersten Mal.

Was auch immer in diesem Trunk war, es war gut und ich wollte mehr davon. „Ich glaube, diese Nacht werde ich die Kraft von Mualebda auch zu spüren bekommen,“ sagte Peter, trank seinen Trunk aus und zog mich sanft zu sich, dann verschwanden wir in unserem Lager und hatten erfrischenden Sex miteinander. Vor der Höhle hatte Penelope zwei Wachen stehen lassen. Die beiden Mädchen sahen sich lächelnd an. Eine meinte: „Ob die beiden so gut sind, dass Mualebda sie erhört?“ „Penelope meinte, die beiden wären sicherlich in der Lage dem Ruf zu folgen und die Göttin anzurufen. Wie auch immer, wir werden es ja mitbekommen, da, es geht schon los. Schau, die Fledermäuse kommen. Die beiden sind gut.“

Unser Lager war sehr bequem, über uns verlief ein langer aus Ton geformter Schlot, einem hohen Turm ähnlich, das Ende sahen wir ganz da oben nicht, es blieb im Dunkel und war uns auch egal. Da der einzige Eingang verschlossen war, gab es keinen Zug in unserem Lager.

Wir hatten den besten Sex seit Wochen und waren dabei alles andere als leise. Der süße Trunk hatte seine Wirkung offenbart, wir fielen übereinander her.

Hätten wir gewusst, dass es unsere Geräusche waren, die die die Tiere der Lüfte anzog, wer weiß, ob wir dann so laut gewesen wären. So aber wussten wir nichts davon und liebten uns stürmischer und lauter, wie jemals zuvor. Unser Gestöhne musste das ganze Lager am Schlafen gehindert haben, aber das war uns egal, wir hatten schon lange nicht mehr so einen guten erfrischenden Sex. Sicherlich auch wegen des süßen Trunkes.
Durch die hohen Orgelpfeifen ähnlichen Steinsäulen verbreitet sich unser Gestöhn, und die Tonlage ändert sich andauernd. Nach und nach sammelten sich hoch über den Orgelpfeifen Fledermäuse. Erst Hunderte, dann Tausende, schließlich Millionen, sie sammeln sich zu riesigen Scharen. Penelope und ihre Krieger saßen bei sich am Lager und sahen der Anrufung zu.

„Soviel Fledermäuse habe ich bei einer Anrufung noch nie gesehen, das müssen ja Millionen sein,“ sagte Jerome und die anderen Krieger, die um das Lagerfeuer saßen, nickten ehrfurchtsvoll. „Viele Millionen sind das.“ Sagte ein anderer Krieger.

Penelopes Augen leuchteten, „Ich glaube, Caroline und Peter haben alle gerufen, Mualebda hat sie erhört.“ Dann sahen sie nach oben zu dem Turm, dessen Spitze nicht mehr zu sehen war, soviel Fledermäuse umschwirrten den Turm.

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Eng umschlungen und erschöpft schliefen wir am frühen Morgen ein. Von dem was sich über uns zusammenbraute, bekamen wir nichts mit. Die Schwärme der Fledermäuse suchen sich jetzt eine andere Quellen der Töne und sie flogen als riesiger Schwarm auf die Höhlen mit den Briten zu. Der Schwarm Fledermäuse zog weiter, weg von unserem Lager.

Am frühen Morgen wurde der Höhleneingang geöffnet und Penelope kam mit etwas Licht zu uns. „Kommt nach draußen, trinkt heißen Kaffee und genießt das Schauspiel, das bald losbrechen wird.“

Der Kaffee rief unsere Lebensgeister und wir setzen uns an das wärmende Lagerfeuer. „Es geht los, kommt nach oben.“ Sagten Jerome und Penelope zugleich und wir krochen nach oben und schauten über die Kuppe hinunter zu dem kleinen Berg und den Höhlen der Briten. „Jetzt geschieht es,“ flüsterte Jerome uns zu.

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Als Erstes merkten die Wachen im britischen Camp, dass hier etwas nicht stimmte. Ein Brausen war über ihnen zu hören, das ständig lauter wurde. Sie schlugen Alarm. Lampen leuchteten auf, Geschrei kam aus den Zelten und immer wieder panische Rufe. Die Lichter gingen hoch in Richtung Himmel, aber da gab es keinen Himmel, nur rabenschwarze sich bewegende Massen von etwas, das sie nicht kannten. Aus dem Brausen wurde ein Tosen und irgendwann stoben die ersten Massen nach unten in das britische Lager.

Dazwischen Schreckensrufe und immer wieder „Alarm Alarm“ Geschrei. Der ganze Zeltboden der Briten schien irgendwie zu erwachen.

Allerlei ekelhaftes Gewürm, Schaben, 20 cm lange Tausendfüßler, Spinnen und alles was den Nordeuropäer in Panik versetzen konnte, schien sich in dem Camp versammelt zu haben und schlagartig erwacht zu sein. Die Soldaten sprangen aus den Betten und standen im bewegenden Untergrund aus Ungeziefer, das überall herumkroch.

Dazwischen Heerscharen riesiger Fledermäuse die das ganze Camp durchpflügen auf der Suche nach genau diesem Fressen.

Als der erste Brite in Panik beginnt herum zu schießen, griff Mc. Allister ein und schlug den Schützen zu Boden. „Verdammt nochmal, beherrscht euch, ihr seid Soldaten …“ Und in diesem Moment krabbelt ein großer giftig-grüner Tausendfüßler aus dem Hemd von Mc. Allister und biss kräftig zu.
Mc. Allister schrie laut auf und riss sich sein Hemd vom Leib. Überall mit Schaben und Würmern bedeckt, fiel es auch einem Mc. Allister schwer nicht panisch zu werden. Aber dann stürzen sich Scharen von Fledermäusen auf ihn und bissen das Gewürm ab. Ihre Krallen hinterliessen kleine Wunden und Mc. Allister wedelte mit seinen Händen umher. Das machte die Fledermäuse noch aggressiver. Sie trieben einen schreienden Mc. Allister, der sich in einer schwarzen Wolke von Fledermäusen befand in den schwarzen See am Fuße der Höhle.

Das Geschrei der Soldaten nahm zu. Panische Schreie und wild um sich schlagende Soldaten versuchten, dieses Gewürm von ihrer Haut zu reißen. Über den Soldaten tobte eine riesige schwarze Wolke aus Fledermäusen.

Ab jetzt herrschte das Chaos im britischen Camp. Die ersten Soldaten sprangen in den nahen Teich, zu Mc. Allister versuchten, sich zu reinigen, aber aus dem klaren Wasser war eine eklige rote Brühe geworden. Überall in dem Camp standen und lagen Soldaten, sich übergebend und vor Schmerzen an der Haut rissen sie sich die klebenden Tiere ab. Verfolgt von Millionen Fledermäusen versuchen die Soldaten unterzutauchen.

Aber auch das Wasser schien zu leben und zu dem riesigen Schwarm der Fledermäuse kamen Scharen an Wassertieren.

Mc. Allister hatte sich wieder unter Kontrolle. Als er seine Leute sah, wie sie sich alle übergaben, suchte er eine andere Wasserquelle und rannte los.

Penelope erklärt und was da unten gerade abgeht. „Die haben das Wasser gestern getrunken, abkochen allein reicht nicht, es ist giftig für uns Menschen, die werden nicht sterben aber sie werden kein Wasser behalten können und an essen werden die auch nicht denken“

„Da schaut. Die reihern sich die Seele aus dem Leib,“ meinte Jerome und seine Zähne leuchten im frühen Morgen besonders hell.
„Kommt,“ rief Penelope zu uns beiden „kommt, ich habe eine Idee, da unten gibt es nur einen einzigen Bach der sauber ist, dieses Wasser kann man trinken. Und schaut da, das ist garantiert diesem Mc. Allister. Da erwischen wir ihn, es muss aber jetzt geschehen, solange in dem Camp die Panik herrscht!“

**

Zu Hause – Im Büro von Frank

Frank saß in seinem Büro und lauschte am Telefon, während ihm der Staatssekretär aus dem Justizministerium gegenüber saß. Die beiden kannten sich schon eine Ewigkeit und es herrschte, trotz des heiklen Themas, welches den Staatssekretär zu Frank geführt hatte, eine lockere Atmosphäre.
„Verstanden… Ja… Vielen Dank für ihre Mühe und die schnelle Erledigung.“ Frank legte den Hörer auf und sah seinen Freund an. „Das war der Gutachter.“ Erklärte er Hinfler, dem Staatssekretär. „Der Grund für den Unfall war ein Nagel, den er im rechten Vorderrad gefunden hat. Er konnte feststellen, dass der Nagel genau auf der Naht des Gummis zur Lauffläche eingedrungen war. Das ging eine Zeitlang gut, doch dann ist als das Fahrzeug beschleunigt wurde, durch den entstandenen Druckverlust, die Naht aufgeplatzt und das war es. Meier konnte das Fahrzeug nicht mehr steuern und es kam zum Unfall.“
„Gibt es Anzeichen für eine absichtliche Sabotage?“
„Nein.“ Antwortete Frank. „Du kennst die Strecke doch selber. Die Abfahrt der Autobahn war ewig wegen einer Baustelle gesperrt. Maier war wohl einer der Ersten, der nach dem Ende der Arbeiten, die Strecke wieder befuhr. Auch der Gutachter glaubt nicht an Sabotage, sondern vermutet, dass der Nagel einfach von der Baustelle übrig geblieben ist.“
„Wie geht es deinen Beamten?“
„Die Beiden hatte Glück im Unglück. Decker hat sich eine leichte Gehirnerschütterung zugezogen und Meier hat nur eine Menge blaue Flecken davon getragen.“
„Was ist mit Schubert, wurde er auch verletzt?“
„Wissen wir nicht. Durch den Unfall kam es zu einem Kurzschluss in der Elektrik der Zentralverriegelung. Decker und Maier wurden eingeschlossen und die Tür von Schubert war offen. So viel zum Thema, mehr Sicherheit durch Technik. Jedenfalls konnten die beiden nicht verhindern, dass Schubert entkommt. Ob er verletzt ist wissen wir nicht, da kein Blut im Transporter gefunden wurde. Eventuell hat sich Schubert ein paar Knochenbrüche zugezogen.“
„Habt ihr in den Krankenhäusern nachgefragt?“
„Selbstverständlich. Wir haben auch bei allen Ärzten der Umgebung gefragt und haben ihnen Bilder von Schubert gezeigt, aber bis jetzt ist Schubert in keiner Praxis erschienen. Also denke ich, dass sich Schubert keine schweren Verletzungen zugezogen und sich abgesetzt hat. Wenn du mich fragst, Schubert hat sich längst ins benachbarte Ausland abgesetzt.“
„Hast du denn die Behörden dort unterrichtet?“
„Sicher habe ich das, aber da Schubert kein Gewaltverbrecher ist, wird man sich wahrscheinlich nicht allzu viele Mühe geben. In unserem Nachbarland gibt es Verwendung, für erstklassige Piloten wie ihn.“
„Die Legion?“
„Sicher, die würden sich die Finger nach einem wie Schubert lecken.“
„Wenn du Recht hast, sehen wir ihn nie wieder.“
-Tja mein Freund.- dachte Frank. – Nein, du wirst Schubert nie wieder sehen.- „Wir werden sehen, warten wir mal ab.“ Antwortete Frank stattdessen.

**

„Ich hoffe, sie schnarchen nicht.“ Sagte Jessica, während sie die Couch abräumte, auf der Schubert die nächsten Tage schlafen sollte.
Schubert, der die Anspannung mit Händen greifen konnte, versuchte, die Atmosphäre etwas aufzulockern. „Bis jetzt hat sich niemand beschwert, zumindest nicht, solange ich im Gefängnis sitze. Und ich habe gehört, sie hätten es als Erste mitbekommen.“
Tatsächlich hielt Jessika für einen Moment inne und lächelte ganz leicht, bevor sie ihre Sorgenmiene wieder aufsetzte.
„Dann bin ich ja beruhigt, ich möchte nämlich nicht, dass sich die Nachbarn beschweren.“
Schubert zeigte auf die Fenster, von denen aus keines der Nachbarhäuser zu sehen war. „Wenn ich die Entfernung richtig einschätze, wohnt der nächste Nachbar gut 50 m Luftlinie weit weg, ich denke, da könnte ich so laut schnarchen, wie ich möchte.“
Als ihn Jessika für seinen Kommentar strafend ansah, hab Schubert beschwichtigend die Hände. „Das war nur Spaß. Im Ernst, ich schnarche nicht.“
„Tut mir leid“, entschuldigte sich Jessika, „meine Nerven sind etwas angespannt.“
-Das ist mir auch schon aufgefallen.- dachte Schubert. –Und nicht nur deine.- „Da geht es ihnen nicht anders als mir.“ Meinte er dazu.
„So, fertig. Ist das so Ok?“ wollte Jessika wissen und zeigte auf die Couch.
„Ja, sicher. Vielen Dank. Ich hatte schon damit gerechnet, auf dem Fußboden liegen zu müssen.“
„Nun, diese Option hebe ich mir noch etwas auf.“
„Darf ich sie etwas fragen?“
„Sicher.“
„Warum tun sie das? Ich meine, nicht nur sie, sondern auch Brauer und Decker? Wenn herauskommt, dass sie mir zur Flucht verholfen haben, stecken sie mächtig in Schwierigkeiten.“
„Weil unsere Freunde in Gefahr sind, und weil Caroline und Peter auch alles tun würden, um jeden einzelnen von uns zu helfen.“
„Sie machen all das nur, um ihren beiden Freunden zu helfen? Wissen die beiden denn, dass sie solche Freunde haben?“
„Oh ja. Wir sind nicht einfach nur Freunde, wir sind eine Familie.“ Dann wechselte Jessika das Thema. „Also man kann sie glücklicherweise nicht von der Straße aus sehen, dennoch bleiben sie weg von der Haustür. Falls jemand kommt, während ich nicht da bin, lassen sie ihn einfach stehen.“
„Sie lassen mich alleine, ohne Aufsicht?“
„Sicher, die Arbeit macht sich nicht von alleine.“
„Woher wollen sie wissen, dass ich nicht einfach abhaue?“
„Zwei Gründe! Erstens, ich habe ihre Akte gelesen. Sie sind zu ehrlich dazu! Und zweitens“, Jessika fixierte ihn scharf mit ihrem Blick, „ich würde dich finden!“
Schubert schaute zu Jessika und plötzlich sah er diese mit ganz anderen Augen. Diese scheinbar- unscheinbare Frau meinte das, was sie sagte todernst und seine Nackenhaare rieten ihm, dass er sich diese Frau besser nicht zum Feind machen sollte.
„Was Punkt eins angeht, da haben sie völlig Recht.“
„Dann bin ich ja beruhigt. Ich muss nochmal weg und komme gegen Abend zurück. Sie können sich nützlich machen, im Kühlschrank ist jede Menge Essen und sie haben Zeit zum Kochen.“
„Selbstverständlich, ich übernehme das Kochen.“
„Dann bis später. Wir sind übrigens zu dritt heute Abend.“
Als Jessika ihre Handtasche griff und zur Tür ging, sagte Schubert, „Wissen sie… Ich kenne Familien, da schert man sich einen Dreck um den anderen.“
„In meiner Familie nicht!“

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Wieder zu Hause, hatte Jessika dann alle Hände voll zu tun. Mit Thekla, Franks rechter Hand, nahmen sie praktisch die Leitung des Gefängnisses in die eigene Hand. Denn mit Facher, der eigentlich Peters Stellvertreter war und jetzt Franks Job erledigen sollte sowie Schifffler, der Decker vertrat, standen zwei gute Leute an der Spitze, doch eben zwei Leute, die noch keine Erfahrung hatten. Um jede Aufmerksamkeit seitens des Ministeriums zu vermeiden, managten die beiden „Sekretärinnen“ den ganzen Laden.

Kaum zu Hause saß Jessika, dann vor dem Laptop und fieberte Levis Anruf entgegen. Als Levi ihr dann nach der Schlacht am See und dem mörderischen Gemetzel am Vulkan mitteilte, dass er und die anderen, alle mehr oder weniger, in Ordnung waren, brachen bei Jessika alle Dämme.

Von einer tonnenschweren Last befreit, öffnete sich ihr „Tunnelblick“ wieder uns sie nahm das Drama, das sich im Hintergrund abspielte sehr wohl wahr. Bei einem Anrufen hatte sie kurz im Hintergrund Vera verzweifelt nach Medikamenten rufen hören und ein weiteres Mal konnte sie einen Blick auf das mit Verletzten überfüllte Krankenhaus werfen.

Als Levi dann das Gespräch beendet hatte, wusste Jessica, was sie zu tun hatte!
Medizinische Hilfe musste schnellstens nach Soulebda.
Und Jessica wusste genau, wie sie bekam, was sie wollte!

**

TEL AVIV

„Meresch und seine Truppe sind auf Soulebda angekommen und haben ihren ersten Punkt gemacht.“ Berichtete Dagan mit Lem an seiner Seite, als er mit Levi eine Videokonferenz abhielt.
„Ja, wir haben die Aufnahmen gesehen. Schlimme Sache.“
„Ihr habt die Aufnahmen gesehen?“ fragte Lem dazwischen. „Wie bitte habt ihr das angestellt? Noch sind die Bilder nicht veröffentlicht uns selbst das Pressekorps in Brüssel, hat die Bilder erst vor 24 Stunden bekommen!?“
„Kaufmann! Er hat einen Trojaner im Hauptrechner des Kommunikationszentrums im Palast von Soulebda platziert, der er ihm erlaubt, alle Nachrichten des Palastes mitzulesen. Als wir von der Schweinerei hörten, hat sich Randy kurz beim Pressekorps in Brüssel eingehackt und die Bilder heruntergeladen.“
„Er hat sich kurz beim Pressekorps eingehackt…“ fassungslos schüttelte Lem den Kopf.
„Ja, der kleine Nerd ist ein Genie. Ich empfehle dir dringend, die Zusammenarbeit mit ihm zu fördern. Als Freund würde es ihm sicher schwerer fallen sich in unser System einzuhacken.“
„Das würde er nicht schaffen!“
„Da würde ich mein Geld lieber auf Randy setzen.“
„Schluss jetzt, ihr zwei Streithammel!“ Schaltete sich Dagan in das Gespräch ein. „Was ist mit dem Rettungsteam, ist es bereit?“
„Jessika Dafore ist heute Morgen aufgebrochen und wird in zwölf Stunden mit ihrer Arbeit beginnen. Ich habe ihr Ronni mitgegeben, sie kennt sich in Los Angeles bestens aus, da sie früher dort gearbeitet hat und noch eine Menge Kontakte hat. Wir selbst sind bereit und brechen in drei Tagen auf.“
„Erst in drei Tagen?“
„Tut mir leid, aber schneller geht es nicht. Die Ablenkung muss perfekt sein und das dauert eben seine Zeit.“
Dagan, der wusste, dass Levi Recht hatte, war dennoch nicht glücklich darüber, dass sich die Rettung von Caroline verzögerte.
„Aber die Verzögerung hat auch etwas Gutes.“
„Und was soll das sein?“
„Wir haben zwei zusätzliche Mitglieder für das Rettungsteam anwerben können.“
„Wen?!“
„Lass dich überraschen…“ lachte Levi.

**

Washington – In einem Besprechungsraum

„Wie ist ihre Einschätzung der Lage Colonel?“ Fragte der stellvertretende Außenminister Larkson und sah in die Kamera seines Laptops.
„Ich denke, dass unsere Regierung offiziell mit Heylah ai Youhaahb und Soleab n’Amsala verhandeln sollte, Sir.“ Teilte Mike Larkson mit und versuchte dabei so überzeugend zu sein, wie er konnte. Er saß nun seit einer Stunde vor seinem Laptop auf Carolines Insel, auf die er sich, zusammen mit seinen Farm-Boys, erst einmal zurückgezogen hatte.
Kaum gelandet hatten Veronique und Jim die Flugzeuge getarnt und einen Teil der Stollen von Fallen gesäubert. In diesen hatte Veronique nun das „offizielle Hauptquartier der Luftstreitkräfte des freien Soulebdas“ untergebracht. Soleab hatte ihnen dreißig seiner Kämpfer geschickt, die den neuen Stützpunkt verteidigen und ihnen bei der Wartung der Flugzeuge helfen sollten.
Mike und Dave hatten ihre Ausrüstung zusammengesucht und sich ebenfalls nach Bea Island zurückgezogen, nachdem Veroniques Vater sicher auf Ni’jamong untergekommen war.
Ein Stammeskrieger hatte Veronique berichtet, dass nur fünf Minuten nach unserer Abfahrt von Jumlam’da, Soldaten und Geheimdienstler das Flugfeld gestürmt hatten.
Mike, der sich seine Strategie und Argumente zurechtgelegt hatte, versuchte nun, Larkson davon zu überzeugen, dass die „Rebellen“ um Heylah die bessere Option waren und er hatte ein gutes Argument! Die Seltenen Erden, die Washington sich, bzw. den amerikanischen Investoren sichern wollte.
Das alles trug er nun dem stellvertretenden Außenminister vor.
„Wie kommen sie zu dieser Auffassung?“ Wollte der nun wissen, denn sollte sich das Außenministerium darauf einigen, würde das eine Abkehr der bisherigen Politik bedeuten, denn die USA hatten, genau wie die Briten und Franzosen bisher Sheramoh unterstützt.
„Sir, sie erinnern sich sicher, an die Krise vor einigen Monaten in Germany, bei der einer unserer ehemaligen Geheimdienstoffiziere seinen Privatkrieg geführt hat.“
„Erinnern sie mich bloß nicht daran. Zum Glück ist die Sache unter dem Deckel geblieben.“ Antwortete Larkson. Die Affäre um Froody hatte Monate lang Karrieren beendet und Staub aufgewirbelt, den er, Larkson, aufwischen musste.
„Dass die Affäre so glimpflich verlief, verdanken wir zu einem großen Teil, der Kooperation von Frau Miles und ihrem Lebensgefährten, Herrn Stein. Wie es der Zufall will, sind beide genau jetzt zu diesem Zeitpunkt, hier auf Soulebda. Mit der Hilfe von Frau Miles, konnte ich Kontakt zu den Führern Heylah ai Youhaahb und Soleab n’Amsala aufnehmen und mir so einen persönlichen Eindruck von den beiden Anführern der Rebellion verschaffen.“
„Miles und Stein sind auf Souelbda?!“ Fragte Larkson dazwischen. „Wie kommt das? Was machen die beiden auf Soulebda? Und wieso, haben die zwei Kontakt zu den Rebellen?“
„Frau Miles hat fünf Jahre lang hier auf Soulebda gearbeitet. Sie ist eine persönliche Freundin der Präsidentengattin, seit durch ihr mutiges Eingreifen ein Aufstand der Stämme niedergeschlagen werden konnte. Des Weiteren ist sie eng mit der Präsidententochter Penelope befreundet, die wiederum mit Soleab n’Amsala liiert ist.
Als die Rebellion ausbrach, sollten Miles und Stein auf Befehl des Präsidenten, die führenden Köpfe der Revolution sowie der Priesterschaft hinrichten. Als sie sich weigerten, mussten beide untertauchen.
Die Folge war, dass auch die Präsidentengattin Heylah fliehen musste. Fakt ist, ohne die Beiden wäre die Rebellion schon gescheitert und Sheramoh könnte seine Schreckensherrschaft ungehindert ausüben. Doch das änderte sich, als Heylah entkommen konnte.“
„Eine Aktion, bei der weder sie, noch einer ihrer Männer beteiligt waren…?“
Mike schwieg in die Kamera.
„Naja, wenigstens lügen sie mich nicht an.“ Meinte Larkson resigniert. „Darüber unterhalten wir uns später. Berichten sie mir lieber, was das für eine Schweinerei auf Ka’Ihlih war.“
„Präsident Sheramoh schien sehr ungehalten über das Ausbleiben der britischen Luftunterstützung zu sein. Er wertete das als Verrat und wollte den Befehlshaber der Briten, Mac Allister, zur Verantwortung ziehen. Doch die Briten haben den Truppen von Präsident Sheramoh ai Youhaahb die Landung verweigert. Daraus ist dann ein Feuergefecht entstanden.“
„Sie meinen ein Massaker. Ich habe die Bilder gesehen… schrecklich! Weiß man, wer die Aufnahmen gemacht hat?“
„Offiziell waren es Aufnahmen von Fischern, ich vermute allerdings, dass Freunde von Frau Miles auf Soulebda, bzw. in der Nähe Soulebdas sind.“
„Die Israelis?“
„Nun Sir, die Hebron hat Hawaii verlassen und sollte mittlerweile im Atlantik sein, aber ich wette ein Jahresgehalt, dass sie weder in Panama durch den Kanal ist, noch dass sie Kap Horn umrundet hat.“
„Also streckt noch jemand die Hand nach den Seltenen Erden aus?!“
„Das ist korrekt, Sir.“
Der stellvertretende Außenminister überlegte eine Zeit und fragte dann; „Warum die Rebellen und nicht die offizielle Regierung?“
„Das momentane Verhalten von Präsident Sheramoh ai Youhaahb lässt befürchten, dass er sein Volk gegen sich selbst aufbringt. Bis jetzt hat es keine größeren Zusammenstöße mit der Masse der Bevölkerung gegeben, was auch der vorsichtigen Haltung Soleab n’Amsala zu verdanken ist. Sollten wir uns jedoch mit Sheramoh ai Youhaahb einigen und Heylahs und Solabs Rebellen gewinnen, wird uns das teuer zu stehen kommen.“
Dieses Argument ließ sich Larkson eingehend durch den Kopf gehen, immerhin ging es hier um Milliarden von Dollar… „Erzählen sie mir von Heylah ai Youhaahb und Soleab n’Amsala“
„Soleab n’Amsala ist der militärische Führer der Rebellion und er selbst hatte keine politischen Ambitionen, als die Rebellion ausbrach. Überhaupt, ist die Rebellion aus einer Umweltkampagne heraus entstanden. Niemand wollte einen politischen Umsturz, es ging lediglich darum, bestimmte Gebiete vom Abbau der Seltenen Erden auszunehmen.
Zum einen Gebiete, die den Bewohnern Soulebdas als heilig gelten und zum anderen Gebiete die für das Ökosystem Soulebdas unverzichtbar sind. Da der Präsident sich in diesen Punkten uneinsichtig zeigte, wurden aus Umweltschützern und Protestlern und schließlich Kämpfer, oder Rebellen, je nach Standpunkt. Irgendwann wurde es nötig darüber nachzudenken wie es nach der Rebellion weitergehen sollte und Soleab n’Amsala war klug genug zu erkennen, dass er keine politische Erfahrung hat, also hat er sich Heylah an seine Seite geholt.
Heylah ai Youhaahb zur politischen Führerin der Rebellion zu machen, war ein genialer Schachzug. Auf Soulebda regiert eigentlich das Matriarchat, also Heyla! Sie ist dazu die bekannteste mit Abstand geachtetste Frau auf der Insel. Heylah wird geliebt und verehrt, ihr Wort hat Gewicht und ist Gesetz! Dennoch hat sie es unterlassen, offen zum Aufstand zu rufen. Das zeigt, dass sie mit ihrer Rolle als Führerin sehr verantwortungsvoll umgeht und bemüht ist, Opfer jeder Art zu vermeiden.“
„Was ist mit Heylah? Was ist ihr politisches Ziel?“
„Die Erhaltung der heiligen Stätten. Solange wir diese garantieren, werden sie uns als Freunde sehen und uns jede Unterstützung geben, die wir brauchen, um die Seltenen Erden zu fördern.“
„Können sie sich vorstellen, was für einen Wirbel ihr Vorschlag hier verursacht, offiziell eine Horde Rebellen zu unterstützen?“
„Oh ja, das kann ich mir nur allzu gut vorstellen, doch die Bilder von Ka’Ihlih sprechen für sich. Stellen sie sich den Wirbel vor, wenn statt dem Union Jack, Stars and Stripes im Hintergrund geweht hätte.“
Darauf folgte ein eisiges Schweigen und Mike beschloss seinen Trumpf auszuspielen. „Sir, es gibt aber noch zwei weitere Gründe, warum wir mit den Rebellen verhandeln sollten.“
„Der wäre?“
„Erstens: Wir können uns nach den letzten Fehlschlägen, endlich einmal als Nation präsentieren der es nicht nur um Rohstoffe geht, sondern als eine Nation, die für die Freiheit der Menschen steht und notfalls mit ihnen Seite an Seite dafür kämpft. Nicht weil wir etwas wollen, sondern weil es richtig ist.“
„Und zweitens?“
„England und Frankreich stehen weiterhin hinter Präsident Sheramoh ai Youhaahb, denn er garantiert ihnen die Schürfrechte. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Rebellen diesen Kampf gewinnen. Die Israelis haben klar Position bezogen und stehen den Rebellen bei. Springen wir auf diesen Zug mit auf, müssen wir uns nachher nur mit Heylah und den Israelis einigen, tun wir es nicht, gehen wir genau wie die Briten und Franzosen leer aus.“
„Gute Argumente, Smith. Meine Frau sagte, sie wäre der Präsidentengattin auf einem Empfang schon einmal begegnet, sie wäre klug und charmant… Jedenfalls, ist das die seltsamste Rebellion, die ich bis jetzt erlebt habe. Also gut, ich werde ihre Empfehlung dem Chef vorlegen.“
„Danke Sir. Ich bin sicher, dass wir das Richtige tun.“
„Und Colonel, keine weitere Einmischung in die Kämpfe! Haben sie das verstanden?!“
„Ja, Sir!“
„Ich weiß genau, was sie jetzt denken, Smith. Sorgen sie wenigstens dafür, dass man nicht mit dem Finger auf uns zeigen kann, zumindest, bis sie das Offizielle Ok von oben bekommen.“
„Verstanden!“
Damit war die Verbindung beendet und Mike klappte den Laptop grinsend zusammen… dann wurde Mike klar, was der stellvertretende Außenminister gesagte hatte… Seine Empfehlung! Falls die Sache schief ging, würde der Kopf von Mike Smith rollen… sonst keine

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SOULEBDA

„Vielen Dank liebe Briten.“ Murmelte Helfana und klickte auf ihrem Monitor ein Bild nach dem andren an. Ihr Lieblingsbild war das eines Kindes, welches beim Beschuss ihres Bootes getroffen und über Bord geschleudert wurde. Besser ging es einfach nicht!
Helfana n’Atuari saß an ihrem Schreibtisch im Palast und hätte am liebsten in die Hände geklatscht. Vor ihr lag ein Pressebericht über die „Verbrechen“ welche die Briten ihrem armen Volk antaten und welche sie nun für Sheramoh nur in das richtige Licht rücken musste.
Natürlich war es ausschließlich dem Präsidenten und der heldenhaften Armee Soulebdas zu verdanken, dass die Briten nicht noch mehr unschuldige Soulebdalesen abschlachten konnten.
-Ein besseres Timing hätten mir die Briten nicht geben können!- freute sich Sheramohs rechte Hand.
Der Kampf der Garde und der katastrophale Verlauf des kurzen Kampfes mit den Rebellen waren verehrend für Sheramoh, noch schlimmer war, dass Einheiten der regulären Armee Prügel bezogen hatten! Da interessierte es niemanden, ob es Ausbildungseinheiten waren, die nur losgeschickt wurden, da sonst keine Einheit auf die Schnelle verfügbar war. Die Armee hatte einen Kampf verloren! So etwas hatte es noch NIE gegeben…

Doch der Kampf mit den Briten, war ein Segen. Wen interessierten jetzt noch ein paar tote Gardisten? Auf ein paar Tote mehr oder weniger kam es jetzt nicht mehr an. Tot war tot und die Gardisten und Soldaten, welche am Südhang des Vulkans Ainig u’Alara ihr Leben ließen, starben natürlich heldenhaft im Kampf gegen die Briten!
Wieder einmal mehr in der Weltgeschichte, mussten ausländische Kräfte herhalten, wenn es darum ging die eigenen Schweinereien zu vertuschen. Doch das Beste daran war, sie konnten es beweisen! Neben den Aufnahmen des Gemetzels wurden auf Ka’Ihlih genug Waffen und Gerätschaften gefunden, die als Beweis für die Weltpresse dienen konnten.
Während Helfana die Bilder sortierte und sich Notizen machte, dachte sie darüber nach, wem sie Bilder weiteleiten konnte, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. –Ich brauche die richtige Präsentation… Wie mache ich das?

Doch plötzlich wurde Helfana in ihren Gedanken gestört als das Telefon läutete.
„Verdammt!“ fluchte sie und griff nach dem Hörer „Ich wollte nicht gestört werden! Soll ihnen der Präsident das persönlich erklären?!“ herrschte sie in den Hörer.
Der Sekretär am anderen Ende zuckte zusammen, denn seit zwei Tagen, war „soll ihnen der Präsident das persönlich erklären“ die Umschreibung, für den Kopf abschlagen lassen.
„Ich bitte vielmals um Entschuldigung Frau n´Atuari, aber ich habe ein Gespräch aus Kalifornien. Aus Hollywood!“
„Hollywood?“
„Ja es ist eine Mitarbeiterin von Steward- Media!“
Sofort ließ Helfana elektrisiert den Stift in ihrer Hand fallen. Steward Media kannte jeder!
Steward–Media ist eine große Produktionsfirma der Schauspieler Quentin und Sharon Steward. Beide waren bekannte Hollywoodschauspieler, die jeder kannte, wenn er ab und zu ins Kino ging. Seit Jahren ein Paar, hatten die beiden auch Filme miteinander gedreht und Helfana fehlte nicht ein Film, in ihrer privaten Sammlung, bei dem Quentin Steward mitspielte.
Vor mehreren Jahren hatten die beiden Schauspieler dann angefangen, ihre eigene Produktionsfirma aufzubauen und Dokumentarfilme zu drehen. Zum Ausgleich für den stressigen Alltag in Hollywood, wie Sharon immer betonte. Durch die eigene Finanzierung der Dokumentationen waren diese so gut, dass einige es ebenfalls in die Kinosäle geschafft hatten. Diese Chance konnte man nicht ungenutzt lassen! Wenn sie es schaffte Quentin Steward nach Soulebda zu holen und ihm die Bilder von Ka’Ihlih präsentierte… Der Tag wurde immer besser!
„Ich übernehme das Gespräch!“ Sagte sie und wartete, bis der Sekretär aufgelegt hatte.
„Hallo, hier spricht Helfana n’Atuari, die persönliche Assistentin von Präsident Sheramoh ai Youhaahb.“
„Guten Tag Frau n´Atuari.“ Erklang am anderen Ende der Leitung eine angenehme Stimme. „Mein Name ist Belle van Dorn und ich bin die Produktionsleiterin von Steward Dokumenta, hätten sie einen Moment Zeit für mich?“

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Eine halbe Stunde später, stürmte Helfana ohne anzuklopfen in das Gemach des Präsidenten, etwas das nur sie sich erlauben durfte.
Sheramoh, der halb nackt, auf seinem erhöhten Stuhl saß und eine halb bewusstlose Frau vor sich liegen hatte, sah ungehalten Helfana an und für eine halbe Sekunde befürchtete Helfana das ihr Sheramoh den Kopf abschlagen würde.
„Was fällt dir ein, einfach so hier herein zu kommen!“ herrschte er sie an.
Helfana trat näher ohne einen Blick auf die Frau am Boden zu werfen.
„Herr Präsident, wir haben einen Anruf einer Kalifornischen Filmfirma erhalten, Steward Dokumenta. Sie wollen eine Dokumentation über sie und Soulebda drehen, und ich habe sie in ihrem Namen eingeladen, hier her zu kommen.“
Sheramoh sprang von seinem Stuhl auf packte Helfana an der Kehle. „Was hast du? Du wagst es, so eine Entscheidung zu treffen, ohne mich zu fragen?!“

„Herr Präsident“, keuchte Helfana. „Bitte, ich habe nur ihr Wohl im Sinn. Bedenken sie doch, was das für uns bedeutet. Wir können der ganzen Welt zeigen, was für ein schändliches Spiel die Briten und die anderen Mächte mit uns treiben. Eine bessere Publicity können wir uns nicht wünschen.“
Sheramoh ließ sie los und dachte nach, während Helfana ihre Kehle massierte. Zwischen all dem Wahnsinn in Sheramohs Kopf erschienen immer wieder helle Stellen der Realität, so wie jetzt, die Helfana das Leben rettete. Auch Sheramoh erkannte die Chance, welche sich hier bot. Endlich entwickelte sich etwas zum Guten!

„Wann wollen diese Filmleute hier sein?“
„In vier Tagen.“ Antwortete Helfana, die sich wieder völlig im Griff hatte. „Sie schicken zuerst eine kleine Crew die alles für die Dreharbeiten vorbereitet und in einer Woche kommt Quentin Steward, um mit den eigentlichen Dreharbeiten zu beginnen.“
„Du hast Recht. So eine Gelegenheit dürfen wir uns nicht entgehen lassen. Heiße die Filmleute Willkommen und sorge dafür, dass es ihnen an nichts fehlt. Besonders nicht an guten Bildern! Du verstehst, was ich meine?“
„Ja, Herr Präsident. Ich verstehe ganz genau.“
„Gut so.“ Sheramoh stieg über die Frau auf dem Boden hinweg und trat an Helfana heran. „Das hast du gut gemacht, ich werde dich belohnen.“ Er griff in Helfanas Haar und zog sie zu sich heran, danach führte er sie zielstrebig zu seinem aufgewühlten Bett.
Als er Helfana die Bluse vom Leib riss, grinste diese tief in sich hinein. Präsident oder nicht, in meinen Händen bist du Wachs, MEIN Wachs!

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LONDON

In London stürmte ein Mitarbeiter des Außenministeriums in das Büro des Ministers.
Lord Hafften, seines Zeichens Premierminister telefonierte gerade und war über die Unterbrechung sehr ungehalten. Er sah den Störenfried unwirsch an, doch als dieser dennoch das Büro nicht verließ und weiterhin abwartend mit einem Stapel Papiere dastand, winkte ihn Hafften schließlich zu sich.
„Moment bitte.“ Sagte Hafften in das Telefon und las sich die Notiz durch. Ungläubig starrte er die Nachricht an und mit jeder Zeile steigerte sich sein Zorn. Schließlich hob er wieder den Hörer, „Ich melde mich später!“ sagte er nur und legte auf.
„Ist das bestätigt?“ fragte er den Mitarbeiter.
„Ja, Herr Minister.“

„Ich will in fünf Minuten eine Videokonferenz mit dem Verteidigungsminister, dem Außenminister, dem Leiter des Geheimdienstes, dem Chef der Streitkräfte und wer immer für die Marine dort unten in Pazifik zuständig ist.“ Befahl er dem Mann vor dem Schreibtisch.
„Jawohl, Herr Minister.“ Der Mann drehte sich um und zischte ab.
Der Premierminister fluchte leise, als er die Nachricht ein zweites Mal durchlas. „Diese französischen Mistkerle!“

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„Was soll das heißen, die Franzosen schicken ihre Flotte?“, fragte der Verteidigungsminister fünf Minuten später.
„Das heißt, die Franzosen wollen unseren Teil des Kuchens an sich reißen.“ Erklärte ihm der Stabschef der Marine.
„Wie wollen die Franzosen das denn der UNO erklären?“
„Sie werden uns als Sündenböcke hinstellen und Präsident Sheramoh ai Youhaahb veranlassen, sie als Schutzmacht anzuerkennen. Immerhin gehörte diese Kante früher einmal zum französischen Überseeterritorium.“ Folgerte Hafften.
„Soulebda gehörte zu keinem Zeitpunkt den Franzosen!“ warf der Außenminister ein.
„Uns gehörte es aber …leider… auch nicht. Dieser Idiot Mac Allister! Wie kam er bloß auf die bescheuerte Idee, mit den Soulebdalesen einen Krieg anzufangen?! Am liebsten würde ich ihn an der Tower Bridge aufhängen!“
„Franzosen…Diese heuchlerischen Hunde! Wie stark sind die französischen Truppen in Soulebda?“
„Auf Malin’kal der Insel auf der die Franzosen ihre Hauptmiene betreiben, sind etwa 200 Mann stationiert, allerdings ohne schwere Waffen. Damit sind sie etwa so stark, wie unsere Truppen dort waren. Zu wenig für eine Invasion, genug um die ihre Insel zu sicheren.“ Teilte Admiral Phils, dessen Befehlsbereich den Südpazifik umfasste.
„Schlimm genug, dass sie uns diese Verrückten da hinausgeworfen haben, jetzt wollen die Franzosen auch noch unseren Teil an den Erden haben. Das ist nicht akzeptabel!“ wütete der Verteidigungsminister.
„Das sehe ich genauso.“ Pflichtete Hafften ihm bei. „Ich halte es für geboten, dass wir handeln.“
„Was haben wir an Schiffen dort unten?“, fragte er den Chef der Streitkräfte, Admiral Phils, der kurz nachdachte.
„Genug, um mit den Froschfressern fertig zu werden. Sir.“
„Schicken wir los, was wir haben!“ schlug der Verteidigungsminister vor. „Machen wir den Franzosen klar, dass sie an unsere Seltenen Erden nur herankommen, wenn sie an unserer Flotte vorbeikommen!“
„Aber meine Herren, wir befinden uns nicht im Krieg mit Frankreich.“ Beschwichtigte Hafften. „Jede Provokation der Franzosen hat zu unterbleiben. Wir machen ihnen nur klar, dass wir nicht freiwillig auf unsere Ansprüche verzichten. Habe ich mich klar ausgedrückt?“ Stellte Hafften klar.
„Was machen wir mit Soulebda? Kneifen wir einfach und hauen ab?“
„Durch das Bekanntwerden und Verbreitung der Bilder Ka’Ihlins war sicher kein Zufall. Ich wette das waren ebenfalls die Franzosen. Jedenfalls hat man uns die Hosen heruntergezogen. Vorher hätte es niemanden interessiert, wenn wir diesen irren Sheramoh einfach abgesetzt hätten, doch jetzt schaut uns die ganze Welt auf die Finger. Wir müssen unser weiteres Agieren sehr vorsichtig gestalten.“
„Wie wollen wir denn verhindern, dass uns die Franzosen zuvorkommen?“, fragte der Außenminister, auf dessen Frage nur allgemeines Schweigen herrschte.
„Es gibt da vielleicht eine Möglichkeit…“ mischte sich der Leiter des Auslandgeheimdienstes zum ersten Mal in das Gespräch ein. „Wir müssen dem Präsidenten eben davon abraten, Frankreich ins Land zu lassen.“

„Und wie wollen wir das anstellen?“ Wollte der Außenminister wissen. „Momentan ist man auf Souelbda nicht allzu gut auf uns zu sprechen.“
„Nun, der SAS hat Mac Allister noch nicht gefunden…“
„Mac Allister?!“
„Ja! Mac Allister ist zwar britischer Staatsbürger, doch er begleitet momentan keinen Rang bei unseren Streitkräften. Wie sie sicherlich nicht vergessen haben, ist Mac Allisters offizieller Status der, eines Beraters des Präsidenten von Soulebda. Schicken wir Mac Allister noch ein paar weitere Berater und lassen ihn von der Kette.“
Man konnte die rasenden Gedanken in den Köpfen der Regierungsmitglieder förmlich hören.
„Das ist ein gefährliches Spiel.“ Warnte der Außenminister.
„Ich bin nicht bereit einfach von Soulebda abzuhauen und den Franzosen auch noch den Schlüssel zu unseren Mienen zu geben!“ Stellte der Verteidigungsminister klar.
„Niemals!“, stimmte der Chef der Streitkräfte zu. Damit lag der Ball nun bei Hafften.
„Also gut.“ Sagte Hafften schließlich. „Die Pazifikflotte soll Kurs auf Soulebda nehmen und den Franzosen ein klares Signal senden.“ Dann sah er den Geheimdienstchef an. „Finden sie Mac Allister und weisen sie ihn ein.“

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WASHINGTON

„Nein, tut mir leid John. Wir haben schon genug Probleme in der Welt, wir werden uns nicht noch mit irgendeiner verlassenen Insel belasten.“ Sagte der amerikanische Außenminister zu Larkson, seinem Stellvertreter.
Gemeinsam saßen sie im Office des Außenministeriums und berieten über die Situation auf Soulebdas, sowie Mikes Empfehlung, die „Seiten zu wechseln“ und die Rebellen zu unterstützen.
„Ich verstehe, Herr Minister.“
„Sie sind anderer Meinung, Paul? Ich höre es deutlich an ihrer Stimme.“
„Mit Verlaub ja. Alles was Colonel Smith sagt, hat Hand und Fuß, aber um ehrlich zu sein, ich habe es einfach im Gefühl, dass wir das richtige tun würden, wenn wir seiner Empfehlung folgen würden.“
„Ihr gutes Gefühl, wird den Präsidenten nicht dazu bringen zu handeln, da brauchen wir schon mehr.“
„Die Seltenen Erden sind ein verdammt guter Grund.“
„Da haben sie Recht, doch wie würde das aussehen? Wir unterstützen die Rebellen und als Dank bekommen wir die Schürfrechte. Die ganze Welt wird glauben, dass wir nur darum die Rebellen unterstützt haben. Ich halte es für besser, uns da unten herauszuhalten und abzuwarten.“
Als das Telefon läutete, blickte der Außenminister verwundert auf das Display. „Das Büro des Chefs!“ sagte er bloß und deutete Larkson an sitzen zu bleiben, als dieser Anstalten machte das Büro zu verlassen.
Er hob den Hörer ab, meldete sich und lauschte.
Als er fertig war, legte er den Hörer auf und schaute seinen Stellvertreter an…
„Der Präsident, will SIE sehen. Sofort!“

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Während wir uns bereit machten Mac Allister zu schnappen, nahmen drei verschiedene Flottenverbände Kurs auf Soulebda.
Franzosen, Engländer und jetzt auch Amerikaner.

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Im Oval Office

„Sehen Sie John, ich hatte gestern ein Gespräch mit meinen Sicherheitsberatern und am Abend dann noch eines mit meiner geliebten Ehefrau. Beide haben mich überzeugt, dass wir unsere Intensionen in der Sache Soulebda überdenken sollten. Die Jungs vom Sicherheitsrat hatten neue Informationen aus Geheimdienstquellen und meine Frau hat die Regentin vor einem Jahr auf einem Kongress reden hören und war begeistert von der Frau.

Ich will von Ihnen vor Ort einen Bericht, ob es gut ist Soulebda zu unterstützen. Ich habe bereits die entsprechenden Befehle erteilt. Die USS Theobald kreuzt in der Region und hat zwei neue Staffeln Jagdflieger erhalten, dazu die neuen Prowler Störflugzeuge.

Sie werden sich mit ein paar Leuten dorthin begeben und mein Auge und Ohr vor Ort sein. Der Außenminister wird hier für die kommenden Verhandlungen gebraucht, deswegen fliegen Sie auf die Theobald. Alles weitere erfahren Sie unterwegs und an Bord. Ehe ich mich entscheide will ich mehr wissen. Und nun grüßen Sie Ihre Frau von mir, wir freuen uns auf den Besuch im Sommer.“

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Noch während wir uns bereit machten Mc. Allister zu schnappen, nahmen drei verschiedene Flottenverbände Kurs auf Soulebda.
Franzosen, Engländer und jetzt auch die Amerikaner mit einer ganzen Trägergruppe.

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Soulebda – Gefangennahme

„Ganz leise!“, flüsterte Penelope und zeigte nach unten auf einen Bachlauf. „Dieser Fluss fließt nicht in den See, sondern macht einen Bogen. Das Wasser hier ist nicht vergiftet, wenn er kommt, dann hierher.“
„Die Frage ist, kommt er allein.“ Flüsterte Caroline.
„Eher nicht, aber wir warten einfach ab.“
Einer der Stammeskrieger ging nach vorne Richtung des Bachlaufes und verschwand einfach zwischen den Bäumen.
„Mann, das könnte ich auch gerne.“ Sagte ich zu Caroline.
„Ich hab’s dir erzählt und du hast es nicht geglaubt.“
„Ja, ich erinnere mich. Zukünftig werde ich nicht mehr an deinen Schilderungen zweifeln.“
Caroline zeigte nach vorne, wo der Stammeskrieger einfach verschwunden war. „Das können nicht einmal Soleab und seine Männer. Ein Grund mehr, die heiligen Stätten sowie die Lebensräume der Stämme zu schützen, die Stämme würden für immer untergehen.“
„Stell dir vor Frank will mir wieder einen Anschiss verpassen und ich werde einfach unsichtbar.“ Grinste ich.
„So wie ich Frank kenne, würde er Decker beauftragen dich zu finden und der würde dich finden! Unsichtbar oder nicht.“ Grinste sie zurück.
„SSSCCHHHTTT!“ stieß uns Penelope an. „Ruhig jetzt!“
Leise schlichen wir weiter, als der Stammeskrieger plötzlich wieder vor uns stand. –Wie machte der das?- Er flüsterte etwas zu Caroline und Penelope.
„Er kommt hier her.“ Übersetzte Penelope. „Es sind noch zwei weitere Soldaten bei ihm.“
Autsch, ging mir durch den Kopf. Zwei SAS Männer… auch wenn diese geschwächt waren, einen Nahkampf würde ich nicht überstehen.
Caroline zischte etwas zu dem Stammeskrieger und der zeigte ein breites Lachen. „Gute Idee.“ Flüsterte Penelope.
„Ich wüsste auch gerne, was das für eine gute Idee war.“ flüsterte ich.
„Sieh einfach zu und staune.“ Hauchte sie zurück, als aus dem Dickicht Mac Allister mit zwei seiner Männer brach und sich in den Fluss stürzten.
**
Endlich konnten Mac Allister und seine beiden Begleiter die übrigen Tiere und Parasiten von ihren Körpern entfernen,welche sich an ihnen festgesaugt oder gebissen hatten. Auch das frische Wasser wurde von den Soldaten gierig getrunken.
Als sich einer von Mac Allisters Begleitern zum Ufer schleppte, um sich auf allen vieren etwas auszuruhen, steckten plötzlich zwei kurze Pfeile in seinem Rücken und bevor die beiden anderen Soldaten reagieren konnten, waren auch diese mit Pfeilen gespickt und sie fielen schlaff zusammen.
Der zweite SAS Mann sank ins Wasser zurück und trieb mit dem Gesicht unter Wasser in dem Fluss.
Auf Penelopes Rufen sprang einer der Krieger ins Wasser und zog den Mann ans Ufer wo er ihn achtlos, aber in Sicherheit, liegen ließ. „Keine Sorge, die sind nur betäubt. Die Ehre der Stammeskrieger lässt es nicht zu, einen Feind von hinten zu betäuben und dann einfach sterben zu lassen.“ Erklärte mir Caroline.
„Ich denke nicht, dass die Mistkerle denselben Ehrenkodex haben.“
„Nein leider nicht.“ Stimmte sie mir zu.
Drei Stammeskrieger hatten Mc. Allister geschnappt und ihn zu einem handlichen Bündel gefesselt. „Los, weg hier, bevor der Rest der Truppe auftaucht. Verpasst ihm einen Knebel.“ Befahl Penelope. Mac Allister der die Kondition eines Pferdes zu haben schien, kam schon langsam wieder zu sich und so war der Knebel eine gute Idee.
„Wartet!“ rief ich, als mir ein Gedanke durch den Kopf schoss. „Wir sollten auf keinen Fall zu unseren Höhlen.“
„Peter hat Recht. Mac Allister darf auf keinen Fall wissen, wo unser Versteck ist.“ Meinte Caroline, die meinen Gedanken sofort erraten hatte.
„Ok. Bringen wir ihn zu Soleab. Der wird wissen, was er am besten mit ihm macht.“ Sagte Penelope, nachdem sie kurz darüber nachgedacht hatte.
Wir waren noch in Hörweite, da tauchen hinter uns, weitere SAS Männer auf und suchten Mac Allister und es dauerte nur Sekunden bis sie ihre Kameraden entdeckten, welche bewusstlos am Boden lagen.
„COLONEL!“ und „MAC ALLISTER!“ Rufe erklangen, doch wir hatten Glück! Die Männer waren zu geschwächt, um uns zu folgen, und so konnten wir ohne einen Kampf entkommen. Nach einer guten Stunde, in sichere Entfernung zu den zurückgebliebenen Söldnern, rasteten wir. Die Stammeskrieger zogen einen Ring um das Lager und Penelope versicherte mir, dass uns niemand überraschen konnte.
Um auch aus der Luft nicht überrascht zu werden, zogen wir uns unter das dichte Blätterwerk des Dschungels zurück.
Mac Allister schäumte vor Wut, als ich ihn angrinste. „Na Arschloch, immer noch eine große Klappe.“ Fragte ich ihn. „Ach so, der Knebel….“ sagte ich, machte aber keine Anstalten diesen zu entfernen.
„Wie du ja weißt, bin ich von Beruf Henker. Ich bin jetzt kein Gegner der Todesstrafe, schließlich lebe ich davon, doch ohne rechtskräftiges Urteil läuft bei mir normalerweise nichts. Aber bei dir würde ich gerne eine Ausnahme machen… Ich hab die Bilder von den Fischerbooten gesehen… Ich hoffe, sie lassen mich deinen Kopf abschneiden.“
Während ich Mac Allister in allen Einzelheiten erklärte, was ich gerne mit ihm anstellen möchte, kam Penelope mit Caroline an ihrer Seite zu uns. Penelope nahm Mac Allister den Knebel aus dem Mund und hielt ihm eine Flasche Wasser hin, doch Allister spukte nur verächtlich auf den Boden und sah uns hasserfüllt an.
„Ihr scheiß Inselaffen. Wir werden euch alle umlegen.“ Dann musterte er Caroline von unten bis oben und fügte hinzu, „Mit ein paar von euch, werden wir vorher noch etwas Spaß haben und euch anschließend umlegen.“ Dabei grinste dieses Arschloch Caroline frech ins Gesicht. Hätte er gewusst, wer Caroline war, hätte er wahrscheinlich seine große Klappe gehalten. Caroline aber, sah ihn freundlich an. Oh, ich kannte dieses freundliche Lachen…
„HMM“, sagte sie und rückte ihre Oberweite zurecht, „ich stehe auf Spaß und mag es auf die harte Tour.“ Caroline trat auf Mac Allister zu und bevor er sich versah, bohrte sich ein Messer sehr schmerzhaft in seine Hose. „Ich frage mich nur, wie du Spaß ohne Schwanz haben willst.“, zischte sie und Carolines Augen machten Mac. Allister klar, dass sie es ernst meinte.
Dieser hielt jeden weiteren Kommentar zurück. „Komm, lass ihn!“ sagte Penelope und hielt Caroline am Arm. „Von deiner Sorte hab ich schon einige umgelegt. War keine große Sache.“ Raunte Caroline ihm noch zu und das Messer verschwand.
„Ich gebe dir einen guten Tipp.“ Riet ich ihm, als sich die beiden Frauen wieder entfernt hatten. „Du solltest meine Freundin besser nicht anmachen. Sie meint es ernst.“
„Deine Freundin? So so! Ich werde daran denken, wenn ich mir die Schlampe vornehme.“
Jetzt grinste ich freundlich…und schlug zu.
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Penelope erkannte, dass die Situation zu eskalieren drohte, als Mac Allister mit gebrochener Nase zu Boden schlug und schickte einen Boten zu Soleab. Der sollte schnell eine Transportmöglichkeit schickte um Mac Allister von hier wegzubringen.
„Peter, ich weiß, was in dir vorgeht, doch bitte…“ flüsterte Penelope, „bitte lass es.“
„Ich werde nicht sagen, dass es mir leidtut.“
„Das erwartet auch keiner, aber wir brauchen Mac Allister noch. Er hat wichtige Informationen.“
„Die er niemals freiwillig herausrückt.“
„Nein das wird er nicht tun, aber glaub mir, er wird sie preisgeben, doch dazu muss er am Leben bleiben.“
„Schon gut, ich werde mich zurückhalten.“
„Danke.“ Sagte sie nur und ging wieder an die Spitze unserer Kolonne.

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Kurz nach dem Vorfall brachen wir wieder auf. Penelope mit einem Stammeskrieger vorne, fünf von Soleabs Kämpfern in der Mitte, die Mac Allister führten, dann Caroline und ich und die Nachhut bildeten die beiden anderen Stammeskrieger.
Nach zwei weiteren Stunden Marschs durch den Dschungel, ließ Penelope erneut halten. „Wir kommen gleich zur Straße. Wenn Soleab meine Nachricht bekommen hat, wartet dort ein Fahrzeug.“ Sagte sie und schickte die Stammeskrieger nach vorne, um zu sehen, ob die Luft rein war. Einer kam kurz darauf zurück und winkte.
Als wir zur Straße kamen, stand dort tatsächlich ein älterer Laster mit Johlaed t´Nuier, dem Boten, den Penelope losgeschickt hatte.
„Wir sehen uns, Arschloch.“, gab ich Mac Allister noch mit, als man ihn auf die Ladefläche warf. Ich konnte zwar seine Antwort nicht verstehen, doch irgendwie hörte es sich wie ein, „darauf kannst du einen lassen“ an, dann brauste der Laster los und verschwand im Dschungel.
„Wir sollten jetzt sehen, was der Rest von Mac Allisters Truppe macht.“ Meinte Penelope, also schlugen wir einen Bogen und gingen zum See zurück. Jetzt ohne Gefangenen kamen wir um einiges schneller voran. Nach etwa drei Stunden kamen wir wieder zum Lager der Briten.
Doch die hatten ihr Lager mit allem, was darin war, verlassen und nur ihre Waffen mitgenommen. Ohne Mac Allister, geschwächt und von der Natur geschlagen, hatten sie erst mal keine Lust mehr, weiter auf unser Versteck vorzurücken.
Geschlagen und kotzend zogen sie die Söldner in Richtung Küste zurück. An der Baumgrenze zum Strand der nördlichen Meeresbucht, suchten sie sich einen gut zu verteidigendem Platz, um endlich die Wunden lecken zu können. Wachen wurden eingeteilt und der Rest legte sich hin.
Mitten in der Nacht wurden die Schlafenden sehr unsanft von Gewehrläufen geweckt.

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Unser Trupp erreichte Soleabs Hauptquartier gerade als die Sonne aufging.
Meine erste Nacht im Dschungel, ohne Höhlen oder Unterschlupf als „Rebell“, würde ich ganz sicher nie vergessen. Caroline und ich hatten uns etwas vom Lager entfernt und fielen übereinander her. Penelope, die sehr wohl mitbekam, was wir da anstellten, lächelte in die Dunkelheit und überließ es den Stammeskriegern, unser Liebesspiel zu bewachen.

Als wir ankamen, umarmte Penelope ihren Schatz und drückte ihn fest an sich, während wir in angemessenen Abstand warteten, dann traten wir zu den beiden. Trotz der frühen Stunde herrschte ein hektisches Treiben in Soleabs Lager. Überall huschten Leute umher, die sich anscheinend auf einen Aufbruch vorbereiteten.
„Tut mir leid, aber hier geht es gerade heiß her.“ Erklärte uns Soleab und rief einen Befehl nach draußen.
„Was ist los?“ wollte Caroline wissen. „Kommen die Briten doch hier her?“
„Nein.“ Antwortete Soleab und zeigte auf eine Karte, auf der Einheiten eingetragen und Standorte markiert waren. „Eine Abteilung Soldaten bewegt sich aus Uhr’Luu auf eines unserer Camps zu. In diesem Camp lagert einiges an Verpflegung und was wichtiger ist, Munition. Wir versuchen, es zu räumen, bevor die Soldaten das Lager erreichen.“
„Warum treten wir den Soldaten nicht in den Arsch?“ Fragte ich. „Weil die Verpflegung und die Munition ersetzbar ist. Kämpfer aber, die ich verliere, sind nicht ersetzbar.“ Damit machte er wieder klar, wer das Kommando hatte. Um einen eventuellem Streit vorzubeugen, beschloss Penelope, schnell das Thema zu wechseln.
„Und, konntest du etwas mit unserem Gefangenen anfangen?“ fragte sie lächelnd.
„Mit welchem Gefangenen?“ fragte Soelab irritiert zurück. Wir sahen uns schockiert an, während mein Bauchgefühl laut Alarm schlug.
„Mac Allister!“ rief Penelope.
„Was ist mit Mac Allister?“ fragte Soleab, der kein Wort verstand.
„Scheiße!“ fluchte Caroline.
JA! Scheiße!!! Einen besseren Kommentar gab es nicht!

**

„Wann und mit wem habt ihr Mac Allister losgeschickt?“ wollte Soleab wissen.
„Gestern Mittag. Ich hatte dir einen Boten geschickt und dich um ein Transportfahrzeug gebeten, um Mac Allister schnell zu dir bringen zu können. Gegen 12Uhr, warteten dann der Bote und ein Fahrzeug am ausgemachten Treffpunkt auf uns. Wir haben Mac Allister ins Auto gesetzt und der Laster fuhr los.“
„Wer war der Bote?“ fragte Soleab.
„Johlaed t´Nuier“
„Johlaed ist einer meiner zuverlässigsten Männer…“
„Und wo ist seine Familie?“ fragte ich dazwischen, denn mittlerweile hatte ich mir eins und eins zusammengezählt.
„Peter!“ rief Penelope entrüstet.
„Nein! Peter hat Recht.“ Mischte sich Caroline ein. „Was ist, wenn seine Familie verhaftet wurde? Wenn man ihn dazu gezwungen hat?“ „So schnell können sie nicht reagiert haben.“ Warf ich ein. „Wenn man Johlaeb erpresst, dann schon länger.“
„Erpresst? Wir reden hier von Verrat!“, sagte Soleab erbost.
„Soleab, wir haben keine Soldaten als Truppe.“ Sagte Penelope traurig, als sie verstand auf was Caroline und ich anspielten. „Wir haben Männer und Frauen mit Familie. Solange diese nicht sicher sind, müssen wir mit solchen Vorkommnissen rechnen.“
„Du willst mir sagen, dass wir uns auf niemanden verlassen können?“ fragte Soleab wütend, doch das war die traurige Wahrheit…
„Wenn das nach draußen dringt, ist es mit der Moral unserer Truppe vorbei, dann können wir einpacken.“ Fluchte Soleab und trat nach zerknülltem Papier auf dem Boden.
„Es wird nach außen dringen. Die Leute unseres Trupps haben gesehen, wie wir Mac Allister zu dir geschickt haben. Und jetzt ist er nicht da…“ meinte Penelope.
„Penelope… wie sollen wir kämpfen, wenn wir niemandem trauen können? Jeder wird jedem misstrauen. Ich bin zwar sicher, das solltet ihr mit Johlaeb Recht haben, es hier um einen Einzelfall handelt, aber es ist der Todesstoß für die Moral.“
„Dann zeig ihnen, dass du ihnen vertraust. Lass deine Leute einen Sieg feiern.“ Hielt ich ihm entgegen.
„Und wo soll ich den Sieg hernehmen?“ Fragte Soleab bitter.
Ich zeigte auf die Karte, wo sich die Abteilung der Armee dem Versorgungslager näherte. „Hier! Stell dich ihnen entgegen.“

„Ich hab dir schon einmal gesagt, wir spielen hier nicht Krieg. Das ist ein Kampf, der sich vermeiden lässt.“
„Ja, aber du zeigst deinen Leuten, dass du ihnen den Kampf zutraust und sie führen willst. Wie stark ist die Abteilung, welche sich auf das Lager zubewegt?“ wollte ich wissen und zeigte auf die Karte.
„Etwa 30 Mann stark.“
„Und wie stark ist deine Truppe?“
„Ich habe meine Truppe in kleine Einheiten geteilt, um zu verhindern, dass uns die Armee mit einer einigen Aktion vernichten kann. Solange wir nicht stärker sind, ist dass die beste Strategie.“
„Was könntest du ihnen denn entgegenstellen?“
Soleab dachte nach. „ Wenn ich alle Einheiten in der Nähe zusammenziehe…ebenfalls 30 Mann.“
„Wenn Caroline, Peter und ich mit dabei sind und wir sie überraschen können, haben wir so gut wie gewonnen. Dann hätten wir etwas, auf das unsere Männer und Frauen stolz sein können.“ Penelope war in Hochform gelaufen.

Als Soleab noch zögerte, sagte Caroline, „Wir müssen die Soldaten nicht vernichtend schlagen, wir müssen sie nur aufhalten und in die Flucht schlagen. Für einen Sieg, der die Moral hebt, reicht das vollkommen aus.“
Soleab starrte ins Leere, dann sprang er auf und rief seine Unterführer zu sich. Einige erkannte ich aus der Nacht der Befreiungsaktion wieder und wurde entsprechend freundlich begrüßt. Zusammen mit ihnen arbeitete Soleab einen Verteidigungsplan für das Camp aus. Es war unglaublich, welche Wirkung das auf das Camp hatte, denn mittlerweile war jedem klargeworden, das hier etwas lief… Ich würde es nicht Euphorie nennen, niemand der Männer und Frauen hier, war scharf darauf sich ein Gefecht mit den Soldaten zu liefern, doch ich hatte den Eindruck, dass so etwas wie Erleichterung darüber herrschte, dass das Warten endlich ein Ende hatte.
„Ich kann nicht von euch verlangen, dass ihr mitkämpft, ihr könnt hier warten.“ sagte Soleab zu uns, nachdem die Besprechung beendet war.
„Nein“, entgegnete ich ihm, „es war meine Idee, also bin ich auch mit dabei.“
„Hast DU mir vor ein paar Tagen nicht gesagt, dass du KEINER von uns bist?“ wollte er von mir wissen und konnte sich dabei einen bissigen Unterton nicht verkneifen.
„Ja. JA, das hab ich zu dir gesagt und an diesem Tag war ich das auch nicht. Aber jetzt bin ich es! Anfangs habe ich nur für Caroline gekämpft. Mir war klar, dass sie Penelope niemals im Stich lassen würde. Und ich will dir nichts vormachen, Caroline ist noch immer mein Hauptgrund zu kämpfen, aber seit der Aktion im Palast ist das hier eine persönliche Sache! Ich will diesem Arsch Sheramoh eine in die Fresse hauen. Und wenn der Weg dorthin über eine Rebellion führt, dann bin ich eben ein Rebell! Außerdem, sehe ich Soulebda nicht mehr einfach nur als Urlaubsinsel. Sie ist Carolines Insel. Die Insel, für die ihr Herz schlägt und damit ist sie auch meine Insel.“
Soleab schaute mich lange an. Wahrscheinlich überlegte er, wie erst ich es meinte, und kam wohl zu dem Entschluss dass Caroline und ich, so ziemlich die einzigen waren, die hier auf Soulebda keine Familien hatten. „Also gut, ihr beide kommt mit mir.“ willigte er schließlich ein.

„Du meinst mit UNS“ warf Penelope ein.
„Nein, du wirst nicht mitkommen.“ entschied Soleab.
„WAS?“
„Wenn ihr Recht habt mit Johlaeb, hat er vielleicht das Versteck der Höhlen verraten. In dem Fall ist Heylah in großer Gefahr. Du musst sofort mit deinen Leuten aufbrechen und die Höhlen sichern. Sollten sich Truppen nähren, lass dich auf keinen Kampf ein. Halte sie solange auf, bis du die Höhen evakuiert hast. Dann zieht ihr euch in die Sümpfe zurück. Niemand kennt die Insel so gut wie du…. Ich brauche dich bei den Höhlen.“
Penelope biss die Zähne zusammen. Es passte ihr nicht, dass wir ohne sie in den Kampf ziehen würden, doch sie wusste auch, das Soleab Recht hatte. Zudem war Soleab ihr Befehlshaber und so fügte sie sich, wenn auch zähneknirschend.
„Wir brechen in einer Stunde auf. Waffen und Munition bekommt ihr vor dem Abmarsch.“ verkündete Soleab und wir verstanden den Wink. Während Penelope bei Soleab blieb, verließen wir seine Unterkunft.

„So habe ich es noch gar gesehen.“ meinte Caroline draußen zu mir.
„Was?“
„Das Soulebda meine Insel ist.“
„Ist sie das denn nicht?“
„Doch… Seltsam… ich habe hier so viele Jahre gearbeitet und dennoch… Ja, ich glaube, ich könnte diese Insel mein zu Hause nennen.“

Und so brachen wir um vier Uhr nachmittags auf.
Sorgen machte ich mir keine. Schließlich hatten wir eine erfolgreiche Luftschlacht geschlagen und die halbe Palastgarde zum Teufel gejagt!
Was waren da schon 30 Mann…

**

Mc. Allister wurde der Sack vom Kopf gezogen. Ein vermummter Mann in Felduniform und ohne Abzeichen stand vor ihm und sah auf ihn herunter. Mit einem Foto in der Hand beugte sich der Vermummte zu ihm herunter, griff Mc Allisters Kinn und hob dessen Kopf recht unsanft an.
Anscheinend verglich er das Gesicht vor ihm, mit dem Bild, welches er in der Hand hielt. Mc Allister sah sich um, soweit der eiserne Griff um sein Kinn dies zuließ. Allem Anschein nach, waren sie in einer verlassenen Hütte. Ein kleines Feuer verbreitete gerade genug Licht, sodass Mc. Allister an der gegenüberliegenden Wand weitere 10 Mann sehen konnte, die genauso verschnürt waren wie er und noch dazu einen Sack über dem Kopf hatten.
–Das ist wohl alles, was von meiner Truppe übrig ist.- dachte Mc. Allister. Ansonsten waren mit dem Mann der ihn anstarrte, noch fünf andere vermummte Gestalten im Raum, die alle, da war sich Mc Allister sicher, Soldaten waren. -Wahrscheinlich Franzosen- dachte er weiter.
„Er ist es.“ sagte der Mann auf Englisch, ließ ihn los und trat zurück. Dafür zog einer der anderen ein Messer, kam auf ihn zu und riss Mc. Allisters Oberkörper nach vorne.
Mc. Allister versteifte sich und erwartete den tödlichen Stoß, doch der blieb aus. Stattdessen durchtrennte der Soldat seine Fesseln und nahm ihm den Knebel aus dem Mund. Dann trat auch er von Mc Allister weg, während der sich die tauben Handgelenke rieb.
Nun stellte sich der Anführer der Truppe vor ihn, zog seine Sturmhaube vom Kopf und reichte ihm einen Umschlag.
„Ihre neuen Befehle, Colonel Mc. Allister.“

**

„Heylah, es ist jetzt schon zwei Tage her, wir müssen sie suchen!“, flehte Penelope ihre Mutter an.
„Penelope, bitte“ antwortete Heylah ihrer Tochter „Wir können nicht in das Gebiet wo Soleab und die anderen verschwunden sind. Dort wimmelt es von Truppen, anscheinend durchkämmt die Armee das Gebiet zum wiederholten Mal. Die drehen jeden Stein zweimal um. Jedes Flugzeug, das die Armee hat, ist dort oben im Einsatz. Nicht einmal die Stammeskrieger wagen sich jetzt dorthin.“
„Wir müssen doch irgendetwas tun können! Wir dürfen Soleab nicht im Stich lassen.“
„Das tun wir auch nicht…“

Es klopfte und eine Wache kündigte Mike an.
Mike und Dave hatten mit ihren Farm-Boys Carolines Insel verlassen und sich mit Heylah in den Höhlen getroffen. Dort waren die Amerikaner als erstes auf Major Meresch und die Israelis getroffen. Mike und Meresch verstanden sich sofort auf Anhieb, eben ein unsichtbares Band von Spezialist zu Spezialist.
Meresch hatte sich der Kommunikation angenommen und in eigener Verantwortung angefangen die Rebellen mit seinem Wissen zu unterstützen. Nach der ersten Ernüchterung, denn die Ausrüstung der Rebellen verdiente das Wort „Ausrüstung“ überhaupt nicht, trugen seine Bemühungen erste Früchte. Menachem war noch einmal zum U-Boot gefahren und hatte sich dort einige wichtige Teile besorgt, die Meresch dringend zum Aufbau einer vernünftigen Kommunikationszentrale brauchte. Tamar hatte sich zwar entsetzt gezeigt, als er Mereschs Liste von benötigten Teilen sah, hatte aber nachgegeben und Nazaht angewiesen, Menachem alles zugeben, was nicht zwingend notwendig im Boot gebraucht wurde.
Als dann Mike und Dave eintrafen, erweiterten die Amerikaner durch ihre mitgebrachte Ausrüstung Mereschs Möglichkeiten beträchtlich. Zwei Tage nach ihrer Zusammenkunft hatten sich dann Mike, Dave, Meresch und Menachem zusammengesetzt.

„Wollen wir offen reden?“ fragte Mike.
„Klar.“, antwortete Meresch.
„Gut, also mein Ziel ist es, den Rebellen zum Sieg zu verhelfen.“
„Warum?“, wollte Menachem wissen.
„Für meine Regierung stehen die Seltenen Erden an erster Stelle, bei mir, die Leute hier in den Höhlen. Ich will sie nicht diesem Irren im Palast überlassen. Was ist euer Ziel?“
„Der Schutz israelischer Staatsbürger.“ sagte Meresch.
„Caroline?“

„Exakt… Falls möglich, sollen wir auch ein Auge auf diesen Stein haben. Aber was die Leute hier angeht… da denke ich wie du.“
„So wie ich das sehe, kollidieren unsere Interessen nicht, also… wollen wir das Ding hier gemeinsam durchziehen?“
Die vier sagen sich gegenseitig an und nach einer Sekunde gaben sich alle die Hände. „Geht klar.“ sagte Meresch.

**

„Gibt es etwas Neues?“, wollte Mike nun von Heylah wissen.
„Nein. Die Stammeskrieger berichten, dass es einen heftigen Kampf gegeben hat und seitdem ist jede Verbindung zu Soleab und seiner Truppe abgebrochen.“
„Mutter, lass mich sie suchen. Was ist, wenn sie sie gefangen wurden? Wir könnten sie befreien!“
„Nein! Du wirst hier bleiben. Wenn man sie gefangen hat, können wir ihnen nicht mehr helfen.“
„Aber…“
„Ich sage es nur ungern“, mischte sich Mike in das Gespräch ein, „aber Heylah hat Recht. Wenn, wäre es höchstens eine Falle. Allerdings, wenn es sie etwas beruhigt, ich glaube nicht, dass man sie gefangen hat. Hätte der Präsident den militärischen Führer der Revolution gefangen, wüsste es schon die ganze Welt.“
Die Möglichkeit, dass Soleab und seine Truppe auch tot sein könnte, erwähnte er lieber nicht.

**

Inzwischen auf dem Internatioal Airport Soulebda

Im Tower des Flughafens verrichteten der zivile und der militärische Lotse ihren Dienst.
Seitdem der Präsident den Ausnahmezustand verhängt hatte und die Briten abgezogen waren, herrschte nicht mehr allzu viel Flugbetrieb. Von den Flugzeugen der Amerikaner und Franzosen abgesehen, schob man jetzt eine ruhige Kugel. Die täglichen Starts und Landungen konnte man mit zwei Leuten in einer Schicht locker bewältigen. Außerdem waren die Rebellen im Norden der Insel und Soulebda Stadt lag im Süden. Also herrschten auch eher lässige Sicherheitsbestimmungen.
Plötzlich pfiff es auf der internationalen Notruffrequenz. „Mayday, Mayday“ tönte es plötzlich aus dem Lautsprecher des Funkgerätes. „Soulebda Airport! Wir haben einen Notfall. Hören sie mich?!“
Der zivile Lotse sprang an das Funkgerät und meldete sich. „Hier ist der Airport Soulebda! Wir hören sie Pilot! Identifizieren sie sich!“
Der Lotse schaltete den Lautsprecher ein und winkte seinem militärischen Kollegen bei. „Ein Notruf!“ rief er.
„Hier ist Flug N1701CC, von Brisbane nach Soulebda. Position 282.184, 200 Meilen nordwestlich von Soulebda.“ meldete sich der Pilot.
Sofort tippte der Soldat die Daten in den Computer der Flugleitung ein und schon spuckte dieser die Daten des Fluges aus. „ Ich hab ihn! Verdammt, das sind die Filmleute!“ stellte er erschrocken fest. „Ich rufe den Palast an.“
Inzwischen hatte der zivile Lotse das Funkgerät übernommen. „Pilot! Wir haben ihre Position ausgemacht! Welchen Notfall melden sie?“
Durch ein lautes Brausen war die Stimme des Piloten gerade noch zu hören. „Wir haben ein Triebwerk und fast alle Systeme verloren. Es gab einen heftigen Schlag, und die die halbe Maschine ist ausgefallen.“
„Verstanden Pilot. Wie ist der Zustand des Flugzeuges? Können sie weiterfliegen?“
„Das ist ein Witz oder, was soll ich denn tun? Aussteigen und schieben?! Ich versuche weiterzufliegen, aber das ist, als ob man einen Bullen mit einer Hand reitet.“
Der Lotse schüttelte trotz des Notrufes lachend den Kopf, so etwas konnte nur von einem Amerikaner kommen.
Der Soldat hatte inzwischen den Palast erreicht und wurde mit Helfana verbunden.
„Helfana n’Atuari!“ meldete die sich unwirsch.
„Hier ist der Wachhabende Lotse des Airports, Sergeant Juurent d´Nuert. Ein ankommendes Flugzeug meldet einen Notfall. Es ist die Maschine der Filmleute, die heute ankommen sollen.“
„Einen Notfall? Welcher Art?“ wollte Helfana besorgt wissen. Da gelang es ihr eine große Produktionsfirma nach Soulebda zu einzuladen und nun das! Ein Absturz des Vorausteams war das Letzte was Helfana gebrauchen konnte!
„Das wissen wir nicht. Doch der Pilot glaubt, die Maschine weiterfliegen zu können.“
„Halten sie mich unbedingt auf dem Laufenden! Melden sie mir sofort, wenn sich etwas tut.“
„Jawohl.“ gab der Soldat zurück, während der andere Lotse mittlerweile den Alarm ausgelöst hatte. Auf dem gesamten Airport heulten die Sirenen auf und hektische Betriebsamkeit entstand auf dem Flugfeld, als Feuerwehren und Sanitätsteams zu den Landebahnen fuhren und in Bereitschaft gingen.
„Flug N1701CC, es ist alles für eine Notlandung bereit. Wir haben sie auf dem Radar und lotsen sie auf direktem Kurs. Gehen sie auf Kurs 120 und halten sie diese Höhe.“
„Verstanden. Gehe auf Kurs…“
Aus dem Lautsprecher ertönte ein lauter Knall dann waren Warnsirenen zu hören. Ein lautes Rauschen füllte den Raum und die Schreie der Passagiere erklangen. „Soulebda, wir gehen runter!“ schrie der Pilot und erteilte laut seine Anweisungen, die im Lärm untergingen.
„Sie verlieren schnell an Höhe.“ rief der Lotse am Radar seinem Kollegen zu. „Scheiße!“ brüllte er und rief im Palast an. „Frau Atuari, das Flugzeug verliert schnell an Höhe. Sie stürzen ab!“
Durch den Lärm der Warnsignale und der Rauschens waren noch die Worte „Bereitmachen und Notwasserung“ zu hören. Dann der letzte panische Schrei einer Frau, und die Verbindung brach ab.
Eine unheimliche Stille legte sich über den Raum.
„Sie sind weg.“ sagte der zivile Loste schließlich.“ Kein Kontakt mehr. Radar?“
„Kein Kontakt.“ kam von der Radarüberwachung. „Sie sind abgestürzt. Letzter Kontakt 156 Meilen nordwestlich von Soulebda Hauptstadt.“ „Frau Atuari, Das Flugzeug ist abgestürzt, doch wir haben die Koordinaten.“
Helfana war außer sich. „Schicken sie sofort alles raus, was Flügel hat oder sonst wie fliegen kann. Ich will, dass jedes Flugzeug und jedes Schiff zur Absturzstelle läuft. Haben sie verstanden?!“ „Jawohl.“ Der militärische Lotse hatte schon die Marineleitung am Telefon und gab den Befehl des Palastes weiter und der zivile Lotse rief bei der Küstenwache an und gab Helfanas Befehl an die Küstenwache weiter.
Nur 10 Minuten spätere hoben die ersten Flugzeuge der Armee ab und alle Flugzeuge, die in der Luft waren, änderten ihren Kurs zur angegebenen Absturzstelle. Die wenigen Schiffe der Marine, welchen den Kampf gegen die Briten überstanden hatten nahmen Kurs nach Nordwest, und die Küstenwache folgte.
Da der Notruf auf der internationalen Notruffrequenz gesendet wurde, und noch dazu von einem amerikanischen Flugzeug kam, startete jedes Flugzeug und jeder Hubschrauber auf Ni´Among die starten konnten.
Das wiederum brachte die Franzosen in Zugzwang. Sie konnten schlecht den Notruf ignorieren und auch ihre Flugzeuge hoben ab.
So begann die bis dahin größte Suchaktion der Geschichte Soulebdas.

**

„Ich friere so schrecklich.“ flüsterte Caroline im Delirium, ohne die Augen zu öffnen.
Ich saß mit dem Rücken an einer feuchten Höhlenwand und Caroline lag zwischen meinen Beinen auf dem Boden. Ich hatte es ihr so bequem wie möglich gemacht und ihren Kopf auf meinen Schoß gelegt. Mit meiner Jacke deckte ich sie so gut zu, wie ich konnte, und versuchte sie so warm wie möglich zu halten.
Gegenüber von mir saß ein völlig verzweifelter Soleab. Immer wieder wanderten seine blutunterlaufenen Augen durch die Höhle und den acht Menschen darin. Ich glaube, das einzige, was ihn davon abhielt, sich eine Kugel in den Kopf zu jagen, war die Verantwortung, die er gegenüber den paar Überlebenden trug, und das Versprechen, das er Heylah gegeben hatte.

**

Wir hatten gekämpft und die Soldaten hatten uns den Arsch aufgerissen. Nicht wir überraschten sie, nein, wir wurden erwartet.
Zu spät kam die Erkenntnis, dass die Meldung und die Einschätzung der Feindstärke von Johlaeb gekommen waren…

**

Der Dschungelkampf

„Ok, ab hier müssen wir vorsichtig sein,“ raunte Soleab und zeigte nach vorne, wo der Dschungel etwas lichter wurde. Er hatte seine dreißig Mann starke Truppe im Kreis um sich versammelt und beugte sich über eine kleine Karte. „Der Bereich um den Fluss bietet uns keine Deckung“ er zeigte nach links, wo man das Glitzern des Wassers zwischen den Bäumen sehen konnte. „Wir müssen einen Abstand von ca. 50 Metern halten und dem Bachlauf folgen. Dann können wir den Soldaten den Weg abschneiden, bevor sie das Camp erreichen.“ erklärte er uns.
„Soleab, wenn ich das richtig sehe, ist da oben 200 Meter rechts ein Hügelkamm, sollten wir nicht dort dem Fluss folgen?“ fragte ihn Caroline.
„Nein, hier in der Mitte zwischen Hügel und Fluss ist die Vegetation dichter, sollte ein Flugzeug der Armee auftauchen, können wir uns besser verstecken.“
Ich sah Carolines besorgtes Gesicht, als Soleab ihr antwortete. „Was?“ fragte ich sie.
„Ich weiß nicht, ich habe einfach ein mieses Gefühl.“ Flüsterte sie. „Lass uns wenigstens die rechte Seite gut sichern.“ bat sie Soleab. Der nickte und schickte zwei Kundschafter los, um die rechte Seite zu sichern.
Ein mieses Gefühl… Auch meine Nackenhaare sträubten sich, aber ich war auch kein Dschungelkämpfer. Das hier war kein Waldstück mit einer Hütte, das hier war Neuland.
Langsam bewegte sich unser Trupp im Gänsemarsch weiter. Soleabs an der Spitze, sein Stellvertreter hinten, Caroline und ich in der Mitte. Durch die Bäume konnte ich links ab und an den Fluss sehen. Irrte ich mich, oder blitzte da etwas zwischen den Bäumen am Wasser? -Quatsch!- sagte ich mir, das war sicher nur die Sonne im Wasser.
„Ist es dir auch aufgefallen?“, fragte Caroline mit besorgter Stimme. „Das Blitzen? Ja.“
„Achtung! Stopp!“ flüsterte sie und das Kommando ging weiter nach vorne und die Kolonne hielt an. Soleab kam zu uns und fragte; „Was ist los?“
„Auf der anderen Flussseite ist etwas.“ antwortete Caroline und zeigte auf die Stelle, wo sie das Aufblitzen gesehen hatte.
„Was hast du gesehen.“
„Ein Aufblitzen, an der Baumgrenze.“
„Nichts Genaues?“
„Nein, aber…“
Bevor Caroline weitersprechen konnte durchbrach ein Schuss die Stille. Wir wirbelten herum, dann folgte eine ganze Salve. Und die Schüsse kamen von rechts!
„Rundumverteidigung!“ brüllte Soleab und stürzte zu den Männern die nach rechts in den Urwald schossen, um zu sehen, was los war. Was los war, sahen wir alle im gleichen Moment! Brüllende Soldaten kamen den Abhang herunter gerannt und schossen wie die Teufel.
„Feuerlinie bilden!“ rief Soelab und versuchte Ordnung in das Caos zu bringen.
Wir bildeten eine Linie und feuerten zurück. Die Soldaten warfen sich in Deckung, und schossen in unsere Richtung. Der Sinn war klar, eine zweite Abteilung Soldaten stürmte auf uns zu.
„Das ist eine Falle.“ rief Hurefet, Soleabs zweiter Kommandoführer. „Wir gehen in Richtung Fluss zurück!“
„NEIN!“ brüllte Caroline. „DAS ist die Falle.“
„WAS?“ rief Soleab.
„Sie lauern auf der anderen Flussseite! Wenn wir deckungslos im Flussbett sind, metzeln sie uns alle nieder!“
Mittlerweile kamen die Kugeleinschläge näher und Soleab hatte etwas Ordnung in seine Truppe gebracht. Das Feuer wurde nun von unseren Leuten diszipliniert erwidert und die Soldaten gestoppt.
„Verteilen! Abstand 5 Meter!“ brüllte Soleab und schon wurde der erste unserer Männer getroffen.
„Wir müssen nach oben!“ schrie Caroline ihm zu.
„Das sind weit mehr als dreißig Mann, wenn wir vorrücken, sind wir erledigt!“
„Wenn die Soldaten auf der anderen Flussseite erst mal mitbekommen, dass wir nicht in die Falle gehen, nehmen sie uns in die Zange. Wir müssen die Soldaten rechts angreifen, solange die anderen noch auf der linken Flussseite sind!“ beschwor ihn Caroline. Wieder wurde einer unserer Männer getroffen.
Eine unserer Kämpferinnen verlor die Nerven und rannte los zum Fluss. Wie Caroline es vorhergesehen hatte, kam sie bis zur Mitte des Flusses, dann wurde sie niedergeschossen.
„Verdammt! LOS, Vorrücken!“ befahl Soleab.
Das war leichter gesagte als getan. Wir wurden beschossen, sobald sich ein Ziel bot. Auf allen vieren krochen wir auf die Soldaten zu, während über uns das Inferno tobte. Verdammt, wie oft hatte ich in der Grundausbildung beim Bund gedacht, was für ein Scheiß das brauchst du nie, als wir durch den Matsch robbten…, und jetzt? Scheiße!
Es erwischte zwei weitere Kämpfer, bevor wir uns auf etwa 20 Meter an die Soldaten herangearbeitet hatten. Glücklicherweise konnten die Soldaten uns zwischen den Bäumen nicht richtig unter Beschuss nehmen. Doch ich erkannte, dass Soleab Recht mit seiner Einschätzung hatte… Das war nicht die Garde, die ihre Uniformen spatzieren trug, nein dass waren ausgebildete Soldaten, die ihr Handwerk verstanden.
„DA! Wir feuern alle auf diese Stelle, halten sie unten und stürmen dort durch ihre Linie.“ Soleab zeigte auf eine Stelle, die links von der Mitte lag.
Wir gaben seine Kommandos nach beiden Seiten weiter und hofften, dass alle den Plan verstanden, denn mittlerweile wurde den Soldaten auf der anderen Uferseite bewusst, dass wir nicht in ihre Richtung kommen würden und stürmten durch den Fluss auf uns zu. Zum Glück waren wir den Soldaten vor dem Hügelkamm schon so nah, dass die die „Flusssoldaten“ nicht einfach darauf losschießen konnten.
„FEUER!“ rief Soleab und wir schossen auf die Stelle, auf die Soleab gezeigt hatte, sprangen auf und stürmten los. Noch beim Aufspringen wurde der Mann neben Soleab von den Beinen gerissen, doch jetzt gab es kein Halten mehr. Wir stürmten zur Linie und erreichten sie, wo sofort ein wilder Nahkampf entbrannte, bei dem ich völlig den Überblick verlor.
Zwischen den Bäumen schien jeder mit jedem zu kämpfen und ich schoss auf die erste Gestalt, die eine Uniform trug.
Caroline machte gleich zwei Gegner nieder, die glaubten mit einer Frau leichtes Spiel zu haben. Ich suchte einen neuen Gegner, griff ihn an und verfiel in einen wilden Rausch, bis mich Carolines Schrei in die Wirklichkeit zurückriss.
Ich schaute nach rechts und sah Caroline getroffen zu Boden gehen. Der Soldat, der Caroline niedergeschossen hatte, legte gerade die Waffe auf sie an, um ihr eine zweite Kugel zu verpassen, als ich laut schreiend auf ihn zustürmte.
Der Soldat drehte sich zu mir, ich hob das Gewehr und drückte ab… Leer.
Der Soldat hatte sich gefangen, ließ von Caroline ab, zielte auf mich und schoss, doch die Kugel sauste wenige Millimeter weit an meinem Kopf vorbei. Bevor er ein weiteres Mal schießen konnte, ließ mich ich mich nach unten fallen, rollte über den Boden und hörte die Schüsse über mich hinweg peitschen. Als ich wieder aufsprang, stand ich direkt vor ihm und schlug ihm mit den Gewehrkolben mitten ins Gesicht. Ein hässliches Geräusch erklang, als seine Gesichtsknochen nachgaben und er nach hinten stürzte.
Als ein weiterer Soldat auf mich zu rannte, warf ich mein leeres Gewehr weg und hob die Waffe des Bewusstlosen auf und schoss ihn nieder, dann waren wir durch die Linie durchgebrochen.
„Über den Kamm!“ hörte ich Soleabs Kommando.
Ich warf das Gewehr weg, hob Caroline vom Boden auf, legte sie über die Schulter und rannte los. Schüsse peitschen hinter mir her, schlugen in den Bäumen rechts und links von mir ein, als ich den Hang nach oben lief, doch ich rannte einfach weiter. Auf dem Kamm angekommen drehte ich mich um und blickte zurück. Etwa 50 Soldaten kamen hinter uns her.
„Weiter!“ brüllte mich Soleab an und stieß mich nach vorwärts. Wir rannten und rannten, dann kurze Zeit später, kamen zu einer kleinen Schlucht.
„Da rein!“ winkte mir Soleab zu.
„In die Schucht?“
„Da drinnen können sie uns nur von hinten angreifen. Los jetzt.“
Ich zählte, ganze 13 Kämpfer, zehn Männer und drei Frauen, die das Gemetzel überlebt hatten. Plötzlich bemerkte Soleab wie sich Hurefet, mit vier Mann zurückfallen ließ.
„Los schneller!“ trieb sie Soleab an.
„Wir bleiben hier!“ antwortete Hurefet und Soleab verstand sofort, was Hurefet meinte. „Nein, das werdet ihr nicht! Das ist ein Befehl!“
Hurefet legte Soleab die Hand auf die Schulter. „Die Leute brauchen dich. Ganz Soulebda braucht dich. Wir gewinnen nichts, wenn du in dieser Schlucht umkommst. Aber ich möchte nicht gerne als ungehorsamer Soldat sterben.“
Soleab liefen die Tränen über das Gesicht. Er fasste Hurefets Hand und drückte sie. „Ihr werdet sie aufhalten, solange es geht, dann zieht ihr euch zurück.“
„Danke. Viel Glück!“
Hurefet gab seine Kommandos und die Fünf gingen in der Schlucht zu beiden Seiten in Stellung. Hemmungslos weinend lief Soleab an uns vorbei und trieb uns an. „LOS WEITER!“
Schon nach drei Minuten hörten wir ein wildes Gefecht hinter uns. Hurefet verschaffte uns ganze 10 Minuten Vorsprung und die Soldaten aufzuhalten, dann verfolgten uns noch weitere 5 Minuten die Schreie derjenigen, die beim Kampf nicht umgekommen waren.
Doch Hurefet hatte sein Ziel erreicht! Plötzlich standen zwei Stammeskrieger vor uns. „Hier entlang!“ Einer übernahm die Spitze, der andere kam zu mir.
Mit Gesten machte er mir klar, dass er Caroline tragen wolle. Als ich den Kopf schüttelte, zeigte er auf mein linkes Bein. Jetzt erst sah ich, dass mein rechtes Bein blutüberströmt war. Widerwillig nickte ich und übergab die bewusstlose Caroline dem Stammeskrieger der, obwohl er kleiner als ich war, Caroline mühelos auf seine Schulter legte und sie trug. Die Stammeskrieger führten uns noch eine halbe Stunde, dann kamen wir zu einer versteckten Höhle, in die wir uns verkrochen.
„In die Höhle,“ befahl Soleab und als er meine besorgte Miene sah, erklärte er mir; „Die Stammeskrieger werden die Höhle tarnen. Wir sind in der Höhle sicher.“
Scheiße, eine andere Wahl hatte ich sowieso nicht. Ich musste Caroline versorgen! Kaum waren wir im Inneren der Höhle, zog ich schnell Carolines Hemd nach oben, um mir ihre Wunde anzusehen.
Die Kugel hatte sie in der Hüfte getroffen. Ich drehte sie herum und sah keine Austrittswunde, das hieß, die Kugel musste noch in ihr stecken! Auch das noch! Ich war kein Arzt… ich hatte nur ein paar erste Hilfe Kurse besucht und in keinem wurde erklärt, wie man eine Kugel entfernte! Ein Blick zu den andren Überlebenden zeigte mir, dass die meisten von uns verletzt waren und dringend Hilfe brauchten.
Die Stammeskrieger kamen mit drei weiteren Kriegern zurück, nachdem sie den Höhleneingang so gut getarnt hatten, dass man ihn nicht mehr sehen konnte, selbst wenn man direkt davor stand und berichteten, dass überall Soldaten waren, und wir die Höhle nicht verlassen sollten.
Ab und an huschte einer der Krieger hinaus und kam mit Kräutern zurück, um die Verletzten zu versorgen. Einer kam zu Caroline, während ein weiterer Krieger Blätter kaute, die er ausspuckte und auf mein Bein verteilte. So wie es aussah, hatte mich keine Kugel erwischt, sondern ein Stück Holz, das noch darin steckte. Der Stammeskrieger zog sein Messer und entfernte das Holzstück, dann schmierte er wieder etwas gekauten Brei darauf.
„Verdammt,“ herrschte ich Soleab an. „Was war das für eine Scheiße?!“ und stieß ihn vor die Brust.
Für einen Moment war Soleab wieder der selbstsichere Anführer der er vor unserem Aufbruch war. „Scheiße?!“ fauchte er zurück und gab mir einen heftigen Stoß vor die Brust. „Ich hab es dir gesagt, wir spielen hier nicht Krieg, das hier IST Krieg! Du wolltest unbedingt mitmachen, also jammere mir jetzt nicht die Ohren voll!“
Ich war kurz davor ihm eine in die Zähne zu schlagen, doch zwei Gründe hielten mich ab. Erstens trat eine der überlebenden Frauen zwischen uns und fragte „Habt ihr zwei Schwachköpfe keine anderen Sorgen, als euch gegenseitig fertig zum machen?!“
Und zweitens… Soleab hatte Recht.
Jetzt, als das Adrenalin abgebaut war, kam der Schmerz. Aber ich nahm ihn noch immer nicht wirklich wahr. Zu groß war meine Sorge um Caroline. Der Stammeskrieger der Caroline eingehend untersuchte rief einen weiteren Krieger hinzu und beratschlagte sich mit ihm.
Dann mischte er verschiedene Kräuter und Blätter zu einer Paste an, mit denen sie Carolines Wunden einrieben. Als sie damit fertig waren, sah er mich an, legte mir seine Hand auf die Schulter und sagte etwas in der Stammessprache. Dann stand er auf und schaute nach einem anderen Verletzten.
„Was hat er gesagt?“ fragte ich Soleab gegenüber.
„Er sagt, wenn Mualebda es will und sie morgen noch lebt, wird sie es schaffen.“ übersetzte mir Soleab.
WENN? Nein! WENN war KEINE Option!!!
Meine Caroline würde nicht in diesem Loch von Dschungel verrecken! Nein, ich werde sie hier herausbringen! Nur hatte ich keine Ahnung, wie ich das ohne fremde Hilfe schaffen sollte.

**

85 Meilen südöstlich vor der Küste Soulebdas

Das Wasserflugzeug donnerte so dicht über Wellenkämme, dass es von den Luftwirbeln durchgeschüttelt wurde und der kleinste Pilotenfehler zum Absturz führen würde.
Schubert aber, saß ganz entspannt hinter seinem Steuerknüppel, kaute auf einem Kaugummi herum und flog das Flugzeug, als ob er im Leben nie etwas anderes getan hätte.
„Du bist schon ein Scherzbold oder?“, fragte Frank ihn, während er hinter ihm stand.
„Wie kommst du denn darauf?“, wollte Schubert wissen.
„N1701CC. Ist das nicht die Enterprise?“
Schubert lachte auf. „Nicht ganz, die Enterprise hat die NCC1701. Aber ja, ich bin ein Trecki der ersten Stunde.“
„Denkst du nicht, dass das auffallen wird?“
„Quatsch, keiner auf dieser Insel hat jemals von der Enterprise gehört und wenn es schon unserem Genie hier nicht aufgefallen ist…“, er zeigte mit dem Kopf neben sich, zum Copiloten sitz, wo Randy saß.

„Also gut du Genie, erzähl mir was.“ sagte er zu Randy, der völlig grün im Gesicht seinen Laptop aufklappte und ihn startete. Nach kurzer Zeit hatte Randy ein Signal und alle Daten, die er brauchte. „Alles klar… Moment.“ sagte er und versuchte ein Würgen zu unterdrücken.
„Wir haben acht Marineeinheiten und Küstenwachschiffe die…“ er unterbrach und holte zwei Mal tief Luft, „Können wir nicht etwas höher fliegen, ich glaube, ich muss mich sonst übergeben.“
„Nein, können wir nicht, schließlich wollen wir doch nicht gesehen werden. Also was ist mit der Marine? Und noch was! In meinem Flugzeug wird nicht gekotzt. Ist das klar?!“
Randy vergrößerte den Abschnitt auf dem Bildschirm und aktualisierte die Daten.
„Alle Schiffe laufen alle unsere „Absturzstelle“ an. Jedes Flugzeug der Insel sucht uns nordwestlich der Küste. Vor uns sollte der Luft und Seeweg frei sein. Alles was noch zwischen uns und den vorgeschobenen Inseln liegt, sind zwei Tanker und ein Containerschiff, die um die Insel herumfahren, um zur Absturzstelle zu kommen. Wenn wir diesen Doppelte-S Kurs fliegen, sehen uns die Schiffe nicht.“

„Ok.“ brummte Bernd und er legte das Flugzeug in eine Kurve, was bei Randy dazu führte, dass er schnell eine Tüte ergriff und sich darin erbrach.
Schubert sah ihn fassungslos an, dann drehte er sich erneut zu Frank um, der noch immer hinter ihm stand. „Hören sie Brauer, ich hatte schon einige Teams hinter mir sitzen, aber das hier ist wirklich das traurigste Rettungsteam, das ich je gesehen habe.“
Frank drehte sich um und blickte in den Passagierteil der Maschine. Dort lag Decker und schlief ungerührt den Schlaf des Gerechten. Neben ihm saßen Johann, Bernd und Hannes und vertrieben sich genüsslich die Zeit mit Kartenspielen.
Gegenüber von Deckers Schlafplatz, saßen Levi und der erfahrene Helmer, Sarahs Kampfexperte. Zusammen checkten sie Waffen, Ausrüstung und Geräte. Alle sechs waren Veteranen, der „Schlacht um Fransiskas Hütte“, einem wilden Kampf im vorigen Jahr, als französische Fallschirmjäger Vera und Fransiska entführt hatten und bei der der „Alte Franzose“ dumm genug war, sich mit Decker anzulegen… und dabei seine Eier verlor.
Alle sechs Männer kannten sich gegenseitig bestens und verließen sich blind aufeinander.
Auf der anderen Seite des Flugzeuges saßen die zwei Mitglieder, die Levi noch zusätzlich für das Team angeworben hatte… Sarah und Vera!
Wegen Helmers Anwesenheit war der Name Beate tabu, wobei auch Helmer schon bemerkt hatte, dass seine Chefin ein Geheimnis hatte… doch nach einem vertraulichen Gespräch, welches er mit Decker geführt hatte, beließ es Helmer dabei und stellte keine Fragen mehr.
Frank hatte Sarah zu sich bestellt, damit sie die Leitung des Gefängnisses, während seiner Abwesenheit übernehmen sollte…

**

„Hallo Sarah, nimm Platz.“ hatte Frank sie damals begrüßt.
Sarah war nach ihrer Ausbildung unter Frank schnell aus der Reichweite des damaligen Generalstaatsanwaltes Trommer verschwunden und hatte einen Job am anderen Ende der Republik angenommen. Natürlich nicht, ohne Vera mitzunehmen.
Nun war sie auf Franks Bitte zurückgekommen und saß ihm gegenüber.
„Du hast es am Telefon, ja sehr spannend gemacht.“ antwortete sie ihm lächelnd, nachdem sie Platz genommen hatte.
„Die Geheimniskrämerei tut mir leid, aber es ist wichtig. Du musst mich hier vertreten.“ erklärte Frank ihr ohne Umschweife.
„Dich vertreten?!“, fragte Sarah nach, um sicherzugehen, dass sie Frank richtig verstanden hatte.
„Ja, ich muss dringend etwas erledigen und ich brauche jemanden, auf den ich mich verlassen kann.“
„Versteh mich nicht falsch, ich fühle mich geehrt, dass du mir deinen Platz anvertraust… aber wieso ich? Caroline wäre doch sicher deine erste Wahl.“
„Caroline ist… unpässlich.“
„Unpässlich?“, fragte Sarah misstrauisch nach. „Was ist mit Peter?“

Jetzt erzählte er Sarah, was er vor hatte.
Als Sarah dann hörte, was los war, konnten sie weder gutes Zureden, noch Drohungen davon abbringen sich dem Team anzuschließen.
„Ich bin dabei! Finde dich damit ab!“
Später im „Verschwörer Kreis“ berieten Frank, Levi und Decker, wie es jetzt weitergehen sollte. Erstaunlicherweise, war es Decker, der Frank überredete, Sarah mit ins Team aufzunehmen.
Erstens konnte Sarah eine eiskalte Killerin sein, was sie in der „Schlacht um Fransiskas Hütte“ sehr wohl bewiesen hatte und zweitens, würde sie niemals ohne Vera mit nach Soulebda kommen, was damit die medizinische Versorgung sicherstellte.

Also saß Sarah mit den zwei Dingen im Flugzeug, die sie zum Überleben brauchte, ihrer geliebten Vera und ihrem bösartigem Kampfmesser.
Franks Gedanken waren da wieder im Flugzeug. Als Frank seinen Blick über die Leute hinter sich schweifen ließ, fühlte er Stolz. Ungeahnten Stolz! Er war stolz, Teil dieses Freundeskreises zu sein zu dürfen!
„Ich werde ihnen mal etwas sagen Schubert. Das ist das beste Team, das es je gegeben hat, und sie sind mit dabei!“
„Ja, Hurra.“ sagte Schubert wenig überzeugend, legte das Flugzeug erneut in eine Kurve, und brachte Randy damit wieder zum kotzen. „Also gut, noch sechzig Meilen bis zur Hauptinsel und wir nähern uns den kleinen Inseln. Wie sollen wir diese geheimnisvolle Insel 42 finden?“
„Ben?“, fragte Frank nach hinten. Levi stand auf und kam zum Cockpit.
„Was hat Dagan gesagt, wie wir diese Insel finden sollen?“
„Ein Pilot der Rebellenluftwaffe will sich mit uns treffen.“ teilte Benjamin mit.
„Die Rebellen haben eine eigene Luftwaffe? Kein Scheiß?“
„Nein, kein Scheiß. Die haben mit ihren Flugzeugen, sogar den Briten in den Hintern getreten.“
„Nun“, sagte Schubert nachdem er einen Blick auf seine Instrumente geworfen hatte. „Ich hoffe, der Lotse beeilt sich, wir haben noch 30 Minuten Licht und Treibstoff für 35 Minuten.“
„DA!“ rief Frank erschrocken und zeigte nach links.

Fast wäre Schubert zusammengezuckt, als sich ein anders Wasserflugzeug neben ihm hochkam. Das Flugzeug hatte überall Einschusslöcher und wurde von der schönsten Frau geflogen, die Schubert je gesehen hatte.

-Verdammt!- dachte Schubert,- sie muss noch tiefer geflogen sein, als ich!-
Die Frau winkte ihnen zu, wackelte mit den Tragflächen und flog dann nach links. „Ich schätze der Lotse hat uns gefunden.“ sagte Schubert und folgte der Frau.
Mit dem letzten Licht und Tropfen Benzin setzte er die Maschine am Strand der Insel 42 auf und Schubert ließ sie zur Baumgrenze rollen. Schnell wimmelte es von Leuten, die begannen die Flugzeuge mit Palmwedeln abzudecken.
„Gut gemacht Schubert!“, sagte Frank, nachdem Randy das Cockpit fluchtartig verlassen hatte. „Das war ihr Part, der Abmachung und den haben sie erfüllt, jetzt bin ich dran. Sie sind frei! Lassen Sie sich besser nicht mehr in Deutschland blicken.“
„Brauer!“
Frank der schon am Gehen war, blieb stehen und sah Schubert an. „Ja?“
„Danke!“
Frank erwiderte nichts, sondern nickte nur und verließ das Flugzeug.
Während die anderen das Flugzeug ausluden, streckte sich Schubert und sprang aus der Maschine. Etwas weiter neben seinem Flieger, konnte Bernd neben dem durchlöcherten Wasserflugzeug noch ein drittes Flugzeug sehen, die dem Anschein nach eine ältere Frachtmaschine war und an der ein Mann herumschraubte. Der Mann sah kurz hoch und winkte und legte sein Werkzeug aus den Händen.
Die Frau aus dem zerschossenen Wasserflugzeug kam auf ihn zu, schüttelte kurz ihr Haar, dabei ließ ihr wunderschönes Haar wedeln und begrüßte ihn herzlich. „Hallo ich bin Veronique. Veronique Soolef´ta “ Begrüßte sie ihn.

„Bernd. Bernd Schubert.“ sie reichten sich die Hände und mittlerweile war der Mann, der an der Frachtmaschine geschraubt hatte, auch zu ihnen gekommen.
„Das ist Jim.“ stellte Veronique ihn vor. „Kommen sie mit Pilot.“ Veronique drehte sich um und ging in ihre Höhle.
Drinnen angekommen, öffnete Jim eine Flache alkoholfreies Bier und reichte sie Schubert, der es dankend entgegennahm. „Das war eine reife Leistung, so dicht über die Wellen zu fliegen.“ lobte ihn Veronique. „Sie sind ein guter Pilot.“
Schubert wurde tatsächlich verlegen. „Ach was.“ antwortete er und verstand überhaupt nicht, wieso er in Gegenwart dieser schönen Frau so verlegen wurde.
„Doch im Ernst. Wollen sie sich vielleicht unserer Luftwaffe anschließen? Wir brauchen gute Piloten.“
„Hhmmm“, überlegte Schubert und plötzlich wurde ihm bewusst, dass er nicht zurückfliegen konnte. Nein, er war jetzt zwar frei, dennoch ein gesuchter Sträfling … „Tja, wissen sie“, antwortete er schließlich, „dass hier ist so eine Art „Nur hin Fahrkarte“… Warum nicht?!“
„DANKE!“ freute sich Veronique und umarmte ihr neustes Staffelmitglied.
„Wie viele seid ihr und welche Maschinen benutzt ihr?“, wollte Schubert wissen.
Veronique lachte ihn strahlend an. „Nun, jetzt sind wir zu dritt und unsere Maschinen sind die hier.“ Sie drehte sich zum Eingang und zeigte auf die drei alten Flugzeuge draußen. „Aber keine Sorge, die erste Luftschlacht gegen die Royal Air Force haben wir gewonnen.“
Schubert blieb vor Entsetzen der Mund offen stehen und er war sprachlos. Jim lachte und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. „Militärische Ausbildung?“
Bernd, der immer noch sprachlos war, konnte nur nicken.
„Dann brauchen wir dich wirklich! Willkommen an Bord.“
Als Schubert wieder reden konnte, stammelte er nur ein „Danke“ und wünschte sich, dass das Bier doch nicht alkoholfrei wäre …
„Schubert, sie überraschen mich doch immer wieder“, lachte Frank, der in die Höhle gekommen war. „Diese Karriere muss ihnen erst mal einer nachmachen.“ dann drehte sich Frank zu Veronique. „Also, wo sind die beiden? Ich will ihnen das Fell abziehen.“
Jetzt wurden Veroniques hübsche Augen trübe.
„Es gab einen Kampf im Westen der Insel… Sie werden seither vermisst.“

**
„Wir müssen etwas tun Mutter. Bitte.“ flehte Penelope Heylah an. „Ja, wir werden auch etwas tun, meine geliebte Tochter. Heute Abend werden wir unsere Stimme erheben. Heute Abend soll uns Soulebda und die ganze Welt hören.“
Zusammen mit Penelope ging sie zu Major Meresch, der zusammen mit Mike da saß und schon alles bereit gemacht hatte.

Mike hatte die Rede der Regentin, ehemaligen Präsidentengattin und jetzigen politische Führerin der Rebellion beim stellvertretenden Außenminister angekündigt.
Der saß gespannt in einer Kabine der USS Theobald, einem der neusten und modernsten Flugzeugträger der US NAVY, 400 Meilen vor Soulebda und lauschte in den Funk.

Auch auf den britischen und französischen Schiffen wurden die Lautsprecher aufgedreht und Aufnahmegeräte eingeschaltet. In der Hoffnung, dass die Briten und Franzosen ihre Flotten zurückziehen, hatte Dagan dafür gesorgt, dass die Zeit der Rede bekannt wurde. Denn von dieser Rede würde alles Weitere abhängen!

Meresch der noch ein letztes Mal sicherstellte, dass die Sendeanlage bereit war und das Signal maximale Leistung brachte, schaltete das Mikrophon ein und hob den Daumen. „Wir sind auf Sendung, Regentin.“
Heylah ai Youhaahb trank noch einen Schluck Wasser, räusperte sich noch einmal, nahm das Mikrofon und damit das Schicksal der Rebellion in die Hand.

„Bewohner unseres geliebten Soulebdas.“

**

19 Stunden früher nahe der malerischen Insel Tikopia

Auf den ruhigen Wellen spielten einige fliegende Fische, ein Albatros segelte einsam auf seinen riesigen Schingen dem weiten Ufer zu, während die Sonne sank, um langsam im Meer zu ertrinken und alles was man sonst noch hätte sehen können, war ein kleiner einsamer Metallmast, der aus dem Meer ragte.

So plötzlich wie der kleine Funkmast auftauchte, war er auch wieder verschwunden und ein prächtiger Fisch schwamm genau da, wo eben noch der Mast im Meer gestanden hatte.

Unten im Meer schlich das U-Boot „Todesschatten“ ungesehen und unerkannt auf der vorgeschriebenen Route und der Funkoffizier ließ die soeben aufgefangenen Funksignale durch den Entschlusslungscomputer laufen.

Aus den knappen fünf Minuten andauernden Signalen zauberte der Entschlusslungscomputer seitenweise neue Anleitungen. Darunter auch die neuen Kapitänsanweisungen, die nochmals verschlüsselt waren und Tamars Eingabecode benötigten. Die restlichen Informationen wurden im bordeigenen Intranet eingespeist und den jeweiligen Abteilungen zugeordnet. Darunter die erwarteten Briefe der geliebten Menschen, Nachrichten der Besatzungen und Aktuelles auf der Heimat.

Als der Funkoffizier nach einer guten halben Stunde später fertig war, speiste er die Nachrichten in das Intranet des Bootes ein und nahm das Mikrofon der Bordsprechanlage, darauf sagte nur ein den Satz, auf den so viele warteten: „Nachrichteneingang!“

Auf der Startseite befanden sich unter Maileingang 21 neue Nachrichten mit dem jeweiligen Empfänger. Die Offiziere hatten ihren Maileingang auf ihrer Seite und Kapitän Tamar sah auf seinen Bildschirm, während er mit seinem ersten Offizier einige Anweisungen beratschlagte.

„Oh heute mal wieder etwas Ausführlicheres aus Haifa?“, frage der Kapitän und öffnete seine Post, gab seine Kennung ein und las, was da stand. Neben den Berichten zur altuellen Lage standen da auch die Tagesbefehle für den Todesschatten und seine Mannschaft. Es gab aktualisierte Neugigkeiten, welche Nationen und Mächte sich hier mittlerweile herumtrieben und dann noch einige allgemeine Neuigkeiten.

Dann traf die Meldung zum gegenwärtigen Einsatz auf Soulebda ein.

„Ja wir sollen unseren Urlaub in der Südsee noch verlängern und treffen uns mit der Lilian, einem unserer Versorger genau hier nahe Treasures Island.“ dabei drückte Tamar den „Display“ Knopf und eine Seekarte mit dem Todesschatten in der Mitte leuchtete auf.
Ein blinkender Punkt tauchte auf und nebenan standen die Entfernungsdaten und was sie sonst noch alles brauchten.

In die Zentrale zurückgekehrt, gab Tamar die neuen Befehle. „Sonar nennen Sie alle Kontakte in 200 Meilen.“

„Auf 178 Grad, Entfernung 190 Meilen ein Versorger aus Vanatu kommend Richtung Solomon Inseln.
Und auf 310 Grad einige Urlauberschiffe und Segler, sonst keine Über, oder Unterwasserkontakte Kapitän.“

„Sehr schön, Steuermann, Neuer Kurs 340 Grad wir fahren NNW zum Rendevouzpunkt Alpha.“

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Achtzehn Stunden später traf der Todesschatten nahe Treasures Island auf die Lilian, einen modernen Transporter und gab sich ihm zu erkennen. Nach der gegenseitigen Identifizierung begann die Versorgung mit allem was das U-Boot brauchte.

Währenddessen lief der Notruf des angeblichen Filmteams ein und wenig später wurde es im Funk hektischer und die ersten Flugzeuge tauchten auf dem Radar auf.

Wie immer herrschte vor Treasures Island ein dichter Nebel, der den Frachter und seinen Begleiter vor den Neugierigen Blicken verbargen und so den sehr empfindliche Teil der Operation, der Übernahme des tiefgekühlten Wasserstoffes, erfolgreich verheimlichte. Während der Treibstzoffübernahme konnten sich die Besatzungsmitglieder an Bord der Lilian stärken und endlich die Füße vertreten. Die Kantine war deutlich größer und besser ausgerüstet und das bordeigene Schwimmbad war ständig ausgebucht. Da die drei Inseln für die Besatzungen tabu waren, schauten sie sich lieber King Kong im Bordkino an.

Mit Winken und lieben Grüßen verabschiedeten sich die beiden Mannschaften und die Lilian fuhr in Richtung Nordwest, während der Todesschatten Nordöstlichen Kurz Richtung Soulebda einschlug.

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Schweißgebadet erwachte ich und konnte endlich halbwegs klar denken. Peter war der erste, den ich sah. Meine roten Haare waren wild zerzaust. „Wie lange war ich denn weg“ „Fast zwei Tage Schatz, und ja, du bist eine schlechte Kranke.“

Ich schaute in die Runde und erkannt nach und nach die Leute. Soleab hatte offenbar heftig geweint und die Anzahl seiner Männer in der Höhle ließ nichts Gutes ahnen. Drei oder vier seiner besten Kämpfer und einen der Berater sah ich. Wir waren der klägliche Rest von 30 Mann.

Die Stammeskrieger vor mir beschworen ihre Geister und erst da wurde mir wieder bewusst was geschehen war.

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…Der Kampf tobte, und wir waren dabei den Kampf zu verlieren. Wir wurden gerade so richtig in die Pfanne gehauen. Lange Zeit hatte ich das nicht mehr hinnehmen müssen, aber diese Niederlage war heftig. Die Soldaten des Präsidenten schlachteten uns der Reihe nach ab, und wir wehrten uns mit allem was wir hatten, und unsere Haut hatte einen sehr hohen Preis.

Aber wir wurden immer weniger, auch wenn wir schnell und gut schossen, die anderen war einfach zuviel. Dann ging uns auch noch die Munition aus und wir hatten nur noch unsere Messer und Pistolen.

In dem Gemenge konnte ich mehrere Treffer mit meinem Messer landen und dem Angreifer sein Gewehr entreißen, ehe ihn Peter erschießen konnte. Zwar besiegte ich diesen Riesen, aber es dauerte einfach zu lange und ein anderer Krieger nutzte diese Zeit und schoß mir in den Rücken.

Der Schuss kam hart und traf mich schwer, der Schlag riss mich um. Irgendwas hatte die Kugel aufgehalten, sonst wäre sie wohl glatt durch mich hindurch. Ich spürte nur noch den zerrenden Schmerz im Becken und den starken Schlag, dann fiel ich erneut um. Schnell kam immer mehr Nebel auf und jetzt, jetzt war ich hier in einer Höhle…

**

Die Operation in der Höhle

Die Stammeskrieger erzählten mir in ihrer blumigen Sprache dass mich ein „Eisending“ in die Lende gestochen hat und dass das Eisending noch in mir steckte.

-Mist, doch kein Durchschuss- Das war mein nächster Gedanke.

Dann beschrieben sie mir recht genau, wo im Beckenknochen die Kugel steckte und dass sie keinen anderen Knochen getroffen hatten. Bewundernswert diese Stammeskrieger. Nach und nach erklärten sie mir, dass sie mich zwar betäuben, und mir so die Schmerzen nehmen aber auch, dass sie dennoch nicht operieren könnten. „Verdammte Kacke“ flüstere ich und schaute mir die Leute in der kleinen Höhle an.

Einer der Stammeskrieger kam mit einer grünen Masse zu mir und rieb sie mir direkt in die Wunde. Ich erschrak über die Schmerzen, die aber sehr schnell wieder abklangen, dann wurde es um die Wunde taub und ich konnte weder den Schmerz noch meine Haut fühlen.

Ein anderer gab mir etwas auf einem Palmwedel zu trinken, es schmeckte bitte und übel, aber ich würgte es hinunter. Bei jedem Schluck nickte der Stammeskrieger mir anerkennend zu. Nach und nach verschwanden diese hämmernden Schmerzen, die mich so gequält hatten. Erstaunlich wie schnell und stark diese Medizin der Stammeskrieger wirkte.

Endlich erkannte ich Peter, er kam gerade erst wieder zu sich. Neben ihm saß Soleab und hielt sich den Kopf, er hatte sicherlich geweint. Bestimmt hatten beide die letzten Tage kein Auge zu gemacht.

„Hi Schatz, na wieder unter den Lebenden?“, und Peters Kuss gab mir etwas Kraft. „Sag mal mein Liebling, hast du noch dein kleines, scharfes Messer bei dir, mit dem du so gerne alles zerschneidest? Ich habe da eine Aufgabe für dich, oder ich bin erledigt!“
Augenblicklich wurde sein Blick ernst. „Erzähl“ „Die Stammeskrieger bestätigen, dass ich einen Hüfttreffer habe, ich denke, das hast du auch festgestellt, aber die Kugel steckt im Hüftknochen und könnte dort sogar bleiben, für eine Weile, aber das Blei, das würde mich erledigen, deswegen muss die Kugel unbedingt raus!
Ich habe Menschen an Bleivergiftung sterben sehen und glaube mir, das war kein schöner Tod.“

Peter sah mich mit großen Augen an. „Keine Sorge, die Entzündung bekommen die Stammeskrieger in den Griff, aber gegen eine Bleivergiftung sind auch sie machtlos. Ich sag dir, was du zu tun hast und du machst das bitte, und Schatz?“
Damit zog ich ihn fest zu mir. „Ich brauche dich und ich traue dir uneingeschränkt. Sogar bis in den Tod hinein, ich hoffe, du verstehst?“

Wir prüften, was wir noch an Ausrüstung hatten. Peter hatte sein Lieblings Taschenmesser und Soleab einen scharfen Dolch und seinen Leatherman, damit waren wir für einen Noteingriff gerüstet.

Die Stammeskrieger hatten die Soldaten von der Höhle weggelockt und auf eine falsche Fähte gelockt wir hatten also Ruhe. Rasch hatten sie ein rauchloses Feuer entzündet und kochten bereits Wasser ab. Unsere Erste Hilfe Kits lagen beieinander und wir warteten auf das kochende Wasser.

Eine halbe Stunde später wurden die Messer abgekocht, Peters scharfes Lieblingsmesser würde die Haut und das Fleisch auftrennen, der Dolch würde Fleisch beiseitehalten und das Herausbrechen der Kugel musste Soleabs Leatherman erledigen.

Eines wurde uns allen schnell klar. Das würde kein Zuckerschlecken, aber wenn man wusste, wie die Alternative aussah, war dieses Risiko das kleinere und ich hatte Menschen an Bleivergiftung sterben sehen, das war wirklich kein schöner Anblick. Da meine Kleidung kein Loch hatte, konnten wir davon ausgehen, dass zu dem Moment der Schussabgabe die Haut freilag, was ein wichtiger Punkt war.

Mit Peter, Soleab und den drei Stammeskriegern ging ich die kommenden Schritte nochmals durch, das dauert eine gute halbe Stunde. Währenddessen waren zwei Stammeskrieger noch draußen und suchten Medizin. Sie kamen wieder zurück von draußen und mischten mir eine Paste, die mich vorbereiten sollte für die „Invasion der Schmerzen“ wie sie das so trefflich nannten.

Jetzt war es soweit und ich entkleidete mich. Die Stammeskrieger hoben mich bäuchlings auf einen großen runden Stein, Arme und Beine hingen herunter und ich hatte die Paste eingenommen. Ein Kribbeln durchlief mich, als die neue Paste zu wirken begann. Während mich die Stammeskrieger an Händen und Füßen an dem Stein anbanden um ein Verrutschen zu verhindern, spürte ich, wie diese Paste ihre Wirkung entfaltete. Mein Geschmack im Mund fiel aus und nach und nach wurden meine Gefühle taub. Da ich angebunden war, kam ich mir wie ein nasser Sack vor, der zum trocknen aufgehängt wurde.

Einen weiteren Teil der Paste behielt ich im Mund auf dem Beißholz, zwischen meinen Zähnen und mittels Soleab’s Hilfe als Übersetzer, begann Peter mit der Notoperation. Wie es die Stammeskrieger schafften, die Blutungen im Griff zu behalten, konnte ich mir nicht erklären. Die Schmerzen waren anfangs noch höllisch, wurden dann aber weniger, je mehr Zeit verging. Aber dieses Geräusch von geschnittenem Fleisch war immer noch unheimlich, auch wenn ich es oft genug gehört hatte.

Die beiden Stammeskrieger beschrieben den Ort der Kugel, Soleab übersetzte und Peter schnitt mit dem scharfen Taschenmesser tief in die Wunde ein. Ich hörte nur Soleab, wie er die Übersetzungen an Peter gab. Schließlich hatte Peter die Kugel vor sich, sie war nicht zerbrochen.

Ehe Peter mit dem Leatherman die Kugel heraus lösen konnte, sprach einer der Stammeskrieger mit beruhigendem Ton auf mich ein und drückte mit seinen Daumen an meine Schläfen, jetzt legte Peter los. Das war dann auch der größte Schmerz und ich konnte dann doch nicht mehr.
Ich sah helle Punkte und dann kleine Sterne, sie tauchten vor meinen Augen auf, und dann kam doch das Aus und ich verlor das Bewusstsein. Mein Körper hatte einfach abgeschaltet.

Als ich wieder erwache, stand Peter neben mir, ich lag immer noch nackt auf dem Stein und die Stammeskrieger behandeln meine Wunde. Seltsam, aber das gemeine Zerren und der drückende pochende Schmerz in der Leistengegend waren weg.

„Willkommen bei den Lebenden,“ sagte Peter und gab mir einen leichten Kuss, der so gut schmeckte, wie lange nicht mehr. Damit gab er mir die Kugel, die sie entfernt hatten. Sie war vollständig, aber verbogen, das hatte sie am duschschlagen des Knochens gehindert.

„Wieder eine für meine Sammlung.“ dabei lächelte ich Peter an, und er schaute mich nur unverständlich an. „Sammelst du etwa die etwa?“

„Tja, Schatz, irgendwann machen wir einmal einen Besuch in meiner Werkzeugkammer“ und ich wollte gerade lachen, da durchzuckte mich ein Schmerz.

„Achja, die Schattenkrieger sind dabei dich zuzumachen, frag mich bitte nicht, was die da treiben, aber es scheint zu funktionieren.“

Meine Kraft kehrte schnell zurück.

Die Wundermedizin der Stammeskrieger hatte ich bereits zu meiner aktiven Zeit auf Soulebda bewundert und immer wieder selbst erfahren das sie wirkte. So hatten die Krieger auch die Wunde verschlossen und ich war mir sicher, dass diese Nähte halten würden, woraus auch immer diese Fäden waren, mit denen mich die Stammeskrieger zusammengeflickt hatten. Zumindest, wenn ich mich schonend verhielt.

Mit einem guten Verband machten wir uns dann startklar. Die tiefe Wunde aber drückte und schmerzte sehr. Es brannte immer noch höllisch. Jetzt kamen mir wieder die Anleitungen meines ersten Kampfmeisters in den Sinn. „Schmerz ist Ansichtssache, du kannst ihn erkennen, lokalisieren und dann sogar ignorieren, dann kannst du überleben, und ich zeige dir, wie du überleben kannst!“ Dieser verflixte alte Kampfmeister hatte Recht, bis ich mich aber auf den Schmerz eingelassen und ihn isolieren konnte, litt ich enorme Qualen. Aber dann wurde es besser und ich konnte endlich wieder klar denken.

Die Stammeskrieger erkannten, wie ich mich konzentrierte und dass in mir etwas vor sich ging. Sie redeten untereinander und Soleab gab mir zu verstehen, dass sie der Meinung seien, ich würde gerade den Kampf gegen die Schmerzen führen und ich hätte erkannt, wie ich den inneren Kampf gewinnen kann.

Tätschelnd gaben sie mir zu verstehen, dass sie verstanden, was ich gerade durchmachte. Ich konnte es nicht verstehen, aber das Wissen dieser Menschen war für mich immer und immer wieder unglaublich vielfältig. Nach und nach wurden die Schmerzen weniger und die Stammeskrieger lächelten mich zustimmend an.

Peter kam auf mich zu und lächelte. „Schatz, wir haben eine Nachricht aufgefangen, Hilfe ist gelandet und du glaubst nicht, wer alles hier ist, wir müssen nun schnellstens auf deine Insel, Schatz, oder zumindest an den Strand.“

Ich sah in lächelnde Gesichter, sogar Soleab hatte ein leichtes Lächeln im Gesicht. „Ja Caroline, wir haben Hilfe erhalten.“

**

Die Ansprache

Heylah schaut sich die beiden Techniker an: „Wer kann mich hier alles hören, wie groß ist die Reichweite des Senders?“
„Regentin, die ganze Insel hört zu, alle angrenzenden Inseln werden das empfangen und über den Internetstream läuft das direkt auf einen Bereich von CNN ein.
Die Leute von CNN verteilen das, wenn die Rede stimmt, in ihr globales Nachrichten Netz und ich denke, Ihre Rede wird stimmig sein!
Also, wenn Sie mich fragen: Wer kann das alles hören, dann lautet meine Antwort:

Das hört hier und heute die gesamte Welt.“

Heylah schaute Penelope an, beide drückten sich die Hand und Penelope küsste ihre Mutter auf die Stirn.

„Mama suno unpa ai Youhaahb – All meine Kraft schenke ich dir für diese Rede.“

Heylah sah sie an und eine Träne floss herunter, sie atmete noch einmal stark durch und dann begann sie mit starker Stimme:

„Bewohner unseres geliebten Soulebdas.

Ihr alle kennt mich als Heylah ai Youhaahb, eure Regentin und die Präsidentengattin und als die Wahrerin der Steine von Ainig u’Alara und Beenec u’Alara.

Selten habe ich mich direkt an Euch, an das Volk von Soulebda gewendet, aber es gibt heute wichtige Informationen, die Ihr alle wissen müsst.

Unser Präsident, mein Ehegatte, beabsichtigt gerade, unsere heiligsten Stätten und Heiligtümer an Fremde zu verkaufen, zu entehren und letztendlich durch Bergbau zu vernichten.
Diese Fremden würden dann unsere Heiligtümer vernichten, Bergbau an diesen heiligen Stätten betreiben und unser schönes Soulebda dabei zerstören.

Dies werde ich, als eure Regentin niemals zulassen.

Der Präsident hat sich von seinem Glauben abgewendet und von seiner Aufgabe auch.

Seine Aufgabe war es, meine Befehle als Regentin durchzusetzen, sein Volk vor Gefahren zu beschützen und für die Rechte aller Soulebdalesen einzustehen.

Tatsächlich macht er aber in diesem Moment eine mörderische Jagd auf einen großen Teil unserer Bevölkerung.

Er hat bereits Hunderte Männer, Frauen und Kinder abschlachten und wie Tiere aufhängen lassen. Die Ereignisse der letzten Monate vor dem Palast solltet ihr noch in Erinnerung haben, wo er sogar ganze Familien mit Frauen, Kindern und Säuglingen aufhängen lies.

Und jetzt, in diesem Moment hat er sogar zur Jagd auf mich, eure Regentin, geblasen und er will meinen Tod.

Damit denke er, die Regentschaft über Soulebda zu übernehmen.

Alle jene unter Euch, die noch wissen, was unsere Heiligtümer sind, was unser Glauben erfordert, rufe ich nunmehr auf:

Erhebt Euch, oh ihr Soulebdalesen und zeigt, dass unsere Heiligtümer keine Bergbaugebiete sind, und dass der Präsident keine Macht hat, seine eigene Bevölkerung auszulöschen.

Jedermann, der das versucht, der ist hier fehl am Platz.

Von diesem Augenblick an ist Sheramoh ai Youhaahb nicht länger der Präsident dieses Landes. Ich enthebe ihn hiermit.
Von diesem Augenblick an ist Sheramoh ai Youhaahb nicht länger mein Ehegatte, ich spreche das Tala’muhri aus, die Loslösung von ihm, die Scheidung.

Ich, als die Wahrerin der Steine von Ainig u’Alara und Beenec u’Alara, bin die rechtliche Regentin dieses Staates, so haben das unsere ersten Ahnen im heiligen Stammesbuch von Soulebda dereinst niedergeschrieben.

Seit jeher herrschte hier auf Soulebda das Matriarchat und der jeweils gewählte Gemahl war der Repräsentant.

Nur ein Repräsentant. Mehr nicht.

Sheramoh ai Youhaahb hatte sich bei unserer Heirat an dieses Gesetzt gebunden. Aber heute kennt er weder Gesetz, noch Recht und er jagt und erschlägt sein eigenes Volk, wo er nur kann.

Das ist nicht die Art eines Präsidenten, das ist die Tat eines Mörders und Schlachters.

Er hat sich von fremden Mächten intrigieren lassen und versprach den Fremden unsere Bodenschätze, die unter unseren heiligsten Heiligtümern begraben liegen.

Und das, meine lieben Soulebdalesen, ist der größte Frevel, den er begonnen hat, den Verrat an unseren heiligsten Heiligtümern und an seinem ehrenwerten Volk.

Er hat die Schürfrechte unter den beiden Heiligtümern verkaufen wollen und wollte unsere Religion vernichten, und damit letztendlich unser ganzes Volk der Vernichtung freigeben.

So wie es einst in anderen Ländern war, als dort Tyrannen an der Macht waren, sei es im Frankreich unter dem Sonnenkönig im jungen Amerika bei den Unabhängigkeitskriegen oder all den anderen Schauplätzen der Welt, an denen Tyrannen herrschten und die am Ende geschlagen wurden.

Wenn es also im Laufe der Menschheitsentwicklung erforderlich wird, einen Tyrannen von Thron zu stoßen um ein ganzes Volk zurück zum Frieden zu führen, so soll dies nun auch hier und heute geschehen.

Ich bin, Heylah ai Youhaahb, und als die Wahrerin der Steine von Ainig u’Alara und Beenec u’Alara bin die rechtliche Regentin dieses Staates und ich erkläre hiermit:

Vom heutigen Tage an, ist Sheramoh ai Youhaahb nicht länger Präsident, ich erkläre ihn zum Tyrannen und so entziehe ich ihm die Macht zu herrschen, von nun an und auf ewig.

Er soll von dieser Insel entfernt werden und soll sie nie wieder betreten.

Alle ihm Unterstellten habe seinen Weisungen ab sofort nicht mehr Folge zu leisten. Ich als die Regentin entbinde euch von diesen falschen Befehlen.

Legt alle eure Waffen ab, beendet die Schießereien, wir sind schließlich alle ein einziges Volk.

Bewohner unseres geliebten Soulebdas!

Die Tyrannei hat ein Ende. Soulebda wird bald wieder frei sein. Ihr werten und aufrechten Soldaten von Soulebda. Legt ab eure Waffen und verlasst den Bann des Tyrannen. Versammelt euch vor dem Ehrendenkmal der ersten Regentin und stimmt mit mir nun gemeinsam unsere Hymne an. Unsere Nationalhymne und lasst uns alle die Freiheit anrufen.“

Und Heylah stand auf und fasste Penelope bei der Hand und mit ihren starken Stimme stimmten sie die Hymne an, sie sangen laut und klar und stark das Lied von Soulebda.

Vor der Hütte, vor allen Hütten, überall auf der Insel war das starke Radiosignal zu empfangen, überall in der Hauptstadt, aus allen der kleineren Städte, den Gemeinden, Dörfern und Hütten hörte ein jeder das Radiosignal.

Und tatsächlich geschah etwas auf der Insel.

Überall stimmten die Menschen die Hymne mit an, zuerst wie ein Raunen, dann ein starkes Singen, das zu einem Sturm anschwoll.

Ein Sturm brach los, der nach und nach die ganze Insel erfasste. Schließlich war es, als singe die ganze Bevölkerung der Insel diese wunderbare Hymne mit.

Der Gesang von Tausenden drang auch über das Land, und dank der modernen Technik konnte das am Ende der Übertragung überall gehört werden.

Als die Lautsprecheranlagen inselweit dazugeschaltet wurden klang, wenn auch etwas scheppernd, der Klang dieser herrlichen Hymne über die ganze Insel.

Die ersten Kasernen öffneten sich und Soldaten rissen sich die Uniformen von den Leibern und marschierten zu den Sammelpunkten.

Ungehorsame Offiziere wurden ignoriert, andere Offiziere zogen ihre Hemden aus oder warfen ihre Abzeichen weg.

Und im Palast entstand ein Getümmel und Gemetzel. Gardisten und Gardistinnen gingen aufeinander los. Die ersten Soldaten mischten sich ein und es wurde im Palast vereinzelt geschossen. Die Mehrzahl der Menschen aber blieben friedlich und sammelten sich vor dem Ehrendenkmal der ersten Regentin. Bald waren es Tausende, die hier zusammen standen und die Hymne sangen.

**

Global Hawk kreiste über Soulebda Stadt und die Kamerasysteme zeigten, wie die Bevölkerung auf die Straße ging um sich zu versammeln, um zu singen und zu jubeln. Die Mega Zooms zeichneten diese Bilder auf und übertrugen sie in die Zentrale und direkt zur USS Theobald. Dazu kamen Bilder der beiden größten Kasernen und Bilder aus den anderen Städten. Das Volk war auf die Straße gegangen, und das friedlich.

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An Bord der USS Theobald

Nach der Rede schaute der stellvertretende Außenminister in die Augen einiger altgedienter Nachrichtenprofis. Sie hatten die ganze Rede verfolgt und jedes Wort mitgeschnitten und analysiert.

„Verdammt ist die gut!“ sagte einer der Profis.

„Ja Sir, aber dennoch ruft sie zur Vorsicht und zum Frieden auf, nicht wie andere zum Kampf.“

„Stimmt das mit dem Matriarchat?“

„Ja Sir“

„Diese Frau ist wirklich taff und sollte unterstützt werden. Wie spät ist es in Washington…. Frühstückszeit, prima, verbinden Sie mich mit dem Präsidenten, er wartet auf meinen Anruf, er hatte Recht mit seiner Annahme, dass wir hier etwas tun sollten.“

„Sir Moment noch, wir bekommen neue Bilder vom Global Hawk,“ und der Nachrichtenoffizier spielte die Bilder ein, wie die Menschen sich versammelten und sangen.
Der stellvertretende Außenminister lächelte und griff zum Telefon. „Bitte eine Verbindung nach Washington, ja zum Präsidenten, er erwartet meine Meldung.“

**

Unterdessen im Palast

„Was meint ihr mit, das konnte man auf der ganzen Insel hören, könnt ihr nicht einmal eine alte Frau kaltstellen, einfach den Radiosender wegbomben und sie am besten gleich mit.“

„Herr Präsident das wurde sogar über das Internet übertragen. CNN streamt das bereits über ihre Nachrichtenkanäle, und zwar weltweit.“

„Dann löscht eben das verdammte Internet ihr Versager, das verdammte Internet muss doch einen Schalter haben. Muss ich hier immer alles alleine machen, zieht dem Internet von mir aus den Stecker raus. Versager, ihr seid allesamt Versager.“

„Aber Herr Präsident, man kann das Internet nicht abschalten, wir …“

Der Präsident sprang auf und mit einem Pistolenschuss, direkt in den Kopf beendete er das Leben des Informationsministers. Er sackte zuckend zusammen und rollte langsam die Treppe herunter, bis er auf der blutigen Treppe liegenblieb.

Die Mitarbeiter des Ministers, die schnell genug flieghen konnten hatten Glück, zwei andere wurden von dem schießwütenten Präsidenten durch Schüsse in den Rücken eiskalt erschossen.

Die beiden anwesenden Generäle flohen durch die Seitengänge und entkamen so dem Präsidenten, der jetzt endgültig außer Rand und Band war und auf alles und jeden schoss.
Einige der Menschen im Palast entkamen nur knapp, für zwei andere kam der Fluchtgedanke zu spät, sie starben im Kugelhagel.

„Das muss aufhören – der ist völlig durchgeknallt,“ raste der General und oberster Militär an Helfana n’Atuari vorbei nach draußen. Schon war er um die Ecke und in Sicherheit.

Doch jetzt erkannt Helfana, dass der wild um sich schießende Präsident auf sie zu rannte. Als die Erste Kugel direkt neben ihr einschlug, da wusste Helfana, was die Uhr geschlagen hatte und sich versuchte noch rasch zu entkommen. Sie sprang über einen schweren Sekretär und kroch weiter. Helfana versuchte eben noch ihr Leben zu retten, da stand der Präsident bereits vor ihr und lud gerade die Pistolen durch.

„Und du Schlampe hast mir das alles eingebrockt. Du und deine Presseleute, die meine Stimme in die Welt tragen sollten, da schau, was die gemacht haben, sie haben meine Stimme in die Welt getragen, bis nach Indien. Scheiß Inder-Netz. Du Schlampe wirst mir dafür bezahlen …“

Sie wusste, jetzt oder nie und sprang über einen schweren Sekretär wieder zurück und rannte gebückt um die Ecken. Neben ihr schlugen bereits die ersten Kugeln ein, da kam die rettende Mauer.

Helfana krabbelte so schnell als nur möglich auf den nächsten Ausgang zu. Überall um sie schienen die Kugeln einzuschlagen und sie rannte um ihr Leben. Schon wieder schlugen die Kugeln aus den Präsidentenwaffen überall um sie ein.

„Ich habe einem Tyrannen zur Macht verholfen und jetzt ist es zu spät,“ rief sie noch vor sich hin und flüchtete aus dem Palast, dem General und seinen Offizieren nach, die ebenfalls flohen.

Im Palast tobte sich ein Verrückter aus und es knallten nur noch seine Schüsse, die ersten Bediensteten ranten aus den Seiteneingängen, andere sprangen aus Fenstern und wieder andere hatten weniger Glück und liefen ihm direkt vor die Pistolen, wo sie starben.

Draußen hinter den ersten schützenden Bäumen wannte Helfana den Generälen hinterher und rief ihnen zu. „Warten Sie, bitte nehmen Sie mich mit, Bitte“

Der General überlegte kurz, hatte seine Hand bereit an der Waffe, aber er überlegte es sich aber anders und ließ Helfana in den bereitstehenden Jeep einsteigen.

„Kein einziges Wort während der Fahrt, sonst fängst du dir eine Kugel ein, ist das klar? Kein Wort!“

Helfana wechselte die Farbe und zugleich auch die Front, es war offenbar Zeit, für eine Neubewertung ihrer Situation …

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„Wir müssen zu deiner Insel Schatz“ „Sind die Soldaten draußen noch da, oder ist da aufgeräumt?“ „Vermutlich weg, wir müssen zum Strand.“ und so packten wir uns und schlichen gut eine halbe Stunde durch den Wald zum Strand.

„Stehenbleiben oder wir schießen!“ drei Soldaten, offenbar verschlagene oder zurückgelassene einfache Soldaten standen vor uns und bedrohten uns mit angelegten Sturmgewehren.

In ihren Händen hatten sie eine Tasche aus unseren Boot, das wir am Strand versteckt hatten. Sie durchsuchten uns, fanden aber keine Schusswaffen mehr und die wenigen Messer ließen sie uns. Aber sie hatten die Marine Sprengpatronen mit Zeitzünder gefunden.

„Was sind das für Sprengdinger?“, und sie zeigten eine der zwölf Sprengpatronen mit Gefahren Aufkleber in Hebräisch.

„Das sind Sprengpatronen zur Zeitzündung. Ihr wisst natürlich wie die funktionieren, einfach die schwarze Abdeckung anheben, ganz nach rechtes drehen, bis zum Anschlag und dann rückwärts drehen bis zur gewünschten Detonations-Zeit.“

Die Soldaten schauten uns an, sahen sich die Patronen an und nickten mir verstehend und zufrieden zu.

Offenbar sahen sie meine Verletzung und auch, dass diese wieder zu bluten begonnen hatte.

„Dürfen wir zum Meer uns waschen“ fragte ich und deutete auf meine blutende Wunde.

„Ja geht – was ist mit dem roten Punkt da?“ „Fest eindrücken, dann ist die Patrone scharf.“

Wir liefen weiter um einen der hohen Hügel und eine Minute später krachte es hinter uns heftig. Soleab schaute mich entsetzt an. „Was war das und wieso diese Explosion?“

„Vermutlich habe ich den Soldaten vergessen zu sagen, drückt man den roten Punkt, dann zählt die Uhr keine Minuten, sondern nur Sekunden.“

Soleab sah mich an, schaute kurz um die Ecke, wo in einem kleinen Krater die Leichen der drei Soldaten lagen und nickte still vor sich hin. „Vermutlich ist es besser so…“ und bemerkt noch

„… diese Caroline ist doch noch härter, als ich dachte.“

Als Peter zu mir kam, meinte ich nur „Die drei sind jetzt keine Gefahr mehr.“ wenig später tauchten wieder unsere restlichen Flüchtigen mit den Stammeskriegern auf.

Die Stammeskrieger signalisierten, dass alles frei war, keine Soldaten mehr, so als hätten sie ein Kommando zur Rückkehr bekommen waren sie plötzlich alle verschwunden und weggefahren.

Wir waren dennoch sehr vorsichtig und kamen an den Strand. Mit einem Fischerboot fuhren wir hinaus, nutzten die kleine vorgelagerte Insel als Sichtschutz und fuhren weiter, auf unsere Insel. Die Stammeskrieger waren bereits unter Deck, ihnen gefiel das offene Meer immer noch nicht so recht.

Da kam sie in Sicht meine Insel… Bea Island oder Nummer 42.

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„Sie kommen,“ sagte eine der Wachen zu Veronique und ihrem neuen Verehrer Bernd Schubert. Die beiden hatten sich gesucht und gefunden und erzählten sich ihre Fliegergeschichten. Zwischen den beiden Piloten hatte es so richtig gefunkt und es entwickelte sich schnell eine tiefe, wahre Liebe.

Als wir ankamen, erhielten wir Hilfe beim Verstecken der Boote und verschwanden im nahen Wald. Über den Schleichweg gelangten wir hinauf, zu der großen Höhle. Endlich wieder beisammen, war mein erster Gedanke, die Schmerzen in meiner Wunde begannen jetzt heftig zu schmerzen.

Erleichtert sahen wir gute alte Freunde. Die ersten Tränen liefen mir in die Augen. „Schön Euch alle hier zu sehen, ich freue mich…“ dann schwanden meine Kräfte und es wurde um mich dunkel.

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„Wir haben das Gebiet des Absturzgebietes erreicht Mon Admiral,“ sagte der Offizier und stand stramm. „Gut Fabienne lassen sie die Männer antreten!“ Die Schiffssirene plärrte um Gehör und aus den Lautsprecher dröhnte die blecherne Stimme eines Offiziers.
„Fertigmachen zum Befehlsempfang, Alle Mann antreten zum Rapport!“
An Bord der Auvergne, einer modernen Fregatte der FREMM Klasse, traten die freien Soldaten zur Befehlsausgabe an und die Mannschaften der Begleitschiffe wurden per Funk zugeschaltet.

„Soldaten! Wir sind hier um an einer internationalen Seenotrettungsaktion teilzunehmen. Dies ist keine Übung. Seit 14 Stunden wird eine amerikanische Passagiermaschine in diesem Seegebiet vermisst, sie ist vermutlich abgestürzt.

An Bord der Passagiermaschine sind mehrere bekannte Pressevertreter und Zivilisten, die wir suchen, retten und falls nötig, zu bergen haben.

Nochmal! Dies ist keine Übung! Wenn diese Operation abgeschlossen ist, wenden wir uns wieder dem eigentlichen Befehl zu, der Sicherung und Kontrolle wertvoller Bodenschätze auf den Inseln westlich um Soulebda.

Diese Inseln werden wir sichern und einnehmen. Ganz nach unserem uralten Motto: Ehre, Vaterland, Tapferkeit, Disziplin!“

Der Admiral übergab an den Kapitän und dieser begann mit der Befehlsausgabe. Inzwischen trafen mit Booten und Hubschraubern die Kapitäne der restlichen Flotte ein. Sie versammelten sich im Konferenzzentrum im Bauch der Auvergne.
„Meine Herren, nehmen Sie Platz. Kaffee und Gebäck bedienen Sie sich. Wie Sie mitbekommen haben, suchen wir diese Amerikaner, weil wir das nun einmal nach internationalen Seerecht müssen.

Nach 14 Stunden im offenen Meer mit den ganzen Haien hier ist die Chance gering, sie lebend zu erwischen. Sollten wir diese ertrunkenen Amerikaner finden, kommen sie in die Kühlhäuser, bis wir sie aufgeben können.

Unser eigentliches Ziel sind die seltenen Erden, die hier gefunden wurden. Die Engländer haben sich hier ungeschickt verhalten und wurden ins Meer getrieben, wir übernehmen deren Gebiete und sichern neue dazu. Wir rechnen mit Seltenen Erden in mehreren hundert Milliarden…“

Da unterbrach eine Ansage die Ansprache:

„Radar hier. Mehrere starke Kontakte in Süd, West und Nord, derzeit über 30 Schiffe mittlerer Größe, zunehmend, sie halten auf uns zu.“
„Merde“ sagt der Admiral leise – „wir sind nicht mehr alleine.“

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Neuseeländisches Hochseepatrouillenboot

„Kapitän Kapitän, Radarkontakt auf backbord 270, mindestens 12 Schiffe, mehr werdend, Kapitän da sind wirklich große Schiffe dabei.“

„Gut je mehr Schiffe desto höher die Chance für die Verunglückten. Kurs beibehalten bringen Sie die Protecter in das Absturzgebiet Seemann.“

Der Maori bestätigte und gab die passenden Kommandos. Das neuseeländische Hochseepatrouillenboot fuhr mit seinen beiden Begleitern in das Suchgebiet ein.

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Auf der Todesschatten

„Kapitän, wir haben Überwasserkontakte, derzeit 47, Anzahl steigend. Korvetten und Zerstörer, sowie diverse Versorger.“

Der israelische Leutnant schnappte nach Luft „Kapitän, die sind von verschiedenen Ländern, ich erkenne französische Propeller, englische Kräfte sind auch dabei, die US NAVY ist auch mit einigen Schiffen da, und noch einige andere vermutlich Neuseeländer und andere kleinere Schiffe.

Kapitän, wir können es noch nicht bestätigen, aber ein amerikanischer Jäger ist wohl auch da, vermutlich Seewolf Klasse. Da die Theobald hier in der Region ist, müsste das die USS Stiletto sein.“

Kapitän Tamar nickte leicht, „Sehr schön, bleiben Sie wachsam, wir bleiben genau hier.“

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An Bord der USS Theobald ließ man sich auf dem großen Lageschirm die ganze Schiffsansammlung anzeigen. Die Computer projizieren die Bilder einzelnen Flottenverbände, deren Anzahl und Zusammenstellung. Dann begann der Leitende mit seinem Vortrag:

„Herr Admiral, meine Damen und Herren. Hier haben wir die Franzosen mit ihren 12 Schiffen. Kommandoschiff ist die Auvergne, ein Schiff der FREMM Klasse. Besatzung 145 Mann. Dazu vier Korvetten mit je 85 Mann, vier Versorger mit jeweils 45 Mann und drei kompletten Landungskontingenten mit drei Mehrzweckschiffen, vermutlich jeweils über 250 Mann.

Gesamtkontingent etwa 1415 Mann.

Die Briten stehen hier mit ihrem Kontingent, mit ebenfalls 12 Schiffe. Das Kommandoschiff der Briten ist die HMS Daubt, ein Lenkwaffenzerstörer, Typ 45 mit 185 Mann, dazu zwei Fregatten, Typ 23 mit je 145 Mann.
Den beiden Hochseeversorgern HMS Stuxx und HMS Vulcancy mit je 80 Mann und dem LPD Leguiria mit gut 800 Mann.

Gesamtkontingent etwa 1450 Mann.

Australien ist mit einer Lenkwaffenfregatte der Anzac Klasse mit 185 Mann, vertreten sowie vier Patrouillenbooten der Armidale Klasse, mit jeweils knapp 30 Mann. Die scheinen tatsächlich nur suchen und retten zu wollen.

Neuseeland hat die Protecter, ein Hochseepatrouillenboot mit 85 Mann im Seegebiet und ebenfalls zwei Patrouillenboote der Armidale Klasse, mit jeweils knapp 30 Mann. Auch die scheinen nur helfen und retten zu wollen.

Dann wird es lustig, die Chinesen haben ihre neue Lin Pau geschickt, eines der modernsten Forschungs- und Bohrschiffe der Welt mit über 250 Mann Besatzung. Die Lin Pau ist vermutlich auch ein Torpedoträger und kann zusätzlich Truppen bis zu 500 Mann tragen. Ob Truppen oder Torpedos an Bord sind, wissen wir derzeit aber nicht.
Die Lin Pau hält sich aber noch weit ab von dem Suchgebiet die wollen nicht helfen, die wollen nur an die seltenen Erden.

Und unser Verband, eben mit der USS Theobald und Begleitung. Zusammen sind wir mit unseren Träger bei 22 Schiffen und einem U-Boot der Seewolf Klasse. Zusammen macht das 55 Schiffe, die sich in diesem Gebiet aufhalten.“ Der Admiral dankte und bat alle Platz zu nehmen. Dann begann er:

„Danke Colonel Perkins, Meine Herren, wir haben vom Präsidenten einen klaren Auftrag erhalten. Wir sollen auf dem Inselstaat Soulebda den Frieden sichern und dabei helfen eine saubere Regierung einzuführen und zu festigen. Wir werden in diesem Gebiet zurückhaltend bleiben.

Der jetzige Präsident auf Soulebda hat sich als machthungriger, mörderischer Tyrann herausgestellt, der gestern Nacht von seiner Frau offiziell entmachtet wurde. Hier gilt nämlich noch das Matriarchat. Dummerweise wurden auf der Hauptinsel und den größeren angrenzenden Inseln Seltene Erden gefunden, und zwar in solcher Zahl, dass der Begriff „selten“ wohl ab sofort falsch ist.

Das hat die anderen Parteien auf den Plan gerufen und die wollen sich offenbar hier neue Kolonien aufbauen. Das werden wir nicht zulassen. Diesmal dürfen wir endlich mal den guten Cowboy spielen und den Rechten helfen.

Ich wünsche also permanente Luftraumüberwachung durch zwei Hawkey. Zwei weitere bleiben in Bereitschaft.
Guam hat bereits gestern eine global Hawk geschickt, die steht bereits seit einigen Stunden über Soulebda und überwacht alles was sich hier bewegt. Diese Daten bekommen wir mit Vorzug.

Die Ablösung der Global Hawk kommt in 60 Stunden und damit ist die Überwachung gesichert.

Wir haben ab sofort Alarmbereitschaft und es gilt Nachrichtensperre. Die USS Stiletto durchsucht bereits die Gewässer, wir vermuten, dass mindestens noch ein weiteres U-Boot hier ist, haben aber noch keinen Kontakt.

Bei Sonnenaufgang sind wir im Einsatzgebiet, dort erfolgt der Einsatz für die Seadipper, sollen die mal zeigen wie gut sie wirklich U-Boote finden können.

Das war es vorerst, Fragen? Keine. Danke und wegtreten bis auf die Kommandoführer der Seals. Für Sie habe ich noch eine Spezialaufgabe, direkt vom Präsidenten, versteht sich.“

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Auf Beas Island (42)

Das erste was ich sah, waren die grünen Augen von Sarah. Wie zwei glänzende Smaragde musterten sie mich und erst dann erkannte ich das Lächeln in ihrem Gesicht. „Hallo Beate“ flüsterte ich leise. Sie gab mir einen zarten Kuss und sagte „Nenn mich Sarah, wir haben noch Unwissende hier.“ „Schön euch hier zu sehen, ich fühle mich wie gerädert.“

Dann erwidere ich den Kuss, aber deutlicher und inniger. Hinter mir kam eine weitere Stimme, die ich nur zu gut kannte. „Das macht das Morphium, aber es klingt bereits ab.“ danach fauchte Vera mich hart an.
„Wie zum Teufel kamt ihr auf die Idee, eine Kugel aus deiner Hüfte herauszubrechen ohne geeignetes Werkzeug. Seid ihr etwa lebensmüde ihr zwei, ich dachte, ihr liebt euch?“

„Vera meine Süße – Vera komm in meinen Arm“ und ich umarmte sie und gab auch ihr einen Kuss. Veronique kam mit dazu und die Mädels begannen langsam wieder zu lächeln.

Endlich einmal wieder frei und laut lachen zu können, das tat wirklich gut. Irgendwer schürte das Feuer an und es wurde heller und wärmer in der großen Höhle, so dass ich die anderen Mitglieder auch erkennen konnte.

Alle waren sie da, Frank, Decker, Johann, Bernd und sogar Hannes, dazu Levi, mein heimlicher Schwarm, und natürlich Helmer. Nicht zu vergessen die Mädels Sarah und Vera. Zusammen mit Dominique und Peter eine gute Truppe. Ja und dann war da noch einer, ein Neuling.

„Wer bist du denn?“, fragte ich den Neuen. „Bernd Schubert, Aushilfsluftkutscher und neustes Mitglied der hiesigen Luftwaffe.“
Wir mussten alle lachten.

Peter und ich stellten die wenigen Überlebenden vor, die Stammeskrieger und Begleiter von Soleab. „Dieser Mann hier“ begann ich „wird, so Heylah ai Youhaahb es wünscht, der neue Staatspräsident von Soulebda werden,“ und Soleab schaute etwas schüchtern drein.

Frank schaute uns an und legte los:

„Demnach habt ihr wohl nicht mitbekommen, was sich in der Zwischenzeit hier alles getan hat oder? Na, dann kann ich euch ja sagen, dass ihr eine Rede verpasst habt, die problemlos auch vor der UNO Bestand gehabt hätte. Eure Heylah scheint sehr taff zu sein und ihre Tochter auch.“ dann setzte er uns in Kenntnis, was sich inzwischen alles zugetragen hat.

Drei Tage später hatten wir das unsere Insel verlassen und uns im neuen Camp von Heylah & Soleab eingefunden. Endlich war die Truppe beisammen. Die Tür ging auf. Penelope kam mit den beiden Nachrichtenprofis und Hawkins herein, sie verschwanden gleich wieder im Kommunikationszelt.
Jerome ging wieder auf seinen Posten beim Funk und wir anderen aßen gemeinsam.

Zehn Minuten später.

Jerome kam zu uns ins Camp gerannt. „Unterhalb Ka’IhLih ist ein neues, großes Schiff gesehen worden, es muss wirklich groß sein, wenn man es von so weit sehen kann.

Unsere Fischer fahren sonst nur 20 km südlich der Südspitze Poa’holh und sie haben mir von dem großen Schiff berichtet.“

„Das fehlt ja gerade noch, wer kommt denn da und will mitspielen, haben die einen Namen gesehen kamen die soweit heran“

„Nein, das war zu weit vor der Insel, soweit fahren die Fischer nie auf das Meer, aber das Schiff dort ist wirklich sehr groß.“ „Wir müssen wissen, wer sich da herumtreibt, und was das für ein Schiff ist.“

Da trat Penelope aus ihrer Höhle auf uns zu, und nahm sich einen heißen Kaffee. Sofort ging ich auf Pelelope zu. „Penelope weißt du, wer uns da helfen kann, ganz im Süden ist ein neues großes Schiff gesichtet worden und wir wissen nicht, wer das ist, oder zu welcher Macht die gehören.“ Diesmal lächelt Penelope uns wissend an „Klat’hara kann uns da helfen, er gehört zum Küstenschutz und die überwachen die Gewässer um die Fischereirechte sicherzustellen.

Er hat das passende Flugzeug und ist uns noch immer treu, der kann das herausbekommen, ich regele das.“ Damit verschwand sie mit dem dampfenden Kaffee wieder im Kommunikationszelt.

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An Bord der Lin Pau

Durch die aufgewühlte See kämpfte sich ein mächtiges, starkes Schiff. Die Lin Pau, der Stolz der chinesischen Forschungsflotte, ein Monster von einem Schiff und mit dem modernsten an Technik ausgestattet, was die maritime Technik zu bieten hatte.

Der Begriff Forschungsschiff war definitiv zu klein für den Koloss, da schwamm eine kleine Forschungsstadt mit genug Technik, um eine ganze Universität bestens auszustatten.

In der blitzblanken Kommandobrücke stand ein junger Leutnant vor seinem Kapitän stramm.

„Ihre Riffe interessieren mich nicht Leutnant. Bringen Sie mein Schiff nicht in Gefahr, aber bringen Sie uns näher an diese Insel heran Leutnant.“

„Jawohl Herr Kapitän“ und der fesche 2. Offizier in der chinesischen Marineuniform verbeugte sich ordnungsgemäß, drehte auf der Stelle und verschwand im Kartenraum.

„Herr Hauptmann?“, sagte der Kapitän ruhig und ein älterer schneidiger Offizier ging rasch, aber ruhig auf den Kapitän zu.

„Herr Kapitän?“

„Was meinen Sie. Wie nahe müssen wir an diese Insel heran, um mit unseren Untersuchungen beginnen zu können?“

„Mindestens noch 20 Seemeilen, sonst sind wir immer noch im Tiefenwasser, wir müssen aber an den küstennahen Bereich, 20 Meilen mindestens Herr Kapitän!“

„Gut, Danke.“

„Steuermann, Kurs Nord, Nord, Ost mit 12 Knoten“

„Nord Nordost mit 12 Knoten, Jawohl Sir“ wiederholte der Steuermann und der Maschinen Maat gab die passenden Anweisungen in den Computer ein.

Die Lin Pau, das mächtige, funkelnagelneue, riesige chinesische Forschungsschiff, stampfte weiter durch die See, und wurde dabei deutlich langsamer, von den ursprünglichen 20 Knoten verlangsamte das Schiff nach und nach auf 12 Knoten.

„Gibt es bereits Meldungen vom Sonar?“, fragte der Kapitän nach und der junge Leutnant stand stramm. 

„Herr Kapitän, das Sonar zeichnet noch keine Einschränkungen, die Fahrspur ist noch frei. Wir können weiterfahren. Nach den Karten müssten die Verengungen erst in 19 Meilen kommen, genau vor uns, genau Nord Nordost, Kapitän, Sir.“

Der Sonaroffizier ging auf seine Station zurück.

„Wie schaut es bei euch aus, habt ihr was Neues?“

Wie erschrockene Hühner sahen die Männer den feschen Leutnant an und schüttelten ängstlich die Köpfe.

„Nein Herr Leutnant, aber an einigen Regionen scheint sich der Meeresboden zu bewegen und nicht die See…“ dabei versuchte der junge Unterleutnant zu lächeln. Er zeigt auf einige Bildschirmausdrucke, die dem Leutnant aber nicht überzeugen.

„Dummkopf,“ fauchte der Leutnant ihn an. „Das Wasser bewegt sich und wir bewegen uns, der Meeresboden bewegt sich nicht. Die Plattentektonik ist auch hier nicht so schnell,“ rügte der Leutnant seinen aufgeschreckten Unterleutnant.

„Ja natürlich Herr Leutnant.“ duckte sich der Untergebene. Auch wenn er im Recht war, konnte er doch seinem Vorgesetzten nicht widersprechen.

Weiter vorne auf der Brücke schaute der Kapitän auf die aufgewühlte See hinaus. Er stand frei, hielt sich nirgendwo fest, während das Schiff stampfte und schlingerte. Dieser Kapitän schien mit dem Schiff verwachsen zu sein.

„Gut, machen Sie weiter. Irgendwelche Kontakte?“, und der Kapitän legte seine Hände an den Rücken und schritt die mächtige Brücke ab.

An der Radarstation standen die beiden Offiziere stramm und meldeten: „Vier Schiffe in 30, 35 und 40 Meilen, dazu ein Flugzeug der Küstenwache auf Patrouille, sonst keine Kontakte Herr Kapitän.“

Der Kapitän brummte zustimmend, nickt kurz und schritt dann weiter. Die beiden jungen Offiziere verbeugten sich leicht in seine Richtung und nahmen dann wieder vor ihren Sichtgeräten Platz.

Die Lin Pau war der Stolz der modernen chinesischen Flotte. Dazu kam eine ebenso stolze und starke Mannschaft, die alles tun würde, um ihren Kapitän niemals in Ungnade fallen zu lassen.

Die Stimmung auf der Brücke war so, wie es sich gehörte. Alle waren voll konzentriert bei der Arbeit und die beiden Führungsoffiziere hatten alles unter Kontrolle, nichts auf der See entging ihren Blicken.

Aber unter der See rumorte es bereits gewaltig …

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Besucher

Penelope kam zu uns und legte uns die Bilder vor.

„Das ist die Lin Pau, das größte Chinesische Forschungsschiff das die Chinesen derzeit haben. Über 200 Meter lang und 49 Meter breit, das Monster hat 13 Meter Tiefgang, Atomantrieb und sie hat mit über 100 MW mehr Leistung zur Verfügung als die halbe Insel. Was wollen die Chinesen mit diesem Monster hier?“

„Offenbar wollen die ihren Kuchen an den seltenen Erden abhaben, bisher waren sie die Nummer eins, mit den Erden und jetzt wollen sie bestimmt wissen, was es hier alles zu holen gibt. Ich wäre vorsichtig, die Chinesen kommen nie ohne Rückendeckung und Auftrag ihrer Regierung.“

„Wo befinden sich die Chinesen jetzt?“

„Das ist ja das komische daran, die sind südwestlich der Insel etwa in Verlängerung von Ka’Ihlih und Poa’hol“

„Und was ist daran komisch?“

„Wenn die weiter zur Insel fahren, kommen die direkt auf den Unterwasservulkan zu und das ist ein Bereich, den unsere Leute schon immer gemieden haben.“

„Kennen die Chinesen die Gewässer hier nicht? Ist das gefährlich oder was ist an dem Unterwasservulkan besonderes?“

„Der steht noch in keinen Karten, weil der Vulkan bisher noch nie über Wasser kam und alles, was so tief unter Wasser liegt, wird von den Kartenschreibern hier nicht erfasst.“

„Was passiert, wenn die Lin Pau über dieses Gebiet fährt?“

„Vermutlich messen die eine höhere Temperatur im Wasser, mehr nicht.“

„Aaha. Und was passiert, wenn die Lin Pau da drüber fährt und der Vulkan bricht aus?“

„Stell dir vor, du fährst auf dem Meer mit einem Ruderboot und plötzlich, auf einen Schlag werden um dich herum 1.000 Tonnen heißes, dampfendes Wasser hoch gedrückt.“

„Unangenehm, wir würden wohl kentern, sinken und vielleicht sogar gebraten.“

„Wenn schon dann würdet ihr gesotten.“ lachte Penelope uns an, um sofort wieder ernst zu werden.

„Und jetzt stell dir vor, dass dies nicht mit 1.000 Tonnen, sondern mit vielen hundert Millionen Tonnen dampfenden Vulkanwassers und glühender Lava passiert?“

„Auaa, dann hat auch so ein riesiges Schiff wohl keine Chance mehr oder, der Auftrieb wäre weg, das Schiff würde kentern und ringsherum überall nur kochendes Wasser? Das klingt nicht gut.“

„Genau, wenn so etwas passiert, dann gibt es heiße China Suppe. Hoffentlich passiert da kein Unglück.“

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Zusammenstöße

An einer anderen Stelle, nordwestlich von Soulebda bahnte sich ein ganz anderes Unglück an. Es begann wie immer ganz klein, und war wie sooft am Anfang ganz harmlos.

Eine britische Korvette fühlte sich von einem nahenden Hubschrauber der Franzosen gestört, die mit ihren Radarsensoren die Gegend absuchen. Der Hubschrauber der Franzosen erzeugte so viele Störungen, dass die ganzen Messungen der Briten verlorengingen.

Wutentbrannt wies der Kapitän der britischen Korvette seine Elektronik Experten an, dem Franzosen „mal richtig den Marsch zu blasen“, was diese auch prompt taten und ihre elektronischen Störer aktivierten.

Ab diesem Moment war es auf dem Lynx Hubschrauber der Franzosen vorbei mit lustig. Die Navigationselektronik und der Autopilot begannen ein reges Eigenleben zu entwickeln und der Pilot musste die kleinen Helferlein abschalten, um nicht ins Meer zu stürzen.

Über Funk machte der erboste Pilot Meldung und sprach dabei von „Elektronischem Beschuß durch die Briten“.

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Die Meldung ging natürlich durch den Funk und ein sehr eifriger junger britischer Leutnant, an Bord eines kleinen Versorgers, blendete einen anderen Hubschrauber der Franzosen, bei dem Versuch etwas von der Wasseroberfläche aufzusammeln.

Der Pilot des Lynx wurde von einem Laser geblendet und musste alle Aktionen abbrechen und den Hubschrauber hochziehen, bis sein Kollege ihn ablösen konnte. Dabei fiel der Bordingenieur aus der Luke ins Meer, und hing kurz danach im Sicherungsseil, seine Messgeräte fielen aber ins Wasser und gingen verloren. Nun flog der Pilot, mittlerweile mit aufgesetztem Sonnenschutz Visier das Schiff an und sorgte für reichlich Verwirbelung an Deck.

Dort waren gerade einige Mannschaftsmitglieder dabei Container mit Trockenmilch zu sichern. Ein Windschlag des Hubschraubers riss einen Deckel auf und einige Eimer mit Trockenmilch wurden aufgewirbelt und hüllten den Versorger in einen dichten Nebel. Das Reinemachen an Deck dauerte mehrere Stunden.

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Diese Spielchen unter Marinesoldaten nahmen schnell an Heftigkeit zu. Immerhin waren sie alle noch immer bei einer Such- und Rettungsaktion, um die vermissten Hollywood Größen zu finden.

Ein Schnellboot der Franzosen trieb es auf die Spitze und versuchte ein Schisshasenspiel mit einem britischen Speedboot. Es preschte direkt auf den Briten zu, der Brite aber behielt den Kurs bei, denn er hatte den Franzosen schlichtweg übersehen, weil der Kapitän nach achtern schaute.

So donnerte der Franzose direkt in den Bug des Engländers und beide Boote nahmen Wasser. Dabei waren die Briten gerade bei der Bergung von etwas merkwürdigem und hatten gehofft wertvolles Material zu finden, aber sie fanden nur einen halb untergegangenen Container, der gefährlich knapp unter der Wasseroberfläche trieb und eine Gefahr für die Schifffahrt darstellte.

Bei den Briten gab es zwei Verletzte, die Matrosen im Wasser. Auf Seiten der Franzosen aber traf es einen jungen Matrosen, der sich beim Aufschlag einen Rückenwirbel gebrochen hatte.

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Dann kam es zu den ersten schrecklichen Unfällen.

Weiter im Süden überfuhr ein schweres Patrouillenboot der Engländer fast eine Bergungsmannschaft der Neuseeländer im Zodiac Schlauchboot, als die gerade dabei waren, etwas aus dem Wasser zu fischen. Die Besatzung des neuseeländischen Schlauchbootes musste über Bord und das Boot sank. Einer der Neuseeländer wurde dabei am Kopf verletzt und ertrank.

50 Meilen nördlich krachen zwei Speed Boote ineinander weil, sich die Franzosen und Briten nicht an die allgemeinen Seefahrtregeln halten wollten, keiner wollte nach steuerbord ausweichen, und jeder wollte zuerst das „Ding“ aus dem Wasser fischen.

Bei dem Unfall kamen erneut zwei Mann um, beides Briten. Das „Ding“ entpuppte sich als eine Sammlung von hellen Plastiktüten.

Das Suchgebiet wurde immer enger gefasst, damit kamen sich auch die größeren Schiffe näher, und auf allen Seiten versuchten die Elektronikspezialisten, etwas von den Anlagen der Anderen Schiffe herauszubekommen.

Bald knisterte es nur so im Funk vor Störungen. Da in dem Suchgebiet auch andere Flugzeuge unterwegs waren, wurden diese ebenfalls Opfer der Funkstörungen. Als dann eine der Zivilmaschine auf dem Flug ernste Probleme bekam, weil plötzlich die gesamte Bordelektronik und Instrumente zu spinnen anfingen, da erstattet der Pilot Anzeige, wegen schweren Eingriffes in den internationalen Luftverkehr. Die Maschine musste ihren Such- und Rettungsflug abbrechen und auf Soulebda notlanden, um die Instrumente prüfen zu lassen.

In der darauf folgenden Nacht krachte es dann heftiger. Ein schwach beleuchteter Frachter aus Korea wurde von einem Franzosen gerammt. Angeblich sah man das koreanische Schiff nicht auf dem Radar und es versuchte sich lautlos an die Franzosen heranzupirschen. Spionage und Verrat waren die Worte, die gebraucht wurden.

Es stellt sich aber dann heraus, dass der Diesel auf dem verrottenden koreanischen Schiff ausgefallen war, und alle Batterien ausgelaugt waren, bis zum letzten Ampere.

Die Franzosen halfen den übermüdeten Koreanern, den Diesel zu starten, und schickten das koreanische Schiff weiter. Eigentlich hätten sie das Schiff in Schlepp nehmen und an Land bringen sollen, aber das wollte keiner der beiden Parteien.

Aber Stunden später setzte eine erneute Havarie dem Diesel ein Ende. Durch den Ausfall des alten Diesel fehlte Strom und die Lenzpumpen blieben auch stehen. Jetzt lief der koeranische Fischer langsam aber sich voll Wasser. Ohne Strom gab es kein Licht und keinen Funk, damit war das Schiff eine Falle für jeden auf See. In der darauf folgenden Nacht wurden die Wellen höher und es drang immer mehr Wasser in das Boot. Obwohl die Menschen an Bord mit allem lenzten was sie hatten, reichte es nicht. Irgendwann war zuviel Wasser unter Deck und das Schiff begann zu sinken. Das einzige Schlauchboot war nicht Seewetterfest und viel zu klein. Die vorgeschriebene Rettungsinsel war verrottet. Mangels Strom gab es kleinen Notruf und als die in der Nähe befindlichen Schiffe etwas bemerkten, da war der Kahn mit Mann und Maus abgesoffen. Es gab keine Überlebenden.

Am Folgetag nahm eine französische Fregatte eines ihrer Begleitschiffe in Schlepp, weil dessen Ruderanlage einen Schaden hatte. Während die Techniker die Anlage reparierten, schleppte dir Fregatte das Schiff aus der Gefahrenzone. Da fuhr ein britischer Zerstörer mit hoher Fahrt zwischen den beiden Schiffen hindurch und zerriss das gut sichtbare Schleppseil.

Das wiederum verärgerte den französischen Kapitän der Fregatte so sehr, dass er die Briten abzudrängen versuchte. Dabei kollidierten die beiden Schiffe und es gab kleine Beschädigungen an den Schiffen. Allerdings kam es auch auf beiden Schiffe zu Verletzungen bei der Mannschaft, einige Armbrüche, sowie ein paar Abschürfungen waren die Folge der Kollision.

Das reichte dem Admiral der Franzosen und er befahl seine Offiziere zu sich und bürstet sie hart gegen den Strich!

Auf der britischen Seite lief es nicht viel anders, auch dort wurden die Kapitäne und Offiziere vom Kommandierenden Offizier hart verwarnt. Hier reichte es aber aus, die Seeleute bei ihrer Ehre zu packen.

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Danach verlief die Suche fast einen Tag ruhig und professionell. Die Sticheleien untereinander wurden dadurch aber nicht beigelegt, sondern sie wucherten im kleinen weiter, um dann erneut und mit voller Wucht auszubrechen.

Kleine Querelen wo auch immer die beiden Parteien aufeinandertrafen. Meist wurden die jeweils anderen Marinesoldaten nass gespritzt oder auch einmal mit faulen Eiern beworfen. Das häufte sich dann schnell und die kleinen Sticheleien wurden heftiger.

Irgendwann wurde es dann einem jungen Soldaten der Franzosen auf Wache zu viel. Einer seiner Kameraden wurde von einem anderen britischen Schiff mit der Feuerlöschspritze von Bord gefegt.

Der über Bord gegangene Soldat wurde durch die Schraube verletzt. Das reichte dem Wachmann. Bei der nächsten Anfahrt der Briten war es dann soweit. Es fiel der erste Schuss auf See. Ein Franzose starb dabei.

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Als dieser Zwischenfall im Funk herumging, da war es bereits zu spät. Marodierende Speed Boote der beiden großen Kräfte spielten nicht mehr miteinander „Hasch misch“, sondern sie rammten sich gegenseitig und es gab Schnittverletzungen bei beiden Parteien.

Danach kam einem Neuseeländer ein Brite in den Weg, als er eine besonders harte Kurve ansetzt und das kleine Patrouillenboot der Neuseeländer nahm Wasser. Es ging aber alles gut aus und es gab keine Verletzten.

Irgendwann wurden dann die ersten Protestnoten über Funk ausgetauscht und die Botschafter der Parteien begannen ihr fieses Spiel im Paragrafen-Reiten. Eine Protest-Note hier eine andere da, dort eine böse Depesche und hier noch eine. Die Angelegenheit war den Kommandierenden vor Ort entglitten und hatte sich verselbstständigt.

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Zur gleichen Zeit in der NATO Pressekonferenz.

Als dem belgischen General aus dem Pressezentrum der NATO, nach wirklich sehr, sehr, langer Warterei der Geduldsfaden riss, weil und er immer noch von den Engländern belogen wurde, war das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Im Pressezentrum der NATO in Brüssel zeigte der belgische General dann den ganzen Videofilm des Massakers in hochauflösenden Bildern, und die Vertreter aller Länder waren entsetzt.

Britische Truppen griffen einen souveränen Staat in der Südsee an und erschießen Zivilisten, Frauen und Kinder. Und zu den Bildern der zerfetzten Frauen und Kindern wehte überall im Hintergrund der Union Jack.

Diese Bilder gingen um die Welt und im Buckingham Palast war eine ältere Frau gar „nicht amüsiert“ und tobte durch ihren Palast, verfolgt von ihren Corgi Hündchen.

Ab diesem Moment krachte es in den englischen Ministerien so richtig. Premier und Innenminister wurden zur Besprechung in den Palast befohlen und versuchten mit Engelszungen die Entscheidungen des Außenministers zu unterstützen und zu erklären. Der Seelord wurde beschuldigt mit Piraten gemeinsame Sache zu machen. Irgendwann bekam die Presse Wind davon und ab da gingen die Beschuldigungen auch unter der Gürtellinie weiter.

In der Sun forderte man indes offen den Kopf des Premierministers, der Guardian warf dem Außenminister Mord vor, im Daily Mirror fordert man ungehalten den Rücktritt vom See Lord, sowie der Queen und einige billige Blätter mit den großen Buchstaben schrien, dass der Galgen endlich wieder kommen müsse. Es ging im Lande drunter und drüber. Ein richtiges Hauen und Stechen war losgetreten worden.

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Als all das gerade in England hochkochte, da kamen die Meldungen von dem Gerangel vor Soulebda in die französische Nachrichten, und brachte die Aufregung schnell über den Ärmelkanal. Jetzt schrien Franzosen und Briten nach Blut – und sie sollten ihre Opfer bekommen.

Das brach dem britischen Verteidigungsminister dann endgültig das Genick. Mit Schimpf und Schande wurde er aus dem Amt entfernt.

Im Palast war man außer sich und die es ging von allerhöchster Stelle ein klarer, unverschlüsselter Funkspruch um die Welt, der die britische Abteilung zum sofortigen uneingeschränkten Rückzug aufforderte.

Diesem Funkspruch war sofort und uneingeschränkt Folge zu leisten. Der Funkspruch trug die verifizierbare Signatur des Königshauses und wurde vom Premier und dem Seelord bestätigt.

Als nächstes gab es Wechsel in der Admiralität und in einigen anderen Bereichen der Verwaltung. Es rauschte nur so in den Ämtern und frische Leute zogen ein.

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In Frankreich ging es nicht viel anders zu. Der bereits angeschlagene Premierminister wurde politisch geköpft und in einigen Ämtern knallte es auch sehr heftig.
Bei der Admiralität rollten Köpfe und auch einige Minister wurden „erneuert“.
Die Presse hatte ihre Möglichkeiten das Sommerloch zu füllen und sie füllten das Loch mit allem, was sie finden konnten.

Am Ende aber trat eine Selbstreinigung ein und es wurde mit neuen Leuten ruhiger und besser.

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In der Südsee war der Funkspruch wie eine Bombe eingeschlagen und die Engländer sammelten sich zum Abmarsch.

Die Briten liefen mit zwei Versorgungsschiffen den Hafen von Soulebda an, um die restlichen Truppen einzusammeln. Es kamen aber verdächtig wenige auf die Schiffe. Endlich lief die britische Flotte aus, zurück nach England.

„Verpisst Euch ihr Inselaffen.“ Kam es aus einem starken Sender der Franzosen.

Als Antwort kam vom Führungsschiff der Briten nur ein „Verschwindet endlich ihr dammte Froschfresser!“

Dann kehrte langsam Ruhe auf See ein, aber nur auf See.

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McAllister schaut den SAS Man an und flüstert leise, „Dieser Funkspruch, vom sofortigen Aufbruch, kam hier nie an. Wir haben auch nichts gesehen, gehört oder sonst wie mitbekommen, ist das klar?“

„Aber wenn das herauskommt, dass wir noch hier auf Soulebda sind, wird uns die Königen höchstpersönlich die Eisen anlegen und im Kerker verschwinden lassen“

„Nur wenn wir von dem Funkspruch Kenntnis hätten, da wir den Funkspruch aber niemals erhalten haben …“

Nun warf McAllister sein Satellitentelefon ins Feuer und es verbrannte mit ein zwei lauten Krachern, als die Akkus durchbrannten.

„Vergraben Sie ihr komisches Schram Schram Terminal und zerstören Sie die anderen Satelliten Funkgeräte.“

„Jawohl Sir, ich zerstöre das Gerät und sammle alle Sat-Handys ein.“ damit ging der Soldat in die Nacht hinaus und tat wie er zugesagt hatte.

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Peters Privathöhle

Endlich etwas Ruhe!
Ich lag in unserer „Privathöhle“ auf dem Bett und hielt meine Caroline fest. OK, Bett war übertrieben, wir lagen auf einem mit Heu und anderem weichen Material gefülltem Tier Fell, aber es bot ein weiches Lager.
Innerlich schüttelte ich den Kopf. Zwar gab es schon jahrelang den Trend zum „rustikalen Urlaub“ doch dafür hätte ich nie Geld ausgegeben. Und jetzt? Jetzt lag ich auf Heu in einer Höhle und war GLÜCKLICH! Glücklich, dass ich noch lebte und noch viel glücklicher, das meine Caroline noch lebte!

Während wir Caroline die Kugel „herausoperierten“, hatte ich für Angst keine Zeit gehabt. In bitteren Lektionen musste ich lernen, Gefühle und Emotionen auszublenden und einfach abzuschalten. Als Henker durfte ich mir diese einfach nicht leisten, doch das hatte auch etwas Gutes. Ich konnte in gefährlichen oder chaotischen Situationen wie Unfällen, Zellenaufständen oder ähnlichen Geschehnissen die Übersicht behalten, erste Hilfe Kenntnisse, Wissen aus Deeskalationslehrgängen, oder notfalls, das Wissen aus Deckers Kampftraining, abrufen und handeln.
Erst als Caroline nach der Operation bewusstlos war und der Stammeskrieger, nachdem er sie untersucht hatte, mit einem dicken Grinsen den Daumen hob, ging ich nach draußen vor die Höhle und erbrach mich ausgiebig.

Als ich mich umdrehte, um in die Höhle zurückzugehen, stand Soleab hinter mir.
„Hier.“ er hielt mir ein Tuch entgegen, welches ich dankbar entgegennahm, um mir damit den Mund abzuwischen. „Ich bin auch sehr erleichtert.“
„Danke.“ murmelte ich.
„Es tut mir leid, dass ich dich gestoßen und gesagt habe, du würdest mir die Ohren volljammern.“
„Das braucht dir nicht leidzutun.“ antwortete ich. „Du hattest ja Recht. Ich hab dir die Schuld an Carolines Verletzung gegeben. Um ehrlich zu sein, in diesem Moment habe dir die Schuld an allem gegeben. Das war falsch, also… wenn sich hier einer entschuldigen muss, dann ich.“
Soleab hielt mir die Hand entgegen und ich schlug ein. Dabei stellte ich fest, dass Soleabs Händedruck wieder so fest war wie vorher. Allem Anschein nach, hatte er sich wieder gefangen.

„Die Stammeskrieger sagen, dass alle Flugzeuge weg sind. So wie es aussieht, suchen nur noch wenige Einheiten nach uns. Sobald Caroline wieder etwas zu Kräften gekommen ist, können wir hier weg.“
Als wir wieder in das Innere der Höhle gingen, kümmerte ich mich um Caroline. Sie war noch immer bewusstlos, doch sie atmete tief und fest. Während ich ihr den Schweiß von der Stirn wisch, huschte ein Stammeskrieger herbei und überreichte Soleab einen Zettel. Anfangs bemerkte ich es gar nicht, doch dann wurde mir bewusst, dass mich Soleab anstarrte.
„Was ist?“
„Ich habe eine Nachricht erhalten… sie muss für dich sein!“
„Wieso?!“
Statt einer Antwort reichte er mir den Zettel und ich las was darauf stand. Im Halbdunkel der Höhle starrte die Zeilen an… Die Handschrift erkannte ich sofort! Diese Nachricht hatte eindeutig Frank geschrieben.
„Schwingt eure Ärsche auf Carolines Insel! Ich habe vor, euch den Hals umzudrehen!“
„Der Verfasser kennt dich wohl schon länger?“ fragte Soleab und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
Und so brachen wir zwei Tage später zu Carolines Insel auf.

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Als wir den Strand von Bea Island erreichten strömten alle Rebellen der Insel auf uns zu und halfen uns an Boot an Land zu bekommen.
Mitten in dem Gewühl tauchten zwei rothaarige Köpfe auf, von denen einer sofort das Kommando übernahm und sich auf Caroline stürzte.
„Vera?!“ fragte ich ungläubig, als ich sie erkannte.
„Hi Peter, sorry aber Caroline hat Vorrang!“ damit dirigierte sie vier kräftige Burschen, die Caroline vorsichtig auf eine Trage hoben und sie an Land trugen.
Ich sprang über den Bootsrand, um ihr zu folgen, und stand bis zur Brust im Wasser, als mich plötzlich zwei smaragdgrüne Augen anschauten. Ohne ein Wort fiel mir Sarah um den Hals und hielt mich fest.
„Sarah! Was tut ihr denn hier?!“
Sarah lächelte mich an und wies dann mit einer leichten Kopfbewegung hinter sich. „Da sind noch mehr bekannte Gesichter.“ flüsterte sie und als ich an ihr vorbei sah, konnte ich tatsächlich Randy, Hannes, Johann, Gratweiler und Helmer erkennen die am Strand warteten.
Und zwei Meter daneben… das standen Levi, Decker, der die Arme vor der Brust verschränkt hatte und… Frank!
„Keine Sorge“, flüsterte Sarah, „er spielt nur den Bösen.“

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„Tut mir leid, ich kann hier nicht weg.“ sagte ich leise zu Frank.
Wie saßen zu zweit an einem kleinen Feuer und besprachen, wie es nun weitergehen sollte.
Ich hatte meine Freunde herzlich begrüßt und war dann sofort Vera in die Höhle gefolgt, in der sie Caroline versorgte.
Als ich zu ihr kam, hatte sie Caroline schon entkleidet und untersuchte sie ausgiebig. Vorsichtig reinigte sie ihre Wunde und schüttelte den Kopf.
„Dafür dass du sie liebst, spielst du ganz schön mit ihrem Leben.“
„Ich hab getan, was ich konnte. Wie schlimm ist es?“
„Ich will ehrlich sein, ohne die Medizin der Stammeskrieger wäre sie jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit tot!“
Mein Magen fühlte sich an, als ob er einen Schlag bekommen hätte.
„Aber…“ fügte Vera an. „Sie lebt! Nur das zählt… und für einen Amateur wie dich, hast du dich ganz gut geschlagen. Den Rest bekomme ich hin.“
Ich kniete mich neben sie und drückte sie an mich. „Ich weiß nicht wie dir danken kann.“
„Ich schon! Lass in Zukunft die Finger vor irgendwelchem Operationsbesteck.“

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Nun schlief Carolines unter Veras wachsamen Augen und Frank hatte mich beiseitegezogen. Vor zehn Minuten hatte uns Benjamin erklärt, dass vor der Küste ein israelisches Boot darauf wartete, uns aufzunehmen und zu einem Versorgungsschiff zu bringen.
Als Levi uns alleine gelassen hatte und ich nach einigen Minuten immer noch schweigend vor dem Feuer saß wollte Frank wissen, was los war.

„Was ist dein Problem?“
„Ich kann nicht einfach hier weg! Caroline wird Soulebda nicht verlassen, solange Sheramoh die Menschen auf dieser Insel abschlachtet.“
„Caroline ist außer Gefecht! Ich klemme sie mir unter den Arm und schaffe sie selbst auf das U-Boot!“
„Dann werde ich immer noch nicht gehen. Ich habe Soleab mein Wort gegeben, mit ihm zu kämpfen, notfalls bis zum bitteren Ende. Ich kann nicht einfach abhauen… das wäre… Fahnenflucht.“
„Du stures Arschloch! Jetzt hörst du mir mal zu! Du bist kein Rebell! Du bist ein Beamter! Du hast eine Dienststelle und einen Job zu erledigen, und das beides in Deutschland, nicht hier im Dschungel, am Arsch der Welt!“
„Frank… ich bin euch wirklich dankbar, dass ihr gekommen seid… aber ich gehe hier nicht weg.“
„Triffst du diese Entscheidung auch für Caroline?“
„Ich treffe sie WEGEN Caroline.“ damit stand ich auf und ließ Frank an Feuer allein.
„Idiot!“ wütend stieß Frank einen Stock in das Feuer, ließ einen Haufen Funken aufsteigen und sah ihnen nach. Als er wieder nach unten schaute, saß Decker neben ihm.
„Er will hier nicht weg?“
„Nein, dieser blöde Hund. Was habe bei Peter bloß falsch gemacht?“
„Ich sag dir schon seit zwanzig Jahren, dass du Peter härter anpacken sollst.“
„Vielen Dank! Das ist jetzt nicht sehr hilfreich.“

Sie saßen noch eine kurze Zeit schweigend da, als Decker trocken auflachte.
„Was ist so komisch?“ wollte Frank wissen.
„Ich erinnere mich an ein ähnliches Feuer, vor vielen Jahren, mitten in der iranischen Wüste…“
„Halt den Mund!“
Doch Decker fuhr unbeeindruckt fort. „Soweit ich mich richtig erinnere, saßen an dem Feuer, zwei Kerle und eine Frau.“

„Wolfgang…!“

„Einer der Männer versuchte, seinem Partner und der Frau klar zu machen, wie sinnlos ihr Vorhaben sei und dass beide allenfalls draufgehen würden, aber die beiden pfiffen auf den Rat des dritten. Der Dritte aber ließ seinen Partner nicht im Stich und zog mit diesem und der Frau los… und zusammen zogen sie eine unglaubliche Mission durch.“

„Manchmal bist du ein genau so großes Arschloch wie Peter!“

„Liegt wohl an seinem Einfluss.“ lachte Decker und wurde wieder ernst. „Also ich weiß genau, dass du Peter und Caroline hier nicht einfach zurücklässt. Ich bin auch dabei.“
„Und was sagen wir den anderen?“

„Machst du Witze?“ Decker zeigte mit dem Kopf in die Dunkelheit. „Die sitzen alle versteckt hinter den Bäumen und hören jedes Wort mit.“
„Hätte ich mir denken können.“ brummte Frank, sah in die Dunkelheit und rief dann, „Los! Herkommen!“

Aus dem Dunkeln traten Vera, Sarah, Randy, Hannes, Johann, Helmer und Gratzweiler heraus und stellten sich in einer Reihe vor das Feuer. Frank stand auf und stellte sich vor die Reihe, während Decker hinter ihm blieb.

„Also?“, fragte Frank.
Wie bei einer militärischen Truppe, trat Sarah vor und sah Frank mit ihren grünen Augen an.

„Ich rede für uns alle! Wenn du unser Befehlshaber bist, sind wir alle mit an Bord!“

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„Soleab?“
Soleab schaute sich um und nickte Levi zu, sie bat ihn, in die Höhle zu kommen, in der er sich mit Veronique beriet.
Veronique konnte kaum glauben, was für ein Glück sie hatte, als sich Jim und Bernd Schubert bereiterklärten für ihre Luftwaffe zu kämpfen.
Jim konnte über Mike an das Equipment kommen und Schubert verfügte über das Knowhow, damit etwas anzufangen. Ihre erste Maßnahme bestand darin, die Flugzeuge zu bewaffnen. Natürlich konnte keines der Flugzeuge mit Lenkwaffen ausgestattet werden, doch mit fünf MGs, Kaliber 7.62/51 und einer 20mm Kanone konnte Schubert etwas anfangen.

Jims Frachtmaschine war am robustesten und bekam die Kanone mittig unter den Rumpf geschraubt, während die Wasserflugzeuge je zwei MG unter die Tragflächen montiert bekamen.
Da Bernd sich der Verwundbarkeit ihrer Flugzeuge bewusst war, griff er auf einen alten Fliegertrick zurück. Er montierte die MG nicht so, dass sie alle parallel nach vorne schossen, sondern so, dass sich die Geschoßbahnen 300 Meter vor dem Flugzeug kreuzten. Auf diese Weise konnte er, trotz der leichten Bewaffnung, ein wirklich mörderisches Feuer auf sein Ziel niederregnen lassen.
Soleab musste sich erst einmal mit dem Gedanken anfreunden nun auch offensive Waffen zu besitzen. Er beratschlagte sich gerade mit Veronique, wie und wann sie die Flugzeuge einsetzen sollten, als Levi zu ihm kam. Natürlich wusste Soleab mittlerweile, dass Levi nicht irgendein Major der israelischen Armee war, und er wusste auch, dass er jeden militärischen Experten dringend brauchte.
„Darf ich fragen, was ihre nächsten Ziele sind?“

„Um ehrlich zu sein… ich weiß es nicht. Veronique möchte sofort auf die Hauptstadt marschieren, Heylah am liebsten jeden Kampf vermeiden… am besten wäre etwas in der Mitte.“
„Darf ich ihnen einen Rat geben?“
„Selbstverständlich.“
„Sichern sie den Norden der Insel. Durch Heylahs Rede werden sie viel Zulauf bekommen, doch die meisten werden unbewaffnete Zivilisten sein. Sie müssen die Leute bewaffnen und zumindest ansatzweise ausbilden. Dazu brauchen sie eine sichere Basis.“
Levi trat an den Tisch, auf der eine Karte Soulebdas lag und zeigte auf den Nordteil Soulebdas. „Hier, durch die schmale Stelle, zwischen der nördlichen und südlichen Meeresbucht, lässt sich der Norden mit den Höhlen gut verteidigen, denn es führt nur eine Straße über die Landenge.
Außerdem haben sie Bea Island, das ihre östliche Position mit seinen Flugzeugen sichert und ihre amerikanischen Freunde auf Ni’Jamong in ihrem Rücken. Sollten alle Stricke reißen, können sie sich dorthin zurückziehen. Weder die Briten noch die Franzosen werden sich mit den Amerikanern anlegen.“
„Es stimmt, ich habe eine Meldung von Heylah erhalten, es kommen viele Menschen, die für Heylah und Soulebda kämpfen wollen, doch die meisten Armeeoffiziere stehen weiter hinter Sheramoh. Was ich brauche, sind erfahrene Offiziere um den Nordteil zu verteidigen und Ausbilder, die den Leuten zeigen, wie man eine Waffe bedient.“
„Haben sie schon mit Brauer geredet?“

„Frank Brauer?“
„Ja, seine Leute haben beschlossen, bei Caroline und Peter zu bleiben. Fragen sie Brauer, ob er ihre Truppe führen will. Die Ausrüstung und Ausbildung übernehmen wir und die Amerikaner.“
„Kann Brauer denn meine Truppe führen?“, fragte Soleab verdutzt. „Ich dachte, er sei nur der Leiter eines Gefängnisses?“

„Oh nein, Brauer und Decker sind wesentlich mehr. Er und Wolfgang Decker sind alte Bekannte meines Bosses. Ich selbst war noch an der Akademie, als sie schon ihre geheimen Aufträge ausführten, aber ich habe viele Berichte gelesen und noch mehr Geschichten über den „großen Adler“ gehört… der Mann ist tatsächlich eine lebende Legende! Nutzen sie die Gelegenheit!“

„Frank Brauer – der große Adler! Interessant.“ schlussfolgerte Soleab.

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Am Morgen, als Caroline wieder etwas zu Kräften gekommen war, kam Frank zu uns. Er hatte seine –Jetzt gibt es einen Einlauf-Miene- aufgesetzt und ich rechnete mit einem Anschiss der ersten Klasse.

„Also ihr zwei Sturköpfe! Ihr habt zwei Möglichkeiten!

Erstens; Hierbleiben. Dann kneift ihr die Arschbacken zusammen und tut, was ich sage, denn ich habe jetzt das Kommando, oder…

Zweitens; Ihr bleibt und versucht euer eigenes Ding zu drehen. In dem Fall, werde ich Decker damit beauftragen euch gefesselt und geknebelt auf das U-Boot zu schaffen. Dann geht’s ab nach Hause… und ich meine nicht Deutschland!“

Caroline und ich sahen uns ungläubig an. Frank hatte das Kommando?! Was lief hier? Ich bemerkte den unauffälligen Stoß, den mir Caroline gab und wir verständigten uns mit einem Blick.

„Alles klar: Du bist der Boss.“ sagte ich und grinste.

„Irgendwann einmal, werde ich den Sarkasmus aus dir herausprügeln, oder noch besser, ich beauftrage Decker damit. Darauf wartet der schon seit zwanzig Jahren! Besprechung in genau dreißig Minuten!“

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Auf mich gestützt, kam ich mit Caroline später zur ersten Einsatzbesprechung, die Frank leitete.
Neben meinen Freunden war auch Schubert zugegen. Er nickte mir zu und setzte sich neben mich.
„Kenne ich dich nicht von irgendwoher?“, fragte ich ihn.

„Schon möglich. Bernd Schubert, Trakt fünf, Zelle sieben.“ Er reichte mir die Hand und ich nahm sie an. Dabei schaute ich zu Frank, der sich noch mit Levi beriet, als mir Caroline wieder einen Stoß in die Seite gab.

„Ich frage mich gerade, ob du einen schlechten Einfluss auf unsere Freunde hast. Ich hätte nie geglaubt, dass Frank auf deine Methoden zurückgreift.“
„Ha Ha..“

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Tags darauf wurde der Stützpunkt weiter zur neuen Kommandozentrale der Rebellenluftwaffe ausgebaut. Von dem einzigen Berg aus konnten wir entlang der beiden Vulkane bis zur Hauptstadt sehen und die Flugzeuge, die auf dem Flughafen starteten und landeten, konnten wir auch gut erkennen.

Hier oben wurden auch die Sensoren der Radarempfänger und die Funkpeiler installiert, die unsere Freunde mitgebracht hatten. Es war immer wieder interessant, was die Labors der Geheimdienste im stillen Kämmerlein zusammenzimmerten. Dave war von seinem Multi Frequenz Drohnen Zerstörer sehr begeistert. Das Gerät würde ganz sicher alle Drohnen, deren Hardwareadresse nicht bekannt war, zum Absturz bringen.

Nach anderthalb Tagen hatten wir ein komplettes Lagebild der Region, gekoppelt mit den Bildern der Global Hawks. Irgendwie kam es uns so vor, als seien diese Aufklärungsdrohnen in der Luft über Soulebda festgedübelt. Mike hatte uns aber versichert, dass die Drohnen regelmäßig ausgetauscht würden.

Was er uns allerdings vorenthalten hatte, war, dass die neuen Versionen der Global Hawks auch in der Luft nachgetankt werden konnten und sie dadurch die Verweildauer auf über 90 Stunden erhöhen konnten, ehe das Triebwerk frisches Öl brauchte.

Hatten wir den Berggipfel in einen Sensorenträger umgebaut, so fanden sich auf einer Ebene tiefer, an den beiden Plattformen nun zwei MANPAD Raketenwerfer, um ungeliebte Flugzeuge fernzuhalten.

Auf der Ebene tiefer war dann ein Zugang zu einer der Höhlen, die noch nicht ausgebaut war. Unsere Wohnhöhle indes war davon abgetrennt und man konnte sie sichern.

Einen Tag später verließen wir Bea Island, setzten nach Soulebda über, wo wir zu Heylah stießen, während Veronique mit ihrer Luftwaffe auf Bea Island blieb und damit begann, die Insel weiter zu einem richtigen Stützpunkt auszubauen.

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Die Freude über unsere Ankunft bei den Höhlen war unbeschreiblich. Penelope weinte vor Glück als sie gleichzeitig Soleab UND Caroline wieder in ihre Arme schließen konnte.
Wie es Soleab und Levi vorhergesagt hatten, waren viele Freiwillige gekommen, um sich der Rebellion, die jetzt offiziell Freiheitskampf genannt wurde, anzuschließen.

Soleabs erste Maßnahme bestand darin, diejenigen die kämpfen konnten, von den Höhlen abzuziehen, und sie auf mehrere Camps im Nordteil der Insel zu verteilen, die sich im Falle eines Angriffes gegenseitig unterstützen konnten.

Die ersten Angriffe ließen dann auch nicht lange auf sich warten. Zweimal versuchten die Soldaten der Armee, zu den Höhlen zu gelangen, doch dazu mussten sie die Enge zwischen den Meeresbuchten passieren.

Soleab, der keinen falschen Stolz kannte, hatte Levis Vorschlag befolgt und hatte Frank um Rat gebeten.

Auch Frank erkannte die Bedeutung der Landenge, welche Nord-Soulebda vom Rest der Insel trennte. Auf die Frage ob Frank diese verteidigen könnte, schluckte der erst einmal. Natürlich kannte auch Frank die Berichte von Sheramoh und seinen Taten und er musste nicht lange überlegen.

Zusammen mit Decker und Helmer, zwei erfahrenen Kommandoführern, Gratzweiler einem lang gedienten Feldwebel der Fallschirmjäger, Hannes und Johann, beide ehemalige erfahrene Unteroffiziere, sowie den Farm-Boys und Israelis, die freiwillig die Rebellen unterstützen, konnte Frank eine kleine, aber sehr schlagkräftige Truppe aufstellen.

Dazu kamen noch Freiwillige, die in der Armee Soulebdas gedient hatten, sowie ehemalige Palastwachen und Polizisten, die alle wussten, wie man mit einer Waffe umging. Mit dieser Truppe konnte Frank arbeiten!

Durch die Stammeskrieger vorgewarnt, wusste Frank, wann und wie viele Soldaten angriffen, welche Fahrzeuge benutzt wurden, und stellte seine Truppe entsprechend auf. So holte sich die angreifende Armee bei beiden Angriffen eine blutige Nase.

Die Vernetzung der Stammeskrieger war dabei unser größter Vorteil. Wir erfuhren zwar nicht genau wie das funktionierte, aber die Stammeskrieger konnten über enorme Strecken die Informationen weitergeben, es war wie Zauberei, als wenn sie untereinander Gedanken lesen könnten.

Die beiden Angriffe erschienen noch recht unkoordiniert und nicht mit den härtesten Kämpfern ausgestattet. Aber sie forderten unsere ganze Aufmerksamkeit.

Doch es sollte ein weiterer Angriff folgen…

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„Wie sieht es aus?“, wollte Frank wissen, als die Stammeskrieger das Herannahen der Armee meldeten.
„Etwa 200 Mann auf LKW und fünf gepanzerte Wagen.“
Es rächte sich nun für Sheramoh, dass er die Armee zwar zahlenmäßig stark aufgebaut hatte, doch nie ernstlich damit gerechnet hatte, diese im eigenen Land einzusetzen. Er hatte keine Kampfpanzer oder Kampfhubschrauber, allerdings besaß die Armee eine Menge gepanzerte Geländewagen und LKW, doch nur fünf gepanzerte Fahrzeuge hielten auf unsere Stellung zu.

„Wie ist die Kolonne aufgestellt?“ fragte Frank. „Wo sind die gepanzerten Fahrzeuge?“
„Ein Schützenpanzer vorne, einer am Ende der Kolonne, die drei anderen sind Geländewagen, die in der Mitte der Kolonne verteilt fahren.“
„Nur fünf gepanzerte Fahrzeuge…“ murmelte Decker.

„Kein Problem.“ sagte ich und zeigte auf Jeff. „Die putzen Jeff und ich mit den RPGs weg.“
„Immer mit der Ruhe.“ bremste mich Decker. „Du denkst dasselbe wie ich?“ wollte er von Frank wissen.

„Ja, entweder sind die Soldaten ein Köder, oder…“
„Oder, was?“, fragte ich nach.

„Oder die wollen uns nicht wirklich angreifen.“
„Du meinst, die spielen nur die Angreifer.“ fragte ich verwirrt.

„Nein, ein Spiel ist das nicht, eher eine Tragödie. Hört zu!“ er winkte Jeff und mich zu sich, „Ihr zwei werdet den vorderen Schützenpanzer aufhalten. NICHT abschießen! AUFHALTEN! Ist das angekommen?“

„Auftrag verstanden, Panzer stoppen, nicht abschießen!“ bestätigte ich.
„Ok, ich kümmere mich um den Rest unserer Leute.“ Sagte Decker und schnappte sich seinen Dolmetscher.
Jeff und ich huschten inzwischen zur Straße und suchten uns eine gute Position aus, um unsere Raketen abschießen zu können.

„Siehst du den großen Baum, dort direkt an der Straße, den der wie eine uralte Buche ausschaut und genauso kräftig ist?“, fragte mich Jeff und zeigte auf einen Baum, welcher am Ende eines etwa 50 Meter langem geraden Stück Straße stand. „Den fällen wir mit den Raketen, der Baum steht eh schon schräg in die Fahrspur, wenn wir Glück haben, fällt er quer über Straße. Ich feuere zuerst, dann du. Sofort nachdem wir gefeuert haben, wechseln wir die Position. Wir gehen 30 Meter weiter nach links. Jeff zeigte auf die Stelle, die er meinte und ich nickte.

„Alles klar.“ So warteten wir, bis die Kolonne der Armee über die Straße kam. Jeff wartete, bis der Schützenpanzer etwa sieben Meter vom Baum entfernt war, dann feuerte er die Rakete auf den Baum ab. Sein Geschoss war noch in der Luft, als ich ebenfalls feuerte.

Wir hatten angenommen, dass die Raketen den Baum einfach so freisprengen und er daraufhin auf die Straße fällt und diese blockiert. Aber weit gefehlt. Die erste Rakete riss den unteren Stamm fast auseinander und die zweite Rakete ließ den Rest des Stammes in Tausend Holzteile auseinanderfliegen. Gleichzeitig stürzte der mächtige Baum ein Stück nach unten und wir hatten Angst, dass der nicht in unsere Wunschrichtung fällt.

Die Fahrzeuge hatten bereits mitbekommen, was sich da abspielt und dass ein riesiger Baum alles erschlagen würde. So bremste der erste Panzerwagen bis zum Stand und erst jetzt fiel der riesige Baum langsam in sich zusammen. Sofort krochen Jeff und ich zurück zwischen die Bäume, und rannten zur zweiten Stellung. Dort sah ich zur Straße und konnte kaum glauben, was ich da sah.

Die Soldaten sprangen von den Lkws, als unsere Leute anfingen, das Feuer zu eröffnen. Der Baum begann sich in Zeitlupe zu neigen, stürzte um und schlug krachend vor dem Panzerwagen auf die Straße. Einige Äste schlugen dabei auf das Dach des gepanzerten Fahrzeugs und die Soldaten sprangen duch die hintere Luke heraus. Sie wollten nur noch weg und in Sicherheit. Offensichtlich erwarteten sie die vernichtende Granate der Angreifer und keiner von denen wollte sich mit einer RPG Granate anlegen.
„Schau dir das an!“ rief Jeff, als wir die Stellung gewechselt hatten und zeigte nach unten auf das Gewühl. Die Soldaten zogen sich zurück, ohne den Kampf aufzunehmen.

Aber das war keine Flucht, oder Panik, sie fuhren einfach schießend zurück. „Die schießen in die Luft!“, stellte ich erstaunt fest.
„Ja, genau wie wir!“ sagte Decker, der plötzlich hinter uns stand und nach rechts zeigte, wo einer unserer Kämpfer mit einem MG weit über die Köpfe der Soldaten schoss. Unten zog sich die Armee zurück und ließ nur den Schützenpanzer, welcher vom dichten Laubwerk des Baumes begraben war zurück.

„Sowas habe ich ja noch nie erlebt… Wie geht’s jetzt weiter, haben wir gewonnen, wenn die Armee nicht kämpfen will?“ wollte ich von Decker wissen, „Du hast doch Erfahrung mit sowas.“
„Das hier ist erst das Vorspiel. Wenn ich der Chef der Briten wäre, würde ich mir einen Offizier suchen, der selber gerne Präsident wäre, den irren Präsidenten absägen und durch meinen Mann ersetzen, mir anschließend genug Söldner beschaffen, und unseren traurigen Haufen wegwischen.“
„Ist das dein Ernst?“
„Du wirst es erleben. Der wirklich harte Kampf steht uns noch bevor. Aber keine Sorge, das dauert seine Zeit. Die nächsten Tage werden wir Ruhe haben. Also nutze sie. Jetzt schafft den Baum vom Panzer, wir können ihn gut brauchen.“
Da rief bereits einer unserer Männer: „Der Schlüssel steckt noch und der Motor läuft schon!“

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Auch Soleab und Levi bemerkten, dass gerade der letzte Angriff eher halbherzig geführt wurde. Die Masse der Soldaten wollte gar nicht gegen die eigenen Leute und schon gar nicht gegen Heylah kämpfen. Lediglich die Furcht vor Sheramoh hielt die Armee noch zusammen. Das war uns jetzt klar geworden.

Nach dem letzten Angriff kehrte erst einmal Ruhe ein. Egal wie sehr der Präsident auch wütete, seine Offiziere hatten immer einen Grund, die Höhlen nicht anzugreifen.

Während einige von Soleabs Berater die Chance sahen Uhr’Luu oder sogar Soulebda Stadt anzugreifen, rieten ihm Mike und Levi passiv zu bleiben und so den schwarzen Peter den Briten und Franzosen zuzuschieben, denn mittlerweile schaute die halbe Welt auf das Geschehen hier und der Angreifer musste sich rechtfertigen.

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So gingen ein paar Tage ins Land, in denen sich Caroline erholen konnte. Die Tatsache verwundbar zu sein, schien kurze Zeit sehr an ihrem Ego genagt zu haben, doch ich hatte so ganz leicht den Eindruck, dass meine starke Caroline es durchaus genoss, auch einmal „schwach“ sein zu dürfen.
Nach der Rückkehr zu den Höhlen, hatte ich sie gepflegt und versorgt, wenn ich nicht mit Frank draußen war, um die Landenge zu verteidigen.
Natürlich passte es Caroline überhaupt nicht, dass Frank sie zurückließ, während Penelope draußen kämpfte, doch schon beim ersten Protest ihrerseits, hatte Frank ihr klar gemacht, wer das Kommando hatte. Sie NICHT!
Also fügte sie sich zähneknirschend und blieb bei Heylah. Ich versuchte sie aufzubauen und pflegte Caroline genau nach Veras Anweisungen, denn mindestens zwei Mal am Tag kam diese vorbei und überzeugte sich, dass ich meiner Pflicht als „Pfleger“ auch haargenau nachkam.

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Vera…

Vera hatte aus dem Nichts einen funktionierenden Sanitätsdienst aufgebaut. Sie hatte auf Anhieb die unglaublichen Möglichkeiten, welche die Medizin der Stammeskrieger ihr bot, erkannt und setzte diese neben der „normalen“ Versorgung der Verwundeten, bzw. Kranken ein.

Ohne groß jemand um Erlaubnis zu fragen, beschlagnahmte sie eine der Höhlen und begann mit Sarah darin ein Lazarett aufzubauen.
Schon nach kurzer Zeit erwiesen ihr sogar die Stammesangehörigen Respekt, denn obwohl Vera „Europäerin“ war, hörte sie zu und lernte. Und so stellten die Stammesangehörigen, ihr Wissen gerne zur Verfügung.

Leider musste Vera feststellen, dass sie die einzige medizinische „Fachkraft“ war. Da die größeren Städte alle im Süden der Insel lagen und die meisten Ärzte und Krankenschwestern für die Armee zwangsverpflichtet waren, standen ihr lediglich Hawkins von Mikes Farm-Boys und Sergeant Shimon aus Mereschs Truppe zur Verfügung, beide waren ausgebildete Sanitäter und Kampfretter.

Also tat Vera, was sie am besten konnte, sie improvisierte, schnappte sich Penelope, ließ diese eine Sanitätstruppe aufbauen und begann diese auszubilden. Durch die am Anfang hart geführten Kämpfe um die Landenge hieß es dann, Learning by Doing.

Doch der Erfolg ihrer Bemühungen ließ nicht lange auf sich warten. Die Verletzten, die zu ihr gebracht wurden, überlebten fast alle!

„Kriegerinnen des Lebens“ wurden Vera und Sarah bald hinter ihrem Rücken genannt und Soleab erklärte ihnen, dass die Bezeichnung „Kriegerin“, eine der größten Ehrungen war, die es auf Soulebda gab.

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DIE LEGENDE MUALEBDAS

Wir alle nutzten die Atempause, denn da waren wir uns alle einig, sie würde nicht lange anhalten. Die ersten Meldungen, von ankommenden Europäern gingen ein. Sie besagten, dass immer mehr britische „Berater“ auf Soulebda ankamen, während gleichzeitig auch das Sicherheitspersonal auf den französischen Mienen verstärkt wurde.

Decker hatte es vorausgesagt… der wirkliche Kampf würde erst beginnen…

Letzte Nacht, saßen wir alle gemeinsam um ein großes Feuer und die Stammeskrieger erzählten uns die Legende von Mualebda.

„Ihr müsst wissen, dass es eine große Ehre ist, diese Erzählung zu hören.“ erklärte uns Heylah, bevor es losging. „Nur wenige Europäer durften die Aufführung der Legende bisher miterleben. Die Legende wird von den Kriegern und anderen Stammesangehörigen erzählt, getanzt, gefeiert und ähnelt einer Theateraufführung, ich bin sicher, es wird euch gefallen.

Soleab wird die Sprache der Stammeskrieger auf Soulebdahea übersetzen und ich übersetzte sie für euch.“ Heylah führte uns zum Feuer und zeigte uns die Plätze, die wir einnehmen sollten.

Eines musste man den Stammesangehörigen lassen! Sie wussten, wie man eine Party feierte. Vor der Erzählung der Legende wurde ausgiebig ein Trank umhergereicht. Jerome nahm einen Schluck und reichte mir dann eine Schale, die mit einer trüben, weißlichen Flüssigkeit gefüllt war. Ich nippte daran und musste zugeben, dass Zeugs hatte es in sich! Schon der kleine Schluck fühlte sich wie ein Adrenalinschub an und ich keuchte auf.

„Was ist das?“, wollte ich von Jerome wissen.
„Kula’kate.“
„Das Froschgift, mit dem deine Mutter die Wachen ausgeschaltet hat?“
„Ja… nur stark verdünnt und gemischt mit… willst du es wirklich wissen?“
„Würde ich es denn für ekelig halten?“
„Ja… Wahrscheinlich schon.“
„Dann behalt es für dich.“ Entschied ich und nahm einen weiteren, diesmal großen Schluck, bevor ich die Schale an Soleab weiterreichte.
Nun hieß es lauschen, denn die Stammeskrieger begannen mit der Erzählung.

**

-Die Göttin Mualebda überflog die Welt als riesige Harpyie und suchte nach dem schönsten Platz der Erde.
Um sich für die nächste Etappe auszuruhen, landete sie auf einer kleinen Vulkaninsel.
Als die Sonne im Meer versank und dabei die Insel in ihrem leuchtendem roten Licht erstrahlen ließ, gefiel Mualebda die Insel so gut, dass sie beschloss, für immer hier zu bleiben, und ein Volk zu gründen.-

Einige Stammesangehörige hatten sich Palmwedel genommen und bildeten einen Vogel nach, der um das Feuer flog und sich dann an einem Platz, gegenüber von uns niederließ.

-Um Platz für ihr Volk zu haben, ließ Mualebda den Vulkan erbeben und solange Lava spucken, bis sich Soulebda aus dem Meer erhoben hatte.-

Weitere Stammesangehörige liefen herbei und aus dem Vogel wurde ein Vulkan, der Lava spukte. Lag es an dem Trank, oder etwas anderem? Obwohl die Stammesleute nur mit einfachen Mitteln ihr Schauspiel aufführten, konnte ich es bildlich vor mir sehen, wie der Vulkan Lava spukte.

-Als die Inseln sich abgekühlt hatten, folg Mualebda wieder als Harpyie los und brachte auf ihrem Rücken, Pflanzen, Tiere und alles, was ihr zukünftiges Volk zum Leben brauchte.-

Wieder huschten Stammesangehörige als Vogel um das Feuer und sammelten „andere“ Tiere auf.
„Du musst das mal als Hochzeitsfeier erleben,“ raunte mir Soleab zu. „Das hier ist damit nicht zu vergleichen.“
„Kann man die Stammeskrieger für eine Hochzeit buchen? Ich meine für den Fall, dass mich Caroline einmal heiraten möchte?“

Soleab lachte laut auf. „Nein, das geht leider nicht. Dieses Ritual wird nur alle 125 Jahre zelebriert, außer es würde sich ein ganz besonderes Paar finden.“

„Was ist mit dir und Penelope? Wärt ihr nicht dieses besondere Paar?“
Soleab sah mich nachdenklich an. „Man sollte keine Heiratspläne im Krieg machen. Achtung es geht weiter.“

-Nun flog Mualebda los, um Menschen zu finden, die auf ihrer Insel leben wollten. Doch wo immer sie auch suchte, Mualebda fand überall nur Menschen, die sich gegenseitig bekriegten. Und so dauerte ihre Suche sehr lange.-

Unglaublich, aber die „Harpyie“, welche um das Feuer flog, verlor tatsächlich eine Träne.

-Schließlich fand Mualebda, auf dem Meer treibend, ein Floß. Auf dem Floß lagen eine Frau und ein Mann, welche dabei waren zu ihren Ahnen zu gehen. Wegen eines Krieges waren viele Angehörige ihres Stammes geflohen. Auf mehreren großen Kanus hatten sie, ohne Vorräte, ihre Heimat verlassen müssen. Nach vielen Tagen auf dem Meer verschlang ein Sturm die Kanus und nur die Frau und der Mann überlebten. Sie bauten aus den Trümmern der Kanus ein notdürftiges Floß und trieben auf dem Ozean.-

Caroline fasste meine Hand und drückte sie, als aus vielen Stammesangehörigen immer weniger wurden, bis schließlich nur zwei übrig blieben.

-Mualebda rettete die beiden, brachte sie nach Soulebda und legte so den Grundstein für ihr Volk.-

Wieder erschien die Harpyie und brachte die zwei zur Stelle gegenüber von uns.

-Mualebdas Volk gedieh und wuchs heran.-

Mehr und mehr Stammesleute liefen herbei und gingen einen Bund mit der Harpyie ein.

-Um zu verhindern, dass die Männer ihr Volk mit Kriegen überzog, und es selbst vernichtete, übertrug Mualebda die Macht der Frau.
Als Zeichen dieser Aufgabe, bekam sie als die Herrscherin die heiligen Steine von Ainig u’Alara und Beenec u’Alara. Die Frau sollte die heiligen Steine wahren, und dafür sorgen, dass das Volk in Frieden lebte. Diese Macht wurde immer an die neue Regentin weitergegeben.-

Eine Stammesfrau trat hervor und erhielt von der Harpyie zwei leuchtende Steine, welche sie an ihr Herz drückte.

-Noch heute wacht die erste Frau gemeinsam mit ihrem Mann an ihrer Seite, in Form der Vulkane Vulkane Ainig u’Alara und Beenec u’Alara, über das Volk von Soulebda und die Insel.-

Die Stammesangehörigen bildeten zwei Vulkane, mit je einem leuchtendem Stein ich ihrer Mitte.

-Damit sich das Volk gegen jeden Feind verteidigen konnte, bekam es von Mualebda die Macht von Xaraxalaxam. Sollte die Verzweiflung über das Volk Soulebdas kommen, sollte es die Urahnen des Volkes rufen. Diese würden sich aus den Vulkanen erheben und alle Feinde der Insel mit ihrem Feuer verbrennen.-

Die Harpyie flog ein letztes Mal am Feuer vorbei und einer der Krieger warf etwas in das Feuer hinein, was eine große bunte Stichflamme auslöste und uns kurz blendete. Als wir wieder sehen konnten war der Platz gegenüber leer.

Alle Stammesangehörigen und die Harpyie hatten sich scheinbar in Luft aufgelöst.

Das war die Legende Mualebdas…

**

Caroline drückte sich während der Erzählung fest gegen mich und ich hielt sie eng umschlungen.

Uns gegenüber saßen Vera und Sarah, ebenfalls eng aneinandergedrückt. Auch sie hatten der Legende von Mualebda gelauscht, mitgelacht und mitgeweint.

Dann trat Ma’aru a’Hualb, der oberste Häuptling vor das Feuer und stieß einen lauten Schrei aus. Alle Stammesangehörigen sprangen auf und begannen gemeinsam einen Tanz.

„Das ist ein Tanz der Krieger.“ erklärte uns Soleab. „Früher war dieser Tanz eine Art der Verständigung. Fremde Krieger wurden damit aufgefordert mitzutanzen und so zu zeigen, dass sie keine Feinde waren.“

„Also, wer mit tanzt, ist dein Freund?“ wollte Caroline wissen.
„Genau. Ihr seid alle eingeladen mitzutanzen.“
Sofort sprang Caroline auf und zog mich von meinem Platz, zu den Kriegern und wir begannen zu tanzen. Erst tanzte ich etwas unbeholfen, doch das Kula’kate, half mir schnell die Unsicherheit zu meistern.

Ok, wie sage ich immer, wenn man sich schon zum Affen macht, dann richtig! Und so tanzte ich wild mit.

Unsere Begleiter mussten da schon mehr überzeugt werden, doch schließlich gelang es Soleab und Heylah, unsere Truppe dazu zu bewegen, mit uns allen, um das Feuer zu tanzen.

Hannes und Randy hatten dabei die wenigsten Schwierigkeiten, wer in bayrischen Bierzelten auf dem Tisch tanzt, der tanzt auch im Dschungel ums Feuer.

Am meisten zierte sich Decker, aber auch er schloss sich schließlich an. In zwei Kreisen, die sich gegenläufig um das Feuer drehten, tanzten wir gemeinsam mit den Kriegern. Als mich Decker grinsen sah, während ich auf ihn zu tanzte, sagte er: „ Ich warne euch! Wenn einer lacht, oder das hier weitererzählt, leg ich ihn persönlich um!“

Dann tanzten wir an Sarah und Vera vorbei und Caroline zog die beiden mit. Dabei halfen ihr auch einige andere Stammesangehörige, denn die beiden waren schließlich Kriegerinnen des Lebens.

Und um die Runde komplett zu machen, wurde Veronique und ihre Truppe, als Krieger der Lüfte, mit in den Tanz eingeschlossen.

Schade, nie hat man eine Kamera zur Hand…

Wie lange der Tanz dauerte, konnte später niemand mehr sagen. Durch den Rausch des Tanzes, an dem wahrscheinlich auch dieser seltsame Trank der Stammeskrieger nicht unschuldig war, hatte ich jedes Zeitgefühl verloren.

Irgendwann setzte ich mich völlig außer Atem hin um, etwas auszuruhen, und schaute den anderen beim Tanzen zu. Neben mir saßen Veronique und Schubert und die beiden, da war ich mir sicher, tauschten in diesem Moment, keine Fliegergeschichten aus.

Auch Jerome saß in der Nähe und trank aus einer Schale Kula’kate während seine Augen in die Ferne blickten und wahrscheinlich Mualebda selbst sahen.

Als Vera am mir vorbei tanzte, verließ sie den Kreis und setzte sich neben mich. Ich legte meinen Arm um sie und wir schauten Caroline und Sarah zu, wie sie im Feuerschein, gemeinsam Arm in Arm den Kriegstanz weitertanzten.

„Sieh dir die beiden an.“ lachte sie.
Ich lächelte still und hielt sie im Arm.

„Danke.“ sagte sie nur.
„Wofür?“
„Du weißt schon. Für Sarah.“
„Du brauchst dich dafür nicht zu bedanken.“
„Doch, du hattest die Wahl.“

„Nein!“ antwortete ich und sah Veras Augen vor mir, als sie auf die Knie fiel. „Als ich in der Zelle vor euch stand und deine Augen sah… da gab es keine Wahl mehr. Du bedeutest mir alles und wenn ich dafür…“ ich blickte zu Schubert und Veronique, die aufmerksam geworden waren und zu uns schauten, „ …ich dafür dich ziehen lassen muss, dann tue ich es. Aber ganz ehrlich! Ich würde es wieder tun und ich bin froh, dass Sarah fest an deiner Seite ist.“

„Als ich ging… da hatte ich schon etwas das Gefühl dich im Stich zu lassen.“
„Das musstest du nicht.“ beruhigte ich sie. „He, ich bin der Bad-Man, ich komme alleine in der Welt klar.“
„Du brauchst ja nicht mehr alleine klar zu kommen, ich freue mich, dass du Caroline gefunden hast.“ Wir drückten uns gegenseitig und schauten den Kriegern weiter zu.

Wir sahen noch etwas den anderen zu, als sie mich anstieß. „Wie kommt eigentlich ein so sturer Macho wie du, mit einem Alphaweibchen wie Caroline klar, ohne dass ihr euch gegenseitig umbringt?“

Ich lachte. „Wahrscheinlich liegt es daran, dass dauernd jemand anderes versucht, uns umzubringen. Da haben wir wenig Zeit, uns gegenseitig die Köpfe einzuschlagen.“

„Ach Peter. Du bist der liebste Bösewicht der Welt.“
„Erzähl das bloß nicht weiter, sonst machst du mein Image kaputt.“

Vera lachte und küsste mich. „Darf ich dir eine Frage stellen?“
„Sicher.“

„Wie hast du es geschafft, Caroline rumzubekommen? Ich habe Jessika, Frank und Decker befragt, und alle haben gesagt, ich soll dich selber fragen. Sogar Randy hat gekniffen. Also, wie hast du Caroline dazu gebracht, sich mit dir einzulassen?“

Ich schloss die Augen und lachte. Durch das Kula’kat schienen die Erinnerungen von damals wieder greifbar nahe zu sein…

Wie ein Zuschauer sah ich die Sporthalle wieder, in der wir damals trainierten… und ich sah mich wieder, wie ich damals zu Caroline sagte:

„Ich schlag dir einen Deal vor. Heute Abend regeln wir das unter uns. Gewinnst du, ziehe ich mich nach den Prozessen zurück und du kannst tun, was immer du willst.“ Ihre Augen blitzen siegessicher auf. Doch ich hatte noch eine Überraschung für sie auf Lager. „Und wenn ich gewinne, bekomme ich dich für eine ganze Nacht.“ Erst schaute sie ungläubig, dann lachte sie laut auf. „Sieh ihn dir diesen Körper gut an, den wirst du NIE bekommen, nicht einmal im Traum.“ entgegnete sie höhnisch.
Die Wette- mein Rücktritt gegen ihren Körper… die Hinrichtungskammer und die Boxhandschuhe…

All diese Erinnerungen kamen mir in diesem Moment wieder in mein Gedächtnis zurück.

„Caroline ? Ich hab sie KO geschlagen.“ Sagte ich schließlich zu Vera.

Jerome, von dem ich eigentlich geglaubt hatte, er höre überhaupt nicht zu, verschluckte sich und spuckte den Trank aus, bevor er anfing, wie wild zu husten. Veronique bekam einen roten Kopf, vom Versuch, ein Lachen zu unterdrücken und sogar Schubert musste grinsen.

„Ach Peter“, lachte Vera „deine Art, Frauen für dich zu gewinnen, ist einmalig.“
„Hat doch geklappt.“ Antwortete ich grinsend. „Ich erinnere mich an dem Tag, als wir uns kennen lernten, da hab ich dich…“

„Wage es ja nicht weiterzusprechen!“ sagte sie gespielt streng, legte ihren Finger auf meinen Mund und küsste mich noch einmal.

„Komm, wir tanzen noch eine Runde mit.“ Vera zog mich hoch und wir schlossen uns Caroline und Sarah an.

Schubert lachte leise vor sich hin und schüttelte den Kopf.
„Was ist?“ fragte ihn Veronique.
„Ich würde wetten, dass diese Sarah, auf eine ähnliche Weise verpflichtet wurde, wie ich. Weißt du… ich kenne diese ganze Bande erst seit ein paar Tagen… und…“

„Und?“ wollte Veronique wissen. Schubert sah Veronique an und lächelte wie ein kleiner Junge.

„Ich hatte noch nie bessere Freunde.“

**

Später, der Tanz war zu Ende, saßen Caroline und ich in der Nähe des Feuers und hielten uns still fest. Auch die anderen hatten sich weit um das Feuer verteilt, oder schliefen schon, denn die Nacht neigte sich dem Ende zu. Das Kula’kate hatte bei mir seine Wirkung voll entfaltet und ich schien zu schweben, als ich Ma’aru a’Hualb bemerkte, der im halb im Dunkeln saß und uns ansah. Wie immer blickte er streng und geheimnisvoll und ich beschloss, zu ihm zu gehen.

„Ich grüße dich, Sohn Mualebdas.“ sagte er, als ich mich zu ihm gesellte.

„Wie kommt es, dass du mich verstehst?“ fragte ich ihn neugierig. „Waren schon andere Deutsche hier? Ich meine hier, bei deinem Stamm?“

Ma’aru a’Hualb lächelte leicht und plötzlich war die sonst so strenge Miene des Häuptlings viel freundlicher. „Das Geheimnis der Sprache. Ein uraltes Wissen, dass einmal viele Völker der Erde kannten.“ er sprach weiter, doch ich hörte ihn nicht mit den Ohren, ich hörte ihn, direkt in meinem Kopf! „Doch mit dem Verschwinden der Völker, verschwand auch das Wissen.“

-Oh Mann das Kula’kate schlägt zu.- dachte ich, während Ma’aru a’Hualb den Kopf schüttelte.

„Du bist durch und durch Europäer. Jerome sagte schon, dass du nicht an Götter und Magie glaubst.“
„Ja, ich habe da meine Probleme.“

„An was glaubst du denn?“
„HHMM, am meisten wohl, an mich selbst.“

„Selbstsicher bist du, das muss man dir lassen. Nun ich glaube an Mualebda. Andere Menschen glauben an einen anderen Gott, oder an andere Götter, doch es ist ein Frevel, wenn man zu einem Gott betet und das Gegenteil von dem tut, was dieser will.“

„Und was ist das? Ich meine, was denkst du, will Mualebda, das du tust?

„Mualebda will von mir, was jeder Gott von seinen Gläubigen will! Dass man miteinander in Frieden lebt! Das man das Leben anderer achtet und es schützt! Menschen wie Sheramoh und Mc Allister treten, durch ihre Taten, jeden Glauben mit Füßen. Sie stürzen Menschen aus Gier zu Geld oder Machthunger ins Unglück. Das ist genau das, was KEIN Gott dieser Welt will!“

Doch die Frevler haben einen Fehler gemacht! Hier auf Soulebda wacht noch Mualebda selbst über ihr Volk und sie sucht sich die Krieger, welche für den Frieden ihres Volkes kämpfen. Es werden in den kommenden Tagen schwere Kämpfe auf uns zukommen, viele Menschen werden sterben, doch das wird bald ein Ende haben, denn heute Nacht hat Mualebda die Krieger gefunden, welche die Macht von Xaraxalaxam entfesseln werden, die unsere Feinde mit Feuer verbrennen und uns von diesem Abschaum befreien.“

„Mualebda hat sie gefunden? Wie gefunden?“

Ma’aru a’Hualb zeigte auf hohen Baum, auf dem tatsächlich eine majestätisch wirkende Harpyie saß, welche auf das Lager herabsah.

„Und wen hat sie gefunden?“

„Die erwählten Krieger werden es erfahren, wenn Mualebda es will.“

„Ok… die Macht von Xaraxalaxam entfesseln…WOW“, ich erinnerte mich an die Höhle im Vulkan und konnte mir die Verwüstungen, die ein Ausbruch des Vulkans mit sich bringen würde, gut vorstellen.

„Nun, ich hoffe, eure Göttin hat die richtigen gefunden.“

„Manchmal sind die Entscheidungen Mualebdas eine Prüfung an die, welche an sie glauben… Aber ja ich bin sicher, sie hat die richtigen Krieger bestimmt.“ antwortete er, setzte seine strenge Miene wieder auf, erhob sich und ging hinaus in die Nacht.

Einige wenige Schritte nur und er war wie vom Erdboden verschwunden. Es war immer wieder erstaunlich. Sicherlich war das aber eine nächtliche Täuschung, dessen war ich mir – fast – sicher.

Ich erhob mich ebenfalls und ging zu Caroline zurück, um sie in unsere Höhle zu bringen, denn ich wollte den Zustand, in dem mich das Kula’kate versetzt hatte, ausnutzen solange er anhielt.

Mit Caroline im Arm steuerte ich zu unserer Höhle, als wir an Randy vorbei kamen, der mit einem bildschönen Inselmädchen dasaß und kuschelte. Er zwinkerte mir zu und wollte sich wieder seiner Eroberung zuwenden, als er mir nachrief. „Ähm… Bad-Man…“

„Was?“

„Wie es aussieht, hat euch beiden ein Vogel auf den Rücken geschissen. Zieht euch aus, bevor ihr…“ er kicherte und verstummte.

„Schon klar.“ antwortete ich und rollte mit den Augen. „Danke für die Warnung.“

„Was wollte Randy?“

„Er hat verhindert, dass ich in Vogelmist greife, wir beiden haben da einen Fleck auf dem Rücken.“

Während wir uns säuberten sah mich Caroline an. „Sag mal, hast du da einen Vogel gesehen der so groß war, ich meine das waren mächtige Spuren.“

„Den einzigen Vogel, den ich gesehen habe, war eine gewaltige ausgewachsene Harpyie.“

„Eine Harpyie. Soso …“ Caroline schaute mich mit einem ihrer komischen Blicke an. Ein leichtes Lächeln ging über ihre Lippen, gerade so, als ob ihr gerade etwas klar geworden war.

**

Im Versteck

Wenige Stunden später kurz nach dem Sonnenaufgang, erwachte ich ohne den erwarteten Kater. Wir lagen in unserer Höhle neben dem Feuer und ich hielt fest Caroline im Arm. Was immer dieses Kula’kate auch mit einem anstellte, ich fühlte mich großartig, ich überlegte sogar, es zukünftig gegen meinen geliebten Whisky zu tauschen.

Ich hob Caroline auf und trug sie zu unserem Lager, wo ich sie auf das Fell legte und zudeckte. Dort schmiegte sie sich fest gegen mich und ich hielt sie fest umschlungen.

**

Irgendwo in Soulebda-Stadt

General Voight’l Malubh erwachte aus der Bewusstlosigkeit.
Allem Anschein nach, saß er gefesselt auf einen Stuhl. Er lauschte und konnte deutlich ausmachen, dass er nicht alleine war.

Sehen konnte er nichts, denn man hatte ihm eine Kapuze über dem Kopf gezogen und einen Knebel in den Mund gesteckt. Für den Moment hielt er es für besser nichts zu tun lauschte einen Moment.

„Er wird wach.“ hörte er jemanden auf Englisch reden.
„Vergewissern sie sich!“

Ein Schlag traf den General ins Gesicht und schleuderte seinen Kopf zu Seite. „Das dürfte reichen.“
Als ihm die Kapuze vom Kopf gezogen wurde, musste er die Augen zusammen drücken, da er von einem hellen Licht geblendet wurde, war einen erneuten Schlag ins Gesicht zur Folge hatte.
„Das reicht!“

Voight’l öffnete die Augen und blinzte ins Helle.

Er saß in einem hell erleuchteten Raum, in dem sich mehrere Männer aufhielten, aus denen er kein Bekanntes Gesicht ausmachen konnte, doch die Männer sprachen englisch, was vermuten ließ, dass er es mit englischen Soldaten zu tun hatte.
„Weckt die Schlampe auf!“ befahl einer der Männer.

Voight’l Augen folgten dem Mann, der zu einer weiteren gefesselten Gestalt ging und dieser die Kapuze abzog. Es war Helfana n’Atuari, die genau wie er, mit Knebel gefesselt auf einem Stuhl saß.

Ein paar kräftige Ohrfeigen brachten auch Helfana wieder wider zu sich.
Auch sie schaute geblendet ins Licht und fing sich so eine Ohrfeige zusätzlich ein. Derjenige der die Befehle erteilt hatte, trat zu einer Tür und klopfte. Dann baute er sich daneben auf und schon trat ein Mann heraus.

-Mc. Allister! Du Mistkerl-. Dachte Voight´l. –Das hätte ich mir denken können.
Mc Allister schaute sich die zwei Gefesselten an und setzte ein künstliches Lachen auf. „Schön, dass unsere Gäste wieder bei Bewusstsein sind.“
Helfana fing an, mit dem Knebel im Mund, Verwünschungen von sich zu geben und verfluchte alle Anwesenden.

„SCCHHWEIINE MIFTKERLE!“ presste sie hinter dem Knebel hervor.

Mc. Allister hörte einen Moment belustigt zu, dann gab er einem der Soldaten einen Wink und zwei kräftige Ohrfeigen, brachten Helfana zum Schweigen.

„Möchten sie noch etwas sagen, bevor ich zu einer Erklärung ansetzte?“, fragte Allister.
Erbost schwieg Helfana. Doch ihre Augen blitzten ihn mordlüstern an.

„Wollen sie vielleicht etwas sagen?“ wandte sich Mc Allister an Voight’l Malubh, der es für klüger hielt den Kopf zu schütteln.
„Gut. Ich möchte das hier nur einmal erklären müssen.“ sagte er und gab einem der Soldaten einen Wink, der daraufhin den Raum verließ.

„Ich mache es kurz. Die Armee Soulebdas scheint nicht wirklich gewillt zu sein, die Rebellen zu bekämpfen. Wir suchen tüchtige Männer und Frauen, die dem Rebellenpack den garaus machen. Natürlich tun sie das nicht für uns, sondern für Soulebda und sie werden für ihre Mühe selbstverständlich entsprechend, mit Geld und Status entlohnt. Um die richtigen Leute zu finden, veranstalten wir eine Art Casting unter Mitarbeitern, die sich…sagen wir einmal… bis vor kurzem noch im Dienst des Präsidenten befanden. Jetzt werden wir ihnen dieses Angebot unterbreiten und im Anschluss werden sie dieselbe Wahl haben wie diese beiden hier…“ Mc Allister öffnete die Tür, durch die der Soldat gegangen war und ein Oberst der Garde sowie eine von Helfanas Sekretärinnen wurden herein geschleift.

Beide waren mit ihnen aus dem Palast geflohen und wurden nun gefesselt vor ihnen auf den Boden gestoßen, die Sekretärin vor Helfana, der Oberst vor Voight´l und hinter jede der traurigen Figuren, trat ein Soldat mit gezücktem Messer.

„Auf die Frage, ob die beiden sich an unserem Kampf gegen die Rebellen anschließen wollen, sagte er“, Mc Allister zeigte auf den Oberst, „ich solle mich zum Teufel scheren und sie“, nun zeigte er auf die Sekretärin, „sie wolle nicht gegen die rechtmäßige Regentin kämpfen.“

Voight’l Malubh und der Oberst hatten schon begriffen, was nun passieren würde, doch die Frauen wurden völlig überrascht, als auf Mc. Allisters Kommando beiden Knieenden die Kehle durchgeschnitten wurde.

Als Helfana mit dem Blut der Frau bespritzt wurde, fing sie an sich zu übergeben, und wäre fast am Knebel erstickt, während Mc Allister ungerührt auf die zuckenden Gestalten am Boden sah.

Voight´l war als Soldat etwas abgebrühter und schaffte es, sich nicht zu übergeben.
Als die Körper der beiden still in einer großen Blutlache lagen, trat Mc. Allister zu Helfana und Voight’l.

„Also, ihr zwei, zuhören! Die Lage ist folgend: Etwa zwei Drittel des Personals, der Garde bzw. der Armee steht noch an Seite des Präsidenten. Ob aus Angst oder Loyalität, sei dahingestellt. Jedenfalls mangelt es ihnen am Willen, geben die Rebellen vorzugehen. Wir beabsichtigen, den Palast in unsere Gewalt zu bringen. Damit meine ich nicht das Gebäude, sondern den Präsidenten.

Doch was wir vor allem brauchen, sind Leute, die fähig sind, unsere Befehle umzusetzen. Schließlich soll niemand wissen, wer wirklich das Kommando hat.

Ihr beide werdet mit uns in den Palast zurückkehren, und das tun, was der Präsident befiehlt. Und der befiehlt, was wir ihm sagen! Die andere Option wäre, -NEIN- zu sagen, dann liegt ihr als warnendes Beispiel vor den nächsten Kandidaten unseres Castings.

Also, wie lautet eure Antwort?“

**

„Seit ihr sicher?“ fragte Vera Penelope.
„Ja, sie hat es Caroline selbst gesagt.“

Penelope hatte Vera auf die Seite gezogen um sie unter vier Augen zu sprechen.
„Ich bin kein Arzt, aber ich habe schon einige Krebspatienten gesehen, und wenn sie wirklich so unmittelbar vor dem Tod steht… Wer hat denn die Diagnose erstellt?“ „Ich weiß nicht, irgendein britischer Arzt.“

Vera überlegte. Sie hatte von Heylah nicht den Eindruck, dass diese unmittelbar vor dem Krebstod stand, aber sie kannte sich nicht wirklich aus und wollte Penelope auf gar keinen Fall falsche Hoffnungen machen.

„Ich bin nur eine Krankenschwester zugegeben mit Militärerfahrung, aber ganz egal, was ich denke, wir brauchen einen Spezialisten.“

„Wo sollen wir den herbekommen?“
Das war jetzt wiederum Veras Terrain! „Lass mich nur machen!“

„Es darf aber auf keinen Fall publik werden. Wenn herauskommt, dass die Hoffnungsträgerin der Insel nur noch Wochen zu leben hat, bricht hier alles zusammen.“

„Ich werde tun, was ich kann, aber ich brauche Hilfe.“

**

Was tun

Mike saß niedergeschlagen auf einem Stein.
„Verdammt! Ich hatte das Außenministerium soweit, und jetzt das! Was soll ich denen denn jetzt sagen?“
Die „Geheimen“ saßen in einer Krisensitzung. Mike, seine Nr. 2, Dave, Meresch, Levi, Vera und Penelope.

„Erst mal gar nichts.“ sagte Meresch.
„Du kennst die Regeln besser als alle anderen. Du weißt, dass das nicht geht.“
„Er hat Recht,“ sagte Levi.
„Ja, ihr zwei müsst ja zusammenhalten.“

„Wir sollten noch etwas ganz anderes in Erwägung ziehen“, sagte Nr. 2
Alle schauten ihn an. „Ja, was denn?“ fragte Levi.

„Es wäre doch durchaus möglich, dass man diese Krebsgeschichte nur erfunden hat.“
„Warum sollte man so etwas tun?“, fragte Meresch.
„Hier herrscht doch das Matriarchat. Heylah ist die Herrscherin, und der Mann ist nur ihr Repräsentant.

Durch eine solche Diagnose und die Aussicht, nur noch kurze Zeit zu leben, könnte man die Regentin sozusagen „kalt“ stellen.“ Er schaute zu Penelope, „Sagtest du nicht, dass deine Mutter während der letzten Wochen im Palast etwas neben sich gestanden hat?

Während sie sich um ihre Krankheit kümmern musste, konnte Mc. Allister den Präsidenten nach Belieben manipulieren und tun und lassen, was er wollte.“

Darüber dachten alle nach.
„Wir brauchen Gewissheit!“ Sagte Mike.

„Wie wollen wir die bekommen, ohne die Insel in Aufruhr zu versetzten?“
„Wir müssen Heylah auf die USS Theobald bringen. Dort kann man sie eingehend untersuchen.“

„Sie wird niemals die Insel verlassen, solange sie bedroht ist!“ Warf Penelope ein.

„Dann muss der Berg eben zum Propheten kommen!“ Mike stand auf und sah Meresch an. „Du versuchst etwas über diesen mysteriösen Arzt herauszufinden, der die Diagnose gestellt hat, ich rufe mal kurz zu Hause an.“

**

Bethseda, Maryland

Nahe dem Walter Reed National Military Medical Center (NMMC) in Bethseda, einem der besten Militärkrankenhäuser weltweit, befanden sich die Unterkünfte des medizinischen Personals. Diese feine Gegend hatte einen hohen Sicherheitsstandard und war vor allem für die Ärzte des NMMC die erste Adresse für Wohnungen.

Südlich von Bethseda, in den South Bradley Hills standen die feinen Villen der Oberärzte und Chefärzte. Natürlich hatten auch einige der Professoren hier eine Bleibe. Hier wohnten aber auch andere gut betuchte Bürger, die das nötige Kleingeld hatten. Es war eine feine Gemeinschaft betuchter Menschen in einem abgeschlossenen Elitebereich, bewacht durch Sicherheitskräfte.

Vor Nr: 5130 fuhr eines späten Abends eine großer schwarzer SUV vor, zwei Männer stiegen aus und rannten zur Eingangstür, ein dritter blieb vor der Türe des Wagens stehen und der Fahrer blieb mit laufendem Motor im Wagen sitzen. Offenbar sprach er andauernd mit seiner Armbanduhr.

Nach anhaltendem Klingen wurden die Männer in das Haus gelassen.

„Guten Abend Dr. Willers, Frank Dortmen, CIA, Dürfen wir hereinkommen – Dankeschön.“ Schon standen die beiden Männer im Vorraum des Mannes, der sie immer noch verdutzt ansah.

„Sie müssen mitkommen, Dr. Willers, es geht um die Nationale Sicherheit!“

„Aber meine Frau kommt mit den Kindern in neun Stunden am Flughafen von …“

„Dr. Willers, das wissen wir, um Ihre Familie müssen Sie sich nicht kümmern, sie wird abgeholt und bestens versorgt. Wir brauchen Sie jetzt, es geht um Menschenleben.“

Noch ehe Dr. Willers etwas entgegnen konnte, hatte man ihn mit ein paar Sachen und wenig Kleidung in den Wagen verbracht. Mit quietschenden Reifen sauste der SUV davon.

An dem Kontrollpunkt der Zufahrt des Wohnviertels sahen sich die Polizisten nur kurz die Dienstmarken der Männer an, grüßten zackig und ließen sie fahren. Der SUV brauste davon, direkt in Richtung Flughafen.

Zwanzig Minuten später hob eine dreistrahlige Gulfstream in den dunklen Nachthimmel ab.

**

Einige Tage später über dem Julam’da Flugfeld.

„Alles klar, ich sehe keine Soldaten oder sonst irgendwas. Außer ein paar Meerschweinchen.“
Seit drei Tagen saß Jerome nun im Dschungel und beobachtete das Flugfeld von Julam’da.
Seitdem es Veronique und ihr Vater verlassen hatten, standen die Gebäude verlassen da.
Als der Geheimdienst auftauchte um die zwei zu verhaften, hatte man zwar die Türen eingetreten und Fensterscheiben zerstört, doch das war auch schon alles. Die Gebäude an sich blieben intakt.

Man hatte ihm gesagt, dass es äußerst wichtig war, festzustellen, ob der Flugplatz verlassen war. Jetzt nach drei Tagen konnte er sicher sein, Niemand hielt sich hier auf.
„Jerome, wo bist du?“, hörte er Penelopes Stimme.
„400 Meter östlich der Landebahn, an der Baumgrenze.“
„Ja, ich sehe dich. Wir treffen uns am Hangar.“
Jerome unterließ es, über das freie Feld zu laufen, er ging durch den Dschungel um den Flugplatz herum, bis er in die Nähe des Hangars kam.

Dort warteten Penelope, und Mike bereits auf ihn.
„Kann mir jetzt jemand sagen, was hier los ist?“

„Du wirst es gleich selber sehen, aber vorher schwöre, dass du zu niemandem ein Wort sagst. Zu keinem!“

„Du hast mein Wort als Krieger.“
Penelope lief in den Dschungel zurück zu Mike und Mike griff sein Funkgerät.

„Crow One hier Arcangel, alles klar, ihr könnt kommen.“

„Arcangel hier Crow One, verstanden, wir kommen.“

**

„Wasp zwei an Crow One… steigen sie auf 180 Fuß!“

Zwei Hornets der USS Theobald, in Begleitung einer EA-18G Growler schlossen von hinten auf die C-27J auf und nahmen das Transportflugzeug in ihre Mitte, wobei die Growler die Formation anführte.

200 Meilen vor der Küste Soulebdas schaltete die EA-18G Growler ihre Störsensoren an und die Flugzeuge näherten sich der Insel. Über Ni’Jamong drehten die Growler sowie die F18 ab und die C-27J setzte ihren Flug alleine fort.

„Achtung Crow One, bleiben sie unter 250 Fuß!“ Verabschiedete Wasp zwei die Maschine, die sich nun dem Nordteil der Insel näherte.

**

Julam’da Flugfeld

Kurze Zeit später ertönte ein tiefes Brummen die Luft und eine dunkle unbeleuchtete Frachtmaschine tauchte direkt über den Baumwipfeln auf. Sie flog so tief, dass Jerome dachte, sie würde jeden Moment abstürzen.

Kaum hatte das Flugzeug den Boden erreicht und war ausgerollt, sprangen bewaffnete Soldaten heraus, die sich im Kreis um die ganze Maschine verteilten.
Penelope kam mit ihrer Mutter und Vera aus dem Dschungel gelaufen und rannten auf das Flugzeug zu. Dann kam Mike aus dem Hangar gerannt und schloss sich den Frauen an.

Gemeinsam liefen die auf die bewaffneten Soldaten zu.

Jeromes Bauch krampfte sich zusammen, als einer der Bewaffneten sich erhob und auf die vier, mit der Waffe im Anschlag zuging, doch dann als Mike ihm etwas zeigte, senke der Soldat die Waffe.

Nun folgte ein kurzes Gespräch, das Jerome auf diese Entfernung nicht verstehen konnte.

Gemeinsam mit Mike passierten die Frauen den Ring der Wachen und liefen die Rampe hoch, welche in den Bauch des Flugzeuges führte. Die Sicherungsgruppe um das Flugzeug blieb am Boden und machte sich unsichtbar. Auch wenn es keine Stammeskrieger waren, Jerome musste zugeben, dass die Soldaten wussten, wie man sich tarnte.

Plötzlich donnerte Veronique mit ihrer Staffel über das Flugfeld und die Flugzeuge trennten sich, um das Gelände abzusichern.

Dabei blieben sie so tief, dass sie auf dem Radar des Flughafens auf Soulebda Stadt nicht zu sehen waren. Das Hauptradar auf dem Flughafen erfasste alles was höher als 100 Meter flog und Veronique blieb deutlich darunter, sehr deutlich!

Nun wartete Jerome schon drei Stunden in Sichtweite der Maschine und weder Heylah, noch Penelope oder Vera kamen wieder heraus.

Je länger Heylah und Penelope im Bauch des Flugzeuges waren, umso mulmiger wurde Jerome. –Was machte die Amerikaner bloß mit den Beiden?-

Im Bauch der Maschine saß ein Dr. Willers und machte einen Test nach dem Anderen, dann folgten Untersuchungen und dann wieder Tests. So ging das weiter und weiter.

„So etwas hat man mir verheimlicht, als ich mich zum Dienst bei der Armee gemeldet habe.“ knurrte Willers, zwischen den Tests. Der Bordmechaniker hatte für alle belegte Sandwich gemacht, die er nun nach Stunden ohne einen Bissen dankbar verschlang.

„Was? Dass sie die Welt kennen lernen?“, fragte Mike grinsend.
„Nein, dass man mich mitten in der Nacht aus dem Bett holt, in ein Flugzeug steckt, im Tiefflug der mir das Blut in den Adern gefrieren lässt, um die halbe Welt fliegt, während ich auf meine heimkehrende Frau warte. Und als ob das alles noch nicht genug wäre, habe ich nicht die leiseste Ahnung, wo ich überhaupt bin. Und das alles nur, um eine geheimnisvolle Frau zu untersuchen.“

„Vorsicht Doktor, sie reden mit der Regentin eines souveränen Staates, etwas mehr Respekt bitte.“

„Sie sind eine Regentin?“ Der Arzt sah Heylah zweifelnd an und entschuldigte sich. „Tut mir leid, Frau… Präsident?“

„Schon gut, nein ich bin hier nur eine Patientin. Ihre Patientin.“ antwortete Heylah entwaffnend.

Dr. Willers sah sich die Frau etwas genauer an und war von ihr beeindruckt. Diese Frau war taff und hatte dieses gewisse Etwas. Etwas Erhabenes, ohne das er sich, ihr gegenüber, eingeschüchtert fühlte.
Dann sah er zu Vera, die ihm ohne große Anleitung, bei fast allen Tests oder Untersuchungen, zur Hand gegangen war, ganz so, als würde sie auch schwierige Untersuchungen täglich machen.

„Sie sind ausgebildete Militärärztin?“
„Nein, ich bin keine Ärztin. Ich bin nur eine Militär Krankenschwester.“

„Nur?! Ich mag das Wort NUR nicht. Was wären wir Ärzte ohne gute Schwestern? Wo arbeiten sie?“

„Ich habe bei der Bundeswehr mein Diplom gemacht, einige Jahre im Militärkrankenhaus in Koblenz gearbeitet und arbeite jetzt im Klinikbereich eines Gefängnisses in Deutschland.“

„Koblenz, ah ja, das kenne ich. Gute Einrichtung.
Ich habe zwar keine Ahnung, wo ich gerade bin, aber Deutschland ist das da draußen ganz bestimmt nicht!“

„Nein, nicht ganz.“ lächelte Vera.

„Jedenfalls sind sie eine exzellente Fachkraft. Wer leitet ihre Station, oder ist das auch geheim?“

„Nein, das ist nicht geheim, mein Boss ist Dr. Schemmlein.“

„Sagen sie ihm er kann sich glücklich schätzen, jemanden wie sie, in seinem Team zu haben.“

Willers verschlang den Rest seines Sandwichs und machte sich wieder an seine Arbeit.

„Wie weit sind sie, Dr Willers.?“ wollte Mike nach einer weiteren Stunde wissen.
„Nun, die Untersuchungen und die Tests sind abgeschlossen, jetzt müssen wir die Ergebnisse auswerten.“

„Wunderbar, packen sie ihr Zeug zusammen und kommen sie mit.“
„Was? Ich dachte, wir bleiben solange hier!“

„Das tun wir auch, nur nicht hier drinnen in dem Flieger. Hier sind wir ein viel zu klares und einfaches Ziel.“

Laut schimpfend packte Dr. Willers seine Unterlagen, seinen Laptop, und was er sonst noch greifen konnte zusammen und wurde von Mike aus dem Flugzeug begleitet.

Jerome atmete erleichtert auf, als Heylah und die anderen endlich wieder aus dem Flugzeug herauskamen. Kaum waren Heylah, Penelope, Vera, Mike und ein weiterer Mann die Rampe herunter gegangen, sprangen die Soldaten, welche das Flugzeug bewacht hatten auf, rannten zur Maschine, sprangen hinein und der Pilot warf die Turbinen an.

„Crow One an Condorstaffel, wie sieht der Himmel aus?“, fragte der Pilot nach.
„Hier Condor 1. Der südliche Himmel ist frei, keine Flugzeuge.“
„Condor 2, westlich des Flugfeldes alles sauber.“
„Condor 3, Norden und Osten klar.“

„Danke Condor-Gruppe.“ Der Pilot der C-27 J drückte den Gashebel nach vorne und startete, wobei er nach dem Abflug sich genauso tief flog, wie beim Anflug auf Julam’da. Kaum hatte er die Küste erreicht, wartete seine Begleitung der USS Theobald schon auf ihn, welche ihn sicher zum nächsten Luftbetankungspunkt in Richtung Guam begleitete.

In Soulebda Stadt hatte niemand etwas von dem nächtlichen Besucher erfahren, sie waren, wie Geister, niemals hier.

**

„Sagt mal, weiß jemand von euch, wo Vera ist?“, fragte Sarah, als sie zu unserem Lager kam.

Wir saßen „im Herzen“ der Höhlen, wo neben Soleabs Befehlsstand, Meresch seine Kommunikationszentrale, und auch Heylah ihre Höhle hatten.

„Keine Ahnung, aber sie und Penelope hecken etwas aus.“ antwortete Helmer. „Sie haben schon vor zwei Tagen Jerome mit einem Auftrag losgeschickt.“

„Warte mal“, sagte Randy grinsend, „Vera hat ein Geheimnis vor DIR?“
Sarah, blickte ihn finster an, aber Randy hatte Recht, so etwas hatte es noch nie gegeben. Vera hatte noch nie etwas vor ihr verheimlicht. Was immer hier lief, es musste sehr wichtig sein.

„Mach dir keine Sorgen.“ warf Helmer ein, „Du weißt, dass sie einen Grund haben muss. Vera kann auf sich aufpassen.“
„Ich weiß, dennoch wäre es mir lieber, sie würde nicht alleine im Dschungel herumlaufen.“
„Sie ist nicht alleine, Penelope ist bei ihr.“

„Wo ist Penelope?“, fragte Soleab, als er aus seinem Befehlstand kam. „Sie wollte etwas für mich in Erfahrung bringen.“
„Penelope ist mit Vera und Heylah unterwegs.“ antwortete Randy. „Ich habe gesehen, wie sie gemeinsam losgefahren sind.“

Soleab blickte sich im Lager um und wollte dann wissen, „Wen haben sie als Eskorte mitgenommen?“

„Niemanden. Nur Heylah, Penelope und Vera.“
„Sie sind ohne Eskorte unterwegs?!“ fragte Soleab entsetzt. „Wann sind sie weggefahren?“

„HHHMMM, vor etwa 8 Stunden.“
„Vor acht Stunden, und keiner von euch sagt mir etwas?!“ brauste Soleab auf. „Wo sind sie hingefahren?“

„Wissen wir nicht.“

„Blödsinn.“ sagte Soleab erbost. „Wenn Vera dabei ist, wisst ihr sicher, wo sie hingegangen sind.“

Wir sahen uns alle schulterzuckend an. So wie es aussah, hatte Vera keinem von uns Bescheid gegeben, wohin sie gehen würde. Auch Sarah ahnte nun, warum Vera ihr nichts gesagt hatte. So konnte sie Soleab nichts verraten.

„Verdammt!“ fluchte Soleab und rief ein paar Kommandos und eine Handvoll Männer, rannte zu einem der Fahrzeuge.

Gerade als Soleab einsteigen wollte, kam ein Fahrzeug ins Camp gerast, das mit quietschenden Reifen vor Heylahs Höhle stehen blieb. Während Heylah, Penelope, Vera, und ein Mann den niemand kannte, in Heylas Höhle verschwanden, spurtete Mike in Mereschs Zentrale, ohne sich umzusehen. Lediglich Jerome stellte sich mit verschränkten Armen vor den Eingang zu Heylahs Höhe.

Wutentbrannt stampfte Soleab zu Haylas Höhle zu, wo ihm Jerome fast in den Weg trat. Er trat Soleab natürlich nicht direkt in den Weg, doch er deutete es an und Soleab verstand den Wink, Jerome würde ihn nicht vorbei lassen. 

„Was soll das?“, fragte ihn Soleab leise aber gereizt.

„Tut mir leid, aber ich soll niemanden zu Heylah hereinlassen.“ flüsterte Jerome.

„Wer ist der Mann?“

„Ein Arzt, mehr weiß ich nicht.“

„Du sagst mir sofort, was hier los ist, und lässt mich vorbei!“ sagte Soleab, der nun doch deutlich gereizt war.
„Nein! Ich habe mein Wort als Krieger gegeben. Tut mir Leid!“

Soleab wurde weiß vor Zorn, wusste aber, dass Jerome seinen Anweisungen nicht folgen würde. Ein Kriegerwort war heilig.

Mittlerweile war auch das halbe Camp aufmerksam geworden. Die Männer die Soleab gerufen hatte um Heylah zu suchen, standen noch immer da und warteten.

Wenn er jetzt Jerome öffentlich maßregelte, würde die Moral noch weiter sinken, zumal Jerome nicht nur ein einfacher Krieger war, Jerome war einer seiner besten Krieger, der genug Verstand hatte, dass Soleab die Situation noch retten konnte. Bis jetzt hatte niemand die Unterhaltung mitgehört.

Soleab drehte sich so, dass die anderen auch mitbekamen, was er zu Jerome laut sagte, „Jerome, du hältst Wache, und meldest mir sofort, wenn du Hilfe brauchst. Ich verlasse mich auf dich.“ Anschließend klopfte er Jerome auf die Schulter.

Jerome verstand natürlich sofort, was Soleab wollte. „Selbstverständlich, Soleab.“

Mit steinerner Miene ging Soleab in seine Befehlshöhle zurück und ballte die Hände zu Fäusten. Decker der das Drama schweigend mitverfolgt hatte, stieß Frank an und nickte ihm zu. „Geh schon.“

Frank der nur allzu gut wusste, was in Soleab vorging, stand auf und trat zu diesem in die Höhle.

Mike war zu Meresch gegangen, der zusammen mit Dave und Levi über einem Stapel Papiere brütete.

„Und?“, fragte Levi, als Mike hereinkam.

„Hat alles reibungslos geklappt, jetzt heißt es warten. Was habt ihr gefunden?“

„Während Levi mit seinem Onkel geredet hat, habe ich mich in das Netzwerk des Krankenhauses eingehackt.“
„Ich wusste gar nicht, dass du solche Qualitäten hast.“ sagte Mike.
„Der kleine Nerd hat mir geholfen.“
„Randy Kaufmann?“
„Ja, der Kleine ist spitze, der hat vielleicht Sachen drauf…“

„Weiß er was wir hier suchen?“
„Ja, aber keine Sorge, der Kleine ist verschwiegen. Dagan selbst hat ein Auge auf ihn geworfen. Das ist sowas wie ein Freibrief für uns.“

Es war Mike anzusehen, dass ihm das nicht gefiel, aber er konnte es jetzt auch nicht mehr ändern. „Hast du wenigstens etwas herausgefunden?“

„Und ob! Das heißt, das Interessante war das, was ich nicht gefunden habe. Ich habe nämlich keinen englischen Arzt gefunden, der im Soulebda Hospital tätig war. Überhaupt war gar kein ausländischer Arzt in den letzten Monaten hier tätig. Ich weiß aber von Penelope, dass es ein Austauschprogramm gibt, bei dem immer mindestens ein Arzt aus Europa, Asien und Amerika hier auf der Insel arbeiteten.

Jemand hat sich also vor mir in das Programm gehackt, und alle Daten gelöscht.“

Levi blickte von seinen Listen auf und schaltete sich in das Gespräch ein. „Meresch hat Recht, dieses Austauschprogramm gibt es, und es wurde auch weitergeführt. Also hab ich mir die anderen Ausländer hier auf der Insel vorgenommen. Dabei bin ich auf einen Jack Miller gestoßen. Ich hab Lem die Daten geschickt und ihn durchleuchten lassen.

Miller arbeitete bis vor zwei Jahren als Arzt in einem Londoner Krankenhaus, und wurde dort gefeuert, weil er Abrechnungen gefälscht hat.

Bevor er verhaftet werden konnte, verschwand Miller und tauchte dann wieder bei Mc. Allisters Truppe, als offizieller Berater in Gesundheitsangelegenheiten auf, welche direkt dem Palast untersteht. Jede Wette, das ist unser Arzt. Dagan schickt uns seine Akte, mit Bild.“

„Ich habe bei der American Medical Association gebohrt und bin dort ebenfalls fündig geworden.“ sagte Dave. „Jemand der mir einen Gefallen schuldet, hat herausgefunden, dass man in England gegen Miller nicht nur wegen falschen Abrechnungen ermittelt.

Er hat auch seine Zulassung als Arzt verloren. Er wollte nach Kanada, aber dort durfte er nicht praktizieren, also hat er sich ein neues Betätigungsfeld gesucht.“

Der Drucker begann Papier auszuspucken und die Miller-Akte erschien.
Mike schnappte sich das Bild von Miller und suchte jemanden, der früher im Krankenhaus von Soulebda und im Palast gearbeitet hatte.

**

„Darf ich?“, fragte Frank, bevor er in den Kommandobunker eintrat.
Soleab nickte still und Frank kam zu ihm.
„Nicht immer einfach, was?“
Soleab sagte nichts und brütete vor sich hin.

„Ich weiß genau, was du gerade durchmachst. Ich hatte auch mehrere Kommandos und habe Krieg geführt. Und ich habe Männer verloren. Es ist nie einfach.“

„Die Kämpfe um die Landenge, konnte ich den Menschen hier erklären, doch den Kampf um das Vorratslager, den versteht niemand! Ich wollte diesen Kampf nicht!

Es waren nur Vorräte… wir hätten sie ersetzten können! Ich habe mich überreden lassen und nun habe ich nicht nur 22 Kämpfer verloren, sondern auch das Vertrauen der Männer und Frauen, die ich führen soll. Sag mir, wie soll ich sie jetzt noch anführen?“

„Ich glaube, du hast keine Ahnung, was du diesen Leuten bedeutest und wie sie dich sehen.“

„Ich habe Männer und Frauen in einem sinnlosen Kampf geopfert. Was soll ich ihnen da noch bedeuten.“

„Die Menschen hier im Nordteil der Insel, sehen dass aber ganz anderes!“
Soleab sah auf und hob verwirrt die Augen.

„Du hast dich mit ein paar Leuten gegen eine Übermacht gestellt und hast es geschafft, dass das Lager geräumt werden konnte. Du hast Heylah gerettet und gibst deiner Regentin einen sicheren Hort hier im Nordteil. Du bist der Held der Rebellion. Du hast mit dem Kampf um das Vorratslager nichts verloren, du hast einen großartigen Sieg errungen.“

„Das ist Blödsinn und das weißt du genau.“

„Es ist gleichgültig, wie du oder ich das sehen. Die Menschen die für dich, Heylah und Soulebda kämpfen, sehen es so! Nur das zählt. Auch wenn ich es hasse, das jetzt zu sagen, aber Peter hatte Recht. Dieser Kampf hat die Moral deiner Truppe gerettet und damit euren ganzen Freiheitskampf!“

„Peter! Aus dem werde ich nicht schlau.“

„Da gibt es nichts schlau zu werden. Peter ist Peter. Held und Arsch in einem.“

Soleab grinste tatsächlich leicht, dann wurde er schnell wieder Ernst. „Anfangs, habe ich Peter für einen Schwätzer gehalten. Einen, der glaubt, im Vorbeigehen eine Revolution gewinnen zu können. Aber dann, als ich ihn kämpfen sah, … Im Wald haben er und Caroline fast die gesamte linke Flanke verteidigt.

Peter hätte sich heraushalten können, aber er tat es nicht. Er gab mir sein Wort, solange zu kämpfen, bis wir gewonnen haben oder untergegangen sind. Ich weiß nicht, was ich von ihm halten soll!“

„Peter ist eine Nervensäge, einer, der Talent hat, dich in Schwierigkeiten zu bringen. Einer, der seinen Dickkopf ohne Rücksicht auf Verlust durchsetzen will. Aber auch einer, auf den du dich voll und ganz verlassen kannst.

Peter trifft viel Entscheidungen aus dem Bauch heraus, aber, und dass ist das Wichtige… Er hat fast immer Recht.

Du solltest ihm vertrauen, auch wenn es schwerfällt. Und das fällt manchmal schwer, glaub mir, ich weiß, wovon ich rede.“

Die beiden Männer sahen sich an und nickten sich zu.

„Ich werde es mir zu Herzen nehmen. Danke“ sagte Soleab.

**

SOULEBDA STADT

Helfana hatte sich schnell mit ihrem neuen Herrn arrangiert. Noch während sie blutbespritzt und gefesselt bei Mc Allister saß, hatte ihr Überlebensinstinkt die Oberhand gewonnen und der sagte nur eines!!! Machterhalt!!! um jeden Preis!!!

Sie liebte die Macht, wer ihr diese verlieh, war Helfana völlig egal. In Sekunden hatte sie ihre Optionen durchgerechnet, kalkuliert und Sheramoh mit Mc Allister verglichen. Schnell kam sie zu der Erkenntnis, das Mc Allister die bessere Wahl darstellte, als Sheramoh.

Voight’l Malubh war etwas vorsichtiger. Auch er hatte nicht vor, sich die Kehle durchschneiden zu lassen, allerdings hatte er auch nicht vor, Mc Allsiter blind zu folgen.
Natürlich bemerkte Allister, wer von den beiden, wie weit von seinem Plan überzeugt war, und so ließ man Voight’l nie ganz aus den Augen.

Seit zwei Tagen waren sie nun in Soulebda- Stadt und hielten sich verborgen.
Mc. Allliter hatte allem Anschein nach, eine ausreichende Befehlsmannschaft zusammen bekommen. Natürlich war er schlau genug, nicht alle Eier in einen Korb zu legen und verteilte sie in der ganzen Stadt. Zu leicht wäre die Möglichkeit, sich seiner zu entledigen. Waren sie aber erst einmal im Palast, wäre dies nicht mehr so leicht. Denn die weiterhin zum Präsidenten stehenden Soldaten, würden die Befehle des Präsidenten, nicht von denen Mc. Allisters unterscheiden können. Und ein Kopf rollte zurzeit sehr schnell im Palast.

Die Angaben von Mc Allister stimmten jedenfalls, seine Spione hatten die Situation exakt festgestellt und weitergegeben. Etwa zwei Drittel der Soldaten, besonders die Offiziere, Beamten und Gardisten waren noch auf ihrem Posten. Ansonsten ging das öffentliche Leben in der Hauptstadt seinen gewohnten Gang. Es hatte weder Ausschreitungen noch Plünderungen gegeben.
Die Stimmung war gespannt, doch Heylahs Botschaft war angekommen.
-Wir sind ein Volk und bekriegen uns nicht gegenseitig.- Das war genau das was Mc Allister Kopfschmerzen bereitete. Zwar kamen täglich neue Söldner, doch er brauchte eine Armee, die dann kämpfte wenn er es befahl!

Das alles ging dem General durch den Kopf, als das Handy seines Bewachers summte, dieser nahm ab und lauschte.
„Verstanden.“ Schon war das Gespräch beendet.
„Heute Nacht gehen wir in den Palast.“ Teilte er Voight’l Malubh und Helfana mit.
„Wie wollen sie denn da hereinkommen? Die Tore werden alle noch bewacht.“ Fragte Voight’l Malubh den Söldner.
„Eine schnelle Attacke sollte ausreichen.“ Antwortete der kühl.
„Darf ich vielleicht einen Vorschlag machen?“ fragte Helfana, die nun ihre Stunde kommen sah.

**

Vier Stunden später, schlichen Mc. Allister, seine Männer und Voight’l Malubh hinter Helfana durch die geheimen Gänge zum Palast, aus denen Heylah geflüchtet war.
-Miese Verräterin-. Dachte Voight’l hinter Helfana, doch tat er nicht dasselbe?
Leise schlichen sie weiter und erreichten schließlich die Höhle, in der der Präsident das steinerne Abbild von Moulebda befragt hatte. Ihre Augen waren erloschen und seit ihrem letzten Urteil, hatte sie nicht mehr mit dem Präsidenten geredet.

Jetzt lag die Höhle verlassen da und Helfana lotste die Truppe weiter. Schließlich gelangten sie in den Palast.
Um zu den Gemächern des Präsidenten des Präsidenten zu kommen, mussten sie lediglich an den Wachen vor dessen Tür vorbei.
„Jetzt sind sie an der Reihe.“ Raunte Mc Allister Voight’l zu wobei er seine Pistole zog. Auch wenn er diese nicht auf Voight’l richtete, hatte der sehr wohl die Geste verstanden. „Sorgen sie dafür, dass die Wachen verschwinden.“
Voight’l Malubh nickte, richtete sich gerade auf und marschierte um die Ecke auf die Gardisten zu.
„Ist der Präsident in seinen Gemächern?“ fragte er diese.

„Nein, Herr General!“
„Dann suchen sie ihn!“
„Aber…!“ begann einer der Gardisten, als Voight’l Malubh ihn anschrie.
„Ich habe wichtige Nachrichten über die Rebellen! Suchen sie den Präsidenten und melden sie mir sofort seinen Aufenthaltsort! JETZT!“

Die Gardisten rannten los und kaum waren diese um die Ecke kamen Mc Allister und Helfana herbei gelaufen, öffneten die Türen zu Sheramohs  Gemächern und verschwanden darin.
„Gute Show.“ Meinte Mc Allister noch, als er an dem General vorbei ging. Dann gab er einem seiner Männer einen Wink, der diesem zu verstehen gab Voight’l weiterhin im Auge zu behalten.
In den Räumen des Präsidenten überprüften Mc Allisters Söldner schnell alle Wände und Ecken nach Kameras, Mikrophonen, und anderen Wanzen. Doch niemand hatte den Präsidenten überwacht oder elektronisch bewacht…Die Räume waren sauber.

Da die Gemächer mehrere Eingänge hatten, verteilten sich die Söldner und warteten.
Während sich die Soldaten strategisch im Schatten der Gemächer verteilten hielt Helfana zum ersten Mal direkten Blickkontakt mit Mc Allister und Helfanas Absichten waren eindeutig.
„Das Badezimmer hat keinen weiteren Eingang. Wer weiß wann der Präsident kommt…das könnte Stunden dauern.“ Flüsterte sie Mc Allister zu.
Mc Allister brauchte nicht lange zu überlegen. Ohne ein weiteres Wort schob er Helfana in das Badezimmer…

Die Türe war gerade geschlossen, da gab sich Helfana bereits MacAllister hin und der nutzte die Gelegenheit und fiel über die gutaussehende Verräterin her.

Nach einer Stunde konnte man hören, wie sich von draußen Schritte näherten.

„Ich will nicht gestört werden, außer jemand bringt mir die Köpfe der Verräter! Verstanden?!“ tönte Sheramohs Stimme durch die Türen.
Die Tür ging auf und Sheramoh ai Youhaahb, der Herrliche, trat ein und schloss die Tür. Erst bemerkte er Mc Allister, welcher an seinem Schreibtisch saß und die Füße darauf gelegt hatte gar nicht. Erst als Mc Allister ein künstliches Hüsteln von sich gab, starrte Sheramoh ihn erschrocken an.

Doch bevor er die Wachen rufen konnte fühlte er eine Waffe an seinem Kopf. Er drehte den Kopf etwas und starrte Helfana an, die mit einer kleinkalibrigen Pistole an ihm vorbei trat und sich neben Mc Allister stellte.

„Guten Abend, Herr Präsident.“ Grinste Mc Allister. „Wenn sie in einer Sekunde immer noch Präsident und keine Leiche sein wollen, setzen sie sich ohne einen Ton hin. Wir haben einiges zu besprechen.“

**

Nervenaufreibende 9 Stunden waren die Vier jetzt in der Höhle verschwunden, und nichts rührte sich, nicht einmal Jerome.
Wie ein Felsen stand er vor der Höhle und hatte jedes Angebot, sich ablösen zu lassen, freundlich abgelehnt. Doch nach vier Stunden gesellte sich Hannes zu ihm, nahm die gleiche Haltung ein.

„Was dagegen, wenn ich dir Gesellschaft leiste?“
Jerome schüttelte lächelnd den Kopf. „Nein, natürlich nicht.“
Nun standen zwei Felsen vor Heylahs Höhle und die unterhielten sich über das Krieger sein, auf verschiedenen Kontinenten.

Währenddessen hatten die Funkspezialisten ein eigenes Handynetz aufgebaut, so das über spezielle Zugänge verfügte und von der Präsidenten-Truppe nicht gestört werden konnte. Die Verbindung in das „richtige Telefonnetz“ erfolgte über Satellit. Während der Wartezeit hatten sie bereits vier weitere Sender aufgebaut. In der „Funkerhöhle“ herrschte bereits ein reger Betrieb.

„Ich brauche jetzt eine absolut sichere Verbindung nach Washington. Willers muss einen Haufen Daten über den Ozean schicken.“

„Kein Problem. Die Leitung steht, Bandbreite haben wir genug, ich muss nur die Verbindung herstellen.“ Beruhigte ihn Meresch. Er gab einige Kommandos in den Rechner ein und hob den Daumen „OK, die sichere Leitung steht.“

Die lange Warterei hatte es in sich. Zwar wusste keiner, was überhaupt lief, doch es war wichtig. Das war uns nun allen klar. Doch wichtig oder nicht, Sarah und ich waren eingenickt, während Caroline die Höhle im Auge behielt.
„Es tut sich was!“ weckte uns Caroline auf.

Ich schlug die Augen auf und stellte fest, dass es mittlerweile wieder dunkel geworden war und durch den Eingang konnten wir Schatten hin und her huschen sehen.
Dann kam Vera aus der Höhle gelaufen und sie lief direkt zur Kommunikationshöhle. Zusammen mit Mike, der einen Laptop trug, liefen die beiden zur Höhle zurück.

Kaum zwei Minuten später, kam Mike wieder nach draußen und stellte sich ebenfalls in Sichtweite des Ausganges. Auch Levi und Meresch kamen heraus und gesellten sich zu ihm.

Irgendetwas Wichtiges ging da drinnen vor sich, das hatte jetzt auch der letzte unserer Mitstreiter hier bei den Höhlen begriffen. Immer mehr Leute versammelten sich in der Nähe und es baute sich eine ungeheure Spannung auf.

Sogar Soleab hielt es nicht mehr in seinem Kommandobunker aus und kam mit Frank zu Decker auch dazu. Eine wichtige Entscheidung schien sich anzubahnen.

**

Die Diagnose

Dr. Willers rieb sich die Augen. Mittlerweile waren diese müde und brannten. Seit Stunden saß er nun in der Höhle, überprüfte die Testergebnisse und Proben, untersuchte sie ein zweites Mal und dann noch einmal.
„Wollen sie eine Pause machen?“, fragte ihn Vera.
„Wenn die Daten unterwegs sind, werde ich mir eine kleine Pause gönnen.“

„Ich glaube, es ist so weit.“ Sagte Vera und zeigte auf den Drucker, der gerade anfing seitenweise Papier auszuspucken.

„Dann senden wir die Daten mal los.“ sagte Dr. Willers und begann die Datenübertragung über den gesicherten Kanal. Der Fortschrittsbalken wuchs langsam an. Gerade wurden große Datenmengen gesendet. Die Daten aus dem CTG, und alle anderen Ergebnisse waren via Satellit nach Bethesda übermittelt worden, um dort von einem seiner Kollegen, der ebenfalls Experte für Krebserkrankungen ist, verglichen zu werden. Das dauerte wiederum seine Zeit.

Während dieser sich ebenfalls über die Untersuchungsergebnisse her machte, konnte Willers nur warten. Dr. Willers aß sein Sandwich und trank einen heißen Kaffee. Die Zeit verging.

„Nun, die Untersuchung ist abgeschlossen. Jetzt wüsste ich gerne, wo ich bin!“
„Sie sind auf Soulebda.“ Antwortete ihm Penelope.
„Die Südseeinsel? Dann sind sie Heylah ai Youhaahb!“, stellte Willers verdutzt fest und sah zu Heylah, die ihm zunickte.
„Jetzt verstehen sie sicher, warum wir das alles so geheim halten müssen.“ Sagte Penelope zu ihm.
„Oh ja… jetzt wird mir einiges klar.“ Doch bevor Willers weiter mit Penelope und Heylah reden konnte, piepte der Laptop. Am anderen Ende hatte Prof. Dr. Numri, Platz genommen, der nun ernst in die Kamera blickte.

„Wir lassen sie alleine.“ Entschied Vera und schob Heylah und Penelope aus Willers Reichweite.
Nun saß Willers etwas abseits und beriet sich mit Numri in Washington..

„Wer hat die Untersuchung durchgeführt?“ wollte Numri wissen.
„Ich habe alle Untersuchungen und Testes selbst durchgeführt. Dabei hat mir eine militärisch ausgebildete Fachkraft geholfen.“

„Können sie mir sagen, wer die untersuchte Person ist?“
„Nein, nur dass sie weiblich und zwischen vierzig und fünfzig ist.“
„Nun, dass grenzt den Kreis ja auf ein paar hundert Millionen ein. Aber jetzt Spaß beiseite… Ich denke, das Ergebnis ist eindeutig.“ Beurteilte Numri die Untersuchung.

„So sehe ich das auch, ich stimme ihrer Einschätzung zu.“
Numri kam etwas näher an den Bildschirm heran und blickte sich suchend um. „Sagen sie Sam, sitzen sie da etwa in einer Höhle? Wo sind sie eigentlich? Wir haben Sie schon vermisst.“

Dr. Willers lächelte in sich hinein. „Wo ich bin? Wenn ich das nur wüsste…“

„Ok Willers, wir sehen uns. Ich hoffe, ich konnte Ihnen helfen.“ Verabschiedete sich Numri von Willers der bedächtig den Laptop zuklappte.
Für Heylah, Penelope und Vera, war es das Zeichen, dass dies der Moment der Wahrheit war.
Willers drehte sich zu Heylah um.

„Wollen sie alleine, unter vier Augen mit mir reden Frau Präsident?“
„Nein ich möchte, dass meine Tochter und meine Freundin in diesem Moment bei mir sind.“ Sie streckte die Hände aus, die Penelope und Vera ergriffen.

„Wie sie wollen Heylah… Frau Präsident, mein Kollege und ich haben uns lange beraten und wir sind beide zum selben Ergebnis gekommen…“

**

Wir saßen vor dem abendlichen Lagerfeuer und schauten den leuchtenden Flammen zu, wie sie einzelne Funken nach oben in den Himmel zu tragen schienen. Da zuckten alle zusammen, als die Schreie aus der Höhle zu hören waren. Penelope schrie ihr Glück heraus und uns gegenüber schlugen sich Meresch und Levi Mike erleichtert auf die Schulter.
Der schien völlig fertig zu sein und sah aus, als würde eine tonnenschwere Last von seinen Schultern fallen.

Dann kam Vera aus der Höhle, legte Jerome die Hand auf die Schulter und gab ihm zu verstehen, dass er nun seinen Posten aufgeben konnte. Mit einer sehr erleichterten Miene trat Jerome von dem Eingang weg und zog sich mit Hannes an seiner Seite zurück.

Sofort rannte Soleab in die Höhle.

Vera kam zu uns und lief direkt in Sahras Arme, dabei weinte sie wie ein kleines Kind.
„Was ist denn mein Schatz?“, wollte Sarah wissen und hielt sie fest umschlungen. Der Schein des Lagerfeuers ließ Veras Tränen aufleuchten.

„Nichts“, presste Vera unter Tränen hervor. „Es ist nicht, das ist ja das Schöne! Es ist NICHTS, absolut nichts. ALLES IST GUT!“ Dann heulte sie vor Freude los.

**

Auf der Lin Pau

Während vor dem Lagerfeuer und in den dunklen Höhlen die Freudentränen flossen, wischte sich ein junger Leutnant ebenfalls die Tränen aus den brennenden Augen. Seit 14 Stunden hatte der Leutnant bereits Schicht auf der Kommandobrücke der Lin Pau getan, weil er seinen Kollegen vertreten musste und nach seinen 8 Stunden musste er noch eine Extraschicht einlegen, weil seine anderen Kollegen krank in den Kojen lagen und sich die Seele aus dem Leib kotzten.

Um sie herum, ganz im Süden, fast 100 Meilen unterhalb Soulebda tobte sich ein Sturm aus, der den Schiffern zeigte, wer auf den Weltmeeren tatsächlich die Macht hat. Die Fischerboote waren längst in den Häfen und die Schiffe der Militärs versuchen aus dem Gebiet zu kommen, selbst die mächtige USS Theobald, hatte einen guten Abstand zwischen sich und dem Sturm gewonnen.

Jeder, der einigermaßen bei Sinnen war, versuchte sich vor dem schweren Sturm in Sicherheit zu bringen. Nur die allermächtigsten Schiffe waren überhaupt imstande, sich den Gewalten, die solch ein Monster aus Wind und Wasser war zu stellen. Trotzdem versuchten auch sie, den Sturm zu umgehen, oder wie im Falle der Lin Pau nur am entferntesten Punkt zu queren.

Auch ein so mächtiges Schiff wie die Lin Pau, mit einem starken Atomreaktor, der ganze Städte mit Energie versorgen konnte, musste das mächtige Spiel mit der Natur nicht austesten. So befand sich das modernste chinesische Forschungsschiff am untersten Rand des Sturms. Weit genug weg um keinen Schaden zu nehmen und nahe genug, um wieder schnell an den Einsatzort zurückzugelangen.

Jeder von der Besatzung, der abkömmlich war, befand sich in seiner Koje und versuchte den Sturm zu überstehen. Aber auch die 4000 Jahre alte chinesischer Medizinerfahrung konnte nichts gegen Seegang und einen schwachen Magen ausrichten.

So stampfte die Lin Pau durch die stark verregnete Nacht und die jungen Offiziere am Radar hatten die Empfindlichkeit herunter geregelt. Andauernd kamen die falschen Signale, über und unter Wasser, sei es Radar oder Sonar, hier schien alles zu spinnen. Die hohen Wellen störten das Radar, die niedrige Wasserhöhe von knapp 100 Meter über Grund störte das Sonar. Bei jedem Kontakt meldeten sie diesen Kontakt weisungsgemäß ihrem Vorgesetzten, einem erfahrenen Oberleutnant und er musste sich vergewissern, was da war und natürlich war da überhaupt nichts. Schließlich wurde es diesem alten Seebären zu bunt. Er rief den Kommunikationsoffizier zu sich.

„Herr Leutnant, bei diesem Wetter treibt sich mit Sicherheit kein kleines Schiff auf diesen Wellen herum, ich ordne also an die Empfindlichkeit der Sensoren, Sonar und Radar, auf ein passendes Maß zu reduzieren.“

„Verstanden Herr Oberleutnant, Sie haben natürlich Recht, ich lasse die Empfundlichkeit anpassen, diese Störungen sind sofort verschwunden Herr Oberleutnant.“

Ab diesem Zeitpunkt war die mächtige Lin Pau fast blind. Sie würden an den Geräten noch einen entgegenkommenden Riesenfrachter oder ein Containerschiff erkennen, mehr aber auch nicht. Dafür gab es jetzt endlich keinen Fehlalarm mehr und der Oberleutnant konnte endlich seine Ruhe finden.

Bei der schweren See würde sich freiwillig auch niemand auf See verirren. Das war allen klar.

Dafür herrschte endlich Ruhe vor Geisterschiffen und lebenden Felsen am Meeresboden. Weder der Oberleutnant, noch die Signalbesatzungen an Radar und Sonar bekamen mit, welche Gefahr sich ihnen da gerade nähert.

**

Gefährliche Fracht

Der 30 Jahre alte argentinische Frachter Tsuminau, beladen mit 5000 Tonnen Kunstdünger und Treibstoffen, hatte es leider nicht mehr geschafft noch rechtzeitig in einen Hafen zu gelangen. Er wurde voll von dem Sturm erwischt. Die Mannschaft konnte gerade noch das Schiff sturmsicher machen, die mächtigen Ladeluken schießen, da kamen auch bereits die ersten Brecher über das Schiff.

Die altersschwache Tsuminau kämpfte mit allen Kräften gegen den Sturm. Der alte Dieselmotor des Frachters war hoffnungslos überfordert und als der Stromgenerator auch noch ausfiel, gingen die ersten Lichter aus. Das Radar auf der Kommandobrücke wurde dunkel und im Funk knistert es nicht mehr. Die wild zusammengewürfelte Mannschaft an Bord war mit dem uralten Diesel nicht vertraut und schaffte es auch nicht, den Notgenerator zu starten. Auf den anderen Schiffen hatten sie nur Schwerölmotoren kennengelernt und dieser uralte Marinediesel war der Mannschaft fremd. Einen funktionierenden zweiten Ersatzgenerator für die Stromversorgung besaß der Frachter schon lange nicht mehr.

Der war bei einem der letzten Hafenbesuche von Mitgliedern der Mannschaft verkauft worden, denn ihre Heuer hatten sie schon länger nicht mehr bekommen.

Jetzt, ohne Antrieb und ohne Strom war das Schiff eine treibende Gefahr. Diese Gefahr trieb nun auf die Lin Pau zu und die beiden Schiffe kamen sich gefährlich nahe. Vom starken Querwind getrieben und durchgeschüttelt kämpfte die Mannschaft eher um den Halt, als um die eh schon schlechte Sicht um sich herum. Die schwachen Positionslichter aus den Notbatterien waren kaum zu sehen.

Da tauchte über einem der hohen Wellenberge der weiße Rumpf der Lin Pau auf und kam auf den Frachter zu. Mit jeder Welle kam die riesige Lin Pau näher.
Panik kam auf dem Kommandostand des altersschwachen Argentiniers auf, als die Lin Pau von Minute zu Minute näher kam. Schließlich rannte sogar der Kapitän hinunter an den Maschinenstand, und versuchte vergeblich die Mannschaft anzuspornen, den rettenden Diesel zu starten.

Daraufhin rannte der Kapitän nach oben und befahl die Notfallraketen abzuschießen, irgendwie musste die Lin Pau gewarnt werden. Der tosende Sturm war unsagbar laut.

Die wenigen Leuchtraketen gingen bei den Blitzen der Gewitter unter. Keiner auf der Lin Pau sah bei diesen Blitzen die Signalraketen des Frachters. Der starke Wind trieb die Tsuminau direkt in den Fahrweg der Lin Pau.

An Bord der Lin Pau sah der übermüdete Leutnant bereits Geisterwellen und Seemonster, aber den kleinen Frachter, der sich seinem Schiff von der anderen Seite näherte, den übersah er völlig. Kein Wunder, denn von der Seite prasselten ja auch die Wassermassen an die Scheiben und erschwerten den Scheibenwischern die Arbeit. Welle um Welle brandete gegen die Lin Pau und der junge Leutnant versuchte seine Arbeit so gut zu machen, wie nur möglich. Aber wer würde bei einem solchen Storm schon freiwillig über das Meer fahren. Keines der kleinen Schiffe würde das tun, dessen war er sich sicher, also suchte er nach allem, was riesig war.Er suchte nach Containerschiffen und anderen Monstern der modernen Zeit. An ein solch kleines Schiff wie die Tsuminau dachte er nicht einmal im Ansatz.

Tief im Bauch des Argentiniers versuchten zwei junge Männer den Diesel zu starten, als eine schwere Welle das Schiff erschütterte. Ihre schwere Werkzeugkiste rutschte ab und fiel auf die Kraftstoffregelanlage. Zangen, Schraubenschlüssel und Hämmer verteilten sich überall auf dem Boden. Die jungen Leute suchten alles zusammen, was sie finden konnten und wo sie irgendwie noch mit ihren Händen heran kamen.

Dass ein spitzer Schaber einen Schlauch der Diesel Rückleitung beschädigt hatte, und jede weitere Welle wie ein weiterer Schnitt in den Schleuch wirkte, bekamen die jungen Leute nicht mit, sie konnten ja bei dem schwachen Licht der Taschenlampen nicht einmal all das verlorengegangene Werkzeug sehen.
Irgendwann war die Rückflussleitung durch und der Kraftstoff lief ungebremst durch das Schiff. Über eine offene Leitung lief einiges von dem Kraftstoff in den hinteren Laderaum über die Ladung Kunstdünger.

Nun war auch die Druckleitung des Kraftstoffsystems beschädigt und der Diesel bekam gar keinen Treibstoff. So würde er niemals starten. Die jungen Männer sahen das aber nicht und versuchten immer wieder zu starten, bis Batterie und die Pressluft erschöpft waren.

Jetzt waren sie nur noch Treibgut. Oben auf der Brücke hatte der Kapitän alle Notraketen abgebrannt und keine Reaktion des Chinesen erhalten. Mit jeder Welle, kam die Lin Pau näher und näher. Als letzte Maßnahme versuchte der Kapitän das Nebelhorn, in der Hoffnung, dass der tosende Wind nicht auch das laute, tiefe Warnen übertönte.

Als endlich das Nebelhorn des Argentiniers auf dem chinesischen Forschungsschiff gehört wurde, da war es bereits zu spät. Der junge Leutnant auf der Lin Pau gab Kollisionsalarm und auf der Lin Pau ging der Alarm hoch.

Der Reaktor wurde im Notbetrieb auf Volllast hochgefahren und lieferte den nötigen Strom. Binnen Minuten waren auch die Generatoren hochgefahren und die schweren Motorgondeln versuchten, das riesige Schiff aus der Gefahr zu reißen.

Aber ein solch ein riesiges Schiff wie die Lin Pau konnte man eben nicht verschwinden lassen, oder mal eben aus der Fahrspur herauszerren. Erst recht nicht, wenn ein ausgewachsener Orkan gegen die Seitenwände drückte und die Lin Pau wie ein Segelschiff weggedrückt wurde.

Sämtliche Scheinwerfer waren aufgeflammt und hatten die Lin Pau in gleißend helles Licht gehüllt. Jetzt konnte man auch außerhalb den argentinischen Frachter erkennen, der direkt auf die Seite der Lin Pau zukam.

Der Kapitän der Lin Pau hatte die Brücke erreicht und die Lage sofort erkannt. Eine Kollision stand unmittelbar bevor und sie war unvermeidlich. Er schaltete den lauten Kollisionsalarm aus und die Sprechverbindung für das ganze Schiff ein.

„Achtung, Achtung, hier spricht der Kapitän. Wir werden gleich von einem fremden Schiff auf der Backbordseite mittschiffs gerammt. Alles festhalten und bereiten Sie sich für die Notfallmaßnahmen vor, Kollissionsalarm. Das ist keine Übung!“

Überall an Bord der mächtigen Lin Pau war der Kapitän gehört worden und die Mannschaften liefen auf ihre Alarmstationen. Man konnte sehen, dass diese Mannschaft bestens ausgebildet war und dass jeder genau wusste, was er zu tun hatte.

**

USS Stiletto

Währenddessen 500 Meilen nördlich,
„Sonar an Kapitän, vermutlicher Kontakt auf 315, Entfernung etwa 2 Meilen“
„Was ist es für einer Sinclair?“
„Wissen wir noch nicht Sir, die Geräusche sind ungewöhnlich, unsere Computer kennt das nicht, oder der fremde Kontakt versteckt sich hinter irgendwas.“
„Geht es genauer Seemann, ungewöhnlich und irgendwas sind Begriffe, die ich gar nicht mag. Finden Sie es heraus und machen Sie eine vernünftige Meldung.“
„Aye Sie – wir bleiben dran.“

Der junge Offizier drehte sich zu seinen Kollegen der Sonarabteilung:
„Leute, helft mir herauszufinden, wer oder was das da vor uns ist, ich bin zwar sicher, dass ich einen Boogie gehört habe, aber jetzt höre ich nur noch Organisches, Wale oder so etwas, sehr große Wale sogar…“
„Hey, mach mal langsam, wir sind hier an Bord der USS Stiletto, wir haben den modernsten Ortungscomputer, den es derzeit für teuer Geld zu kaufen gibt. Wir finden dein Schreckgespenst, wenn es denn da draußen ist.
Vertrau der Technik, die ist Made in USA. Das ist das beste, was es in Sachen U-Boot Ortung gibt, glaube mir.“

„Ja schon klar aber schau, Thermalgrenzen, dazwischen der ganze lebendige Meeresboden ich glaube die ganze Region ist vulkanisch aktiv und immer wieder diese blöden Wale die hier vorbeiziehen wie soll ich da meinen Boogie finden, wenn das überhaupt einer ist.“
Der Chief of the Boat (COB), ein alter Seebär stand hinter dem Sonaroffizier und sprach beruhigend auf ihn ein.

„Seemann, Wenn da wirklich einer ist und er sich auskennt, kann dir der beste Rechner der Welt nicht helfen, dann kann dich nur deine Ausbildung leiten und die war nicht nur teuer, sondern auch gut und erstklassig also vorwärts! Konzentrieren Sie sich, Sie schaffen das.“
„Ja, ok Chief – OohRah – ich verstehe… Sir.“ und der junge Mann konzentrierte sich wieder auf die Geräusche im Wasser und seine Sonarkollegen an den Stationen suchten mit.

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An Bord des Todesschatten

„Wo ist der Amerikaner?“
„Schräg gegenüber, leicht über uns. Kurs 025, Entfernung 850 Meter, der hat uns vollkommen verloren, bedank dich bei Mutter Natur, die hat uns vor anderthalb Meilen versteckt und jetzt jagen die Amis Wale.“

„Klasse U-Boot, wo haben wir das nochmal her?“ Fragt der Erste Offizier und grinst dabei.
Kapitän Tamar schaut kurz zu seiner Mannschaft, „Made in Germany, das war das Zweite aus dieser Serie, welches wir in Israel haben. Das ist das Modernste, was es derzeit gibt.“

„Verflixte Deutsche, aber eines muss man ihnen lassen, U-Boote bauen konnten sie schon immer.“
„Ja Sir, allerdings, hier fühle ich mich tatsächlich sicher. Wer hätte das gedacht, Israelis fühlen sich in einem U-Boot der Deutschen sicher…“
Einige der Männer grinsten.
„Kapitän Tamar, wieso eigentlich Todesschatten, das U-Boot hat doch einen anderen Namen?“
„Kameraden, wir sind unauffindbar wie ein Schatten und wenn wir zuschlagen, bringen wir den Tod. Ich finde, Todesschatten passt sehr gut zu diesem wunderbaren Boot.“

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Soulebda

In unserem Camp hatte es sich herumgesprochen was das für eine Aktion war und alle jubeln auf.
Ihre Regentin, Heylah ai Youhaahb war kerngesund!

Die meisten würden nie erfahren, was daran so enorm wichtig war und was diese Nachricht im Grunde bedeutete.
Heylah hatte sich in ihr bestes Kleid geworfen und stand im Höhleneingang da, wie eine Heilige, beleuchtet von den Fackeln und Lichtern. Lediglich die sehr gute Abschirmung nach oben verdeckt die Sicht aller lästigen Spione.

Penelope fiel ihrer Mutter und dann Vera um den Hals und ihre Tränen waren ehrliche Freudentränen. Wir anderen umringten sie und stimmten einen Singsang an, ein Dankeslied, das keiner übersetzen musste, es wirkte auch so.

Nach einer Weile stand Heylah da und wir sahen einige Tränen über ihr Gesicht laufen.
„Was ist Heylah, hast du Schmerzen oder weshalb weinst du?“ fragte Penelope.
„Oh mein Kind, komm in meine Arme, ich denke gerade an alle meine Vorkosterinnen, die bekamen das Gilft auch zu essen und sind inzwischen alle tot. Jene, die überlebten hat der Präsident garantiert umbringen lassen. Ich weine um all diese unschuldigen Seelen, die wegen mir ihr Leben lassen mussten.“

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Der Zusammenstoß

Ein höllisches Bersten durchzog beide Schiffe. Mittschiffs wurde die Lin Pau von der Tsuminau gerammt und der schwer beladene Frachter grub sich tief in die Seite der Lin Pau hinein. Das schwere Schiff rüttelte sich und der argentinische Frachter riss seitlich auf. Sein Oberdeck war teilweise aus der Verankerung gerissen und eine geborstene Stromleitung der Lin Pau spie Funken, die in den Laderaum des Frachters rieselten. Offenbar war da nicht nur eine Stromleitung betroffen, sondern auch eine Leitung mit brennbaren Stoffen.

Als der Feuerbekämpfungstrupp der Lin Pau eintraf, um das feuerspeiende Loch zu schließen, sahen sie in dem Frachter schon die ersten Flammen lodern. Die Meldungen des Trupps kamen auf der Brücke an, aber es gab keine Möglichkeit den Argentinier zu informieren. Auf dem deutlich kleineren Frachter herrschte bereits das Chaos.

Der argentinische Frachter Tsuminau brannte im Inneren und endlich war auch ein Enterkommando der Lin Pau an Bord gekommen, um sich ein besseres Bild machen zu können. Während sie mit dem Kapitän der Tsuminau sprachen, erkannten sie, was der Frachter geladen hatte und was da im Inneren brannte.
Durch die Fahrt der Lin Pau war der argentinische Frachter Tsuminau verdreht worden und die Fracht umgestürzt. Fässer mit Dieselöf waren aufgerissen und ergossen sich über den Kunstdünger aus Ammoniumnitrat. Das dazukommende Feuer begann alles durchzukochen und es entstand ein äußerst gefährliches Gemisch.

Als endlich auch auf der Lin Pau klar wurde, was auf dem Frachter brannte, erkannte der Kapitän der Lin Pau die drohende Gefahr und befahl beide Maschinen mit voller Kraft voraus, auch wenn dabei der argentinische Frachter zerrissen würde.

Der Kapitän hatte die tödliche Gefahr erkannt und wusste, was da unten brodelte. In seiner Ausbildung hatte man ihm noch das Unglück von Brest erklärt. Am 28. Juli 1947 explodierte damals im Hafen von Brest, Frankreich, der mit Ammoniumnitrat beladene Frachter Ocean Liberty aus Norwegen. Es gab damals viele Tote und Verletzte.

„Volle Kraft voraus, reißt den Frachter aus unserem Leib oder wir sterben alle mit ihm!“ Hatte der Kapitän angeordnet und die mächtige Lin Pau entfesselte ihre Kräfte unter Wasser.
Teile des Frachters wurden dabei aus der Seite des Chinesen gerissen und als sich die beiden Schiffe nach zehn Minuten hartem Kampf endlich trennten, hing der argentinische Frachter wie ein sterbendes Tier im Meer und brannte lichterloh.

Im Schiffsinneren des Argentiniers kochten bereits die 5.000 Tonnen Ammoniumnitrat durch das brennende Dieselöl und diese hochgefährliche Mischung brauchte nur noch einen passenden Zündfunken. Diese Zündfunke kam durch den Maschinen Maat des Argentiniers, als der einen Blick auf den Brand werfen wollte, um die möglichen Löschmöglichkeiten seines schwer beschädigten Frachters abzuschätzen.

Die geladene Leuchtpistole noch im Hosenbund, rutschte der Maat aus und verlor sowohl den Halt als auch die Leuchtpistole. Sie fiel auf den Boden, dabei löste sich der Schlagbolzen und zündete, mangels einer Fallsicherungs die Patrone.

Wie in Zeitlupe sah der Maat noch die Leuchtpistole fallen und die Leuchtkugel in dem dampfenden Gemisch aus Dieselöl und Ammoniumnitrat verschwinden. Dann blitzte es kurz auf und alles war vorbei.

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Hexenwinde

Später, als sich Dr. Willers endlich ausruhen konnte, wurde im inneren Kreis auch die anderen aufgeklärt, was diese ganze Hektik der letzten Tage zu bedeuten hatte.
„Diese verdammten Briten. Die planen langfristig und sind dabei so menschenverachtend!“
„Ja Caroline“, und Peter hielt mich im Arm, „dafür, und wegen noch viel mehr, werden sie es noch büßen.“

„Das war abgekartet und tatsächlich sehr lange vorbereitet, unglaublich, und es hat keiner von uns bemerkt?“, schaute uns fragend Penelope an.
Heylah kam zu uns und setzte sich mit ihrem guten Kleid in unsere Reihe, dann erzählte sie:
„Ich habe am Anfang von alldem nichts mitbekommen, lediglich beim Abendessen wurden meine Vorkoster regelmäßig ausgetauscht, während der Vorkoster von Sheramoh stets der gleiche blieb. Das hätte mir eigentlich bereits eine Warnung sein müssen.
Aber ich habe das Gefühl ignoriert, dass hier etwas nicht stimmt. Nach ein paar Wochen waren meine Sinne vernebelt und mein Wille war verschwunden. Es wurde dann immer schlimmer und ich bekam Ängste und Schmerzen. Die ersten Ärzte wurden schnell getauscht und gegen einen angeblichen Spezialisten ersetzt.

Der diagnostizierte einen bösartigen Krebs und machte mir unmissverständlich klar, dass meine Zeit abläuft. Er gab mir noch maximal ein Vierteljahr.
Dann kamt ihr auf die Insel. Wieder wurden meine Vorkosterinnen ausgetauscht. Heute muss ich annehmen, dass sie alle abgeschlachtet wurden, denn das Essen tat plötzlich weh und der Doktor verwies, auf nur noch wenige Wochen Lebenszeit …

Den Rest kennt ihr. Ich möchte den Doktor zur Rechenschaft gezogen sehen, und diesen Briten Mc. Allister wie ich heute weiß auch, sie sollten hart bestraft werden!“
„Wir werden unser Möglichstes tun Heylah.“ sagten Peter und ich in einem Atemzug und unsere Freunde stimmen und zu.
Heylah & Soleab gaben sich die Hand und schauten uns an, wir erhoben uns alle, denn wir hatten das Gefühl, jetzt kommt etwas Bedeutendes.
„Als ihr auf unsere Insel kamt“, begann Soleab, „da dachte ich, was wollen diese Aufschneider hier, ich kannte damals ja Caroline noch nicht.“ Dabei schaute er mich an.
„Heylah aber“, und er nahm sie dabei in den Arm, „Heylah aber hat mich stets beruhigt und Mut zugesprochen. Wenn schon Caroline mit dabei ist, dann kann ihr Begleiter nicht böse sein und ich sollte Vertrauen haben.“

Beide sahen sich zustimmend an und Heylah übernahm: „Ich kannte dich von früher her als die beste Freundin meiner geliebten Tochter, ihr beiden wart unzertrennlich und seelenverwandt.“ dabei nahm sie die Hand ihre Tochter Penelope und drückt diese.
„Also verlangte ich von Soleab, das Vertrauen, und die Kraft, die ich bereits innehatte.“ dabei schaute Soleab sie an und nickte.
Wieder übernahm Soleab „Als ich euch beide dann kämpfen sah, da wusste ich, dass sich hier etwas großes ereignet, ich wusste nur noch nicht genau was. Dann aber, als ich sah, dass Caroline dem Tod nahe war, und sah, wie sich Peter nach ihr verzehrte, erkannte auch ich, dieses kräftige Band zwischen euch beiden.
Hier und heute, nachdem ich gesehen habe, wen ihr auf diese Insel gebracht habt, und was ihr in dieser kurzen Zeit erreicht habt, möchte ich euch alle meinen tiefsten Dank aussprechen und mich für meine Zweifel entschuldigen.“

Im Hintergrund begann bei den Stammeskriegern ein Raunen und sie stimmten einen leisen Singsang an, der die Stimmung einfing und uns alle in einen magischen Bann zu festigen schien.
Die anderen Krieger kamen aus den Lagern, und Höhlen und bald war die große Höhle randvoll, und der Singsang wurde beruhigend sonor.
Heylah übernahm wieder. „Euch allen danken wir für das bisher Geleistete, und ich bitte euch alle, helft uns weiter bis Soulebda wieder frei ist. Die großen Aufgaben liegen noch vor uns, sie werden hart werden, und viele Tränen kosten, aber wir beide wissen, dass es sich lohnt!“
Darauf stimmte Heylah ein aggressives Lied an und die anderen Krieger stimmten wie bei einem Kanon der Reihe nach ein. Reihe um Reihe fiel ein und es entwickelte sich ein herrlicher Kanon.
Dann, als alle sangen, riss Heylah die Hände nach oben und alle riefen ein lautes, kräftiges „Mulebda aulabi Kanaboni ta’xah!“ In die Luft.

Sofort war alles still.

Alle Krieger setzten sich langsam hin, nur die beiden Führer standen noch mitten im Camp. Wir sahen uns um, etwas besonderes war geschehen, das war uns klar, aber was?

Jerome saß neben uns und erklärte uns, was da vorging. „Ihr alle, die ihr von draußen gekommen seid, seid jetzt zu Ehrenbürger von Soulebda ernannt worden, eine andere Auszeichnung gibt es nicht, die Ausländern zuteilwerden kann.“

Heylah & Soleab sahen sich beide an, hielten sich an beiden Händen, lächeln kurz und riefen laut „Kiloaumeeeeeahhhhhh…. Kiloaumeeeeeahhhhhh….“ so laut, bis die Stimme zu versagen schien.
Die Krieger und Frauen rings um uns schauten sich alle freudig an. Von der Seite traten vier wunderschöne Mädchen in unseren inneren Kreis und setzen sich paarweise gegenüber, die beine ineinander verschränkt. So umarmte sich jedes Paar für sich und wiegten sich in einem seltsamen Tanz, der auf dem Boden stattfindet und von den Rhythmen der Stammeskrieger geleitet wurde. Vor uns zurück, immer wieder vor uns zurück, jedesmal schien diese Bewegung dabei etwas größer zu werden.

„Hexenwinde“, sagte Jerome und erklärt uns: „Einmal alle zehn Jahre darf die Regentin einen Fruchtbarkeitsritus ausrufen, wir nennen ihn Hexenwinde, ihr bekommt alle ein Getränk zu trinken, trinkt eure Schale bitte auf einen Zug aus.
Wenn sich die beiden Mädchenpaare in der Mitte dann in Liebe ergeben, dürfen alle in der Höhle die freie Liebe untereinander vollziehen, sich einen Wunschpartner suchen und es wird dabei kein Misstrauen herrschen zwischen euch und allen anderen in der Höhle. Egal, wen man sich dabei aussucht.
Das ist ein uralter Ritus, er diente damals der Erhaltung der Vielfalt, heute wird er zum Anstimmen an ein gewaltiges Wagnis vollzogen, das sind unsere Hexenwinde, genießt sie und liebt Euch!“

In der Mitte der großen Höhle brannte das Feuer, links und rechts davon in sicherem Abstand begannen die hübschen Mädchen ihren Rain und um uns hatten sich zwei Reihen gebildet, alle waren sie gekommen, wie es schien, keine und keiner wollte diesen Ritus verpassen.

Lediglich die Ehrenwachen draußen waren verstärkt worden, denn dieser Ritus war immer schon sehr heilig, aber auch einer der anfälligsten Momente, denn ein Feind konnte jetzt gut angreifen, daher waren die Ehrenwachen die besten der Krieger und Wachen und es war eine Ehre als Ehrenwache vorgeschlagen zu werden.

Dann begannen die Reihen um uns zu kreisen und die vier Schönheiten wurden aktiver und legten nacheinander ihre Kleider ab. Das Licht des Feuers schien sich auf ihren braungebrannten Körpern zu spiegeln. Jetzt küssten sich die Schönheiten am Feuer, da kamen bereits Mädchen und sie brachten uns Schalen zum trinken und jeder bekam eine Schale.
Als die beiden Pärchen am Feuer sich umfassten zu einem Kuss, sah ich, wie sie sich gegenseitig die Luft in die Lungen pumpten, abwechselnd, schneller und tiefer gingen die Atemzüge, das musste zwangsläufig irgendwann zur Ohnmacht führen, aber ehe sie umfielen, fühle ich eine Hand an mir und Penelope war neben mir. Wechselweise atmete eines der Mädchen frische Luft ein und pumpte sie in die Lungen des anderen Mädchen um wieder zu wechseln, es war ein ständiges gegenseitiges Beatmen.

Das angekündigte Getränk wurde gereicht und alle tranken wir dieses seltsam schmeckende Getränk, es stieg einem sofort in den Kopf und es löst etwas unheimliches, unbekanntes in uns aus.

Irgendwann war der Zwangsbeatmungsrain der Mädchen dann vorbei und die beiden Mädchengruppen fiel seitlich um um sich in Ekstase zu wiegen. Kurz danach schliefen sie erschöpft ein.

Das war das Zeichen für alle anderen.

Veronique grifft sich Bernd Schubert und küsste ihn, bis sie ihn in eine Höhle zug.
Heylah und Soleab hielten Händchen, verschwanden in ihrer Höhle und einige Schönheiten wiegten sich an unseren anderen Begleitern. Eine nach dem anderen griff sich einen Begleiter oder Begleiterin und verschwand mit ihr.

Wie nicht anders zu erwarten, waren Vera und Sarah untrennbar zusammen und küssen sich. Sarah zog Vera dann zu sich und auch sie verschwanden in einer der unzähligen Höhlen.

Jetzt kamt die wunderschöne, große Leibgardistin von Heylah mit ihrem starken Busen und schnappte sich Peter, er war überrascht, aber schon zog sie ihn weg und nach und nach griff sich jede und jeder einen Partner.

Penelope zog mich schließlich zu sich und küsste mich. Im Vorbeigehen sah ich, dass tatsächlich alle ihr Gegenüber gefunden hatten und sich bereits in der Liebe ergaben. Penelope und ich verschwanden in ihrer privaten Höhle und erlebten eine herrliche Nacht voller sinnlicher Gefühle.

Oh ja, Hexenwinde, ein starker Brauch und er stärkte die Kräfte in uns allen. Diese Nacht würde uns allen neue Kräfte geben und dies auf eine Weise, die ich so noch nie vorher erlebt hatte.

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Tags darauf trafen sich alle nacheinander um das Feuer, alle waren sie tatsächlich glücklich geworden, die nächtlichen Partnerschaften lösten sich auf, einige würden vielleicht bestehen bleiben, andere nicht und wirklich alle waren sie wieder zufrieden und sahen dabei sehr erleichtert aus.

Irgendwann saß Peter wieder neben mir mit einem seltsamen Glanz in den Augen, er umarmt mich und küsst mich lange, schließlich sagt er sanft zu mir „Ich liebe dich so unermesslich Caroline.“

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Detonation

Auf der Lin Pau sah man das Ende auch nicht mehr kommen. Der Lichtblitz und die verheerende Detonation waren zeitgleich da und rissen beide Schiffe auseinander..
Mit 2500 m/s hatte die Detonationswelle die Lin Pau sofort erreicht. Der argentinische Frachter wurde dabei komplett zerrissen, die Lin Pau etwa zur Hälfte. Eine riesige Wassermenge wurde nach allen Seiten weggedrückt, auch nach unten, zum ohnehin brüchigen Meeresboden. Ein regionaler Tsunami bildet sich, dessen Wellen sich ausbreiteten.

Wer nicht auf der Stelle starb, fand sich im Meer wieder, aber auch dort bahnte sich ein weiteres Grauen an.

Der ohnehin geschwächte Meeresboden erhielt einen Stoß durch die Detonation des Frachters. Und als das Wasser weggeblasen wurde, fehlte schließlich der mächtige Wasserdruck von oben.
Als hätten die vulkanischen Kräfte nur darauf gewartet, brach ein neuer Unterwasservulkan auf und es ergossen sich ungeahnte Mengen Magma aus dem Meeresgrund und stiegen gierig nach oben. Das zurückströmende Wasser überflutete den Kern der Eruption. Die folgende Wasserdampfexplosion verwüstete alles im Umkreis von gut 20 Kilometer.

Die knappen 150 Meter Wassertiefe zwischen der sinkenden Lin Pau und dem brodelnden Meeresboden begannen zu kochen. Das Meerwasser kochte bereits rings um die armen Seeleute, als der Vulkan das Meer durchbrach.

Wer jetzt noch lebte, der beneidete die Verstorbenen. Der siedende Tod kam zu jedem, der im Wasser trieb und kannte kein Erbarmen. Das Wasser bot keine kühlende Rettung mehr, es kochte und dampfte überall und zu allem Unglück regnete es jetzt auch noch den glühenden Asche Tod aus den Wolken.

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Im Schatten des nahenden Morgens versanken die Reste der Lin Pau mit Mann und Maus, es war noch nicht einmal Zeit für einen Notruf, sogar das automatische Meldesystem versagte, da es von einem Trümmerstück des argentinischen Frachters abgerissen wurde. Alles schwere wurde von dem unterirdischen Vulkan mitgerissen und von der glühenden Lava bedeckt.Die unterseeische Lava fraß die Lin Pau auf.

Das galt insbesondere für den Reaktor des Schiffes. Wie durch ein Wunder, wurde der Reaktorblock mit der glühenden Lava zurück in die quellende Magma des dünnen Erdmantels gerissen. Er zersetzte sich unter dem mörderischen Druck und den höllischen Temperatuern und seine Stoffe wurden wieder zu einem Teil der Erde, aus der sie einst kamen.

Diesmal war das China Syndrom das einzige Gute bei der Katastrophe. Dort oben an der Wasseroberfläche, wo eben noch das majestätische Forschungsschiff Lin Pau und ein argentinischer Frachter schwammen, reckte sich jetzt langsam aber unermüdlich ein neuer Vulkan aus dem Wasser. Er würde in wenigen Jahren die Landgröße von Soulebda erheblich vergrößern.

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180 Seemeilen entfernt an Bord des Flugzeugträger USS Theobald leuchtete hinter dem Horizont ein grelles Leuchtfeuer auf und erlosch wieder. Da meldete ein junger Radar Offizier, dass die Lin Pau auch vom Radarbild der Satellitenüberwachung verschwunden sei. Dafür würden heftige Störungen an der Stelle verzeichnet. Die seismischen Aktivitäten legten den Schluß nahe, dass genau dort, wo sich eben noch die Lin Pau befunden hatte, ein neuer Vulkan entstand.

Die Tsunamiwarnung ging ein, wurde aber als vernachlässigbar für den Träger angesehen, dennoch drehte man die Nase in die Richtung der Welle. Sicher ist immer noch sicher.

An der Südspitze Soulebdas hatten die Tsunami Wellen mehrere alte Boote weggerissen und ein kleines Fischerdorf stark geschädigt, mehr Schaden wurde nicht festgestellt. Der kleine Tsunami lief sich in den Weiten des Ozeans aus und richtete an den weit entfernten Küsten keine Schäden an, dazu war er dann doch zu klein.

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Berge Unfall

Südwestlich von Poa’holh hatte sich eine neue Insel gebildet. Der Vulkan spuckte immer noch Lava und das neue Land würde irgendwann eine neue Insel bilden, die zu Soulebda gehörte. Derzeit war der Vulkan schon gut vier Kilometer im Durchmesser und wuchs rasant weiter. Auf Soulebda nannte man die neue Insel bereits Novel’ult, was in etwa soviel bedeutete, wie „das neu geschenkte Land“.
Der ständige Ostwind blies die Vulkanwolken hinaus auf die See und der Flughafen von Soulebda blieb geöffnet, ebenso das nördlicher gelegene Julamda Airfield.

Derzeit kreuzen um diese Meeresgegend Australische und Neuseeländische Patrouillenboote und bargen hier und da einige kreidebleiche Leichen aus dem Wasser.
Jetzt, da sich das Wasser wieder abgekühlt hatte, kamen auch die ersten Haie zurück und nahmen sich ihren Teil von der Mannschaft der Lin Pau.

Die Reste der Mannschaft sahen teils schrecklich aus. Einer der Seemänner sprach kreidebleich von „gekochten Hühnern“. Von den vielen Hundert Mann Besatzung wurden etwa 50 verstümmelte Ertrunkene gefunden und geborgen. Die Bergemannschaften wollten den Verunglückten zumindest die letzte Ehre erweisen.

Inmitten dieser Aktion, kreuzte eine französische Fregatte in voller Fahrt die Wege der Rettungsschiffe und brachte eines der Boote fast zum kentern.
Über Funk wurde auf der Notfrequenz die Notsituation ausgerufen und die französische Fregatte zur Mithilfe aufgefordert, schließlich handelte es sich hier um eine Bergeaktion.

Aber anstatt einer Bestätigung erklang eine energische Stimme über Funk:

„Hier spricht die Französische Marine. Wir übernehmen diesen Küstenabschnitt um Ka’Ihlih und beanspruchen einen 50 Meilen Sicherheitsbereich um die Insel. Verlassen Sie sofort unseren Bereich!“
Voller Empörung verlange der kommandierende Offizier der Bergemannschaft, einen Verantwortlichen auf französischer Seite zu sprechen. Aber er erhielt keine Antwort. Stattdessen kreuzte die Fregatte der Franzosen weiterhin im Bergegebiet und die Bergemannschaften mussten ihre Mannschaften zurück an Bord beordern.

Als der neuseeländische Kapitän erneut die Zodiac Schlauchboote zu Wasser ließ, änderte der Kapitän der Franzosen den Kurs und fuhr mit voller Fahrt durch das Bergegebiet. Dabei wurden die im Wasser treiben Körper von den schnell drehenden Propellern regelrecht zerhäckselt. Über Funk kam erneut der Funkspruch: „Verlassen Sie sofort unser Seegebiet, das ist unsere letzte Warnung!“

Daraufhin rief das australische Hochseepatrouillenboot um internationale Hilfe und schilderte den Zwischenfall sowie die Annektierung der Soulebdanischen Insel durch die Franzosen. HD Kameras auf den Patrouillenbooten fingen die Französische Fregatte ein, wie sie durch die See mit den weißen Menschenleibern pflügte und die Leichen schredderte. Als ein anderes französisches Kriegsschiff einen Warnschuß vor ein Patrouillenboot der Australier abgab, da war es genug und die Besatzung reichte über ihre Regierung Protest ein und die Angelegenheit wurde in Den Haag aktenkundig.

Innerhalb einer Stunde wurde aus Den Haag eine Note herausgegeben an die Franzosen vor Ort sofort die Maßnahmen zu unterlassen und stattdessen bei der Bergung zu helfen.

Danach feuerte die französische Fregatte  einen Warnschuss vor den Bug des Hochseepatrouillenbootes. Die Franzosen demonstrierten hier ganz offen und gegen alle Vernunft, was sie mit der ehemaligen englischen Insel vor hatten, sie wollten diese Insel annektieren. Da sie sich kräftemäßig in der klaren Überzahl fühlten, interessierte sich bei den Franzosen keiner für den Befehl aus Den Haag.

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Bereitschaft

An Bord der USS Stiletto kam ein Längstwellenfunkspruch herein und sie ging daraufhin auf Periskoptiefe um die ganzen Funksprüche zu empfangen. Die einlaufenden Meldungen gaben die Situation an der Oberfläche wieder und ordnen klar an, das Gebiet südwestlich von Soulebda zu kontrollieren, die klaren Warnungen vor den Franzosen waren auch dabei.

Die US Theobald wurde vor Ort als Kommandopunkt erklärt und sie sollte die Ordnung in der Region wieder herstellen und garantieren. Gleichzeitig wurde die USS Stiletto für den Kampfeinsatz ermächtigt, falls sich die Franzosen nicht zurückzogen. Die Souveränität von Soulebda wurde erneut bestätigt und die USS Theobald wurde zum Einsatz von Gewaltmitteln ermächtigt.

Der amerikanische Präsident hatte diese Order unterzeichnet und über das gesicherte Netz zugestellt.
Diese Meldungen gingen aber auch auf der unverschlüsselten Frequenz ein, so ging man sicher, dass die Franzosen auch alles mitbekamen. In der Zwischenzeit war die USS Stiletto bereits wieder abgetaucht und folgte der USS Theobald als Geleitschutz.

Mit an Bord der USS Stiletto befanden sich 32 schwere Torpedos, über 40 Raketen und 12 der neuen Superkavikationstorpedos, die unter Wasser nahezu 200 Meilen schnell sein konnten. Die USS Stiletto war nun einmal ein Unterwasserjäger und Jäger suchen ihre Beute.

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Todesschatten

Nördlich der Insel Ka’Ihlih schllich ein anderer unsichtbarer Jäger unter Wasser umher, seine elektronischen und akustischen Sinne waren alle geschärft und sie sammeln die gleichen Daten, die auch den Amerikanern zur Verfügung standen.

Unter einem der französischen Tanker verbarg sich das israelische U-Boot und lauerte auf seine Feinde. Umgeben von der französischen Streitmacht war das Boot scheinbar umzingelt, aber es fühlte sich eher an wie ein Hecht im Karpfenteich. Das da oben, das waren keine Schiffe, das waren alles Ziele…


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Der Funke

Die Franzosen benahmen sich wie Eroberer, als wenn ihnen hier alles gehörte. Sie drangsalierten die Rettungsboote der Bergemannschaften, wo sie nur konnten. Alles Bitten half nichts. Die Franzosen hatten ganz klare Befehle.
Sie störten die Bergemannschaften, fuhren mit hoher Geschwindigkeit an den kleinen Zodiac Schlauchbooten vorbei und mehr als einmal gingen dabei die Retter über Bord.
Die Lage war angespannt und es brauchte nur einen kleinen Funken, um sich zu einem Brand zu entwickeln. Die Franzosen verhielten sich sehr selbstsicher und aggressiv. Solange sich ihnen aber keiner in den Weg stellte, der stärker war als sie selber, verscheuchten sie alles, was ihnen in den Weg kam.
Alle Proteste der Australier und Neuseeländer wurden ignoriert und die Franzosen machten weiter mit ihrer Machtdemonstration. Jetzt waren sie hier die stärkste Macht und das zeigten sie allen Beteiligten überdeutlich.
Es kam, wie es kommen musste, es war ein kleiner Funke nur, aber er reichte aus.

An Bord der französischen Fregatte Betoncourt, einer modernen Fregatte der Fremm Klasse, stand Kapitän Marinoque auf der Brücke und dirigierte seine Leute mit kurzen Befehlen. Sein erster Offizier, Maginault, hatte die Mannschaft fest im Griff. Zusammen hatten sie bereits mehrere Einsätze erfolgreich absolviert.
„Diese Kiwis sollen sich aus unserem Gebiet zurückziehen, Wenn die das noch immer nicht verstehen, dann brauchen die wohl bald einen neuen Anstrich. Kurs auf das Patrouillenboot nehmen und schütteln wir den Kahn mal ordentlich durch.“
„Oui Kapitän, das sollten auch die Neuseeländer verstehen.“ Die Betoncourt erhöhte ihre Fahrt auf 20 Knoten und fuhr direkt auf das Hochseepatrouillenboot der Neuseeländer zu, drehte in voller Fahrt ab und erzeugte eine gewaltige Welle, die das Patrouillenboot hart traf. Das Zodiac Schlauchboot wurde umgeworfen und nun mussten die Retter gerettet werden.
„Verdammte Froschfresser, haben die unsere Signale nicht gesehen, wir sind hier in einer Rettungs- und Bergeaktion.“ Fluchte der Kapitän des Patrouillenbootes. „Holt unsere Leute aus dem Wasser, das ist hier zu gefährlich.“
Er kritzelte ein paar Sätze auf ein Formblatt und gab es seinem Kommunikationsoffizier, „Hier, senden Sie das in das Hauptquartier und melden Sie das auch an Soulebda. Die sollten sich auch dafür interessieren, wer sich in ihren Gewässern herumtreibt und die Sau herauslässt.
„Kapitän, unsere Mannschaft ist wieder an Bord, einer hat sich den Arm gebrochen, sonst keine Ausfälle.“

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Die Nachricht von den Zwischenfällen im Süden schlug in der Armeezentrale wie eine Bombe ein und der zuständige General handelte sofort.

Soulebda hatte ihre eigenen, wenn auch kleinen Patrouillenboote in das Gebiet entsandt um ihre Grenzen und die Küste zu sichern. Das waren kleinere Boote, bessere Yachten, gerade einmal 18 Meter lang und mit acht bis 12 Mann Besatzung. Stationiert im Zentralhafen von Soulebda Stadt waren diese Patrouillenboote schnell vor Ort und versuchten die französischen Eindringlinge anzufunken.
Kapitän Marinoque betrachtete diese kleinen Patrouillenboote aus Soulebda mit Verachtung. Das waren Spielzeuge, wenn man die Französische Marine dagegen betrachtete.

Diese Schiffe waren nicht hochseetauglich und mussten für gewöhnlich ja nur die Küsten überwachen und schützen. Meist waren es Fischer oder Sporttaucher, die das Fischreiche Gebiet um Soulebda schätzen gelernt hatten. Doch hier waren das aggressive Schiffe der französischen Marine, einer Marine, die vor keinem Kampf zurückwich und dabei auch noch bestens bewaffnet war.

Eines aber hatten sie, diese kleinen Insulaner, einen verwegenen Mut. Sie hatten die Flaggensignale gesetzt und die Fregatte aufgefordert ihr Gebiet zu verlassen. Das machte den Kapitän der Fregatte nun böse.

„Rudergänger Kursänderung auf 213, Geschwindigkeit beibehalten.“
„Kapitän, das bringt uns auf Kollisionskurs mit dem Marineboot aus Soulebda.“
„Geschwindigkeit auf 24 Knoten erhöhen. Ich sehe hier keine Marine, wenn sich der Fischkutter in mein Fahrwasser traut ist er selbst schuld, machen Sie ihm das mal klar.“

Laut heulte die Sirene der Fregatte auf und machte allen klar „Platz da – hier komme ich!“

Der Kommandant des Patrouillenbootes riss die Augen auf und befahl „Alle Mann von Bord“ als die Fregatte nicht abdrehte und mit voller Fahrt auf sie zukam. Schnell setzte er noch einen Notruf ab, dann sprang er als letzter Mann von Bord.
Es wurde unheimlich laut, als Kollisionsalarm gegeben wurde und dann durchbrach die Fregatte auch schon das kleine Patrouillenboot, es wurde regelrecht durchschnitten. Die Fregatte donnerte mitten durch das Boot und ihre turbinengetriebenen Schrauben fraßen sich durch alles, was sie einsogen.

Eines der kleineren neuseeländischen Boote kam zur Rettung und wurde von der Fregatte Lyon beschossen. Ob das nur ein fehlgeleiteter Warnschuß sein sollte, blieb ungeklärt. Das neuseeländische Patrouillenboot, das an der Rettungsaktion teilnahm wurde jedenfalls beschossen und getroffen.

Es war geschehen, die ersten richtigen Kampfhandlungen auf See waren ausgebrochen.

Die Franzosen hatten ein Patrouillenboot von Soulebda versenkt und ein anderes Patrouillenboot der Neuseeländischen Marine beschossen. Auf beiden Booten gab es Tote und Verletzte.
Der Neuseeländer konnte noch einen Notruf absenden und jetzt wurde man auch auf der USS Theobald aktiv. Während die Überlebenden des Soulebdalesischen Bootes gerettet wurden, wurde auf der USS Theobald Alarm gegeben.

Über Funk warnten die Franzosen nochmals alle Schiffe in der Region, „Ihr Gebiet“ zu befahren, und sie drohten dabei auch ganz offen Gewaltmittel an.

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Der Präsident auf Soulebda reagierte indes nicht, er hatte gerade anderes im Sinn. Zu diesem Zeitpunkt folterte er genüsslich drei Gefangene und versuchte ihnen einige Geständnisse zu entreißen.

Hier störte man ihn besser nicht, das wussten alle seine Untergebenen. Das wusste auch der für die Marine zuständige General…

Da er allerdings keinen Kontakt zu den Amerikanern hatte, konnte er keine Hilfe anfordern und seine Mittel in der Marine waren eher bescheiden.Ein paar Patrouillenboote, vier größere Kutter, zwei mittelgroße Yachten und vier kleine Motorboote. Das war die Marine von Soulebda. Und davon war eben eines der besten Patrouillenboote von den Franzosen versenkt worden.

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Der Sturm naht

Der Sturm im Süden brauste immer noch und zog langsam in Richtung Nord-Westen, an der ehemaligen englischen Insel vorbei. Die französische Marine erhoffte sich, dass sie diese Wetterfront nutzen konnte, um sich zu verstecken. Aber gegen Radar waren auch diese Wolken machtlos, so sahen die amerikanischen Aufklärer genau, wo sich die Franzosen aufhielten. Währenddessen tobte der Sturm weiter auf dem Meer.

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In Washington fielen die Entscheidungen schnell und ebensoschnell wurden sie über Funk auf die USS Theobald übertragen.

Der Befehl lautete: „Unterbindung unerlaubter Gebietsansprüche, Kampfhandlungen seitens der Franzosen stoppen, Amerika unterstützt die Regierung von Soulebda; Heylah & Soleab, da der alte Präsident abgesetzt wurde.“

Auf der USS Theobald wurde Alarm ausgelöst, eine Hawkeye wurde gestartet, ein Radar-Überwachungsflugzeug, und die Flotte ging in Absicherungsmodus. Ab jetzt würde jedes fremde Fahrzeug im Umkreis von 500 Meilen als potentiell feindlich eingestuft.

Als nächstes startete eine EA-18G. Das war ein modernes Störflugzeug, das imstande war, Funk und Radarsysteme zu stören oder ganz lahmzulegen. Diese Maschine, auch als Growler bezeichnet, war der Nachfolger der A6 Prowler, die über Jahrzehnte erstklassige Dienste geleistet hatte.

Der CAG, der Commander Air Group, ließ die beiden Alarmrotten starten und eine weitere Staffel kampfbereit machen.

Die vorderen Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse überwachten mit ihren weitreichenden Radarsystemen die gesamte Region. Zwei weitere Zerstörer gleichen Typs preschten nach vorne, auf die Franzosen zu, aber noch imer außer Sichtweite.

Da donnerten die beiden Alarmrotten der F/A-18F Super Hornet mit ihren schweren Düsenflugzeugen auf die Franzosen zu. Diese Düsenjäger würden ein deutliches Zeichen setzen, dass die Amerikaner jetzt vor Ort waren. Dieses Zeichen würden auch die Franzosen verstehen, dessen war man sich sicher.

Über ihnen allen kreiste das Growler Radarstörflugzeug, eine spezielle Version der F/A 18. Dieses Flugzeug erfasste sämtlichen Funkverkehr und legte eine Schutzglocke über den amerikanischen Verband. Die Radargeräte der Franzosen zeigten Störungen oder fielen aus. Aus dem Funk kam nur noch Gekrächze und die Datenverbindung der Satelliten waren plötzlich gestört. Der französische Verband war auf einmal blind, taub und auf sich allein gestellt.

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Ist da wer?

Der Kommunikationsoffizier auf dem französischen Kommandoschiff zählte eins und eins zusammen und kam zum Entschluss, dass die Amerikaner hier waren, direkt vor Soulebda.
„Kapitän, die Amerikaner sind hier, sie sind bereits hier… wir haben auf allen Systemen seltsame Störungen. Kapitän, wir werden elektronisch gestört!“ Berichtete der Kommunikationsoffizier, Major Blair, dem Befehlshaber.

„Was sagt die Nachrichtenabteilung dazu?“

„Nichts, leider sind die beiden Satelliten Spot 6 und Helios 6A in der Region gestört oder ausgefallen. Diese Satelliten fallen nicht mal eben so aus. Das kann nur bedeuten, dass sie gestört werden.“

„Diese verdammten amerikanischen Oberhacker, die haben das verursacht, die haben alles gestört,“ grummelte ein anderer Stabsoffizier.
„Nun mal langsam, das kann genauso dieser Sturm sein, der sich uns von Südwesten her nähert, oder können sie das ausschließen?“
„Nein natürlich nicht, aber dass alle Systeme auf einmal ausfallen, das ist schlicht unmöglich, Kapitän, das sind die Amerikaner!“

„Kapitän, irgendwann wird eine Trägergruppe hier aufkreuzen und gegen die haben wir keine Chance.“

„Herr Major, auch die Amerikaner können nicht fliegen, bis die hier sind, vergehen noch mindestens zwei Tage und bis dahin haben wir Tatsachen geschaffen und …“

Doch da schrillten bereits die Sirenen und vermeldeten Luftalarm.

Zwei amerikanische F/A-18E/F Super Hornet zogen in mittlerer Höhe an dem französischen Kampfverband vorbei. Ein klares Zeichen für alle Beteiligten. „Wir sind hier – hütet euch!“

„Soweit können die alleine nicht fliegen und das bedeutet, der Träger ist in Reichweite.“ Sagte der Ordonnanzoffizier zu seinem Kapitän.

Dieser antwortete nur leise „Merde.“

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Sie sind da

Ein starkes Funksignal durchbrach die Stille an Bord der Auvergne.

„Hier spricht Admiral Folkers an Bord der USS Theobald. Dieser Funkspruch ist an das französische Kampfgruppenkommando gerichtet, unter dem Kommando von Admiral Bridonnet an Bord der Auvergne.“

Alle Gesichter an Bord der Auvergne gingen zu dem Admiral und er errötete leicht.
„Verdammt die wissen genau über uns Bescheid.“, fluchte die Ordonnanz.
„Nur die Ruhe, im Internet ein paar Namen bei Wikipedia heraussuchen, das kann auch meine Nichte.“ brummelte der Admiral genervt.

„Sie sind in ein souveränes Gebiet eingedrungen und haben eine Insel des Staates Soulebda besetzt. Sie haben ein Marineschiff dieses souveränen Staates versenkt und ein anderes beschossen. Außerdem haben Sie gegen internationales Seerecht verstoßen, indem Sie Rettungs- und Bergungsmaßnahmen sabotierten. Durch Ihre Taten wurden bereits Unschuldige getötet.

Sie werden hiermit erst- und einmalig aufgefordert, sofort ihre Unternehmungen in diesem Gebiet einzustellen und sich sofort und vollständig binnen einer Stunde zurückzuziehen.

Wir sind von der UNO ermächtigt, in diesem Gebiet Machtmittel einzusetzen, die dies durchsetzen können. In wenigen Minuten können Sie die Bestätigung über ihre Funkwege erhalten. Ihre Funkfernschreiber und Satelliten funktionieren wieder.

Sie haben eine Stunde zur Einleitung des Rückzuges.

USS Theobald Ende.“

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Noch ehe die seltsamen Funkstörungen aufhörten, und die französischen Radargeräte wieder etwas erkannten, rauschte es draußen am Himmel und eine ganze Angriffsstaffel donnerte über ihnen am Himmel vorbei, die Soldaten meldeten, dass die Amerikaner voll bewaffnet wären, sie meinten es offenbar sehr ernst.

Dann knackte es im Funk und plötzlich wurden die Satellitenverbindungen der Franzosen wieder aktiv und die Daten liefen wieder ein. In der Kommunikationszentrale tickerten wieder die Fernschreiber.
Die Störungen im Radar verschwanden und plötzlich erscheinen weitere Objekte, eine zweite Kampfstaffel und die amerikanische Streitmacht auf See. In deren Mitte die USS Theobald.

Dann ratterten auch die Fernschreiber für die verschlüsselten Leitungen wieder los und die Internetdrucker warfen seitenweise Befehle aus.
Darunter war eine Priorität 1 Depesche der Admiralität in Paris.

+++ An den Kampfverband 4/1 Südsee, Soulebda +++
+++ Alle Kampfhandlungen sofort einstellen +++
+++ Truppen sammeln und geordneter, vollständiger Rückzug aus der Region +++
+++ Gezeichnet Admiralität +++

Der Admiral schaute zu seinen Stabsoffizieren. „Wieso in aller Welt haben wir von den Amis nichts mitbekommen, seit wann sind die hier?“

Da rannte ein junger Leutnant herein und schrie ganz außer sich „Mon General mon General die Brigalle, sie greift an, die Brigalle greift die Amerikaner an …“

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Wahnsinn

Wutentbrannt stand der Kapitän der Brigalle auf der Brücke und die Alarmglocke läutete noch. Gerade eben hatte er volle Kraft mit Kurs auf den ersten Zerstörer befohlen, der sich dem französischen Kontingent näherte. Die Brigalle war ein alter Zerstörer der Cassard-Klasse und für die Verbandsflugabwehr zuständig.

Seine Mannschaft war eine verschworene Truppe, sie waren bereits öfter durch Dick und dünn für ihren Kapitän gegangen und wieder standen sie an solch einem Scheideweg.

Der Kapitän hatte seine Mannschaft heiß gemacht und geschickt die Mannschaft bei ihrer Ehre gepackt.

„Die Engländer haben diese Insel aufgegeben, weil sie keine Ehre mehr haben, die Zeit des Empire ist doch längst vorbei und jetzt haben sie das auch endlich eingesehen. Wir aber werden wie immer zu unseren Kolonien stehen und ihnen in der schweren Anfangszeit helfen.

Dabei lassen wir uns doch von ein paar Australier und Neuseeländer doch nicht von abhalten. Das sind unsere Gebiete und wir werden sie sichern. Das müssen wir diesen Leuten klar machen.

Also, an die gesamte Mannschaft, wir gehen ins Gefecht, und machen ein für allemal klar, dass Frankreich nicht aufgibt.“
Der Kapitän blickte in die Gesichter seiner Offiziere und sah das Leuchten bei den meisten von ihnen.

„Gefechtsalarm! Die nehmen uns unsere neue Kolonien nicht weg, diese Amerikaner, das lasse ich nicht zu.“ Sein Erster Offizier besaß noch Kampferfahrung aus Guyana und stimmte seinem Kapitän zu.

Der Kapitän schaltete auf die Bordsprechanlage, jetzt war er überall auf dem Schiff zu hören.

„Alle herhören, hier spricht der Kapitän. Wir werden jetzt die Feinde angreifen und uns damit unsere neue Insel sichern. Die Briten haben diese Insel aufgegeben und wir haben sie ordnungsgemäß übernommen. Wir lassen sie uns nicht mehr wegnehmen.

Der Befehl lautet: „Angriff mit verbundenen Waffen, Ziel ist das feindliche Schiff auf 240 Grad, Wir haben Feuererlaubnis!“

Inzwischen hatten die Mannschaften alle ihre Gefechtsstationen bezogen und die Waffenanlagen waren hochgefahren. Die Brigalle war kampfbereit und das würde sie ihre Feine spüren lassen.

Der erste Offizier setzte die Befehle um und die Brigalle, eine älterer Zerstörer der Cassard-Klasse griff an. Einige der jüngeren Offiziere schauen mit offenen Mündern zu ihrem Kapitän, verstanden sie doch gerade die Welt nicht mehr.

In voller Fahrt zog die Brigalle eine mächtige Gischt Spur durch das Wasser und als die ersten beiden Exocet Raketen starteten, wussten alle an Bord, dass das kein Spiel mehr war.

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Die beiden Raketen trennen sich von der Startstufe, gingen wieder tiefer auf die Wasseroberfläche hinunter und rasten knapp über dem Wasser auf das amerikanische Schiff zu.

Deren Abwehrsysteme wurden aktiviert und die erste Rakete wurde weit vor dem Schiff zerstört, die zweite Rakete aber erst 400 Meter vor dem Einschlag durch das CIWIS Abwehrsystem der Nahbereichsverteidigung.

Der amerikanische Zerstörer drehte wieder ab und blieb in seinem Verteidigungssektor. Auf der Brücke standen der Kapitän und sein erster Offizier, dazu die Wachmannschaft sowie die diensthabenden Männer und Frauen.

Über Funk kam die Anweisung von der Auvergne „Brigalle – Angriff sofort stoppen, Umkehr zur Flotte, Kapitän sofort gefangen nehmen.“

„Von wegen, das könnte euch so gefallen, ich mache jetzt klaren Tisch …“

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Auf der Todesschatten

Seit einer Stunde hatten sie die französische Flotte vor sich. Sie hatten jedes der Schiffe identifiziert. Jetzt gerade ging die Sonaranlage die Ziele nochmals durch. „Kapitän, wir haben gerade die Brigalle im Sucher. Das ist noch eines der schönen alten Schiffe mit ihren hochdrehenden Propellern.“ Sagte der Wachoffizier.

„Ja, gut zu wissen, wir bleiben dran.“ Kapitän Tamar sah Beredin, wie der das Boot wie ein neues Auto streichelte. „Mann was ist das für ein Boot.“ Beredin streichelte gerade gefühlvoll eine der Konsolen.
„Früher mussten wir noch alles von Hand einstellen und noch extra die Mündungsklappen öffnen, die Torpedorohre bewässern, das ist heute alles anders geworden. Heute ist das ein Tastendruck. Das Boot ist ein einziger Computer. Manchmal glaube ich, das Ding hat eine eigene Seele und will kämpfen.“ Tamar lächelte Beredin an. „Ja, aber am meisten begeistert mich das neue Sonar, wir können unser Ziel direkt anpeilen und falls nötig, zielgerichtet anpingen und das so, dass die anderen Schiffe davon so gut wie gar nicht mitbekommen.“

Während die beiden technikverliebten Offiziere noch über das neue U-Boot sprachen, rief der Ortungsoffizier aufgeregt dazwischen. „Kapitän, die Brigalle, sie fährt volle Fahrt und hat den Kurs geändert, ich glaube, die will den Amerikaner angreifen.“

„Die Brigalle ist doch ein älterer leichter Zerstörer und ihr Ziel ist einer der modernsten amerikanischen Raketenzerstörer? Wenn die Amis wollen, zerlegen die das Schiff in Windeseile.“

„Ja, Kapitän, Moment bitte, ich glaube es nicht, Raketenstart, die haben eine, nein, die haben zwei Raketen gestartet, Kapitän?“

„Nur die Ruhe, mit den Exocet werden die Amerikaner alleine fertig, aber wir müssen den Franzosen klar machen, dass das nicht so geht. Wir spielen hier nicht Schiffe versenken. Zielpeilung auf die Brigalle. Machen Sie das Sonar klar für einen Einton Pinglauf mit voller Sendeleistung.“
„Kapitän, denen wird dann aber der Wein schlecht, wenn wir sie mit voller Leistung anpingen und die Amis bekommen auch mit, dass wir da sind.“

„Ja das ist das Ziel, das sollen auch alle mitbekommen, dass wir zuschlagen könnten, Sonar bereit?“

„Bereit Kapitän, volle Leistung verfügbar.“
„Mit Blick zu seinem Waffenoffizier sagte Kapitän Tamar: „Pingen Sie die Brigalle ein einziges mal mit voller Leistung gezielt an.“
„Verstanden Kapitän.“

Das Geräusch eines angreifenden U-Bootes, das mit aktivem Sonar seine Beute anpingt, kannte jeder Seemann. Auch wenn sie im Krieg nur passiv orten würden, hier galt es ein ganz anderes Signal zu setzen.

Aus dem unteren Bereich vorne am Bug der Todesschatten lief ein lautes Signal unter Wasser, zielgenau gerichtet auf die Brigalle zu und änderte bei Auftreffen auf das Schiff die Frequenz, der Ton des Echos änderte sich.

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Auf der Brigalle

Ehe der französische Kapitän etwas weiteres Dummes anordnen konnte, tönte aus dem Alarmlautsprecher ein lautes „P I I N N N N G“ durch die Kommandobrücke und der Sonarmeister schrie laut „Kapitän, Kapitän, wir wurden soeben angepeilt, ein U-Boot hat uns im Visier!“

„Kapitän das muss ein amerikanisches Jagd U-Boot sein, die versenken uns Kapitän!“
„U-Boot Abwehr, wo ist das verdammte U-Boot?“
„Kein Ziel, keine Ortung, Kapitän, die haben uns im Visier und wir sehen nichts.“

Der Kapitän wurde erstmals unsicher. Ein Feind, den er nicht sah, der aber auf sie lauerte, das war das Schlimmste, was ihm passieren konnte.

Auch alle Offiziere wussten, was ein Ping bedeutete, ein U-Boot hatte sich zu erkennen gegeben und sie wussten auch, dass sie das Ziel waren. Das Spiel war vorbei.
Jetzt endlich handelten die restlichen Offiziere.

Der Kapitän und sein erster Offizier wurden unter Arrest genommen und das Schiff änderte den Kurs, zurück zur Flotte und reduzierte die Geschwindigkeit, die Gefahr war gebannt. Alle Waffen wurden gesichert oder heruntergefahren und sie fuhren aus dem Gefahrenbereich des unsichtbaren Jägers.

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An Bord des amerikanischen Zerstörers fragte der Kapitän seinen ersten Offizier verwundert „Ich dachte, die Stiletto seit viel weiter südlich, noch bei dem Träger, aber wenn sie dort im Süden ist, wer hat da eben gepingt?“

„Kapitän, wer das auch immer war, er hat mit Sicherheit einen Krieg verhindert!“
Beide nicken sich stumm zu.

„Dann war es ein Freund, denke ich“ murmelte der Kapitän und der erste Offizier nickte erneut. „Kapitän, wir sollten dennoch die Sonarwachen verstärken.“ „Ja veranlassen Sie das.“

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Auf der Todesschatten

An Bord des israelischen Bootes fragt der Kapitän den Sonaroffizier „Wo ist das andere U-Boot?“
„Über 75 Meilen südlich von uns Kapitän.“
„Machen die Franzosen etwas dummes?“

„Nein Sir, die haben begriffen, was ihnen blüht. Der durchgedrehte Franzose nimmt Fahrt weg und ändert den Kurs zurück zur Flotte, ich denke, die haben die Lage wieder unter Kontrolle.“
„Gut, neuer Kurs Nord, bringen Sie uns leise weg von hier.“

Lautlos schlich sich ein stählernes Ungetüm unentdeckt aus dem Kampfgebiet, es hatte soeben mit einem einzigen Ping Hunderte, wenn nicht Tausende Menschen gerettet.

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Die USS Theobald nahm Kurs Richtung Souledba, 400 Meilen vor der Küste kreuzt sie und sicherte die Region.

Ihre Grumman Hawkeye Radarüberwachungsflugzeuge behielten die Luft Lage im Blick und die Patrouillenflüge der Super Hornet sorgten für Klarheit in der Luft.

Im Lagezentrum, tief im Schiff, waren die Kapitäne und Kommandeure der anderen Schiffe beisammen und erhielten die neusten Daten und Berichte.

Sie erfuhren von dem Angriff des Franzosen und dem rätselhaften Ping aus der Tiefe, der den Franzosen schlagartig klar machte, dass Schiffe nur Ziele auf dem Wasser waren.

„Die britischen Seestreitkräfte haben sich zurückgezogen, Hawk Eye meldet, dass sie tatsächlich heimwärts fahren. Die Franzosen haben sich ihnen angeschlossen, sie fahren aber einen deutlich anderen Kurs, um sie nicht zu treffen. Soweit die See Lage.“

Damit übergab er an den CAG. Der Commander Air Group zeigte die aktuellen Radarbilder über Soulebda.

„Wie Sie sehen können, befinden sich im Norden und Osten noch vereinzelte Luftfahrzeuge. Wir verzeichnen eine Aktivität an scheinbaren Linienflügen, die alle mit gefälschten Flugdaten unterwegs sind. Ihr Ziel ist Soulebda. Bisher haben wir 12 Flüge mit 4 Herkules Maschinen erfasst, und unsere Auswerter haben folgendes herausgefunden:

Die vier Maschinen gehören zu einer gecharterten Linie und sie werden regelmäßig für schwarze Flüge ausgeliehen. Diese hier“, und der CAG zeigte Luftaufnahmen der Maschinen, die mit Überwachungstechnik erfasst wurden, „diese vier fliegen nachweislich für Mc. Allister, demnach ist er noch auf der Insel und aktiv.“
Damit übergab er an den Mann der Nachrichtenabteilung.

„Meine Damen meine Herren folgendes zur Situation: Mc. Allister ist auf der Insel, das wissen wir durch die aufgefangenen Funksprüche, wir haben sie entschlüsselt, er ist da.

Wir vermuten, eine Aktion vielleicht die Infiltration des Präsidenten oder ähnliches, haben aber noch keine Beweise.

Mc. Allister ist berüchtigt, dass er über Hunderte Leben geht, um seine Ziele zu erreichen, und dass er dabei rücksichtslos ist.

Bisher durften wir noch nicht aktiv werden, aber seit der Freigabe durch unseren Präsidenten und das UNO Schutzmandat dürfen wir endlich aktiv werden.

Unsere Leute sind inzwischen auch auf der Insel und haben Kontakt mit der Präsidentengattin aufgenommen, da sie ja die eigentliche Machthaberin ist, denn hier herrscht das Matriarchat.“

Der Admiral erhob sich und sprach:

„Danke allen Beteiligten, wir können von hier aus nicht aktiv an Land eingreifen und haben dafür auch kein Mandat. Alle Luft See und Unterseeaktivitäten kontrollieren wir von hier aus und wir haben inzwischen auch Kenntnis, wer das geheimnisvolle U-Boot war, das uns bei den Franzosen half. Soviel nur, es waren gute Freunde!“

Ein leises Raunen ging durch den Raum. „Bitte keine Mutmaßungen, kommen wir nun zu den aktuellen Befehlen:“

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Währenddessen im Palast.

„Guten Abend Herr Präsident.“ Sheramoh ai Youhaahb, der Herrliche fühlte den kalten Stahl einer Waffe an seinem Kopf. Er sah die Verräterin Helfana, wie sie sich in einem bequemen Lederstuhl räkelte und ein paar dunkle Gestalten im Hintergrund.

Da trat ein Mann mit einer Waffe ins das Licht.

„Ehe Sie einen sehr dummen Fehler begehen, seien Sie versichert, dass wir sie nicht zwingend brauchen, also sollten Sie sich gut überlegen, ob es sich lohnt, so schnell und verfrüht, vollkommen sinnlos zu sterben.
Ihre Taten sprechen für Sie und sie können prima aus diesen Zimmern regieren ob man sie sieht oder nicht. Sie verstehen mich doch oder?
Ja oder nein?“

„Was wollen Sie von mir?“
„Falsche Antwort, bringt mir die Kleine!“

Zwei Wachen brachten eine geknebelte junge Frau herein, es war die jüngere Schwester des Präsidenten, sie schleifen sie direkt vor den Präsidenten und den Mann mit der Waffe. Zwei Helfer trugen ein Kunststoff-Becken herein, in das die gefesselte Frau mit Gewalt hineingesetzt wurde. Die beiden Helfer hielten die Frau mit eisernem Griff an den Armen fest in der Wanne gefangen.

Der Mann steckt seine Waffe weg und zog eine schwere Machete hervor.

„Ich bin Conner Mc. Allister und ich habe hier auf Soulebda die absolute Macht über Leben und Tod. Und das beweise ich ihnen jetzt.“ Während die gefesselte Frau zu wimmern versuchte, holte Mc. Allister mit der Machete weit aus. Kraftvoll schlug er die Machete direkt und mit voller Gewalt in den Schädel der jungen Frau.
Die Machete spaltete den Kopf der Frau und kam erst auf Brusthöhe zum Stillstand. Zuckend und blutend fiel die Frau im Kunststoff-Becken um und blutete. Schrecklich blutend und zuckend starb sie in der Wanne.
Als Ruhe eingekehrt war, schaute Mc. Allister den Präsidenten fragend an. „Na, haben Sie mich verstanden? Ja oder nein?“ Fragte Mc. Allister eiskalt.

„Ja – ich habe Sie verstanden…… Sir“ sagte der Präsident hasserfüllt und seine Knöchel färbten sich weiß.
„Prima, jetzt, da ich Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit habe, erkläre ich Ihnen ihr weiteres Leben. Sollten Sie etwas nicht nach meinen Wünschen tun, gehe ich ihren Familienstammbaum der Reihe nach durch. Haben wir uns verstanden?“

„Ja – ich habe Sie verstanden…… Sir.“ Sagt der Präsident.
„Sie lernen schnell, Ok also dann lassen Sie mich die Prozedur erklären!“

**

Binnen weniger Stunden wurde es auf Soulebda unruhig. Auf dem internationalen Flughafen unterhalb der Hauptstadt fuhr Militär vor und stellte weiträumig Geräte zur Luftsicherung auf. Diese Geräte waren eindeutig britischer Herkunft.
Dazwischen waren auch mobile Rapier Raketensysteme. Keiner der Angestellten wusste, woher die Waffen plötzlich kamen und keiner fragt nach, was die fremden Bedienmannschaften sollen.

Ein junger Leutnant hatte vor einer Stunde diesen Fehler begangen und nun steckte sein Kopf auf einer Lanze hinter dem Palast, dort, wo bereits Hunderte Köpfe auf langen Lanzen steckten. Seither interessierte sich keiner der Soldaten mehr, was da genau vor sich ging.

Als Nächstes wurden die drei Häfen gesperrt und die Hafenkommandantur wurde in die Hände einiger unbekannter Zivilisten gegeben. Auch hier wurden keine Fragen gestellt.
Ausländischen Schiffen wurde plötzlich die Ausreise verweigert mit der Begründung, dass die Besatzung eine Krankheit hätte und erst gesunden müsse. Gleichzeitig wurde ihnen unter Strafandrohung verboten das Schiff zu verlassen.

Anlaufenden Schiffen wurde das Anlegen verweigert, ausgenommen waren britische Frachter, die plötzlich von überall alle hier ankamen.

Als Begründung für die Verweigerung wurden hygienische Kontrollen genannt.
Tatsächlich hatten die Kontrolleure an zwei verschiedenen Schiffen tote Ratten und Ungeziefer sichergestellt.
Schließlich wurde der staatliche Rundfunksender stillgelegt, wegen wichtiger Wartungsarbeiten und die Antennendrähte wurden abgenommen.

Durch einen seltsamen Brand ging die Spannungsverteileranlage der Satellitenstation nahe Po’Tau in Flammen auf, als Ursache wurde unsachgemäßer Umgang mit Treibstoffen angegeben.

Die Internet Transfer Station, die über eine eigene Satellitenanlage verfügte, wurde von fremden Zivilisten besetzt.
Und danach begannen überall in der Stadt die Festnahmen.
Es fuhren dann immer zwei Jeeps in Begleitung von zwei LKW und einem Kastenwagen ohne Fenster vor. An dem Haus, das überprüft wurde sprangen Uniformierte Truppen in Begleitung von Zivilisten aus den Fahrzeugen und drangen in die Häuser ein.

Sie kannten kein Pardon und zerrten alle Männer des Hauses gefesselt in den Kastenwagen und dann fuhr der kleine Konvoi los.
Hunderte solcher Konvois fuhren durch die Stadt. Es war eine richtige Säuberungswelle.
Die ersten hundert Männer wurden gesammelt und danach abgeführt und verschwanden im Wald in Begleitung eines bewaffneten Kommandos. Die Gefangenen Männer tauchten nicht wieder auf.
Bei den folgenden Säuberungsaktionen gingen die Häuser, Hütten und diverse Lager, in Flammen auf und es schienen plötzlich viele Menschen durch spontane Selbstentzündung zu verbrennen.

Systematisch wurde die Stadt gesäubert. Alle wichtigen Menschen wurden ausgetauscht oder gefangengenommen. Ganze Familien verschwanden so.

In ganz Soulebda Stadt breitete sich die Angst aus. Wer zuviel wissen wollte, oder etwas Falsches fragte, der fehlte binnen kurzer Zeit.

Die Menschen wurden unsicher und trauten sich nicht mehr aus den Häusern, es herrschte die pure Angst. Die Stammeskrieger sah man nicht mehr in der Stadt und viele Soldaten wurden entwaffnet und folgten den anderen Gefangenen in den Wald, wo sie verschwanden.
Längst war den Menschen klar geworden, was mit den Gefangenen im Wald geschah, sie wurden umgebracht und in Massengräber verscharrt.

**

Währenddessen im Arbeitszimmer des Präsidenten

„Jaaa, härter, tiefer….. fester….. noch viel fester…. Jaaaaaaaaaa. Noch tiefer und viel fester….Jaaaaaaaa… ich will mehr von dir, härter…. Jaaaaaaa….“ Schrie Helfana sie krallte sich mit ihren Fingernägeln in die Haut des Mannes, der sie gerade brutal und äußerst hart nahm. Mc. Allister gab ihr genau das, was sie brauchte. Helfana schrie so laut, wie sie konnte und die Schreie blieben nicht in den Privaträumen des Präsidenten.
Die Wachen vor den Privatgemächern zogen die Köpfe ein und schämten sich. Da drinnen war ihr Präsident offensichtlich gerade dabei es Helfana so richtig hart zu besorgen. Das dachten sie natürlich, doch tatsächlich war Mc. Allister dabei Helfana all das zu geben, was sie forderte und zwar so hart, wie er nur konnte.
Schließlich band er sie zwischen zwei Bettpfosten fest und begann sie auszupeitschen, so richtig hart, genauso, wie sie es verlangte.

Anschließend löste Mc. Allister die Fesseln und warf Helfana auf das Bett und machte sich erneut über sie her und der im Sessel gefesselte Präsident musste alles mit ansehen, unfähig auch nur einen Ton zu sagen.
Die Wachen vor den Gemächern schämten sich immer mehr wegen dem Geschrei von Helfana und der Gewalt, die diese beiden Menschen da so lustvoll durchlebten. Ab und zu huschte einer der Palastschergen vorbei und hoffte, dass sich die Türe nicht öffnete. Allzu oft war bereits eine junge Dienerin in den Gemächern des Präsidenten verschwunden und auch sie hatten alle geschrien.
Im Inneren der Gemächer löste Mc. Allister Helfana von den Bettpfosten und band sie auf dem Bauch liegend in das Bett, nahm sie erneut und peitschte sie dann erneut hart aus. Auch dabei schrie Helfana so laut, dass die Wachen vor den Gemächern versuchten wegzusehen und sich schämten. Irgendwann wurde auch Helfana leiser, offenbar hatte sie endlich alles so bekommen, wie sie es verlangt hatte.
Was von ihren Schreien alles Lustschreie und was Schmerzschreie waren, das wollten die Wachen gar nicht wissen, sie waren nur froh, als es endlich vorbei war. Helfana galt als äußerst schmerzgeil und von ihrem sadistischen Präsident wussten ja alle, worauf er stand.

Endlich kehrte in den Privatgemächern etwas Ruhe ein.
Als Helfana schließlich erschöpft und verkrümmt mit Peitschenhieben übersät da lag, rief sie ein letztes Mal „Jaaaaahhhh, das war herrlich!“

Da kam bereits Mc. Allister auf den im Sessel gebundenen Präsidenten zu und zog er sich bewusst langsam die Hosen an. Dabei grinste er über sein breites britisches Gesicht.
„Was glauben Sie wohl, was denken Ihre Wachen da draußen? Glauben Sie, dass da auch nur einer von denen stören würde? Von ihren Wachen hat kein einziger die Eier auch nur anzuklopfen.“ Laut lachend band er Helfana los. Dabei ließ er den Präsidenten keinen Moment aus den Augen.
„Hmmmmmpffff“ und der Präsident schüttelt nur den Kopf. Was für eine Schmach, in den eigenen Wänden des Palastes von Fremden bezwungen und dann so erniedrigt zu werden. Mc. Allister lachte ihn aus.

Helfana stand schweißgebadet auf und ging auf ihren Präsidenten zu. Dort vor ihm stehend, griff sich in den Schritt und schmierte dem Präsidenten etwas ins Gesicht.

Mc. Allister lachte dabei und die Wachen grinsen breit. Dann zog sich Helfana in das Bad zurück und schloss die Tür.

„Ich mach mich jetzt sauber.“ Dabei lachte sie laut als sie das Wasser der Dusche aufdrehte.
Der Präsident schämte sich vor sich selbst. Was für eine Schmach …

**

Als Mc. Allister frisch gewaschen wieder vor dem gefangenen Präsidenten stand, schaute er in einen tiefschwarzen Abgrund voller Hass.
„Gut, das gefällt mir, Sie haben die Kraft mich zu hassen, das ist gut so, dann habe ich Ihre Aufmerksamkeit ja noch und wir können zu den weiteren Fragen kommen. Bringt mir die Nächste aus dem Stammbaum!“
Eine weitere junge Frau wurde geknebelt hereingeschleppt und in die Plastikwanne gesetzt. Es war Sheramoh’s Lieblingsschwester, die kleine Lin’hoh.